Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 1. Apr 2018, 17:43

Perfektion? - Aus Fehlern wird man klug! - Teil 1: Das menschliche Auge und EHEC im Lichte der Evolutionsforschung

Oft ist einer nicht genug. Statistisch sollten also jene am klügsten sein, die die meisten Fehler gemacht haben. Zumindest - und das ist wohl korrekter formuliert - sollten wir uns in bestimmten Situationen um so besser verhalten, je mehr Fehler wir bisher gemacht haben.
Evolutionsbiologisch haben Fehler jedoch eine ganz andere Bedeutung: Sie sind notwendig.
When we no longer look at an organic being as a savage looks at a ship, as at something wholly beyond his comprehension; when we regard every production of nature as one which has had a history; when we contemplate every complex structure and instinct as the summing up of many contrivances, each useful to the possessor, nearly in the same way as when we look at any great mechanical invention as the summing up of the labour, the experience, the reason, and even the blunders of numerous workmen; when we thus view each organic being, how far more interesting, I speak from experience, will the study of natural history become!
- Charles Darwin: On the Origin of Species, 1856

Übersetzung des letzten Teils nach H. G. Bronn, 1867: "(...) wenn wir jede “grosse mechanische Erfindung als das Product der vereinten Arbeit, Erfahrung, Beurtheilung und selbst Fehler zahlreicher Arbeiter ansehen, wenn wir jedes organische Wesen auf diese Weise betrachten: wie viel ansprechender (ich rede aus Erfahrung) wird das Studium der Naturgeschichte werden!"

Großartiger Gedanke: Die Summe all dessen, was heutige Lebewesen ausmacht, ist auch die Summe all der Fehler, die dazu geführt haben.


Topographische Bilder von Kolonien von E. coli O157:H7 (A) 43895OW (nicht curli-produzierend) und (B) 43895OR (curli-produzierend) auf Agar (48 h bei 28 °C)


Bei Diskussionen mit Kreationisten tauchen immer wieder die gleichen Argumente auf. Ein sehr beliebtes ist das menschliche Auge. Zu Darwins Zeiten wirkte es so perfekt, dass es unmöglich natürlich entstanden sein konnte. Deshalb wurde es gerne als Beispiel dafür aufgeführt, dass doch ein Designer hinter dem Auge stecken müsste. Doch dann stellte sich heraus, dass all die Übergangsformen, die zu dem heutigen Auge geführt haben könnten (Augen mit anderen Linsen, Augen ohne Linsen, Augen ohne Iris, Augen ohne Glaskörper, Augen ohne Netzhaut, und Augen ohne Hohlraum, um nur einige Fälle zu nennen), immer noch in anderen Tieren existierten. Es geht also doch, unperfekt zu sehen.
Dabei ist auch unser Auge alles andere als perfekt. Blutgefäße laufen auf der Netzhaut entlang, was die Sichtqualität einschränken und bei möglichen Verletzungen der Gefäße zu extremer Sehschwäche führen kann. Aber nicht nur Blutgefäße, sondern auch alle möglichen Arten von Zellen liegen zwischen dem einfallenden Licht und der Netzhaut. Ganglienzellen, Amakrinzellen, und andere Nervenzellen müssen erst überwunden werden bevor das Licht registriert wird, denn beim Menschen und anderen Wirbeltieren liegen die Photorezeptoren dahinter (nicht wie zum Beispiel bei Kraken vor den Nervenzellen, siehe Abbildung).
Das führt zu einem nächsten Fehler: den blinden Fleck - es gibt tatsächlich einen Bereich, bei dem wir gar nichts sehen. Bedenkt man dann noch, dass das Bild was wir sehen eigentlich auf dem Kopf steht und erst unser Gehirn es wieder richtig dreht, dann fällt es einem schwer noch von Perfektion zu reden.

Schematische Darstellung eines Auges vom Menschen (links) und eines Kraken (rechts). 4 ist der nur beim Menschen zu findende Blinde Fleck, 1 die Netzhaut und 2 die Nervenfasern. (1 und 2 sind bei dieser von Wikipedia stammenden Illustration beim Kraken vertauscht.)

Fehler wie beim Auge lassen sich aber erklären, wenn man nachverfolgt, wie sich das Auge evolutionsbiologisch wahrscheinlich entwickelt hat. Eine Anpassung kann schließlich nur auf Vorhandenem aufbauen. Um einen vorherigen Fehler wieder gut zu machen, ist es unendlich viel schwieriger, alles noch einmal zu wiederholen. Einfacher ist es den Fehler zu reparieren, wie zum Beispiel das Tapetum lucidum das bei nachtaktiven Tieren getan hat (das Tapetum ist der Grund für die bunten Augen von Hunden und Katzen auf Fotos). Damit möglichst viele Informationen aus dem einfallenden Licht gewonnen werden können, wird hinter der Netzhaut das Licht einfach reflektiert und noch einmal durch alle Photozellen geleitet. Das Tapetum ist dabei aber lediglich eine Ergänzung. Der umständliche Weg zur Netzhaut bleibt bestehen.
Fehler sind vielleicht überall in der natürlichen Welt zu finden, aber warum sind sie in der Evolution sogar notwendig?

Die vielleicht simpelste Form eines Fehlers ist der Lesefehler. DNA wird von Enzymen abgelesen, den sogenannten DNA Polymerasen, die ab und zu die falschen Nukleotide in die kopierte DNA einbauen. Schlimmer noch, es könnten auch zu viele oder zu wenige Basenpaare hinzugefügt werden. Das ergäbe nicht nur einen kleinen, vielleicht sogar vernachlässigbaren Fehler, sondern verändert die ganze nachfolgende Bedeutung eines Gens. Beispielhaft könnte man sagen, dass der Satz “Wieviel Holz fällt ein Holzfäller?” durch einfügen eines zufälligen neuen Buchstabens zu “Wieviet Lhol zfäll tei Nholzfälle r?” Bei dem genetischen Rezept für rote Blutkörperchen zum Beispiel wäre es fatal, wenn hinterher nicht das herauskommt, was eigentlich soll (Einem Holzfäller könnte dann nämlich schnell die Puste ausgehen.) All solche Fehler werden in der Regel durch andere Enzyme ausgebessert, aber manchmal entgeht selbst diesen molekularen Polizisten der eine oder andere Patzer. Das ist die Geburtsstunde einer Mutation. Ist die Mutation erst einmal in der DNA drin, wird sie von einer Zellgeneration zur nächsten weiter gegeben. Entstehen solche Mutationen in Zellen, aus denen Geschlechtszellen werden, können die Mutationen auch an Nachkommen dieser Mutationsträger weiter gegeben werden. So funktioniert schon ein wesentlicher Bestandteil evolutionärer Prozesse - und zwar nur wegen einem "kleinen" Lesefehler.

Aber damit nicht genug. Passiert dieser kleine Fehler in einem Gen, das eigentlich die Enzyme produziert, die die DNA-Replikation auf Fehler kontrollieren sollen, können sich Fehler erstaunlich schnell anhäufen. In vielen Fällen entstehen so Krebsgeschwüre. Über evolutionsbiologisch relevante Zeiträume allerdings bedeutet das eine erstaunliche Möglichkeit für Veränderungen im Erbgut von Lebewesen. Relevant wird so ein Fehler dann, wenn entsprechend starker Selektionsdruck auf einem Individuum lastet. Escherichia coli (momentan besser bekannt als EHEC) zum Beispiel ist ein Bakterium, welches in vielen Fällen mit Antibiotika bekämpft wird. Viel stärkeren Druck kann so ein Lebewesen gar nicht haben. Für das Bakterium geht es um Leben und Tod. Entwickelt es nun eine hohe Vielfalt an Mutationen, erhöht sich die Chance dass irgendetwas dabei rum kommt, was doch etwas resistenter ist. Bei einem Genom von ca. 4 Millionen Basenpaaren und einer geschätzten Mutationsrate von einem Fehler pro einer Milliarde Nukleotiden, bedeutet das, dass ungefähr 1% aller neuen E. coli-Bakterien eine Mutation haben, die sie von ihrer "Mutter" abheben. So klein die Zahlen erscheinen, bei Zellen die sich alle paar Stunden vermehren, entwickeln sich so schnell neue Varianten.

Das Leben ist also eine Reihe erfolgreicher Fehler.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 3. Apr 2018, 20:44

Perfektion? - Aus Fehlern wird man klug! - Teil 2: Was beta-globin über Artverwandtschaften verrät

Fehler sind aber nicht nur einer der Hauptmotoren der Evolution, gleichzeitig sind sie auch ein unheimlich wertvolles Werkzeug für Evolutionsbiologen, um der Verwandtschaft von Arten auf die Schliche zu kommen. Haben unterschiedliche Arten die gleichen "Fehler" in ihrer DNA, ist es wahrscheinlich, dass sie auch den gleichen Vorfahren haben (wie in Vitamin C - Fehlende Synthetisierung als Selektionsvorteil bereits erläutert). Genauso wie zwei Schüler wahrscheinlich voneinander (oder von einer gleichen Quelle) abgeschrieben haben, wenn sie die gleichen Wörter irgendwo gleich falsch geschrieben haben, lässt sich mit Hilfe von Fehlern in der DNA der Ursprung eines Fehlers bestimmen. Ein klassisches Beispiel ist Hämoglobin. Nicht nur Holzfäller sind auf den Sauerstofftransport im Blut angewiesen, und ohne Hämoglobin, der rote Farbstoff in unseren Venen und Arterien, kommt Sauerstoff nicht dort an, wo er gebraucht wird. Das Protein beta-globin ist dabei ein wesentlicher Bestandteil. Fünf Gene kodieren dafür, dass es produziert wird. Schaut man aber genauer, findet man noch ein weiteres, ein sechstes Gen inmitten der anderen fünf, das auf Grund von Fehlern schlicht gar nichts mehr produziert. Hier handelt es sich nicht um einen kleinen Fehler von einem verwechselten Basenpaar, sondern um viele Fehler - darunter vertauschte Basenpaare, die nun für andere Aminosäuren kodieren, und gelöschte Basen, durch die der nachfolgende Strang völlig seine ursprüngliche Bedeutung verliert. Ansonsten ist dieses sechste Gen so wie seine anderen fünf funktionsfähigen "Brüder" aufgebaut.


Struktur des HBB-Proteins (Bestandteil des β-Globin)


Nun, jeder einzige dieser Fehler findet sich aber nicht nur beim Menschen, sondern auch noch woanders ... in Schimpansen und Gorillas ist dieses Gen genauso fehlerhaft vorhanden wie bei uns. Die einfachste - und wahrscheinlichste - Erklärung dafür ist, dass wir alle einen gemeinsamen Vorfahren hatten, der auch nicht unbedingt ein völlig funktionsfähiges sechstes beta-globin Gen hat. So kann man an Hand von Fehlern in unserer DNA Schlüsse über Verwandtschaft ziehen. Und DNA hat noch weit mehr Gene, die alle Fragmente von längst vergessenen Fehlern beinhalten.

Mutationen zu kriegen ist einfach, wir alle kommen mit einer auf die Welt. Viel schwieriger ist es, welche zu bekommen, die uns auch gleich einen Vorteil bieten, denn im Großteil der Fälle führen sie eher zu Problemen. Doch ohne sie gäbe es nicht so viel Vielfalt in der Welt. Ohne Fehler würde Selektion nicht stattfinden können.

Sollten wir nun möglichst viele Fehler machen? Nein. Den irrsinnigen Gedanken, ein evolutionsbiologisches Konzept, dass auf die Artentwicklung über hunderte, ja tausende Generationen stattfindet, auf einzelne Individuen in sozialen Strukturen anzuwenden ist Blödsinn. Individuen evolvieren nicht! Daher funktioniert auch kein Sozialdarwinismus, der so wenig Darwinismus ist, wie Koalabären echte Bären sind.
So viele Fehler wie möglich zu machen, um am Ende irgendwas positives zu erhalten ist, kurz gesagt, dumm. Man bedenke nur, dass viele Fehler in Sackgassen führen. Auch in der Natur. Und mancher Fehler lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Selbstverständlich kann ein solches Konzept in Schulen aber angewandt werden, um die Schüler durch Fehler selbst auf Problemlösungen aufmerksam zu machen. Aus Fehlern kann man also dennoch klug werden.

Positive Mutationen in einem Genom sind aber etwa so selten wie sechs Richtige im Lotto (mit Zusatzzahl). Ein Fehler, der uns Lernwillige zu einer einfacheren, besseren Lösung eines Problems verhilft, kommt da schon wesentlich häufiger vor. Unser größter Vorteil ist, dass wir dem nachhelfen können, indem wir bewusst mit Fehlern umgehen, und nicht um jeden Preis versuchen, sie zu verhindern. Denn dabei lernen wir ganz sicher nichts.

Das menschliche Leben ist also die positive Ausbeute aus einer Reihe von erfolgreichen Fehlern.

Weitere Informationen:

A molecular and evolutionary study of the beta-globin gene family of the Australian marsupial Sminthopsis crassicaudata.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8752008

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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 15. Apr 2018, 22:03

Rezension: Fragen junger Leute: Schöpfung oder Evolution?

Auf der Webseite jw.org gibt es eine Rubrik Teenager, in der speziell auf Jugendliche zugeschnitte Artikel, Ratschläge und Videos veröffentlicht werden. Thematisch sortiert geht er auf zahlreiche Lebensbereiche ein, so zum Beispiel "Schule", wo natürlich auch die Evolutionstheorie aufgegriffen wird. In 4 aufeinanderfolgenden Artikeln werden folgende Fragen erörtert: Was spricht für einen Glauben an Gott? Was spricht gegen die Evolution? Was spricht für die Schöpfung? Wie kann ich erklären, warum ich an die Schöpfung glaube?
Wie unschwer zu erkennen ist, sind die Fragen bereits tendenziös gestellt und zeigen bereits vorab, in welche Richtung es gehen muss. Wohin denn auch sonst? Sind Zeugen Jehovas doch von der Schöpfung durch einen allmächtigen Gott überzeugt.

Schöpfung oder Evolution? - Teil 1: Was spricht für den Glauben an Gott?

Die einleitenden Sätze implizieren eine Übermacht der Evolutionsgläubigen, die es laut dem Eintrag "Das Vorrücken der Kreationisten" und den hießigen Fußnoten nicht gibt (#1, #2, #3). Richtig ist, dass auf beiden Seiten viel nachgeplappert wird, ohne selbst zu reflektieren oder recherchieren.



Laut Römer 12:1 soll der eigene Verstand gebraucht werden, um nicht einfach den Glauben der Eltern oder des Umfelds zu übernehmen oder einem Bauchgefühl zu folgen. Grundsätzlich kann ich diese Aussage nur unterstützen, da eigenes Denken und kritisches Hinterfragen voranbringt. Allerdings formt ein jeder seine Umgebung, so wie er von ihr geformt wird. Eine gänzlich unabhängige Meinung wird also niemand ausformen. Schon der Eunuch in Apostelgeschichte 8:26 - 40 antwortet auf die Frage des Philippus, ob er die Worte der heiligen Schriftrollen verstehe: "Wie könnte ich es denn je, wenn mich nicht jemand anleitet?" (Apostelgeschichte 8:31). Und da ist die Krux, denn um einem Glaubensmodell zu folgen, bin ich faktisch gezwungen, bestimmte Glaubenssätze einfach anzunehmen, um überhaupt innerhalb der Glaubensgemeinschaft aufgenommen zu werden. Freiheitliches Denken ist also von Vornherein nur eingeschränkt möglich. In der Wissenschaft könnte ich dagegen jeden Schritt des Erkenntnisgewinns nachvollziehen und selbst meine Schlüsse ziehen. In der Bibel stoppt man spätestens bei den Wundern, da diese auch in der Ewigkeit nicht zu beweisen sind, da sie per Definition den naturwissenschaftlichen Kenntnissen widersprechen und in der Regel einmalig auftraten. Hier ist Glauben unabdingbar, ja sogar zu gewissen Teilen nicht anders möglich als blind. Hier ist Glauben synomym mit "nicht zweifeln dürfen".

Bei einem dicken Buch, wie der Bibel oder aber bei einer so umfangreichen Theorie, wie der die die Evolution beschreibt, ist es eigentlich auch nicht zu erwarten, dass man ganz ohne Erklärung von außen, selbst alle Verknüpfungen legen kann.

Da der Glaube an eine Schöpfung (ein eben solch übernatürliches Wunder) unmittelbar an einen Glauben an Gott geknüpft ist, soll man erstmal das dort hinterlegte Arbeitsblatt "Darum glaube ich an Gott ..." (PDF) durcharbeiten, um mit den vorgefertigten und zielgerichteten Fragen zu einer "unabhängigen" Überzeugung zu gelangen. Alle dort verlinkten Bibelstellen sind wieder poetische Fassungen des kosmologischen Gottesbeweises, der Gott voraussetzt, aber nicht durch Logikschlüsse "beweist". Die Aussagen der Jugendlichen sind dann eigentlich nur noch eine Fortsetzung der Bibeltexte.

Der Trugschluss, dass die mathematische Präzision die Zufälligkeit der Evolution ausschließe, wie der zitierte Anthony behauptet, baut darauf auf, Wissenschaften getrennt zu betrachten. Aber alles baut aufeinander auf. Mathematik stellt das Grundgerüst der Physik, der Beschreibung der Energiezustände und der Kräfte. Diese ist wiederrum Grundlage aller chemischen Prozesse. Biologie ist aber wiederum ein Teilbereich der organischen Chemie. Wenn also das Universum so mathematisch präzise ist, so ist die Evolutionsbiologie ein zwangsläufiges Ereignis und kein Wunder. Ein schöpferischer Akt wird nur in einem Universum benötigt, das offenbar nicht für Leben ausgerichtet ist.

Der Verweis, dass viele intelligente Leute an Gott und die Schöpfung glauben, soll die eigene Überzeugung stärken, in der völligen Verkennung, dass die Mehrheit der sachkundigen Wissenschaftler eben doch die Evolutionstheorie als Erklärungsmodell bevorzugen und durch teils selbst erarbeitete Erkenntnisse bestätigt sehen. Schlussendlich ist die Frage nach Gott höchst persönlich und wenig empirisch oder evidenzbasiert. Denn die Frage, wie viele Forscher auch an Gott glauben, ist so aussagekräftig, wie die Zahl der Ärzte, die wissen, dass Rauchen schädlich ist und dennoch rauchen.

Ein anderer Verweis zeigt auf, dass Leben immer nur aus Leben entsteht und für diese spontane, zufällige Entstehung kein Nachweis vorliegt. Für das Eingreifen eines Gottes zwar auch nicht, aber das müssen wir mit dem Vermerk auf den Glauben ignorieren. Chemiker und Biologen stehen tatsächlich vor dem Rätsel, wie Leben aus unbelebter Materie wurde (Abiogenese). Das heißt aber nicht, dass das Rätsel nicht lösbar wäre. Aus der Frage, warum Leid existiert, wenn Gott doch gütig ist, ein Bibelstudium zu beginnen, würde zumindest bei mir verfangen, da das Leid auf Erden auch ohne Gott erklärbar ist, da wir nunmal nicht auf einer menschgemachten Welt leben, sondern einem tektonisch aktiven Steinklumpen.

Teil 2: Was spricht gegen die Evolution?

Lehrer sind Menschen und unterliegen dem gewöhnlichen Durchschnitt. In den USA glauben die meisten Menschen an die Schöpfung, so eben auch die Lehrer. Eigentlich ein exzellentes Beispiel für Selektion: Denn Lehrer denken nicht anders als die Schulgemeinde, da Lehrer mit unliebsamen Ansichten im amerikanischen Schulsystem von gewählten Schulräten schnell eliminiert werden. Denn auch hier gibt es ebenso viele strikte Kreationisten wie draußen in der Bevölkerung: Vier von zehn Lehrern lehnen die Evolutionslehre ab. Sie müssen sie aber lehren, da die Schulbehörden staatlich organisiert sind. Doch die eigentliche Tragik ist, dass die verbleibenden 60 Prozent oft schon aus Unsicherheit, meist aber vor allem aus Angst vor dem Druck der Eltern das Thema Evolution im Biologieunterricht meist so schwammig präsentieren, dass den Schülern nur der Eindruck bleiben kann, es handele sich hier um etwas, das eher einer Meinung als einer wissenschaftlichen geprüften Theorie entspricht. Sie wird in den allerwenigsten Fällen als Fakt präsentiert - was ebenso falsch wäre - sondern von denen, die ein kreationistisches Weltbild vertreten, als Aufzwängen als solch ein Fakt empfunden.


Schematisch vereinfachte, aber in diesem Sinne fehlerhafte Darstellung der Entwicklung des Menschen auf affenähnlichen Vorfahren.

Daraufhin wird auf die Uneinigkeit in der Wissenschaftgemeinde bezüglich der Evolution verwiesen, obwohl sie schon seit Jahrzehnten erforscht wird. Es gibt trotzdem keine einheitliche Fassung, der alle zustimmen. Das sieht aber nur der als Kritikpunkt, der Wissenschaft nicht versteht. Diskurs und Kontroversen gehören dazu. Je komplexer ein zu untersuchender Sachverhalt - und Leben ist überaus komplex - desto länger und schwieriger ein Einigungsprozess, eben weil an ganz unterschiedlichen Stellen neue Erkenntnis gewonnen wird und das Feld sehr weit gefächert ist. So weit, dass es keiner mehr überblickt. Das man diesen Wissenschaftsapparat hinterfragen soll, ist sogar eine ausdrückliche Forderung eben diesen Apparates, denn nur so funktioniert deren Selbstreinigungsprozess, der am Ende des Tages, die Theorien aussiebt, die den Beobachtungen und Experimenten nicht standhalten können. Dieser Prozess wird in der Evolutionswissenschaft genauso angewandt, seit über 100 Jahren. Dies könnte ein kleiner Hinweis sein, warum sie trotz Widerstand immer noch existiert. Die Evolutionstheorie ist das Resultat eines dynamischen, sich selbst permanent hinterfragenden Apparats, den wir Wissenschaft nennen. Wenn sich alle einig wären und keiner hinterfragen würde, gäbe es keine Anreize neue Dinge herauszufinden. Die Wissenschaft lebt von der Debatte. Wenn Uneinigkeit wirklich ein Punkt zur Ablehnung einer Theorie wäre, so würde auch die Urknalltheorie die Bibel nicht stützen, da diese ebenso noch heute diskutiert wird.

Religionsgelehrte unterschiedlicher Coleur sind sich beim Thema Gott auch nicht einer Meinung. Allein das Christentum ist in zweitausend verschiedene Grüppchen zersplittert. Solche und ähnliche Glaubensfragen sind schon seit Jahrtausenden Gegenstand intensiver Forschung. Religionsgelehrte konnten sich auch mit dem Schwert bisher nicht auf eine Erklärung für Gott und das Leid auf Erden einigen, der alle zustimmen. Wenn sich also die Gelehrten nicht einig sind, warum soll ich Gott dann nicht auch hinterfragen?

Das Konstrukt der Evolutionstheorie(n) steht, es enthält die fünf Säulen der Mutation (lat. mutare "ändern, verwandeln"), Selektion (lat. selectio "Auswahl/Auslese"), Variation (lat. variare "verändern"), Adaption (lat. adaptare "anpassen") und des genetischen Drifts (in der Populationsgenetik eine zufällige Veränderung der Allelfrequenz innerhalb des Genpools einer Population). Irritierenderweise würde vermutlich auch eine Übereinkunft nicht von der Evolution überzeugen, da man dann wieder den Vorwurf des Dogmas einstreut. Man kann es also dem Gegner nicht recht machen.

Wie schon erörtet, ist in diesem Zusammenhang die Sinnsuche unbedeutend. Selbstverständlich hat es Einfluss auf meine Lebensführung, wie meine Weltanschauung aussieht. Aber die Realität kümmert das wenig. Ob ich Sinnhaftigkeit wünsche oder nicht, sagt nichts über die Richtigkeit der Evolutionstheorie aus.
Auch die kritischen Fragen ändern daran nichts: Den Urknall Gott in die Schuhe zu schieben, ist eine Behauptung, denn wir wissen konsequenterweise nicht, warum alles ins Dasein kam (ausführlicher im Eintrag "Was hat die Nacht mit dem Urknall zu tun?"). Die Frage nach der Abstammungsgeschichte des Menschen und der Komplexität von einfachen Lebensformen ist Forschungsgebiet verschiedener Wissenschaftszweige. Es mag Leute geben, die sich mit "Gott war's!" zufrieden geben. Aber einfach gar keine Fragen mehr stellen, als sich aktuell eingestehen zu müssen, dass man nicht oder nicht vollumfänglich antworten kann, ist keine Lösung.
Die Frage nach dem Intellekt versuchen Evolutionsforscher wie folgt zu beantworten: Kochen und Braten von proteinhaltiger Nahrung, hat dazu geführt, dass unsere "affenähnlichen" Vorfahren die Inhaltsstoffe besser aufspalten konnten. Dadurch wuchs das Hirnvolumen und es veränderte sich die Struktur. Gleichzeitig wurde weniger Nahrung benötigt, um den Körper zu versorgen. Ergo brauchte man auch weniger Zeit für die Nahrungssuche. Das Erhalten und Entfachen von Feuerstellen wurde essentiell und verlangte Intellekt. Der frühe Mensch wuchs also in seine Aufgabe hinein und hatte mehr Zeit, sich überhaupt über anderes als Futtern Gedanken zu machen.
Gerade die Übereinstimmung so komplexer Strukturen wie der DNA oder eingelagerten Bakterien und Viren gereicht dem Biologen ja zur Annahme, dass bestimmte Arten eine Verwandtschaft ausweisen, demnach logischerweise also einen gemeinsamen Vorfahren haben müssen.

Die darauffolgenden Fragen von Gwen, Jessica und Julia entspringen dann wieder nur dem Unverständnis, was der Urknall aussagt und wie organische Chemie sich von anderen Prozessen im Universum unterscheidet. Bereits die einfache Theorie, dass wir uns zu sozialen Tieren entwickelt haben, um als Gruppe besser zu überleben, erklärt viele moralische und soziale Aspekte unseres Lebens, ohne einen Gott anzunehmen. Denn es geht in der Evolution nicht um das Überleben des Stärkeren, gleichwohl ist Konkurrenz ein bestimmendes Moment.
Ich bin im Übrigen von der Richtigkeit der Evolutionstheorie nicht deshalb überzeugt, weil kluge Leute, sie vertreten, sondern weil sie allen wissenschaftlichen Tests und Fragestellungen der letzten 160 Jahre standgehalten hat. Weil sie wandelbar ist und neue Ergebnisse berücksichtigt. Weil sie kritisch untersucht wird, bereits innerhalb der Gruppe der sie Erforschenden.

Teil 3: Was spricht für die Schöpfung?

Um auf den Einwand einzugehen, natürlich hat Schöpfungsglaube nichts mit Gehirnwäsche oder Dummheit zu tun und natürlich muss sich kein Hass oder eine Feindschaft auf die Wissenschaft daraus ableiten. Aber im Grunde sind diese Argumente auch nur eine Verteidigung des eigenen Glaubens und keine Argumente für eine Schöpfung. Und ja, es stimmt: Galileo und Newton waren gläubig und ihr Glaube war ein Motivator zu forschen. Aber die aufgestellten Theorien funktionieren nicht deshalb, weil sie Gott gesucht haben, sondern weil sie experimentell überprüfbar sind. Man braucht Gott nicht, um die Schwerkraft zu beschreiben.
Natürlich sind die Dinge schön, sie sind kompliziert und vermutlich werden wir sie nie verstehen. Aber einfach Gott vorzuschieben, löst keine dieser Fragen. Einfaches Abnicken von vorgesetzten Dogmen übrigens auch nicht. Die Evolutionstheorie ist leider keine fixe Idee, aber solange lediglich eine vage Vorstellung von dieser vorhanden ist und auch in der Schule nur so gelehrt wird, ist mit diesem Halbwissen den Kreationisten Tür und Tor geöffnet.
Selbstverständlich gibt es Wissenschaftler, die Glaube und Wissenschaft vereinen können. Aber ihre wissenschaftlichen Arbeiten müssen zur Reproduzierbarkeit, zur Prüfung und Verifizierung eben rein naturalistisch sein, da Glaubensinhalte nicht gemessen werden können. Ein fehlender Widerspruch lässt sich bei vielen Wissenschaftlern bereits dadurch erklären, dass deren Tätigkeitsfeld sich nicht mit Glaubensansichten schneidet. Die meisten sachkundigen Wissenschaftler kommen trotz intensivem Naturstudium nicht zu der Überzeugung, dass dies alles Ergebnis einer statischen Schöpfung ist. Beispielsweise spricht ein in mehreren Arten identisch deaktiviertes Vitamin-C-Enzym dafür, dass es sich um verwandte Arten mit einem gemeinsamen Vorfahren handeln muss. Da Erbgut ein Erbe bedingt. Der biblische Schöpfungsbericht stimmt demnach "unterm Strich" nicht "mit gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen" überein. Daran ändert auch nichts, dass der Schöpfungsbericht nichts über die Zeiträume sagt. Auslassungen sind per Definition nie im Widerspruch mit irgendwas, weil sie keine Aussagen sind. Dies ist also keine besondere Leistung.
Die verlinkten Wissenschaftler in der Online-Bibliothek sind sicherlich firn in ihrem Gebiet, aber ich habe das Gefühl, sie erliegen einfach der Faszination des Nichtwissens. An irgendeinem Punkt forschen sie nicht weiter und setzen dort Gott hin. An diesem Punkt endet Wissenschaft. Alles ist so komplex und schwer zu begreifen und man könne ja nie wissen ...

Überprüfen wir die aktuellen Planetenentstehungsmodelle mit einem anderen Schöpfungsmythos:
In einem der ägyptischen Schöpfungsmythen entsteht die Erde und das Meer aus dem Sonnengott Atum, der sich zuvor selbst erschaffen hatte (so auch eine Bedeutung seines Namens).
Bereits aus der genannten Kausalkette und der Funktion des Gottes lassen sich wissenschaftliche Aussagen ableiten und diese entsprechen methodisch erworbenen Erkenntnissen zur Planetenentstehung: Denn erst als die Sonne zu brennen anfing, fegte der entstehende Sonnenwind alle Bestandteile, die unterhalb einer kritischen Masse lagen aus dem Zentrum des Sonnensystems und der sie umgebenden jungen Planeten hinfort. Dadurch wurde die Planetenbildung abgeschlossen, da nicht unentwegt immer weitere Kometen und Meteoriten auf die jungen Planeten stürzten. Die Planeten sind stark aufgeheizt und haben keine fest Oberfläche, aber bereits eine ionisierte Atmosphäre (entspräche den ersten Schöpfungen des Atum: Schu, der Gott der Luft und Tefnut, Göttin des Feuers). Durch die beginnende Abkühlung mit gleichzeitiger Ausdunstung aus dem Planeteninneren konnte aus der Dunstglocke erstmals Regen, wenn auch saurer entstehen. Das meiste Wasser aber stammt nach aktuellen Modellen aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Das passt zum Pyramidentext 260, nachdem Horus vom Himmel stürzend (also als Feuerschweif) das Wasser brachte. Es entstehen also Land und Meer.
Wie konnten die alten Ägypter schon mehr als 700 Jahre vor Mose an diese noch viel genauere Beschreibung der Entstehung unserer Erde gelangen?
Finden sich bei genauer Analyse in anderen Schöpfungsmythen noch weitere mit der aktuellen Wissenschaft in Einklang zu bringende Erkenntnisse?


Was sind laut Wachtturm-Gesellschaft eigentlich "gesichtere wissenschaftliche Erkenntnisse"? Ohne vorauszugreifen kann ich bestätigen, dass radiometrische Verfahren zur Altersbestimmung (wie Radio-Carbon-Datierung) in den bibelerklärenden "Einsichten in die Heilige Schrift" (2 Bände, ebenfalls von der Wachtturm-Gesellschaft herausgegeben) angezweifelt werden, sowie die gesamte wissenschaftliche Chronologie der Menschheitsgeschichte (vornehmlich weil Adam und Eva nicht berücksichtigt werden und die Erkenntnisse weit mehr in die Vergangenheit reichen, als diese erste Menschenpaar). Auch soll die Sintflut ja die Gesteinschichten durcheinander gewirbelt haben, weshalb Messung zwangsläufig falsch sein würden (#4). So bestätigt sich das Glaubenshaus selbst und macht sich unantastbar. Wieder etwas, dass ich glauben muss oder nicht.

Auch die Berufung auf die Biomimetik, Technik also, die die Natur kopiert und somit vorgibt, von Konstruktionen der nachgebauten Natur auf den Konstrukteur der Natur zu schließen, ist lediglich ein Non sequitur. Nur, weil wir Dinge bauen, heißt es eben leider nicht, dass alles erbaut wurde. Auch der Bezug auf die Rubrik "Wer hat es erfunden?", die man auf vielen Erwachet oder auf der Webseite nachlesen kann, ist lediglich der Versuch, diesen Vergleich zu bemühen und vom Staunen auf Gott zu schließen. Weiter geführt wird dies mit den Broschüren "Das Leben: Reiner Zufall?" und "Der Ursprung des Lebens: Fünf Fragen kritisch beleuchtet" auf die ich zu einem späteren Zeitpunkt eingehen will.
Schlussendlich lässt sich feststellen, dass kein einziger Beweis für die Schöpfung erbracht wurde, obwohl der dritte Teil der Serie den Titel "Was spricht für die Schöpfung?" heißt.
When you hear hoofbeats, think of horses not zebras.
- Dr. Theodore Woodward, in den 40ern Professor an der University of Maryland School of Medicine


Teil 4: Wie kann ich erklären, warum ich an die Schöpfung glaube?

Selbstverständlich muss man kein "Genie in den Naturwissenschaften" sein, um die Schöpfung zu verteidigen, da sie selbst keine Naturwissenschaft ist. Aber auch der bereits als Fehlschluss aufgezeigte Verweis auf Hebräer 3:4 ("Natürlich wird jedes Haus von jemandem errichtet, doch der, der alle Dinge errichtet hat, ist Gott.") wird sicherlich viele beeindrucken. Nicht aber, weil er richtig wäre, sondern die Vorstellung, was Evolution ist, sehr vage ausfällt, selbst beim Lehrer. Warum ein gebautes Haus aber nicht zwingend auf Gott schließen lässt, habe ich in "Grundlagen: Gottesbeweise - Teil 5: Hebräer 3:4" erklärt. Auch der Zahnstocher aus der Erzählung Carols gibt nichts neues zu denken.
Die Situation ist absurd: Auf das "Wie" suchen Kreationisten übrigens keine Antworten, betrachten es oft sogar als nebensächlich. Kommt jedoch eine Wissenschaft bei ihrer Suche nach dem "Wie" zu abweichenden Ergebnissen, so gilt es diese methodisch erworbene Erkenntnis zu bekämpfen. Es wird dabei aber weiterhin auf ein "Wie" verzichtet, also auf einen plausiblen Aufbau einer Alternativtheorie, die nicht lediglich im luftleeren Raum des Übernatürlichen schwebt.

Auch die Frage "Wer hat Gott erschaffen?" führt von säkularisierter Seite nicht weiter. Gekontert werden kann darauf auch lapidar, dass man den Vater eines konkreten Smart Phone Tüftlers auch nicht kennt und dennoch das Produkt des Erbauers in Händen hält. Im Anhang ist im Gegensatz zu diesem simplen Vergleich wenigstens ein Versuch einer Erklärung (#5).
Bei der Argumentation Beispiele aus der Natur zu aufzuzeigen kann bei unbedarften Gesprächspartnern tatsächlich verfangen, aber schlussendlich beweisen sie keinen Schöpfer, sondern enden in der Behauptung, dass es ihn gäbe.
Eine freundliche Diskussion führt auf beiden Seiten seltener zu Abwehrreaktionen oder Verschließen. Herablassend sollte man auch als Evolutionsbefürworter nicht werden. Nicht jeder Gläubige glaubt "blind". Wer sich also mit den Mechanismen der Evolutionstheorie auseinander setzt, ist ebenfalls "bereit zu einer Verteidigung vor jedermann". Und er kann auch dann erklären, warum der Glaube an Schöpfer zwar logisch erscheinen mag, aber nicht zwingend ist. Auf die letzten Einwände bin ich bereits in früheren Artikeln eingegangen.

Und somit ist die Betrachtung dieser Artikelserie abgeschlossen:
Selbstverständlich wird die Evolutionstheorie in den naturwissenschaftlichen Fächern gelehrt, da es keine naturwissenschaftliche Alternative zu dieser gibt, eben auch alternativlos. Darauf werden sich auch künftige Generationen von schöpfungsgläubigen Schülern einstellen müssen. Es gilt aber auch für diese wohl, dass die Evolution als solch schwammiges Konstrukt vorgetragen wird, dass man es auch in dieser schönen Zukunft eher als Idee, denn als wissenschaftlich-methodisch erarbeitete Theorie wahrnehmen wird.
Solche und ähnliche Inhalte wird es im Netz also noch lange geben, was an ihrem geringen Wahrheitsgehalt nichts mehr ändert.

# 1 - Bei den Biologen ist die "Ungläubigkeit" ein gutes Stück höher als in anderen Disziplinen:
http://www.discovery.org/scripts/viewDB/filesDB-download.php?command=download&id=4511
65 Prozent Atheisten, 29 Prozent Agnostiker und 6 Prozent sind Theisten in der National Academy of Sciences.
Quelle: Larry Witham, Where Darwin Meets the Bible (New York: Oxford University Press, 2002), pp. 271-273

#2 - Glauben der führenden Wissenschaftler im Forschungfeld der Evolutionstheorie:
http://www.discovery.org/scripts/viewDB/filesDB-download.php?command=download&id=4551
87 Prozent leugnen Gottes Existenz, 88 Prozent lehnen ein Leben nach dem Tod und 90 Prozent lehnen eine "gelenkte" Evolution ab.
Quelle: Gregory W. Graffin and William B. Provine, "Evolution, Religion and Free Will," American Scientist, vol. 95 (July-August 2007), pp. 294-297; results of Cornell Evolution Project Survey (PDF)

#3 - Religiöser Unglaube unter Biologen an 4 bzw. 2 Jährigen Studium in Colleges oder Universitäten
http://www.discovery.org/scripts/viewDB/filesDB-download.php?command=download&id=4561
61 Prozent sind Atheisten oder Agnostiker.
Quelle: Neil Gross and Solon Simmons, “How Religious are America’s College and University Professors?” (Feb. 6, 2007)

#4 - Wie erklärt die Sintflut eine Besiedlung von entlegenen Inselarchipelen mit einer einzigartigen Flora und Fauna in weniger als 4000 Jahren, wenn auf der Arche doch nur maximal die Grundtypen aller Lebewesen gepasst haben können und eigentlich noch nicht einmal das?

#5 - Wer hat Gott erschaffen?

Alles hat ja einen Anfang und ein Ende. Anders ist das für uns nicht vorstellbar, was aber keineswegs bedeutet, dass es anders nicht sein kann. Albert Einstein hat mit seiner Relativitätstheorie rechnerisch nachgewiesen, dass die Zeit keine feststehende Größe ist, sondern eine relativ von Masse und Geschwindigkeit eines Körper abhängige. Je schneller und massereicher etwas ist, desto langsamer vergeht die Zeit für dieses Objekt. Das nennt sich Zeitdilatation. Dies betrifft sowohl die Gleichzeitigkeit von Ereignissen, die an verschiedenen Orten stattfinden, als auch die Zeitdauer zwischen zwei Treffen zweier Beobachter, die sich zwischen diesen Treffen relativ zueinander bewegen. Da es kein absolut ruhendes Koordinatensystem gibt, ist die Frage, welcher Beobachter die Situation korrekt beurteilt, nicht sinnvoll. Man ordnet daher jedem Beobachter seine so genannte Eigenzeit zu. Ferner beeinflusst die Anwesenheit von Massen den Ablauf der Zeit, so dass diese an verschiedenen Orten im Gravitationsfeld unterschiedlich schnell verstreicht.

Dies hat man experimentell später mit zwei Atomuhren in einem Experiment nachgewiesen. Dabei platzierte man eine von zwei absolut gleich laufenden Atomuhren in einer Concorde, die andere ließ man am Boden zurück. Nach einer mehrstündigen Überschallflugzeit der Concorde konnte man tatsächlich eine Abweichung der beiden Uhren feststellen, wenn auch nur wenige Millionstel Sekunden. In der Concorde war weniger Zeit vergangen als auf der sich langsamer bewegenden Erde.

Da Gott geistig und nicht materiell ist, ist er der Zeit, die er ja auch geschaffen haben soll, nicht unterworfen. Das bedeute wieder nicht, dass es in dieser geistigen Welt (klassisch als "Der Himmel" bezeichnet) keine Gegenstände geben kann, sondern nur, dass diese nicht aus der Materie bestehen, die die Zeit für Ihre Existenz benötigt. Wenn es aber diese Zeit dort nicht geben kann, dann ist dort auch kein Anfang und kein Ende, sondern eben Ewigkeit.

Bei solchen Überlegungen setzt freilich der eigene Geist aus. Aber so kann man vermutlich die zeitlose Existenz Gottes erklären, die keinen Anfang und kein Ende kennt.

Aber damit beschreibt man auch nur die Kleider eines Kaisers, der wohlmöglich gar nicht existiert (eine treffende Analogie zu "Des Kaisers neue Kleider").
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 17. Apr 2018, 23:09

Aufgrund der hier zitierten Texte stellt sich freilich die Frage ...

Grundlagen: Kreationismus - Teil 1: Einleitung - Sind Zeugen Jehovas Kreationisten?

Offenbar eine oft gehörte Frage von Leuten, die sich auf ein Gespräch mit Zeugen einlassen. Daher ist sie zu finden unter "Oft gefragt" auf ihrer Webseite [url]jw.org[/url]. Im Grunde lässt sich die Antwort bereits an den vorherigen Beiträgen erkennen. So aber wird auf eben jener die Frage beantwortet:
Nein. Jehovas Zeugen glauben zwar, dass Gott alles erschaffen hat. Aber wir sind keine Vertreter des Kreationismus. Warum nicht? Weil einige kreationistische Ideen in Wirklichkeit im Widerspruch zur Bibel stehen. Dafür zwei Beispiele:

Wie lange dauerten die sechs Schöpfungstage?
Manche Kreationisten behaupten, dass die sechs Schöpfungstage buchstäblich 24-Stunden-Tage waren. In der Bibel kann das Wort „Tag“ jedoch eine sehr lange Zeitspanne umfassen (1. Mose 2:4; Psalm 90:4).

Wie alt ist die Erde?
Einige Kreationisten erklären, dass die Erde nur ein paar Tausend Jahre alt ist. Nach der Bibel existierte das Universum, also auch die Erde, allerdings schon, bevor der erste Schöpfungstag begann (1. Mose 1:1). Deswegen haben Jehovas Zeugen nichts gegen stichhaltige wissenschaftliche Berechnungen einzuwenden, nach denen die Erde mehrere Milliarden Jahre alt sein könnte.

Auch wenn wir als Jehovas Zeugen an die Schöpfungsgeschichte der Bibel glauben, sind wir deswegen nicht wissenschaftsfeindlich. Wir sind überzeugt, dass sich biblische und präzise wissenschaftliche Aussagen nicht widersprechen.

Das ist leider Quatsch, wie sich an folgendem Vergleich schön zeigen lässt:

Sind Sie Verkehrsteilnehmer?

Nein. Wir nutzen zwar Verkehrsmittel wie Auto, Bus, Bahn oder Fahrrad. Aber wir sind keine Teilnehmer im Straßenverkehr. Warum nicht? Weil einige Ideen von Verkehrsteilnehmern im Widerspruch zur Straßenverkehrsordnung sind. Dafür zwei Beispiele:

Wie lange dauert die Stunde auf einem zeitlich begrenzten Parkplatz?
Manche Verkehrsteilnehmer behaupten, für sie gelten diese Zeitbeschränkungen nicht. Die Straßenverkehrsordnung ist darin aber unmissverständlich.

Wer darf auf einem Behindertenparkplatz sein Fahrzeug abstellen?
Einige Verkehrsteilnehmer erklären, jeder, der dringend irgendwas zu erledigen hat, kann die meist günstig in der Nähe des Eingangs eines Geschäfts gelegen Parkmöglichkeiten nutzen. Wir aber haben nichts gegen stichhaltige Argumente warum nur körperlich eingeschränkte Personen dort ihr Fahrzeug abstellen sollten.

Auch wenn wir glauben, dass die Straßenverkehrsordnung von unvollkommenen Menschen erdacht wurde, sind wir nicht ordnungsfeindlich. Wir sind überzeugt, dass sich auch unsere Glaubensansichten und menschliche Gesetzgebung zum Schutz von Personen im Straßenverkehr nicht widersprechen.


Natürlich sind Zeugen Jehovas Kreationisten. Wie denn auch nicht? Sie gehen - wie selbst dargelegt - davon aus, dass Gott alles geschaffen habe. Und genau das ist die Definition von Kreationismus. Über welche Zeiträume er spekuliert und wie er einzelne Passagen seiner Schöpfungsniederschrift deutet, ist dabei völlig irrelevant. “Erschaffung, erschaffen“ heißt in Latein nunmal “creatio“ und bildet damit den Wortstamm für die Benennung dieser Weltanschauung.

Ja. Jehovas Zeugen sind Kreationisten. Alles andere ist Augenwischerei.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 20. Apr 2018, 08:50

Grundlagen: Kreationismus - Teil 2: Was ist Kreationismus?

Kreationismus (vom lateinischen creatio für "Erschaffen" / "Schöpfung" bezeichnet die Auffassung, dass das Universum, das Leben und der Mensch durch den unmittelbaren Eingriff eines Schöpfergottes entstanden sind. Der moderne Kreationismus entstand als Widerstand gegen das im 19. Jahrhunderts aufgekommene Postulat eines hohes Erdalters, die Unmöglichkeit einer weltweiten Sintflut und die darwinsche Evolutionstheorie (#1). Die selektive Inanspruchnahme naturwissenschaftler Erkenntnisse gilt dabei als Beleg für den Glauben an die Wahrheit der offenbarten Schriften. Widersprüche seien allein auf Fehlinterpretation natürlicher Tatsachen durch die Wissenschaft zurückzuführen. Die Evolutionstheorie wird als wissenschaftlich ungesicherte, atheistische Ideologie wahrgenommen.
Kreationismus selbst wankt zwischen Religionslehre und Pseudowissenschaft (#2). Dabei wird zwischen wörtlicher (Kreationismus im engeren Sinne), apologetischer (bildhafter) und metaphoriscer (bedeutungsorientierter) Auslegung der heiligen Schrift unterschieden. Allein gemein ist, dass die Schrift ein Augenzeugenbericht aus der Perspektive Gottes oder eines hypothetischen Beobachters über den Ursprung der Dinge sei. Da die empirische Naturwissenschaft weitgehend im Widerspruch zur wörtlichen Auslegung steht, hat sich diese dem religiösen Glauben unterzuordnen. Besonders die Evolutionstheorie und ihre Bedeutung für die moderne Evolutionsbiologie wird abgelehnt, aber auch Teile der Archäologie, Paläontologie, Geologie, Erdgeschichte, sowie Theorien über die Entstehung und Entwicklung des Sonnessystems und/oder Universums.


Michelangelos "Die Erschaffung Adams" wird sehr oft als Sinnbild für die göttliche Schöpfung allgemein und den Kreationismus im Besonderen verwendet.


Die Wurzel des Kreationismus sind die seit antiken Zeiten aufgeschriebenen Erklärungsmodelle zur Entstehung der Welt (Tora, Bibel, Koran). Da die antiken Philosophen der Schulen der Platoniker, Neuplatoniker, Stoa und Epikurer übereinstimmend die Lehre von Göttern und Schöpfungsgeschichten als mythologisches Problem betrachteten, über die der Mensch keine sicher Kunde besitzen kann und die unterschiedlich stark ernst genommen wurden, gab es quasi keine dem Kreationismus vergleichbare Weltanschauung. Auch Kirchenväter am Übergang zum Mittelalter (z.B. Augustinus) warnten davor, die Genesis all zu wörtlich zu nehmen. Im Abendland gingen die Werke und das Wissen der Philosphen verloren und wurden erst durch das rezipieren und umfassende Auslegen durch muslmische Gelehrte wieder zugänglich. Bis dahin waren waren naturkundliche Werke anekdotisch. Die hochmittelalterliche Scholastik strebte eine Synthese dieser neu zugänglichen antiken Naturphilosophie mit der Theologie an. Maßgeblich war die Lehre Thomas von Aquin, der Mensch könne, gestützt auf seine Sinne und seine fehlbare Vernunft in der Schöpfung lesen, wie in einem Buch. Die Vernunft versage allerdings bei übernatürlichen Wahrheiten, die nur der Glaube fassen könne. Trotz des absoluten Vorrangs der Glaubenswahrheiten konnte so eine unabhängige Naturphilosophie entstehen, die wiederum die Wurzel der modernen Naturwissenschaften wurde. Das Verbot über Wahrheiten zu spekulieren, die im Widerspruch zur offenbarten Schrift standen, unterband zunächst jeden offenen Konflikt. Naiv-wörtlich war die Auslegung der Schrift seit Johannes Cassianus (360 - 435 u.Z.) aber nicht mehr.
Auch in der Neuzeit wurden die modernen, empirischen Naturwissenschaften nicht als Problem oder Konkurrenz zum religiösen Weltbild aufgefasst. Klassische Autoren wie Newton und Galilei verwiesen noch darauf, die Mechanismen der Schöpfung Gottes zu enträtseln und dadurch dessen Ehre quasi-theologisch zu erhöhen. Viele philosophische Autoren verwiesen auf die Harmonie und Zweckmäßigkeit der Natur. Für die vor allem englischen Deisten verwies die Untersuchung der Natur aus reinen Verstandesgründen, auch ohne jede Offenbarung, notwendig auf das Wirken eines gütigen Schöpfergottes. Konflikte (z.B. heliozentrisches Weltbild) ergaben sich weniger zwischen Glauben und Wissenschaft, sondern eher zwischen den modernen, empirischen Methoden und dem aristotelischen, scholastischen Weltbild, das eher auf der Erklärung der Welt durch abstraktes, logisches Denken beruhte. Zwar gab es Misstrauen von Seiten der Kirche und weltlichen Autoritäten, zum einen weil Veränderungen generell abgelehnt werden, zum anderen, weil freies Denken mit sozialen Forderungen in Verbindung gebracht wurde. Die breite Öffentlichkeit nahm von den hochgeistigen Debatten fast keine Notiz. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert.


James Ussher (1581 - 1656), irischer anglikanischer Theologe, seit 1625 Erzbischof von Armagh und Primas von Irland, war Verfasser vieler theologischer und historischer Werke. Am bekanntesten ist seine Weltgeschichte, in der der Schöpfungszeitpunkt auf den 23. Oktober 4004 v. Chr. datiert wird.

Die britischen Forscher William Smith, James Hutton und Charles Lyell begannen im 18. Jahrhundert mit einer Abschätzung des Erdalters und begründeten eine neue Wissenschaft, die Geologie. Ihre Schlussfolgerungen waren für viele zeitgenössische Theologen, die aufgrund anderer philosophischer und theologischer Elemente die auf wortwörtlicher Auslegung biblischer Texte beruhende Chronologie bereits ablehnten, völlig unproblematisch. Meist sah eher die gebildete, breite Öffentlichkeit darin eine Herausforderung für die Autorität der Bibel. Eine Opposition tat sich auf, die sich selbst als "Geologen der Schrift" oder "mosaische Geologen" bezeichneten und gegen die neuartigen Auffassungen argumentierten und viele Sympathien in der Öffentlichkeit hatten. Es gab aber keine geschlossene Front. Berühmt wurden Streitschriften über die Richtigkeit der biblischen Sintflut (z.B. William Bucklands "Reliquiae Diluvianae").
Schärfer noch traf es die von Charles Darwin weiterentwickelte und vereinheitlichte Theorie der Evolution, die sofort nach dem Erscheinen seines Hauptwerks "Über die Entstehung der Arten" (1859) erbittert bekämpft wurde. Während alles bisherige die Welt als Ganzes betraf, ging es nun um das Wesen und die Würde des Menschen. Das Selbstbilf des Menschen war erschüttert, was die Härte des Streits begreifbar macht. Die Evolutionstheorie postuliert den Aufstieg des Menschen aus dem Tierreich, während theologisch mit dem Abstieg zur Unvollkommenheit des Menschen argumentiert wird. Der Widerspruch zum Fall Adams (und damit auch zu Christus als "letzten Adam") war theologisch schwerer hinzunehmen, als die nicht wortwörtliche Interpretation der Genesis. Worauf beruhen die moralischen Werte, wenn alles im Kampf um's Dasein entschieden wird? Wo bleibt bei der zufälligen Entwicklung der göttliche Heilsplan? Der Widerstand gegen diese "Entwürdigung" des Menschen ging weit über kirchliche Kreise hinaus. Sie wurde als Grenzüberschreitung der Wissenschaft betrachtet, die sich in Dinge einmischte, die sie nichts angehen.
Darwin selbst blieb in öffentlichen Äußerungen zögerlich, seine Unterstützer nicht: Thomas Henry Huxley prägte des Begriff des Agnostizismus. Herbert Spencer wandte den Begriff der Evolution in First Principles (1862) ohne Zögern auch auf die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft an und begründete damit den Sozialdarwinismus. Edward Tylor, später auch Robert N. Bellah wandten den Evolutionsgedanken dann auf die Religion selbst an und begründeten einen Evolutionismus vor allem in der Religionsethnologie.
Der katholische Zoologe St. George Mivart argumentierte, wenn auch der menschliche Körper natürlichen Ursprungs wäre, so ginge doch seine Seele allein auf Gott zurück. In "Genesis of Species" sprach er für eine Evolution, die unter göttlicher Kontrolle ablief. Selbst Alfred Russel Wallace, der die Evolutionstheorie unabhängig von Darwin entdeckt hatte, nahm noch an, dass ein Eingriff des Schöpfers notwendig bleibe, da anders die Sonderstellung des Menschen nicht erklärbar sei.


Neil Degrasse Tyson: "Jede große wissenschaftliche Theorie durchläuft drei Phasen: Erst wird sie von den Leuten abgelehnt. Als zweites wird gesagt, sie widerspricht der Bibel. Und zum Schluss wird behauptet, man habe über die Richtigkeit schon immer gewusst.


Einflussreiche Denker wie der Schriftsteller Samuel Butler, aber auch viele Biologen, griffen auf die konkurrierende Evolutionstheorie des Lamarckismus zurück, die ihnen eher mit einem göttlichen Plan in der Natur vereinbar schien. Da Ende des 19. Jahrhunderts insbesondere Darwins Selektionstheorie innerhalb der Wissenschaft scharf angegriffen wurde und zeitweise in die Defensive geriet, konnten sich religiöse Kritiker bestätigt fühlen, dass es sich um eine kurzfristige Verirrung handele, die bald überwunden sei.
Ernst Haeckel begründete in der Abstammung des Menschen ein Argument für "niedere" Menschenrassen und gab dem Rassismus vorschub. Dies führte zu weiterer Ablehnung. Zum Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich die Theorie aber durch. Auch wenn konservative Gruppen immer noch ablehnend waren, fanden sie keine wissenschaftlichen Unterstützer mehr. Im 20. Jahrhundert zog die Evolutionstheorie dann in US-amerikanische Schulen ein. Der bisherige Vorrang der Religionsfreiheit vor wissenschaftlichen Erkenntnissen ging schrittweise über in den Vorrang einer Weltanschauungsfreiheit mit gleichzeitiger Einschränkung der christlichen Mission in den Schulen. Es entwickelte sich also einerseits das Recht, Evolution lehren zu dürfen, und andererseits das Verbot, Schüler christlich zu missionieren.

Die Sache schien also erledigt.

#1 - Die Anti-Evolutionisten, die die Evolutionstheorie Charles Darwins im 19. Jahrhundert ablehnten, sahen sich nicht als Kreationisten.

#2 - Oberkirchenrat und Publizist Joachim Schmidt, Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, in Echt Glaube kompakt: Verdrängungswettbewerb (Memento vom 29. März 2008 auf WebCite) gesehen am 29. März 2008
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 23. Apr 2018, 16:32

Grundlagen: Kreationismus - Teil 3: Formen des Kreationismus


Der Kurzzeitkreationismus, auch Jung-Erde-Kreationismus oder 24-Stunden-Tag-Theorie geht davon aus, dass die Erde vor wenigen tausend Jahren geschaffen wurde. Altersangaben über das restliche Universum variieren. Wissenschaftliche Methoden wie radiometrische Altersbestimmung, Isochronmethode, Eiskerndatierung und Dendrochronologie werden in Frage gestellt oder offen abgelehnt, mitunter auch gängige Thesen wie die Kontinuität der Naturgesetze über historische Zeiträume. Geologische Belege werden als Resultat einer globalen Flut erklärt. Damit wird eine alternative Datierung geologischer und astronomischer Ergebnisse erzielt. Manchmal wird auch die Behauptung der flachen Erde und der Geozentrismus (Erde mit Mittelpunkt des Universums) zum Kurzzeitkreationismus gerechnet, von dem sich Kreationisten im Allgemeinen zu distanzieren versuchen. Die flache Erde wird immer wieder in zynischer, karikierender oder stereotyper Übertreibung verwendet.
Hinzu zu rechnen ist die Omphalos-Hypothese, nach der die Erde zwar in jüngerer Zeit geschaffen worden sei, aber viel älter aussehe. Der Name dieser Hypothese (Omphalos = Nabel) basiert auf der ursprünglichen Fragestellung, ob Adam und Eva, obwohl erwachsen geschaffen, einen Bauchnabel gehabt haben. Es ergebe sich daraus eine scheinbare Vergangenheit, obwohl diese einfach miterschaffen wurde. Die schwindende Anhängerschaft geht davon aus, dass zum Funktionieren der Erde ein älteres Aussehen notwendig sei. Bertrand Russell führte es als Gedankenspiel im Rahmen des philosophischen Skeptizismus fort:
"There is no logical impossibility in the hypothesis that the world sprang into being five minutes ago, exactly as it then was, with a population that ‘remembered’ a wholly unreal past. There is no logically necessary connection between events at different times; therefore nothing that is happening now or will happen in the future can disprove the hypothesis that the world began five minutes ago."
- Bertrand Russell: The Analysis of Mind (1921)

Übersetzung: "Es besteht keine logische Unmöglichkeit in der Hypothese, dass die Welt vor fünf Minuten entstand, genauso wie sie war, mit einer Bevölkerung, die sich an eine gänzlich irreale Vergangenheit 'erinnert'. Es besteht keine logisch notwendige Verbindung zwischen Ereignissen zu unterschiedlichen Zeiten; daher kann nichts, was jetzt oder in der Zukunft passiert, die Hypothese widerlegen, dass die Welt vor fünf Minuten begann."
Der "wissenschaftliche Kreationismus ist im angelsächsischen Raum die Selbstbezeichnung eines Kreationismus, deren Anhänger glauben, dass die Erde in jüngerer Zeit erschaffen wurde und dies durch wissenschaftliche Belege gestützt werden könne. Die Kosmologie läuft auf ein Alter des Universums von ein paar tausend Jahren hinaus, der Fossilbericht als Ergebnis einer globalen Flut gedeutet. In den USA befürwortet das Institute for Creation Research und die Creation Research Society (#1), in Deutschland in abgewandelter Form die Studiengemeinschaft Wort und Wissen, in der Schweiz ProGenesis diese Sichtweise.


(Übersetzung: Ken Ham glaubt, die Welt sei 6000 Jahre alt.

Photonen brauchen 100000 Jahre um an die Sonnenoberfläche zu kommen.)

Langzeitkreationisten (analog zu Jung-Erde-Kreationisten auch als Alt-Erde-Kreationisten bezeichnet) versuchen die Schöpfungslehre mit astronomischen und geologischen Altersangaben in Einklang zu bringen. Im Gegensatz zum evolutionistischen Kreationismus wird dabei jedoch die Theorie der gemeinsamen Abstammung abgelehnt.
Die Lückentheorie zum Beispiel postuliert, dass das heutige Leben in kurzer Zeit auf einer bereits lange vorher existierenden Erde geschaffen wurde, weil eine ältere Schöpfung in einer unbestimmten Katastrophe untergegangen sei. Die Vertreter dieser Hypothese meinen zwischen 1. Mose 1:1 und 1:2 eine Lücke zu erkennen. Diese Schöpfungslehre wäre somit eigentlich eine Wiederherstellungslehre. Kritiker meinen auch, dass es in der Bibel keine Anhaltspunkte für eine Schöpfung vor der Schöpfung und einen Sündenfall vor dem Sündenfall gibt.
Mehr Zustimmung erhält die Konkordanzhypothese, die davon ausgeht, dass die 6 Tage keine Tage im Sinne von 24 Stunden darstellen, sondern sehr viel längere Zeiträume, da Gott Zeit anders wahrnehme (Psalm 90:4 "Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache."). Die Gegenwart wäre demnach ein siebtes Zeitalter. Als Kritik wird vorgebracht, dass das hebräische yom eindeutig einen 24 stündigen Tag benenne und die Formulierung wie "Und es wurde Abend, und es wurde Morgen, ein erster Tag." (Neue-Welt-Übersetzung) nur ein Tag im gängigen Wortsinn gemeint sein kann.
Der Progressive Kreationismus spricht von einer Schöpfung auf Raten oder einer fortdauernden Schöpfung. Die Arten werden also in einem ständig von Gott begleiteten Vorgang verändert und herausgebildet. Diese Sicht akzeptiert die meisten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, lehnt aber die moderne Evolutionsbiologie und sucht Hinweise, die eine Entwicklung nur auf natürlicher Auslese ausschließt.

Der evolutionistische Kreationismus sieht Gott als Schöpfer, der die Lebensformen mittels Evolution erschaffen habe und weiterentwickle, wobei es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wie stark er in diesen Prozess eingreife. Die naturalistische Evolutionstheorie wird als unzureichend, göttliches Eingreifen als zwingend notwendig angesehen, da natürliche Selektion nicht die Ursache der Entstehung neuer Arten sein kann. Die Theorie der gemeinsamen Abstammung wird aber akzeptiert, weshalb er manchmal nicht dem Kreationismus zugeordnet wird.


(Übersetzung: 1 Kreationist: "Wo ist das Bindeglied im Fossilbericht?"
2 Wissenschaftler finden den Bindeglied.
3 Kreationist: "Haha! Jetzt sind dort zwei Lücken im Fossilbericht. Wo sind die Bindeglieder?")

Im Neo-Kreationismus, der sich betont von anderen kreationistischen Richtungen distanziert wissen will, haben sich zum Ziel gesetzt, den Kreatioismus in Begriffen neu zu formulieren, die von der Öffentlichkeit, Bildungspolitik und Wissenschaftsgemeinde besser angenommen werden, zum Beispiel ohne religiöse Worte und ohne Bezug auf die jeweilige Heilige Schrift. Grundlegende Behauptung ist, dass die scheinbar objektive herkömmliche Wissenschaft in Wirklichkeit eine dogmatische atheistische Religion sei. Argumentiert wird, dass die wissenschaftliche Methodik bestimmte Erklärungen von Phänomenen insbesondere dann ausschließe, wenn übernatürliche Elemente eine Rolle spielen, was religiöse Aspekte beim Verständis des Universums betrifft. Außerdem sei die Naturwissenschaft der Grund für viele gegenwärtige soziale Missstände, wie Unruhen und hohe Scheidungsraten. Das Erdalter und die wörtliche Auslegung der Bibel wird bewusst vermieden, die Junge-Erde-Theorie aber betont nicht ausgeschlossen. Gemein mit anderen Arten ist die Ablehnung des Naturalismus (einschließlich einer offenen, oft feindlichen Opposition zum "Darwinismus"), üblicherweise zusammen mit dem stillschweigenden Eingeständnis des Übernatürlichen. Es gibt 3 Ausprägungen des Neo-Kreationismus:
  • Intelligent Design ist die Auffassung, dass die Entstehung des Universums und des Lebens am besten durch eine Intelligenz als Ursache erklärt werden können. Da Intelligenz in der Folge als eigener Eintrag verfasst wird, möchte ich es bei der kurzen Anmerkung belassen.
  • Abrupt Appearance ist ein ursprünglich in der Evolutionsbiologie verwendeter Begriff für das sprunghafte Auftreten (englisch abrupt appearance) von neuen Arten im Fossilienbericht. Vertreter dieser Richtung behaupten, dieses Phänomen sei am besten durch eine direkte Beeinflussung von außen statt durch einen natürlichen Vorgang erklärbar. Begleitet wird dies mit der ausdrücklichen Behauptung, dass es auf jeden Zeitraum anwendbar sei, womit insbesondere auch ein Bereich von 10.000 Jahren nicht ausgeschlossen werden soll.
  • Evidence against Evolution (Beweise gegen Evolution) bedient sich hauptsächlich der Ergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, um die Evolutionstheorie zu widerlegen. Sie ist mehr oder weniger identisch mit der Evolutionskritik in der "Schöpfungswissenschaft", jedoch ohne Bezug zu einer heiligen Schrift und ohne der Evolutionstheorie eine Alternative mit wissenschaftlichen Anspruch entgegenzustellen. Die Frage nach dem Ursprung und Sinn des Seins wird als persönliche Glaubenssache angesehen.

#1 - Creation Research Society

Mitglied dieser Organisation, die durchaus mehrheitlich auf Professoren verschiedener wissenschaftler Fachrichtungen an staatlichen Universitäten in den Vereinigten Staaten besteht, wird man nur durch die Unterzeichnung eines 4 Punkte umfassenden Statement of Belief.
1. Die Bibel ist das geschriebene Wort Gottes, und da sie ganz und gar inspiriert wurde, sind alle ihre Behauptungen historisch und wissenschaftlich wahr gemäß der ursprünglichen Schrift. Für den Studenten der Natur bedeutet dies, dass die Darstellung des Ursprungs in der Genesis die faktische Präsentation der einfachen historischen Wahrheit ist.
2. Alle Grundformen des Lebens, einschließlich des Menschen, wurden während der Schöpfungswoche durch Gott geschaffen, wie es in der Genesis beschrieben ist.
3. Die in der Genesis beschriebene Sintflut, gewöhnlich aus als Noahs Flut bezeichnet, ist als weltweiter historischer Fakt zu akzeptieren.
4. Wir sind eine Organisation christlicher Männer und Frauen der Wissenschaft, die Jesus Christus als Herrn und Erlöser akzeptieren. Der Bericht von der Erschaffung Adam und Evas als ein Mann und eine Frau und ihr anschließender Sündenfall sind die Grundlage unseres Glaubens in die Notwendigkeit eines Erlösers für die gesamte Menschheit. Daher, kann Erlösung nur dadurch zustandekommen, dass Jesus Christus als Erlöser akzeptiert wird.

Nach eigener Darstellung betreibe man zwar Forschung, aber die Unterzeichnung dieser 4 Punkte ist unvereinbar mit moderner, ergebnisoffener Wissenschaft. Ohne die Personen zu kritisieren oder deren Grund ihres religiösen Bekenntnisses zu diskreditieren, kann die Methodik nicht als wissenschaftlich bezeichnet werden, wenn mit der Schlussfolgerung begonnen wird und eine Änderung dieser ausgeschlossen ist, ohne Rücksicht auf die Evidenz, welche sich im Laufe der Forschung ergeben würde.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 25. Apr 2018, 07:30

Grundlagen: Kreationismus - Teil 4: Ein muslimischer Intellektueller über die feinabgestimmte Einrichtung der Welt

Dieses Video habe ich vor etwa 5 oder 6 Jahren gefunden und im alten "Evolution oder Schöpfung"-Thread kommentiert. In diesem Video spricht ein muslimischer Intellektueller über die Niere, die Erdatmosphäre, den Abstand zwischen Sonne und Erde und die Bestandteile der Milchstraße. Die Erläuterungen her stehen lediglich stellvertretend für zahlreiche ähnliche Behauptungen und sind nicht gedacht, die abgebildete Person zu diskreditieren.


http://www.youtube.com/watch?v=Cc-UB6RTTPI
Titel: "Schicksal Und Vorbestimmung 1 Von 5 (www.diewahrereligion.de)"


Die zur Kenntnis genommenen Daten des Imam im Video

Der Intellektuelle fragt: "Woher weiß die Niere, das diese Giftstoffe Giftstoffe sind?"
In den Nephronen, die funktionellen Untereinheiten der Niere, wird im Bereich des Nierenkörperchens kontinuierlich Primärharn aus dem Blut filtriert. Anschließend werden im Tubulussystem bestimmte Stoffe resorbiert bzw. sezerniert, wodurch der eigentliche Harn (als Sekundär- bzw. Endharn) entsteht.
Die Niere nimmt sich also, was sie zum "Leben" braucht. Der Rest fliegt raus. So einfach ist das.

Der Intellektuelle fragt: "Sauerstoffgehalt in der Luft ist 21%. Und die Wissenschaftler sagen, wenn das 20% wären, wird die Erde den Inhalt von diesem Sauerstoff absaugen und wir werden aussterben. Wenn das 22% wären, wird nur Verbrennung auf diese Erde geben. Wer lässt das nur 21%?"
Der heutige Ist-Zustand wird zum immerwährenden erhoben, ein Problem zahlreicher kreationistischer Ansichten. Denn der Sauerstoffgehalt in der Luft war nicht immer so, ebenso wenig der Anteil des Kohlenstoffdioxid und die durchschnittliche Bodentemperatur.

Aus stratosgrafischen Messungen ergeben sich nach aktuellem Stand der Wissenschaft folgende Werte (#1, #2, #3, #4, #5, #6, #7, #8, #9, #10, #11 und #12):

Quartär (vor 2,588 Millionen Jahren bis heute)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 20,9 Vol.-%
-> Stmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 260 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 11 Grad Celsius

Neogen (vor 23,03 - 2,588 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 21,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 280 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 14 Grad Celsius

Paläogen (vor 65,5 - 23,03 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 26 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 18 Grad Celsius

Kreide (vor 145 - 66 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 30 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1700 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 23 Grad Celsius

Jura (vor 201,3 - 145 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 26 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1950 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16,5 Grad Celsius

Trias (vor 252,2 - 201,3 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 16 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1750 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 17 Grad Celsius

Perm (vor 298,9 - 252,2 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 23 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 900 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16 Grad Celsius

Karbon (vor 358,9 - 298,9 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 32,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 800 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 14 Grad Celsius

Devon (vor 419,2 - 358,9 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 15 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 2200 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 20 Grad Celsius

Silur (vor 443,4 - 419,2 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 14 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 17 Grad Celsius

Silur (vor 485,4 - 443,4 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 13,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4200 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16 Grad Celsius

Kambrium (vor 541 - 485,4 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 12,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 21 Grad Celsius

Alle Werte sind über die Periodendauer gemittelt. Innerhalb der Periodendauer, also der Millionen Jahre, die ein Zeitalter dauerte, gab es nachweislich auch Schwankungen.
ppm steht für "parts per million", also Teile pro Million, auch als Millionstel bezeichnet. Sie wird in Wissenschaft und Technik angewandt, wo Prozent (Hundertstel) und Promille (Tausendstel) nicht sinnvoll angewendet sind.

Die Uratmosphäre der Erde enthielt freien Sauerstoff (also O2) allenfalls in sehr geringen Konzentrationen, da aller Sauerstoff in Oxidation von organischen Stoffen, Schwefeldioxid und vor allem Eisen (als gelöstes zweiwertiges Eisen-Ion Fe2+ (#13)) vollständig verbraucht wurde. Vor etwa 3,2 bis 2,8 Milliarden Jahren entwickelten Mikroorganismen - nach gegenwärtigen Kenntnissen Vorläufer der heutigen Cyanobakterien - aus einer einfacheren Photosyntheseform eine neue entwickelten, bei der im Gegensatz zur älteren Form O2 als Abfallprodukt freigesetzt wurde, weshalb diese als oxygene Photosynthese bezeichnet wird (Oxygen = Sauerstoff). Dadurch wurde O2 in beträchtlichen Mengen in den Ozeanen gebildet. Eine lange Zeit wurde auch dieser Sauerstoff durch Oxidation gebunden, auch weil durch Verwitterung und Vulkanismus oxidierbare Stoffe nachgeliefert wurden. Nach dieser letzten Frist aber konnte der Neuertrag dieser Stoffe den immer wieder neu gebildeten Sauerstoff nicht mehr vollständig binden, sodass der überschüssige freie Sauerstoff begann sich im Meerwasser und anschließend in der Atmosphäre anzureichern. Innerhalb von etwa 50 Millionen Jahren führte der stetig steigende Sauerstoffgehalt zur Sauerstoffkatastrophe, dem ersten großen nachweisbaren Massensterben auf dem Planeten Erde (dazu in einem anderen Beitrag mehr).

Die Aussage des Intellektuellen ist also falsch. Es hat in der Erdgeschichte Zeiten mit wesentlich stärkeren Abweichungen vom heutigen Sauerstoffgehalt gegeben und weder sind Atmosphäre und Meere verbrannt (wie man auch andernorts lesen kann), noch wurde aller Sauerstoff ins All geblasen oder irgendwo im Erdreich gebunden.

Der Intellektuelle behauptet: "Die Wissenschaftler sagen, wenn die Sonne 10 Meter runter kommen würde, werden wir alle verbrannt. Wenn die Sonne 10 Meter höher wäre, wird alles auf dieser Erde frieren. Das sind 10 Meter und wir fliegen mit dem Flugzeug 10.000 Meter Richtung die Sonne und wir werden nicht verbrannt werden. Nur damit wir wissen, mit wir zu tun haben. Das sind Gesetze, die die Menschheit nicht kennt."
Sollte diese Aussage tatsächlich zutreffen, so ist es Aufgabe der Wissenschaft eben genau darüber Kenntnis zu erlangen. Im Grunde handelt es sich hier aber um astronomische Unkenntnis. Kein einziger Planet beschreibt eine Kreisbahn um die Sonne, alle sind auf einer elliptischen Bahn unterwegs. Die Abweichung der Bahn vom perfekten Kreis wird Exzentrik genannt. Und auch die Erde hat eine solche.

Bild
Maßstabsgetreue Darstellung der elliptischen Umlaufbahn der Erde im Vergleich mit einem Kreis.

Die Abweichungen sehen äußerst gering aus. Zu beachten ist hierbei, dass der Kreis in der Realität einen Radius von 1 astronomischen Einheit hat. Das sind 150 Millionen Kilometer. Der mittlere Abstand der Erde zur Sonne beträgt 149,598 Millionen Kilometer und die Abweichungen von diesem Mittelwert können bis zu 1,67 % betragen. Das klingt nicht nach viel. Um den 3. Januar herum befindet sich die Erde an ihrem sonnennächsten Punkt, dem Perihel. Der Abstand zur Sonne beträgt dann "nur" noch 147,1 Millionen Kilometer und damit 2,4 Millionen Kilometer näher an der Sonne als der Mittelwert. Um den 5. Juli befindet sich die Erde an ihrem sonnenfernsten Punkt, Aphel genannt. Der Abstand beträgt nun 152,1 Millionen Kilometer und damit 2,6 Millionen Kilometer weiter weg von der Sonne als der Mittelwert.
Für den Intellektuellen wird es sicherlich eine Neuigkeit sein, zu erfahren, dass die Erde im Winter der Nordhalbkugel (die Südhalbkugel hat zu dieser Zeit Sommer), wo mehr als 3/4 der Erdbevölkerung wohnen, fast 5 Millionen Kilometer näher an der Sonne ist, als im Sommer. Der Abstand zur Sonne allein kann also nicht der ausschlaggebende Punkt sein, warum Flugzeuge nicht am Himmel verbrennen. Ein 10 Meter knapper Freiraum wäre auch erstaunlich unbequem, falls man in höheren Bürogebäuden arbeitet oder mal auf die Alm möchte (#14).

Der Intellektuelle sagt: "Die Sonne ist 103 mal größer als die Erde."
Das ist zwar sehr kleinlich. Aber welches "größer" ist gemeint? Der Durchmesser der Sonne ist 108 mal größer. Das Volumen ist mehr als eine Million mal größer. Sie wiegt 700 mal mehr als alle Planeten zusammen und 330.000 mal mehr als die Erde im einzelnen.

Der Intellektuelle sagt: "Die Milchstraße, die Straße die das Sonnensystem enthält, enthält nicht nur die Sonne und die Erde, sondern auch noch 9 Planeten dazu. Was noch dazu kommt, das sind 2 Milliarden Asteroiden. Enthält diese Milchstraße. Und die Wissenschaftler sagen: 'Es gibt 2-3 Milliarden Milchstraßen'"
Es ist nicht ganz schlüssig, ob nun das Sonnensystem gemeint ist, in dem sich die Sonne und die sie umlaufenden 8 Planeten und allerlei Asteroiden und Kleinstkörper ihre Bahnen ziehen, oder die Galaxie, in der sich unser Sonnensystem und 200 Milliarden andere Sternensysteme befinden. Diese Galaxie, die Milchstraße genannt wird, ist eine von mehr als 150 Milliarden Galaxien, aus denen das sichtbare Universum besteht. Definitiv sind diese Daten erstaunlich, aber sie besagen nichts über den Grund ihrer Existenz.

Selbstverständlich ist dieser Einschub nicht dem Vorführen orientalen Irrglaubens gewidmet, da Kreationisten auf der ganzen Welt solche und ähnliche Äußerungen von sich geben und damit eindrucksvoll beweisen, dass sie oft nicht auch einfache Sachkenntnis von dem Themengebiet haben, aus dem sie sich bedienen, um ihre religiösen Ansichten zu verbreiten.

#1 - Gunnar Ries: Dicke Luft bei den Sauriern

#2 - Geologie-Forum @ Geoversum: Massensterben an der Perm-Trias Grenze: Durch Sauerstoffmangel erstickt?

#3 - Die Zusammensetzung der Atmosphäre im Phanerozoikum (diese ältere Quelle geht noch irrtümlich von einem nahe-rezenten Luftsauerstoffanteil bereits im Kambrium aus.)

#4 - Erdgeschichte: Fauna und Flora korreliert mit veränderten Umweltbedingungen

#5 - wissenschaft.de: Gigantismus, Fliegen und Antiaging: Sauerstoffreiche Luft löste vor 300 Millionen Jahren einen Innovationsschub aus

#6 - Rothman, Daniel H. (2001). "Atmospheric carbon dioxide levels for the last 500 million years". Proceedings of the National Academy of Sciences 99 (7): 4167-4171.

#7 - Royer, Dana L., Robert A. Berner, Isabel P. Montañez, Neil J. Tabor, and David J. Beerling (2004). "CO2 as a primary driver of Phanerozoic climate". GSA Today 14 (3): 4-10. doi:10.1130/1052-5173(2004)014<4:CAAPDO>2.0.CO;2

#8 - Hansen, J., Mki. Sato, G. Russell, and P. Kharecha, 2013: Climate sensitivity, sea level, and atmospheric carbon dioxide. Phil. Trans. R. Soc. A, 371, 20120294. doi:10.1098/rsta.2012.0294

#9 - Zachos JC, Dickens GR, Zeebe RE. 2008 An Early Cenozoic perspective on greenhouse warming and carbon-cycle dynamics. Nature 451, 279–283. doi:10.1038/nature06588

#10 - Lisiecki, L. E.; Raymo, M. E. (May 2005). Correction to "A Pliocene-Pleistocene stack of 57 globally distributed benthic d18O records". Paleoceanography: PA2007. doi:10.1029/2005PA001164

#11 - Berkeley Earth land-ocean dataset (2014). Retrieved on 21 March 2014.

#12 - IPCC Fifth Assessment Report WG1 Summary for Policy Makers (2013).

#13 - Die Oxidation von Fe2+ zu dreiwertigen Eisen-Ionen Fe3+ führte zur Ablagerung von Bändererz (Banded Iron Formation), wo Eisen hauptsächlich in Form von Oxiden, nämlich Hämatit Fe2O3 und Magnetit Fe3O4 vorliegt. In alten Kontinentschilden, die in der langen Zeit relativ wenig tektonisch verändert wurden, sind solche Bändererze bis heute erhalten, beispielsweise Hamersley Basin (Westaustralien), Transvaal Craton (Südafrika), Animikie Group (Minnesota, USA). Sie sind global die wichtigsten Eisenerze.

#14 - Habitable Zone
Wie groß ist denn die habitable Zone, die mit dieser falschen Aussage umschrieben ist? Der auch Lebenszone (habitus = Lebensraum) genannte Bereich, fälschlicherweise auch bewohnbare Zone genannt, bezeichnet im Allgemeinen den Abstandsbereich, in dem sich ein Planet von seinem Zentralgestirn befinden muss, damit Wasser dauerhaft in flüssiger Form als Vorraussetzung für erdähnliches Leben auf der Oberfläche vorliegen kann. Das ist natürlich von Temperatur und Leuchtkraft des jeweiligen Zentralgestirns abhängig und lässt sich sogar berechnen:
Die biometrische Leuchtkraft des Sterns geteilt durch die biometrische Leuchtkraft der Sonne. Davon zieht man die Wurzel und man hat den Durchschnittsradius der Lebenszone in astronomischen Einheiten. Natürlich kann das Konzept durch Einbeziehen von Klima- und Treibhauseffekten wesentlich verfeinert werden. Die innere Grenze wird durch den sich selbst verstärkenden Treibhauseffekt definiert, in dessen Verlauf das Wasser des Planeten durch Vergasen in den interplanetaren Weltraum entkommt. An der äußeren Grenze können selbst Wolken aus gefrorenem Kohlendioxid keinen ausreichenden Treibhauseffekt mehr bewirken. In unserem Sonnensystem liegt die innere Grenze bei 0,95 astronomischen Einheiten, womit die Erde noch ca. 4,95 Millionen Kilometer Platz nach innen hat. Die äußere Grenze wird je nach Modell mit 1,37 - 2,4 astronomischen Einheiten angegeben. Womit der Erde nach außen minimum 52 Millionen Kilometer Platz verbleiben und theoretisch sogar der Mars in seiner sonnennächsten Phase drin sein könnte.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 9. Mai 2018, 15:21

Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 3: Das geozentrische Weltbild

Die Wissenschaft nimmt dem Menschen die Krone und schiebt ihn aus der Mitte des Universums.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/98/Kepler_laws_diagram.svg/220px-Kepler_laws_diagram.svg.png
Grafische Zusammenfassung der drei Keplerschen Gesetze:
1. Zwei ellipsenförmige Umlaufbahnen mit der Sonne (sun) im Brennpunkt F1.
F2 und a1 sind der andere Brennpunkt bzw. die große Halbachse für Planet1, F3 und a2 für Planet2.
2. Die beiden grauen Sektoren A1 und A2, die dieselbe Fläche haben, werden in derselben Zeit überstrichen.
3. Die Quadrate der Umlaufzeiten von Planet1 und Planet2 verhalten sich wie a1³ : a2³.


Das erste Keplersche Gesetz klingt simpel: Die Planeten bewegen sich auf elliptischen Bahnen. In einem ihrer Brennpunkte steht die Sonne.
Diese simple und doch revolutionäre Idee stammt aber entgegen immer wieder lautender Behauptung nicht grundsätzlich von Kepler. Schon Kopernikus kam vor ihm auf den Gedanken, die Erde aus der Mitte zu nehmen und das heliozentrische Weltbild aus der Antike wieder aufzugreifen. Zum modernen Heliozentrismus trug auch Galileo bei, als er das neu erfundene Teleskop für astronomische Forschungen auf den Jupiter richtete und damit die ersten 4 Monde eines anderen Himmelskörpers entdeckte: Galileo, Ganymed, Io und Kallypso. Damit war klar, dass eben nicht alles um die Erde kreist.
Vorerst funktionierte das heliozentrische Weltbild aber nicht wesentlich besser als das geozentrische. Mit der Sonne im Zentrum konnte man die Dinge zwar einfacher beschreiben und leichter berechnen, aber die Genauigkeit der Ergebnisse, war nicht besser als zuvor. Der Fehler zwischen Theorie und Beobachtung war immer noch groß. Der Kreis galt damals ästethetisch wie auch religiös als perfekte Form und Gottes Schöpfung musste diesen perfekten Formen folgen. Kepler verwarf diese Vorstellung zugunsten seiner Jahrzehnte mathematisch ausgewerteten Beobachtungsdaten, die eben für Ellipsen sprachen. Die Fehler wurden kleiner. Aber warum die Bahnen elliptisch waren, konnte auch Kepler nicht erklären. Das schaffte erst Isaac Newton mit seinem Gravitationsgesetz. Die Keplerschen Gesetze sind im Grunde nur eine andere Formulierung der Gravitationsgleichung und lassen sich aus dieser herleiten. Vermutlich hätte Kepler selbst diese Gleichung entdeckt, wenn er intensiver darüber nachgedacht oder man ihn walten gelassen hätte.

Das zweite Keplersche Gesetz klingt im Vergleich zum ersten Gesetz richtig kompliziert: Ein von der Sonne zum Planeten gezogener "Fahrstrahl" überstreicht in gleichen Zeiten gleich große Flächen. Das bedeutet nichts anderes, dass ein Planet auf seiner Umlaufbahn in Sonnennähe schneller ist, als in größerer Entfernung zur Sonne (#1). Ein langer "Fahrstrahl" mal einem kleinen Winkel (durch geringe Geschwindigkeit) = ein kurzer "Fahrstrahl" mal einem großen Winkel (durch hohe Geschwindigkeit).

Selbstverständlich könnten wir nun darauf verweisen, dass die Vorstellung einer zentralen Erde ein wissenschaftliches Bild ist und dieses Bild im Gegensatz zur heiligen Schrift revidiert werden musste. Wie in den vorherigen Beispielen auch, wird aber eindrucksvoll dargelegt, dass Wissenschaft solche Änderungen überhaupt zulässt, dogmatische Buchreligionen aber nicht.
In der Bibel stehen denn auch nach wie vor geozentrische Aussagen, wie die Erschaffung der Gestirne nach der Erde (1. Mose 1: 3-5, je nach Lesart soll es wohl auch das Aufscheinen der bereits bestehenden "Lichter" für einen hypothetischen Beobachter durch eine neblige Atmosphäre sein) oder ein Ausbleiben des Sonnenlichts in Ägypten als 9. der 10 Plagen (2. Mose 10:21-23) oder die stillstehende Sonne in der Schlacht Josuas zur Verteidigung Gibeons (Josua 10:12-14). Da diese Dinge wissenschaftlich nicht greifbar sind, muss der Gläubige auf ein Wunder beharren.

Die Umlaufbahn der Erde ist nur sehr leicht elliptisch und kaum von einem Kreis zu unterscheiden. Zwar unterscheidet sich der Sonnenabstand zwischen Perihel und Aphel rund 5 Millionen Kilometer, aber die fallen bei einem mittleren Sonnenabstand von 149 Millionen Kilometer kaum auf. Andere Himmelskörper, wie beispielsweise Kometen (oder Merkur oder Pluto) haben viel langgestrecktere Bahnen, auf denen die Unterschiede in die Milliarden gehen. Die damit einhergehenden Geschwindigkeitsunterschiede sind bei der Erde demnach ebenfalls gering. Durch den Einfluss der anderen Planeten im Sonnensystem verändert sich die Bahnellipse der Erde im Laufe der Zeit. Sie wird unter anderem periodisch elliptischer und weniger elliptisch. Ist die Bahn deutlich elliptischer als aktuell, dann verbringt die Erde auch deutlich mehr Zeit entfernt von der Sonne (weil sie auf diesem Teil ihrer Bahn langsamer ist) und die Jahreszeiten verlaufen nicht mehr so symmetrisch wie heute. Winter und Sommer dauern unterschiedlich lang und das kann, in Verbindungen mit anderen Faktoren, zu langen Eiszeiten führen.

Die ersten beiden Gesetze veröffentliche Kepler schon 1609 in seinem Werk "Astronomia Nova". Für das dritte Gesetz ließ er sich ein wenig mehr Zeit; es wurde erst 1619 in "Harmonice Mundi" publiziert. Es klingt wieder schön kompliziert: Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen der großen Bahnhalbachsen.
Aber bei näherer Betrachtung ist es eigentlich ganz simpel. Die große Halbachse gibt an, wie groß die Ellipse einer Planetenbahn ist und entspricht dem mittleren Abstand des Himmelskörpers von der Sonne. Die große Halbachse der Erdbahn ist knapp 150 Millionen Kilometer lang beziehungsweise eine Astronomische Einheit (AE). Venus zum Beispiel ist näher an der Sonne und hat eine große Halbachse von 0,7 AE. Jupiter ist weiter entfernt und die große Halbachse seiner Bahn beträgt 5,2 AE. Neptun, der am weitesten von der Sonne entfernte Planet, hat eine Bahn mit einer großen Halbachse von 30 AE.
Keplers drittes Gesetz sagt nun nichts anderes, als das ein Umlauf um die Sonne um so länger dauert, je größer die große Halbachse ist. Die Erde braucht für eine Runde um die Sonne ja bekanntlich 365,25 Tage. Der ferne Neptun braucht dagegen 165 Jahre um seine Bahn einmal komplett zu durchlaufen. Der sonnennahe Merkur dagegen schafft es in 88 Tagen. Die 365,25 Tage der Erde sind ein wenig unpraktisch, wenn es darum geht einen vernünftigen Kalender zu basteln, aber wir befinden uns eben nun mal da wo wir uns befinden und Kepler lässt uns keine andere Wahl als uns mit dem überzähligen Vierteltag herumzuärgern. Im Grunde lässt sich also eine möglichst genaue Umlaufzeit aller möglichen Planeten aus einem System errechnen, wenn man von einem Planeten möglichst genau die große Halbachse und die Umlaufzeit kennt und die große Halbachse des Planeten, dessen Umlaufzeit man errechnen möchte. Dieser mathematische Zusammenhang nicht nur bei Planeten, die um die Sonne schwirren, sondern immer dann, wenn irgendein Himmelskörper einen anderen umläuft. Auch Satelliten (#2).

Aber auf für das Leben auf der Erde spielt das dritte Gesetz eine wichtige Rolle. Damit sich Leben auf einem Planeten entwickeln kann, muss dieser "angenehme" Temperaturen haben. Es darf nicht zu warm und nicht so kalt sein, denn nur wenn flüssiges Wasser vorhanden ist, kann Leben, so wie wir es kennen, existieren. Ist der Planet dem Stern zu fern, dann friert das Wasser. Ist er zu nah, dann verdampft es. Wo sich dieser optimale Bereich befindet, hängt davon ab, wie stark der Stern strahlt. Bei schwach leuchtenden Sternen müssen die Planeten sehr nah heranrücken, damit lebensfreundliche Bedingungen herrschen. Je näher man dem Stern kommt, desto stärker werden aber die von ihm wirkenden Gezeitenkräfte, die die Rotation des Planeten bremsen. Irgendwann dreht sich der Planet dann genau so schnell um seine Achse wie er sich um den Stern bewegt. Ein Tag dauert dann genau so lang wie ein Jahr und auf so einem Planeten ist eine Hälfte immer zum Stern gewandt, auf der anderen dagegen herrscht ewige Nacht. Die eine Seite wäre glühend heiß, die andere klirrend kalt und Leben ist kaum möglich (#3). Die Erde ist aber weit genug entfernt, so dass die Gezeitenkräfte der Sonne nur wenig stören und so für relativ gleichmäßige Temperaturen auf Tag- und Nachtseite sorgen (#4).

Und dies führt zu einem Planeten voller Leben.

# 1 - Perihel und Aphel

Da die Sonne nicht im Zentrum der Ellipse ist, sondern in einem der Brennpunkte, gibt es immer einen geringsten und einen größten Abstand. Der Punkt auf der Umlaufbahn, an dem der umlaufende Körper dem zu umlaufenden Körper am nächsten kommt, wird Perihel genannt. Der fernste Punkt des umlaufenden Körpers dagegen Aphel. Das gilt sowohl für Planeten, Asteroiden und Kometen, die ein Zentralgestirn umlaufen, als auch für Monde, die um ihren jeweiligen Planeten wandern.

#2 - Satelliten

Je näher Satelliten der Erde sind, desto schneller sausen diese um die blaue Murmel herum. Die ISS in nur knapp 300 Kilometer Höhe braucht zum Beispiel nur 90 Minuten für eine Runde. Die geostationären Satelliten in 36.000 Kilometer Höhe brauchen dagegen 24 Stunden.

#3 - Gezeitenbremse

Beim Merkur ist diese Gezeitenbremse am stärksten ausgeprägt, er braucht für eine Drehung länger als für einen Umlauf.

#4 - Gezeitenbremse Mond

Die Erde wird zwar kaum durch die Gezeitenkraft der Sonne gestört, doch der wesentlich nähere Mond führt tatsächlich dazu, dass die Erde immer langsamer rotiert. Wobei sein Gezeiteneinfluss immer weiter abnimmt, da er sich jedes Jahr um ein paar Millimeter von der Erde entfernt. Vermutlich wird er aber irgendwann die Erde gestoppt haben, so wie die viel schwerere Erde den Mond gestoppt hat. Der Mond zeigt uns deswegen immer die gleiche Seite. Eine Rotation dauert genauso lange wie ein Umlauf um die Erde. Irgendwann wird also auch die Erde dem Mond immer das gleiche Gesicht zeigen. Das sind aber Zeiträume, die kein Mensch überblicken kann. Statisch ist dennoch nichts.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 17. Mai 2018, 07:49

Evolutionstheorie und Rassendiskriminierung

Regelmäßig, wenn die Argumente des Gegners dieser Theorie ausgehen, gibt es scheinbar nur zwei reflexartige Ausflüchte: Hitler und Satan.
Ersterer hat die Theorie genutzt, um die Juden verfolgen und umbringen zu lassen. Letzterer hat sie in Dasein gebracht oder Darwin eingegeben, damit die Welt glaube, es gäbe ihn und Gott überhaupt nicht.
Dem 2. Pfad zu folgen, führt immer in einen Zirkelschluss: Dass so etwas Perfides wie die Evolutionstheorie existiert, beweist ja im Grunde für den Gläubigen schon, dass es Satan gibt. Denn die Evolutionstheorie hat in seinem Gedankengebäude nur den Zweck, den Sinn der Zweifelnden und Ungläubigen zu verblenden und die Menschheit von Gott weg zu führen. Da kann man im Grunde auch nicht mehr vernünftig diskutieren.

Aber die andere Variante lässt sich leicht als Blödsinn entlarven.
Zum einen sagt der Missbrauch einer Theorie nichts über deren Richtigkeit aus, zum anderen sind völkische und ethnische Vorurteile so alt wie Völker und Ethnien. Und die gibt es nunmal nicht erst seit dem 24. November 1859.
Die Gravitationstheorie hat der Wissenschaft im beginnenden 19. Jahrhundert ein völlig neues Wissensgebiet erschlossen. Nun konnte man erstmals errechnen, warum Planeten sich so bewegen und wo man sie demnächst finden wird. Auch wie sich Bälle und dergleichen beim freien Fall verhalten und dergleichen mehr. Natürlich kann man damit auch errechnen, wie groß ein Brocken sein muss, damit ich eine Stadt zertrümmern kann. Ich müsste ihn aus dem All nur mit einer Rakete ablenken und könnte ihn theoretisch auf ein paar Kilometer genau auf der Erde abstürzen lassen.
Die Relativitätstheorie ist natürlich ebenfalls herrlich angenehm zum Erforschen des Universums und vertieft das Verständnis, das die Wissenschaft aktuell von diesem hat. Aber man kann auch Atombomben bauen.
Gehören diese Theorien dennoch verboten, weil man mit ihnen Schindluder treiben kann? An den dahinterliegenden Prozessen ändert sich ja trotzdem nichts. Nur, dass wir sie nicht mehr verstehen lernen.
Aber wenn Dinge verboten gehören, die missbraucht werden können, wären im Umkehrschluss die Religionen und deren heilige Schriften nicht ebenfalls einem solchen Verbot zuzuordnen? Immerhin wird im Namen von Religionen und heiligen Schriften schon seit jahrtausenden Mord und Totschlag, Enteignung und Versklavung betrieben, in einem Ausmaß, wie Newtons, Einsteins oder Darwins Theorien nie zu nutzen wären.
Denn die Evolutionstheorie, dass ist der gängige Tenor der daran Forschenden, ist ja nicht dazu da, Gott zu widerlegen, sondern die Welt ein wenig besser zu verstehen. So findet die Evolutionstheorie nicht nur im Hinterzimmer irgendwelcher Theoretiker Platz, sondern auch als Anwendungsbereich der Epidemologie, die sich mit der Klassifizierung und Erforschung von Seuchen und Massenkrankheiten befasst.

Grundsätzlich ist die Evolutionstheorie ja nur eine Fortsetzung anderer Theorien. Galileo und Kepler stießen die Erde aus dem Mittelpunkt des Weltalls. Spätere Astronomen erweiterten das Universum derart, dass die Erde nunmehr einen Randplatz in einer von zig Galaxien annimmt. Die Evolutionstheorie nimmt dem Menschen die "Krone der Schöpfung" und rückt ihn in die Tierwelt hinein. Sie zeigt auf, dass unser Verhalten nicht grundsätzlich anders ist, als das anderer Primaten. Ein schickes Auto ist nicht nötig, zeigt den Mädels aber, dass man diese versorgen könnte. Immerhin hat man genug Bananen gesammelt, um sich solchen Überfluss anzuschaffen. Das steigert seine Chancen, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Seine Gene bleiben erhalten.
Die Evolutionstheorie sagt: "Hey, du bist wie sie. Du stehst nicht drüber. Dich kann das alles hier genauso treffen, wie jeden anderen auf diesem Planeten." Ist das nicht eine demütige Aussage? Und da trifft sie doch wieder die Bibel, die fordert, Demut an den Tag zu legen.

Aber bleiben wir kurz bei Hitler:
Hätte es die Pogrome und die Konzentrationslager nicht gegeben, wenn Darwin, Wallace, Häckel und Co. diese Theorie nicht ausgearbeitet hätten? Natürlich hätte diese trotzdem gegeben. Man bedenke, dass die Juden schon immer die Gehetzten waren. Lange bevor Darwin überhaupt geboren wurde.
Schon die Bibel erwähnt solche Begebenheiten: Wer kennt nicht den Auszug aus Ägypten, inklusive der 10 Plagen und der vorangegangenen Ereignisse? Weniger bekannt ist da schon die Verfolgung durch den obersten Hofbeamten Haman unter dem persischen Großkönig Ahasverus, was man im Bibelbuch Esther lesen kann. Und dann gibt es da noch die Auseinandersetzungen und Verballhornung im Mittelalter. Juden-Bashing ist also keine neuzeitliche Erfindung, die irgendeiner wissenschaftlichen Theorie bedarf. Die Evolutionstheorie ist hier ebenso missbrauchtes Werkzeug, wie all die Jahrtausende die Religion, das Militär oder die Wirtschaft.

Ein Hammer ist ja perse auch nichts Schlechtes. Man sollte ihn halt nur für Nägel und nicht für Schädel verwenden.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 18. Mai 2018, 18:42

Muslimischer Terror und die Darwinisten
All dies zeigt, dass die moralische Lehre, die der Menschheit im Islam geboten wird, der Welt Frieden, Glück und Gerechtigkeit bringen wird. Der Barbarismus, der in der Welt heute unter dem Namen "islamischer Terrorismus" verübt wird, steht vollständig abseits der moralischen Lehre des Qurans; er ist das Werk von ignoranten, voreingenommenen Leuten, von Verbrechern, die mit der Religion nichts zu tun haben.

Das klingt natürlich erst mal gut, oder? Ein Moslem, der, wie so viele, seinen Glauben nicht mit dem Terrorismus in Einklang bringen kann. Glücklicherweise sind diese in der Mehrheit. Paniker können also wieder ruhiger atmen, nicht jeder der anderthalb Milliarden Muslime geht mit Bombengürtel vor die Tür. Puh.

Dieses Zitat war auf der Webseite des türkischen Autoren Harun Yahya zu finden. Er selbst bezeichnet sich als "bekannten türkischen Intellektuellen". Nicht immer jedoch sind seine Äußerungen mit dem Prädikat "intellektuell" zu versehen. In einem Interview mit dem Spiegel Online (#1) sagt er dann noch folgende intelligente Dinge:
Der Darwinismus ist die Grundlage für Hitlers und Mussolinis Faschismus und Stalins Kommunismus. Und wenn wir uns die Gegenwart anschauen, dann sehen wir, dass alle Terroristen - auch diejenigen, die sich selbst als Muslime betrachten - in Wahrheit Darwinisten und Atheisten sind. Ein gläubiger Mensch, der regelmäßig betet, legt keine Bomben. Das machen nur Menschen, die vorgeben, Muslime zu sein - oder Darwinisten, die klar sagen, dass sie Terroristen oder Kommunisten sind. Folglich sind sie alle Darwinisten.

Klingt fast wie eine mathematische Gleichung.
Theorem 1: Muslime legen keine Bomben.
Theorem 2: Tut ein Moslem es doch, so gibt er nur vor ein Moslem zu sein.
Schlussfolgerung: Alle Bombenleger sind Darwinisten.

Nun wird selbstverständlich übersehen, dass Muslime, die keine Bomben legen, demnach also echte Muslime sind, trotzdem die Überzeugung der Existenz irgendeiner Form der Evolution haben können und sei es die theistische Evolution (Kurz: Gott erschuf die Arten durch Evolution.). Wie sie das in ihrem Leben unter einen Hut bringen, ist dabei irrelevant.
Blödsinn aber ist es, die religiöse Motivation der Attentäter hinweg zu lächeln und zu behaupten, sie hätten keine. Man kann gern wegschauen, damit das Bild der eigenen friedlichen Religion nicht zerstört wird, aber die Realität lässt sich nicht erzeugen, indem man Dinge übersieht.
Zum Beispiel, dass Darwinisten (#2) in vielen Religionen zu Hause sind, man aber entsprechend selten von christlichen, jüdischen oder taoistischen Selbstmordattentätern liest und hört. Auch Atheisten sprengen sich nicht willkürlich in die Luft, weil sie keinen Gott fürchten müssen, der sie im ewigen Höllenfeuer für die Verschwendung des gottgeschenkten Lebens bestraft.
Selbstmordattentate beruhen in der Regel darauf, dass man möglichst viele Ungläubige in den Tod reißen will, da diese den eigenen Gott erbosen, dies aber weder bereuen, noch entsprechende Änderungen vornehmen. Die Aussicht auf eine Belohnung in einer jenseitigen Welt ist sicherlich ein gutes Lockmittel, was bei Atheisten nicht verfängt, da sie ja nicht glauben. Warum sollten sich Atheisten auch in die Luft sprengen? Welches Ziel verfolgen sie (#3)? Und warum bekennen sich diese Selbstmordatheisten mehrheitlich zur Lehre des Propheten Mohammed? Es stehen doch so viele Religionen zur Auswahl, die man als Deckmantel nutzen kann.

Auch hatte ich bereits eine kurze Abhandlung darüber verfasst, warum Evolution und Rassismus nicht miteinander einhergehen (Beitrag "Grundlagen: Evolutionstheorie und Rassendiskriminierung"). Rassenfeindlichkeit wie im Faschismus und kollektive Ausrottung wie im Kommunismus sind keine Ideen, die erst seit Darwin und Haeckel in die Welt kamen oder von diesen entwickelt wurden. Totalitäre Regime gab es zuvor. Ansichten, dass der niedere Russe dem Stolz der Grand Armee von Napoleon nicht standhalten könne, hat es ebenso gegeben, wie versklavte Volkschaften allein, weil sie nicht aus dem versklavenden Reichsgebiet stammten. Zum Beispiel die zahlreichen Indios nach der Kolonisierung Amerikas oder die eingeschleppten Afrikaner. Als Bonaparte starb, war Darwin noch ein Schulkind. Als erstmals Abertausende Sklaven nach Amerika verschifft wurden, war wiederum Napoleon noch nicht mal geboren.

Entscheidet bitte selbst, ob die Äußerungen von Harun Yahya wirklich von Intellekt zeugen oder einfach nur dumme, unhaltbare Behauptungen.

#1 - Quelle: Spiegel Online Interview mit Harun Yahya
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/interview-mit-harun-yahya-alle-terroristen-sind-darwinisten-a-578838.html

#2 - Darwinist ist aber auch ein blödes Wort, so wie Evolutionsbefürworter. Es wird der Eindruck einer beliebigen Anschauung im Sinne eines Glaubensbekenntnis erweckt oder aber das (mehr oder weniger) blinde Folgen, der Idee eines einzelnen Mannes.

#3 - Irritierend ist diese Frage auch, weil Atheisten im Gegensatz zu religiösen Gruppen keinen Dachverband haben und auch kein gemeinschaftliches Ziel oder Motiv vorhanden ist.
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