Filme, Spiele, Bücher auf dem Prüfstand - Was geht wirklich?




Ihr versteht euch auf etwas, dass ihr weitergeben wollt? Das könnt ihr hier tun.

Re: Fiktionen auf dem Prüfstand

Beitragvon almafan » Sa 13. Nov 2021, 13:44

Ancient-Warfare Expert Rates 10 More Battle Tactics In Movies And TV | How Real Is It?

Eine Fortsetzung zum ersten Teil, den ich hier schon dargestellt habe.


https://www.youtube.com/watch?v=DPMiWwqX4wI
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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von Anzeige » Sa 13. Nov 2021, 13:44

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Re: Fiktionen auf dem Prüfstand

Beitragvon almafan » So 21. Nov 2021, 10:25

Medieval Weapons Master Rates 11 Weapons And Armor In Movies And TV | How Real Is It?

Auch andere Experten haben ihr Wissen zur Verfügung gestellt, um die Darstellung von Filmkulissen, -kleidung und -szenen zu bewerten.


https://www.youtube.com/watch?v=5uwWlamONqs
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what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
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Re: Fiktionen auf dem Prüfstand

Beitragvon almafan » Mo 22. Nov 2021, 20:07

Medieval Weapons Expert Rates 7 More Weapons Scenes In Movies And TV | How Real Is It?

Der gleiche Experte hat noch mehr zu sagen.


https://www.youtube.com/watch?v=y3h5OlgoSc4
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Re: Fiktionen auf dem Prüfstand

Beitragvon almafan » Fr 26. Nov 2021, 12:16

Archaeologist Breaks Down 10 Treasure Hunting Scenes In Movies | How Real Is It?


https://www.youtube.com/watch?v=DmKU44ZeuRQ

Es hat mich auch schon immer gestört, dass der Archäologe irgendein Artefakt aus einem alten Tempel holt, über alle Kniffe der alten Völker weiß, obwohl er sich die Architektur des Tempels gar nicht anschaut. Artefakte haben überhaupt erst dann einen Wert, wenn man sie im Kontext zu der Ruine studiert, in der man es gefunden hat. Und hey: Wenn Verteidigungsanlagen nach abertausenden Jahren noch so gut funktionieren, warum interessiert man sich nicht dafür. Denn das wäre zweifellos spannender als alle Goldtrophäen, die man hinter diesen Fallen erwarten kann.
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Re: Fiktionen auf dem Prüfstand

Beitragvon almafan » Mo 29. Nov 2021, 11:11

Military Historian Breaks Down Medieval Weapons in Video Games | WIRED

Hier haben wir einen weiteren Militärhistoriker, der sich in Videospielen umgeschaut hat, um diese auf ihre historische Korrektheit zu prüfen. Da es ein anderer Anbieter und ein etwas anderes Sendeformat ist, läuft es nicht ganz simultan zu den anderen Videos ab.


https://www.youtube.com/watch?v=RFFs_LW7iOM
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Re: Fiktionen auf dem Prüfstand

Beitragvon almafan » Mi 1. Dez 2021, 16:17

Wie man Asteroiden wirklich fü die Erde unschädlich machen kann und wie Hollywood das löst

Astrodicticum Simplex:
Asteroidenabwehr: Nur ein kleiner Schubs...

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/02/asteroidenabwehr-nur-ein-kleiner-schubs.php
Es geht also doch. Und man braucht nicht einmal Atombomben. Aber das wäre Hollywood nicht spannend genug.

Astrodicticum Simplex:
Asteroidenabwehr: Die Armageddon-Variante

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/02/asteroidenabwehr-die-armageddonvariante.php
Aber über diese Variante hat Florian Freistetter auch geschrieben. Und das Ergebnis wäre gar nicht schön.
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Re: Fiktionen auf dem Prüfstand

Beitragvon almafan » Sa 16. Apr 2022, 23:57

Why You Don't Actually Want Super Strength! | Because Science w/ Kyle Hill

Es ist fast genau ein Jahr her, dass wir diesen Kanal das letzte Mal hier hatten.


https://www.youtube.com/watch?v=kD06SQtfA5s
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Re: Fiktionen auf dem Prüfstand

Beitragvon almafan » Mo 20. Jun 2022, 22:49

Expert Survivalist Rates 10 Wilderness Survival Scenes In Movies And TV | How Real Is It?


https://www.youtube.com/watch?v=fwQdVJh5PkI
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Re: Fiktionen auf dem Prüfstand

Beitragvon almafan » Di 21. Jun 2022, 18:30

Survivalist Les Stroud Breaks Down Survival Scenes from Movies | GQ


https://www.youtube.com/watch?v=tCqwT2MqLxI
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Re: Almafans Tutorial

Beitragvon almafan » Di 19. Jul 2022, 20:11

Ausstattungfehler in Mittelalterfilmen

Von hellen Nächten und heiler Natur

Wir wissen heute natürlich nicht mehr, wie das Mittelalter einst wirklich ausgesehen hat. Allerdings wissen wir bei vielen Punkten sehr wohl, wie es nicht ausgesehen haben kann. Das sollte eigentlich auch für die Filmausstatter gelten, doch die im Kino begangenen Fehler sind beträchtlich.

Dass die alten "Hollywood-Schinken" über Artus, Lancelot oder Robin Hood kaum etwas mit einem realistischen Mittelalter zu tun haben, versteht sich von selbst. Allerdings ist hier historische Kritik fehl am Platze, denn diese Filme wollten ihr Publikum vor allem kunterbund unterhalten, mit märchenhaften Rittern, Königen und hübschen Prinzessinnen, und haben dabei nie den Anspruch erhoben, historisch korrekt zu sein. Das Mittelalter war hier immer nur Kulisse für die Verbreitung von Klischees über Ritter ohne Furcht und Tadel. Peinlicher ist dagegen, wie sich heutige Produktionen oft als "gut recherchierte, realistische Mittelalterwelt" präsentieren ("Säulen der Welt", "Die Wanderhure") und dabei doch so ziemlich alles falsch machen.
Am ehesten "stimmen" in Filmen die Kostüme. Das ist am leichtesten, weil Kostüme zu schneidern zum filmischen Standardgeschäft gehört, aber auch, weil wir über erhaltene mittelalterliche Darstellungen über die Kleidung verhältnismäßig gut Bescheid wissen. Nicht "stimmen" tun dagegen die Menschen, die in den Kostümen stecken, also die Schauspieler. Sie sind häufig zu groß und haben zu gepflegte Zähne, weil sie als Kind im schlimmsten Falle eine Spange tragen konnten. Doch diese körperlichen Ungenauigkeiten sollten einem Film nicht nachteilig angekreidet werden. Es würde die heutigen Zuschauer irritieren, wenn sie sich nicht in den Helden wiederfinden könnten.


Eine der größten Reenactment-Veranstaltungen Europas:
Die Schlacht von Grunwald/Tannenberg im Jahr 1410 (Polen)


Wald und Flur

Am schwierigsten für einen Film "umzubauen" ist die Landschaft. Es ist heute nahezu unmöglich, eine größere, realistische Mittelalterlandschaft hinzukriegen. Denn Wald und Felder sehen damals völlig anders aus. Ein Getreidefeld, das mit der Sämaschien angelegt wurde, steht viel zu gut da, ist zu üppig, zu sauber. Damals aber war der Halmbestand unregelmäßig und karg, und alles war voller Kornblumen und Klatschmohn. Aber der Aufwand, eine mittelalterliche Landwirtschaft nachzubauen, wäre für die meisten Produktionen unverhältnismäßig. Dennoch wäre es manchmal wünschenswert, wenn die Recken nicht durch Felder galoppieren würden, denen man die industrielle Landwirtschaft sofort ansieht.
Auch der Wald ist "falsch". Zahlreiche Filme spielen im späten Mittelalter, und da war längst Energiekrise angesagt. Es gab kaum Unterholz, kein Gestrüpp, keine üppige und wilde Natur. Alles war abgegrast und überforstet. Alles was brannte, war von fleißigen Händen leergesammelt. Der Wald sah aus "wie gefegt" iund befand sich aus heutiger Sicht in einem fürchterlichen Zustand. Alles war überweidet und nahe den Ortschaften war die Landschaft zertrampelt und ohne jeden Bewuchs.
Die Filmschaffenden aber suchen sich für ihr Mittelalter Stellen mit schöner, intakter Natur, weil sie dem Klischee folgen, dass die Natur vor dem Industriezeitalter grundsätzlich intakt gewesen sei. Stimmt nur leider nicht! Gerade um die Burgen herum war der Wald auf viele Kilometer gerodet, um dem Angreifer möglichst keine Deckung oder Material zu überlassen. Anders gesagt: Die echte mittelalterliche Burg befand sich auf einem höchst unansehnlichen Matschhügel. Aber das kommt im Film natürlich nicht so gut. Besonders im Spätmittelalter war die Natur um alle größeren Ansiedlungen herum hässlich und weitgehend zerstört. Aber in den Filmen bekommen wir stets wunderschöne, paradiesische Märchenlandschaften präsentiert. Bei den Feldwegen sollte man für den Film unbedingt den heute so typischen grünen Mittelstreifen "wegkratzen". Bis etwa in die 1950er-Jahre gab es diesen nämlich nicht. Die "Traktorfeldwege" sind einer der gröbsten und peinlichsten Landschaftsfehler in historischen Filmen und wie Roman Polanski für den Film "Tess" (1979) unter Beweis stellt, auch noch relativ leicht zu beheben.

Haus und Burg

Mittelalterliche Dörfer gibt es nicht mehr. Nur einige wenige Stadthäuser und Burgen sind uns heute noch erhalten. Häuser und Dörfer für den Film nachzubauen ist natürlich möglich. Die dabei gemachten Fehler sind allerdings zahlreich. Ein Grund dafür ist, dass die erhaltenen Bauten, die den Gestaltern als Vorbild dienen, im Laufe der Zeit "nachgerüstet" worden sind und sich heute meist im Zustand des Barock, aber nicht des Mittelalters befinden. Denn im Mittelalter war vieles, ja fast alles, aus Holz. Scharniere aus Eisen, Fensterläden, Türschlösser, Feuerstellen und Küchen. Fast alles in den "Mittelalter"-Filmen befindet sich auf dem Stand des 16. bis 18. Jahrhunderts. In und an einem mittelalterlichen Bauernhaus gab es kaum Metall, wie Nägel, Haken, Beschläge oder Scharniere. Es gab auch keine Dachziegel, sondern Reed oder Holzschindeln. Dachziegel aus Ton kamen erst in der frühen Neuzeit in den Städten wegen des Brandschutzes auf. Und natürlich gab es an normalen Häusern keine Glasfenster. All die Szenen, in den bei einer Wirtshauskeilerei jemand durch splitternde Butzenscheiben kracht, sind Unsinn. Glasfenster gab es nur für die Kirchen und die ganze reichen Bürgerhäuser. Ansonsten wurde das Fensterglas in den Städten etwa ab 1600 und in den Dörfern ab 1700 üblich.

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Burg Taufers in Südtirol (13. bis 16. Jahrhundert)


Hausinventar

Am schlimmsten sind die Ausstattungsfehler der Filme beim Haushaltsinventar. Denn in den Häusern befindet sich stets der gesamte mittelalterliche Katalog aus dem Museum. Es gibt insgesamt viel zu viel Inventar. Zu viele Stühle, Möbel, Schüsseln, Krüge, Teller. In jeder Ecke steht ein Spinnrad, aus jedem Sims ein Zinnteller, auf jedem Fensterbrett zwei Kerzenhalter. Dasjenige, was in den Filmen bei "Bauers" so dekorativ an mittelalterlichem Gerät in den Schränken steht, mag als Einzelstück ja durchaus stimmig sein. Aber der im Film dargestellte Gesamtbesitz ist zu hoch gegriffen. Tatsächlich gab es im Mittelalter meist nicht einmal einfach Tonteller. Es gab auch keinerlei Besteck, geschweige denn Trinkgläser oder Zinnbecher. Es gab Holzbrettchen, Holzschalen und Holzlöffel sowie einige Tonbecher. Viele Bauernfamilien besaßen keinen einzigen persönlichen Gegenstand aus Metall. Das höchste der Gefühle war der Besitz eines eigenen Messers. Was man aus Metall besaß, das waren die überlebensnotwendigen Gegenstände Sichel und Sende aus Schmiedeeisen, sowie ein meist recht kleiner und flacher Kupferkessel für die Küche für die Suppe und den Brei, nicht der große Kessel, wie er am besten aus Asterix bekannt ist (zugegeben kein Mittelalter). Und all diese Gegenstände waren für eine Bauernfamilie Lebensanschaffungen. War man etwas besser gestellt, so besaß die Frau vielleicht noch eine Nähnadel aus Stahl, eine ebenfalls extrem teufe Anschaffung, die dann dementsprechend sprichwörtlich im Heuhaufen gesucht wurde, wo sich die Frau zum Nähen gerne niederließ. Eine einfache, kleine Nadel aus Stahl entspräche heute einer Anschaffung eines werksneuen Kleinwagens.
Wohl gemerkt: Das alles gilt für das Mittelalter! Im 17. und 18. Jahrhundert, das heute von so vielen "Experten" inventartechnisch gesehen fälschlicherweise für ein Quasi-Mittelalter gehalten wird, waren auf einem Bauernhof bereits hunderte von Dingen aus Metall vorhanden. Sichel und Sense waren normale Gebrauchsgegenstände, Messer waren Dutzende vorhanden, Scharniere und Türschlösser, die Fassreifen oder die Reifen der Wagenräder waren allesamt aus Eisen. In der Küche fenden sich mehrere Töpfe und Pfannen, Bleche und Spieße, ebenfalls aus Eisen oder vernickeltem Kupfer. Im Mittelalter aber wären den Menschen die Augen aus dem Kopf gefallen über derartig viel "Krimskrams". Doch über all diese Dinge wissen die "Experten" der Filmteams offenbar nur wenig. Ihr Mittelalter ist stets von oben bis unten vollgerümpelt mit Sachen, die es damals, wenn überhaupt, dann nur als extravagante Einzelstücke gegeben hatte, die aber nicht zum Hausinventar normaler oder selbst besser gestellter Menschen gehört hatten.

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Der Mond bei Nacht (mit Halo)


Tag-Nachtverhalten

Was sind sie doch so schön "mittelalterlich", all diese Szenen am nächtlichen Feuer. Der Braten brutzelt, das Bier schwappt im Krug, es wird gefeiert, getanzt und gelacht. War so das Mittelalter? Mitnichten! Die nächtliche Beleuchtung ist einer der größten Standardfehler zahlloser Mittelalterfilme. Denn nachts war es im Mittelalter dunkel und still. Es gab schlicht kein Nachtleben, schon gar nicht dahingehend, dass die Straßen nachts mit Fackeln erleuchtet gewesen wären. Die Mittelalterfilme haben dahingegen zumeist entschieden zu viele Nachtszenen. Es ist einfach lächerlich, wie im Film in einer erbärmlichen Spelunke mehrere Dutzend Kerzen brennen, nur damit zwei Halunken mitten in der Nacht in einer Ecke beleuchtet vor sich hin palavern können. Die "Filmexperten" haben hier wahrlich nichts begriffen oder aber der Regisseur will einfach wider besseren Wissen seine Nachtszenen haben. Aber die mittelalterlichen Filmstädte, in den auch noch jede Seitenstaße mit Gitterhaltern beleuchtet ist, in die offenbar jemand im 30-Minuten-Takt Holzscheite nachlegt, sind einfach nur grotesk. Im Mittelalter ist nachts überhaupt nicht beleuchtet worden, es brannten abends auch selten Kerzen in den Häusern. Außerdem waren die Menschen im Mittelalter anders "getaktet". Sie waren kurz nach Sonnenuntergang vom Tagwerk müde und haben nachts geschlafen, um dann mit dem ertsen Hahnenschrei schon vor Sonnenaufgang wieder aufzustehen.
Vielleicht liegt es daran, dass die Drehbuchautoren und Regisseure sich nicht von ihren eigenen Gewohnheiten des heutigen Großstadtlebens loslösen können und ihr nächtliches Abhängen in Clubs und Bars unbedingt auf ihre Helden des Mittelalters übertragen wollen, damit sie und ihre Zuschauer sich in ihnen wiederfinden können. Aber wie gesagt: Es gab kein Nachtleben im Mittelalter. Einzig im Rittersaal konnte es zu festlichen Anlässen auch mal etwas später werden.
Insgesamt warne die Menschen des Mittelalters in ihrer Gesellschaft ganz anders strukturiert als wir heute. Sie haben anders gedacht udn nach ganz anderen Prioritäten entschieden. Doch in den Filmen bekommen wir immer wieder nur den heutigen "New Yorker" vor Mittelalterkulisse präsentiert. Bezüglich des Standardverhaltens der Menschen werden im Film enorm viele Fehler gemacht und so wird meistens das Mittelalter lediglich zu einer weiteren Projektionsfläche unserer heutigen Großstadtneurosen.
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