Kastanien bei Kirchen und warum es rote Bäume gibt




Brennen euch Fragen auf der Seele, die ihr in diesem Forum geklärt wissen wollt, so stellt diese hier.

Kastanien bei Kirchen und warum es rote Bäume gibt

Beitragvon vlindertje » Do 9. Mai 2013, 09:42

Warum Kastanien meist in der Nähe bzw auf dem Grundstück von Kirchen wachsen?
Wieso manche Bäume im Frühling rote Blätter haben?
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Re: Kastanien bei Kirchen und warum es rote Bäume gibt

Beitragvon almafan » Do 9. Mai 2013, 16:26

Rosskastanien haben ihren Namen daher, dass sie früher von den Osmanen als Pferdefutter und Heilmittel gegen Pferdehusten mitgeführt wurden und so nach Europa kamen. Während der Zeit des Mittelalters war das medizinische Wissen ja meist in Klöstern und Kirchen zu finden. Somit ist dieses Spezialwissen höchstwahrscheinlich in den Klostergärten weiterentwickelt worden. Das wäre eine Vermutung meinerseits.
Wie es mit Esskastanien und dergleichen steht weiß ich nicht. Auch ist mir nicht geläufig, ob du jetzt von einer Beobachtung auf die Allgemeinheit schließt oder aber einen Trend zu sehen meinst.

Wikipedia sagt zum roten Farbstoff:
Bei vielen Arten tritt außerdem eine kräftige Rotfärbung auf. Dafür ist in erster Linie der Farbstoff Anthocyan verantwortlich, der unter Energieaufwand neu synthetisiert wird. Es werden auch zusätzlich Carotinoide hergestellt. Der Zweck dafür ist unklar, möglicherweise dient die kräftige Färbung zur Abschreckung von Insekten, die ihre Eier auf diesen Pflanzen ablegen wollen, oder auch als Schutzreaktion der noch aktiven Chloroplasten vor zu viel Strahlung. Ungeklärt ist, weshalb nordamerikanische Laubbaumarten häufig eine stärkere Rotfärbung hervorbringen als ihre europäischen Verwandten.

Allerdings soll sowas im Herbst passieren, weshalb sich die Frage nach den Rotblühern im Frühling doppelt stellt.

Allerdings habe ich noch eine Antwort auf gartendatenbank.de gefunden:
Blätter enthalten verschiedene Farbstoffe, und zwar nicht nur grüne, sondern auch gelbe, orangefarbene und andere wie den roten Farbstoff Cyanidin aus der Gruppe der Anthocyane. Normalerweise sind die grünen Farbstoffe (Chlorophyll) die häufigsten, wodurch die Blätter im Sommer insgesamt grün aussehen. Im Herbst werden sie abgebaut und die Blätter färben sich bunt, weil die anderen noch länger vorhanden bleiben und somit sichtbar werden.

Durch eine Mutation ist in den Blättern der Blutbuche (Fagus sylvatica 'Purpurea', syn. 'Atropunicea') und anderen lotlaubigen Bäumen und Sträuchern der rote Farbstoff Cyanidin in einer übermäßigen und so großen Menge vorhanden, dass es den grünen Farbstoff überdeckt.
Der Name Cyanidin kommt übrigens von dem griechischen Wort kyaneos und bedeutet schwarzblau. Deshalb wird er z.B. auch für Blausäure-Salze (Cyanide) verwendet, mit denen der Farbstoff sonst aber nichts zu tun hat.
Die Farbe ist jedoch pH abhängig und ist nur bei hohem pH Wert blau, im leicht sauren Pflanzenzellsaft dagegen rot.


Damit wissen wir nun auch, dass wir eine Blutbuche vor der Tür haben.
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Re: Kastanien bei Kirchen und warum es rote Bäume gibt

Beitragvon vlindertje » Do 9. Mai 2013, 16:42

Bezüglich der Kastanie: Ich habe schon des öfteren und in verschiedenen Orten gesehn, daß meißt eine Kastanie dich bei einer Kirche wächst. Aber deine Vermutung bezüglich des Klostergartens oder ähnlichem, ist sehr gut nachvollziehbar. Vielleicht ist es mitunter auch mal ein anderer Baum, der bei einer Kirche steht, aber immer irgendwie steht da meist einer, egal, wie wenig Platz dafür noch ist. Da könnt ich mir gut vorstellen, daß früher mal n Garten ringsherum war, der auch oder generell medizinisch genutzt wurde.

Zur Rotfärbung im Frühling: Ich meine im Winter kann ich es nachvollziehen, daß sich die Blätter verfärben, aber im Frühling erwartet man eher zartes Grün. Vielleicht bleiben die Bäume ja auch das Jahr über so gefärbt aber wie ist daß dann mit der Photosynthese? Braucht man dazu nicht Chlorophyll? Ich meine, ich weiß, daß es solche Bäume gibt, die rot aussehen und dennoch wachsen, aber wie oder was läuft da ab?
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Re: Kastanien bei Kirchen und warum es rote Bäume gibt

Beitragvon almafan » Do 9. Mai 2013, 17:07

Nun, wenn ich es recht verstanden habe, enthalten die Blutbuchen und Co. ja ebensfalls Chlorophyll, nur eben in geringerer Menge als die anderen Farbstoffe. Bei anderen Laubbäumen ist es aber andersherum, also "richtig" oder "normal". Allein durch den geringen Anteil Chlorophyll ist die Farbe die "falsche". Wieviel Anteile roter Farbstoff ausreichen, um das Grün zu übertönen, weiß ich nicht. Ich vermute aber, dass es nicht viel sein muss. So in etwa in der Art:
Eiche hat 95% Grün, 2% Gelb, 2% Orange und 1% Rot* und die Blutbuche hat 90% Grün, 2% Gelb, 2% Orange und 6% Rot*. Allein durch die Kräftigkeit der Farbe erscheint sie rot, obwohl ein deutlicher Überschuss an Grün vorhanden ist.

Außerdem gibt es ja nicht nur die phototropen Eukaryoten (also die synthetisierenden Pflanzen), sondern auch noch die Cyanobakterien und Prochlorophyta, die Sauerstoff herstellen. Das machen die mit dem Elektronendonator (vereinfacht Katalysator) Wasser.
Der viel größere Teil der Photosynthese ist anoxygen, also ohne Sauerstoff freizusetzen. Bekannt für die Verwendung von 5 der 6 anoxygenen Katalysatoren sind die Purpurbakterien, die, wie der Name nahelegt, nicht grün sind und trotzdem erfolgreich Photosynthese betreiben. Dann gibt es da noch grüne Nichtschwefelbakterien und grüne Schwefelbakterien, die ganz ohne Wasser aus Licht Energie synthetisieren.

* Die Werte entbehren jedweder Studie oder Wissenschaftlichkeit, sie sind willkürlich als Zahlenbeispiel angegeben.

P.S.: meißt wird meist (eigentlich immer) mit s geschrieben.
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Re: Kastanien bei Kirchen und warum es rote Bäume gibt

Beitragvon almafan » Fr 10. Mai 2013, 10:42

Die Rotfärbung ist auf das Fehlen eines Enzyms zurückzuführen, das die normalerweise nur in der Epidermis (ein primäres Abschlussgewebe von Sprossachse und Blättern bei höheren Pflanzen; Hauptaufgabe der Epidermis ist der Schutz der darunterliegenden pflanzlichen Gewebe) junger Blätter vorkommenden Anthocyane abbaut. Die Epidermis des Blattes ist somit nicht mehr durchsichtig, sondern rötlich gefärbt und das Blattgrün im Innern des Blattes nicht mehr sichtbar.

Blutbuchen verlieren im Lauf der Vegetationsperiode die rote Farbe, sie vergrünen allmählich und sind dem flüchtigen Betrachter im Herbst kaum noch als Blutbuchen zu erkennen. Sonnenblätter (ein Blatt einer Pflanze, welches speziell für Sonnenplätze geeignet ist) enthalten meist mehr Anthocyane als Schattenblätter (sind physiologisch und morphologisch an lichtarme Standorte angepasst), die grünlicher sind.
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