Rezension: Jw.org - Studienartikel 32/2021 - Stärke deinen Glauben an den SchöpferWie ich ja bereits bei der Rezension zum Studienartikel 21/2020 erwähnte, war der nun vorliegende Artikel Grund dafür, den 2020er ordnungsgemäß durchzuexerzieren. Vielmehr war es das Kinder-Bibelstudium, dass online dazu abgehalten wird, wo sich einige Kinder, mein Sohn eingeschlossen, auf die Versammlung am Sonntag vorbereiten. Einer der Anwesenden hat altklug im Grunde in jeden Bullshit-Topf kreationistischer Argumentation gegriffen und das so gründlich und unverhohlen, dass ich jetzt diesen Text hier verfassen muss.
Man kann es ja auch positiv sehen. Über einen Monat habe ich keine Beträge für diesen Thread geschrieben (diese Zeile hier entstand am 20. Oktober 2021), sondern aus all dem gepostet, was schon fertiggeschrieben da lag. Jetzt habe ich im Schreibfluss gleich 2 Rezensionen in einem Rutsch geschrieben. Bämm.
Der letzte Artikel hat die Geschenke Gottes einfach als gegeben vorrausgesetzt. Wir werden darüber jetzt nicht diskutieren müssen, dass dafür kein Beweis erbracht wurde. Der vorliegende Artikel aber, dreht sich um genau dieses Thema: Den Glauben an den Schöpfer stärken. Dafür müssen wir natürlich nicht nur in das Buch des Glaubens, die Bibel schauen, sondern auch in das Buch der Schöpfung. Erfahrungsgemäß - dieser Thread hier beschäftigt sich ja nicht umsonst mit diesem Thema - wird es genau hier etwas ... kniffelig.
Damit ihr aber wieder überprüfen könnt, dass ich mir nicht alles an den Haaren herbeiziehe, gibt es allseitsbekannt den Link:
https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitschriften/wachtturm-studienausgabe-august-2021/St%C3%A4rke-deinen-Glauben-an-den-Sch%C3%B6pfer/Der einleitende Bibeltext aus Hebräer soll belegen, dass nur weil man Gott nicht sieht, er trotzdem da ist.
Jetzt kommt im Deutschen leider ein Haken in der Übersetzung dazu. Glauben kann sowohl "believe" als auch "faith" sein. "Believe" drückt einen Glauben im Sinne von "einer Person vertrauen" oder "eine Sache für wahr annehmen, ohne Beweise zu haben" aus. "Faith" wiederum ist der Glaube an Gott, beziehungsweise eine höhere Macht, an deren Wirken und Einfluss auf unser Leben und oft auch den Glauben daran, dass dieser Gott in Zukunft eine bessere Welt schafft.
Nun gibt es ja wirklich "Wirklichkeiten, die man nicht sieht". Aber die kann man anderweitig messen. Der Klassiker der Vergleiche ist sowohl der Strom als auch die Gravitation. Vom Kreationisten kommt dann reflexartig: "Sie glauben nur, was sie sehen? Aber die Gravitation halten sie doch auch für wahr." Alternativ geht das, wie beschrieben, auch mit Strom. "Sie schalten doch auch die Lampe an, weil sie glauben, dass der Strom das Licht zum Leuchten bringt." Und genau hier setzt dieses hässliche Konstrukt Wissenschaft an. Spezieller die Physik.
Es ist gar nicht relevant, ob ich an Elektrizität oder die Schwerkraft glaube oder nicht. Sie wirken trotzdem! Ich muss nicht daran glauben, weil die evidenten Beweise immer und überall da sind. Es gibt kein Ausweichen. Nicht einmal im Weltall. Ich fall auf die Schnauze, wenn ich eine Treppenstufe übersehe, ob ich an die Schwerkraft glaube oder nicht. Und ob ich bete, hat auch keinen Einfluss auf meinen Sturz. Wenn ich am Steckverbinder rumspiele und die Isolation abmache oder irgendwas verkehrt mache, rettet mich ein Stoßgebet weder vor einem Stromschlag noch davor, dass die Sicherung rausfliegt. Beide Effekte sind also deutlich realer als der liebe Herrgott, an den ich definitiv glauben muss, damit ich ihm irgendwas in meinem Leben zuschreiben kann. Dabei mache ich weder Stichproben, noch zähle ich jene Fälle, die nicht eingetroffen sind. Und wenn es eintrifft, aber nicht wie gedacht, dann sind Gottes Wege halt "unergründlich" oder er hatte einen anderen Plan für mich im Sinn. So bekommt man eine schöne Win-Win-Situation, selbst dann, wenn nichts passiert. Ein bisschen, wie bei Homöopathie, nur in institutionalisiert und 2000 Jahre alt.
In der Vorschau wird der Leitfaden für ein ordentliches Bibelstudium schon einmal vorgegeben. Manche Menschen, die nicht glauben, dass Gott einen Einfluss auf irgendwas in der unserigen Welt hat, sind zu ihrer "Meinung" nicht durch Nasebohren geraten, sondern durch ein gründliches Studium der sie umgebenden Natur. Das und die logische Argumentation von anderen Naturwissenschaftlern hat sie nicht zur Überzeugung gebracht, dass Gott ausgeklammert werden kann, sondern sie haben selbst weiter dazu begetragen eine naturalistische Erklärung, ohne Hokus Pokus, für die Entstehung und Fortentwicklung des Lebens aufzustellen und zu festigen. Nicht weil sie schwach im Glauben sind oder sie dafür fürstlich bezahlt werden oder sie Anbeter Satans sind und Gott aus den Gedanken der Menschen auslöschen wollen, sondern weil die Beweise, die sie auf dem Tisch hatten klar für Evolution sprechen.
Da kann ein altes Buch, noch so oft übersetzt worden sein. Es ändert an den zugrundeliegenden Tatsachen ja nichts.
Ich bin also gespannt, wie die Überzeugung eines Schöpfers hier verteidigt wird. Also nicht wirklich, ich war sowohl beim Bibelstudium der Kinder als auch bei der Versammlung zu diesem Thema anwesend. Ich weiß, wie die Überzeugung untermauert wird. Aber eben nur mit Tapete, nicht mit Ziegeln. Wir wurschteln uns durch den Artikel, dann seht ihr, was ich meine.
Absatz 1 könnte bereits das Ende sein, denn tatsächlich muss einem erst eingeredet werden, dass der Schöpfer ist und dies und das getan hat, damit man es glauben kann. Im Studium moderner Wissenschaft wird das bei guter Recherche nicht allein passieren. Und wer ist am leichtesten zu indoktrinieren? Kinder! Ich habe nun mittlerweile seit 7 Jahren Jehova "kennengelernt", aber er wird durch nichts, was mir von dieser Seite vorgesetzt wurde, realer. Klingt alles nach Zirkeln.

Keine Ahnung, was gebildete Menschen so alles behaupten. Intelligenz schützt aber nicht vor Fehlschlüssen, manchmal macht es sogar anfälliger, da man den Fehler bei sich ausschließt. Kein Problem, dafür gibt es ja Fakten. Man muss also nicht naiv sein, um an einen Schöpfer zu glauben. Die meisten Zeugen, die ich kenne, entsprechen der Durchschnittsmasse. Sie sind weder besonders gebildet, noch irgendwie dumm. Dennoch behaupte ich jetzt mal, dass der Glaube an einen Schöpfer naiver Irrtum ist. Das muss sich nicht ausschließen. Ich kann auch unglaublich dämliche Sachen machen, obwohl ich ansonsten vielleicht blitzgescheit bin. Die hier vertretene Ansicht verzerrt gewollt das Bild, dass ein angeblicher Feind da aufstellt. Es ist der erste Schritt des Artikels, eine Einheit durch Unterdrückung zu bewerkstelligen, obwohl den meisten Menschen scheißegal ist, woran jemand glaubt, solange er einem damit nicht auf die Nerven geht.
Wer behauptet, die Wissenschaft habe die Bibel widerlegt, kann vielleicht auch einfach mal gefragt werden: Wie? Das muss nicht wirklich in einem fruchtbaren Gespräch enden, da der Evolutionsbefürworter in der Regel keine Ahnung hat, was er da befürwortet. Einfach weil er sich nicht damit beschäftigt hat. Und damit ist er in einer guten Gesellschaft mit dem allgemeinen Zeugen Jehovas. Denn im Grunde weiß der über die feindliche Weltanschauung, dass Leben könne auch ohne Gott erklärt werden, auch nur die lückenhaften, verzerrten, misszitierten, diskreditierenden Aussagen, die ihm durch den Wachtturm vorgegeben werden. Das hat sich diesmal durch die immer gleichen Kommentare wieder eindrucksvoll gezeigt. Ein guter Teil wiederholte nur, was im Absatz stand und packte es maximal in eigene Worte. Aber genau so läuft ein "intensives" Wachtturmstudium ab. Lies und glaub.
Absatz 3 unterscheidet zwischen Schöpfungsgläubigen, die es einfach nur von Klein auf übernommen haben und jenen, die "die Beweise selbst geprüft haben". Welche Beweise? Welche Prüfung? Habe ich in dem letzten Jahrzehnt, in dem ich schon mit den Zeugen vermehrt zu tun habe, irgendwas verpasst?
Der zitierte Biochemiker ist aus der eigenen
Library heraus entnommen. Erstmal nicht unredlich, aber seine Antworten, wie er die Professoren in der Uni kennengelernt hat, zeugt nicht davon, dass er versteht, wie Wissenschaft funktioniert. Wenn er selbst nicht an den Aussagen der Professoren gezweifelt hat, ist das doch nicht deren Schuld. Aufgabe des Wissenschaftler, auch des angehenden ist es, zu hinterfragen. Und auch seine Schlussfolgerung führt dazu, einen unverstandenen Prozess, Gott zuzuschieben. "Ich kann es mir nicht erklären, also war es Gott." Auch, dass der Mensch die Natur nachzuahmen versucht, wird für ihn als Beweis gesehen, dass die Natur demnach von einer intelligenten Quelle stammen muss. Es gibt aber keinen logischen Schluss, der aufgrund der Annahme "Mensch baut Natur nach" zu "Gott hat Natur gebaut" führt. Die Annahme hat mit der Schlussfolgerung nichts zu tun. Und so sind alle "Ein [Wissenschaftler des Faches so und so] spricht über seinen Glauben"-Artikel aufgebaut. Irgendein cleverer Kerl, kann sich den natürlichen Hergang nicht erklären und schließt ihn daher kategorisch aus. Und jeder "Wer hat es erfunden?"-Artikel schließt vom Nachbau durch den Menschen darauf, dass das Orginal auch erschaffen worden sein muss. Aber, wie beschrieben, das ist keine logische Herleitung. Das ist unbegründete Spekulation. Und wie ich in der Rezension 21/2020 darlegte, werden die Entdeckungen aus der Natur von verschiedenen Leuten zusammengetragen, katalogisiert, beschrieben und in der Technik angewendet, die dann stets weiterentwickelt wird. Wenn der Nachbau also den Orginalbau durch einen intelligenten Schöpfer bedingt, was sagt uns dann der Prozess des Nachbauens über den Prozess der Entstehung der Vorlage aus der Natur? Wenn man konsequent weitergeht, muss man diesen Gedanken auch zuende denken.
Das beim Biochemiker besprochene Buch kommt hier auch noch auf seine Kosten, aber ich möchte die Bücher und Zeitschriftenartikel chronologisch abarbeiten. Auch über diesen Sachverhalt wird einen mehrteiligen Artikel geben.
Der Biochemiker und seine Kollegen führen also keine Beweise an, sondern nur Behauptungen, Annahmen, Mutmaßungen und Spekulationen. Was dürfen wir dann wohl von diesem Artikel erwarten, der ja niedrigschwelliger gestaltet ist, um nicht-akademische Zeugen abzuholen und ihnen einzutrichtern, was sie eh schon "wissen". Vielleicht ist der Glaube ja nicht blind und lässt "wissenschaftliche Fakten unberücksichtigt", aber auf diese stützen, tut er sich auch nicht.
Robert, aus Absatz 5, hat sich nachdem er zweifelte bei den Zeugen Jehovas logische Argumente angehört, die für die Schöpfung sprechen. Schauen wir mal in den angepriesenen Kasten "Ein Wort an Eltern". Auch die dort erwähnte Broschüre ist bereits in der To-Do-Liste aufgenommen. Und genau darum geht es. "Gebraucht unsere Publikationen" und "Überlegt euch außerdem gut, ob ihr eure Kinder an einer Universität einem Umfeld aussetzen wollt, wo der Glaube an Gott von vielen belächelt wird" zeigt dem Zeugen das normale Verhalten. Er erkennt nicht, was daran falsch ist. Aber wenn wir etwas in der Bibel oder der Natur nicht verstehen, was ist dann die Quelle des Vertrauens. Selbstverständlich die verlagseigenen Inhalte. Das ist mir selbst vor 1-2 Jahren erst so richtig aufgefallen, auch wenn es mich schon vorher beschlich, wie erpicht man darauf aus ist, möglichst als "weltlich" verschriene Quellen beim Studium draußen zu lassen. Eine Immunisierungstaktik, die es dem Zeugen gar nicht ermöglicht, mehrere Seiten einer Fragestellung zu betrachten. Alles wird einseitig präsentiert und wenn man sich mit ihnen unterhält, kann man das Lesens des Wachtturms weglassen, denn die Worte sind fast identisch. Das ist manchmal echt erschreckend.
Aber warum ist der Wachtturm an dieser Stelle auch nicht ehrlich genug, zuzugeben, dass der Biochemiker Zeuge Jehovas ist. Das sagt jetzt nicht prinzipiell gegen seine wissenschaftliche Reputation aus, aber zu welchem Schluss soll der Mann denn kommen, wenn er Zeuge ist? Evolution und/oder Zufall?
In der Schule, in der ich war, wurde die Schöpfungslehre übrigens beigebracht. Aber eben alle Varianten, nicht nur die biblische. Es gibt ja so viele heilige Bücher und noch deutlich mehr Religionen und Weltanschauungen. Aber das geschah im Ethikunterricht. Da wo es hingehört, weil nichts davon mit der Biologie, Chemie oder Physik zu tun hat. Man kann nicht von bestimmten Naturgesetzen und Regelmäßigkeiten in den naturwissenschaftlichen Fächern sprechen, die alles in unserem Leben festlegen und gleichzeitig erzählen, dass ein Magier in den Wolken die Sonne stillstehen lässt, wenn ein Krieger bei seinem Genozid an kanaanitischen Völkern darum bittet. Der gleiche Magier lässt einen Mann ein riesen Kasten bauen, in dem von allen Tieren der gesamten Erde ein Paar aufgenommen werden soll, bevor er eine weltweite Flut herbeiführt, die im Widerspruch zu allem steht, was wir aus physikalischen, topografischen und stratigraphischen Gegebenheiten wissen und obendrein auch noch der Geologie unseres Planeten spottet. Einerseits hat er alles festgelegt und andererseits greift er willkürlich ein. Wie will man das in den naturwissenschaftlichen Fächern vermittetln. Also ab mit diesem Mythos zu den anderen Mythen zu Ethik und Religion. Denn da gehört es hin. Die übernatürlichen Eingriffe, so sie denn stattgefunden haben sollen, können naturwissenschaftlich nicht erfasst werden. Selbst wenn Gott hier und da eingegriffen hat, können wir es nicht messen und folglich gehört es weder in die Biostunde, noch in Chemie oder Physik. Diese einfach Grundwahrheit will aber in den Köpfen von Kreationisten nicht fußen.
Hier, in Absatz 6, kommt er nun also, der Vergleich mit der Gravitation.
Ich habe bereits oben dargelegt, warum dieser Vergleich fehlerhaft ist. Die Gravitation, um den Gedanken aus dem letzten Absatz aufzugreifen, ist zudem keine willkürliche Kraft, die hier und da eingreift. Sie ist stumpf und wirkt immer und überall gleich. Sie verändert sich nicht und sie wird durch Gebete nicht weniger oder mehr. Sie lässt sich durch Regelmäßigkeiten, die wir in Ermangelung eines anderen Wortes, als Naturgesetz bezeichnen, beschreiben.
Genau solche idiotischen Vergleiche sind aber auch der Grund, warum der Glaube an einen Schöpfer als naiv belächelt wird. Denn genauso könnte man auch für die Evolution sprechen. Ein Kreationist glaubt ja nur nicht an die Evolution, weil er sie nicht sehen kann. Und ihm kann man - eins zu eins - auch einfach vorwerfen, dass er ja einfach nur die Beweise, die dafür sprechen nicht selbst prüft. Was haben wir mit dieser Nullaussage gewonnen? Warum kommt an dieser Stelle kein Beweis? Es wäre eine Steilvorlage, ganz passend zum Absatz.
Aber wir bekommen was viel besseres. In Absatz 7 bekommen wir selektiv ausgewählte Wissenschaftler, die genau in den oben genannten Artikeln erklären, warum sie an Gott glauben. Dafür muss man nur auf das Sterchen klicken. Et voila. Genau die Artikel, die ich oben nannte. Aber sie führen keine Beweise an, sondern nur ihre fehlerhaften Schlussfolgerungen, dass aus einem ausgeklügelten System Gott herleitet. Das ist kein Beweis, das ist das Verbinden zweier Dinge, die mutwillig in Kausalität gesetzt werden, obwohl nicht einmal bewiesen ist, dass sie in Korrelation stehen.
Emotionen und das Berufen auf "Autoritäten" fehlen jetzt noch. Dann haben wir das typische Portfolio eines Wachtturm-Artikels zum Thema Schöpfung voll.
Absatz 8 und 9 bekommen wir die Aufforderung uns doch selbst mit der Schöpfung zu beschäftigten. Denn je mehr man lernt, desto stärker wird die Überzeugung, "dass Jehova der Schöpfer ist". Was machen über 100.000 Naturforscher aus unterschiedlichen Bereichen so grundlegend falsch, dass sie nicht alle zu diesem Schluss kommen. Warum ist Gottgläubigkeit gerade bei den Bevölkerungsgruppen, die sich den ganzen Tag mit "der Schöpfung" beschäftigen, der Glaube an einen Schöpfer niedriger als beim Durchschnittsmenschen? Was stimmt mit denen nicht?
Und warum wird uns wieder geraten uns auf die einseitig darstellenden Publikationen aus dem eigenen Hause zu verlassen? Steckt da System dahinter?
Das hört sich vielleicht ein bisschen kleinkariert an, aber hätte ein intelligenter Schöpfer nicht auch eine Sonne erschaffen können, die gar keine schädliche UV-Strahlung abstrahlt? Ich meine Absatz 9 möchte uns sein Schutzschild als geniale Erfindung anpreisen, dass uns vor etwas schützt, was er selbst geschaffen hat. Zumal UV-Strahlung für so manchen Prozess auf der Erde auch wichtig ist. Wo war das Ozon eigentlich vor den sauerstoffbildenden Bakterien und Pflanzen? Immerhin wird Ozon beim Auftreffen von UV-Licht auf Sauerstoff in der Atmosphäre gebildet. Und warum ist dieses Schutzschild giftig? Ja, richtig gehört. Ozon ist giftig. Und warum ist es so leicht zerlegbar? Kohlenstoffdioxid, Stickoxide und Methan können Ozon zerstören. Wie clever von unserem Schöpfer das Zeug in gigantischen Mengen auf der Erde zu lagern, so dass es durch Ausgasung in die Atmosphäre gelangen kann. Und es reichen bereits kleinere Mengen im ppm-Bereich, um größere Mengen Ozon zu vernichten. Was ist daran bitte intelligent?
Irgendwie drängt sich mir bei so einer Überlegung der Zufall, der ein sehr labiles Gleichgewicht aufrecht erhält, auf. Geänderte Mutations- und Populationsraten bei atmosphärischen Änderungen, sprechen in den fossilen Erdschichten eigentlich schon eine recht deutliche Sprache. Es war halt nie alles so, wie es heute ist. Die Atmosphäre und das Klima ändern sich nicht erst, seit der Mensch massiv eingreift. Wieso spricht dieses wabbelige Gebilde also für Gott?
Absatz 11 schwört uns wieder auf die einzig zulässige Quelle ein. Das passiert deutlich offensichtlicher als früher. Oder es fällt mir nur verstärkt auf. Alle "Hilfsmittel", die Glauben stärken sollen, gehe ich in diesem Forum ganz sicher noch durch. Geänderte Bedingungen im Haushalt ermöglichen es mir, mich nun wieder deutlich häufiger mit all meinen Hobbies und Gedanken auseinander zu setzen.
Wir haben also bisher keine Beweise vorgelegt bekommen, sondern immer nur die Wissenschaftler und Forschungsergebnisse, deren Schlussfolgerung sich als logisch fehlerhaft herausstellen, wenn man sich mal 5 Minuten Zeit lässt und das Ganze auf sich wirken lässt. Die nächsten Absätze stehen folglich unter keinem guten Stern.
Machen wir also erst einmal mit dem taufrischen Artikel weiter (diese Zeilen wurden am 20. Oktober 2021 geschrieben, also 3 Tage nachdem es in der Versammlung studiert wurde).
Was benötigen wir noch, neben den Studienmitteln, die uns die Organisation vorschreibt. Ah, das eigentliche Lehrbuch: die Bibel. Selbstverständlich wird auch diese nur dann "richtig" studiert, wenn man dabei die Deutungen des "treuen und verständigen Sklaven" verwendet, die - obacht - auch in den verlagseigenen Unterlagen zu finden sind.
Nun erschließt sich mir aber auch nicht, warum erfüllte Prophetie einen Schöpfer belegt. Denn selbst wenn einer in die Zukunft schauen kann und Ereignisse vorhersagt, muss er nicht der Erschaffer sein. Das eine bedingt nicht das andere. Zudem muss immer auch bewiesen werden, dass die prophetischen Aussagen auf den Sachverhalt zutreffen und sich nicht nur in der prophezeienden Quelle selbst erfüllen. So finden sich zum Beispiel in Psalm 22 ganz viele Prophezeiungen über Jesu letzte Momente auf Erden, die aber außer in den Evangelien nirgendwo festgehalten sind. Also können sie genauso gut angedichtet sein.

Also noch nicht einmal die Behauptung, dass mehrere Leute, Jesus nach der Auferstehung gesehen haben wollen, kann bezeugen, dass es ein reales Ereignis war. Denn Augenzeugen von Wundern gibt es reichlich auch für andere Menschen. Die amerikanschen Fernsehprediger, die durch Handauflegen irgendwelche Leute von ihren Leiden erlösen, werden von tausenden gesehen. Sind die alle echt? Natürlich nicht und der gesunde Menschenverstand sagt, das sind Scharlatane, die geschauspielerte Leiden heilen. Ihre Wunder sind Trug und Lug. Warum soll es bei einem Wanderprediger, der vor 2000 Jahren lebte und über den außer in der Bibel kaum etwas steht, wahrer sein? Egal, ob das verstorbene Mädchen des Synagogenvorstehers oder Lazarus. Das alles kann genauso gut ein riesen Bluff sein. Dazu trägt der Umstand, dass die Evangelien in 3 von 4 Fällen noch nicht einmal von den Aposteln geschrieben wurden und allesamt deutlich nach Jesu Zeit auf Erden, nicht gerade zur die Glaubwürdigkeit bei. Aber egal, wie man diese Dinge beurteilt oder was man herausfindet, es bestätigt nicht, dass das Universum von Jehova erschaffen wurde. Man kann Dinge nicht damit beweisen, dass man andere Dinge beweist/behauptet.
Und es erschließt sich mir auch nicht, was Materialismus mit dieser Thematik zu tun hat. Guten Rat kann man auch aus anderen Quellen bekommen, der teilweise älter ist.
Beim Anblick vollkommener Schönheit schwinden die Sinne.
Bricht das Kamel zusammen, so lege ihm eine Eselslast auf.
Geduld ist der Schlüssel zur Freude.
Ignoranz (Unwissenheit) ist Dunkelheit.
Jammere nicht über ein Unglück, das noch (gar) nicht eingetroffen ist.
Liebe die Menschen, dann werden die Menschen auch dich lieben.
Mach dir einen Aufrichtigen und Rechtschaffenen zum Freund.
Nichts ist kostbarer als wahre Gelehrsamkeit.
Trenne Kopf und Zunge nicht voneinander.
Wer das Gute fördert, mindert das Böse.Klingt nach abgedroschenen Kalendersprüchen, sind aber in Wirklichkeit Weisheiten aus dem alten Ägypten. Und sie sind alle wahr und heilsam. Welchen der zahlreichen Götter sollen wir denn von den denen jetzt anbeten?
Wie wäre es mit Imhotep?
"Laß deine Zunge nicht eine Fahne sein, die im Wind eines jeden Gerüchtes zu flattern beginnt."
Und da er 2700 v.u.Z. gelebt hat, kann er das schlecht aus der Bibel haben. Rat kann also aus zig Quellen kommen, sehr alt sein und trotzdem heute noch anwendbar.
Vielleicht wird die Brücke zum Materialismus ja auch gelegt, weil man dies im Grunde bei jedem implizit annimmt, wenn er nicht geistig für sich und sein Verhältnis zum Schöpfer sorgt. Denn wir wissen, alle Atheisten sind karrieregeil und alle Gläubigen die Demut und Genügsamkeit in Person. Das erklärt natürlich all die schicken Kleider, goldenen Ornamente und riesigen Prachtbauten der großen Religionen dieser Welt. Ich gebe zu, ich habe in erster Instanz an den Papst und seine Bischöfe gedacht. Und auch, wenn man den Zeugen nicht Prunksucht oder dergleichen zur Last legen kann und ihre Bauten eine bemühte Schlichtheit und Funktionalität aufweisen, fragt man sich schon, warum die Oberen immer wieder um Geld bitten, wenn der Verkauf der Häuser in New York über eine Milliarde Dollar eingebracht hat. Alles schon ausgegeben?
Absatz 14 sagt uns trotzdem, dass wir vor dem Studieren an unserem Grund schrauben müssen. Allerdings sehe ich in der Schöpfung auch folgende Dinge: Tiere stehen vor der großartigen Wahl, zu verhungern, weil sie zu viele oder gerade harte Jahre sind oder durch einen Beutefänger brutal zerfleischt zu werden und oft noch lebendig verspeist zu werden. Was für eine Persönlichkeit soll ich denn bitte ausstrahlen? Jason Vorhees oder Freddie von Elmsstreet? Hm ...
Das diese Eigenschaften zu einer realen Person gehören und keine Einbildung sein sollen, ist allerdings auch wieder nur eine Behauptung. Bis hierhin sollte hoffentlich auch dem letzten klar sein, dass bisher sehr sehr sehr sparsam mit Beweisen umgegangen wurde. Wir durften exakt null sichten. Aber das soll uns natürlich nicht davon abhalten, anderen von diesem Wesen zu erzählen und ihm all die schönen Dinge anzudichten, die wir um uns wahrnehmen. Die schlechten lassen wir unter den Tisch fallen. Man will ja nicht meckern mit dem Höchsten.
Schade ist nur, dass die Gespräche "voreingestellt" sind. Ein offener Dialog ist im Predigtdienst gar nicht gewünscht. Interesse wird nur dann signalisiert, wenn es etwas über den Wohnungsinhaber zu erfahren gibt, dass vielleicht als Hebel funktionieren kann, mit der man sein Herz mit niedrigschwelligen Angeboten und Liebesbekundungen aufbricht. Da wären wir dann bei Emotionen. Seit die Videodichte sich bei den Kongressen und auch in den Versammlung deutlich erhöht hat, werden Fakten noch mehr ausgelagert, als ohnehin schon. Bewegte Bilder können das Gefühl von Menschen viel besser erreichen als ein trockener Vortrag. Mit einer langsamen Sprechweise und subtiler Argumentation bekommt man sein Publikum dann auch noch schneller in die gewünschte Richtung.
Ist ein echter Nachweis so schwer zu erbringen, dass man in diese Trickkisten greifen muss?
Absatz 16 und 20 schwören uns auf den Glauben und die Gemeinschaft ein, die zusammen mit dem Geist Gottes uns gegen die bösen Schöpfungsleugner wappnet.
Aber Absatz 20 zeigt die wahre Grundlage. Es ist nicht irgendeine Beweislage in den Naturwissenschaften. Es ist Gottes Wort, die Bibel. Das erklärt auch, warum wir in diesen 20 Absätzen keine Beweise für einen Schöpfer, wohl aber Kübel voll Emotionen ausgeschüttet bekommen haben.
Der Abschluss des Textes, der uns eine problemfreie Welt verspricht, in der alle Freunde sind, zeigt dies sehr deutlich.
Für die Fähigkeit, denken zu können, zahlen wir mit den übermäßig hohen Preis, denken zu müssen.
Gabriel Laub, polnisch-tschechischer Satiriker (1928-1998)
(Der letzte Vergleich zwischen dem Firefox-Thread (damals 12.306 Klicks) und diesem hier (damals 11.754 Klicks) war vor etwas mehr als einem Monat. Damals tretten die beiden noch 552 Klicks. Und am 9. März hat das Evo-Thema als 3. Thema die 12.000 geknackt. Aktuell trennen die beiden Themen (Firefox 12.315, Evo 12.166) nur noch 149 Klicks.)