Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 3. Feb 2012, 03:09

Evolution oder Schöpfung

Mittlerweile handelt es sich um den gefühlten 10. Reboot meiner Artikelserie über die Frage nach dem Ursprung und der Entwicklung des Lebens.
Dies stellt den Versuch dar, möglichst nüchtern und sachlich zu bleiben. Etwaigen Diskussionspartnern sei gesagt, ähnliche Professionalität bei diesem oft leidenschaftlichen geführten Thema an den Tag zu legen. Die Diskussion selbst ist freilich gern willkommen.

Alle bereits veröffentlichten Artikel lassen sich über das Inhaltsverzeichnis direkt ansteuern. Sie sind allesamt verlinkt.
Interessiert euch ein bestimmtes Themengebiet, so nutzt die Suchfunktion eures Browsers (zum Beispiel F3 bei Firefox oder Chrome). Die Titel sind so gewählt, dass der Inhalt erkennbar ist.

Inhaltsverzeichnis

Seite 01, Beitrag ...
... 002, 01.10.2017: Grundsatzartikel: Was sind die "besseren" Argumente?
... 003, 02.10.2017: Einmal Evolution light, bitte! - Probleme der theistischen Evolution
... 004, 05.10.2017: Das Vorrücken der Kreationisten
... 005, 22.10.2017: Grundsatzartikel: Wie Wissenschaft funktioniert
... 006, 02.11.2017: Grundsatzartikel: Meine Motivation
... 007, 03.11.2017: Grundsatzartikel: Warum kann ich nicht einfach dankbar sein?
... 008, 05.11.2017: Grundsatzartikel: Worum es hier nicht gehen soll - Die Wahrnehmung von Religionen in der Blogosphäre
... 009, 06.11.2017: Erbsünde und letzte Tage
... 010, 08.11.2017: Rezension: Wachtturm Oktober 2013 - Wie Farben auf uns wirken


Seite 02, Beitrag ...
... 011, 09.11.2017: Grundlagen: Was bedeutet Komplexität?
... 012, 14.11.2017: Grundlagen: Was ist der Goldene Schnitt?
... 013, 15.11.2017: Grundsatzartikel: Sollten Wissenschaftler mit Kreationisten debattieren?
... 014, 16.11.2017: Grundsatzartikel: Wenn Gott nun Wissenschaftler wäre ...
... 015, 17.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 1: Eine Einleitung mit Pontius Pilatus
... 016, 18.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 2: "Wenn sich zwei Lehren widersprechen, kann nur eine richtig sein." - Ist Wissenschaft engstirnig?
... 017, 19.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 3: Zur Unterscheidung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft - Ist Theologie eine Wissenschaft?
... 018, 21.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 4: Ein fiktiver Einstein über Glauben - Über die Nachweisbarkeit von Behauptungen
... 019, 22.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 5: Wissenschaft, eine Glaubenssache?
... 020, 04.12.2017: Erbsünde und letzte Tage - Cölestiner-Variante


Seite 03, Beitrag ...
... 021, 05.12.2017: Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 1: Die Erdscheibe
... 022, 06.12.2017: Konkurrenz - Teil 1: Hohe Bäume und andere Absurditäten, die bei einem gütigen Schöpfer nicht zwingend zu erwarten wären
... 023, 07.12.2017: Homosexualität - Teil 1: Geschichtsüberblick, Verbreitung, Rechtslage
... 024, 08.12.2017: Homosexualität - Teil 2: Emanzipation und Ursachenforschung
... 025, 09.12.2017: Homosexualität - Teil 3: Evolutionstheoretisches Erklärungsmodell
... 026, 10.12.2017: Homosexualität - Teil 4: Homophobie und Vorurteile
... 027, 11.12.2017: Homosexualität - Teil 5: Der böse Schwule - Homosexualität und Moral
... 028, 12.12.2017: Über die göttliche Autorenschaft der Bibel - Teil 1: "Weißt du, wieviel Sternlein stehen ..."
... 029, 13.12.2017: Grundlagen: Gottesbeweise - Teil 1: Die klassischen Gottesbeweise
... 030, 14.12.2017: Grundlagen: Gottesbeweise - Teil 2: Gödel'sche Formel


Seite 04, Beitrag ...
... 031, 16.12.2017: Grundlagen: Gottesbeweise - Teil 3: Die Pascalsche Wette
... 032, 27.12.2017: Grundlagen: Über Zufall, Mutation und die Grenzen der Vererbungslehre
... 033, 28.12.2017: Vitamin C - Fehlende Synthetisierung als Selektionsvorteil
... 034, 29.12.2017: Was ist nicht reduzierbare Komplexität?
... 035, 02.01.2018: Genetik: Der Mensch ist keine Maus!
... 036, 05.01.2018: Zur Evolution des "Bakterienmotors" - Die Entstehung bakterieller Flagellen ist erklärbar
... 037, 07.01.2018: Was hat die Nacht mit dem Urknall zu tun?
... 038, 10.01.2018: Rezension: Hat die Bibel doch Recht? - Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise
... 039, 13.01.2018: Rezension: Dem Geheimnis des Lebens nahe
... 040, 15.01.2018: Wie hebt man einen unhebbaren Stein? - Das Allmachtsparadoxon und warum Internet-Diskussionen meist sinnlos sind und wie man daran etwas ändern kann


Seite 05, Beitrag ...
... 041, 17.01.2018: Grundsatzartikel: Ich glaube nicht an die Evolution!
... 042, 18.01.2018: Grundlagen: Survival of The Fittest = Überleben des Stärkeren? - Altruismus in der Evolutionsbiologie
... 043, 20.01.2018: Grundlagen: Uhrmacher-Analogie - Was ist Leben?
... 044, 23.01.2018: Pokerspielen - Über die Wahrscheinlichkeiten bereits aufgetretener Effekte
... 045, 26.01.2018: Kann ich meinem Hirn trauen? - Über die Fallen der selektiven Wahrnehmung
... 046, 29.01.2018: Grundlagen: Was ist das anthropische Prinzip?
... 047, 02.02.2018: Konkurrenz - Teil 2: Ist Krieg Menschenwerk? - Die Schimpansen von Gombe
... 048, 03.02.2018: Was ist "Non sequitur"?
... 049, 07.02.2018: Wie ein Auto evolviert
... 050, 09.02.2018: Warum gibt es Weisheitszähne?


Seite 06, Beitrag ...
... 051, 12.02.2018: Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 2: Christoph Kolumbus (Die Erdscheibe 2.0)
... 052, 14.02.2018: Interaktionsmodelle - Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion
... 053, 23.02.2018: Was ist Humanismus und wovor hat der Gläubige Angst?
... 054, 26.02.2018: Vormarsch der Kreationisten in Deutschland im Lichte eines differenzierteren Darwin
... 055, 03.03.2018: Wissenschaft und Kirche
... 056, 09.03.2018: Über die göttliche Autorenschaft der Bibel - Teil 2: Wasserkreislauf
... 057, 14.03.2018: Grundlagen: Der infinite Regress
... 058, 17.03.2018: Dogmen
... 059, 28.03.2018: Grundsatzartikel: Zu viele Explosionen - Über die Probleme bei der Vermittlung von Wissenschaft
... 060, 29.03.2018: Die Wichtigkeit von Grundlagenforschung - Astronomie in der Augenklinik


Seite 07, Beitrag ...
... 061, 01.04.2018: Perfektion? - Aus Fehlern wird man klug! - Teil 1: Das menschliche Auge und EHEC im Lichte der Evolutionsforschung
... 062, 03.04.2018: Perfektion? - Aus Fehlern wird man klug! - Teil 2: Was beta-globin über Artverwandtschaften verrät
... 063, 15.04.2018: Rezension: Fragen junger Leute: Schöpfung oder Evolution?
... 064, 18.04.2018: Grundlagen: Kreationismus - Teil 1: Einleitung - Sind Zeugen Jehovas Kreationisten?
... 065, 20.04.2018: Grundlagen: Kreationismus - Teil 2: Was ist Kreationismus?
... 066, 23.04.2018: Grundlagen: Kreationismus - Teil 3: Formen des Kreationismus
... 067, 25.04.2018: Grundlagen: Kreationismus - Teil 4: Ein muslimischer Intellektueller über die feinabgestimmte Einrichtung der Welt
... 068, 09.05.2018: Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 3: Das geozentrische Weltbild
... 069, 17.05.2018: Grundlagen: Evolutionstheorie und Rassendiskriminierung
... 070, 18.05.2018: Muslimischer Terror und die Darwinisten


Seite 08, Beitrag ...
... 071, 23.05.2018: Photosynthese auf anderen Planeten
... 072, 01.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 1: Bitte nicht Shakespeare!
... 073, 05.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 2: Was ist eine Theorie?
... 074, 11.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 3: Die "Seele" der Wissenschaft - Grenzgebiete
... 075, 13.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 4: Der mühsame Weg zur Publikation
... 076, 17.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 5: Offenheit, der Triumph der Wissenschaft
... 077, 21.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 6: Erngard - Können esoterisch-übernatürliche Phänomene wissenschaftlich geprüft werden?
... 078, 28.06.2018: Prägnante Antworten auf häufig gestellte kreationistische Behauptungen
... 079, 27.09.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 1: Einstimmung
... 080, 28.09.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 2: Vorhersagen in geschichtlicher Forschung


Seite 09, Beitrag ...
... 081, 01.10.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 3: Experimentelle Evolutionsforschung - Richard Lenski und das E.Coli-Langzeitexperiment
... 082, 04.10.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 4: Sichtbare Evolution
... 083, 13.10.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 5: Mögliche Entwicklung und Vorläufer der DNA
... 084, 22.10.2018: Grundlagen: Die 5 Säulen der Evolution - Teil 1: Eine Übersicht


Bald folgende Artikel:
Mutation
Selektion
Variation
Adaption
Genetischer Drift
Intelligent Design
Radiometrie
Dendrochronologie
Erdgeschichte
Rezension: Das Leben - Wie ist es entstanden? Durch Evolution oder durch Schöpfung?
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 1. Okt 2017, 06:23

Grundsatzartikel: Was sind die "besseren" Argumente?

Ich sage es frei heraus, ich habe das alles nicht studiert. Ich bin höchstens interessierter Fachlaie. Gleichwohl geht es mir um die Verteidigung meiner persönlichen Weltanschauung. Und diese stütze ich auf rationale Argumente.
Aber wer hat die "besseren"?

Muss ich mich überhaupt gegen den Kreationismus stemmen? Ist mir das möglich? Was bringt es mir?

Ja, ich denke, die eigene Anschauung muss auch verteidigt werden. Sie kann nur so gut sein, wie die Argumente, auf die man sich stützt. Wenn man die Evolutionstheorie nicht einfach als gegeben hinnehmen will, sondern tatsächlich begreifen möchte, so sollte man sich auch mit den Kritikpunkten der Kreationisten beschäftigen. Selbstverständlich wird man früher oder später an seine intellektuellen Grenzen stoßen.


Und machen wir uns nichts vor: Manche Fragen sind gut gestellt. Manche Fragen zeigen tatsächlich Wissensdefizite auf. Es gehört zum wissenschaftlichen Prozess diese Lücken zu schließen, neue Fragen aufzunehmen, zu ergründen und schlussendlich zu beantworten. Auf der anderen Seite lässt sich aber auch festhalten, dass viele Fragen an die Dummheit oder an die Sehnsucht des Menschen appellieren oder schon lange beantwortet sind und trotzdem immer wieder gestellt werden. Feststellen lässt sich auch, dass zu den beanstandeten Punkten dieser etwa 160 Jahre alten, stets erweiterten und immer wieder bestätigten Theorie, keine vernünftige Alternative angeboten wird.

Grundsätzlich gilt es aber zu beachten, dass selbst im unwahrscheinlichen Falle, die Evolutionstheorie sei falsch, nicht automatisch gilt, der Kreationismus wäre korrekt. Es würde dann die Frage entstehen: Welcher Kreationismus hat recht? Es gibt doch so viele.
Da Kreationismus sich aber zumeist darin erschöpft, die Evolution zu verneinen, ohne greifbare, verifizierbare, falsifizierbare Konkurrenztheorien aufzustellen, wird sich diese Frage vorerst nicht stellen. Aber es bleibt: Die Richtigkeit einer Theorie ergibt sich nicht aus der Falschheit einer anderen. Die Widerlegung einer Sache ist nicht der Beweis für eine andere.

Selbstverständlich gilt aber auch für Gott der feste Leitsatz: Die Abwesenheit von Beweisen ist kein Beweis für die Abwesenheit.

Aber nützen einem die besseren Argumente überhaupt etwas. Ich für meinen Teil denke nicht mehr, dass man jeden mit den richtigen Argumenten überzeugen kann. Schwierig ist dies eben auch, weil oft nicht objektiv festgestellt werden will, was die besseren Argumente sind.
Meiner Überzeugung nach, kann man nur aus sich selbst heraus seine Ansichten ändern.
Freilich nutzt man dafür Informationen, die andere an einen herantragen. Was bleibt einem auch übrig, hat man doch weder die Daten selbst erarbeitet, noch einen kompletten Überblick über die gesamte Materie.
Argumentatives Festnageln führt dagegen in der Regel zu Abwehrreaktionen, wie Verschließen, Aggression und Verdrängen. Der andere wird es eben nicht "einsehen müssen". Wenn dann noch Emotionen, z.B. aufgrund einer Heilshoffnung im Spiel sind, kommt man mit Rationalität nicht mehr weiter.

Für viele Menschen ist die Wissenschaft unheimlich. Sie wünschen sich einfache Erklärung und ein paar Geheimnisse. Die Wissenschaft aber entzaubert ihrer Ansicht nach die Welt.
Wieso sonst erfreuen sich esoterische und pseudowissenschaftliche Bücher so großer Beliebtheit, wie es kaum ein Sachbuch vermag? Wieso sind in Büchereien Abteilungen über Astrologie größer, als Abteilungen über Himmelsmechanik? Wieso pfeifen sich die Leute Globulis rein und machen Reiki?
Solche Dinge bereichern die Welt nicht. Sie engen die Sicht auf die Vielfalt des Lebens und der Natur ein. Richard Feynman sagte einst: "Die Welt wird durch die Wissenschaft nicht entzaubert. Nehmen sie eine Rose. Mit jedem neuen Aspekt, den man entdeckt, gewinnt sie an Schönheit." (Zitat stark eingekürzt!)

Für den ersten Beitrag war dies genug der persönlichen Worte. Vielmehr aber soll es künftig um Fakten und Daten gehen.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 2. Okt 2017, 18:11

Einmal Evolution light, bitte! - Probleme der theistischen Evolution

Wenn Gläubige die Evolution akzeptieren, dann als von Gott gewolltes Instrument, die Erde mit allerlei Leben zu füllen. Gläubige und Atheisten werden, zumindest soweit es um die wissenschaftliche Erforschung kausaler Ursachen geht, gegebenenfalls sogar zu den selben Ergebnissen kommen. Es besteht jedoch durch die unterschiedliche religiös-weltanschauliche Deutung eine Diskrepanz im Denken darüber, weshalb sie stattfindet.

Ein allwissender Schöpfer wüsste selbstverständlich über welche "Zwischenstufen" er zu welchen "Ergebnissen" in der Artentwicklung kommt. Dem geneigten Leser werden die Anführungszeichen aufgefallen sein. Denn wir müssen geflissentlich ignorieren, dass die Evolution keine Zwischenstufen kennt, da ein jeder Ahne in der Entwicklung bestmöglich an seine Umgebung angepasst ist. Wie sonst hätte er in dieser überleben können?
Aber wir sollten auch übersehen, dass Evolution keine Ergebnisse kennt, weil es keinen Abschluss gibt, sondern sich alles stetig alles verändert. In Äthiopien splittet sich gerade eine Mücke in zwei völlig neue Unterarten auf. An der Elfenbeinküste entwickeln Malariaerreger Immunitäten gegen bisher wirksame Medikamente. Akazien lagern seit Neuestem Gift in ihren Blättern ab, damit die Giraffen sie nicht mehr fressen. Zuvor wurden die Äste und Zweige mit immer länger werdenden Dornen versehen, die die Giraffen mit immer dickeren Zungenhäuten konterten, bis die Akazie eben zum Chemiker wurde. Feststellbar ist dieser Wandel an Akazien, die nicht oder nicht so oft mit Giraffen konfrontiert werden. Es gibt also ganz offensichtlich keinen Schlußstrich.
Es stellt sich dennoch eine Frage: Warum sollte ein allmächtiger Schöpfer überhaupt den Umweg über die Evolution gehen, wenn er doch alles gleich nach Maß erschaffen könnte?

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(Übersetzung: Engel: "Herr, die Christen in Florida sind gegen das Lehren der Evolution in staatlichen Schulen." Gott: "Sie sind dagegen. Ich habe es erfunden!")

Mit der biblischen Schöpfung ist eine solche theistische Evolution sowieso nicht vereinbar, geht sie doch von der Schaffung "nach ihren Arten" (1. Mose, Kapitel 1) aus und separiert den Menschen völlig. Sie definiert ihn als erstes Menschenpaar Adam und Eva ganz fix in der Bibel und ist spätestens dann als Allegorie oder Metapher unbrauchbar, wo Jesu Stammbaum in den Evangelien direkt auf Adam als Stammvater Bezug nimmt, also ganz wörtlich gemeint ist. Da kann man schlecht irgendwas anderes reinlesen. Adam ist laut Bibel einfach kein Abkomme irgendeiner Tierart, sondern separat geschaffen.
Die Evolution wiederrum kennt keine klaren Definitionsgrenzen, mit welcher Generation nun die neue Art aus der alten hervorgeht. Demnach gibt es keinen definierten Adam. Der Sündenfall konnte somit nicht begangen werden und Jesu Opfertod wäre sinnfrei. Damit aber zerbrechen die Fundamente des biblischen Glaubens.
Ergo muss die Evolutionstheorie falsch sein und wird nicht zuletzt deshalb so vehement bekämpft, weil die mit dem Glauben verbundene Hoffnung daran hängt. Aus dieser Position heraus lässt sich verbissen eifern. Denn wenn der Mensch von der Krone der Schöpfung zum haarlosen Affen degradiert wird, trifft dies nicht nur das Selbstverständnis des Menschenbildes härter, als die Erkenntnisse von Kopernikus und Kepler, die die Erde aus dem Zentrum des Weltalls heraus katapultieren, sondern auch das Bild und die Zuneigung, die der Gläubige von und zu Gott hat, dem omnipotenten Wesen, dem er seine Existenz zu verdanken glaubt.
Pff! Da sich wissenschaftliche Erkenntnisse stets den heiligen Schriften unterzuordnen haben, stellt sich die Frage nach der Korrektheit des biblischen Schöpfungsberichtes gar nicht.

Aber im Grunde ist die Evolutionstheorie eine wissenschaftliche Theorie, wie jede andere auch. Und dennoch wird keine so heftig kritisiert.
Warum, zum Beispiel, geht keiner zum Astronomen und fragt ihn, warum er so sicher sei, dass Sterne aus diesen oder jenen Stoffen bestehen? Der Fachkundige wird natürlich mit der Spektralanalyse antworten und erklären, dass jedes Element seine spezifischen Charakteristika hat. Wenn man das von Sternen gesandte Licht durch ein Prisma in seine Bestandteile aufspaltet, dann ergibt sich ein lückenhafter Regenbogen. Jedes Element hinterlässt dabei die immer gleichen Lücken. Daraus erliest man die Bestandteile.
Kein Bibelfreund wird etwas dagegen sagen. Nicht weil es leicht beweisbar wäre, sondern weil es seinem biblischen Weltbild nicht widerspricht.
So leicht beweisbar wäre die Sache übrigens auch gar nicht. Denn es gilt aufgrund des Noether-Theorems als stichhaltig, dass sich Wasserstoff (oder jedes andere Element) ferner Sterne und Galaxien genauso verhält, wie jener vor Ort. Bestätigen lässt sich das wohl nie. Denn bis wir nicht bei diesen Sternen waren und nachgeschaut haben, müssen wir die Richtigkeit dieses Theorems einfach annehmen.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 5. Okt 2017, 04:27

Das Vorrücken der Kreationisten

Die theistische Evolution ist aber nur eine Spielart des Kreationismus. Die versöhnlichste möchte man meinen.

Die Wissenschaftsgemeinde ist immer wieder besorgt, weil es in den USA immer wieder Bestrebungen des "Intelligent Design" (in pseudowissenschaftliches Vokabular verpackte Schöpfungsgeschichte) gibt, sich im Biologieunterricht einzunisten. Dabei ist das Rennen aktuell ja eigentlich schon entschieden: Zwischen einem Viertel und knapp einem Drittel aller Biologie-Studienanfänger in den USA hatten in der Oberstufe sowohl Evolutionslehre als auch Kreationismus gelernt, wenn man der Umfrage der Professoren Randy Moore und Sehoya Cotner vom College of Biological Sciences der University of Minnesota glauben darf, deren Ergebnisse in der Mai-Ausgabe des US-Magazins BioScience (Vol. 64, No. 10) veröffentlicht wurde. (Quelle für die Statistik ist nicht von mir)

Aus der gleichen Statistik: Das Kreationismus in den USA als religiöse Weltsicht nicht in den öffentlichen Schulen gelehrt werden darf, weil dies gegen die verfassungsmäßige Trennung von Kirche und Staat verstößt, ist mehr als einem Viertel der Biologielehrer unbekannt. Und in etwa die gleiche Anzahl Lehrer glaubt, dass Kreationismus wissenschaftlich belegbar sei. Das verwundert nicht weiter, wenn man erfährt, dass jeder dritte Highschool-Biologielehrer gar keinen Abschluss in Biologie hat und demnach auch nie akademisch mit der Evolutionslehre in Berührung kam.
Aber wer sich entschließt, Biologie zu studieren, der weiß doch wohl Bescheid oder? Leider nein. 57 bis 59 Prozent der Studenten, die sich für Biologie eingeschrieben hatten (bei der Umfrage unter 1000 Studenten ihrer Einführungskurse unterschieden Moore und Cotner nach Haupt- und Nebenfachstudenten) und die aus dem Biologie-Schulunterricht "Vorkenntnisse" in Kreationismus mitgebracht hatten, waren überzeugt, dass sich diese Schöpfungslehre auch wissenschaftlich belegen lasse. Aber selbst die Studenten, denen in der Schule nie etwas anderes als Evolutionslehre vermittelt wurde, sind nur zu 72 bzw. 78 Prozent überzeugt, dass Evolutionslehre wissenschaftlich fundiert ist.


Fazit: Auch nach mehr als 160 Jahren intensivem Forschen und Nachsinnen über die Wirkweisen und Mechanismen der Natur, ist die Evolutionstheorie in den Köpfen kaum stärker verankert als zu der Zeit, in der sie erstmals ersonnen wurde.

Daher auch mein Vorschlag ein Kreationisten-Bullshit-Bingo hier einzuführen. Und so sieht eines aus:


Ich habe diese Idee aus einem Blog.
Ihr lest irgendeine kreationistische Veröffentlichung und hakt die Positionen ab, die ihr im Text gefunden habt.
Dem ursprünglichen Bullshit-Bingo fehlten ein paar Einträge, die ich wichtig fand, erwähnt zu wissen. Da hingegen hatte es einige Phrasen und Positionen, die irgendwie nur Dopplungen darstellten.

Bei einigen künftigen Texten werde ich dieses Prinzip anwenden, denn viele Worthülsen finden sich immer wieder in einschlägigen Texten. Komplexität, Ursache und Wirkung und Feinabstimmung liest man gehäuft.
Im Grunde drücken sie alle aber nur das Staunen darüber aus, etwas nicht zu verstehen und diesen begrenzten Erkenntnishorizont mit göttlicher Wirkung zu beschreiben, freilich ohne die Art seines Eingreifens oder den unbedingten Grund dafür zu erläutern.

Dieses Bingo gibt es auch für Homöopathie, Astrologie, Chemtrails und andere übersinnlich angehauchte Themen.
Dr. Google hilft weiter.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 22. Okt 2017, 19:54

Grundsatzartikel: Wie Wissenschaft funktioniert

Wie betreibt man Wissenschaft am Besten?
Sicher nicht, indem man die klügsten Köpfe in einen Elfenbeinturm steckt und dort von jeglichen Studenten fern hält. Denn dort fehlt ihnen jede Inspiration. Es fehlen jene, die neue, frische Fragen stellen. Wissenschaft besteht ja aber auch nicht nur aus Theorie, sondern auch aus Experimenten. Wissenschaftlicher Erfolg lässt sich nicht vorhersagen und auch nicht planen. Man kann nicht bestimmen, wo die nächste große Erkenntnis gewonnen wird und wer sie finden wird.

Fest steht aber, dass die Erkenntnis kommen wird. Wissenschaft ist der große Gegenspieler der Lüge. Sie ist ein Licht, dass immer heller strahlt, weil wir immer mehr verstehen können. Auch wenn von Esoterikern, Pseudowissenschaftlern und Religionsanhängern immer wieder gegenteiliges zu hören und lesen ist, hat Wissenschaft noch nie jemanden dümmer gemacht. Immer mehrt sich unser Wissen, wenn wir forschen. Natürlich steigt damit auch die Komplexität der Forschung und es sinkt der Teil des Wissens, den man sich in seinem Leben aneignen kann. Vor ein paar hundert Jahren gab es sicher Universalgenies, die so ziemlich alle Bücher ihres Kulturkreises gelesen haben. Einfach weil es so wenige waren. Heute sieht sie Sache völlig anders aus. Zudem ändert und mehrt sich unser gesammeltes Wissen mittlerweile so schnell, dass es oft schon nach gut und gerne 5 Jahren "veraltet". Bei all den Wissenschaften also immer auf dem Laufenden zu sein, ist daher unmöglich geworden, insbesondere, wenn man in die Tiefe gehen will.

Aber gesamtheitlich betrachtet, irren wir uns nach vorn. Der Grad der Irrung sinkt kontinuierlich.
In der Wissenschaft gibt es einen Selbstreinigungsprozess. Theorien, die den Experimenten und Fakten standhalten, sind gut. Theorien, die das nicht können, sind es nicht. Diese müssen modifiziert oder gänzlich verworfen werden. Erst am Ende des Tages entscheidet sich, wozu die jeweilige Theorie gehört. Dieser Selbstreinigungsprozess funktioniert gut und ist Grundlage jeder wissenschaftlichen Erkenntnis. Aber ...

Wissenschaftler sind sich im klaren darüber, dass sie kein Konzept, der sie umgebenden Natur zu hundert Prozent verstanden haben Oft aber nicht die Wissenschaftskommunikatoren. Die darf man nicht verwechseln, denn dies sind selten ein und die selben Personen und haben dementsprechend auch selten den selben Sachverstand oder die Zeit, ausgiebige Recherche zu betreiben. Würde es anders sein, würden Wissenschaftler ja nicht mehr forschen. Im Grunde steht nicht mal fest, ob überhaupt irgendeine Erkenntnis gesichert ist. Aber entgegen aller Religionen ist unser Alltag heute von den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft so durchdrungen, dass wir bei bestimmten Dingen sehr wohl von Tatsachen sprechen können.
Jeder Apfel fällt nach unten. Das Konzept der Schwerkraft ist hinreichend für unseren Alltag und weiterführend für die Wissenschaft sehr fundiert und akribisch untersucht worden. Fossilien und genetische Verwandtschaften erzählen von der Veränderlichkeit der Arten, wie Darwin und Wallace sie darlegten. Computer, Fernseher, Handy und Mikrowelle stellen täglich unter Beweis, dass Elektromagnetismus existiert. Unsere rote Haut bezeugt die UV-Strahlung. Es gibt in dieser "unsicheren" und "wankelmütigen" Wissenschaft also tatsächlich richtige Fakten und Tatsachen. Bei komplexeren Zusammenhängen, wie der Entstehung des Lebens und dem Anfang von Allem ist eine absolute Sicherheit vermutlich auf Ewig ausgeschlossen. Allerdings trifft die Wissenschaft in so ziemlich jedem Bereich aktuell die präzisesten Vorhersagen und kann die Welt in ihrer Gesamtheit besser erklären, als es irgendein dogmatisches oder pseudowissenschaftliches Gedankengebäude auch nur im Ansatz vermag. Was natürlich nicht ausschließt, dass man auch jahrelang in die falsche Richtung arbeiten kann.

Der feine Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft ist jener: Am Anfang der Wissenschaft liegt die konkrete Beobachtung eines Phänomens. Dieses gilt es zu beschreiben, zu erklären, zu ergründen und schlussendlich daraus Vorhersagen herzuleiten. In der Pseudowissenschaft liegt der Grund eines Wunsches vor, ein Weltbild zu rechtfertigen, indem man Begriffe in den Raum wirft und damit eigentlich schon erklärte Phänomene zu assimilieren. Dabei verwendet man gerne wissenschaftlich klingenden Begriffen wie "Schwingungen", "Informationen" und "Energien". Wäre es aber tatsächlich so einfach, neue Theorien zu erstellen, dann wären Wissenschaftler schon längst zu den Esoterikern übergelaufen.

Bild
So funktioniert methodischer Erkenntnisgewinn, auch Wissenschaft genannt.

Wenn es nicht angezeigt wird, klickt bitte hier: http://www.allmystery.de/i/tab866a_Die_wissenschaftliche_Methode.png

Diese Art des Erkenntnisgewinns bringt aber auch Leute auf den Plan, die dies nicht verstehen und trotzdem dagegen wettern, ihre Hoffnung auf wissenschaftliche Arbeit zu legen. Freilich in völliger Verkennung, dass Wissenschaft lediglich eine Methode ist, um unser Wissen zu mehren, kein Hoffnungssystem. Das was Hoffnung schenken kann, ist die angewandte Technik, die das Wissen bemüht.
Man entdeckt fast beiläufig, dass die Bakterienkulturen von zig Petrischalen drauf gegangen sind, weil ein Pilz im gleichen Schrank in einer weiteren Probe gesammelt wurde und nicht recht verschlossen war. Beim Versuch dieses Desaster zu reproduzieren, erfand man das Antibiotika. Für die Bakterien ist dies der Tod, für uns aber mitunter Leben. Aber in keinem Falle eine "chemische Keule". Es handelt sich lediglich um Sporen, die mit ihren Stacheln Bakterien aufspießen und so Fressfeinde oder Beute erlegen. Heute gehört Antibiotika zum guten Ton eines Krankenhauses, um bakterielle Erkrankungen zu bekämpfen oder bei viralen Infekten, dem Immunsystem die Arbeit gegen zusätzlich einfallende Bakterien abzunehmen.
Um die Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert, war Diphtherie eine große Massenseuche, besonders unter Kindern. Selbst in kleineren Städten starben im Jahr gern ein Dutzend Heranwachsende an dieser Krankheit, die den passenden Namen "der Kinderwürger" hatte. Der Assistent von Robert Koch Emil von Behring schaffte es 1891 zwei seiner an dieser Seuche erkrankten Kinder zu retten. Seine Forschungsarbeiten und sein Therapieverfahren führten zu einer effektiven, passiven Impfung. Und Dank kaiserlich verordneter und soldatisch durchgesetzter Pflichtimpfung ist diese Krankheit insbesondere in Deutschland und weiten Teilen Europas fast ausgerottet worden. Soviel zu den Argumenten von Impfgegnern.
Ebenso wird heute an Krebs- und AIDS-Mittelchen geforscht. Und auch wenn keine endgültige Lösung in Sicht ist, so sind in den letzten Jahren große Fortschritte geschaffen worden. Einige Krebsarten lassen sich kurieren, was allein vor 20 Jahren oft noch nicht der Fall war. Der Ausbruch der AIDS-Krankheit lässt sich bei einem HIV-Infizierten mit Medikamenten heraus zögern.
Es ist nur logisch, wenn Betroffene der medizinischen Forschung ihre Hoffnung schenken. Doch Wissenschaft weiß nicht, wohin die Reise führt. Sie findet, analysiert und bringt Ergebnisse. Diese Ergebnisse fließen in die angewandte Medizin oder Technik. Und im positivsten Falle dienen diese Erkenntnisse dann dem Wohle aller. Finde ich super.

Misslige Entwicklungen, wie die Atombombe oder Rassenideologien sind nicht abzustreiten. Aber der Wissenschaft aufgrund von Missbrauch gleich mit Ignoranz oder Intoleranz begegnen oder ihr "gute Absichten" abschwätzen? Es stößt sicher auch "wahren Christen" sauer auf, wenn man die Gräuel, wie Kreuzzüge, Hexenverbrennung, Unterwerfung, Sklaverei, Völkermord, Ablasshandel und dergleichen mehr unter Berufung auf die Bibel legitimiert und vorgibt oder vorgab im Namen Gottes zu handeln?
Während man misslige Entwicklungen, die auf wissenschaftlicher Forschung beruhten, der Wissenschaft ankreidete (wie die ausgetüftelte Waffentechnik), werden der Bibel und dem Gottglauben keine negativen Aspekte in der geschichtlichen Entwicklung zur Last gelegt. Hexenverfolgung, Inquisition und Kreuzzüge, sowie auch heute noch viele Konflikte sind nicht nur religiös verflochten, sondern oft bis heute unterstützt und nicht selten sogar religiös initiiert. Der Konflikt in Syrien genauso, wie der Tumult seit Entstehung des Landes Israel. Die Bibel selbst bietet immer wieder religiös motivierte Konflikte an, sei es die Landnahme (mit versuchtem Genozid) Kanaans durch Josua, der Krieg gegen die Philister oder die römisch-jüdischen Kriege zwischen 66 - 70 nach Christi. Immerhin haben sich die religiösen Führer selten bei der militärischen Durchsetzung des Glaubens gegen die Neuerungen der technischen Entwicklung verwehrt, sondern sogar sehr gern darauf zurückgegriffen.

Beiden Argumentationen ist im Grunde folgendes gemein:
Wenn ich meinem Nachbarn mit der ledergebundenen Ausgabe von "Otello", "Hamlet" oder "Macbeth" eins über den Schädel ziehe, ist Shakespeare dann ein schlechter Autor?

Schlussendlich bleibt festzuhalten:
Die Tötung hunderter oder tausender zur Previlegerhaltung einiger ist kein Ziel der Wissenschaft. Ich kann es nicht oft genug betonen: Sie ist einzig eine Methode zum Erkenntnisgewinn. Und wer aus kreationistischen Kreisen gegenteiliges behauptet, darf gern mal seine Bibel zur Hand nehmen: die Sintflut (1. Mose 7-8), die Vernichtung von Sodom und Gomorra (1. Mose 18-19), die zehn Plagen (2. Mose 7-11), die Story vom roten Meer (2. Mose 11-13), der Genozid an den Völkern Kanaans durch das Volk Israel (Bibelbuch Josua), ja auch Harmageddon (Bibelbücher Hesekiel, Jesaja, Daniel, Offenbarung). Das alles sind definitiv Beispiele für die Tötung vieler zum Previleg einiger.
Man kann auch der Wissenschaft keine Parteilichkeit und Lobbyismus vorwerfen, wenn der eigene Gott die Erstgeborenen der Ägypter tötet (2. Mose 11), obwohl er selbst Pharaos Herz verstockt macht (2. Mose 4:21), der die Israeliten demnach nicht ziehen lässt.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 2. Nov 2017, 07:44

Grundsatzartikel: Meine Motivation

Ich mag das Wort Agnostiker nicht. Entweder man glaubt an Gott oder nicht. So ein bisschen Gott, ist wie der Versuch halbe Löcher zu schaufeln.
Agnostiker gibt es in zwei Grundtypen: 1. Gott gibt es wohl, aber er greift seit der Schöpfung nicht mehr ein. 2. Man kann seine Eingriffe und ihn selbst nicht empirisch erfahren. Beide Sichtweisen zeichnen einen bedeutungslosen Gott. Und sollte Gott tatsächlich nicht empirisch (von griechisch empeiria "Erfahrung, Erfahrungswissen") wahrnehmbar sein, wie kommt man dann zu der Behauptung, er existiere? Denn dafür müsste man nichts weniger überwinden, als den menschlichen Verstand.
Man kann Gott wissenschaftlich nicht beweisen und seine Nichtexistenz sowieso nicht. Will man also wissenschaftlich korrekt handeln, muss man anerkennen, dass sich die Frage nach Gott nicht beantworten lässt. Also sollte ein jeder Agnostiker sein.

Wirklich?

Die Argumentation klingt erstmal ganz logisch und vernünftig. Die Nichtexistenz von Etwas lässt sich per se nicht beweisen und die Nichtexistenz von Beweisen ist nicht automatisch auch der Beweis für die Nichtexistenz. Als Wissenschaftler oder interessierter Fachlaie sollte man daher kein Problem haben, einfach zu sagen: "Ich weiß es nicht!" Das ist in jedem Falle korrekt. Aber: Aus Unwissen ergibt sich nicht automatisch Gott.


(Übersetzung: Meine Familie glaubt nicht an die Evolution.)

Ich bin Atheist. Es steht natürlich außer Frage, dass auch ich glauben muss. Ich kann nicht mal die Stromrechnung eines Teilchenbeschleunigers bezahlen. Und Mangels Platz und technischen Know-How kann ich auch keinen im Keller installieren. Ich kann auch keine ausgedehnten Ausgrabungen in Israel oder Langzeitexperimente mit Bakterien unternehmen. Mein Alt-Latein und meine Hieroglyphen-Kenntnisse sind misserabel. Auch habe ich kein Spektrometer zur Hand. Ich muss mich also bei meinem Weltbild weitgehend auf die Daten anderer verlassen. Ich bin nicht im Stande, alles selbst zu erforschen oder zu wissen. Aus der Tatsache aber, dass ich nicht alles beweisen oder widerlegen kann, schon gar nicht aus erster Hand, ergibt sich nicht, dass alles möglich wäre. Es bedeutet auch nicht, dass ich dennoch annehmen oder glauben muss. Es bedeutet ja nicht einmal, dass ich die Möglichkeit in Betracht ziehen muss, dass es so sein könnte.

Aber wir sind ja auch furchtbare Leute, diese Wissenschaftsgläubigen. Hängen an den Lippen der Professoren, glauben dem, was in Science, Nature oder Spektrum der Wissenschaft steht. Halten sich für oberschlau und unterstellen anderen Dummheit. Ein wenig Bescheidenheit käme da mal recht. Sollen uns doch mal offen zeigen, für neue, für alternative Ideen, die nicht in irgendeinem oberschlauen Schulbuch stehen.

Wer reine Naturwissenschaft propagiert und sich damit als Skeptiker outet, der Übernatürliches und unbewiesene Absurditäten ablehnt, macht sich bei vielen Leuten unbeliebt. Ich meine hier nicht speziell die Wünschenrutengänger, Geist-, Wunder- und Quantenheiler, Gurus, Priester, Energetisierer, Wahrsager, Erleuchtete und andere Esoteriker, aber auch strenggläubige Theisten. Ich meine ganz "normale" Menschen. Sätze wie "Ich bin da ja offen." oder "Man kann nie wissen." oder "Wer weiß, ob was dran ist." sind allseits bekannt. Wie können diese Naturforscher auch so unverschämt sicher sein? Das sind doch Besserwisser. Und Besserwisser nerven.

Da ist ja auch was dran. In der Naturwissenschaft lernt man, zu eindeutigen Ergebnissen zu kommen. Aber nicht jeder Naturwissenschaftler bringt bei der Verteidigung seiner Theorie die soziale Kompetenz auf, die man für eine sinnvolle Diskussion braucht. Man kann gern sein ganzes Vermögen, seinen linken Arm und seine zwei Kinder darauf verwetten, dass die Argumente des Gegenübers nur muffige geistige Abgase sind, aber man sollte es ihm nicht in Gesicht sagen. Sicherlich: Auch Wissenschaftler, die sich ihrer Sache sicher waren, haben falsch gelegen. Zurückhaltung und Bescheidenheit täten sicher auch Forschern gut.
"Nett sein" heißt aber nicht "Klappe halten" und unwidersprochen jeden Wust über sich ergehen zu lassen. Und ganz sicher heißt es nicht, dass zwei gegensätzliche Meinungen intellektuell auf Augenhöhe stehen müssen, wie bei Modetrends oder Rezeptideen. Es gibt nun mal so etwas wie beobachtbare, reproduzierbare wissenschaftliche Fakten. Theorien, die dazu passen, sind gut. Theorien, die nicht passen, sind schlecht. Daran wird kein abstruser Wissenschaftsrelativismus etwas ändern.
Wer also der Wissenschaft nicht mehr als ein Bauchgefühl entgegensetzen kann, verschwendet seine Zeit und die Zeit des Wissenschaftlers, mit dem man zu diskutieren versucht.
Dennoch: Als Wissenschaftler sollte man auch den haarsträubensten Unfug immer wieder mit ehrlichen, sauberen Argumenten widerlegen und dabei freundlich bleiben. Aber wenn man ein überwältigendes Arsenal wissenschaftlich solider Fakten aus seiner Seite hat, darf man durchaus etwas Selbstbewusstsein zeigen.

Offenbar gibt es aber nichts, dass nicht so absurd wäre, dass es nicht irgendwelche Anhänger findet. Lohnt sich auch da eine wissenschaftliche Aufarbeitung?

"Das stört doch keinen.", gefolgt von "Soll doch jeder glauben, was er will." oder "Na, wenn es ihm hilft ..."


(Übersetzung: Die Sterne und Planeten haben keinen irgendwie gearteten Effekt auf dein Leben.)

Wer seine Pflanzen nach dem Mondkalender aussähen will, soll dies gern tun. Wer gern Zuckerkügelchen schlucken will, in denen garantiert kein Wirkstoff enthalten ist, soll dies gern tun. Muss man immer gegen alles sein, was nicht ins eigene "Weltbild" passt?
Unbedingt! Nicht so sehr, wegen irgendwelcher Ideologien, sondern eher, da man früher oder später selbst mit diesem Hokus Pokus konfrontiert wird. Und dann sollte man Stellung beziehen. Der Grundgedanke der Aufklärung war ja, nicht mehr alles zu glauben, was einem vorgesetzt wird, sondern zu prüfen. Auch damals schon kam man oft zu überraschenden Ergebnissen bei Althergebrachtem: Der Aderlass entschlackt und entgiftet nicht, er tötet. Entladungen in Gewitterwolken sind elektromagnetische Gesetzmäßigkeiten und nicht das Machwerk irgendeines auf der Wolke sitzenden Gottes. Die Erde steht nicht im Zentrum des Universums, sondern an dritter Stelle eines recht bedeutungslosen Sonnensystems, am Rande der Milchstraße einer kleinen Galaxie, in einem unscheinbaren Winkel des kaum begreifbaren Weltalls.

Ein Jogurt, von dem behauptet wird, er sei ein Cholesterinsenker, muss nachweisbar Cholesterin senken. Sonst ist es Betrug. Bei Homöopathie, Reiki und Akupunktur trifft das zum Beispiel nicht zu. Da gilt ein Binnenkonsens. Hier darf man fabulieren, was man will. Und auch im Kreationismus muss im Grunde nichts erklärbar sein, da etwaige Wissenslücken einfach mit Gott gefüllt werden.
Natürlich stelle ich nicht in Abrede, dass die große Mehrheit der Leute, die das glauben, davon tatsächlich überzeugt sind und nicht einfach jemanden reinlegen oder übervorteilen wollen. Wer seine Blumen nach dem Mondkalender gießen will, bringt schlimmstenfalls ein paar Betunien um. Wer aber eine Operation von der Fülle des Mondes abhängig macht, spielt wohlmöglich mit seinem Leben. Der Kreationismus spielt dabei keine Ausnahme. Wer in die Natur Muster hineinliest, wo keine sind, findet sie auch irgendwann sonst in seinem Leben. Bestenfalls wird er ein "gottgefälliges" Leben führen, wozu die meisten moralischen Grundsätze gehören und demzufolge einen guten Menschen ausmachen können. Schlimmstenfalls aber wird er bestimmten Organisationen hörig, die auch ganz andere Ziele mit ihren Schafen verfolgen könnten. Die Vereinheitlichung von Denkmustern hat in der Vergangenheit nicht zwingend die positivsten Blüten getragen. Wer seinem Guru, Heiler, Rutengänger, Astrologen oder Kartenleger kritikfrei traut, ist ebenso wenig vor anderen Manipulationen gefeit, wie ein Gläubiger.
Sollte man aber der Wissenschaft nicht auch vorbehaltlos vertrauen?
1.: Natürlich soll man der Wissenschaft nicht blind glauben. Das liegt nicht im Interesse von Wissenschaftlern. Wissenschaftler selbst sind von der Skepsis und der Neugier getrieben.
2.: Selbst wenn die Wissenschaft falsch liegen sollte, bedeutet dies nicht automatisch, dass die Gegenseite recht hätte. Denn die Richtigkeit einer These hängt ja nicht davon ab, ob der andere Unrecht hat. Sondern davon, ob der jenige, der behauptet, recht hat.
3.: Wenn ich die Wahl hätte, einerseits einer jahrhundertelang erprobten Methode des Wissensgewinns zu vertrauen, die ständiger Prüfung und Kontrolle unterworfen ist oder andererseits einer Anektdotensammlung, für die es keine Grundlage in der Realität gibt, dann entscheide ich mich sofort für ersteres!
Ein Beispiel: Die beiden "Mondkalender-Experten" Paungger und Poppe hatten auf ihrer Webseite zur Frage dem Feedback aus der Wissenschaft auf ihre Bücher folgendes veröffentlicht:
"Nur Gutes, großes Interesse und viel Enthusiasmus. Wir arbeiten mit vielen echten Ärzten und echten Wissenschaftlern zusammen. Das sind Menschen, die niemals etwas ablehnen oder abwerten, nur weil sie sich damit noch nicht vertraut gemacht haben. Das sind Menschen, für die Beweis genug ist, wenn etwas seit Jahrtausenden gut funktioniert. Sie verlangen nicht unbedingt Antwort auf die Frage, warum etwas funktioniert, bevor sie es mit Freuden anwenden. Sogenannten "Wissenschaftlern" sind wir allerdings auch schon hier und da begegnet. Menschen, für die nicht existiert, was nicht in ihre starren Denkschablonen paßt. Wir kümmern uns nicht um sie und versuchen auch nicht, sie zu überzeugen. Unsere Zeit ist uns dafür zu wertvoll."

Obacht: Sollten sie eine Person finden "für die Beweis genug ist, wenn etwas seit Jahrtausenden gut funktioniert" und die "nicht unbedingt eine Antwort auf die Frage, warum etwas funktioniert," haben wollen, dann handelt es sich ganz sicher nicht um einen Wissenschaftler. Danach zu fragen, wie und warum etwas funktioniert, ist die grundlegende Eigenschaft eines Wissenschaftlers. Es ist das Wesen der Wissenschaft. Man lehnt nicht ab, was nicht in die "starren Denkschablonen passt", sondern, wofür es keinerlei Belege in der Realität gibt, auch weil es den Naturgesetzen oder den Beobachtungen widerspricht.


(Übersetzung: Astrologie, weil du und 570 Millionen andere Menschen, die im gleichen Monat geboren wurden, heute exakt die gleichen Dinge tun werden.)

Ich will nicht unkritisch und vorbehaltlos einfach glauben, was man mir vorsetzt. Da kann ich mir das Leben gleich diktieren lassen. Und genau darum, werde ich mich skeptisch diesem Thema annehmen.
Gott wirkt eben wie ein Aufsatz, um Sinn zu stiften, wo vermutlich keiner ist, ein Ankerpunkt für Moral, wo keiner nötig sein sollte. Aber wenn er tatsächlich in mein "Herz" schaut, so sieht er keinen Hass auf ihn, sondern lediglich die fehlende Überzeugung, dass es ihn gibt. Ich wüsste kein natürliches Phänomen, von dem aus sich zwingend Gott ableiten lässt. Aber vermutlich kommen andere zu anderen Schlussfolgerungen.

Um den Bogen wieder zum Agnostizismus zu spannen und auch zur Biologie zurückzukehren, die ja Grund für dieses Thema ist, sei festzuhalten, dass es auch agnostische Annahmen gibt, die durchaus angebracht sind: (Astro-)Biologen haben eine relativ klare, wenn auch nicht unumstrittene Definition, was Leben ist und versuchen dies bei der Suche nach außerirdischem Leben zu berücksichtigen. Da uns allerdings noch viel zu wenige Daten fremder Welten vorliegen, lautet die Antwort auf "Gibt es außerirdisches Leben?" einfach "Wir wissen es nicht!". Sozusagen Alien-Agnostizismus.
Auf Gott trifft dieses Prinzip nicht zu: Die verschiedenen Glaubensgemeinschaften sind sich nicht einig, was Gott ist, wieviele es gibt, wie er/sie wirkt/wirken oder was dessen/deren Motivation ist. Es gibt keine klare Definition. Und obwohl es nicht wirklich griffig ist, kann man einige Glaubensvorstellungen bereits jetzt klar widerlegen. Ein Gott, der die Welt vor 6.000 Jahren geschaffen haben soll, ist nachweislich Unsinn, da die Datenlage für ein 13,8 Milliarden Jahre altes Universum, eine 4,7 Milliarden Jahre alte Erde und mindestens 200.000 Jahre Menschheitsgeschichte spricht.
Agnostizismus ist also nicht zwingend die korrekte wissenschaftliche Folgerung aus der Nicht-Widerlegbarkeit Gottes. Die Ursache des Urknalls könnte genauso gut ein oszillierendes Universum (#1) sein. Wir wissen es nicht und es wäre von allen Seiten vermessen, zu behaupten, es zu wissen.


(Übersetzung: "Ich bin so traurig, dass Saturn nun das Sternbild Skorpion verlassen hat.", hat nie jemand gesagt.)

Streng nach Ockams Sparsamkeitsprinzip (der übrigens Mönch im 14. Jahrhundert war), ziehe ich einfach die Theorie vor, die möglichst sparsam im Umgang ihrer theoretischen Annahmen ist. Die Anzahl der zugrundeliegenden Annahmen sagt natürlich erst einmal nichts über die Qualität der Theorie aus. Wenige Annahmen machen eine Theorie aber prinzipiell einer Überprüfung leichter zugänglich.

Also:
Egal welcher Vergleiche, Analogien und Metaphern ich mich bediene, es gibt in der Natur keine planende oder federführende Intelligenz oder zielgerichtete Absicht. Die Evolutionstheorie und die Schöpfungslehre sind unvereinbar. Kreationisten argumentierten in letzter Instanz immer mit unbeweisbaren Behauptungen. Denn: Gott hat in der Naturwissenschaft nichts verloren, selbst wenn er existieren würde, da sich die Naturwissenschaften mit Natürlichem und nicht mit Übernatürlichem befassen. Auch löst Gott als Theorie kein einziges wissenschaftliches Problem.
Die Religionen legen einen ungeheuren Machthunger und Kontrollwillen an den Tag, um die ihnen anvertrauten Schafe nicht wie Hirten zu pflegen und zu nähren, sondern sich selbst zu feiern. Also sollten sie nirgens eine Moral- oder Ordnungsintanz sein. Denn wer sich erst auf einen Gott oder eine göttliche Strafe berufen muss, um Gutes zu tun, kann so viel besser nicht sein, als einer der Gott oder diese Strafaussicht dafür nicht benötigt.
Religion sollte Privatsache sein und Religionskritik ist wichtig. Religiöse Gefühle sind absolut gleich zu setzen mit anderen Gefühlen und gehören durch nichts besonders geschützt. Religionskritik ist grundsätzlich nicht anders zu bewerten, wie jede andere Kritik. Deshalb sollte man immer gewahr sein, dass meine Religionskritik eben Religionskritik ist, nicht mehr und nicht weniger.

#1 Die Theorie eines oszillierendes Universum geht davon aus, dass das Universum nach einiger Zeit der Ausdehnung wieder in sich zusammenfällt und danach wieder ausdehnt. Also möglicherweise auch ohne Anfang und Ende ist.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 3. Nov 2017, 08:57

Grundsatzartikel: Warum kann ich nicht einfach dankbar sein?

Ich war in der Schule Prügelknabe. Ich war dürr, unsportlich und ohne Markenklamotten. So wird man noch nach den Blinden und Lahmen ins Team gewählt. Obendrein glänzte ich in keinem Fach mit überdurchschnittlichen Leistungen. Da kamen die Mobber von ganz allein. Jene verbreiten dann zum Klassentreffen das verfälschte Bild, dass es Gruppenbildung und Zank in der Klasse ja nie gab. Ich blieb still.
Deutlich freundlichere und reifere Menschen lernte ich in Versammlungen der Zeugen Jehovas kennen, die ich seit nun 4 1/2 Jahren besuche. Da war ich aber bereits zu lange in der Opferrolle und obendrein, propagieren sie ein Weltbild, dass nicht das meine ist. Es ist nicht nur die Schöpfungsdebatte, auch manche Wortmeldung bei den Studienbesprechungen sind - gelinde gesagt - interessant: Da wird Darwin angezweifelt, weil er selber Zweifel einräumte (#1). Karl der Große wird zum Mittäter von Bibelverbrennungen im 15. Jahrhundert (#2). Die Große Pest im 12. Jahrhundert wurde durch das Läuten von Kirchenglocken gestoppt (#3). Es gab aber auch noch andere Auswüchse begrifflicher Entgleisungen (#4).
Auch da habe ich meinen Mund nicht geöffnet. Dem lieben Frieden willen. Habe ich Menschenfurcht? Die einfache Antwort: Ja! Vermutlich aus meiner sicher auch hausgemachten Isolation heraus. Es ist einfach, im Netz zu Posten, etwas ganz anderes aber, vor Ort den Mund aufzumachen.
Menschenfurcht soll Pontius Pilatus dazu veranlasst haben, dem Volkszorn nachzugeben und Jesus töten zu lassen (#5). Menschenfurcht wird oft als Schlinge bezeichnet.

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Die Bibel verurteilt Lügen (was Rahab tat, als sie die Kundschafter in Jericho deckte und trotzdem gesegnet wurde) und ich will auch nicht. Dann aber sitze ich bei Gedenkfeier zu Jesu Opfertod für die Sünden der Menschheit, reiche Brot und Wein weiter und sitze andächtig da. Dabei habe ich keinerlei Bezug zu diesem Festakt und dessen Bedeutung.

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Ist das schon lügen? Das Loskaufopfer feiern und schlussendlich davon ausgehen, dass es keine Erbsünde zu vergeben gibt? Warum kann ich nicht einfach dankbar sein?
Ich bin in großer Regelmäßigkeit in den Zusammenkünften, bei fast jedem Kongress der letzten 4 Jahre, habe sogar schon bei der Saalreinigung geholfen und führe seit der Geburt meines Kindes ein Bibelstudium. Was also stimmt mit mir nicht? Ich muss es doch langsam begriffen haben. Nein, habe ich leider nicht. Ich mache das alles auch nicht aus Gottesliebe, sondern aus verschiedenen anderen Gründen. Anfangs war es simpel ein unüberlegtes "Ja" auf die Frage, ob ich denn die Bibel studieren wöllte. Dann war es Verstehen-wollen, dann Routine, dann Durchhaltewillen. Ab und an gab es ein "Aha!" Da immer das gleiche durchgekaut wird, ist mein Interesse verflogen. Beim Beten habe ich das Gefühl mit der Wand zu reden und das obwohl ich eine ausgezeichnete Fantasie besitze, mir 800 verschiedene Figuren im Kopf zurecht zu klöppeln. Aber Gott ist keine davon. Die Wachtturm-Veröffentlichungen zum Thema Schöpfung sind wenig überzeugend. Stets wirkt es, als werden die Erkenntnisse dem Weltbild angepasst und nicht umgekehrt. Da Gott alles geschaffen hat, kann man in der Schöpfung seine Eigenschaften kennenlernen und darüber ihn. Ein Zirkelschluss.

Ich bin ja nicht allein. Auch wenn Ungläubige gern als Randgruppe dargestellt werden, ist dies in Deutschland jeder Dritte. Schwer zu gewichten sind die Konfessionslosen, die an etwas höheres glauben und jene eingetragenen Kirchenmitglieder, die ihren Glauben nicht mehr ausüben. Gottlos glücklich soll man bitte für sich sein. Die meisten Ungläuben glauben einfach nur nicht, weil sie sich nicht interessieren und vor sich hin vegetieren. Aktive Ungläubige dagegen gelten als militant und missionarisch.
Religiöse Menschen können sich vermutlich schwer vorstellen, wie jene Stelle, die Gott bei ihnen einnimmt, ohne Verlust leer bleiben kann. Besonders wenn ein Hoffnungssystem am Glauben hängt, hegt man die Angst, man könnte irgendeinen Verlust erleiden. Sie verorten bei Gott ihre letzten Antwort: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Warum gibt es so viel Leid? Ich habe mir diese "Lebensfragen" nie gestellt. Religiöse sehen überall Gefahr für ihren Glauben, Ungläubige fühlen sich durch religiösen Aktivismus Gott aufgedrängt zu bekommen.

Ein grundsätzlich religiöser und gesellschaftlich etablierter Zwang ist ja das Feiern der großen Kirchenfeste, ob man glaubt oder nicht. Ich war einer jener, die erst kurz vor Schluss die Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke unmotiviert und unüberlegt gekauft hat. Hauptsache irgendwas. Vor einigen Jahren habe ich dem Stress entsagt. Ostern verlor schon lange davor alle Bedeutung. Halloween habe ich nie gefeiert. Das alles aber nicht wegen vermeintlich religiöser Hintergründe, die bei näherer Betrachung heidnische Wurzeln haben (#6), sondern weil es auch atheistisch gesehen, Blödsinn ist.

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Der Dezember sind die Nächte für feldlebende Hirten zu kalt, die dort die Engel über den Heiland singen hören. Da passt eher der milde Oktober. Der Weihnachtsstern wirft die Frage auf, warum Gott spiritistische Astrologen durch ein für alle Leute sichtbares Licht den menschengewordenen Sohn aufmerksam macht, wenn er doch weiß, dass Herodes ihn töten will. Was hat Kommerz und der goldene Typ in Rom mit dem Zimmermannssohn zu tun? Oder Hase und Ei mit Jesu Tod? Wieso wird die eigene Geburt gefeiert? Warum ist man der Ansicht, dass Monstermasken irgendwelche Wesen aus der Geisterwelt beeindrucken? Das ist Verdummung der Massen.
Ich mach bei diesem Blödsinn nicht mehr mit und es fühlt sich gut an. Da ich aber erst anfange, "aktiv ungläubig" zu sein, möge man mir verzeihen, wenn ich trotz aller Erkenntnis, zum Gedächtnismahl gehe oder Geburtsgeschenke annehme. Warum kann ich aber für diese Befreiung vom Aberglauben nicht dankbar sein? Versteht mich nicht falsch: Ich bin dankbar. Aber wem? Gott hat mich nicht befreit, es war mein eigener Hirnschmalz, der sich damit kritisch auseinandersetzte. Wie komme ich überhaupt auf das Thema?

In der Studienausgabe des Wachtturms Januar 2014 (ein internes Heft für Sonntagszusammenkünfte zur gemeinsamen Betrachtung) gab es den Artikel "Triff als Jugendlicher die richtigen Entscheidungen" hatte ein japanischer Zeuge wieder neuen Eifer, als er von einem Ältesten veranlasst wurde, darüber nachzusinnen, was Gott alles für ihn getan habe. Natürlich hatte die Geschichte ein Happy End.
Gleichzeitig dachte ich über eine andere Art Dankbarkeit nach, denn über kurz oder lang, taucht in vielen Diskussionen, in denen jemand auch nur den leisesten Zweifel an der Richtigkeit einer wissenschaftlichen Theorie oder an der Lauterkeit aller am wissenschaftlichen Betrieb Beteiligten äußert, ein "Verteidiger der Wissenschaften" auf, der erwidert, dass man schließlich einen Computer und das Internet benutze, um seine Kritik zu verbreiten. Und das wäre ohne Wissenschaft ja gar nicht möglich. Gern auch mit der Forderung erweitert, auf die Nutzung von Computer und Internet in Zukunft zu verzichten. Es schwingt mit, dass sich aufgrund der Errungenschaften der Wissenschaften und der daraus resultierenden, notwendigen Dankbarkeit wohl jede kritische Nachfrage erübrige.

Und wo soll meine Dankbarkeit enden? Da sind ja nicht nur Physiker, die die Grundlagenforschung betreiben, sondern Bastler und Löter. Die Rüstungsindustrie, die die Nachfrage stellt. Große Firmen wie IBM und Microsoft, die die Nachfrage befriedigen und dabei massig verdienen. Wie rechne ich Ängste und Sorgen vor Kernschmelzen, Atombomben, Allergien, Klimawandel und Killerspielen auf dem PC meines Kindes gegen diese Dankbarkeit auf?

Ich gönne den Wissenschaftlern ihren Spass, Uran mit Neutronen zu beschließen, statistische Erfassung über das Fallverhalten von Butterbroten zu machen, Tonscherben und Fossilien im Dreck auszubuddeln. Ich gönne den Bastlern ihren Spass, die mit oder ohne Sachverstand Maschinen zusammenschrauben. Ich gönne den Unternehmen das Geld, dass sie mit ihren Ideen verdienen. Ich könnte einer von ihnen sein und würde mich ebenfalls dagegen stemmen, wenn man aus mir einen Bösewicht macht. Ich habe ja auch meinen Spass, wenn ich schreibe, was Wissenschaftler so tun.
Hätte ich weniger Spass, wenn Wissenschaftler keine Theorien aufstellen würden? Ich glaube kaum. Bastler würden weiter basteln, Unternehmer immer noch Geld verdienen. Es würde hier schneller und da langsamer laufen (manch falsche Theorie hat den Fortschritt auch behindert). Ich würde anders in Beschlag genommen werden. Ich würde Bücher lesen und statt im Internet surfen. Ich würde Briefe schreiben und keine Kurznachrichten. Ich würde sorgsamer überlegen, was ich schreibe. Ich wäre nicht anonym im Netz unterwegs, sondern würde die Personen kennen, mit denen ich Aug in Aug diskutiere. Die Kinder, die ich abends zu Bett bringe, wären nicht so gesund, aber es wären mehr.
Ich lebe nunmal in einer Welt, in der die letzten 400 Jahre geforscht und entdeckt wurde. Das ist völlig in Ordnung. Und in dieser Welt gibt es eben Computer und Internet. Warum auch immer. Ich benutze sie, muss deshalb aber niemandem dankbar sein.

Das führt mich zurück zum japanischen Bibellehrer und der Frage, was Gott wohl alles für mich getan hätte: Würde ich eine Liste erstellen, so wäre sie leer. Was ich heute habe, ist keine göttliche Fügung und kein Segen. Es ist das Ergebnis einer kausalen Kette von richtigen und falschen Entscheidungen, die im Grunde all zu oft durch Sachzwänge vorgegeben waren. Vielleicht muss ich die Idee "Gott" ja erst einmal zulassen. Aber das endet in einem Zirkelschluss: Erst wenn ich Gott vorraussetze, kann er mir geholfen haben. Genauso gut könnte ich Odin (#7) dankbar sein, dass er die Eisriesen nach Nilfheim zurückgeschlagen hat. Innerhalb des Glaubensgebäudes ist diese Assoziation logisch.
Auch hier stellt sich die Frage, wo meine Dankbarkeit enden sollte? Welchen Fantasiefreunden, die in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte entstanden und durch politischen, militärischen oder missionarischen Druck anderen Leuten aufgezwungen wurden, bin ich dankbar?
Bin ich nicht einfach konsequent, wenn ich bei den 5.000 verschiedenen Göttern und höheren Mächten, nicht nur 4.999 ausschließe und mir einen erwähle, sondern alle ausschließe?

Ach, warum kann ich nicht einfach dankbar sein?

#1 Darwins Zweifel
Darwin war Pastorensohn und selbst religiös erzogen. Er wusste um die Brisanz seiner Theorie und sah einen persönlichen Zwiespalt, in dem was er von Kindesbein an gelernt hatte und dem, was seine Forschungen darlegten. Er hat ein ganzes Kapitel des Buches "Origin" mit Widerlegungen seiner Theorie beschäftigt, nicht weil er schizophren war, sondern, weil er sich der Falsifizierbarkeit seiner Theorie durchaus bewusst war. Und das ist definitiv ein Zeichen eines guten Wissenschaftlers und Zeichen einer guten wissenschaftlichen Theorie. Auch ist Zweifel, neben Neugier, einer der großen Triebfedern der Wissenschaft.

#2 Karl, der Bibelmörder
Einer der größten "Verdienste" Karl des Großen war übrigens die Christianierung der Sachsen und Friesen im ausgehenden 8. Jahrhundert. Auch ließ er durch seinen Hofschulmeister Alkuin eine überarbeitete Vulgata-Bibelübersetzung anfertigen, deren Fertigstellung er nicht mehr erlebte. Da er bereits 814 verstarb, wird er freilich auch schlecht Mittäter irgendwelcher Bibelverbrennungen im Spätmittelalter gewesen sein können.

#3 Die Pest und die Glocken
Da Kirchenglocken bereits seit dem Frühmittelalter in Kirchen verwendet werden und im 9. Jahrhundert weite Verbreitung fanden, stellt sich die Frage: Wenn Kirchenglocken die Pesterreger durch ihren Schall töten können, wie ist die Pest dann überhaupt ausgebrochen? Das Geläut gab es doch bereits seit Jahrhunderten.

#4 Exakte Wissenschaft
Ein Vortragsredner hatte einmal folgenden Satz gesprochen: "Es gibt aber auch exakte Wissenschaften. Exakte Wissenschaften sind die Wissenschaften, die die Berichte der Bibel bestätigen." Das ist natürlich Blödsinn und steht im kompletten Gegensatz zu dem, was Wissenschaft ausmacht. Denn Wissenschaft schafft Wissen und wiederholt nicht nur "Althergebrachtes". Es geht darum den Horizont zu erweitern und nicht darum ihn zuzumauern. Aber tatsächlich gibt es diesen Begriff, aber in der Fachwelt wird er anders verwandt: Exakt (auch hart) sind jene Wissenschaften, die in der Lage sind, genaue, quantitative oder mathematisch oder formollogisch präzise Aussagen zu treffen und über eigene, strenge Methoden für die Überprüfung von Hypothesen und vor allem reproduzierbare Versuche mit quantifizierbaren Messungen verfügen. Von den Formalwissenschaften entsprechen nur die Logik, die Mathematik und Teile der Informatik dieser Entsprechung, in der Naturwissenschaft nur die Physik, die Chemie und Teile der Biologie. Demgegenüber stehen die weichen Wissenschaften, beispielsweise Literaturwissenschaft und Pädagogik.
Kurzum: Exakte Wissenschaften haben zu jeder Fragestellung EXAKT EINE Lösung, die EXPERIMENTELL bestätigt werden kann. Einige Fallbeispiele: 1+1 ist immer 2. Unter Normaldruck kocht Wasser immer bei 100 Grad Celsius. Ein Apfel fällt in Meereshöhe immer mit einer Beschleunigung von 9,81 Meter pro Quadratsekunde.

#5 Pontius, der Angsthase
Zwar ist korrekt dargelegt, dass der römische Präfekt für politische Urteile in seiner römischen Provinz zuständig war - die Anklage lautete ja, Jesus habe sich zum König der Juden erhoben und damit Unruhe gestiftet - aber Pontius wird auch beim sonst so viel zitierten Flavius Joesphus eine sehr harte Amtführung betont. Ob judenfeindlich oder nicht, immerhin verwaltete er Judäa und Samaria 10 Jahre lang, was für ein großes Durchsetzungsvermögen in einem der unruhigsten Gebiete des Reiches spricht. Er bereicherte sich am Tempelschatz, was für die Juden vermutlich den größeren Eklat auslöste, als der Zimmermannssohn. Einen dadurch ausgelösten Volksaufstand hat er blutig niederschlagen lassen. Keine Spur eines eingeknickten Mannes, der dem Volkszorn nachgibt.

#6 Feste feiern
Weihnachten, Ostern, Geburtstag und Halloween sind ja bekanntlich jene Dinge, die ein Zeuge Jehovas nicht feiert. Diese Feste fußen in heidnischen Bräuchen und wurden zur besseren Missionierung in die kirchliche Lehre eingebaut, obwohl sie nachweislich keinen biblischen Bezug haben. Weihnachten hat gleich mehrere heidnische Wurzeln: Das Wintersonnenfest der Römer "Sol Investus", dem neugestalteten Lichtgott der Römer, dem Wintersonnenfest der Germanen, die mit einem Lichterfest, die Sonne wieder herbeiholen wollten und das Lichtfest der Anhänger des Mithraskultes. Ostern galt als Fest für die germanische Fruchtbarkeitgöttin Ostera, deren Symbole Ei und Hase sind. Und zum Geburtstag wird die Person gefeiert, die vor ein paar Jahren das Licht der Welt erblickte. Das ist alles im Grunde Götzendienst und daher schon mit dem ersten der berühmten 10 Gebote nicht zu vereinen. Halloween gründet auf dem Aberglauben mit schrecklichen Masken die bösen Geister des letzten Jahres vertreiben zu können, was wiederrum Aberglaube und Spiritismus beinhaltet und laut Bibel ebenfalls verdammt ist.

#7 Odin
"Jesus promised to get rid of all the wicked people. Krishna promised to get rid of all the wicked people. Odin promised to get rid of the Ice Giants. I don’t see any fucking Ice Giants, do you?"
(zu Deutsch: Jesus versprach, alle bösen Menschen zu beseitigen. Krishna versprach, alle bösen Menschen zu beseitigen. Odin versprach, die Eisenriesen zu beseitigen. Ich sehe keine verdammten Eisriesen, und du?)
Dieser Parodie kann man natürlich entgegenhalten, dass es ja wahrscheinlich nie Eisriesen auf Erden gegeben hat und daher auch heute keine zu finden sind. Vielleicht ist im Umkehrschluss auch der Opfertod eines Zimmermanns vor 2000 Jahren sinnlos, da es nie eine Erbsünde zu tilgen gab.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 5. Nov 2017, 14:22

Grundsatzartikel: Worum es hier nicht gehen soll - Die Wahrnehmung von Religionen in der Blogosphäre

Auch wenn es in den vorherigen Beiträgen vielleicht so herausgelesen werden kann, geht es nicht darum, irgendwelche Glaubenbilder zu zerstören. Vermutlich sind meine Beiträge dafür gar nicht geeignet. Viele Menschen können aber leider echte Wissenschaft nicht vom billigen Imitat der Pseudowissenschaft unterscheiden.
  • Es geht mir um die Verteidigung einer der besten wissenschaftlichen Theorien unserer Zeit.
  • Es geht darum, aufzuzeigen, wie Wissenschaft funktioniert und wie sie ganz sicher nicht funktioniert.
  • Es geht darum, aufzuzeigen, warum sie so faszinierend ist und warum sie zu diesen Ergebnissen kommt.
  • Es geht darum, aufzuzeigen, warum sie die aktuell beste Methode des Wissensgewinnes ist.
  • Es geht darum, die immer gleichen Plattitüden der Kreationisten argumentativ zu entkräften und als den Blödsinn kenntlich zu machen, der er nun mal ist. Denn immer wieder werden die gleichen alten Aussagen aus irgendeinem Keller gekramt, obschon seit Jahrzehnten widerlegt oder lediglich um die Beseitigung der Evolutionstheorie bemüht, ohne eine stichhaltige Alternative anzubieten.
Natürlich kann ich bei der Aufarbeitung eines wissenschaftlich orientierten Weltbildes nicht das ganze Spektrum an Atheisten, Agnostikern, Säkularen, Humanisten, Freidenkern oder anderweitig Ungläubigen abbilden, was schon deswegen nicht geht, da ein jeder Mensch eigene Prägungen und Erfahrungen hat und jedes Weltbild ob gläubig oder nicht individuell ist. Auch bin ich mir gewahr, dass ich die meisten Dinge, die ich hier niederschreibe, nicht selbst erarbeitet habe, dennoch für logisch und richtig halte. Es geht mir nicht darum, irgendeine Skeptikervereinigung zu verteidigen, sondern darum zu schildern, wie ICH darüber denke. Begonnen hatte das ja einst mit Nibiru und dem ganzen Weltuntergangskram, der von einer Randerscheinung plötzlich in den Mainstream rutschte und mit seinen irrealen Fantasiekontrukten reale Angst erzeugte.
Ich habe mir überdies nicht immer die Zeit genommen, meine Äußerungen abzuschwächen und meine Argumente in Watte zu packen. Manches ist einfach unangenehm.
Dagegen zu Schreiben finde ich richtig, mich daswegen irgendeiner Bewegung oder Gruppe anzuschließen dagegen nicht. Durch das Zusammenrotten entsteht beim Beobachter der Eindruck, als bekämpften sich zwei Ideologien, als ginge es um Wahlkampf. Durch öffentliche Aktionen, wie dem homöopathischen Selbstmordversuch der Gruppe Aktion 10:23 wird zwar auf das Thema aufmerksam gemacht, aber leider nur bei denen, die Homöopathie im Reich der Märchen sehen. Aber man braucht weder für "skeptisch sein", noch für "vernünftig denken" einen Verein.

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Der skeptische Hund ist skeptisch.
Du sagst vielleicht ich bin skeptisch, ich bleibe aber dabei, ich bin nicht überzeugt.

Natürlich sind Skeptikervereine aber nicht falsch. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaft (GWUP) zum Beispiel leistet hervorragende Arbeit, wenn es um das Bereitstellen von Informationen und Kontakte zu den Medien geht. Dies in einer sehr sachlichen und fachlichen Ebene. Alles andere hilft der Aufklärung selten weiter.

Echte Wissenschaft ist eben aufregend genug und faszinierender als sich irgendeiner in der Pseudowissenschaft ausdenken kann, um sein Weltbild zu etablieren. Aber ich habe leider nicht den zeitlichen Luxus, all das lesen zu können, was ich gerne lesen würde. Dennoch stoße ich immer wieder auf ein Bild von Religion, wie ich es selbst oft propagierte: Ein überholtes, gesellschaftliches Problem.
Es ist ja leider so - und dem Vorwurf kann ich mich selbst nicht entziehen - das Negativbeispiele auf die ganze Gruppe ausgewalzt werden. Der "Bund katholischer Ärzte" äußert sich zu Homosexualität und bietet Therapierung an oder die Pius-Bruderschaft leugnet den Holocaust (#1) oder Harold Camping schwingt sich 2012 zum Armageddon-Prediger auf oder ... (die Liste ließe sich fortsetzen). Also an Möglichkeiten, sich an den Auswüchsen organisierter Religion zu empören besteht tatsächlich kein Mangel.
Doch so wie kein Moslem mit Sprengstoffgürtel zur Arbeit geht, sind nicht alle Christen homophob, frauenfeindlich, intolerant, unflexibel und bedingungslos einem Machtapparat unterworfen. Für Außenseiter entsteht aber eben jenes durch Medien befeuertes Zerrbild.
Vergessen werden dabei die zahlreichen charikativen Einrichtungen, angefangen von der Bahnhofsmission, über Malteser und Johanniter, bis hin zu Spendenorganisation, Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern. Ein abruptes Wegbrechen dieser Sparte würde den Staat, der dann einspringen müsste, vor immense Herausforderungen stellen.
Aber selbst wenn Gläubige bestimmte Sexualpraktiḱen ablehnen, sich Traditionen unterordnen oder ihr Leben irgendeiner heiligen Schrift angleichen, sind es Menschen, wie du und ich. Sie sind genauso statistisch gemittelt, haben die gleichen Extremwerte und sind genauso normal wie Atheisten. Viele Christen verlaufen sich wie Nichtgläubige nur zu Weihnachten und Ostern in die Kirche.

Natürlich kann man sich über die genannten Beispiele ärgern, aber es ist nicht die Regel.

#1 Pius-Bruderschaft
Dieter Nuhr sagte dazu einmal, dass die Piusbruderschaft geistig ja noch im Mittelalter steckt und für diese demzufolge der Holocaust noch gar nicht passiert sei. Ihn zu leugnen, wäre für einen so rückwärts gewandten also völlig nachvollziehbar und die einzig logische Erklärung.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 6. Nov 2017, 13:04

Erbsünde und letzte Tage

Die Welt steht kurz vor dem Abgrund. Die Zivilisation steht kurz vor dem Kollaps. Überall Kriege, Revolution, die bösen Jungs der NSA und die GEZ-Gebühren muss man auch noch bezahlen. Das Ende ist nah. Diesem Eindruck kann man sich ganz sicher nicht erwehren, wenn man sich im Internet an diesen oder jenen Stellen rumtummelt. Früher war doch alles besser, nicht wahr?


Wie in der Bibel steht, geht alles "vom Schlechten zum Schlimmeren". In Matthäus 24 3:8 (Luther 1912) bzw. Lukas 21:10, 11 (Eberfelder) erklärt Jesus auf dem Ölberg seinen Jüngern das kombinierte Zeiten des "Abschluss des System der Dinge": Krieg, Kriegsberichte, Lebensmittelknappheit und Erdbeben. Und das ist alles erst der Anfang. Hm ... gab's alles vor Jesus, gab's alles in der ganzen Zeit bis heute. Was ist da jetzt so aufregend? Aber es wäre nicht ein kombiniertes Zeichen, wenn es nicht eine weitere Stelle irgendwo in der Bibel gäbe, die weitere Informationen anführt: In 2. Timotheus 3:1-5 (Luther 2017) wird der Menschenschlag der letzten Tage beschrieben: "[...] eigenliebig [...], geldliebend, anmaßend, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, nicht loyal, ohne natürliche Zuneigung, für keine Übereinkunft zugänglich, Verleumder, ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen vor Stolz, die Vergnügungen mehr lieben als Gott, die eine Form der Gottergebenheit haben, sich aber hinsichtlich deren Kraft als falsch erweisen [...]". Also auch altbekannt. Wie alt? Nun:
Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
- Sokrates, griechischer Philosoph, 469 - 399 v.u.Z

So alt.
Zum kombinierten Zeichen gehört aber auch das weltweite Predigtwerk laut Matthäus 24:14, was auch nichts neues ist. Zwar sind zahlreiche Religionen sehr lokal ausgeprägt (Buddhismus zum Beispiel), das Christentum (also auch die "falschen Kirchen") aber war schon vor den Zeugen weltweit aktiv. Man denke zum Beispiel an die Jesuiten, die in Südamerika Missionen errichteten und Eingeborene meist gewaltfrei konvertierten und auch in Japan einen guten Ruf hatten. Der Sprunghafte Anstieg der "wahren Religion" ist übrigens auch nichts neues. Sprunghaftes Wachsstum gehört nach der Phase der Gründung, der Neustrukturierung durch den "Erben" des Religionsstifters, der Abkehr einiger Mitglieder wegen ausbleibender Erwartungen und der Stabilisierung der Verbleibenden, einfach dazu. Auch hierfür ließen sich die Jesuiten als Beispiel heranziehen.
Welche objektiven Merkmale kennzeichnen also, dass wir in den letzen Tagen leben sollen, wie es von Zeugen Jehovas behauptet wird? Natürlich gibt es Krieg, Terror, Gewalt, Naturkatasstrophen und Mangel. Aber die Welt ist mehr, als die oft einseitige Berichterstattung glauben macht. Bei solchen Fragen helfen oft Daten, Fakten und Statistiken weiter. Diese hat der Mediziner Hans Rosling gesammelt (Initiator und Mitentwickler der Software Trendalyzer, einer Software mit dem Ziel der Förderung einer auf Fakten beruhenden Sicht der Welt durch den verstärkten Einsatz und das Verständnis frei zugänglicher öffentlicher Statistiken) und in einer BBC-Sendung veröffentlicht. Darin zeigt Rosling, wie sich Lebenserwartung und Einkommen in 200 Ländern dieser Erde in den letzten 200 Jahren verändert haben



Um das Faktenwissen seiner Zuhörer oder der Besucher der Internetseite http://www.gapminder.org/zu überprüfen, hat er den (im Netz so benannten) "Ignorance Test" geschaffen: http://forms.gapminder.org/s3/test-2017

10 Fragen habe ich einmal herausgegriffen und ins Deutsche übersetzt:
  1. In den 50ern gab es weniger als 1 Milliarde Kinder auf der Welt, im Jahr 2000 aber fast 2 Milliarden. Wie schätzen Experten der UNO die Zahl der Kinder für das Jahr 2100 ein?
    - 4 Milliarden
    - 3 Milliarden
    - 2 Milliarden
  2. Wie verteilen sich die etwas mehr als 7 Mrd. Menschen auf der Welt?
    - Europa: 1 Mrd., Amerika: 2 Mrd., Afrika: 1 Mrd., Asien: 3 Mrd.
    - Europa: 1 Mrd., Amerika: 1 Mrd., Afrika: 1 Mrd., Asien: 4 Mrd.
    - Europa: 1 Mrd., Amerika: 1 Mrd., Afrika: 2 Mrd., Asien: 3 Mrd.
  3. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist ein Indikator unter anderem für Fortschritte in der medizinischen Versorgung. Wie hoch ist heute diese auf der Welt?
    - 70 Jahre
    - 60 Jahre
    - 50 Jahre
  4. Wie hoch ist heute weltweit die Alphabetisierungsrate Erwachsener, also wie viele können lesen und schreiben?
    - 80 Prozent
    - 60 Prozent
    - 40 Prozent
  5. Im Weltdurchschnitt gingen Männer, die heute zwischen 25 und 34 Jahre alt sind, 8 Jahre lang zur Schule. Wie sieht es bei Mädchen der gleichen Altersgruppe aus?
    - 3 Jahre
    - 5 Jahre
    - 7 Jahre
  6. Wie viel Prozent aller einjährigen Kinder auf der Welt sind gegen Masern geimpft?
    - 20 Prozent
    - 50 Prozent
    - 80 Prozent
  7. Von 1990 bis 2010 hat sich der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung ...
    - ... fast verdoppelt.
    - ... im Großen und Ganzen nicht verändert.
    - ... fast halbiert.
  8. Wie hoch ist die Zahl der Kinder pro Frau heute, wenn 1965 jede Frau im Schnitt 5 Kinder zur Welt brachte?
    - 7,5 Kinder
    - 5,5 Kinder
    - 2,5 Kinder
  9. Wie hoch liegt die weltweite Kindersterblichkeit heute, wenn sie 1990 bei 9 Prozent aller Kinder bis zum fünften Lebensjahr betrug?
    - Sie hat sich nahezu verdoppelt.
    - Sie ist ungefähr gleich geblieben.
    - Sie hat sich annähernd halbiert.
  10. Wie veränderte sich die jährliche Zahl von Todesfällen durch Naturkatastrophen seit dem Jahr 1970?
    - Sie hat sich nahezu verdoppelt.
    - Sie ist ungefähr gleich geblieben.
    - Sie hat sich annähernd halbiert.
Die Auflösung findet sich am Ende des Beitrages.
Weder spiegeln diese 10 Fragen alle Aspekte des Lebens wieder, noch heißt dies, dass wir nun keine Probleme mehr haben. Zu nennen sind Klimawandel, internationaler Terrorismus, multiresistente Keime und die ungerechte Verteilung von Nahrungs- und Lebensgütern. Aber es lässt sich eben kein global negativer Trend ableiten.

Was hat das ganze aber mit der Erbsünde zu tun?
Gottesfrömmler verschieben ihre paradiesischen Aussichten ja auf ... naja ... das Paradies. Sie sehen im Hier und Jetzt keine Zukunft und keine Sicherheit.
Man muss natürlich einsehen, dass es heute auch Gräueltaten gibt, die es früher nicht gab. Hat die Welt aber ein neues Level an Gewalt und Unmoral erreicht, nur weil Porno- und Horrorfilme im Fernsehen laufen, Demonstranten gewaltsam niedergeknüppelt werden oder es 65 Bürgerkriege weltweilt gibt? Griechische Schüsseln zeugen von Pornografie auf Alttags- und Essgegenständen. In Rom wurde live in Arenen gemordet. Und Kriege gibt es auch nicht erst seit 1914. Die Bibel selbst liefert an vielen Stellen Gewalt, Mord und Vergewaltigung. Und das alles soll mit dem Sündenfall in Eden begonnen haben. Adam und Eva aßen von der verbotenen Frucht und büßten ihre Vollkommenheit ein, wodurch auch alle Nachkommen (da sie erst danach Kinder bekamen) unvollkommen waren. Seitdem ist "das Herz des Menschen allezeit zum Schlechten geneigt", wie die Bibel sagt und daraus und dem bösen Einfluss Satans entspringt alles Leid der Welt. So habe ich es bei den Zeugen Jehovas gelernt. Da die letzten Tage aber angebrochen sind und Satan der Vernichtung entgegengeht, steigert er seine Bemühungen, die Welt ins Chaos zu stürzen. Warum auch immer?
Aufmerksame Besucher der Zusammenkünfte werden nun natürlich einwenden, dass Rosling sich auf UN-Datenerhebungen bezieht und die UNO ja ein Instrument Satans sei, irgendwann weltweiten Frieden und Sicherheit auszurufen, der selbstverständlich trügerisch sei. Dann kommt der Angriff auf das Volk Gottes, welches ... wie sollte es anders sein ... natürlich die wahre Anbetung praktiziert und auch nach der Vernichtung der falschen Religion nicht von ihrem Gott weicht.

Aber was hat die Erbsünde mit der Debatte um Evolution zu tun?
'Ne ganze Menge. An der Menschwerdung scheiden sich die Geister der Evolutionsbiologen und der Kreationisten am heftigsten und auch die kunstvolle Verschmelzung als "Theistische Evolution" scheitert bei dem Versuch, den biblischen Schöpfungsbericht und die Evolutionstheorie in Einklang zu bringen (siehe Seite 01, Beitrag 02, 01.10.2017: Einmal Evolution light, bitte! - Probleme der theistischen Evolution). Die Evolution wird als fließender Artenübergang beschrieben, jede Grenzlegung zwischen "alter" und "neuer" Art ist also zwangsläufig willkürlich gesetzt. Das Loskaufopfer Jesu bedingt aber eine Erbsünde, die es zu tilgen gilt und diese kann nur stattgefunden haben, wenn wie kreationistisch vertreten, das erste Menschenpaar separiert festgelegt ist. Da ist die Krux.
Sie stritten sich beim Wein herum,

Was das nun wieder wäre;
Das mit dem Darwin wär gar zu dumm
Und wider die menschliche Ehre.

Sie tranken manchen Humpen aus,
Sie stolperten aus den Türen,
Sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
Gekrochen auf allen Vieren.

- Wilhelm Busch, Kritik des Herzens, 1874

#1 Auflösung des "Ignorance Test"
  1. In den 50ern gab es weniger als 1 Milliarde Kinder auf der Welt, im Jahr 2000 aber fast 2 Milliarden. Wie schätzen Experten der UNO die Zahl der Kinder für das Jahr 2100 ein?
    - Richtige Antwort: 2 Milliarden
    Die meisten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Kinder nochmals verdoppelt. Aber wir leben lauf Rosling bereits in der Zeit des "peak child". Laut den Daten wird sie bis 2050 nur noch sehr geringfügig ansteigen um danach bis zum Jahrhundertende wiederum leicht zu fallen.
  2. Wie verteilen sich die etwas mehr als 7 Mrd. Menschen auf der Welt?
    - Richtige Antwort: Europa: 1 Mrd., Amerika: 1 Mrd., Afrika: 1 Mrd., Asien: 4 Mrd.
    Die meisten Menschen überschätzen die Zahl der Afrikaner maßlos, allerdings lautet die "Postleitzahl der Menschen: 1114. In Asien leben mehr Menschen, als auf allen anderen Kontinenten zusammen.
  3. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist ein Indikator unter anderem für Fortschritte in der medizinischen Versorgung. Wie hoch ist heute diese auf der Welt?
    - Richtige Antwort: 70 Jahre
    Definitiv gibt es Gebiete auf der Erde, wo die Durchschnittliche Lebenserwartung unter 50 Jahren liegt. Doch diese Gebiete sind längst nicht mehr so bestimmend und zahlreich wie früher.
  4. Wie hoch ist heute weltweit die Alphabetisierungsrate Erwachsener, also wie viele können lesen und schreiben?
    - Richtige Antwort: 80 Prozent
    Die wenigstens würden dem zustimmen, aber tatsächlich können vier von fünf Erwachsenen weltweit lesen und schreiben.
  5. Im Weltdurchschnitt gingen Männer, die heute zwischen 25 und 34 Jahre alt sind, 8 Jahre lang zur Schule. Wie sieht es bei Mädchen der gleichen Altersgruppe aus?
    - Richtige Antwort: 7 Jahre
    Das ist zwar mehr als meist vermutet, aber zugegebenermaßen immer noch keine Gleichberechtigung.
  6. Wie viel Prozent aller einjährigen Kinder auf der Welt sind gegen Masern geimpft?
    - Richtige Antwort: 80 Prozent
    Die meisten unterschätzen auch hier die Zahl dramatisch und gehen meist davon aus, dass maximal eins von fünf Kindern gegen Masern geimpft sei, es verhält sich aber geradewegs andersherum: Eins von fünf Kindern ist nicht geimpft, die anderen schon. Sie gilt laut Rosling als "wichtigste aller Impfungen".
  7. Von 1990 bis 2010 hat sich der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung ...
    - Richtige Antwort: ... fast halbiert.
    Zwar leben noch immer 1,2 Milliarden Menschen auf der Welt in extremer Armut (weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag). Ihr Anteil an der Weltbevölkerung hat sich allerdings seit 1990 fast halbiert, obwohl sich die Weltbevölkung selbst bei weitem nicht verdoppelt hat. In Summe leben also weniger Menschen in extremer Armut als vor 27 Jahren.
  8. Wie hoch ist die Zahl der Kinder pro Frau heute, wenn 1965 jede Frau im Schnitt 5 Kinder zur Welt brachte?
    - Richtige Antwort: 2,5 Kinder
    Laut Rosling ist die Geburtenrate eine der "wichtigsten demografischen Kennzahl überhaupt" und diese sinkt seit 50 Jahren beständig. Dies zeigt eine der größten Veränderungen an, denn sinkende Geburtenziffern begleiten oder befördern in der Regel die positive wirtschaftliche Entwicklung des Landes und zeigen obendrein auch noch auf einen verbesserten Bildungsstand der Frauen.
  9. Wie hoch liegt die weltweite Kindersterblichkeit heute, wenn sie 1990 bei 9 Prozent aller Kinder bis zum fünften Lebensjahr betrug?
    - Richtige Antwort: Sie hat sich annähernd halbiert.
    Hier wiederrum nehmen die meisten die korrekte Antwort: fast halbiert.
  10. Wie veränderte sich die jährliche Zahl von Todesfällen durch Naturkatastrophen seit dem Jahr 1970?
    - Richtige Antwort: Sie hat sich annähernd halbiert.
    Das ist ein durchaus paradoxes Bild: Während die durch Naturkatastrophen verursachten Kosten teils heftig steigen, sinkt die Zahl der Todesopfes durch diese deutlich. Das hat mehrere Ursachen: Frühwarnsysteme sind heute ausgereifter und sensibler als früher. Obendrein hat sich die Bautechnik insbesondere in oft betroffenen Gebieten verbessert und die Bildung der ansässigen Bevölkerung tut ihr Übriges.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 8. Nov 2017, 23:19

Rezension: Wachtturm Oktober 2013 - Wie Farben auf uns wirken

Weblink zum Artikel: Wie Farben auf uns wirken

Manchmal machen es einem Kreationisten zu einfach. Folgende Aussage ist in dem Artikel über die evolutionsbiologische Ansicht über das Farbsehen des Menschen zu finden:
Evolutionsbefürworter stehen vor der Frage, warum der Mensch eine breite Palette von Farben unterscheiden kann, wo doch das Farbensehen nicht überlebensnotwendig ist. Geht man jedoch davon aus, dass ein Schöpfer uns mit der Fähigkeit ausgestattet hat, uns an so vielen Farben zu erfreuen, dann sieht man dieses Geschenk als Liebesbeweis, der unser Leben schöner machen soll.

Nur leider gibt die Wissenschaft wenig auf ein Bauchgefühl, sondern gibt naturwissenschaftliche Erklärungsmodelle zu beobachteten Dingen. Doch obacht, der gleiche Artikel beginnt mit folgenden Worten:
Augen und Gehirn bilden ein perfektes Gespann, wenn es darum geht, Eindrücke aus der Umgebung aufzunehmen. Der Blick fällt auf ein Stück Obst und man entscheidet, ob man hineinbeißen will. [...]
Die Farbe einer Frucht liefert uns Anhaltspunkte dafür, ob sie reif und lecker ist. [...] Ob wir es merken oder nicht, Farben helfen uns ständig dabei, die Welt um uns herum zu erfassen.

Im Grunde erklären Sie sich die evolutionsbiologische Ansicht selbst: Farbwahrnehmung hat einen selektiven Vorteil.

Aber gehen wir dem Argument des göttlichen Liebesbeweises nach. Welche Überlegungen können sich daraus ergeben?
Ich frage mich unwillkürlich, warum einige Tiere diese schöne Welt auch wahrnehmen dürfen, andere nicht. Trichromaten (Lebewesen mit drei Farbzäpfchen) haben gegenüber Dichromaten (Lesewesen mit zwei Farbzäpfchen) Rezeptoren für die rote Farbwahrnehmung, was den Vorteil bietet, dass satte Rot einer Erdbeere wesentlich besser zu erkennen. Dichromaten sehen ja nach Helligkeit und Farbsättigung eine grüne oder orange Beere. Der Mensch ist aber, wie jeder Altweltaffe auch (also jene in der alten Welt: Europa, Asien und Afrika, z.B. Schimpansen, Gorillas, Bonobos, Orang-Utans, etc.) ein Trichromat.

Mäuse könnten theoretisch auch welche sein, ihr Gehirn ist dazu in der Lage. Sie sind es aber nicht. Das sie es könnten, bestätigten Laborversuche, wo das dritte, rote Farbpigment in die Augen eingelagert wurde. Die Mäuse konnten bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen sofort und ohne große Umstellungen im Verhalten trichromatisch sehen. Dies wurde statistisch mit mehreren Versuchsreihen durchgeführt (#1).
Das die Schlange die vielen Farben nicht sehen darf, ist klar, hat sie den Menschen doch zur Sünde verleitet. Warum aber werden Katzen benachteiligt und einige Vögel bevorzugt? Letztere sind sogar Tetrachromaten (Lebewesen mit vier Farbzäpfchen) und können UV-Licht wahrnehmen. Der Fangschreckenkrebs Neogondodactylus oerstedii besitzt sogar acht verschiedene Rezeptortypen im sichtbaren und vier im Ultraviolett-Bereich. Vielleicht ist er ja die wahre Krone der Schöpfung.


Krone der Schöpfung? Sieht immerhin allein im ultravioletten Bereich mehr Spektren als wir überhaupt: Fangschreckenkrebs Neogondodactylus oerstedii

Natürlich kann man ein Weltbild nicht an der Farbwahrnehmung festmachen. Aber den Evolutionsbiologen mangelnde Erklärung vorzuwerfen nachdem diese selbst aus evolutionsbiologischer Sicht hinreichend erklärt hat, war einfach zu verlockend, um nicht rezensiert zu werden.

Auch beweist das Mäuseexperiment ja eindrucksvoll, dass trichromatisches Sehen keine Gleichzeitigkeit der Entstehung der Rezeptoren und der Entstehung der dafür notwendigen Wahrnehmungsstrukturen im Hirn benötigt. Das Hirn ist offenbar in der Lage Farben zu "interpretieren", selbst wenn das Auge diese noch gar wahrnehmen kann.
Unzureichend ist daher nur eine Erklärung: Gott vorauszusetzen, damit Gegebenheiten als Liebesbeweis gedeutet werden können, um damit wieder Gott zu beweisen.

#1 Quelle: Genetically engineered mice with an additional class of cone photoreceptors: Implications for the evolution of color vision
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC208822/
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