Urban Legends




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Urban Legends

Beitragvon almafan » Di 4. Mär 2014, 18:24

Urban Legends

Moderne Sagen, auch moderne Mythen, Großstadtlegenden (englisch: urban legends, urban myths, urban tales, contemporary legends), verwandt mit Ammenmärchen und Schauermärchen, sind mehr oder weniger skurrile Anekdoten, die mündlich, inzwischen meist auch per E-Mail oder über soziale Netzwerke (oft als Fake News oder Hoax), weitergegeben werden und deren Quelle sich in aller Regel nicht mehr zurückverfolgen lässt. In seltenen Fällen werden sie auch, bedingt durch unzureichende Recherche, als Nachrichten in einem oder mehreren Medien verbreitet (Zeitungsente).


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1, Beitrag ...
... 02, 02.08.2019: 10-Spinnen-Mythen (Link)
... 03, 23.09.2019: Weberknechte, die totbringenden Monster
... 04, 26.09.2019: Der unmögliche Hummelflug
... 05, 11.11.2019: Das Quak-Quak und das Echo
... 06, 12.11.2019: Der Abgesang vom sterbenden Schwan
... 07, 20.03.2020: Todeszone Waschbecken - keimfreies Klo?
... 08, 18.08.2020: 1 % mehr Sauerstoff und wir verbrennen alle
... 09, 31.08.2020: 10 Meter näher an der Sonne und wir verbrennen
... 10, 01.02.2021: Elefantenangst vor Mäusen


Seite 2, Beitrag ...
... 11, 16.06.2021: Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns (mit Video und Link)


Was hat es mit den Farben auf sich? Lest die Artikel und ihr findet es heraus.
Das Inhaltsverzeichnis ist seit 06.05.2021 interaktiv. Alle Artikel lassen sich anklicken und somit ohne Rumscrollen simpel aufrufen.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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von Anzeige » Di 4. Mär 2014, 18:24

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Re: Urban Legends

Beitragvon almafan » Do 1. Aug 2019, 23:27

10 Spinnen-Mythen

http://www.ratioblog.de/entry/zehn-spinnen-mythen
Die behandelten Themen sind:
- Mythos #1: Es gibt nur wenige "Giftspinnen"
- Mythos #2: Man schluckt im Leben versehentlich etwa 10 Spinnen
- Mythos #3: Spinnenweibchen fressen bei der Paarung immer die Männchen
- Mythos #4: Spinnfäden sind fester als Stahl
- Mythos #5: Spinnfäden trocknen an der Luft
- Mythos #6: Spinnen legen ihre Eier in die menschliche Haut
- Mythos #7: Spinnen sind nicht gefährdet
- Mythos #8: Weberknechte sind auch Spinnen
- Mythos #9: Alle Spinnen haben 8 Augen
- Mythos #10: Vogelspinnen fressen auch Vögel
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Re: Urban Legends

Beitragvon almafan » Mo 23. Sep 2019, 12:20

Weberknechte, die totbringenden Monster


Der Weberknecht bringt einige Namen mit: Schneider, Schuster, Kanker, Opa Langbein und in der Schweiz auch Zimmermann. Sein wissenschaftlicher Name ist Opiliones.
Er gehört, wie Skorpione, Pseudoskorpione, Walzspinnen und Milben zu den Spinnentieren (Arachnida), ist selbst aber keine Spinne. Die genaue systematische Position der Weberknechte innerhalb der Spinnentiere ist bislang nicht geklärt. Seine Ordnung umfasst weltweit etwa 6.600 bekannte Arten mit Körperlängen von 2 bis 22 Millimetern. Es gibt Weberknechtarten, die gedrungen und milbenförmig sind, und die bekannteren langbeinigen.
Die in Deutschland heimischen Arten sind recht possierlich, neben dem größten Vertreter der Weberknechte Trogulus torosus aus der Familie der Trogulidae, dessen Körper 22 Millimeter beträgt. Teilen muss er sich diesen Titel mit Mitobates stygnoides, die zwar selbst nur 6 Millimeter Körperlänge misst, dafür aber 160 Millimeter lange Beine hat.

In Mitteleuropa sind etliche Arten der Weberknechte zumindest regional gefährdet.

Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal für Laien zu den Webspinnen ist die Verwachsung des Vorder- und Hinterkörpers. Letzteres wiederum ist stets gegliedert.
Der Fachmann erkennt zusätzlich, das Fehlen von Spinn- und Giftdrüsen im engeren Sinne. Allerdings verfügen sie über Stinkdrüsen, die üblicherweise giftige Substanzen absondern. Und sie haben, im Gegensatz zu Webspinnen, mit einem Penis ein echtes Geschlechtsorgan.

Die meist in der Bodenschicht lebenden Weberknechte bauen keine Fangnetze, sondern ernähren sich hauptsächlich von mikroskopisch kleinen Gliederfüßern und auch von toten Insekten. In der lockeren Streu des Laubwaldes, in Gärten, Wiesen, Hecken oder naturnahen Parks grasen sie mit ihren Cheliceren (#1) abgestorbene Pflanzenteile ab, auf denen mikroskopisch kleine, zersetzende Tiere sitzen. Trotzdem besiedeln sie auch die Bodenschicht oder Bodennähe in extremen Biotopen und Ökosystemen, wie Dünen, Mooren, Heiden. Bis auf wenige Ausnahmen sind Weberknechte nachtaktiv.

Manche Arten kommen tagsüber an geschützten Stellen zu Ruhegemeinschaften zusammen. Dicht gedrängt bilden sie auch Überwinterungsgesellschaften, die sich jedoch bei der kleinsten Störung sofort auflösen können. Diese Gesellschaften können bis zu 70.000 Individuen umfassen. Trotzdem gelten Weberknechte als Alleingänger. Die meisten treffen sich sonst nur zur Paarungszeit.

Die Intensivierung der Forst- und Landwirtschaft führte zu einem rapiden Verlust von Biotopen wie Hecken, Knicks- und Bruchwäldern, aber auch zu einer quantitativen wie qualitativen Verringerung der Streuschicht in Wiesen und Wäldern und anderen Elementen dieser Lebensräume, wie zum Beispiel Totholz. Damit ist die intensive Landnutzung die Hauptursache für den Rückgang einiger Arten dieser Tiergruppe.

Fossilien finden sich hauptsächlich in Bernstein, insbesondere dem baltischen aus Eozän bis Oligozän. Da sie aber bei Gefahr (wie etwa eine klebrige Harzoberfläche) einzelne Beine abwerfen können, sind die Funde recht selten. Das erklärt auch die hohe Zahl von Einzelbeinen im Bernstein, die in der Regel aber keiner genauen Weberknechtart zugeordnet werden können.
Außer in Bernstein sind in karbonischen Formationen fossile Reste von Weberknechten gefunden worden. Die bemerkenswerte große Überlieferungslücke zwischen Karbon (vor mehr als 300 Millionen Jahren) und dem Eozän (vor ca. 50 Millionen Jahren) erklärt sich aus der weichkörprigen Ausbildung der Weberknechte, die eine Fossilisation sehr erschwert.


Nach all dem Wissenswerten, nun aber endlich zum modernen Gerücht, das sich insbesondere in den USA hält, aber ich auch schon hören durfte und genau deswegen nachgeforscht habe:

Weberknechte sollen über ein extrem starkes, selbst für Menschen tödliches Gift verfügen, dass sie aber aufgrund ihrer winzigen Kieferklauen nicht in ihre Opfer injizieren können.

Was ist davon zu halten?
Zwar verfügen Weberknechte tatsächlich nur über relativ kleine Kieferklauen, die zu schwach sind, um die menschliche Haut zu verletzen. Aber selbst, wenn das Kieferwerkzeug stark genug wäre gebe es keinen Grund zur Sorge.
Die Klauen haben keine Giftkanäle für eine Injektion und - wie weiter oben schon erwähnt - Der Weberknecht besitzt gar keine Giftdrüsen zur Produktion eines solchen Giftes. (#2)

#1 - Als Chelicere (gemeinsprachlich Chelizere) oder Kieferklaue wird das kennzeichnende Merkmal der Kieferklauenträger (Chelicerata) bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine zu einem Mundwerkzeug umgewandelte Extremität im Kopfbereich, die vor der Mundöffnung liegt.

#2 - The Spider Myths Site: Daddy-Longlegs
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Re: Urban Legends

Beitragvon almafan » Do 26. Sep 2019, 07:40

Der unmögliche Hummelflug

Die Hummeln (Bombus) sind eine zu den Echten Bienen gehörende Gattung staatenbildender Insekten. Die im weiblichen Geschlecht über einen Wehrstachel verfügenden Hautflügler (Hymenoptera) gehören zu den Stechimmen, auch Wehrimmen genannt. Sie kommen überwiegend in den gemäßigteren und kühleren Regionen der Nordhalbkugel vor.


Ein Hummelvolk besteht je nach Art aus etwa 50 bis 600 Tieren und einer Königin. Die Mehrzahl der Tiere sind Arbeiterinnen, daneben gehören zum Volk auch Männchen, die wie auch bei den Honigbienen Drohnen genannt werden, sowie Jungköniginnen. Ein Volk überlebt in Europa nur einen Sommer und ist gewöhnlich im September abgestorben. Es überwintern einzig die begatteten Jungköniginnen, die im frühen Frühjahr des nächsten Jahres allein auf sich gestellt mit der Anlage eines Nestes und damit der Gründung eines neuen Staates beginnen. Solche Königinnen erreichen ein Alter von bis zu zwölf Monaten, von denen sie bis zu acht Monate in Winterruhe verbringen. Drohnen und Arbeiterinnen erreichen dagegen in der Regel nur ein Alter von drei bis vier Wochen.

Während Honigbienen erst ab einer Außentemperatur von mindestens 10 °C ausfliegen, sind Hummelköniginnen im zeitigen Frühjahr bereits ab 2 °C und Hummelarbeiterinnen ab 6 °C beobachtbar, da sie die zum Fliegen notwendige Körpertemperatur durch Vibration der Brustmuskulatur erzeugen.

Seit dem Ende der 1980er Jahre werden Hummeln beim kommerziellen Anbau von Obst und Gemüse als Bestäuberinsekten eingesetzt. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist ihre Verwendung beim Treibhausanbau von Tomaten. Weltweit werden jährlich Millionen von Hummelnestern künstlich aufgezogen und an Gemüsebauern versendet. Die wichtigste Art bei der kommerziellen Zucht ist die Dunkle Erdhummel.
Aber auch Hummeln, wen sollte es groß wundern, sind regional bedroht.

Und auch, wenn wir wieder viel gelernt haben, ... Wartet mal, laut Aerodynamik können Hummeln doch gar nicht fliegen. Wie sollen die... Sie tun es doch trotzdem.

Und genau das nennt man das Hummel-Paradoxon.

Die Physik sagt nein, doch die Hummel kümmert das nicht.

Und genau dieser Widerspruch wird auch von Wissenschaftsgegnern und Esoterikern gern genutzt, um zu erklären, dass irgendeine ihrer Schwurbeleien ja sowas von richtig ist, die Wissenschaft das aber falsch sieht oder noch nicht bereit ist. Genau deshalb werden diese bahnbrechenden Erkenntnisse unterdrückt.

Wo kommt das Hummel-Paradoxon eigentlich her?
Die Geschichte kursierte Anfang der 1930er Jahre zunächst als Scherz unter Studenten des renommierten Aerodynamikers Ludwig Prandtl an der Universität Göttingen und wurde ganz dankbar von der Presse aufgenommen (#1, #2).
Nach dieser Geschichte soll eines Abends in einer Gaststätte ein Biologe einen Aerodynamiker gefragt haben, warum eine Biene oder Hummel fliegen könne. Die Antwort des Aerodynamikers soll nach einer kurzen Berechnung auf einem Bierdeckel oder einer Serviette in etwa so gelautet haben:

Die Hummel hat 0,7 cm² Flügelfläche und wiegt 1,2 Gramm. Nach den Gesetzen der Aerodynamik ist es unmöglich, bei diesem Verhältnis zu fliegen.

Der Aerodynamiker soll seine Berechnungen vor dem Hintergrund, dass er die Flügel der Hummel fälschlich als steif angenommen hatte, nochmals überdacht haben. Aus der späteren Antwort ließ sich aber wohl keine Schlagzeile mehr machen. Es ist umstritten, wer dieser Aerodynamiker gewesen sein soll. In einigen Quellen wird vermutet, dass es sich um den Schweizer Gasdynamiker Jacob Ackeret (1898–1981) gehandelt haben könnte. Nach anderen Quellen war es André Sainte-Laguë, ein Mathematiker und Mitarbeiter des französischen Entomologen Antoine Magnan. Letzterer erwähnt eine ähnlich lautende Behauptung seines Assistenten zum Flug der Insekten im Jahr 1934 in seinem Buch "Le Vol des Insectes" (deutsch Der Flug der Insekten) (#3).


Und nun?

Tatsächlich existiert hier kein Paradoxon. Hummeln sind sehr viel kleiner als Flugzeuge. Sie bewegen sich jedoch in der gleichen Luft mit der gleichen Dichte und der gleichen Viskosität. Dies hat zur Folge, dass die Reynolds-Zahl (#4) für den Hummelflug viele Größenordnungen kleiner ist als die für den Flugzeugflug. Damit unterscheiden sich die Formen des Strömungsfelds um die Flügel erheblich. Theorien hierzu wurden bereits in den 1930er Jahren entwickelt. Dabei spielten insbesondere Wirbel eine entscheidende Rolle.

Der experimentelle Nachweis dazu wurde im Jahr 1996 erbracht, als Charles Ellington von der Universität Cambridge Versuche zum Insektenflug vornahm:
Durch den Flügelschlag werden Wirbel erzeugt, die der Hummel den nötigen dynamischen Auftrieb verschaffen. Mithilfe einer Superzeitlupenkamera fand Ellington heraus, dass die Hummel ihre Flügel bis zu 200-mal pro Sekunde kreisförmig bewegt und dabei einen tornadoartigen Luftwirbel (Tornado-Effekt) erzeugt. Dadurch entsteht ein Unterdruck, und die Hummel erhebt sich in die Luft. Eine Geschwindigkeit von 20 km/h ist dabei kein Problem für sie.

Im Jahr 2012 wurde in der Mitte der Flügel ein kleines Gelenk entdeckt, das wie der Rest des Flügels aus dem Protein Resilin besteht. Mit dem Gelenk lässt sich der Flügel abknicken. Wenn es im Versuch außer Funktion gesetzt wurde, konnten die Hummeln 8,6 % weniger Gewicht tragen (#5).

Nachtrag: 14.07.2020

Auch maiLab hat dieses Thema in einem Video schon verarbeitet. Sie geht etwas anders heran.

Können Hummeln jetzt fliegen oder nicht?


https://m.youtube.com/watch?v=cuSVZuUS3zk

#1 - Ivars Peterson: Flight of the Bumblebee. In: sciencenews.org. 9. September 2004, abgerufen am 30. Januar 2015 (englisch), im Moment nicht auffindbar.

#2 - Ausführlicher Artikel von Peterson in seiner Kolumne Mathtrek, MAA (Memento vom 2. Juli 2013 im Internet Archive)

#3 - Theresa Moebus: Sind Hummeln wirklich zu dick zum Fliegen? In: Spektrum.de. 20. März 2015, abgerufen am 16. September 2019.

#4 - Reynolds-Zahl
Die Reynolds-Zahl oder Reynoldssche Zahl ist eine nach dem Physiker Osborne Reynolds benannte dimensionslose Kennzahl. Sie wird in der Strömungslehre verwendet und kann als das Verhältnis von Trägheits- zu Zähigkeitskräften verstanden werden. Es zeigt sich, dass das Turbulenzverhalten geometrisch ähnlicher Körper bei gleicher Reynolds-Zahl identisch ist. Diese Eigenschaft erlaubt zum Beispiel realitätsnahe Modellversuche im Windkanal oder Wasserkanal.

#5 - Andrew M. Mountcastle, Stacey A. Combes: Wing flexibility enhances load-lifting capacity in bumblebees. In: Proceedings of the Royal Society B. 27. März 2013, abgerufen am 16. September 2016 (englisch).
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Re: Urban Legends

Beitragvon almafan » Mo 11. Nov 2019, 19:44

Das Quak-Quak und das Echo

Es gibt ja diese Kettenbriefe, Messeges, Statusbildchen und Internetseiten, die einem suggerieren, belangloses Wissen zu vermitteln. In der Regel eine Mischung aus Wahrem, Halbwahrem und frei Erfundenem. Selbstverständlich ohne Quellenangabe und ziemlich lieblos aneinander gereiht. Ergänzt um ein raunendes "Und keiner weiß, warum!" oder "Die Wissenschaft kann es nicht erklären!"

Einige moderne Mythen, die im Grunde auf Hören-Sagen beruhen, haben wir ja schon untersucht und heute gehen wir einer weiteren Behauptung nach: Das Quaken und Schnattern von Enten erzeugt kein Echo.


Stockenten, wie machen die das mit dem Echo?

Zur Familie der Entenvögel gehören so bekannte Typen von Wasservögeln wie die Enten, Gänse und Schwäne.
Sie werden wegen ihres Fleisches, ihrer Eier und ihrer Federn gejagt und gehalten, und in vielerlei Form haben sie Eingang in Märchen, Sagen und Comics erhalten. Die Ente bezeichnet neben der Art auch das Weibchen, der Erpel oder Enterich das Männchen. Auffälligstes Unterscheidungsmerkmal ist das meist farbigere Prachtkleid der männlichen Entenvögel.

Ihr Gang mag vielleicht putzig anmuten, aber längst nicht so unbeholfen, wie der vieler anderer Wasservögel. Dafür aber sind sie gute Flieger, auch über lange Distanzen, und noch bessere Schwimmer und Taucher.
Da die Flügel der Entenvögel kurz und kräftig sind und sie ein verhältnismäßig hohes Gewicht haben, ist ein permanenter Flügelschlag erforderlich und keine Gleitphasen möglich. Um sich in die Luft zu erheben, müssen vor allem die größeren Arten einige Meter auf der Wasseroberfläche laufen. Einmal in der Luft, können Entenvögel ausdauernd weite Strecken zurücklegen, zum Teil in Höhen bis zu 8000 m. Eine Ausnahme sind drei Arten der Dampfschiffenten, die völlig flugunfähig geworden sind.
Entenvögel sind auf allen Kontinenten in allen Klimazonen (Rostgans und Streifengans findet man selbst in 5000 m hohen Gebirgen) an allen Arten von aquatischen Habitaten zu finden, mit Ausnahme der Antarktis. Aber selbst die so genannten Meerenten Leben die meiste Zeit am Süßwasser.
Es gibt sowohl tag- als auch nachtaktive, wobei die meisten nicht festgelegt und vor allem in der Dämmerung aktiv sind. Oft schlafen Entenvögel auf dem Wasser, wobei sie den Kopf unter einen Flügel stecken. Einen großen Teil des Tages verbringen sie mit der Pflege des Gefieders, das mit dem Sekret der Bürzeldrüse regelmäßig eingeölt wird.
Während nur wenige Arten in Kolonien brüten, findet man Entenvögel außerhalb der Brutzeit oft in großen Ansammlungen, auch mehrere Arten zusammen.

Unter den Entenvögeln haben sich so unterschiedliche Ernährungstypen herausgebildet, dass sich kaum etwas Gemeinsames sagen lässt. Gänse und Schwäne sind vor allem Pflanzenfresser. Besonders beim Schwan dient der lange Hals unter Wasser, um dort an Wasserpflanzen zu gelangen. Erwachsene Gänse suchen an Land meist nach Gräsern, Samen, Kräutern und Moosen, während die Jungen oft Insekten und Krebstiere fressen. Schwimmenten gründeln im Bodenschlamm mit Hilfe ihrer Schnabellamellen im flachen Wasser nach Wasserinsekten, Krebstieren und Pflanzenteilen. Der Lamellenapparat der Löffelente ist derart verfeinert, dass sie zu einem Planktonfilterer geworden ist. Auch Tauchenten und Ruderenten gründeln, meistens aber tauchen sie zum Grund. Dort fressen sie vor allem Wasserpflanzen, manchmal auch Insekten und Krebstiere. Unter den Meerenten und Sägern findet man ebenfalls viele Vertreter, die nach Kleintieren tauchen. Die Säger sind spezialisierte Fischjäger, die Eiderenten fressen vor allem Mollusken. Manche Entenvögel rauben anderen Vögeln, wie Blässhühnern, ihre Nahrung, oder aber anderen Entenarten. Meist sind sie aber selbst Opfer des sogenannten Kleptoparasitismus, vor allem durch Möwen.
Sie fressen aber auch alles, mit was der Mensch sie füttert. Sie sind nicht sonderlich wählerisch und fressen auch Wurst oder Käse. Besonders Brot ist allerdings schädlich für Tier und Umgebung. Zum einen ist der Nährwert des Dargereichten gering, zum anderen entsteht durch das Überangebot im betreffenden Gebiet eine Übervölkerung. Nicht verzehrtes Brot kann außerdem schnell schimmeln und stinken, was die Qualität des Habitat, neben dem sauer verstoffwechselten Brot im Entenkot, vermindert.


Höckerschwäne sehen hübsch aus, können aber auch echt garstig werden.

Die meisten Entenvögel, bis auf ein paar Ausnahmen in der Tundra, brüten nicht in Kolonien. Monogamie ist die Regel. In jeder Brutsaison suchen die Individuen einen Partner. Nur Schwäne und Gänse verpaaren sich für das Leben. Meist ist das Weibchen für den Nestbau verantwortlich.
Die südamerikanische Kuckucksente, macht es dem namensgebenden Kuckuck gleich, und legt ihre Eier in fremde Nester. Die Jungen sind nach 1-2 Tagen selbstständig und verschonen die eigentliche Brut, im Gegensatz zum Namengeber.
Auch bei anderen Entenvögeln sind die Jungen sofort lauf- und schwimmfähig, werden jedoch noch einige Wochen von den Eltern begleitet. Bei Entenvögeln, die alljährlich neue Paare bilden, übernimmt diese Aufgabe allein das Weibchen, bei lebenslang monogamen beide.

Ja, ja, Almafan. Jetzt schwallst du uns schon wieder mit deinem Zeug zu. Aber gibt es ein Enten-Echo?

Die meisten Entenvögel sind sehr stimmfreudig. Bekannt ist hierbei das Quaken der Schwimmenten. Und wie sollte es anders sein: Nur die Weibchen machen dieses auffällige Geräusch, während die Männchen andere Laute, zum Beispiel dünne Pfeiflaute von sich geben. Kennen wir ja aus der Fußgängerzone, wenn eine hübsche Dame an einem paarungsbereiten Mann vorbei geht.
Gänse sind für das laute Schnattern, Pfeifgänse und Halbgänse meistens für pfeifende Lautgebungen bekannt. Am weitesten können die Rufe der Schwäne tragen. Der Trompeterschwan hat am Stimmkopf und entlang der Luftröhre blasenförmige Resonanzkammern, die die Lautstärke der Schreie enorm verstärken. Allein die Ruderenten sind wenig stimmfreudig und abgesehen von Zisch - und Grunztönen nahezu stumm.

Erzeugt das Schnattern und Quaken der Enten denn nun ein Echo?

Kaum eine Behauptung ist abstrus genug, dass es nicht wenigstens einen Wissenschaftler gibt, der sich damit beschäftigt. Dazu gehört Schall-Forscher Trevor Cox von der britischen University of Salford.
Die Überprüfung in freier Natur gestaltet sich schwierig. Enten halten sich selten in geschlossenen Räumen oder tiefen Schluchten auf, als das Wände ihren Schall zurück werfen könnten. Ihre natürlichen Habitate wie Seen und Flüsse haben kaum solche Abprallflächen. Außerdem Schnattern Enten in einer ganz unaufgeregt, angenehmen Lautstärke. Sie sind dabei in der Regel nicht lauter als eine menschliche Kommunikation. Und diese erzeugt in einer normal möbelierten Wohnung auch kein starkes Echo oder wird über die Straße getragen. Würde allerdings eine Enten-Großfamilie ihre Flugroute für das Winterquartier in einer lautstarken Debatte in einer tiefen Schlucht ausdiskutieren, würde das natürlich auch ein entsprechenden Lärmpegel ergeben.
Theoretisch ist die Sache klar: Das Enten-Quaken erzeugt Schallwellen, die sich ringförmig ausbreiten und als solche abprallen, also auch ein Echo erzeugen.

Trevor Cox setzte eine Ente in eine schalltote Kammer und ließ sie fröhlich vor sich hin schnattern. Jetzt nahm er aber nicht den Vogel ins Gebirge, um die Theorie zu prüfen, sondern simulierte den Vorbeiflug an einer Felswand mit elektronischen Mitteln. Und selbstverständlich produzierte das Entenquaken ein Echo wie jeder andere Schall auch.

Neben der Lautstärke ist noch ein weiterer Umstand für das "Fehlen" des Echos verantwortlich: Das typische Quaken einer Ente ist ein Geräusch, das nicht abrupt abbricht, sondern eher sanft ausläuft. Solche Töne pflegen mit ihrem Echo zu "verschmelzen". Schallwellen nicht klar abgrenzbarer Laute überlagern sich beim Zurückwerfen mit ankommenden Schallwellen. Das menschliche Ohr nimmt diese Überlagerungen in den allermeisten Fällen nur als einen einzigen Laut wahr.

Das ist im Grunde wohl der Ursprung des als Wissen verbreiteten Irrtums - wenn es nicht einfach jemand ganz frei erfunden hat.

Quelle:

University of Salford Manchster: "A Duck's Quack Doesn't Echo, and no-one knows the reason why?"
http://www.acoustics.salford.ac.uk/acoustics_info/duck/
(mit Soundfiles der getesteten Ente Daisy)
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Re: Urban Legends

Beitragvon almafan » Do 12. Dez 2019, 20:51

Der Abgesang vom sterbenden Schwan

Passend zum Federtier des letzten Beitrages bleiben wir vorerst bei diesen fluffigen Zeitgenossen. Heute geht es um Schwäne, aber auch wieder um Schall.

Ein Mythos nämlich, der sich um Schwäne rankt ist jener: Wenn ein Schwan stirbt, dann singt er ein Trauerlied. Alternativ wird von einem Todesschrei gesprochen.

Unter dem Schwanengesang versteht man umgangssprachlich das letzte Werk eines Musikers (z.B Franz Schubert) oder eines Dichters (z.B. Heinrich Schütz), in weiterem Sinne ab und an auch die letzte Rede eines Politikers.
Das der edle Schwan singt, bevor er stirbt, gehört zu den Vorstellungen, von denen die Menschen nicht lassen wollten, seit Kyknos über den Tod seines Freundes Phaeton so untröstlich weinte, dass sich ein Gott erbarmte und ihn als Sternbild des Schwans an den Himmel versetzte.
Eine andere Erzählung beschreibt, wie Zeus in Schwanengestalt die Leda verführte, die daraufhin ein Ei legte,dem die Zwillinge Castor und Pollux entschlüpften (nach einer anderen Version, Helena von Troja).
Die hellsichtigen Schwanjungfrauen oder Walküren aus der nordischen Mythologie sind bereits seit dem Wielands-Lied der Edda, sowie in zahllosen Varianten in diversen Märchen bekannt. Sogar ein "Swanwittchen" hat Jacob Grimm gefunden. Umgangssprachlich hat sich die Hellsichtigkeit in dem Ausdruck "mir schwant..." gehalten. Vor Lohegrins Wagen waren sie gespannt und ihm verdanken wir den Ausdruck "Mein lieber Schwan".

Bleiben wir erstmal bodenständig und schauen, warum er zum Sinnbild für Liebe und Treue wurde, und für jungfräuliche Reinheit und majestätische Eleganz.
Wie schon zuvor geklärt, verpaaren sich die meisten Schwäne für das ganze Leben. Ihr weißes Federkleid erscheint so rein. Da beginnt aber auch schon der erste Trugschluss: Weiss sind nur die Schwäne auf der Nordhalbkugel. Die Arten südlich des Äquators sind schwarz oder schwarzweiß.
Doch ihr so elegant zu schwingender Hals bildet mit einem zweiten Schwan das Herzsymbol. Dieser Schwanenhals hat von allen Warmblütern die meisten Halswirbel, nämlich ja nach Art bis zu 25. Der Flamingo begnügt sich mit 17, die Giraffe gar mit 7.

Wobei sich die Frage stellt: Warum trägt der Schwan so eine auffällige Farbe? Werner Suter, Biologe an der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, meint, dass der Schwan wohl Dank seiner Größe nicht auf eine Tarnung angewiesen ist. Ein Schwanenpaar kann selbst einen Polarfuchs vertreiben.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Schwäne erstreckt sich von Nordosteuropa nach Russland und Zentralasien, von wo die Vögel im Winter nach Süden ziehen, in die Schwarzmeerregion und ins östliche Mittelmeergebiet. Sowohl im hohen Norden als auch im Mittelmeerraum kannten und jagten Menschen Schwäne schon in prähistorischen Zeiten, wie Knochenfunde auf Siedlungsplätzen beweisen.
Nach Westeuropa kamen die Schwäne erst im Mittelalter, der Legende nach soll der Kreuzfahrer Richard Löwenherz im 12. Jahrhundert die ersten Schwäne von Zypern nach England gebracht haben.
Und nein: Nicht alle Schwäne Englands gehören der Queen, sondern lediglich alle unmarkierten Schwäne auf der Themse. Der königliche Swan Keeper beschenkt noch immer Welt mit den Tieren.
Mitlerweile sind die Tiere in Parks und Grünanlagen "halb domestiziert", scheuen den Menschen nicht und lassen sich gern füttern. Durch die milderen Winter und Menschenfutter überwintern viele einfach, anstatt den strapazierenden Flug in den Süden anzutreten.

Hausvögel, Stadtvögel also, weit weg von Mythos und Tragik. Aber auch die Mythenforscher, diese Sammler und Jäger der Wissenschaft, sind etwas aus der Mode gekommen und haben ihr Feld der Esoterik überlassen. Oder der Religionswissenschaft. Alain Monnier, Religionswissenschafter an der Universität Genf, deutet den Schwanengesang als den erotischen Gesang der Frau. «Es ist der Gesang des kleinen Todes - la petite mort, wie der Orgasmus im Französischen heisst.» Ein weisser Schwan auf stillem See - das sei ein Bild für die Erotik des Todes, für die Sehnsucht nach Entgrenzung, und dieser Subtext sei dem Schwanengesang eingeschrieben von der Verführung der Leda bis zu Schuberts «Schwanengesang» und Tschaikowskys «Schwanensee».

Sokrates sah das anders. «Weil die Menschen den Tod fürchten, verleumden sie den Schwan und sagen, er singe nur aus Angst vor dem Tod.» Aus Angst aber, so erklärt Sokrates in Platons Phaidon seinen Schülern, singe kein Vogel. Nein, «ein Seher des Apollon, ahnt der Schwan im Voraus alle Seligkeit der Unterwelt, und darum stimmt er sein Lied an und freut sich am Tage seines Todes...»


Höckerschwäne sehen hübsch aus, verenden aber genauso wenig tiadralisch wie andere Tiere.

Doch wie singen die Schwäne? Unsere vertrauten Höckerschwäne (Cygnus olor) können zwar fauchen und zischen - singen können sie nicht. Von den drei in Europa heimischen Arten (dazu gehört noch der Zwergschwan) singt nur der Singschwan: Laute Trompetentöne.

Besonders schön oder melodiös ist das für das menschliche Ohr nicht gerade. Aber so ist das bei Mythen. Viel Lärm um nichts.

Ganz anders als der eingangs erwähnte Kyknos. Der wanderte in einem Pappelhain am Ufer des Flusses Eridanus, den Tod seines treuesten Freundes Phaëton betrauernd. Da hatten die Götter Mitleid mit ihm und verwandelten ihn in einen Schwan aus leuchtenden Sternen. Bevor Kyknos aus Trauer über den geliebten Freund starb, sang er auf jene von keinem anderen Gesang an trauriger Schönheit übertroffene Weise.
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Re: Urban Legends

Beitragvon almafan » Do 19. Mär 2020, 23:20

Todeszone Waschbecken - keimfreies Klo?

Das mag bei der aktuellen Situation merkwürdig sein, dass ich dieses Thema behandel. Aber tatsächlich war dieser Text schon mehrere Monate in Planung.

In der Spüle sammeln sich angeblich mehr Keime als in der Kloschüssel. Oft gehört, aber ist das nur Angstmacherei von Mitbewohnern, damit man öfter die Küche putzt?

Befragt wurde dazu mal Prof. Dr. Dirk Bockmühl von der Arbeitsgruppe Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein Wahl.

"Wenn man die Mikroorganismen betrachtet, die in einem normalen Spülbecken vorkommen, findet man eine unglaubliche Vielfalt. Im Wesentlichen sind es Organismen, die überall in der Umwelt vorkommen, also etwa Wasserkeime und Schimmelpilze, und dazu relativ viele, die über Nahrungsmittel in die Küche gebracht werden."

Besonders gefährlich sind dabei rohes Fleisch und rohe Eier. Besonders bei Geflügel aus industrieller Schlachtung kommt vieles von dem, was vorher im Darm war, ans Fleisch und darüber in unsere Küche.

Laut dem Professor ist die Toilette im Normalfall tatsächlich sauberer, weil sich dort die meisten Keime im Wasser befinden, nicht an der Keramik. Außerdem wird die Toilette von den meisten Menschen penibler geputzt als die Küchenzeile. Auch gibt es in der Schüssel relativ wenige Nährstoffe, durch die Bakterien lange überleben können.
Und selbst wenn sich Keime über längere Zeit im Klo hielten, um uns gefährlich zu werden, müssten sie in unseren Körper gelangen. Und das geschieht meist über den Mund.

Hm... Auch wenn Fäkalsekrete durch Ei und Hühnchen unappetitlich klingt, die Gefahr Keime über den Mund aufzunehmen ist in der Toilette natürlich geringer als in der Küche.

Die meisten Durchfallinfektionen finden im häuslichen Umfeld statt. Die Erreger werden zumeist auf rohem Fleisch in unsere Küche gebracht. Wir schneiden das Fleisch, spülen das Brett kurz ab, und bearbeiten mit beiden Utensilien kurz darauf eine Gurke für den Salat. Weil der Salat natürlich Rohkost ist, kann dieser die Keime auf uns übertragen. Das geht auch über den Umweg der Spüle, z.B. wenn wir dort das Messer abgelegt haben.
Nicht nur bei Fleisch, auch bei Eiern werden Reste aus dem Hühnerdarm transportiert. Eier werden in Deutschland vor dem Verkauf nicht gewaschen, um ihre natürliche Schutzschicht zu erhalten.

Dass heißt: Hände waschen, nachdem wir Eier aufgeschlagen oder zum Kochen ins Wasser gegeben haben.
Spülen helfe übrigens immer, sagt Prof.Dr. Bockmühl. Wenn die Gurke versehentlich auf dem Fleischbrettchen gelandet sei, könnten wir die meisten Keime durch gutes Abspülen der Gurke entfernen.
Man muss deshalb nicht gleich in Panik verfallen, selbst wenn Keime in der Spüle sind. Es hängt immer auch vom Infektionsweg - also Händewaschen nicht vergessen - und einer bestimmten Dosis ab.
Der Küchenschwamm oder -lappen sollte - da eine Hochburg für Keime - regelmäßig (Bockmühl spricht von alle 2 Tage) weggeworfen oder gewaschen werden. 60-Grad-Programme-Waschprogramme helfen gegen Bakterien und Co., ein einfaches Vollwaschmittel ist ausreichend, besonders mit sauerstoffhaltiger Bleiche.
Es müssen auch beim Putzen der Küche keine Chemiekeulen aufgefahren werden. Ein klassisches Reinigungsmittel tut es auch. Beim typischen Küchenschmutz hilft Fettlöser am Besten. Beim ganz normalen Küchenputz können wir auf Chlorreiniger verzichten, auch wenn damit Oberflächen fast steril werden. Desinfektionsmittel sind normalerweise nicht nötig.
Bockmühl gibt ein klares Statement für Spülmaschinen: "In der Maschine herrschen viel höhere Temperaturen als beim Spülen von Hand und praktisch alle Reinigungsmittel haben Bleichekomponenten. [...] Was verschmutzt in die Spülmaschine hineingeht, kommt relativ keimfrei wieder heraus. Das haben wir ausgiebig untersucht."

Es handelt sich hierbei also um die erste Urban Legend,die sich als korrekt erweist.

Ich sollte anfangen den Index farbig zu gestalten.

Nachtrag: 15.09.2020


https://m.youtube.com/watch?v=oA68ONVew1U
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Re: Urban Legends

Beitragvon almafan » Di 18. Aug 2020, 10:43

1 % mehr Sauerstoff und wir verbrennen alle

Mit den Alltagsmythen ist das so eine Sache: Sie klingen lustig und interessant und eignen sich hervorragend für einen gepflegten Small Talk. Wirklich überprüft hat diesen Mythos aber wohl kaum einer der Gesprächspartner.

Neulich hörte ich wieder so einen Unfug. Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass alles Leben in Flammen aufgehen würde, wenn nur 1 % mehr Sauerstoff in der Atmosphäre wären und wir würden ersticken, wenn es 1 % weniger gäbe.
Ich hatte mich schon einmal im Evolution oder Schöpfung Thread damit beschäftigt. Damals fragte der muslimische Intellektuelle: "Sauerstoffgehalt in der Luft ist 21 %. Und die Wissenschaftler sagen, wenn das 20 % wären, wird die Erde den Inhalt von diesem Sauerstoff absaugen und wir werden aussterben. Wenn das 22 % wären, wird nur Verbrennung auf diese Erde geben. Wer lässt das nur 21 %?"
Aber der Sauerstoffgehalt in der Luft war nicht immer so, wie stratigrafische Messungen bestätigen (#1, #2, #3, #4, #5, #6, #7, #8, #9, #10, #11 und #12).

Quartär (vor 2,588 Millionen Jahren bis heute)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 20,9 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 260 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 11 Grad Celsius

Neogen (vor 23,03 - 2,588 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 21,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 280 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 14 Grad Celsius

Paläogen (vor 65,5 - 23,03 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 26 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 18 Grad Celsius

Kreide (vor 145 - 66 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 30 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1700 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 23 Grad Celsius

Jura (vor 201,3 - 145 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 26 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1950 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16,5 Grad Celsius

Trias (vor 252,2 - 201,3 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 16 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1750 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 17 Grad Celsius

Perm (vor 298,9 - 252,2 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 23 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 900 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16 Grad Celsius

Karbon (vor 358,9 - 298,9 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 32,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 800 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 14 Grad Celsius

Devon (vor 419,2 - 358,9 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 15 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 2200 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 20 Grad Celsius

Silur (vor 443,4 - 419,2 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 14 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 17 Grad Celsius

Ordovizium (vor 485,4 - 443,4 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 13,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4200 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16 Grad Celsius

Kambrium (vor 541 - 485,4 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 12,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 21 Grad Celsius

Alle Werte sind über die Periodendauer gemittelt. Innerhalb der Periodendauer, also der Millionen Jahre, die ein Zeitalter dauerte, gab es nachweislich auch Schwankungen.
ppm steht für "parts per million", also Teile pro Million, auch als Millionstel bezeichnet. Sie wird in Wissenschaft und Technik angewandt, wo Prozent (Hundertstel) und Promille (Tausendstel) nicht sinnvoll angewendet sind.

Die Uratmosphäre der Erde enthielt freien Sauerstoff (also O2) allenfalls in sehr geringen Konzentrationen, da aller Sauerstoff in Oxidation von organischen Stoffen, Schwefeldioxid und vor allem Eisen (als gelöstes zweiwertiges Eisen-Ion Fe2+ (#13)) vollständig verbraucht wurde. Vor etwa 3,2 bis 2,8 Milliarden Jahren entwickelten Mikroorganismen - nach gegenwärtigen Kenntnissen Vorläufer der heutigen Cyanobakterien - aus einer einfacheren Photosyntheseform eine neue entwickelten, bei der im Gegensatz zur älteren Form O2 als Abfallprodukt freigesetzt wurde, weshalb diese als oxygene Photosynthese bezeichnet wird (Oxygen = Sauerstoff). Dadurch wurde O2 in beträchtlichen Mengen in den Ozeanen gebildet. Eine lange Zeit wurde auch dieser Sauerstoff durch Oxidation gebunden, auch weil durch Verwitterung und Vulkanismus oxidierbare Stoffe nachgeliefert wurden. Nach dieser letzten Frist aber konnte der Neuertrag dieser Stoffe den immer wieder neu gebildeten Sauerstoff nicht mehr vollständig binden, sodass der überschüssige freie Sauerstoff begann sich im Meerwasser und anschließend in der Atmosphäre anzureichern. Innerhalb von etwa 50 Millionen Jahren führte der stetig steigende Sauerstoffgehalt zur Sauerstoffkatastrophe, dem ersten großen nachweisbaren Massensterben auf dem Planeten Erde.

Es hat in der Erdgeschichte Zeiten mit wesentlich stärkeren Abweichungen vom heutigen Sauerstoffgehalt gegeben und weder sind Atmosphäre und Meere verbrannt, noch wurde aller Sauerstoff ins All geblasen oder irgendwo im Erdreich gebunden.

Sehr wohl aber ist der Sauerstoffgehalt für Verbrennungsprozesse sehr wichtig. In der Luft müssen mindestens 15 % vorhanden sein, damit Holz, Papier, Kerzen und andere Materialien dauerhaft brennen (#14)

Ganz klar also dieses "Wissen" ist Mythos.

#1 - Gunnar Ries: Dicke Luft bei den Sauriern

#2 - Geologie-Forum @ Geoversum: Massensterben an der Perm-Trias Grenze: Durch Sauerstoffmangel erstickt?

#3 - Die Zusammensetzung der Atmosphäre im Phanerozoikum (diese ältere Quelle geht noch irrtümlich von einem nahe-rezenten Luftsauerstoffanteil bereits im Kambrium aus.)

#4 - Erdgeschichte: Fauna und Flora korreliert mit veränderten Umweltbedingungen

#5 - wissenschaft.de: Gigantismus, Fliegen und Antiaging: Sauerstoffreiche Luft löste vor 300 Millionen Jahren einen Innovationsschub aus

#6 - Rothman, Daniel H. (2001). "Atmospheric carbon dioxide levels for the last 500 million years". Proceedings of the National Academy of Sciences 99 (7): 4167-4171.

#7 - Royer, Dana L., Robert A. Berner, Isabel P. Montañez, Neil J. Tabor, and David J. Beerling (2004). "CO2 as a primary driver of Phanerozoic climate". GSA Today 14 (3): 4-10. doi:10.1130/1052-5173(2004)014<4:CAAPDO>2.0.CO;2

#8 - Hansen, J., Mki. Sato, G. Russell, and P. Kharecha, 2013: Climate sensitivity, sea level, and atmospheric carbon dioxide. Phil. Trans. R. Soc. A, 371, 20120294. doi:10.1098/rsta.2012.0294

#9 - Zachos JC, Dickens GR, Zeebe RE. 2008 An Early Cenozoic perspective on greenhouse warming and carbon-cycle dynamics. Nature 451, 279–283. doi:10.1038/nature06588

#10 - Lisiecki, L. E.; Raymo, M. E. (May 2005). Correction to "A Pliocene-Pleistocene stack of 57 globally distributed benthic d18O records". Paleoceanography: PA2007. doi:10.1029/2005PA001164

#11 - Berkeley Earth land-ocean dataset (2014). Retrieved on 21 March 2014.

#12 - IPCC Fifth Assessment Report WG1 Summary for Policy Makers (2013).

#13 - Die Oxidation von Fe2+ zu dreiwertigen Eisen-Ionen Fe3+ führte zur Ablagerung von Bändererz (Banded Iron Formation), wo Eisen hauptsächlich in Form von Oxiden, nämlich Hämatit Fe2O3 und Magnetit Fe3O4 vorliegt. In alten Kontinentschilden, die in der langen Zeit relativ wenig tektonisch verändert wurden, sind solche Bändererze bis heute erhalten, beispielsweise Hamersley Basin (Westaustralien), Transvaal Craton (Südafrika), Animikie Group (Minnesota, USA). Sie sind global die wichtigsten Eisenerze.

#14 - Wann es brennt - wissenschaft.de
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Re: Urban Legends

Beitragvon almafan » Mo 31. Aug 2020, 11:45

10 Meter näher an der Sonne und wir verbrennen

Sehr ähnlich ist auch diese Behauptung.

Auch da haben wir die Aussage des schon im Evo-Thread zitierten Intellektuellen: "Die Wissenschaftler sagen, wenn die Sonne 10 Meter runter kommen würde, werden wir alle verbrannt. Wenn die Sonne 10 Meter höher wäre, wird alles auf dieser Erde frieren. Das sind 10 Meter und wir fliegen mit dem Flugzeug 10.000 Meter Richtung die Sonne und wir werden nicht verbrannt werden. Nur damit wir wissen, mit wir zu tun haben. Das sind Gesetze, die die Menschheit nicht kennt."
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Maßstabsgetreue Darstellung der elliptischen Umlaufbahn der Erde im Vergleich mit einem Kreis.

Doch, doch. Die Gesetze dahinter sind sehr wohl verstanden. Also von der Wissenschaft. Nicht jedoch von Leuten, die so was behaupten.

Im Grunde handelt es sich hier um astronomische Unkenntnis. Kein einziger Planet beschreibt eine Kreisbahn um die Sonne, alle sind auf einer elliptischen Bahn unterwegs. Die Abweichung der Bahn vom perfekten Kreis wird Exzentrik genannt. Und auch die Erde hat eine solche.

Die Abweichungen sehen äußerst gering aus. Zu beachten ist hierbei, dass der Kreis in der Realität einen Radius von 1 astronomischen Einheit hat. Das sind 150 Millionen Kilometer. Der mittlere Abstand der Erde zur Sonne beträgt 149,598 Millionen Kilometer und die Abweichungen von diesem Mittelwert können bis zu 1,67 % betragen. Das klingt nicht nach viel. Um den 3. Januar herum befindet sich die Erde an ihrem sonnennächsten Punkt, dem Perihel. Der Abstand zur Sonne beträgt dann "nur" noch 147,1 Millionen Kilometer und damit 2,4 Millionen Kilometer näher an der Sonne als der Mittelwert. Um den 5. Juli befindet sich die Erde an ihrem sonnenfernsten Punkt, Aphel genannt. Der Abstand beträgt nun 152,1 Millionen Kilometer und damit 2,6 Millionen Kilometer weiter weg von der Sonne als der Mittelwert.
Für den Intellektuellen wird es sicherlich eine Neuigkeit sein, zu erfahren, dass die Erde im Winter der Nordhalbkugel (die Südhalbkugel hat zu dieser Zeit Sommer), wo mehr als 3/4 der Erdbevölkerung wohnen, fast 5 Millionen Kilometer näher an der Sonne ist, als im Sommer. Der Abstand zur Sonne allein kann also nicht der ausschlaggebende Punkt sein, warum Flugzeuge nicht am Himmel verbrennen. Ein 10 Meter knapper Freiraum wäre auch erstaunlich unbequem, falls man in höheren Bürogebäuden arbeitet oder mal auf die Alm möchte.

Wie groß ist denn die habitable Zone, die mit dieser falschen Aussage umschrieben ist? Der auch Lebenszone (habitus = Lebensraum) genannte Bereich, fälschlicherweise auch bewohnbare Zone genannt, bezeichnet im Allgemeinen den Abstandsbereich, in dem sich ein Planet von seinem Zentralgestirn befinden muss, damit Wasser dauerhaft in flüssiger Form als Vorraussetzung für erdähnliches Leben auf der Oberfläche vorliegen kann. Das ist natürlich von Temperatur und Leuchtkraft des jeweiligen Zentralgestirns abhängig und lässt sich sogar berechnen:
Die biometrische Leuchtkraft des Sterns geteilt durch die biometrische Leuchtkraft der Sonne. Davon zieht man die Wurzel und man hat den Durchschnittsradius der Lebenszone in astronomischen Einheiten. Natürlich kann das Konzept durch Einbeziehen von Klima- und Treibhauseffekten wesentlich verfeinert werden. Die innere Grenze wird durch den sich selbst verstärkenden Treibhauseffekt definiert, in dessen Verlauf das Wasser des Planeten durch Vergasen in den interplanetaren Weltraum entkommt. An der äußeren Grenze können selbst Wolken aus gefrorenem Kohlendioxid keinen ausreichenden Treibhauseffekt mehr bewirken. In unserem Sonnensystem liegt die innere Grenze bei 0,95 astronomischen Einheiten, womit die Erde noch ca. 4,95 Millionen Kilometer Platz nach innen hat (mehr als 15 mal der Abstand zwischen Erde und Mond). Die äußere Grenze wird je nach Modell mit 1,37 - 2,4 astronomischen Einheiten angegeben. Womit der Erde nach außen minimum 52 Millionen Kilometer Platz verbleiben und theoretisch sogar der Mars in seiner sonnennächsten Phase drin sein könnte.
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Re: Urban Legends

Beitragvon almafan » Mo 1. Feb 2021, 17:30

Elefantenangst vor Mäusen

Kommt ein Elefant in einen Computershop: "Ich hätte gerne einen Rechner mit viel Speicherplatz, aber ohne Maus".


Afrikanische elefanten

Der Elefant gehört zur Ordnung der Rüsseltiere und es gibt nur noch 3 lebende Vertreter dieser größten heute existenten Landsäugetiere:
  • Der Afrikanische Elefant lebt weitgehend in den offenen Landschaften südlich der Sahara und ist der größte Verteter. Der Afrikanische Elefant ist das größte lebende Landsäugetier und relativ leicht am Rüssel, an den Stoßzähnen, den großen Ohren und den säulenförmigen Beinen erkennbar. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 600 bis 750 cm, der Schwanz wird noch einmal 100 bis 150 cm lang. Ein ausgewachsener Bulle besitzt nach Untersuchungen im Amboseli-Nationalpark eine Schulterhöhe von 290 bis 370 cm. Kühe sind mit Maßen von 250 bis 300 cm durchschnittlich kleiner. Für den Kruger-Nationalpark liegen die Größenwerte für männliche Tiere bei maximal 345 cm, für weibliche bei 274 cm, wobei 255 cm selten überschritten werden. Maximalgewichte für Bullen werden mit 6048 kg, für Kühe mit 3232 kg angegeben. Ein besonders großes Individuum wog 6569 kg. Das größte wissenschaftlich vermessene Exemplar, ein Tier aus Fenykoevi in Angola, wies eine Schulterhöhe von 400 cm und ein Gewicht von rund 10 t auf, es ist heute im Smithsonian Institution in Washington, D.C. ausgestellt.
  • Der ebenfalls in Afrika heimische, aber weitgehend auf tropische Regenwälder beschränkte Waldelefant, wird aufgrund der deutlich kleineren Maße auch als Zwergelefant bezeichnet. Die Schulterhöhe männlicher Tiere variiert dennoch von 214 bis 290 cm (durchschnittlich 244 cm), bei weiblichen liegt sie zwischen 176 und 234 cm (durchschnittlich 198 cm). Untersuchungen an Tieren im Dzanga-Schutzgebiet in der Zentralafrikanischen Republik ergaben eine maximale Höhe von 280 cm. Dagegen waren Tiere aus dem Nationalpark Loango in Gabun mit maximal 216 cm deutlich kleiner. Das Gewicht ist kaum bekannt, schwankt aber möglicherweise zwischen 2 und 4 t. Andere Autoren geben rund 1,7 t im Mittel an.
  • Der Asiatische Elefant nutzt eine Vielzahl von Landschaftsräumen, aber im Gegensatz zu den beiden anderen eben in Südasien, Südostasien einschließlich von Teilen der Malaiischen Inselwelt und das südliche Ostasien lebt. Sein Verbreitungsgebiet war früher deutlich größer. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt etwa 550 bis 640 cm, hinzu kommt ein 120 bis 150 cm langer Schwanz. Männliche Individuen werden mit einer Schulterhöhe von durchschnittlich 270 cm und maximal 340 cm sowie einem Gewicht von rund 3600 kg und maximal 6000 kg deutlich größer als weibliche. Bei diesen betragen die Maße der Schulterhöhe im Mittel 240 cm (im Maximum über 250 cm) und das Gewicht im Mittel 2720 kg (im Maximum 4160 kg). Die meisten Analysen zu den Größenwerten des Asiatischen Elefanten stammen von Tieren aus Indien, die aber dazu tendieren, größer zu sein als Populationen weiter östlich. Aus den 1940er Jahren liegen Angaben zu einzelnen Individuen mit Höhen zwischen 323 und 343 cm vor (letzterer Wert bezieht sich auf ein Skelett). Der Asiatische Elefant von der Insel Borneo wird dagegen im Schnitt etwa einen halben Meter kleiner.
Alle Elefanten sind durch ihren Rüssel, ein muskulöses Organ, das aus der Verwachsung der Nase mit der Oberlippe hervorgegangen ist, und durch ihre aus den oberen Schneidezähnen gebildeten Stoßzähne gekennzeichnet. Weitere auffällige Merkmale finden sich in dem massiven Körperbau mit säulenförmigen Beinen und der grauen, wenig behaarten Haut.


Hausmaus (Mus musculus)

Diesem Koloss gegenüber ein kleiner Nager: Die Maus.
Speziell die Hausmaus lebt ja ideal als Kulturfolger von der menschlichen Gesellschaft.
Im Freiland lebende Hausmäuse erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 7 bis 11 Zentimetern, eine Schwanzlänge von 7 bis 10 Zentimetern und ein Gewicht von etwa 20 bis 25 Gramm. Die in Laboren gehaltenen weißen Mäuse und die im Tierhandel erhältlichen Farbmäuse können wesentlich schwerer werden, 45 bis 60 Gramm sind keine Seltenheit. Der Körper ist oberseits mausgrau bis braungrau, die Unterseite ist etwas heller. Der Schwanz ist mit deutlich sichtbaren Schuppenringen versehen und spärlich behaart.
Ähnlichkeit besteht zur Waldmaus, die sich ebenfalls häufig in Gebäuden aufhält. Bei Waldmäusen ist jedoch die helle Unterseite deutlicher vom dunkleren Fell der Oberseite abgegrenzt als bei Hausmäusen. Im Unterschied zur Hausmaus hat die Waldmaus keine Kerbe an der Rückseite der oberen Schneidezähne.

Es bahnt sich also jetzt nicht zwingend ein Kampf zweier gleichstarker Kontrahenten an.

Die angebliche Angst vor Mäusen der Dickhäuter ist legendär. Doch wie viel Wahrheit steckt überhaupt in diesem Mythos? Er geht vermutlich auf die Antike zurück. Plinius der Ältere schrieb im 1. Jahrhundert: "Von allen Kreaturen können Elefanten Mäuse nicht ausstehen." Auch der fliegende Elefant Dumbo zuckte vor einer Mais zusammen.

Diese peinliche Schwäche und auch eine Ehre führten den Tierforscher Bernhard Grzimek zu Überlegungen:
1942, der zweite Weltkrieg steht am Wendepunkt. Der damals 33jährige Tierforscher untersuchte im Auftrag des Heeresveterinäruntersuchungsamtes Berlin das Gedächtnis von Pferden. Von den Resultaten enttäuscht und vermutlich, um nicht an die Front zu müssen, erweiterte er seine Forschung auf Elefanten. An den Elefantenkühen Betia, Moni, Menne und Loni des Zirkus Krone versuchte er seine experimentellen Aufbauten. Er stellte sie vor fünf nebeneinanderstehende Kisten, deren Deckel die Elefanten mit dem Rüssel öffnen konnten. Dann legte ein Wärter vor den Augen der Tiere ein Stück Brot in eine der Kisten.

Manche Redewendung enthält nicht einmal ein Fünkchen Wahrheit. Das war das Ergebnis dieses Experiments.
Ließ Grzimek die Tiere los, unmittelbar nachdem der Köder versteckt worden war, öffneten sie zwar in durchschnittlich 80 Prozent der Fälle die richtige Kiste. Aber schon nach 2 Sekunden Wartezeit sank die Erfolgsrate auf 43 Prozent, nach 4 Sekunden auf 30 Prozent, nach 30 Sekunden konnte sich kein einziger der Ele­fanten mehr an die Position des Futters erinnern. Was haben die Elefanten bloss in ihren grossen Köpfen?
Natürlich stehen in der afrikanischen Savanne keine Holzkisten mit Brot drin herum, und so gesehen ist die getestete Fähigkeit nicht überlebenswichtig. Trotzdem ist es ein wenig enttäuschend, dass ein Tier, das angeblich nie vergisst, schon nach 2 Sekunden damit beginnt.

Zur Ehrenrettung der Elefanten sei vermeldet, dass sie sich offenbar Wege zu Wasserstellen, die sie früher gegangen sind, merken können und laut einer in Kenya durchgeführten Studie die Rufe von etwa hundert anderen Elefanten aus 14 Familien.
Laut den alten Griechen war es dereinst das Kamel, dass nie vergass.

Und wie steht es um die Maus?

Um immer noch nicht an die Front zu müssen, überprüfte Grzimek auch den zweiten Mythos: Elefanten fürchten sich vor Mäusen.
Er klebte Mäusen und Ratten eine Schnur an den Schwanz und positionierte sie vor fünf Elefanten des Circus Althoff. Das ­Resultat zeigte: Eine Maus, der ihr Leben lieb ist, sollte weder Plinius noch Disney vertrauen.

Zwar wichen die Elefanten im ersten Moment zurück, doch dann näherte sich die Elefantenkuh Baby der Maus und trat sie tot. Auf eine Ratte und eine weisse Maus reagierten die Elefanten ähnlich, wenn sie vor ihnen auch ein bisschen mehr Respekt zu haben schienen. Ein riskanter Versuch also vor allem für die Maus.

Auch den vermeintlichen Grund für die Mausphobie der Elefanten widerlegte Grzimek. Der Volksmund behauptete, Elefanten fürchteten sich vor Mäusen, weil sie ihnen in den Rüssel kriechen könnten. Doch die Versuchstiere griffen mit ihren Rüsseln selbst nach Karotten, an denen Mäuse nagten.
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