Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 9. Nov 2017, 16:18

Grundlagen: Was bedeutet Komplexität?

Die Abseitsregel ist kompliziert, ein Fußballspiel ist komplex.

Überall stehen wir vor komplexen Zusammenhängen, ob Klimawandel, Globalisierung, Internet oder eben der Wissenschaft. Komplexität scheint ein Schlüsselbegriff der heutigen Zeit zu sein. Aber was bedeutet er und wozu brauchen wir ihn?
"Komplex" heißt "zusammenhängend" oder "vieles umfassend", aus dem lateinischen "complecti" für "umfassen". Im alltäglichen Sprachgebrauch verstehen wir darunter die Vielschichtigkeit eines Phänomens oder Problems. Etwas erscheint uns komplex, wenn wir es nicht richtig durchschauen, geschweige denn beherrschen können.

In der Wissenschaft versucht man freilich mit einer genaueren Definition, die Begrifflichkeit einzugrenzen: Komplexität bezeichnet die Eigenschaft eines Systems oder Modells, dessen Gesamtverhalten man selbst dann nicht eindeutig beschreiben kann, wenn man vollständige Informationen über seine Einzelkomponenten und ihre Wechselwirkungen besitzt.
Es ist aber nicht das Gleiche wie "kompliziert". Eine Maschine kann kompliziert aufgebaut sein, weil sie aus vielen Einzelteilen besteht. Sie kann sich aber trotzdem vorhersagbar verhalten. Eine mechanische Uhr wäre zum Beispiel eine solche Maschine. Ein komplexes System hat dagegen eine unvorhersagbare, nicht berechenbare Komponente.
Komplexität hängt also eng mit dem Zufall zusammen.

Das lässt sich an einem Fußballspiel veranschaulichen. Die Abseitsregel etwa erscheint vielen kompliziert. Man kann sie aber durchaus verstehen, wenn man sich ein wenig damit beschäftigt. Auch sind Konsequenzen und Bedingungen immer gleich und vorhersagbar.
Ein Fußballspiel als solches aber ist komplex: Über seinen Ausgang entscheiden viele Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen. Diese unberechenbare Dynamik aus Wirkung, Gegenwirkung und Rückkopplung lässt sich am Computer nicht vorausberechnen. Das macht unter anderem den Reiz des Spiels oder aber auch anderer Sportarten aus.


Lange dachte man, dass Komplexität auf komplizierten, miteinander vernetzten Prozessen beruht. Aber das muss nicht der Fall sein. In der fraktalen Geometrie und der Chaostheorie zeigt sich, dass auch ein sehr einfacher Prozess eine hochkomplexe Struktur hervorbringen kann. Man denke an den Schmetterling und den Einfluss seines Flügelschlags auf Wetterphänomene am anderen Ende der Welt. Oder an Polygone, die einfach aufgebaut sind und zu tausenden hochkomplexe Computerfiguren darstellen können.
Einfache Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich leicht steuern und kontrollieren lassen. Bei komplexen Systemen ist das anders. Sie können astronomisch viele verschiedene Zustände annehmen. Je komplexer ein System ist, desto größer ist die Bandbreite seines möglichen Verhaltens.
Eine zentrale Frage der Kybernetik, die sich mit der Steuerung und Regelung von Maschinen befasst, besteht daher darin, wie man Komplexität beherrschen und gegebenenfalls reduzieren kann.

Komplexe Systeme spielen in verschiedenen Bereichen eine Rolle. In der Informatik versteht man unter Komplexität den rechnerischen Aufwand zur Lösung eines Problems.
So komplex unsere moderne Welt auch ist, nichts ist komplexer als natürliche Systeme. Während die von Menschen geschaffenen Systeme ständig Steuerung und Überwachung brauchen, reguliert und organisiert sich die Natur selbst.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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von Anzeige » Do 9. Nov 2017, 16:18

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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 14. Nov 2017, 16:33

Grundlagen: Was ist der goldene Schnitt?

Der goldene Schnitt ist irrational. Gemeint ist nicht die Abwesenheit von Vernunftbegabung, sondern dass sie, wie andere irrationale Zahlen nicht durch einen Bruch ganzer Zahlen dargestellt werden kann. Rationale Zahlen hingegen, wie die 1,5 lassen sich ja auch als 3/2 darstellen. Die 5 kann man auch als 5/1 wiedergeben. Die Wurzel aus 2 wiederrum lässt sich nicht als Bruch darstellen, ebenso wie Pi oder die eulersche Zahl.

Mathematische Symbole, griechischer Buchstabe Phi:
Bild . Bild . Bild
Auch verwendet wird manchmal Tau:
Bild . Bild oder g
Manche irrationale Zahlen lassen sich aber wenigstens annähernd durch ganzzahlige Brüche darstellen. Pi zum Beispiel kann man gut mit der Näherung 22/7 darstellen. Wie gut eine irrationale Zahl approximierbar ist, lässt sich ihrer Kettenbruchdarstellen erkennen:
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Eigentlich ist das der Spezialfall eines "regulären" Kettenbruchs. Aber wir müssen die Sache nicht unnötig verkomplizieren.
Das sieht alles komplizierter aus als es ist.

Ein Fallbeispiel: Christiaan Huygens, der berühmte Astronom aus dem 17. Jahrhundert, friemelte mit verschiedenen Zahnrädern an einem Sonnensystem herum. Damit sich die Planeten im richtigen Verhältnis zueinander bewegen, müssen die Zahnräder die richtige Anzahl an Zähnen haben. Um die richtige Zahl zu bestimmen, musste er das Verhältnis der Umlaufzeiten möglichst gut durch rationale Zahlen approximieren. Der Saturn umläuft die Sonne zum Beispiel einmal in 10759,16925 Tagen, die Erde bekanntlich in 365,25 Tagen. Das Verhältnis beträgt also 29,457 (Saturn braucht also 29,457 Erdjahre für einen Umlauf). Das sind die heutigen Zahlen. Huygens fand das Verhältnis 77.708.431/2.640.858 heraus, was allerdings sehr unhandlich ist und entsprechend kleiner Zähne an den Zahnrädern oder entsprechend große Zahnräder benötigen würde. Huygens benutzte daraufhin die Kettenbrüche.
Zuerst rechnen wir den Bruch aus: 77.708.431 durch 2.640.858 ergibt 29,425448 (Die Nachkommastellen sind zwar periodisch, aber es ist eine rationale Zahl, was man aber erst nach 20.006 Stellen sieht). Die erste ungenaue Approximation ist also 29/1. Der Fehler unserer Annäherung beträgt jetzt 0,425448, als Bruch 1/2,3505609. Die genauere Approximation wäre 29 + 1/2. Allerdings haben nur nun 2,3504609 durch 2 approximiert. Besser wäre also die Annäherung 2 + 1/2. Ihr merkt schon, dass kann eine Weile dauern und wird unübersichtlich.
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Natürlich können wir weitermachen, da wir beim letzen Bruch 0,853385 unter den Tisch haben fallen lassen. Das ist fast 1, demnach im Bruch 2 + 1.
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Das Prinzip ist klar, als nächstes käme:
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Das geht ewig weiter. Der entstehende Kettenbruch wird die ursprüngliche Zahl immer genauer approximieren. So einen Kettenbruch, kann man natürlich wieder zu einem normalen Bruch umrechnen.
Die erste Appromation war ja 29 + 1/2, was 59/2 entspricht. Die nächste Approximation war 29 +1/(2 +1/2), was wiederum 147/5 ist. Dann kommt 206/7 und wo wir gestoppt haben kommt 1177/40 raus. Dank der Methode des Kettenbruchs haben wir also einen einfachen Weg, um eine Reihe von Brüchen zu finden, die unsere Ausgangszahl immer besser approximieren.
Huygens stoppte einen Bruch zuvor, was für das Umlaufzeitenverhältnis von Saturn und Erde ausreichend war. Für Saturn brauchte er also 206 Zähne, für die Erde nur 7.

Was hat das gefühlte Kilo Mathematik also mit dem goldenen Schnitt zu tun?
Der goldene Schnitt ist das berühmte Teilungsverhältnis, dass überall in Kunst und Natur zu finden soll, bei der man eine Strecke so teilt, dass das Verhältnis der Gesamtstrecke zum größeren Abschnitt, dem Verhältnis des größeren zum kleineren Abschnitt entspricht (also Gesamt/größerer Teil = größerer Teil/kleinerer Teil). Die Abschnitte nennt man a und b. Dabei ergibt das Verhältnis a/b immer einen bestimmten Wert:
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Natürlich kann man Huygens nachspielen und bekommt dann folgenden Kettenbruch:
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Er besteht nur aus Einsen. Hä ...
Wie haben wir den Kettenbruch nochmal kontruiert? Man bestimmt einen Näherungsbruch, berechnet dessen Fehler und wandelt diesen wieder einen Näherungsbruch um, der an den ursprünglichen Näherungsbruch angehangen wird. Dann berechnet man den Fehler davon und so weiter. Der Fehler steht dann immer unter dem Bruchstrich. Je kleiner der Fehler, desto größer die Zahl unter dem Bruchstrich (1/10 ist ein wesentlich kleinerer Fehler als 1/2) und umgekehrt.
Wenn unter dem Bruchstrich des goldenen Schnitts immer nur Einsen stehen, muss der Fehler der Approximation in jedem Näherungsversuch entsprechend groß sein. Schlechter geht es nicht. Daher ist die Zahl des goldenen Schnitts von allen irrationalen Zahlen, diejenige, die sich am schlechtesten durch einen Bruch nähern lässt.

Was hat die Mathestunde mit Evolutionsbiologie zu tun?
Die schlechte Approximation ist der Grund, warum der goldene Schnitt so oft in der Natur zu finden ist. Ein Blattmuster zum Beispiel, dass sich schnell exakt wiederholt, also mit einer Periode die durch einen kleinen Bruch approximierbar ist, führt z.B. dazu, dass die Blätter direkt übereinander stehen und sich gegenseitig das Licht wegnehmen. Würde die Blätter in einem Winkel von 36 Grad um einen Stengel wachsen, würde das 11. Blatt das 1. Blatt überdecken. Damit das nicht passiert, muss ein Winkel "gefunden" werden, bei dem ein Muster sich so spät wie möglich exakt wiederholt. Dies ist der goldene Winkel, der sich daraus ergibt, wenn man 360 Grad durch den goldenen Schnitt dividiert. Das sind etwa 137,5 Grad. Nach diesem Winkel sind die Blätter und Blütenstände vieler Pflanzen angeordnet.
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Techniker lassen sich gerne von der Natur inspirieren. Das ist nicht überraschend, da Tiere und Pflanzen im Zuge der Evolution oft Jahrmillionen Jahre Zeit hatten, um eine Aufgabe oder ein "Bauteil" zu optimieren. So wurden bei dem ersten kommerziell betriebenen Solarwärmekraftwerk Solucar PS10 (nicht Energieumwandlung aus Licht, sondern aus gebündelter Wärme durch Reflektoren auf ein gemeinsamen Absorber, der damit Wasserdampf erzeugt, der wiederrum eine Turbine antreibt) in der Nähe von Sevilla 624 Spiegel mit einer Fläche von jeweils 120 Quadratmetern auf einen Absorber in einem 115 Meter hohen Turm fokusiert. Die Anlage schafft 11 Megawatt und ihr Wirkungsgrad ist natürlich davon abhängig, wie die Spiegel aufgestellt werden. Sie blockieren sich sonst gegenseitig.

Bei der Untersuchung der optimalen Aufstellung der Spiegel sind die Wissenschafter auf den goldenen Schnitt gestoßen und haben herausgefunden, dass sie die Anordnung der Spiegel optimieren können, wenn sie dabei der Anordnung der Blütenstände einer Sonnenblume folgen. Die Effizient steigt um 0,36 Prozent, obwohl mit dieser Anordnung 15,8 Prozent der benötigten Bodenfläche gespart werden konnte.

Warum die Nachahmung von natürlichen Phänomenen nicht zwangsläufig auf Gott schließen lässt, wird in einem anderen Beitrag erördert.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 15. Nov 2017, 16:24

Grundsatzartikel: Sollten Wissenschaftler mit Kreationisten debattieren?

Die grundsätzliche Frage, ob Wissenschaftler mit Kreationisten überhaupt debattieren sollten, wird wohl unterschiedlich beantwortet? Aber Wissenschaftler können auf jeden Fall. Bill Nye, "The Science Guy", einer der populärsten Wissenschaftsvermittler der USA hat's sogar getan. Mehr als zwei Stunden lang hat er mit dem Kenneth Ham (Gründer und Geldgeber des Kreationismus-Museums in Petersburg / Kentucky) debattiert. Thema dieser Debatte: "Ist Kreationismus ein praktikables Modell der Entstehungsgeschichte in der heutigen modernen Wissenschaft?"



Aber sollten sich Wissenschaftler auf solche Debatten einlassen?
"Bloß nicht!", schreien die einen. Denn allein dadurch, dass ein Wissenschaftler sich auf eine öffentliche Debatte einlässt, stellt er beide Seiten auf Augenhöhe. Es entsteht der Eindruck einer ernst zu nehmenden Position, selbst wenn der Wissenschaftler eine solche Debatte gewinnen würde. Allerdings: Wenn ein Wissenschaftler sich nicht einer öffentlichen Debatte stellt, wird dies sicher als Eingeständnis einer zu erwartenden Niederlage heruntergebrochen. Und diese Vorlage kann man eigentlich doch nicht Kreationisten in die Hand spielen, die den Unterschied zwischen einer theoretischen Annahme und einer wissenschaftlichen Theorie nicht verstehen können oder wollen.

Nun ist Ken Ham ja ein Jung-Erde-Kreationist und Bill konnte immer wieder Beispiele dafür angeben, dass die Erde deutlich älter als 6.000 Jahre ist: Schneeschichten an den Polen (die auch sowas wie Jahresringe ablegen), die sich 680.000 Jahre zurückverfolgen lassen; Bäume, die bis zu 9.550 Jahre alt sind; den Grand Canyon und seine deutlich sichtbaren Gesteinsschichten, die aber immer nur bestimmte Fossilien in bestimmten Schichten beobachten lassen; die Vielfalt der Arten, die über ein Fassungsvermögen einer Arche weit hinausgehen; die zahlreichen Sterne, die deutlich älter als die Erde sind und noch viele weitere Dinge. Diese Version des Kreationismus spottet einfach allen Beweisen und ist jene, die am wenigsten irgendwas mit der Realität zu tun hat.

Nachdem die Debatte ausgestrahlt wurde, tauchte auf BuzzFeed folgende Liste auf, bei der Kreationisten oder allgemein Gottgläubige Schilder mit Fragen hochhalten, die an Leute gestellt wurden, die an die Evolution "glauben". Einige Fragen wurden direkt an "The Science Guy" gerichtet.

http://www.buzzfeed.com/mjs538/messages-from-creationists-to-people-who-believe-in-evolutio?bffb#.nxopXqn16

Es sind typische Fragen, manche mit philosophischen Charakter, andere zeigen Missverständnisse, die über wissenschaftliche Arbeit existieren, oder speziell, was Evolution ist. Ich werde stellvertretend diese 22 Fragen durchgehen und dabei aufgrund der großen Anzahl der Fragen nicht zu tief in die Materie gehen:

1. "Bill Nye, are you influencing the minds of children in a positive way?"
(Bill Nye, werden Sie die Gedanken der Kinder positiv beeinflussen?)
Mehr als Fakten zum Merken gibt er ihnen einen Einblick, wie Wissenschaft funktioniert und wie man kritisches, konstruktives Denken in der Wissenschaft anwendet.

2. "Are you scared of a Divine Creator?"
(Haben Sie Angst vor einem göttlichen Schöpfer?)
Nein. Wenn es den abrahamitischen Gott gibt, dann wäre er ein wunderbares Forschungsfeld für vieles, was Wissenschaftler erforschen. Er wäre ein wahre Fundgrube, denn viele Wissenschaftler glauben auch an Gott. Eine wohl bessere Frage wäre: "Haben Gläubige Angst, dass es keinen schöpferischen Gott gibt?" Es gibt in der Wissenschaft mehr Raum für Gott, als ohne Gott im religiösen Glauben.

3. "Is it completely illogical that the Earth was created mature? i.e. trees created with rings … Adam created as an adult ..."
(Ist es komplett unlogisch, dass die Erde fertig geschaffen wurde? Insbesondere Bäume geschaffen mit Ringen ... Adam als Erwachsener geschaffen ...)
Wir überdehnen den Begriff der Logik auch dann nicht, wenn wir postulieren, dass Gott das Universum letzten Donnerstag geschaffen hat. Genauso wie es heute aussieht, mit allen Beweisen, dass es trotzdem älter ist, inklusive euren Erinnerungen, so dass man denkt, sie wäre älter. In sich logisch? Sicher. Plausibel? Nicht wirklich.

4. "Does not the second law of thermodynamics disprove evolution?"
(Widerspricht der 2. Hauptsatz der Thermodynamik nicht der Evolution?)
Nein. Dieses Argument geht davon aus, dass die Erde ein abgeschlossenes System bildet, in das Energie nicht mehr hinein- oder entkommt (1.Hauptsatz: Energie in einem geschlossenen System ist konstant.) Aber das ist falsch. Die Sonne ist der Hauptenergielieferant der Erde. Bei mittlerer Entfernung erreichen jeden Quadratmeter der sonnenzugewandten Seite etwa 1600 Watt (entspricht der Leistung zweier Mikrowellen). Das begünstigt das Entstehen von "Ordnung", denn dafür ist Energie notwendig, wobei "Unordnung" von "allein" entsteht. Die Entropie wird lokal verringert oder gar aufgehoben.

5. "How do you explain a sunset if their [sic] is no God?"
(Wie erklärst du einen Sonnenuntergang, wenn es Gott nicht gibt?)
Drehimpuls (http://www.slate.com/blogs/bad_astronomy/2012/12/05/animation_of_the_earth_at_night_suomi_npp_pictures_of_our_spinning_globe.html). Okay. Ich verstehe, dass hier eigentlich die Schönheit des Sonnenuntergangs gemeint ist. Aber dem kann man entgegnen, dass wir uns zum Farb- und Kontursehen entwickelt haben, dieses Event also schön finden, weil wir uns an diese Form der Schönheit angepasst haben. Die Sache wissenschaftlich zu betrachten, fügt dem Ganzen nur noch mehr Faszination und Schönheit hinzu. (Nebenbei sind einige Kreationisten auch Anhänger des Geozentrismus, wo die Erde im Mittelpunkt des Universums steht und alles andere sich um diese dreht).

6. "If the Big Bang Theory is true and taught as science along with evolution, why do the laws of thermodynamics debunk said theories?"
(Wenn die Urknalltheorie wahr ist und zusammen mit der Evolution als Wissenschaft gelehrt wird, warum entlarven die Gesetze der Thermodynamik besagte Theorien?)
Nein, siehe 4. Konsequenterweise müssen sich auch Wissenschaftler eingestehen, dass sie zwar einige interessante Ideen haben, aber im Grunde nicht wissen, wie und warum das Universum entstand. Aber "Ich weiß es nicht!" ist eine akzeptable Antwort in der Wissenschaft. Es führt zu weiteren Fragen, zu weiteren Erforschungen, zu weiterem Verständnis.

7. "What about noetics?"
Jetzt kommt es darauf an, was damit gemeint ist. Es gibt einen Zweig der Philosophie, die sich mit dem Verstehen des Geistes auseinandersetzt. Es ist auch ein wissenschaftliches Unterfangen, zu wissen, was Geist ist, wie er funktioniert: Oder aber rein rational, "Der Geist ist, was das Hirn tut." Es gibt da aber auch die New-Age-Ecke namens Noetics, die besagt, der Geist habe Einfluss auf die Materie. Die Frage ist natürlich auch, was dass mit Gott zu tun hat, es sei denn es geht darum, dass Gott dem Menschen den Geist gab. Das wiederrum wäre aber nur eine Behauptung, kein Beweis, ja nicht einmal eine kritische Frage. Es ist nur der Ausruf, dass es so ist.

8. "Where do you derive objective meaning in life?"
(Wo leitest du den objektiven Sinn des Lebens her?)
Wir haben uns in Millionen Jahren zu sozialen Tieren entwickelt, die sich gegenseitig unterstützen, um das gemeinsame Ziel "Überleben" zu sichern. Diese einfache Theorie erklärt bereits einen großen Teil der Moral und des Lebenszweckes, den wir sehen, ohne dass uns eine göttliche Gegenwart offenbart werden muss. Ich bin irgendwie gegen den Gedanken, dass der Mensch zu blöd ist, moralisch zu handeln, wenn kein Gott eingreift. Ich brauche keine Religion um zu wissen, dass Mord falsch ist. Beachten wir bitte auch, dass es Gesetzessammlungen gibt, die, je nach Datierung des Auszugs aus Ägypten und der Wüstenwanderung, Jahrhunderte vor Moses 10 Geboten datiert werden:
  • etwa 2370 v.u.Z Reformtexte des Urukagina (Uruinimgina: Sumer, Mesopotamien)
  • etwa 2100 v.u.Z Codex Ur-Nammu (Ur-Nammu, Urnammu, Ur-Namma; Sumer, Mesopotamien)
  • etwa 1930 v.u.Z Codex Lipit-Ištar (Lipit-Ištar, Babylonien, Mesopotamien)
  • 18. Jahrhundert v.u.Z Codex Ešnunna (Babylonien, Mesopotamien)
  • etwa 1750 v.u.Z Codex Hammurapi (Hammurapi, Babylonien, Mesopotamien)
  • 1749 bis 1712 v.u.Z Edikt des Šamšu-iluna (Babylonien, Mesopotamien
  • etwa 1630 v.u.Z Edikt des Ammi-ṣaduqa (Babylonien, Mesopotamien).
  • 1500 bis 1200 v.u.Z Hethitischen Gesetze (Hethiterreich, Anatolien)
  • 13. Jahrhundert v.u.Z Erlass des Tudhalija IV. (Verfassung des Tudhalija; Hethiterreich, Anatolien)
  • 12. Jahrhundert v.u.Z Mittelassyrischen Gesetze (Assyrien, Mesopotamien)
Ich habe kein Problem damit, wenn Menschen ihre moralische Führung oder ihren Lebenssinn in der Bibel suchen, aber ich finde es etwas befremdlich, wenn sie eindeutig unmoralische Teile davon ignorieren (http://skepticsannotatedbible.com/int/long.html).
Die Suche nach einem übergeordneten Sinn des Lebens setzt Gott ja bereits voraus, ohne ihn jedoch zu beweisen.

9. "If God did not create everything, how did the first single-celled organism originate? By chance?"
(Wenn Gott nicht alles geschaffen hat, wie ist dann der erste einzellige Organismus entstanden? Durch Zufall?)
Das ist eine exzellente Frage. Aktuellem Kenntnisstand nach war es teilweile Zufall, aber es war nicht zufällig. Die Chemie zeigt uns, dass Atome und Moleküle wie Puzzleteile sind. Sie lassen sich nur in bestimmter Weise zusammensetzen. Das bedeutet, dass einige Moleküle eine erstaunliche Komplexität aufweisen, einschließlich der Fähigkeit, sich selbst zu replizieren. Es ist halt nicht, wie die Teile einer Uhr, die man in eine Kiste wirft, schüttelt und am Ende einen funktionierenden Chronographen hat. Die Teile selbst bilden sich im Laufe der Zeit zu mehr Komplexität. So sieht es aktuell aus.
Die Frage kann man aber wiederum auch umdrehen: Wer erschuf Gott? Wenn dies mit damit beantwortet wird, dass er dieser schon immer war, warum dann nicht auch das Universum, bzw. Multiversum.
"A well-known scientist (some say it was Bertrand Russell) once gave a public lecture on astronomy. He described how the earth orbits around the sun and how the sun, in turn, orbits around the center of a vast collection of stars called our galaxy. At the end of the lecture, a little old lady at the back of the room got up and said: "What you have told us is rubbish. The world is really a flat plate supported on the back of a giant tortoise." The scientist gave a superior smile before replying, "What is the tortoise standing on?" "You're very clever, young man, very clever," said the old lady. "But it's turtles all the way down!"
- Stephen Hawking, 1988

(Deutsche Übersetzung: Ein bekannter Wissenschaftler (manche sagen, es war Bertrand Russell) gab einmal eine öffentliche Lektion in Astronomie. Er beschrieb den Orbit der Erde um die Sonne und den Orbit der Sonne um das Zentrum der Galaxie. Am Ende dieser Unterredung stand eine alte Lady am Ende des Raumes auf und sagte: "Was du erzählst, ist Blödsinn. Die Welt ist ganz offensichtlich flach und liegt auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte. Der Wissenschaftler fragte mit überlegenen Lächeln: "Auf was steht diese Schildkröte?" - "Du bist ein sehr schlauer, junger Mann, sehr schlau.", sagte die Frau: "Aber da sind Schildkröten den ganzen Weg hinunter.")
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10. "I believe in the Big Bang Theory … God said it and BANG it happened."
(Ich glaube an die Urknalltheorie ... Gott sprach und es knallte.)
Für mich ist das in Ordnung, auch wenn ich dem nicht zustimmen kann. Aber bezüglich der Aussage, dass die Gesetze des Universums einst so waren, wie sie heute sind, spricht mehr für eine Stellungnahme der Wissenschaft, denn der Religion. Es entspricht der theistischen Evolution, die ein faszinierendes Gebiet für philosophische Argumentation bietet, aber eben ihre Schwächen hat.

11. "Why do evolutionists/secularists/humanists/non-God believing people reject the idea of their [sic] being a Creator God but embrace the concept of intelligent design from aliens or other extra-terrestrial sources?"
(Warum lehnen Evolutionisten / Säkularisten / Humanisten / Nicht-Gott gläubigen Menschen die Vorstellung eines Schöpfergottes ab, aber begrüßen das Konzept des intelligenten Designs durch Aliens oder andere außerirdische Quellen?)
Tun sie nicht. Das ist Grenz- oder Pseudowissenschaft.
Ernsthaft. Hier liegt ein tiefes Missverständnis über Säkularität vor. Ich bin offen für jede verifizierbare Behauptung, solange sie sich auf Beweise stützt. Wir kennen keine Außerirdischen, also können wir auch nicht sagen, dass sie uns gemacht hätten. Allerdings wird die Wahrscheinlichkeit, dass es Außerirdische gibt, jeden Tag größer. Wir entdecken jährlich hunderte von Planeten, was beweist, dass unser Sonnensystem der Normalfall und nicht die Ausnahme ist. Aber auch dann ist der Gedankensprung zur Erschaffung durch Außerirdische ein großer.
Wohlgemerkt ist in der Frage die Ansicht ausgedrückt, Evolution habe etwas mit Atheismus zu tun. Und das ist zwangsläufig nicht der Fall.
12. "There is no in between … the only one found has been Lucy and there are only a few pieces of the hundreds necessary for an 'official proof'."
(Es gibt keine Zwischenstufen ... das einzige, was gefunden wurde, ist Lucy und es gibt nur ein paar Teile von ihr. Für einen "offiziellen Beweis" sind aber hunderte nötig.)
Das ist auf so vielen Ebenen falsch: Es wurden viele Knochen von verschiedenen Individuen von Australopithecus afarensis (Lucys Spezies) gefunden. Ebenso Knochen anderer alter Menschen und deren Vorfahren, darunter Zweige der Hominide, die nicht zu uns führen. Es existieren auch eine große Zahl an "Übergangsfossilien", die implizieren, dass der Mensch sich aus früheren Spezies entwickelt hat. Es ist auch nicht korrekt, dass man hunderte Skelette braucht, um Schlußfolgerungen zu ziehen. Genauso gut könnte man behaupten, dass man Knochen einer jeden Person braucht, die in den Millionen Jahren existiert haben, um die Herkunft abzuleiten. Aber es ist nicht nötig.
Die "missing link"-Debatte ist generell müßig. Denn um die Abkunft eines jeden zu 100% zu beweisen, bräuchte man alle Knochen, aller Vorfahren und müsste beweisen, dass es nicht die Knochen eines anderen sind. Obendrein behaupten Kreationisten Dinge, für die es gar keine Beweise gibt, ohne sich dieser abstrusen Lage bewusst zu sein, dennoch von der Gegenposition ständig neue Beweise zu verlangen, die man dann geflissentlich ignoriert. Wo sind Adams Knochen? Warum hat noch keiner einen Nephilim ausgegraben (#1)?

13. "Does metamorphosis help support evolution?"
(Hilft Veränderung bei der Evolution?)
Lass es mich so ausdrücken: Es widerlegt die Evolution nicht. Auch wenn wir nicht verstehen, wie es angefangen hat, führt es uns zu weiteren Fragen und noch mehr Fragen, um darüber zu lernen.

14. "If Evolution is a theory (like creationism or the Bible) why then is Evolution taught as a fact."
(Wenn Evolution eine Theorie ist (wie Kreationismus oder die Bibel), warum wird Evolution dann als Fakt gelehrt?)
Erstens: Kreationismus und die Bibel sind keine Theorien, nicht im wissenschaftlichen Sinne. Die Bibel ist ein Buch und Kreationismus erfüllt kein einziges Kriterium einer wissenschaftlichen Theorie: Kreationismus beschreibt nichts, Kreationismus erklärt nichts, Kreationismus trifft keine Vorsagen. Es ist lediglich ein systematisiertes Ignorieren von Daten.
Zweitens: "Die Evolution" ist eine Theorie und ein Fakt. Theorien beschreiben ja Wirklichkeiten. Manche machen das gut, andere nicht. Hier setzt im Grunde aber auch nur der Hebel an, dass der wissenschaftliche Begriff "Theorie" nicht dem alltäglichen Begriff "Theorie" gleicht. Während das eine, ein immer wieder prozessierte Erkenntnis darstellt, die immer wieder wandelbar ist, geht das andere von einer fixen Idee oder Meinung aus.
Drittens: Kreationismus hat es ja bereits in die Schulen geschafft, in den Ethik- und Religionsunterricht. Genau da, wo er hingehört. Denn selbst, wenn er stimmen würde, wäre er im Biologieunterricht falsch, weil er nicht naturwissenschaftlich erfasst werden kann. Auch gibt es nicht DEN Kreationismus, sondern viele Ausprägungen mit zum Teil widersprüchlichsten Aussagen. Man müsste sich zwangsläufig willkürlich für irgendeinen entscheiden und diesen lehren.

15."Because science is 'theory'–not testable, observable, nor repeatable, why do you object to creationism or intelligent design being taught in school?"
(Da diese wissenschaftliche Theorie nicht prüfbar, beobachtbar und wiederholbar ist, warum sind Sie dagegen, dass Kreationismus oder Intelligent Design in der Schule gelehrt wird?)
Nun, Wissenschaft ist prüfbar, beobachtbar und reproduzierbar. Das ist so ziemlich die Definition von Wissenschaft. Und die Evolutionstheorie passt genau in diese Definition (dazu später mehr, als Vorgeschmack: http://scienceblogs.com/loom/2008/06/02/a-new-step-in-evolution/ (englisch)).

16. "What mechanism has science discovered that evidences an increase of genetic information seen in any genetic mutation or evolutionary process?"
(Welchen Mechanismus hat die Wissenschaft entdeckt, der einen Anstieg genetischer Information in irgendeiner Mutation oder einem evolutionären Prozess beweist?)
Ich verweise nochmals auf den verlinkten Artikel in Punkt 15.

17. "What purpose do you think you are here for if you don’t believe in salvation?"
(Zu welchem Zweck glaubst du, dass du hier bist, wenn du nicht an die Erlösung glaubst?)
Das ist eine interessante Frage. Verweist aber auf Punkt 8, auch wenn die Antwort wenig hoffnungsgebend sein sollte. Ich denke aber, dass z.B. ein Jude vermutlich eine wesentlich interessantere Antwort parat hätte. Ich glaube nicht, dass es einen Zweck gibt, der von einer externen Entität gewährt wird. Was sicher ist: Wir sind. Alles andere ist Philosophie.

18. "Why have we found only 1 ‘Lucy,’ when we have found more than 1 of everything else?"
(Warum haben wir nur eine "Lucy" gefunden, wenn wir mehr als ein Exemplar von allem anderen gefunden haben?)
Siehe Punkt 12.

19. "Can you believe in ‘the big bang’ without 'faith'?"
(Kannst du an den Urknall glauben ohne Glauben?)
Ja. Wir haben einige Nachweise dafür: https://de.wikipedia.org/wiki/Urknall

20. "How can you look at the world and not believe someone created/thought of it? It’s amazing!!!"
(Wie kannst du dir die Welt anschauen und nicht daran glauben, dass jemand dieses geschaffen hat? Das ist erstaunlich!)
Ja, das ist wirklich erstaunlich. Es braucht keine komplexen Regeln um große Diversität zu erschaffen. Poker, zum Beispiel, kommt mit wenigen, relativ einfachen Regeln aus und dennoch gibt es so viele Kombinationsmöglichkeiten, dass die Menschheit, selbst wenn sie seit Anbeginn des Universums gespielt hätte, vermutlich immernoch nicht alle Kombinationen ausgespielt hätte.

21. "Relating to the big bang theory … Where did the exploding star come from?"
(Bezugnehmend auf die Urknalltheorie ... Woher kam der explodierende Stern?)
Mal ganz ab, dass es nicht ein explodierender Stern war, sondern die "Explosion" von Zeit und Raum, erklärte ich bereits in Punkt 6, dass man es bisher nicht weiß. Aber das ist okay, da wir jeden Tag mehr darüber lernen. Aber eine übernatürliche Quelle vorrauszusetzen, ohne zu erklären warum, bringt uns keinen Schritt näher an das Verstehen. Es führt uns nur dazu, nicht mehr darüber nachzudenken und zu lernen.

22. "If we came from monkeys then why are there still monkeys?"
(Wenn wir vom Affen abstammen, warum gibt es dann immernoch Affen?)
Gegenfrage: Wenn du von deinen Eltern abstammst, warum gibt es immernoch deine Eltern?
Beide Fragen sind Quatsch, denn Evolution ist nicht eine gerade Linie von einer Spezies zur nächsten. Neuere Arten entstehen aus ältern, sie ersetzen diese nicht. Stellen wir uns zwei Primaten vor die zwei Kinder bekommen, eines wird simpel der gleiche Primat, ein anderes hat eine minimale Änderung. Beide pflanzen sich fort und geben ihr Erbgut weiter. Manchmal passieren Mutationen, manchmal nicht. Über einen größeren Zeitraum ergeben sich daraus zwei differenzierte Arten: Eine nahe am Orginal, die andere weiter weg. Beide leben zur gleichen Zeit. Das ist jetzt natürlich eine starke Verallgemeinerung, aber folgendes Bild könnte helfen:
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Festzuhalten bleibt, dass dies sicher nur ein kleiner Ausschnitt kreationistischer Fragen ist. Die meisten dieser hier aber, beruhen auf dem Missverständnis wie Evolution funktioniert, welche Inhalte sie hat und wie Wissenschaft überhaupt funktioniert. Weitere Fragen finden sich unter http://www.talkorigins.org/origins/faqs-creationists.html (englisch).
Das Wort "glauben" über der Auflistung ist absichtlich in Anführungsstrichen gehalten, da Wissenschaft kein Glaubenssystem ist. Wissenschaftler "glauben" nicht an die Evolution, sie sind überzeugt davon, dass sie die bestmögliche Theorie ist, zu beschreiben, wo wir herkommen. Und sie tun es, weil sie diese Überzeugung regelmäßig überprüfen.

#1 Nephilim
Historisch wurde immer wieder von Funden derartiger Skelette berichtet. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts meinte man in den bei Claverack nahe Albany 1705 ausgegrabenen großen Knochen und Zähnen die Überreste eines biblischen Riesen erkennen zu können. Zunächst hatte ein Bauer nur einen riesigen Zahn gefunden, der in den Besitz Edward Hydes gelangte, des Gouverneurs von New York und New Jersey, der alsbald Mitteilung über den Fund an die Royal Society in London sandte. Weitere Grabungen förderten große Knochen zutage, Zeitungen berichteten darüber und die Funde und die Berichte regten die Phantasie der Bewohner Neuenglands an, darunter des Dichters Edward Taylor, der in ihnen die Reste eines Riesen aus der indianischen Mythologie sah. Der puritanische Prediger und Hexenjäger Cotton Mather dagegen sah in den antediluvianischen Funden die Knochen eines der biblischen Riesen. Tatsächlich handelte es sich bei dem incognitum und auch als „Riese von Claverack“ bezeichneten Funden um Fossilien eines Mammuts.

Das Bedürfnis, die physische Existenz biblischer Riesen nachzuweisen, besteht noch heute. So kursieren im Internet immer wieder angebliche Fotos von archäologischen Ausgrabungen von Riesenskeletten. Dabei handelt es sich jedoch um perspektivische Tricks oder Fälschungen.

Mehr dazu: http://www.luisescobarblog.com/nephilim-skeletons-writers-strike-offspring-munchkin-goes-to-work/ (englisch)
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 16. Nov 2017, 16:44

Grundsatzartikel: Wenn Gott nun Wissenschaftler wäre ...

Eine kurze Anekdote vorweg:
Na gut, die Kreationisten haben es herausgefunden. Ich gebe es zu: Die Kreationisten und ihre Kampfgenossen haben Recht! Die Evolution ist eine Lüge. Wie haben Biologen das bislang verheimlicht?
Nun: Alle fünf Jahre treffen sie sich an einem geheim gehaltenen Ort: mal die Halle des Volkes in Peking, mal der Kölner Dom, mal Wanderes Bieramt im schönen Nürnberg, mal eine Eckkneipe in Somalia. Da schleichen sie - etwa 140.000 Biologen, Mediziner, Paläontologen, Geologen, Genetiker, Physiker, Chemiker und so weiter aus Deutschland, Ungarn, den USA, der Schweiz, Kanada, Australien, England, Russland, Korea, Vietnam, Mexiko, Spanien, der Elfenbeinküste, der Türkei, China, Österreich, Japan, Honduras und so weiter gegen Abend heimlich durch die Straßen, hin zum Lokal. Dann weihen sie die neuen ein: "Jungs und Mädels, es gibt keine Evolution. Die Erde ist 6.000 Jahre alt. Der Mensch stammt von Gott. Aber ... wir wollen hier feierlich geloben und beschwören, dass wir die Welt weiterhin belügen wollen, weil ... bzw. ... und überhaupt! Dürfen wir mit eurer Verschwiegenheit rechnen?" Und alle rufen: "Aber hallo! Keine Frage! Selbstverständlich! Wir sind doch Wissenschaftler. Wir wollen die Daten und Fakten nimmermehr zur Kenntnis nehmen und machen uns die Welt, wie sie uns gefällt."

Millionenfaches Schurkenlachen aus allen Ecken.

Die Geheimhaltung ist ganz einfach, denn die sind alle allerengste Freunde.
Aber jetzt ist die Katze aus dem Sack. Der Schwindel ist aufgeflogen. Wo wir gerade dabei sind: Die Mondlandung hat nie stattgefunden. Wie auch, der Mond besteht ja bekanntlich aus Käse. Der Klimawandel ist eine Erfindung von Außerirdischen und die Regierung wird insgeheim von Echsenmenschen vom Aldebaran gesteuert, die einst als Dinosaurier auf der Erde wandelten und die Menschheit zum Goldbuddeln versklavte. Kontinentalverschiebung? Habt ihr eine Ahnung, wie schwer so ein Kontinent ist? Wer soll den denn verschieben?
Und die Schulen: ein Hort der Wahnbildung. Alles Lüge und Manipulation der Sieger, die ja immer die Geschichte schreiben.

Sie ist stark überzeichnet, enthält aber Wahres. Evolutionsbiologen Engstirnigkeit, Ignoranz, Ideologie, Religionshass, niedere Moral oder Geldliebe zu unterstellen, ist angesichts des umfassenden Forschungsgebiets, das eben nicht frei im Raum schwebt, sondern in zig andere wissenschaftliche Bereiche eingeflochten ist, absurd. Aber dies geschieht.

Wie sieht es aber aus: Sind Wissenschaft und Gott irgendwie vereinbar? Besteht überhaupt ein Widerspruch? Die Kluft zwischen religiösen Dogmen und wissenschaftlicher Offenheit scheint größer denn je. Aufgerissen wurde diese im frühen 17. Jahrhundert. Dass ausgerechnet ein Domherr und Doktor des Kirchenrechts, Nikolaus Kopernikus, und ein päpstlicher Protegé namens Galileo Galilei im Zentrum dieses scheinbar antireligiösen Konflikts standen, verleiht dem Ganzen eine besondere Pointe.
Stehen sich Religion als Glaubenssystem und Wissenschaft als System des Zweifels diametral gegenüber? Ist der Unterschied also systembedingt? In der Praxis ist dies oft gewiss. Kreationisten verleugnen wissenschaftliche Erklärungen zur Entstehung der Welt, mancher wohl die ganze Naturwissenschaft. Intelligent Designer sind subtiler und verstecken ihre "Argumente" in wissenschaftlich klingendem Gewandt. Am Ende ist es aber wieder nur nicht-beweisbar und nicht-wissenschaftlich.

Gibt es Gott? Für die folgende Erörterung ist es nicht relevant.
Also bleiben wir beim Gedankenbild aus der Überschrift: Was wäre, wenn irgendeine Religion existieren würde, die grundsätzlich alle wissenschaftlichen Erkenntnisse anerkennt? Was wäre, wenn es zum Credo dieser Religion gehören würde, dass die wissenschaftliche Methode der einzige Weg zu Erkenntnis ist? Was ist, wenn diese Religion auch anerkennt, dass diese Erkenntnis auch einschließt, das niemand durch irgend eine Form der Missionierung, weder sanft noch gewalttätig, diese Erkenntnis aufgezwungen werden darf? Denn auch dies gehört zur Erkenntnistheorie.
Fügen wir ferner noch hinzu, dass es zu dieser Religion gehört, gewaltlos und gleichheitlich allen Individuen gegenüber zu sein. Das ist zwar keine wissenschaftliche Position, aber doch erstrebenswert.

Wie würde sich ein Wissenschaftler zu einer Religion stellen, die ihm immer und kategorisch recht gibt, aber darin halt nicht das Wirken einer undifferenzierten, unpersönlichen "Natur" sieht, sondern das Walten eines Gottes? Urknall, Evolution, Sollbruchstellen bei Spaghetti. Alles glaubhaft, wie beschrieben und erarbeitet, aber eben von Gott so gewollt. Ist dies eine Religion, die ein Wissenschaftler dulden könnte, weil sie ihm nicht reinredet, sondern einfach glaubt und daher auf Beweise verzichtet? Bestünde ein Konflikt auch dann, wenn sich beide in den Details über alles einig wären?
Man könnte sich natürlich wohlfein aus der Affäre ziehen. Soll doch jeder glauben, was er will. Aber was mich am Kreationismus und Intelligent Design stört ist ja nicht die religiöse Abkunft, sondern dass sie schlichtweg falsch (im Sinne von "wissenschaftliche Erkenntnisse ignorierend") sind und dennoch fordern, ihnen mehr Gehör zu schenken, als den Wissenschaften, die sie bekämpfen, die seit mehr als 100 Jahren auf dem Prüfstand stehen und sich immer wieder behaupten.
Der Beweisverzicht, der blinde Glaube, würde aber auch bei dieser Religion zum Problem mit der Wissenschaft führen. Denn die Wissenschaft ist ein System der Fragen, des Zweifels, des Nachforschens. Erkenntnis erwächst nicht aus Stillstand. Nicht jeder kann aber alles hinterfragen und erforschen. Aber Wissenschaftler können auch eine solche Religion getrost ignorieren, da Gott als Ursache nichts am Ergebnis ändert. Das Konzept Gott ist also wissenschaftlich unbrauchbar. In der Realität fordern Gottgläubige aber die Berücksichtigung eines Gottes in den wissenschaftlichen Arbeiten, obschon sie sagen, dieses Wesen sei unergründlich. Es bleibt also letztendlich Willkür, wo und wann Gott wirkt und wann nicht. Genauso gut könnten wir über die Farbe unsichtbarer Einhörner diskutieren.


Die Beweisbarkeit des Loskaufopfer Jesu hängt an der Beweisbarkeit des Sündenfalls. Der Mensch ist unvollkommen ist und stirbt. Das bestätigt auch die Wissenschaft. Das sich daraus ergibt, dass der Mensch mal vollkommen war, weil er sich höheres erträumt und vor dem Tod Angst hat, ist wiederrum nicht logisch. Der Mensch ist auch kein Vogel, nur weil er fliegen will.

Wäre aber wiederrum die Wissenschaft gelenkt, um das erforschen und bestätigen, was in der jeweiligen heiligen Schrift steht, welchen Wert hätte sie dann? Keinen.
Sie wäre ein bloßes Instrument zum Lenken der gläubigen Masse. Von diesem Bild sind wir glücklicherweise durch die zig verschiedenen Religionen und Glaubenssysteme befreit, da sich diese nicht einigen können, wer denn nun "am rechtesten" hat.
Und so wird weiter geforscht, gesammelt, argumentiert, Spuren gelesen, katalogisiert und erfasst. Alles unter Ausschluss der Glaubensgemeinschaften als Glaubenssystem. Früher gab es zwar die Inquisition, aber da Kopernikus' und Galileos Erkenntnisse heute in den Schulen gelehrt werden, hatte man mit dem Erhalt der Doktrin nur temporären Erfolg.

Wenn Gott also Wissenschaftler wäre, würde er zwar alles erschaffen haben, aber sich wie ein kleiner Junge darüber freuen, dass dieses Gewusel auf der Erde doch zu einem interessanten Haufen belehrbarer Wesen wurde, die sich bemühen, seine Schöpfung zu begreifen. Denn wenn er uns mit dem Wunsch nach Erkenntnis geschaffen hat, dann sollte er höchst erfreulich sein, dass wir einen so wohlfeinen Erkenntnisapparat wie die Wissenschaft entwickelt haben, der sich selbst reinigt und Fehler systematisch ablegt. Und zu einem vernunftbegabten Wesen, wie wir Menschen von ihm geschaffen wurden, ist die letztendliche Frage "Gibt es Gott?" für einen wissenschaftlich denkenden Gott allemal besser, als blindgläubige Eiferer.

Ein wenig neidisch kann man dennoch auf die Gläubigen sein: Eine ewigwährende, trostspendene Instanz, die Hoffnung gibt, die ein Durchhalten ermöglicht oder vereinfacht, ist die Wissenschaft wahrlich nicht.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 17. Nov 2017, 19:34

Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 1: Eine Einleitung mit Pontius Pilatus

Was macht eine Religion zu einer guten Religion? Für die einen ist es das utopisch gute Leben nach dem Tode. Für die anderen ist es die offizielle Lizenz, sich gegenüber seinen heidnischen Nachbarn überlegen zu fühlen. Wieder ganz andere schätzen die geringfügige Möglichkeit, sich während der Messe mit John Travolta oder Tom Cruise um die Plätze zu prügeln.
- MAD Magazine

"Was ist Wahrheit?"

Diese Frage stellte schon Pontius Pilatus, bevor er Jesus an den Pfahl brachte, eben genau jenem. Dieser aber schwieg (Johannes 18:38).


Da jede heilige Schrift ihre eigene Wahrheit verkündet, ist das Ausrichten des Lebens nach einer dieser Schriften zwangsläufig willkürlich und führt zur Klärung von Pontius' Frage kein Stück weiter. Innerhalb der von der Schrift vorgegebenen Grenzen sind einige Freiheiten gewährt, aber im Grunde sind die dahinterstehenden Mechanismen starr. Wissenschaft dagegen definiert Wahrheit mit jedem Experiment, mit jeder Theorie neu. Alle Forschung zielt darauf ab, sich dem Ideal "Wahrheit" anzunähern, erreicht wird es aber wohl nie. Womit sich Prediger 8:17 bestätigt: "Und ich sah das ganze Werk des [wahren] Gottes, wie die Menschen das Werk, das unter der Sonne getan worden ist, nicht herausfinden können; wie sehr die Menschen auch ständig hart arbeiten, um [es] zu suchen, finden sie [es] doch nicht heraus. Und selbst wenn sie sagen sollten, sie seien weise genug, [es] zu erkennen, würden sie es nicht herausfinden können." (Neue-Welt-Übersetzung)

Wissenschaft wandelt sich alle Zeit. Zu dem Thema passt auch ein Auszug aus dem Roman "Esther", der 1884 von Henry Adams geschrieben wurde.
Die namensgebende Hauptfigur wird darin von Stephen Hazard, einem episkopalen Priester, und George Strong, einem atheistischen Paläontologen umworben. Esther kritisiert zwar den episkopalen Glauben, doch sie ärgert sich auch über Georges Materialismus und wirft diesem vor, an die Wissenschaft ähnlich einer Religion zu glauben. Hier also der englische Text eines Wortwechsels zwischen Esther (E) und George (G), darunter meine laienhafte Übersetzung.
Esther: “Is religion true?”
George: “I thought so! Cousin Esther, I love you as much as I love any one in this cold world, but I can’t answer your question. I can tell you all about the mound-builders or cave-men, so far as known, but I could not tell you the difference between the bones of a saint and those of a heathen. Ask me something easier! Ask me whether science is true!”
Esther: “Is science true?”
George: “No!”
Esther: “Then why do you believe in it?”
George: “I don’t ‘believe’ in it.”
Esther: “Then why do you belong to it?”
George: “Because I want to help in making it truer. You are bothered, I suppose, by the idea that you can’t possibly believe in miracles and mysteries, and therefore can’t make a good wife for Hazard. You might just as well make yourself unhappy by doubting whether you would make a good wife to me because you can’t believe the first axiom in Euclid. There is no science which does not begin by requiring you to believe the incredible.”

Esther: "Ist Religion wahr?"
George: "Das dachte ich mir! Cousine Esther, ich liebe Sie so sehr, wie ich einen jeden in dieser kalten Welt liebe, aber ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten. Ich kann Ihnen alles über die Hügelgräber (oder Hügelgrabbauer) oder die Höhlenmenschen erzählen, soweit mir bekannt, aber ich kann Ihnen keinen Unterschied nennen, zwischen den Knochen eines Heiligen und denen eines Heiden. Fragen Sie mich etwas einfacheres! Fragen Sie mich lieber, ob die Wissenschaft wahr ist!"
Esther: "Ist Wissenschaft wahr?"
George: "Nein!"
Esther: "Warum glaubst du dann daran?"
George: "Ich glaube nicht daran."
Esther: "Warum bist du dieser dann zugehörig?"
George: "Weil ich helfen will, sie wahrer zu machen. Sie sind vermutlich verstört, von der Idee, dass Sie möglicherweise nicht an Wunder und Mysterien glauben können, und daher keine gute Frau für Hazard wären. Sie könnten genauso gut unglücklich sein, indem Sie zweifeln, eine gute Frau für mich zu sein, weil Sie nicht an das erste Axiom von Euclid glauben. Es gibt keine Wissenschaft, deren Beginn nicht die Vorraussetzung mit sich bringt, an etwas zu glauben, dass unmöglich scheint. (#1)

Die Wissenschaft ist hier keine Gralshüterin einer universellen, unabänderlichen und ewiglichen Wahrheit, sondern eine kontinuierliche und niemals vollständig abgeschlossene Suche nach immer neuen Wahrheiten. Es verhält sich genau umgekehrt zur Religion. Auch da wird freilich immer wieder geprüft, ob das, was gelehrt wird auch so in der heiligen Schrift steht. Das führte in den letzten 2 Jahrtausenden zu ca. 2000 verschiedenen christlichen Gruppierungen, nie aber zu Konsenz.

Once I saw this guy on a bridge about to jump. - I said, "Don’t do it!"
He said, "Nobody loves me." - I said, "God loves you. Do you believe in God?"
He said, "Yes." - I said, "Are you a Christian or a Jew?"
He said, "A Christian." - I said, "Me, too! Protestant or Catholic?"
He said, "Protestant." - I said, "Me, too! What franchise?"
He said, "Baptist." - I said, "Me, too! Northern Baptist or Southern Baptist?"
He said, "Northern Baptist." - I said, "Me, too! Northern Conservative Baptist or Northern Liberal Baptist?"
He said, "Northern Conservative Baptist." - I said, "Me, too! Northern Conservative Baptist Great Lakes Region, or Northern Conservative Baptist Eastern Region?"
He said, "Northern Conservative Baptist Great Lakes Region." - I said, "Me, too! Northern Conservative Baptist Great Lakes Region Council of 1879, or Northern Conservative Baptist Great Lakes Region Council of 1912?"
He said, "Northern Conservative Baptist Great Lakes Region Council of 1912." - I said, "Die, heretic!" And I pushed him over.

Übersetzung von mir:
Eines Tages sah ich auf einer Brücke einen Typen, der springen wollte. Ich sagte: "Tu's nicht!"
Er sagte: "Niemand liebt mich." - "Gott liebt dich. Glaubst du an Gott?"
Er sagte: "Ja." - "Bist du ein Christ oder ein Jude?"
Er sagte: "Christ." - "Ich auch. Protestant oder Katholik?"
Er sagte: "Protestant." - "Ich auch. Welche Richtung?"
Er sagte: "Baptist." - "Ich auch. Nord- oder Süd-Baptist?"
Er sagte: "Nord-Baptist." - "Ich auch. Nord-konservativer Baptist or Nord-liberaler Baptist?"
Er sagte: "Nord-konservativer Baptist." - "Ich auch. Nord-konservativer Baptist Große Seen Region oder Nord-konservativer Baptist Ost Region?"
Er sagte: "Nord-konservativer Baptist Große Seen Region." - "Ich auch. Nord-konservativer Baptist Große Seen Region, das Konzil von 1879 oder Nord-konservativer Baptist Große Seen Region, das Konzil von 1912."
Er sagte: "Nord-konservativer Baptist Große Seen Region, das Konzil von 1912." Ich schrie: "Stirb Härethiker!" und stieß ihn von der Brücke.



Sie alle behaupten im Vollbesitz der einen Wahrheit zu sein und wühnen die anderen im Irrglauben. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Anhänger einer Glaubensgemeinschaft oder einer heiligen Schrift, davon überzeugt ist, dass diese die Wahrheit spricht. Es wäre auch schwerlich vorstellbar, dass sich jemand bewusst für etwas entscheidet, dass er selbst als Lüge ansieht. Paulus (stellvertretend, es gibt auch andere Bibelschreiber, z.B.: Offenbarung 21:5,6) schreibt an die Thessalonicher, dass sie das Wort nicht als Menschenwort, sondern als Gottes Wort angenommen haben. In 4. Mose 23:19 ist enthalten, dass Gott nicht lügen kann. Aus diesen beiden Grundannahmen ergibt sich zum Beispiel, dass Gottes offenbartes Wort, die Bibel, stets die Wahrheit enthält. Das ist in sich logisch.


Wissenschaft erforscht die Welt, die Religionen mit 1000 Seiten glauben erschöpfend ab zu handeln.
Oft schon wurde eine alte "Buchweisheit" mit dem Schwert verteidigt. Heute werden lieber Vorurteile gegen den Atheismus mobil gemacht und eine rein egoistische, materialistische und hedonistische (#2) Gesellschaft an die Wand gemalt. Ein Ungläubiger, der seine Ansichten kundtut, gilt als militant und missionarisch. Dabei ist unsere Gesellschaft heute schon weitgehend säkulär organisiert und fährt damit offenbar besser als je zuvor.
Speziell geht in der folgenden Artikelserie darum, zu ergründen, was Wahrheit ist und wie diese von Wissenschaft und Religion ergründet wird.


Bill Nye: "Wir verstehen es aktuell nicht ... -> Daher: Wir werden damit fortfahren Wissen und
Beweise in überprüfbaren Erklärungen und Vorhersagen über das Universum zu sammeln und zu organisieren,
überprüfbare Erklärungen und Vorhersagen, so dass wir es eines Tages verstehen könnten."
Ken Ham: "Ich weiß es nicht ... -> Daher: Genesis."


#1 - Esther
Die liebliche Esther, aus dem Roman, gibt am Ende übrigens beiden Verehrern den Laufpass. Dem Priester Hazard wegen seiner religiösen Vorstellungen und dem Paläontologen George aus mangelnder Liebe zu ihm. Das George Paläontologe ist, liegt übrigens an dem damals "hippen" Image, wie ihn heute Teilchen- und Astrophysiker haben und daran, dass man damals stundenlang anstand, um ein paar flüchtige Blicke auf ein paar Saurierknochen zu erhaschen.

#2 - Hedonismus
Einzig auf Lust und Freude und die Vermeidung von Schmerz bedachte Lebensweise
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 19. Nov 2017, 00:29

Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 2: "Wenn sich zwei Lehren widersprechen, kann nur eine richtig sein." - Ist Wissenschaft engstirnig?

Wenn die Bibel wahr ist, so ist die Evolutionstheorie falsch. Keine andere wissenschaftliche Arbeit ist durch religiöses Aufbegehren so in Misskredit geraten und keine andere Theorie wird trotz tausendfacher Bestätigung so sehr abgelehnt. Allerdings steht auch keine andere Theorie so quer gegenüber den religiösem Verständnis der Stellung des Menschen. Dieser einfachen Argumentation folgte der Vortrag auf dem Kongress 2013 "Gottes Wort ist Wahrheit". Eine differenzierte und ausgewogene Betrachtung des Themas war von vornherein nicht zu erwarten. Aus diesem Vortrag stammt auch der Ausspruch der Überschrift. Dabei wird vergessen, dass auch beide Theorien falsch sein könnten und eine andere, vielleicht noch unentdeckte Idee, die Wahrheit besser umschreibt.
Eine weitere Situation wird überraschen :Es könnten auch beide Theorien stimmen. Wie das?
Ein Beispiel: Die Relativitätstheorie, ist wie die Theorie der Quantenmechanik eine der am Besten überprüften und bestätigten wissenschaftlichen Modelle überhaupt. Beide beschreiben ihre Effekte gänzlich korrekt und haben jeden Test standgehalten und unser Verständnis über den Aufbau und die Wirkungsweise der Welt entscheidend geprägt und verändert. Doch nun der Krux: Die Relativitätstheorie kann die Verschränkungen zweier Partikel nicht erklären, sowie viele andere quantenmechanische Phänomene. Die Quantenphysik dagegen hat in der Welt des großen praktisch keine Aussagekraft. Und das entgegen den wirren Behauptungen, die irgendwelche Esoteriker rumschwadronieren, um Homöopathie, Reiki, überlichtschnelle Aliens oder irgend einen anderen Hokus Pokus zu erklären, der nachweislich Schwachsinn ist.
Kein Physiker kommt auf die Idee, eine der beiden großen Theorien zu verwerfen, auch wenn sie sich widersprechen. Denn aus unzähligen Experimenten und Beobachtungen in der Natur wissen sie, dass sie stimmen. Wenn aber zwei Theorien erwiesenermaßen richtig sind, in anderen Bereichen aber nicht funktionieren, so sind sie offenbar Teil einer viel größeren Theorie, die diese beiden beinhaltet und wer weiß was noch. Wissenschaftler suchen fieberhaft nach dieser Formel und sie wissen, wenn sie diese gefunden haben, werfen sie wieder viele liebgewonnene Weltbilder um und ermöglichen uns wieder ein völlig neues Verständnis unseres Universums.

Die Richtigkeit einer Theorie, ergibt sich übrigens nicht aus der Falschheit einer anderen, sondern aus ihren überprüfbaren Aussagen und ihrem Mehrwert für das Verständnis über die Welt.

Paulus sagte: "Der Glaube ist die gesicherte Erwartung erhoffter Dinge, der offenkundige Erweis von Wirklichkeiten, obwohl man sie nicht sieht." (Hebräer 11:1) Allerdings ist biblische Erkenntnis weder gesichert, noch erwiesen und offenkundig schon gar nicht. Ein "offenkundiger Erweis von Wirklichkeiten" sollte nicht von einem Bibelstudium abhängig sein, da er offenkundig ist. Schlussendlich bleibt religiöser Glaube in letzter Instanz ein "nicht zweifeln dürfen", um die Heilswirkung nicht zu verfehlen. Wer zweifelt, glaubt schon nicht mehr.
Logischerweise erarbeitet nicht jeder Forscher seine Disziplin von Grund auf neu. Er "glaubt" den Angaben seiner Kollegen und Vorreiter und baut darauf seine Arbeitshypothesen auf. Treffen die Aussagen dieser nicht ein, so kann es ein Messfehler sein oder die Hypothese ist falsch oder aber die zugrundeliegenden Annahmen. Der wissenschaftliche Glaube entspricht also eher dem "vertrauen", da der Forscher theoretisch jeden Schritt der Erkenntnisgewinnung nachvollziehen kann.
Demgemäß ist auch die Evolutionstheorie das Resultat eines dynamischen, sich selbst permanent hinterfragenden Apparats, den wir Wissenschaft nennen. Und diese findet nicht in irgendwelchen Hinterzimmern statt oder abgeschotteten Kreisen. In der Diskussiongemeinde entsteht dennoch die schizophrene Wahrnehmung, dass Wissenschaft ein dogmatisches Glaubenssystem sei, aber aufgrund ihres steten Wandels als wankelmütig bezeichnet wird.

Wissenschaft funktioniert. Das hat sie in den letzten Jahrhunderten permanent bewiesen. Sie passt sich an, sie lernt aus dem, was sie wahrnimmt und adaptiert ihre Ideen und Theorien. Sie testet, macht Fehler, testet nochmals, macht es "richtiger". Autos fahren ja nicht, weil wir dran glauben, sondern weil man das Prinzip der Thermodynamik und der Verbrennung so weit verstanden hat, dass man Autos nicht nur bauen und fahren kann, sondern auch stetig verbessern. Autos evolvieren quasi.
Die Tatsache, dass Psi-Tests, Studien zur Homöpathie, Telekinese, die Suche nach Außerirdischen (zum Beispiel das berühmte S.E.T.I.-Projekt), Diskussionen zum "intelligent Design" (oder andere Formen von Kreationismus), auch Studien zum positivien Effekt von Gebeten, Studien zum evolutionären Vorteil von Religionen und dergleichen überhaupt durchgeführt und veröffentlicht werden, zeigt, dass man selbst den verrücktesten Behauptungen von wissenschaftlicher Seite eine Chance gibt, sich zu bewähren. Dies widerlegt das Argument der Esoteriker und Glaubensgemeinschaften, die wissenschaftliche Gemeinde sei engstirnig und ihre fehle die Offenheit für unorthodoxe Ideen.

Die Wissenschaftsgeschichte ist voll von Beispielen für unorthodoxe Gedanken, die sich durchgesetzt haben: Einsteins Idee einer gekrümmten Raumzeit, induzierte pluripotente Stammzellen (also Zellen, deren Nachfolger faktisch alles werden können), das Modell eines beschleunigt expandierenden Universums, um nur jüngere Beispiele zu nennen. All diese Überlegungen waren ursprünglich ungewöhnlich, konnten sich aber durchsetzen. Nicht weil irgendwelche Verkaufszahlen stimmten, sondern weil es gute, wissenschaftliche Argumente gab.

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Auch für Irrtümer ist Platz: Anfang 2012 wurden in den Partnerstädten des CERN überlichtschnelle Neutrinos gemessen, die es eigentlich nicht hätte geben dürfen. Natürlich war die Verwunderung groß. Aber selbst in diesem Fall wurde die unorthodoxe Theorie nicht einfach verlacht, sondern sachlich diskutiert und genauer untersucht. Man stellte die Daten sogar öffentlich aus und rief alle mit Sachverstand auf, den Fehler in der Messung oder den Formeln dahinter zu suchen. Warum?
Weil Fakten aus dem Tisch lagen, die es zu untersuchen galt. Weil sauber argumentiert wurde. Wenn wir entgegen der Medien nicht sofort dem nächsten Hype hinterher hetzten, sondern beim Thema verweilten, bekam man die ernüchternde Antwort, dass eine defekte Isolierung an einem Kabel zu einem Messfehler führte. Aber der Vorfall zeigt, dass auch Aussagen diskutiert werden können, wenn sie der etablierten Wissenschaft drastisch widersprechen.

Wissenschaft lehnt nicht das Unorthodoxe ab, sie lebt davon. Sie lehnt das Schwammige ab, das Vage, das Unpräzise, das Unwissenschaftliche.

Wissenschaft ist präzise. Egal, mit was eine Fensterscheibe eingeworfen wird, das Ding hält sich an die Gesetze der Gravitation. Die Schwerkraft ist eine der vier Fundamentalkräften, die alle Vorgänge im Universum bestimmen. Sie ist im Alltag am ehesten spürbar, aber mit Abstand die schwächste. Obwohl die Erde mit 6 Quadrillionen Kilogramm am Wurfgeschoss zehrte, fiel es dem Fensterschmeißer nicht schwer, das Wurfobjekt anzuheben und bis ins Fenster zu schleudern. Wenn der Werfer allerdings mit einer Geschwindigkeit von 28.400 km/h werfen könnte, würde das Ding nicht mehr zur Erde zurückkehren, sondern diese umkreisen (wir müssen hier den Luftwiderstand vernachlässigen). Mit 40.320 km/h würde das Ding gänzlich die Erde verlassen. Gravitation hört aber nicht irgendwo auf, sie wirkt unendlich weit (mit dem Quadrat des Abstandes schwächer werdend). Astronauten sind nicht schwerelos, sie befinden sich ständig im "freien Fall" zur Seite, so dass sie um die Erde herumfallen. Diese Kraft hält Planeten auf ihren Bahnen und formt Sterne zu Galaxien. Sie bestimmt wie Dinge sich im Raum bewegen und gibt dem Raum selbst eine Form.
Licht ist - nüchtern betrachtet - das Resultat der Schwingungen eines elektromagnetischen Feldes in einem recht kleinen Teilbereich des elektromagnetischen Spektrums. Auch dessen Reichweite ist unendlich groß und diese Kraft bemerken wir ständig im Alltag. Das Licht der Sonne, Radiowellen für Funk- und Fernsehen. Mit UV-Licht kann man Blutspuren nachverfolgen und Täter überführen. Elektromagnetismus hat aber auch fundamentalere Effekte: Er sorgt dafür das die elektrisch negativ geladenen Elektronen am elektrisch positiv geladenen Atomkern "haften" und sorgt so für jedweden chemischen Vorgang, die ohne die unterschiedliche Ladung gar nicht existieren würden. Eine neue Betrachtung elektromagnetischer Felder führte 1905 Albert Einstein zur speziellen Relativitätstheorie und somit zu einer wissenschaftlichen Revolution.
Mit stark begrenzter Reichweite, aber wieder um ein Vielfaches stärker ist die "schwache Kernkraft" dafür verantwortlich, dass die Sonne scheint. Deren Licht und Energie entstehen durch Kernfusion, wenn Wasserstoffatome aufeinandertreffen und zu Helium fusionieren. Dies geht aber nur, wenn 2 Protonen (also 2 Wasserstoffatomkerne) zu Neutronen werden. Das vermag nur die schwache Kernkraft (der Vorgang nennt sich Beta-Zerfall). Dieser Prozess heizt die Sonne aber auch immer weiter auf und beschleunigt die Fusion auch noch. In ein paar Milliarden Jahren ist es daher zu heiß auf Erden für uns heute bekanntes Leben. Wenn sich die Sonne dann zum roten Riesen aufbläht, wird sie die Erde vermutlich zerstören.
Die 4. fundamentale Kraft sorgt dafür, dass überhaupt Materie aneinander haftet und nicht nur einzelne Elementarteilchen herumschwirren: die "starke Kernkraft". Sie ist der Grund, dass die Quarks zusammenhalten und Protonen und Neutronen bilden, die wiederrum die Bausteine der Atomkerne sind. Diese stärkste aller Kräfte ist auf das innere der Atomkernbausteine begrenzt. Es ist unmöglich, Quarks aus einem Verbund zu lösen, daher kommen freie Quarks in der Natur nicht vor (abgesehen von Sekundenbruchteilen nach dem Urknall, wo sie sich recht schnell in Protonen und Neutronen eingliederten).

Diese 4 Fundamentalkräfte sind für alles im Universum verantwortlich und erklären hinreichend, wie es aufgebaut ist. Über ihre Herkunft wissen wir so wenig, wie über den Ursprung von allem. Dort Gott hinzustellen, ist aber nur eine Notlösung. Wie ich bereits schrieb, wartet am Ende des Wissens nicht automatisch das Übernatürliche, sondern schlicht Unwissen. Und das ist okay.
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Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Welt tatsächlich da ist, dass alles was ist, aus Materie aufgebaut ist und alles was passiert durch eine konkrete Interaktion zwischen dieser Materie passiert. Wenn Gott aber Einfluss auf diese Materie nimmt, dann muss dieser Effekt beschreibbar sein. Es muss erklärt werden können, wo der Einfluss stattfindet und wie. Er muss zum Beispiel Atome bewegen und dafür irgendeine konkrete physikalische Kraft benutzen. Wenn Gott uns von einer Krankheit heilt, muss er irgendwie die Zellen unseres Körpers manipulieren. Wenn Gott unser Denken beeinflusst (zum Beispiel glücklich machen), muss er unsere Neutronen beeinflussen. Wenn er unsere Gebete erhört, muss eine reale Kommunikation stattfinden.
Schnell landet man mit der wissenschaftlich-materialistischen Beschreibung von Gott in der Absurdität. Daher muss ein Gläubiger auch nicht-wissenschaftliche Überzeugungen verinnerlichen und daran glauben, dass Gott eben nicht physisch mit der Welt wechselwirkt, sondern irgendwie anders. Das führt zu Konflikten. Denn selbst wenn die Wissenschaft nicht weiß, warum Dinge passieren, so weiß sie doch wie Dinge sich bewegen und interagieren. Wenn Gott nicht physisch eingreift, dann bewegt sich nichts.

"Science does not make it impossible to believe in god. It just makes it possible to NOT believe in god."
zu deutsch: "Wissenschaft macht es nicht unmöglich, an Gott zu glauben. Es macht einfach nur möglich, nicht an Gott zu glauben."
- Steven Weinberg, (* 3. Mai 1933 in New York City) US-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger


#1 - Weitere Aussagen von diesem Kongress

Aussage: Die Schönheit der Blumen ist nutzlos.
"... für uns Menschen" müsste man hinzufügen und erweitern, dass der Mensch sich an diese Schönheit als ständig umgebenden Grundton gewöhnt hat. Außerdem unterscheiden sich Blumen in Form und Farbe, Größe und Duft, um sich gegenseitig die effektivsten Bestäuber streitig zu machen. Für diese wiederum haben die Eigenschaften der Blüte ganz handfeste Vor- und Nachteile. Und da Blüten nunmal viel älter als Menschen sind, sollte man nicht fragen, wieso sie so schön sind, sondern wann der Mensch diesen Sinn für Ästetik entwickelt hat.
So zu argumentieren, wie hier geschehen überschneidet sich mit Voltaires satirischer Figur des Pangloss:
Es ist erwiesen", sagte er, "dass die Dinge nicht anders sein können, als sie sind, denn da alles um eines Zweckes willen geschaffen ist, dient alles notwendigerweise dem besten Zweck. Bemerken Sie bitte dass die Nasen geschaffen wurden, um Brillen zu tragen, so haben wir denn auch Brillen. Die Füße wurden sichtlich gemacht, um Schuhe zu tragen, und so haben wir Schuhe. Die Steine wurden gebildet, damit man sie zuhaue und daraus Schlösser baue, und so besitzt denn Seine Gnaden ein schönes Schloss, der größte Baron der Provinz muss am besten wohnen, und da die Schweine zum Essen gemacht sind, essen wir das ganze Jahr hindurch Schweinernes.
Infolgedessen ist die Behauptung, es sei alles auf dieser Welt gut eingerichtet, eine Dummheit, vielmehr müsste man sagem, dass alles aufs Beste eingerichtet ist."
- metaphysich-theologischer Monolog über Kosmonologie des Dr. Pangloss in
Friedrich der Große - Band 2: Der einsame König - Die große Romanbiografie (von Cornelia Wusowski)


Aussage: Es gibt das Leid, weil Gott Satan gewähren lässt.
Oder: Es gibt weder Gott noch Teufel und die Erde ist einfach ein tektonisch aktiver Planet, mit stürmischer Atmosphäre und einschlagenden Asteroiden, sowie gefährlicher Sonnenstrahlung, denen das Leben in einem langen Prozess zu Strotzen gelernt hat. Das gibt keine persönliche Hoffnung, aber erklärt kurz und bündig, warum das Leben kein Zuckerschlecken ist.

Aussage: Gott nicht zu kennen oder als existent anzusehen, bedeutet "bewusst sündigen".
Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, schließt aber auch bewusst falsches Handeln aus. Unwissenheit ist kein bewusster Vorgang.

Aussage: Man muss sich eingestehen, dass das eigene Verhalten eine Sünde ist, damit man davon loskommt.
Homosexualität zum Beispiel ist eine Sünde. Jeder Theologe und Gläubige erklärt sich anders, warum so etwas überhaupt existiert, wenn Gott doch Mann und Frau füreinander geschaffen hat. Ist es eine hormolle Störung oder ein von Satan geschaffener Irrweg. Beides ließe sich "therapieren", man müsse sich die Sünde nur einreden lassen.

Aussage: Die Evolution ist genauso eine Irrlehre wie die Dreieinigkeit Gottes und die unsterbliche Seele.
Hier wird impliziert, dass theologische Aussagen mit einer wissenschaftlichen Theorie gleichzusetzen wären. Die Beschaffenheit Gottes lässt sich nicht überprüfen. Was mit der Seele, so sie denn existiert, nach dem Tod passiert auch nicht. Die Evolution aber ist ein Prozess, den Wissenschaftler rund um den Erdball durch Experimente und Beobachtungen gestützt sehen.

Aussage: Die Menschen können ihre Probleme nicht lösen.
Wir stehen erst am Anfang des Begreifens globaler Zusammenhänge. Die Klimaforschung zum Beispiel steckt noch in den Kinderschuhen. Der Mensch kann aber durchaus auch hausgemachte Probleme umfangreich lösen. Das Waldsterben in Deutschland war bis Ende der 90er Jahre ein großes Thema. Auch das Ozonloch schrumpft seit Jahren kontinuierlich.

Aussage: Ohne Gott gibt es keine Hoffnung.
Keine Wissenschaft beinhaltet ein Hoffnungssystem. Ob ihre Aussagen nun der Bibel widersprechen oder nicht. Aber Wissenschaft bietet die Möglichkeit, Gott hin oder her, irgendwann einmal die Probleme dieser Welt anzupacken. Auch ist Hoffnung kein Beweis für Gott, sondern der Ruf nach einer einfachen Lösung, in einer Welt, die man nicht versteht.

Aussage: Pilatus traf die unvernünftigste Entscheidung, als er Jesus hinrichten ließ.
Irgendeiner musste Jesus töten (lassen), damit Gottes Heilsplan eines Loskaufspreises zum Erretten vor der Erbsünde und die Prophezeiungen aus dem alten Testament erfüllt werden. Sonst wäre Gott fehlbar.

Aussage: Satan attackiert die armen Kinder mit der Evolutionstheorie.
Da Matthäus 1:1 - 17 und Lukas 3:23 - 38 den Stammbaum Jesu enthalten und damit die Geschichtlichkeit der darin genannten Personen zu verifizieren versucht, ist auch der in Lukas genannte Adam als reale Person zu verstehen. Da der erstgeschaffene Mensch also explizit erwähnt wird, kann der Mensch nicht in langsamen Schritten von affenähnlichen Ahnen stammen. Da die Bibel die oberste Autorität als Autor nennt, steht sie über den Wissenschaften und somit sind widersprechende Lehren Teufelswerk. Aus dieser kreisrunden Argumentationsschleife gibt es kaum Entkommen und das Ausharren trotz widerlaufender Lehrmeinung wird zum Martyrertum erkoren.
Da die Evolutionstheorie in ihrer einfachsten Form die Veränderlichkeit von Allelen in Chromosomen beschreibt, dies experimentell bestätigt ist und allein dadurch für jedermann sichtbar ist, da wir nicht alle gleich aussehen, ist die Berechtigung der Lehre in den naturwissenschaftlichen Fächern aber im Grunde indiskutabel.

Aussage: Jesus hat Geister und Dämonen ausgetrieben. Das beweist, dass es diese Wesen gibt. Auch beweist es Satan und das dieser einmal vernichtet werden wird.
Aragorn hat viele Orks getötet. Also gibt es Orks. Na gut, der Vergleich hinkt, da auch Aragorn nicht geschichtlich fixiert ist. Aber Troya gab es wirklich. Ist Achilles also tatsächlich ein Urenkel des Zeus? Wundergeschichten in alten Büchern beschreiben nicht selten Phänomene, die heute in der Psychologie oder Medizin beschrieben werden können, wie Epilepsi, Fieberwahn, Unterzuckerung und dergleichen.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 19. Nov 2017, 14:16

Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 3: Zur Unterscheidung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft - Ist Theologie eine Wissenschaft?

Die Wissenschaft erklärt die Welt aus sich heraus, ohne Einflüsse von nicht-physischen Akteuren. Wahr ist, was sich bestätigen lässt. Nicht mehr und nicht weniger.

Muss man sich mit Pseudowissenschaften, wie dem Kreationismus beschäftigen? Bekommen diese "Fachrichtungen" nicht schon genug Aufmerksamkeit? Nun, wer Wissenschaft vermitteln will, muss sich auch mit Dingen beschäftigen, die so tun, als wären sie Wissenschaft.
Unsere Welt ist von der Wissenschaft so sehr durchdrungen, dass wir durch die Annehmlichkeiten des Fortschritts gar nicht mehr mitbekommen, das Wissenschaft dahinter steckt. Über Computer und Internet werden abstruse Geschichten über "freie Quantenenergie" verbreitet, die im Widerspruch zur echten Quantenphysik steht, ohne die der moderne Computer nicht möglich wäre. Die Medizin lässt Krankheiten verschwinden, die früher tausende umbrachte und es somit ermöglicht, dass Leute mit Wohlstandswehwehchen zum Homöpathen rennen. Astrologen, Kartenleser und Verschwörungstheoretiker profitieren nicht nur von der Ausmerksamkeit, die Esoterik überall erhält, sondern auch von der Unaufmerksamkeit, die der echten Wissenschaft gewürdigt wird. Umfassende Wissenschaftsvermittlung kann es sich also gar nicht leisten, die Pseudowissenschaft zu ignorieren. Aber viel erhoffen darf man sich bei diesem Kampf nicht. Aberglaube ist Glaube und wer wahrhaftig glaubt, ist durch rationale Argumente nicht zu erreichen. Durch die rationale Betrachtung kann man Aberglauben nicht aus der Welt schaffen, aber echtes Wissen vermitteln und die Möglichkeit bieten, eigenständiges Denken zu entwickeln. Und wenn es beim Leser nicht klappt, beim Schreiber tut es dies.

Es ist ein ehernes Gesetz: Wo Wissenschaft ist, blüht in ihrem Schatten die Pseudowissenschaft.
Und je komplexer die Theorien der Wissenschaft werden, desto bunter und hanebüchener werden die "Alternativen". In der durchnummerierten Welt von heute, wo der einzelne wenig zählt und anonyme Mächte und Strukturen regieren, wo man die Welt nicht mehr versteht, gibt es einen guten Nährboden für Systeme mit einfachen Antworten, die uns diese zutiefst verstörende und beängstigende Situation milder erscheinen lassen, die auf einem klaren Fundament aufbauen, in dem alles einen übergeordneten Sinn und Zweck hat.

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Wenn ich behaupte Im Kühlschrank ist Bier, bin ich Theologe. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin – dann bin ich Esoteriker!
- Vince Ebert

Heute führt der Weg der Diskreditierung nicht mehr über den Scheiterhaufen, sondern über das World-Wide-Web. Hier kann ein jeder nach Belieben, anonym und völlig ohne Sachverstand jede wissenschaftliche Theorie mit Fragen angreifen, die oft am Thema vorbeigehen. Reines evidenzbasiertes und wissenschaftliches Denken ist immernoch umstritten. In der Tat kann die Naturwissenschaft, im Gegensatz zur Mathematik, nie einen endgültigen Beweis für ihre Thesen antreten. Und bei korrekter Kommunikation sollte das auch zugegeben werden. Das heißt aber nicht, dass die wissenschaftliche Methode diffamiert werden muss.
Der menschgemachte Klimawandel wird von vielen (auch akademisch gebildeten Leuten) bezweifelt, obwohl bekannt ist, dass seit der industriellen Revolution deutlich mehr CO2 emitiert wird, dass CO2 ein Treibhausgas ist und man tatsächlich seit etwas mehr als 50 Jahren beobachten kann, wie die Durchschnittstemperaturen auf der Erdoberfläche steigen. Der dahinterstehende Wissenschaftsapparat ist natürlich hysterisch und manipulativ, um mit den Horrormeldungen Geld für die Klimaforschung zu mobilisieren. Obwohl mehr Geld für Forschung ja nie verkehrt ist. Der fehlende Konsens führt zu weniger entschlossenem Handeln und somit zu halbherziger Klimapolitik, deren Versäumnisse von Jahr zu Jahr steigen.

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Alternative Theorie zum Klimawandel.

Eine der größten Errungenschaften der Biologie der vergangenen Jahrzehnte ist die Entschlüsselung des Genoms und damit die technische Möglichkeit, DNA zu rekombinieren und damit Lebewesen gezielt zu verändern. Selbstverständlich ist dieser Forschungszweig allein der Helfer einer profitgierigen und gefährlichen Großindustrie. Der Krux: Der Mensch betreibt mit der Landwirtschaft im Grunde seit mehreren tausend Jahren so eine Art Gentechnik, ohne genau zu wissen wie. Große Eingriffe bedeuteten zum Beispiel die planlose Umsetzung von Flora und Fauna in völlig fremde Ökosysteme nach der Entdeckung Amerikas. Technisiert und industrialisiert ist die Landwirtschaft seit der großflächigen Nutzung von Kunstdünger und Pestiziden im 20. Jahrhundert.
Nur so kann derzeit gewährleistet werden, dass 7 - 8 Milliarden Menschen und all ihr Vieh theoretisch genug zu futtern haben.
Verglichen damit ist die Revolution der Gentechnik ein sanftes, filigranes und äußerst umsichtiges Instrument. Auch wenn einiges mit Recht umstritten ist, richtet sich die Kritik ja nicht gegen Detailergebnisse, sondern die Technik an sich. Eine imaginäre Naturverbundenheit stemmt sich gegen übermächtige Konzerne. Und bei Laborforschung kommt in Filmen ja auch nie was guten bei rum.
Neben nicht nachgewiesenen gesundheitlichen und ökologischen Schäden, sind bereits Vorteile durch gesteigerte Ernteerträge und ein geringerer Einsatz von chemischen Mitteln zu verbuchen. Erstmals besteht die Möglichkeit durch Anreicherung mit Vitaminen Mangelerscheinungen in armen Bevölkerungsgruppen zu bekämpfen. Aber es gibt sie, die Studie, die auf gesundheitliche Schäden durch gentechnisch veränderte Lebensmittel bei Ratten hinweist. Das die Arbeit von Gilles-Eric Seralini von der Universität in Caen schon kurz nach der Veröffentlichung 2012 von den Kollegen heftig kritisiert wurde, liegt aber nicht daran, dass die restliche Wissenschaftgemeinde gekauft wurde, sondern weil sie methodisch falsch war.
Die "Gen-Phobie" hat schlimmere Auswirkungen auf Entwicklungs- und Schwellenländer, die vor dem Einsatz von Gentechnik zurückschrecken, weil die Entscheidungsträger die lukrativen westlichen Märkte nicht verlieren wollen. Gen-Technik bietet die Lösung für den Bedarf einer weiter wachsenden Weltbevölkerung bei gleichzeitig durch Urbanisierung weniger zur Verfügung stehenden Anbauflächen.

Die moderne Medizin heilt heute Krankheiten, die noch vor Jahrzehnten zum Tod führten. Sie unterzieht die Behandlungsmethoden und Medikamente rigorosen klinischen Tests. Doch die Bevölkerung kehrt diesen "kalten" Errungenschaften den Rücken und schluckt Globuli, obwohl Homöopathie seit ihrer "Erfindung" vor über 200 Jahren nicht einen einzigen wissenschaftlichen Test bestanden hat und die von Samuel Hahnemann entwickelte Lehre allem Wissen über Physiologie und Chemie widersprechen. Jeder Versuch, ihre Wirksamkeit statistisch zu beweisen, ist ausnahmslos gescheitert. Kein einziges "schulmedizinisches" Medikament, dass eine so katastrophale Bilanz ausweist, hätte auch nur die Chance auf eine Freigabe.
Bereits die Idee durch Verdünnung einen Wirkstoff an Wirksamkeit gewinnen zu lassen, ohne das auch die Nebenwirkungen ansteigen, ist völliger Quatsch. Woher soll die Flüssigkeit auch wissen, welche Wirkung verstärkt werden soll und welche nicht? Orangensaft wird nach der Verdünnung auch durch Schütteln und Rühren nicht geschmack- und gehaltvoller. Er wird dünner.
Natürlich gibt es auch diese Anekdoten von zufriedenen Patienten. Aber die sind nichts wert, wenn sie nicht durch Doppelblindverfahren (sowohl Patient als auch Arzt wissen nicht, wer ein echtes Medikament, ein Homöopath oder ein Test-Placebo bekommt) erhärtet werden, in den das Wunschdenken der Prüfer keine Rolle spielt.
Natürlich gibt es auch in der "Schulmedizin" Fehler. Da arbeiten Menschen. Und manche Arznei hat mehr Nebenwirkungen, als vom Hersteller versprochen. Aber im Gegensatz zur flächendeckenden Betrugsmaschinerie der Alternativmedizin ist die evidenzbasierte Medizin ein Hort des Anstands und der Ehrlichkeit.

Vielleicht sollte man künftig wieder öfter darüber nachdenken, wie Galileo (#1) die Natur beobachtete, mit ihr experimentierte und die Ergebnisse dokumentierte. Denn die Inquisition ist verschwunden, aber die Ignoranten sind noch da. Und sie tummeln sich im Schatten der Wissenschaft.

Belege sind in der Religion als institutioniertes, tradiertes System aus Dogmen oft sekundär, manchmal unerwünscht. Es gilt ab und an sogar als äußerst wünschenswert auch ohne Belege, an diese oder jene Sache zu glauben, da das Harren auf diesen Glauben als besondere Leistung gesehen wird.
Wo Fakten existieren, werden sie dem bestehenden Glaubensgebäude untergeordnet: Genetische und morphologische Gemeinsamkeiten von Lebewesen zeigen der Wissenschaft Verwandschaftsgrade verschiedener Arten auf, die offenbar einen gemeinsamen Vorfahren aufweisen, den es noch zu finden gilt. Dem Gläubigen gereicht die Gemeinsamkeit zur Bestätigung, dass sie halt vom gleichen Schöpfer stammen. Die Ursache des Urknalls ist der Wissenschaft konsequenterweise unbekannt, da sie den empirisch erfassbaren Raum verlässt. Der Gläubige aber setzt hier auf Gott, ganz nach dem Bibelwort aus 1. Mose 1:1: "Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde". Im Glauben geht es nicht um Evidenz, es geht um Trost.

Die Wissenschaft wird aber auch für den "Beweis" des Glaubens vor den Karren gespannt, wenn ihre Erkenntnisse sich mit der heiligen Schrift decken oder zu decken scheinen. Man leugnet aber auch, wie bekannt, die wissenschaftlichen Ergebnisse, wenn sie der Schrift widersprechen, obschon sie mit der gleichen Methoden zu diesen und zu jenen Ergebnissen gekommen ist. Wieder steht man vor der Beliebigkeit und sieht sich gezwungen den zu leugnenden Wissenschaftszweig auf irgendeine Art zu diskreditieren, damit dessen Erkenntnisse eben keine Gefahr mehr für den Glauben darstellen.

Wissenschaft funktioniert im Grunde aber immer gleich. Theorien messen sich an Experimenten und Beobachtungen. Und diese Theorien müssen in ein Theoriengebäude integriert werden können. Religion gehört zu einem ganz anderen Gebäude und es ist nicht logisch, anzunehmen, dass man ein Fenster (z.B. Evolutionstheorie) für ein Gebäude (Religion) anpasst, in dass es später gar nicht eingebaut wird. Also gibt es weiterhin zwei (eigentlich viel mehr) Sichtweisen auf ein und die selbe Sache. Und es ist klar, dass vermutlich nicht alle Sichtweisen recht haben.


Wieso sollten ägyptische, babylonische, griechische, chinesische und andere Mythologien als solche bezeichnet werden dürfen, christlich-jüdische oder muslimische aber nicht? Was macht die Sintflut dieser Religionen realer, als die Urflut der Maori? Warum ist der Logos (Erschaffung durch das Wort) des Elohim (hebräischer Titel für Gott) besser als der Logos des Ptah?

Ist Theologie eine Wissenschaft?

Man kann Theologie an Universitäten studieren, man kann promovieren und sich habilitieren, es gibt Fachzeitschriften, Kongresse und Symposien. Dennoch: Es fällt schwer, diese Frage einfach mit "Ja" zu beantworten.

Es ist ersteinmal irrelevant ob dieser oder Theologe überhaupt ein Wissenschafter ist, ob er wissenschaftlich arbeitet oder irgendeine theologische Arbeit unwissenschaftlich ist. Hier geht es um die Frage, ob die "Lehre von Gott" genauso als Wissenschaft anzusehen ist, wie die "Lehre von Stoffen" (Chemie) oder die "Lehre der Kräfte" (Physik). Ist Theologie als Disziplin ebenso eine Wissenschaft wie die Mathematik?

Die These: Ein wissenschaftliches Werk ist anzuerkennen, wenn es nach den unter Wissenschaftlern anerkannten Regeln der Systematik, Logik und Strenge entstanden ist, einen wissenschaftlichen Prüfprozess (zum Beispiel ein Peer Review) durchlaufen hat und in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht worden ist.
Mit diesen Kriterien ist wissenschaftliche Theologie möglich: Man kann untersuchen, wie sich die Religionspraxis aus den heiligen Schriften herleiten lässt. Es werden historische und lokale Ausprägungen des Glaubens beschrieben und in ihrer Dynamik analysiert. Es werden die heiligen Schriften selbst in ihrer Bedeutung untersucht, in ihren historischen Kontext eingeordnet, mit anderen, nicht kanonischen Texten verglichen. Und viele Beschäftigungsfelder mehr.
Aber eigentlich sind die genannten Beispiele Soziologie, Geschichts- oder Literaturwissenschaft. Natürlich können wir nun erklären, dass das Wirken durch Gott geschieht. Damit nähern wir uns der schwierigsten Stelle des Problems: Die Theologie setzt die Existenz Gottes voraus.


(Übersetzung: Du erzählst mir, dass ein jüdischer Zombie Menschen zu ewigem Leben führt, wenn diese ihm telepathisch als ihren Meister akzeptieren und das alles nur weil eine sprechende Schlange eine aus einer Rippe gemachte Frau dazu überredet hat, von einem magischen Baum zu essen? Und das glauben Leute?

Kann man ihr daher die Wissenschaftlichkeit abstreiten?

Auch strenge Naturwissenschaften setzen bestimmte Dinge voraus. Die Physik wäre ohne die Grundannahme, die Welt ließe sich mathematisch beschreiben, nicht möglich. Gott ist aber wissenschaftlich nicht greifbar. Geht man relativistisch an die Sache heran, mit einer großen Skepsis, also im Grunde einem Wissenschaftsrelativismus, so wird man bekennen, dass in letzter Instanz auch die Mathematik keine von außen beweisbaren Schlüsse zieht. Offenbar ist also sogar das augenscheinliche Fehlen evidenter Beweise kein Argument gegen die Wissenschaftlichkeit.

Ist Theologie also doch eine Wissenschaft?

Im Grunde nicht wirklich. Die von ihr bedienten Hilfswissenschaften bereichern tatsächlich unsere Erkenntnis. Aber Theologie selbst befasst sich mit etwas prinzipiell nicht fassbarem, dass sie nicht nur voraussetzt, sondern wie selbstverständlich gar nicht anzuzweifeln vermag oder überhaupt nur will. Theologie hinterfragt sich oder das Objekt der "Forschung" nicht. Sie trifft keine Aussagen, die auf Beobachtungen beruhen. Da kein Wirkmechanismus bekannt ist, wie Gott in die Welt eingreift, kann sie alles und nichts zu diesem Wirkmechanismus erklären. Es ergibt sich eine völlige Beliebigkeit.
Wissenschaft ist nicht beliebig. Auch wenn mathematische Sätze in letzter Konsequenz nur aus sich selbst beweisen, so stimmen sie mit den Beobachtungen aus der Physik, der Chemie und der Biologie überein. Die Welt ist also offenbar mathematisch beschreibbar.

Daher noch ein paar Mathe-Scherz-Bilder:
. . .

. . .

#1 - Galileo in unserer Zeit
Er würde sich wundern, dass etwa die Hälfte der Europäer der Astrologie vertrauen und regelmäßig Horoskope liest, er aber schon in seiner Streitschrift Saggiatore über die Komentenerscheinungen von 1618 - 1619 Bezüge auf die mathematisch beschreibare Welt gab und auch eine klare Absage an Alchemie und Astrologie.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 21. Nov 2017, 09:09

Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 4: Ein fiktiver Einstein über Glauben - Über die Nachweisbarkeit von Behauptungen

Ich habe auf FaceBook folgende Geschichte gefunden, die so oder so ähnlich aber auch an anderen Stellen im Internet kursiert.
Professor: "Du bist ein Christ, nicht wahr Junge?" - Student: "Ja, Sir."
Professor: "Also glaubst du an Gott?" - Student: "Absolut, Sir."
Professor: "Ist Gott gut?" - Student: "Sicher."
Professor: "Ist Gott allmächtig?" - Student: "Ja."
Professor: "Mein Bruder starb an Krebs, obwohl er zu Gott gebetet hat ihn zu heilen. Die meisten von uns würden versuchen anderen die krank sind zu helfen. Aber Gott tat es nicht. Wieso ist dieser Gott dann gut? hmm?" - (Student war still.)
Professor: "Du kannst das nicht beantworten, nicht wahr? Lass uns erneut beginnen junger Freund. Ist Gott gut?" - Student: "Ja."
Professor: "Ist Satan gut?" - Student: "Nein."
Professor: "Woher kommt Satan her?" - Student: "Von… Gott …"
Professor: "Das ist richtig. Sag mir, Junge, gibt es in dieser Welt das Böse?" - Student: "Ja."
Professor: "Wer hat das Böse erschaffen?" - (Student antwortete nicht.)
Professor: "Gibt es Krankheit? Unmoral? Hass? Hässlichkeit? All diese schrecklichen Dinge existieren in der Welt, nicht wahr?" - Student: "Ja, Sir."
Professor: "So, wer hat sie erschaffen?" - (Student hatte keine Antwort.)
Professor: "Die Wissenschaft sagt, das du 5 Sinne hast um die Welt und alles herum zu identifizieren und zu beobachten. Sag mir, Junge, hast du jemals Gott gesehen?" - Student: "Nein, Sir."
Professor: "Hast du jemals Gott gefühlt, Gott gekostet, Gott gerochen? Hattest jemals eine Sinneswahrnehmung was Gott betrifft?" - Student: "Nein, Sir. Ich fürchte ich habe nicht."
Professor: "Aber du glaubst immer noch an ihn?" - Student: "Ja."
Professor: "Laut empirischen, prüfbaren, nachweisbaren Protokollen sagt die Wissenschaft das Gott nicht existiert. Was sagst du dazu Junge?" - Student: "Nichts. Ich habe nur meinen Glauben."
Professor: "Ja, der Glaube. Das Problem das die Wissenschaft hat."

Student: "Professor, gibt es so etwas wie Wärme?" - Professor: "Ja."
Student: "Und gibt es so etwas wie Kälte?" - Professor: "Ja."
Student: "Nein, Sir. gibt es nicht." - (Im Hörsaal war auf einmal sehr ruhig)
Student: "Sir, Es gibt mehrere Arten von Wärme, mehr Wärme, Überhitzung, mega Hitze, weiße Hitze, ein wenig Hitze oder gar keine Wärme. Wir können 458 Grad unter Null haben, was gar keine Wärme wäre. Aber danach gibt es nichts mehr. Es gibt keine Kälte. Kalt ist nur ein Wort das wir verwenden um die Abwesenheit der Wärme zu beschreiben. Wir können Kälte nicht messen. Wärme ist Energie. Kälte ist nicht das Gegenteil von Wärme, Sir, lediglich die Abwesenheit." - (Im Hörsaal war es still, man hätte einen Stift fallen hören können.)
Student: "Was ist mit der Dunkelheit, Herr Professor? Gibt es so etwas wie eine Finsternis?" - Professor: "Ja. Was ist die Nacht, ist das keine Finsternis?"
Student: "Sie irren sich schon wieder, Sir. Die Dunkelheit ist die Abwesenheit von etwas. Sie können wenig Licht, normales Licht, helles Licht, Blinklicht haben. Wenn es aber gar kein Licht gibt, haben Sie nichts, dann ist es dunkel. Ist es nicht so? In Wirklichkeit gibt es keine Dunkelheit, sonst könnten sie die Dunkelheit dunkler machen, nicht wahr?" - Professor: "Also Gut, was willst du mir damit sagen junger Mann?"
Student: "Sir, was ich sagen möchte ist das Ihre philosophische Prämisse fehlerhaft ist." - Professor: "Fehlerhaft? Kannst du mir das erklären?"
Student: "Sir, Sie denken mit der Voraussetzung der Dualität. Sie argumentieren, es ist das Leben und dann ist der Tod, ein guter Gott und ein böser Gott. Sie sehen die Vorstellung von Gott als etwas endliches, etwas was wir messen können. Sir, die Wissenschaft kann einen Gedanken nicht erklären. Es nutzt Elektrizität und Magnetismus, wurde aber noch nie gesehen, geschweige denn verstanden. Um den Tod als das Gegenteil von Leben zu betrachten müsste man die Tatsache, dass der Tod nicht als materielle Sachen existieren kann, ignorieren. Der Tod ist nicht das Gegenteil vom Leben, nur die Abwesenheit davon. Nun sagen Sie mir, Professor, bringen Sie ihren Schülern bei dass sie von einem Affen abstammen?" - Professor: "Wenn du auf die natürliche Evolutionstheorie verweist, ja, natürlich tue ich."
Student: "Haben Sie schon einmal eine Evolution mit eigenen Augen beobachtet?" - (Der Professor schüttelte den Kopf mit einem Lächeln. Er begann zu erkennen wohin das führte.)
Student: "Da niemand jemals den Prozess der Evolution beachtet hat, kann niemand es beweisen das dieser Prozess ein laufendes Bestreben ist. Lehren Sie nicht Ihre Meinung, Sir? Sind Sie deswegen nicht ein Wissenschaftler, sondern ein Prediger?" - (Die Klasse war in Aufruhr.)
Student: "Gibt es jemanden in der Klasse der jemals Herrn Professors Gehirn gesehen hat?" - (Die Klasse brach in Gelächter aus.)
Student: "Gibt es hier jemanden, der schon einmal Herrn Professors Gehirn gehört hat, gefühlt hat, es berührt oder es gerochen hat? Niemand scheint das getan zu haben. Das bedeutet nach den gängigen Regeln der empirischen, stabilen, Nachweisbaren Protokollen sagt die Wissenschaft, das sie kein Gehirn haben, Sir. Bei allem Respekt Sir, wie können wir dann auf Ihre Vorträge vertrauen, Sir?" - (Der Raum war still. Der Professor starrte auf den Studenten, sein Gesichtsausdruck war unergründlich.)

Professor: "Ich denke, du musst daran Glauben, Junge." - Student: "Das ist es, Sir....Genau! Die Verbindung zwischen Mensch und GOTT ist der GLAUBE. Das ist alles, was Dinge lebendig und in Bewegung hält."

P.S.:
Ich glaube du hast das Gespräch genossen. Wenn ja, wirst du wahrscheinlich wollen das deine Freunde/Kollegen es auch tun. Nicht wahr?

Teile das für die Vertiefung ihres Wissens.... oder GLAUBEN.

In der ursprünglichen Variante wurde unter "P.S." angefügt, dass der Student Albert Einstein gewesen sei, obwohl er in der ersten Antwort sagte, dass er Christ sei, Einstein aber Jude war. Offenbar diente er lediglich als Autorität, um die Argumentation zu stützen, auf die man allein nicht vertraute.



Aber auch inhaltlich steht die Argumentation auf tönernen Füßen (wie passend, ein Gleichnis aus der Bibel (Daniel 2:31 - 35)):
Kälte ist tatsächlich keine physikalische Größe, sondern lediglich die Abwesenheit von Wärme (der Nullpunkt liegt übrigens bei - 273,15 °C, woran man ebenfalls erkennt, dass der Text aus dem englischen Raum stammt, wo man traditionell mit Fahrenheit misst). Aber Licht ist ebenfalls nur ein intersubjektiv empfundener minimaler Teil des elektromagnetischen Spektrums. Womit man, wie ja später gegenteilig argumentiert wird, Elektromagnetismus ja eben doch sehen kann.
Auch das Hirn des Professors kann als existent gelten, da er sonst keinerlei Reaktionen hervorrufen würde, da er einfach tot wäre. Aber auch sonst könnte man selbstverständlich nachweisen, das es da ist, wenn man Sprechen, Denken, Fühlen und andere Körperfunktionen nicht auf dieses münzen würde. Man könnte den Kopf aufschneiden, was bei vollen Auditorium etwas unappetitlich ist oder den Professor ins MRT schicken. Der Inhalt des Schädels ist also prinzipiell und objektiv nachweisbar, auch wenn man ihn aktuell nicht sieht.

Also sowohl der Vergleich mit physikalischen Größen, als auch der aktuellen "Unsichtbarkeit" von Behauptetem sind schnell als schwache Argumente zu verstehen.
Die Wahrnehmung von Temperaturen und Licht ist subjektiv. Wenn einer noch mit T-Shirt rumläuft, friert der andere schon. Was dem einen ausreicht, um sein Buch zu lesen, ist dem anderen zu dunkel. Wer von diesen Personen hat "mehr" recht? Was soll uns das über Gott sagen? Wer hat da die "richtige" Empfindung?
Auch sind Temperatur und Licht messbare Größen, was auf Gott nicht zutrifft. Oder aber wir bräuchten noch eine Messapparatur für diesen. Was im Grunde den Glauben unnütz und Gott ganz klein macht.

Die Evolutionstheorie darf bei solchen Geschichten nicht fehlen. Der Student schließt von der Verneinung des Professors auf die Frage, ob dieser denn schon jemals gesehen habe, darauf, dass sie niemand je gesehen hat. Und das ist falsch:

Einen Fall extrem rascher Evolution hat eine internationale Forschergruppe in der Südsee beobachtet. Der Männchen-Anteil in dortigen Schmetterlingspopulationen stieg von kaum 1 Prozent binnen einen Jahres auf knapp 39 Prozent. Wahrscheinliche Ursache ist das Auftauchen einer Genvariante, die die Falter gegen ein männermordendes Bakterium schützt.

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Wieder häufiger zu sehen: ein männliches Exemplar von Hypolimnas bolina. Foto: Copyright Science

"Meines Wissens nach, ist dies die schnellste evolutionäre Veränderung, die jemals beobachtet worden ist", erklärt Sylvain Charlat vom University College London und von der University of California in Berkeley. "Diese Studie zeigt, dass die Evolution sehr rasch ablaufen kann, wenn eine Population einem sehr starken Selektionsdruck ausgesetzt ist, beispielsweise einem extrem verschobenen Geschlechterverhältnis."
Schon vor einigen Jahren hatten Charlat und seine Kollegen entdeckt, dass die Hypolimnos-Edelfalter auf einigen Inseln Samoas mit einem Untermieter der besonderen Art zu kämpfen haben. Das Bakterium Wolbachia wird allein über die Eizellen von der Mutter an den Nachwuchs weitergegeben. Daher kann es seine Überlebenschancen steigern, indem es männlichen Nachwuchs noch vor dem Schlüpfen tötet und so den Anteil der Weibchen in der Population erhöht.
Als Folge bestand die Population auf der Insel Savaii im Jahr 2005 zu über 99 Prozent aus Weibchen. Gut ein Jahr oder kaum zehn Generationen später, waren dagegen gut 39 Prozent der gesichteten Tiere männlich. Und während aus den Eigelegen im Jahr 2005 beinahe ausschließlich Weibchen geschlüpft waren, brachten die Tiere nun wieder reichlich männlichen Nachwuchs hervor. Zwar war das Bakterium unverändert bei allen Tieren nachweisbar. Offenbar hatten die Schmetterlinge jedoch gelernt, dessen Optimierungsstrategie zu unterlaufen.
Grund dürfte das Auftauchen einer Genvariante gewesen sein, die das Treiben des Bakteriums unterdrückt, schreiben die Forscher. Ob diese Suppressorvariante von einem eingewanderten Tier stammte oder auf eine lokale Mutation zurückging, ist noch unklar. In jedem Fall habe sie sich via natürlicher Selektion durchsetzen müssen. Das Suppressorgen ermöglicht es infizierten Weibchen, Männchen hervorzubringen, und diese paaren sich wiederum mit sehr, sehr vielen Weibchen. Daher tragen im Laufe der Generationen immer mehr Individuen das Suppressorgen (#1).

Auch der Fossilbericht zeugt von der Veränderlichkeit der Arten, ganz ohne selbst dabei gewesen zu sein.

Aber man will ja nicht unversöhnlich sein.
So weit es die Absicht der Geschichte ist, zu zeigen, dass die Naturwissenschaften aufgrund ihrer methodisch notwendigen Vorentscheidungen keine Aussagen über die Wirklichkeit Gottes treffen können, kann ich mich damit anfreunden.
Leider offeriert der Text diese Ansicht nicht und will aufzeigen, das auch Naturwissenschaftler nur glauben. Außerdem kommt der Prof. in der Geschichte zu schlecht weg. Diese Diskussion entbehrt einer fairen Darstellung, was nicht zuletzt dem Weltbild des Verfassers geschuldet ist.

#1 - Forschung: Sylvain Charlat, Emily A. Hornett und Gregory D.D. Hurst, Department of Biology, University College London und Gump South Pacific Research Station, University of California at Berkeley, Moorea, Französisch-Polynesien; und andere (Veröffentlichung Science, Vol. 317, 13. Juli 2007, p 214, DOI 10.1126/science.1143369)
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 22. Nov 2017, 13:02

Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 5: Wissenschaft, eine Glaubenssache?

Gulliver und die Briefmarken

Stellen wir uns vor, ein gegenwärtiger Gulliver wäre nicht auf einer Insel Liliput gelandet, wo nur Minimenschen leben, oder auf Brobdingnag, wo die Riesen sind, oder auf Laputa, der fliegenden Stadt, oder ... Stattdessen landet er auf einer fernen Insel, die von einer Gesellschaft von Briefmarkensammeln bewohnt wird. Und stellen wir uns weiter vor, Gulliver wäre kein Handels- und Forschungsreisender des 18., sondern des 20. oder 21. Jahrhunderts.
Diese Philatelisten (Briefmarkensammler) meinen, sie würden mit ihren Briefmarken getreulich das Wissen der Welt abbilden. Und tatsächlich finden sich auch Briefmarken, auf denen die Pyramiden in Ägypten abgebildet sind, wilde Tiere und Eskimos, Fernsehtürme und Fabriken, Niagarafall und das Matterhorn, Staatsmänner, Schriftsteller und Künstlerinnen. Und sogar das Atomium.
Das Briefmarkensammeln ist ganz einfach, man muss nur die Postsäcke durchsuchen und findet viele bunte Marken aus aller Welt und es macht Spaß und erfüllt die Sammler mit Stolz, sie in ein dickes Buch zu kleben. Streit gibt es nur manchmal bei der Frage, wer eine Marke als erster kleben darf und wie die Marken am besten geordnet werden sollten.

Nachdem sich Gulliver ein wenig eingelebt hat, in dieser idyllischen Gesellschaft und notfalls Sprache oder Sprechart erlernt hat, brennt es in ihm, seinen Gastgebern zu vermitteln, dass dieses und jenes Detail auf den Marken nicht wirklich korrekt ist und die Sache zumeist stark vereinfacht wiedergibt. Vor allem die Briefmarken aus England, seiner Heimat, wollen ihm nicht recht gefallen, da sie oft veraltet sind und den jetzigen Zustand des Landes nicht gut wiedergeben. Das London Eye fehlt, meist sind Kutschen und keine Autos zu sehen und so weiter. Auch, zum Beispiel, erklärt er, dass bei den Pyramiden kaum mehr Kamele, sondern eher Geländewagen zu sehen seien.
Er merkt allerdings, dass seine Gastgeber zunächst auf diese Erläuterungen nur zum Schein eingehen, ihr Interesse meist vorgaukeln. Manche fangen an miteinander zu tuscheln und Gulliver böse Blicke zu zuwerfen. Als er dennoch weiter erzählt, dass in seiner Heimat Nottinghamshire die Auffassung herrscht, dass Robin Hood wahrscheinlich eine Legende sei, kommt es zu einem tumultartigen Handgemenge, in dessen Folge Gulliver zu Boden geht und festgehalten wird. In einem darauf folgenden Gerichtsprozess spricht der Richter das Urteil, dass Gulliver die Autorität der Briefmarken in Frage gestellt hätte und den Grundsatz der werturteilsfreien Wiedergabe der Welt befleckt.


Ist man ein Ketzer, wenn die eigenen Ansichten, dem Bekannten widerspricht oder lediglich ein Wirrkopf?

Erste These: Wahrheit und Wissenschaft beruhen nicht auf Schriften, sondern auf Beobachtungen und Experimenten. Wahrheit ist objektiv wahrnehmbar. Wahrheit ist messbar.
Die Wirkung, die Gott auf uns hat, ist abhängig davon, ob wir an ihn glauben oder nicht. Und damit ist er schwächer mit uns verankert, als die Naturgesetze, die er geschaffen haben soll. Denn ob ein Schiff schwimmt oder ein Flugzeug fliegt, liegt nicht am Glauben des einzelnen. Sie würden es auch dann tun, wenn sie bis zum letzten Platz mit Physik-Zweiflern voll wären. Den physikalischen Gesetzen, wie Verdrängung, Luftströmung und Auftrieb ist es völlig schnuppe, was wir glauben. Auch das ist Wahrheit und der können wir einfach nicht widersprechen.

Todesstrahler und Karotten

In Großbritannien war man es gewohnt, dass Feinde nicht so schnell britischen Boden betreten. Eine starke Flotte schützte die Insel effektiv ... bis das Flugzeug erfunden wurde. In den 30ern wurde auch dem letzten klar, dass eine noch so gute Flotte gegen diese neue Technik nichts auszurichten vermag. "[t is well for the man in the street to realise that there is no power on Earth that can protect him from being bombed. The bomber will always get through." (dt.: "Es ist gut für den Mann auf der Straße, wenn er realisiert, dass keine Kraft auf Erden, ihn davor schützen kann, zerbommt zu werden. Die Bomber kommen immer durch."), sagte 1932 der Premierminister Stanley Baldwin. Tatsächlich wäre es zu aufwendig und zu teuer, jederzeit Abfangflugzeuge in der Luft zu haben.

Außerdem fürchtete man sich, dass Gerüchte um die Erforschung eines elektromagnetischen Todesstrahlers aus Nazi-Deutschland, der ganze Städte pulverisieren soll, wahr seien. Das mag heute befremdlich wirken, aber damals beflügelte die junge Technik um Radio, Fernsehen und andere elektromagnetische Strahlung die Fantasie. Nachvollziehbar, wenn man sich also Gedanken darüber macht, ob der Feind die neue Technik als Waffe einsetzen will.
Um den Nazis zuvor zu kommen, wollte man selbst einen Todesstrahler bauen. Das Luftfahrtministerium schrieb einen Preis von 1000 Pfund für die Entwicklung einer Strahlenwaffe aus, mit der sich ein Schaf aus einer Entfernung von 100 Yards (ca. 90 Meter) töten lässt. Dieser Preis wurde nie verliehen. Aber man wandte sich an den Physiker Robert Watson-Watt, der die Realisierbarkeit prüfen sollte. Sein Assistent Arnold Wilkins berechnete die Energie, die für die Tötung durch elektromagnetische Strahlung notwendig sei, und kam zum Ergebnis, dass die damalige Technik noch sehr lange nicht in der Lage wäre, solches zu leisten. Die Angst vor der Nazi-Waffe war also unbegründet.
Aber Wilkins und Watson-Watt waren der Meinung, dass sich mit der elektromagnetischen Strahlung vielleicht andere Projekte realisieren lassen. Wilkins erinnerte sich daran, wie Mitarbeiter der Post- und Telegrafenämter berichteten, dass es zu kurzen Störungen kam, wenn in der Nähe von Übertragungsmasten Flugzeuge vorbei flogen. Er kombinierte, dass man dies vielleicht nutzen könnte, um feindliche Bomber aus der Ferne zu erkennen. 1935 stellten die beiden dem Luftfahrtministerium ihr Projekt vor Das RADAR (RAdio Detection and Rangig) war geboren (das vorerst RDF (Radio Detection Finding) hieß). Damit konnte man feindliche Flugzeuge zwar nicht vom Himmel schießen, aber durch dessen Reflektion der Radiowellen herausfinden, wo welche sind.

Der Todesstrahler blieb also Science-Fiction, aber nebenher hat man eine Technologie erschlossen, die nicht nur in der militärischen und zivilen Luftfahrt, sondern auch in der Meteorologie, Astronomie und anderen Anwendungsgebieten erfolgreich verwendet wird.
Ganz nebenbei: Das Gerücht, das Karotten gut für die Augen wären, stammt aus dieser Zeit. Damit die Deutschen nicht zu schnell misstrauisch wurden, weil man ihre Flieger immer so früh entdeckte, wurde gezielt die Behauptung verbreitet, dass die britischen Piloten besonders viele Karotten gegessen und so ihre Nachtsichtfähigkeiten verbessert hätten.


Zweite These: Wahrheit und Wissenschaft ergründen sich mit jedem Gedanken neu. Fortschritt ist nicht lenkbar, er findet oft seinen Weg über den Zufall.
Der Schwerpunkt liegt dabei eher beim Experiment, der Beobachtung, denn bei den Theorien, die aber zwangsläufig am Anfang der wissenschaftlichen Arbeit stehen, da es sonst keine zur Überprüfung gibt. Dies geschieht mit Hilfsmittel - vom Fernrohr bis zum LHC. So wird die Erforschung intrasubjektiv. Dabei wählt man im Grunde das schlankste Modell nach dem Sparsamkeitsprinzip (Beispiel: kopernisches vs. tychonisches Weltmodell). Dabei ist es wissenschaftlich notwendig, mit Bedacht vorzugehen und ausschließlich darüber Aussagen zu treffen, was man auch bestätigen kann und nur das. Dies dann aber öffentlich und lautstark. Über alles andere kann mit Hinweis sprechen, dass es sich um Annahmen, ungeprüfte Thesen oder Theoreme handelt. Das ist seriös.

Atheismus und Wissenschaft


Plakat der Antidiskriminierungsstelle des Bundes


Dritte These: Atheismus und Wissenschaft werden zwar oft in einem Atemzug genannt, sind aber auch bei Wissenschaftlern nicht zwingend gemeinsame Weltanschauung.
Es gibt auch religiöse Wissenschaftler, aber die Widersprüche überlappender Einflusssphären von Religion und Wissenschaft verschwinden dadurch nicht. Sie müssen nur für diesen selbst irgendwie rationalisiert oder ignoriert werden.
Natürlich ist auch Musik im Grunde nichts weiter als schwingende Elementarteilchen, aber wir wissen auch, dass wir bestimmte Phänomene eben nicht auf diese fundamentale Art beschreiben wollen, sondern durch Theorien, die unseren menschlichen Ansprüchen besser genügen.
Atheismus ist einfach das Ablegen, des Glaubens an eine übergeordnete Entität. Manche nennen es konsequent, bei all den Gottheiten nicht einfach irgendeinen auszusuchen, sondern einfach alle zu verwerfen, da man es eh nicht allen recht machen kann. Atheismus ist der Nicht-Glaube an Gott und daher kategorisch so sehr eine Religion, wie Glatze eine Haarfarbe.

Nachplappern und Autoritäten

Der Yale-Psychologieprofessor Paul Bloom kam zum Schluss, dass auch die Evolutionstheorie im Kern eine Glaubenfrage ist: "We suggest that the psychology of those who reject evolutionary theory is not so different from that of people who endorse it." (dt.: "Wir unterstellen, dass die Psychologie der Personen, die die Evolutionstheorie ablehnen, nicht so verschieden ist, von denen die sie unterstützen.") Damit trifft er den Zuspruch der US-Amerikaner, von denen je nach Umfrage kein Drittel überzeugt ist, die Evolutionstheorie sei wissenschaftlich solide.
In allen Lagern der Evolution-Schöpfung-Debatte überwiegen jene, die lediglich nachplappern. Ich will mich zu gewissen Teilen nicht ausschließen.

Natürlich hat niemand je alle wissenschaftlichen Arbeiten gelesen, einfach weil der Output zu groß ist. Aber man kann darauf vertrauen, dass jede Arbeit mal von jemanden gelesen wurde, der mit Sachverstand diese Arbeit überprüft und nachvollzogen hat. Und wenn ein Fehler beim "Review", wie sich dieser Prozess nennt, nicht entdeckt wird, dann bei Experimenten, die auf den fehlerhaften Erkenntnissen aufbauen und schlussendlich zu einem anderen, als dem genannten Ergebnis führen.
Aufgrund des Fehlens unumstößlicher "Wahrheiten" ist Wissenschaft auch nicht als Ersatzreligion befähigt, wie es oft vorgeworfen wird. Neuentwickeln und Verwerfen sind der Werdegang der Erkenntnis.

Es geht natürlich auch um die Frage, wer überhaupt "berechtigt" ist, sich über die fundamentalen Fragen dieser Welt Gedanken zu machen. Die Wissenschaft dringt ja dabei immer weiter in das traditionelle Territorium der Religion ein: Wo kommt alles her? Wie ist alles entstanden? Warum ist da etwas und nicht nichts? Wie wird alles enden? Und da es dabei auch um Autoritäten geht, ist dies für die großen Kirchen etwas problematisch.

Vierte These: Wahrheit ist ein fantastisches, utopisches Ideal, dem man sich offenbar immer nur annähern, aber nie ganz begreifen kann. Daran werden auch die durch Hollywood und Co propagierten Zerrbilder des allwissenden, unfehlbaren, bebrillten Laborkittelgenies nichts ändern, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Komplexität und Widerspruch

Warum stehen so viele Menschen der Wissenschaft mit Skepsis gegenüber?
Komplexität hat das Problem, dass Leute lieber einfache Kausalketten bevorzugen, auch wenn die Kette falsch ist. So bietet die Religion einen Halt mit einer ehernen "Wahrheit". Denn die einfache Kausalkette lautet: Gott war's.
Der Mensch ist zudem ein soziales Tier. Religion bietet Schutz durch die Gruppe. Alles andere ist gefährlich. Ironischerweise beschreibt die Evolutionstheorie genau diesen Gruppenschutz, da ein einfaches Erkennungsmuster für Feinde überlebenswichtig war. Wissenschaft dagegen wirkt kalt und die sie wird vom Großteil der Menschen nicht verstanden. Ihre Wandelbarkeit widerspricht dem Geborgenheitsgefühl. Oft widersprechen ihre Erkenntnisse auch den Alltagserfahrungen (z.B. Quarks die einfach so im leeren Raum entstehen und auch wieder spurlos verschwinden; die evolute Artenentwicklung, denn ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch). Wichtig ist eben, was man selbst erfahren hat und sei es noch so sehr ein Trugschluss. Der Mensch vertraut seinen Sinnen mehr, als einer Statistik. Warum sonst rauchen noch so viele, selbst Ärzte? Der (erwachsene) Mensch ändert nur sehr ungern seine Meinung oder sein Weltbild. Und rationalen Argumenten ist er nur insofern zugänglich, solange sie sein Weltbild bestätigen (confirmation bias).

Das Leben ist und war nie harmonisch und gleichförmig. Kristalle schon. Bei nüchterner Betrachtung und der auch von Kreationisten vor den Karren gespannten Thermodynamik sind wir alle nur ein Zwischenstadium auf dem Weg zur Entrophie. Oder wie Harald Lesch einmal sagte: "Das Leben ist ein Durchlauferhitzer."
Und so laufen denn die Damen mit Diamanten am Ring herum und bei genauer Betrachtung tragen organische Kohlenstoffverbindungen kompakte ehemals organische Kohlenstoffverbindungen als Schmuck herum. Diamanten werten uns optisch vielleicht auf. Aber sie werden uns nicht ersetzen. Und das ist dann doch ganz positiv und nebenbei auch noch wissenschaftlich korrekt.

Fünfte These: Wissenschaft sucht einen aufgetauchten Fehler immer erst bei sich. Wurde etwas nicht richtig theoretisiert? Ist das Experiment fehlerhaft? Wurde in der Gleichung etwas vergessen?
Wissenschaftler sind ganz normale Menschen, die ganz normale Fehler machen. Wissenschaftler irren sich genauso, wie der Rest der Welt und es wäre wichtig, dass der Rest der Welt das auch sehen kann. Wissenschaft in Fernsehen, Zeitung und Schule wird oft nur als Ergebnis dargestellt. Man übersieht leicht, die Menschen dahinter und der Prozess, der zu diesem Ergebnis geführt hat und zu keinem anderen. Wissenschaft ist nicht einfach nur ein Job, es ist eine "Berufung". Es geht selten ums schnelle Geld, sondern darum, forschen zu können. Oft beziehen Doktoranten keine Projektgelder durch die Universität, sondern Sozialhilfe vom Staat. Es spielt keine Rolle, woher das Geld kommt. Der Doktorand arbeitet sowieso die ganze Zeit. Es spielt auch keine Rolle, ob jemand eine Halbtags- oder Vollzeitstelle hat. Er sitzt am Ende sowieso deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche über den Arbeiten. Eine verlockende "Klosterlösung", wo man isoliert vom Alltagsstress einfach forschen kann, wäre für viele Wissenschaftler eine sehr verlockende Vorstellung.
Aber der Elfenbeinturm der Wissenschaft ist ein Trugschluss. Wissenschaft ist Mainstream, ist Alltag, ist Arbeit, ist Freizeit, ist Forderung und Förderung der Gesellschaft.

Gibt es nach fünf Wahrheitsartikeln also wenigstens eine Wahrheit zu übermitteln?

Methodischer Erkenntnisgewinn wird im Gegensatz zu Religionen nie zum Mythos. Und was immer auch Menschen künftig glauben werden, die Wissenschaft wird weiter forschen und Daten sammeln. Wissenschaft wird die Leute klüger machen. Nicht alle, aber die Allgemeinheit.

Das ist auf jedenfall eine Wahrheit.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 5. Dez 2017, 00:01

Erbsünde und letzte Tage - Cölestiner-Variante

Über die Erbsünde schrieb ich ja bereits ausführlich im Thread ( Seite 01, Beitrag 09, 05.11.2017: Erbsünde und letzte Tage).

Ich muss vorweg nehmen, dass es hier nicht um die Lehrmeinung der Glaubensgemeinschaft der Cölestiner geht, sondern um die Ansichten eines Mönchs oder Laienbruders, den wir persönlich sprachen. Zur einfacheren Aufarbeitung wird die Person einfach “Mönch“ genannt. Wenn das, was der “Mönch“ uns erzählte, tatsächlich im Glaubensbekenntnis so aufgenommen wäre, müsste man zum Schluss kommen, die Cölestiner hätten ihr Standardwerk, die Bibel, nie über die ersten zwei Seiten hinaus gelesen.

Machen wir uns erstmal mit dem Grundlegendsten über diesen Orden vertraut:
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Der Wikipedia entnehmen wir, dass es sich um einen katholischen Orden handelt(e), der von dem Benediktiner Pietro del Morrone, dem späteren Papst Coelestin V., gegründet wurde, nachdem dieser sich entschloss auf dem Berg Morrone (daher sein Beiname) in den Abruzzen als Einsiedler zu leben. Einige Gleichgesinnte folgten ihm und bildeten dort eine geistliche Gemeinschaft, die 1263 durch Papst Urban IV. anerkannt wurde. Durch die Popularität des späteren Papstes erhielt der Orden großen Zulauf. Klöster entstanden vorwiegend in Sizilien, nach der Auseinandersetzung zwischen Philipp dem Schönen und Papst Bonifaz VIII. auch in Frankreich. Von dort aus wurden Niederlassungen in den Niederlanden und Böhmen, z.B. auf dem Berg Oybin im Jahre 1366, gegründet. 500 Jahre später, 1785, schloss das letzte Cölestinerkloster seine Pforten.
Laut gängiger Lehrmeinung steht das “S“ im Wappen für den Gründungsort Sulmona, laut dem Orden selbst für “Spiritu Sancti“, lateinisch für heiliger Geist, als dessen verlängerten Arm man sich betrachtete.

Als katholischer Orden sind sie gleichsam auch Trinitarier: Gott ist eine Entität aus Vater, Sohn und Heiligem Geist und doch nur ein Gott.
Der “Mönch“ hatte aber noch andere “Wissensschätze“ parat: Die oybiner Cölestiner erfanden die Buchbinderei und gewährten Iquisitoren Zuflucht. Der kürzlich entdeckte Räuberpfad sei demnach ein Geheimgang für Asylsuchende gewesen.
Auch wusste er zu berichten, dass das “S“, gewunden wie eine Schlange, eben jene darstelle, die im Paradies dem ersten Menschenpaar die Frucht vom Baum der Erkenntnis angeboten hatte und somit die Wissenschaft begründete. Die verbotene Frucht sei nämlich gar nicht verboten gewesen. Ui. Starker Tobak.

Schauen wir uns die Sache etwas genauer an:
Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.
- 1. Mose 2:16-17, Lutherbibel 2017

Aha. Also doch ein Verbot, ein unmissverständliches sogar.

Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
- 1. Mose 3:2-5, Lutherbibel 2017

Also die Schlange, laut “Mönch“ getrieben vom Heiligen Geist, widerspricht der Aussage Gottes, also laut Dreieinigkeit, sich selbst. Wir erkennen hierin einen Konflikt. Zum einen wissen zwei der drei Entitäten Gottes nicht, was der jeweils andere macht und möchte, was der Allwissenheit Gottes entgegensteht, zum anderen wird von der Wissenschaft kein Wort gesprochen. Denn Wissenschaft ist für Moral nicht zuständig. Sie erklärt nicht, was gut und böse ist.

Und er (Gott) sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.
- 1. Mose 3:11-13, Lutherbibel 2017

So, also doch wieder verboten. Adam und Eva müssten sich sonst auch gar nicht rechtfertigen. Sehen wir uns aber mal an, wie Gott reagiert:

Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.
- 1. Mose 3:14-19, Lutherbibel 2017

Jeder bekommt also sein Dreck weg: Die Schlange wird vom verheißenen Samen (Messias) zertreten, Eva wird ihre Kinder nur unter Geburtsschmerzen bekommen und dem Manne Untertan sein, und Adam wird sein Leben mit harter Arbeit verbringen und hat schließlich den Tod in die Menschheit getragen.

Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und nehme auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.
1. Mose 3:22-24, Lutherbibel 2017

Aus dem Garten Eden werden sie also auch geworfen und dieser gegen eventuelles Eindringen mit himmlischen Türstehern versehen.

Zusammenfassend haben Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen, die dann aber doch erlaubt gewesen sein soll (so der “Mönch“), um dann von Gott, wie vorher angekündigt, bestraft zu werden.
Wir können das auch gern für den Arianismus (der aussagt, dass nur der Vater Gott ist, der Sohn Jesus und der Heilige Geist eben die wirksame Kraft Gottes) durchgehen, würden dann aber zum Schluss kommen, dass Gott seine Kraft nicht beherrschen kann, was seiner Allmacht widerspricht.

Es ist schade, dass eine Person, von der man Bibelkenntnis erwartet, so leicht nachprüfbaren Mist erzählt. Man muss dafür weder die hohe Poesie der Psalmen kennen, noch die Schachtelsätze der zahlreichen Paulusbriefe. Um die Aussagen dieses ansonsten grundsympathischen “Mönchs“, der sicherlich auch einiged auf dem Kasten und im Köpfchen hat, braucht man keine 6 Seiten weit in die Bibel reinlesen.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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