Sacra Tibia: Berions Reisen




Geschichten, die sich auch über mehrere Kapitel erstrecken können

Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Sa 2. Jul 2011, 21:44

Berions Reisen

Da gab es keinen, der nicht größere Wunder tat, als Jesus. Aber der Junge aus dem Westen wollte auch von sich überzeugen machen. Nur mit dem Christus hielt er es nicht. Ob er wohl durch die Dämonen solche Dinge tut? Urteilt selbst.


Inhaltsverzeichnis
  1. Der Golem: Prolog
    Der Golem: Das Duell
    Der Golem: Berions Einschreiten
    Der Golem: Epililog
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

von Anzeige » Sa 2. Jul 2011, 21:44

Anzeige
 

Re: Sacra Tibia: Berion - Der Golem

Beitragvon almafan » Mi 13. Jul 2011, 19:22

Der Golem

Im Jahre des Herrn 998

Prolog

Ein schöner Tag ist es. Die Sonne scheint durch das Blattwerk der Bäume. Zu seiner Linken windet sich ein kleiner Fluss malerisch durch die Landschaft. Zu seiner Rechten stehen einige Felsen, die den ansonsten dichten Baumbestand etwas auflockern. Doch das Grün lässt sich davon nicht beirren. Denn überwuchert sind auch diese Steine. Die Luft steht, die Wärme ist jetzt schon vor dem Mittag sehr schwer. Nur manchmal spielt der Wind lieblos mit den Blättern. Bis an den Boden reicht er aber nicht. Nur wenige Tiere sind in dieser Hitze unterwegs. Mal hier, mal da ein Eichhörnchen. "So kann es bleiben", denkt sich Berion.
Der hat wieder einen Botengang zu absolvieren. In die Ferne ziehen wollte er ja schon immer. Und auf das Gehen versteht er sich. Man sieht ihn selten hoch zu Ross. Man sieht ihn selten auf einem Schiff. Wer traut denn nicht auch seinen eigenen Füßen am Weitesten?

Unterwegs ist er wieder, im Auftrag der Dämonen. Aber nicht zu den Orks will er diesmal, nein, eine kleine Padaschsiedlung, unweit der westlichsten Anspruchgebiete des postrhomäischen Imperiums, ist ein neustes Ziel. Es ist ein weiter Weg und er führt vorbei an vielen Zollstellen. Viele Wachmannen haben ihn schon zig Mal untersucht. Einsam umherstreifende Leute sind besonders verdächtig, sind diese doch zumeist erstes Angriffsziel für Wegelagerer und Räuberbanden. Und wenn dann einer doch ohne Schrammen und quietschfidel an den Posten tritt, ist dieser sich der Aufmerksamkeit des Personals sicher gewiss. Ein solcher ist einfach nur zu verdächtigen. Etwas anders bleibt den Wachmannen gar nicht übrig. Denn wer im Alleingang durch einen Wald oder anderes unwirtliches Gelände geht, ohne eben überfallen zu werden, der muss selbst ein Dieb oder Räuber sein.

Berion ist einfach gekleidet. Eine einfache leinene Hose, die am Bund mit einem Seil an der Hüfte gehalten wird, über dieser einen Rock, den man sich über den Kopf zieht. An diesen hat sich Berion eine Kapuze angenäht, falls der Regen einmal einsetzt. Unter diesem Klappenrock trägt er ein leinenes Hemd, das er sich in die Hose gesteckt hat. Und über alledem hängt sein grüner Filzumhang. Er hat sein Gewicht, doch er schützt verlässlich selbst vor starkem Regen. Dabei hat er wieder seine Tasche, die er wie immer zur Rechten trägt und um den Hals, auf seiner linken Schulter über den langen Träger hält. Er hat kein Problem damit, dass man immer wieder in die Tasche sehen will. Vielleicht führt er ja illegale Ware bei sich, wobei bei der Benennung einer solchen, der Fantasie der Wache kaum Grenzen gesetzt sind. Gefällt ihnen ein Stück besonders, so ist es nicht verwunderlich, dass es plötzlich jenseits des Postens verboten sei und deshalb einbehalten werden muss.

Das kann Berion nicht schrecken. Er hat nichts von begehr. In seiner Tasche finden sich Proviant, bestehend aus trockenem Brot, ein wenig Dörrfleisch, sowie einen außen an der Tasche befestigter Trinkbeutel. Das einzig wertvolle Gut sind die Dokumente, die er mit sich führt. Aber lesen kann sie hier am Posten sowieso keiner. Vielleicht gibt es im nächsten Kloster ein oder zwei Mönche, die die Sprache, in der die Schriften verfasst sind, erkennen kann, aber selbst dann ist es unwahrscheinlich, dass sie diese auch lesen können. Das alte Koptische oder Kymeiische, so auch manchmal das Grekische sind die Sprachen, in denen die Auftraggeber von Berion zu schreiben gedenken, wohlwissend, dass es kaum Menschen gibt, die das auch wieder entziffern können. Meistens aber sind die Dokumente sowieso versiegelt. Dann aber auch gleich mit einem hochwürdig scheinenden Siegel. Ein Adler, ein Löwe, irgendetwas Herrschaftliches. Keiner der Posten wagt es, ein solches Siegel zu brechen, um sich von der Dringlichkeit und dem authentischen Inhalt des Schreibens selbst zu überzeugen. Einfach ist das Volk und das ist Berions Segen.

Für jeden sieht er aus, wie ein einfacher Herold oder Pilger. Für das bisschen Wegegeld das er mit sich führt würde man ihn auch schon töten. Angst hat er deshalb aber schon seit Jahren nicht mehr. Die ärmliche Bekleidung schreckt die meisten Diebe schon ab. Die aber, die es dennoch wagen sollten, ihn berauben zu wollen, können Bekanntschaft mit seinem Kurzschwert schließen, das er unter seinem Umhang versteckt. Wenn es die Wachen entdecken, ziehen sie es jedes Mal aus der Scheide und schauen auf die Klinge, ob diese Blut hält oder Zeichen eines Kampfes trägt. Und wenn sie etwas beanstanden, kann Berion mit erdrückender Überzeugung bescheinigen, nie jemanden anzugreifen. Man könne ja schlecht zwischen Kerben durch einen Angriff oder solche durch Verteidigung unterscheiden.
Würden sie wissen, dass der Mann da vor ihnen, auch noch einen Dolch dicht am Körper trägt, unter seiner Oberbekleidung, noch nie entdeckt, so würden sie ihn vielleicht nicht ziehen lassen. Berion lässt sich solche Geheimnisse nicht anmerken. Und wieder kann er einfach weiter ziehen. Man hat nichts Verdächtiges gefunden.

Auf diese Waffen ist er meist gar nicht angewiesen. Er kann sich in einem Kampf auch anderweitig erwehren. Ausfechten kann er einen Kampf mit einem guten Schwertkämpfer sowieso nicht. Er hat den einen oder anderen Kniff drauf, aber ein guter Schwertkämpfer ist er für wahr nicht. Er kennt aber viele schmutzige Tricks.
Tritt er gegen eine Überzahl an, so zwei, drei Mannen, so erwehrt er sich lieber mit einem langen Stock. Der findet sich fast überall und hat mehr Reichweite als sein Kurzschwert. Ein paar Mal wirbelt er es dann umher und trifft nicht selten kann schon jemanden. Das beabsichtigt er aber meist nicht, viel entscheidender ist, dass sie sich alle durch das Gewirbel in eine Richtung, besser noch in eine Ecke, drängen lassen. Dann rennt er mit dem Stock in beiden Händen, waagerecht vor sich haltend, auf sie zu und kann sie so von den Vorteilen der Überzahl abbringen. Mit Tritten und Schlägen setzt er denen dann zu und rennt davon.
Sand ist ihm ebenso ein wichtiges Hilfsmittel, selbst wenn er nicht in die Augen des Gegners gelangt, lenkt er diesen doch ab. So hält sich zumeist der Beworfene die Hand vor Augen. Nimmt er diese wieder weg, sieht er bereits die Faust auf sich zu schnellen, wenn es denn nicht schon zu spät ist.
Berion würde nie der Ehre wegen in einen Kampf ziehen, warum dann also ehrenvoll. Einen unsauberen Kampf stellt er dem sauberen obenan. Und nur selten hat ein Gegner ein ähnliches Aufgebot an Hinterlist zu bieten. Da ist Berion sich sicher, haben ihn seine alten Meister gut unterrichtet.

Ein Schmunzeln gleitet ihm immer wieder ins Gesicht, wenn er die Zöllner stehen lässt und diese ihn nach ihrer Untersuchung als harmlos deklarieren. Heute schon hatte er solcher Momente zwei. Er ist schon seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen. Zu trinken führt der Fluss bei sich. Seine Flasche wird also wohl auch die nächsten tausend Schritt nicht leer. In solcher Abgeschiedenheit wird sein Gang langsamer, die Pausen länger.
Berion liebt die Natur. Sie ist stiller als die Stadt und sie riecht ohnehin besser. Er bewegt sich zum Fluss keine fünf Schritte neben ihm und geht in die Hocke. Er schöpft mit seiner Hand wieder kühles Wasser. Das Moos um ihn herum ist vollgesaugt. Die letzten Tage hatte es geregnet. Und während die Wasserlöcher meist schon wieder auf ihren alten Stand zurück schrumpften und die Pfützen verschwunden sind, ist im Wald alles noch ein wenig feuchter. Der Wald speichert vergangene Wetterereignisse und Temperaturen länger als das Feld oder die Stadt. Berion möchte gar nicht wissen, wie heiß es nun ohne das Blätterdach wäre. Schwül ist darunter schon. Das Moos ist aber schön kühl.
Eine längere Pause kommt ihn in den Sinn. Wofür auch die Eile? Der Wachposten ist längst nicht mehr in Sichtweite. Einige Zeit ist schon seither vergangen. Und auch am Ziel hetzt ihn keiner. Berion schaut an sich herunter. Wieder hat er seine Schuhe nicht ausgezogen. Er hat es wohl wieder vergessen, als er die Stadt verließ. Barfuß läuft er am Liebsten, aber nicht in der Stadt.

Berion befreit sich vom Umhang und wirft diesen als Sitzdecke auf den Boden. Ihm war sowieso schleierhaft, warum er den warmen Fetzen nicht schon früher abgenommen hat. Denn schon in den Morgenstunden wird es in den südlichen Gegenden des teutischen Reiches warm. Auf die Tasche ist ihm in dieser Schwüle zu schwer geworden. Zum Sitzen zu unbequem, schnallt er auch das Schwert ab. Ein wenig rückt er mit dem Umhang noch Richtung Fluss, seine Füße sollen zur weiteren Abkühlung im fließenden Wasser baumeln. Doch auf den ersten Schock hin reißt er sie noch einmal aus dem Wasser, bis sie dann endgültig eintauchen.
Langsam dämmert er weg ins Reich der Träume. Die wärmende Sonne von oben, der kühlende Fluss von unten. Der säuselnde Wind, noch nicht ganz verstummt, dazu die vielen verschiedenen Vogelstimmen und das Summen der Bienen und anderer Insekten, ist zu befriedigend und beruhigend um nicht dazu beizutragen. Eine Unterbrechung mehr oder weniger, was ist das schon? Die Reise wird es verkraften. Der Empfänger wird es verkraften. Berion will es verkraften. Berion will es einfach.
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Sacra Tibia: Berion - Der Golem

Beitragvon almafan » Sa 16. Jul 2011, 14:08

Das Duell

Vom Himmel stürzt ein Feuerball. Berion kann diesem gerade noch so ausweichen, bevor der Boden unter ihm auf einen Schlag zu schwarzem Staub wird. Berion schaut sich um. Die ganze Gegend steht in Flammen. Selbst der Himmel brennt und seine Wolken erscheinen in einem kräftigen Rot. Immer wieder fallen Feuerbälle vom Himmel. Es sieht aus, als sei die Hölle auf Erden losgebrochen, als sei die Geisel Luzifers frei und verbrenne nun alles, was sich ihm in den Weg stellt. Doch Berion sieht auch einen mächtigen Magier. Dieser scheint die Ursache für all das zu sein. Wie angewurzelt steht er da und streckt die Arme von sich, zu beiden Seiten. Die Handflächen zeigen nach oben und eine seltsam gefärbte Aura umgibt ihn. Er leuchtet geradezu von innen heraus. Welche gewaltigen Kräfte muss dieser Magier haben, um ein solches Inferno zu entfesseln?
Berion hat keine Zeit, darüber nachzudenken. Er muss weiteren Angriffen ausweichen. Die Hitze der Feuerbälle, die ihn knapp verfehlen, erdrückt ihn. Jede Erschütterung geht in Mark und Knochen. Hier ein Krater, da ein verkohlter Baumstumpf. Berion will den Wahnsinnigen aufhalten. Er muss.
Berion rennt durch alle Gefahren hindurch auf den Magier zu und trifft ihn schon mit dem ersten Schlag. "Das war zu einfach.", denkt er sich. Doch da steht der andere bereits wieder. Als sei nichts gewesen, hat er die alte Pose wieder eingenommen. Unvermindert geht das Feuerwerk seinen Gang. Berion setzt zum zweiten Male an und rammt dem Widersacher seinen Dolch direkt durch die Brust.
Plötzlich kann er es erkennen. Er selbst ist der andere Magier. Er selbst ist diese Macht. Er selbst ist dieses Monster. Berion schreckt zurück. Die Klinge noch in der Brust, sackt das Spiegelbild zusammen. Berion kann sich nicht einmal daran erinnern, dass er den Dolch überhaupt in die Hand genommen hat, nicht einmal, dass er diesen überhaupt aus seinem Versteck unter seinem Hemd hervorgezogen hat. Alles ist plötzlich so unwirklich. Unwirklicher als es das ganze Szenario vorher schon war. Das ganze Brimborium unterdes setzt sich weiter fort. Es fallen nach wie vor brennende Steine vom Himmel und ziehen ihren schwarzen, rauchenden Schweif durch das Rot des ganzen Horizonts.
Berion wird schwach auf den Beinen. Er merkt wie ihn seine Kräfte verlassen. "Was ist hier nur los?" Auch er sackt zusammen. Ein Stechen in der Brust. Er schaut an sich herunter. Auch in seiner Brust steckt ein Dolch. Er legt seine Hand an den Stahl. Beim Herausziehen sind die Schmerzen fast unerträglich. Er spuckt Blut und seine Wunde klafft, ist selbst durch die verschiedenen Schichten seiner Kleider zu erkennen. Kniend, nach vorn gebeugt, stützt er sich mit der einen Hand am Boden ab, während die andere seine blutende Wunde hält. Vor Schmerzen richtet er sich auf. Er atmet schwer. Die letzten Momente scheinen angebrochen. Er kann noch immer das Blut in den Mundwinkeln schmecken. Er öffnet die Augen und sieht wie ein Feuerball genau auf ihn zusteuert. Zum Ausweichen bleibt keine Zeit mehr. Berion gibt sich seinem Schicksal hin.

Berion wacht auf. Seine Augen weiten sich, die Sonne sticht ihn ins Gesicht. Sofort zieht er die Augen wieder zu. Genau hier muss das Blattwerk so dünn sein, dass der nun aufgekommene Wind, die Blätter zur Seite bläst. Berion richtet sich langsam auf und reibt sich die Augen. Mittlerweile steht die Sonne ganz anders. Einige Käfer und andere Insekten haben sich auf dem grünen Filzumhang gesammelt. Berion schreckt kurz zurück, als eine Hummel vor seinem Gesicht vorbeibrummt. Er ist noch nicht ganz wach, aber weiß jetzt schon, dass er länger geschlafen hat, als er es wollte.
Ein unglaublich realer Traum war das eben. Sowohl der Knall als auch die Erschütterung beim Aufschlag scheinen unfassbar echt gewesen zu sein. War das ein Traum? Oder schon eine Vorahnung? Was will ihm sein Geist sagen? Hat dies überhaupt eine Bedeutung oder war es nur ein einfacher Gedankenstreich seines Hirns?
Ganz so scheint es dann doch nicht. Denn erst leise hört er es grollen. Er spitzt seine Ohren und vernimmt es immer besser. Es klingt, als stürzen zwei Felsen aufeinander. Das erklärt das Gerumpel aus dem Traum. Berion blickt zu den Felsen hinter sich. Irgendetwas scheint dort im Gange zu sein. Er zieht seine Füße aus dem Wasser, sie sind eiskalt und das Wasser perlt im Farbenspiel mit der immer wieder durchdringenden Sonne von diesen. Berion dreht sich im Sitzen einfach um und hält seine Eisbeine in die Sonne, die es hier durchgehend auf den Boden schafft. Die Baumkronen sind nicht allzu weit über dem Weg zu Ende.
Berion ist immer noch seelenruhig auf seinem Umhang, die Füße werden langsam wieder wärmer. Das laute Geknalle, da hinter den Felsen, interessiert ihn sehr. Aber so beständig, wie es derzeit verläuft, wird es auch gleich noch da sein, so wie auch der Verursacher.
Kurz flimmert ein es hinter den Felsen in einem schwachen Rot auf. Berions Aufmerksamkeit ist geweckt. Er ist sich sicher, da ist Magie im Spiel. Mit blanken Füßen und ohne auf sein Gut zu achten, springt er auf und macht sich daran, herauszufinden, was dort überhaupt los ist. Das Getöse wird mit jedem Schritt lauter und das rote Aufflackern nimmt zu. Berion tastet sich, immer langsamer werdend, an den Steinen entlang, immer mit dem Rücken zur Wand. Er weiß, er ist auf der richtigen Fährte. Noch immer nimmt der Geräuschpegel zu. Immer wieder Steine die aufeinander prallen und ein Schwung von Feuerbällen. Soweit kann Berion es bereits erkennen.
Dann aber hat er die Sache selbst im Blick. Nach wie vor ist er an den Felsen gelehnt, an dem er gerade entlangschleicht. Aus seiner Deckung, in der er für die Beteiligten noch immer nicht auszumachen ist, kann er die ganze Szenerie überblicken. Ein lautes Krachen ist wieder weithin vernehmbar. Ein riesiger, steinerner Koloss, der da aufgebracht auf die Felsen eindrischt: Ein Golem. Mindestens zwanzig Fuß, in der Sprache der Bergarbeiter müsste man von etwas mehr als drei Lachtern reden [ca. sechs Meter], misst dieses beeindruckende Wesen. Friedlich sind sie eigentlich, dass weiß Berion. Wenn man sie nicht massiv stört, werden sie auch selbst nicht handgreiflich. Aber was hat ihn dann so in Rage versetzt?

Natürliche Feinde haben diese sanften Riesen nicht, es kann sich Berions Erfahrung nach wieder nur um eine Art handeln. Er bemerkt, dass der Golem immer wieder ein und denselben Felsen ansteuert. Alle Felsen überragen den Golem um ein gutes Stück. An den porösen, bröckelnden Seitenwänden rutscht der Steinriese immer wieder ab. Er scheint dort oben irgendetwas Feindliches ausgemacht zu haben.
Plötzlich trifft ein Feuerball den Golem. Er kam genau von dem Felsen, auf den der Golem schon seit längerem, so scheint man am Abrieb urteilen zu können, hinauf will. Berion entdeckt den Schützen. Das muss ein Magier sein. Ein dummer Magier, wie Berion meint. So energisch und voll Zorn im Gesicht kann es sich kaum um ein Versehen handeln. Der Magier scheint sich bewusst mit dem Golem angelegt zu haben. Er hat sich selbst überschätzt und offenbar nicht bedacht, dass die Feuerbälle, die er nun verschießt, dem Golem kaum etwas anhaben können. Sie werfen ihn in seinen Anstrengungen zwar ein wenig zurück und haben ihn schon ein, zwei Mal vom Felsen losgebrochen. Aber der Golem steht und er wird sich kaum beruhigen, wenn der Störenfried nicht langsam aufgibt, flieht oder stirbt. Berion weiß auch, dass es sonst niemanden gibt, der so bescheuert wäre, einen Golem anzugreifen. Meist nehmen die, die es versuchen, Reißaus. Denn der Golem weiß nicht nur durch seine Größe zu überzeugen. Seine rosa, meist lila gefärbten Adern glühen auf. Der ganze Körper beginnt zu vibrieren und das ganze kumuliert in einer Art Schrei. Ein lautes, bedrohliches Summen, das erst leise und langsam ansteigt und dann innerhalb eines Augenblickes einen großen Lärm verursacht. Wer diese Warnung missachtet, bekommt es mit dem tonnenschweren Koloss zu tun, wie er es in seinen schlimmsten Albträumen nicht ersehen konnte.
Ein Pattsituation: Der Magier kann den Golem mit seinen derzeitigen Mitteln nicht besiegen. Und der Golem schafft es nicht auf den Felsen, um dem Magier den Gar auszumachen. Und keiner von beiden will nachgeben. Dabei müsste auch der Magier, da oben auf dem Felsen, wissen, den längeren Atem hat der Golem. Er muss sich nicht verausgaben, er kann es kaum. Seine steinerne Haut speist den Körper aus der Sonnenenergie bei Tage und die lunaren Lichtwellen bei Nacht, quasi den Resten des Sonnenlichtes. Außerdem übersteht ein Golem viele Menschenleben. Die Langzeitvorteile liegen klar beim Golem. Noch aber wehrt sich der Magier nach Leibeskräften. Seine Feuerbälle lassen an Intensität und Feuerrate nicht nach. Aber das wird sicher noch passieren.
Berion könnte also in aller Ruhe zusehen, wie dem Magier die Kräfte schwinden und der Golem danach ganz einfach wieder seiner Wege geht. Doch dann sieht er den Grund für den ausgebrachten Golem: Ein Vogelnest in einem Loch im Felsen. Wohlmöglich hat der Golem das Loch selbst in den Felsen geschlagen, mit einem einzigen Hieb. Die Vögel haben sich hier sicher an den behäbigen Steinriesen gewöhnt. Er hält die Fressfeinde fern. Wölfe, Füchse und dergleichen wissen um die Kraft der Golem und wagen einen Angriff auf dessen Schützlinge nicht.
Öfter schon hat Berion Golem gesehen und nicht selten tragen sie Vogelnester auf der Schulter oder dem Kopf. Im Gehen begriffen, bauen die Vögel ihre Nester direkt auf den schweren, friedlichen Wesen. In seiner derzeitigen Rage allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass der Golem selbst das Vogelnest zerstört, das er ja eigentlich schützen will.
"Ein wirklich dummer Magier.", denkt sich Berion. Denn eines der obersten Gebote der magischen Zunft, mag man sie denn so nennen, scheint er vergessen zu haben: "Ehre die Natur und ihre Geschöpfe!" Für Berion ist sie Sache klar: Diesem Magier muss Einhalt geboten werden.
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Sacra Tibia: Berion - Der Golem

Beitragvon almafan » Mo 11. Nov 2013, 14:52

Berions Einschreiten

Berion muss schnell handeln, denn jeden weiteren Moment, den er verstreichen lässt, kann das Nest bereits getroffen werden. Nicht das der Golem in seiner Wut die armen Küken selbst tötet. Die Vogelmutter jedenfalls kommt bei diesem Gewusel nicht an ihr Nest.
Schnell, dass ist das richtige Stichwort. Berion kennt eine bestimmte Technik, die genau darauf passt. Berion bündelt seine Energien und spricht den Argonischen Schritt. Für eine kurze Zeit wird er zum übermenschlichen Läufer und schafft so ungeahnte Geschwindigkeiten, jenseits jedes Periodoniken, den die Spiele der Antike jemals hervorgebracht haben. Er umkreist das Geschehen in Windeseile und wird gar nicht bemerkt. Die Streitenden haben ohnehin genug mit sich zu tun.
Berion sucht in diesem schnellen Schritt eine möglichst günstige Ausgangsposition für seinen nächsten Trick. Sein unruhiges Auge sieht eine flachere Seite an dem Felsen, auf dem der Magier über dem Golem thront und unablässig seine offenbar einzige Waffe, einen Feuerball nach dem anderen, auf den steinernen Riesen abwirft. Diese, ein wenig niedrigere Stelle ist für Berions nächste Technik gut erreichbar. Er sammelt im Sprint neue Energien und wendet diese auf den Padeschen Schritt an. Noch im Rennen begriffen, erhöht sich seine Sprungkraft derart, dass er es ohne größere Mühen und ohne weiteres Zutun auf diese niedrigere Stelle des Felsens schafft. Ein wenig läuft er sich oben auf dem Plateau des Felsens noch aus. Dann sind beide Magien verschwunden. Berion benötigt sie auch nicht mehr. Sie sind nur für einen kurzen Zeitraum aktiv und können von einem geübten Magier verkürzt, aber auch ein wenig verlängert werden. Berion aber hat sein erstes Ziel erreicht. Er steht dem anderen Magier nun gegenüber.

Dieser ist sichtlich verwirrt. Er schaut den Neuankömmling fragend an, bricht seine sinnlose Aktion ab. Wo mag dieser Unbekannte so plötzlich hergekommen sein? Wie hat er es überhaupt hier hoch geschafft? Und was will er? Starr stehen sich die beiden gegenüber und mustern sich. Der Golem am Fuße des Felsens hat mit seinem Treiben aufgehört. Auch er ist verwundert, über die neue Entwicklung. Sicherlich fragt auch er sich, ob der Neue, ihm oder seinen Schützlingen schaden will.
Berion sieht vor sich einen wohl fein gekleideten, sicherlich mehr reich als armen Mann. Bauchig ist er, das ist selbst durch den weitgeschnittenen Wams zu sehen. Über diesem trägt er einen prächtigen, rotgrünen Mantel. Sicherlich ist er aus adeligem Hause oder zumindest ein, sie sind sehr selten, Emporkömmling. Spitze Schuhe und eine hellrote Hose unterstützen diesen Eindruck noch. Der spitze Hut auf seinem Kopf soll wahrscheinlich auf irgendeine Art magischen Rang hinweisen. Sein wahres magisches Potenzial kann Berion nicht abschätzen. Aber mit dem Wissen um diese Fähigkeiten und Fertigkeiten kann es nicht weit her sein. Immerhin versucht er, offenbar schon seit geraumer Zeit, einen steinernen Golem mit Feuer niederzustrecken. Berion weiß, dass auch dies gelingen mag. Aber nicht mit dieser schlampig ausgeführten, allzu verschwenderischen und völlig ungenügenden Technik.
Der andere Magier sieht vor sich nur einen zerlumpten Vagabunden, der nicht einmal Schuhwerk besitzt. Sicherlich ist Berion niemand mit dem er gern verkehren würde. Und in seinen üblichen Kreisen hat er mit solch einfachem Volk wohl auch nie zu tun. Mit Bauern und Gesinde hat einer wie er nichts am Hut, selbst wenn dieser weniger Spitz sei. Bisher weiß er nur, dass es dem armen Kerl wohl gelungen ist, sich hier irgendwie hoch zu schummeln.
Berion kennt diese abwertenden Blicke. Die werfen ihm andere Magier häufiger zu, wenn er sich ihnen zu erkennen gibt. Sie denken, nur weil er keine Robe trägt, sei er kein Magier der sogenannten Elite, die sich ihren, mal abgewinkelten, mal eingeknixten, aber meist penibel aufgestellten Spitzhut, mit einer Würde auf das Haupt setzen, dass er sich jedes Mal in den Boden fremdschämen könnte. Was hat die Kleidung schon mit dem Können zu tun? Ein echter Magier definiert sich doch nicht über seine Kleidung. So sieht es zumindest Berion und alle seine engeren Freunde und Kollegen.
Sicher haben auch die kostümierten Magier so einiges erreicht. Die meisten von ihnen können Lesen und das gleich in mehr als einer Sprache. Das können nicht viele, das ist bereits etwas Besonderes. Dennoch, unter Berions Klientel gilt es als nicht besonders statthaft, sich auf solchen Prunk, solche Pracht oder einfach auf eine solch äußerliche Etikette zu stürzen. Der ehrliche Magier verdient nur das Lob, einen Kanten Brot und eine Bleibe. Die Scharlatane nutzen es aber so richtig aus. Lassen sich Dörflern und anderem naiven Volk bezahlen. Meist für die Beseitigung irgendwelcher Flüche oder der Bannung anderer Zauber. Selbst wenn dies wirklich so sein sollte und der Einsatz wäre berechtigt, so würde der ehrliche Magier kein Geld dafür verlangen. Seine Ehre eben verbietet es ihm.

Wenn Berion sich sein Gegenüber noch einmal genauer anschaut, entdeckt er viele Dinge an Glanz und Glorie, die erst kürzlich angeschafft wurden. Genau ein solcher Magier scheint vor ihm zu stehen. Vielen Fibeln und Agraffen, die seine Stoffe zieren und beisammen halten, sind recht neu. Keine Gebrauchspuren sind daran zu sehen. Vergoldet sind sie. Er kann sich den Luxus leisten, nicht nur weil er korrupt ist. Nein, auch weil ihn Banditen und Wegelagerer nur einmal überfallen würden und es dann mit seiner mehr oder minder begabten Magie zu tun bekommen.
Berion weiß aber auch, dass der äußere Schein oft trügen kann. Aber alles an diesem Magier stinkt zum Himmel. Seine reiche Kleidung, sein arrogantes Auftreten, seine Ignoranz der obersten magischen Gebote. Solche Magier sind Berion zuwider. Sie bringen die ganze Zunft in Verruf.

Berion ist noch in Gedanken versunken, als der andere Magier ihn bereits irgendetwas fragt. Davon bekommt er nichts mit. Aber er kann sich denken, was da aus seinem Gegenüber schallt. Die üblichen Fragen nach dem Namen, der Herkunft und der Zwecke seiner Anwesenheit. Doch Berion kümmert sich vorerst nicht um den selbstherrlichen Angeber, dem er da offenbar gegenübersteht. Sein Blick wandert bereits über den Boden. Irgendetwas hier muss es doch geben, was Berion für den Kampf nutzen kann. Für den Magier will er einfach keine Magie verwenden. Was ist schon schmachvoller, für einen ach so hohen Magier, als von einem besiegt zu werden, der, so scheint’s, über keinerlei besondere Fähigkeiten verfügt.
Aus dem Augenwinkel heraus lässt der schwach Geglaubte den Mann in seiner güldenen Ausstattung nicht unbemerkt irgendwelche Dinge tun. Es kann ja doch sein, dass dieses Zipfelmännchen irgendwas in der Hinterhand hat, seine Karten aber noch nicht offenlegt. Berion hält es jedoch für unwahrscheinlich. Dennoch, er ist vorsichtig. Zu seiner Rechten hat er einen Stock gefunden, der für Zwecke zu genügen scheint. Sichtlich entspannt bewegt er sich auf diesen zu. Als er sich aber nach diesem bücken will, fliegt plötzlich ein Feuerball in seine Richtung. Berion hebt ein wenig den Kopf und der Branntzauber verfehlt sein Ziel. Mit vernehmlichem Knall wird ein Stück des Felsens hinter Berion getroffen. Der Golem macht wieder einen Schritt nach vorn. Nun weiß auch er, dass Berion ihm nichts Böses will. Ein seichtes Lächeln wirft dieser dem Golem zu, dreht seine Augen gen Magier, ohne sein Gesicht vom Golem wegzudrehen und schüttelt den Kopf. Dann wendet er sich wieder dem Stock zu und hebt diesen auf.
Die Verwunderung des Magiers lässt nicht nach. Ihm gegenüber steht also nicht ein zerlumpter Bauer, sondern ein zerlumpter Bauer, der sich nicht so schnell beeindrucken lässt. Sofort wird mit einem weiteren Feuerball nachgesetzt. Dieser landet absichtlich kurz vor den Füßen des vermeintlichen Kontrahenten. Aber auch dieser lässt Berion nicht aus der Ruhe kommen. Langsam schwant dem Magier, dass er es hier mit einem ebenfalls magiebegabten Menschen zu tun hat. Also wiederholt er seine Fragen, nach dem Namen, der Herkunft und dem Zwecke seiner Anwesenheit.

Berion ist noch mit seinem Stock beschäftigt. Als er diesen biegt, zerbricht er sogleich. Berion wirft die beiden Stücke weg und versucht sich an einem anderen Holz. Dieser ist biegsamer, also stabiler. "Damit lässt sich was machen." Jetzt erst schenkt er dem Magier seine volle Aufmerksamkeit. Auch der Golem weiß nicht, was als nächstes passieren wird und schaut gespannt dem Treiben der beiden zu.
Plötzlich zeigt Berion mit dem Stock auf sein Pendant und dieses ist sichtlich verunsichert. Ist der Mann dort ohne Schuhe nun ein Magier oder nicht? Zeigt mit einem Stock auf sein Ziel, das ist albern. Ist er nur ein Spinner mit einer großen Selbstsicherheit? Einer großen Überzeugung von sich selbst? Hat er vielleicht ein Übermaß an Gottesvertrauen gepumpt, so dass er denkt, ihm werde nichts geschehen? Ist er ein Möchtegernmagier? Denkt er wirklich, ein Ast werde ihm helfen, einen richtigen Magier, einen großen Magier zu siegen? Sicherlich kann der Magier gleich ein Dahingestammel irgendeines pseudomagischen Zauberspruchs erwarten.
Berions fingiert mangelnden Kenntnisse, dieses Wissensfeld betreffend, sind zu amüsant als das der Magier an sich halten kann. Der Golem scheint vergessen und auch die Gefahr, die von dem Fremden ausgehen könnte. Der Magier bricht in lautes Gelächter aus. Ein kräftiges Lachen, dass sicherlich anstecken kann, wenn die Situation für Berion nun nicht so ernst wäre. Er biegt sich vor Lachen und Freudentränen drücken sich aus dem Auge. Er bemerkt gar nicht, wie Berion sich langsam nähert.
Ein kurzer Sprint und Berion rammt dem Magier den Stock ins linke Auge. Das Lachen weicht einem lauten Schrei. Durch die Wucht des Aufeinandertreffens stürzt der Magier zu Boden und auch Berion strauchelt erst ein wenig, steigt dann aber über den gefallenen Magier und kann sich wieder fangen. Wahnsinnig vor Schmerz windet sich der Magier am Boden. Vorbei ist es mit seiner Überheblichkeit, vorbei auch mit seinem hohen Getue. Berion zerrt an seinen Kleidern und richtet sein jammerndes Gegenüber auf: "Die Natur gibt uns alles, was wir brauchen. Die Natur ist alles, was wir haben. Und wenn es der Natur gefällt, dann nimmt sie es uns wieder."
Es ist nicht wahrscheinlich, dass der Magier noch irgendetwas anderes vernimmt. Sein Auge zerläuft, die Wange wird vom Blut überlaufen. Dieser Brei tropft auf den Boden, kein schöner Anblick. Der Magier sackt zusammen und wimmert unentwegt. Würde Berion ihn nicht halten, würde er einfach zu Boden fallen. Die Knie haben ihm schon versagt. Für Berion bedarf es wenig, ihn vom Felsen zu befördern. Er stellt ihn an den Rand und lässt einfach los.
Der blutverschmierte Magier kippt nach hinten. Im freien Fall schafft er keinen halben Salto, kommt also mit dem Gesicht auf. Ein dumpfes Geräusch, das er macht, als er aufschlägt. Jetzt ist er ruhig.
Der Magier liegt regungslos am Boden und atmet schwer. Mittlerweile dürften es mehr Stellen sein, aus denen er blutet. An ein Aufrichten ist nicht einmal mehr zu denken. Das ist auch nicht nötig, denn der Golem packt das Häufchen Elend und hebt ihn auf. Die große Hand des Golems umschließt den Magier fast ganz, nur Kopf, Schultern und die Füße schauen noch heraus.
Der Golem schaut nochmal zu Berion. Der nickt diesem zu. Ein kurzer Druck und ein lautes Knacken deutet auf zahlreiche Knochenbrücke hin. Bereits jetzt ist alles Leben aus dem Magier entschwunden. Ein grausiges Bild, das der Magier nun abgibt. Aus allen Körperöffnung scheint der rote Lebenssaft zu rinnen. Auch das zweite Auge, weit aufgerissen, ist blutunterlaufen, aus Nase, Ohren und Mund strömt er ebenfalls. Dem Golem ist es aber noch nicht genug. Mit großem Schwung schmettert er den Magier zu Boden und tritt mit seinem massiven Körper nochmals nach.
Gerade noch hatte er wütig Feuerbälle umhergeworfen und seine Macht demonstriert, nun ist er nicht mehr als eine formlose Masse seiner selbst. Zerquetscht, zertrümmert und in den Boden getrieben.
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Sacra Tibia: Berion - Der Golem

Beitragvon almafan » Do 1. Nov 2018, 22:27

Epilog

Ein paar Schritt tritt der Golem von seinem Schaffen zurück. Nun wird er auch wieder ruhiger. Das Blut tropft von der Faust des steinernen Riesen. Augen hat er keine, dennoch kann man seinen Gemütszustand erkennen. Er scheint sichtlich erleichtert, den Kampf nun hinter sich zu haben. Auch wenn vom Magier offenbar keine Gefahr für ihn drohte, so musste er doch seine Schützlinge in Sicherheit wissen. Er macht kehrt und geht zum Vogelnest zurück.
An der Stelle, an der der Golem versuchte den Felsen empor zu steigen, versucht Berion wieder nach unten zu kommen. Etwas übermutig rutscht er stehend herunter. Das wird prompt mit einem Stolperer bestraft. Und so setzt sich Berion nach einer ungewollten Rolle auf den Hosenboden. Fast wie ein alter Mann erhebt er sich wieder und reibt sich das gute Stück. Doch als er nochmals auf den toten Magier gleich hier neben sich schaut, weiß er, andere hat es weit schlimmer getroffen.
Vor sich sieht er die Blutspur, die der Golem hinterlässt. Einiges vom Magier ist am Fuß hängengeblieben, das andere Blut stammt aus der Faust, mit der der Magier zerquetscht wurde. Der Geruch wird Raubtiere anlocken. Auch wenn sie dem Golem nichts anhaben können, so beunruhigt es doch die Vögel, die auf ihm leben. Es wird nichts bringen, wenn er mit ihnen, auf der Schulter oder dem Kopf, sich vom Magier entfernt, aber den Blutgeruch mit sich trägt.

Langsam nähert sich Berion dem Golem. Auch ohne Mimik sind sie eigentlich leicht zu verstehen, wenn man sich mit ihnen auskennt. Sind sie ruhig und bedächtig, so hat man eigentlich nichts zu befürchten. Finten und Tricks sind ihnen fremd. Warum sollten sie so etwas auch kennen? Ihr ursprünglicher Zweck war es ja, den Meister der sie heraufbeschworen hat zu beschützen. Meist reichte ihre pure Anwesenheit um Feinde in die Flucht zu schlagen. Mit dem Verschwinden der meisten Bücher der Arkanum Golem sind auch die Beschwörer sehr selten geworden. Und mit ihnen die Golem. Die, die noch wandeln, sind meist uralt. Sie leben dennoch recht einfach und suchen sich selbstständig etwas zum Beschützen. Sie kennen Trauer, Freude, Wut, aber keinen Hass, Neid und auch keine Missgunst oder Eifersucht. Jegliches Besitztum ist ihnen unbekannt. Das ideale Vorbild für Emeriten und Einsiedler.
Berion weiß das alles. Und deshalb weiß er auch, wie er sich zu verhalten hat. Er kann vom Golem nicht verlangen, sich ihm anzupassen. Er ist sicher viel älter als der kleine Magier. Und so passt sich Berion eben an.
Der Golem kniet auf einem Knie vor dem Vogelnest und will es wieder auf seine Schulter setzen. Doch wie er es auch versucht, seine klobige Hand ist einfach zu unmotorisch für diesen Akt. Auch fällt ihm jetzt auf, dass er Blut an der anderen Hand hat. Berion fasst nach dieser, woraufhin der Golem kurz zurückschreckt. Auch Berion macht sicherheitshalber einen Schritt zurück und versucht die Situation nicht eskalieren zu lassen. Er weiß, wenn es zu einem Kampf kommen sollte, würde er lieber fliehen, als die Sache auszufechten. Niemand würde ihm einen Vorwurf daraus machen. Mit einem Golem legt man sich eben nicht so einfach an, wie das Beispiel keine zwanzig Schritt entfernt, eindrucksvoll beweist.

Sein jetziges Misstrauen dem Menschenwürmchen gegenüber ist verständlich. Doch Berion geht in einem großen Bogen an dem Golem vorbei und bewegt sich Richtung Fluss. Dort angekommen, streckt er seine Hand aus, seine Handfläche nun dem Wasser zugewandt, die Finger leicht gespreizt. An der Stelle, die der mit seiner Handfläche zeigt, sinkt das Wasser ab. Der Rest des Baches fließt um die Stelle herum. Ruckzuck dreht Berion seine Hand mit der Handfläche nach oben und stellt dabei Zeige- und Mittelfinger gen Himmel auf. Eine Säule aus klarem Wasser schießt aus dem Bach empor. Mit der zweiten Hand trennt er, noch immer ohne das Nass überhaupt zu berühren, den oberen Teil dieser Säule vom unteren. Der untere Teil zerfällt wieder und fließt wieder im Strom mit. Das Übrige aber schwebt Berion entgegen. Der scheint bereits mit seinen Händen eine Art Kugel formen zu wollen, woraufhin sich das Wasser dieser Form anpasst.
Weiterhin diese Form immer wieder nachziehend, um diese Kugel aus dem flüssigen Element stabil zu halten, kommt er wieder zum Ort des Geschehens zurück. Diese Kugel, so unrund sie auch ab und an mal ist, hat die Größe eines Menschenkopfes. Der Golem schaut sich dieses Gebilde an, vermutet vielleicht schon die nächste Attacke dahinter. Berion muss deshalb sehr vorsichtig sein. Immerhin ist der Steinerne immer noch auf einen Konflikt vorbereitet, noch immer in Bereitschaft des vorherigen Kampfes wegen. Berion versucht daher auch, weder durch Gestik noch durch Mimik irgendetwas Missverständliches auszudrücken. Das fällt ihm fast schwerer als die Magie selbst. Das kann aber alles nur gelingen, wenn ihm der Golem ein Stück weit vertraut, was glücklicherweise durch den Umstand erleichtert wird, dass der kleine Mensch ihm im Kampf gegen den Magier unterstützt hat. Berions Sinne sind geschärft. Beim kleinsten Anzeichen wird er sich auf und davon machen. Nicht aber Richtung Fluss, denn dann könnte seine Ausrüstung in Mitleidenschaft gezogen werden, so auch die Dokumente seines Auftraggebers.
Der Golem erhebt sich aus seiner knienden Position und wendet sich Berion zu. "Jetzt bloß nichts falsch machen." Unterdessen hat die Erfrischung die Hand erreicht und die ganze Sache entspannt sich ein wenig. Das kühle Nass umspielt die Hand des Golems und wäscht sie rein. Berion lächelt und auch der Golem ist wieder viel gelassener. Vorsichtig reinigt Berion mit dem sich immer wieder in der Form ändernden Wasser den Golem vom Kopf bis zu den Füßen. Dann lässt er das Wasser den Golem hinauffließen. Ein seltsamer Anblick der sich einem etwaigen Beobachter da bieten würde. Das Wasser tropft nach oben über den Kopf des Golems und bildet dort wieder die Kugel, wie sie einst war, nur roter. Mit einer Handbewegung nach rechts lässt er die Kugel in eben diese Richtung in die Umgebung fallen.

Ein leichter Seufzer. Die Sache ist überstanden. Der Golem ist frei allen Blutes und sichtlich gesammelter. Alle Anspannung ist vergessen. Nur etwas fehlt dem Golem noch zu seinem vollkommenen Abschluss. Er selbst kann das Nest nicht mehr auf sich setzen, aber Berion. Wieder kniend schaut der Golem in Richtung des Vogelbaus. Berion nähert sich nun etwas entschlossener dem Steinriesen und steigt einfach auf sein Knie. Er weiß, noch immer kann der Gemütszustand des Kolosses einfach umschlagen. Doch eigentlich besteht dazu ja kein Anlass mehr. Berion greift nach dem, für ihn recht weit oben, abgesetzten Gebilde aus Zweigen und Gräsern. Absichtlich greift er es von unten, denn wenn er die Küken berührt, wird die Mutter ihre Kinder vielleicht nicht mehr annehmen. Behutsam setzt er das Nest auf die Schulter des Riesen und muss sich dabei sogar strecken. Vorsichtig rückt er es zurecht, so dass es nicht runterfällt, wenn er Golem sich wieder erhebt. Die Vogelmutter hat die ganze Sache von einem Baum aus beobachtet und bisher ist sie nicht eingeschritten.
Berion springt wieder vom Knie herunter und geht ein paar Schritte zur Seite. Bedächtig steht der Steinriese auf, das Nest darf jetzt nicht stürzen. Doch alles geht glatt und der Golem setzt sich langsam in Bewegung. Zusammen mit seinem neuen Freund geht er in Richtung des Flusses, wo Berion nach diesem Abenteuer erst einmal einen Schluck zu sich nimmt. Noch immer liegen alle seine Sachen hier, wie er sie verlassen hat. Als sich Berion wieder umdreht, sieht er wie ein Nager mit irgendeinem kleinen Souvenir aus der Tasche. Berion schaut sogleich nach, ob es nicht etwas Wichtiges gewesen sein könnte und kann sich wieder beruhigen. Soll das Eichhörnchen mit dem glücklich werden, was es ihm an Spezereien gestohlen hat. Berion wird es nicht vermissen.

Der Golem steht nun in der frühen Abendsonne und seine steinerne Haut glitzert darin. Seine lila, bald rosa leuchtenden arkanen Adern tun ihr übriges zum wundervollen Schein. Das ist ein gutes Zeichen.
Berion bereitet sich bereits wieder auf seine Weiterreise vor. Er wirft sich die fallengelassenen Kleider wieder um, hängt seine Schuhe an den Gürtel, sich die Tasche um den Hals. Noch einmal kniet er sich vor den Fluss und hält seinen Kopf hinein. Das nasse Haar schüttelt er sich aus und befüllt seine Trinkflasche. Dann greift er nach seinem Kurzschwert, das unverändert in der Scheide steckt, und schnallt sich den Gurt dessen um.
Brüderlich reicht er dem Golem noch seine Hand, eine Geste die auch dieser Große versteht. Mit einem freundlichen "Bis bald." verabschiedet sich der Retter und geht wieder ostwärts, seinem Ziel entgegen.

Ende
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11



Ähnliche Beiträge

Sacra Tibia: Patchhistorie
Forum: Almafans Spiele
Autor: almafan
Antworten: 13
Sacra Tibia: Gundelfing - Dialoge
Forum: Das geflügelte Wort
Autor: almafan
Antworten: 1
Sacra Tibia: Hexagon - Die Insel Iser
Forum: Das geflügelte Wort
Autor: almafan
Antworten: 1
Sacra Tibia: Hexagon - Die Mönche
Forum: Das geflügelte Wort
Autor: almafan
Antworten: 3
Sacra Tibia: Biografien
Forum: Almafans Spiele
Autor: almafan
Antworten: 2

TAGS

Zurück zu Das geflügelte Wort


Wer ist online?

0 Mitglieder

cron