Kontinente in Bewegung (Originaltitel La Valse des Continents) ist eine französische Dokumentationsserie, die in allgemeinverständlicher Form jeweils am Beispiel eines Kontinents die verschiedenen Abschnitte der Erdgeschichte und die geologischen Prozesse behandelt, die bei der Formung des betreffenden Kontinents wirkten.
Erste Staffel 1 - Von den Anfängen Europas (Aux origines de l'Europe) 2 - Europa heute (L'Europe d'aujourd'hui) 3 - Ozeanien (L'Océanie, terre du pacifique) 4 - Von den Anfängen Asiens (Aux origines de l'Asie) 5 - Asien heute (L'Asie d'aujourd'hui)
Zweite Staffel 6 - Nordamerika (L'Amérique du Nord) 7 - Zentralamerika (L'Amérique Centrale) 8 - Südamerika (L'Amérique du Sud) 9 - Von den Anfängen Afrikas (Aux origines de l'Afrique) 10 - Afrika heute (L'Afrique d'aujourd'hui)
Die 1. Staffel wurde 2012 produziert. Die 2. Staffel wurde 2014 produziert.
Die 10 Folgen (je 5 pro Staffel) sind jeweils etwa 43 Minuten lang. Regie führten Christopher Hooke, Yanick Rose in der 1. Staffel und Alexis de Favitski in der 2. Staffel.
Die Erstaustrahlung in Deutsch war am 4. Juni 2012.
Die Erdkruste verändert sich ständig und verschiebt in einer endlosen Bewegung Kontinente und Ozeane auf der Erdoberfläche. In der Dokureihe berichten Geo-Wissenschaftler von ihren spannenden Entdeckungen. Diese Folge geht der Frage nach, wie unser heutiges Europa eigentlich entstanden ist.
Hier der erste Teil:
Die Entstehung Europas | Kontinente in Bewegung | ARTE
Vor 3,5 Milliarden Jahren bildeten sich an der Erdoberfläche die ersten Landmassen. Dass die älteste unter ihnen, das heutige Skandinavien, damals noch irgendwo in der südlichen Hemisphäre schwamm, fand man anhand winziger Kristalle heraus, die Diamantensucher bei ihrer Arbeit entdeckt hatten. Diese Steine heißen Zirkonen und haben zwar keinen kommerziellen Wert, sind für die Geologen jedoch äußerst kostbar: Indem man ihr Entstehungsjahr ermittelt, kann man das Alter des Gesteins bestimmen, in dem sie eingeschlossen waren. Die Erdplatte, die das heutige Europa darstellt, dehnte sich erst nach Westen und dann nach Süden aus, so dass auf der einen Seite die Kontinente Nordamerika und Grönland entstanden, auf der anderen wiederum das herzynische Gebirge erwuchs, das heute im Herzen Europas liegt. Zu jener Zeit befand sich der älteste Kontinent der Welt noch nicht an seinem heutigen Platz, sondern lag in einer tropischen Klimazone. Seine Landschaften ähnelten den Lagunen der Bahamas, und bei der Zersetzung toter Pflanzenreste entstand Kohle – jener Rohstoff, der später zur Grundlage der menschlichen Industrie werden sollte. Im Nordosten wiederum löste sich das heutige Nordamerika von Europa ab und öffnete den Atlantischen Ozean. Mit dem Zustrom kalten Wassers aus dem Norden kamen neue Meeresbewohner: die Coccolithen, mikroskopisch kleine Kalkplättchen, die später zu Kreidegestein wurden und etwa die Felsen von Etretat und Dover formten. Zu jener Zeit sah Europa fast schon aus wie heute. Ein paar Schönheitskorrekturen, einige verheerende Katastrophen – und der Mensch konnte kommen!
Die offizielle Geschichte des europäischen Kontinents beginnt mit der Öffnung des Atlantiks im Osten und der Annäherung Afrikas im Süden, bei der das Mittelmeer und die Alpen entstanden. Und sie ist noch lange nicht abgeschlossen – denn die Erdplatten bewegen sich noch heute. Was davor passierte, erzählen Wissenschaftler in einem Überblick über die letzten historischen Ereignisse der europäischen Vorgeschichte. So geben Kristalle, die versierte Bergführer in den Alpen fanden, Aufschluss über die Entstehung dieses eindrucksvollen Gebirges. Und auch das Mittelmeer hat eine faszinierende Vergangenheit. Vor gar nicht langer Zeit waren Korsika und Sardinien noch mit der provenzalischen Küste verbunden, bevor sie zu Inseln wurden und ins Meer abglitten. Dieser Vorgang kann heute mit magnetostratigraphischen Methoden, bei denen man die magnetische Polung von Gestein analysiert, rekonstruiert werden. Einmal schloss sich die Straße von Gibraltar sogar ganz, und das Mittelmeer trocknete völlig aus – man hätte zu Fuß von Europa nach Afrika wandern können. Durch Klimaveränderungen und minimale kontinentale Verschiebungen entstanden unterirdische Höhlen, die den ersten Menschen vor 40.000 Jahren als Lebensraum dienten. Damals war es in ganz Europa so kalt wie im heutigen Skandinavien. Die Rekonstruktion der Gletscherbewegungen hilft den Forschern dabei, die tektonischen Verschiebungen nachzuvollziehen. Die Bewegungen der Erdplatten lösen Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis aus. Diese Naturkatastrophen, die vor allem die Regionen rund um das Mittelmeer und im Norden des Kontinents Island bedrohen, machen deutlich, dass die Kräfte der Erde noch immer aktiv sind. Schon bald wird es das Mittelmeer nicht mehr geben, die Alpen hingegen werden in die Höhe schießen, und Amerika wird sich noch weiter vom alten Kontinent entfernen.
Australien blieb in seiner gesamten Geschichte fast völlig von Kollisionen oder Abspaltungen verschont. Die sehr alten Gesteinsvorkommen in der nordöstlichen Region Pilbara geben daher wertvolle Hinweise auf den Verlauf der frühen Erdgeschichte. Eine der wenigen Spuren einer Kontinentalkollision befindet sich mitten in Australien: der Ayers Rock, um den sich die Legenden der australischen Ureinwohner ranken. Im Süden des Landes finden sich wiederum die ältesten Spuren tierischen Lebens. Die Ediacara-Fauna lebte in Untiefen nahe der Küste. Eine leichte tektonische Verschiebung reichte aus, um den Meeresgrund an die Erdoberfläche zu befördern - die Überreste der ersten Zweiseitentiere wurden im Gestein für die Nachwelt festgehalten. In der Pilbara-Region konnten Wissenschaftler nachvollziehen, wie und wann erstmals Sauerstoff auf der Erde entstand und sich in der Atmosphäre verbreitete. Von diesem Ereignis, das nicht nur neues Leben hervorbrachte, sondern auch für das Aussterben älterer, vom Stickstoff abhängiger Organismen verantwortlich ist, zeugt heute eine schwarze Linie im Gestein - ein Beweis, nach dem Martin Van Kranendonk 20 Jahre lang gesucht hatte. Vor 200 Millionen Jahren trennte sich Australien zusammen mit der Antarktika und Neuseeland von dem südlichen Großkontinent Gondwana. Dann löste sich die Antarktika durch einen Magmaaufstieg, dessen Spuren noch heute an der Südküste Australiens sichtbar sind, von Australien ab und platzierte sich am Südpol. Neuseeland versank im Ozean, kam jedoch nach seinem Zusammenstoß mit der Pazifischen Platte wieder teilweise an die Oberfläche. Der Kontinent Zealandia liegt noch heute zu 70 Prozent unter Wasser. So beschränkt sich die einzig erwähnenswerte Erschütterung Ozeaniens auf den Zusammenstoßder Pazifischen Platte mit Neuseeland, von dem noch heute zahlreiche aktive Vulkane auf den umliegenden Inseln wie dem Inselstaat Vanuatu zeugen. Doch es scheint, als stünden dem Kontinent noch einige Erschütterungen bevor: Seine Bewegung in Richtung China deutet auf eine Kollision hin, die ein zweites Himalaya-Gebirge hervorbringen könnte.