Milch, Soja & andere Alternativen




Alles rund ums Thema Schwangerschaft, Kinder, Gesundheit und Sicherheit

Re: Soja

Beitragvon almafan » Fr 29. Mai 2015, 13:17

Weitere Sorgen

Fördert Tofu Demenz?

Diese Aussage bezieht sich auf eine Studie, die etwa 3.700 männliche japanisch-stämmige US-Amerikaner auf Hawaii untersucht hat. (Referenz #21)
Die Teilnehmer wurden im Rahmen des „Honolulu Heart Program“ sowie der „Honolulu-Asia Aging-Study“ in den Jahren 1965-1967 sowie 1971-1974 zu je einem Zeitpunkt nach ihrem Ernährungsverhalten befragt. Dabei wurde auch der Verzehr von Tofu abgefragt, der zu einer Einteilung in die Gruppen "sehr niedrig" (weniger als 2 Portionen pro Woche in beiden Interviews), "niedrig" (weniger als 2 Portionen im ersten Interview), "hoch" (mehr als 2 Portionen in einem Interview) und "sehr hoch" (mehr als 2 Portionen pro Woche in beiden Interviews) führte. In den Jahren 1991-1993, als die Teilnehmer zwischen 71 und 93 Jahre alt waren, wurde mittels eines Testinstruments (CASI = Cognitive Abilities Screening Test) die mentale Leistungsfähigkeit der Probanden untersucht. Die Studie ermittelte, dass Personen mit einem sehr hohen Tofu-Verzehr im mittleren Lebensalter ein 1,6- bis 2-fach höheres Risiko für Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit im hohen Alter aufwiesen als solche mit einem sehr niedrigen Verzehr. Dies war die erste Studie, die einen solchen Zusammenhang zwischen Tofu-Konsum und eingeschränkten mentalen Fähigkeiten zeigte. (Referenz #21)

Allerdings weist die Studie methodische Schwächen auf. So fehlen von 596 Probanden (etwa 16 %) die Verzehrsdaten während der zweiten Befragung (1971-1974), da sie den Fragebogen zur Bestimmung des Essverhaltens nicht beantwortet hatten. Der tatsächliche Tofu-Konsum dieser Teilnehmer zu diesem Zeitpunkt ist demnach unbekannt. Teilnehmer mit fehlenden Daten wurden jedoch den beiden Verzehrsgruppen "niedrig" oder "hoch" zugeordnet. Dies kann die Ergebnisse verzerren. Beispielsweise berechnete die Studie für niedrigen gegenüber sehr niedrigem Tofu-Konsum ein 1,4-fach erhöhtes Risiko für mentale Leistungseinschränkungen. Allerdings fehlen bei 30 % (466) der Teilnehmer in der Gruppe "niedriger Verzehr" die Angaben zum tatsächlichen Tofu-Verzehr. Wäre ein Teil dieser Probanden der Gruppe "sehr niedriger Verzehr" zugeordnet worden, wären die Unterschiede im Risiko kleiner ausgefallen. (Referenz #22) Hinzu kommt, dass nur ein relativ kleiner Teil der Teilnehmer (271 bzw. 7 %) einen sehr hohen Tofu-Konsum aufwies und die Streubreite der Ergebnisse sehr hoch war - was auf eine eingeschränkte Genauigkeit hinweist. Zudem könnte der Tofu-Verzehr lediglich ein Indikator für andere, nicht bekannte Faktoren sein. So hatten die Personen mit hohem Tofu-Verzehr einen niedrigeren sozialen Status als Personen mit niedrigem Tofu-Verzehr. Möglicherweise spielen Faktoren während der Kindheit, die mit dem sozialen Status in Zusammenhang stehen, eine Rolle für die Gehirnentwicklung im Alter. (Referenz #23)

Bisher liegen kaum Hinweise aus Humanstudien vor, die die Demenz-Hypothese stützen. Eine Untersuchung in Indonesien (719 Teilnehmer, Alter: 52-98 Jahre) fand einen Zusammenhang zwischen Tofu-Konsum und schlechterem Erinnerungsvermögen, während der Konsum von Tempeh mit einem besseren Erinnerungsvermögen assoziiert wurde, insbesondere bei älteren Probanden. (Referenz #24)
Eine neuere Studie derselben Arbeitsgruppe ermittelte sowohl für Tofu- als auch Tempeh-Konsum einen positiven Einfluss auf das Erinnerungsvermögen, allerdings nur für jüngere Teilnehmer (Durchschnittsalter: 67 Jahre). Bei älteren Probanden (über 80 Jahre) waren die vorher beobachteten negativen Wirkungen nicht mehr signifikant. (Referenz #25)
In einer doppelblinden Interventionsstudie erhielten 175 Frauen nach der Menopause (Alter: 60-75 Jahre) über einen Zeitraum von 12 Monaten entweder 25,6 g Sojaprotein (99 mg Isoflavongehalt) oder die gleiche Menge an Milchprotein (in Form von Milchpulver). Nach Ende der Studie zeigten sich keine Unterschiede in der geistigen Leistungsfähigkeit zwischen den Versuchsgruppen. (Referenz #26)
Eine weitere doppelblinde Interventionsstudie mit 79 Frauen jenseits der Menopause (48-65 Jahre) verglich die Wirkung eines Isoflavon-Präparaten (70 mg Isoflavone/Tag) sowie von Sojamilch (72 mg Isoflavone/Tag) und Kuhmilch auf die mentale Leistungsfähigkeit. Nach 16 Wochen zeigte sich kein Einfluss von Soja-Isoflavonen auf verschiedene geistige Fähigkeiten. Allerdings schnitten die Frauen der Sojamilchgruppe schlechter bei einem Test zum Erinnerungsvermögen ab. (Referenz #27) Bei 79 Personen im Versuchsaufbau darf aber auch von starken fluktuativen Einflüssen ausgegangen werden. Es sind einfach zu wenig "Testobjekte".

Fazit: Bisher ist die Studienlage also sehr widersprüchlich. Hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) geht derzeit aufgrund der vorliegenden wissenschaftlichen Daten von einem geringen Risiko einer Beeinträchtigung kognitiver Fähigkeiten durch einen moderaten Tofu-Verzehr (zwei oder weniger Portionen pro Woche) aus. (Referenz #28)

Wie sicher ist die Datenlage

Wie bereits angemerkt stellt sich die grundsätzliche Frage, in wieweit die zumeist an Tieren durchgeführten Studien sich auf den Menschen übertragen lassen. Auch wird nicht immer mit aus Soja gewonnenen Lebensmitteln experimentiert, sondern mit isolierten Isoflavonen. Dabei kann kaum berücksichtigt werden, dass in Lebensmitteln zahlreiche verschiedene Inhaltsstoffe enthalten sind, die miteinander wechselwirken und sich gegenseitig beeinflussen. Ich kann hier keine einzige wissenschaftliche Studie aufführen, die einen negativen Einfluss von Soja auf den Menschen eindeutig belegt. Sollte euch eine solche Studie bekannt sein, lasst es mich wissen. Hier im Forum, auf Facebook, als PN oder sonst wie.
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Re: Soja

Beitragvon almafan » Sa 30. Mai 2015, 11:29

Positive Wirkungen

Traditionelle Sojaprodukte wie Tofu und Tempeh enthalten überwiegend einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Pflanzliche Fette enthalten wenig oder gar kein Cholesterin. Das wirkt sich positiv auf den Blut-Cholesterinspiegel aus. Unabhängig davon weist Sojaprotein einen leichten LDL-Cholesterin-senkenden Effekt auf. Beides senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
In epidemiologischen Studien wird der Verzehr von Sojaprodukten mit einem verringerten Risiko für Prostatakrebs assoziiert, sowie einer Reduzierung des Osteoporoserisikos und einer günstigen Auswirkung auf die Knochenmineraldichte. Interventionsstudien kommen jedoch zu widersprüchlichen Ergebnissen. Die Studienlage weist außerdem darauf hin, dass Sojaprodukte Wechseljahrbeschwerden lindern können. (Referenz #3, #9 und #29)

Gesundheitsschädlichen Wirkung des Sojakonsums sind oft einseitig dargestellt, schlecht recherchiert und beruhen, wenn überhaupt gern nur auf einer Studie. Studien, die auf mögliche positive Wirkungen des Verzehrs von Sojaprodukten hinweisen, werden ignoriert. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft hat der moderate Konsum von Sojaprodukten mehr positive als mögliche negative Gesundheitsauswirkungen. Hier besteht jedoch noch weiterer Forschungsbedarf. Eine Expertenkommission des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) kommt zum Schluss, dass "die Aufnahme von Isoflavonen im Rahmen einer normalen Soja-Kost bei üblichen Verzehrsmengen nach dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Kenntnisstand als unbedenklich angesehen werden kann". (Referenz #30)

Der Verzehr von etwas Soja bringt offenbar niemanden um. Doch sobald eine aktuelle Studie eine Unbedenklichheit zu zeigen scheint, sehen sich die durchführenden Wissenschaftler dem Korruptionsvorwurf ausgesetzt. Wohlgemerkt gilt dies aber auch für die Gegenseite.
Bestechung und Betrug oder ein Versagen von Kontrollmechanismen kann aber nie ganz ausgeschlossen werden. Dafür aber eine einzelne Sparte anzukreiden wäre so falsch, wie die Schiris beim Fussball wegen Schiebung zu verklagen und Wettskandale beim Olympischen Komitee IOC unter den Teppich zu kehren. Mit besseren Kontrollmechanismen hätten auch "Gammelfleisch", Dioxyneier und BSE-Fälle beim Menschen vermieden werden können. Aber das ist gar nicht das Thema.

Fruchtbarkeit in Gefahr?

Sowohl die Verweiblichung des Mannes, als auch die Verhütungsmethode Soja sind durch keine entsprechend beweiskräftige Studien untermauert.

Der Ernährungswissenschaftler und Sojaexperte Professor Dr. Helmut Heseker, der Universität Paderborn, sagt: "Spermien werden bekanntermaßen in gewaltigem Überfluss produziert. Selbst wenn die Spermienzahl durch häufigen, hohen Sojaverzehr leicht vermindert wird, ist dies für die Fruchtbarkeit des Mannes irrelevant. Gar zu glauben, man könne eine Schwangerschaft durch Verzehr der Soja-Produkte vermeiden, ist absurd."

"Denkt doch mal einer an die Kinder!" (Simpsons-Zitat von Helen Lovejoy)

Einige Gerüchte behaupten, dass der Konsum von Sojaprodukten bei Kindern zu Entwicklungsstörungen führen kann.

In Asien werden Sojaprodukte von klein auf verzehrt: Zukünftige Mütter stellen während der Schwangerschaft nicht ihre Ernährung um und nehmen weiterhin die übliche Menge an Sojaprodukten zu sich. Außerdem wird mit Beginn der Beikostumstellung (im Alter von 4 bis 6 Monaten) schon Tofu auf den Speiseplan gesetzt, ohne negative Auswirkungen auf die Geburtenrate!

Diesbezüglich empfiehlt die französische Lebensmittelbehörde schwangeren Frauen lediglich, nicht mehr als 1 mg Isoflavone pro Kilogramm Körpergewicht täglich zu sich zu nehmen, was fünf bis sechs Sojaprodukten pro Tag entspricht.

Während der ersten sechs Lebensmonate ist Muttermilch selbstverständlich das ideale Nahrungsmittel für Säuglinge und perfekt auf ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmt. Ab dem Alter von 6 Monaten können Sojaprodukte (als normaler Bestandteil der täglichen Ernährung und nicht als speziell auf die besonderen Ernährungsbedürfnisse von Säuglingen oder Kleinkindern entwickelte diätetische Produkte!) schrittweise im Rahmen der Beikostumstellung eingeführt werden, wie alle anderen Lebensmittel des täglichen Bedarfs auch. Kinder können also im Rahmen einer vielseitigen und ausgewogenen Ernährung ohne weiteres Sojalebensmittel in proportionaler Menge zu ihrem Alter und im Wechsel mit Nahrungsmitteln tierischer Herkunft konsumieren.

Dosierung

In einem 2005 veröffentlichten Bericht wendet die französische Lebensmittelbehörde (Afssa, Agence Française de Sécurité Sanitaire des aliments) einen Sicherheitsfaktor von 1OO an und empfiehlt einen maximalen Konsum von 1 mg Isoflavonen pro Kilogramm Körpergewicht und pro Tag, nachdem sie eine maximale Dosis von 120 mg Isoflavonen pro Kilogramm Körpergewicht und pro Tag ohne negative Auswirkung, gestützt auf Tierversuche, ermittelt hatte.

Beispielsweise zeigen die Dosierungen unserer Produkte, dass eine Frau mit einem Körpergewicht von 60 Kilogramm nicht den von der Lebensmittelbehörde festgelegten Grenzwert erreicht, selbst wenn sie täglich sieben Sojadesserts verzehrt.
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Re: Soja

Beitragvon almafan » So 31. Mai 2015, 14:02

Die bösen Gene

Über die Hälfte (58,4%) der Welt-Soja-Produktion ist genetisch manipuliert, wobei Argentinien zu 98% und die USA zu 85% genetisch manipulierte Sojapflanzen (GMO) anbauen. Laut einer WWF-Studie aus dem Jahr 2012 enthalten sogar 80 Prozent des aus Nicht-EU-Ländern (meist aus USA, Brasilien und Argentinien) nach Deutschland importierten Sojas Gentechnik. Als Tierfuttermittel ist dies auch in der EU zulässig, die resultierenden Produkte unterliegen keiner Kennzeichnungspflicht. Der Anbau von gentechnisch manipuliertem Soja ist in der EU aber bisher verboten. Und Biolebensmittel müssen per Definition ohne Gentechnik erzeugt werden. Es lohnt sich deshalb, auf die Herkunft von Soja und den daraus hergestellten Produkten zu achten.
Demnach bleibt gentechnisch verändertes Soja nicht nur Veganern vorbehalten. Es landet über den Umweg Tierfutter zu wesentlich größerem Anteil auf den Tellern von Fleischessern und Vegetarien.

Wissenschafter, die die Entschlüsselung des Genoms und die technische Möglichkeit, DNA zu rekombinieren und damit Lebewesen gezielt zu verändern, für eine der größten Errungenschaften der Biologie halten, raufen sich die Haare, wenn sie beobachten, wie mit drastisch vereinfachten und oft einfach falschen Argumenten ein ganzer Forschungsbereich als Werk des Teufels verpackt wird.
Dabei betreibt der Mensch seit Beginn der Landwirtschaft vor rund 10.000 Jahren eine krude Art von Gentechnik, ohne genau zu wissen, wie. Nach der Entdeckung Amerikas wurden tausende Pflanzen und Tiere ohne jede Planung in andere Ökosysteme versetzt. Und das führte nicht selten zu katastrophalen Folgen. Und spätestens seit dem massiven Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden im 20. Jahrhundert ist die Landwirtschaft weltweit technisiert und industrialisiert.

Im Vergleich zu diesen Revolutionen ist die Gentechnik ein sanftes, filigranes und äußerst umsichtiges Instrument.

Manche gentechnische Ergebnisse sind zu Recht umstritten. Aber der Widerstand in Europa ist nicht gegen Detailergebnisse, sondern die Technik per se gerichtet - aus weltanschaulichen und zutiefst emotionalen Gründen. Sorge um eine imaginäre Naturverbundenheit, Widerstand gegen angeblich übermächtige Konzerne und letztlich die Skepsis gegenüber Laborforschung bestimmen die öffentliche Meinung.

Dabei ist sich die qualifizierte wissenschaftliche Gemeinde so gut wie einig: Es gibt keine abgesicherten Hinweise auf gesundheitliche oder ökologische Schäden durch Gentechnik, aber viele schon gewonnene oder potenzielle Vorteile. Die reichen von besseren Ernteerträgen über einen geringeren Einsatz von chemischen Mitteln bis zur Möglichkeit, Mangelerscheinungen in armen Bevölkerungsgruppen durch Anreicherung von Vitaminen und Spurenelementen zu bekämpfen.

Viele Deutsche und Österreicher fürchten Genfood mehr als Zigaretten, obwohl die Gefährlichkeit der Letzteren wissenschaftlich erwiesen ist.

Aber die wachsende Gentechnikphobie in Europa hat schlimme Auswirkungen auf andere Regionen. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer schrecken vor dem Einsatz von Gentechnik zurück, weil die Politiker verunsichert sind und den Zugang zu westlichen Märkten nicht verlieren wollen.

Doch wenn die Weltbevölkerung bis 2050 auf neun Milliarden Köpfe wächst und immer mehr Anbauflächen durch Urbanisierung, Umweltzerstörung und Klimawandel verlorengehen, drohen weltweite Hungersnöte, sollte es der Wissenschaft nicht gelingen, die landwirtschaftlichen Erträge wieder so deutlich zu steigern, wie in der grünen Revolution der 60er-Jahre. Und das kann nach heutigem Stand der Technik nur die Gentechnik leisten. Selbstverständlich würde auch eine bessere Verteilung von Lebensmitteln, weniger Verschwendung und vor allem mehr Effizienz bei Transport und Lagerung helfen, wenn auch die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nicht allein füllen.

Die bösen Monokulturen

Der Anbau von Soja zur kommerziellen Verwendung findet praktisch ausschließlich in Monokulturen statt und die anspruchsvolle Pflanze ist für den Boden besonders belastend. Sie trägt damit zum Desertifikationsrisiko (Wüstenbildung) bei. Aber wie oben erklärt, werden die meisten Sojabohnen zu Tierfutter verarbeitet.

Es entsteht also die absurde Situation, dass gerade jene Kritik an der Monokultivierung von Soja anführen, die am stärksten zu dieser Anbauart beitragen. Die Reduzierung von Fleisch- und Milchprodukten würde die Nachfrage von Soja drastisch senken, selbst wenn zeitgleich mehr Menschen Sojaprodukte konsumieren würden.

In den USA fressen die Schlachttiere 80 Prozent der Getreideernte, rund 90 Prozent der global produzierten Sojabohnen dienen als Futtermittel und etwa ein Drittel der weltweiten Getreideproduktion wird an Tiere verfüttert, die es mit einem schlechten Wirkungsgrad unter großem Verlust in, an der pflanzlichen Ausgangsmenge gemessen, wenig Fleisch umwandeln. Oder andersherum betrachtet: Auf der Fläche, die man benötigt, um 50 kg Rindfleisch zu produzieren (ca 16.500 Quadratmeter), könnte man 4.000 kg Apfel oder 6.000 kg Karotten erzeugen.

Rechnen wir Stroh, Heu und und Getreide (deren Herstellung ja allesamt Wasser brauchen) zum tatsächlichen Wasserverbrauch hinzu, so kommen wir zu folgendem ernüchternden Ergebnis (virtueller Wasserverbrauch):

1 Kg Rindfleisch (5 Rindersteaks) .... 16.726 Liter Wasser
1 kg Schweinefleisch ................... 5.469 Liter Wasser
1 Kg Käse ................................ 5.288 Liter Wasser
1 Kg Geflügel ............................ 3.809 Liter Wasser
1 Kg Eier ................................. 3.519 Liter Wasser
1 Kg Reis ................................. 2.552 Liter Wasser
1 Kg Sojabohnen ........................ 2.517 Liter Wasser
1 Kg Weizen ............................. 1.437 Liter Wasser
1 Kg Mais ................................ 1.020 Liter Wasser
1 Kg Milch ................................ 738 Liter Wasser
1 Kg Kartoffeln ........................... 133 Liter Wasser

Paradoxerweise kommen also auch Bedenken über Desertifikation aus jener Ecke, die durch ihr eigenes Essverhalten wesentlichen stärker dazu beitragen, als jene, die kritisiert werden.

Auch wird impliziert, dass man als Vegetarier oder Veganer nur Soja ist. Wie bei jedem Lebensmittel, ist einseitige Ernährung nicht gesund. Niemand muss Tofu bzw. Soja essen, wenn er sich ohne tierische Lebensmittel ernähren möchte. Auch ein Fleischesser ist ja nicht nur den ganzen Tag Rindersteak und Mettwurst. Genausowenig ist eine ausschließliche Ernährung mit Bananen ratsam.

Ja: Sojabohnen und daraus hergestellte Produkte enthalten viele Inhaltsstoffe mit positiven Eigenschaften, zum Beispiel hochwertiges Eiweiß (Tofu enthält alle essenziellen Aminosäuren), Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Zink und Eisen sowie einige B-Vitamine und Folsäure.

Die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) gibt 25 Gramm Sojaprotein pro Tag als unbedenklich an, was etwa 300 Gramm Tofu oder 800 ml Sojamilch entspricht. Das erreicht man in der Regel selten. Aufgrund der Datenlage aus 50 unabhängigen Studien erlaubte die FDA auf Sojaprodukten das Anbringen der werbenden Aussage: "Eine an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin arme Diät, die 25 g Sojaprotein pro Tag enthält, kann das Risiko von Herzerkrankungen reduzieren." Es beschränkt die Menge daher nicht expliziert, sondern empfiehlt sie. Erwartungsgemäß sollte die verzehrte Menge bei Kleinkindern und Kindern geringer ausfallen. (Referenz #31)
Wer sich bewusst vegan oder vegetarisch ernährt, achtet zudem auf die simple goldene Regel, sich abwechslungsreich zu sättigen. Alternativ zur Sojamilch gibt es auch Hafer-, Dinkel-, Reis oder Mandelmilch. Anstelle von Tofu und Tempeh kann man seinen Proteinhaushalt auch mit Kichererbsen, Kidneybohnen oder Linsen abdecken.
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