Das perfekte Herz




Eine Sammlung an Texten, die sich aber nirgens einordnen ließen.

Das perfekte Herz

Beitragvon vlindertje » So 11. Dez 2011, 22:32

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz. Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: „Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön wie meines!"

Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig und es gab einige ausgefranste Ecken... genau gesagt... an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Die Leute starrten den alten Mann an: Wie kann er behaupten, dass sein Herz schöner sei? Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: „Du musst scherzen“, sagte er,„Dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und Deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.“

„Ja“, sagte der alte Mann,„Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze. Denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der Andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diesen Menschen empfinde. Ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst Du jetzt, was wahre Schönheit ist?“

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herz und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Dieser nahm das Angebot an und setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten, vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herz. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in seinem Herzen fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.


Narben auf dem Körper bedeuten, dass man gelebt hat...

Narben auf der Seele bedeuten, dass man geliebt hat...


(gefundener, feigegebener Text eines Bekannten)
"Nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt." Dalai Lama
Benutzeravatar
vlindertje
Fürst
Fürst
 
Beiträge: 278
Registriert: Di 21. Jun 2011, 15:04

von Anzeige » So 11. Dez 2011, 22:32

Anzeige
 

Re: Das perfekte Herz

Beitragvon almafan » Mo 12. Dez 2011, 00:53

Schwarzer-Humor-Modus an:

Und beide verbluteten elendiglich. Denn offene Operationen am Herzen sollte man Chirugen überlassen.

Schwarzer-Humor-Modus aus.
Bild
Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 1685
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Das perfekte Herz

Beitragvon almafan » Mo 23. Jan 2012, 22:25

Mir sind gerade nochmal gedanken zu diesem Text eingefallen:

Was nötigt uns denn, so viele Leute, wie nur irgend möglich in unser Leben, unser Herz zu lassen? Ist es nicht viel erstrebenswerter, die wenigen Bindungen die man eingeht, mit mehr Ernst anzugehen, als tausend Halbfreundschaften zu pflegen?
Ich würde weder das vernarbte "Komm-und-liebe-mich-"Herzen vom Alten nehmen, noch das "perfekte". Was soll ich mit tausenden Leuten, denen ich keine Zeit widmen kann, weil mein Tag eben nur 24 Stunden hat? Ich will nicht jedem gefallen und gefallen müssen. Und genausowenig will ich mein Herz mit allem und jedem teilen. Ich weiß nicht, ob es da draußen Leute gibt, die mehr als 8 oder 10 echte Freunde handeln können. Echte Freunde, nicht Bekanntschaften oder Freundesfreunde. Ich kann es nicht. Und ich will das auch nicht.
Bild
Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 1685
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Das perfekte Herz

Beitragvon vlindertje » Di 24. Jan 2012, 13:37

Ich kann es auch nich. Nicht im geringsten. Es stimmt, daß" es ... viel erstrebenswerter (ist), die wenigen Bindungen die man eingeht, mit mehr Ernst anzugehen, als tausend Halbfreundschaften zu pflegen". genauso seh ich es auch. Jedem zu gefallen ist ebenso nicht mein Ziel. Dafür bin ich auch zu sehr ich, wie ich bin, obwohl ich es natürlich überaus schätze, wenn man mich so mag und schätzt, wie ich bin. Ich selbst gebe gern von mir, doch ich weiß auch, daß dies bisher eine Menge offene Wunden auf meinem Herz hinterlassen hat, da ich nur sehr selten etwas dafür zurück bekomme. Ich bin nun mal ein Gefühlsmensch, daß ist mein "Fehler". Ich schenke anderen gern Freude und bringe anderen eine Form der Liebe entgegen (wenn auch nicht bei jedem immer die gleiche Art von Liebe), schließe andere gern sozusagen in mein Herz, auch wenn ich weiß, daß ich niemals selbiges zurück erhalten werde. Es ist ein Schmerz, der sich nicht vermeiden läßt, denn so bin ich nunmal. Nur warum sollte ich meine Nächstenliebe aufgeben, nur damit es meinem Herzen etwas besser ergeht? Nein, diese Nächstenliebe tut meinen Mitmenschen gut und macht die Welt vielleicht ein klein wenig heller - wenigstens für jene Menschen einen Moment lang (auch wenn man mir selbst nicht ebenso begegnet oder gar gleich viel oder mehr gibt). Doch ich weiß, es kommt der Tag, an dem man sich an meine geschenkte Liebe erinnern wird. Man wird sich nochmals daran erfreuen und vielleicht bemerken, daß man einen Teil von mir in seinem eigenen Herzen trägt ...
"Nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt." Dalai Lama
Benutzeravatar
vlindertje
Fürst
Fürst
 
Beiträge: 278
Registriert: Di 21. Jun 2011, 15:04


TAGS

Zurück zu Das kleine Skriptorium


Wer ist online?

0 Mitglieder

cron