100. Beitrag - Ein Resümee (Teil 1)Wow.
Ich hätte selbst nicht gedacht, einmal 100 Beiträge zu diesem Thema zu verfassen. Es gibt nur 2 Themen in diesem Forum, die mehr Beiträge haben:
105 Beiträge im Feedback-Thread des geflügelten Wortes und 267 Beiträge im Bilder-Thread "Gefunden"
Und nur 3 Themen wurden häufiger angeklickt (respektive "gelesen") als dieses:
Über 8.000 Klickereien hat Chuck Norris, über 12.000 die Hilfestellung für den Firefox und über 40.000 Klicks vereinnahmt "Ein Gedicht zum nachdenken - ES IST ALLES NUR GELIEHEN".
Aufgrund der aktuellen Wachstumszahlen sieht es so aus, als würde das Thema Evolution oder Schöpfung Ende des Jahres in beiden Kategorien um 1 Platz nach vorn rücken.
100 Beiträge, Zeit für ein Resümee. Laut Duden ist ein Resümee (vom französischen
résumé) eine knappe Inhaltsangabe, beziehungsweise kurze Zusammenfassung. Ja, kurz... Hm...
Versuchen wir es. Was wurde nicht alles in den letzten 98 Artikeln geschrieben?
Es handelt sich, wie von alten Hasen bemerkt, nicht um den ersten Thread dieses Namens. Ich hatte bereits 2011 über das Buch "Leben. Wie ist es entstanden? Durch Evolution oder Schöpfung?" (Hrsg. Wachtturm-Gesellschaft 1982, 1985, 1996) rezensiert. Dann wollte ich die entstehenden Diskussionen ausgliedern, wusste aber nicht wie. Auch ein erneutes Aufrollen des Themas änderte daran erstmal nicht viel. Dann wurde ein neuer Thread gleichen Namens gestartet, der bereits wie dieser hier aufgebaut war. Nicht als Buchbesprechung, sondern als Artikelsammlung. Diese Artikel wurden abermals überarbeitet. Weniger Kampfschrift, mehr Sachlichkeit.
Man merkt die Umstellung an der Lücke der Daten. Während das Inhaltsverzeichnis von Februar 2012 ist, stammt der "erste" Beitrag von Oktober 2017. Alles davor liegende wurde gelöscht und wartet auf seine Wiedererweckung. Viele Artikel haben diese bereits erlebt.
Mein erklärtes Ziel ist es aber, erst genug Verständnis aufzubauen, bevor ich mich an die Rezension des oben genannten Buches mache. Ich will fundierte Antworten liefern.
Beginnen wir nun mit dem Resümee:
Ich bleibe dabei: Ich bin maximal ein interessierter Fachlaie, der sich sehr für die wissenschaftliche Arbeitsweise begeistert. Deswegen enthalten Grundsatzartikel eher auch Gedanken zur Profilierung oder Veräußerung meiner Weltanschauung als zum titelgebenden Thema selbst.
Für das eigene Verständnis einer wissenschaftlichen Theorie ist es wichtig, sie an der Kritik anderer zu messen. Selbstverständlich wird man früher oder später an seine intellektuellen Grenzen stoßen. Das ist gar nicht schlimm. Denn dahinter wird es erst richtig spannend.
Und auch wenn man nicht alles erklären kann, heißt das nicht, dass das Gegenüber recht hat.Halten wir fest: Die "besseren" Argumente sind jene, die sich widerspruchsfreier in die Realität einfügen lassen.
Und es ist gut, wenn man immer wieder auch kritisch hinterfragt, was man da "glaubt".Ich habe nach wie vor nicht das Gefühl, dass, selbst wenn man alles sauber argumentieren kann, jeden überzeugt. An vielen Überzeugungen hängt mehr als nur Faktenwissen.
In
Einmal Evolution light, bitte! - Probleme der theistischen Evolution habe ich kurz angerissen, warum theistische Evolution (Gott erschafft mittels Evolution) kein wirklich brauchbares Mittel zum Wissensgewinn darstellt.
Wenn Gott allmächtig ist, warum sollte er über "Zwischenstufen" die Lebewesen erschaffen haben, die er von Anfang an im Sinn hatte? Und da das Wettrüsten zwischen Jäger und Beute immer weiter verläuft, stellt sich doch die Frage, warum die heutigen Arten, der Mensch eingeschlossen, Endprodukte sein sollten. Nach biblischer Auslegung muss der Mensch separat erschaffen worden sein, sonst zerbricht die ganze Heilsgeschichte um Erbsünde und Erlösung.
Aber theistische Evolution ist nur eine Spielart des Kreationismus. Jeder dritte Highschool-Biologielehrer in den USA hat gar keinen Abschluss in Biologie und kam demnach nie akademisch mit der Evolutionstheorie in Berührung. Aber auch mehr als 50% derer, die sich für ein Biologiestudium einschreiben möchten, dachten Kreationismus sei wissenschaftlich belegbar.
Das darunter angeführte Kreationisten-Bullshit-Bingo habe ich dagegen deutlich zu selten verwendet, betrachtet man die Zahl der Rezensionen, die bereits in diesem Thread verfasst wurden.
Wichtig war es mir immer auch, zu zeigen, wie Wissenschaft funktioniert und warum wir dieser Methode am Ehesten vertrauen sollten.
Wissenschaftlicher Erfolg lässt sich nicht vorhersagen und auch nicht planen. Man kann nicht bestimmen, wo die nächste große Erkenntnis gewonnen und wer sie finden wird.
Wissenschaftler sind sich im klaren darüber, dass sie kein Konzept, der sie umgebenden Natur zu hundert Prozent verstanden haben, deswegen sind deren Ergebnisse in der Regel auch sehr verhalten formuliert. Und man darf Wissenschaft nicht mit dem Zerrbild ihrerselbst verwechseln:
Wissenschaft ist der methodische Erkenntnisgewinn, kein Hoffnungssystem.Wissenschaft ist nicht schuld an der Atombombe, so wie die Bibel nicht schuld an Konflikten in Irland ist.
Böses und Gutes macht der Mensch, nicht die Methode. Shakespeare ist ja auch kein schlechter Autor, weil mir ein ledergebundenes Buch von Hamlet kräftig über den Schädel gezogen wird.
Ein Hammer kann ein vielseitig einsetzbares Werkzeug sein oder eine Waffe. Der Anwender entscheidet das.
Ich halte mich auch nicht für einen Agnostiker, also jemand der Gott für möglich, aber entweder irrelevant oder aber nicht begreifbar hält. Ein nicht wahrnehmbarer Gott kann aus der Gleichung weggelassen werden, wie eine Multiplikation mit der Zahl 1 aus einer mathematischen Formel.
Als Wissenschaftler oder interessierter Fachlaie sollte man daher kein Problem haben, einfach zu sagen: "Ich weiß es nicht!" Das ist in jedem Falle korrekt. Aber:
Aus Unwissen ergibt sich nicht automatisch Gott.Ich bin Atheist.
Wer reine Naturwissenschaft propagiert, macht sich nicht nur bei Wunderheilern, Wahrsagern, Esoterikern und Kreationisten unbeliebt, sondern auch bei "ganz normalen" Leuten. Man soll doch "offen für neue Ideen sein".
Wer seinem Guru, Heiler, Rutengänger, Astrologen oder Kartenleger kritikfrei traut, ist ebenso wenig vor anderen Manipulationen gefeit, wie ein Gläubiger.
Gott wirkt wie ein Aufsatz, um Sinn zu stiften, wo vermutlich keiner ist, ein Ankerpunkt für Moral, wo keiner nötig sein sollte. Aber wenn er tatsächlich in mein "Herz" schaut, so sieht er keinen Hass auf ihn, sondern lediglich die fehlende Überzeugung, dass es ihn gibt. Ich wüsste kein natürliches Phänomen, von dem aus sich zwingend Gott ableiten lässt. Aber vermutlich kommen andere zu anderen Schlussfolgerungen.
Ist es lügen, das Loskaufopfer feiern und schlussendlich davon ausgehen, dass es keine Erbsünde zu vergeben gibt? Warum kann ich nicht einfach dankbar sein?
Ich bin in großer Regelmäßigkeit in den Zusammenkünften, bei fast jedem Kongress der letzten 4 Jahre, habe sogar schon bei der Saalreinigung geholfen und führe seit der Geburt meines Kindes ein Bibelstudium, hab den Königreichssaal mit renoviert und saniert, war als Begleiter, Unterhalter und Verköstiger für eine ausländische Delegation auf einem internationalen Kongress eingeteilt und habe mich sogar taufen lassen. Was also stimmt mit mir nicht? Ich muss es doch langsam begriffen haben.
Nein, da ist nichts. Es hat sich nichts verändert. Ich habe weder die Erleuchtung erfahren, noch irgendetwas neues zugetragen bekommen. Die Leute aus der Versammlung begeistert mein "neuer Lebensweg" mehr als mich. Die Glück- und Segenswünsche berühren mich kaum. Ich habe trotzdem pflichtschuldig danke gesagt.
Würde ich auch heute eine Liste erstellen, mit Dingen, für die ich Gott danken möchte, so wäre sie immernoch leer. Was ich heute habe, ist keine göttliche Fügung und kein Segen. Es ist das Ergebnis einer kausalen Kette von richtigen und falschen Entscheidungen, die im Grunde all zu oft durch Sachzwänge vorgegeben waren.
Ich denke, dass auch nach 100 Beiträgen kein Kreationist "bekehrt" wurde. Meine Artikel sind dazu vermutlich gar nicht geeignet. Und das haben andere mit deutlich mehr Sachverstand auch nicht geschafft. So schrieb ich es schon in "Grundsatzartikel: Worum es hier nicht gehen soll - Die Wahrnehmung von Religionen in der Blogosphäre".
Es ist nach wie vor mein grundlegendes Anliegen durch die Recherche für die Artikel meinen eigenen Standpunkt zu festigen und zugleich zu hinterfragen. Es geht ums Aufdecken pseudowissenschaftlicher Behauptungen und dem Erklären, was Wissenschaft wirklich dazu sagt.
- Es geht mir um die Verteidigung einer der besten wissenschaftlichen Theorien unserer Zeit.
- Es geht darum, aufzuzeigen, wie Wissenschaft funktioniert und wie sie ganz sicher nicht funktioniert.
- Es geht darum, aufzuzeigen, warum sie so faszinierend ist und warum sie zu diesen Ergebnissen kommt.
- Es geht darum, aufzuzeigen, warum sie die aktuell beste Methode des Wissensgewinnes ist.
- Es geht darum, die immer gleichen Plattitüden der Kreationisten argumentativ zu entkräften und als den Blödsinn kenntlich zu machen, der er nun mal ist. Denn immer wieder werden die gleichen alten Aussagen aus irgendeinem Keller gekramt, obschon seit Jahrzehnten widerlegt oder lediglich um die Beseitigung der Evolutionstheorie bemüht, ohne eine stichhaltige Alternative anzubieten.
Im Artikel "Erbsünde und letzte Tage" konnte statistisch gezeigt werden, dass das Bild der heutigen düsterer gezeichnet wird, als es tatsächlich ist.
Sie stritten sich beim Wein herum,
Was das nun wieder wäre;
Das mit dem Darwin wär gar zu dumm
Und wider die menschliche Ehre.
Sie tranken manchen Humpen aus,
Sie stolperten aus den Türen,
Sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
Gekrochen auf allen Vieren.
- Wilhelm Busch, Kritik des Herzens, 1874
Am 9. November 2017 folgte dann die erste Rezension: "Wachtturm Oktober 2013 - Wie Farben auf uns wirken" Ein aufmerksamer Leser hätte den Artikel mit kritischen Sachverstand aber auch ohne mein Zutun zerlegen können, denn er beantwortet die evolutionskritische Passage in den eigenen Absätzen selbst. Farbwahrnehmung hat einen selektiven Vorteil.
In einem folgenden Artikel ging es um die Unterscheidung von Komplexität und Kompliziertem, in einem anderen um den Goldenen Schnitt.
Ob Wissenschaftler mit Kreationisten debattieren sollten, war eine ganz andere Frage. Denn einerseits bietet man dieser Pseudolehre eine Bühne und stellt sie gleichberechtigt der Wissenschaft gegenüber, andererseits wird eine Weigerung wohl einem Eingeständnis einer intellektuellen Niederlage gleichgesetzt. Es wurde im darauffolgenden Artikel aber auch gezeigt, warum man der Wissenschaft nicht einfach nur glauben sollte.
Eine ganze Artikelserie beschäftigte sich mit dem Begriff Wahrheit. Vom Gespräch Jesu mit Pontius Pilatus (Johannes 18:38) ging es zu zwei widersprechenden Lehrmeinungen und über die angebliche Engstirnigkeit der Wissenschaft, Theologie, einen erfundenen Einstein, bis hin zur "Glaubenssache" Wissenschaft.
Was macht den Unterschied?
Wieso sollten ägyptische, babylonische, griechische, chinesische und andere Mythologien als solche bezeichnet werden dürfen, christlich-jüdische oder muslimische aber nicht? Was macht die Sintflut dieser Religionen realer, als die Urflut der Maori? Warum ist der Logos (Erschaffung durch das Wort) des Elohim (hebräischer Titel für Gott) besser als der Logos des Ptah?
Methodischer Erkenntnisgewinn wird im Gegensatz zu Religionen nie zum Mythos.
Was macht eine Religion zu einer guten Religion? Für die einen ist es das utopisch gute Leben nach dem Tode. Für die anderen ist es die offizielle Lizenz, sich gegenüber seinen heidnischen Nachbarn überlegen zu fühlen. Wieder ganz andere schätzen die geringfügige Möglichkeit, sich während der Messe mit John Travolta oder Tom Cruise um die Plätze zu prügeln.
- MAD Magazine
Über einen Laienbruder auf dem Oybin und seine Ansicht zum Baum der Erkenntnis von Gut und Böse habe ich auch was verfasst. Eine ähnliche Verirrung stellt der Volksglaube dar, die Menschen im Mittelalter hätten geglaubt, die Erde sei eine Scheibe und Christoph Columbus habe das Gegenteil behauptet und bewiesen. Das es selbst unter Bäumen kein "Gentlemen's Aggreements" gibt, hatte ich ebenso wie andere Konkurrenzsysteme aufgezeigt.
Die nächste große Artikelserie befasste sich mit Homosexualität. Das waren die ersten Artikel mit mehreren wissenschaftlichen Fachquellen in der Fußnote. Es gab einen geschichtlichen Überblick, eine Analyse zur Verbreitung, Einblicke in die Rechtslage (besonders in Deutschland und Österreich), Emanzipation und Ursachenforschung. Anschließend fasste ich die evolutionstheoretischen Erklärungsmodelle zusammen. Diese wissenschaftlich gestützte Betrachtung führte zur Aufarbeitung der Homophobie und Vorurteilen gegenüber Homo- und Transsexuellen. Zum Schluss ging ich auf die Moral ein, aufgehängt an einem Gespräch an dem ich selbst beteiligt war.
Ich habe auch mehrere Artikel über Zweifel an der göttlichen Autorenschaft der Bibel geschrieben. Es begann mit dem Kinderlied "Weißt du wieviel Sternlein stehen" und dem Versprechen Gottes Abrahams Nachkommen zahlreich wie die Sterne zu machen. Anhand der Bibelstelle Nahum 3:16 konnte ich aufzeigen, dass Zahlenräume, die in der Bibel gebraucht werden nicht zwangsläufig mit tatsächlichen überein stimmen müssen.
Daraufhin begann ich eine neue Artikelserie, "Gottesbeweise", in der jene kurz beschrieben und anschließend argumentativ entkräftet wurden. Dies betraf alle klassischen Gottesbeweise, aber auch die Gödel'sche Formel und die Pascal'sche Wette.
Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen!
- Faust I, Johann Wolfgang von Goethe
Der "Über Zufall, Mutation und die Grenzen der Vererbungslehre" verfasste Artikel soll Wissenslücken bei den Begrifflichkeiten ausräumen. Es wurde versucht aufzuzeigen, warum Vererbungslehre und Evolutionstheorie sich nicht ausschließen. Die Mendel'sche Vererbungslehre stellt sogar die Erklärung zur Übertragung von mutiertem Erbgut. Eigentlich ergänzen sie sich ganz gut. Es wird trotzdem gegenteiliges behauptet. Dabei gilt die Vererbungslehre Mendels uneingeschränkt nur dann, wenn es zwischenzeitlich zu keiner Mutation kommt. Sie ist bei Mutationsauftreten nur noch eingeschränkt gültig, nämlich als Erklärung für die Weitergabe des neuen Erbgutes.
Bei der Meiose, also der von Gregor Mendel beschriebenen Vererbung, werden unveränderte Chromosomensätze der Eltern zusammengesetzt. Und das sind ihre Grenzen. Sie stellt den Normalfall dar und gilt da nicht mehr, wo die Erbinformation verändert wird. Dies kann beispielsweise durch einen Fehler bei der Meiose oder aber auch durch Mutation geschehen.
Der nächste Artikel ging darauf ein, warum ein abgeschaltetes Enzym, dass für den Menschen Vitamin C herstellen könnte, ein Selektionsvorteil sein kann.
Daraufhin habe ich mich mit einem Konzept des Intelligent Design beschäftigt, der irreduziblen Komplexität. Das Konzept besagt, dass bestimmte Systeme zu komplex aufgebaut sind, um ohne Funktionseinschränkung weiter vereinfacht werden. Und da es unwahrscheinlich ist, dass alle benötigten Komponenten auf einen Schlag aus dem Nichts auftauchen und sich genau richtig zusammensetzen, muss eine höhere Macht dahinter stecken.
"Ließe sich irgend ein zusammengesetztes Organ nachweisen, dessen Vollendung nicht möglicherweise durch zahlreiche kleine aufeinanderfolgende Modifikationen hätte erfolgen können, so müßte meine Theorie unbedingt zusammenbrechen. Ich vermag jedoch keinen solchen Fall aufzufinden."
– Charles Darwin
Darum wusste also schon Darwin und schrieb es auch in seinem berühmten Buch nieder. Auch hat er bereits damals darauf hingewiesen, dass Organe im Verlauf ihrer Entwicklung komplett unterschiedliche Funktionen haben können. Die Feder wäre ein Beispiel dafür. Es handelt sich im Grunde um aufgefächerte Schuppen, die der Wärmeisolation dienen, erst über die weitere Auffächerung und die Entwicklung hohler, leichter Knochen wurde das Fliegen mit ihnen möglich. Auch für das menschliche Auge finden sich einfachere "Vorstufen" in noch heute lebenden Tieren. Oder Beispiele für die Entwicklung des Herzen. Oder, oder, oder.
Es ging danach um Verwandschaften zwischen Mensch und Maus und das wir uns gut 97 % der DNA teilen. Was macht den Menschen zum Menschen? Sind es die mikrigen 1,3 %, die ihn vom Schimpansen unterscheiden?
Der zweite Artikel des Jahres 2018 beschäftigte sich ebenfalls mit einem angeblich irreduziblen Bauteil, der bakteriellen Flagelle. Das ist die rotierende Geißel, die ein bisschen an den Außenbordmotor oder eine Schiffsschraube erinnert und von Bakterien, die diese ausbilden auch so verwendet wird. Der Denkfehler der "irreduziblen Komplexität" ist, dass sich aus der Betrachtung der (heutigen) Komplexität biologischer Systeme nur selten etwas über deren Entstehungsprozess aussagen lässt.
Kurz darauf ging es um den Zusammenhang von Nacht und Urknall.
Diesem Artikel folgten die beiden Rezensionen zu den beiden unter Zeugen Jehovas sehr beliebten Videofilmen "Hat die Bibel doch recht? - Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise" und "Dem Geheimnis des Lebens nahe". Lesenswert, aber ich spoiler mal vorweg: Im ersten Video diskreditiert man lediglich Darwin, Haeckel und Co., ohne selbst Beweise für die Plausibilität der Bibel zu liefern, oder selbst überhaupt eine Alternative anzubieten. Er verwendet viel Zeit darauf die sowjetischen Fehlentscheidungen dem Darwinismus anzuhängen, Mendel in Opposition zu Darwin zu setzen, Makro- und Mikroevolution zu trennen, Mutation als "immer schlecht" zu brandmarken und Evolution mit Zufall gleichzusetzen. Für eine plausible oder überhaupt irgendeine Alternative bleibt dagegen keine Zeit. Damit wird die Frage des Filmtitels gar nicht geklärt.
Im zweiten Video wird wenigstens ein Gegenkonzept vorgestellt, aber das Versprechen des Filmtite wird wieder nicht eingehalten. Man ist auch nach dem Video kein Deut schlauer, was wie von statten gegangen sei und was das Geheimnis des Lebens eigentlich sein soll. Es wird auf intuitive Erfahrungen mehr Wert gelegt, als auf sachliche Wissensvermittlung. Bilder und Aussagen wirken lenkend. Einige Konzepte setzen sich selbst Definitionsrahmen, die in der Realität so nicht gegeben sind.
Im folgenden Artikel wurde das Paradoxon des unhebbaren Steines erörtert.
Danach erläuterte ich, warum "Glaube" in Bezug auf wissenschaftliche Theorien ein unglücklich getroffener Begriff ist.
"Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört daran zu glauben."
- Phillip K. Dick, US-amerikanischer Science-Fiction-Autor
Evolution, Relativität, Quantenmechanik sind ja keine "Erfindungen" der Wissenschaft, sondern Gesetzmäßigkeiten, die uns die Natur vorgibt. Die muss man halt schlucken, ob es uns schmeckt oder nicht.
Der nächste Artikel befasste sich damit, was Darwin mit "Surival of the fittest" meinte und dass er sich dabei gegen die einseitige Betrachtung als Kampf und Überleben des Stärkeren wehrte.
Auch die Uhrmacher-Analogie wurde bereits behandelt und damit einhergehend, warum man nicht von menschgemachten Dingen auf die göttliche Erschaffung von Lebewesen schließen kann. Von Menschen gemachte Dinge wechselwirken nicht, reagieren nicht auf Reize, organisieren und regulieren sich nicht selbst, pflanzen sich nicht fort, vererben nichts und wachsen nicht. Sie sind allein dem Zerfall verpflichtet. Das ist der große Unterschied zum Leben. So wird eine Uhr als von Menschen geschaffen erkannt, da der Betrachter bereits durch Bildung und Prägung weiß, dass Uhren künstlich hergestellt werden. Das Erkennen von Ordnung und Komplexität sei dafür nicht ausschlaggebend.
In den darauffolgenden Artikeln ging es um die Wahrscheinlichkeit bereits aufgetretener Prozesse, um selektive Wahrnehmung, um Mustererkennung (selbst da, wo keine sind) und das anthropische Prinzip. Dieses besagt, dass die Erde und die Gegebenheiten im Allgemeinen (zum Beispiel: Naturkonstanten) zwingend so lebensfreundlich sind, weil wir darauf leben. Wäre die Erde oder das umliegende Universum nicht lebensfreundlich, dann wären wir auch nicht da um festzustellen, dass sie das nicht sind. Es ist also notwendig, dass wir eine lebensfreundliche Umgebung wahrnehmen, da es uns als Wahrnehmer ja sonst gar nicht geben würde.
Es ist erwiesen", sagte er, "dass die Dinge nicht anders sein können, als sie sind, denn da alles um eines Zweckes willen geschaffen ist, dient alles notwendigerweise dem besten Zweck. Bemerken Sie bitte dass die Nasen geschaffen wurden, um Brillen zu tragen, so haben wir denn auch Brillen. Die Füße wurden sichtlich gemacht, um Schuhe zu tragen, und so haben wir Schuhe. Die Steine wurden gebildet, damit man sie zuhaue und daraus Schlösser baue, und so besitzt denn Seine Gnaden ein schönes Schloss, der größte Baron der Provinz muss am besten wohnen, und da die Schweine zum Essen gemacht sind, essen wir das ganze Jahr hindurch Schweinernes.
Infolgedessen ist die Behauptung, es sei alles auf dieser Welt gut eingerichtet, eine Dummheit, vielmehr müsste man sagem, dass alles aufs Beste eingerichtet ist."
- metaphysich-theologischer Monolog über Kosmonologie des Dr. Pangloss in Friedrich der Große - Band 2: Der einsame König - Die große Romanbiografie (von Cornelia Wusowski)
Daraufhin ging es um Krieg. Können Tiere Schlachten schlagen? Wenn ja, unterscheiden sich diese von Kriegen unbehaarter Trockennasenaffen (Menschen)? Töten Tiere mit Absicht? Gibt es Überlappungen zwischen menschlichen und tierischen Verhaltensweisen?
Im Artikel über "Non sequitur" ging es um Fehler in Argumentationen. Und darauf folgend wurden "Evolutionspiele" vorgestellt, also simulierte, kleine Programme, die nach den Regeln bekannter evoluter Vorgänge geschrieben sind. Man kann Autos beim Evolvieren zuschauen, Amöben beim Streit beobachten oder Käfer durch die Landschaft wuseln lassen. Einfache Turing-Maschinen, wie die "Eaters" gibt es daneben ebenso, wie Paketestapeln. Man kann ineinem der Projekte an echten Gensequenzen rumschrauben und nebenher der Feldforschung dienlich sein.
Die ersten 50 Beiträge schloss ich mit der Frage um die Existenz der Weisheitszähne ab.
Was noch alles passierte, erkläre ich euch im 2. Teil.