Sacra Tibia: Berions Reisen




Unterhaltungsliteratur in ihren verschiedenen Formen, wie beispielsweise Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten, Berichte, Märchen und Sagen

Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Do 19. Aug 2021, 21:51

Revanche

Berion hält sich bereit. Sein Körper ist angespannt. Er will seinen Vorteil nutzen, wenn er sich ergibt.
Tut er dies nicht, kann es ganz schnell sein letztes Abenteuer gewesen sein.

Der Mönch sieht ihn nicht: "Keiner hier unten. Aber da liegt was."
Er sieht die Binden und Bandagen, ebenso das getrocknete Blut auf dem Boden. Auch der wieder aufgestandene Priester schaut ängstlich hinein. Sein Blick ist fragend. Einer der Mönche bemerkt das: "Warum so verwirrt? Sollen wir einmal genauer nachschauen?" Der Pfaffe zuckt zusammen und stiert ungläubig in den Abgrund.

Der eine hält den Priester fest: "Wohl doch was versteckt, oder?" und der andere macht sich daran, die erste Stufe zu erreichen.
Berion ist angespannt und hält den Atem an.

Diesmal hat er zuerst nach unten geschaut und daher keinen Sand in die Augen bekommen. Der Mönch steigt die schräge Leiter mit ihren breiten Stufen rückwärts hinunter. Berion konzentriert sich derweil auf die Füße seines Gegenübers.
Er packt zu, zieht beide Beine schlagartig ans die Bretter, wodurch der Mönch erst aufschreit und dann nach hinten stürzt. Berion hat bewusst darauf geachtet, dass der Mönch mit dem Kopf noch außerhalb der Kammer ist. Und so kommt es, dass dieser beim Stürzen mit dem Kopf an die Bodenkante mit den Schanieren der Falltür stößt. Er weiß nicht, wie ihm geschiet und kann den Fall nicht abfangen. Rücklinks knallt er mit voller Wucht auf den Rücken. Er bleibt reglos liegen.

Berion bleibt unter der Leiter stehen. Der Mönch, der beim Priester verblieb muss laut lachen: "Du Idiot. Vom vielen Wein wohl noch besoffen?"
Er hat noch nicht begriffen, dass dies kein Unfall war. Das ist Berion recht. Er hat Zeit sich etwas für diesen einfallen zu lassen und in seinem Versteck zu verharren.
Er geht kurz in die Knie, sammelt etwas Dreck in seiner Hand und richtet sich wieder auf.

Der Mönch droht dem Priester: "Wenn du dich bewegst, ramm ich dir dieses Schwert rein."
Er beugt sich über das Loch und sieht seinen bewusstlosen Kameraden. Berion feuert den Sand in dessen Gesicht. Er nutzt aus, was noch vor wenigen Tagen ihn selbst, kurzzeitig erblinden ließ.

Der Versteckte schwingt sich auf die Leiter. Jeder Schritt, jeder Tritt muss sitzen. Einmal Abrutschen und der Vorteil kann dahin sein.
Er beißt die Zähne zusammen, unterdrückt die Schhmerzen. Er merkt, dass er sich seit einigen Tagen kaum bewegt hat. Er merkt, dass seine Muskeln nicht warmgelaufen sind. Jeder Moment wirkt wie gedehnte Zeit. Mit einem Sprint rammt er seine Schulter in die Eingeweihde des Gegners. Der verliert seine Waffe, mit der er eigentlich gerade zum Schwung ausholte. Berions Kraft reicht aus, um den Mönch bis an die Wand zu befördern. Beide Kondrahenten gehen zu Boden.

Der Priester schaut gespannt. So etwas hat er noch nicht gesehen. Ein Schwerverletzter, der in wenigen Augenblicken zwei bewaffnete Mönche ausschaltet. Doch noch ist die Gefahr ja nicht gebannt.
Berion schafft es als erster wieder auf die Beine. Er spürt, dass die Wunden am Rücken wieder offen sind. Er taumelt.
Sein Gegenüber rafft sich ebenfalls auf. Berion holt aus. Zwei beherzte Treffer auf die Rippen und der Mönch ringt um Luft. Ein guter Treffer am Kinn und dieser geht wieder zu Boden. Der Magier geht zwei Schritte zurück, sackt fast zusammen. Doch schnell ist er wieder aufrecht. Er kann sich noch keine Pause erlauben.

Der Mönch versucht wegzukriechen, die Waffe zu erreichen.
Berion packt seinen Fuß, doch groß zurückhalten kann er ihn nicht. Verlangsamen schon. Doch das ist nicht sein Ziel. Der Magier dreht sich um und lässt sich auf den Gegner fallen. Den Fuß hat er noch immer in der Hand. Er umfasst diesen und presst ihn an sich, richtet sich dabei auf. Der Mönch schreit, spürt den Schmerz.
Ein lautes Knacken. Das Knie ist gebrochen.

Nach kurzer Zeit weicht das Schreien einem Wimmern.
Berion erhebt sich unterdessen wieder, schlurft zur fallengelassenen Klinge. Ein krummes, selbstgeschmiedetes Schwert. Ein Wunder, wenn er damit mehr als nur einen Finger abhacken könnte. Der Triumphierende will es aber nicht ausprobieren und ergreift die Waffe lieber selbst. Er geht damit auf den Gebrochenen zu. Er selbst läuft gekrümmt. Die schlechte Haltung der letzten Tage, aber auch der auszehrende Kampf, haben ihre Spuren hinterlassen.

Der Pfaffe schaut schnell auf den Mann im Keller und dann eilt er zu Berion: "Tu es nicht!"
Berion schaut ihn müde und teilnahmslos an: "Warum? Haben sie es etwa nicht verdient?" Der Prediger fast ihn an der Schulter: "Das ist ein Haus Gottes! Am Altar des Allmächtigen vergießt man kein Blut." Der Fremde stößt die Hand von seiner Schulter. Er erkundigt sich beim Pfaffen: "Sind noch mehr von denen jetzt im Dorf?" Der Geistliche verneint.
Berion hebt daraufhin das Schwert vor den Mönch. Die Klinge pendelt nach unten, den Griff hält er nur mit einer Hand. Er atmet schwer. "Wenn ich ihn nicht töte, so sorge ich doch dafür, ..." und dann lässt er die Waffe fallen. Der Mönch schreit auf. Der Priester zuckt zusammen. Der Magier beendet nur lakonisch seinen Satz: "..., dass er sich nicht mehr vermehren kann." Er trifft mit dem fallen gelassenen Schwert den Schritt seines Gegners und entmannt ihn dabei. Der Prediger schlägt die Hände vor dem Mund zusammen und traut seinen Augen kaum. Das Blut drückt sich nach kurzer Zeit durch die dicke Kutte.

Dann geht er ein Stück weit. Sucht Abstand zum Geschehen. Er blickt noch einmal zum Gestürzten. Der hat sich seitdem nicht mehr gerührt. Berion lächelt.
Vielleicht ist dieser bereits tot. Ein gebrochener Schädel, ein zerbrochenes Genick. Der Sturz hätte das alles erreichen können. Wichtig ist, dass er sich nicht mehr erholt hat und nicht mehr in den Kampf eingreifen konnte, ja noch immer nicht kann.
Berion schleppt sich zu einer umgestoßenen Bank und richtet diese wieder auf. Er lässt sich darauf fallen und beugt sich vorn über. Das Blut der offenen Wunden am Rücken läuft herunter.

Er beobachtet die Szenerie, die sich ihm bietet. Ja, die durch ihn entstanden ist. Diese Situation gehört zu den gefährlicheren seines noch kurzen Lebens.
Das Klagen des entmannten Mönches hat aufgehört. Er neigt zur Seite und kippt um. Die Ohnmacht hat ihn überfallen.

Auch Berion ist der völligen Erschöpfung nahe. Die Wunden vor einigen Tagen sind nicht verheilt. Schlimmer noch. Durch die Anstrengungen des Kampfes sind sie aufgebrochen, wie sie es vor den unsachgemäßen Heilversuchen waren. Sie fordern ihren Tribut. Die fehlende Bewegung und die mangelnde Ernährung tun ihr Übriges.

Der Magier merkt, wie das Atmen immer schwerer wird. Vor ihm verschwimmen die Farben. Das Bild wird dunkler. Dann kippt er vornüber von der Bank und landet im Staub, dass sich nun mit seinem Blut vermischt.

"Hat die beiden tatsächlich keiner begleitet? Wie wird der Priester nun mit mir umgehen? Jetzt weiß er ja, dass ich mich auf das Kämpfen schon recht gut verstehe. Vertraut er mir nun mehr oder weniger als zuvor?"

Ihn beschäftigen noch einige Fragen. Doch auch sein Körper sehnt sich jetzt nach Ruhe.
Wird er nun von den Bauern vor die Tore des Dorfes getragen? Zum Sterben? Werden die anderen Mönche kommen und ihre Kameraden rächen?
Er weiß es nicht. Und in seinem Zustand kann er nichts an der Situation ändern. Wie auch immer es ausgehen mag, er ist dem Ganzen nun schutzlos ausgeliefert. Das sollte ihm Angst machen. Doch er fühlt sich befreit. Mit einem zufriedenen Lächeln erreicht er das Land der Träume.
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Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Mo 23. Aug 2021, 16:43

Sorge

Der Erretter des Priesters erwacht erneut. Und ebenso wird auch wieder an seinem Rücken gearbeitet.
Der Errettete erweist sich erneut auch als Retter. Laienhaft ist die Wundversorgung. Aber der Priester ist auf den Dörfern oft immernoch der beste Heiler.

Diesmal wird bemerkt, dass er erwacht ist.
Der Priester fragt ihn: "Geht es soweit." Berion gibt erst keine Antwort, doch dann ringt er sich durch: "Das kannst du vermutlich besser beurteilen. Doch die Schmerzen machen mich fast wahnsinnig." Wieder tritt Schweigen ein. Der Geistliche versucht sich nach Leibeskräften an den offenen Wunden. Eine Kräuterpackung kommt zum Einsatz, die er zerstampft mit allerlei Lehm auf den Rücken klatscht. Darüber legt er ein grobes Stofftuch. Leinen wäre besser, doch es gibt hier keines.

Gegen die Empfehlung des Priesters erhebt sich der Magier.
Die Zeit drängt, dass ist beiden klar. Aber in diesem Zustand kann der Fremde weder fliehen, noch kämpfen. Sein laienhafter Heiler drängt ihn daher eingehend und immer wieder, sich auszuruhen. Doch sie werden kommen. Es wird auffallen, dass zwei ihrer Kumpanen fehlen und eben nicht zum Kloster zurückgekehrt sind. Da überkommt Berion eine Frage: "Wo sind die beiden, die ich bezwingen konnte?"
Der Pfaffe erklärt, dass jeder den gleichen Beistand erhalten sollte. Auch sie bedürfen der Heilung.
Da Berion nun sowieso schon aufgerichtet ist, will der Priester ihm diese zeigen. Und so steigen beide die Leiter empor. Es geht heraus aus dem kalten, feuchten Keller. Sehr viel wärmer ist es hier oben nicht, denn die Nacht hat bereits wieder Besitz von der Erde ergriffen.
Im fahlen Mondlicht jedoch kann er auf den Bänken im Kirchenschiff die zwei Mönche ausmachen. Sie schlafen. Doch er Priester versichert, dass es nicht die ganze Zeit so war. Er deutet auf die Knebel, die für Ruhe sorgen sollten, sowie das Tuch darüber, damit es auch wirklich stiller bleibt. Zusätzlich sind die Aggressoren auf den Bänken festgebunden. So können sie keinem der provisorischen Ärzte schaden, sich auch nicht die Knebel vom Mund ziehen oder andere Untaten vollbringen.

Doch der Priester ist auch in Sorge.
Berion kann die Situation nachvollziehen. Wenn sie die Mönche töten oder sterben lassen, wird es eine fürchterliche Rache geben. Wenn sie diese beiden hier aber freigeben, wird es kaum anders werden. Es wird mindestens ein Exempel statuiert. Nicht allein für das Fesseln und Knebeln, sondern insbesondere für das Aufnehmen und Versorgen des Fremden und das Beschützen nachdem er zum Sterben liegen gelassen wurde. Es würde nicht allzu lange dauern, bis sie dahinter kommen, dass auch die frühreren Gäste und Fremden diesen Schutz und dieses Versteck nutzen durften. Dass besonders der Pfaffe um sein Leben bankt ist verständlich. Ihm als Gelehrten traut man am Ehesten diese Verschwörung, diese Planung zu. Obendrein befindet sich das Versteck bei ihm in der Kirche und die Mönche wurden hier vom Fremden ausgeschaltet. Für einen Außenstehenden kann es nach einem Auftrag für einen Attentäter aussehen, für einen Hinterhalt in der Kirche. Genau jenem Haus, wo sich ein jeder sicher fühlen soll.

"Priester", ruft der Magier: "Ich halte nicht viel von deinem Gott. Ich habe zu viele schlimme Dinge erlebt, die in seinem Namen begangen wurden. An anderen, an mir."
Der Pfaffe hört aufmerksam zu, muss kurz schlucken. Währenddessen bewegt sich Berion an die Seite des Kirchenschiffs. Er findet, die trockenen Brotkanten, die der Geistliche ihm am Tag der Anreise gegeben hat. Sie lagen im Staub des lehmigen Kirchenboden. Sie müssen bei dem Überfall auf ihn durch die Gegend geflogen sein. Damals waren sie leicht angeschimmelt, nun sind sie über und über besät mit grünlichem Flaum. Er greift sie dennoch. Es schmerzt ihn dafür in die Hocke zu gehen und ebenso ist der Weg nach oben nicht ganz einfach. Und so sammelt der Magier so viele von den Brotresten, wie er finden kann.
"Eigentlich hatte ich damit etwas anderes vor.", murmelt er vor sich hin. Dann bemerkt er, dass der Pfaffe ihn erwartungsvoll anschaut. Ein kurzen Moment muss er überlegen. "Dein Satz klang, als wolltest du ihn vollenden. Was brennt auf deiner Seele?" Berion versteht, seine kurze Ansprache war unvollständig. Also beginnt er nocheinmal: "Ich halte nicht viel von deinem Gott. Aber bete ruhig, wir können für den bevorstehenden Kampf jede Hilfe brauchen. Denn eins ist gewiss, es wird einen Kampf geben."

Dann geht er zum Ausgang, dem blassen Mondlicht entgegen.
Er dreht sich doch wieder um und fragt ein weiteres Mal nach seiner Habe. Wieder kann der Priester ihm keine positive Antwort geben. Sie sind sicher verwahrt. Außer Reichweite der Dörfler, außer Reichweite Berions. Sicher verwahrt, bei den Mönchen. Oben in ihrem Kloster, dass für die Dorfbewohner uneinnehmbar scheint wie eine Festung.
Er geht. Er wundert sich. Dieser Priester ist hier am Fuße der Hierarchie. Über den Bauern zwar, aber ihr Schicksal ungemildert teilend. Und ... und er pflegt seine Peiniger. Diese Mönche auf den Bänken. Festgebunden zwar, aber am Leben. Und nach besten Kräften versorgt.

Als Berion das Gotteshaus verlässt, sieht er das erste Mal seit vielen Tagen wieder den Nachthimmel.
Er bleibt kurz stehen, spürt die kühle Prise auf der Haut. Es ist eine andere Frische, als die im Keller. Er schließt die Augen, hört den Wind beim Säuseln zu. Klare Luft steigt in seine Nase. Er holt atmet tief ein. Die Bäume rascheln, einige Tiere vermischen ihren Ton mit diesem. Der Uhu durchbricht die Stille der Nacht. Der Magier schaut empor in den Himmel. Das Funkeln der Sterne gibt ihm Ruhe. Da oben herrscht sie umso mehr. Scheinbar. Der Mond strahlt so hell, dass ein jeder, der sich um diese Zeit noch vor die Tür traut, einen Schatten wirft. In seiner Nähe finden sich heute Abend keine Sterne. Dafür aber trägt er einen weiten Kranz. Das Band der Milchstraße ist nicht zu sehen. Doch die kräftigsten Sterne erstrahlen durch das Fehlen der schwächeren umso mehr.

Er merkt wieder die Wunden am Rücken.
Durch die Bewegungen bröckelt der Lehm und die Kräuter fallen herunter. Er verliert diesen eigentümlichen Verband bei seinem Gang vom Kirchgrundstück. Der Priester eilt ihm nun doch nach und stellt sich neben ihn. Er ermahnt ihn abermals: "Du musst dich noch auskurieren. Und überhaupt, wo willst du um diese Zeit schon hin? Du weißt nicht, wo das Kloster ist. Und selbst wenn, du wirst dort nicht einfach herein- und mit deinen Sachen wieder herausspazieren können." Der Fremde stubst den Pfaffen mit dem Ellebogen an und geht wortlos.

Der Priester ist verdattert. Was ist das für ein komischer Kauz? Wo will er in der Nacht hin? Was will er mit dem verschimmelten Brot? Was ist sein Plan?
Er schaut ihm noch etwas nach, bis sich seine Silhouette im Dunkel der Nacht verliert.
Ist er jetzt vielleicht auch einfach gegangen? Sucht er sein Heil ebenso in der Flucht, wie all die anderen? Gleichwohl umschlingt ihn wieder die Sorge um die Bewohner des Dorfes.

Das Mondlicht vermag ihn ungehindert zu erreichen. Hier auf der Allmende steht kein Baum, der den Lichteinfall verhindern kann. Der dunkle Hain liegt nun vor ihm. Andere würden spätestens hier stoppen. In der Nacht betritt man dieses Gebiet nicht. Doch er geht einfach weiter. Er setzt seine Reise fort.
Während der Magier durch die Wälder streift, trifft er auf allerlei Tiere. Über seinem Kopf huschen die Fledermäuse und schnappen nach den Mücken, die der Mensch mit seinen Beinen im hohen Gras aufscheucht. In der Ferne hört er Frettchen kämpfen, die beim Geräusch der Fußtritte aber sofort still werden. Ein kurzes Rascheln und sie sind verschwunden. Der Fremde fühlt sich in dieser Umgebung sicher. Kaum ein Mensch betritt den Wald um diese Zeit, also wird hier niemand lauern. Und Tiere gehen dem Menschen aus dem Weg. Der letzte Angriff eines wilden Tieres liegt für ihn schon Jahre zurück. Seither ist er viel lieber im Wald als in den Siedlungen der Menschen.

Sein Instinkt und seine lange Erfahrung im Grünen machen sich bezahlt. Er findet recht schnell einen Wasserlauf. Noch dazu mit einer Lichtung. Vor kurzem scheint hier ein Teil des Uferrandes in den Fluss gerutscht zu sein. Quer über das Nass spannt sich ein gestürzter Baum. Die Blätter sind nicht vertrocknet. Der Boden riecht nach frischer Erde. Es kann noch nicht lange her sein. Das Pech dieses hölzernen Riesen ist das Glück für Berion. Genug Licht, um zu sehen, was man macht und reichlich frische Erde und frisches Wasser. Alles, was er für sein nächstes Spiel braucht.

Er hockt sich hin. Der lange Weg hat an seinen ohnehin nur geringen Kräften gezerrt.
Er schaut das trockene Brot und seinen Schimmel an. "Eigentlich sollte aus dir ein neues Brot entstehen. Reichlich Wasser, ein wenig Spähne und Rinde. Und mit einem Wachstumszauber hätte der Schimmel aus sich und dem Gemenge ein nahrhaftes Brot gemacht. Geschmeckt hättest du vermutlich sehr gewöhnungsbedürftig, aber es hätte den Hunger gestillt und die Kräfte wieder aufleben lassen.", denkt sich der Magier. Doch nun will er den Schimmel auf andere Weise verwenden.

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Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Mi 25. Aug 2021, 16:26

Heilung

Berion atmet wieder schwer.
Er starrt auf die Reste des Brotes, die er in seinen Händen hält. Brot hätte mir ein bisschen Magie und Materialien entstehen können. Doch Brot soll es nicht mehr werden.

Er lässt die Stücke fallen und gräbt eine kleine Kuhle in den lockeren Erdboden. Während er seine Hände in den Dreck schiebt und weitere Bröckchen beiseite schiebt, beruhigt sich seine Atmung. Seine Bewegungen werden langsamer. Er scheint sich zu konzentrieren. Sein Blick fällt nun auf das kleine Loch. Feine Wurzeln ragen herein, das Getier kriecht heraus. Ein umgekippter Käfer wird von ihm behutsam auf seine Beine gestellt. Dann verschwindet auch dieser kleine Geselle.

Er kniet vor der Aushöhlung, setzt sich dabei auf seine Füße. Seine Arme hängen schlaff an ihm herunter. Er blickt auf, sieht die dunklen Schatten der Bäume. Das Mondlicht lässt diese Lichtung in einem fahlen Blau erstrahlen. Über den in Schwarz gehüllten Baumkronen scheinen die Sterne hervor. Ein klitzerndes Meer aus fernen Leuchtpunkten. So ewig wie die Berge.

"Ich danke dir, ... Natur."

Er flüstert es fast. Aber hier ist niemand, vor dem er etwas verheimlichen muss.

"Du bist mir immer eine nährende Mutter gewesen."

Eine Ruhe kehrt in seine Stimme. Ein völliges Vertrauen auf die ihn umgebende Landschaft.
Der Uhu, der bis eben noch seinen Abendgesang anstimmte, gibt keinen Mucks mehr von sich. Er schaut sich gespannt diesen Menschen an, der mit einem Lächeln auf dem Gesicht und geschlossenen Augen die Nacht genießt. Diese Ruhe. Kein Rascheln mehr von den Tieren des Waldes. Nur noch das Gewässer, das leise vor sich hinplätschert und der Wind, der die Bäume in einen sanften Schlaf wiegt. Zwei Eichhörnchen linsen aus ihrem Bau zwischen den Ästen hervor. Still stehend beobachten auch sie dieses selbstsame, neue Wesen in ihrer Mitte.

"Ich bitte dich, hilf mir abermals. Ich werde es dir nicht vergessen. Ich werde es dir immer danken."

Berion erhebt sich unter den neugierigen Blicken bereits mehrerer Gestalten, große und kleine und ganz kleine.
Käfer, Würmer, Spinnen, Falter, Asseln und mehr verlassen das frisch aufgelockerte Gelände, als folgen sie einem Ruf. Oder mehr noch, als würden sie es ihm, dem Magier, überlassen. Der schlurft unterdessen, immer noch allein mit einer Stoffhose bekleidet, zum nahen Fluss. Er watet ein Stück hinein. Auch diese Frische ist eine andere, als jene im Keller der Kirche. Er lässt sich wieder auf die Knie fallen. Die Eichhörchen zucken kurz, doch sind nach kurzer Abkehr sofort wieder interessiert an dem Treiben.
Auf der anderen Seite blitzen einige Augen grauer Eminänzen aus dem Unterholz. Offenbar wohnt nicht weit des Dorfes ein Wolfsrudel, wie es sie in diesen Wäldern viele gibt. Dies ist die Zeit ihrer Jagd. Ein verwundeter, abgeschlaffter Mensch. Müsste Berion nicht deutlich mehr Angst in diesen Wäldern haben?
Sie sind offenbar dem Geruch des Blutes gefolgt. Sie schauen zu ihm und er zu ihnen.

"Ich grüße euch, Brüder."

Berion scheint in keinerlei Panik zu verfallen. Ist dies dem Verlust an Kraft geschuldet? Hat er das Kämpfen aufgegeben, sich der Situation ergeben?
Nachdem er mit einem milden Lächeln die Kommunikation mit den Wölfen aufgenommen hat, schaut er sich um und findet ein großes Stück Rinde, dass vom umgestürzten Baum abgebrochen ist. Es hat keine Löcher und ist gewölbt. Es lässt sich biegen. Und so nimmt er es als Schöpfkelle.
Die erste Ladung gießt er über sich, das Gesicht zu den Sternen erhoben. Mit einem kleineren Stück schüttet er immer wieder klares, kaltes Wasser an seine Wunden auf dem Rücken. Beim ersten Mal zuckt er noch zusammen, doch schon beim zweiten Mal hat er sich an das Gefühl gewöhnt.
Mit dem großen Stück holt er sich einen zu großen Schluck des Nasses und fühlt sich dabei sichtlich wohl.

Einige Wölfe haben sich auf ihren Hintern gesetzt und sind ebenso wie die Eichhörnchen und der Uhu interessierte Zeugen dieses Schauspiels.
Inmitten ihres Waldes, inmitten ihrer Nacht kniet ein Mensch in ihrem Fluss und verwöhnt sich mit dem Frischen aus der Natur. Eine dritte Kelle nimmt Berion mit sich. Er erhebt sich, die Hose triefend nass. Die Körpertemperatur sorgt vor allem obenrum dafür, dass das Wasser zu verdampfen beginnt. Er schleppt sich wieder die Böschung hinauf, die hier, wo der Baum gestürzt ist, nicht mehr so hoch ist, wie an den anderen Stellen.
Die Wölfe sehen ihm einfach nach. Sie machen keinerlei Anstalten, ihn in irgendeiner Art und Weise zu bedrohen oder gar anzugreifen. Sie sind einfach nur da und erfassen die Gegebenheit.

Beherzt schüttet der Magier das Wasser in die zuvor gegrabene Grube. Doch es versickert das alles. Zurück bleibt eine nasse Kuhle. Berion verfestigt diese indem er den Boden festtritt und mit der Hand verdichtet. Dann wirft er das Brot hinein. Die größeren Stücke zerbricht er, zumindest was seine Kräfte noch zulassen. Mit abgebrochener Rinde kleidet er den Boden des Loches aus, schiebt dabei das Brot wieder hin und her. Er hätte es auch einfacher haben können, indem er die Reihenfolge anders beachtet hätte.
Nun aber muss er erneut aufstehen, sich erneut zum Fluss aufmachen. Es ist nicht wirklich weit. Denn er befindet sich ja an dessen Ufer. Doch jede Bewegung wird Stück für Stück wieder schmerzhafter. Er spürt, dass seine Reserven nicht mehr lange reichen werden. Jeder Schritt wird schwerer und schwerer. Die Müdigkeit überkommt ihn ebenso, wie der Hunger, der sich nach so langer Zeit nicht mehr selbst meldet, sondern nur noch dem Körper signalisiert, dass es jetzt genug ist.

Doch noch kann es nicht genug sein.
Die zweite Fuhre bleibt vorerst im selbstgebauten Becken bestehen. Das Wasser sammelt sich und sickert nicht mehr so schnell weg. Doch Berion muss noch ein zweites und drittes Mal nachholen.
Das Brot, der Schimmel, die Rinde, Dreck und Erde, sie alle schwimmen in der Pfütze, tief wie ein Topf, doch undicht.

In einer ruhigen Art atmet Berion und starrt dabei ins Wasser.
Es dauert nicht besonders lang, da löst sich der Schimmel und das Brot im Wasser auf. Wie ein kleiner Wirbel bewegt sich das Nass. Magie ist im Spiel.
Der aufsteigende Dampf auf Berions Haut wird mehr. Es ist, als ob der Magier heißläuft. Wie in einem Kochkopf steigen nun die Wölkchen auf. Die Wölfe auf der anderen Seite blicken gebannt auf das Treiben. Das Wasser vor dem Magier hebt sich, all die Bestandteile darin sind gelöst.

Ein Wind entsteht.
Die Augen des Uhu fokusieren sich neu. Die Eichhörchen verschwinden hinter ihren Zweigen. Auch die Wölfe sind wieder unruhiger geworden. Sie erheben sich, richten Augen und Ohren auf das Geschehen. Der Mensch setzt sich hin. Seine Beine wollen nicht von allein in den Schneidersitz. Er muss mit seinen müden Armen nachhelfen. Das Fantastische bleibt dabei im Gange.
Berion formt mit den Daumen und dem Zeigefinger einen mehr schlechten, als rechten Kreis. Gestützt durch die anderen Finger, bleibt dieses Gebilde eine Zeit lang. Er verharrt in dieser Position, schließt die Augen, atmet sehr tief und hörbar. Gereinigtes Wasser steigt aus seiner Grube empor. Wie eine Ranke klettert es entlang seines Armes und sammelt sich in dem aus Fingern geformten Loch.
Berion hat sich so hingesetzt, dass der Mond genau auf seinen Rücken und seinen Kopf scheint. Er selbst beginnt nun im selben Licht zu leuchten, wie die große Scheibe im Sternenzelt.

Der Wind nimmt zu.
Einige Wölfe gehen einige Schritte zurück, manche verschwinden wieder im Dickicht der Bäume. Doch auch wenn der Abstand nun größer geworden ist, sie blicken wieder zu ihm. Der Uhu hat sich derweil auf einen entfernteren Baum gesetzt. Die Eichhörchen lassen sich nicht mehr blicken. Auch andere Tiere verlassen nun das Gelände. Sie ahnen offenbar, dass hier gleich etwas Ungeheures passieren wird.
Der hell strahlende Magier sitzt noch immer im Schneidersitz vor dieser sich bewegenden Suppe. Plötzlich zieht sich der Lichtstrom zusammen. Von den Beinen über den Rücken und die Arme zieht es sich zum Kopf hinauf. Dort verschwindet es, als würden die Haare es einsaugen.

Eine Stille tritt ein.
Erregt verfolgen die Wölfe, die noch nicht den Ort verlassen haben, diesen neuen Umstand. Ein leises Brummen ist zu hören.
Berion öffnet schlagartig die Augen und den Mund. Sofort schießt ein heller Lichtstrahl aus diesen feurigen Öffnungen auf das Wasser in der Formation seiner Finger. Wie eine Linse bündelt sich darin die Energie des Lichtes. Weiteres Wasser sammelt sich auf der Waldblöße. Es ist in kleinen Rinnsälen die Böschung hochgefloßen. Um ihn herum sammelt sich, wie in einem Wurzelgeflecht blau schimmerndes Wasser.
Der Lichtstrom aus den Augen versiegt. Es bleibt schwebendes, erleuchtetes Wasser.

Für einen recht langen Augenblick umfließt dieses den Magier.
Der Wind ist gewichen. Der Wald ist wieder seiner Ruhe übergeben. In der Mitte dieser sonderbaren Erscheinung ruht noch immer der Mensch. Er ist nach vorn gebeugt, wirkt erschöpft. Den Schneidersitz noch inne, die Hände aber gesenkt, auf den Knien ruhend. Er atmet, wie einer der einen Dauerlauf hinter sich hat.

Eine Handbewegung und das Wasser heftet sich an ihn.
Er ist eingehüllt in das leuchtende, nunmehr warme Nass. Während seine vordere Seite wieder freigegeben wird, dringt das Wasser in seine klaffenden Wunden ein.
Berion erhebt sich. Nach vorn gekrümmt, den Rücken noch immer zum Mond gewandt, steht er da und schaut auf den Boden.

Plötzlich reißt er die Augen auf und fängt an, wie am Spieß zu brüllen.
Helles gelbes Licht schießt aus seinem Rücken. Es erhellt die ganze Lichtung, ragt über die Baumkronen. Spätestens jetzt sind alle Tiere in der näheren Umgebung verschwunden. Die letzten Wölfe hasten eilig davon.

Die gebündelten Lichtstrahlen werden schmaler. Die Furchen der Peitschenhiebe schließen sich.
Noch immer brüllt sich Berion die Lunge aus dem Hals.
Berion fällt auf die Knie. Er würgt und hustet. Dann werden die Anfälle wieder weniger. Er kommt wieder zu sich. Atmet hastig, dann langsamer werdend.

Dann herrscht wieder Ruhe.
Das Licht ist versiegt.
Dampf steigt vom Magier auf.

"Kein gewachsenes Brot ... etwas anderes", murmelt er und bricht zusammen.
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Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Mo 30. Aug 2021, 23:32

Rückkehr

Er kommt wieder zu sich.
Die Sonne hat ihn geweckt. Doch er zittert am ganzen Körper. Die Wärme in ihm ist gewichen. Er hat bäuchlings auf dem feuchten Waldboden verbracht.
Es schmerzt noch immer. Doch er kann sich unter großen Kraftanstrengungen erheben. Vielmehr fürchtet er jetzt eine Unterkühlung.
Viel ist von der Wärme der ersten Sonnenstrahlen noch nicht zu spüren. Es würde ihn auch nicht so aus der Bahn werfen, wenn er nicht so kräfteentzerrt gewesen wäre. Ja, er ist es ja immernoch.

Der Magier richtet sich auf, kniet in seiner nasen, groben Stoffhose.
Er verschränkt die Arme vor dem Körper, presst sie an sich. Die Kälte hat ihn vollends ergriffen.
Der Blutverlust wird ebenfalls dazu beitragen, dass der Körper alles andere als erfreut ist, jetzt im Morgentau des Waldbodens zu liegen. Die klamme, feuchte Luft will noch nicht so recht erwärmen. Die Tiere um ihn herum sind bereits wieder mit ihrem Tagwerk beschäftigt. Sie zucken nur zusammen, wenn der Magier sich bewegt. Die Aura des Zaubers letzter Nacht ist verflogen. Nichts erinnert mehr an die Geschehnisse. Ein halbnackter Bauerntölpel, der kniend auf dem Waldboden zittert.

Die Gedanken ordnen sich.
Dass diese Magie so anstrengend war, liegt nur daran, dass er bereits zuvor überlastet und ausgemergelt war. Der Hunger ist noch immer gegenwärtig. Er schaut sich um und bemerkt, dass die Wölfe wieder auf der Anhöhe auf der anderen Seite stehen. Sie beobachten ihn. Er muss kurz schmunzeln. Er wird die Tiere des Waldes mit seinem Getöse ziemlich verschreckt haben.

"Ich danke dir, Natur."

Das Frösteln wird stärker.
Die Sonne ist noch immer nicht erstarkt. Der Nebel steigt aus den Wiesen auf, befeuchtet die Luft noch mehr. Ein wirklich schönes Bild. Doch die Ästhetik dieses Augenblicks kann der Frierende nicht genießen. Das Zittern wird unkontrollierbar.
Noch dazu macht sich einer der Wölfe auf den Weg zum Fluss. Er erklimmt den Baum und nutzt diesen als Brücke, um das andere Ufer zu erreichen.

Berion bleibt so ruhig, wie er kann.
Sein Zuckungen und Bewegungen kann er nicht kontrollieren. Die Fäuste, die er sich beim Verschränken der Arme automatisch geballt hat, kann er nicht mehr öffnen. Der Wolf nähert sich, doch die Ohren sind nach vorn gerichtet und aufgestellt. Sein Blick ist offen, sein Schwanz baumelt je nach Bewegung hinterher. Mitlerweile haben auch zwei, drei weitere Wölfe den Weg über die natürliche Brücke genommen. Berion blickt dem ersten Wolf in die Augen. Der nähert sich. Berion senkt seinen Kopf und shcließt die Augen.
Er spürt das weiche Fell seines haarigen Gegenübers. Dieser drückt seine Stirn an die des Magiers.

Ein anderer heult kurz auf und das restliche Rudel macht sich auf den Weg über Stamm. Sie umringen Berion, setzen sich zu ihm. Einer legt sich auf seinen Schoß. Zwei weitere drängen sich an seinen Rücken.
Berion ist immer noch nicht fähig, irgendwie mit seinem Körper zu reagieren. Da legt sich der erste Wolf an seine Seite. Mit sanftem Zwicken zieht er Berion zu sich herunter. Der landet dabei im weichen Haar seines zotteligen neuen Freundes. Ein Bild, dass auch Jäger nie zu gesicht bekommen werden. Ein Mensch in einem undurchsichtigen Wust eines ganzes Rudels. Pfoten, Ohren, Schnauzen, Augen ... in alle Richtungen. Überall Fell.
Berion fühlt sich wohl, er fühlt sich sicher, er fühlt sich geborgen.

Wieder schläft er ein.

Es ist Nachmittag als er wieder erwacht.
Seine Bewegungen werden vom Rudel registriert. Eine herrliche Wärme hat ihn ergriffen. Die Glieder lassen sich dehnen und strecken. Die Finger sind nicht mehr steif. Und er bemerkt: Der Schmerz der Wunden ist ebenso verschwunden. Die Heilung in der Nacht hat geklappt. Nur der Körper wusste nicht damit so recht umzugehen. Ein Phantomschmerz bieb die ganze Nacht hindurch. Vielleicht war es auch das Zusammenziehen der Muskeln durch die Kälte des Morgens, die davon kündete, dass die Wunde noch nicht ganz verheilt sei.
Doch jetzt nach dem warmen Bett, das ihm die Wölfe bereitet haben, ist er wohlauf.

Der Hunger ist geblieben.
Doch er ist jetzt nicht wichtig. Er schnappt sich die Schnauze des ersten Wolfes, vermutlich der Leitwolf, zieht sie nach links und rechts. Dann zaust er ihm durchs Haar, bis es dem Tier zuviel wird und er mit den Pfoten die Hände des Magiers versucht wegzustoßen. Berion steht ruckartig auf. "Tollen wollt ihr?" Und er wirft sich auf den Wolf. Der erwidert die spaßigen Angriffe, indem er mit Pfoten und Schnauze den Menschen schubst, zieht und versucht umzuwerfen. Die anderen Wölfe steigen in das Spiel mit ein.
Ein wildes Raufen, in dem dieser Mensch sich schnell recht verloren fühlt. Doch er hat sichtlich Spaß, lacht und das merken die Spielkameraden. Die kleineren Kratzer, die bei einer solchen Schlacht passieren, steckt der Fremde gut weg. Dann lässt er sich fallen.
Seine Atmung ist hochgegangen, sein Puls ebenso. Er spürt sein Herz klopfen. Freude spiegelt sich in seinem Gesicht.
Die Wölfe umringen ihn. Fast im Kreis stehen sie um ihn, der auf dem Rücken am Boden liegt. Sie scheinen nicht zu verstehen, was dieser seltsame Mensch jetzt wieder vorhat.

Er setzt sich auf und reibt sich den Bauch.
"Ihr wisst nicht zufällig, wo es hier ein gut gefülltes Bankett gibt?", schaut er seine neuen Freunde an. Einige legen den Kopf zur Seite, andere schauen ihn nur verdutzt an. "Irgendwie habe ich mit dieser Antwort gerechnet. Aber auch dafür wird die Mutter wieder sorgen. Sie sorgt immer für mich."
Mit diesen Worten erhebt er sich, streckt sich nochmal. Sein Blick schweift in die Ferne. Zwischen den Bäumen scheint er etwas zu suchen. Er beginnt einen Fuß vor den anderen zu setzen. Die Müdigkeit steckt noch in den Gliedern. Durch das hohe Gestrüpp kommt er nicht so schnell vorwärts. Aber er wird dicht gefolgt von den Wölfen. Auch dieser Anblick wäre sicherlich gewöhnungsbedürftig, wohl eher schon erschreckend. Ein Mensch mit einem solchen Rudel im Gefolge würde Angst verbreiten. Ganz sicher.

So recht wissen die Wölfe aber auch noch nicht, wo Berion hin will und wie sie ihm bei der Suche helfen können.
Doch da. An einem fernen Punkt im Wald sieht er rote Punkte. Könnten das Waldhimbeeren sein? Berion will es wissen und ändert seine Richtung. Die Schritte werden größer, das Tempo erhöht sich. Einige Wölfe überholen ihn, bleiben stehen und schauen, ob sie den rechten Weg eingeschlagen haben, indem sie sich versichern, dass der Mensch noch immer in diese Richtung geht.
Kurz vor den Sträuchern zwingt eine Wurzel den Ausgehungerten zu Boden. In voller Länge stürzt er und landet unsanft. Von seinen felligen neuen Freunden wird das nur skeptisch beobachtet. Berion steht wieder auf und reibt sich den Dreck von der Brust. Der Anblick des unbeholfenen Zweibeiners muss belustigend auf das Rudel wirken.

Dann macht er sich daran, Beere um Beere vom Strauch zu Pflücken, reife und unreife, rote, schwarze und grüne.
Ab und an, wirft er auch einige hinter sich. Sehr zur Freude seiner Kameraden. Das ist sicher nicht die Kost, die sie gewohnt sind und sicher auch nicht das, was sie sich erholft haben. Doch für Berion ist es die erste Mahlzeit seit vielen Tagen. Er stürzt die Früchte herunter. Kein fürstliches Bankett dieser Welt könnte ihn jetzt glücklicher machen, als diese Sträucher voll Beeren. Noch rot verschmiert ist sein Mund. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft.
Er schnappt sich einen langen Stock, stellt ihn in ein Brennesselfeld und dreht diesen. Damit wickelt er einige Stengel, mitsamt ihren Blättern auf und bis sie abbrechen oder mit der Wurzel ausgerissen werden. Mit Fingerspitzengefühl schiebt er sie mit einem zweiten, kleineren Stock auf dem ersten großen zusammen. Ein dickes Knäuel aus Brennesseln bildet sich. Mit diesem geht es zu einem nahen Stein, auf dem er das Ganze reibt. Energisch sieht das Treiben aus. Wieder schauen die Wölfe nur fragend drein. Den Matsch wiederum schnappt sich Berion mit bloßer Hand. Die Nesseln sind zerrieben. Clever gelöst, stellen sie nun keine Gefahr mehr dar und reizen die Haut. Der Mensch lässt es sich munden. Ein, zwei Wölfe riechen lediglich daran. Sie rümpfen die Nase und überlassen es ihm.
Als das Gro' verschlungen ist, heißt er seine Freunde mitkommen. Und zeigt ihnen Pilze, ein kurzer Blick unter den Schirm und ein Griff gleich daneben zum Giersch und das Essen geht weiter. Auch der Bärlauch nur ein paar Meter weiter wird genüßlich verspeist. Gundermann, Vogelmiere, Sauerampfer alles verschwindet in seinem Mund.
Als er zwischen einigen grünen auch ein paar rote Blätter ausmacht, begibt er sich dorthin. Kann es tatsächlich sein, dass er eine seltene rote Beete gefunden hat? Sofort gräbt er das Knollengemüse aus. Ein bisschen dreckig ist es ja, aber das Wasser des Flusses, der hier seine Kurven zieht und sich den Wald hindurch windet, kann das Problem lösen. Auch davon wollen die Wölfe offenbar nichts haben. Die saftige Rübe wird mitsamt der Blätter von Berion vertilgt.

Dann aber ist er pappensatt. Eine solche Fresssucht hatte er lange nicht mehr.
Und während sich viele Menschen in Städten, Dörfen und auf Burgen auf eine fette Gans oder einen Braten oder einen Laib Brot gestürzt hätten, brauchte Berion zu seiner Sättigung nur ein paar Beeren, Kräuter, Pilze und eine Wurzel.

Die Lippen noch ganz rot von der Rübe: "Jetzt kümmern wir uns um euren Hunger."
Wieder erhebt er sich und tritt den Weg zurück ins Dorf an. Ihm schwant bereits, dass es brenzlig werden kann. Die Mönche vermissen zwei ihrer Leute und das seit gestern. Sie werden sicher weitere Männer gesendet haben, um nach ihnen zu schauen. Egal, ob an den Bänken gefesselt oder nicht. Ihr Zustand, all die Verletzungen, die Berion ihnen zufügen konnte, werden den Zorn ihrer Befreier sicher nur mehren.

Er fühlt sich besser als die Tage zuvor, doch er fragt sich auch, ob seine Kraft bereits wieder ausreichen wird.
Noch kann er nicht abschätzen, wieviele sie entsendet haben könnten. Aber er hat ein ungutes Gefühl. In Sichtweite zur Allmende stoppt das Rudel. Berion dreht sich um. Er geht zu dem Leitwolf, der als erster vor ihm stand. "Ich könnte eure Hilfe gut gebrauchen, aber ich weiß, dass ich kein Recht habe, sie einzufordern." Dann umarmt er diesen Wolf. Die anderen kommen herzu und umringen den Menschen. Jeder bekommt seine Schmuseeinheit. Über diese Treue kann er sich nur freuen.
Er wendet sich wieder der Siedlung zu und setzt seine ersten Schritte, da bemerkt er, wie der Leitwolf aufholt und an seiner Seite bleibt. Ein kurzer Blick über die Schulter und er weiß das ganze Rudel hinter sich.

Bestärkt durch diese Unterstützung zaubert ihn der bevorstehende Kampf ein Lächeln auf das Gesicht.
Nun aber will er alles daran setzen, beide Fraktionen zu beschützen. Die Dörfler, die ihn nach dem Angriff versteckt und gepflegt haben und die Wölfe, die bereit waren den Fremden zu wärmen und nun zusammen mit ihm in die Schlacht zu ziehen.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Mi 1. Sep 2021, 22:42

Ein kurzes Spiel I

Noch einige Schritte.
Gleich steht er auf freien Feld und kann das Dorf überblicken. Er hält kurz an, die Wölfe mit ihm. Sein Blick schweift über die Hürden und Zäune, die das Vieh nahe am Dorf halten sollen. Verbraucht sehen sie aus, lange nicht mehr instandgesetzt. Es ist ja auch kaum noch Vieh da, dass man einzäunen müsste. Und die paar Schafe, die noch da sind, werden gleich direkt auf dem Hof gehalten. So bemerken sie nicht, dass sich Wölfe dem Dorf nähern. Und zu Berions Glück bleiben so auch die Wölfe bei der Sache und konzentriert. Zwischen den Häusern bewegen sich keine Bauern, ungewöhnlich so spät am Tage. Es ist auch niemand auf den Feldern auszumachen. Das wiederum ist ungewöhnlich für die Jahreszeit. Auf irgendeinem Feld sollte man bereits um diese Zeit mit der Ernte angefangen haben.

Plötzlich taucht zwischen den Bretterzäunen der Höfe ein Mönch auf.
Er schaut ins Dorf hinein. Ideal. Denn so können Berion und die Wölfe weiter herankommen. Aufrecht, ohne Deckung laufen sie schurstracks auf die Hütten zu. Einen Kampf wird es so oder so geben und solange das Überraschungsmoment auf seiner Seite ist, kann er es auch in voller Geschwindigkeit angehen. Es trennen ihn nun nur noch ein wenig mehr als vierzig Schritte vom Mönch. Der hört ein kurzes Pfeifen und dreht sich danach um.
Berion bedeutet seinen Gefährten, jetzt anzuhalten, indem er seine Hand nach hinten streckt. Der Leitwolf versteht dies und auch die anderen halten inne. Der Kuttenträger erschrickt und fasst sich hektisch unter die Robe. Er schnappt sich eines seiner Messer, die er am Gürtel drunter trägt. Die Wölfe stellen sich zum Angriff auf, aber Berion schaut kurz zu ihnen hinter. Er will nicht das Risiko eingehen, dass es einen seiner neuen Freunde bei einem Messerangriff erwischt. Wieder gibt er also ein Handzeichen, dass diese einfach warten sollen.

Plötzlich wird Berions Blick völlig leer. Blitzschnell dreht er sich um. Ein Messer schnellt auf ihn zu.
Der Mönch hat es auf ihn zugeworfen. Es würde sein Ziel nicht verfehlen. Doch es stoppt vor dem Körper des Magiers. Der ist recht entspannt und sieht sich die Klinge an, dann wendet er seinen Blick zu dem, der geworfen hat. Der Messerwerfer kann es nicht fassen, ist für einen Moment wie gelähmt. Berion schaut noch einmal auf das Messer, dann wieder zum Werfer.
Der kommt wieder zu sich, berappelt sich. Wieder zieht er die Kutte nach oben und greift nach einem Wurfutensil.
Im gleichen Augenblick dreht sich das schwebende Messer um und schnellt auf den Angreifer zu. Berion hat dabei nicht auf die Wurfhand gezielt, um dem zweiten Angriff zu entgehen, sondern ganz bewusst auf den Hals, damit er nicht um Hilfe rufen kann. Die Wölfe haben nur kurz gezuckt. Sie scheinen weniger beeindruckt zu sein. Berion rennt am Mönch vorbei und huscht an eine Seite des Zauns. Dort lugt er vorsichtig um die Ecke. Niemand hier.
Dann greift er den Arm des Mönchs und wirft ihn nach vorn. Nicht, dass dieser noch nach hinten kippt und deswegen Aufsehen erregen könnte. Den Totenstoß dürfen die Wölfe vornehmen. Auf sein Kommando greifen sie nach dem Hilflosen. Berion zieht sich ebenfalls erst einmal wieder ein Stück zurück. Zwischen den Wölfen, die ihre Zähne ins Fleisch des schockierten Mönchs rammen und ihn förmlich zerreißen, greift er fast angstfrei hindurch und nimmt sich die Messer. Sowohl jene, die der Mönch hätte noch werfen wollen, als auch jenes, dass ihn getroffen hat.

Während die Wölfe ihre wohlverdiente Mahlzeit einnehmen, macht sich Berion auf die Suche nach weiteren Mönchen.
Mit bluttropfender Nase folgt ihm nach kurzer Zeit nur der Leitwolf. Durch die leeren Gassen wirkt das Dorf noch unheimlicher als bei seinem ersten Einzug hier. Es hat den Tag über zum Glück die Sonne geschien, so dass die Wege nicht matschig sind. Ein Anpirschen ist so deutlich einfacher als im Schlamm. Berion hält seinen Arm seinen Kameraden, bedeutet ihm zu warten.

Er sieht weitere Mönche und in ihrer Mitte die Dorfbewohner.
Vier Mönche scheinen den beiden zu Hilfe gekommen zu sein. Von einem ist die Gefahr nun gebannt. Berion kann von da, wo er jetzt steht keine weiteren sehen. Die Dorfbewohner sind hingegen zahlreicher. Aber die Angst sitzt in ihren Gliedern. Eingeschüchtert kauern sie am Boden. Einige liegen, nach vorn gestürzt. Der Magier hofft, nicht zu spät angekommen zu sein. Denn so liegt in der Regel nur, wer heftige Schläge erhalten hat oder ...
Der Fremde will diesen Gedanken noch nicht zu Ende denken. Nicht solange er noch hofft, dass er sie retten kann. Mit Bläsuren und Verletzungen, aber lebend.

Er kann auch den Priester ausfindig machen. Dieser wird gerade aus dem Bulg der Menschentraube herausgezerrt.
Ein gnadenloser Treffer in der Magengrube lässt den gerade erst Erhobenen wieder zusammensacken. Berion schaut kurz weg. Er will es nicht fehlgehen lassen. Ein Ablenkungsmanöver wäre gut. Doch das einzige, dass er beisamen hat, ist der Wolf. Ihn will er nicht gefährden. Dann muss jemand anderes die Ablenkung sein. Er selbst.
Er steckt sich die Messer hinten in seinen Hosenbund. Dann hockt er sich hin, drückt sein Gesicht an das des Tieres. "Höre mir genau zu. Ich werde einen anlocken und du wirst ihn dir schnappen, wenn ich laut rufe." Dies sagt er jedoch nicht, sondern er übermittelt diese Gedanken an seinen Kampfgenossen mit Hilfe seiner Gedanken. Telepathie, über die Grenzen seiner Art hinweg. Es hat lange gedauert, bis er dies in solcher Perfektion beherrschte. Mit dieser Methode ist es einfach einem Tier Tricks beizubringen. Es zu reizen oder es zu besänftigen. Doch er wendet es selten an. Der Frieden, den er Tieren gegenüberausstrahlt, reicht in aller Regel. So war es in der letzten Nacht und am Morgen danach. Er weiß einige Wesen zu deuten, sich einen Teil ihrer Sprachen zu Nutze zu machen. Bist du kein Feind, ist der Wald sicherer als jedes noch so idyllische Dorf.

Berion richtet sich wieder auf.
Er dreht sich in die Richtung der Mönche, noch immer verdeckt durch den Holzzaun. Das qualvolle Schreien des Priesters ist quer über den ganzen Dorfplatz zu hören. Sicher auch hinten beim zerfressen Kondrahenten. Der Verborgene rückt die Messer noch einmal gerade. Das Blut an den Händen, vom Mönch stammend, reibt er sich über den Körper. Dann taumelt er los und hält sich den Bauch. Ein Husten und Keuchen verrät ihn nun. Er schleppt sich auf den Platz und wird sowohl von den Mönchen als auch von den Dorfbewohnern verwundert wahrgenommen.
Einer der Widersacher fällt auf diese Finte herein und begibt sich Richtung Magier. Der scheint immernoch gezeichnet von den Peitschenhieben und dem darauffolgenden Kampf in der Kirche. Berion erkennt ihn wieder. Es ist jener, der mit dem Schlagring ausholte, als Berion ihn mit dem Ellebogen am Knie traf. Er hinkt nicht mehr, aber sicher wird es noch einige Zeit geschmerzt haben. Wieder holt der Kuttenträger mit der umringten Faust aus.
Ohne seinen Blick von dem Gegenüber zu lösen und mit der linken Hand hinter sich greifend, gibt er den Befehl: "Los!"
Sofort schießt der Leitwolf um die Ecke. Die Dorfbewohner zucken zusammen und auch die Mönche sind überrascht. Der aber bei Berion steht, sieht die Kreatur auf sich zurennen. Noch bevor er in Abwehrhaltung gehen kann, rammt der Magier ihm von unten kommend eine der entwendeten Klingen in die noch zu ihm ausgestreckte Faust. Damit ist jede Chance dahin, sich rechtzeitig gegen das herannahende Tier zu wehren. Und so stürmt der Herbeigerufene ohne Hinternis auf sein kreidebleiches Opfer zu und trifft im Sprung mit seinen scharfen Zähnen tatsächlich das Gesicht. Während er nach hinten stürzt, reißt Berion das Messer quer durch die Hand aus dem Kondrahenten, der mit stark blutender Wunde krachend zu Boden geht.
Der hölzerne Schlagring ist zerbrochen, auch seine andere Hand ist den Kräften des Angreifers nicht gewachsen.

Um seinen Kameraden zu retten, greift ein weiterer Mönch nach seinem Schwert. Das hat der Magier bereits kommen sehen, schaut auf den Boden vor diesem und tritt auf selbigen vor sich selbst. Nur einen Schritt vor dem neuen Gegner tut sich eine kleine Kuhle auf. Der Rennende kann sich nicht mehr rechtzeitig bremsen. In vollem Lauf sackt er in diese Unebenheit ab und verliert das Gleichgewicht. Vorn über legt es ihn in voller Länge hin. Dabei verliert er seine sonst so umsorgte Waffe. Diese rutscht über den staubigen Grund ein Stück dem offenbar gut vorbereiteten Fremden entgegen. Die versammelte Mannschaft staunt. Sollte ein einfaches Stampfen auf pulvrigem Sand und Lehm einen Schwertschwinger dermaßen aus der Fassung bringen?
Der Fremde hat aber noch seine Messer in den Händen. In kurzen Abständen und mit ordentlich Schwung katapultiert er die scharfen Geschosse in die nun am Boden liegende, sehr großflächige und leicht zu treffende Zielscheibe. Jeder Treffer wirkt wie ein übergroßer Bolzen aus kurzer Distanz mit einer Armbrust abgefeuert. Ob Berion den Anwesenden irgendwann erklärt, dass zusätzlich zum nicht spezialisierten Wurfarm, auch eine gute Portion Telekinese addiert wurde? Vielleicht. Aber wohl nur dem Priester. Bei jedem Wurf steht er durch seine gleichzeitige Vorwärtsbewegung näher an seinem Opfer. Kurz nach dem dritten Hammer zieht er auch mit seinem Fuß voll durch und zertrümmert dem ehemaligen Schwertträger Nase und Wangenknochen. Der dreht sich aufgrund der Wucht, die diesmal allein dem kräftigen Wanderfuß geschuldet ist, zweimal auf dem Boden, bevor er regungslos liegen bleibt.

Auch der Leitwolf hat seinen Gegner souverän bezwungen. Er rührt sich nicht mehr.
Berion greift sich das Schwert, hält es locker in der Hand, wirft es, fängt es. Er tachiert das Gewicht aus. Er holt Schwung. Dann schaut auf die zwei kampfbereiten Mönche. Den dritten, der noch bei Bewusstsein ist, zählt er nicht mehr als ernsthaft bedrohlich ein. Es ist jener, den er aus dem Keller sprintend an die Wand rammte, bevor er ihn mehrfach schlug und anschließend das Knie brach.
Berion legt sich das kalte Eisen lässig auf die Schulter und analysiert die vorgefundene Situation. Er schaut auch zu seinem Kampfgefährten. Ein lockeres Lächeln durchzieht sein Gesicht: "Was ich mit einem Wolf und ein paar Messern machen kann, wisst ihr nun. Wollt ihr auch erfahren, was ich mit einem Schwert machen kann?"

Der Priester mustert den Fremden, der sich nun nicht als der zeigt, als den er ihn erhofft hat. Er holt keine Hilfe, einen Ritter, einen Abt oder dergleichen. Er ist die Hilfe.
Der entmannte, gebrochene Mönch richtet sich auf und stützt sich auf sein Schwert. Dieses hatte Berion einst auf sein Glied fallen lassen. Dieser Krüppel wirkt blass und schwach. Er wird durch diese makabere Aktion wohl sehr viel Blut verloren haben.
Sein Blick wandert zurück zu den anderen beiden. Es ist der eine dabei, der schon am ersten Tag mit seinen großen Dolchen die Bauern in Schach hielt, als Berion mehrmals von den Peitschenhieben getroffen wurde. Links und rechts am Gurt hängen die gefährlichen Mordinstrumente. Sie sind sicher auch geeignet, dass ein oder andere Wild zu filetieren. Auf ihn muss er vermutlich mehr achten, als auf jenen der nur seinen Knüppel schwingt. Das ist der andere, der in die Grube unter der Kirche fiel, nachdem Berion nachgeholfen hatte.
Der Messerschwinger will sich gerade für einen Angriff aufstellen. Ebenso bereitet sich der Knüppelschwinger vor. Offenbar hat dieser aber auch seine Schwierigkeiten, trägt eine Kopfbinde. Der Schlag auf den Schädel beim Anstoßen an der Kante oder beim Aufprall am Boden scheint seine Wirkung außerordentlich groß kundgetan zu haben.
Magier und Wolf bereiten sich auf einen Angriff vor und auch die drei Mönche sind gerüstet.

Doch schon im nächsten Moment ist der Kampf ungleich unfairer. Zugunsten des Fremden.
Die ganze Meute der Wölfe findet sich nun auf dem Dorfplatz ein. Mit ihrem blutverschmiertem Fell sind sie ein schrecklicher Anblick. Die Dorfbewohner verfallen in Panik. Nur der Priester bleibt, obwohl man ihm die Angst ansehen kann, seltsam ruhig. Berion bemerkt dies.
Fluchtartig verlassen die Bauern das Gelände. Die Mönche können sie nicht halten. Da sie sich allerdings sowieso auf den mutigen und offenbar auch kampferprobten Recken mit seinen Wölfen konzentrieren, sind ihnen die Dörfler im Moment auch eher ein Hindernis oder zumindest nicht relevant. Berion hilft den geschlagenen und geschundenen Bauern, die hier herumliegen auf, ruft andere Bauern, die noch besser zu Fuß sind herbei. Sie sollen ihre Nachbarn mitnehmen. Während alledem bleiben die Wölfe hinter ihm. Die Bauern haben zwar große Angst, aber es herrscht ein Grundvertrauen zu dem Fremden, der ihnen mehr geholfen hat, als jemals ein anderer es ihnen tat. Aber nur der Priester rennt nicht davon, wohl aber entfernt er sich vom Schauplatz. Berion blickt nochmals zu ihm herüber. "Ich werde es dir zu gegebener Zeit erklären.", sagt er mit ruhiger Stimme.

Jetzt aber sehen sich die drei Mönche einem Rudel Wölfe und einem schwertschwingenden, offenbar erholten, erfahrenen Kämpfer gegenüber.
Noch dazu wirkt es, als sei das Rudel abgerichtet.
Der Priester winkt die letzten Bauern auf den Hof des Gotteshauses, bevor er mithilfe eines Dörflers die Tore schließt. Nicht jedoch, ohne einen Spalt offen zu lassen. Der verkrüppelte Mönch schaut sich panisch um, sieht wie die Holztüren sich schließen. In seinem Zustand wird er nicht weit kommen. Er erhebt sich von seiner Bank, die aus der Kirche extra für ihn hier aufgestellt wurde und schleppt diese hinkend an den Holzzaun der Kirche. Dann lässt er sich darauf fallen. Er schnauft und atmet, als hätte er einen großen Lauf vollendet. Die anderen beiden Mönche beobachten das Ganze etwas misstrauisch. Will der Krüppel etwa allein hinter den Toren Schutz suchen. Es wird ihm aber nicht geöffnet. Die drei sind sich jedoch einig, dass es gar nicht so dumm ist, sich an eine Stelle zurückzuziehen, wo sie nicht von allen Seiten angegriffen werden können. Man muss dies sorgfältig abwägen mit dem Wegfall eines Rückzugpfades. An einem Holzzaun gibt es keinen solchen.

Der Prieser ahnt, dass hier etwas nicht stimmt.
Der Fremde war noch letzte Nacht kaum in der Lage aufrecht zu stehen und heute legt er sich mit ihren Peinigern an. Mit einer Leichtigkeit ist er bislang durch deren Reihen geschritten und hat sich mehrerer entledigt.

Jetzt schließt dieser Recke wiederholt seine Augen.
Auch er merkt, dass sein Körper noch etwas braucht, um zur vollen Stärke zurückzukehren. Bislang setzt er seine Kräfte behutsam ein, auch damit nicht erst auffällt, dass er sich Mächten bedient, die nicht in die normale Welt der Dörfer und Städte passt. Ein jeder glaubt daran, dass es das alles gibt. Aber niemand kennt ernsthaft jemanden, der eine solche Kunst ausgeübt hat. Und so hat dieser Zweig der Natur eine dunkle, anrüchige Seite. Mit Magie möchte man nicht erwischt werden. Die Kirchenmänner strafen ein solches Vergehen und wenn es nur erdacht ist und es keinen rechten Beweis gibt, bis zum Tode. Ein einheitliches Bild gibt es nicht. An jedem Ort kann das Urteil unterschiedlich hart ausfallen, die Art des Todes ebenso, wie die Festlegung, ob es diesen Tod überhaupt verdient.
Das Volk ist einfach. Vielerorts betriebt es selbst die Anbetung der alten Götter. Neben dem Kreuz steht der Schutzheilige des Dorfes, der oft nur ein umgemünzter Gott ihrer Vorväter ist, der einen anderen Namen und nicht aber eine andere Rolle bekommen hat.

Noch immer ruht das Schwert auf der Schulter Berions.
Doch die Wölfe nähern sich langsam. Sie fletschen ihre Zähne, knurren.
Die Männer halten ihre Waffen bereit. Berion schätzt aufgrund der Haltung, dass der Dolchträger vermutlich der erfahrenste Kämpfer dieser drei übriggebliebenen ist. Er bedenkt aber auch den Knüppel des anderen und er befürchtet einen hinterhältigen Angriff des Eingeschränkten mit seinem Schwert. Er will den Dolchträger aus der Reserve locken, denn ist dieser bezwungen, wird er sich dem Schwertträger widmen, während die Wölfe sicherlich dem behebigen Knüppel leichter ausweichen können.

Aus einen Überlegungen wird er jedoch gerissen, als genau dieser einen Angriff startet.
Die anderen beiden rufen ihm noch nach. "Nein! Stopp! Das ist Selbstmord!"
Doch zu spät. Er ist nicht mehr in ihrer Reichweite und rennt auf den Fremden zu. Der wirft das Schwert nach vorn von der Schulter und erreicht somit, dass der Knüppelschwinger kurz die Richtung wechseln muss. Das geschiet jedoch so ungelenk, dass er kurz die Balance verliert, auf jeden Fall langsamer wird. Berion kann dies nutzen. Während der Mann versucht links an ihm vorbeizukommen, dreht sich Berion mit seiner rechten Schulter in diese Richtung und rammt ihn von der Seite. Dabei erwischt er ihn gleich noch mit dem Schwert am Schienbein. Auch wenn die Hebelwirkung nicht groß genug war, eine Wunde zu schlagen, so schmerzt es doch. Außerdem torkelt sein Gegenüber nun vollends und stürzt. Er rollt einmal rückwärts, kann dabei aber seinen Knüppel halten. Doch dieser ist ihm in der Position nicht mehr von Nutzen.
Ein Wolf springt ihn von der Seite an, ein anderer verbeißt sich in seine Schulter, ein dritter schnappt nach seiner Hand. Berion tritt auf den Knüppel, der damit völlig nutzlos wird und zudem die Bewegung der Hand einschränkt. Das Rudel fällt über ihn her und der Fremde kann ohne Widerstand den Knüppel mit seinem Fuß wegschieben.

"Da waren es nur noch zwei."
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Sa 4. Sep 2021, 23:38

Ein kurzes Spiel II

Mit diesen Worten schaute er zu den beiden verbliebenen herüber.
Denen gefror das Blut in den Adern. Was ist das für einer, dass ihm ein wildes Rudel Wölfe gehorcht? Was ist das für einer, dass er ohne großes Federnlesen, einen nach dem anderen von ihnen ausschaltet? Was ist dieser Mann und wer ist sein Beschützer? Haben sie überhaupt eine Chance.

Berion schaut noch einmal auf den Knüppel. Da fällt ihm eine weitere Finte ein, wie er möglichst gefahrenfrei und unaufwändig, den Mann mit den Dolchen aus dem Weg räumen kann. Er hebt den Knüppel auf. Das Schwert in der Rechten, den Schläger in der Linken geht er auf den Mann zu. Immer auch im Blick hat er den anderen. Der Mann mit seinen Dolchen geht in Angriffsstellung. Er beobachtet aber auch die Wölfe im Hintergrund.
Kurz regt sich jener, den der Fremde mit den Messern getroffen hat. Dies bemerken auch die Wölfe und machen sich auch über diesen her. Nur wieder der Leitwolf folgt in einigem Abstand dem Menschen aus dem Wald.

Der langsame Gang des Fremden irritiert den Dolchträger.
So lässt er sich nun doch zum Angriff verleiten. Berion erhebt daraufhin seine Keule. So wie er diese vor seinem Körper quer hochzieht, als sei sie sein Schild, erhebt auch sein Angreifer die Klingen. Als der Magier seinen Knüppel aber nicht auf Höhe seiner Brust belässt, sondern noch weiter erhebt, geschiet dies auch mit den geschmiedeten Eisen des Angreifers. Er scheint über diese Bewegung selbst überrascht. Da der Knüppel länger ist, als die Dolche, diese aber offenbar das Ziel des Gegenübers, muss er sich auch entsprechend weiter strecken. Dabei verliert er jede Deckung. Bevor er merkt wie ihm geschiet, stecken die Klingen auch schon im Holz. Der Magier holt mit dem Schwert aus. Der Angreifer lässt zwar seine beiden Waffen los, kann aber nicht mehr verhindern, dass er von einem Hieb direkt in die Seite getroffen wird.
Er stößt Berion weg, der daraufhin krachend zu Boden geht. Aber auch der Gegner stürzt zu Boden. Doch noch bevor er diesen berührt wird er im Sprung vom Wolf erfasst. Der reißt im Schwung den Arm herum, sodass der Wolf zwar auf allen Vieren landet, doch der Mönch erst nach einer Drehung in der Horizontalen aufkommt. Weitere Raubtiere eilen ihrem Anführer zu Hilfe.

Berion muss sich erst wieder etwas berappeln.
Er schüttelt seinen Kopf, sieht sich um. Die große Gefahr ist gebannt. Und so war es allein der Eingeschränkte, der noch immer auf seiner Bank am Holzzaun saß. Das Schwert in der Hand auf seine Feinde gerichtet. Besonders der Fremde ist ihm nicht geheuer.

Ob der Krüppel ahnt, warum sein letzter Verbündeter die Keule und nicht den Magier anvisiert hat? Ob er weiß, was Telekinese ist?
Und selbst wenn. Solange Berion es schafft, dass sein Gegenüber stirbt, bevor er ihn als Hexer denunzieren kann, wird es hier keine größeren Probleme geben.

Er geht zu seinem Schwert, dass er beim Sturz nicht festhalten konnte.
Der Fußtritt des soeben Gefallenen war sehr heftig. Berion musste kurz Luft holen, weil der starke Stoß ihm den Atem geraubt hat. Er war unvorsichtig. Das hätte auch anders ausgehen können. Ist es zum Glück aber nicht.

Berion merkt aber auch, dass es keine bloße Fahrlässigkeit war, die diesen Treffer des Gegners ermöglichte.
Er merkt wie seine Kräfte schwinden. Die Magie, die er in allen Aktionen verborgen hat will auch gewirkt werden. Und jede Wirkung benötigt eine Kraft, die diese Wirkung erziehlt. Alles zehrt an den Kräften die dieser Magier hat. Noch dazu muss er sehr überlegt vorgehen, seine Schläge geschickt ausführen. Denn er steht einer Übermacht entgegen. Auch muss er auf seine Gefährten Acht geben. Seine Magie darf im Augenblick auch nicht nach einer solchen aussehen. All dass gilt es im Kampf zu berücksichtigen.

Vor ihm sitzt der unruhige Krüppel, der noch immer zitternd sein Schwerz in seine Richtung hält. Sein Blick springt hin und her. Zu den Wölfen, zum Fremden, zu seinen toten Kameraden. Er sitzt schon nicht mehr. Die Bank dient ihm kaum noch als Stütze, denn er ist halbaufrecht an die Wand gelehnt. Man merkt aber auch ihm an, dass das gebrochene Knie nicht im Ansatz verheilt ist. Er steht sehr unsicher und sein Bein wackelt.
Berion nähert sich mit nach vorn gerichtetem Schwert und versucht ein forschen Vorstoß. Doch der Verhinderte wehrt sich. Zwei unkontrollierte Links- und Rechtshiebe und der Magier muss weichen und sich zurückziehen. Dabei rutscht dieser fast auf dem staubigen Boden aus, fängt sich erst seitlich, kann aber noch zurückspringen.

Dieser kurze Schlagabtausch gibt dem Mönch wieder Zuversicht.
Wenn er schon nicht gegen diese Meute gewinnen kann, so wird er doch so viele mit ins Grab nehmen wie er kann.
Ein Wolf setzt zum Sprung an. Doch der Gegner hat sein Schwert bereits vorangestreckt. Berion gelingt es, durch sein beherztes Eingreifen, dem Wolf in die Flanke zu stoßen. Dabei schwingt auch er sein Schwert nach vorn, um den Abstand zum Verteidiger aufrecht zu halten. Der Wolf stürzt zur Seite, knurrt den Fremden an. Der schaut ihm kurz tief in die Augen, bevor er mit einer Drehung wieder aufsteht und sich wieder dem Gegner widmet.

Auch diese Aktion bestärkt den Verteidiger, doch offenbar nicht ganz so aussichtslos zu sein.
Doch beim nächsten Vorstoß von Berion und der darauf folgenden Abwehr, gelingt es dem Magier mit seinem nach unten laufenden Schwert die Verteidigung zu durchbrechen. An der Klinge brallt das Mordinstrument des Gegners ab. Damit wird die gesamte Deckung offengelegt und seiner linken Faust zieht der voranpreschende Fremde voll durch. Der Krüppel stürzt nach hinten über seine Bank. Aber auch Berion fällt zu Boden, da er zu viel Energie in den wuchtigen Schlag gelegt hat.
Wichtig für ihn ist jetzt nur, ja nicht die Klinge des Gegenübers zu berühren. Daher stemmt er die Hand, mit der er gerade noch den Gegner getroffen hat, auf den Boden und nimmt den Schwung des Fluges um sich über den Kondrahenten zu werfen. Dabei legt er einen unfreiwilligen Salto hin und schafft es sogar auf dem Hinterteil zu landen. Doch er ist schnell wieder auf den Beinen und reißt sein Antlitz wieder herum.

Der Mönch hatte nicht so viel Glück bei seiner Landung.
Das gebrochene Bein landete hart auf dem Boden, das andere liegt quer über der Bank. Er hat zwar das Schwert noch in der Hand, scheint aber noch immer benommen. Auf dem Rücken liegend, ist er ein leichtes Ziel, wie ein gekippter Käfer.
Berion will die Chance nutzen, kommt heran, hebt das Schwert und will ihm den Arm abhacken. Doch der Mönch pariert noch ein letztes Mal. Daraufhin federt Berions Schwert zurück. Er schwingt es auf die andere Seite und zieht von rechts nach links durch. Dabei trifft er den Griff des Schwertes und auch die Hand des Gegners. Dessen Klinge fliegt ihm nun im hohen Bogen aus der Hand. Der Fremde verliert keine Zeit. Nochmal setzt er zum selben Hieb an, wie zuvor und trifft nun tatsächlich die Achselhöhle und das Kugelgelenk der Schulter. Ein Krachen geht durchs Dorf. Gefolgt von einem lauten Aufschrei.
Der Mönch reißt seine andere Hand herum und hält sich die Wunde. Der Arm bewegt sich nicht mehr. Berion lässt sein Schwert fallen. Jetzt schaut er zu dem mutigen Wolf, der vorhin beinahe in die Klinge des gefälschten Geistlichen gesprungen wäre. Mit einer Handbewegung bietet er ihm an, es jetzt doch noch einmal zu versuchen. Das lässt dieser sich nicht zweimal sagen und springt den Mönch an. Den Arm den er hochreißt, um das Tier abzuwehren, zerbeißt der Wolf recht schnell. Wieder steigen alle aus dem Rudel in dieses makabere Spiel mit ein.

Alle Mönche sind erledigt.
Es ist vollbracht. Der Fremde ist überrascht, wie schwierig er sich am letzten noch getan hat. Aber viel länger hätte der Kampf nicht gehen dürfen. Er merkt, dass er sehr ausgemergelt ist. Ein paar Beeren, Wurzeln und Rüben täuschen nicht über die Tatsache hinweg, dass besonders der Heilzauber in der Nacht seine letzten Energiereserven stark dezimiert hat.
Solange die Feinde noch waren, musste Konzentration herrschen. Schwäche war nicht erlaubt. Schwäche durfte nicht gezeigt werden. Jetzt kann er etwas entspannen. Das Rudel hat bereits gezeigt, dass es ihn aufgenommen hat. Noch heute Morgen war er ihnen ausgeliefert. Kalt und zitternd, hungernd, am Ende seiner Kräfte. Sie gaben ihm Obdach. Sie gaben ihm Wärme. Und jetzt hier im Dorf, wo kein Wolf freiwillig hingeht, gaben sie ihm Kameradschaft.

Er ist noch nicht fertig.
Mit straffem Schritt geht er zum Eingang des Kirchentores und stößt dieses auf. Es war bis hierhin einen Spalt offen. Die Bauern zucken zusammen. Kommen jetzt auch die Bestien? Werden diese auch sie verschlingen? Berion verlangt nach einer Axt und einem Handkarren.
Die Menschen sind schockiert. Doch der Fremde erklärt sich: "Wenn ihr ihnen nicht das Fressen vor die Tore des Dorfes legt, werden sie hier fressen, bis sie satt sind. Ziehen sie sich nicht zurück, werden sie denken euer Gebiet übernommen zu haben. Dann gehört das Dorf ihnen."
Der Priester hat keinen Handharren, doch eine Axt. Schnell geht er zu seinem Holzblock, wo er immer frisches Brennholz hackt. Er weiß, was Berion damit machen wird. Was er nicht weiß, ist, warum er diese Wölfe mit sich führt und warum er, gestern noch kaum stehend, heute schon kämpfend sechs Widersacher erledigen kann. Der Fremde sieht diese grübelnden Blicke und sagt leise nur: "Später. Ich erkläre es dir einfach später."
Er nimmt die Axt aus der Hand des Priesters entgegen, der nur kurz zu verstehen gibt, dass ein jeder ein Begräbnis verdient. Berion kneift ein Auge zusammen, zieht die Lippen zusammen und schüttelt kurz den Kopf: "Nicht jeder." Dann verlangt er nach dem Karren. Der Junge greift seinem Vater an den Überrock. Der will erst nicht so recht. Denn um an den Karren zu kommen, muss er ihn zu seinem Hof führen und das führt an den Wölfen vorbei.
Berion will nicht länger warten, greift durch schnellen Umgriff bei der Axt um. Er hält nun die eiserne Seite, nicht die hölzerne. Nichts soll nach Angriff aussehen. Dann ergreift er ebenso den Ärmel des Bauern und zieht ihn zu sich. Widerstand duldet er nun nicht. Er zerrt den Bauern hinter sich her und geht auf die Straßen vor dem Hof. Der Bauer reißt seine Augen weit auf. Das die Wölfe blutverschmierte Schnauzen und Felle haben, macht die Situation für ihn nicht angenehmer. Doch welche Wahl hat er?
Im Bogen gehen die beiden an diesen vorbei. Dann bleibt Berion stehen und deutet den Mann mit dem Griff der Axt, ihm zu sagen, wo es hingeht. Der hat erst nicht verstanden, da er auf die Tiere mehr achtet, als auf den Fremden neben sich. Ein kurzer Stubser und er ist wieder ganz bei ihm. Mit dieser kurzen Unterbrechung erreichen sie den richtigen Hof. Der Bauer zeigt ihm sofort den Weg zum Karren. Er atmet aber erst einmal durch, da seine Knie schlottern.
Berion holt unterdessen das Gefährt und erreicht sogleich wieder den Bauern. Dann schaut er ihn an: "Eine Sache muss ich noch von dir verlangen. Ich brauche jemanden, der mir die Mönche mit auflädt." Da stockt dem Mann der Atem. Noch einmal da raus zu den Wölfen und nun auch noch ihre Beute anfassen? Er schüttelt den Kopf. Genervt packt ihn Berion am Arm und schubst ihn hinaus. Zwei Schritte geht es voran, bevor er kurz rutschend stoppt. Das Rudel schaut ihn an. Dem Mann sinkt das Herz in die Hose. Der Schweiß sammelt sich auf der Stirn. Die Kehle wird ganz trocken. Doch der Magier stößt wieder von hinten an ihn heran, diesmal mit seinem eigenen Karren. Der Junge und seine Mutter schauen vom Kirchenhof herüber. Noch sah sich niemand im Stande, die Pforten wieder zu schließen.

Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken geht der Fremde einfach voran.
Mit der Karre schnurrstracks auf den Krüppel zu: "Wir fangen einfach bei dem an, der am weitesten von der Allmende entfernt ist. Dann sind die späteren Wege kürzer. Bei den ersten Wegen haben wir noch die meiste Kraft. Außerdem kommen so die Wölfe mit nach draußen." Für ihn ist es auch kein Problem sich einfach sofort zu den Tieren zu begeben. Dem Leitwolf gibt er durch einen Blick zu verstehen, dass der Bauer auf seiner Seite ist. Doch der hatte bislang ohnehin keine Anstalten gezeigt, irgendwie weitere Leute anzugreifen. An der Körperhaltung Berions konnte er und seine Genossen bereits ablesen, dass nun keine Feinde mehr hier sind.
Berion winkt den Bauern zu sich herüber. Der schaut auf die Bestien links und rechts von ihm stehen, wenn er nun tatsächlich durch sie hindurch auf seinen Karren zuläuft. Ihm vorsichtigen Schleichgang durchläuft er diese Parade. Doch die wilden Hunde haben gar nicht die Absicht und schauen dem seltsamen Gang mit unverständigem Blick einfach zu. Die meisten sitzen bereits. Einer gähnt. Den ersten richtet Berion auf, um ihm die Kutte abzunehmen. Einerseits ist dies zusätzliches Gewicht, dass man nicht unnötig herumschleppen muss. Andererseits hindert es auch am Fressen. Außerdem können sich darin und darunter noch irgendwelche Kostbarkeiten oder wenigstens alltägliche Güter befinden, die man vielleicht gebrauchen kann.
Als der Pfaffe sieht, dass der Fremde Leichenfledderei begeht, kommt auch er unter den Blicken der Kampfgenossen des Fremden heraus: "Das ist Frevel." Sofort schauen alle Tieraugen auf ihn. Doch der Retter des Dorfes antwortet nur lachs: "Welche Strafe erwartet mich denn, wenn ich Diebe und Strolche, Räuber und Mörder um ihre Ehre bringe? Diese Dinge nützen ihnen nichts mehr." Er unterbricht kurz, um den Toten weiter zu untersuchen. "Diese hier haben, wie du und ich, nichts in diese Welt gebracht. Und sie und wir gehen mit nichts wieder aus ihr heraus." Dann packt er den Gefallenen und wirft ihn auf den Karren. Er schiebt ihn direkt über die Achse, so lässt sich der Wagen am einfachsten bewegen. Das Gewicht liegt so auf den Rädern, nicht auf dem, der schiebt. Seinen abgehackten Arm wirft er einfach obendrauf.
Dann mobiliert er noch einmal seine Kräfte hebt den Karren an und fährt diesen zum nächsten Mönch herzu. Die Dolche sind ja bereits durch den Knüppel abgenommen. Doch auch hier kann unter der Robe noch einiges Stecken. Also landet auch dieser Mönch unter Kraftanstrengungen durch den Fremden fasst nackt auf dem Karren. So ergeht es auch dem Knüppelträger. Doch als Berion den Mann auf dem Wagen bugsiert, lehnt er sich in nahender Erschöpfung auf die Leichen.

"Papa, du musst ihm helfen."
Die Augen und Ohren der Wölfe fixieren den Jungen. Der Mönch wirkt erschrocken. Der Vater wie aus der Lethargie geholt. Doch die Mutter hält dem Jungen den Mund zu. Ohne weiter auf die Tiere zu achten, nimmt der Bauer die Gelegenheit war und durchquert die Meute hin zum Karren. Noch kräftegeschont hebt er diesen an und schiebt ihn durch die Straßen vorerst vorbei an den anderen Toten. Hier sieht er auf dem Weg zur Allmende auch erstmals den sechsten Mönch, der hier wahrscheinlich als Wache abgestellt wurde oder um weitere versteckte Bauern zu finden.
"Der hatte die Messer dabei, die ich dem anderen in den Rücken warf.", schnaubt der ausgelaugte Fremde. Doch hier an der Anhöhe verlassen auch dem engagierten Bauern die Kräfte. Berion hilft nach, indem er einfach einen der Männer vom Karren schiebt. Mit zweien sollte es deutlich einfacher sein. Und tatsächlich schafft es der Ackersmann nun die leichte Anhöhe der Allmende hinauf bis hin zum Waldrand. "Ab hier übernehme ich wieder." Doch der Bauer insestiert: "Wir machen das zusammen. Du musst mir nur sagen, wohin die Karre soll." Überrascht blickt der Fremde ihn an, dann lächelt er und nickt. Ein leichter Schulterschlag und die beiden setzen ihre Reise fort.

Als sie bereits ein Stück weit in den Wald gegangen sind, bemerken sie, dass die Wölfe ihnen folgen.
Erst taucht einer am Rand zur Allmende auf, dann auch die anderen. Sie folgen ihnen in gemütlichem Trott. Schneller sind die beiden mit ihrer Karre auch nicht. Den Bauern bekommt wieder ein ungutes Gefühl. Der dunkle Wald, die Wölfe und dann auch noch der seltsame Fremde, der mit ihm allein, mit einer Axt bewaffnet, einen Karren voller toter Mönche transportiert. Warum hatte ihn sein Ehrgefühl gegenüber seinem Sohn in so eine skurrile Situation gebracht?
Der Wagen hält. Der Magier ist in den Wald abgebogen. Doch der Bauer kann ihm nicht folgen. Geschoben bekommt er diesen Karren nicht über den weichen Waldboden. Berion kommt zurück: "Dann ziehen wir ihn eben." Er greift sich einen der beiden Griffe des Wagens und bedeutet dem Bauern, nach dem anderen zu greifen. Langsam auch schließen die Wölfe auf. Diese im Rücken ziehen die beiden den Karren bis zu jener Stelle am Fluss, wo der umgestürzte Baum über den kleinen Fluss eine Brücke schlägt.

Berion sackt zusammen.
"Es ist noch immer nicht vollbracht." Dann schnappt er die Axt, die er zwischenzeitlich in den Hosenbund gesteckt hatte. Er atmet noch einmal tief aus, packt nach dem Bein eines Gegners und setzt mit einem heftigen Hieb an. Das Blut spritzt. Der Bauer zuckt zurück. Ein zweiter Hieb geht tiefer ins Fleisch. Der rote Lebenssaft fließt noch nicht erkaltet an den Händen des Magiers entlang auf den Boden. Ein dritter, ein vierter und ein fünfter Hieb. Und das Bein ist ab.
Dieses makabere Spiel schaut sich der Bauer mit aufgerissenen Augen mehrere Minuten an. Denn Berion zerlegt den ersten Leichnam mit brutaler Präzision. Sie werden filetiert, als wäre er ein Gourmetkoch. Doch es geht um die Möglichkeit, dass die Wölfe diese leicht transportieren können. Damit diese aber nicht jedesmal über den Fluss balancieren müssen, soll der Bauer die Leichenteile über diesen werfen. Erst lehnt er ab, doch der eindringlich wirkende Blick des Rudels lässt ihn das erste Teil packen. Mit großem Schwung landet es auf der anderen Seite.
Der Blutverschmierte kniet sich wieder vor den Leitwolf. Wieder liegen Stirn an Stirn. Dann schaut er ihn an und bewegt seinen Kopf mehrmals zur Seite. Die Bitte, dass die Wölfe die bereits herübergeworfenen Teile schnappen sollen. Das Zeichen, dass Berion diese dem Rudel für ihre Treue und Hilfe schenkt.

Der Karren leert sich, doch noch immer warten noch vier weitere Mönche auf ihren Abtransport.
Damit der Bauer sich für die Fahrt wieder in den Wald erholen kann, schiebt Berion den Karren zurück ins Dorf. Fürs Erste haben die Wölfe genug Fleisch, dass sie zu ihrem Nachtlager bringen müssen. Die Jagd kann in den nächsten Tagen ausfallen. Das ist auf zweilei Weise gut für das Rudel. Zum einen ist der Erfolg und die Nahrung für die nächsten Tage sichergestellt. Zum anderen ist der fehlende Druck auf die anderen Tiere im Wald vielleicht auch ein Grund, dass Rehe und andere Wildtiere, die gern geschlagen werden, sich kurzzeitig so sicher fühlen, dass die Jagd in den nächsten Wochen für die Wölfe deutlich einfacher werden kann.

Der blutige Karren, die blutverschmierten Hände des Bauern und auch Teile seiner Kleidung, vor allen Dingen aber der fast gänzlich blutverschmierte Fremde mit seiner noch feuchten Axt geben ein interessantes Bild für die zurückgebliebenen Dörfler ab, als sie zurückkehren.
Die Sonne ist bereits nahe dem Horizont als die zweite Ladung, der gestolperte Schwertträger mit den Messern im Rücken und der überraschte Gesichtslose, abtransportiert werden. Wieder teilen sich die beiden Transporteure ihre Arbeit untereinander auf.
Eine halbe Stunde dauert auch diese Fahrt mindestens. Auch dieses Mal ist die Angst der anderen dabei, den Vater des Jungen nicht mehr wiederzusehen. Nur der Junge selbst findet den Einsatz seines Om heldenhaft. Ist er auf der Allmende zu erblicken rennt er ihm entgegen. Die Wölfe folgen ihnen nicht zurück ins Dorf, wie auch schon beim ersten Mal nicht mehr.

Die dritte Fuhre, der abgeworfene und nun wieder aufgeladene Mönch, sowie jener, dessen Messer Berion in der Luft stoppen ließ, verläuft auch ohne Komplikationen.
Man merkt aber beiden Männern ihre Bereitschaft an, bis an die Grenzen ihrer Kräfte zu gehen. Offenbar sind sie davon nicht mehr weit entfernt. Immer langsamer werden die Schritte mit dem beladenen Karren. Die Allmende hinauf, den Waldweg entlang, das Abbiegen in den Wald. Vor allem aber dauert es bis in die sternenklare Nacht, bis auch endlich der letzte Leichnam in seine Einzelteile zerhackt ist. Zusammen raufen sie sich nochmal auf, um die letzten Stücke über den Fluß zu werfen.
Völlig außer Atem sacken beide auf ihren Knien zusammen. "Wir müssen hier noch heraus, bevor die Biester auftauchen.", sagt der Bauer. Doch Berion erwidert: "Die Biester haben wir für die nächsten Tage reichlich gefüttert. Schlimmere Gegner kannst du im Wald nur haben, wenn du einer Bache in den Wurf läufst oder einem ramdössigen Hirsch zur Brunftzeit."
Doch Berion pflichtet ihm bei. Denn wie er nur zu gut weiß, kann es hier verdammt kalt werden, besonders durch die aufsteigende Nässe.

Die beiden erheben sich also wieder und ziehen den Karren aus dem Dreck, zurück auf den Weg, zurück zur Allmende, zurück hinter die Hürden, zurück ins Dorf.
Der Weg fühlt sich weiter an als zuvor. Die beiden sind erschöpft. Mit letzter Kraft erreichen sie den Hof des Bauern. Der Priester sieht dem Schauspiel zu, auch der Junge wartet noch zusammen mit seiner Mutter auf den heldenhaften Vater.
Der schiebt den Karren noch auf den Hof, bricht über diesem zusammen und rutscht zur Seite ab. Direkt neben dem Holzrad setzt er sich wie ein Sack an das Gefährt und schläft ein. Der Fremde wankt ebenfalls mehr als das er geht. Er stolpert am Wagen vorbei und will sich ins nahende Heu retten, um dort einfach ins Land der Träume zu reisen. Doch es ist der Misthaufen. Erst erschreckt ihn der ungewöhnlich viel härtere Aufprall. Doch er schafft es nicht mehr davon weg und pennt auf dem Scheißhaufen einfach ein.

Wahrhafte Helden.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Fr 10. Sep 2021, 16:12

Erklärungen I

Alles voller Scheiße.
Berion wird zuallererst gerettet. Aus dem Misthaufen heraus schleppen der Priester und die Frau den stinkenden Retter des Dorfes auf den Misthaufen im Stall. Anschließend wird auch der Mann aus seiner unbequemen Position geholt. Aber auch dieser erwacht nicht. Ebenso nicht, als er mit einem kalten Lappen das Blut abgewaschen bekommt. Zusätzlich zum restlichen Arbeitstag und der Aufregung durch die Mönche und die Wölfe war die Arbeit bis in die Nacht hinein wohl deutlich zuviel für ihn.

Der Fremde ist der Retter des Dorfes.
Fast. Denn noch ist unbekannt, wie viele Mönche da oben sind, im Kloster.

Erneut erwacht Berion in einem fremden Lager.
In Stroh gebettet, nicht gereinigt, schreckt er im Stall des Bauern ohne jede Aufsicht hoch. Es braucht eine kurze Zeit, bis er zuordnen kann, wo er ist. Als er es begriffen hat, versucht er sich zu erheben. Er merkt seine Arme, seine Beine, sein Kreuz. Dann erinnert er sich an die langen Fahrten mit der Karre. An das Gewicht der Leichen. An den Bauern, der ihm geholfen hat.
Sofort stürmt er aus dem Stall auf den Hof. Der Bauer, hat er die Nacht ebenso überstanden? Der sitzt aber schon seelenruhig vor dem Hauseingang auf einem Schemel. Der Magier blickt herüber. Der Bauer scheint zu dösen. Sein Kopf ist nach hinten in den Nacken gefallen und lehnt an der Wand. Seine Arme hängen schlaff herunter. Berion hält kurz inne, bevor er sich zu ihm begibt. Auch seine Arme fühlen sich schwer an, er kann sie beim Gehen kaum schwingen. Wiederholt hat er seinem Körper zu viel zugemutet.

Er fasst dem Bauern an die Schulter.
"Bernd heißt mein Papa.", sagt der Junge. Berion schaut sich kurz um. Der Junge hat auch ihm geholfen und so bedankt sich der Magier bei diesem, da er seinen Vater angespornt hat, Hilfe zu leisten. Jetzt erwacht auch der Bauer auf seinem Schemel. Mit noch müden Augen schaut er zur Hand auf seiner Schulter. Er schnieft kurz.
Der Fremde zieht seine Hand weg. Doch er bleibt stehen. "Ich danke dir." Doch der Bauer stützt seine Hände auf den Schenkeln ab und erhebt sich. Auch er muss sein Kreuz wieder strecken. Dann geht er ein paar Schritte vom Hauseingang weg. "Selbst für einen Bauern stinkst du widerlich."
"Eine merkwürdige Antwort", denkt sich Berion. Doch brummige, unnahbar einscheinende Gestalten kennt er zur Genüge. Der Bauer, der ihm hier die kalte Schulter zeigt, ist da keine Ausnahme. Sein Ehrgefühl wurde beleidigt, durch die unvermittelte Berührung. Doch Berions Dank kommt von Herzen. Da kann es schonmal dazu kommen, dass er eine nette Geste tut. Ein freundliches Wort, ein Handschlag, ein Klopfen auf die Schulter. Der Bauer hat mit ihm den Abtransport der Leichen in den finsteren Wald vollzogen. Ohne Murren dann auch die zweite und dritte Fuhre bewältigt. Nach seiner Arbeit, nach dem Schrecken des Überfalls und dem Schrecken, den die Wölfe noch zusätzlich verbreitet haben.

Berion geht am Bauern vorbei: "Dann wasche ich mich erst."
Der Bauern muss schmunzeln. Der Fremde steht zu seinem Wort. Er verlässt den Hof. Schnurstracks geht es zum Brunnen und nach kurzem Halt wegen der noch schweren Arme, schnappt er sich den Eimer und lässt ihn herunter sausen. Dann zieht er am Seil und hebt damit den vollen Eimer in die Höhe. Mit einem beherzten Griff packt er sich diesen am hölzernen Henkel. Er dreht sich um und schaut zum Bauern und seiner Familie, die extra von ihrem Hof bis auf den Platz gekommen sind. Dann hebt er den Eimer empor und schüttet sich das kalte Nasse über den Körper. Spritzer verteilen sich am Dorfbrunnen. Das Wasser sammelt sich in den trockenen Rinnen des staubigen Bodens.
Berion beginnt sich die Haare zu waschen. Das braune Haar, etwa hängt als wilde Mähne bis zu den Schultern. Schon allein deswegen ist er ein ungewöhnlicher Anblick. Die meisten Bauern tragen kurzes Haar, sehr gerade gerade so bis zum Ohr reichend. Nur der Adel trägt langes. Aber das ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Das ein einfacher Mann wie dieser da eine volle Haarpracht trägt ist ungewöhnlich und den Bauern auch schon bei seinem Eintreffen aufgefallen. Auch dadurch hat er sich gesellschaftlich isoliert. Aus seinem Hosenbund wickelt er einige Kräuter aus. Ein rosa Gewächs, schon etwas vertrocknet und zerknittert. Mit einem losen Stein am Brunnenrand zerreibt er das Kraut vor aller Augen am Holzreifen des Eimers. Es beginnt zu schäumen und sofort reibt sich der Ungewöhnliche dieses nasse Zeug in die Haare.

Der Priester tritt wieder an ihn heran: "Was machst du hier?"
Er ist sichtlich irritiert. Während die reste des milchigweißen Schaums auf den Armen und den Schultern einreibt und einige Krümmel vom Bauch schnippt, antwortet er: "Mich waschen." Sofort hört er ein "Warum?" Auch die Antwort des Fremden lässt nicht lange auf sich warten: "Weil der Bauer gesagt, ich stinke. Vielleicht wird das Gespräch mit ihm ergiebiger, wenn ich das nicht mehr tue." Der Priester schaut hinter sich zum Bauern. Der blickt ihm in die Augen und zuckt mit den Schultern.
Gerade will der Priester wieder etwas fragen, wendet sich Berion wieder dem Eimer zu und lässt diesen wieder in den Brunnen fallen. Als er das Platschen vernimmt, beginnt er ihn wieder hochzuziehen. Diesmal den Eimer in der linken Hand haltend, gibt er zu verstehen, dass die hübsche Kleidung des Pfaffen ziemlich besprenkelt sein würde, wenn er nicht augenblicklich ein paar Schritte zurücktritt. Sofort springt der Priester zurück und der Fremde hebt den Eimer wieder über sich. Der Schwall aus Wasser ergießt sich erneut über ihn. Er trägt den angeriebene Schmutz hinfort, sodass das Wasser nach unten hin immer schmutziger wird.
Zum Glück ist bereits fortgeschrittener Morgen, sodass auch das kalte Wasser nicht lang auf der Haut friert.

"Von den Gütern der Mönche ist bereits alles verteilt."
Messer, Dolche, Schwerter, Gürtel, Kutten voller Blut. Doch die Bauern und Knechte und Mägde freuen sich über alle Habe. Noch mehr aber freuen sie sich über das Räucherfleisch, die Säckel Körner, die Nüsse und die getrockneten Beeren. Denn veräußern können sie von den anderen Sachen nichts. Hier kommt kein Händler vorbei. Es war ja schon ein reiner Glücksfall, dass Berion seinen Weg hier entlang genommen hat. In dieses Tal kommt selten jemand. Denn es gibt eine befestigtere Straße noch aus rhomäischer Zeit, die oben über den Grat führt, der ebenso dieses elende Loch hier meidet.
Das die Gegend ruhiger ist, konnte sich Berion schon denken. Denn wenn man die alten Straßen verlässt und die Waldwege durchstreift, sind andere Wegenutzer und besonders Wegelagerer selten. Eine abgeschiedene Gegend hat aber auch Nachteile. Versorgungen und Nachrichten aus anderen Teilen des Reiches gelangen in solche Dörfer viel später, wenn sie überhaupt hier ankommen. Und Fremde sind noch unwillkommener, da sie eine Unterbrechung der sonstigen ungestörten Alltags sind.

Er bekommt von den Rationen der Mönche nichts mehr ab, denn die hungrigen Mäuler des Dorfes haben bereits alles aufgegessen.
Berion kann es ihnen nicht verdenken. Seit die Mönche die Gegend unsicher machen und dieses Dorf und die anderen Siedlungen unterdrücken, ist sicher nicht viel von der Ernte übrig, wenn Wind, Wetter und Schädlingsbefall überhaupt etwas stehen lassen.
Bei den ausgemergelten Gestalten ist es überhaupt ein Ding, dass ihm der eine Bauer beim Abtransport der Leichen helfen konnte.
Da diese gefälschten Mönche aber auch durch die Wälder streifen, können die Bauern nicht einfach im Wald nach Wild oder Beeren suchen. Sie können nicht, wie Berion es gemacht hat, die Natur sie ernähren lassen. Außerdem sind die deutlich zahlreicher als er allein. Sie benötigen daher auch deutlich mehr Speis und Trank.

Vom Fremden tropft es noch, auch die Leinenhose ist klitschnass.
Er tritt etwas näher an den Priester heran: "Wir sollten mal ein Gespräch unter vier Augen führen. Ich will nicht das ganze Dorf verunsichern. Ich bin heute Abend wieder da."
Mit diesen Worten wendet er sich um. Ohne sich noch einmal umzudrehen geht er einfach den bekannten Weg die Allmende hinauf. Von einem Racheakt der Mönche aus dem Kloster geht er nicht aus. Zu hoch sind die Verluste, selbst wenn es noch deutlich mehr Leute im Kloster sind. Da ein Kloster in dieser abgeschiedenen Gegend, mit diesen kleinen Dörfern als Unterhalt auskommen muss, so kann es keine Hunderschaften fassen. Hinter sich hört er die Bauern noch Fragen: "Will er denn wieder zu den Wölfen?"
Doch Berion hat einfach Hunger. Er weiß nun aber auch, wo er etwas zu essen finden wird und sucht diese Stelle erneut auf.

Die Stunden vergehen.
Die Sonne steigt. Die Sonne erreicht ihren Zenit. Die Sonne sinkt wieder.
Noch bevor sie aber den Horizont erreicht, ist Berion zurück.

Ohne sich umzuschauen, geht er an den Höfen vorbei.
Sein wildes Haar schwingt durch seinen energischen Gang auf und ab. Sein Ziel scheint er zu kennen. Kurz blickt er noch einmal beim Hof des Bauern und seiner Familie rein. Die Tür zum Hof ist nicht abgeschlossen und so betritt er dessen Grundstück. Er geht zuerst zum Jungen und öffnet eine Beutel, den er auf dem Rücken hatte. "Hier für dich. Du kannst aber auch mit allen teilen.", sagt er und übergibt ihn diesen Beutel. Darin befinden sich mehrere Pfund Früchte und Rüben.
Dann geht er zum Bauern und ergreift seine Hand: "Ohne dich hätte ich es nicht geschafft." Der ist verdutzt und schaut den großen Beutel an: "Woher hast du den?"
"Eine Patrouille scheint trotzdem im Wald unterwegs zu sein. Als ich den Ort verließ, kam ich nach einiger Zeit an einer Weggabelung an. Auf dem Weg, den ich nicht gegangen war, kam ein Mönch daher. Er hatte ein gezücktes Messer und schien mich gehört zu haben. Doch ich konnte mich schnell zwischen den Steinen nahe der Gabelung verstecken. Er trug einen leeren Leinensack. Doch ich musste ihn verfolgen, nachdem ich ihn entwaffnet habe. Er rannte durch den Wald und fiel dann von einer Klippe. Als ich nach dem Leinensack griff, um ihn vor dem Sturz zu bewahren, sind die Träger gerissen und ich hatte nur noch den Sack in der Hand. Das Messer habe ich nicht mehr gefunden."
Der Bauer grübelt kurz: "Das wird wohl der nächste Eintreiber gewesen sein. Der hätte wohl wieder das Getreide oder so holen sollen." Auch Berion überlegt: "Warum dann aber einer allein, der einen Sack mit sich herumträgt? Holen die das tatsächlich immer in so kleinen Mengen? Und sollte das Fehlen mehrerer Mönche nicht vorsichtig machen?"

"Sollte es?"
Der Priester schaltet sich in die Gesprächsrunde ein. Er schaut misstrauisch den Fremden an: "Du solltest mir sicher einiges erklären." Dann dreht er sich um, wendet seinen Blick aber erst nicht von seinem Gesprächspartner ab. Berion kennt diesen Blick. Irgendwie kommt dieser dem Priester verdächtig vor. Ob er etwas von seinen ungewöhnlichen Fähigkeiten bemerkt hat?

Der Bauer ist auch verwirrt: "So merkwürdig benimmt er sich sonst nicht. Du solltest ihm nachgehen. Er möchte sicher mit dir sprechen."
Das denkt der Fremde auch. Er verabschiedet sich daher von seinem Helfer, dessen Frau und dessen Sohn. Dann folgt er dem Priester, der auf seinen Kirchenhof zugeht. Er stellt sich an die Pforten des Hofs und scheint auf den Mann zu warten. Dieser ist ebenfalls unterwegs, nicht jedoch geduckt, wie ein Junge, der etwas verbrochen hat, wohl aber geht er bereits Teile eines möglichen Dialoges im Kopf durch. Wonach wird der Pfaffe fragen? Was weiß er? Was erahnt er? Berion will nicht durch Fragen in die Ecke gedrängt werden und dann etwas äußern, was vielleicht anderen Angst einjagen könnte. Dann wäre er geächtet und würde aus dem Dorf vertrieben werden. Das würde es ungleich schwerer machen, an seine Sachen heran zukommen, die noch immer unter Verschluss im Kloster sind. Von diesem weiß er aktuell nicht einmal, wo sich dieses befindet.
Als er den Pfarrer passiert, schließt der hinter sich die Tore und schiebt den Riegel vor. Berion vermutet, dass er wohl erst einmal hören will, was dieser zu sagen hat. So kann er es selbst einordnen. Das beugt Lynchjustiz vor. Diese Denkweise gefällt dem Magier.

Mit einer Handbewegung weist ihm der Priester in die Kirche zu gehen. Und auch dies macht der junge Mann ohne Widerworte. Auch diese Tür wird nach dem Eintritt der beiden geschlossen. Draußen wird man sich Fragen stellen. Das Verhalten des Klerikers ist sicher sonderbar. Normalerweise spricht er höchstens mit dem Vikar oder einem Fürsten oder Grafen, einem Grundherrn in der Abgeschiedenheit. Die meisten anderen Dinge betreffen immer das Dorf und daher wird nichts hinter verschlossenen Toren besprochen.

Der Priester setzt sich auf eine Bank, gefolgt von den Blicken des Magiers. Dieser will sich noch nicht setzen. Offenbar ist eine gewisse Nervosität vorhanden.
"Sprich!", fordert ihn der Geistliche auf.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Mi 15. Sep 2021, 23:19

Erklärungen II

Berion spitzt die Lippen.
"Sprich endlich!", fordert der Priester abermals auf.

"Über welchen Umstand genau?", fragt Berion ihn, wohlwissend, dass ihm sicher mehrere Dinge suspekt vorkommen.
Zuerst interessiert den Pfaffen, warum der Fremde in so kurzer Zeit genesen ist.

Der Magier setzt sich nun doch: "Dafür muss ich etwas ausholen." Der Priester setzt sich gegenüber auf eine herbeigeschobene Wand und signalisiert Interesse.

Und so beginnt er zu erzählen:

"Ich war einmal Klosterschüler. Keiner von den reichen Schnöseln. Keiner, der hätte auch Ritter werden können, es aber nicht wurde, weil er nicht der älteste oder zweitälteste war. Ich wurde von meiner Familie als Bündel vor einem Klostertor abgegeben. Ich wurde hart behandelt. Zu hart für eine Kinderseele. Ich bin mehrfach weggelaufen. Dabei habe ich eines Tages in einem Wald einen Fremden getroffen. Er war weder bärtig noch alt. Er war kein Kauz und auch nicht verschroben. Er schichtete gerade Holz auf und nachdem er sich umgeschaut hat, hat er es mit ausgestrecktem Arm einfach entzündet. Keine Steine, die Funken schlagen, keine Hölzer die Glut erzeugen. Es war sofort an.
Ich muss mich leider irgendwie bemerkbar gemacht haben, denn kurz darauf war ich sein Gefangener. Als er sah, dass ich nur ein kleines Kind war, jünger als der Junge in eurem Dorf, hat er von mir gelassen und mir gesagt, ich solle verschwinden. Ich ging kurz weg, zögerte und blieb dann doch bei ihm. Mir war egal, ob man mich suchte. Ich fühlte mich bei ihm sicher. Er teilte sein Essen mit mir und ich durfte bleiben. Ich fragte ihn immer wieder, ob er mir zeigt, wie er das gemacht hat mit dem Feuer. Er lehnte ab, doch eines Tages war er doch bereit es mir beizubringen.
Ich lernte schnell. Doch eines Morgens war er einfach verschwunden. Am Vorabend sagte er noch, ich solle lieber wieder zurückkehren, wo ich hergekommen bin. Das habe ich dann auch gemacht. Ich denke, dass war die schlimmste Trachtprügel, die ich je von den Mönchen erhalten habe. Noch dazu Strafen, wie den Hof zu fegen, mehrere Tage nichts zu Essen zu bekommen oder immer den Tisch der abzuräumen. Zusätzlich zu den sonstigen Aufgaben. Mit Laienbrüdern verfahren sie wie mit Knechten.
Ich ertrug es, zu meinem Erstaunen, denn ich wusste, ich habe eine besondere Gabe erhalten. Der Moment meines Erwachens war da. Ich wurde ein Magier.

Ich begann meine Lehrer zu ärgern, meine Schüler anzustacheln und für Unruhe zu sorgen. Dann kam ein Abt mit Mönchen aus einem anderen Kloster. Sie waren anders gekleidet, als unsere Mönche. Und sie haben sich fähige Leute gesucht, die bei ihnen ein Viertel Jahr in die Lehre gingen. Dann musste man wieder zurück. Das wiederholte sich mehrmals. Doch jedesmal passierten dort schreckliche Dinge. In den späteren Jahren meiner Ausbildung wurden leider auch die Menschen in meinen ursprünglichen Kloster in Mitleidenschaft gezogen. Mein stiefbrüderlicher, miesepetriger, aber trotzdem schützenswerter Zimmergeselle wurde durch einen Fluch fast getötet.
Ich wollte dem ein Ende machen und stellte mich dem Abt, dem Kloster und seinen Feinden. Unter großen Verlusten haben wir den Ausgang für uns bestimmen können. Doch ich schwor mir, Magie nicht mehr leichtfertig zu verwenden. Vielleicht gibt mir das einen Nachteil, da ich es dann nicht so oft üben kann, wie ich es sollte, um wirklich gut zu werden. Aber ich will meiner Hände Arbeit sehen. Ich verbinde in meinen Schlägereien beide Aspekte und bin damit gut gefahren. Ich erarbeite mir damit einen kleinen Vorteil, der meist ausreicht, um selbst mehrere Gegner zu stellen.
Das alles kommt aber nicht ohne Kosten. Je häufiger ich einen Zauber ausführe, desto weniger Kraft benötigt er beim nächsten Mal.

Ich bin mir sicher, dass du mich angesprochen hast, weil du meine Wunden auf dem Rücken vermisst. Das ist nichts was ich nun noch verstecken kann. Und auch die Leute hier aus dem Dorf, werden sich ihre Gedanken darüber machen. Das ist der Grund, warum dir das alles erzähle. Du würdest sonst kein einziges Wort von mir erfahren. Ein weiterer Grund ist, dass ich an meine Sachen herankommen muss. Vielleicht könnte ich auch allein, das Kloster finden, diese falschen Mönche zur Strecke bringen und mein Hab und Gut wieder ergattern. Aber ich bin weder vollständig genesen, noch werde ich auf kurze Sicht bei euch genug Nahrung erhalten, so dass ich schnell wieder zur vollen Kraft gelange.
Ich kann die Leute aus dem Dorf gebrauchen. Wenn sie aber erfahren, was ich alles kann, werden sie nicht mit mir gehen. Denn Magier sind, wie du sicher weißt, nicht gerade sehr angesehen."

Der Priester sitzt schweigend da.
Er hat die Augen etwas zusammengekniffen und scheint zu überlegen.
"Wie hast du das gemacht? Mit deinem Rücken meine ich?"

"Dein schimmeliges Brot, Wasser und Rinde." - "Und?"

"Nenne es dämonisch. Auch wenn ich überzeugt bin, dass es das nicht ist."

Die beiden schweigen sich kurz an.
Dann eröffnet der Pfaffe wieder das Gespräch: "Du sagtest, du verwendest es im Kampf, um dir einen kleinen Vorteil zu verschaffen. War das bei den Mönchen draußen auch der Fall?"
Der Fremde lächelt: "Nicht nur bei denen. Die beiden Mönche hier drinnen, am Tage meines Ausbruchs aus dem Keller haben ebenfalls davon kosten dürfen. Den ersten habe ich einfach von den Füßen gezogen geholt, so dass er stürzte. Doch dem zweiten habe ich Staub in die Augen geschossen. Denn aus dem Winkel, in dem ich beim Angriff stand - unter dem Gegner in dem Loch - hätte ich dies durch Pusten nicht geschafft."
Der Priester ist verwundert: "Dies hat dir bereits vollkommen ausgereicht?"

Berion lächelt: "Bei den beiden hat das vollkommen ausgereicht. Nicht mehr als dieser Staub. Doch bei den sechs Mönchen, die daraufhin im Dorf auftauchten, brauchte ich mehr Raffinesse. Den Messerwerfer, den ihr vielleicht noch nicht einmal von euch bemerkt wurde, der aber ungebetene Gäste abweisen sollte, ist durch seine eigene Messer krepiert. Mit dem Leitwolf habe ich beim ersten Einsatz in seiner Sprache gesprochen, damit unser Überraschungsmoment ja nicht fehlschlägt. Den Mönch mit dem Schlagring, haben wir allein mit der Finte geschlagen, dass ich ihn vom Wolf ablenkte. Dem Schwertträger dagegen wurde der Boden unter den Füßen geraubt, so dass er stürzen musste. Auch die scharf geschossenen Messer waren nicht allein einem guten Wurfarm geschuldet. Die Wölfe warne nicht gelenkt. Sie haben lediglich verstanden, um was es ging. Sie waren fokusiert auf die drei gefälschten Mönche. Das die Bauern ihre Kameraden holten war ihnen zwar nicht egal, aber doch für den Moment nicht wichtig. Wie es scheint, war auf beiden Seiten ein Vertrauen mir gegenüber da. Die Bauern vertrauten darauf, dass ich die Wölfe zurückhalte und die Wölfe vertrauten darauf, dass ich ihnen schon zeigte, wer der Feind war und vor wem sie nicht zurückweichen mussten. Der Knüppelträger war zu behäbig und hat deswegen sein Leben verloren. Da war nichts weiter im Spiel. Die Dolche des vorletzten Angreifers wiederum habe ich durch Magie auf den Knüppel zuschnellen lassen, sodass dieser seine Deckung verlor und auch der letzte starb durch geschickte Kombination, ungeschickt ausgeführt."

Berion schaut den Priester nach diesem Gespräch an, dass sich für ihn wie ein Geständnis anfühlt.
Obwohl er weiß, dass er nichts falsch gemacht hat, fühlt er sich verurteilt. Der Priester seinerseits schaut zu ihm zurück. Eine Zeit lang, kann er seinen Blick nicht von ihm abwenden. Nach einem kurzen Moment, wo verschiedene Gesichtsausdrücke sich in Berions Gegenüber wiederspiegeln - erst Nachdenklichkeit, dann Verwirrtheit, dann Unverständnis, dann eine Form des Anstosses - steht er auf und muss erst ein Stück gehen. Er dreht sich von dem Fremden weg, hält sich mit der einen Hand den Kopf, die andere stemmt er in seine Hüfte. Er schaut kurz zurück zu ihm, dreht sich dann aber wieder um.
Berion kann sich vorstellen, was in diesem nun vorgeht. Es war für den Priester offenbar zu sehen, dass Dinge im Kampf für den Magier zu glatt liefen. Die Erklärungen passen in dieses Bild. Dem Mann Gottes wird nun bewusst, dass dieser Retter, so er ihn denn noch so sieht, zumindest nicht gelogen hat. Er hat ihm alles erzählt. Es gab keinen Punkt zu glauben, dass er ihm irgendetwas vorenthalten hat. Ohne Druck, lediglich aufgrund einer einfachen Aufforderung.
Doch kann dieser Mann ein Freund sein, wenn er sich mit Magie einlässt? Ist er nicht ein Feind Gottes, der Magie verurteilt? Man kann den inneren Konflikt des Priesters geradezu spüren. Der Fremde hat sie vor den Mönchen beschützt. Er hat nicht Hilfe gebracht, er hat sie selbst besiegt. Wie kann etwas Böses wie Magie so etwas Gutes tun? In seinem Kopf kreisen die Gedanken. Ist dies alles ein fieser Trick Satans, um die Dorfbewohner zu einer schlimmen Tat zu verleiten? Die Bedrohung durch die Unterdrücker ist real und sie hält nun schon eine lange Zeit an. Plant Satan soweit im Vorraus?

Berion unterbricht den Priester.
"Wenn du es möchtest, werde ich sofort den Ort verlassen und mir selbst einen Weg suchen, wie ich an meine Sachen in diesem Kloster herankomme. Ich werde es finden. Es muss ja an einem Weg liegen. Ich werde da irgendwie reinkommen und sehr wahrscheinlich auch lebend wieder heraus."

Der Pfarrer schaut ihn mit großen Augen an.
Ist das ein Trick, um ihn dazu zubringen, durch Mitgefühl und Pflichtgefühl, ihn zu begleiten?

Der Priester geht in die Hocke, greift sich an den Kopf.
Was soll er jetzt tun? Seine Augen wandern über den staubigen Boden.

Dann ein entschlossener Blick.
"Du hast uns geholfen. Du hast mich zweimal bereits gerettet. Das ist alles, was im Moment zählt."
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Mi 27. Okt 2021, 16:45

Die Helfer

"Ich werde dich nicht überzeugen können."
Der Priester schaut wieder verwirrt. "Ich werde dich nicht überzeugen können, dass ich dir und deinen Mitmenschen nichts Böses will. Vielleicht vertraust du mir im Moment. Doch jede nächste Aktion, kann dieses Vertrauen zerstören. Ich habe ständig diesen Druck, sobald ich irgendwo anfange hineinzuwachsen. Ich bleibe der Fremde und ich kann jederzeit verstoßen werden."
Der Geistliche steht langsam auf: "Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass jemand, der uns hilft, nicht schlecht sein kann. Der Teufel würde das Böse nicht besiegen, er würde es nähren. Doch ich werde deine Fähigkeiten vielleicht nicht lange vor der Gemeinde geheimhalten können." Berion versteht den Wink: "Sobald ich meinen Kram habe, bin ich hier weg. Ob ihr meiner gedenkt oder mich verdammt, ist mir egal. Ich habe eine Botschaft zu überbringen und diese liegt jetzt bei diesen falschen Hunden hinter den Mauern eines Gotteshauses."
Er stellt ganz deutlich klar, dass es ihm nicht um das Dorf im Allgemeinen geht, es aber nebenher frei von seiner desolaten Zwangslage ist, wenn er es geschafft, seine Sachen wieder einzusammeln. Er schützt das Dorf auch durch seine anschließende Abwesenheit. Er ist nicht gekommen, um zu bleiben und schon gar nicht um bedient zu werden.

"Ich habe dieses Dorf als Nachtlager aufgesucht und ich bin jetzt schon länger hier, als ich wollte. Doch die Umstände sind nun einmal so, wie sie sind. Und jetzt werden wir das Beste daraus machen."

In dem Moment wirft ihm der Pfaffe eine der braunen Kutten zu, die diese Mönche tragen: "Eine konnte ich retten. Du kannst ja nicht den ganzen Tag und die ganze Nacht ohne Oberbekleidung herumlaufen." Berion zieht sich die Kutte aus dem Gesicht. Sie hat ihn abgedeckt. Er hält sie vor sich. Der Träger war ungefähr so groß wie er. Aber diese Kutten sind oft keine sonderlich angepassten Modelle. Sie werden in einer fast einheitlichen Größe gewebt und vernäht. Dies gibt ein interessantes Bild, wenn eine Kutte an einen neuen Träger weitergegeben wird, dieser neue Träger aber nicht dem gewöhnlichen Maß entspricht. Im Laufe seiner Zeit als Novize bekommt er dann zwar sein eigenens Gewand, bis dahin muss er aber entweder den unterem Saum der Kutte selbst provisorisch umnähen, sollte er kleiner sein, oder er muss damit zurechtkommen, dass das Gewand gerade bis an die Wade reicht und nicht bis kurz über den Boden, wenn er größer ist, als das normale Maß.
Berion wirft sich das zugeworfene Stück über. Er kennt diese Kutten. Der große Orden der Benediktiner trägt die braunen Kutten in Ablehnung an die bunten Farben des viel zu weltlichen Adels. Es soll ihre Abkehr von der satanischen Welt, die mit Krieg und Gier durchsetzt ist, auch nach außen darstellen. Es ist jene Kutte, die der Dolchträger getragen hat, jener den er mit dem Schwert in der Seite getroffen hat. Ein großes Loch ist an dieser Stelle. Aber es ist in der Tat besser, als den Oberkörper frei zu haben. Noch einmal durchgefroren zusammen zu brechen, hat er jedenfalls nicht vor.

Berion legt sich auf die Bank und wendet seinen Blick noch einmal zum Priester: "Hast du die Möglichkeit, mir zwei Bauern zur Verfügung zu stellen, die mir in dieser Nacht zeigen, wo dieses verdammte Kloster liegt? Das würde mir schon reichen." Der Priester hebt kurz die Augenbraue, ob der Verwendung des verfluchten Wortes in Verbindung mit einem Haus Gottes in einem Haus Gottes. Dann schließt der Fremde die Augen: "Ich hoffe, dieses Mal kann ich hier schlafen, ohne unsanft geweckt zu werden."

Die Sonne verschwindet hinter dem Wald und den Hügelketten der Umgebung. Die Nacht bricht herein.
Etwas unruhig und mit gequetschen Augen liegt der Magier auf der Bank. Der Priester beobachtet ihn eine Zeit lang. Er scheint etwas vor sich hin zu murmeln. Spielt er im Kopf alle Kampfhandlungen noch einmal nach? Ist es etwas tiefer liegendes, eine unaufgearbeitete Sache aus vergangenen Zeiten? Hat es damit zu tun, dass er durch die Erzählung seiner Kindheit es selbst wieder hervorgekramt hat? Der Pfaffe weiß es nicht.

Die Sterne erwachen am Nachthimmel.
Als der Fremde die Augen öffnet, stehen da tatsächlich zwei Bauern. Sie schauen ihn etwas gelangweilt an. Wie lange sie wohl schon hier stehen und warten, dass er aus seinem Traum entsteigt? Den einen kennt er von den Leichentransporten schon etwas besser. Der andere scheint derjenige zu sein, der dem Pfaffen bei den Bandagen geholfen hat. Er kann sich schon denken, warum es gerade diese beiden sind. Doch der Priester bestätigt ihm das auf seinen skeptischen Blick hin. Diese beiden haben, neben dem Priester die meiste Zeit mit ihm verbracht. "Ich vertraue diesem hier. Er heißt Bernd.", sagt der Priester. "Ist das jener, der mit dir die Bandagen an mir gewickelt hat?" Der Geistliche bejaht. Den anderen grüßt Berion nur kurz.
Er erhebt sich und hievt sich empor: "Ihr wisst, was ich vor habe?" Der eine Schüttelt den Kopf, der andere nickt. Das verwirrt den Mann und er schaut ebenso drein, als er den Priester anblickt. Also wiederholt er auch diesen beiden gegenüber, warum er nach zwei Bauern gefragt hat. Und was sie für ihn tun können. Erst sind beide nicht sonderlich begeistert. Sie rücken auch nicht mit der Sprache heraus, warum. "Habt ihr Angst erwischt zu werden?" - "Nein, ... ja. Aber, das ist es nicht." Er schaut zum Priester hinüber: "Was wissen die?" - "Ich habe nichts verraten, aber sie sind Menschen, denen Gott in seiner großen Gnade ein Denkvermögen geschenkt hat. Frage sie und du wirst es erfahren." Also blickt er doch noch einmal zu den Bauern. Die wiederum schauen ihn skeptisch an. Er ahnt, dass es um dieses plötzliche Wunder geht, dass er wieder gesund ist und dass er in dieser neu gewonnenen Kraft, ein halbes Dutzend Räuber in ihren braunen Kutten sehr souverän geschlagen hat. Vielleicht geht es auch um die brutalen Methoden, dass er nicht vor Mord an Mönchen zurückschreckt.

Er zuckt kurz mit den Schultern, schaut sie erwartungsvoll an.
Dann schaut er kurz zu Boden. Er erhebt seine Stimme: "Ist es wichtig, wie ich es fertig gebracht habe? Wie ich wieder in diesen Zustand versetzt wurde? Und wie ich die Kraft aufbrachte, mich so vielen Gegnern zu stellen und zu obsiegen?" Der Bauer, der mit ihm die Leichen in den Wald gebracht hat, bejaht das: "Es ist wichtig. Wir wollen wissen, ob du ein Dämon bist oder ein Heiliger." Berion schaut ihn an, wechselt kurz zum anderen Bauern, dann zum Priester. Dann wendet er seine Augen zurück zum fragenden, behält den Kopf aber Richtung Priester: "Weder, noch. Aber ich stimme euch zu, dass es nicht mit einer guten Heilung allein getan ist." Er erwähnt sein Frieren im Wald, seine Kuscheln mit den Wölfen und sein Heißhunger nach Beeren, Wurzeln und Rüben danach. Doch das scheint ihnen nicht zu reichen. "Damit erklärst du uns, wie du wieder zu Kräften gekommen bist. Aber es fehlt dieser Punkt davor, wo deine Wunden verschwinden. Da du sehr freizügig am Brunnen gebadet hast, sah jeder diese Veränderung.", erklärt mit forderndem Unterton Bernd.
Sehr wahr gesprochen. Das muss auch Berion anerkennen. Es war leichtsinnig sich mit freiem Oberkörper zu zeigen. Doch in diesem Moment hat er nicht darüber nachgedacht. Das bestätigt seine Aussage, dass er nirgendwo hineinpasst und jeden Schritt bedenken muss. Er versucht noch zu realisieren, warum ihm dieser grobe Fehler unterlaufen ist. War es die Euphorie über den Sieg? War es die hilfsbereite Dorfgemeinschaft, die ihn hier in der Kirche schlafen ließ, aber auch in der Scheune des Bauern? Hat er für diese Momente seine Deckung fallen lassen, weil er sich zum ersten Mal seit langem in einer Menschensiedlung sicher fühlt?

Er kommt wieder aus seinen Gedanken.
"Ich werde euch nicht zeigen, wie ich dieses Ding bewerkstelligt habe. Es kostet viel Kraft und ist im Augenblick unnötig." Darauf schaut ihn der Pfaffe mit verschränkten Armen an: "Also auch einer wie du, hat diese Gabe nicht zur freien Verfügung." - "Einer wie ich?" Der Pfaffe schaut ihn prüfend an. Berion nickt. Für den Pfaffen ist das ein Signal: "Der Mann hier vor euch", er blickt dabei auf die beiden Bauern: "ist ein Mann der magischen Künste."
Nun beäugen ihn alle drei sehr kritisch. Der Priester wusste darüber ja bereits bescheid, aber Berion ist verwundert, warum die beiden Bauern nicht zurückschrecken. Wenigstens ein bisschen. Doch die antworten ziemlich gefasst: "Sowas hatten wir uns schon gedacht. Das geht ja auch nicht mit rechten Dingen zu, wenn einer nach einer solchen Schinderei und den heftigen Peitschenhieben erst gar nicht heilen will, dann aber plötzlich ohne Wunden dasteht." Der andere konsterniert: "Also bist du definitiv kein Heiliger." Berion schaut ihn an, erst bedächigt, dann muss er kurz schmunzeln. "Nein, heilig bin ich nun wirklich nicht. Aber ich bin auch kein Dämon." - "Stehst du mit ihnen im Bunde?" - "Das kommt darauf an, was du darunter verstehst."
Jetzt aber reißen sie tatsächlich ihre Augen auf und nehmen etwas Abstand.
Wie kann er diese Frage nur so beantworten? Weiß er nicht, in welchem Haus er steht? Auch der Geistliche packt sein kleines Holzkreuz, dass er als Anhänger an einer dünnen Lederschnur um den Hals trägt.
"Zuckt doch nicht zurück. Oder hat euch der Mut verlassen? Ich habe nicht ja gesagt, weil ich weiß, dass ihr damit etwas anderes meint als ich. Und ich habe nicht nein gesagt, aus dem gleichen Grund. Ja, ich kenne Dämonen. Ja, ich habe mit ihnen zu tun. Ja, einige sind meine Kampfgefährten. Aber ihr versteht ihre Natur nicht. Also nehmt ihr an, dass es sich so verhält, wie ihr es ausmalt."
Er bemerkt ihre Blicke, die durch den Raum springen. Er weiß, was das zu bedeuten hat. Sie vermuten die Dämonen im Reich der Schatten. Als etwas, dass sich an Menschen anheftet oder in seine Seele bohrt. Berion hat diese Wesen aber als ganz normale Körper kennengelernt. Wesen, wie die Bauern sie sind, wie der Priester es ist, wie er es ist. Also erklärt er ihnen ihre Natur: "Sie essen, sie trinken. Sie schlafen, sie wachen. Sie kämpfen, sie lieben. Sie unterscheiden sich nicht derart gewaltig von uns, wie ihr das gelernt habt. Man kann sie anfassen. Man kann sie töten. Man kann sie beschenken. Man kann sie bestehlen. Ich bin mit diesen im Bunde."
Der Atem der drei stockt noch immer. Also wird er ausführlicher: "Sie senden Menschen wie mich aus, um Nachrichten von einem Teil des Reiches in einen anderen Teil zu überbringen. Sie besitzen mich nicht. Sie machen mich nicht besessen. Ich bin frei, für sie zu arbeiten. Wie ich auch frei bin, für jeden anderen Arbeitgeber zu arbeiten. Das meine ich damit, wenn ich sage: 'Ich bin mit ihnen im Bunde.' Es hat keinerlei spirituellen Überbau. Es ist einfach eine Geschäftsangelegenheit. Ich vollbringe einen Dienst und werde dafür bezahlt oder bekomme frei Kost oder eine Ausbildung für eine neuen Trick, einen neuen Zauber. Ich muss mir dennoch alles selbst erarbeiten. Ich bekomme nicht die Hand aufgelegt und kann fliegen. Ich bekomme nicht die Hand aufgelegt und bin wieder von allen Leiden geheilt. Ich bekomme nicht die Hand aufgelegt und beherrsche plötzlich etwas, das ich zuvor nicht konnte. Es ist nicht anders als das Knüpfen von Netzen. Damit man es kann, muss es einem einer beibringen. Üben muss man es selbst und knüpfen am Ende auch. Stehe ich mit ihnen im Bunde? So ihr nun meine Erklärung habt: Ja."

Der Fremde, der jetzt umso gefährlicher auf die anderen wirkt, geht ein paar Schritte von ihnen weg zum Altar.
"Da mir vieles möglich ist, aber nicht alles, habt ihr dennoch die Güte, mir zu zeigen, wo dieses Kloster ist?"

Der Priester ist der erste, der wieder die Beherrschung erlangt.
Er geht ein paar Schritte auf den Fremden zu: "Ist einer von ihnen hier?" Der Magier schaut ihn ungläubig an: "Ich habe dir gerade erklärt, dass es keine geisterhaften Wesen sind. Siehst du hier drinnen einen?"
Bernd setzt nach: "Sind wir des Teufels, wenn wir dir helfen?" Berion verneint diese Frage, denn er erklärte ja auch, dass er selbst auch frei in seinen Entscheidungen ist, sich für einen Aufgabe in den Dienst zu stellen oder nicht. Ebenso, dass er danach wieder frei ist, in den Dienst eines anderen zu gehen oder keine Aufgabe anzunehmen. "Ich bin freier, als ihr es gerade seit. Die Schweine, die euch vom Kloster aus kontrollieren und behandeln, als während ihr deren Vieh, sind nicht zu vergleichen mit den Leuten, für die ich meine Leistung erbringe."
Er dreht sich wieder zum Altar und rückt eine der geneigten Kerzen gerade: "Ich kann verstehen, wenn ihr mich aus dem Dorf jagen wollt. Ich kann noch mehr verstehen, wenn ihr mich helfen wollt." Doch dann steigt auch der andere Bauer wieder in das Gespräch mit ein: "Ich habe mit dir die toten Mönche ... oder was auch immer das für Kerle waren ... in den Wald gekarrt und mich dabei total verausgabt. Wenn wir dich jetzt einfach wegschicken, haben wir den Rest dieser Bande am Hals. Und ich nehme mal an, dass sie sehr genau nachfragen werden, was mit ihren Kumpanen passiert ist. Wenn du verstehst, was ich meine. Wenn du einer der Verfluchten bist, so ist das dein Schicksal. Jetzt aber, wo diese Mönche dich drangsaliert haben, in unserem Dorf, sind wir alle im gleichen Boot." Der Bauer Bernd stimmt zu: "Wenn wir zusammen arbeiten können, um diese Plage zu beseitigen, das kleinere Übel also nutzen, um das größere zu lösen, dann ist es vielleicht deine Bestimmung, hier entlang gekommen zu sein. Gott kann auch jene nutzen, die nicht seinen Willen tun, damit sie durch seinen Einfluss doch seinen Willen tun."

Berion freut sich über die Unterstützung.
Er ist aber auch heilfroh, dass er mit dem Rücken zu ihnen steht. Er hat den Glauben an Gott verloren und das er nun ein von ihm gesendeter Retter sein soll, kann er nur mit Humor nehmen. Seinen Unglauben kann er ihnen jetzt aber nicht auch noch aufbürden. Und so entschließt er sich, ihnen nichts über seine Religionslosigkeit zu sagen.

Doch er hat sie jetzt zugesichert bekommen, die Unterstützung, die er braucht, um das Kloster zu finden. Ob sie ihm auch helfen, die falschen Mönche zu überwältigen, ist ihm zweitrangig. Aber es würde ihn freuen.
Berion nickt zustimmend und mit einem siegessicheren Lächeln auf den Lippen. Er dreht sich um und schaut seine Eingeweihten an: "Dann lasst uns mit der Tat beginnen."
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Berions Reisen

Beitragvon almafan » Mo 8. Nov 2021, 17:25

Der Weg

Da die Nacht bereits hereingebrochen ist, möchte Berion auch sogleich aufbrechen.
Die Bedenken um wilde Tiere zerstreut er recht rasch. Immerhin möchte er gern, dass man sich möglichst unbemerkt an das Kloster heranwagen kann.
"Wenn ihr tatsächlich Angst habt, kann ich euch ja auch gern an der nächsten Kurve verlassen und ihr müsst allein im Dunkeln den Weg Heim finden. Das wird euch den Mut stärken, wenn ihr es endlich geschafft hat. Zuvor wird es ihn euch nehmen. Denn der Wald ist auch in der Nacht nicht so schrecklich, wie ihr denkt."
Darauf antwortet aber der Priester: "Wenn es nicht so schlimm ist, warum bist du dann nicht Nachts im Wald geblieben? Warum hast du dir eine Bleibe in der Kirche gesucht?" - "Überlege Pfaffe, was für ein Wetter an jenem Abend herrschte. Ich würde bei dem brausenden Sturm, der da anrollte, nicht einmal meinen Hund vor die Tür schicken. Warum sollte ich dann nicht selbst auch eine trockene Unterkunft suchen?"

Die Bauern lenken das Gespräch aber wieder auf die Nacht.
Wenn sie selbst kaum etwas sehen können, brauchen sie Fackeln. Der eine macht klar, dass die Besorgung einer solchen kein Problem darstellt, aber man damit ja genau den Vorteil aufgibt, den man in der Nacht ja haben wollte. Man kann nicht mehr so gut verstecken. Dem Magier gefällt, wie hier mitgedacht wird, aber stellt auch eine pfiffige Frage: "Was erwartet ihr denn in der Nacht zu sehen? Fürchtet ihr die Dunkelheit?"
Die Frage wird Unverständnis aus, also hakt der Priester ein: "Allein der Umstand, dass man eben deutlich schlechter sieht, macht die Nacht gefährlicher. Wer einen Angriff nicht kommen sieht, kann sich nicht verteidigen. Und es ist dabei, das wirst du sicher wissen, nicht relevant, ob es ein Räuber ist oder ein Wolf." Darauf entgegnet Berion: "Du warst noch nicht oft in der Nacht unterwegs, oder? Du siehst in der Nacht keine Räuber. Aus zweilerei Gründen." Man hört ihn nun gespannt zu. "Erstens: Auch diese sehen bei Nacht nicht besser als andere. Und auch diese haben den Nachteil, dass sie leicht entdeckt werden, wenn sie ein Feuer entzünden. Sie geben den Vorteil einer Tarnung weg für eine bessere Sicht. Der zweite Grund hat damit zu tun, dass du und du und du nicht im Finsteren im Wald spazieren geht." Er zeigt dabei abwechselnd auf die drei. "Wenn niemand in den Wald geht, den man ausrauben kann, so wartet dort auch kein Räuber, der einen ausraubt. Das wird unser Vorteil sein, selbst wenn wir in einer Gegend umherstreifen würden, wo es Wegelagerer gäbe. Aber die gibt es hier nicht. Wir werden aber aus dem gleichen Grund, nämlich der Angst vor der Dunkelheit, keine Patroullien irgendwelcher Mönche begegnen."
Dann schnappt eine der beiden entzündeten Öllampen im Raum und deutet auf die Flamme. "Das Feuer ist warm und nährt uns durch diese Wärme und durch sein Licht. Es gibt uns dadurch ein Gefühl der Geborgenheit, aber es ist trügerisch. Lass ein Feuer tanzen und die siehst Schatten am Rande deiner Wahrnehmung umherhuschen. Das wovor du dich aber erschreckst, ist dein eigener Schatten. Die Sicherheit weicht dem Trug, weicht der Angst. Angst vor etwas, das gar nicht da ist. Und außerdem, ist euch noch nie aufgefallen, dass eine Lampe oder eine Fackel, immer nur einen bestimmten Bereich ausleuchten, nie aber alles. Eure Augen gewöhnen sich an das Licht der Fackel und in der Nähe kann man damit auch schön einige Dinge ausmachen. Aber die fernen Dinge scheinen für eure Augen dann noch dunkler, als sie es bei Nacht nicht ohnehin schon sein. Euer Auge kann nichts erfassen, da es ständig durch der Fackel Licht getränkt wird. Befinden wir uns jedoch in der Dunkelheit, werden uns nach kurzer Zeit bereits der strahlende Mond und die funkelnden Sterne gereichen. Nicht so wie am Tag, dass ist verständlich, aber besser als mit dem Licht."

Der Fremde schaut in ratlose Gesichter.
Sie scheinen seine Geschichte in ihren Köpfen durchzuspielen und seine Argumentation zu prüfen. Er kann sie dabei beobachten, wie sie so unauffällig wie möglich, abwechseln in die Lampe und dann an ihm vorbei in die Finsternis des Kirchenschiffs schauen. Er muss sich ein Schmunzeln verkneifen. "Ihr macht das jetzt sicher noch eine Weile, bis ihr erkennt, dass ich recht habe. Aber wir könnten die Nacht natürlich auch nutzen, diese von mir aufgestellte Behauptung in der Praxis zu testen. Wer von euch darüber ein Essay verfasst, ist mir eigentlich gleich und das einer von euch dann damit, mit dem Geiste eines Aristoteles gleichzieht auch. Aber wir müssen herausfinden, wie viele dieser Schergen noch in den Klostermauern hausen und was mit den eigentlichen Mönchen passiert, so es denn nicht diese sind. Auch um diese muss man sich ja sorgen."
Daran hat bisher keiner gedacht.

Die Bauern sind nun zum Aufbruch bereit.
Er ermahnt sie, keine Taschen und Säcke mitzuführen. Alles, womit ihr im Dunkeln irgendwo festhängen könnt, legt ab. Zieht euch warm an und führt zur Abwehr im größten Falle einen Dolch oder eine kleine Handaxt mit euch. Alles andere macht den Weg beschwerlich oder kann irgendwo anschlagen oder euch ins Stolpern bringen. Es stört euch auch bei einem überhasteten Rückzug. Aber ich denke nicht, dass wir einen antreten müssen."
Die beiden haben bereits zwei Felle mitgebracht, die sie sich überwerfen wollen. An ihrem Gürtel befinden sich kein Falschen, Beutel oder dergleichen. Beide führen ihre Werkzeugmesser mit sich. Berion geht gänzlich unbewaffnet. Die Dolche und Schwerter der Mönche sind im Dorf bereits verteilt. Und um diese Zeit, will er nirgendwo mehr eines von den Bauernfamilien einfordern. Das wirft nur Fragen auf.

Endlich brechen die drei im Schutze der Nacht auf.
Sie zeigen ihm sogleich, welchen Ausgang aus dem Dorf man nehmen muss, um zum Kloster zu gelangen. Zu den Wölfen ist er in eine andere Richtung gegangen.
Bis an den Rand des Dorfes geht es im einfachen Schritt und auch über die Allmende in den Wald hinein, ist noch keine Hast zu spüren. Berion bemerkt aber, dass die beiden nervös vor dem Waldrand stehenbleiben. Er sagt kein Wort, schaut sie kurz an und deutet mit Blick in Richtung Wald. Das dichte Astwerk versperrt dem meisten Nachtlicht den Weg ins Unterholz. Es ist hier deutlich weniger zu sehen, als im fahlen Licht auf den Wiesen der Allmende. Und selbst im Kirchenschiff war es scheinbar heller.
Der Fremde geht aber einfach drauf los. Die beiden halten kurz inne und beginnen dann doch, wieder Anschluss an ihn zu finden.

Es geht hier, gleich nah am Dorf, erst einmal einen Weg nach rechts weg.
Hier schon spaltet er sich vor einem Berg in zwei Richtungen. Ein Weg führt nach Westen. Doch die Gruppe geht weiter den nördlichen Weg. Dieser führt am Berg entlang. Hinter den wenigen Bäumen kann man erkennen, dass es zur Rechten steil abfällt. So halten sie sich also auf diesem Weg, der weiter nach oben führt. Der Weg windet sich zwischen Berg und Abhang. Immer steiler wird der Aufstieg. Doch noch immer ist es ein breiter Trampelpfad. Der aber wohl auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Dann öffnet sich das Blätterdach. Zur Rechten ist nunmehr nur noch eine weitere Ebene im Tal zu erkennen. In der Entfernung aber sind die Berge noch ein wenig höher. Da zwar der Berg nun zur Linken nicht mehr stört, aber auch der Bruch nach links einschlägt, folgt die Gruppe auch dieser Richtung.
Als sie diesem Ding immer näher kommen, erkennt Berion darin eine Steinbrücke. Erschaut sich im blassen Schein, diese Konstruktion an. Es ist ein Verbund aus natürlicher Formation und alter Maurerkunst. Wahrscheinlich ist diese Brücke schon einige Generationen alt. Aus Sicht der Dorfbewohner, quasi schon immer da gewesen. Wer keine Höhenangst hat, kann von da oben prima einen Hinterhalt starten. Die Bauern aber versichern, das sie noch nie behelligt wurden, wenn sie unter dieser Brücke hindurch gingen. Diese Reaktion wiederum findet der Fremde irritierend. Ist er wirklich so anders, dass ein eindeutiger Standort für einen Hinterhalt ihn zur Vorsicht mahnt, die anderen aber nicht und dass die Nacht ihn nicht fürchtet, die anderen aber schon?
Wenn der Weg auch noch direkt unter ihr durchführt, wird es noch einmal brennsliger. Da das Tal vor ihnen zur Linken an einer Steinwand endet, hinter de sich der Hügel erhebt, an die Brücke anschließt, müssen die drei Waldgänger nun nach rechts abbiegen. Seine Befürchtungen bewahrheiten sich leider. Der Weg führt wirklich unter der Bruück durch.
Noch immer geht es weiter bergauf. Sollte es zu einem offenen Kampf in der Landschaft werden. Wäre das hier ein äußerst schlechter Punkt. Den Hang im Rücken und Mönche von oben wären das Todesurteil. Sollte es zu so einer Konfrontation kommen, müssen sie zuvor die Brücke halten. Von dort oben lassen sich dann Steine und Speere auf den Gegner schleudern. Es könnte daher von entscheidender Bedeutung sein, diese Brücke einzunehmen.
Der Magier hat bereits an so mancher Schlacht teilgenommen. Freiwillig und unfreiwillig. Als angeheuerter Soldat und auch als unbescholtener Bauer, der plötzlich hineingezogen wurde. Das er selbst einmal eine Schlacht ausführen wird, der Befehlsgeber sein wird, das hatte er nie im Sinn.

Einige zwanzig Schritte vor der Brücke spaltet sich ein Weg ab, der nach einigen Biegungen wohl über die Brücke führen wird.
Berion merkt sich diese Stelle. Vielleicht kann er hier selbst einen Hinterhalt legen. Man sieht hier die Brücke und kann man diese nicht halten, kann man im Eck bei der Felswand, die gerade noch den Weg unter der Brücke durchzwang, einen Posten platzieren, der von dort aus, die Brücke unter Beschuss nimmt. "Doch womit?", entfährt es Berion. Die anderen beiden zucken kurz zusammen. Der Fremde ist wieder in der Gegenwart angekommen und fragt kurz, wie weit es noch ist.
Auch hinter der Brücke geht es immernoch etwas weiter nach oben. Doch das Gefälle nimmt ab. Doch der Weg schlägt eine lange Linkskurve ein. Endlich oben. Doch hier geht es einfach nur weiter. Fast kerzengerade führt der Weg mal auf, mal ab, durch diesen Bewuchs an beiden Seiten. Auch hier schlägt der innere Alarm des Magiert nicht fehl. Zwar passiert im Moment nichts, die Drei sind allein für sich. Keine Wölfe, keine Füchse, keine Wildschweine und auch keine Räuber. Aber hinter so hohen Büschen und so dichtem Gehölz kann man ebenfalls einen Überraschungsangriff starten, ohne auch nur gesehen zu werden. Diese Erkenntnis behält er aber lieber für sich. Wenn er Bauern in eine Schlacht führen muss, dann will er ihnen nicht schon vorher den Mut nehmen.
Hier fällt der Weg wieder leicht ab. Das erste längere Gefälle überhaupt, seit sich die Drei auf den Weg gemacht haben. Der Magier konsterniert, dass es wohl am sinnvollsten wäre, die Mönche gar nicht erst über diesen Punkt hinaus angreifen zu lassen. So lange der Weg für diese Bergab ginge, wäre eine Gegenwehr mit ein paar Bauern nicht zu halten. Sie müssen jetzt wohl viele hundert Fuß an Höhe zurückgelegt haben.
Das nächste, was sie im Halbdunkel des fahlen Lichtes ausmachen können, hier sind die Baumkronen wieder dichter, ist eine kleine Kreuzung. Ein Weg führt geradeaus weiter, der andere biegt zur Linken ab. Doch auch was zu seiner Rechten steht, interessiert den Führer dieser Truppe. Die kläglichen Reste einer hölzernen Bebauung sind hier auszumachen. Vielleicht ein Stützpunkt eines Jägers. Vielleicht das Haus eines Emeriten. Diese Kauze wohnen allein im Wald, gehen aber in die Siedlungen, um sich im Tausch mit Heilwissen und Pflanzen, Dinge des täglichen Bedarf zu holen. Abgebrannt ist es. Der Magier schaut sich die Ruine etwas genauer an. Eine halbaufrechte Wand steht hier. Es ist einzig diese kleine Ecke übrig. Er gesellt sich wieder zu den anderen. Die zeigen auf den abbiegenden Pfad. Leise flüstert er den beiden zu: "Ein gutes Versteck." und deutet damit auf die abgebrannten Reste.

Die anderen beiden gehen bereits den neuen Weg zwei, drei Schritt.
Berion steht noch da und versucht sich zu merken, wo sie gerade sind. Der Weg nach Süden würde zurückführen. Der Weg nach Norden führt auf eine weitere Ebene, wo Äcker und ein Dorf liegen. Dieses Dorf erstrecke sich über fast die ganze Ebene. Fast wie ein Flickenteppich sind die Höfe dort verstreut. Solche Dorfformen sind gut gegen Feuer, denn diese erreichen nur selten jeden Hof. Aber sie sind schlecht zu verteidigen. Die dortigen Bauern sind mit Sicherheit auch im Bann des Klosters. Der Fremde vermutet mindestens noch mal so viele Mönche, wie er bereits getötet hat. Und eine solche Zahl zusätzlicher Mäuler, kann ein Dorf nicht allein ernähren. Das die Räuber selbst Wein- und Ackerbau betreiben, davon geht er nicht aus. Sie haben ja die Dörfer, die sie knechten können.
Er holt die anderen beiden ein und sie erreichen nach einem kurzen Stück, fast eben durch einen Wald, eine weitere Kreuzung. Diesmal ist man selbst auf dem abbiegenden Pfad. Vor einem liegt ein etwas schmalerer Weg, der diesen hier einfach quert. In leisem Ton sagt einer der beiden Bauern: "Hier geht es zur Brücke. Man kann dann über diese gehen. Aber auch an ihr vorbei in einen großen Wald, der auf einem Plateau steht." Berion will sich die Brücke von oben anschauen und entscheidet sich zu dieser zu gehen. Da packt ihn ein Bauer und deutet auf die Gegenrichtung. Er beschwichtigt, dass es gleich dort lang gehen wird, aber er will alle Dinge auf dem Weg dahin inspizieren, um mögliche Alternativen für einen Angriffplan auszuarbeiten. Er erkennt, dass die Brücke von dieser Seite aus, nicht so leicht einsehbar ist, zumindest nicht das Endstück, dass im Felsen mündet. Ihr türmt sich noch ein kleiner, einen halben Mann hoher Felsen auf. Wenn man sich hinter diesem in Stellung bringt, kann man die Mönche, die vielleicht die Brücke als strategischen Punkt einnehmen möchten, überraschen und ihnen so verwehren, eine Stoßtruppe über das Werfen von Steinen und Speeren beim Aufstieg zu zerreiben.

Jetzt ist er aber bereit, den geplanten Gang zum Kloster fortzuführen.
Es geht also wieder zurück zur letzten Kreuzung und diesmal einfach gerade aus weiter. Zu seiner Linken steht wieder eine Felswand, die man entlang geht. Auch das noch offene Buschland zur Rechten weicht nach ein paar dutzend Schritten einer steinernen Naturkulisse. Der Weg zwischen den Felsen verjüngt sich. Und doch steht dieses alte Ding hier. Dieser Weggefährten eines jeden Pilgers hier draußen. Tatsächlich steht doch ein hier ein Schrein im scheinbaren Nichts. Ein untrügliches Zeichen, dass dieser schmale Pfad trotzdem begangen wird. Eine große steinerne Platte, ausgehölt an der Stelle, wo eine aus einem Stück geschlagene Statue steht. Vermutlich handelt es sich um lokales Gestein. Nicht alle Gedenksteine sind aus Marmor. Man kann die Figur nur erahnen. Ein Kranz liegt um das Haupt gewölbt. Vermutlich soll dies ein Heiligenschein sein. Doch das Gesicht wurde offenbar grob entfernt. Das kann er weniger sehen, als ertasten. Vor sich hält der Heilige, der hier verehrt wird, ein Schwert. Beide Hände halten es am Griff, es steckt mit der Klinge nach unten im Fundament dieser Skulptur. Auf diesem Fundament sind links und rechts vor der rückwärtigen Platte zwei Feuerschalen angebracht. Sie sind ebenso aus dem gleichen Stein einfach herausgeschlagen worden. Hier wurde offenbar nichts geklebt oder vermörtelt. Alles ist aus einem Stück. Der Platz zwischen den Schalen ist frei. Offenbar für Opfergaben.
Das die beiden Bauern, die hier gerade beten, um den Segen für die restliche Reise und eine sichere Rückreise, sich gegenüber einer antiken Anbetungsstätte äußern, wird er ihnen nicht sagen. Auch nicht, dass die Merkmale eher für eine rhomäisch-grekische Kultur sprechen, als für eine christliche. Vermutlich beten sie gerade Jupiter oder Zeus an, ohne es zu merken. Die beiden knien sich hin und so verharrt auch Berion erst einmal in seiner hockenden Pose, die er eigentlich nur eingenommen hat, weil er diesen Schrein genauer untersuchen wollte.

Sollen sie diesen Stein anbeten. Vielleicht erhört sie ja irgendwer. Da der Magier nicht weiß, wieviele Gegner im Kloster auf sie warten werden, kann ihm jede Hilfe nur recht sein.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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