Mi 25. Dez 2013, 11:35
Ich denke nicht, daß sich irgendwelche Eltern von vorn herein vornehmen oder sagen " aus unseren Kindern sollen nur hirnlose Unterhaltungszombies werden" oder daß sie sich Kinder wünschen, aus denen sozusagen nichts wird, die nicht lernen, sich sozial völlig neben der üblichen Norm bewegen - allerdings im negativen Sinne oder gar noch schlimmer. Nein, ich kann mir - wahrscheinlich meiner Naivität geschuldet - nicht vorstellen, daß werdende Eltern so ein großes Desinteresse an der Zukunft ihres Nachwuchses haben. Es stimmt schon, daß man Fälle der totalen Vernachlässigung von Kindern im Radio oder Fernsehn hört oder auch in Zeitungen oder dem Internet ließt, aber mal abgesehen von solchen Extremfällen denke ich schon, daß man gewisse Wertvorstellungen und Wünsche den Kindern gegenüber hegt. Doch jenes Beispeil, was du beschrieben hast zeigt, wie schnell alles anders kommen kann.
Das Elternhaus, aus dem Kinder entstammen spielt mit Sicherheit eine sehr, sehr große Rolle darin, was aus den Kindern später einmal wird, welche Werte sie vertreten und was ihnen wichtig erscheint. Dies bedeutet sozusagen, daß die Bildung und die soziale Schicht der Eltern einen Anteil daran haben, wie sich deren Kinder später entwickeln. Auch hier allerdings gibt es genügend Beispiele in denen sich ein Kind in die genau entgegengesetzte Richtung entwickelt hat - sei sie positiv oder negativ. So hat das Elternhaus einen ziemlich großen Einfluß, aber auch die Umwelt, in der ein Kind aufwächst, die Freunde, die es sich erwählt und seine Schlußfolgerungen aus Erfahrungen und Beobachtungen wirken sich auf des Kindes Laufbahn im Leben aus.
Bleibt man jedoch, so wie von Almafan angesprochen, beim Elternhaus, als Anfangspunkt, erst einmal stehen, wird einem sehr wohl bewußt, welch einen großen Einfluß und welch rießige Verantwortung man als Eltern hat. Ich denke genau hier liegt der springende Punkt sozusagen. Viele werdende Eltern machen sich keinerlei Gedanken darüber, was genau aus ihren Kindern einmal werden soll und wie sie dies erreichen können. Nein, ich meine hier keine verkapten Träume der Eltern oder so etwas. Ich meine eben genau die Werte, die man einem Kind weiter geben möchte und den Schutz den man ihnen bieten muß, vor all dem vielen Schund, der ihnen auf ihrem Lebensweg immer wieder angeboten und aufgedrängelt wird.
Hier sehe ich dann wieder die Bildung und den sozialen Stand der Eltern als einen Punkt, aber auch der Eltern ihr ehrliches, persönliches Interesse an ihrem Nachwuchs. Interesse an sich ist sicherlich da, aber .... Es ist so leicht die Kinder vor dem Fernseher ruhig zu stellen, es ist so einfach, ihnen einen Gameboy, ein internetfähiges Handy oder ähnliches in die Hand zu drücken und schon "nerven" sie nicht mehr und man kann seinem eigenen Tagewerk nachgehen oder sich auch selbst seinem eigenen Computerspiel widmen oder seiner Facebookseite oder dem Chat oder was auch immer. Wenigstens man hat ungestöhrte Ruhe.
Auch das Abweisen von Kindern, wenn sie Fragen stellen finde ich problematisch. Klar müssen Eltern auch dies oder jenes am Tage erledigen und dennoch sollte man offen sein, wenn der Nachwuchs etwas von einem wissen möchte oder auch nur auffordert sich einige Sekunden der Fazination einer sich bewegenden Spinne oder Schnecke zu widmen. Warum dies in meinen Augen wichtig? Nun, wenn die Kinder schon bei kleinen Dingen immer wieder weg geschickt werden von den Eltern oder sie spüren, daß ihre Anwesenheit oder Frage ihre Eltern stört, wie sollen sie sich denn dann verhalten , wenn es um größere Dinge geht wie zum Beispiel Sex oder Drogen? Ich denke, ihre natürliche Art, mit ihren Eltern zu kommunizieren geht durch Abweisung verloren.
Nun noch einmal zum Elternhaus. Wenn Eltern nur eine karge Ausbildung genossen haben, ist ihnen oftmals gar nicht bewußt, welch großen Einfluß sie auf ihre Kinder haben. Oftmals wird die Verantwortung der Erziehung und Bildung in öffentlichen Einrichtungen, wie Schule und Kindergarten, gesehen, nicht aber bei sich selbst. Hinzu kommt, daß genau jene Kinder von ihren Eltern auch gern zum Medienkonsum verdonnert werden und auch die Eltern selbst sich gern jenen widmen. Aufgrund ihres geringen Bildungsstandes hinterfragen sie oftmal dann auch nicht die Dinge, die andere sagen, in Zeitungen schreiben oder die im Fernsehn gezeigt werden. Bei fehlender Arbeit ist es dann oftmals so, daß dann das Fernsehgerät auch den ganzen Tag über läuft und Sendungen geschaut werden, deren pädagogischer Inhalt oder Inhalt überhaupt katastrophal ist. Sogenannte Seifenopern oder Reality-shows (oder wie sie geschreiben werden) werden angesehen - nicht selten auch mit den Kindern. Was lernen Kinder davon? Was vermitteln Eltern ihren Kindern dadurch.
Kinder sind die perfekten Nachahmer. In erster Linie ahmen sie die Eltern nach. Beschäftigen sich die Eltern viel mit Medien, wundert es nicht, wenn es ihnen die Kinder gleich tun. Bekommen sie wenig Aufmerksamkeit geschenkt, zeigen sie auch selbst weniger Interesse an anderen und entwickeln weniger Einfühlungsvermögen.
Ich glaube, wer sich keine Gedanken macht, was er seinem Kind mit auf dem Lebensweg geben möchte, ist im Grunde noch gar nicht reif genug dafür ein Kind zu bekommen. Die Verantwortung ist nun mal enorm. Kinder müssen auf die Außenwelt vorbereitet werden, geschult werden, wie sie sich vor verschiedenen Dingen schützen können, Wertmaßstäbe lernen, Eigenverantwortung entwickeln. Und Eltern sollten darüber nachdenken, nicht nur was sie gern ihren Kindern mitgeben möchten, sondern auch, wie sie dies erreichen können. Achja, und die Eltern sollten nicht erst damit anfangen, wenn die Kinder durch die Bude flitzen, in den Kindergarten gehen, in die Schule oder gar erst als Jugendliche, weil ihnen Dinge aufgefallen sind. Nein, schon als Baby kann man beginnen, den Kindern Wertmaßstäbe beizubringen und zu vermitteln, was wichtig und richtig ist. Kleinkinder lernen sehr gut und Babys sind über die Maßen neugierig. Schon im Mutterbauch sind Kinder für viele Dinge empfänglich und es ist nicht verkehrt ihnen in dieser Zeit schon vorzulesen oder Musik vorzuspielen.
Eltern sollten sich auch nicht als unfehlbar ansehen oder den Kinder vermitteln zu versuchen, daß sie alles perfekt machen, sondern sich auch mal bei den Kindern entschuldigen wenn sie zum Beispiel etwas vergessen haben. Dadurch verlieren die Kinder nicht den Respekt vor den Eltern, sondern erkennen sie als ganz normale Menschen an, die auch Fehler und Schwächen haben, etwas, was ja völlig normal ist. Sie wissen dann auch, daß die Eltern sie verstehen können.
Wenn Kinder allerdings nur angefahren und gerügt werden, nicht aber gelobt und ermutigt - wie erzieht man sie dann? Wenn sie nichts hinterfragen, sondern Dinge tun oder sagen, weil sie alle tun oder sagen und schon immer getan wurden - wie eigenständig erzieht man sie dann? Wenn man sie immer mit Medienkonsum ruhig stellt und deren Fragen abweißt - zu was für Wesen erzieht man sie dann?
Ich könte die Liste endlos fortsetzen. Fakt ist, daß man als Eltern ein sehr hohe Verantwortung trägt und auch, wenn es Anfangs so gedacht war, sie nicht zu "hirnlosen Unterhaltungszombies" zu erziehen, so ist es eine sehr langwierige Aufgabe, ihr auch hinterher zu bleiben, damit dann nicht eben doch die Kinder zu eben jenen "hirnlosen Unterhaltungszombies" werden. Erziehung bedeutet Verantwortung übernehmen und Arbeit - an sich selbst und im treu bleiben der gesteckten Ziele und Wertvorstellungen die man seinem Kind übermitteln möchte. Es ist sicher eine schöne und lohnende Aufgabe, wenn man sieht, wie die eigene Arbeit Früchte trägt. Vorausgesetzt, man überläßt die Erziehung weder den Medien, noch den Schulen, noch den Klassenkameraden oder, um es noch einmal seperat zu nennen, dem Internet.
Die Fragen, die Almafan am Anfang seines Artikels nannte, möchte ich gern hier wiederholen, denn dies sind Fragen, die man sich sicherlich stellen sollte: Wie soll mein Kind aufwachsen? Was möchte ich ihm mitgeben? Was hoffe ich, soll mal aus ihm werden? Wie kann ich ihm beibringen, was ich für richtig und wichtig erachte und warum? Es sind keine leichten Fragen. Es sidn Fragen, die Zeit zur Beantwortung brauchen und das Gespräch mit dem anderen werdenden Elternteil, damit beide dann gemeinsam festlegen können, wie sie gemeinsam daran arbeiten können, eben jene gesteckten Ziele der Erziehung zu erreichen.
Ich freu mich auf einen regen Austausch.