Tausend Küsse für Jeschua




Wenn euch etwas auf dem Herzen liegt, dass ihr mit und teilen wollt.

Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » Sa 5. Jul 2014, 20:11

Mein liebster Jeschua,

zweieinhalb Jahre ist es heute her, seit du nicht mehr bei mir bist. Du schläfst tief und fest. Ich sehne mich nach der Zeit, dich wieder bei mir zu haben. Unzählige Erinnerungen haben mich heute den ganzen Tag über begleitet. Ich erzähl dir mal ein wenig.:
Ich habe heute unsere Zeit in Dresden sehr vermißt. Wir haben so viel unternommen: Daß war so schön. In meiner Erinnerung waren wir viel, ja sehr viel draußen und es hat dir immer gut gefallen.

Wir waren im Zoo. Ein Foto von dir und mir steht nun an deinem Grab. Wir waren natürlich heute dort und haben eine ganze Weile verweilen und Ruhe finden können. Es mag komisch klingen für manch einen, aber wir sind gern auf den Friedhof, wo du jetzt liegst, vor allem, wenn wir Zeit zum Verweilen haben. Danach jedenfalls waren wir im Tierpark und ich mir kommen so viele Erinnerungen an unseren letzten Besuch im Zoo in Dresden. Was war daß doch was besonderes. Ich hab dir dies oder jenes Tier genannt - ich habe keine Ahnung, wie viel du davon verstehen konntest, aber ich fand es entspannend mit dir so unterwegs zu sein.

Oder auch unsere vielen Besuche im Alaunpark sind mir heute vor Augen und ich sehne mich innerlich danach, wieder etwas dort verweilen zu können. Ganz, ganz oft sind wir dort hin spaziert. Auf einer Decke haben wir es uns gemütlich gemacht. Sehr gern schautest du in das sich bewegende grüne Geäst der Bäume, die immer wieder auch den Blick auf den Himmel freigaben. Dieses Spiel faszinierte dich. Auch rumspaziert sind wir in jenem Park viel und es war immer beruhigend für dich und auch ich habe es sehr genossen.

Wir waren im Wald unterwegs und an der Elbe. In der Altstadt und in der Neustadt. Wir sind verreist und haben Ausflüge gemacht. Wir haben uns nicht abhalten lassen, etwas zu unternehmen. Wir haben sozudagen deiner Leiden getrotzt. Warum auch solltest du an die Wohnung gefesselt sein? Weswegen denn nicht das Leben so intensiev, wie möglich leben und die Schönheiten der Natur genießen?

Du hast es gern gehabt im Kinderwagen zu sein und auch in deinem Reha-Buggy. Jacke anziehen udn Mütze drauf, daß war nicht so deins. Aber sehr viele Kinder mögen dies nicht. Dann in den Reha-Buggy rein und anschnallen .... Du warst glücklich, als es endlich tatsächlich raus ging. Dein Protest verstummte, sobald die Tür zur Straße hin auf ging.

Es gab Tage, da durfte ich mich dann, während du im Wagen eingeschlafen bist, gemütlich draußen in einem Caffee hinsetzen. An anderen Tagen hat es dir weniger gefallen und du wurdest unruhig und weintest, wenn ich Pause machen wollte. Tja, so ist es nunmal gewesen. Aber an letzteren Tagen bin ich dann einfach weiter mit dir durch die Stadt gelaufen und schon warst du wieder zufrieden.

Wir waren auch im großen Garten, sogar mal mit Inline-Skates. Da ist man viel schneller unterwegs, als zu Fuß. Auch draußen, hinterm Haus haben wir so manches Mal gesessen. Du warst ein Draußenkind, so wie ich eines bin. Ich glaub auch, daß, wenn du gekonnt hättest, wie du gewollt hast, dann wäre sicher zu sehen gewesen, daß du mein Temperament geerbt hast. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Ich habe dich unheimlich dolle lieb und bewahre mir all die schönen Erinnerungen in meinem Herzen, mein kleiner Jeschua. Ich freu mich so auf dich. Dann kann ich dich endlich wieder drücken und knuddeln. Du bist und bleibst weiterhin ein Teil unseres Lebens.

In ewig währender Liebe,
Deine Mama
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von Anzeige » Sa 5. Jul 2014, 20:11

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Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » Di 5. Aug 2014, 23:14

Mein liebster Jeschua,

heute ist mein 20ster Brief an dich. Unglaublich, wie die Zeit verfliegt, aber meine Liebe zu dir und meine Erinnerungen an unsere Zeit, diese bleiben bestehen. Auch erschreckend für mich ist es, wenn ich mich vergewisser daß du vor 2,5Jahren verstorben bist. Zweieinhalb Jahre bin ich jetzt ohne dich. Dauert nicht mehr lange und du wärest 6 Jahre alt geworden. Ich kann mir daß kaum vorstellen, wenn ich Kinder in deinem Alter sehe. Du bist doch mein kleines Kind. So ein großer Junge wärest du aber nun schon.

Gerne würde ich dich in meine Arme nehmen und drücken. Dich streicheln. Dich küssen. Ich vermisse dich sehr und denke Tag für Tag an dich.

Manchmal frage ich mich, welche Entscheidungen wirklich gut sind. Ich weiß es nicht. Dann fühle ich mich oft klein und hilflos. Manchmal denke ich dann an die Zeit, damals, als du noch bei mir warst und daran, wie ich manchmal zu dir in dein Pflegebett gekrabbelt bin, um mich an dich zu kuscheln. Ich habe dich immer gern in meinen Armen gehalten. Es war so beruhigend für mich.

Damals, als du noch bei mir warst, hast du mich immer wieder neu gefordert und ich bin mit dir, an deiner Seite, gewachsen. Es gab für mich kein "Nein", sondern ich habe versucht immer alles zu geben, was mir möglich war und oftmals habe ich versucht, mehr als dieses zu tun. Heutzutage merke ich, daß mir ganz oft die Kraft feht. Ich habe keine Ahnung, wo diese hin ist.

Als du bei mir warst, war ich mir sicher, alles schaffen zu können irgendwie, was du von mir brauchst, doch im Moment zweifle ich an meiner Kraft. Klar, irgendwo in mir ist sie wohl, diese Powerfrau, von der immer alle geredet haben, aber ich habe mich nie so besehen. "Jeder würde dies für sein Kind tun." habe ich immer gesagt und auch, daß ich dies ohne Gottes Hilfe niemals schaffen könnte, wußte ich.

Ich weiß nicht, warum ich mir so klein vorkomme, so kraftlos und schwach. Es sind die Momente, wo es mir fehlt, dieses mich an dich zu kuscheln, dich bei mir zu haben. Vielleicht war es genau dieses sehen, wie sehr du mich brauchtest und sicher hofftest, daß ich nicht aufgebe, auch wenn ich mitunter verzweifelt war. Vielleicht wurde mir dadurch auch immer wieder bewußt, wieviel wir zwei zusammen schon durchstanden haben. Auf jedenfall hast du mich damals immer wieder aufgebaut und motiviert, auch wenn ich selbst glaubte, nicht mehr weiter zu können. Zu sehen, wie zufrieden du bist, wie du lachst, daß tat so gut.

Mein Jeschua, mein Baby, mein großer Junge, ich vermiß dich sehr.

Weißt du, wenn ich dich fertig gemacht habe zum raus gehen, so fandest du dies nicht immer toll, aber wenn wir dann draußen waren, da hast du dich wohl gefühlt und gelacht. Du warst viel draußen, ja jeden Tag, es sei denn, wir waren im Krankenhaus. Stimmt, da waren wir oft und dennoch haben wir alles zusammen gemeistert. Für dich da zu sein war meine wichtigste Aufgabe und es erfreute mich, dies sein zu können.

Weißt du, Jeschua, der heutige Tag, zweieinhalb Jahre nach deinem Tod, geht langsam zur Neige. Ich kann dir nicht sagen, ob ich es einen langen oder einen kruzen Zeitraum finde. Einen langen Zeitraum deswegen, weil so viel geschehen ist seither, obwohl ich erst glaubte, mein Leben bliebe stehen und ein kurzer Zeitraum, weil alle Erinnerungen noch direkt vor mir sind und noch lange nicht verarbeitet. Dann kann ich immer nicht begreifen, daß es schon 2,5 Jahre her ist, obwohl so viel geschehen ist inzwischen.

Ich freu mich drauf, dich hoffendlich bald wieder zu sehen und für dein Brüderchen so da zu sein, wie ich es für dich war. Ich habe dich ganz sehr lieb, mein Kindchen.

In ewig währender Liebe,
Deine Mama
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Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » Sa 6. Sep 2014, 15:04

Mein liebster Jeschua,

ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Momentan bin ich sehr müde und geschafft. Deswegen kommt der Brief an dich auch erst heute, weil ich gestern Abend schon eingeschlafen bin, bevor ich zum Schreiben hätte kommen können. Tut mir wirklich leid. Ich habe dich wirklich nicht vergessen, nein, denn wir waren auch selbst an deinem Grab und haben frische Blümchen hingestellt und es dir dort wieder hübsch gemacht. Auch an dich denken, so im täglichen Leben, tun wir oft.

Dein kleines Brüderchen beansprucht Mama im Moment sehr. Nach seiner Impfung hat er sich noch nicht einmal mehr von Papa tragen oder beruhigen lassen. Inzwischen geht es zum Glück wieder. Dennoch ist er nachts ziemlich unruhig, so daß ich wenig schlafe.

Manchmal frage ich mich, wie es wohl wäre, wenn du weiterhin bei uns wärst? Wär Noah dann auch ein Kindchen, daß viel getragen werden möchte oder hätten wir manche Dinge anders angegangen. Oh, bitte, versteh mich nicht falsch. Ich habe euch alle beide liebend gern und er hat genauso wie du damals das Recht von Mama gekuschelt zu werden. Nur Mamas Kraft scheint irgendwie weniger geworden zu sein. Keine Ahnung, woran es liegt.

Ich wöllt manchmal echt gern wissen, wie du auf Noah reagieren würdest, wärest du noch bei uns. Noah nimmt unsere Katzen jetzt richtig gut wahr und beobachtet auch Vögel und Bäume, deren Blätter im Wind wehen. Du hast damals im Park auf einer Decke liegend auch gern das Laub der Bäume beobachtet. Es war immer wieder faszinierend dir dabei zuzusehen. Ach, ich vermiß dich oft.

Manchmal frage ich mich auch, ob Noah dich noch besser verstehen hätte können, als ich es konnte. Er nimmt jetzt immer gern Kontakt zu anderen Meschen auf und erst recht gern zu anderen Kindern. So wäre er sicher sehr interessiert an dir. Uns wie du wohl reagiert hättest, einen kleinen Bruder um dich herum zu sehen.

Es sind Gedanken und Fragen, die mir nicht beantwortet werden. Im kommenden System der Dinge, dann werdet ihr euch endlich kennen lernen und ich euch beide um mich herum haben.

Weißt du, diese Leere, die dein Gehen in meinem Leben hinterlassen hat verspüre ich noch immer oft. Vor allem dann, wenn ich körperlich erschöpft bin. Was ich eben zur Zeit oft bin, weil ich auch noch arbeite. Nunja, nur noch eine Woche und dann geh ich in Elternzeit. Vielleicht kann sich mein Körper dann etwas erholen von all der Anspannung und all der Arbeit, die Tag für Tag auf mich wartet. Papa übrigens ist fleißig und kümmert sich weiterhin gut um mich. Er backt jetzt auch Kuchen.

Ich weiß nicht, ob ich es dir im letzten Brief erwähnt habe, daß wir gedenken im Ort umzuziehen. Leider klappt nicht alles so reibungslos, wie erst gedacht. Irgendwie zögern die neuen Vermieter alles raus. In solchen Momenten vermiß ich unsere Wohnung in Dresden sehr. Sie lag günstig zwischen Elbe und Wald, hatte viele Spielplätze in der Nähe und einen Park sowie viele kleine Cafees (oder wie man sie schreibt). Wir waren auch gern zusammen in der Teestube. So etwas gibt es hier nicht. Ich würd mir gern so etwas zuhause selbst hin basteln, weils dort immer so gemütlich war, aber ich weiß noch nicht wie. Vielleicht kommt ja noch eine brauchbare Idee.

Auf jedenfall sollst du wissen, daß ich viel an dich und die Zeit mit dir denke. Du bist mir weiterhin sehr, sehr wichtig. Achja, und Noah, so wurde mir gesagt, sieht dir sehr ähnlich. Man hätte euch leicht als Brüder wieder erkannt. Vor allem auf Fotos, auf denen du in Noahs jetzigem Alter bist, ist es wirklich gut zu erkennen.

Ich habe dich ganz, ganz dolle lieb und würde dich gern fest umarmen und dir n dicken großen Teddy in die Hand drücken und dir n Kuß obendrauf geben. Ja, ich hab dich lieb, mein Kindchen, mein Jeschua.

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Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » So 5. Okt 2014, 20:07

Mein liebster Jeschua,

manchmal frage ich mich, wie wohl mein Leben jetzt wäre, wenn du nicht so schwer krank gewesen wärst. Inzwischen bist du schon 6 Jahre alt und würdest kommendes Jahr in die Schule kommen. Hättest du inzwischen mehr als nur einen Bruder? Würden wir zusammen als Familie in Desden wohnen oder wär alles dennoch so gekommen, wie es im Leben kam und wir würden hier wohnen, wo wir jetzt wohnen.

Einst fand ich an diesem Ort Ruhe. Es war für mich eine Anlaufstelle, wenn es mir in der Stadt zu laut war. Hier war es für mich, wie auf einem Dorf irgendwie und ich glaubte mich bischen einbringen zu können. Inzwischen bin ich schon lange nicht mehr mit dem Verein verbunden, bei welchem ich eine Gruppe für Eltern mit ihren behinderten Kindern aufmachen wollte. Es lief zu deinen Lebzeiten nicht an und danach konnte ich es nicht mehr und selbst wenn ich jetzt wöllte, so ist es unendlich weit weg diese Zeit mit dir und ich bin auch nicht mehr auf dem neusten Stand oder könnt irgendwas sagen oder berichten.

Zwar hatte ich schon zu deinen Lebzeiten überlegt fort zu ziehen, habe dies aber immer wieder verworfen, vor allem, weil du ja auhc begonnen hast in den Kindergarten zu gehen. Auch deine ganzen Therapien waren vor Ort. Zusammen sind wir auch gern in der Stadt unterwegs gewesen. Wir lagen so oft im Alaunpark oder saßen am Elbufer. Es gab so vieles, was wir unternommen haben oder auch konnte man schnell mal jemanden treffen.

Inzwischen vermisse ich die Stadt, in der wir so viel erlebt haben, sehr. Ich wollte ganz schnell weg, nachdem du gestorben bist. Ich konnte es nicht ertragen, ohne dich dort zu sein oder gar in der gleichen Wohnung. Ich wollte nicht allein sein. Ich sehnte mich nach Trost und Nähe.

Wahrscheinlich habe ich es bisher noch immer gut verdrängt. Es, diesen Schmerz, diese Gedanken, dieses still stehen um irgendwann weiter zu laufen. Ja, wie so manche sagen, war und bin ich nur auf der Flucht. Gut möglich, aber auch irgendwie die einzige Art für mich, alles, was geschehen ist zu ertragen.

Mir fallen die einfachsten Sachen unheimlich schwer.: Weißt du noch unser Dimitri. Ich habe ihn so lieb gewonnen. Er war mein kleines Kätzchen, der immer bei mir war. Er war mit mir auf Arbeit, mit dem Zug und Fahrrad unterwegs. Egal wie einsam ich mich fühlte, er war bei mir und hat nachts mit mir gekuschelt. Leider lebt er seit dem Jahr, in dem du starbst nicht mehr bei mir. Ich habe ihn sehr vermißt, aber leider mußte ich ihn deiner Tante geben. Dies hat mich sehr traurig gemacht. Klar, ich geh ihn immer mal wieder besuchen. Weißt du aber, was das Problem ist? Ich bringe es nicht fertig ihn zu kuscheln oder zu streicheln. Jede Berührung ist für mich eine Überwindung. Ich habe das Gefühl, ich kann zu ihm keine Verbingung mehr aufnehmen, weil ich ihn dann zu sehr wieder haben möchte und mich dieser Verlust zu sehr schmerzt.

Ich habe den Schmerz, den dein Tod mir bereitet hat noch lange nicht verkraftet. Ich habe mich diesem Schmerz nie wirklich gestellt. Klar, ich war in einer Tagesklinik - zwei mal. Dennoch habe ich auch dort mich dessen nicht wirklich gestellt, sondern nur meine Gedanken abgelenkt.

Ich sehe deinen Bruder und denke an dich. Er entwickelt sich glücklicherweise ganz gut. In zwei Tagen gehen wir zum Arzt wegen der nächsten Voruntersuchung. Ja, wir kommen auf jeden Fall da auch bei dir vorbei, wenn wir schon einmal so nah sind, kommen wir immer gern lang. Es tut mir gut bei dir zu sein und den Friedhof, auf dem du liegst, finde ich noch immer sehr angenehm. Egal, was mal sein wird, ich möchte gern bei dir begraben werden.

Ich weiß, manchen Menschen macht es Angst, wenn ich so etwas schreibe. Ich liebe das Leben, auch wenn es manchmal wirklich sehr schwer ist. Die letzten Tage waren solche Tage. Es waren derer viele, die mich traurig und niedergeschlagen gemacht haben. Nachdem ich deinen Onkel, meinen Bruder, endlich mal wieder gesehen habe und mit ihm gesprochen habe, geht es mir wieder etwas besser.

Ich glaube das Gefühl der Leere, die dein Tod hinterlassen hat, läßt sich nie wieder füllen. Auch wird wahrscheinlich kaum das Gefühl vergehen, allein zu sein oder fremd auch wenn ich eine ganz liebe Familie um mich habe und Freunde, die für mich da sein möchten. ich glaube, dies kommt daher, daß die Bindung, die wir zwei hatten, mein kleiner Jeschua, diese Bindung so eng und so etwas besonderes war, was nicht ersetzbar ist und ja, nichts in der Welt soll oder kann dich ersezten.

Nochmals, ich bin wirklich überglücklich deinen kleinen Bruder, unseren Noah, zu haben. Ich vermiß es nur zu sehen, wie ihr zusammen spielt. Ich wäre so gespannt zu sehen, wie ihr miteinander agiert. Ich bin auch sehr glücklich, einen lieben und fürsorglichen Mann an meiner Seite zu wissen, der mit mir auch die scheren Zeiten durchsteht.

Es ist nur: du fehlst. Mein Baby, mein kleiner großer Junge, mein Kindchen, mein Jeschua.

An vielen Scheidewegen in meinem Leben mußte ich Entscheidungen treffen oder wurden jene für mich getroffen. Ich weiß nicht, wie mein Leben jetzt aussehen würde, wäre einiges anders gewesen. Ich weiß aber, daß egal, was so alles passiert ist, die Zeit sich nicht mehr drehen läßt. Ich habe begriffen, daß man oft nur eine Chance hat. Später, im Nachhinein, versucht man sich manche Entscheidungen und Gegebenheiten zu erklären und denkt man hätte anders reagieren müssen - andere Worte, andere Taten. Doch es ist vorüber.

Es tut so weh, wenn ich an die Zeit kurz vor deinem Tod denke. Ich würde vielleicht heute einiges anders machen, einfach weil ich Dinge im Nachhinein anders beurteile. Ich hätte deinen Tod so gern verhindern wollen, auch wenn mir gesagt worden ist, daß du sehr wahrscheinlich ja am Ende deiner Kräfte warst. Ich wöllte dir so gern weiterhin Mama sein. Ich vermisse dich so sehr. Ich kann nur darauf hoffen, daß Gott mir Gnade erweißt und ich dich dann endlich wieder sehen kann: gesund und glücklich im Paradies. Dann kannst du auch endlich deinen kleinen Bruder Noah kennen lernen und mit ihm spielen und ich darf euch zusehen bei eurem Spaß. Ich sehne mich nach dieser Zeit. Ich hoffe, daß alle Menschen, die mir lieb sind, auch dieses Vertrauen in Gott in sich wachsen lassen und wir dann alle vereint diese schöne Zeit genießen können.

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Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » Mi 5. Nov 2014, 20:13

Mein liebster Jeschua,

was war der vergangene Monat doch schwer für mich. Doch dann, gegen Ende Oktober hab ich mir dann Hilfe geholt. Manchmal reicht es schon einfach mal reden zu können und daß einem jemand zuhört und die Worte hören läßt, die Gott wohl zu einem in jener Situation sprechen würde. Ich bin immer wieder dankbar dafür, wenn jemand einen passenden und aufbauenden Bibeltext bei der Hand hat.
Es ist wahnsinn, wie schnell sich das Jahr nun seinem Ende nähert. Es ist sowieso irgendwie unfaßbar, wie schnell die Jahre dahin fliegen. Es kommt einem vor, als rasten sie davon und doch, wenn man sich einmal umdreht und stehen bleibt, so denkt man "stimmt, es war doch grad eben erst gewesen." Ich weiß nicht, wie ich dieses Gefühl anders beschreiben könnte.

Manchmal mute ich mir wahrscheinlich zu viel zu. Weißt du, mit dir an meiner Seite war ich eine starke Kämpferin. Jetzt aber, wo du, mein Partner, mein Kind, fehlst, komme ich mir vor, als seien meine Kräfte mit dir gegangen. Früher hab ich so viel geschafft und heut komtm es mir oftmals so vor, als würde ich die kleinsten Dinge nicht auf die Reihe bekommen. Allerdings muß ich sagen, daß ich an meiner Einstellung mir gegenüber ganz fleißig gearbeitet habe die letzte Zeit. Ich versuche einen Rhytmus zu finden, jetzt, da ich zu hause in Elternzeit bin. Manch einer versteht es nicht, daß es für mich schwerer war, der Umstieg, als anfangs gesagt und vermutet. Ich hatte mich ja da drauf gefreut endlich ganz bei deinem kleinen Bruder sein zu können, aber dann, als Papa wieder arbeiten war und den ganzen Tag unterwegs, da hab ich gemerkt, wie schwer es ist für mich allein zu sein. Aber zur Zeit habe ich einen Rhytmus gefunden.

Da wir ja sowieso viel draußen sind, kommen wir auch gern mal bei dir vorbei oder in deine Nähe. In Kürze werden wieder zig Leute ihre Gestecke auf den Friedhof bringen und alles wird überfüllt aussehen. Es kommt einem dann immer so vor, als würden die Menschen zum Totensonntag alle eher Pflichtbewußt dahin gehen und etwas niederlegen, was sich bis Frühjahr hält. Aber vielleicht beseh ich es auch nur verkehrt. Jedenfalls fidne ich es schade, daß dann immer alles so voll ist, daß ich kaum zu dir hin kommen kann.

Ich weiß gar nicht, was ich dir heut schreiben soll. Manche Tage ist so viel in meinem Kopf, was ich an dich schreiben könnte und dann sitz ich hier und weiß nicht, was ich sagen soll, außer, daß du mir unheimlich dolle fehlst und daß ich täglich an dich denke.

Weißt du, diese Liebe und dieses Verhältnis zwischen uns ist wirklich etwas ganz besonderes. Mir fällt manchmal richtig dolle auf, was für ein großer Kerl du schon warst. Letztens haben wir für deinen Bruder die Kleidung in Größe 80 und 86 aus den Kisten geholt und ich muß sagen, es ist für mich unfaßbar, wie groß du gewesen bist. Ich habe dich oftmals als meinen kleinen Jungen gesehen, mein Baby, mein Kindchen. Aber da ist noch größere Kleidung von dir im Keller, was heißt, daß du noch viel größer warst. Der Gedanke, eines Tages nichts mehr von dir auf Vorrat für Noah zu haben, macht mir etwas Angst. An jenem Tag ist es einem sicher noch bewußter, daß es Vergangenheit ist und dein Leben wirklich gestopt hat. Ach, was bin ich froh, daß ich fest daran glaube, daß Gott dich wieder zum Leben bringt. Daran möchte ich mich klammern.

Es tut mir leid, daß ich heut so angespannt bin irgendwie beim Schreiben, so verklemmt. Die Worte fließen nur schwer, dabei gäb es genug zu erzählen. Zum Beispiel haben wir drüber geredet, daß wir uns nicht ewiglich an diesen Wohnort hier binden. Dies gab mir wieder ein besseres Gefühl. Keine Angst; wir wissen schon, daß wenn wir hier weg gehen, wir jeden Monat einmal her fahren wollen. Ich würd dich doch nicht alelin zurück lassen. So oft wie möglich würde ich bei dir lang kommen. Du bist und bleibst unvergessen. Noch allerdings ist es noch nicht so weit zu gehen.

Im übrigen versuch ich nun auch eine weitere Fremdsprache zu lernen, aber sehr intensiv allerdings nicht. Ich lerne ja lieber nebenher. Ich bin gespannt, ob es klappen wird. Noch dazu gäb es noch eine andere Sprache, die hier viel gesprochen wird, über die ich nachdenk vielleicht erst mal jene zu lernen. Naja. Jedenfalls hör ich die Sprach-CD oder frische mein Englisch auf. Mein Kopf braucht immer wieder paar neue Herausforderungen.

Wir haben dich alle ganz dolle lieb hier. Auch wenn ich heut nur schwer reden kann aus irgendeinem Grund, bitte vergiß nie, ich liebe dich ganz ganz dolle. Ich kann es kaum erwarten, dich endlich in meine Arme schließen zu können, erst recht, wo ich nun beobachten kann, wie dein Bruder durch die Gegend tapst. Ich möchte dich auch durch die Gegend tapsen und rennen sehen ... und Mami sagen. Ach, ich lieb dich und vermiß dich.

Nu kullern mir doch noch paar Tränchen. Dabei versuch ich doch stark zu sein und vorwärts zu schaun. Auch als ich in der Bibel letztens über die Witwe aus Nain gelsesen habe, deren Sohn verstorben ist, den Jesus dann auferweckt hat, auch da habe ich gemerkt, wie mir sie Tränen kullern wollen. Aus Schmerz. Aber auch aus dem Wunsch heraus endlich miterleben zu können, wie du wieder zum Leben erweckt wirst.

Achja.....mein Bby, mein Jeschua. Ich hab dich tausend-dolle lieb.

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Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » Fr 5. Dez 2014, 14:10

Mein liebster Jeschua,

immer bewußter wird mir, daß es schon drei lange Jahre sind, die ich ohne dich lebe. Oder sollte ich sagen, gerade mal drei Jahre? Auf der einen Seite ist so viel passiert, doch auf der anderen Seite ist es so nah, all jenes Geschehen und der Schmerz.

Ich weiß nicht, wenn ich über mein Leben mit dir nachdenke, wie ich es einordnen soll. Ich habe mir viel zu wenig Zeit zum Trauern und Stillstehen, zum Überlegen und mich sortieren genommen und viel zu wenig Mut gehabt, meinen Weg zu gehen, ihn neu zu gehen. Ich will auch gar nicht zu hochtrabend klingen. Ich komme mir nur manchmal so vor, als hätte ich nichts gelernt all die Zeit. All mein Wissen ist nichts mehr Wert, was ich in meinem Umgang mit dir gelernt habe. All meine Wünsche mich zu verändern und mein Leben zu gestalten, nachdem du verstorben bist - was ist daraus geworden? Mir fehlte die Kraft und der Mut und als Folge davon spüre ich eine große Unzufriedenheit mit mir.

Noah, dein Bruder, wächst gut heran und bereitet uns große Freude. Unsere kleine Familie ist wirklich schön, nur du fehlst da noch mitten drin.

Seit heute bin ich wieder in psychologischer Betreuung. Ich hoffe so einige Dinge angehen zu können, die es mir bzw mit denen ich es mir selbst schwer mache. Diese innere Unzufriedenheit mit dem, was ich leiste, seitdem du nicht mehr da bist. Mir macht es zu schaffen. Ich konnte so viel und hatte so viel Energie, als du bei mir warst und jetzt bin ich so schnell erschöpft und lebe nicht wirklich so, wie ich es mir wünschen würde.

Ich weiß, daß viele es nicht verstehen werden und mich für übereilig oder durchgeknallt halten oder so irgendwas. Jeschua, mein Kind, du fehlst mir sehr, da du mich immer so genommen hast, wie ich war. Ich konnte jederzeit mit dir kuscheln und dich in den Arm nehmen. So komisch es klingt, aber ich fühlte mich verstanden, harmonierend mit dir. Wir waren ein gutes Team und ich war gern für dich da.

Weißt du, heute, wenn ich sage, ich wöllt gern so und so leben, dann schütteln die Menschen ihre Köpfe. Warum redet sie so oder wöllt gern dies und jenes? Es geht ihr doch gut. Sie hat eine tolle Familie, ein schönes zu hause und liebe Freunde um sich herum. Weißt du, niemand kann in einen hinein schauen. Ich glaube, hätte ich direkt nach deinen Tod alles mögliche in meinem Leben verändert, dann hätte man es hingenommen und akzeptiert, weil man dann froh gewesen wäre, daß ich nichts schlimmeres mache oder mir etwas antu. Vielleicht hätte man auch gehofft, der Wille und Eifer der Veränderung legt sich wieder. Bei mir ist es aber nun anders. Vieles brauchte Zeit. Mußte reifen. Ich will in meinem Leben nicht stehen bleiben. Ich will gern so leben, daß ich mich nicht mehr so leer fühlen muß. Es stimmt, ich habe vieles gewonnen: einen zweiten Sohn, einen liebevollen Mann, bin in meinem Glauben an Gott wieder gefestigt, erzähle auch gern anderen von meiner Hoffnung und helfe ihnen hoffendlich ein wenig dadurch, ich habe liebe Menschen um mich herum, denen das Wohk meiner ganzen Familie wichtig ist und dennoch....ich fühle mich leer. Nicht immer, aber immer wieder.

Wenn ich mich anseh, so weiß ich, mein kleiner Jeschua, du hast alles aus mir heraus geholt. Du warst mir ein rießiger Lehrmeister. Du hast mir gezeigt, was in mir steckt und mich an meine Grenzen geführt. Niemals hätte ich mir so viel zugemutet. Sehe ich mich heute so an, dann bin ich viel zu schnell am Ende meiner nervlichen Belastung. Körperlich erschöpft (was mit einem Baby im ersten Lebensjahr sicher normal ist), aber vom Kopf her unterfordert. Schläft unser Noah dann laufe ich oft planlos durch unsere kleine Stadt, denn er schläft gern im Wagen. Wie gern würde ich jene Zeit sinnvoll nutzen: sei es im kurzen Gespräch mit andern Menschen auf der Straße oder indem ich Anregungen für meinem Geist sammeln kann - Inspiration.

Der völlig überfüllte Friedhof heute bot auch wenig Entspannung. Dabei bin ich gern bei dir zu Besuch.

Der Psychologe heute meinte, wir wollen schon so einige Punkte angehen. Ich möchte gern, daß dieses Sauer sein auf mich selbst, diese innere Wut auf mich selbst aufhören. Ich will nicht so fühlen. Ich will auch nicht ständig diese Tiefs haben. Wenn sie denn wenigstens so lang wären, wie die Hochs. Er will auch gern helfen bzw meinte er, daß es wichtig sei, daß ich mein Leben wirklich so gestalte, wie ich es gern wöllte. Dies würde diese innere Unzufriedenheit mit mir selbst sicher mindern.

Ich selbst wünschte gern, wieder so zu sein, wie zu der Zeit, als du bei mir warst. Auch wenn so mancher meint, es ist alels besser so, wie es heute ist; ich selbst sehe es noch immer nicht so. Ich bin jetzt auch oftmals glücklich, weiß ganz bestimmt zu schätzen, was ich habe, dennoch denke ich manchmal, daß ich damals, als du bei mir warst, anders war - anders fröhlich und mehr leistend. Wahrscheinlich daher zufriedener mit mir selbst. Heutzutage sehe ich meine Fehler, meine Schwächen und Hinterfrage mein Leben noch viel mehr, als damals. Weißt du mein Kindchen, du hast mich gelehrt, daß ich viel mehr leisten kann. Ich darf ruhig mehr von mir erwarten, mich mehr fordern. Ich will nicht in meinem jetzigen Leben dahindümpeln.

Ach, mein Jeschua. Du fehlst mir sehr. Ich würde dich so gern weider mit nach hause nehmen. Ich würde so gern etwas gelernt haben aus der Zeit mit dir, was sich auch wirklich in meinem Leben widerspiegelt und zu sehen ist. Nein, ich will nicht hochtrabend oder eingebildet klingen, ich will nur anders leben, als die Mehrheit es augenscheinlich tut. Schon heute habe ich Angst in meinem Leben zurück zu blicken - ich will nicht, daß dies mit den kommenden Jahren noch viel schlimmer wird.

Mein Kindchen, unser Großer, wir lieben dich sehr. Ja, ich liebe dich von Herzen sehr. Bald sind es drei Jahre ohne dich - nicht mehr lang und die Zeit mit dir und die Zeit ohne dich halten sich die Waage. Ich vermisse dich noch immer. Wie gern würde ich dich meine Liebe zu dir weiterhin spüren lassen; wie gern dein Lachen sehen und dich hören....


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Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » Di 6. Jan 2015, 09:21

Mein liebster Jeschua,

Monat für Monat rinnen dahin. Heute ist auch schon wieder der sechste, aber ich habe dich natürlich nicht vergessen. Darum kommt heute der Brief an dich, wenn auch verspätet. Immer wieder gibt es über den Monat hin so viel Dinge, die mich bewegen und die ich dir gern mitteilen wöllte und dann, wenn der Tag des Schreibens gekommen ist, weiß ich oft nicht, was ich dir von all dem überhaupt schreiben soll, außer, daß ich dich vermisse. Du bist ein wunderbares Geschenk und ich sehne mich danach, dich wieder bei uns zu haben - wir vier als Familie.

Was bei uns so los war? Nun, unser Noah ist gefallen, so daß wir ins Krankenhaus mußten für ein paar Tage. Zum Glück war es nur zur Überwachung und es ist nichts weiter passiert. Dennoch wurden in mir eine unmenge an Erinnerungen wach. Noah ist jetzt 9 Monate alt und damals, als ich erfuhr, daß du schwer krank bist, warst du 8 Monate alt. Ich weiß noch genau, wie es damals war, auch wenn es mir manchmal alles wie ein Traum vorkommt.

Es war die Woche vor einem großen Kongreß, den wir in Leipzig besuchen wollten. Es war 2009 im Sommer. Kurz zuvor sind wir nach Dresden gezogen und ich habe gehofft, dir den Teil des Landes zeigen zu können, den ich mein zu hause nennen würde. Allerdings....nun, ich wollte für dich neues Vitamin D verschreiben lassen und dachte mir, da die nächste U-Untersuchung noch eine Weile hin war, daß es doch gut sei, wenn deine neue Kinderärztin mal einen Blick auf dich wirft. Eigentlich sollte es nur ein kurzes drüber schauen sein, weil es war ja nichts anders mit dir, als sonst.

Dann im Behandlungszimmer aber hiltest du mal wieder deine Luft unter Schreien an und wurdest leicht blau. Ich habe dich wie immer auf meinen Arm genommen und beruhigt. Die Ärztin aber verfiel in Panik. Ich habe dies damals nicht verstanden. Ich erklärte ihr, daß du daß öfter hast und daß dein alter Kinderarzt meinte, daß Babies nunmal schreien und dabei mitunter auch mal blau werden. Die neue Ärztin erklärte mir, daß dies gar nicht so normal sei und daß ich besser mal mit dir ins nächste Krankenhaus fahren sollte zum Beobachten.

Noch immer entspannt fragte ich die Ärztin, ob dies nach dem Wochenende, also am Montag frühzeitig genug sei, da wir am Wochenende ja etwas vor hätten. Sie m,einet aber, es sei besser, wir würden gleich mal rein gehen. Ich stimmte zu, denn es waren ja noch drei Tage oder so bis der Kongreß mit seinen biblischen Vorträgen starten würde und bis dahin wären wir sicher wieder zu hause, denn du warst ja wie immer und mir wurde ja schon einmal versichert, daß alles normal sei. .....

Nunja, daraus wurde dann doch nichts, aus dem Besuch des Kongressen und wie annulierten unsere Hotelreservierung. Alles in allem waren wir einen Monat lang im Krankenhaus, bevor wir, versorgt mit Sauerstoffflasche und Überwachungsgerät, wieder nach hause durften. Die ganze Zeit blieb ich bei dir im Zimmer.

Zu diesem Zeitpunkt hörte ich eine schlechte Nachricht nach der anderen bezüglich deiner Gesundheit. Anfangs dachte ich mir, daß wenn du nicht laufen kannst, dies nicht so schlimm sei, denn auch mit dem Rollstuhl kann man ja Fußball spielen. Abgesehen davon würdest du ja später im Paradies dann rumrennen können. .... Ach ja.... Doch dann folgten mehr und mehr der schlechten Nachrichten.: Gehirnstruktur auffällig, Bewegungsmuster auffällig, Atmung sowieso ..... Diagnosen über Diagnosen und doch wurde all die Zeit deines Lebens nie Festgestellt an welcher Grunderkrankung du erkrankt bist. Nur eines wurde mir immer mehr bewußt: Ich würde dich nie als Erwachsenen sehen.

Deine Hirnerkrankung ist noch völlig unbekannt. Tritt zu selten auf und schon gar nicht bei Babies oder Kleinkindern. Man weiß nur von einer ähnlichen Hirnerkrankung, also einer die genau entgegengesetzt ist, daß die Kinder als Babies, oder bei guter Pflege (was immer dies heißen mag) im Kleinkindalter, sterben (siehe Mikrogyrie). Die Makrogyrie war völlig unbekannt, aber man geht davon aus, daß die Auswirkungen ähnlich sein würden. ....

Was habe ich geweint. Ich habe dich damals noch gestillt und diu lagst so friedlich vor mir, an meiner Brust und du wußtest nichts von deinem bevorstehenden Leiden. Es tat mir so leid und des weiteren....ich wollte dich nicht hergeben. Ich habe geweint, viel geweint. Nach außen war ich stark, weil ich wußte, daß du eine starke Mama brauchst, aber innerlich bin ich daran zerbrochen. Irgendwann habe ich mir selbst verboten zu weinen. Nein, ich wollte nicht mehr weinen. Ich habe mir vorgestellt, wie es wohl ist, wenn ich schwer krank wäre, würde ich wollten, daß meine Mama immer an meinem Bett steht und weint. Nein. Also wollte ich dir dies auch nicht mehr zumuten und antun. Es war nunmal wie es ist und was würden meinen Tränen schon ändern? Nichts, außer, daß sie uns alle traurig machen würden. Ich wollte für dich fröhlich sein und mit dir so weit wie möglich normal leben. Dir auch immer das gefühl geben, daß du weißt, daß du geliebt wirst und daß das Leben schön ist und man auch trotz Krankheit lachen kann.

Rückblickend würde ich sagen, daß mir dies größten Teils gelungen ist, nur an deinem Tod, daran bin ich zerbrochen und dadurch habe ich mich verloren. Ich habe mein ICH verloren. Ohne dich bin ich nicht mehr die, die ich war und die NEUE ist mir fremd, auch wenn in meinem "neuen Leben" alles gut zu sein scheint. Doch ICH bin nicht mehr wirklich da und die NEUE jemand die ich nicht so mag, weil sie nicht mehr so lebensfroh und glücklich ist, nicht mehr so unbeschwehrt das Leben genießen kann, was ICH konnte trotz all der Rückschläge im Leben und der schweren Zeit an deiner Seite.

Ich selbst möchte aber wieder so sein wie ICH war, aber die NEUE ist anders. Sie ist auch glücklich und dankbar für meine neue kleine liebe Familie, doch die Leere und Unzufriedenheit mit mir selbst, sie geht nicht weg. Klar es ist beinah gerade mal drei Jahre her - was erwarte ich von mir. Aber ich möchte einfach nur gern wieder diese Energie haben, die ich einst hatte und meinem Noah und meinem Mann die Mama und Frau sein, die ich einst war - mit einem Lächeln jederzeit und ganz viel Energie, Neugierde und Mut.

Mal sehen, mein Jeschua, vielleicht kommt dieses Gefühl wieder zu mir zurück, vielleicht nie wieder. Auf jedenfall möchte ich für Noah und meinem Mann gern wieder voll Energie da sein und Freude verbreiten ... und dann wenn ich dich wieder sehe....dann wird sowieso alles wieder gut sein.

Ich Liebe dich von Herzen sehr.

In ewig währender Liebe,
Deine Mama
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Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » Do 5. Feb 2015, 20:45

Mein liebster Jeschua,

drei Jahre ist es heute her. Wie ich mich heue fühle? Ach mein geliebtes Kindchen. Was soll ich sagen.... Ich vermisse dich unheimlich sehr. Ich bin traurig, fühle mich schlapp und niedergeschlagen. .... Ohne dich fehlt mir so viel. .... Drei Jahre - fast die Zeit deines ganzen Lebens. ...

Kann man so etwas überhaupt begreifen? Kann ich es begreifen? Es ist so unfaßbar. Es fühlt sich so leer an. Dieser Bruch, dieser Riß, diese Schmerzen in meinem Herzen wollen nicht heilen. Es gibt dafür kein Pflaster, keine Medizin. Es gibt nichts, was hilft.

Ablenkung ist das Einzige, was es gibt. Das Leben, welches sich weiter dreht. Es verlangt einiges Tag für Tag von mir und ich versuch es zu meistern und merke doch, wie ich immer mehr Kraft verliere. Strenge ich mich so sehr an? Oh ja, ich versuch es Tag für Tag aufs Neue, aber was ist, was ich kann? Mich durchkämpfen und nicht daran zerbrechen, daß du nicht mehr bei mir bist......

Ich merke, wie ich meinen Glanz verloren habe. Ich merke, wie ich meine Stärke verloren habe. Ich merke, wie ich meine Kraft und meinen Mut verloren habe. Ich merke, daß all dies mir dir gegangen ist. Werde ich es erst wieder haben, wenn ich dich in meine Arme schließen kann?

Du hättest all dies nicht gewollt. Du hättest mich nicht so zerbrochen sehen wollen. Du hast mich so stark erlebt, so lachend, so unerschütterlich, so glücklich. Auch andere haben darüber echt gestaunt. Du hast mir so viel Kraft gegeben. Mich gefordert und aufgefordert, mich nicht gehen zu lassen, sondern stark zu sein. Weißt du noch, daß ich versucht habe eine Selbsthilfegruppe aufzubauen und wie sehr der Mann von der Presse gestaunt hat, daß keine gebrochene Frau vor ihm stand, sondern eine strahlende, welche stolz auf ihr Kind ist! Ich habe all dies gern für dich getan und habe mich auch stolz suf dich und stark mit dir gefühlt.

Ich würde so gern wieder so stark sein. Ich mag es nicht ständig zu weinen, zu merken, wie sich meine Persönlichkeit verändert zu einer zerbrechlichen, traurigen Person. Ich will so gern wieder stark sein und ein Sonnenschein. glaubst du, daß ich daß kann, so ganz ohne dich bei mir? Wie habe ich nur alles damals geschafft?

Tag und Nacht war ich an deiner Seite. Es gab kein Aus. Ich wollte auch kein Aus. Wir sind gemeinsam zu den Therapien und zu den Ärzten gegangen, wie haben und mit anderen Betroffenen getroffen. Wir haben gemeinsam gelacht..es war schließlich alles manchmal schwer genug. Wann werde ich endlich wieder die nötige Stärke haben? Vielleicht werde ich nie wieder so stark, wie ich mit dir an meiner Seite war, aber wenigstens will ich so sein und so bleiben, daß du mich mit Leichtigkeit erkennen kannst. Ich will so gern wieder für dich stark sein und für deinen kleinen Bruder. Ich bin mir sicher, ihr hättet viel Spaß zusammen - schon jetzt.

Schon steht er neben mir und schaut mich, lachend und fragend zugleich, an. Wir erzählen ihm immer wieder von dir. Er soll wirklich wissen, was für ein lieber und starker großer Bruder du bist, mein Jeschua.

Was du aus mir raus geholt hast, was du mit mir gemacht hast, wie du mich gelehrt hast ... manchmal erscheint es mir unglaublich und mitunter sogar unwirklich. Ich wünsche mir so sehr, daß viele Menschen an dich denken. ich wünsche mir so sehr, daß irgend etwas von dir bleibt und dies nicht nur bei mir....Ich weiß, es gibt viele, die dich niemals vergessen werden, doch ich wünsch mir so viel mehr....ich wünschte, man würde dich niemals vergessen.

Kannst du dir vorstellen, wie sehr ich mich danach sehne dich wieder zu sehen und allen vorzustellen....ja, wirklich allen am Liebsten. Keinen wöllt ich auslassen. Ich bin so gespannt auf dich, darauf dich reden zu hören und zu sehen, wie auch du durch die Gegend zu laufen beginnst.

Heute, auf meinem Weg zu deinem Platz auf dem Friedhof, habe ich mich gefragt: "Wie war der Geruch von dir? Wie war deine Stimme?" und bin dann tief in mich gegangen. Ich möchte all dies niemals vergessen. Auch nicht den Rhytmus deines Atems.

Weißt du, gewöhnung ist so tückisch. Es ist so leicht Dinge, die man nicht sehen kann auszublenden. Leider werde ich damit oftmals konfrontiert und dann wöllt ich aufspringen und schreien, daß ich kein dummes oder planloses Mädchen bin, ich bin schon viele Jahre lang Mama und habe schwerste Entscheidungen getroffen und auch viel gekämpft um dein Leben, zusammen mit dir. Ich bin zwar zerbrochen und momentan sehr schwach, aber nicht ohne Vergangenheit und in jener war ich eine starke und selbstbewußte Frau, die sehr gut mit dir, ihrem geliebten schwerstbehinderten Jungen zurecht kam. Diese Dinge sind alles Teil meiner Persönlichkeit und stecken in mir, auch wenn man sie mitunter nicht sehen kann. Ich bin noch immer die selbe Löwin, auch wenn ich zur Zeit zu schlafen scheine. Es ärgert mich, wenn ich das Gefühl habe, nur weil ich gebrochen bin, gern auch als Unwissend besehen werde. Wie gern würde ich aufschreien: `Mein kleines Kind, welches ich jetzt hier bei mir habe, ist nicht mein einziges Kind. Ich habe schon so viel durchlebt. Ich bin nicht die Person, für die du mich hälst. Sieh mich genauer an!` Doch ich schweige immer wieder. Ist es Stärke? Ist es Schwäche? Ich weiß es nicht, aber ich hasse es, Unstimmigkeiten zu verursachen und halte mich zurück. Verteidige ich dich dann nicht? Lasse ich es unbewußt zu, daß man mein Leben mit dir vergißt oder nicht bedenkt, um Frieden zu bewahren? Ich weiß, oftmals nimmt man eben nur wahr, was man sieht und niemand meint irgendetwas böse und ich nehme es daher auch keinem Übel, wenn ich nur noch so gesehen werde, wie ich jetzt im Moment bin. Vielleicht gibt es meine "alte Persönlichkeit" ja wirklich nicht mehr.

Ach, mein geliebter Jeschua. Ich liebe dich so, so sehr. Ich mag auch gar nicht mehr so viel von mir reden. Ich denke so gern an unsere schöne Zeit. Wir hatten es schwer und dennoch erschien mir das Leben mit dir leicht. Ein Widerspruch? Für mich nicht. Du bist und bleibst unvergessen. Tausend Küsse für dich und noch viel mehr. Du bist mein großer Junge und ich bete darum und danke Gott dafür, dich bald fest in meine Arme schließen zu dürfen und dich dann nie wieder los lassen zu müssen. In bin so Dankbar für diese Hoffnung.

Danke auch noch einmal von Herzen für alle, die an meiner Seite waren. Danke besonders an meine Mama und meinen Bruder. Danke aber auch an die Jungs und das liebevolle Pflegepersonal, sowie an alle Ärzte und Therapeuten. Danke auch an all die, die ich hier jetzt nicht so speziell erwähnt habe, aber die mich und meinen Jeschua kennen gelernt haben und ein Teil unseres Lebens waren.

Ja, tausend Küsse an dich mein geliebter Jeschua...und diese sicher nicht nur von mir.

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Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » Fr 6. Mär 2015, 20:32

Mein liebster Jeschua,

nein, ich habe dich natürlich nicht vergessen. Wir waren heute auch wieder bei dir, an deinem Ruheort. Es ist eher, daß es mir grade nicht so besonders geht, vom Kopfe her. Ich möchte nicht, daß der Brief an dich zu traurig oder negativ ist, weswegen ich ihn dir diesmal erst morgen schreiben kann, denn momentan bin ich wahrscheinlich viel zu kritisch mit mir und sauer auf mich. Warum? Nunja, es ist eben leider so, wie du ja weißt, daß ich, seitdem du nicht mehr da bist, manchmal sehr mit mir innerlich zu kämpfen habe. Ich bin ungeduldig mir selbst gegenüber und erwarte Dinge richtig, am Besten perfekt, zu machen. Dies wiederum setzt mich selbst unheimlich unter Druck, so daß ich am Ende an mir verzweifel. .... Aber nunja, ich möchte dich damit nicht belasten. ... Mein Jeschua, sei dir meiner Liebe bewußt, auch wenn mein Brief erst morgen hier stehen wird. Ich glaube fest daran, daß ich dann bessere Worte finde, als es jetzt der Fall sein mag.
Ich liebe dich wirklich sehr und vermisse dich und die Zeit mit dir.

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Re: Tausend Küsse für Jeschua

Beitragvon vlindertje » Fr 6. Mär 2015, 20:33

Mein liebster Jeschua,

zur Zeit ist es wirklich schwer zu Ruhe zu finden. Vielleicht hat es auch damit zu tun, daß die Zeit deiner Beisetzung (16.03) nun auch schon sehr bald wieder bevor steht. Damals hat es so lange sich hingezogen, weil der Erdboden gefrohren war. Am Tag deiner Beisetzung allerdings schien die Sonne.

Für mich jedenfalls scheint das ganze erste viertel Jahr jeden Jahres schwer zu sein, mindestens ab Februar. HInzu kommen zur Zeit noch Unsicherheiten bezüglich unserer Wohnung und entwicklungsbedingte Probleme von Seiten deines kleinen Bruders, wodurch er unter anderem sehr anhänglich ist. Verständlich, denn immer wieder durchlebt er wie es ist fremd zu sein, denn auf einmal ist alles neu - zum Beispiel wenn er jetzt Zusammenhänge besser erkennen kann. Aber auch der Wachstum weiterer Zähne macht ihm zu schaffen. Daß war bei dir ja auch so. Es ist nicht so einfach, wenn die Zähnchen raus wollen.

Es ist, so glaube ich, die Gesammtheit der Ereignisse, auch die viele Kritik und Ärger, den ich abbekommen habe und einem lange danach noch beschäftigt. Alles in allem fühle ich mich daher zur Zeit etwas erschöpft. Ich möchte gern die Dinge perfekt machen und dabei ist so ein Erschöpfungsgefühl und die Planlosigkeit nicht hilfreich.

Aber ich möchte dir auch schönes berichten. Dein Onkelchen war uns besuchen. Daß hat mich sehr gefreut. Er hat auch bestätigt, daß er dich niemals vergißt. Er denkt immer wieder an dich. Schön zu hören. Auch wenn ich es mir ja dachte, tu es gut diese Worte zu hören.

Für mich ist es nach wie vor verwunderlich, wie du es geschafft hast, so viel aus mir raus zu holen und daß ich dennoch nicht erschöpft zu sein schien. Wundert mich echt. Wahnsinn, was für Kräfte in einem schlummern, wenn man sie denn nicht benötigt, weiß man es nicht. Wahrscheinlich bin ich noch nicht an meiner Grenze, weswegen ich diese Kraft noch nicht wieder vor geholt habe? Oder es ist einfach so, daß, als du leider gehen mußtest, meine Kraft mit dir geschwunden ist.

Die Angst, so viel kann ich bestätigen, ist geblieben. Noch immer kontrolliere ich die Atmung deines Bruders. Vor allem dann, wenn er sehr ruhig schläft, wie zum Beispiel im Kinderwagen. Auch Nachts horche ich oft auf seine Atmung.

Ach, wie gern würde ich euch zusammen sehen. Habe ich dir schon erzählt, daß die Omi vor einiger Zeit eins chönes Bild vom Paradies gemalt hat, auf dem du auch drauf bist. Dann werden wir wieder vereint sein.

Weißt du, im Laufe eines Monats denke ich oft, was ich dir alles unbedingt mittteilen möchte und dann, wenn der Tag gekommen ist .... naja. bestimmt hat es mit meiner unterbewußten, unbewußten Denkweise zu tun oder meiner nicht steuerbaren Gefühlswelt, also was von selbst unkontrolliert passiert. Vielleicht bin ich einfach nicht in der Lage, rum um deinen Todestag herum irgendwelche vernünftigen Sachen zu verfassen.

Weißt du, ich möchte gern, daß, wenn du vor mir stehst, du mich sofort erkennst. Momentan erkenne ich mich selbst nicht. Ich möchte gern wieder und immer noch so sein, wie ich war, als du bei mir warst. Klar, Lebenserfahrung prägt und dennoch: selbst wenn ich mich zwangsläufig verändert habe, dann möchte ich die wichtigen Merkmalen wenigstens behalten und am liebsten auch mein aussehen, wie du mich kanntest,und meine "Lebensphilosopie".

Es klingt echt komisch, aber als du bei mir warst, wußte ich, wer ich bin. Jetzt suche ich mich und manchmal finde ich mich auch wieder aber ich verliere mich zu schnell. Dennoch hoffe ich deinem Bruder eine gute Mama sein zu können. Euch beiden.

Als du bei mir warst wurden mir auch ständig Entscheidungen abverlangt. Tag für Tag. Immer war alles anders. heutzutage habe ich Angst irgendetwas falsch zu Entscheiden und durchdenke alles, bis alles eine falsche Entscheidung ist. Komisch - oder?

Mein kleiner Jeschua, mein geliebter Junge, mir wurde schon mal gesagt, daß es klingt, als würde ich meinen Helden beschreiben, aber für mich bist du eben wirdklich mein Held. Du warst so was von tapfer und stark - und du hast dabei immer gelächelt .... also immer dann,w enn dich keine Schmerzen gequält haben.

Achja, da ist es wieder, was ich dir auf jedenfall auch erzählen wollte. Ich mißte hier so einige alte Kisten aus dem Keller aus, damit jene bei einem künftigen Umzug nicht mehr mit müssen. Außerdem haben wir ja eh viel zu viel. So hatte ich mir zum Ziel gesetzt jeden Tag mich von 10 Dingen zu trennen und dies 60 Tage lang. zeug wäre genug da, nur die Zeit ist knapp. Was ich aber erzählen wollte ist, daß ich, auch wenn ich Papiere nicht mitzähle, eine große Kiste voller Papiere aussortiert habe. Fast alles ist weggeflogen. All die vielen Lieferscheine von deinen Hilfsmitteln rund um deine Trachealkanüle und Magensonde. Die Essenslieferungen,die Lieferscheine der Sauerstoffflaschen, die Bestätigung der Lieferung von Ambubeitel, Überwachungsmonitor, speziellen Schuehen für dich und so weiter.

Auch habe ich gefunden, wann wir Umgezogen sind, denn ich hatte noch den Mietvertrag für das Umzugsauto. Es war Mai. Ins Krankenhaus sind wir dann zum ersten Mal im August. So kurz war unsere "unbeschwehrte Zeit" frei von Krankenhaus und Theraoie in Dresden damals. Danach gab es Zeiten, da waren wir jeden Monat im Krankenhaus und anfangs sogar einen Monat lang.

Es war nicht leicht all dies wieder raus zu suchen. Aber es mußte sein. ich weiß, daß noch viele mehr von diesen Kisten auf mich warten und ich mich diesen widmen muß. Wahrscheinlich warten noch mehr Papiere, Spielzeug und Kleidung von dir auf mich. Deine Krankenakte allerdings hebe ich auf jedenfall auf.

Dann, wenn ich all dies einmal fertig haben sollte und wenn wieder seelische Kraft da ist, möchte ich mich dann endlich einem Fotobuch von dir widmen. Bisher fehlte mir die Kraft dies anzugehen, auch wenn es schon lange mein Wunsch ist. Ich wünschte es wäre einfach fertig und die Post bringt es vorbei. Tja. So ist es aber nicht und ich werde daher, wenn ich dies erstelle, so wie jetzt bei den Papieren, Spielzeug undf Kleidung,alles in mir wieder aufwühlen lassen müssen.

Schade, daß auch schöne Erinnerungen weh tun können, weil man weiß, daß sie leider Vergangenheit sind. Dennoch versuche ich an die Zukunft zu denken, auf die zeit, wenn wir uns wiedersehen.

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