Urlaub 23.06.-30.06.2013 Sächsische Schweiz und Oybin




Reiseberichte und dazugehörige Gedankengänge.

Urlaub 23.06.-30.06.2013 Sächsische Schweiz und Oybin

Beitragvon almafan » Mo 8. Jul 2013, 23:40

Der niedergeschriebene Urlaubsbericht vom Urlaub auf dem Winterberg bei Bad Schandau und in Oybin. Die folgenden Ereignisse begeben sich zwischen Sonntag, dem 23.06.2013, und Freitag, dem 28.06.2013 (Winterberg), beziehungsweise zwischen Freitag, dem 28.06.2013, und Sonntag, dem 30.06.2013 (Oybin).


Almafan:
Unerbittlich weckt mich dieses Geräusch am Morgen. In einer Stunde, in der jeder halbwegs vernünftige Mensch noch schläft. Ausnahmen sind da nur die Bäcker, die die Brötchen zum Abtransport fertig machen und die Kraftwerker und Wasserwerkler, die sich auf die Ablösung freuen. Doch diese Gedanken, kommen mir an jenem Morgen nicht in den Sinn. Wie auch, ich bin ja müde.

Wir schreiben den 23.06.2013.
Ein Tag, wie jeder andere, sollte man meinen. Aber dem ist nicht so. Denn heute ... (Trommelwirbel) ... fahren wir in den Urlaub. Hui.
Doch im Moment will keine Reiselust aufkommen. Also bei mir. Meine Kleine hat jetzt bereits ein breites Grinsen aufgelegt. "Raus aus dem Berufsstress" stand in ihrem Gesicht, ganz fett geschrieben. In meinem stand: "Noch 5 Minuten Mutti." Verständlich, es war erst 5:30 Uhr. Aus den 5 Minuten wurden dann aber doch 20. Das wohligwarme Bett verlässt man ja auch nicht zu nachtschlafender Stunde.
Dennoch: Irgendwie müssen wir es in die Waagerechte geschafft haben. Denn wir duschen, ziehen uns an, packen, was noch nicht gepackt ist, und gehen die To-Do-Liste bis zum letzten Punkt durch. Katzen füttern, Katzenklo machen, dreckiges Geschirr abwaschen, Wäsche wegräumen. All das will erledigt sein. Denn wer will schon in einen Berg voll Arbeit zurückkehren?

Vlindertje:
Urlaub zu haben, bedeutet für mich nicht nur einfach mal nicht auf Arbeit zu müssen. Für mich bedeutet es, wie sicherlich für manch anderen auch, etwas zu entdecken, etwas zu erleben, am Besten unterwegs zu sein. Darüber hinaus sehe ich Urlaub immer als eine Gelegenheit, meinem Mann - ja, ich sage Mann, auch wenn ich noch keinen Ring an meinem Finger trage, da ich genau so ihm gegenüber empfinde - näher zu kommen, aber auch Gott. Mitten in der Natur, beim gemeinsamen Wandern darin und dem Bewundern , was das eigene Auge sieht, das Ohr hört, die Nase riecht, gepaart mit Momenten der Stille, tiefgründigen Gesprächen und dem Lesen, gelingt mir dies am Besten und ich genieße diese Zeit immer sehr. Es gibt mir mehr, als einfach mal Nichts zu tun. Es erfüllt mein Herz mit Freude, meinen Geist mit Denkanstößen, meinen Tatendrang mit guten Vorsätzen, meine intensive Beziehung zu meinem Mann wächst und sie bringt mich meinem Gott und Schöpfer näher.

Almafan:
Für die Versorgung der Katzen ist gesorgt. Mein Bruder übernimmt diese ehrenvolle Aufgabe. Waren schließlich auch mal seine Katzen. Für den Fall, dass es nicht regnen sollte, ist auch ein Gießkannenservice, repräsentiert durch meine Schwester, zur Stelle. Nur eine halbe Woche zuvor haben wir den beiden bei einer kleinen Garteneinweihungsparty mit einer Menge Grillwürsten, selbstgemachten Salat und Quark, die Betreung von Haus, Hof und Vieh schmackhaft gemacht. Mit Speis und Trank auf dem Tische überredet es sich leichter.
Doch der Tag birgt noch die ein oder andere Tücke. Im Stress - und besonders dann, wenn dieser früh auftaucht - werde ich muffelig. An dem Tag geht es aber noch. Zudem fällt auch noch das Frühstück aus, weil wir keine Zeit mehr haben. Es ist bereits 7:07 Uhr und wir müssen zum Zug. "Rennen" am frühen Morgen. Es wird immer besser. Nebenbei noch mal schnell an den Geldautomaten, um genug Bares mitzuführen. Trickbetrüger und Taschendiebe wollen ja auch ernährt werden.
Auf dem Weg zum Bahnhof bemerken wir, dass es letzte Nacht wohl geregnet hat. Die Platten auf dem Gehweg und die Pflastersteine der Straße sind noch nass. Ein Blick nach oben verrät, dass es wohl heute nicht viel besser wird. Die Gießkanne wird heute sicher ruhen dürfen. 7:29 fährt der Zug Richtung Dresden ab. Geschafft. Die erste Etappe der Reise ist angebrochen und wir haben kein Mitglied verloren. Gut, wir sind nur zu zweit. Aber so was kann passieren. Eine erste kleine und recht leicht zu meisternde Hürde ist der Schienersatzverkehr zwischen Löbau und Bautzen. Diese altehrwürdigen Städte sind seit ein paar Tagen schon vom Nabel des Dampfrosses abgeschnitten. Ich weiß nicht mehr genau, ob das Hochwasser etwas damit zu tun hatte. Aber ich vermute es stark.
Viel größer ist die Sorge um den baldigen Hungertot. Frühstens in 2 Stunden wird es in Dresden etwas zu Beißen geben. Wie soll ein Mensch das nur aushalten? Ich meine, ein verwöhnter Mensch aus dem priviligierten Mitteleuropa. Ohne Essen, seit einem halben Tag. Das ist die harte Realität in einer McDonalds-geschwängerten Umwelt. Ein Ding der Unmöglichkeit. ... Beschäftige ich mich zu viel mit Lebensmitteln? Bin ich zu theatralisch? Nein. Aus meinem Beruf als Supporter habe ich gelernt, es gibt nichts, was zu absurd ist, dass Leute nicht darüber jammern könnten.
Doch endlich naht meinem Magen frohe Botschaft. 9:21 Uhr: Wir sind in Dresden. Hier gibt es in der Bahnhofshalle einen Bäcker mit gar wenig Auswahl, aber das stört nicht. Je eine Quarktasche und ein geteiltes Buttercroissant. Mein Hüftgold frohlockte über die neuen Freunde. Das sind immerhin alles Kalorien, die wir bei der bevorstehenden Bergtour verbrennen werden. So schlimm kann es also nicht sein. Und nach diesem gar köstlichem Mahle ging es in die S-Bahn nach Schöna. Schon auf der Fahrt dahin eröffnete sich uns ein Blick in die Welt, die wir die nächsten 5 Tage nicht mehr verlassen sollten: Die sächsische Schweiz. Und auch wenn der Dialekt nicht jedermanns Sache ist, so sprechen sie hier doch kein Schwyzerdütsch. Herrlich. Einmal in den Bergen und die Leute verstehen können. Wo hat man sowas noch?
Allerdings endstationiert der Zug nach Schöna schon in Bad Schandau. Aber hier übernimmt eine tschechisch personalisierte Deutsche Bahn, deren Endhaltepunkt Decin bereits auf der anderen Seite der Grenze liegt.

Vlindertje:
Am Urlaubsort - Schmilka-Hirschmühle - angekommen, empfängt uns erst einmal strömender Regen. Bei der Elbüberfahrt mit einer Fähre, habe ich ein Foto gemacht, was dieses, unser Urlaubswetter, wunderbar eingefangen hat und mich irgendwie an ein fremdes Land erinnert, wie ich es in Büchern gelesen habe. Kurz bevor unsere Fähre dann an der gegenüberliegenden Seite anlegte, flog ein Graureiher ganz dicht an uns vorbei, welcher zuvor am Ufer saß.



Almafan:
Die Ankunft in Schmilka fällt auf kurz vor 11 Uhr. Wir sind am Bahnhof Schmilka-Hirschmühle. Und außer besagtem Bahnhof, findet sich hier nicht viel. Der Ort liegt nämlich auf der anderen Seite der Elbe. Bis jetzt eben, hat es nur leicht genieselt. In Dresden konnte man sogar kurz diese helle Feuerscheibe am Himmel sehen. Hier in Schmilka aber regnet es. Und es regnet stark. Mit trocknen Socken kommen wir oben nicht mehr an. Ja, richtig. Wir sind trotz eleganter Überfahrt mit einer Fähre nicht am Ziel. Nun gut, wären wir selbst geschwommen, wären nasse Socken unsere geringste Sorge.

Vlindertje:
Da das Mittagessen lockt und wir mit unseren Rucksäcken gern in unsere Unterkunft, dem Berghotel+Restaurant Großer Winterberg, auf dem großen Winterberg ankommen möchten, wandern wir, trotz des ströhmenden Regens, eifrig bergauf. Noch nicht sehr weit gelaufen, kommen uns drei pitschnasse Wanderer, in kurzer Kleidung, total durchnäßt und Eis essend, entgegen. Ein wirklich herrlicher Anblick. Als ob strahlender Sonnenschein wäre.
Obwohl die Schuhe meines Mannes schon total durchnäßt sind, sind wir froh, unsere Regenschirme zu haben und nachdem wir uns eine wasserdichte Wanderkarte von 1:30000 gekauft haben, kann es ja hinauf gehen.

Almafan:
Am anderen Ufer angekommen - und ich meine damit nicht die sexuelle Orientierung - müssen wir uns erst einmal sortieren. Wo sind wir? Wo wollen wir hin? Und kostet es extra? Eine Karte sollte Abhilfe schaffen. Also müssen wir an einem Sonntag ein Geschäft finden, dass diese auch verkauft. Wir finden eines. Fragt man sich: Wenn das so einfach war, wofür dann noch eine Karte? Aber wir kennen uns eben nicht aus und ein Einzelfall hat selten großen Einfluss auf eine doppelblind-randomisierte, placebokontrollierte Statistik. Und dieser Einzelfall eben kann auf Glück beruhen. Und da er eben höchstwahrscheinlich ein zufälliges Ereignis darstellt, ist eine Karte die bessere Wahl. In einem kleinen Laden, der mehr aussieht wie eine Bude auf dem Rummel, entscheiden wir uns für eine regenfeste Übersichtskarte, die die ganze sächsische Schweiz im Maßstab 1:30.000 abbildet. Die Dame versichert uns, man erkenne darauf jeden Weg. Kurz nachdem wir die Rummelbude verlassen haben, kommen uns erste Zweifel, ob wir nicht doch hätten besser einige Detailkarten kaufen sollen. Wir wagen es dennoch.

Vlindertje:
Schon der Anfang des Weges, wir nehmen den Bergsteig, denn er scheint der Kürzeste zu sein, wird uns klar, daß der Aufstieg anstrengend werden würde und wir auch ohne Reisegepäck ermattet oben ankommen würden.

Almafan:
Schmilka kennt im Grunde nur 2 Straßen. Eine Straße führt von der Grenze nach Bad Schandau, bzw. in die umgekehrte Richtung und die andere in das Wandergebiet rund um den Winterberg. Bereits im Ort beginnt der Aufstieg. Nach dem Ort trennt sich der Weg. Die Straße führt zu den größeren Gasthäusern, wie dem Restaurant & Berghotel Großer Winterberg, dem Kuhstall und dem Zeughaus. Das erstgenannte sollte unser Ziel sein. Wir haben uns schon vor der Fahrt, am davorigen Abend sogar schon für den Aufstieg über den Bergsteig entschieden. Offiziell benötigt man für den Weg rund 1 Stunde. Auf der Webseite http://www.wanderwege.de steht "Der Bergsteig ist der kürzeste und damit steilste Aufstieg von Schmilka zum Großen Winterberg. Er ist im unteren Teil auf grobem Steinpflaster, im oberen Teil auf vielen Holztreppen zu begehen." Ja, viele Holztreppen. Wie uns einige Tage später gesagt wird, handele es sich um rund 550 Stufen. Zum Vergleich: Um in den sechsten Stockwerk eines Neubaus zu kommen, überwindet man etwa 100 Stufen. Und nein, von den Holztreppen wussten wir vorher nicht. Wir haben uns aufgrund von Google-Maps und Open Streetview dazu entschieden. Diese Webseite habe ich gerade eben erst, für diesen Reisebericht herausgesucht.



Vlindertje:
Nach Stunden, 1,5 der Zahl nach, um genau zu sein, des bergauf Laufes und zig Treppen steigens, kommen wir dann doch noch rechtzeitig zum Mittag an. Unsere Aufnahme in die Herberge erscheint uns etwas chaotisch, aber so lange alles irgendwie glatt geht und wir unsere Informationen, wenn auch nach mehrmahligen nachfragen, erhalten und verstehen, dann ist ja alles okay.

Almafan:
Auf die offizielle Stunde kommen bei unserem anfänglich gemächlichem Tempo noch einmal 20 Minuten hinzu. Denn erst 12:20 Uhr haben wir unsere Bleibe auf dem Winterberg erreicht. Man weiß nicht genau, was die Sachen mehr befeuchtete: Der unaufhörliche, in seiner Stärke aber variable Regen oder der eigene Schweiß, durch die Anstrengungen der Gipfelfahrt. Aber wir haben es geschafft, lassen uns ein Zimmer zuweisen. Heute scheinen wenige einen Plan von irgendwas zu haben und die Bude ist gerammelt voll. Nachdem wir also unsere schmucke, kleine Suite betreten haben, wird erst einmal geschaut, was es alles an Komfort gibt. Oder eher nicht. Ein Doppelbett, ein Kleiderschrank und eine gekachelte Ecke mit Waschbecken und Abstellplatz für die Zahnbürste. Spartanisch möchte man sagen. Damit verkennt man aber, dass Spartaner äußerst unwahrscheinlich Zahnbürsten überhaupt nur kannten. Sind wir eben Nobel-Spartaner. In so einem Urlaub merkt man eigentlich auch erst, was man alles nicht braucht. Fernseher, Internet, Terminplaner, Playstation und Häkelgarn können getrost zu Hause bleiben. Auf einem Wanderurlaub sind Schuhe und Beine entscheidend. Und die sollte man auch nach dem ersten Aufstieg nicht wegschmeißen. Spätestens zum Abstieg wird beides wieder gebraucht.



Vlindertje:
Das Mittagessen stärkt uns sehr und unser Zimmer ist einfach, aber gemütlich. Die Toilette ist eine halbe Etage tiefer, die Duschen eineinhalb. Das einzige, was als etwas stöhrendes zu erwähnen ist, ist ein Geräusch, gleich einer Lüftungs- oder Kühlungsanlage, welches wir von der Außenseite der Küche, oder eher Lagerräume, bis ins Zimmer hören.

Almafan:
Was wir aber erstmal brauchten, waren Opfer für das Mahlwerk im Munde: Essen. Im Restaurant ist Hektik. Da wir hier Vollpension gebucht haben, steht es uns zu, in allen Restaurants und Gasthäusern, die denselbem Chefs gehören, kostenfrei ein Mittagessen pro Nase einzunehmen. Getränke sind außen vor. Wir erfragen insgesamt drei mal, das Prozedere, wie man sich in den anderen Gaststätten als Vollpensionist ausweist, bevor wir es verstanden haben. Die dazugehörige Mittagskarte, eine Art Stempelpass, erhalten wir aber erst am nächsten Tage. Wie gesagt, im Restaurant herrscht Hektik. Wir erfahren, dass Aufgrund des Hochwassers nur die "kleine Karte" gilt, man habe Besorgungsschwierigkeiten. Wir haben trotzdem Hunger: Meine Kleine entscheidet sich für die Knoblauchnudeln mit Oliven und Paprika, ich esse gefüllte Zucchini mit Reis. Außerdem esse ich, was meine Kleine nicht schafft, gleich mit. Aber das war ja zu erwarten. Erst nachdem ich die Getränke bezahlt habe, erfahre ich, dass ich auch auf das Zimmer anschreiben kann. Für die nächsten Tage weiß ich bescheid.

Vlindertje:
Nach einer entsprechenden Pause, beschließen wir, uns doch noch einmal zu bewegen. Nachdem wir uns die Wanderkarte abermals angesehen und draußen die Beschilderungen der verschiedenen Wandermöglichkeiten studiert haben, entscheiden wir uns - wir wollen ja von der Strecke her nicht übertreiben - für den 1,5 Stunden langen Weg zum Kuhstall.
Unsere Strecke beginnt bergab und uns wird klar, daß wir da wieder hoch wollen und müssen. Wir wandern fleißig weiter, denn unsere Anstrengung wird mit vielen wunderschönen Augenblicken und Schöhnheiten der natur belohnt. Zuerst mit der Beobachtung kleiner Dinge, wie das Leben auf sogenanntem "Totholz" oder auch dem Glänzen der Regentropfen auf dem Gras, wenn die Sonne, die doch noch heraus gekommen ist, darauf strahlt. Nach ein paar weiteren Schritten werden die Sandsteinbrocken am Wegesrand zu Felsen und schon stehen wir selbst auf so einem Felsplateau. Weitere Steilwände sind zu sehen. Wälder breiten sich unter unseren Füßen aus und Berge erheben sich in der Ferne. Wie wunderbar!



Doch zum Kuhstahl gehts bergab - viele, viele Stufen bergab. Nachdem wir diese geschafft haben und einige Zeit gewandert sind, beschließen wir dann doch, ohne den Kuhstall erreicht zu haben, umzudrehen. Der Wald erscheint uns dunkel und wir haben für den Abstieg schon 2 Stunden benötigt. Das Wetter hält sich zwar stabil, aber wenn wir für den Rückweg 3 Stunden benötigen würden, dann wäre es schon 20 Uhr. Wir haben ja noch ein paar Tage Zeit den Kuhstall noch einmal anzugehen.
Es geht also zurück, an der Stelle vorbei, wo hinter uns ein Ast zu Boden fiel und wir uns dabei total erschrocken haben, weiter die vielen, vielen Stufen hinauf. Zu unserer Überraschung sind wir auf dem Rückweg schneller, wenn auch wieder einmal total erschöpft.

Almafan:
Wie gewohnt dauert unser Mittagessen stundenlang. Wir bereden auch, ob wir unseren Füßen einen weiteren Marsch zumuten wollen. 15:11 Uhr geht es nochmal raus. Wir haben uns und unsere Füße überreden können. Mit leichterem Marschgepäck, das Groß ist im Zimmer geblieben, geht es auf die Tour zum Kuhstall. Wir wissen ja noch nicht, dass der Weg vom kleinen Winterberg zum Kuhstall über weitere gefüllte fantastillionen Stufen wieder nach unten führt. Außerdem haben uns die Beschilderung zu der Erkenntnis gebracht, dass zwischen einer 1/4 Stunde und 20 Minuten in der Realzeit gut weitere 20 Minuten passen. Auch mit flottem Schritt. Es ist 17:06 Uhr. Und obwohl wir uns sicherer sind, als jemals zuvor "kurz vor dem Kuhstall" zu sein, geben wir auf und kehren um. Wir werden uns in den folgenden Tagen sicher ärgern, wenn wir die Route nocheinmal gehen und feststellen, dass wir wirklich kurz davor waren und unsere Ahnung, dass "nur noch die Stufen dahinten" uns vom Ziel trennen, sich bewahrheitet. 18:26 Uhr sind wir wieder auf dem großen Winterberg. Und wie an den Zeiten zu erkennen ist, waren wir schneller, obwohl wir alle Stufen beim kleinen Winterberg wieder nach oben gegangen sind. Netterweise wurden wir für unsere Anstrengungen von einer rotweißen Mietze empfangen und beschmust.



Bereits 1 Stunde später sitzen wir wieder in der Gastronomie und haben Abendbrot bestellt: Meine Kleine mampft nun einen Berg Kartoffelauflauf mit Hirtenkäse überbacken und ich hab mir Krautnudeln mit Schinkenspeck bestellt. Ob wir das alles abwandern können, was wir uns hier drauffuttern? Die Waage wird es bei der Rückankunft zeigen.

Vlindertje:
Dieses mal nehmen wir unsere Bücher und Schreibutensilien zum Abendessen mit. Im Gasthaus ist sehr wenig los und dementsprechend ist es sehr entspannend dort zu verweilen. Wir sitzen lange und suchen eine Definition für "begründeten Glauben" zu finden. Am Ende fällt der Gedanke: "Glaube wird stärker durch Erfahrung." Vor allem bei kleinen, alltäglichen Dingen ist dies ja so, dann wird es bei großen Dingen des Lebens kaum anders sein.
Wenn wir schon mal beim Thema "Glauben" sind, erörtern, lesen und hinterfragen wir die in der Bibel aufgezeichneten Berichte über Pontius Pilatus im Umgang und im Gespräch mit Jesus, sowie das Verhalten der damaligen Juden in Bezug auf Jesus und Blutschuld. Ein sehr spannendes Gespräch und dies, obwohl mein Mann kein Gläubiger ist.
Unser Gespräch ging auch darum, wie Glaube entsteht. Gestärkt wird Glaube durch Erfahrung. So weit haben wir es schon erörtert. Wie Glauben entsteht, ist da schon was anderes. Wir kommen zu dem Schluß, daß dies durch eigene Öffnung für eine Möglichkeit ist geschieht. Eine ablehnende Haltung kann keinen Glauben hervorrufen. Es muß die Bereitschaft da sein, etwas als eine Option, als eine Möglichkeit anzunehmen und sich dieser dann fragend zu widmen. Das der Mond keine glänzende Scheibe ist, ist heute Wissen, aber dennoch kann ich mich diesem versperren und dem, der mir von dieser faszinierenden Kugel - Mond - erzählen will, nicht zuhören oder ich kann mich der Idee öffnen und gespannt zuhören und diese durch Hinterfragen kennen lernen.

Almafan:
Unterdessen dauert das Abendessen, zum Dessert gibt es für mich Vanilla-Milchreis - nachdem ich den Kartoffelauflauf der kleinen auch noch aufgegessen habe. Nebenher gibt es noch ein tiefgründiges Gespräch über Glauben, die Bibel, Gott, Jesus, Pontius Pilatus und die Hohepriester der Juden. Meine Kleine ist auf einer Selbstfindungssuche und formuliert die erste große These des Abends: "Der Glaube wächst durch Erfahrungen." Also war der Abend nicht nur für den Magen erfüllend und bereichernd. Gegen 21:35 Uhr beschließen wir, die Gaststube zu verlassen und in unser Zimmer einzukehren. Aber erst gegen 22:30 Uhr gehen alle Lichter aus. Wir werden, nach diesem anstrengenden Tag wohl schnell einschlafen.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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von Anzeige » Mo 8. Jul 2013, 23:40

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Re: Urlaub 23.06.-30.06.2013 Sächsische Schweiz und Oybin

Beitragvon vlindertje » Di 16. Jul 2013, 22:57

Vlindertje:
Noch im Bett beginnen wir den Tag mit tiefgehenden und philosophischen Gedanken. Unser abendliche Gespräch von gestern über das Thema "Glauben" ist noch immer präsent. Wie kann Glaube entstehen? Das jener stärker wird durch Erfahrung und überhaupt erst möglich ist, aufgrund des Zulassens eines entsprechenden Gedankens, haben wir uns gestern ja erarbeitet bzw. zusammen gequatscht. Aber wie entsteht Glaube? Ich denke, durch HInterfragung einer Sache. Glaube kann aber auch aufgrund von Unwissen entstehen. Dies ist dann natürlich kein fundierter Glaube, sondern ein blinder. Ein fundierter Glaube muß befestigt sein, Beweise haben, Beweise, die einem selbst von der Wahrheit einer Sache überzeugen. Hinterfragungen dessen sind daher unerläßlich.

Almafan:
Es ist nicht einmal 8 Uhr und meine Kleine ist schon wach und schreibt an ihren "Memoaren". Und nun bin auch ich wach. Dennoch beschließen wir erst 8:20 Uhr auch in Gaststube zu gehen, um zu frühstücken. Ein leckeres Buffet mit Brötchen, süßen und herzhaften Aufstrichen und Belägen, sowieso dreierlei Müsli, einen Quark, Himbeerjogurt, Griespudding, Obstsalat, Apfelsaft, Milch und Kaffee will von uns verschlungen werden. Da wir es schon im Hause poltern hören, dachten wir die Letzten zu sein, doch wir waren sogar recht früh dran. Bis 10 Uhr ist das Frühstück auch beendet und die Wandertouren sind geplant. Der Kuhstall soll es nochmals werden. Und diesmal entkommt er uns nicht. Heute werden wir der Strecke zeigen, wer ihr Herr und Meister ist oder zumindest, dass wir sie mit biegen und brechen schaffen können. Man soll ja Demut zeigen.



Vlindertje:
Endlich aus dem Bett geschält, erwartet uns ein wunderbar reichhaltiges und vielseitiges Frühstück. Wir haben das Gefühl, wir könnten stundenlang essen. Ich liebe Frühstück. Irgendwann jedoch beschließen wir dann doch, jenes zu beenden und starten unsere Wandertour des heutigen Tages mit einer Turmbesteigung des Aussichtsturmes, der aus unserem Hotel oben heraus ragt.

Almafan:
Das leichte Wandergepäck ist schon geschnürrt. Ich muss erwähnen, dass ich meinen eigenen Packesel mitgebracht habe. Ein wenig Luxus kann auch im Wanderurlaub nicht schaden: Meine Kleine.
Wie schon am Vortag kommt dort eine Wasserflasche, Regenschirme, eine kleine Jacke, Desinfektionsmittel und ein wenig Kleinkram hinein. Außerdem der Stempelpass. Beim Kuhstall soll es eine gastronomische Einrichtung geben. Schreibe ich in diesem Text eigentlich zu oft vom Essen? Nein ... Außerdem wäre das eine Erkenntnis von gestern. Aber glücklicherweise ist diese Erkenntnis ja nicht. Wäre ja noch schöner, wenn ich ständig über das Essen schreiben würde.
Vorher aber geht es nocheinmal auf das Dach. Man erklärt uns, dass der Eintritt nur zu zahlen sei, wenn man kein Gast des Hotels Großer Winterberg sei. Und da wir dies nunmal sind, zeigt man uns den "Geheimweg". Also recht offensichtlich an einem Abzweig bei der Bibliothek im 2.Stock. Von dort oben schießen wir die ersten Fernsichten des Tages. Mögen noch viele folgen.



Nun aber gilt es erst einmal wieder alle Stufen herunter in die gute Stube zu wandern. Denn wir sind noch nicht ganz ausgerüstet.
10:40 geht es dann endlich los und wir verlassen den Winterberg. Der Weg von gestern soll etwas variiert werden. Wir wollen aber nicht übertreiben. Deshalb wählen wir beim "Ameisenbaum" eine völlig andere Richtung. Logisch. Das mit dem "Ameisenbaum" muss ich jetzt natürlich erklären: Wir haben am Vortag einen umgefallenen Baum gesehen, der an einer großen Wegkreuzung so rumlag. Wie umgefallene Bäume das eben so tun. Und die vielen kleinen Ameisen, die da durch die ehemaligen Wurzeln wuselten, zeigten eindrucksvoll, dass Todholz mitnichten tot ist. Also hieß dieser Baum, wegen seiner fleißigen Bewohner, für uns beide ab nun "Ameisenbaum".

Vlindertje:
Anschließend gehts erst einmal bergab durchs Heringsloch zum Kuhstall, eben jener, dessen Besuch wir gestern abgebrochen haben. Da hier mitunter verschiedende Wege ans Ziel führen, so ist das durchqueren des Heringslochs für uns ein neuer Pfad.

Almafan:
Der Weg führt uns durch das Heringsloch. Dies ist ein weniger abgelatschter Pfad. Den Tag zuvor sind wir den Reitsteig und anschließend den Fremdenweg gegangen. Also die kürzeste Verbindung zwischen großem Winterberg und Kuhstall. Heute soll es ein Umweg werden, also durchs Heringsloch. Ich weiß, ich werfe hier mit Wanderwegen um mich. Und das in voller Absicht. Aber hier ein kleine Hilfe: http://www.saechsische-schweiz.info/karte/.
Im Heringsloch jedenfalls wird man schnell ganz klein. Oder werden die Steine größer? Man sieht sich zumindest in einer Schlucht, die beiderseits von riesigen Felsbrocken gesäumt ist, neben den man sich eben reichtlich winzig vorkommt. Allein die Vorstellung, wieviel Kraft nötig war, damit sich diese Brocken überhaupt dahin bewegen, wo sie nun lagen, war etwas, dass den Geist übersteigt. Wie unbedeutend der Mensch doch ist.
Zwischenzeitlich waren wir sogar neben dem Weg gewesen. Ein kurzes Stück nur, aber der Weg war da nicht mehr zu unterscheiden, von dem, was ihn umgab. Ein kleiner Ausblick, was ich damit meine, wenn ich schreibe, dass es ein weniger abgelatschter Weg war. Danach sind wir dem Königsweg gefolgt und haben uns gefragt, warum ein Gekrönter hier lang sollte. Hübsches Fleckchen Erde, einige Fotos wert, aber nix zum Regieren da. Und ebenso wenig untertäniges Volk fand sich auf dem Fremdenweg, den man nun wieder beschritt. Und bis auf eine zeckenverseuchte Wiese, haben wir ab da, die Route, wie am Vortag gewählt. Es gab auch keine große Auswahl mehr. Den Wettinplatz, auf der Wanderkarte groß ausgeschrieben, findet man nur, wenn man aufmerksam den Wegesrand begutachtet. Hinter ein paar Sträuchern ist ein kleiner Stein zu finden, in den eingekratzt steht: "Zur Erinnerung an das Wettiner Jubelfest 10. Juni 1889". Was für ein Zufall, nur 114 Jahre und 14 Tage vor unserer Ankunft an diesem Steine. Das muss was zu bedeuten haben. Doch Zeit darüber nachzudenken haben wir nicht. Denn wir haben noch eine Rechnung offen, mit dem Kuhstall.

Vlindertje:
Die Größe der uns umgebenden Steinfelsen ist immer wieder sehr beeindruckend. Wir rechnen sie in Menschengröße um.



Wie winzig wir Menschen doch im Vergleich zu diesen Felsen doch sind. Weiter gehts bergab. Einige alternativen Pfade sind leider schwer auszumachen und mit Gras bewachsen. Nachdem wir einen dieser versucht haben zu gehen und mehr neben als auf dem Pfad entlang stapften, beschließen wir, besser auf den farblich makierten Wanderwegen zu bleiben, mögen alternative, kleine Pfade auch noch so verlockend sein. Noch ein letzter Anstieg über wieser so manche, viele Treppe und wir erreichen den Kuhstall.

Almafan:
Der Fremdenweg selbst hat sich in den letzten 22 Stunden wenig verändert, marginal möchte man fast schreiben. Und schnell ist daher auch die Kreuzung erreicht, an der wir gestern noch kapitulierten. Diesmal gehen wir nach einer kleinen Trinkpause gleich weiter. Wir wagen es all die Stufen nach oben, denn wir ahnen nicht, wie viele es sind. Holzplanken im Boden eingelassen, Metallleitern und Metalltreppen für größere Absätze, Holzstufen auf Stein genagelt, Holzstufen auf Holzbalken genagelt, Metallgitter für flachere Abschnitte, Steinstufen und -absätze. Alle erdenklichen Formen von Aufstiegsmöglichkeiten, die keinen Strom und kein Seil erfordern sind uns begegnet. Ein König hätte in schwerem Harnisch vermutlich die Erfindung eines Aufzuges gefordert. Der kam für viele Feudalherren allerdings erheblich zu spät. Doch für uns stellen die Stufen nur noch ein kleines Hindernis dar. Wir erreichen den Kuhstall. Dies ist ein großes Loch, dass durch natürliche Verwitterung im Sandstein entstand. Man kann durchgehen, ohne dass es einem auf den Kopf fällt und das seit bestimmt tausenden Jahren. Auch wir wagen uns hindurch und genießen die regnerische Aussicht. Denn es beginnt zu nieseln. Aber nach dem Sieg der Strecke über uns, haben wir nun den Ausgleich geschafft. Ich würde sagen, ein eindeutiges Unentschieden.

13:40 nehmen wir dann auch unser Stempelpass-Mittagessen ein: Ein Glas Wasser und je einen Teller Tagiatelle mit Blattspinat. Keine halbe Stunde später brechen wir bereits wieder auf und erklimmen die Himmelsleiter. Habe ich schon erwähnt, dass die Kleine keine engen Gänge mag? Allerdings erweist sich diese Himmelsleiter auch als Schwindel. Die geht gar nicht zum Himmel, egal wie fromm man ist, sondern nur auf nächst höhere Felsniveau. Danach geht es noch zu Schluchten, dürftig abgegrenzt, unter Steinhöhlen hindurch und zu anderen Schluchten ganz ohne Abgrenzung. Meine Kleine entwickelt sich unterdessen zu Lara Croft und possiert für die Kamera. Die Steine beeindruckt das sicher wenig, denn die sehen Menschen vermutlich schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Und sie stehen stolz und majestätisch da wie einst schon, als die Romantiker im 18. und 19. Jahrhundert anfingen, Wandern, Klettern und Burgruinen cool zu finden.



Der Hausberg gleich hinter dem Kuhstall - vom Winterberg aus gesehen - ist dagegen weniger beeindruckend. Ein Steinklumpen im Wald. Naja, davon sieht man ja nicht allzu wenige. Also entscheiden wir uns für den Abstieg zu den Lichtenhainer Wasserfällen. Es soll ein bequemer Abstieg sein, da er sich aber zieht, geht er arg in die Knie.

Vlindertje:
Eine Kleinigkeit essen und schon stapfen wir die Himmelsleiter hoch. Zwischen zwei eng aneinander liegenden Felsen, führt mittendrin eine schmale Treppe hoch. Für mich eine wahre Herausforderung. Der schöne Ausblick ist aber dafür eine herrliche Belohnung. Dieses Gefühl der wunderbaren Belohnung, werden wir an jenem Tag noch öfter haben.
Ein schmaler Weg, glücklicherweise großteils von Geländer umrahmt, läd zum Erkunden ein. Noch mehr Fotos werden geschossen. Auf manche, etwas gefährlicher wirkende Felsvorsprünge verkneife ich mir zu klettern, da mein Mann schon gestern um mich Angst hatte, als ich - schups - plötzlich neben ihm einen kleinen Spalt,zwischen zwei Felsen, übersprungen habe. Gerade noch stand ich neben ihm und so schnell war ich auf den nächsten Felsvorsprung.
Da wir eh in scheinbarer Nähe der Lichtenhainer Wasserfälle sind, beschließen wir abzusteigen. Plötzlich "zerfällt"irgendwie und aus irgendeinem Grund mein Wanderschuh. Ganz ohne große vorherige Ankündigung. Die eine Sohle lößt sich ab. Ach, was sind diese Wanderschuhe schon eine lange Zeit in meinem Besitz und wo sind wir alles gemeinsam herumgewandert. Nun sind sie mir leider zur Stolperfalle geworden. Im Tal angekommen wickelt der Hausmeister der Gastronomie, auf meinem Wunsch hin - denn ich denke dies ist sicherlich vorerst die Beste Lösung - die Sohle mit Draht an Schuh fest. Da kann es ja nun beruhigt wieder bergauf ins Hotel gehen.

Almafan:
15:58 sind wir am Gasthof bei den Lichtenhainer Wasserfällen. Meine Kleine hat mich vorgewarnt: So super imponierend sind die nicht. Und sie hat recht. Aber da ihre Schuhe, im wahrsten Sinne des Wortes, aus dem Leim gehen, sind wir hier vielleicht richtig. Ein als Schuster getarnter Hausmeister, klemmt die Sohlen mit einem Draht und einer Zange wieder fest ans restliche Schuhwerk. Für die Strecke zurück zum großen Winterberg sollte das erst einmal reichen. Ich bestelle mir unterdessen eine hausgemachte Eierschecke. Die lachte mich so fies an, ich solle sie vernaschen, während wir eben auf den Hausmeister warteten. Ein paar Fotos der Wasserfälle gemacht und dann nach ungefähr 20 Minuten Aufenthalt weiter nach Beuthenfall. Auf dem Weg dahin begegnete uns ein Parksünder, eine "Doppelhaushälfte" und einen kräftig blaustrahlenden Barkas in Beuthenfall selbst. Beuthenfall wird vielen nichts sagen. Muss es auch nicht. Es besteht aus einem verlassenen ... Haus. Ich habe keine Ahnung, was es mal gewesen sein soll. Hier aber geht ein Weg wieder Bergauf. Wir müssen aus dem Kirnitzschtal, durch den die namensgebene Kirnitzsch fließt, wieder hinauf auf den höchsten Berg in der ganzen Umgebung. Da haben wir noch etwas vor uns.

Vlindertje:
Den Aufstieg machen wir uns natürlich nicht leichter, als den Abstieg, auch wenn er zuvor von uns nicht als so schwierig eingestuft wurde. "Wilde Hölle" nennt sich der kleine, aber dennoch gemütlich einladende Weg, der sandig zwischen einigen Tannen beginnt.



Es dauert aber nicht sehr lange und der Pfad beginnt steiniger, ja,bedeutend steiniger zu werden. Zum Glück haben wir die letzten Wochen etwas Sport im Fitnessstudio gemacht, denke ich noch, denn der Weg geht inzwischen unerbittlich über Felsbrocken nach oben. Es ist alles irgendwie rutschig, auch wenn es heute nicht so regnet, wie gestern und wir die Schirme nicht benötigen bzw benutzen.
Plötzlich stehen wir vor einer Felswand. Zwar sind dort anfangs noch Stufen in Stein geschlagen, aber ohne die Halterung auf der einen Seite des Felsgesteins, wäre ein Hinaufkommen bedeutend schwerer, wenn nicht gar unmöglich. beim zweiten Anlauf schaffe ich es. Doch diese Herausforderung war erst der Anfgang und wir verstehen, warum "schwierig" unter dem Wort "Wilde Hölle" stand.



Bald finden wir uns zwischen rießigen Geröll- und Steinmassen wieder, die uns einzuschließen drohen. Ich denke, daß der Name "Wilde Hölle" wirklich passend ist.
Weiter geht es eine Leiter hinauf, doch kurz darauf fehlt auch diese und der Pfad ist nur noch anhand von Trittkufen und den einen oder anderen Haltegriff im Gestein zu erkennen. Eine wahre Herausforderung für meinen Mann. Nach diesem, erst mutmaßlich und später bestätigtem, schwersten Teil der Strecke, nehmen wir uns erst einmal fest in den Arm. Wir haben uns noch und sind sehr glücklich, uns zu haben. Ein schönes Gefühl, vor allem nach solch einem Pfad. Doch es ist noch nicht geschafft. Es geht noch weiter bergauf. Die Geröllsteine weichen bald einem sichtbaren Pfad und als dieser sich, durch runter gestürzte Äste, im Wald aufzulösen scheint, entdecken wir eine Weggablung und ein entsprechendes Schild. Wir sind wieder auf einem der "bunten" Wege.

Almafan:
Über den Dietrichsgrund geht es zur Wilden Hölle. Wir stimmen ab, die Wilde Hölle anzugehen. Dies sei ein schwieriger Wanderweg, Trittsicherheit sei unbedingt erforderlich. Die ersten paar Meter sieht es gar nicht so schwer aus. Zwischen Holzstämmen, die ausgewaschenen Schlamm festhalten sollten, damit dies als Weg erkennbar sei, geht es erst einmal sanft nach oben. Die Waden machen sich am zweiten Tag aber bei mir schon bemerkbar. Man könnte meinen "Schwierig" sei halt einfach nur ein etwas steilerer Aufstieg. Wir irren. Wir irren gewaltig.
Nach eigenen Passagen, wo die Steinstufen so groß wurden, dass man sich nur an eisernen Griffen, im Fels eingelassen, hochziehen konnte, standen wir vor einer noch größeren Herausforderung. Es gibt doch tatsächlich eine, für 08/15-Wanderer ausgeschilderte Wanderstrecke, die man eine Felswand entlang muss. Hinter einem ist nichts. Vor einem nur die Haltegriffe und Steigbügel, bei Regen unglaublich rutschig.



Meine Kleine konnte meine Angst sehen. Was ihr die engen Höhlen sind, sind mir die Höhen. War da nicht noch ein Kletterurlaub durch die Felsspalten des Oybin geplant? Passt doch prima.
1. Feststellung des Tages: Ich liebe festen Boden unter den Füßen!
2. Feststellung des Tages: Stark erodierender Sandstein ist, erdgeschichtlich gesehen, kein fester Boden!
Der Rest der Wilden Hölle ist wieder das gewohnte Von-Stein-zu-Stein-Gekraxel. Nichts, weder davor noch danach, deutet darauf hin, dass der Berg so tückisch ist.

Vlindertje:
Tapfer und deutlich entspannter wandern wir zum Carolafelsen, welchen wir auch noch schnell mal ersteigen. Schließlich soll die Aussicht von dort fantastisch sein und nach dieser gewaltigen Anstrengung, haben wir uns so eine Belohnung verdient. Ja, die Aussicht ist wirklich fantastisch, auch wenn grad keine Sonne scheinen mag. Es ist heut sowieso den ganzen Tag grau, aber immerhin nicht sehr heiß.
In der Ferne sehen wir, wie der Nebel sich über die berge zieht und immer rascher näher zu kommen scheint. Vielleicht ist es dann doch recht clever weiter Richtung Berghotel zu wandern, denn bisher brauchten wir beim Wandern meist länger, als auf den Schildern angegeben. Im übrigen ist alles wirklich sehr gut ausgeschildert.
Nach ein paar Kurven entdecken wir die nächste Aussichtsplattfrom. Auch hier erfreut sich unser Blick an der großen schönen Weite, mit all den Felsmassiven und Bäumen. In der ferne entdecken wir auch einen Turm bei der Antenne, die scheinbar auf bzw neben unserer Unterkunft steht. Der Nebel ist inzwischen, wie von mir vermutet, ziemlich schnell näher gekommen und so beschließen wir, nachdem wir eine Weile etwas gebummelt haben, den Wanderschritt zu versuchen, um vor dem Nebel in der Herberge anzukommen.



Almafan:
18:00 erreichen wir dann auch eines der geplanten Ausflugsziele: Die Carolafelsen. Im Moment hat man eine fantastische Aussicht auf den Nebel, der uns bald einzuhüllen droht und auf jene Berge und Sandsteinsäulen, die noch zwischen uns und dem Nebel liegen. Eine Steinplateau, einen toten Wald und eine Hornisse später finden wir uns nach straffem Schritt eine Stunde später am Großen Winterberg wieder. Der Nebel hat uns unterdessen noch nicht erreicht. Das Abendessen lockt dafür umso mehr. Aber erst einmal muss der Zeckenalarm überstanden sein. Vermutlich haben wir uns auf dem Hinweg zum Kuhstall ein paar dieser kleinen Biester eingefangen. Erst als meiner Kleinen die zwei Zecken von einer "professionellen Zeckenzieherin", also der Kellnerin gezogen werden und dadurch keinerlei Gefahr mehr besteht, gehen wir runter auf DEFCON 2 (DEFCON, auch Defense readiness conditions bezeichnet den Alarmzustand der Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika).
Zwischen der Lausung und der Lösung des Zeckenproblems liegt eine 3/4 Stunde. Aber 19:58 Uhr sind wir endlich bereit, Nahrung zu uns zu nehmen. Ich muss zu meiner Schande aber gestehen, dass ich mich nicht mehr entsinnen kann, was wir gegessen haben und ich habe es auch verpasst, dies zu notieren. Doch ich weiß noch zu berichten, dass wir an diesem Abend allein im Gasthaus waren. 23:47 Uhr gehen bei uns die Lichter aus. Davor sind wir noch beide in den Damenduschen duschen, da meine Kleine nach den Zecken Angst hat, allein zu sein. Was man als Mann nicht alles für die Liebste macht.

Vlindertje:
Geschafft. Doch leider habe ich mir in Endeffekt drei Zecken eingefangen. Aus Erfahrung bin ich in dieser Hinsichteher panisch als entspannt. Glücklicherweise wurden zwei zuerst entdeckte von der Herbergswirtin ohne Probleme gezogen. Sie haben Erfahrung damit und die Zecken sind ja auch noch sehr klein gewesen. Die dritte Zecke entdecke ich aber leider erst nach dem Duschen an meinem Rasierer, als jener meine Beine entlang glitt. Der schwarze Punkt an meiner Klinge ist noch sehr klein. Wenn ich Glück habe, ist die Babyzecke im Ganzen draußen und ich hab nicht nur den kleinen Bauch abgeschnitten und den Kopf noch in meinem Bein stecken. Ich bin wirklich etwas bzw ziemlich panisch diesbezüglich - nunja, ich geb es zu. (Ich kenne eben eine, die von einem Zeckenbiss Borliorose bekommen hat und auch selbst hatte ich schon einmal eine Zecke über mindestens eine Nacht in meinem Rücken stecken. Während dieser Zeit hatte sie sich schon fett "gefressen" und nachdem die Zecke mir gezogen wurde, war es auch noch eine Weile rot, ging dann aber glücklicherweise zurück. Dieser gewaltige Schreck allerdings genügte mir, daß es mir wirklich schwer fällt, mich mit diesen Tierchen anzufreunden.) So bestimmte dieses Geschehen auch den Rest des Abends, bevor wir, nachdem wir noch etwas in unseren Büchern gelesen haben, einschlafen.
"Nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt." Dalai Lama
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