Sacra Tibia: Berions Reisen




Unterhaltungsliteratur in ihren verschiedenen Formen, wie beispielsweise Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten, Berichte, Märchen und Sagen

Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Mi 21. Sep 2022, 19:07

Das Kloster

Berion erhebt sich wieder.
Die beiden sind ebenfalls mit ihren Gebeten fertig. Einer erhebt sanft die Stimme: "Wir sind schon seit langer Zeit nicht mehr weiter, als bis zu diesem Schrein gegangen."

Der Magier bietet an, dass er von hier auch allein weitergehen kann, wenn die Angst zu groß sein sollte.
Sie müssen ihm einzig den Weg beschreiben. Die beiden schauen sich an und zögern. Dann sind sie sich offenbar einig, dass sie es genauso machen wollen. "Es ist nicht mehr weit. Folge dem Weg durch die Schlucht da hinten, dann triffst du auf eine Kuppel mit Säulen. Dort sind ein paar Bänke und eine große Statue. Von dort aus kannst du das Kloster schon sehen. Es ist über eine Brücke zu erreichen, die über eine tiefe Schlucht führt. Hinter dem Kloster ist eine Felswand, vor dem Kloster diese Schlucht." Berion fragt nach, was denn in der Schlucht ist. "Wasser.", sagt der eine. "Ein See, der sicherlich kalt ist, da die Sonne dort kaum hinreicht.", ergänzt der andere. "Noch bevor du das Kloster erreichst, findest du einen Säulentempel." - "Säulentempel?" - "Oder etwas in der Art." Führen die beiden fort. Berion ist verwundert. In dieser Gegend ist man schon ein Stück weit weg vom Tiber. Sollte das Rhomäische Reich hier einst einen Tempel errichtet haben? Meinen die beiden wohl einfach nur die eben genannte Kuppel mit Säulen?

Ohne sich weiter groß aufzuhalten, schreitet der Fremde voran und findet alles so vor, wie es berichtet wurde.
Er hockt sich hinter ein Gebüsch. Die beiden, die nicht weitergehen wollten, sind nun aber doch wieder hinter ihm. Berion muss kurz schmunzeln. Entweder wollen sie nicht als Feiglinge gelten oder sie haben Angst allein an der Kreuzung oder dem Schrein zu warten.
Wie berichtet, öffnet sich der Fels zur Rechten ein wenig und bietet Platz für ein, zwei Bäume am Wegesrand. Dafür aber wird er hinter den Bäumen umso höher. Über vier Lachter (#1) sind beide Felswände nun noch. Hier kann man gut eine kleine Truppe abstellen, die dann von hier aus losschlägt. Das Tal wäre dann für die Mönchsräuber nicht zu erreichen. Berion lehnt sich nun im Weitergehen an den Fels zu seiner Linken. Die Bauern sagten, hier würde gleich ein großer Tempel auftauchen. Hier könnten auch einige der Mönche sein. Berion geht in die Knie und rät seinen Begleitern zum Halt. Tatsächlich kann er etwas über den schräg abfallenden Fels eine Kuppel erkennen, die auf ebenso rhomäischen Säulen steht. Für die Altertumskunde hält dieser Flecken Welt also allerlei Gutes bereit. Und es ist tatsächlich kein Tempel, sondern lediglich eine auf säulen ruhende Kuppel.
Doch Berion ist aber nicht zum Betrachten der Architektur hier. Er huscht hinter die kleinen Bäume, die unweit des Felsens, direkt vor dem Bau gewachsen sind. Von hier aus erblickt er einen der Mönche. Dieser langweilt sich, spielt mit einem Messer, das er immer wieder auf recht die frisch behauenen Bänke wirft, so dass es stecken bleibt, um es dann wieder herauszuziehen. Berion schließt daraus, dass diese Bande entweder selbst die Einrichtung beschafft hat oder die vermutlich echten Mönche noch nicht so lange gegangen sein könnne. Eine riesige Statue steht am Fels, auf dem die Kuppel teilweise sitzt. Der Schrein wirkt, wie aus dem Fels gehauen. Die Statue aber ist aus einem anderen Material, wenngleich aber nicht minder eindrucksvoll. Reicht sie doch fast bis unter das Dach. Auch diese Figur ist kein christliches Symbol. Mit Schwert vor sich aufgestellt, mit beiden Händen auf den Knauf stützend und wüstem Bart wird eigentlich Ares oder Mars dargestellt. Auch das behält er lieber für sich.

Berion greift nach einem Stein, der vor ihm liegt und wirft diesen an den Säulen vorbei in eines der Gebüsche. Das Geräusch beim Aufprall ist andersartig genug, um nicht einfach ein Vogel oder ein kleines Nagetier zu sein, dass durch das Unterholz huscht. Die beiden Bauern sind von der nicht abgesprochenen Aktion völlig überrumpelt. Währenddessen erhebt sich der Magier aus dem Gebüsch und rennt Richtung Kuppel.
Sowohl Ares als auch Mars stehen in enger Verbindung mit dem Feuer. Dies hat ihm den Einfall gegeben, es den beiden Göttern gleich zu tun. Noch im Lauf scheint er einen Bogen zu spannen. Doch Berion ist unbewaffnet. Jetzt hat auch der Scheinmönch den Eindringling entdeckt. Doch es ist zu spät. Dieser Fremde ist bereits bei den Säulen angelangt und als er aus Sicht der Bauern hinter einer dieser verschwindet, lässt er die imaginäre, gespannte Sehne los. Ein kurzer, roter Lichtblitz ist nur zu sehen. Ein Pfeil aus purem Feuer durchbohrt sein Opfer. Er hat nicht genug Zeit zum Schreien oder zum Hilferuf. Schwerverletzt sackt der Mönch einfach zusammen. Das Messer gleitet ihm ungenutzt aus der Hand.
Berion bewegt sich auf ihn zu und sichert die Umgebung mit einem zweiten gespannten, aber unsichtbaren Bogen. Die Bauern trauen ihren Augen nicht. Sie konnten kaum verfolgen was da geschah, doch der Lichtblitz ist ihnen nicht entgangen. Berion flüstert ihnen zu, dass alles in Ordnung sei. Er habe seinerzeit in einem fernen Land ein Pulver entdeckt, dass beim Aufprall ein rasches Feuer entzündet und zu Brandwunden führt. Das ist zwar wahr, aber er verschweigt ihnen lieber, dass es sich hier und heute nicht um dieses Phänomen gehandelt hat. Als sie sich vorsichtig dem mitlerweile Toten nähern, entgegnet Berion ihnen: "Salpeter, Ammoniak und zerriebener Feuerstein, zusammen mit einem leichtentzündlichen Stoff." Als sie fragen, ob sie ebenso ein Säckchen nutzen dürfen, erklärt er, er habe alle aufgebraucht. Und auch das ist keine Lüge. Nur eben auch dies nicht heute.
Der Magier kann an der Säule vorbei ein Tal hinter den Bäumen erkennen. Das Rauschen von Wasserfällen ist zu vernehmen. Mit Seeseiten würde das Kloster nur von wenigen Seiten erreichbar sein. Berion steckt sich das Messer ein. Er geht wieder auf den Weg, der am Schrein vorbei zu diesem Tal führt. Zur Linken steht immernoch eine Felswand, zur Rechten öffnet sich das Gelände. Das Rauschen wird lauter. Von den Bäumen immernoch versteckt gehen die drei weiter den Weg entlang. Plötzlich lichtet sich der Wald und Berion kann es sehen. Da steht es, das Kloster. Sofort setzt er einige Schritte zurück. Er hofft, dass man ihn noch nicht entdeckt hat.

Er schaut sich bedächtig um und versucht zu erkennen, ob das Kloster einen Umlauf hat, von dem aus man das Gelände vor dem Kloster einsehen kann.
Er will seinen Lauf unentdeckt wissen, wenn er sich auf der Deckung des Blattwerks freigibt, um ein neues Versteck zu finden. Er kann keinen Beobachter ausmachen und sprintet quer über den Weg bis zu den Bäumen an der Felswand. Von da aus hofft er, mehr zu sehen. Doch was er sieht, findet er alles andere als gut. Das Kloster ist befestigt. Es ist aus Stein und nur über einzelne Brücke erreichbar. Es steht auf einem Felsvorsprung, am Fuße eines steilen Berges. Dieses Plateau steht inmitten eines Sees, das wiederrum von Fels umgeben ist. Der Fels auf dem das Kloster steht scheint schroff und grob. Zum Klettern ist er also ebenfalls nicht geeignet. Und einfach übersetzen geht auch nicht. Dafür ist das Kloster einfach zu hoch gelegen. Bestimmt 10 Faden (#2) tief reicht es bis zum Wasser. Aber vermutlich ist es noch etwas tiefer.
Es bleibt: Die einzige Möglichkeit, die sich auf den ersten Blick ergibt, um trockenen Fußes das Kloster zu erreichen ist die Brücke. Das Plateau, auf das Kloster ruht liegt höher als die Uferseite, auf der sich die drei Nachtwanderer befinden. Also auch die Brücke müsste man im Falle einer kriegerischen Eroberung im Sturm aufwärts nehmen. Das ist immer ein riskantes Unternehmen. Abwärtskämpfende Truppen sind immer im Vorteil. Etwaige Bogenschützen stehen an hohen Positionen auch besser, als an niedrigen. Das Gelände gereicht ihnen also nicht zum Vorteil. Im Gegenteil sogar. Das Kloster scheint sehr bewusst dort gebaut worden zu sein. Es ist ähnlich schwer einnehmbar wie eine Festung.
Er will es wissen. Von hier unten scheint der Klostervorplatz gut einsehbar und viellecht patroilliert auch jemand dort. Aber er muss es wissen. Mit einem Vielleicht kann er die Niederlage gleich unterschreiben. Mit der Gewissheit kommt der Sieg. Berion hechtet also aus seinem Versteck an die steinere Brücke und wirft sich sofort hinter die rechte der Randbemauerung. Der bogenförmige Anstieg kann wohl auch eine Deckung sein, wenn man sich geschickt anstellt. Der Magier legt sich also auf den Boden. Mit aufgerissenen Augen verfolgen die beiden Bauern das treiben.
Berion kriecht auf dem Bauch liegend die Brücke empor und erklimmt so den Scheitelpunkt. Von hier aus kann er den Vorplatz gut einsehen, auch wenn die Steinmauer der Brücke ihm die Sicht nach links und rechts verwehrt. Daher zieht er sich in ganz langsamer Art an einer der Randmauern hoch und schaut nur knapp über den Handlauf dieser. Der Vorplatz wird von einem Mann bewacht. Er überlegt, ob er auch diesen mit einem Feuerpfeil ausschalten soll. Aber er überlegt es sich anders. Er will wissen, wie es im inneren des Klosters aussieht. Also kriecht er rückwärts wieder die Brücke herunter. In geduckter Haltung schafft er es zu den beiden Bauern zurück. "Ein Mann wacht auf dem Vorplatz. Mehr konnte ich nicht erkennen. Wisst ihr wie es drinnen aussieht?", will er wissen. Doch die beiden verneinen, man habe die Übergabe immer auf dem Vorplatz gemacht. Was die Mönche haben wollten, haben sie selbst hereingebracht und was sie angeboten haben, haben sie auf dem Vorplatz verkauft oder getauscht. "Ist ein Weg über die Berge im Rücken des Klosters bekannt? Kann man das Kloster von einer anderen Seite einsehen?" Bernd, der Vater des Jungen, derjenige, der Berion beim Abtransport der Leichen geholfen hat, verneint auch dies. Er weist daraufhin, dass dahinter Wildnis herrscht. Ein dunkler Wald, in den sich niemand traut. Dort soll es Gespenster geben. Der Magier rollt mit den Augen. Also wird er eine Möglichkeit allein suchen müssen.

Er schaut die beiden an und mahnt zum Aufbruch. Die beiden freuen sich sehr, dass es nun zurück ins Dorf geht.
Nachdem sie sich beraten haben, nehmen sie den getöteten Mönch von der Kuppel auf den Säulen mit. Der Fremde konnte glaubhaft vermitteln, dass der Verdacht um einen Angriff geringer ist, wenn es keine Leiche gibt, sondern lediglich einen Verschollenen. Je nach Moral und Disziplin kann es sich dabei um einen handeln, der einfach nur seinen Posten verlassen hat. Also schleppen die beiden Bauern den Toten den Weg an den Felsen vorbei, am Schrein vorbei, Richtung Kreuzung. Dort sehen sie auch wieder die Reste der Behausung und beschließen, den Mönch dort abzulegen. Damit das Versteck perfekt ist, wird er obendrein abgedeckt, mit herumliegendem Reisig, mit Zweigen und mit Ästen. Seine Habseligkeiten natürlich nicht. Neben dem Messer, dass Berion bereits eingesteckt hat, findet sich ein Kräutersack an seinem Gürtel, daneben ein kleiner Lederbeutel mit 4 unterschiedlichen Münzen. Keines davon ist Silbergeld. Reich war er also nicht. Oder aber, die möglichen Schätze sollen nicht draußen getragen werden. Auch um die Gefahr einer Flucht mit einem Teil der möglichen Beute zu verhindern. Doch wirklich Reichtümer vermutet der Magier hinter den Klostermauern nicht. Wo sollen die herkommen? Die Bauern hier erwirtschaften kaum mehr als das, was sie zum Leben selbst brauchen und was sie an Abgaben zu leisten haben. Ohne zusätzliche Einnahmequelle wird hier also niemand reich.

Während die Bauern sich wieder südwärts auf den Weg machen wollen, um ins Dorf zurückzukehren, bleibt Berion stehen und schaut auf den Weg nach Norden.
"Dort lauern nur Gefahren.", sagt Alois, der Bauer, der dem Priester einst mit den Bandagen half. Er sieht in das Dunkel des nächtlichen Waldes. Trotz der Warnung will er schauen, ob er mit diesem Weg einen Hintereingang ins Kloster finden kann: "Ich werde zum Morgengrauen vermutlich noch nicht zurück sein. Bitte geht bereits vor."

Ohne sich noch einmal umzudrehen geht er in den düsteren Wald.


#1 - Lachter ist ein Höhenmass und entspricht etwa 2,12 Meter. 4 Lachter sind etwa 8,5 Meter.

#2 - Faden ist ein Maß, mit dem man die Tiefe von etwas vermaß, zum Beispiel, wie tief das Wasser vor dem Schiff war und ob das Wasser noch passierbar ist. Ein Faden entspricht etwa 1,5 Metern, 10 Faden demnach 15 Meter.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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