Laut gedacht!




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Beitragvon almafan » Fr 19. Okt 2018, 21:24

Asyl

An all die Ayslgegner, die durch die Zuwanderung den Untergang des christlichen Abendlandes befürchten:
Ist es nicht bereits genug Untergang, dass man sich hierzulande maximal nur noch zu Ostern oder Weihnachten in die Kirche geht? Ist es nicht genug Untergang, wenn die Bibel nur im Regal verstaubt und man sie lediglich besitzt, weil es halt ein Weltliteratur ist?

Denn wenn man ein wenig in diesem Buch schmökern würde, käme man rasch auf den Trichter, dass Asylgeschichten prägent für die jüdisch-christliche Geschichte sind. So holte Joseph, der Sohn Jakobs (der Stammvater der 12 Stämme Isreals) eben diesen und seine Geschwister nach Ägypten, obwohl seine Brüder ihn ein paar Jahre zuvor noch als Sklaven verkauft haben. Fast 2000 Jahre später suchte ein weiterer Joseph (diesmal der Ziehvater von Jesus) mit Maria und dem neugeborenen Messias das Land am Nil auf, da er politisch verfolgt wurde (Kindermord in Bethlehem).
Die aktuelle Flüchtlingslage ist ja keine feindliche Landnahme wie bei Josuas Einfall in das gelobte Land, mit der einhergehenden Zerstörung von jahrhunderte, gar jahrtausende alten Kulturgütern, Städten und Infrastrukturen.

Sie terrorisieren uns nicht mit dem Schwert, und die paar Auffälligen werden überschattet von den Abernazis und den Randalierern, die es clever finden, Flüchtlingsheime in der Nähe anzuzünden oder Tag und Nacht ihre Hassparolen vor deren Toren rumzugröhlen.
Schon mal daran gedacht, das auch tausende orthodoxe, koptische und andere Christen unter den Flüchtlingen sind?
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
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Re: Laut gedacht!

Beitragvon almafan » Do 7. Okt 2021, 17:41

Ich denke halt noch selber!

Es ist schon eine Weile her, dass mich etwas so sehr aufgeregt hat, wie die Idioten, die vor Flüchtlingsheimen gegen Flüchtlinge demonstrieren. Die, die am wenigsten für den Ort und die Art der Unterbringung können. Sehr clever.

In einer ähnlich geistigen Abwesenheit hat sich die Querdenker-Szene etabliert. Da wird lieber irgendwelchen Quatschseiten im Netz geglaubt, als ehrlicher, konstruktiver Wissenschaft. Warum? Was hat RandomDude63 und BitschesKilla1984LOL mehr zu einem Thema, wie Viren und Infektionen, zu erzählen, als Ärzte und Wissenschaftler, die seit Jahrzehnten genau das machen? Nämlich darüber forschen.

Diese Szene brodelte vermutlich schon irgendwie vorher, aber mit Corona sind sie schlimmer ausgebrochen, als die Seuche selbst. Plötzlich war das Land überschwemmt mit Virologen, die noch nie auch nur ein Paper in der Hand hatten oder wissen, was ein Peer Review ist. Aber, das muss man ja nicht. Man kann ja auch einfach "selber denken". Das mag ja für Wochenendausflüge und für die Berufswahl funktionieren, aber nicht für eine Pandemie. Denn diesem "Selberdenken" liegen mehrere Fehler zugrunde.

1. Es ist eine massive Überschätzung dessen, was ein einzelner Mensch leisten kann.
Wir sind Gemeinschaftwesen. Kaum ein Haus entsteht durch eine Person und wenn doch, so hat er die Rohstoffe in aller Regel irgendwo eingekauft, also von jemand anderem, der es auch von jemanden hat oder es mit ein paar Kollegen selbst hergestellt hat. Die Ressourcen dafür kommen wieder von jemandem. Arbeits- und Denkteilung ist eine der großen, herausragenden Eigenschaften der Menschheit. Es ist der Grund, warum wir so erfolgreich sind und warum wir alle Kontinente besiedelt haben. Der Grund, warum Fischerdörfer bestehen konnten in Naturgewalten und warum Wolkenkratzer in den Himmel ragen. Der Grund, warum wir nur in den Supermarkt gehen und uns nichts selber jagen müssen. Der Grund, warum die Toilettenspülung geht und der Wasserhahn auch. Menschen teilen sich ihre Arbeit auf und damit auch ihre Denkleistung. Mit Querdenkern wäre die heutige Welt, mit all ihren Annehmlichkeiten nicht möglich. Aber diese heutige Welt begünstigt durch das Fehlen "echter Bedrängnis" (obwohl es diese schon gibt, aber ignoriert wird (z.B. Klimakrise)) solche Gruppen.

2. Es gibt offenbar ein riesiges Unverständnis darüber, wie Wissenschaft funktioniert. Und das nach knapp 400 Jahren systematischer Wissenschaft.
Wissenschaft ist immer ein Gemeinschaftsprojekt und erschafft immer Gemeinschaftswissen. Dieses kann dann von anderen Wissenschaftlern verwendet werden, um neues Wissen zu generieren, dass dann wieder Gemeinschaftswissen ist.

Deswegen gibt es ja so wohlfeine Worte wie: "Ich höre nicht auf Autoritäten. Ich denke lieber selber." Das ist ja erstmal nicht schlimm. Es ist grundsätzlich sogar wunderbar und lobenswert. Nichts daran ist falsch. Aber man muss es halt richtig machen. Hört sich bei "Selberdenken" jetzt ein bisschen doof an. Aber ich will es mal verdeutlichen.
Beim "Selber kochen" fängt man ja auch nicht bei Null an und probiert, ob man Steine blanchieren kann oder ob Gülle ein guter Soßenbinder ist. Man verlässt sich auf Dr. Oetker, Knorr und Co. oder baut sein Zeug im Garten an. Aber auch das kommt nicht aus dem Nichts. Anbaumethoden schaut man sich ab oder man beliest sich. Wir nutzen bereits bekanntes Wissen. Deswegen gibt es ja auch keine Querdenker-Mathematik. 2+2=4. Das ist keine Meinung, das ist ein Fakt.

Niemand kann durch "selber denken" die Wissenschaft aushebeln. Das haben auch Galileo und Einstein nicht gemacht und auch nicht versucht. Alle Revolutionen in der Wissenschaft haben das bisherige Wissen in das neue Denken miteinbezogen. Dafür muss man es aber erst einmal verstehen.

"Wie kannst du so sicher sein, ich habe halt eine andere Meinung! Und du sagst einfach, die sei falsch!"
Wenn jemand eine wissenschaftliche These verteidigt, bekommt er früher oder später das zu hören oder zu lesen. Übersehen wird dabei, dass Wissenschaft nicht bloß die Meinung einer Person ist. Sie ist entstanden durch unzählige Menschen, die über Jahrzehnte oder Jahrhunderte ihre guten Ideen zu etwas zusammengefügt haben, was stabiler und komplexer ist als jede Theorie, die im Kopf einer einzelnen Person Platz hat.
Wer mit großer Überzeugung den wissenschaftlichen Konsens verteidigt, handelt also nicht arrogant. Es geht eben genau nicht darum, seine Meinung als wertvoller einzustufen, als die des Querdenkers. Es geht ja noch nicht einmal um seine Meinung. Es geht um das wissenschaftliche Gedankengebäude, errichtet nicht von ihm oder mir oder dem da drüben, sondern von unzähligen Leuten, die sehr viel mehr darüber wissen als der Querdenker und ich. Erst dadurch entsteht eine Zuverlässigkeit.

Hinter jeder These steht auch ein kleines, aber nicht wegzudenkendes "Ich könnte mich aber auch irren." Das ist ehrlich.
Aber, ob derjenige sich geirrt hat, entscheiden nicht Unbeteiligte und Leute außerhalb des Wissenschaftsapperates. Nicht weil, das einem Elfenturm gleich ein abgeschottetes Gebilde ist. Sondern weil es deren Job ist, den ganzen Tag genau darüber nachzudenken. Deshalb sind das die Experten und ich bin es nicht.

Ich denke, wir sollten in der Gesellschaft als Ganzes mehr darüber aufgeklärt werden, dass Wissenschaft kein Einzelunternehmen ist, sondern ein weltweites Gemeinschaftsprojekt. Damit sollte deutlich klarer werden, dass "Selberdenken" nicht in der selben Liga spielen kann, wie ernsthaft betriebene Wissenschaft.
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Re: Laut gedacht!

Beitragvon almafan » Sa 23. Apr 2022, 01:40

Schämen für Geschichte

Alle wissen um Sophie Scholl, eines der berühmtesten Opfer und Widerstandkämpferin gegen den Nationalsozialismus in Deutschland. Weniger bekannt ist vielleicht die Uhrig-Römer-Gruppe, eine kommunistische Vereinigung aus den Gruppen um Robert Uhrig und den Gruppen um Josef Römer. Im Jahr 1941 fusionierten die beiden Verbände, wurden aber bereits im Februar 1942 zerschlagen und viele Mitglieder verhaftet. Also vor fast genau 80 Jahren.
Von den ca. 170 Mitgliedern, die im Zeitraum von 1942 bis 1945 arrestiert wurden, überlebten 78 den Nazi-Terror nicht. Darunter auch der für heutige Fachlaien vermutlich nur durch Straßenschilder bekannte Werner Seelenbinder. Aber auch die beiden Anführer starben im Zuchthaus Brandenburg-Görden.

Viele Menschen fordern ja, dass man solle doch endlich, die Erinnerung an die Verbrechen der Faschisten ruhen zu lassen, weil die heute lebenden Deutschen sich an diesen Verbrechen nicht mehr schuldig fühlen sollten.
Aber das ist eine doppelt unsinnige Begründung:

  1. Wieso fühlen Deutsche sich überhaupt primär schuldig, wenn vor 80 Jahren Deutsche nicht nur im Ausland Terror verbreitet, sondern auch Millionen Deutscher umgebracht haben? Wieso fühlen sie nicht Trauer, Zorn oder Mitleid wegen den hunderttausenden deutschen Juden, den Menschen mit Behinderung, den Gewerkschaftlern, Künstlern, Homosexuellen oder Wissenschaftlern und den Millionen im Krieg gestorbenen Zivilisten, deren deutscher Pass sie alle nicht vor Verfolgung und Tod bewahrt hat? Denke ich ans dritte Reich, empfinde ich nicht Scham, dass ich hier geboren bin, sondern Wut auf Faschisten und Trauer um Millionen Menschen.
  2. Dieses Gedenken hat nicht zum Ziel, dass Deutsche sich wie bei einer Art Erbsünde schuldig zu fühlen haben. Man gedenkt den Opfern des Faschismus, das war ja leider keine rein deutsche Bewegung: Die Nationaal-Socialistische Beweging in den Niederlanden half, Konzentrationslager zu bewachen, die französische Parti populaire français unterstützte aktiv die Deportation von Juden und sogar in Island gab es die Flokkur Þjóðernissinna, die Nationalistische Partei, die sich erst auflöste, als die Kapitulation der Deutschen lediglich eine Frage der Zeit war. Von den Faschisten um Mussollini ganz zu schweigen.
Ja, die Deutschen haben sich beim Morden besonders grausam hervorgetan, aber dafür tragen wir nach '45 Geborenen keine Verantwortung. Die Verantwortung liegt darin, dass so was nie wieder passieren darf und die Erinnerung bewahrt wird an die Opfer und die mutigen Menschen, die Ihr Leben im Kampf gegen das System aufs Spiel gesetzt haben und dabei gestorben sind. Wer sich wegen der eigenen Nationalität nicht mal traut, diesen Menschen Respekt zu zollen, der ist ein patriotischer Feigling.
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Re: Laut gedacht!

Beitragvon almafan » Mo 20. Jun 2022, 13:15

Geschäft mit Kindern

Irgendwo in Deutschland:
Die 10-jährige Anna zieht sich ihren rosa Anzug an. Gleich beginnt die Ballettstunde.

Irgendwo in Thailand:
Die 10-jährige Anh zieht sich für ihren Freier aus. Gleich beginnt das Geldverdienen.


Vielfältige kulturelle und religiöse Sehenswürdigkeiten, traumhafte Strände. Urlaub in Südostasien. Urlaub in Thailand.
... und blutjunge Mädchen zu Spottpreisen. Ein Traumurlaub für viele Männer.

Die nehmen die weite Reise auf sich, meist aus Nordamerika oder Westeuropa.
Man(n) bekommt ja was geboten fürs Geld. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Zumindest für die Freier.

Für die Kinder - Jungen wie Mädchen - ist der Preis zu hoch. Eindeutig.
Die meisten von ihnen kommen vom Land. Die Landwirtschaft dort kann sie nicht mehr ernähren. "Der Hunger und die Armut waren nicht immer so groß. Erst durch den Einfluss des Westens hat sich die Situation erheblich verschlimmert" erzählt Ingrid Brandt, Mitglied der Fischerhuder terre des hommes (tdh) - Gruppe. Die Industrialisierung Thailands bringt nicht nur Reichtum. Noch nie war die Kluft zwischen Armut und Reichtum so groß.
Der Raubbau an der Natur und die Vertreibung durch lobbiistische Großbetriebe zerstört die Lebensgrundlage vieler Landbauern. Alle müssen mit anpacken, um die Familie zu ernähren. Der Grundstein für die Prostitution der Kinder ist gelegt. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Und da kommen die "netten Männer", versprechen eine gute Ausbildung und Arbeit, doch wohltätig sind sie nicht. Das wissen die Familien nicht und die Kinder erfahren es zu spät, dann aber am eigenen Leib.

Dabei ist Sex mit Minderjährigen in Thailand offiziell verboten. Bis zu sechs Jahre Haft drohen bei einem Verstoß. Die Sextouristen kümmert das jedoch wenig. Viele sehen sich sogar als Wohltäter, die nur eine andere Art von Entwicklungshilfe zahlen. Auch leben viele Urlauber aus den vermeintlich aufgeklärten westlichen Nationen in dem Irrglauben, dass Sex mit Kindern die Gefahr einer HIV-Ansteckung begrenzt. Das Gegenteil ist der Fall: Neben den seelischen Schäden erleiden die Kinder auch körperliche Verletzungen, die das Risiko einer Ansteckung erhöhen. Bereits jetzt sind etwa 14.000 Kinder in Thailand infiziert. Tendenz steigend. Viele Männer wollen sich in ihrem "All-inclusive-Urlaub" richtig etwas gönnen: Jungfrauen sind gefragt. So werden die Kinder immer jünger.

Übrigens gab es 1950 im ganzen Land nur 20 000 Prostituierte. Das änderte sich schlagartig, als Thailand zum US-Stützpunkt im Vietnamkrieg wurde. 1974 war bereits ein neuer "Arbeitsmarkt" entstanden: 400 000 Frauen und Mädchen verdienten ihr Geld durch Prostitution. Nach dem Vietnamkrieg entwickelte sich Thailand zu einem Eldorado für Sextouristen. Heute gibt es dort etwa eine halbe Millionen Menschen, die ihr Geld durch Prostitution verdienen. Die betroffenen Kinder fangen oft an Drogen zu nehmen, um der schrecklichen Realität zumindest für eine kurze Zeit zu entfliehen. Dafür benötigen sie Geld. Und Geld gibt es von den Sextouristen.

Umgeben von ärmeren Ländern unter sozialistischen oder diktatorischen Regimes blüht und wächst Thailands Sexindustrie und entwickelt fordistische Dimensionen. Die Nachfrage nach neuen Frauen, die ins Gewerbe einsteigen wollen, wird immer dringlicher, nachdem viele der qualifizierteren Frauen, z.B. jene mit Englischkenntnissen, ausgewandert sind. Freiwillig oder unfreiwillig kommt seit 1991 massiver Nachschub aus den ruralen, post-sozialistischen Ländern Laos, Vietnam und Kambodscha. Ein Großteil der Frauen an den Sexstränden in Pattaya, und Pukhet, oder auch im Patpong, dem Rotlicht-Distrikt Bangkoks, sind längst nicht mehr Thailänderinnen, sondern kommen aus diesen ärmsten Gebieten; viele unter ihnen sind minderjährig und tragen hohe familiäre Verantwortung. Nicht selten werden diese Mädchen mit falschen Versprechen über die Grenze geschmuggelt und in geschlossene Bordelle gesteckt oder unter anderen Formen der langjährigen Abhängigkeit zu ungewollter Sexarbeit verbannt. In aquariumartigen Glasräumen werden sie dort aufgereiht und der männlichen Käuferschaft angeboten. Fragile Minoritäten, wie die Hochlandbevölkerung in Burma nahe der Grenze zu Thailand, sind derart geplündert worden, dass es in einigen Dörfern gar keine Mädchen mehr gibt. Wie jedes Gewerbe ist der Sextourismus ein vielschichtiges Gefüge für unterschiedliche Preisklassen. Oft kriegen wir hier nur die glitzernde Oberfläche zu sehen. Wenn ich jedoch von Sextourismus rede, meine ich immer auch Frauenhandel.

Es gibt da diese Grauzone, die sich zwischen der Haltung, freiwillig ins Sexgewerbe zu migrieren oder zur Prostitution gezwungen zu werden, auftut. Nach menschenrechtlichen Gesichtspunkten gibt es hier einen entscheidenden Unterschied, faktisch gesehen ist aber die wirtschaftliche Notwendigkeit wohl für viele "Freiwillige" genauso zwingend.

Prostitution meint auf der ganzen Welt das Gleiche: Der Austausch von Geld und Sex.
Allerdings gibt da Untergruppen. In Europa ist es eher so, dass man einen Deal macht und gleich an die Arbeit geht. In Südostasien aber ist das Konzept von Prostitution ein anderes – ob das immer schon so war, ist schwer zu sagen. Spätestens mit den langen Aufenthalten der G.I.s auf den Inseln jedoch mussten die "Entertainerinnen", die mit einer monatelangen Beziehung mit dem Kunden zu rechnen hatten, ihre Haltung anpassen. Auch heute ist es oft so, dass Sextouristen während mehrerer Tage oder der ganzen Ferienzeit mit ein und derselben Frau verkehren. Durch diese Sozialisierung geht die Prostituierte nicht gleich auf ein Geschäft ein, sondern etabliert erst eine Beziehung durch freundliche Annäherung. Ihre Motivation ist Geld. Bei Bedarf kann sie aber auch Anteilnahme und Zuneigung spielen, was von dem Kunden oft als echte Liebesgefühle missinterpretiert wird und zu leidenschaftlichen und eifersüchtigen Szenen führen kann. Das wiederum erstaunt und amüsiert die Prostituierte, denn für sie ist dies alles "business as usual". Diese Unterschiede geben Anlass zu Verwirrung und bringen kognitive Wahrnehmung der (Sex-)Touristen durcheinander. Auf jeden Fall ist der Umstand, dass der westliche Tourist sich dort nicht nur mit sexuellen, sondern auch emotionalen Diensten eindecken kann, eine wesentliche Motivation, diese Reise anzutreten.
Ob sich die Verwischung dieser Dienstleistungen für die "Entertainerinnen" auch auszahlt, ist eine andere Frage. Die Regelung des monetären Austauschs verstärkt die möglichen Missinterpretationen. Die 6.000 Filipinas, die beispielsweise in Angeles City, der ehemaligen U.S. Base auf der Philippinischen Hauptinsel Luzon, mit einem Nachtclub in Vertrag stehen, erhalten keinen Lohn, sie arbeiten auf reiner Kommissionsbasis. Wenn sie sich mit einem Kunden einlassen, muss er dem Papasan oder der Mamasan, den Barbesitzer-ZuhälterInnen, lediglich eine Entschädigung (Barfine) für die Zeit bezahlen, in der das Mädchen außer Haus ist. Sie wird nie direkt für Sex bezahlt. Für den Kunden, der oft schon nach wenigen Tagen meint, das erotische und romantische Interesse bestünde auf Gegenseitigkeit, ist das irreführend. So irreführend, dass er schon bald vergisst, dass es sich um ein Geschäft handelt. Von der Barfine erhält das Mädchen nur einen geringen Prozentsatz, vielleicht fünf Prozent, von dem sie nicht leben kann. Sie ist somit auf Geschenke und Goodwill seitens der Kunden angewiesen, was sie nicht nur in emotionale Abhängigkeit drängt, sondern auch um ihre Privatsphäre bringt. Für die tagelange Begleiterin mit unklarer Arbeitsbeschreibung ist die Grenze zwischen Arbeit und Privatem aufgehoben. Sextourismus begründet sich auf einer komplexen emotionalen und sexuellen Ökonomie, die kulturell bedingt ist und eine lange Geschichte hat. Mit einer einfachen Ausbeutungslogik ist es nicht getan.

Es ist auch eine neue Art der Kolonialisierung.
Nicht das Land, sondern die Frau wird kolonialisiert.
In den 90er Jahren hatten Frauen aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion ihren Auftritt im Cyberspace. Jetzt sind es eben Asiaten und die werden als weiblich und traditionell, liebevoll und bescheiden, lächelnd und sanft angepriesen. Die Asiatin gilt auch heute noch als verlässliche, fügsame Ehefrau, die nicht mit emanzipierten Forderungen aufwartet. Was einmal mehr die rassistische Zuschreibung dieser Art der Inszenierung von Machtgefälllen aufzeigt. Und es ist als Gegenpol zur westlichen Frauenbewegung zu verstehen.
Das soll man nicht falsch verstehen:
Die Emanzipierung der Frau ist wichtig und gut. Ich will ihr keinen schwarzen Peter zuschieben. Nur sind die "Angebotskataloge" eben genau mit dem Gegenbild einer emanzipierten Frau ausgestattet und mit der Frauenbewegung in den 70ern auch mehr und mehr so beworben worden.

Zurück zum Sextouristen von heute.

Nachdem sie sich ausgiebig vergnügt haben, fliegen sie zurück nach Hause.

Vielleicht zu Ehefrau und Tochter.
Und vielleicht ist die Tochter zehn Jahre alt und heißt Anna.
Und vielleicht hat sie sich gerade überlegt, mit Ballett aufzuhören und mit Reiten anzufangen.
Macht mehr Spaß.

Papa zahlt ja.
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