... Kinder




... alles was ihr wollt.

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Beitragvon almafan » Sa 7. Dez 2013, 10:00

Ich weiß, ihr seid schockiert. Eigentlich hätte Vlindertje so ein Thema eröffnen müssen. Aber ich muss es einfach loswerden. Ich werde bald Papa und da kommt man öfter mal ins Grübeln: Wie soll mein Kind aufwachsen? Was möchte ich ihm mitgeben? Was hoffe ich, soll mal aus ihm werden? Ich will mich nicht im Kind verwirklichen, aber ich möchte ihm schon beibringen, was ich für richtig und wichtig erachte und warum?

Wieso ich gerade jetzt darüber schreibe?
Heute im Zug saß ich einer Familie gegenüber, die aus dem RTL2-Nachmittagsprogramm stammen könnte. Tat sie aber nicht. Sie war real vor mir. Die 3 größeren Kinder, irgendwas zwischen 12 und 4 würde ich schätzen, hatten allesamt ein Nintendo DS in der Hand (ein Handheld, also eine mobile Spiele- und Unterhaltungskonsole). Der Kleinste schaute fast schon lethargisch auf den Bildschirm, die zwei älteren stritten sich um den einzigen Track-Stift (so ein Stift mit dem man auf der touchsensiblen Bildschirmoberfläche rumwurschteln kann, wie mit dem Finger auf einem Smartphone). Wenn sie sich nicht stritten, waren sie ruhig. Und Mama sorgte dafür, dass sie gefälligst ruhig waren. Jedesmal, wenn eines der 3 Kinder irgendetwas wollte oder sagte, fauchte die Alte, sie sollen ruhig sein.
Der Vater spielte auf dem offenbar gemeinsamen Handy rum und surfte oder zockte irgendwas. Er war zumindest selten in der Lage, einen Blick auf das jüngste Mitglied der Familie, ein Baby, zu werfen. Nur wenn es sich durch Verschlucken bemerkbar machte und anfing zu husten, wanderte sein Blick zum Kleinen und dann wurde auch ganz väterlich der Kopf des Kindes gehoben, damit es besser husten kann. Als die Tochter, das mittlere der 3 älteren Kinder (also falls ihr durcheinanderkommt, es sind insgesamt 4 Kinder und 2 "Eltern") mit dem Kleinen spielte, also bevor sie ebenfalls, wie die 2 Jungs mit einem DS ruhig gestellt werden sollte, wurde sie vom Vater nach kurzer Zeit zurechtgestutzt, dass der Kleine doch schlafen solle. Das Kind sah selbst für mich Laien so überhaupt nicht müde aus und freute sich sogar, dass irgendjemand ihm Aufmerksamkeit schenkte. Sah wirklich schön aus, wie es durch die Späße der großen Schwester bei Laune gehalten wurde. Kinderlachen ist ehrlich und herzerweichend.
Nicht so für Papa und Mama. Die haben es lieber, wenn die Kinder auf ihre Bildschirme klotzen und möglichst nicht reden. Der Papa machte auch den Eindruck, als ob zumindest abends mal das ein oder andere Bier mehr die Kehle runter wandert. Und Mama sah aus, als sei sie maximal Hauptschülerin. Als Papa vor dem Aussteigen dann auch noch eine "Thor Steinar"-Jacke überzog und die Kinder von beiden "Eltern" immer wieder ermahnt wurden, still sitzen zu bleiben, war die Sache zumindest irgendwie konsequent. Lieder hieß keiner der Jungen "Paskal-Rene" und das Mädchen nicht "Estefania" oder "Schakelinä".
Man kann nicht alles haben. Aber es führt, wie ein Faustschlag, vor Augen, wie wichtig ein gutes Elternhaus ist.

Wie denkt ihr über Wertevorstellung, die ihr euren Kindern, falls geplant mitgeben wollt? Sollen es hirnlose Unterhaltungszombies werden?

P.S.:
Meine Haltung sollte aus dem Text hervorgehen.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: ... Kinder

Beitragvon vlindertje » Mi 25. Dez 2013, 11:35

Ich denke nicht, daß sich irgendwelche Eltern von vorn herein vornehmen oder sagen " aus unseren Kindern sollen nur hirnlose Unterhaltungszombies werden" oder daß sie sich Kinder wünschen, aus denen sozusagen nichts wird, die nicht lernen, sich sozial völlig neben der üblichen Norm bewegen - allerdings im negativen Sinne oder gar noch schlimmer. Nein, ich kann mir - wahrscheinlich meiner Naivität geschuldet - nicht vorstellen, daß werdende Eltern so ein großes Desinteresse an der Zukunft ihres Nachwuchses haben. Es stimmt schon, daß man Fälle der totalen Vernachlässigung von Kindern im Radio oder Fernsehn hört oder auch in Zeitungen oder dem Internet ließt, aber mal abgesehen von solchen Extremfällen denke ich schon, daß man gewisse Wertvorstellungen und Wünsche den Kindern gegenüber hegt. Doch jenes Beispeil, was du beschrieben hast zeigt, wie schnell alles anders kommen kann.

Das Elternhaus, aus dem Kinder entstammen spielt mit Sicherheit eine sehr, sehr große Rolle darin, was aus den Kindern später einmal wird, welche Werte sie vertreten und was ihnen wichtig erscheint. Dies bedeutet sozusagen, daß die Bildung und die soziale Schicht der Eltern einen Anteil daran haben, wie sich deren Kinder später entwickeln. Auch hier allerdings gibt es genügend Beispiele in denen sich ein Kind in die genau entgegengesetzte Richtung entwickelt hat - sei sie positiv oder negativ. So hat das Elternhaus einen ziemlich großen Einfluß, aber auch die Umwelt, in der ein Kind aufwächst, die Freunde, die es sich erwählt und seine Schlußfolgerungen aus Erfahrungen und Beobachtungen wirken sich auf des Kindes Laufbahn im Leben aus.

Bleibt man jedoch, so wie von Almafan angesprochen, beim Elternhaus, als Anfangspunkt, erst einmal stehen, wird einem sehr wohl bewußt, welch einen großen Einfluß und welch rießige Verantwortung man als Eltern hat. Ich denke genau hier liegt der springende Punkt sozusagen. Viele werdende Eltern machen sich keinerlei Gedanken darüber, was genau aus ihren Kindern einmal werden soll und wie sie dies erreichen können. Nein, ich meine hier keine verkapten Träume der Eltern oder so etwas. Ich meine eben genau die Werte, die man einem Kind weiter geben möchte und den Schutz den man ihnen bieten muß, vor all dem vielen Schund, der ihnen auf ihrem Lebensweg immer wieder angeboten und aufgedrängelt wird.

Hier sehe ich dann wieder die Bildung und den sozialen Stand der Eltern als einen Punkt, aber auch der Eltern ihr ehrliches, persönliches Interesse an ihrem Nachwuchs. Interesse an sich ist sicherlich da, aber .... Es ist so leicht die Kinder vor dem Fernseher ruhig zu stellen, es ist so einfach, ihnen einen Gameboy, ein internetfähiges Handy oder ähnliches in die Hand zu drücken und schon "nerven" sie nicht mehr und man kann seinem eigenen Tagewerk nachgehen oder sich auch selbst seinem eigenen Computerspiel widmen oder seiner Facebookseite oder dem Chat oder was auch immer. Wenigstens man hat ungestöhrte Ruhe.

Auch das Abweisen von Kindern, wenn sie Fragen stellen finde ich problematisch. Klar müssen Eltern auch dies oder jenes am Tage erledigen und dennoch sollte man offen sein, wenn der Nachwuchs etwas von einem wissen möchte oder auch nur auffordert sich einige Sekunden der Fazination einer sich bewegenden Spinne oder Schnecke zu widmen. Warum dies in meinen Augen wichtig? Nun, wenn die Kinder schon bei kleinen Dingen immer wieder weg geschickt werden von den Eltern oder sie spüren, daß ihre Anwesenheit oder Frage ihre Eltern stört, wie sollen sie sich denn dann verhalten , wenn es um größere Dinge geht wie zum Beispiel Sex oder Drogen? Ich denke, ihre natürliche Art, mit ihren Eltern zu kommunizieren geht durch Abweisung verloren.

Nun noch einmal zum Elternhaus. Wenn Eltern nur eine karge Ausbildung genossen haben, ist ihnen oftmals gar nicht bewußt, welch großen Einfluß sie auf ihre Kinder haben. Oftmals wird die Verantwortung der Erziehung und Bildung in öffentlichen Einrichtungen, wie Schule und Kindergarten, gesehen, nicht aber bei sich selbst. Hinzu kommt, daß genau jene Kinder von ihren Eltern auch gern zum Medienkonsum verdonnert werden und auch die Eltern selbst sich gern jenen widmen. Aufgrund ihres geringen Bildungsstandes hinterfragen sie oftmal dann auch nicht die Dinge, die andere sagen, in Zeitungen schreiben oder die im Fernsehn gezeigt werden. Bei fehlender Arbeit ist es dann oftmals so, daß dann das Fernsehgerät auch den ganzen Tag über läuft und Sendungen geschaut werden, deren pädagogischer Inhalt oder Inhalt überhaupt katastrophal ist. Sogenannte Seifenopern oder Reality-shows (oder wie sie geschreiben werden) werden angesehen - nicht selten auch mit den Kindern. Was lernen Kinder davon? Was vermitteln Eltern ihren Kindern dadurch.

Kinder sind die perfekten Nachahmer. In erster Linie ahmen sie die Eltern nach. Beschäftigen sich die Eltern viel mit Medien, wundert es nicht, wenn es ihnen die Kinder gleich tun. Bekommen sie wenig Aufmerksamkeit geschenkt, zeigen sie auch selbst weniger Interesse an anderen und entwickeln weniger Einfühlungsvermögen.

Ich glaube, wer sich keine Gedanken macht, was er seinem Kind mit auf dem Lebensweg geben möchte, ist im Grunde noch gar nicht reif genug dafür ein Kind zu bekommen. Die Verantwortung ist nun mal enorm. Kinder müssen auf die Außenwelt vorbereitet werden, geschult werden, wie sie sich vor verschiedenen Dingen schützen können, Wertmaßstäbe lernen, Eigenverantwortung entwickeln. Und Eltern sollten darüber nachdenken, nicht nur was sie gern ihren Kindern mitgeben möchten, sondern auch, wie sie dies erreichen können. Achja, und die Eltern sollten nicht erst damit anfangen, wenn die Kinder durch die Bude flitzen, in den Kindergarten gehen, in die Schule oder gar erst als Jugendliche, weil ihnen Dinge aufgefallen sind. Nein, schon als Baby kann man beginnen, den Kindern Wertmaßstäbe beizubringen und zu vermitteln, was wichtig und richtig ist. Kleinkinder lernen sehr gut und Babys sind über die Maßen neugierig. Schon im Mutterbauch sind Kinder für viele Dinge empfänglich und es ist nicht verkehrt ihnen in dieser Zeit schon vorzulesen oder Musik vorzuspielen.

Eltern sollten sich auch nicht als unfehlbar ansehen oder den Kinder vermitteln zu versuchen, daß sie alles perfekt machen, sondern sich auch mal bei den Kindern entschuldigen wenn sie zum Beispiel etwas vergessen haben. Dadurch verlieren die Kinder nicht den Respekt vor den Eltern, sondern erkennen sie als ganz normale Menschen an, die auch Fehler und Schwächen haben, etwas, was ja völlig normal ist. Sie wissen dann auch, daß die Eltern sie verstehen können.

Wenn Kinder allerdings nur angefahren und gerügt werden, nicht aber gelobt und ermutigt - wie erzieht man sie dann? Wenn sie nichts hinterfragen, sondern Dinge tun oder sagen, weil sie alle tun oder sagen und schon immer getan wurden - wie eigenständig erzieht man sie dann? Wenn man sie immer mit Medienkonsum ruhig stellt und deren Fragen abweißt - zu was für Wesen erzieht man sie dann?

Ich könte die Liste endlos fortsetzen. Fakt ist, daß man als Eltern ein sehr hohe Verantwortung trägt und auch, wenn es Anfangs so gedacht war, sie nicht zu "hirnlosen Unterhaltungszombies" zu erziehen, so ist es eine sehr langwierige Aufgabe, ihr auch hinterher zu bleiben, damit dann nicht eben doch die Kinder zu eben jenen "hirnlosen Unterhaltungszombies" werden. Erziehung bedeutet Verantwortung übernehmen und Arbeit - an sich selbst und im treu bleiben der gesteckten Ziele und Wertvorstellungen die man seinem Kind übermitteln möchte. Es ist sicher eine schöne und lohnende Aufgabe, wenn man sieht, wie die eigene Arbeit Früchte trägt. Vorausgesetzt, man überläßt die Erziehung weder den Medien, noch den Schulen, noch den Klassenkameraden oder, um es noch einmal seperat zu nennen, dem Internet.

Die Fragen, die Almafan am Anfang seines Artikels nannte, möchte ich gern hier wiederholen, denn dies sind Fragen, die man sich sicherlich stellen sollte: Wie soll mein Kind aufwachsen? Was möchte ich ihm mitgeben? Was hoffe ich, soll mal aus ihm werden? Wie kann ich ihm beibringen, was ich für richtig und wichtig erachte und warum? Es sind keine leichten Fragen. Es sidn Fragen, die Zeit zur Beantwortung brauchen und das Gespräch mit dem anderen werdenden Elternteil, damit beide dann gemeinsam festlegen können, wie sie gemeinsam daran arbeiten können, eben jene gesteckten Ziele der Erziehung zu erreichen.

Ich freu mich auf einen regen Austausch.
"Nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt." Dalai Lama
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