Verschwörungen




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Verschwörungstheorien auf den Grund gehen

Beitragvon almafan » So 9. Jan 2022, 12:06

Wahn oder Wahrheit: Das verbirgt sich hinter Verschwörungstheorien | Quarks

Re-Upload, ursprünglich aus dem Jahr 2016.


https://www.youtube.com/watch?v=Wi-_Nd-Xs8o
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
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von Anzeige » So 9. Jan 2022, 12:06

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Re: Verschwörungstheorien auf den Grund gehen

Beitragvon almafan » Mi 30. Mär 2022, 12:40

Gralssuche auf ProSieben - In der Gruft von "Galileo"

Gibt es den Heiligen Gral wirklich? Ist Jesus am Ende gar nicht auferstanden, sondern liegt in einer düsteren Gruft in Südfrankreich? Ein "Spezial" des ProSieben-Magazins "Galileo" versprach am 17.05.2006 vergrabene Schätze - und lieferte Unterirdisches.

"Archäologie ist nicht das, was sie glauben", lehrte uns schon Indiana Jones. "Noch nie hat ein X irgendwo, irgendwann einen bedeutenden Punkt markiert." Am Ende aber kommt heraus, dass ein X manchmal eben doch den Schatz, oder - wie in "Indiana Jones III" - eine bedeutende Gruft bezeichnet. Vielleicht hätte auch Aiman Abdallah einfach ein X suchen sollen. Aber bei seinen Streifzügen durch alte Gemäuer fand er weder ein X noch eine bedeutende Gruft - und schon gar keinen Heiligen Gral. Was den Pro-Sieben-Moderator nicht davon abhielt, seinen Zuschauern unermüdlich ein X für ein U vorzumachen: Vergrabene Schätze wurden versprochen, Unterirdisches geboten.

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Spielszene aus "Galileo Spezial": Grober Unfug mit Gral
Foto: ProSieben/Holger Rauner

"Sakrileg - Ein Code wird entschlüsselt!", lautete der vollmundige Titel des gestrigen "Spezials" des Wissensmagazins "Galileo". Das Pro-Sieben-Magazin surfte auf der Welle des Hypes um die Verfilmung von Dan Browns Roman "The Da Vinci Code" und versuchte, was schon viele zuvor versucht hatten: den Anschein zu erwecken, der Heilige Gral sei ein reales Objekt, das man finden könne wie ein verbummeltes Schlüsselbund - wenn man nur die Mittel der Wissenschaft anwende.

Also verfolgte nun auch Abdallah die Spur der "bedeutendsten Reliquie der Christenheit". Seine erste Station: Die Rosslyn Chapel, eine Kapelle in der Nähe des schottischen Edinburgh, die von den Freimaurern, den angeblichen Nachfolgern des Tempelritter-Ordens, erbaut worden sein soll. "Wird Aiman Abdallah die angebliche Schatzkarte der Templer finden und entschlüsseln?", fragte eine Stimme aus dem Off, die klang wie die sieben Donner der Offenbarung.

Gleich zu Beginn erfuhr man Erstaunliches. Jacques Saunière, in Dan Browns Thriller der ermordete Museumsdirektor und Hüter des Gralsgeheimnisses, hatte ein reales Vorbild: einen Dorfpfarrer in einem französischen Pyrenäendorf, der in seiner alten Kirche einen sagenhaften Schatz entdeckt haben und so zu Reichtum gelangt sein soll. "Warum verschweigt Dan Brown das reale Vorbild Saunières?", fragte sich Abdallah. Ja, warum? Weil Brown schlicht keine Kenntnis von dem kleinen Dorfpfarrer hatte? Oder weil der Autor etwas weiß, das er der Welt verschweigt? Weiß er am Ende gar mehr, als er in seinem Roman verrät?
Dieser Verdacht beschlich auch Abdallah, nachdem er weder in der Rosslyn-Kapelle ("keine Codes, kein Templer, kein Gral") noch in der Abtei von Glastonbury fündig geworden war. In Britanniens ältester Kirche, der Legende zufolge vom biblischen Gralshüter Joseph von Arimathäa gegründet, wurde zwar ein angeblicher Gral entdeckt. Nur entpuppte sich der in einem mehrsekündigen Gespräch zwischen Moderator und örtlichem Experten als buntgläsernes Ramschtöpfchen, das ein englischer Schneider 1885 für drei Pfund in Venedig erstanden hatte.
Wer hart recherchierende Journalisten derart an der Nase herumführt, hat es verdient, selbst ins Visier der Nachforschungen zu geraten: Hat Dan Brown uns alle gefoppt? "Ist am Ende das Buch selbst der Code, ein Code im Code?", fragte Abdallah sich und die Zuschauer, und fügte wild entschlossen hinzu: "Es wird Zeit, den Spieß umzudrehen und Dan Browns Verwirrspiel zu beenden!"

Was folgte, war ein Leckerbissen für jeden, der sich schon einmal eingehender mit der Mustererkennung in großen Textapparaten befasst hat: Abdallah stand angestrengt lesend in einem Zimmer, dessen Wände mit Fotokopien aus Dan Browns Buch tapeziert waren. Neben ihm ein Scanner, der Buchseiten einlas. Seite für Seite werde man Browns Werk durchleuchten. "Mehr als eine Million Buchstaben" - ein Aha-Effekt für jeden Zuschauer, der Bücher nur aus Filmen kennt.
"Vielleicht findet sich in diesem Meer von Buchstaben eine Spur, die zum Gral führt", grollte dazu die Donnerstimme aus dem Off, "und tatsächlich!": Gleich auf der ersten Seite seien Begriffe wie "Glastonbury", "Maria Magdalena", "Gral" und "Saunière" gebündelt, rote Linien gaukelten Zusammenhänge vor. Man erfuhr zwar nicht, ob das nur mit der gebundenen Ausgabe oder auch mit dem Taschenbuch klappt. Aber ein Wort - Saunière - genügte, um uns nach Frankreich in die sagenumwobene Kirche von Rennes le Château zu entführen.

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Moderator Abdallah: "Das ist ja unglaublich!"
Foto: ProSieben

Dort tauchten dann - per Einspieler - endlich auch die unvermeidlichen Nazis auf, die wohl nicht zufällig schon in "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" nach dem Gral fahndeten und in der Realität einen gewissen Otto Rahn auf die Spur von Dorfpfarrer Saunière gesetzt haben sollen. Gott sei Dank haben die braunen Weltmachtsphantasten weder im Film noch in der wirklichen Welt einen Gral gefunden. Vielleicht waren die Nazi-Szenen deshalb auch mit einer Musik untermalt, die allzu deutlich an den Abenteuerfilm mit Harrison Ford erinnerte.
Rahn aber soll, laut Abdallah, gar nicht so dumm gewesen sein wie die meisten anderen Nazis: Er machte rätselhafte Unstimmigkeiten in den Ikonen im Kreuzweg der Kirche als Hinweise auf den Gral aus. Kurz darauf zauberte in der ProSieben-Doku ein kauziger Lokalhistoriker ein Landschaftsrelief hervor, das auf Geheiß von Pfarrer Saunière entstanden sein soll und den Weg zum Grab von Joseph von Arimathäa weise, ausgerechnet - was für ein Zufall! - gleich um die Ecke in der südfranzösischen Provinz.
Aber es kam noch dicker: Nicht nur Joseph, Jesus höchstselbst soll in Südfrankreich seine letzte Ruhestätte gefunden haben. Joseph habe den Leichnam nämlich aus dem Heiligen Land entführt und begraben. "Das ist ja unglaublich!", staunte Abdallah. "Können wir dahin gehen?" So leicht war das natürlich nicht. Denn leider war das Landschaftsmodell so unpräzise, dass nur der komische Kauz aus der Pyrenäen-Einöde den Weg zu den Gräbern wusste. Sagte er zumindest. Und für diese Information verlangte er eine Million Dollar.
Da musste selbst Abdallah tief Luft holen, wollte aber trotzdem zahlen - das Grab von Jesus kriegt man schließlich nicht jeden Tag zu sehen. Da stand er also vor der Tür des Einsiedlers, Geldkoffer in der Hand, als sein Handy klingelte. Am anderen Ende: das "Recherche-Team" von "Galileo", das gerade in einem Hafenlager Kisten aufgeschlitzt und herausgefunden hatte, dass die rätselhaften Ikonen in Saunières Kirche keine Sonderanfertigungen mit geheimen Hinweisen, sondern schnöde Massenware eines unbedarften und nicht sehr bibelfesten Künstlers wären.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätten die unermüdlichen Rechercheure zwei Minuten später angerufen. Abdallah hätte sich auf einen bösen Anruf aus der ProSieben-Finanzbuchhaltung gefasst machen müssen.

So aber blieb alles beim Alten und der Zuschauer so schlau wie zuvor. Fragt sich am Ende, welcher mündige Fernsehkonsument das alles noch als "Wissens-Magazin" (Senderwerbung) ernst nehmen soll: einen Moderator, dessen Name mindestens so oft erwähnt wird wie der Gral selbst und der sich dreist als investigativer Journalist inszenieren lässt, dazu Wackelkamera-Perspektiven und schaurig-schöne Düsterbilder alter Gemäuer, präsentiert in reißerischem, pseudo-dokumentarischem Stil.

Vielleicht hätte ProSieben einfach eine Wiederholung von "Indiana Jones III" bringen sollen. Da weiß man wenigstens, dass man ein X bekommt.
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Re: Verschwörungstheorien auf den Grund gehen

Beitragvon almafan » Do 22. Dez 2022, 00:16

HAARP: Die böse Wettermaschine in Alaska


Die Wirbelstürme in den USA lassen eine alte Verschwörungstheorie wieder aufblühen: Die Sendeanlage HAARP soll angeblich Naturkatastrophen auslösen.

Wenn mir die Suppe nicht schmeckt, kann ich über den Koch schimpfen. Wenn mich ein Hund beißt, kann ich den Besitzer verklagen. Aber wer um alles in der Welt ist schuld an verheerenden Wirbelstürmen, an katastrophalen Erdbeben oder Sturmfluten?
Für manche Leute ist auch in diesen Fällen die Antwort einfach: In einem finsteren Wald in Alaska verbirgt sich eine geheimnisvolle Radiowellen-Sendeanlage. Und diese Anlage, so wird behauptet, dient dunklen Mächten rund um die US-Regierung dazu, die ganze Welt zu tyrannisieren. Sie sendet Strahlen aus, die das Wetter kontrollieren, Wirbelstürme verursachen oder Erdbeben auslösen. Und nicht nur das: Auch unsere Gedanken können mit diesen Strahlen aus der Ferne gesteuert werden.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das natürlich vollkommener Unfug. Die besagte Anlage gibt es tatsächlich: HAARP (High Frequency Active Auroral Research Program) ist ein Forschungszentrum mit 180 Radioantennen, die elektromagnetische Wellen in den Himmel schicken. Damit wird die Ausbreitung von Funkwellen in der Atmosphäre erforscht. Geheimnisvoll, mysteriös oder gar gefährlich ist daran rein gar nichts. Es gibt sogar Bilder von dieser Anlage. Oben ist eins.

Ursprünglich wurde die Anlage vom Militär finanziert. Man wollte herausfinden, wie man mit Radiowellen Funksignale an weit entfernte U-Boote schicken kann. Mittlerweile hat das US-Militär sein Interesse an HAARP verloren, das Forschungszentrum wurde der Universität von Alaska in Fairbanks übergeben. Mit den Radiowellen der HAARP-Anlage wird heute die Ionosphäre untersucht, die äußere Schicht unserer Atmosphäre. Diese Schicht ist interessant, weil sie viele geladene Teilchen enthält, an denen Funkwellen von der Erde zum Boden zurückreflektiert werden können. HAARP kann geladene Teilchen in der Ionosphäre zum Schwingen bringen, sogar künstliche Polarlichter lassen sich mit HAARP erzeugen.
Nichts an der Forschung, die dort durchgeführt wird, ist geheim. In wissenschaftlichen Publikationen kann man die Messergebnisse nachlesen, auf der offiziellen Homepage bekommt man aktuelle Daten präsentiert, am Tag der offenen Tür kann man die Anlage besuchen. Doch für Verschwörungstheoretiker auf der ganzen Welt ist HAARP noch immer ein Synonym für Tod, Verderben und dunkle Bedrohung.
Als Anfang September 2017 der Hurrikan Irma über die USA fegte, wurden die Verschwörungstheorien wieder besonders laut: Der Wirbelsturm sei nicht auf natürliche Weise entstanden, sondern von HAARP künstlich erzeugt worden, behaupteten HAARP-Gegner. Als Beweis wurde ein Video des amerikanischen Physikers Michio Kaku verbreitet, in dem er angeblich HAARP-Wettermanipulationen zugibt. Dass Kaku in dem Video in Wirklichkeit über etwas völlig anderes spricht, ist zwar leicht zu erkennen, aber ein echter Verschwörungstheoretiker lässt sich durch Fakten nicht aus dem Konzept bringen. Das harmlose Video wurde fleißig mit angsteinflößenden Überschriften versehen und online verbreitet. Ähnliches war bereits im Jahr 2010 zu beobachten, nachdem in Haiti ein Erdbeben schwere Verwüstungen angerichtet hatte. Auch damals gab es wirre Spekulationen über HAARP als angebliche Ursache der Katastrophe.

Wie absurd das ist, erkennt man leicht, wenn man sich ein paar Zahlen ansieht: HAARP hat eine Sendeleistung von 3.6 Megawatt. Das entspricht der Leistung von ungefähr zweitausend Haarföns oder dreitausend Staubsaugern. Dass man damit weder einen Wirbelsturm noch ein Erdbeben auslösen kann, versteht sich von selbst.
Ein schweres Erdbeben setzt Energie in der Größenordnung von zehn hoch sechzehn Joule frei – das entspricht der Explosionsenergie von Millionen Tonnen TNT oder tausenden Hiroshima-Atombomben. Würde man es schaffen, zumindest zehn Prozent der HAARP-Sendeleistung auf einen Punkt zu fokussieren (was völlig unrealistisch ist, weil sich die HAARP-Radiowellen über die ganze Erde ausbreiten), dann müsste HAARP immer noch ungefähr 1000 Jahre lang strahlen, um dort die nötige Energiemenge für ein Erdbeben zu liefern. Die Idee, mit HAARP ein Erdbeben auszulösen, ist ungefähr so absurd wie der Gedanke, einen Presslufthammer durch eine Schar hoppelnder Kaninchenbabys zu ersetzen.
Die in einem Wirbelsturm gespeicherte Energiemenge ist um einiges geringer, aber auch sie übertrifft alles, was man mit einer Megawatt-Sendeanlage zustande bringen kann, um viele Größenordnungen. Abgesehen davon verstehen wir heute gut, wie Erdbeben und Wirbelstürme entstehen. Hier sind Naturkräfte am Werk, die mit Radiowellen überhaupt nichts zu tun haben. Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht keinen auch nur ansatzweise plausiblen Mechanismus, über den elektromagnetische Wellen solche Naturkatstrophen auslösen könnten.

Noch absurder als diese Spekulationen ist die Behauptung, HAARP könne in unsere Psyche eingreifen. Unsere Gedanken sollen durch die HAARP-Strahlen manipuliert werden, die Stimmung ganzer Völker könne man auf diese Weise steuern, behaupten die HAARP-Gegner und basteln sich schützende Aluhüte.
Tatsächlich können Radiowellen unsere Gedanken beeinflussen, wenn wir ein Radiogerät haben, das die Wellen empfängt und in für uns hörbare Abendnachrichten umwandelt. Aber HAARP ist kein Nachrichtensender und die Radiowellen selbst haben natürlich keinen Einfluss auf unser Gehirn und unsere Gedanken. Es stimmt zwar, dass elektrische Vorgänge in unserem Gehirn eine zentrale Rolle spielen, aber unser Gehirn ist keine Radioantenne. Die Wellen von HAARP beeinflussen uns genauso wenig wie der Wechselstrom in unseren Stromleitungen, die Wärmestrahlung aus dem Kachelofen oder das Licht einer Leuchtstoffröhre.

Die Suche nach einem Schuldigen

Wenn man die HAARP-Verschwörungstheorie nüchtern betrachtet, dann muss man sich wundern: Wie kann ein derartig substanzloses Hirngespinst so viele Leute jahrelang beschäftigen? Es gibt wenige Verschwörungstheorien, die so konsequent ohne echte Argumente auskommen. Es geht bloß um das diffuse Gefühl, dass alles Übel in der Welt irgendwie von bösen Mächten gesteuert wird.

Vermutlich ist genau das die Ursache für solche Gedanken: Man möchte einfach einen Schuldigen für das Böse in der Welt finden. Niemand will nach dem Erdbeben einen anklagenden Protestartikel gegen die Grausamkeit der Plattentektonik lesen. Ein Blog-Artikel über die verbrecherischen Erdbeben-Technologien, die von der Regierung verheimlicht werden, spricht die Emotion der Leser viel besser an. Das Böse bekommt einen Namen und ein Gesicht – damit kann man es besser einordnen.

Aber so funktioniert die Welt eben nicht. Manchmal passieren schlimme Dinge, ohne dass wir jemanden dafür verantwortlich machen können. Das muss man akzeptieren. Wir sollten unsere Energie nicht für die Suche nach Schuldigen vergeuden, sondern lieber nachdenken, wie wir uns vor Naturkatastrophen schützen und betroffenen Regionen helfen. Damit haben wir genug zu tun.

Dazu mehr:

6 Mythen über Haarp und ein Video mit Harald Lesch
http://galaktische-bloederation.blogspot.de/2012/02/6-mythen-uber-haarp-und-ein-video-mit.html
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Re: Verschwörungen

Beitragvon almafan » Mo 2. Jan 2023, 18:39

Wie Verschwörungstheoretiker ticken

Osama Bin Laden lebt noch. Und ist seit vielen Jahren tot. Wer gern Verschwörungstheorien anhängt, sieht darin keinen Widerspruch. Die Regierung belügt uns. Ständig. Große Konzerne beherrschen uns und verschleiern, was tatsächlich in der Welt passiert. Nimmt man diese Vorstellungen als Grundlage, dann erscheinen viele Verschwörungstheorien plausibel. Genau das könnte der Grund sein, warum manche Menschen nicht nur einer Verschwörungstheorie anhängen, sondern jede weitere freudig begrüßen - und offiziellen Aussagen sofort misstrauen - egal ob es um geheimgehaltene Aliens oder Autismus auslösende Impfstoffe geht. Psychologen wollten herausfinden, wie Menschen ticken, die hinter jedem Geschehen böse Mächte wittern. 2012 legten sie ihre Studie vor.

Eine Studie britischer Psychologen unterstreicht diese Idee: Denn dort zeigte sich, dass Studenten gleichzeitig sich ausschließende Verschwörungstheorien für wahrscheinlich hielten, wie die Forscher im Fachmagazin "Social Psychological & Personality Science" berichten. "Zu glauben, dass Osama Bin Laden noch lebt, ist anscheinend kein Hindernis dabei, zu glauben, dass er seit Jahren tot ist", schreiben Michael Wood von der University of Kent und seine Kollegen im Fachmagazin.

Die Wissenschaftler hatten zwei Versuche durchgeführt. Im ersten fragten sie 137 Studenten nach ihrer Zustimmung zu verschiedenen Verschwörungstheorien. Von der angeblich nie passierten Mondlandung bis zur Idee, dass die US-Regierung hinter dem Terroranschlag auf das World Trade Center stecke. Doch besonderes Augenmerk hatten die Forscher auf eine Reihe von Fragen zum Tod von Prinzessin Diana. Sie war 1997 bei einem Autounfall in Paris gemeinsam mit ihrem Liebhaber Dodi al-Fayed ums Leben gekommen. Die Studenten bekamen mehrere Aussagen präsentiert, von denen sich einige widersprachen. Etwa die, dass Diana von einer Splitterzelle des britischen Geheimdiensts getötet wurde und die, dass Konkurrenten von Dodi al-Fayeds Vater für den Tod des Paares verantwortlich seien. Nun ließe sich vermuten, dass die Studenten entweder die eine oder die andere Aussage (oder keine davon) glaubten. Doch tatsächlich war es anders. Wer auf eigene Faust handelnde Geheimagenten als Drahtzieher für wahrscheinlich hielt, glaubte auch eher die These mit den Feinden der Fayeds.
Das deute darauf hin, dass Menschen, die der offiziellen Geschichte über Dianas Tod misstrauen, sich nicht auf eine einzelne Verschwörungstheorie festlegen, sondern gleichzeitig mehrere, sich widersprechende für möglich halten, notieren die Wissenschaftler.

Ein zweites Experiment, dass die Forscher in den Wochen nach dem Angriff auf Osama Bin Ladens Anwesen in Pakistan durchführten, bestätigte dies. Hier befragten die Forscher 102 Studenten, nachdem diese einen Bericht über Bin Ladens Tod gelesen hatten, aber auch den Hinweis erhalten hatten, dass einige Menschen diese offizielle Version anzweifeln. Die Studenten wurden daraufhin mit vier Aussagen konfrontiert und sollten angeben, wie stark sie ihnen zustimmten und für wie plausibel sie sie hielten:
  • Osama Bin Laden wurde bei dem Angriff der Amerikaner getötet.
  • Bin Laden lebt noch.
  • Als der Angriff stattfand, war Bin Laden schon tot.
  • Die Handlungen der Obama-Regierung deuten darauf, dass sie eine wichtige oder schädliche Information über den Angriff zurückhält.
Insgesamt hielten viele Studienteilnehmer die offizielle Version für plausibel. Doch es zeigte sich auch: Wer der Meinung war, dass die US-Regierung Informationen zurückhielt, der hielt es auch für wahrscheinlich, dass Bin Laden schon vorher tot gewesen war oder immer noch am Leben ist.
Aus Sicht der Psychologen zeigt dies, dass Verschwörungstheorien eben auf einer grundlegenden Annahme fußen: in der Regel der, dass Regierungen oder andere mächtige Gruppierungen die Wahrheit verschleiern. Ob sich darauffolgende konkrete Thesen gegenseitig stützen oder widersprechen, scheint egal zu sein. Hauptsache, sie passen zur Grundannahme.

Die Popularität von Verschwörungsideologien unterliegt Schwankungen: In einigen Gesellschaften treten sie über einen gewissen Zeitraum als Massenphänomen auf, in anderen scheinen sie konstantes Merkmal der politischen Kultur zu sein, während wieder andere nur in geringem Maße davon betroffen sind. Wie der historische Überblick gezeigt hat, waren z. B. die Epoche der Französischen Revolution oder Jahre um den Zweiten Weltkrieg herum Zeiten konspirationistischer Hochkonjunktur. Da wir heutzutage durch die Medien und das Internet ständig von irgendwelchen Krisen erfahren, real oder nicht, leben wir erneut in einer solchen Hochkonjunktur für Verschwörungstheorien.
Entgegen aller Evidenz glauben Menschen an die flache Erde oder das diese 6000 Jahre alt ist oder Homöopathie reale Wirkungen auslöst (über den Plazeboeffekt hinaus) oder Außerirdische sie entführen, aber sich nie zeigen oder die Regierung mit Flugzeugen giftige Gase über uns ausschüttet oder die Echsenmenschen heimlich die Regierung an sich gerissen haben.

Einige Forscher sehen das Internet gar als eine neue Ursache für das zunehmende Auftreten von Verschwörungstheorien an. Als Grund wird genannt, dass die sozialen Medien den Kontakt zwischen Menschen mit Ansichten außerhalb des Mainstreams erleichtern, dass sie eine anonyme Verbreitung großer Mengen von Informationen erlauben und dass das Internet die Möglichkeit bietet, Zusammenhänge zwischen anscheinend nicht zusammenhängenden Sachverhalten herzustellen. Weil Letzteres eben genau die Eigenschaft von Verschwörungstheorien sei, formuliert die amerikanische Anthropologin Kathleen Stewart zugespitzt: "Das Internet wurde für Verschwörungstheorien erfunden: Es ist eine Verschwörungstheorie." Die Anschläge vom 11. September 2001 trugen dazu bei, das Internet zu einem wichtigen Medium der Nachrichten- und Informationsbeschaffung zu machen, und damit auch zur Verbreitung der einschlägigen Verschwörungstheorien. "Google WTC 7" war ein Slogan des 9/11 Truth Movement. Unabhängig vom Filter der etablierten Medien sollten Interessierte sich mit Hilfe der Google-Suchmaschine ein eigenes Bild machen. Bald gerieten aber wichtige Webseiten wie Google und namentlich die Wikipedia in die Kritik, weil sie sich als neue Gatekeeper gegen die ungebremste Verbreitung alternativer Erklärungen erwiesen.

Gegen die These, das Internet würde Verschwörungstheorien begünstigen, wendet der australische Philosoph Steve Clark ein, dass es lediglich bei deren Verbreitung helfe, nicht aber bei ihrer Entwicklung. Zudem könne es Verschwörungstheorien auch begrenzen, da kritische Stimmen sie sofort widerlegen könnten. Joseph Uscinski, amerikanischer Politikwissenschaftler, der sich auf das Studium von Verschwörungstheorien spezialisiert hat, macht darauf aufmerksam, dass verschwörungstheoretische Webseiten nicht die meistbesuchten seien, eher im Gegenteil. Im Internet hätten Verschwörungstheorien einen schlechten Ruf. Es gebe keinen Beleg dafür, dass seit Erfindung des Internet die Neigung, an Verschwörungstheorien zu glauben, gestiegen sei.

Michael Butter, seit 2014 ist er Professor für Amerikanische Literatur und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen, schließlich gibt zu bedenken, dass auch in Internetzeiten Verschwörungstheorien noch lange nicht den Status als Mainstream-Wissen wiedererlangt hätten, den sie bis in die 1960er Jahre hinein hatten. Es lasse sich vielmehr eine Fragmentierung der Öffentlichkeit konstatieren: Im deutschsprachigen Raum hätten Verschwörungstheoretiker mit digitalen Plattformen wie KenFM, telepolis oder den NachDenkSeiten eine Gegenöffentlichkeit etabliert, die die verschwörungstheoretischen Diskurse für den Mainstream erst sichtbar machten. Wichtige verschwörungstheoretische Medien wie die rechtspopulistische Zeitschrift Compact oder die Publikationen des Kopp Verlages würden weiterhin vor allem in gedruckter Form verbreitet.

Quelle:
https://www.kent.ac.uk/news/science/739/online-conspiracy-theories
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