Traditionen




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Traditionen

Beitragvon almafan » Sa 4. Mai 2013, 14:50

Traditionen

Tradition (von lateinisch tradere "hinüber-geben" oder traditio "Übergabe, Auslieferung, Überlieferung") bezeichnet die Weitergabe (das Tradere) von Handlungsmustern, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen u. a. oder das Weitergegebene selbst (das Traditum, beispielsweise Gepflogenheiten, Konventionen, Bräuche oder Sitten). Tradition geschieht innerhalb einer Gruppe oder zwischen Generationen und kann mündlich oder schriftlich über Erziehung, Vorbild oder spielerisches Nachahmen erfolgen.
Die soziale Gruppe wird dadurch zur Kultur oder Subkultur. Weiterzugeben sind jene Verhaltens- und Handlungsmuster, die im Unterschied zu Instinkten nicht angeboren sind. Dazu gehören einfache Handlungsmuster wie der Gebrauch von Werkzeugen oder komplexe wie die Sprache. Die Fähigkeit zur Tradition und damit die Grundlage für Kulturbildung beginnt bei Tieren, wie beispielsweise Krähen oder Schimpansen, und kann im Bereich der menschlichen Kulturbildung umfangreiche religiös-sittliche, politische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche Systeme erreichen, die durch ein kompliziertes Bildungssystem weitergegeben wurden. Tradition kann ein Kulturgut sein.


Inhaltsverzeichnis

Seite 1, Beitrag ...
... 02, 17.03.2013: Diverse Links
Tradition! vo naKlar.at
Aber Verstümmeln hat doch Tradition!
Schlechte Argumente für die Beschneidung – zwei Textanalysen
Es geht um mehr als ein Stück Haut…
... 03, 02.05.2014: Aber das war doch schon immer so!
... 04, 11.05.2021: Video: Zwei animierte Karten zur Ausbreitung der Religionen
... 05, 12.05.2021: Video: 5 Fakten über die Bibel | Terra X (8:00 min)
... 06, 16.02.2022: Was ist Liebe? - Der Valentinstag
... 07, 25.02.2022: Was ist Liebe? - Warum feiert man den Valentinstag?
... 08, 10.10.2022: Video: Why the Monarchy Should Have Died With the Queen | CosmicSkeptic (16:54 min, engl.)
... 09, 01.11.2022: Zeugen Jehovas und der Quatsch mit dem teuflischen Halloween
... 10, 11.11.2022: Weihnachten - Eine Aufarbeitung (Teil 1: Was bisher geschah)


Seite 2, Beitrag ...
... 11, 24.11.2022: Weihnachten - Eine Aufarbeitung (Teil 2: Challenge für den Weihnachtsmann)
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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von Anzeige » Sa 4. Mai 2013, 14:50

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Re: Traditionen

Beitragvon almafan » Di 17. Dez 2013, 15:52

Tradition!
http://scienceblogs.de/naklar/2012/08/09/tradition/
von naklar.at

Schöner Text über Althergebrachtes.

Und folgend, wie die Überschrift schon aussagt: Drei Textanalysen zu Beschneidungsartikeln.

Aber Verstümmeln hat doch Tradition!
http://scienceblogs.de/bloodnacid/2012/07/17/verstummeln-hat-doch-tradition/

Ein erschütternder Text über die Folgen und Straffreiheit von religiösen Beschneidungen und dergleichen.

Schlechte Argumente für die Beschneidung – zwei Textanalysen
http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2012/09/22/schlechte-argumente-fur-die-beschneidung-zwei-textanalysen/



Es geht um mehr als ein Stück Haut…
http://scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/16/es-geht-um-mehr-als-ein-stuck-haut/

Ein kleiner Auszug:
Es geht ja eigentlich gar nicht um ein paar Quadratzentimeter Haut, sondern darum, dass eine solche Rechtsauffassung diesen Religionen das Privileg nähme, über das Wohl Anderer (zu denen nach diesem Urteil halt die Kinder gehören – das Bestimmungsrecht der Eltern wiegt nicht so schwer wie das Recht der Kinder auf spätere Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit im Generellen) zu entscheiden. Weil den Eltern damit das Recht genommen würde, als Ausführungsorgane im Auftrag der Religionen ihre Kinder schon zum frühest möglichen Zeitpunkt für die Religionsgemeinschaft zwangsweise zu rekrutieren. Weil diese Organisationen unter Religionsfreiheit nicht primär eine Freiheit des/der Einzelnen verstehen, sich seine/ihre Religion selbst zu wählen, sondern die Freiheit der Religionsgemeinschaft und ihrer Institutionen, just darüber zu entscheiden.
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Re: Traditionen

Beitragvon almafan » Fr 2. Mai 2014, 00:10

Aber das war doch schon immer so!

Die jahrhundertealte Weisheit unserer Vorfahren, die sorgfältig gesammelten Erfahrungen alter Völker, die mühsam erarbeiteten Erkenntnisse ganzer Kulturen können doch wohl nicht irren. Kein Zweifel: Am besten ist es, sich immer auf das zu verlassen, was lange erprobt, als gut befunden und mit Sorgfalt überliefert wurde.
Es ist kein Wunder, dass gerade in der Esoterik oft mit Tradition argumentiert wird: Wünschelruten werden als uralte Weisheit angepriesen, Runen sollen unsere Lebensprobleme lösen, und der Aromatherapeut mit Reiki-Spezialdiplom versichert, dass seine Techniken auf jahrtausendealten fernöstlichen Lehren beruhen. Lauter wohlerprobte Traditionen, die einfach richtig sein müssen. Sonst hätten sie sich ja nicht so lange halten können.

Dann müssen doch offenbar auch andere Traditionen ihre Richtigkeit haben, die sich besonders lange bewährt haben, oder? In ihrer liebevollen Weisheit behandelten unserer Vorfahren über Jahrtausende Frauen als Menschen zweiter Klasse und hielten sie von Bildung und wichtigen Berufsmöglichkeiten fern. Dass Kinder von Eltern und Lehrern geprügelt werden, ist altherbegrachtes Kulturgut. Der Aderlass wurde über Jahrhunderte als Therapie für viele verschiedene Krankheiten eingesetzt und von vielen Ärztegenerationen für gut befunden. Staatliche Herrschaftsverhältnisse waren jahrtausendelang viel einfacher zu regeln als heute: Wenn einfach der Sohn des Herrschers sein Nachfolger wird, spart man sich mühsame Wahlen.

Allerdings bedeutet tradiert und verordnet noch lange nicht hinterfragt und erprobt. Es hat schon einen gewissen Reiz, das Altbewährte für wahr und richtig zu halten. Traditionen und alte Überlieferungen überleben nicht deshalb, weil sie einst auf rationale Weise getestet und für gut befunden wurden, sondern weil sie bestehende Machtstrukturen unterstützten oder weil es bequem ist, keine eigenen Ideen zu erarbeiten oder weil es sich um sympathische Gedanken handelt, die unserem Wunschdenken entsprechen.
Irrigerweise hat aber wenig von dem, was uns heute lieb und teuer ist, irgendetwas mit Traditionen zu tun. Die Menschenrechte, die Demokratie, die Presse-, Gedanken- und Meinungsfreiheit, die Gleichberechtigung der Geschlechter, der Kampf gegen Rassismus und Homophobie. Nichts davon hat eine lange Tradition. Alles davon musste sogar, im Gegenteil, mühsam und hart gegen bestehende Traditionen und Überlieferungen und deren Unterstützern erkämpft und verteidigt werden. Teilweise geht dieser Prozess auch heute noch von statten, so tief sitzen die Wurzeln der Tradition, so viele Gebiete umfasst sie. Sowohl regional als auch thematisch. Im Grunde ist die Wissenschaft, also der permanente, institutionalisierte Prozess des Hinterfragens und Weiterentwickeln auch das institutionalisierte Aufweichen von Traditionen. Nichts muss man einfach glauben, nur weil es schon so lange da ist. Alles kann kritisch betrachtet werden.
Und Kritik meint hier nicht das Herumnörgeln, sondern das Aussprechen anderer Ansicht aufgrund einer Argumentationskette.

Auch gern gesprochen wird: "Aber damals lebten die Leute wenigstens im Einklang mit der Natur." Und es wird ergänzt: "Sie lebten nachhaltig, ohne giftige Chemie und ohne Umweltschäden zu verursachen." Das ist gelinde gesagt Unfug!
Zur Zeit der Entdeckung des Kupfers und dessen industrielle Verhütung wurde die Insel Zypern, einst Hochzentrum dieser neuen Technologie komplett kahl geholzt. Im antiken Rom wurde das Trinkwasser durch Bleirohre verseucht, in England brachte schon um 1300 das Verbrennen von Kohle ernste Probleme für die Luftqualität, in Südeuropa holzte man in der frühen Neuzeit Wälder für den Schiffsbau ab und zerstörte dadurch ganze Landstriche. Letzteres gab es schon bei den Punischen Kriegen, da die Römer für ihre 3 Flotten von je mehr als 100 Schiffen, die sie in 2 Jahren bauten, riesige Waldflächen rodeten. Noch heute wird nach alter Tradition Wald branntgerodet, um neuen Ackerboden zu erhalten. Diese Methode der Landgewinnung zieht sich wie ein roter Faden durch so ziemlich jede Epoche und durch zahlreiche über alle Kontinente verstreuten Völker.
Der Einwand stimmt schon, dass unsere moderne Technologie uns mehr Möglichkeiten in die Hand gibt, unsere Umwelt zu schädigen. Und es ist auch unbestritten (von Klimaleugnern mal abgesehen), dass wir solche Fehler schon häufig begangen haben. Aber die Wissenschaft lässt uns solche Probleme auch verstehen und lösen. Und die Erkenntnis darüber, was Klima ist und wie es wirkt, also die gesamte Klima- und Umweltforschung wiederum ist ebenfalls frei von Tradition, da sie selbst noch recht jung ist.

Selbst das Positive, das wir ganz intuitiv mit dem Begriff "Tradition" in Verbindung bringen, ist eigentlich erstaunlich neu: Wir feiern Weihnachten auf eine ganz bestimmte Weise, die uns heimelig traditionell erscheint. Aber noch vor einigen Generationen wurde Weihnachten völlig anders gefeiert. Wir schwören, dass die Oma den weltbesten Schweinsbraten macht. Doch die guten alten Familienrezepte sind historisch betrachtet recht jung: Vor zweihundert Jahren haben sich unsere Vorfahren ganz anders ernährt als wir.
Traditionen haben also auch ihre guten Seiten. Alles wiederkehrende, wie ein jährliches Grillfest, ein leckeres Rezept und dergleichen mehr begründen wohlmöglich sogar eigene Traditionen. Aber ob etwas wahr oder falsch ist, lässt sich durch Traditionen nicht entscheiden.

Wenn uns also jemand versucht zu erklären, das die Chakramassage, Heilkristalle und Homoöpathie sicher helfen, weil sie eine lange Tradition haben, man lieber wieder auf mittelalterliche Methoden in der Landwirtschaft zurückgreift, weil's besser für die Umwelt sei oder gleichgeschlechtliche Paare der uralten Tradition der Ehe widersprechen, sollte man nicht ehrfurchstvoll zusammenzucken. Denken wir lieber daran: Auch Dummheit hat eine lange Tradition.
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Re: Traditionen

Beitragvon almafan » Di 11. Mai 2021, 11:22

Zwei animierte Karten zur Ausbreitung der Religionen

Von wegen Tradition. Nur weil etwas schon lange so gemacht wurde, heißt es nicht, dass es immer schon so war. Und ganz sicher heißt es nicht, dass es auch gut so ist, wie es seit langem gemacht wird.

Animated map shows how religion spread around the world

So haben sich die Religionen über den Globus ausgebreitet.


https://m.youtube.com/watch?v=AvFl6UBZLv4



Animated map shows how Christianity spread around the world

So hat sich speziell das Christentum über die Erde ausgebreitet.


https://m.youtube.com/watch?v=BJ0dZhHccfU

Mit diesen zwei Videos wurde wieder eine Leiche aus dem Keller geholt. Stichwort: Nekroposting.
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Re: Traditionen

Beitragvon almafan » Mi 12. Mai 2021, 08:25

5 Fakten über die Bibel | Terra X (8:00 min)


https://m.youtube.com/watch?v=2H9sqGFRUF8
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Re: Traditionen

Beitragvon almafan » Mi 16. Feb 2022, 12:52

Was ist Liebe? - Der Valentinstag

Dieser und der folgende Artikel sind Fortsetzungen der beiden Beiträge aus dem "Evolution oder Schöpfung"-Thread:
... 175, 15.02.2022: Was ist Liebe? (mit Musikvideo)
... 176, 16.02.2022: Was ist Liebe? - Sprichwörter wissenschaftlich geprüft!

Der Valentinstag wird ja überall auf der Welt anders begangen.
Die Feierlichkeiten, Traditionen und Bräuche zum Valentinstag entwickelten sich seit der frühen Moderne in England. Im 19. Jahrhundert verbreiteten sie sich in der englischsprachigen Welt, durch Auswanderer auch in die Vereinigten Staaten, und seit dem späten 20. und frühen 21. Jahrhundert darüber hinaus, bis nach Ostasien.

In Westdeutschland wurde der Valentinstag nach dem Zweiten Weltkrieg durch im Land stationierte US-Soldaten bekannt. 1950 wurde in Nürnberg der erste "Valentinsball" veranstaltet. Allgemein bekannt wurde der Valentinstag durch die vor dem 14. Februar verstärkt einsetzende Werbung der Floristik- und Süßwarenindustrie. Im heutigen gesamtdeutschen Bundesgebiet gehören Blumen nach wie vor zu den häufigsten Geschenken am Valentinstag. Allein zum Valentinstag 2018 transportierte die Lufthansa Cargo brutto 800 t Schnittblumen, in Wasser gestellt, temperiert, überwiegend interkontinental nach Deutschland.
Ähnlich wie in Deutschland – jahrzehntelang beworben durch Blumen- und Geschenkeanbieter – gibt es in Österreich eine einigermaßen breite Bewegung des Beschenkens. Überwiegend Blumen, überwiegend an Frauen, überwiegend von Männern, Geschäften oder Arbeitgebern, überwiegend zur Förderung von Partnerschaft, Beziehung, Freundschaft.

In Finnland wird der Valentinstag ystävänpäivä ("Freundestag") genannt. Es werden meistens anonym Karten oder kleine Geschenke versandt.
In Estland wurde der Valentinstag ursprünglich als valentinipäev bezeichnet, aber zunehmend wird auch sõbrapäev benutzt, welches eine Lehnübersetzung des finnischen Namens ist.
In Griechenland gibt es zwischen dem Valentinstag (Ημέρα του Αγίου Βαλεντίνου) und der romantischen Liebe keine Verbindung. In der orthodoxen Kirche gilt Hyazinth von Caesarea als Schutzheiliger der Liebenden, der am 3. Juli gefeiert wird. Im heutigen Griechenland wird diese Tradition weitestgehend durch die "globalisierte" Form der Valentinstagsbräuche verdrängt.
In Italien treffen sich die Liebespaare meist an Gewässern oder auch Brücken. Dort wird oft ein sogenanntes Liebesschloss angebracht, auf das die Liebenden ihre Initialen, manchmal mit Datum schreiben; auf große Schlösser wird sogar ein Foto des Paares geklebt. Die Partner werfen ihre Schlüssel ins Wasser und wünschen sich dabei etwas. Obwohl die Wünsche danach nicht geäußert werden sollen, wünschen sich die meisten, die ewige Liebe gefunden zu haben.
In Großbritannien gibt knapp die Hälfte der Bevölkerung Geld für Valentinsgeschenke aus, jährlich sind es etwa 1,3 Milliarden Pfund für Karten, Blumen, Pralinen und weitere Geschenke. Die Zahl der Valentinstagskarten wird auf 25 Millionen geschätzt. Seit dem 15. Jahrhundert wurden in England Valentinspaare gebildet, die sich kleine Geschenke oder Gedichte schicken. Die Paare bildeten sich durch Losen am Vorabend oder durch den ersten Kontakt am Valentinstag. Im viktorianischen Zeitalter kam unter den Liebenden der Brauch auf, sich gegenseitig Schmuckkarten zuzuschicken. In Wales begeht man den Valentinstag nicht, sondern feiert am 25. Januar "Dydd Santes Dwynwen". Dies ist der Gedenktag der hl. Dwynwen, einer walisischen Heiligen, die als Schutzpatronin der Liebenden gilt. Als Symbole der Liebe werden in Wales nicht nur Süßigkeiten und andere Geschenke ausgetauscht, sondern auch traditionelle, filigran geschnitzte Holzlöffel, die sogenannten "Love spoons".
In Portugal wird der Valentinstag Dia dos namorados genannt und bedeutet so viel wie "Tag der Liebenden" bzw. "Tag der Verliebten".
In Spanien ist der Valentinstag auch als Día de los enamorados ("Tag der Liebenden") bekannt und wird dort in ähnlicher Weise gefeiert wie im Vereinigten Königreich.
In den letzten Jahren hat die Feier des Valentinstags auch in Rumänien Einzug gehalten. Mehrere Gruppierungen, Institutionen und nationalistische Organisationen wie Noua Dreapta verurteilten ihn als oberflächlichen, rein kommerziellen, aus dem Westen importierten Kitsch. Um die nationale Kultur zu schützen, wurde das Frühlingsfest Dragobete, das noch in Teilen Südrumäniens gefeiert wird, als traditioneller rumänischer Festtag für die Liebenden wiederbelebt, dessen Datum regional variierte, meist ist es der 24. Februar. Dragobete ist nach einer Figur aus der rumänischen Folklore benannt. Durch die Volksetymologie wurde sein Name möglicherweise mit dem Wort drag ("lieb") in Verbindung gebracht, das auch im Wort dragoste ("Liebe") zu finden ist.
In Dänemark, Norwegen und Schweden ist der Valentinstag auch bekannt, wird aber nicht in so großem Maße gefeiert. Die Bräuche kamen ab den 1960er-Jahren hauptsächlich aus Amerika. Man nimmt sich Zeit für ein romantisches Abendessen mit dem Partner, schickt sich Grußkarten zu oder überreicht dem Geliebten eine rote Rose. Vor allem der Blumenhandel versucht, den Tag beliebter zu machen. In Schweden wird der Tag Alla hjärtans dag ("Tag aller Herzen") genannt.

Auch in Südafrika wird der Valentinstag begangen. Dort ist es Brauch, Kleidung in den Farben Weiß und Rot zu tragen, die Reinheit und Liebe symbolisieren.

In einigen lateinamerikanischen Ländern wie Costa Rica, Mexiko und Puerto Rico ist der Valentinstag als Día de los enamorados ("Tag der Liebenden") oder als Día del amor y la amistad ("Tag der Liebe und Freundschaft") bekannt. Üblicherweise bekundet man die Wertschätzung untereinander.
In Guatemala ist der Valentinstag als Día del cariño ("Tag des Lieblings") bekannt.
In Brasilien wird der Dia dos Namorados ("Tag der Liebenden" oder "Tag der Freunde") am 12. Juni gefeiert, möglicherweise weil am 13. Juni das Fest des hl. Antonius begangen wird. Unter den Frauen ist ein als Simpatia bezeichnetes Brauchtum bekannt, um einen guten Ehemann oder Freund zu finden. Paare tauschen untereinander Geschenke, Pralinen, Karten und Blumensträuße aus. Da wegen des brasilianischen Karnevals der 14. Februar nicht als Tag der Liebenden begangen wird, gilt Brasilien im Februar als beliebtes Reiseziel für Singles aus Westeuropa.
In weiten Teilen Lateinamerikas sind der Día del amor y la amistad und der Amigo secreto ("geheimer Freund") sehr beliebt und werden am 14. Februar gemeinsam gefeiert, mit Ausnahme von Kolumbien, wo der Festtag am dritten Samstag im September gefeiert wird.

In China wird der westliche Valentinstag "Liebespaarfest" genannt (Qíngrénjié, chinesisch 情人節 / 情人节 – "wörtlich Liebhaberfest"). Der traditionelle chinesische Valentinstag wird am siebten Tag des siebten Monats des Mondkalenders gefeiert und erinnert an den einzigen Tag im Jahr, in dem sich einer Fabel zufolge die Sternbilder des Kuhhirten und der Weberin begegnen. In der chinesischen Kultur nennt man das Fest auch "die Nacht der Sieben" (Qīxī, 七夕, sinngemäß "Fest der Liebenden"). Der Legende nach sind der Stern des Kuhhirten, Altair, und der Stern der Weberin, Vega, durch einen "silbernen Fluss" (Yínhé, 銀河 / 银河), die Milchstraße, voneinander getrennt, überwinden sie aber am siebten Tag des siebten Monats des chinesischen Mondkalenders. In Japan ist dieser Tag unter dem Namen Tanabata (Kanji ebenfalls 七夕, Hiragana たなばた) bekannt. Dort wird er heutzutage nach der Kalenderreform allerdings am 7. Juli gefeiert, also am siebten Tag des siebten Monats des gregorianischen Kalenders.
Über an Ausländer gerichtete Werbung des Süßwarenunternehmens Morozoff wurde der Valentinstag 1936 in Japan bekannt. 1953 stellte man herzförmige Pralinen her, andere japanische Süßwarenunternehmen zogen nach. 1958 veranstaltete das Kaufhaus Isetan einen "Valentinsverkauf". Weitere Kampagnen in den 1960er-Jahren machten den Tag in Japan bekannter. Der Brauch, dass nur Frauen Schokolade an Männer verschenken, könnte durch den Übersetzungsfehler eines Schokoladenunternehmens während der ersten Kampagnen entstanden sein. Insbesondere Sekretärinnen schenken ihren männlichen Kollegen Schokolade. Im Gegensatz zu westlichen Ländern sind Geschenke wie Grußkarten, Blumen oder Essenseinladungen nicht üblich. Japanische Schokoladenhersteller machen in dieser Zeit die Hälfte ihres Jahresumsatzes. Viele Frauen fühlen sich verpflichtet, allen männlichen Kollegen Schokolade zu schenken, außer wenn der Tag auf einen Sonntag, einen Feiertag, fällt. Dies ist bekannt als giri-choko (義理チョコ), von giri ("Pflicht") und choko ("Schokolade"), wobei unbeliebte Mitarbeiter nur die "ultra-obligatorische" (chō-giri choko), billige Schokolade, erhalten. Dies steht im Gegensatz zu honmei-choko (本命チョコ, "Schokolade der wahren Gefühle"), Schokolade einem geliebten Menschen zu geben. Freunde, besonders Frauen, können Schokolade austauschen, die als tomo-choko (友チョコ) bezeichnet wird, tomo bedeutet "Freund". In den 1980er-Jahren zeichnete die japanische National Confectionery Industry Association (NCIA) ihre Kampagne, einen "Tag der Antwort" am 14. März einzuführen, als erfolgreich. An diesem Tag erwarten die Frauen, Schokolade vom Beschenkten zurückzubekommen. Dieser Tag wird "White Day" genannt, da man Pralinen aus weißer Schokolade schenkt. Ein früherer Versuch war gescheitert, als ein Hersteller von Marshmallows versuchte, einzuführen, dass Männer an die Frauen Marshmallows zurückgeben sollten. In Japan wird am Heiligabend die romantische "Date Night" gefeiert, die mit dem Valentinstag zusammenhängt. Nach einer Umfrage von Personen im Alter von 10 bis 49 Jahren in Japan erhob Oricon Style 1986 die Single "Valentine Kiss" von Sayuri Kokushō als beliebtestes Valentinstagslied, obwohl nur 317.000 Exemplare verkauft wurden. Weitere Lieder in der Rangliste waren "Love Love Love" von Dreams Come True, "Valentine’s Radio" von Yumi Matsutōya und "My Funny Valentine" von Miles Davis.
In Südkorea verschenken Frauen am 14. Februar Schokolade an Männer. Männer beschenken die Frauen am 14. März, dem "White Day", jedoch nicht mit Schokolade. Am 14. April, dem "Black Day", gehen diejenigen, die am 14. Februar oder am 14. März nichts erhalten haben, in ein Restaurant, um Jajangmyeon (자장면), Nudeln mit schwarzer Soße, zu essen und ihr Single-Dasein zu beklagen. Koreaner feiern am 11. November auch den Pepero-Tag, wenn junge Paare sich Peperokekse geben. Das Datum 11/11 soll auf die lange Form des Kekses deuten. Der 14. eines jeden Monats markiert einen Tag der Liebe in Korea, obwohl die meisten davon unklar überliefert sind. Von Januar bis Dezember sind es der "Candle Day", "Valentine’s Day", "White Day", "Black Day", "Rose Day", "Kiss Day", "Silver Day", "Green Day", "Music Day", "Wine Day", "Movie Day" und der "Hug Day".

In Indien verehrte man seit der Antike Kamadeva, den Herrn der Liebe. Als Beispiele dafür findet man die erotischen Schnitzereien in der Khajuraho-Tempelgruppe und den Kamasutra. Im Mittelalter ging diese Tradition verloren, Kamadeva wurde nicht mehr gefeiert und öffentliche Darstellungen sexueller Natur wurden zunehmend verpönt. Diese Unterdrückung der öffentlichen Gefühle hielt bis in die 1990er-Jahre an. Ab 1992 setzten sich Valentinstagsfeiern in Indien durch. Durch Fernsehsender wie MTV, Radioprogramme und Liebesbriefwettbewerbe wurde der Valentinstag bekannter, und die Kartenindustrie steigerte ihre Umsätze deutlich, unter anderem auch durch die wirtschaftliche Liberalisierung. In den letzten Jahren verurteilten hinduistische und islamische Traditionalisten den Feiertag. Die rechtspopulistische Partei Shiv Sena und Organisationen der nationalistischen Sangh Parivar forderten ihre Anhänger auf, Valentinstagsbräuche und das "öffentliche Eingeständnis der Liebe" zu vermeiden, weil dies "der indischen Kultur fremd sei". Diese Proteste werden zwar von politischen Eliten organisiert, jedoch sind die Protestierenden selbst Hindus der Mittelschicht, die befürchten, dass die Globalisierung Indiens die Traditionen ihrer Gesellschaft zerstöre. Trotz dieser Proteste wird der Valentinstag in Indien immer beliebter. Von den indischen Linken wird der Valentinstag stark kritisiert. Dieser wird als Einfallstor für "westlichen Imperialismus", "Neokolonialismus" und "Ausbeutung der Arbeiterklasse durch Kommerzialisierung durch multinationale Konzerne" angesehen. Man behauptet, infolge des Valentinstags würden die Arbeiterklasse und die Armen auf dem Lande sozial, politisch und geographisch stärker von der hegemonialen kapitalistischen Machtstruktur getrennt. Rechte Hindu-Nationalisten sind dem Valentinstag gegenüber ebenfalls ablehnend eingestellt. Im Februar 2012 warnte Subash Chouhan, der damalige Präsident der militanten Bajrang Dal, unter Androhung körperlicher Gewalt, Paare davor, "sich an öffentlichen Orten zu küssen oder zu umarmen". Man sei nicht gegen die Liebe, kritisiere aber "die vulgäre Darstellung der Liebe an öffentlichen Orten."
Das Konzept des Valentinstags wurde in den späten 1990er-Jahren durch Fernseh- und Radioprogramme in Pakistan eingeführt. Die Partei Jamaat-e-Islami forderte ein Verbot der Valentinstagsbräuche. Trotzdem wurden sie unter städtischen Jugendlichen beliebt, und der Blumenhandel bietet große Mengen vor allem roter Rosen an. Das Gleiche gilt für Verleger von Valentinstagskarten. 2016 verbot die Stadtregierung von Peschawar die Feier des Valentinstags in der Stadt. Das Verbot wurde auch in anderen Städten wie Kohat umgesetzt. Im folgenden Jahr verbot das oberste Gericht von Islamabad Valentinstagsfeiern an öffentlichen Orten in Pakistan.

Anfang des 21. Jahrhunderts wurde die Feier des Valentinstags im Iran von islamischen Lehrern, die in den Feierlichkeiten einen Gegensatz zur islamischen Kultur sehen, scharf kritisiert. Im Jahre 2011 erließ die iranische Printing Works Owners’ Union eine Richtlinie, die "das Drucken und Produzieren jeglicher Waren, die mit diesem Tag verbunden sind, einschließlich Poster, Schachteln und Karten, die mit Herzen oder Halbherzen verziert sind, rote Rosen und alle Aktivitäten, die diesen Tag fördern" verbot. Verkäufer, die dies verletzen, werden gesetzlich verfolgt. Im Iran gibt es das Sepandārmazgān oder Esfandegān, ein Fest, an dem Menschen ihrer Liebe zu ihrer Mutter oder ihrer Frau Ausdruck verleihen. In der alten persischen Kultur wird auch die Erde gefeiert. Mit der Zeit wurde dieses Fest von der Feier des Valentinstags verdrängt. Die Association of Iran’s Cultural and Natural Phenomena ist seit 2006 bestrebt, den 17. Februar als Nationalfeiertag ausrufen zu lassen und damit wiederum Valentinstagsbräuche zu verdrängen.
In Israel wurde das Brauchtum des jüdischen Feiertags Tu B’Av wiederbelebt und mit einem Äquivalent des Valentinstages verbunden. Tu B’Av wird am 15. Tag des Monats Aw (normalerweise Ende August) gefeiert. In alten Zeiten trugen die Frauen weiße Kleider und tanzten in den Weinbergen, wo die Männer auf sie warteten (Mischna Ta’anit, Ende Kapitel 4). Heute wird Tu B’Av als zweiter Feiertag der Liebe unter den Menschen gefeiert und hat mit dem Valentinstag viele der Bräuche gemeinsam. In der modernen israelischen Kultur ist der Feiertag sehr beliebt, um seine Liebe auszudrücken, Heiratsanträge zu machen und untereinander Geschenke wie Karten oder Blumen auszutauschen.
Der heilige Valentin ist der Schutzpatron eines großen Teils der libanesischen Bevölkerung. Paare tauschen um den Valentinstag Geschenke aus. Diese enthalten in der Regel Schokolade, Cupcakes und rote Rosen, die als Symbol des Opfers und der Leidenschaft gelten. In jeder Stadt wird der Valentinstag anders begangen. In der Hauptstadt Beirut führen Männer Frauen zum Essen aus und können ihnen ein Geschenk machen. Viele Frauen bekommen an diesem Tag einen Heiratsantrag. In Sidon wird mit der ganzen Familie gefeiert; hierbei geht es auch mehr um Familienliebe als um Liebespaare.
In Saudi-Arabien verbot das Committee for the Promotion of Virtue and the Prevention of Vice (CPVPV) in den Jahren 2002 und 2008 den Verkauf aller Artikel zum Valentinstag und forderte die Verkäufer auf, rotgefärbte Ware zu entfernen, da der Valentinstag ein christlicher Feiertag sei. Dieses Verbot schuf einen Schwarzmarkt für Rosen und Packpapier. Im Jahre 2012 wurden mehr als 140 Muslime verhaftet, weil sie den Valentinstag gefeiert hätten, und im Verkauf alle roten Rosen konfisziert. Muslime durften den Valentinstag nicht begehen, Nichtmuslime nur hinter verschlossenen Türen. Der saudische Geistliche Sheikh Muhammad Al-ʿArifi bezeichnete den Valentinstag als Bidʿa, eine verbotene Neuerung und Abweichung von religiösem Recht und Brauch, und eine Nachahmung des Westens. Nach dieser Auffassung verbietet die Scharia das Begehen des Valentinstages. Der Verkauf von Artikeln, die sich als Valentinstagsgeschenk eignen, wurde schon einige Tage vorher untersagt Dies ist seit 2018 anders: auch Muslime können nun den Valentinstag feiern.

Islamische Beamte in Westmalaysia warnten Muslime davor, den Valentinstag zu feiern, da sie ihn mit einer Untugend in Verbindung brachten. Vizepremierminister Muhyiddin Yassin sagte, die Feier der romantischen Liebe sei für Muslime "nicht geeignet". Der Direktor des Departments of Islamic Advancement of Malaysia (JAKIM), das die islamische Politik des Landes überwacht, Wan Mohamad Sheikh Abdul Aziz, äußerte, aus einer Fatwa von 2005 gehe hervor, dass dieser Tag "mit Elementen des Christentums in Verbindung gebracht" werde und man sich nicht "mit den Anbetungsritualen anderer Religionen befassen" könne. Das JAKIM plante 2011, eine landesweite Kampagne mit dem Titel Awas Jerat Valentine’s Day ("Fallt nicht auf den Valentinstag herein") durchzuführen. Diese beinhaltete die Durchführung von Razzien in Hotels, um unverheiratete junge Paare am Geschlechtsverkehr zu hindern, und das Verteilen von Flugblättern an muslimische Universitätsstudenten. Am Valentinstag 2011 verhafteten die malaysischen Behörden mehr als 100 muslimische Paare wegen des Verstoßes gegen das Valentinstagsverbot, mit dem Ziel, sie vor dem Schariagericht anzuklagen. In Ostmalaysia werden die Valentinstagsfeiern junger muslimischer Paare eher toleriert, obwohl einige islamische Beamte und muslimische Aktivisten Daʿwa organisieren und damit versuchen, ihre Verbote in den Osten auszuweiten. In beiden Bundesstaaten, Sabah und Sarawak, ist die Feier mit Blumen üblich.
Auf den Philippinen wird der Valentinstag, genannt Araw ng mga Puso, in ähnlicher Weise wie in Westeuropa begangen. In der Regel steigen die Preise für Blumen, vor allem für rote Rosen, stark an.
Singapur gehört zu den größten Ausgebern am Valentinstag. 60 % der Bevölkerung geben an, dass sie in den Wochen vor dem Festtag zwischen 100 und 500 Dollar ausgeben würden.
In Taiwan werden das traditionelle Qixi-Festival ("Fest der Liebenden"), der Valentinstag aus dem Westen und der japanische White Day gefeiert, jedoch umgekehrt wie in Japan. Männer beschenken Frauen am Valentinstag, die Frauen erwidern dies am White Day.
In Thailand ist der Valentinstag zwar nicht verboten, es wird aber auf die geltenden Gesetze wie das Verbot des Austauschs von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit geachtet. Dennoch feiern die meisten Jugendlichen diesen Tag, in Bangkok gibt es deshalb eine Ausgangssperre für Minderjährige ab 22 Uhr.

In den Vereinigten Staaten, dem Land der Superlative, besonders was das Feiern angeht, wird die Zahl der versandten Valentinstagskarten auf etwa 190 Millionen geschätzt. Zusammen mit den Karten, die Schulkinder und Lehrer untereinander austauschen, belaufen sich die Schätzungen auf etwa eine Milliarde. In den letzten Jahrzehnten wurde der Valentinstag zunehmend kommerzialisiert und ist zu einem beliebten Anlass geworden, Geschenke zu machen; besondere Werbekampagnen fördern den Umsatz.

Doch wie ist dieser Feiertag entstanden, besonders in seiner westlichen Ausprägung?
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Re: Traditionen

Beitragvon almafan » Fr 25. Feb 2022, 12:38

Was ist Liebe? - Warum feiert man den Valentinstag?

Das Brauchtum dieses Tages geht auf das Fest des heiligen Valentinus zurück, eines Märtyrers, in dessen Hagiographie (Biographie eines Heiligen) möglicherweise die Vitae mehrerer Märtyrer dieses Namens zusammengeflossen sind. Der Gedenktag des heiligen Valentinus am 14. Februar wurde von Papst Gelasius im Jahre 496 für die ganze Kirche eingeführt, 1969 jedoch aus dem römischen Generalkalender gestrichen. Verbreitet gibt es jedoch um den Valentinstag herum Gottesdienste, in denen Ehepaare gesegnet werden. Es gibt jedoch Hinweise, dass die Leidensgeschichte des Heiligen und sogar dessen Existenz erfunden wurden. Es wurde fälschlicherweise angenommen, dass eine von einem Spender namens Valentin finanzierte Basilika für einen Heiligen namens Valentin gebaut wurde.

Aber wie das? Erfunden?

In Martyrologien werden in Verbindung mit dem 14. Februar Viten verschiedener Märtyrer namens Valentinus angeführt, beispielsweise die Vita des heiligen Valentin von Rom (Valentinus presb. M. Romae), der das Martyrium erlitt, weil er Soldaten traute, denen das Heiraten verboten war, und während der Christenverfolgungen im Römischen Reich Gottesdienste für Christen feierte. Gemäß einer Legende heilte er während seiner Gefangenschaft die blinde Tochter seines Aufsehers und schrieb ihr vor seiner Hinrichtung zum Abschied einen Brief, der mit "Dein Valentin" unterzeichnet war.

Valentin von Rom war Priester in Rom, der 269 den Märtyrertod erlitt und auf der Via Flaminia begraben wurde. Die Reliquien des heiligen Valentin wurden in der Kirche und in den Katakomben von San Valentino in Rom aufbewahrt, das während des gesamten Mittelalters ein wichtiger Wallfahrtsort blieb, bis die Reliquien des Heiligen während des Pontifikats von Nikolaus IV. in die Kirche von Santa Prassede überführt wurden. Die mit Blumen gekrönte Schädelreliquie des heiligen Valentinus wird in der Basilika Santa Maria in Cosmedin in Rom verwahrt. Andere Relikte befinden sich in der Karmelitenkirche in der Whitefriar Street in Dublin.

Dann gab es noch Valentin von Terni (Valentinus ep. Interamnensis M. Romae), wobei es sich wohlmöglich um denselben Heiligen handelt. Valentin von Terni wurde Bischof von Interamna, dem heutigen Terni, und soll während der Verfolgung unter Kaiser Aurelian im Jahr 273 den Märtyrertod erlitten haben. Er ist ebenfalls auf der Via Flaminia begraben, aber an einem anderen Ort als Valentin von Rom. Seine Reliquien befinden sich in der seinem Patrozinium unterstellten Basilika in Terni.
Die Catholic Encyclopedia führt einen dritten heiligen Valentin an, der in frühen Martyrologien vom 14. Februar erwähnt wurde. Er erlitt das Martyrium in Afrika mit einer Anzahl von Gefährten, weiter ist nichts über ihn bekannt. Seine Schädelreliquie wird in der Abtei von New Minster in Winchester aufbewahrt und verehrt.

Und wie kam es zum mordernen Brauchtum?

Das Fest des heiligen Valentinus wurde erstmals im 14. Jahrhundert, als die Tradition der höfischen Liebe florierte, in den Kreisen um Geoffrey Chaucer (* um 1342/1343, wahrscheinlich in London; † wahrscheinlich 25. Oktober 1400 in London) war ein englischer Schriftsteller und Dichter, der als Verfasser der Canterbury Tales berühmt geworden ist) mit der romantischen Liebe assoziiert. Im England des 18. Jahrhunderts entwickelte es sich zu einer Gelegenheit, bei der Liebende ihre Liebe füreinander zum Ausdruck brachten, indem sie einander Blumen und Süßigkeiten schenkten und Grußkarten ("Valentines") schickten. In einigen Regionen Europas schenken sich Liebespaare "Valentinsschlüssel" als romantisches Symbol und Einladung zum Aufschließen des Herzens des Schenkenden. Auch Kinder erhalten solche Schlüssel, um Epilepsie abzuwehren, die auch "Sankt-Valentins-Krankheit" genannt wird. Heute verwendete Valentinstagssymbole sind Gegenstände mit herzförmigem Umriss, Tauben und die Figur des geflügelten Liebesboten Cupido. Seit dem 19. Jahrhundert sind handgeschriebene Valentinsgrüße den in Massen produzierten Grußkarten gewichen.

Der Valentinstag ist ein Fest in der anglikanischen Gemeinschaft[5] und der lutherischen Kirche.[6] Auch einige der orthodoxen Kirchen begehen das Fest des heiligen Valentinus, jedoch am 6. Juli zu Ehren des römischen Priesters Valentin und am 30. Juli zu Ehren des Bischofs Valentin von Terni. Die römisch-katholische Kirche begeht das Gedächtnis des heiligen Valentin von Rätien am 7. Januar.

Der Literaturwissenschaftler Jack B. Oruch stellte fest, Vitae der beiden Heiligen seien in beinahe jeder Kirche und jedem Kloster Europas zu finden gewesen.

Welche Verbindung besteht zwischen dem heiligen Valentinus um dem Fest der Liebe?

Trotz der Behauptungen vieler Autoren gibt es keine Belege auf eine Verbindung zwischen dem römischen Fest der Lupercalien und dem Valentinstag. Die ersten romantischen Konnotationen kamen mit Chaucers Gedicht Parlement of Foules ("Parlament der Vögel") über den heiligen Valentin in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts auf. Man vermutet Verbindungen mit einigen griechisch-römischen Festtagen im Februar, die angeblich der Fruchtbarkeit und Liebe gewidmet gewesen seien, aber vor Chaucer konnten bisher keine Verbindungen zwischen dem heiligen Valentin und der romantischen Liebe bestätigt werden.
Im Römischen Reich waren die Lupercalien ein antiker Fruchtbarkeitsritus und wurden um den 13. bis 15. Februar in Rom gefeiert. Das Fest galt auch der Juno Februata, der Reinigerin. Papst Gelasius schaffte die Lupercalien am Ende des 5. Jahrhunderts ab. Einige Forscher vertreten die Ansicht, Gelasius habe die Lupercalien durch das Fest der Purificatio Mariae ersetzt, tatsächlich handelt es sich allerdings nur um den vierzigsten Tag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn. Auch wurde zu Zeiten Gelasius’ das Fest Mariä Reinigung nur in Jerusalem gefeiert, und zwar deshalb am 14. Februar, weil dort das Fest der Geburt Jesu Christi am 6. Januar gefeiert wurde. Im 6. Jahrhundert wurde das Fest Mariä Reinigung auf den 2. Februar gelegt und seitdem auch in Rom und an anderen Orten begangen.
Alban Butler behauptete in seinem Werk Lifes of the Principal Saints ohne Verweis, Frauen und Männer hätten während der Lupercalien Namen aus einem Krug gezogen, um sich mit dieser Person zu vermählen, woher sich die heutigen Bräuche des Valentinstags ableiten sollten. Tatsächlich sollen sie aber aus dem Mittelalter stammen und somit nichts mit den Lupercalien zu tun haben.

Laut Jack B. Oruch könne die erste belegte Assoziation romantischer Liebe mit dem Valentinstag auf Geoffrey Chaucers Parlement of Foules (1382) zurückgeführt werden:[15]

„For this was on seynt Volantynys day
Whan euery bryd comyth there to chese his make.“

„Es geschah am Valentinstag
Als jeder Vogel kam, um seinen Partner zu wählen.“

– Geoffrey Chaucer: Parlement of Foules 1382

Chaucer schrieb das Gedicht, um den ersten Jahrestag der Verlobung von König Richard II. von England mit Anne von Böhmen zu würdigen. Der Ehevertrag wurde am 2. Mai 1381 unterzeichnet. Die Leser des Gedichts hätten angenommen – so Jack B. Oruch –, dass Chaucer sich damit auf den 14. Februar als Valentinstag bezog. Henry Ansgar Kelly, Research Professor für Englisch an der University of California, Los Angeles, ist dagegen der Ansicht, dass Chaucer hier das Fest von St. Valentin von Genua meinte, einen Bischof von Genua, der im Jahre 307 starb; man feierte es offenbar am 3. Mai. Oruch merkte zudem an, dass am 14. Februar auf die Tagundnachtgleiche bezogen der Frühling begonnen habe. Dies wurde erst mit Einführung des genaueren Gregorianischen Kalenders im Jahre 1582 geändert. Zu Chaucers Lebzeiten fiel der heutige 14. Februar auf den 23. Februar im Julianischen Kalender. In England sollten ab dann die Vögel damit begonnen haben, sich zu paaren und zu nisten.
Chaucers Parlement of Foules bezieht sich angeblich auf eine bereits etablierte Tradition, vor Chaucer ist eine solche aber nicht belegt. Die spekulative Herleitung des Brauches wurde seit dem 18. Jahrhundert insbesondere von Alban Butler in seinem Werk Butler’s Lives of Saints, aber auch von anderen Gelehrten in ihren Schriften dargestellt. Vor allem "die Idee, dass der Valentinstag die Bräuche der Lupercalien verewige, wurde akzpetiert und auf unterschiedliche Weise bis heute interpretiert".

Zur etwa selben Zeit wie Chaucer schrieben Otton de Grandson aus Savoyen, John Gower aus England und der Ritter Pardo aus Valencia ebenfalls Gedichte über die Paarung von Vögeln am Valentinstag. Aufgrund der Schwierigkeit, mittelalterliche Werke zu datieren, ist nicht genau festzustellen, ob Chaucer zuerst die Idee hatte und die anderen damit beeinflusste.

Die erste Beschreibung des 14. Februar als jährliches Fest der Liebe erscheint in der Charter of the Court of Love. Die Charta, angeblich von König Karl VI. von Frankreich im Jahre 1400 in Mantes-la-Jolie herausgegeben, beschreibt große Festlichkeiten, bei denen Mitglieder des königlichen Hofes zugegen waren. Dazu gehörten ein Festmahl, Wettbewerbe zu Liebesliedern und -poesie, Turnierkämpfe und Tanz. Es existiert keine weitere Aufzeichnung des Hofes, und keine der in der Charta genannten Persönlichkeiten war in Mantes-la-Jolie dabei, außer der Königingemahlin Isabeau de Bavière, die sich alles wahrscheinlich nur erwünschte, während sie auf die Pest wartete.

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Englische „Valentine“-Grußkarte aus dem Jahr 1876

Im Jahre 1797 brachte ein britischer Verleger das Werk The Young Man’s Valentine Writer heraus, das viele Verse für junge Liebhaber enthielt, die nicht selbst dichten konnten. Druckereien hatten bereits begonnen, Valentinskarten mit Versen und Skizzen zu produzieren. Man nannte sie Mechanical Valentines. In England wurden sie im frühen 19. Jahrhundert so beliebt, dass sie in Fabriken hergestellt wurden. Fancy Valentines wurden mit echter Spitze und Schleifen produziert, ab Mitte des 19. Jahrhunderts dann mit Papierspitze. Trotz teuren Portos wurden jährlich 60.000 Valentinskarten in Großbritannien per Post versandt.
Nach den Postreformen durch Sir Rowland Hill mit der Einführung der Briefmarke (One Penny Black) im Jahr 1840 stieg die Zahl der Valentinstagskarten wegen der Senkung der Postgebühren, 1841 waren es etwa 400.000 Stück. Dies machte die Valentinsgrüße zwar praktischer, jedoch wurden sie weniger persönlich. Außerdem wurde es möglich, die Karten ohne Absender zu verschicken. In der sonst prüden viktorianischen Ära konnten so einfache Verse schnell ausgetauscht werden. Die Produktion nahm weiter zu; in der Cupid’s Manufactory, wie Charles Dickens sie nannte, waren über 3.000 Frauen beschäftigt. Die Laura Seddon Greeting Card Collection an der Manchester Metropolitan University enthält 450 Valentinstagskarten aus dem frühen 19. Jahrhundert, die von den damals führenden Verlegern im Vereinigten Königreich herausgebracht wurden. Die Kollektion erschien in Seddons Werk Victorian Valentines (1996).

Die erste Massenproduktion von Valentinstagskarten mit geprägter Papierspitze fand in den Vereinigten Staaten statt und wurde ab 1848 von Esther Howland aus Worcester (Massachusetts) vertrieben. Howlands Vater besaß zwar einen großen Buch- und Schreibwarenladen, sie ließ sich jedoch von einer britischen Valentinstagskarte inspirieren, die sie von einem Geschäftspartner ihres Vaters erhalten hatte. Mit dem Gedanken, ähnliche Valentinstagskarten zu entwerfen, gründete Howland einen Verlag und ließ Papierspitze und Blumendekorationen aus England importieren. Ein Autor in Graham’s American Monthly bemerkte 1849: "Valentinstag […] wird, bzw. ist es bereits, ein nationaler Feiertag." Seit 2001 verleiht die Greeting Card Association jährlich den Esther Howland Award for a Greeting Card Visionary.

Seit dem 19. Jahrhundert gibt knapp die Hälfte der britischen Bevölkerung Geld für Valentinsgeschenke aus, im Jahre 2015 wurden etwa 1,9 Milliarden Pfund für Karten, Blumen, Pralinen und weitere Geschenke eingenommen. Der Handel um den Valentinstag Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in den Vereinigten Staaten zum Vorboten weiterer kommerzialisierter Feiertage.

Im Jahr 1868 entwarf der britische Schokoladenhersteller Cadbury Fancy Boxes, dekorierte Pralinenschachteln in Form eines Herzens zum Valentinstag. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Praxis des Kartenaustausches auf sämtliche Arten von Geschenken ausgedehnt, wie zum Beispiel auch auf Schmuck.

Die U.S. Greeting Card Association schätzt den Versand von Valentinsgrüßen in den Vereinigten Staaten auf 190 Millionen. Etwa die Hälfte davon gehen an den eigenen Ehepartner, die Kinder und die Eltern. Wenn die Valentinstagstauschkarten aus der Schulpraxis mit einbezogen werden, erhöht sich die Anzahl auf etwa 1 Milliarde, dabei sind Lehrer diejenigen, die die meisten Tauschkarten erhalten. Die durchschnittlichen Einnahmen zum Valentinstag steigen auch in den Vereinigten Staaten weiter an.
Als um die Jahrtausendwende das Internet immer populärer wurde, entstanden neue Traditionen. Millionen Menschen nutzen jährlich digitale Medien, um Valentintagsgrüße wie E-Cards, Liebescoupons oder bedruckbare Grußkarten zu erstellen und zu versenden. Im Jahre 2010 wurden geschätzte 15 Millionen solcher Botschaften mithilfe digitaler Medien versendet. Aufgrund seiner steigenden Kommerzialisierung wird der Valentinstag fast schon als Feiertag angesehen.

Man könnt es auch deutlich kürzer ausführen:
Was hat der heilige Valentinus mit dem Tag der Liebe zu tun?
- Nichts.

Es ist lediglich ein von Geoffrey Chaucer gewähltes Datum für sein Gedicht Parlement of Foules, die um diese Zeit ihren Partner suchen sollen. Also lediglich die Umdeklarierung eines christlichen Märtyrers, den es so wohl nie gab.

Aber wo wir schon mal bei hohlen Traditionen sind:
Neben den britischen Bräuchen, Karten, Blumen, Pralinen und andere Geschenke zu versenden, gibt es heute noch verschiedene regionale Traditionen in England. In Norfolk beispielsweise klopft eine Figur namens Jack Valentine an die Hintertür der Häuser und hinterlässt Süßigkeiten und Geschenke für die Kinder. Dennoch haben viele Kinder Angst vor ihm.

In Slowenien gilt der heilige Valentin, dort auch Zdravko genannt, als Heiliger des Frühlings, der Gesundheit und als Schutzpatron der Imker und Pilger. Ein Sprichwort besagt, dass der Heilige "den Schlüssel für die Wurzeln bringt", das heißt, an diesem Tag sollen Pflanzen und Blumen zu wachsen beginnen. Am Fest des Heiligen werden die ersten Arbeiten in den Weinbergen und auf den Feldern gefeiert. Es wird auch gesagt, dass sich an diesem Tag die Vögel umwerben und verpaaren. Ein weiterer Terminus lautet Valentin – prvi spomladin ("Valentin – der erste Frühlingsheilige"), der in einigen Regionen (besonders in der Weißkrain) den Frühlingsbeginn ausruft. Erst seit Kurzem wird der Valentinstag in Slowenien auch als Tag der Liebe begangen. Traditionell war der Tag der Liebe das Fest des heiligen Gregor am 12. März oder das Fest des heiligen Vinzenz von Valencia am 22. Januar. Der Schutzheilige der Liebe ist der heilige Antonius von Padua, dessen Fest am 13. Juni gefeiert wird.
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Re: Traditionen

Beitragvon almafan » So 9. Okt 2022, 23:53

Why the Monarchy Should Have Died With the Queen | CosmicSkeptic (16:54 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=7TzM1TO2pb4
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Re: Traditionen

Beitragvon almafan » Di 1. Nov 2022, 18:34

Zeugen Jehovas und der Quatsch mit dem teuflischen Halloween

Sorry, für die Verspätung. Ich hatte ursprünglich gar nicht vor, irgendwas zu dem Thema zu schreiben, aber mein Whatsapp-Status wurde gestern Abend (31.10.) dann doch noch mit "Halloween und seine heidnischen Ursprünge" geflutet.

Alle Jahre wieder kommt dieser Feiertag, der besonders in den USA riesig aufgezogen wird. Kinder ziehen in mehr oder weniger gelungenen Kostümen von Haus zu Haus und betteln um Süßigkeiten bei den Bewohnern. Die Erwachsenen wiederum treffen sich, sofern ohne Kinder, kostümiert zu irgendwelchen Saufgelagen ... äh ... Partys. Ein Heidenspaß also. Und genau da liegt das Problem. Denn selbsternannte Beschützer des Abendlandes haben es sich zur Aufgabe gemacht, die satanischen Ursprünge dieses Festes jedes Jahr aufs neue offenzulegen. Dumm nur, dass das keinen kümmert. Denn es geht den Menschen im Allgemeinen nicht darum, an diesem Tag irgendwelchen "falschen" Göttern zu huldigen, sondern simpel eine Ausrede für's Erschnorren von Süßigkeiten oder für's hart Feiern zu haben. Nicht das es für Letzteres irgendwelcher Ausreden bedarf.

Halloween benennt die Volksbräuche am Abend und in der Nacht vor dem Hochfest Allerheiligen, vom 31. Oktober auf den 1. November. Dieses Brauchtum war ursprünglich vor allem im katholischen Irland verbreitet. Die irischen Einwanderer in den USA pflegten ihre Bräuche in Erinnerung an die Heimat und bauten sie aus. Im Zuge der irischen Renaissance nach 1830 wurden in der frühen volkskundlichen Literatur eine Kontinuität der Halloweenbräuche seit der Keltenzeit und Bezüge zu heidnischen und keltischen Traditionen wie dem Samhainfest angenommen. Es werden immer wieder entsprechende Mutmaßungen des Religionsethnologen James Frazer zitiert.

Samhain ist einer der vier großen keltischen Festtage (die anderen sind Imbolc (1. Februar), Beltane (1. Mai) und Lughnasadh (1. August)).
Das Wort Halloween, in älterer Schreibweise Hallowe'en, ist eine Kontraktion (von engl. zusammenziehen) von All Hallows' Eve ("Aller Heiligen Abend"), benennt den Tag bzw. den Abend vor Allerheiligen (wie auch bei Heiligabend, englisch Christmas Eve). Vor jedem kirchlichen Hochfest wurde am Vorabend eine Messe gefeiert, die Vigil. So auch vor Allerheiligen. Die heute noch üblicherweise gefeierten Vigilien sind der Heiligabend (vor Weihnachten) und die Osternacht (vor Ostern).


Whatsapp-Statusmeldungen vom 31.10.2022

Das ist jetzt von einem Zeugen Jehovas. Selbst auferledigter Arbeitsauftrag war es, die böse Seite von Halloween herauszustellen. Doch das letzte Panel lässt uns im unklaren, warum es gut ist, die Urspünge von Halloween zu kennen. "Wie man sieht, ist es gut, die düsteren Ursprünge von Halloween zu kennen." verfängt doch nur, wenn man lieber Gottes Freund sein will. Dann wäre es gut, diesen Brauch zu meiden. Für alle anderen ist es maximal ein "Nice to know", aber für nichts in ihrem Leben relevant. Aber prüfen wir mal die Aussagen, die hier gemacht werden, denn ganz so klar, wie hier beschrieben ist die Sache nicht. Doch es passt ganz gut ins Schwarz-Weiß-Schema, dass man Sachverhalte vereinfacht darstellt. Damit lässt sich besser arbeiten.
Aber es gibt tatsächlich zwei Herleitungen für das Fest.

Herleitung aus der Kirchengeschichte

Die Entstehungsgeschichte des Festtags Allerheiligen geht auf ein Fest aller heiligen Märtyrer zurück, das am 13. Mai, dem Weihetag der Kirche Sancta Maria ad martyres in Rom, gefeiert wurde, als Papst Bonifatius IV. das Pantheon, einen allen römischen Göttern gewidmeten Tempel, im 609/610 der Jungfrau Maria und allen heiligen Märtyrern weihte. Papst Gregor III. weihte über hundert Jahre später eine Kapelle in der Basilika St. Peter allen Heiligen und legte dabei für die Stadt Rom den Feiertag auf den 1. November. Gregor IV. übernahm diesen Festtermin in den römischen Generalkalender.
Der Bezug von Halloween ergibt sich aus dem der Feier des Hochfestes Allerheiligen folgenden Gedächtnis Allerseelen, an dem die Katholiken ihrer Verstorbenen und aller Armen Seelen im Fegefeuer durch Gebet und Ablässe gedenken. Die Einführung des Allerseelentages am 2. November geht auf Abt Odilo von Cluny im Jahre 998 zurück.

Herleitung aus keltischen oder vorchristlichen Traditionen

Der Religionsethnologe Sir James Frazer beschrieb in seinem Standardwerk The Golden Bough (in der Ausgabe von 1922) Halloween als "altes heidnisches Totenfest mit einer dünnen christlichen Hülle". Neben dem Frühjahrsfest Beltane am 1. Mai (Walpurgisnacht) habe es sich um das zweite wichtige Fest der Kelten gehandelt. Nachgewiesen sei es seit dem 8. Jahrhundert, als christliche Synoden versuchten, solche heidnischen Riten abzuschaffen.
Die Encyclopædia Britannica leitet das Fest aus alten keltischen Bräuchen her. Gefeiert wurde zu Halloween demnach auch das Sommerende, der Einzug des Viehs in die Ställe. In dieser Zeit, so glaubte man, seien auch die Seelen der Toten zu ihren Heimen zurückgekehrt. Begangen wurde das Fest laut der Encyclopædia Britannica mit Freudenfeuern auf Hügeln (engl. bonfires, wörtlich Knochenfeuer; ursprünglich mit Bezugnahme auf das Verbrennen von Knochen des Schlachtviehs) und manchmal Verkleidungen, die der Vertreibung böser Geister dienten. Auch Wahrsagerei sei zu diesem Datum üblich gewesen.

Das 1927 bis 1942 erschienene Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens schreibt über den November:

Die Kelten, welche das Jahr vom November an rechneten, feierten zu Beginn dieses Monats ein großes Totenfest, für das die Kirche die Feste Allerheiligen und Allerseelen setzte

Und über Allerseelen:

Auf keltischem Gebiete war das Anzünden großer Feuer üblich. […] Man kann am A.tage erfahren, was für ein Winter werden und wie sich die Zukunft – namentlich in Liebesangelegenheiten – gestalten wird. […] Die an A. (wie die am Christtag und in den Zwölften) Geborenen können Geister sehen.

Meyers Konversations-Lexikon schreibt zur angeblichen keltischen Herkunft des Festes:
Legendenhaft und historisch nicht exakt zu beweisen ist eine direkte Verbindungslinie zu dem keltisch-angelsächsischen Fest des Totengottes Samhain. Aus der Verbindung mit diesem Totengott sollen sich die Gebräuche zu Halloween ableiten, vor allem der Bezug auf das Totenreich und Geister.

Die frühere Forschung vermutete den ältesten Hinweis auf das Samhain-Fest im schwer zu deutenden Kalender von Coligny aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., dort als ein Fest des Sommerendes (keltisch samos, gälisch samhuinn für "Sommer"), oder zurückgehend auf das irogälische Wort für Versammlung, samain. Diese Vermutung wird wissenschaftlich nicht mehr vertreten. Ein angeblicher Totengott Samhain ist historisch nicht nachweisbar. Erst in deutlich späteren, mittelalterlichen Schriften über die Gebräuche der Kelten wird auf einen Bezug zum Totenreich hingewiesen. Diese sind bereits intensiv christlich beeinflusst.

Was hält die aktuelle Religionsforschung von der These einer kontinuierlichen Entwicklung keltischer Bräuche zu modernen Halloweenbräuchen?

Die sogenannte Kontinuitätshypothese gilt als veraltet und unhaltbar (#1, #2, #3). Whoopsi!
Da Irland zu den am frühesten christianisierten Ländern Europas zählt, ist für Bernhard Maier eine quellenmäßig nirgendwo belegte direkte Kontinuität zu keltisch-heidnischen Riten gerade in Irland unwahrscheinlich und der keltischen Renaissance seit dem 19. Jahrhundert zuzuschreiben (#4). Der britische Historiker Ronald Hutton sieht keine Belege für Samhain als Totenfest, betont aber, der Termin sei für die keltische Bevölkerung sicher eine Zeit gewesen, in welcher man sich gegen übernatürliche Kräfte wappnen musste. Das Allerheiligen- und Allerseelenfest mit der Toten-Thematik habe dann das ältere Samhainfest überlagert (#5).
Die österreichische Ethnologin Editha Hörandner sieht die häufig behaupteten keltischen oder heidnischen Ursprünge als historische Projektion, die geradezu den Charakter eines Gütesiegels habe. Von Interesse für die Forschung sei weniger die längst widerlegte These einer ungebrochenen Kontinuität bis ins Altertum, als vielmehr, wie die moderne Sehnsucht nach fiktiven keltischen Traditionen entstehe und was davon verbreitet werde. Die aktuelle Praxis des Festes Halloween habe mit diesen Vorstellungen wenig oder gar nichts zu tun und sei keineswegs heidnisch oder keltisch geprägt. Interessanter sei die aktuelle Entwicklung von Halloween als Reimport aus den Vereinigten Staaten (#6).

Also:
Beide Aussagen des 1. Panels stimmen nicht. Weder ist ein Totenkult an Samhain nachweisbar, noch eine Übernahme dieses Feiertages ins Christentum. Lediglich eine zeitliche Überschneidung auf das selbe Datum.
Beide Aussagen des 2. Panels stimmen ebenfalls nicht. Es kann ja für diesen Hexenkult der wichtigste Feiertag sein, aber für die Kelten war er es nicht. Beltane (heute Walpurgisnacht) am 1. Mai ist das wichtigste Fest. Und nur, weil jemand am gleichen Tag etwas feiert, ist es nicht ein gemeinsames Feiern. Auf der Erde leben aktuell 7,8 Milliarden Menschen, aber wir haben nur 365 Tage im Jahr, dennoch feiern Menschen nicht quer über den Globus ihren Geburtstag zusammen, auch wenn er auf den gleichen Tag fällt. Ich wurde am 4. Juli als Zeuge getauft, aber das hat reichlich wenig mit dem Unabhängigkeitstag der USA zu tun. Zeitliche Überschneidungen machen noch lange keine Union aus. Und nicht jeder, der Halloween feiert, ist Christ.
Die Aussagen im 3. Panel sind wiederum richtig.
Das macht die Aussagen aus dem 4. Panel aber nicht richtiger. Man ist sich heute ziemlich sicher, dass die moderne Art Halloween zu feiern, herzlich wenig mit irgenwelchen keltischen Bräuchen zu tun hat. Weder Symbole (was auch immer man damit meint), noch Masken, noch Dekorationen und auch keine Bräuche. Ich kenne Halloween in der Form, dass Kinder von Haus zu Haus gehen und "Süßes sonst gibt's Saures!" rufen. Wie kommen die Freudenfeuer da ins Spiel?
Und was ist das überhaupt für eine Argumentation? Nur weil irgendwelche Leute vor tausenden Jahren an Geister und Dämonen geglaubt haben und mit dem Zauberstab geschwungen haben, dürfen Leute heute ihren Festtag nicht machen? Im 21. Jahrhundert? Dann wird das mit den Superheldenfilmen wohl auch nichts, besonders wenn ein Magier mit einem Cape, dass ein Eigenleben hat, über die Leinwand läuft. Aber so ziemlich jeder Superheld, der aktuell durch die Kinos rattert, ist in irgendeiner Art mit Attributen bestickt, die man auch in irgendwelchen heidnischen Religionen wiederfinden kann. Superstark, superschnell, die Fähigkeit zu fliegen, etc. Das alles können viele Geister und andere mythische Gestalten aus z.B. antiken Religionen ebenfalls.

Aber verständlich, dass es in den Status geballtert wurde. Das ist die Doktrin. Heidnische Feste sind böse, denn das Heidentum ist Bestandteil der "falschen" Religion. Nicht, dass es eine richtige gäbe.
Aber um Jehova und seine Anbetung zu verteidigen, muss man anderen schon mal erklären, dass sie falsch glauben und im Unrecht sind. Gewohntes Stilmittel beim Tür-zu-Tür-Predigtdienst. Aber jetzt wissen wir zumindest, was uns das letzte Panel sagen will.

Vielleicht liegt der Grund aber auch etwas weniger metaphysisch bedingt.
Vielleicht wollen Zeugen Jehovas einfach nicht, dass völlig random irgendwelche Leute an ihren Türen klingeln. (I love the irony!)

...

Da ist noch was.
Ich könnte jetzt hier abschließen, aber dann kam noch so ein Nonsens aus einer ganz anderen Richtung herbei.
Ich kenne die Weltanschauung dieser Person nicht, aber auch die Aussage da ist gelinde gesagt falsch.


Ebenfalls am 31.10.2022 im Whatsapp-Status gesehen.

Was Anton Lavey da erzählt, dass sollte nicht überraschen, ist falsch.
Selbst wenn wir einen heidnischen Ursprung in dem Fest Halloween vermuten oder einfach davon ausgehen, dass es so ist, wie Zeugen Jehovas es tun, bleibt die Aussage falsch.
Heidnische Religionen beteten nicht Satan an, sondern andere Götter, als den christlichen Gott. Vorchristliche Religionen konnten Satan gar nicht anbeten, da ihnen diese Idee, zumindest in der biblischen Variante, ja erst mit dem Christentum gebracht wurde. Sicher, die Dualität zwischen guten und bösen Geistermächten findet sich quer über den Globus auch in Religionen, die sich nie auf die Bibel stützten oder lange vor dieser entstanden sind. Aber die Vorstellung das Kelten und andere die bösen Geister angebetet haben, ist absurd. Viele Kulte enthielten Praktiken, die nicht nur gute Geister riefen, damit sie einen unterstützen und beschützen, aber man opferte eben auch bösen Geistern, um deren Schaden abzuwenden. Anton ist mitlerweile tot, aber er hat die Welt des 20. Jahrhunderts gesehen. Und er hat auch gesehen, wie Kinder in Amerika Halloween feiern. Vielleicht ist dieser Ausspruch auf eine erhöhte Menge Alkohol zurückzuführen, aber ich denke, auch er verfällt der veralteten und widerlegten Idee der Kontinuitätshypothese.

Halloween ehrt nicht den Teufel, so oft man es auch behaupten mag.
Aber eine Behauptung ist eben nur so stark, wie die Belege, die diese tragen.
Leider ist offenbar auch diese Aussage falsch. Lasst es mich korrigieren:
Eine Behauptung ist eben nur so stark, wie die Anzahl der Behaupteten, mit oder entgegen jeder Beweislage.

Kommen wir aber noch einmal auf die implizierte Aussage des Zeugen Jehovas zurück.
Die heidnischen Ursprünge eines Brauches sollten uns vor dem Praktizieren der heute eigentlich harmlosen Maskerade und dem Feiern abhalten. Besonders, wenn wir gute Freunde von Gott sein wollen.

Das gilt eigentlich für alle Feiertage heidnischen Ursprungs. Oder?

Die piñata und ihre Verwendung
https://wol.jw.org/de/wol/d/r10/lp-x/101971449
(Aus dem Erwachet 1971, 22.9.)

Da ist eher eine Ablehnung herauszulesen. Aber sie ist weniger schroff gefasst, wie bei Halloween, Weihnachten oder Geburtstag.

Die piñata — Eine alte Tradition
https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitschriften/g20030922/Die-pi%C3%B1ata-Eine-alte-Tradition/
(Aus dem Erwachet 2003, 22.9.)

Bei der Frage, ob piñatas bei Geselligkeiten verwendet werden sollten, müssen Christen auf das Gewissen anderer Rücksicht nehmen (1. Korinther 10:31-33). Im Wesentlichen geht es nicht darum, was ein Brauch vor Hunderten von Jahren bedeutete, sondern wie er heute in ihrer Gegend gesehen wird. Dabei können die Meinungen natürlich von Gegend zu Gegend unterschiedlich sein. Darum ist es klug, aus solchen Dingen keine große Streitfrage zu machen. Die Bibel sagt: „Jeder suche fortwährend nicht seinen eigenen Vorteil, sondern den des anderen“ (1. Korinther 10:24).

In Summe heißt es, dass man Pinatas nutzen kann, wenn ein anderer Christ keinen Anstoß daran nimmt. Damit es nicht zu peinlichen Quärelen während der Feier kommt, sollte man die Eingeladenen schon bei der Einladung darauf hinweisen. Das wäre rücksichtsvoll und ich kann das sogar nachvollziehen. Ebenso sollte man ja mit Alkohol vorgehen, wenn man weiß, dass der ein oder andere vielleicht ein Problem damit haben könnte. Oder anderem Zeug.

Aber ich habe nicht umsonst, diesen einen Satz fett markiert. Ja, die Markierung ist von mir.
Wenn man den Artikel im Ganzen liest, könnte dieser Satz etwas untergehen. Und im Grunde zerlegen Zeugen Jehovas mit diesem Satz alle ihre Argumentationen gegen jedwede Feiertage selbst. Case closed.
Man kann nicht gegen Ostern und Halloween und Weihnachten und Silvester und Geburtstage und was auch immer sein und diesen Satz in seiner Doktrin nutzen.

Denn genau darum feiern Leute ja all diese und weitere Feste. Weil die Ursprünge egal sind.

Antworten wir also abschließend auf die Frage "Können Zeugen Jehovas Feiertage mit heidnischen Wurzeln feiern?" mit einem deutschen Hip Hop Klassiker:

Ja klar, äh nein, ich mein Jein! (#7)



P.S.: Sollten Ursprünge doch relevant sein, wird das erstellen eines Kalenders ohne heidnische Rückführungen ein recht dringendes Problem in der neuen Welt werden. Der Januar ist nach Jannus, dem doppelgesichtigen Gott, der in das vergangene Jahr und in das gegenwärtige schaut, abgeleitet. Juli ist dem Julius gewidmet, August dem Augustus. Bei den Wochentagen wird es noch schlimmer. Der Montag ist dem Mond gewidmet, der Sonntag der Sonne. Der Samstag (engl. Saturday) dem römisch-griechischen Gott Saturn. Von Mittwoch bis Freitag haben wir drei nordische Götter (Wedneyday -> Wodans Tag; Thursday -> Thors Tag -> Freyday -> Freyas Tag).



#1 - Zur Problematik religionsgeschichtlicher Ableitung aus dem Keltentum vergleiche: Bernhard Maier: Die Religion der Kelten. Götter, Mythen, Weltbild. 2., durchgesehene Auflage. Beck, München 2004, ISBN 3-406-48234-1, S. 174 ff.

#2 - Alois Döring: "… und entzündeten Feuer auf Hügeln". (PDF; 92 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) September 2001, archiviert vom Original am 5. November 2001; abgerufen am 17. März 2014.

#3 - Kein "Trick or Treat" bei Salzburgs Kelten. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Salzburger Nachrichten. 29. Oktober 2010, archiviert vom Original am 17. März 2014; abgerufen am 17. März 2014 (Stefan Moser, Leiter des Keltenmuseums in Hallein im Zeitungsinterview zur angeblichen Kontinuität von Halloween).

#4 - Bernhard Maier: Die Religion der Kelten. Götter, Mythen, Weltbild. 2., durchgesehene Auflage. Beck, München 2004, ISBN 3-406-48234-1, S. 178. "Was heute als typisch keltisch gilt, ist in vielen Fällen nur ein Produkt neuzeitlicher oder sogar schon antiker Keltenideologie."

#5 - Hutton: The Stations Of The Sun. 1996, S. 370.

#6 - Editha Hörandner: Halloween in der Steiermark und anderswo. Lit Verlag, Münster 2005, ISBN 3-8258-8889-4.

#7 - Lyrics von Fettes Brot "Jein": https://genius.com/Fettes-brot-jein-lyrics (jeweils der Abschnitt der ersten und dritten Strophe)
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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Re: Traditionen

Beitragvon almafan » Fr 11. Nov 2022, 16:59

Weihnachten - Eine Aufarbeitung (Teil 1: Was bisher geschah)

Ich habe mir gedacht: "Warum gibt es für Weihnachten einen separaten Thread, wenn alle anderen bisher behandelten Feiertage irgendwo mit reingeschoben wurden?" So findet sich der Valentinstag sowohl in Evolution oder Schöpfung (die ersten beiden Teile), als auch hier (Teil 3 und 4). Auch Halloween wurde hier abgehandelt. Daher habe ich mich dazu entschlossen, den Weihnachtsthread aufzulösen und schrittweise hier zu hinterlegen. Dabei werde ich die gesamte Diskussion hier aufarbeiten und die relevanten Teile auch als Zitat stehen lassen. Zwar verschwindet damit eine der wenigen Diskussionen in diesem Forum, aber es wird einheitlicher. Sonderlich fruchtbar war diese Unterhaltung ja sowieso nicht und sie wurde nicht immer rational geführt, von beiden Seiten.

Es fing ganz harmlos an, damals am 18. Dezember 2011:
Vlindertje hatte einen Link (http://spottblog.de/content/blog/blog.php?id=19) reingesetzt, von einem Rettungssanitäter, den sie persönlich kannte, der sich darüber beschwert, warum im ach so christlichen Abendland, nur die Weihnachtsmessen voll sind und niemand den weihnachtlichen Gedanken auch außerhalb dieser Zeit mit sich trägt, also sich mit der Familie zusammenzusetzen und sich aneinander erfreuen. An andere denken, sich etwas gegenseitig schenken, etc. Und wenn man ans Christkind Jesus glaubt, soll man doch bitte seine Mitmenschen besser behandeln. So weit, so richtig.
Ich habe in der folgenden Nacht etwas Offtopic die christlichen Ursprünge des Festes angezweifelt und erklärt, dass niemand ein verlässliches Geburtsjahr für Jesus angeben kann. Dann ging es weiter damit, dass die allein gültige Wahrheit, die Religionen verkünden, genauso ein Mist ist, wie der Kommerz, in dem Weihnachten immer stärker getränkt wird. Dann habe ich Jesus und Moses biblische Geschichten kurz mit der von Zeus und Horus verglichen und dabei an der Historizität der biblischen Charaktere gezweifelt. Und ebenso die Volkszählung des Augustus und den Stern von Bethlehem.

Die Antwort von Vlindertje folgte 8 Stunden später:
Man war sich schnell einig, dass Weihnachten keinen christlichen Ursprung hat und Jesu Geburtsjahr und -tag in der Bibel nicht erwähnt werden. Doch einen Widerspruch der Evangelien in Bezug auf die Ereignisse Jesu Geburt sah sie nicht. Dann folgt eine Jehovas-Zeugen-Erklärung, die man so oder so ähnlich in jedem Wachtturm zu dem Thema findet, warum der Stern von Bethlehem nicht von Gott stammen kann (der Stern führte die Astrologen nicht zu Jesus, sondern zu Herodes, der ja später den Kindermord veranlasst haben sollte) und obendrein hätte Gott mit diesem leuchtenden Hinweisgeber seinen zu diesem Zeitpunkt wehrlosen Sprößling der Gefahr ausgesetzt, entdeckt zu werden. Er wusste ja, dass Satan ihn töten lassen würde, damit er seine Prophezeiung nicht erfüllt.

In den Versen 13 bis 15 [von Matthäus] wird dann auch beschrieben, wie Gott für eine sichere Flucht sorgt. Doch auch mal abgesehen davon: Als die Astrologen bei Jesus eintrafen, wird nicht vermerkt, daß sie ihn ebenfalls in der Krippe vorfanden. In Vers 16, in dem Herodes den Befehl der Tötung ausspricht (etwas was laut Bericht kurz nach dem Besuch er Astrologen der Fall war) , sind nicht nur Neugeborene betroffen, sondern Herodes gibt des Befehl "..alle Knaben im ALter von zwei Jahren und darunter..." umzubringen, weil dies der Zeit entspricht, die er von den Astrologen ermittelt hatte. Somit waren kurz nach Jesus Geburt, laut dem Bibelbericht, nur einige Hirten anwesend und sahen Jesus in der Krippe und die Astrologen mit ihren Geschenken erschienen ungefähr zwei Jahre später (wenn auch zeitlich nicht ganz genau benannt, so doch definitiv nicht direkt nach Jesus seiner Geburt).

Demnach gab es für sie keinen Widerspruch.

Ich schrieb dann am 20. Dezember 2011:
Herodes starb 4 v.u.Z., Jesus soll aber zu seiner Zeit geboren worden sein (Lukas 1:5), aber in Lukas 2:2 schriebt er, dass die Einschreibung stattfand "als Quirinius Statthalter in Syrien war", was frühestens 6 u.Z. war. Die ausführliche Darstellung der Zeit des Herodes, durch den Historiker Flavius Josephus, weiß nichts von einer früheren Volkzählung zu berichten. Und ein römischer Zensus im Reich des Herodes widerspricht der ansonsten feststellbaren Politik der Nichteinmischung Roms in die inneren Angelegenheiten Judäas zur Zeit Herodes. Erst mit Quirinius Amtszeit gehörte Judäa zur Provinz Syrien und eine Volkzählung des Augustus konnte greifen. Zusätzlich zu den gleich folgenden Sternkonstellationen ergibt das eine Differenz von 10 Jahren. Jesus (Lukas 1) ist spätestens 4 v.u.Z. geboren. Jesus (Lukas 2) frühestens 6 u.Z.

Der Stern von Bethlehem, wenn denn ein astronomisches Ereignis, kann auf verschiedene Himmelsphänomene hinweisen, egal ob er die Astrologen nun zu Herodes oder Jesus führte:
  • 12-11 v.Chr. Halleyscher Komet
  • 7 v.Chr. dreifache Konjunktion von Saturn und Jupiter im Sternbild Fische
  • 6 v.Chr. komplexe Konstellation u.a. mit Sonne, Jupiter, Venus und Mond im Sternbild Widder
  • 5 v.Chr. Komet bzw. Nova (chinesische Quelle)
  • 4 v.Chr. Komet bzw. Nova (koreanische Quelle, möglicherweise dasselbe Ereignis, das die Chinesen gesehen haben)
  • 3 v.Chr. Konjunktion von Venus und Jupiter im Sternbild des Löwen
  • 2 v.Chr. Konjunktion von Venus und Jupiter
Die dreifache Konjunktion von Saturn und Jupiter im Sternbild Fische gilt als wahrscheinlichste passende Erscheinung, da sie vom nahen und mittleren Orient aus, am Westhimmel stand.

Ich sah hier schon einen Widerspruch. Und wenn die Astrologen tatsächlich erst bis zu 2 Jahre nach der Geburt auftauchten, ist die Diskrepanz sogar noch größer.
Und dann habe ich nochmal kurz den Vergleich von Maria und Jesus und Isis und Horus gebracht:
Isis hat sich von dem Samen ihres toten Gatten Osiris befruchten lassen, der kurz zuvor noch von seinem Bruder Seth ermordet wurde (erinnert an Kain und Abel, es ging da auch um Neid bzw. Eifersucht). Einige Ägyptologen gehen davon aus, dass der Samen kein Samen im eigentlichen Sinne, sondern der Geist des Osiris war.


Die Antwort von Vlindetje folgte 10 Stunden später:
Die ersten 3 Absätze sind Bestätigungen meiner Ausführungen und setzen mit einem zweijährigen Jesus 4 v.u.Z an. Im 4. Absatz wird dann aber besprochen, dass Quirinius wohl ja auch schon früher römischer Statthalter in Judäa bzw. Syrien hätte sein können. Im Grunde findet sich eine ähnliche Erklärung auch in den "Einsichten in die Heilige Schrift". Ratet mal, wer diese Bücher herausgegeben hat. Die Wachtturm-Gesellschaft.

7 Stunden später, immer noch am 20. Dezember, kam meine Antwort:
Da Quirinius zu dieser Zeit Statthalter von Galatien war (in der heutigen Türkei) kann er 6 v.u.Z. nicht Statthalter von Syrien und/oder Judäa gewesen sein.

Dann gab es fast ein halbes Jahr in diesem Thema Funkstille. Diese brach ich am 15. Juni 2012 und zählte nochmal alle Fakten auf, z.B. ...
  • ... dass es ein Jahr Null nicht gab und die Römer sogar bis ins 6. Jahrhundert nicht einmal fortlaufend zählten, sondern die Regierungszeit der zwei amtierenden Konsule nannte.
  • ... dass man sich bei einer absoluten Jahreszahl an der Gründung Roms orientierte.
  • ... dass die christliche Zeitrechnung erst 525 startete und der Mönch Dionysius Exiguus Jesu Geburt für das Jahr 754 seit der Gründung Roms errechnete und dies als Jahr 1 bezeichnete.
  • ... dass in England der Benediktinermönch Beda Venerabilis um 731 seine "Kirchengeschichte des englischen Volkes" schrieb und Dionysius' Jahreszählung übernahm. Ab 1060 rechnete die Kirche offiziell damit.
  • ... dass erst der italienische Mathematiker Leonardo Fibonacci (um 1180 bis nach 1241) die Null in Algier kennengelernt hat und in seinem Buch "Buch der Rechenkunst" benutzt hat.
  • ... dass das Rechnen mit der Null sich erst im 17. Jahrhundert durchgesetzt hat.
Also haben wir da einen Mönch, der 500 Jahre nach dem Leben des Messias dessen Geburtsjahr aufgrund einer anderen unsicheren Datenlage (der Gründung Roms) berechnet und erst 500 Jahre nach dieser Berechnung das auch offizeller Kanon wurde.
Matthäus:
  • Joseph will sich von Maria trennen, bis ein Engel ihm sagt, dass der Heilige Geist der Vater des werdenden Kindes ist
  • Herodes erschreckt beim "Aufgehen eines Sternes", da er den Neugeborenen als Konkurrenten fürchtet
  • Herodes schickt Sterndeuter (keine Weisen oder Hirten!) als Kundschafter aus
  • diese gehen in ein Haus (keinen Stall)
  • sie huldigen Jesus und bringen ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben
  • entgegen ihrem Auftrag halten sie den Aufenthaltsort Jesu gegenüber Herodes geheim
  • um den Konkurrenzen dennoch auszuschalten, ordnet Herodes die – geschichtlich unbelegte – Ermordung aller Knaben unter zwei Jahren an
  • die junge Familie muss nach Ägypten fliehen
Verschwiegen werden eben die 10 Jahre zwischen Herodes' Tod und der Volkszählung des Augustus.

Lukas:
  • Joseph und die hochschwangere Maria kommen wegen einer Volkszählung nach Bethlehem
  • Maria bringt dort ihr Kind zur Welt und muss es in eine Krippe betten, weil in der Herberge kein anderer Platz zur Verfügung steht
  • kein Stern, sondern ein Engel weist den Hirten den Weg zu Jesus
  • in Lukas 2, 39-40 lesen wir weiter:
    "39 - Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt (d.h. den Neugeborenen in Jerusalem u.a. im Tempel dargestellt hatten), kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth zurück.
    40 - Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit und seine Gnade ruhte auf ihm."
  • keine Sterndeuter, keine Flucht nach Ägypten, keine Kindstötung
Seinem Bericht zufolge wohnte das Ehepaar in Nazareth und begab sich auf die über 100 Kilometer lange Reise nach Bethlehem, weil er die Stadt seines Ahnherrn David aufsuchen musste, um dort Angaben für die Steuerschätzung zu machen – als könnten die Römer dort seine Angaben über Besitz im fernen Galiläa kontrollieren!

Eine Sache, die ich obendrein ansprach war, dass sich die Evangelienschreiber wahrscheinlich einfach im Alten Testament umsahen und schauten, woran der Messias so alles zu erkennen sei und ihm sowohl Bethlehem als Geburtsort auf den Leib schrieben, sowie ein Geburtsjahr und später dann all die anderen Geschichten, die ihm widerfahren sein sollen. Bekannt waren diese Erzählungen aus dem Alten Testament den beiden jüdisch geborenen, christlich erzogenen Schreibern.

Wieder ruhte dieser Thread für 8 weitere Monate. Wieder brach ich das Schweigen am 14. Februar 2013:
An Valentinstag über Weihnachten schreiben? Warum nicht. Der Eintrag davor war im Sommer.
Es gab eine Abhandlung über die Entstehung von Weihnachten und dann ging es nochmal um Jesus' Geburt. Allerdings revidierte ich die Ansicht, dass Weihnachten aus dem germanischen oder skandinavischen Julfest herrührt.

Am 17. März 2013 habe ich erneut geschrieben:
Ich schrieb, dass es zwei unterschiedliche Herangehensweisen gab, die Geburt und die Wirkgeschichte Jesu glaubhaft zu machen. Lukas versucht sich durch die Anbindung an historische Gestalten. Nirgendwo sonst kommen außerbiblische Figuren so oft vor, wie hier. Und Matthäus nimmt sehr oft Bezug auf alttestamentarische Prophezeiungen. Die Geburt in Bethlehem (Micha 5,1), die Jungfrauengeburt (Jesaja 7,14), die Flucht und Rückkehr von und aus Ägypten (Hosea 11,1), die Nennung als Nazarener (andeutungsweise in Jesaja 11,1), die Weisen aus dem Morgenland (Psalm 72,10 und/oder Jesaja 60,3).
Es wurde wieder die Diskrepanz zwischen der Statthalterschaft Quirinius und dem Tod Herodes genannt. Allerdings gab es tatsächlich Steuereinschreibungen, wo sich Bewohner an ihrem Geburtsort melden mussten, um ihre Steuerformulare vor römischen Beamten abzugeben und beispielsweise persönlich vor Ort mit mehreren einheimischen Zeugen ererbten Grundbesitz zu deklarieren.
Auch, dass die Abstammungslinien "nice to know" aber im Grunde egal sind, da Jesus ja nicht Sohn Josephs ist, wurde erwähnt, also eben nur eine theologische Aussageabsicht besteht. Und das der Winter als Wander- und Einschreibungszeit nicht realistisch ist.

Am 18. Oktober 2013 habe ich den Text "Weihnachten ist großartig!" von naklar.at verknüpft, immerhin gab es da schon wieder Zimtsterne und Spekulatius in den Regalen:
Auch Florian Aigner, der Schreiber dieses Textes, hat sich Gedanken dazu gemacht, ob man als Atheist dieses Fest feiern darf.
Die christlich-traditionelle Weihnachtsgeschichte ist aber sicher mitverantwortlich dafür, dass Weihnachten zum großen Fest der Familie geworden ist: Ein junges Paar, ohne Geld, weit weg von daheim, bekommt das erste Kind. Weit und breit haben sie keine Oma zum babysitten, Kindergeld gibts auch keins, aber trotzdem freuen sie sich so sehr über den Kleinen, dass sie Sterne sehen und die Engel singen hören. Eine lebensbejahendere Familienlegende kann man kaum erfinden.

Viele kennen die Weihnachtsgeschichte genau so. Egal, wie abweichend sie nun vom Orginalmanuskript ist und wie gläubig die Feiernden sind, das Krippenspiel gehört zu Weihnachten mittlerweile dazu, wie der Stollen und die Geschenke unterm Weihnachtsbaum. Er baut es aber humoristisch um:
Eines muss jedenfalls jeder zugeben, auch wenn er mit dem Christentum nichts zu tun hat: Am 25. Dezember wurde vor langer Zeit ein ganz besonderer Mensch geboren, der unsere Sichtweise auf die Welt grundlegend verändert hat, dessen revolutionäre Gedanken noch heute gelehrt, bewundert und weiterverbreitet werden: Der große britische Physiker Isaac Newton. Wer weder für Sonnenwenden noch für Familienfeiern etwas übrig hat, kann ja Newtons Geburtstag zelebrieren. Bratäpfel würden sich anbieten.

Nur würden sich an Geburtstagsfeiern aber die Zeugen Jehovas auch stören.

Und dann kam der 18. Dezember 2013:
Genau 2 Jahre nach dem ersten Eintrag kam es erneut zum kolossalen Fight. Mitnichten bin ich stolz auf alle Aussagen, die ich da getroffen habe. Sie erschienen mir damals richtig. Die Antworten folgten prompt.
Ich stehe nach wie vor dazu, die Religionsfreiheit zu verteidigen. Damit meine ich nicht lediglich, dass mir irgendwer frei seine Religion aufdrängeln darf, sondern dass ich mich auch jederzeit frei dazu entscheiden darf, aus einer Gemeinschaft auszutreten und dass es mir auch gesetzlich zugesichert wird, frei von Religion zu sein und selbst über den Grad dieser Freiheit zu entscheiden. Ich werde natürlich das Recht des einzelnen auf das Ausüben seiner Religion unterstützen, aber ich werde mir ebenso das Recht vorbehalten, diese Religion als Blödsinn zu bezeichnen. Denn auch das ist Religionsfreiheit.
Ich verglich das Begehen und Nicht-Begehen von Weihnachten dann aber nicht immer zulässig mit anderen Feier- und Jahrestagen, wie dem Tag der Verlobung oder dem Hochzeitstag (zu diesem Zeitpunkt war ich gerade frisch verheiratet). Aber man soll doch dem Ungläubigen sein Lichterfest in der dunkelsten Jahreszeit lassen, wenn er danach doch für immer im Schwefelsee gefoltert wird.

Es folgten die Antworten noch am selben Tag:
Vlindertje hat noch nie Weihnachten gefeiert und wird es auch nicht, eben wegen ihrer eigenen Überzeugung. Nun, es ist bei den Zeugen nicht anders, als bei anderen Religionen. Man wird überzeugt. Besonders leicht fällt dies bei Kindern, die es über die Gewohnheit und die Autorität der Eltern eingeimpft bekommen. Wie sehr also die Überzeugung die eigene ist, lässt sich schwer beziffern. Der Anteil wird aber deutlich unter den 100% sein.

Schon seit meiner Kindheit, noch mehr in meiner Jugend und auch noch heutzutage werde ich gefragt, warum ich denn Weihnachten nicht feier und ob ich es denn nicht vermisse. Zu letzterem: Nein, ich vermisse es nicht und habe es nie vermißt. Warum ich es aber niemals gefeiert habe, hat, so unglaublich es klingen mag, religiöse Gründe. Nur mal kurz angerissen: Wann Jesus, auf den man sich an Weihnachten beruft, tatsächlich geboren ist, weiß keiner genau, aber man geht von Spätherbst aus - also ein ganzes Stückchen früher, als der Tag, an dem man Weihnachten feiert und der Geburt Jesu gedenkt. Des weiteren wird Jesus bei diesem Fest immer als kleines, hilfloses Baby dargestellt, obwohl er, laut Bibel, als König im Himmel regiert. Ich glaube kaum, daß es irgendwem gefallen würde, jedes Jahr, an einem Tag, sagen wir mal, zwei Monate nach deinem tatsächlichen Geburtstag, sich alle Freunde und Bekannte versammeln und dich, mit all dem, was du bisher in deinem Leben erreicht hast und wer du jetzt bist und was du alles so getan hast bisher, auf den Tag und deinem Zustand bei deiner Geburt reduzieren. Sicherlich, du warst ein süßes Baby, aber auch ein "leeres Blatt". Du warst auf deine Eltern angewiesen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendwer es toll findet, wenn jedes Jahr aufs neue, an einem willkürlichen Tag, alle Leute, die man so kennt, der eigenen Geburt gedenken, nicht aber dem, was dein Leben ausmacht oder dem, was du gern anderen mit auf dem Weg geben wolltest oder dich wenigstens so sehen, wie du heute tatsächlich bist. ... Nunja, wie gesagt, dies ist meine Einstellung dazu. ...

Die besinnlichen Aspekte dieses Weihnachstfestes sind ihr wohl bekannt, aber sie argumentiert dann damit, dass es zu Weihnachten die meisten Familiendramen und -schlägereien gibt, die Statistiken auf eine Höchstzahl an tätlichen Übergriffen weisen. Das es zu Weihnachten besonders oft kracht, ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen, trifft so auch auf andere Feiertage zu. Eben weil man, wie beschrieben aufeinander hockt und der lieben Frieden willen versucht, auf Streitigkeiten zu verzichten. In dieser grundgereizten Stimmung kann schon der kleinste Funke alles zum explodieren bringen. Dann folgt ein bisschen Wachtturm-Sprech, den man so oder so ähnlich schon hier und da in den Publikationen der Gesellschaft lesen konnte.
Auch der Kommerz wird angesprochen, den ich ebenfalls ablehne. Dieses und nicht die Religion ist der Grund, warum ich selbst auch künftig kein Weihnachten mehr feiern werde. Aber ich werde es keinem vermießen, indem ich einen freundlichen Gruß in Festgewand nicht erwider. Bricht einem doch kein Zacken aus der Krone. Aber bereits das wäre für einen Zeugen Jehovas eine Teilhabe an diesen falschen, heidnischen Gebrächen. Erwartungshaltungen zu Weihnachten oder anderen Anlässen finde ich auch doof. Und auch die Scheinheiligkeit, sich beim Tannebaum die Wampe vollzuschlagen und vielleicht 5 Euro für eine der zahlreichen Spendenaktionen herzugeben, ist bedenklich. Ich kann all diese Gründe nachvollziehen und sie wären allein ein Grund, Weihnachten eben nicht so zu feiern. Aber keiner dieser Gründe spricht gegen Weihnachten an und für sich. Es bleibt allein die Religion.
Vlindertje richtet sich nicht gegen das Beisammensein, nicht gegen die Geschenke, nicht gegen das Spenden, nicht gegen das Essen. Sie richtet gegen die übermäßige Verdichtung all dieser Dinge zu diesem Festtag. Geschenke müssen immer teurer werden. Es muss etwas sein, was der Beschenkte nicht enttäuscht weglegt oder umtauscht. Der Druck ist das Problem.

Jemanden etwas zu schenken ist doch eigendlich etwas schönes und sollte kein Zwang sein oder von dem Beschenkten eingefordert werden. Jesus lehrte Menschen doch von Herzen zu geben und dies gern und freudig, ohne irgendetwas zurück zu verlangen. Dieses seh ich allerdings an Weihnachten absolut nicht gegeben. Des weiteren finde ich persönlich es schade, daß es an jenem Tag keine Überraschung ist, wenn geschenkt wird. Es ist doch, so meine Meinung, viel schöner, wenn der Beschenkte gar nicht damit rechnet, von einem mit einer Aufmerksamkeit bedacht zu werden.

Und auch das stimmt. Wenn alle an dem Tag Geschenke erwarten, kann man sie maximal mit dem Inhalt überraschen, nicht mit der Geste perse.
Dann wurde meine These auseinander genommen, dass man als Zeuge ja auch staatliche Feiertage begeht, die ja auch laut Glaubenslehre alle falsch sind. Und ihr Einwand, dass es keine Wahl gibt, sondern man an diesen Tagen nunmal frei hat und die Firma, nicht für den einen Zeugen seine Pforten öffnet, leuchtet natürlich ein. Ich schrieb vermutlich in Rage.

Und abschließend noch etwas zu Jahrestages, wie z.B. den Hochzeitstag (weil auf Geburtstage und andere möchte ich jetzt nicht eingehen): Natürlich und völlig selbstverständlich macht dieser 365. Tag nichts zu einem besondereren Tag, als den Tag zuvor oder danach. Das Einzige, was an jenem Tag geschieht, daß sich das Ereignis, in diesem Fall der Tag des Eheversprechens, jährt. Nichts besonderes an sich. Stimmt. Und dennoch etwas, dem man Andacht schenken kann und dabei geht es nicht um, wie bei Weihnachten, Geschenke, großes Essen oder dergleichen, sondern um die gemeinsame Erinnerung, daß man sich versprochen hat, den Rest seines Lebens mit eben genau jenen Menschen zu verbringen, an dessen Seite zu sein, egal, was passieren mag. Es ist nicht notwenig, aber schön, sich wenigstens einen Tag immer mal wieder in besonderer Weise Zeit füreinander zu nehmen und sich seines Versprechens zu erinnern, da jeden Tag so viele Dinge auf einen einströhmen, daß man das Leben an der Seite seines Partners, als etwas völlig normales und gewöhnliches ansehen könnte. So ein gemeinsames erinnern kann beiden Eheleuten helfen, nie zu vergessen, wie glücklich sie damals waren und was sie an ihrem Partner so sehr lieben, selbst wenn die momentane Situation vielleicht etwas schwieriger sein mag, als gedacht. So ein Tag ist, wie gesagt, nicht notwendig, denn man sollte jeden Tag dankbar sein an der Seite seines Partners leben zu dürfen, doch es ist hilfreich, dieses gegebene Versprechen nicht aus den Augen zu verlieren.

Ob Kinder allerdings weniger dankbar sind, wenn man ihnen erzählt, der Weihnachtsmann (oder Christkind) habe die Geschenke gebracht, weil die ja schon fort sind, wenn die Geschenke ausgepackt sind, kann ich nicht beziffern. Ob generelle Dankbarkeit mit diesem Feiertag den Bach runter geht, wage ich aber zu bezweifeln. Genauso gut kann ich auch darauf verzichten, Jesu wegen seinem Lösegeld zu danken, denn er hat es ja allen gegeben, ob ich glaube oder nicht. Es ist also offenbar bedingungslos vergeben. Und es handelt sich genauso um eine fiktive Person, die weg ist, wenn ich die Geschenke (mein Leben mit der Möglichkeit ins Paradies einzukehren) auspacke.
Was ebenfalls ins Feld geführt wurde, war, dass man sich als Kind betrogen und angelogen fühlt, weil die Eltern einen erzählt haben, den Weihnachtsmann gäbe es. Und dann stellt man fest, die Eltern haben die Geschenke unter den Weihnachtsbaum gelegt. Ein generelles Misstrauen soll laut ihrer Erklärung also der Lüge um den Weihnachtsmann entspringen. Das widerrum ist interessant. Wie groß ist denn der Vertrauensbruch, wenn man von einer Religion überzeugt wird und dies anhand einseitiger Informationen? Wie sieht das Vertrauen aus, wenn man herausfindet, dass vielleicht auch die eigene Versammlung Kinderschänder schützt, indem sie diesen nicht bei den Behörden meldet? Wie sieht das Vertrauen denn aus, wenn man feststellt, dass die Lehren doch nicht so profund und solide sind? Ist man als Mensch, der an ein übernatürliches Wesen glaubt, dass nicht messbar ist, aber auf unser Leben Einfluss nehmen soll, nicht von vornherein als Quelle für Aussagen ob der Richtigkeit oder Falschheit einer Fantasiefigur skeptisch zu betrachten?

Was ich noch vergessen habe ist, daß so einige Weihnachten auch als ein Lichterfest betrachten. Schließlich ist hier auch die längste Nacht angesiedelt und Lichter spenden doch wärme und erinnern an die Sonne. Ja, es wurde einst sogar zu diesem Zeitpunkt, durch die vielen Lichter die entzündet wurden, versucht die Sonne zur Rückkehr zu bewegen, damit die Tage wieder länger werden. Und ja, jeder Mensch findet Lichtlein, Kerzen und dergleichen sicherlich erwärmend und schön anzusehen, erst recht, wenn es draußen schnell dunkel wird. Ich zum Beispiel zünde wahnsinnig gern Kerzen an - egal zu welcher Jahreszeit. Auch dieser Grund sozusagen, daß es ja sschon so früh so dunkel ist und die kürzesten Tage um diesen Zeitpunkt herum sind, sind für mich kein Grund, mit dem Weihnachtsfest zu beginnen. Von daher ist es mich mich auch nicht wirklich überzeugend, wenn jemand mir sagt, er feiere Weihnachten wegen den wunderschönen Lichtern, die einem innerlich aufwärmen und das natürliche Bedürfnis nach Licht und Wärme stillen. Jedenfalls verstehe ich dies als Grund nicht und wäre es auch keiner für mich.

Außerdem, warum dann nur die Lichter rund um Weihnachten und nicht schon früher im Jahr oder auch in den ersten Monaten des neuen Jahres. Nur weil der kürzeste Tag in dieser zeitspanne liegt und danach die tage sich wieder verlängern. Sicherlich ein Agument, aber so schnell fallen die wieder länger werdenden Tage nun auch nicht auf, daß man plötzlich kein Bedürfnis mehr nach Lichtlein und Kerzen hat und auch beginnen die dunkel werdenden Tage früher als rund um Weihnachten. Wird das wärmende Licht erst später benötigt? Wieso nicht schon im Oktober und dann bis März hinein oder so?

Aber genau das ist der Grund, warum es hier in Tradition neu aufbereitet wird. Sicherlich sind die Tage auch vor der Windersonnenwende (21./22. Dezember) verdammt kurz und auch die zwei Monate danach. Aber aufgrund der Nähe zu diesem astronomischen Fest haben sich ja die überbordenen Traditionen und diese ganzen Gebräuche entwickelt. Das heutige Weihnachtsfest ist lediglich das veränderte Bild dieser Traditionen, die mitnichten durchgezogen sind, wie ein roter Faden, durch die Geschichte.

Damit war die Konversation beendet.
Vlindertje schrieb zwar im Forum noch ein reichlich Texte (ca. 1/3 ihrer Einträge, war nach dieser Diskussion), aber nicht mehr im Weihnachts-Thread oder einem anderen der Kritiker-Themen.

Im nächsten Teil folgen, die restlichen Artikel des ehemaligen Weihnachts-Threads.
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