Kritisches Denken




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Sa 31. Mär 2012, 21:16

Kritisches Denken

Kritisches Denken darzustellen und zu fördern, wird Aufgabe und Inhalt dieses Threads werden.

Was ist kritisches Denken?

Der Begriff Critical Thinking, dt. Kritisches Denken, bezeichnet reasonable reflective thinking, dt. vernünftiges reflektierendes Denken. So ist insbesondere auch die Orientierung des Denkens von Laien an den methodischen Kriterien der Wissenschaft von Bedeutung. Dabei sind Laien besonders in ihrer Rolle als Bürger in einer Wissensgesellschaft gemeint.

Der Begriff kommt aus dem angelsächsischen Bildungssystem und umfasst dort sowohl eigenständige didaktische Inhalte (z. B. systematisches Assoziieren) als auch fachliche Arbeitsweisen, und zwar durchgängig von der Grundschule bis zum Abschluss der Universität. Bekannt wurde das Trainingsmodell Reflection, Reasons, Alternatives (RRA):
  • Vermeide schnelle Urteile.
    Akzeptiere nicht jede erste Idee, die dir in den Kopf kommt, oder das, was in den Medien präsentiert wird.
    Denke erst einmal darüber nach.
  • Frage nach: Woher wissen Sie das?
    Was ist der Grund dafür?
    Was ist Ihre Informationsquelle?
  • Suche gezielt nach alternativen Hypothesen, Erklärungen und Ursachen, nach alternativen Plänen und Lösungen.
Kritisches Denken umfasst die bewusste, selbstregulative Urteilsbildung, die wiederum Interpretation, Analyse, Bewertung und Schlussfolgerung beinhaltet. Wichtig dafür ist vor allem die Fähigkeit, selbstständig und ohne Kognitive Verzerrung (bias) nachzuforschen, also ohne Informationen zu bevorzugen, die der eigenen Meinung entsprechen (confirmation bias), und ohne Gegenpositionen abzuwerten (myside bias).

Im Critical Thinking wird der Unterschied zwischen Wissenschaftlern und Laien fließend. Die Vorstellung der "Men as scientists" geht davon aus, dass Menschen in ihrem Bemühen, Irrtümer zu vermeiden, spontan die gleichen Denkwege wie Wissenschaftler einschlagen, nur eben weniger ausgearbeitet. Umgekehrt seien wissenschaftliche Ergebnisse sozusagen geronnenes wissenschaftliches Denken, das sie erschaffen hat, aber insofern auch beschränkt.


Inhaltsverzeichnis

Seite 1, Beitrag ...
... 002, 01.10.2017: Grundsatzartikel: Was sind die "besseren" Argumente? (#1)
... 003, 22.10.2017: Grundsatzartikel: Wie Wissenschaft funktioniert (#1)
... 004, 02.11.2017: Grundsatzartikel: Meine Motivation (#1)
... 005, 03.11.2017: Grundsatzartikel: Warum kann ich nicht einfach dankbar sein? (#1)
... 006, 05.11.2017: Grundsatzartikel: Worum es hier nicht gehen soll - Die Wahrnehmung von Religionen in der Blogosphäre (#1)
... 007, 17.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 1: Eine Einleitung mit Pontius Pilatus (#1)
... 008, 18.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 2: "Wenn sich zwei Lehren widersprechen, kann nur eine richtig sein." - Ist Wissenschaft engstirnig? (#1)
... 009, 19.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 3: Zur Unterscheidung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft - Ist Theologie eine Wissenschaft? (#1)
... 010, 21.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 4: Ein fiktiver Einstein über Glauben - Über die Nachweisbarkeit von Behauptungen (#1)


Seite 2, Beitrag ...
... 011, 22.11.2017: Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 5: Wissenschaft, eine Glaubenssache? (#1)
... 012, 15.01.2018: Wie hebt man einen unhebbaren Stein? - Das Allmachtsparadoxon und warum Internet-Diskussionen meist sinnlos sind und wie man daran etwas ändern kann (#1)
... 013, 23.01.2018: Pokerspielen - Über die Wahrscheinlichkeiten bereits aufgetretener Effekte (#1)
... 014, 26.01.2018: Kann ich meinem Hirn trauen? - Über die Fallen der selektiven Wahrnehmung (#1)
... 015, 03.02.2018: Was ist "Non sequitur"? (#1)
... 016, 14.02.2018: Interaktionsmodelle - Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion (#1)
... 017, 23.02.2018: Was ist Humanismus und wovor hat der Gläubige Angst? (#1)
... 018, 03.03.2018: Wissenschaft und Kirche (#1)
... 019, 28.03.2018: Grundsatzartikel: Zu viele Explosionen - Über die Probleme bei der Vermittlung von Wissenschaft (#1)
... 020, 29.03.2018: Die Wichtigkeit von Grundlagenforschung - Astronomie in der Augenklinik (#1)


Seite 3, Beitrag ...
... 021, 01.06.2018: Misquote: Shakespeare und die Dinge zwischen Himmel und Erde (#1)
... 022, 05.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 1: Was ist eine Theorie? (#1)
... 023, 11.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 2: Die "Seele" der Wissenschaft - Grenzgebiete (#1)
... 024, 13.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 3: Der mühsame Weg zur Publikation (Link) (#1)
... 025, 17.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 4: Offenheit, der Triumph der Wissenschaft (#1)
... 026, 21.06.2018: Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 5: Erngard - Können esoterisch-übernatürliche Phänomene wissenschaftlich geprüft werden? (Link) (#1)
... 027, 19.03.2019: Da, ein unmoralischer Heide, opfern wir ihn unserem Gott! (Link) (#2)
... 028, 07.09.2019: Nicht nur nicht richtig, sondern nicht einmal falsch (Link) (#2)
... 029, 26.09.2019: Macht dumme Menschen nicht berühmt! (Link) (#2)
... 030, 23.06.2020: Wir müssen lernen, all die Unsicherheit zu ertragen (Link) (#1)


Seite 4, Beitrag ...
... 031, 29.06.2020: Video: Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 4: maiLab - Wissenschaftler irren (20:41 min) (#1)
... 032, 12.10.2020: Misquote: Und Gott würfelt doch! - Albert Einstein und die Regie des Zufalls (#1)
... 033, 18.10.2020: Warum Menschen merkwürdige Dinge glauben (#1)
... 034, 16.11.2020: Grundsatzartikel: Der Clown und Babylons Fleischtöpfe (#1)
... 035, 17.11.2020: Die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen (#1)
... 036, 19.02.2021: 11 Scheinargumente, die jeder erkennen sollte (#1)
... 037, 04.05.2021: Video: Kindesmissbrauch: Die Kirche hat einiges zu beichten | heute-show
... 038, 04.05.2021: Video: Critical Thinking | techNyouvids (Videoreihe)
... 039, 11.05.2021: Video: Open-mindedness | QualiaSoup (9:40 min, engl.)
... 040, 12.05.2021: Video: Putting faith in its place | QualiaSoup (10:06 min, engl.)


Seite 5, Beitrag ...
... 041, 13.05.2021: Video: Critical Thinking | QualiaSoup (5:13 min, engl.)
... 042, 14.05.2021: Video: Lack of belief in gods | QualiaSoup (10:00 min, engl.)
... 043, 20.05.2021: Misquote: Heisenbergs Becher der Naturwissenschaft (#1)
... 044, 01.06.2021: Video: Morality 1: Good without gods | QualiaSoup (13:25 min, engl.)
... 045, 02.06.2021: Video: Morality 2: Not-so-good books | QualiaSoup (14:10 min, engl.)
... 046, 09.06.2021: Video: Morality 3: Objectivity and oughtness | QualiaSoup (17:12 min, engl.)
... 047, 15.06.2021: Grundsatzartikel: Religionskritik, mehr nicht
... 048, 18.06.2021: Dieter Nuhr und die Aufarbeitung des Sommerkongresses 2014 (Teil 1)
... 049, 19.06.2021: Dieter Nuhr und die Aufarbeitung des Sommerkongresses 2014 (Teil 2)
... 050, 30.06.2021: Die Arroganz des Klerus (Link)


Seite 6, Beitrag ...
... 051, 05.07.2021: Video: The burden of proof | QualiaSoup (11:31 min, engl.)
... 052, 24.08.2021: Video: Wer seinen Unsinn hundertmal wiederholt, hat immer noch nicht Recht | heute-show (9:25 min)
... 053, 08.09.2021: "Leben ohne Gott ist wie Fussball ohne Ball"
... 054, 10.09.2021: Video: The One True God | Darkmatter2525 (6:44 min, engl.)
... 055, 10.09.2021: Video: God's God | Darkmatter2525 (9:50 min, engl.)
... 056, 21.10.2021: Video: 4 Weird Questions That Might Make You an Atheist | Genetically Modified Skeptic (11:57 min, engl.)
... 057, 24.10.2021: Video: 5 Lies Theists Tell About Atheists | Genetically Modified Skeptic (12:35 min, engl.)
... 058, 27.10.2021: Video: 4 Mistakes Theists Make When Trying to Convert Atheists | Genetically Modified Skeptic (13:00 min, engl.)
... 059, 05.11.2021: Die falschen Götter und der wahre Gott
... 060, 18.11.2021: Video: How Culture Works | DarkMatter2525 (5:25 min, engl.)


Seite 7, Beitrag ...
... 061, 22.11.2021: Video: Should You Worry About Violent Atheists? | DarkAntics (38:53 min, engl.)
... 062, 26.11.2021: Video: 12 Contradictions in the Bible | Holy Koolaid (12:41 min, engl.)
... 063, 28.11.2021: Rant: Kurzanalyse zum Wachtturm-Artikel vom 28.11.2021
... 064, 30.11.2021: Fragen, die du einem Zeugen Jehovas ruhig stellen kannst
... 065, 01.12.2021: Video: Wie wir uns mit Zahlen manipulieren lassen | maiLab (16:14 min) (#1)
... 066, 06.12.2021: Video: God is Punishing Us! | DarkMatter2525 (11:46 min, engl.)
... 067, 11.12.2021: Weitere Fragen, die du einem Zeugen Jehovas ruhig stellen kannst
... 068, 16.12.2021: Video: If God Answered Prayers | DarkMatter2525 (10:57 min, engl.)
... 069, 18.12.2021: Video: Is Christianity Moral? | DarkMatter2525 (5:25 min, engl.)
... 070, 27.12.2021: Video: Wie Pseudowissenschaftler uns belügen | Harald Lesch (6:02 min)


Seite 8, Beitrag ...
... 071, 30.12.2021: Video: How to fake personal interest in someone you want to convert | Llyod Evans (14:02 min, engl.)
... 072, 07.01.2022: Video: If Man Obeyed God | DarkMatter2525 (6:45 min, engl.)
... 073, 13.01.2022: Video: Worst Invasion in the Bible | DarkMatter2525 (31:22 min, engl.)
... 074, 18.01.2022: Was kostet die Wissenschaft?
... 075, 26.01.2022: Video: Scientists Discover God | DarkMatter2525 (12:33 min, engl.)
... 076, 10.02.2022: Video: TOP 5 Questions Jehovah's Witnesses CANNOT Answer | The Truth Hurts (31:09 min, engl.)
... 077, 14.02.2022: Galileo und die sagenhaften Eisenberge vom Nordpol
... 078, 05.03.2022: Diese Sache mit den Bibeltexten: 3. Mose Kapitel 5 - Zeugenaussagen
... 079, 22.03.2022: Video: Ricky Gervais On What Counts As An Act Of God | Universal Comedy (8:04 min, engl.)
... 080, 24.03.2022: Video: The Bible's Plagiarised Pagan 'Beginning' (48:23 min, engl.)


Seite 9, Beitrag ...
... 081, 01.04.2022: Video: Did Isaiah predict Cyrus 200 years in advance? | Llyod Evans (13:13 min, engl.)
... 082, 18.04.2022: Video: 10 Publications You Won't Find on Watchtower Online Library| Lloyd Evans (78:03 min, engl.)
... 083, 25.04.2022: Video: How I Left the Jehovah’s Witnesses to Pursue Filmmaking | Chris Stuckmann (58:36, engl.)
... 084, 06.05.2022: Noch mehr Fragen, die du einem Zeugen Jehovas ruhig stellen kannst
... 085, 16.05.2022: Nachtrag: Misquote: Und Gott würfelt doch! - Albert Einstein und die Regie des Zufalls
... 086, 18.05.2022: Video: Dumb Things Christians Say to Atheists - Tier List | Holy Koolaid (21:46 min, engl.)
... 087, 31.05.2022: Persönliche Note - Wofür Gott?
... 088, 15.06.2022: Video: How to go to hell in every religion | Genetically Modified Skeptic (0:51 Min, engl.)
... 089, 18.06.2022: Video: "Atheists can't answer these questions" ...or Can We? | Genetically Modified Skeptic (16:40 min, engl.)
... 090, 21.06.2022: Video: The Religious Ads on My Atheist Videos Are Ridiculous | Genetically Modified Skeptic (21:18 min, engl.)


Seite 10, Beitrag ...
... 091, 27.06.2022: Video: Response To The Jehovah's Witness Anti-Gay Indoctrination Video | Lesson 22: One Man, One Woman | CosmicSkeptic (7:38 min, engl.)
... 092, 30.06.2022: Video: Watchtower's Anti-Gay Indoctrination Cartoon - Cedars' vlog no. 117 | Lloyd Evans (14:59 min, engl.)
... 093, 04.07.2022: Video: Jehovah's Witness Anti-Gay Worksheet - Cedars' vlog no. 135 | Lloyd Evans (10:55 min, engl.)
... 094, 07.07.2022: Video: Homophobic Idiot Wants To Kill All Homosexuals | CosmicSkeptic (7:50 min, engl.)
... 095, 11.07.2022: Video: Obedience to God Cartoon | JaclynGlenn (7:58 min, engl.)
... 096, 16.07.2022: Satire: 20 inspirierende Bibelverse, die unseren Glauben stärken (Link)
... 097, 05.08.2022: Der Berichtszettel
... 098, 09.08.2022: Bist du auch immun gegen Fakten?
... 099, 12.08.2022: Video: Tony Morris awkwardly jokes about 1975 armageddon hysteria | Llyod Evans (17:27 min, engl.)
... 100, 16.08.2022: Der regionale Kongress 2021 - Teil 1: Einführung


Seite 11, Beitrag
... 101, 28.08.2022: Der regionale Kongress 2021 - Teil 2: Freitag ("diese Generation" und die Wirkung der Gebete)
... 102, 23.09.2022: Der regionale Kongress 2021 - Teil 3: Freitag (Glauben an ...)
... 103, 28.09.2022: Der regionale Kongress 2021 - Teil 4: Freitag (Nicht zweifeln und die Schöpfung)
... 104, 06.10.2022: Der regionale Kongress 2021 - Teil 5: Freitag (So und nicht so und der Schlussvortrag)
... 105, 13.10.2022: Video: Secret Science in the Bible? | Reacteria | Forrest Valkai (9:43 min, engl.)
... 106, 18.10.2022: Video: So viele absurde Sonderrechte haben christliche Kirchen in Deutschland | Till to Go – heute-show (10:08 min)
... 107, 27.10.2022: Der regionale Kongress 2021 - Teil 6: Samstag (Glauben entwickeln und Charles Manson)
... 108, 31.10.2022: Der regionale Kongress 2021 - Teil 7: Sonntag (Glaubensvorbilder)
... 109, 02.11.2022: Der regionale Kongress 2021 - Teil 8: Sonntag (Schlussvortrag)
... 110, 09.11.2022: Video: Jehovah's Witness purity video has terrible advice on sexual harassment | Lloyd Evans (9:45 min, engl.)


Seite 12, Beitrag
... 111, 14.11.2022: Video: Jehovah's Witnesses schooled on how to "draw" people into conversations | Lloyd Evans (8:38 min, engl.)
... 112, 20.11.2022: Video: How The Bible Supports Slavery | CosmicSkeptic (23:06 min, engl.)
... 113, 23.11.2022: Video: Jehovah's Witnesses trained to defend their homophobia in the workplace | Lloyd Evans (8:00 min, engl.)
... 114, 26.11.2022: Video: Deceiving the Truth | AronRa (16:36 min, engl.)
... 115, 27.11.2022: Video: 13 More Bible Contradictions | Holy Koolaid (15:26 min, engl.)
... 116, 30.11.2022: Video: Donall and Conall Meet the JWs | LutheranSatire (4:22 min, engl.)



Bald folgende Artikel:
Für Seite 10: Echte Freunde
Für Seite 10: Platos Höhle
Für Seite 10: Niederschriften




Legende
Titel = Fertiger Beitrag, der auf Veröffentlichung wartet
Titel = Unfertiger Beitrag


#1 - Diese Artikel waren ursprünglich im Thread "Evolution oder Schöpfung" veröffentlicht worden. Mit der Reorganisierung dieses Themas hier wurden diese Beiträge hier her verschoben, um die allgemeinen Aspekte kritischen Denkens von den spezifischen Beiträgen zur Evolutionstheorie und der Schöpfung zu trennen.
#2 - Diese Artikel waren ursprünglich im Thread "Nachdenkzeiten" veröffentlicht worden.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 1. Okt 2017, 06:23

Grundsatzartikel: Was sind die "besseren" Argumente?

Ich sage es frei heraus, ich habe das alles nicht studiert. Ich bin höchstens interessierter Fachlaie. Gleichwohl geht es mir um die Verteidigung meiner persönlichen Weltanschauung. Und diese stütze ich auf rationale Argumente.
Aber wer hat die "besseren"?

Muss ich mich überhaupt gegen den Kreationismus stemmen? Ist mir das möglich? Was bringt es mir?

Ja, ich denke, die eigene Anschauung muss auch verteidigt werden. Sie kann nur so gut sein, wie die Argumente, auf die man sich stützt. Wenn man die Evolutionstheorie nicht einfach als gegeben hinnehmen will, sondern tatsächlich begreifen möchte, so sollte man sich auch mit den Kritikpunkten der Kreationisten beschäftigen. Selbstverständlich wird man früher oder später an seine intellektuellen Grenzen stoßen.


Und machen wir uns nichts vor: Manche Fragen sind gut gestellt. Manche Fragen zeigen tatsächlich Wissensdefizite auf. Es gehört zum wissenschaftlichen Prozess diese Lücken zu schließen, neue Fragen aufzunehmen, zu ergründen und schlussendlich zu beantworten. Auf der anderen Seite lässt sich aber auch festhalten, dass viele Fragen an die Dummheit oder an die Sehnsucht des Menschen appellieren oder schon lange beantwortet sind und trotzdem immer wieder gestellt werden. Feststellen lässt sich auch, dass zu den beanstandeten Punkten dieser etwa 160 Jahre alten, stets erweiterten und immer wieder bestätigten Theorie, keine vernünftige Alternative angeboten wird.

Grundsätzlich gilt es aber zu beachten, dass selbst im unwahrscheinlichen Falle, die Evolutionstheorie sei falsch, nicht automatisch gilt, der Kreationismus wäre korrekt. Es würde dann die Frage entstehen: Welcher Kreationismus hat recht? Es gibt doch so viele.
Da Kreationismus sich aber zumeist darin erschöpft, die Evolution zu verneinen, ohne greifbare, verifizierbare, falsifizierbare Konkurrenztheorien aufzustellen, wird sich diese Frage vorerst nicht stellen. Aber es bleibt: Die Richtigkeit einer Theorie ergibt sich nicht aus der Falschheit einer anderen. Die Widerlegung einer Sache ist nicht der Beweis für eine andere.

Selbstverständlich gilt aber auch für Gott der feste Leitsatz: Die Abwesenheit von Beweisen ist kein Beweis für die Abwesenheit.

Aber nützen einem die besseren Argumente überhaupt etwas. Ich für meinen Teil denke nicht mehr, dass man jeden mit den richtigen Argumenten überzeugen kann. Schwierig ist dies eben auch, weil oft nicht objektiv festgestellt werden will, was die besseren Argumente sind.
Meiner Überzeugung nach, kann man nur aus sich selbst heraus seine Ansichten ändern.
Freilich nutzt man dafür Informationen, die andere an einen herantragen. Was bleibt einem auch übrig, hat man doch weder die Daten selbst erarbeitet, noch einen kompletten Überblick über die gesamte Materie.
Argumentatives Festnageln führt dagegen in der Regel zu Abwehrreaktionen, wie Verschließen, Aggression und Verdrängen. Der andere wird es eben nicht "einsehen müssen". Wenn dann noch Emotionen, z.B. aufgrund einer Heilshoffnung im Spiel sind, kommt man mit Rationalität nicht mehr weiter.

Für viele Menschen ist die Wissenschaft unheimlich. Sie wünschen sich einfache Erklärung und ein paar Geheimnisse. Die Wissenschaft aber entzaubert ihrer Ansicht nach die Welt.
Wieso sonst erfreuen sich esoterische und pseudowissenschaftliche Bücher so großer Beliebtheit, wie es kaum ein Sachbuch vermag? Wieso sind in Büchereien Abteilungen über Astrologie größer, als Abteilungen über Himmelsmechanik? Wieso pfeifen sich die Leute Globulis rein und machen Reiki?
Solche Dinge bereichern die Welt nicht. Sie engen die Sicht auf die Vielfalt des Lebens und der Natur ein. Richard Feynman sagte einst: "Die Welt wird durch die Wissenschaft nicht entzaubert. Nehmen sie eine Rose. Mit jedem neuen Aspekt, den man entdeckt, gewinnt sie an Schönheit." (Zitat stark eingekürzt!)

Für den ersten Beitrag war dies genug der persönlichen Worte. Vielmehr aber soll es künftig um Fakten und Daten gehen.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 22. Okt 2017, 19:54

Grundsatzartikel: Wie Wissenschaft funktioniert

Wie betreibt man Wissenschaft am Besten?
Sicher nicht, indem man die klügsten Köpfe in einen Elfenbeinturm steckt und dort von jeglichen Studenten fern hält. Denn dort fehlt ihnen jede Inspiration. Es fehlen jene, die neue, frische Fragen stellen. Wissenschaft besteht ja aber auch nicht nur aus Theorie, sondern auch aus Experimenten. Wissenschaftlicher Erfolg lässt sich nicht vorhersagen und auch nicht planen. Man kann nicht bestimmen, wo die nächste große Erkenntnis gewonnen wird und wer sie finden wird.

Fest steht aber, dass die Erkenntnis kommen wird. Wissenschaft ist der große Gegenspieler der Lüge. Sie ist ein Licht, dass immer heller strahlt, weil wir immer mehr verstehen können. Auch wenn von Esoterikern, Pseudowissenschaftlern und Religionsanhängern immer wieder gegenteiliges zu hören und lesen ist, hat Wissenschaft noch nie jemanden dümmer gemacht. Immer mehrt sich unser Wissen, wenn wir forschen. Natürlich steigt damit auch die Komplexität der Forschung und es sinkt der Teil des Wissens, den man sich in seinem Leben aneignen kann. Vor ein paar hundert Jahren gab es sicher Universalgenies, die so ziemlich alle Bücher ihres Kulturkreises gelesen haben. Einfach weil es so wenige waren. Heute sieht die Sache völlig anders aus. Zudem ändert und mehrt sich unser gesammeltes Wissen mittlerweile so schnell, dass es oft schon nach gut und gerne 5 Jahren "veraltet". Bei all den Wissenschaften also immer auf dem Laufenden zu sein, ist daher unmöglich geworden, insbesondere, wenn man in die Tiefe gehen will.

Aber gesamtheitlich betrachtet, irren wir uns nach vorn. Der Grad der Irrung sinkt kontinuierlich.
In der Wissenschaft gibt es einen Selbstreinigungsprozess. Theorien, die den Experimenten und Fakten standhalten, sind gut. Theorien, die das nicht können, sind es nicht. Diese müssen modifiziert oder gänzlich verworfen werden. Erst am Ende des Tages entscheidet sich, wozu die jeweilige Theorie gehört. Dieser Selbstreinigungsprozess funktioniert gut und ist Grundlage jeder wissenschaftlichen Erkenntnis. Aber ...

Wissenschaftler sind sich im klaren darüber, dass sie kein Konzept, der sie umgebenden Natur zu hundert Prozent verstanden haben Oft aber nicht die Wissenschaftskommunikatoren. Die darf man nicht verwechseln, denn dies sind selten ein und die selben Personen und haben dementsprechend auch selten den selben Sachverstand oder die Zeit, ausgiebige Recherche zu betreiben. Würde es anders sein, würden Wissenschaftler ja nicht mehr forschen. Im Grunde steht nicht mal fest, ob überhaupt irgendeine Erkenntnis gesichert ist. Aber entgegen aller Religionen ist unser Alltag heute von den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft so durchdrungen, dass wir bei bestimmten Dingen sehr wohl von Tatsachen sprechen können.
Jeder Apfel fällt nach unten. Das Konzept der Schwerkraft ist hinreichend für unseren Alltag und weiterführend für die Wissenschaft sehr fundiert und akribisch untersucht worden. Fossilien und genetische Verwandtschaften erzählen von der Veränderlichkeit der Arten, wie Darwin und Wallace sie darlegten. Computer, Fernseher, Handy und Mikrowelle stellen täglich unter Beweis, dass Elektromagnetismus existiert. Unsere rote Haut bezeugt die UV-Strahlung. Es gibt in dieser "unsicheren" und "wankelmütigen" Wissenschaft also tatsächlich richtige Fakten und Tatsachen. Bei komplexeren Zusammenhängen, wie der Entstehung des Lebens und dem Anfang von Allem ist eine absolute Sicherheit vermutlich auf Ewig ausgeschlossen. Allerdings trifft die Wissenschaft in so ziemlich jedem Bereich aktuell die präzisesten Vorhersagen und kann die Welt in ihrer Gesamtheit besser erklären, als es irgendein dogmatisches oder pseudowissenschaftliches Gedankengebäude auch nur im Ansatz vermag. Was natürlich nicht ausschließt, dass man auch jahrelang in die falsche Richtung arbeiten kann.

Der feine Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft ist jener: Am Anfang der Wissenschaft liegt die konkrete Beobachtung eines Phänomens. Dieses gilt es zu beschreiben, zu erklären, zu ergründen und schlussendlich daraus Vorhersagen herzuleiten. In der Pseudowissenschaft liegt der Grund eines Wunsches vor, ein Weltbild zu rechtfertigen, indem man Begriffe in den Raum wirft und damit eigentlich schon erklärte Phänomene zu assimilieren. Dabei verwendet man gerne wissenschaftlich klingenden Begriffen wie "Schwingungen", "Informationen" und "Energien". Wäre es aber tatsächlich so einfach, neue Theorien zu erstellen, dann wären Wissenschaftler schon längst zu den Esoterikern übergelaufen.

Bild
So funktioniert methodischer Erkenntnisgewinn, auch Wissenschaft genannt.

Wenn es nicht angezeigt wird, klickt bitte hier: http://www.allmystery.de/i/tab866a_Die_wissenschaftliche_Methode.png

Diese Art des Erkenntnisgewinns bringt aber auch Leute auf den Plan, die dies nicht verstehen und trotzdem dagegen wettern, ihre Hoffnung auf wissenschaftliche Arbeit zu legen. Freilich in völliger Verkennung, dass Wissenschaft lediglich eine Methode ist, um unser Wissen zu mehren, kein Hoffnungssystem. Das was Hoffnung schenken kann, ist die angewandte Technik, die das Wissen bemüht.
Man entdeckt fast beiläufig, dass die Bakterienkulturen von zig Petrischalen drauf gegangen sind, weil ein Pilz im gleichen Schrank in einer weiteren Probe gesammelt wurde und nicht recht verschlossen war. Beim Versuch dieses Desaster zu reproduzieren, erfand man das Antibiotika. Für die Bakterien ist dies der Tod, für uns aber mitunter Leben. Aber in keinem Falle eine "chemische Keule". Es handelt sich lediglich um Sporen, die mit ihren Stacheln Bakterien aufspießen und so Fressfeinde oder Beute erlegen. Heute gehört Antibiotika zum guten Ton eines Krankenhauses, um bakterielle Erkrankungen zu bekämpfen oder bei viralen Infekten, dem Immunsystem die Arbeit gegen zusätzlich einfallende Bakterien abzunehmen.
Um die Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert, war Diphtherie eine große Massenseuche, besonders unter Kindern. Selbst in kleineren Städten starben im Jahr gern ein Dutzend Heranwachsende an dieser Krankheit, die den passenden Namen "der Kinderwürger" hatte. Der Assistent von Robert Koch Emil von Behring schaffte es 1891 zwei seiner an dieser Seuche erkrankten Kinder zu retten. Seine Forschungsarbeiten und sein Therapieverfahren führten zu einer effektiven, passiven Impfung. Und Dank kaiserlich verordneter und soldatisch durchgesetzter Pflichtimpfung ist diese Krankheit insbesondere in Deutschland und weiten Teilen Europas fast ausgerottet worden. Soviel zu den Argumenten von Impfgegnern.
Ebenso wird heute an Krebs- und AIDS-Mittelchen geforscht. Und auch wenn keine endgültige Lösung in Sicht ist, so sind in den letzten Jahren große Fortschritte geschaffen worden. Einige Krebsarten lassen sich kurieren, was allein vor 20 Jahren oft noch nicht der Fall war. Der Ausbruch der AIDS-Krankheit lässt sich bei einem HIV-Infizierten mit Medikamenten heraus zögern.
Es ist nur logisch, wenn Betroffene der medizinischen Forschung ihre Hoffnung schenken. Doch Wissenschaft weiß nicht, wohin die Reise führt. Sie findet, analysiert und bringt Ergebnisse. Diese Ergebnisse fließen in die angewandte Medizin oder Technik. Und im positivsten Falle dienen diese Erkenntnisse dann dem Wohle aller. Finde ich super.

Misslige Entwicklungen, wie die Atombombe oder Rassenideologien sind nicht abzustreiten. Aber der Wissenschaft aufgrund von Missbrauch gleich mit Ignoranz oder Intoleranz begegnen oder ihr "gute Absichten" abschwätzen? Es stößt sicher auch "wahren Christen" sauer auf, wenn man die Gräuel, wie Kreuzzüge, Hexenverbrennung, Unterwerfung, Sklaverei, Völkermord, Ablasshandel und dergleichen mehr unter Berufung auf die Bibel legitimiert und vorgibt oder vorgab im Namen Gottes zu handeln?
Während man misslige Entwicklungen, die auf wissenschaftlicher Forschung beruhten, der Wissenschaft ankreidete (wie die ausgetüftelte Waffentechnik), werden der Bibel und dem Gottglauben keine negativen Aspekte in der geschichtlichen Entwicklung zur Last gelegt. Hexenverfolgung, Inquisition und Kreuzzüge, sowie auch heute noch viele Konflikte sind nicht nur religiös verflochten, sondern oft bis heute unterstützt und nicht selten sogar religiös initiiert. Der Konflikt in Syrien genauso, wie der Tumult seit Entstehung des Landes Israel. Die Bibel selbst bietet immer wieder religiös motivierte Konflikte an, sei es die Landnahme (mit versuchtem Genozid) Kanaans durch Josua, der Krieg gegen die Philister oder die römisch-jüdischen Kriege zwischen 66 - 70 nach Christi. Immerhin haben sich die religiösen Führer selten bei der militärischen Durchsetzung des Glaubens gegen die Neuerungen der technischen Entwicklung verwehrt, sondern sogar sehr gern darauf zurückgegriffen.

Beiden Argumentationen ist im Grunde folgendes gemein:
Wenn ich meinem Nachbarn mit der ledergebundenen Ausgabe von "Otello", "Hamlet" oder "Macbeth" eins über den Schädel ziehe, ist Shakespeare dann ein schlechter Autor?

Schlussendlich bleibt festzuhalten:
Die Tötung hunderter oder tausender zur Previlegerhaltung einiger ist kein Ziel der Wissenschaft. Ich kann es nicht oft genug betonen: Sie ist einzig eine Methode zum Erkenntnisgewinn. Und wer aus kreationistischen Kreisen gegenteiliges behauptet, darf gern mal seine Bibel zur Hand nehmen: die Sintflut (1. Mose 7-8), die Vernichtung von Sodom und Gomorra (1. Mose 18-19), die zehn Plagen (2. Mose 7-11), die Story vom roten Meer (2. Mose 11-13), der Genozid an den Völkern Kanaans durch das Volk Israel (Bibelbuch Josua), ja auch Harmageddon (Bibelbücher Hesekiel, Jesaja, Daniel, Offenbarung). Das alles sind definitiv Beispiele für die Tötung vieler zum Previleg einiger.
Man kann auch der Wissenschaft keine Parteilichkeit und Lobbyismus vorwerfen, wenn der eigene Gott die Erstgeborenen der Ägypter tötet (2. Mose 11), obwohl er selbst Pharaos Herz verstockt macht (2. Mose 4:21), der die Israeliten demnach nicht ziehen lässt.
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("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 2. Nov 2017, 07:44

Grundsatzartikel: Meine Motivation

Ich mag das Wort Agnostiker nicht. Entweder man glaubt an Gott oder nicht. So ein bisschen Gott, ist wie der Versuch halbe Löcher zu schaufeln.
Agnostiker gibt es in zwei Grundtypen: 1. Gott gibt es wohl, aber er greift seit der Schöpfung nicht mehr ein. 2. Man kann seine Eingriffe und ihn selbst nicht empirisch erfahren. Beide Sichtweisen zeichnen einen bedeutungslosen Gott. Und sollte Gott tatsächlich nicht empirisch (von griechisch empeiria "Erfahrung, Erfahrungswissen") wahrnehmbar sein, wie kommt man dann zu der Behauptung, er existiere? Denn dafür müsste man nichts weniger überwinden, als den menschlichen Verstand.
Man kann Gott wissenschaftlich nicht beweisen und seine Nichtexistenz sowieso nicht. Will man also wissenschaftlich korrekt handeln, muss man anerkennen, dass sich die Frage nach Gott nicht beantworten lässt. Also sollte ein jeder Agnostiker sein.

Wirklich?

Die Argumentation klingt erstmal ganz logisch und vernünftig. Die Nichtexistenz von Etwas lässt sich per se nicht beweisen und die Nichtexistenz von Beweisen ist nicht automatisch auch der Beweis für die Nichtexistenz. Als Wissenschaftler oder interessierter Fachlaie sollte man daher kein Problem haben, einfach zu sagen: "Ich weiß es nicht!" Das ist in jedem Falle korrekt. Aber: Aus Unwissen ergibt sich nicht automatisch Gott.


(Übersetzung: Meine Familie glaubt nicht an die Evolution.)

Ich bin Atheist. Es steht natürlich außer Frage, dass auch ich glauben muss. Ich kann nicht mal die Stromrechnung eines Teilchenbeschleunigers bezahlen. Und Mangels Platz und technischen Know-How kann ich auch keinen im Keller installieren. Ich kann auch keine ausgedehnten Ausgrabungen in Israel oder Langzeitexperimente mit Bakterien unternehmen. Mein Alt-Latein und meine Hieroglyphen-Kenntnisse sind misserabel. Auch habe ich kein Spektrometer zur Hand. Ich muss mich also bei meinem Weltbild weitgehend auf die Daten anderer verlassen. Ich bin nicht im Stande, alles selbst zu erforschen oder zu wissen. Aus der Tatsache aber, dass ich nicht alles beweisen oder widerlegen kann, schon gar nicht aus erster Hand, ergibt sich nicht, dass alles möglich wäre. Es bedeutet auch nicht, dass ich dennoch annehmen oder glauben muss. Es bedeutet ja nicht einmal, dass ich die Möglichkeit in Betracht ziehen muss, dass es so sein könnte.

Aber wir sind ja auch furchtbare Leute, diese Wissenschaftsgläubigen. Hängen an den Lippen der Professoren, glauben dem, was in Science, Nature oder Spektrum der Wissenschaft steht. Halten sich für oberschlau und unterstellen anderen Dummheit. Ein wenig Bescheidenheit käme da mal recht. Sollen uns doch mal offen zeigen, für neue, für alternative Ideen, die nicht in irgendeinem oberschlauen Schulbuch stehen.

Wer reine Naturwissenschaft propagiert und sich damit als Skeptiker outet, der Übernatürliches und unbewiesene Absurditäten ablehnt, macht sich bei vielen Leuten unbeliebt. Ich meine hier nicht speziell die Wünschenrutengänger, Geist-, Wunder- und Quantenheiler, Gurus, Priester, Energetisierer, Wahrsager, Erleuchtete und andere Esoteriker, aber auch strenggläubige Theisten. Ich meine ganz "normale" Menschen. Sätze wie "Ich bin da ja offen." oder "Man kann nie wissen." oder "Wer weiß, ob was dran ist." sind allseits bekannt. Wie können diese Naturforscher auch so unverschämt sicher sein? Das sind doch Besserwisser. Und Besserwisser nerven.

Da ist ja auch was dran. In der Naturwissenschaft lernt man, zu eindeutigen Ergebnissen zu kommen. Aber nicht jeder Naturwissenschaftler bringt bei der Verteidigung seiner Theorie die soziale Kompetenz auf, die man für eine sinnvolle Diskussion braucht. Man kann gern sein ganzes Vermögen, seinen linken Arm und seine zwei Kinder darauf verwetten, dass die Argumente des Gegenübers nur muffige geistige Abgase sind, aber man sollte es ihm nicht in Gesicht sagen. Sicherlich: Auch Wissenschaftler, die sich ihrer Sache sicher waren, haben falsch gelegen. Zurückhaltung und Bescheidenheit täten sicher auch Forschern gut.
"Nett sein" heißt aber nicht "Klappe halten" und unwidersprochen jeden Wust über sich ergehen zu lassen. Und ganz sicher heißt es nicht, dass zwei gegensätzliche Meinungen intellektuell auf Augenhöhe stehen müssen, wie bei Modetrends oder Rezeptideen. Es gibt nun mal so etwas wie beobachtbare, reproduzierbare wissenschaftliche Fakten. Theorien, die dazu passen, sind gut. Theorien, die nicht passen, sind schlecht. Daran wird kein abstruser Wissenschaftsrelativismus etwas ändern.
Wer also der Wissenschaft nicht mehr als ein Bauchgefühl entgegensetzen kann, verschwendet seine Zeit und die Zeit des Wissenschaftlers, mit dem man zu diskutieren versucht.
Dennoch: Als Wissenschaftler sollte man auch den haarsträubensten Unfug immer wieder mit ehrlichen, sauberen Argumenten widerlegen und dabei freundlich bleiben. Aber wenn man ein überwältigendes Arsenal wissenschaftlich solider Fakten aus seiner Seite hat, darf man durchaus etwas Selbstbewusstsein zeigen.

Offenbar gibt es aber nichts, dass nicht so absurd wäre, dass es nicht irgendwelche Anhänger findet. Lohnt sich auch da eine wissenschaftliche Aufarbeitung?

"Das stört doch keinen.", gefolgt von "Soll doch jeder glauben, was er will." oder "Na, wenn es ihm hilft ..."


(Übersetzung: Die Sterne und Planeten haben keinen irgendwie gearteten Effekt auf dein Leben.)

Wer seine Pflanzen nach dem Mondkalender aussähen will, soll dies gern tun. Wer gern Zuckerkügelchen schlucken will, in denen garantiert kein Wirkstoff enthalten ist, soll dies gern tun. Muss man immer gegen alles sein, was nicht ins eigene "Weltbild" passt?
Unbedingt! Nicht so sehr, wegen irgendwelcher Ideologien, sondern eher, da man früher oder später selbst mit diesem Hokus Pokus konfrontiert wird. Und dann sollte man Stellung beziehen. Der Grundgedanke der Aufklärung war ja, nicht mehr alles zu glauben, was einem vorgesetzt wird, sondern zu prüfen. Auch damals schon kam man oft zu überraschenden Ergebnissen bei Althergebrachtem: Der Aderlass entschlackt und entgiftet nicht, er tötet. Entladungen in Gewitterwolken sind elektromagnetische Gesetzmäßigkeiten und nicht das Machwerk irgendeines auf der Wolke sitzenden Gottes. Die Erde steht nicht im Zentrum des Universums, sondern an dritter Stelle eines recht bedeutungslosen Sonnensystems, am Rande der Milchstraße einer kleinen Galaxie, in einem unscheinbaren Winkel des kaum begreifbaren Weltalls.

Ein Jogurt, von dem behauptet wird, er sei ein Cholesterinsenker, muss nachweisbar Cholesterin senken. Sonst ist es Betrug. Bei Homöopathie, Reiki und Akupunktur trifft das zum Beispiel nicht zu. Da gilt ein Binnenkonsens. Hier darf man fabulieren, was man will. Und auch im Kreationismus muss im Grunde nichts erklärbar sein, da etwaige Wissenslücken einfach mit Gott gefüllt werden.
Natürlich stelle ich nicht in Abrede, dass die große Mehrheit der Leute, die das glauben, davon tatsächlich überzeugt sind und nicht einfach jemanden reinlegen oder übervorteilen wollen. Wer seine Blumen nach dem Mondkalender gießen will, bringt schlimmstenfalls ein paar Betunien um. Wer aber eine Operation von der Fülle des Mondes abhängig macht, spielt wohlmöglich mit seinem Leben. Der Kreationismus spielt dabei keine Ausnahme. Wer in die Natur Muster hineinliest, wo keine sind, findet sie auch irgendwann sonst in seinem Leben. Bestenfalls wird er ein "gottgefälliges" Leben führen, wozu die meisten moralischen Grundsätze gehören und demzufolge einen guten Menschen ausmachen können. Schlimmstenfalls aber wird er bestimmten Organisationen hörig, die auch ganz andere Ziele mit ihren Schafen verfolgen könnten. Die Vereinheitlichung von Denkmustern hat in der Vergangenheit nicht zwingend die positivsten Blüten getragen. Wer seinem Guru, Heiler, Rutengänger, Astrologen oder Kartenleger kritikfrei traut, ist ebenso wenig vor anderen Manipulationen gefeit, wie ein Gläubiger.
Sollte man aber der Wissenschaft nicht auch vorbehaltlos vertrauen?
1.: Natürlich soll man der Wissenschaft nicht blind glauben. Das liegt nicht im Interesse von Wissenschaftlern. Wissenschaftler selbst sind von der Skepsis und der Neugier getrieben.
2.: Selbst wenn die Wissenschaft falsch liegen sollte, bedeutet dies nicht automatisch, dass die Gegenseite recht hätte. Denn die Richtigkeit einer These hängt ja nicht davon ab, ob der andere Unrecht hat. Sondern davon, ob der jenige, der behauptet, recht hat.
3.: Wenn ich die Wahl hätte, einerseits einer jahrhundertelang erprobten Methode des Wissensgewinns zu vertrauen, die ständiger Prüfung und Kontrolle unterworfen ist oder andererseits einer Anektdotensammlung, für die es keine Grundlage in der Realität gibt, dann entscheide ich mich sofort für ersteres!
Ein Beispiel: Die beiden "Mondkalender-Experten" Paungger und Poppe hatten auf ihrer Webseite zur Frage dem Feedback aus der Wissenschaft auf ihre Bücher folgendes veröffentlicht:
"Nur Gutes, großes Interesse und viel Enthusiasmus. Wir arbeiten mit vielen echten Ärzten und echten Wissenschaftlern zusammen. Das sind Menschen, die niemals etwas ablehnen oder abwerten, nur weil sie sich damit noch nicht vertraut gemacht haben. Das sind Menschen, für die Beweis genug ist, wenn etwas seit Jahrtausenden gut funktioniert. Sie verlangen nicht unbedingt Antwort auf die Frage, warum etwas funktioniert, bevor sie es mit Freuden anwenden. Sogenannten "Wissenschaftlern" sind wir allerdings auch schon hier und da begegnet. Menschen, für die nicht existiert, was nicht in ihre starren Denkschablonen paßt. Wir kümmern uns nicht um sie und versuchen auch nicht, sie zu überzeugen. Unsere Zeit ist uns dafür zu wertvoll."

Obacht: Sollten sie eine Person finden "für die Beweis genug ist, wenn etwas seit Jahrtausenden gut funktioniert" und die "nicht unbedingt eine Antwort auf die Frage, warum etwas funktioniert," haben wollen, dann handelt es sich ganz sicher nicht um einen Wissenschaftler. Danach zu fragen, wie und warum etwas funktioniert, ist die grundlegende Eigenschaft eines Wissenschaftlers. Es ist das Wesen der Wissenschaft. Man lehnt nicht ab, was nicht in die "starren Denkschablonen passt", sondern, wofür es keinerlei Belege in der Realität gibt, auch weil es den Naturgesetzen oder den Beobachtungen widerspricht.


(Übersetzung: Astrologie, weil du und 570 Millionen andere Menschen, die im gleichen Monat geboren wurden, heute exakt die gleichen Dinge tun werden.)

Ich will nicht unkritisch und vorbehaltlos einfach glauben, was man mir vorsetzt. Da kann ich mir das Leben gleich diktieren lassen. Und genau darum, werde ich mich skeptisch diesem Thema annehmen.
Gott wirkt eben wie ein Aufsatz, um Sinn zu stiften, wo vermutlich keiner ist, ein Ankerpunkt für Moral, wo keiner nötig sein sollte. Aber wenn er tatsächlich in mein "Herz" schaut, so sieht er keinen Hass auf ihn, sondern lediglich die fehlende Überzeugung, dass es ihn gibt. Ich wüsste kein natürliches Phänomen, von dem aus sich zwingend Gott ableiten lässt. Aber vermutlich kommen andere zu anderen Schlussfolgerungen.

Um den Bogen wieder zum Agnostizismus zu spannen und auch zur Biologie zurückzukehren, die ja Grund für dieses Thema ist, sei festzuhalten, dass es auch agnostische Annahmen gibt, die durchaus angebracht sind: (Astro-)Biologen haben eine relativ klare, wenn auch nicht unumstrittene Definition, was Leben ist und versuchen dies bei der Suche nach außerirdischem Leben zu berücksichtigen. Da uns allerdings noch viel zu wenige Daten fremder Welten vorliegen, lautet die Antwort auf "Gibt es außerirdisches Leben?" einfach "Wir wissen es nicht!". Sozusagen Alien-Agnostizismus.
Auf Gott trifft dieses Prinzip nicht zu: Die verschiedenen Glaubensgemeinschaften sind sich nicht einig, was Gott ist, wieviele es gibt, wie er/sie wirkt/wirken oder was dessen/deren Motivation ist. Es gibt keine klare Definition. Und obwohl es nicht wirklich griffig ist, kann man einige Glaubensvorstellungen bereits jetzt klar widerlegen. Ein Gott, der die Welt vor 6.000 Jahren geschaffen haben soll, ist nachweislich Unsinn, da die Datenlage für ein 13,8 Milliarden Jahre altes Universum, eine 4,7 Milliarden Jahre alte Erde und mindestens 200.000 Jahre Menschheitsgeschichte spricht.
Agnostizismus ist also nicht zwingend die korrekte wissenschaftliche Folgerung aus der Nicht-Widerlegbarkeit Gottes. Die Ursache des Urknalls könnte genauso gut ein oszillierendes Universum (#1) sein. Wir wissen es nicht und es wäre von allen Seiten vermessen, zu behaupten, es zu wissen.


(Übersetzung: "Ich bin so traurig, dass Saturn nun das Sternbild Skorpion verlassen hat.", hat nie jemand gesagt.)

Streng nach Ockams Sparsamkeitsprinzip (der übrigens Mönch im 14. Jahrhundert war), ziehe ich einfach die Theorie vor, die möglichst sparsam im Umgang ihrer theoretischen Annahmen ist. Die Anzahl der zugrundeliegenden Annahmen sagt natürlich erst einmal nichts über die Qualität der Theorie aus. Wenige Annahmen machen eine Theorie aber prinzipiell einer Überprüfung leichter zugänglich.

Also:
Egal welcher Vergleiche, Analogien und Metaphern ich mich bediene, es gibt in der Natur keine planende oder federführende Intelligenz oder zielgerichtete Absicht. Die Evolutionstheorie und die Schöpfungslehre sind unvereinbar. Kreationisten argumentierten in letzter Instanz immer mit unbeweisbaren Behauptungen. Denn: Gott hat in der Naturwissenschaft nichts verloren, selbst wenn er existieren würde, da sich die Naturwissenschaften mit Natürlichem und nicht mit Übernatürlichem befassen. Auch löst Gott als Theorie kein einziges wissenschaftliches Problem.
Die Religionen legen einen ungeheuren Machthunger und Kontrollwillen an den Tag, um die ihnen anvertrauten Schafe nicht wie Hirten zu pflegen und zu nähren, sondern sich selbst zu feiern. Also sollten sie nirgens eine Moral- oder Ordnungsintanz sein. Denn wer sich erst auf einen Gott oder eine göttliche Strafe berufen muss, um Gutes zu tun, kann so viel besser nicht sein, als einer der Gott oder diese Strafaussicht dafür nicht benötigt.
Religion sollte Privatsache sein und Religionskritik ist wichtig. Religiöse Gefühle sind absolut gleich zu setzen mit anderen Gefühlen und gehören durch nichts besonders geschützt. Religionskritik ist grundsätzlich nicht anders zu bewerten, wie jede andere Kritik. Deshalb sollte man immer gewahr sein, dass meine Religionskritik eben Religionskritik ist, nicht mehr und nicht weniger.

#1 Die Theorie eines oszillierendes Universum geht davon aus, dass das Universum nach einiger Zeit der Ausdehnung wieder in sich zusammenfällt und danach wieder ausdehnt. Also möglicherweise auch ohne Anfang und Ende ist.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 3. Nov 2017, 08:57

Grundsatzartikel: Warum kann ich nicht einfach dankbar sein?

Ich war in der Schule Prügelknabe. Ich war dürr, unsportlich und ohne Markenklamotten. So wird man noch nach den Blinden und Lahmen ins Team gewählt. Obendrein glänzte ich in keinem Fach mit überdurchschnittlichen Leistungen. Da kamen die Mobber von ganz allein. Jene verbreiten dann zum Klassentreffen das verfälschte Bild, dass es Gruppenbildung und Zank in der Klasse ja nie gab. Ich blieb still.
Deutlich freundlichere und reifere Menschen lernte ich in Versammlungen der Zeugen Jehovas kennen, die ich seit nun 4 1/2 Jahren besuche. Da war ich aber bereits zu lange in der Opferrolle und obendrein, propagieren sie ein Weltbild, dass nicht das meine ist. Es ist nicht nur die Schöpfungsdebatte, auch manche Wortmeldung bei den Studienbesprechungen sind - gelinde gesagt - interessant: Da wird Darwin angezweifelt, weil er selber Zweifel einräumte (#1). Karl der Große wird zum Mittäter von Bibelverbrennungen im 15. Jahrhundert (#2). Die Große Pest im 12. Jahrhundert wurde durch das Läuten von Kirchenglocken gestoppt (#3). Es gab aber auch noch andere Auswüchse begrifflicher Entgleisungen (#4).
Auch da habe ich meinen Mund nicht geöffnet. Dem lieben Frieden willen. Habe ich Menschenfurcht? Die einfache Antwort: Ja! Vermutlich aus meiner sicher auch hausgemachten Isolation heraus. Es ist einfach, im Netz zu Posten, etwas ganz anderes aber, vor Ort den Mund aufzumachen.
Menschenfurcht soll Pontius Pilatus dazu veranlasst haben, dem Volkszorn nachzugeben und Jesus töten zu lassen (#5). Menschenfurcht wird oft als Schlinge bezeichnet.

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Die Bibel verurteilt Lügen (was Rahab tat, als sie die Kundschafter in Jericho deckte und trotzdem gesegnet wurde) und ich will auch nicht. Dann aber sitze ich bei Gedenkfeier zu Jesu Opfertod für die Sünden der Menschheit, reiche Brot und Wein weiter und sitze andächtig da. Dabei habe ich keinerlei Bezug zu diesem Festakt und dessen Bedeutung.

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Ist das schon lügen? Das Loskaufopfer feiern und schlussendlich davon ausgehen, dass es keine Erbsünde zu vergeben gibt? Warum kann ich nicht einfach dankbar sein?
Ich bin in großer Regelmäßigkeit in den Zusammenkünften, bei fast jedem Kongress der letzten 4 Jahre, habe sogar schon bei der Saalreinigung geholfen und führe seit der Geburt meines Kindes ein Bibelstudium. Was also stimmt mit mir nicht? Ich muss es doch langsam begriffen haben. Nein, habe ich leider nicht. Ich mache das alles auch nicht aus Gottesliebe, sondern aus verschiedenen anderen Gründen. Anfangs war es simpel ein unüberlegtes "Ja" auf die Frage, ob ich denn die Bibel studieren wöllte. Dann war es Verstehen-wollen, dann Routine, dann Durchhaltewillen. Ab und an gab es ein "Aha!" Da immer das gleiche durchgekaut wird, ist mein Interesse verflogen. Beim Beten habe ich das Gefühl mit der Wand zu reden und das obwohl ich eine ausgezeichnete Fantasie besitze, mir 800 verschiedene Figuren im Kopf zurecht zu klöppeln. Aber Gott ist keine davon. Die Wachtturm-Veröffentlichungen zum Thema Schöpfung sind wenig überzeugend. Stets wirkt es, als werden die Erkenntnisse dem Weltbild angepasst und nicht umgekehrt. Da Gott alles geschaffen hat, kann man in der Schöpfung seine Eigenschaften kennenlernen und darüber ihn. Ein Zirkelschluss.

Ich bin ja nicht allein. Auch wenn Ungläubige gern als Randgruppe dargestellt werden, ist dies in Deutschland jeder Dritte. Schwer zu gewichten sind die Konfessionslosen, die an etwas höheres glauben und jene eingetragenen Kirchenmitglieder, die ihren Glauben nicht mehr ausüben. Gottlos glücklich soll man bitte für sich sein. Die meisten Ungläuben glauben einfach nur nicht, weil sie sich nicht interessieren und vor sich hin vegetieren. Aktive Ungläubige dagegen gelten als militant und missionarisch.
Religiöse Menschen können sich vermutlich schwer vorstellen, wie jene Stelle, die Gott bei ihnen einnimmt, ohne Verlust leer bleiben kann. Besonders wenn ein Hoffnungssystem am Glauben hängt, hegt man die Angst, man könnte irgendeinen Verlust erleiden. Sie verorten bei Gott ihre letzten Antwort: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Warum gibt es so viel Leid? Ich habe mir diese "Lebensfragen" nie gestellt. Religiöse sehen überall Gefahr für ihren Glauben, Ungläubige fühlen sich durch religiösen Aktivismus Gott aufgedrängt zu bekommen.

Ein grundsätzlich religiöser und gesellschaftlich etablierter Zwang ist ja das Feiern der großen Kirchenfeste, ob man glaubt oder nicht. Ich war einer jener, die erst kurz vor Schluss die Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke unmotiviert und unüberlegt gekauft hat. Hauptsache irgendwas. Vor einigen Jahren habe ich dem Stress entsagt. Ostern verlor schon lange davor alle Bedeutung. Halloween habe ich nie gefeiert. Das alles aber nicht wegen vermeintlich religiöser Hintergründe, die bei näherer Betrachung heidnische Wurzeln haben (#6), sondern weil es auch atheistisch gesehen, Blödsinn ist.

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Der Dezember sind die Nächte für feldlebende Hirten zu kalt, die dort die Engel über den Heiland singen hören. Da passt eher der milde Oktober. Der Weihnachtsstern wirft die Frage auf, warum Gott spiritistische Astrologen durch ein für alle Leute sichtbares Licht den menschengewordenen Sohn aufmerksam macht, wenn er doch weiß, dass Herodes ihn töten will. Was hat Kommerz und der goldene Typ in Rom mit dem Zimmermannssohn zu tun? Oder Hase und Ei mit Jesu Tod? Wieso wird die eigene Geburt gefeiert? Warum ist man der Ansicht, dass Monstermasken irgendwelche Wesen aus der Geisterwelt beeindrucken? Das ist Verdummung der Massen.
Ich mach bei diesem Blödsinn nicht mehr mit und es fühlt sich gut an. Da ich aber erst anfange, "aktiv ungläubig" zu sein, möge man mir verzeihen, wenn ich trotz aller Erkenntnis, zum Gedächtnismahl gehe oder Geburtsgeschenke annehme. Warum kann ich aber für diese Befreiung vom Aberglauben nicht dankbar sein? Versteht mich nicht falsch: Ich bin dankbar. Aber wem? Gott hat mich nicht befreit, es war mein eigener Hirnschmalz, der sich damit kritisch auseinandersetzte. Wie komme ich überhaupt auf das Thema?

In der Studienausgabe des Wachtturms Januar 2014 (ein internes Heft für Sonntagszusammenkünfte zur gemeinsamen Betrachtung) gab es den Artikel "Triff als Jugendlicher die richtigen Entscheidungen" hatte ein japanischer Zeuge wieder neuen Eifer, als er von einem Ältesten veranlasst wurde, darüber nachzusinnen, was Gott alles für ihn getan habe. Natürlich hatte die Geschichte ein Happy End.
Gleichzeitig dachte ich über eine andere Art Dankbarkeit nach, denn über kurz oder lang, taucht in vielen Diskussionen, in denen jemand auch nur den leisesten Zweifel an der Richtigkeit einer wissenschaftlichen Theorie oder an der Lauterkeit aller am wissenschaftlichen Betrieb Beteiligten äußert, ein "Verteidiger der Wissenschaften" auf, der erwidert, dass man schließlich einen Computer und das Internet benutze, um seine Kritik zu verbreiten. Und das wäre ohne Wissenschaft ja gar nicht möglich. Gern auch mit der Forderung erweitert, auf die Nutzung von Computer und Internet in Zukunft zu verzichten. Es schwingt mit, dass sich aufgrund der Errungenschaften der Wissenschaften und der daraus resultierenden, notwendigen Dankbarkeit wohl jede kritische Nachfrage erübrige.

Und wo soll meine Dankbarkeit enden? Da sind ja nicht nur Physiker, die die Grundlagenforschung betreiben, sondern Bastler und Löter. Die Rüstungsindustrie, die die Nachfrage stellt. Große Firmen wie IBM und Microsoft, die die Nachfrage befriedigen und dabei massig verdienen. Wie rechne ich Ängste und Sorgen vor Kernschmelzen, Atombomben, Allergien, Klimawandel und Killerspielen auf dem PC meines Kindes gegen diese Dankbarkeit auf?

Ich gönne den Wissenschaftlern ihren Spass, Uran mit Neutronen zu beschließen, statistische Erfassung über das Fallverhalten von Butterbroten zu machen, Tonscherben und Fossilien im Dreck auszubuddeln. Ich gönne den Bastlern ihren Spass, die mit oder ohne Sachverstand Maschinen zusammenschrauben. Ich gönne den Unternehmen das Geld, dass sie mit ihren Ideen verdienen. Ich könnte einer von ihnen sein und würde mich ebenfalls dagegen stemmen, wenn man aus mir einen Bösewicht macht. Ich habe ja auch meinen Spass, wenn ich schreibe, was Wissenschaftler so tun.
Hätte ich weniger Spass, wenn Wissenschaftler keine Theorien aufstellen würden? Ich glaube kaum. Bastler würden weiter basteln, Unternehmer immer noch Geld verdienen. Es würde hier schneller und da langsamer laufen (manch falsche Theorie hat den Fortschritt auch behindert). Ich würde anders in Beschlag genommen werden. Ich würde Bücher lesen und statt im Internet surfen. Ich würde Briefe schreiben und keine Kurznachrichten. Ich würde sorgsamer überlegen, was ich schreibe. Ich wäre nicht anonym im Netz unterwegs, sondern würde die Personen kennen, mit denen ich Aug in Aug diskutiere. Die Kinder, die ich abends zu Bett bringe, wären nicht so gesund, aber es wären mehr.
Ich lebe nunmal in einer Welt, in der die letzten 400 Jahre geforscht und entdeckt wurde. Das ist völlig in Ordnung. Und in dieser Welt gibt es eben Computer und Internet. Warum auch immer. Ich benutze sie, muss deshalb aber niemandem dankbar sein.

Das führt mich zurück zum japanischen Bibellehrer und der Frage, was Gott wohl alles für mich getan hätte: Würde ich eine Liste erstellen, so wäre sie leer. Was ich heute habe, ist keine göttliche Fügung und kein Segen. Es ist das Ergebnis einer kausalen Kette von richtigen und falschen Entscheidungen, die im Grunde all zu oft durch Sachzwänge vorgegeben waren. Vielleicht muss ich die Idee "Gott" ja erst einmal zulassen. Aber das endet in einem Zirkelschluss: Erst wenn ich Gott vorraussetze, kann er mir geholfen haben. Genauso gut könnte ich Odin (#7) dankbar sein, dass er die Eisriesen nach Nilfheim zurückgeschlagen hat. Innerhalb des Glaubensgebäudes ist diese Assoziation logisch.
Auch hier stellt sich die Frage, wo meine Dankbarkeit enden sollte? Welchen Fantasiefreunden, die in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte entstanden und durch politischen, militärischen oder missionarischen Druck anderen Leuten aufgezwungen wurden, bin ich dankbar?
Bin ich nicht einfach konsequent, wenn ich bei den 5.000 verschiedenen Göttern und höheren Mächten, nicht nur 4.999 ausschließe und mir einen erwähle, sondern alle ausschließe?

Ach, warum kann ich nicht einfach dankbar sein?

#1 Darwins Zweifel
Darwin war Pastorensohn und selbst religiös erzogen. Er wusste um die Brisanz seiner Theorie und sah einen persönlichen Zwiespalt, in dem was er von Kindesbein an gelernt hatte und dem, was seine Forschungen darlegten. Er hat ein ganzes Kapitel des Buches "Origin" mit Widerlegungen seiner Theorie beschäftigt, nicht weil er schizophren war, sondern, weil er sich der Falsifizierbarkeit seiner Theorie durchaus bewusst war. Und das ist definitiv ein Zeichen eines guten Wissenschaftlers und Zeichen einer guten wissenschaftlichen Theorie. Auch ist Zweifel, neben Neugier, einer der großen Triebfedern der Wissenschaft.

#2 Karl, der Bibelmörder
Einer der größten "Verdienste" Karl des Großen war übrigens die Christianierung der Sachsen und Friesen im ausgehenden 8. Jahrhundert. Auch ließ er durch seinen Hofschulmeister Alkuin eine überarbeitete Vulgata-Bibelübersetzung anfertigen, deren Fertigstellung er nicht mehr erlebte. Da er bereits 814 verstarb, wird er freilich auch schlecht Mittäter irgendwelcher Bibelverbrennungen im Spätmittelalter gewesen sein können.

#3 Die Pest und die Glocken
Da Kirchenglocken bereits seit dem Frühmittelalter in Kirchen verwendet werden und im 9. Jahrhundert weite Verbreitung fanden, stellt sich die Frage: Wenn Kirchenglocken die Pesterreger durch ihren Schall töten können, wie ist die Pest dann überhaupt ausgebrochen? Das Geläut gab es doch bereits seit Jahrhunderten.

#4 Exakte Wissenschaft
Ein Vortragsredner hatte einmal folgenden Satz gesprochen: "Es gibt aber auch exakte Wissenschaften. Exakte Wissenschaften sind die Wissenschaften, die die Berichte der Bibel bestätigen." Das ist natürlich Blödsinn und steht im kompletten Gegensatz zu dem, was Wissenschaft ausmacht. Denn Wissenschaft schafft Wissen und wiederholt nicht nur "Althergebrachtes". Es geht darum den Horizont zu erweitern und nicht darum ihn zuzumauern. Aber tatsächlich gibt es diesen Begriff, aber in der Fachwelt wird er anders verwandt: Exakt (auch hart) sind jene Wissenschaften, die in der Lage sind, genaue, quantitative oder mathematisch oder formollogisch präzise Aussagen zu treffen und über eigene, strenge Methoden für die Überprüfung von Hypothesen und vor allem reproduzierbare Versuche mit quantifizierbaren Messungen verfügen. Von den Formalwissenschaften entsprechen nur die Logik, die Mathematik und Teile der Informatik dieser Entsprechung, in der Naturwissenschaft nur die Physik, die Chemie und Teile der Biologie. Demgegenüber stehen die weichen Wissenschaften, beispielsweise Literaturwissenschaft und Pädagogik.
Kurzum: Exakte Wissenschaften haben zu jeder Fragestellung EXAKT EINE Lösung, die EXPERIMENTELL bestätigt werden kann. Einige Fallbeispiele: 1+1 ist immer 2. Unter Normaldruck kocht Wasser immer bei 100 Grad Celsius. Ein Apfel fällt in Meereshöhe immer mit einer Beschleunigung von 9,81 Meter pro Quadratsekunde.

#5 Pontius, der Angsthase
Zwar ist korrekt dargelegt, dass der römische Präfekt für politische Urteile in seiner römischen Provinz zuständig war - die Anklage lautete ja, Jesus habe sich zum König der Juden erhoben und damit Unruhe gestiftet - aber Pontius wird auch beim sonst so viel zitierten Flavius Joesphus eine sehr harte Amtführung betont. Ob judenfeindlich oder nicht, immerhin verwaltete er Judäa und Samaria 10 Jahre lang, was für ein großes Durchsetzungsvermögen in einem der unruhigsten Gebiete des Reiches spricht. Er bereicherte sich am Tempelschatz, was für die Juden vermutlich den größeren Eklat auslöste, als der Zimmermannssohn. Einen dadurch ausgelösten Volksaufstand hat er blutig niederschlagen lassen. Keine Spur eines eingeknickten Mannes, der dem Volkszorn nachgibt.

#6 Feste feiern
Weihnachten, Ostern, Geburtstag und Halloween sind ja bekanntlich jene Dinge, die ein Zeuge Jehovas nicht feiert. Diese Feste fußen in heidnischen Bräuchen und wurden zur besseren Missionierung in die kirchliche Lehre eingebaut, obwohl sie nachweislich keinen biblischen Bezug haben. Weihnachten hat gleich mehrere heidnische Wurzeln: Das Wintersonnenfest der Römer "Sol Investus", dem neugestalteten Lichtgott der Römer, dem Wintersonnenfest der Germanen, die mit einem Lichterfest, die Sonne wieder herbeiholen wollten und das Lichtfest der Anhänger des Mithraskultes. Ostern galt als Fest für die germanische Fruchtbarkeitgöttin Ostera, deren Symbole Ei und Hase sind. Und zum Geburtstag wird die Person gefeiert, die vor ein paar Jahren das Licht der Welt erblickte. Das ist alles im Grunde Götzendienst und daher schon mit dem ersten der berühmten 10 Gebote nicht zu vereinen. Halloween gründet auf dem Aberglauben mit schrecklichen Masken die bösen Geister des letzten Jahres vertreiben zu können, was wiederrum Aberglaube und Spiritismus beinhaltet und laut Bibel ebenfalls verdammt ist.

#7 Odin
"Jesus promised to get rid of all the wicked people. Krishna promised to get rid of all the wicked people. Odin promised to get rid of the Ice Giants. I don’t see any fucking Ice Giants, do you?"
(zu Deutsch: Jesus versprach, alle bösen Menschen zu beseitigen. Krishna versprach, alle bösen Menschen zu beseitigen. Odin versprach, die Eisenriesen zu beseitigen. Ich sehe keine verdammten Eisriesen, und du?)
Dieser Parodie kann man natürlich entgegenhalten, dass es ja wahrscheinlich nie Eisriesen auf Erden gegeben hat und daher auch heute keine zu finden sind. Vielleicht ist im Umkehrschluss auch der Opfertod eines Zimmermanns vor 2000 Jahren sinnlos, da es nie eine Erbsünde zu tilgen gab.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 5. Nov 2017, 14:22

Grundsatzartikel: Worum es hier nicht gehen soll - Die Wahrnehmung von Religionen in der Blogosphäre

Auch wenn es in den vorherigen Beiträgen vielleicht so herausgelesen werden kann, geht es nicht darum, irgendwelche Glaubenbilder zu zerstören. Vermutlich sind meine Beiträge dafür gar nicht geeignet. Viele Menschen können aber leider echte Wissenschaft nicht vom billigen Imitat der Pseudowissenschaft unterscheiden.
  • Es geht mir um die Verteidigung einer der besten wissenschaftlichen Theorien unserer Zeit.
  • Es geht darum, aufzuzeigen, wie Wissenschaft funktioniert und wie sie ganz sicher nicht funktioniert.
  • Es geht darum, aufzuzeigen, warum sie so faszinierend ist und warum sie zu diesen Ergebnissen kommt.
  • Es geht darum, aufzuzeigen, warum sie die aktuell beste Methode des Wissensgewinnes ist.
  • Es geht darum, die immer gleichen Plattitüden der Kreationisten argumentativ zu entkräften und als den Blödsinn kenntlich zu machen, der er nun mal ist. Denn immer wieder werden die gleichen alten Aussagen aus irgendeinem Keller gekramt, obschon seit Jahrzehnten widerlegt oder lediglich um die Beseitigung der Evolutionstheorie bemüht, ohne eine stichhaltige Alternative anzubieten.
Natürlich kann ich bei der Aufarbeitung eines wissenschaftlich orientierten Weltbildes nicht das ganze Spektrum an Atheisten, Agnostikern, Säkularen, Humanisten, Freidenkern oder anderweitig Ungläubigen abbilden, was schon deswegen nicht geht, da ein jeder Mensch eigene Prägungen und Erfahrungen hat und jedes Weltbild ob gläubig oder nicht individuell ist. Auch bin ich mir gewahr, dass ich die meisten Dinge, die ich hier niederschreibe, nicht selbst erarbeitet habe, dennoch für logisch und richtig halte. Es geht mir nicht darum, irgendeine Skeptikervereinigung zu verteidigen, sondern darum zu schildern, wie ICH darüber denke. Begonnen hatte das ja einst mit Nibiru und dem ganzen Weltuntergangskram, der von einer Randerscheinung plötzlich in den Mainstream rutschte und mit seinen irrealen Fantasiekontrukten reale Angst erzeugte.
Ich habe mir überdies nicht immer die Zeit genommen, meine Äußerungen abzuschwächen und meine Argumente in Watte zu packen. Manches ist einfach unangenehm.
Dagegen zu Schreiben finde ich richtig, mich daswegen irgendeiner Bewegung oder Gruppe anzuschließen dagegen nicht. Durch das Zusammenrotten entsteht beim Beobachter der Eindruck, als bekämpften sich zwei Ideologien, als ginge es um Wahlkampf. Durch öffentliche Aktionen, wie dem homöopathischen Selbstmordversuch der Gruppe Aktion 10:23 wird zwar auf das Thema aufmerksam gemacht, aber leider nur bei denen, die Homöopathie im Reich der Märchen sehen. Aber man braucht weder für "skeptisch sein", noch für "vernünftig denken" einen Verein.

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Der skeptische Hund ist skeptisch.
Du sagst vielleicht ich bin skeptisch, ich bleibe aber dabei, ich bin nicht überzeugt.

Natürlich sind Skeptikervereine aber nicht falsch. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaft (GWUP) zum Beispiel leistet hervorragende Arbeit, wenn es um das Bereitstellen von Informationen und Kontakte zu den Medien geht. Dies in einer sehr sachlichen und fachlichen Ebene. Alles andere hilft der Aufklärung selten weiter.

Echte Wissenschaft ist eben aufregend genug und faszinierender als sich irgendeiner in der Pseudowissenschaft ausdenken kann, um sein Weltbild zu etablieren. Aber ich habe leider nicht den zeitlichen Luxus, all das lesen zu können, was ich gerne lesen würde. Dennoch stoße ich immer wieder auf ein Bild von Religion, wie ich es selbst oft propagierte: Ein überholtes, gesellschaftliches Problem.
Es ist ja leider so - und dem Vorwurf kann ich mich selbst nicht entziehen - das Negativbeispiele auf die ganze Gruppe ausgewalzt werden. Der "Bund katholischer Ärzte" äußert sich zu Homosexualität und bietet Therapierung an oder die Pius-Bruderschaft leugnet den Holocaust (#1) oder Harold Camping schwingt sich 2012 zum Armageddon-Prediger auf oder ... (die Liste ließe sich fortsetzen). Also an Möglichkeiten, sich an den Auswüchsen organisierter Religion zu empören besteht tatsächlich kein Mangel.
Doch so wie kein Moslem mit Sprengstoffgürtel zur Arbeit geht, sind nicht alle Christen homophob, frauenfeindlich, intolerant, unflexibel und bedingungslos einem Machtapparat unterworfen. Für Außenseiter entsteht aber eben jenes durch Medien befeuertes Zerrbild.
Vergessen werden dabei die zahlreichen charikativen Einrichtungen, angefangen von der Bahnhofsmission, über Malteser und Johanniter, bis hin zu Spendenorganisation, Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern. Ein abruptes Wegbrechen dieser Sparte würde den Staat, der dann einspringen müsste, vor immense Herausforderungen stellen.
Aber selbst wenn Gläubige bestimmte Sexualpraktiḱen ablehnen, sich Traditionen unterordnen oder ihr Leben irgendeiner heiligen Schrift angleichen, sind es Menschen, wie du und ich. Sie sind genauso statistisch gemittelt, haben die gleichen Extremwerte und sind genauso normal wie Atheisten. Viele Christen verlaufen sich wie Nichtgläubige nur zu Weihnachten und Ostern in die Kirche.

Natürlich kann man sich über die genannten Beispiele ärgern, aber es ist nicht die Regel.

#1 Pius-Bruderschaft
Dieter Nuhr sagte dazu einmal, dass die Piusbruderschaft geistig ja noch im Mittelalter steckt und für diese demzufolge der Holocaust noch gar nicht passiert sei. Ihn zu leugnen, wäre für einen so rückwärts gewandten also völlig nachvollziehbar und die einzig logische Erklärung.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 17. Nov 2017, 18:34

Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 1: Eine Einleitung mit Pontius Pilatus

Was macht eine Religion zu einer guten Religion? Für die einen ist es das utopisch gute Leben nach dem Tode. Für die anderen ist es die offizielle Lizenz, sich gegenüber seinen heidnischen Nachbarn überlegen zu fühlen. Wieder ganz andere schätzen die geringfügige Möglichkeit, sich während der Messe mit John Travolta oder Tom Cruise um die Plätze zu prügeln.
- MAD Magazine

"Was ist Wahrheit?"

Diese Frage stellte schon Pontius Pilatus, bevor er Jesus an den Pfahl brachte, eben genau jenem. Dieser aber schwieg (Johannes 18:38).


Da jede heilige Schrift ihre eigene Wahrheit verkündet, ist das Ausrichten des Lebens nach einer dieser Schriften zwangsläufig willkürlich und führt zur Klärung von Pontius' Frage kein Stück weiter. Innerhalb der von der Schrift vorgegebenen Grenzen sind einige Freiheiten gewährt, aber im Grunde sind die dahinterstehenden Mechanismen starr. Wissenschaft dagegen definiert Wahrheit mit jedem Experiment, mit jeder Theorie neu. Alle Forschung zielt darauf ab, sich dem Ideal "Wahrheit" anzunähern, erreicht wird es aber wohl nie. Womit sich Prediger 8:17 bestätigt: "Und ich sah das ganze Werk des [wahren] Gottes, wie die Menschen das Werk, das unter der Sonne getan worden ist, nicht herausfinden können; wie sehr die Menschen auch ständig hart arbeiten, um [es] zu suchen, finden sie [es] doch nicht heraus. Und selbst wenn sie sagen sollten, sie seien weise genug, [es] zu erkennen, würden sie es nicht herausfinden können." (Neue-Welt-Übersetzung)

Wissenschaft wandelt sich alle Zeit. Zu dem Thema passt auch ein Auszug aus dem Roman "Esther", der 1884 von Henry Adams geschrieben wurde.
Die namensgebende Hauptfigur wird darin von Stephen Hazard, einem episkopalen Priester, und George Strong, einem atheistischen Paläontologen umworben. Esther kritisiert zwar den episkopalen Glauben, doch sie ärgert sich auch über Georges Materialismus und wirft diesem vor, an die Wissenschaft ähnlich einer Religion zu glauben. Hier also der englische Text eines Wortwechsels zwischen Esther (E) und George (G), darunter meine laienhafte Übersetzung.
Esther: “Is religion true?”
George: “I thought so! Cousin Esther, I love you as much as I love any one in this cold world, but I can’t answer your question. I can tell you all about the mound-builders or cave-men, so far as known, but I could not tell you the difference between the bones of a saint and those of a heathen. Ask me something easier! Ask me whether science is true!”
Esther: “Is science true?”
George: “No!”
Esther: “Then why do you believe in it?”
George: “I don’t ‘believe’ in it.”
Esther: “Then why do you belong to it?”
George: “Because I want to help in making it truer. You are bothered, I suppose, by the idea that you can’t possibly believe in miracles and mysteries, and therefore can’t make a good wife for Hazard. You might just as well make yourself unhappy by doubting whether you would make a good wife to me because you can’t believe the first axiom in Euclid. There is no science which does not begin by requiring you to believe the incredible.”

Esther: "Ist Religion wahr?"
George: "Das dachte ich mir! Cousine Esther, ich liebe Sie so sehr, wie ich einen jeden in dieser kalten Welt liebe, aber ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten. Ich kann Ihnen alles über die Hügelgräber (oder Hügelgrabbauer) oder die Höhlenmenschen erzählen, soweit mir bekannt, aber ich kann Ihnen keinen Unterschied nennen, zwischen den Knochen eines Heiligen und denen eines Heiden. Fragen Sie mich etwas einfacheres! Fragen Sie mich lieber, ob die Wissenschaft wahr ist!"
Esther: "Ist Wissenschaft wahr?"
George: "Nein!"
Esther: "Warum glaubst du dann daran?"
George: "Ich glaube nicht daran."
Esther: "Warum bist du dieser dann zugehörig?"
George: "Weil ich helfen will, sie wahrer zu machen. Sie sind vermutlich verstört, von der Idee, dass Sie möglicherweise nicht an Wunder und Mysterien glauben können, und daher keine gute Frau für Hazard wären. Sie könnten genauso gut unglücklich sein, indem Sie zweifeln, eine gute Frau für mich zu sein, weil Sie nicht an das erste Axiom von Euclid glauben. Es gibt keine Wissenschaft, deren Beginn nicht die Vorraussetzung mit sich bringt, an etwas zu glauben, dass unmöglich scheint. (#1)

Die Wissenschaft ist hier keine Gralshüterin einer universellen, unabänderlichen und ewiglichen Wahrheit, sondern eine kontinuierliche und niemals vollständig abgeschlossene Suche nach immer neuen Wahrheiten. Es verhält sich genau umgekehrt zur Religion. Auch da wird freilich immer wieder geprüft, ob das, was gelehrt wird auch so in der heiligen Schrift steht. Das führte in den letzten 2 Jahrtausenden zu ca. 2000 verschiedenen christlichen Gruppierungen, nie aber zu Konsenz.

Once I saw this guy on a bridge about to jump. - I said, "Don’t do it!"
He said, "Nobody loves me." - I said, "God loves you. Do you believe in God?"
He said, "Yes." - I said, "Are you a Christian or a Jew?"
He said, "A Christian." - I said, "Me, too! Protestant or Catholic?"
He said, "Protestant." - I said, "Me, too! What franchise?"
He said, "Baptist." - I said, "Me, too! Northern Baptist or Southern Baptist?"
He said, "Northern Baptist." - I said, "Me, too! Northern Conservative Baptist or Northern Liberal Baptist?"
He said, "Northern Conservative Baptist." - I said, "Me, too! Northern Conservative Baptist Great Lakes Region, or Northern Conservative Baptist Eastern Region?"
He said, "Northern Conservative Baptist Great Lakes Region." - I said, "Me, too! Northern Conservative Baptist Great Lakes Region Council of 1879, or Northern Conservative Baptist Great Lakes Region Council of 1912?"
He said, "Northern Conservative Baptist Great Lakes Region Council of 1912." - I said, "Die, heretic!" And I pushed him over.

Übersetzung von mir:
Eines Tages sah ich auf einer Brücke einen Typen, der springen wollte. Ich sagte: "Tu's nicht!"
Er sagte: "Niemand liebt mich." - "Gott liebt dich. Glaubst du an Gott?"
Er sagte: "Ja." - "Bist du ein Christ oder ein Jude?"
Er sagte: "Christ." - "Ich auch. Protestant oder Katholik?"
Er sagte: "Protestant." - "Ich auch. Welche Richtung?"
Er sagte: "Baptist." - "Ich auch. Nord- oder Süd-Baptist?"
Er sagte: "Nord-Baptist." - "Ich auch. Nord-konservativer Baptist or Nord-liberaler Baptist?"
Er sagte: "Nord-konservativer Baptist." - "Ich auch. Nord-konservativer Baptist Große Seen Region oder Nord-konservativer Baptist Ost Region?"
Er sagte: "Nord-konservativer Baptist Große Seen Region." - "Ich auch. Nord-konservativer Baptist Große Seen Region, das Konzil von 1879 oder Nord-konservativer Baptist Große Seen Region, das Konzil von 1912."
Er sagte: "Nord-konservativer Baptist Große Seen Region, das Konzil von 1912." Ich schrie: "Stirb Härethiker!" und stieß ihn von der Brücke.



Sie alle behaupten im Vollbesitz der einen Wahrheit zu sein und wähnen die anderen im Irrglauben. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Anhänger einer Glaubensgemeinschaft oder einer heiligen Schrift, davon überzeugt ist, dass diese die Wahrheit spricht. Es wäre auch schwerlich vorstellbar, dass sich jemand bewusst für etwas entscheidet, dass er selbst als Lüge ansieht. Paulus (stellvertretend, es gibt auch andere Bibelschreiber, z.B.: Offenbarung 21:5,6) schreibt an die Thessalonicher, dass sie das Wort nicht als Menschenwort, sondern als Gottes Wort angenommen haben. In 4. Mose 23:19 ist enthalten, dass Gott nicht lügen kann. Aus diesen beiden Grundannahmen ergibt sich zum Beispiel, dass Gottes offenbartes Wort, die Bibel, stets die Wahrheit enthält. Das ist in sich logisch.


Wissenschaft erforscht die Welt, die Religionen mit 1000 Seiten glauben erschöpfend ab zu handeln.
Oft schon wurde eine alte "Buchweisheit" mit dem Schwert verteidigt. Heute werden lieber Vorurteile gegen den Atheismus mobil gemacht und eine rein egoistische, materialistische und hedonistische (#2) Gesellschaft an die Wand gemalt. Ein Ungläubiger, der seine Ansichten kundtut, gilt als militant und missionarisch. Dabei ist unsere Gesellschaft heute schon weitgehend säkulär organisiert und fährt damit offenbar besser als je zuvor.
Speziell geht in der folgenden Artikelserie darum, zu ergründen, was Wahrheit ist und wie diese von Wissenschaft und Religion ergründet wird.


Bill Nye: "Wir verstehen es aktuell nicht ... -> Daher: Wir werden damit fortfahren Wissen und
Beweise in überprüfbaren Erklärungen und Vorhersagen über das Universum zu sammeln und zu organisieren,
überprüfbare Erklärungen und Vorhersagen, so dass wir es eines Tages verstehen könnten."
Ken Ham: "Ich weiß es nicht ... -> Daher: Genesis."


#1 - Esther
Die liebliche Esther, aus dem Roman, gibt am Ende übrigens beiden Verehrern den Laufpass. Dem Priester Hazard wegen seiner religiösen Vorstellungen und dem Paläontologen George aus mangelnder Liebe zu ihm. Das George Paläontologe ist, liegt übrigens an dem damals "hippen" Image, wie ihn heute Teilchen- und Astrophysiker haben und daran, dass man damals stundenlang anstand, um ein paar flüchtige Blicke auf ein paar Saurierknochen zu erhaschen.

#2 - Hedonismus
Einzig auf Lust und Freude und die Vermeidung von Schmerz bedachte Lebensweise
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Sa 18. Nov 2017, 23:29

Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 2: "Wenn sich zwei Lehren widersprechen, kann nur eine richtig sein." - Ist Wissenschaft engstirnig?

Wenn die Bibel wahr ist, so ist die Evolutionstheorie falsch. Keine andere wissenschaftliche Arbeit ist durch religiöses Aufbegehren so in Misskredit geraten und keine andere Theorie wird trotz tausendfacher Bestätigung so sehr abgelehnt. Allerdings steht auch keine andere Theorie so quer gegenüber den religiösem Verständnis der Stellung des Menschen. Dieser einfachen Argumentation folgte der Vortrag auf dem Kongress 2013 "Gottes Wort ist Wahrheit". Eine differenzierte und ausgewogene Betrachtung des Themas war von vornherein nicht zu erwarten. Aus diesem Vortrag stammt auch der Ausspruch der Überschrift. Dabei wird vergessen, dass auch beide Theorien falsch sein könnten und eine andere, vielleicht noch unentdeckte Idee, die Wahrheit besser umschreibt.
Eine weitere Situation wird überraschen: Es könnten auch beide Theorien stimmen. Wie das?
Ein Beispiel: Die Relativitätstheorie, ist wie die Theorie der Quantenmechanik eine der am Besten überprüften und bestätigten wissenschaftlichen Modelle überhaupt. Beide beschreiben ihre Effekte gänzlich korrekt und haben jeden Test standgehalten und unser Verständnis über den Aufbau und die Wirkungsweise der Welt entscheidend geprägt und verändert. Doch nun der Krux: Die Relativitätstheorie kann die Verschränkungen zweier Partikel nicht erklären, sowie viele andere quantenmechanische Phänomene. Die Quantenphysik dagegen hat in der Welt des großen praktisch keine Aussagekraft. Und das entgegen den wirren Behauptungen, die irgendwelche Esoteriker rumschwadronieren, um Homöopathie, Reiki, überlichtschnelle Aliens oder irgend einen anderen Hokus Pokus zu erklären, der nachweislich Schwachsinn ist.
Kein Physiker kommt auf die Idee, eine der beiden großen Theorien zu verwerfen, auch wenn sie sich widersprechen. Denn aus unzähligen Experimenten und Beobachtungen in der Natur wissen sie, dass sie stimmen. Wenn aber zwei Theorien erwiesenermaßen richtig sind, in anderen Bereichen aber nicht funktionieren, so sind sie offenbar Teil einer viel größeren Theorie, die diese beiden beinhaltet und wer weiß was noch. Wissenschaftler suchen fieberhaft nach dieser Formel und sie wissen, wenn sie diese gefunden haben, werfen sie wieder viele liebgewonnene Weltbilder um und ermöglichen uns wieder ein völlig neues Verständnis unseres Universums.

Die Richtigkeit einer Theorie, ergibt sich übrigens nicht aus der Falschheit einer anderen, sondern aus ihren überprüfbaren Aussagen und ihrem Mehrwert für das Verständnis über die Welt.

Paulus sagte: "Der Glaube ist die gesicherte Erwartung erhoffter Dinge, der offenkundige Erweis von Wirklichkeiten, obwohl man sie nicht sieht." (Hebräer 11:1) Allerdings ist biblische Erkenntnis weder gesichert, noch erwiesen und offenkundig schon gar nicht. Ein "offenkundiger Erweis von Wirklichkeiten" sollte nicht von einem Bibelstudium abhängig sein, da er offenkundig ist. Schlussendlich bleibt religiöser Glaube in letzter Instanz ein "nicht zweifeln dürfen", um die Heilswirkung nicht zu verfehlen. Wer zweifelt, glaubt schon nicht mehr.
Logischerweise erarbeitet nicht jeder Forscher seine Disziplin von Grund auf neu. Er "glaubt" den Angaben seiner Kollegen und Vorreiter und baut darauf seine Arbeitshypothesen auf. Treffen die Aussagen dieser nicht ein, so kann es ein Messfehler sein oder die Hypothese ist falsch oder aber die zugrundeliegenden Annahmen. Der wissenschaftliche Glaube entspricht also eher dem "vertrauen", da der Forscher theoretisch jeden Schritt der Erkenntnisgewinnung nachvollziehen kann.
Demgemäß ist auch die Evolutionstheorie das Resultat eines dynamischen, sich selbst permanent hinterfragenden Apparats, den wir Wissenschaft nennen. Und diese findet nicht in irgendwelchen Hinterzimmern statt oder abgeschotteten Kreisen. In der Diskussiongemeinde entsteht dennoch die schizophrene Wahrnehmung, dass Wissenschaft ein dogmatisches Glaubenssystem sei, aber aufgrund ihres steten Wandels als wankelmütig bezeichnet wird.

Wissenschaft funktioniert. Das hat sie in den letzten Jahrhunderten permanent bewiesen. Sie passt sich an, sie lernt aus dem, was sie wahrnimmt und adaptiert ihre Ideen und Theorien. Sie testet, macht Fehler, testet nochmals, macht es "richtiger". Autos fahren ja nicht, weil wir dran glauben, sondern weil man das Prinzip der Thermodynamik und der Verbrennung so weit verstanden hat, dass man Autos nicht nur bauen und fahren kann, sondern auch stetig verbessern. Autos evolvieren quasi.
Die Tatsache, dass Psi-Tests, Studien zur Homöpathie, Telekinese, die Suche nach Außerirdischen (zum Beispiel das berühmte S.E.T.I.-Projekt), Diskussionen zum "intelligent Design" (oder andere Formen von Kreationismus), auch Studien zum positivien Effekt von Gebeten, Studien zum evolutionären Vorteil von Religionen und dergleichen überhaupt durchgeführt und veröffentlicht werden, zeigt, dass man selbst den verrücktesten Behauptungen von wissenschaftlicher Seite eine Chance gibt, sich zu bewähren. Dies widerlegt das Argument der Esoteriker und Glaubensgemeinschaften, die wissenschaftliche Gemeinde sei engstirnig und ihre fehle die Offenheit für unorthodoxe Ideen.

Die Wissenschaftsgeschichte ist voll von Beispielen für unorthodoxe Gedanken, die sich durchgesetzt haben: Einsteins Idee einer gekrümmten Raumzeit, induzierte pluripotente Stammzellen (also Zellen, deren Nachfolger faktisch alles werden können), das Modell eines beschleunigt expandierenden Universums, um nur jüngere Beispiele zu nennen. All diese Überlegungen waren ursprünglich ungewöhnlich, konnten sich aber durchsetzen. Nicht weil irgendwelche Verkaufszahlen stimmten, sondern weil es gute, wissenschaftliche Argumente gab.

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Auch für Irrtümer ist Platz: Anfang 2012 wurden in den Partnerstädten des CERN überlichtschnelle Neutrinos gemessen, die es eigentlich nicht hätte geben dürfen. Natürlich war die Verwunderung groß. Aber selbst in diesem Fall wurde die unorthodoxe Theorie nicht einfach verlacht, sondern sachlich diskutiert und genauer untersucht. Man stellte die Daten sogar öffentlich aus und rief alle mit Sachverstand auf, den Fehler in der Messung oder den Formeln dahinter zu suchen. Warum?
Weil Fakten aus dem Tisch lagen, die es zu untersuchen galt. Weil sauber argumentiert wurde. Wenn wir entgegen der Medien nicht sofort dem nächsten Hype hinterher hetzten, sondern beim Thema verweilten, bekam man die ernüchternde Antwort, dass eine defekte Isolierung an einem Kabel zu einem Messfehler führte. Aber der Vorfall zeigt, dass auch Aussagen diskutiert werden können, wenn sie der etablierten Wissenschaft drastisch widersprechen.

Wissenschaft lehnt nicht das Unorthodoxe ab, sie lebt davon. Sie lehnt das Schwammige ab, das Vage, das Unpräzise, das Unwissenschaftliche.

Wissenschaft ist präzise. Egal, mit was eine Fensterscheibe eingeworfen wird, das Ding hält sich an die Gesetze der Gravitation. Die Schwerkraft ist eine der vier Fundamentalkräften, die alle Vorgänge im Universum bestimmen. Sie ist im Alltag am ehesten spürbar, aber mit Abstand die schwächste. Obwohl die Erde mit 6 Quadrillionen Kilogramm am Wurfgeschoss zehrte, fiel es dem Fensterschmeißer nicht schwer, das Wurfobjekt anzuheben und bis ins Fenster zu schleudern. Wenn der Werfer allerdings mit einer Geschwindigkeit von 28.400 km/h werfen könnte, würde das Ding nicht mehr zur Erde zurückkehren, sondern diese umkreisen (wir müssen hier den Luftwiderstand vernachlässigen). Mit 40.320 km/h würde das Ding gänzlich die Erde verlassen. Gravitation hört aber nicht irgendwo auf, sie wirkt unendlich weit (mit dem Quadrat des Abstandes schwächer werdend). Astronauten sind nicht schwerelos, sie befinden sich ständig im "freien Fall" zur Seite, so dass sie um die Erde herumfallen. Diese Kraft hält Planeten auf ihren Bahnen und formt Sterne zu Galaxien. Sie bestimmt wie Dinge sich im Raum bewegen und gibt dem Raum selbst eine Form.
Licht ist - nüchtern betrachtet - das Resultat der Schwingungen eines elektromagnetischen Feldes in einem recht kleinen Teilbereich des elektromagnetischen Spektrums. Auch dessen Reichweite ist unendlich groß und diese Kraft bemerken wir ständig im Alltag. Das Licht der Sonne, Radiowellen für Funk- und Fernsehen. Mit UV-Licht kann man Blutspuren nachverfolgen und Täter überführen. Elektromagnetismus hat aber auch fundamentalere Effekte: Er sorgt dafür das die elektrisch negativ geladenen Elektronen am elektrisch positiv geladenen Atomkern "haften" und sorgt so für jedweden chemischen Vorgang, die ohne die unterschiedliche Ladung gar nicht existieren würden. Eine neue Betrachtung elektromagnetischer Felder führte 1905 Albert Einstein zur speziellen Relativitätstheorie und somit zu einer wissenschaftlichen Revolution.
Mit stark begrenzter Reichweite, aber wieder um ein Vielfaches stärker ist die "schwache Kernkraft" dafür verantwortlich, dass die Sonne scheint. Deren Licht und Energie entstehen durch Kernfusion, wenn Wasserstoffatome aufeinandertreffen und zu Helium fusionieren. Dies geht aber nur, wenn 2 Protonen (also 2 Wasserstoffatomkerne) zu Neutronen werden. Das vermag nur die schwache Kernkraft (der Vorgang nennt sich Beta-Zerfall). Dieser Prozess heizt die Sonne aber auch immer weiter auf und beschleunigt die Fusion auch noch. In ein paar Milliarden Jahren ist es daher zu heiß auf Erden für uns heute bekanntes Leben. Wenn sich die Sonne dann zum roten Riesen aufbläht, wird sie die Erde vermutlich zerstören.
Die 4. fundamentale Kraft sorgt dafür, dass überhaupt Materie aneinander haftet und nicht nur einzelne Elementarteilchen herumschwirren: die "starke Kernkraft". Sie ist der Grund, dass die Quarks zusammenhalten und Protonen und Neutronen bilden, die wiederrum die Bausteine der Atomkerne sind. Diese stärkste aller Kräfte ist auf das innere der Atomkernbausteine begrenzt. Es ist unmöglich, Quarks aus einem Verbund zu lösen, daher kommen freie Quarks in der Natur nicht vor (abgesehen von Sekundenbruchteilen nach dem Urknall, wo sie sich recht schnell in Protonen und Neutronen eingliederten).

Diese 4 Fundamentalkräfte sind für alles im Universum verantwortlich und erklären hinreichend, wie es aufgebaut ist. Über ihre Herkunft wissen wir so wenig, wie über den Ursprung von allem. Dort Gott hinzustellen, ist aber nur eine Notlösung. Wie ich bereits schrieb, wartet am Ende des Wissens nicht automatisch das Übernatürliche, sondern schlicht Unwissen. Und das ist okay.
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Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Welt tatsächlich da ist, dass alles was ist, aus Materie aufgebaut ist und alles was passiert durch eine konkrete Interaktion zwischen dieser Materie passiert. Wenn Gott aber Einfluss auf diese Materie nimmt, dann muss dieser Effekt beschreibbar sein. Es muss erklärt werden können, wo der Einfluss stattfindet und wie. Er muss zum Beispiel Atome bewegen und dafür irgendeine konkrete physikalische Kraft benutzen. Wenn Gott uns von einer Krankheit heilt, muss er irgendwie die Zellen unseres Körpers manipulieren. Wenn Gott unser Denken beeinflusst (zum Beispiel glücklich machen), muss er unsere Neutronen beeinflussen. Wenn er unsere Gebete erhört, muss eine reale Kommunikation stattfinden.
Schnell landet man mit der wissenschaftlich-materialistischen Beschreibung von Gott in der Absurdität. Daher muss ein Gläubiger auch nicht-wissenschaftliche Überzeugungen verinnerlichen und daran glauben, dass Gott eben nicht physisch mit der Welt wechselwirkt, sondern irgendwie anders. Das führt zu Konflikten. Denn selbst wenn die Wissenschaft nicht weiß, warum Dinge passieren, so weiß sie doch wie Dinge sich bewegen und interagieren. Wenn Gott nicht physisch eingreift, dann bewegt sich nichts.

"Science does not make it impossible to believe in god. It just makes it possible to NOT believe in god."
zu deutsch: "Wissenschaft macht es nicht unmöglich, an Gott zu glauben. Es macht einfach nur möglich, nicht an Gott zu glauben."
- Steven Weinberg, (* 3. Mai 1933 in New York City) US-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger


#1 - Weitere Aussagen von diesem Kongress

Aussage: Die Schönheit der Blumen ist nutzlos.
"... für uns Menschen" müsste man hinzufügen und erweitern, dass der Mensch sich an diese Schönheit als ständig umgebenden Grundton gewöhnt hat. Außerdem unterscheiden sich Blumen in Form und Farbe, Größe und Duft, um sich gegenseitig die effektivsten Bestäuber streitig zu machen. Für diese wiederum haben die Eigenschaften der Blüte ganz handfeste Vor- und Nachteile. Und da Blüten nunmal viel älter als Menschen sind, sollte man nicht fragen, wieso sie so schön sind, sondern wann der Mensch diesen Sinn für Ästetik entwickelt hat.
So zu argumentieren, wie hier geschehen überschneidet sich mit Voltaires satirischer Figur des Pangloss:
Es ist erwiesen", sagte er, "dass die Dinge nicht anders sein können, als sie sind, denn da alles um eines Zweckes willen geschaffen ist, dient alles notwendigerweise dem besten Zweck. Bemerken Sie bitte dass die Nasen geschaffen wurden, um Brillen zu tragen, so haben wir denn auch Brillen. Die Füße wurden sichtlich gemacht, um Schuhe zu tragen, und so haben wir Schuhe. Die Steine wurden gebildet, damit man sie zuhaue und daraus Schlösser baue, und so besitzt denn Seine Gnaden ein schönes Schloss, der größte Baron der Provinz muss am besten wohnen, und da die Schweine zum Essen gemacht sind, essen wir das ganze Jahr hindurch Schweinernes.
Infolgedessen ist die Behauptung, es sei alles auf dieser Welt gut eingerichtet, eine Dummheit, vielmehr müsste man sagem, dass alles aufs Beste eingerichtet ist."
- metaphysich-theologischer Monolog über Kosmonologie des Dr. Pangloss in
Friedrich der Große - Band 2: Der einsame König - Die große Romanbiografie (von Cornelia Wusowski)


Aussage: Es gibt das Leid, weil Gott Satan gewähren lässt.
Oder: Es gibt weder Gott noch Teufel und die Erde ist einfach ein tektonisch aktiver Planet, mit stürmischer Atmosphäre und einschlagenden Asteroiden, sowie gefährlicher Sonnenstrahlung, denen das Leben in einem langen Prozess zu Strotzen gelernt hat. Das gibt keine persönliche Hoffnung, aber erklärt kurz und bündig, warum das Leben kein Zuckerschlecken ist.

Aussage: Gott nicht zu kennen oder als existent anzusehen, bedeutet "bewusst sündigen".
Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, schließt aber auch bewusst falsches Handeln aus. Unwissenheit ist kein bewusster Vorgang.

Aussage: Man muss sich eingestehen, dass das eigene Verhalten eine Sünde ist, damit man davon loskommt.
Homosexualität zum Beispiel ist eine Sünde. Jeder Theologe und Gläubige erklärt sich anders, warum so etwas überhaupt existiert, wenn Gott doch Mann und Frau füreinander geschaffen hat. Ist es eine hormolle Störung oder ein von Satan geschaffener Irrweg. Beides ließe sich "therapieren", man müsse sich die Sünde nur einreden lassen.

Aussage: Die Evolution ist genauso eine Irrlehre wie die Dreieinigkeit Gottes und die unsterbliche Seele.
Hier wird impliziert, dass theologische Aussagen mit einer wissenschaftlichen Theorie gleichzusetzen wären. Die Beschaffenheit Gottes lässt sich nicht überprüfen. Was mit der Seele, so sie denn existiert, nach dem Tod passiert auch nicht. Die Evolution aber ist ein Prozess, den Wissenschaftler rund um den Erdball durch Experimente und Beobachtungen gestützt sehen.

Aussage: Die Menschen können ihre Probleme nicht lösen.
Wir stehen erst am Anfang des Begreifens globaler Zusammenhänge. Die Klimaforschung zum Beispiel steckt noch in den Kinderschuhen. Der Mensch kann aber durchaus auch hausgemachte Probleme umfangreich lösen. Das Waldsterben in Deutschland war bis Ende der 90er Jahre ein großes Thema. Auch das Ozonloch schrumpft seit Jahren kontinuierlich.

Aussage: Ohne Gott gibt es keine Hoffnung.
Keine Wissenschaft beinhaltet ein Hoffnungssystem. Ob ihre Aussagen nun der Bibel widersprechen oder nicht. Aber Wissenschaft bietet die Möglichkeit, Gott hin oder her, irgendwann einmal die Probleme dieser Welt anzupacken. Auch ist Hoffnung kein Beweis für Gott, sondern der Ruf nach einer einfachen Lösung, in einer Welt, die man nicht versteht.

Aussage: Pilatus traf die unvernünftigste Entscheidung, als er Jesus hinrichten ließ.
Irgendeiner musste Jesus töten (lassen), damit Gottes Heilsplan eines Loskaufspreises zum Erretten vor der Erbsünde und die Prophezeiungen aus dem alten Testament erfüllt werden. Sonst wäre Gott fehlbar.

Aussage: Satan attackiert die armen Kinder mit der Evolutionstheorie.
Da Matthäus 1:1 - 17 und Lukas 3:23 - 38 den Stammbaum Jesu enthalten und damit die Geschichtlichkeit der darin genannten Personen zu verifizieren versucht, ist auch der in Lukas genannte Adam als reale Person zu verstehen. Da der erstgeschaffene Mensch also explizit erwähnt wird, kann der Mensch nicht in langsamen Schritten von affenähnlichen Ahnen stammen. Da die Bibel die oberste Autorität als Autor nennt, steht sie über den Wissenschaften und somit sind widersprechende Lehren Teufelswerk. Aus dieser kreisrunden Argumentationsschleife gibt es kaum Entkommen und das Ausharren trotz widerlaufender Lehrmeinung wird zum Martyrertum erkoren.
Da die Evolutionstheorie in ihrer einfachsten Form die Veränderlichkeit von Allelen in Chromosomen beschreibt, dies experimentell bestätigt ist und allein dadurch für jedermann sichtbar ist, da wir nicht alle gleich aussehen, ist die Berechtigung der Lehre in den naturwissenschaftlichen Fächern aber im Grunde indiskutabel.

Aussage: Jesus hat Geister und Dämonen ausgetrieben. Das beweist, dass es diese Wesen gibt. Auch beweist es Satan und das dieser einmal vernichtet werden wird.
Aragorn hat viele Orks getötet. Also gibt es Orks. Na gut, der Vergleich hinkt, da auch Aragorn nicht geschichtlich fixiert ist. Aber Troya gab es wirklich. Ist Achilles also tatsächlich ein Urenkel des Zeus? Wundergeschichten in alten Büchern beschreiben nicht selten Phänomene, die heute in der Psychologie oder Medizin beschrieben werden können, wie Epilepsi, Fieberwahn, Unterzuckerung und dergleichen.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
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in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 19. Nov 2017, 13:16

Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 3: Zur Unterscheidung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft - Ist Theologie eine Wissenschaft?

Die Wissenschaft erklärt die Welt aus sich heraus, ohne Einflüsse von nicht-physischen Akteuren. Wahr ist, was sich bestätigen lässt. Nicht mehr und nicht weniger.

Muss man sich mit Pseudowissenschaften, wie dem Kreationismus beschäftigen? Bekommen diese "Fachrichtungen" nicht schon genug Aufmerksamkeit? Nun, wer Wissenschaft vermitteln will, muss sich auch mit Dingen beschäftigen, die so tun, als wären sie Wissenschaft.
Unsere Welt ist von der Wissenschaft so sehr durchdrungen, dass wir durch die Annehmlichkeiten des Fortschritts gar nicht mehr mitbekommen, das Wissenschaft dahinter steckt. Über Computer und Internet werden abstruse Geschichten über "freie Quantenenergie" verbreitet, die im Widerspruch zur echten Quantenphysik steht, ohne die der moderne Computer nicht möglich wäre. Die Medizin lässt Krankheiten verschwinden, die früher tausende umbrachte und es somit ermöglicht, dass Leute mit Wohlstandswehwehchen zum Homöpathen rennen. Astrologen, Kartenleser und Verschwörungstheoretiker profitieren nicht nur von der Ausmerksamkeit, die Esoterik überall erhält, sondern auch von der Unaufmerksamkeit, die der echten Wissenschaft gewürdigt wird. Umfassende Wissenschaftsvermittlung kann es sich also gar nicht leisten, die Pseudowissenschaft zu ignorieren. Aber viel erhoffen darf man sich bei diesem Kampf nicht. Aberglaube ist Glaube und wer wahrhaftig glaubt, ist durch rationale Argumente nicht zu erreichen. Durch die rationale Betrachtung kann man Aberglauben nicht aus der Welt schaffen, aber echtes Wissen vermitteln und die Möglichkeit bieten, eigenständiges Denken zu entwickeln. Und wenn es beim Leser nicht klappt, beim Schreiber tut es dies.

Es ist ein ehernes Gesetz: Wo Wissenschaft ist, blüht in ihrem Schatten die Pseudowissenschaft.
Und je komplexer die Theorien der Wissenschaft werden, desto bunter und hanebüchener werden die "Alternativen". In der durchnummerierten Welt von heute, wo der einzelne wenig zählt und anonyme Mächte und Strukturen regieren, wo man die Welt nicht mehr versteht, gibt es einen guten Nährboden für Systeme mit einfachen Antworten, die uns diese zutiefst verstörende und beängstigende Situation milder erscheinen lassen, die auf einem klaren Fundament aufbauen, in dem alles einen übergeordneten Sinn und Zweck hat.

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Wenn ich behaupte Im Kühlschrank ist Bier, bin ich Theologe. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin – dann bin ich Esoteriker!
- Vince Ebert

Heute führt der Weg der Diskreditierung nicht mehr über den Scheiterhaufen, sondern über das World-Wide-Web. Hier kann ein jeder nach Belieben, anonym und völlig ohne Sachverstand jede wissenschaftliche Theorie mit Fragen angreifen, die oft am Thema vorbeigehen. Reines evidenzbasiertes und wissenschaftliches Denken ist immernoch umstritten. In der Tat kann die Naturwissenschaft, im Gegensatz zur Mathematik, nie einen endgültigen Beweis für ihre Thesen antreten. Und bei korrekter Kommunikation sollte das auch zugegeben werden. Das heißt aber nicht, dass die wissenschaftliche Methode diffamiert werden muss.
Der menschgemachte Klimawandel wird von vielen (auch akademisch gebildeten Leuten) bezweifelt, obwohl bekannt ist, dass seit der industriellen Revolution deutlich mehr CO2 emitiert wird, dass CO2 ein Treibhausgas ist und man tatsächlich seit etwas mehr als 50 Jahren beobachten kann, wie die Durchschnittstemperaturen auf der Erdoberfläche steigen. Der dahinterstehende Wissenschaftsapparat ist natürlich hysterisch und manipulativ, um mit den Horrormeldungen Geld für die Klimaforschung zu mobilisieren. Obwohl mehr Geld für Forschung ja nie verkehrt ist. Der fehlende Konsens führt zu weniger entschlossenem Handeln und somit zu halbherziger Klimapolitik, deren Versäumnisse von Jahr zu Jahr steigen.

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Alternative Theorie zum Klimawandel.

Eine der größten Errungenschaften der Biologie der vergangenen Jahrzehnte ist die Entschlüsselung des Genoms und damit die technische Möglichkeit, DNA zu rekombinieren und damit Lebewesen gezielt zu verändern. Selbstverständlich ist dieser Forschungszweig allein der Helfer einer profitgierigen und gefährlichen Großindustrie. Der Krux: Der Mensch betreibt mit der Landwirtschaft im Grunde seit mehreren tausend Jahren so eine Art Gentechnik, ohne genau zu wissen wie. Große Eingriffe bedeuteten zum Beispiel die planlose Umsetzung von Flora und Fauna in völlig fremde Ökosysteme nach der Entdeckung Amerikas. Technisiert und industrialisiert ist die Landwirtschaft seit der großflächigen Nutzung von Kunstdünger und Pestiziden im 20. Jahrhundert.
Nur so kann derzeit gewährleistet werden, dass 7 - 8 Milliarden Menschen und all ihr Vieh theoretisch genug zu futtern haben.
Verglichen damit ist die Revolution der Gentechnik ein sanftes, filigranes und äußerst umsichtiges Instrument. Auch wenn einiges mit Recht umstritten ist, richtet sich die Kritik ja nicht gegen Detailergebnisse, sondern die Technik an sich. Eine imaginäre Naturverbundenheit stemmt sich gegen übermächtige Konzerne. Und bei Laborforschung kommt in Filmen ja auch nie was guten bei rum.
Neben nicht nachgewiesenen gesundheitlichen und ökologischen Schäden, sind bereits Vorteile durch gesteigerte Ernteerträge und ein geringerer Einsatz von chemischen Mitteln zu verbuchen. Erstmals besteht die Möglichkeit durch Anreicherung mit Vitaminen Mangelerscheinungen in armen Bevölkerungsgruppen zu bekämpfen. Aber es gibt sie, die Studie, die auf gesundheitliche Schäden durch gentechnisch veränderte Lebensmittel bei Ratten hinweist. Das die Arbeit von Gilles-Eric Seralini von der Universität in Caen schon kurz nach der Veröffentlichung 2012 von den Kollegen heftig kritisiert wurde, liegt aber nicht daran, dass die restliche Wissenschaftgemeinde gekauft wurde, sondern weil sie methodisch falsch war.
Die "Gen-Phobie" hat schlimmere Auswirkungen auf Entwicklungs- und Schwellenländer, die vor dem Einsatz von Gentechnik zurückschrecken, weil die Entscheidungsträger die lukrativen westlichen Märkte nicht verlieren wollen. Gen-Technik bietet die Lösung für den Bedarf einer weiter wachsenden Weltbevölkerung bei gleichzeitig durch Urbanisierung weniger zur Verfügung stehenden Anbauflächen.

Die moderne Medizin heilt heute Krankheiten, die noch vor Jahrzehnten zum Tod führten. Sie unterzieht die Behandlungsmethoden und Medikamente rigorosen klinischen Tests. Doch die Bevölkerung kehrt diesen "kalten" Errungenschaften den Rücken und schluckt Globuli, obwohl Homöopathie seit ihrer "Erfindung" vor über 200 Jahren nicht einen einzigen wissenschaftlichen Test bestanden hat und die von Samuel Hahnemann entwickelte Lehre allem Wissen über Physiologie und Chemie widersprechen. Jeder Versuch, ihre Wirksamkeit statistisch zu beweisen, ist ausnahmslos gescheitert. Kein einziges "schulmedizinisches" Medikament, dass eine so katastrophale Bilanz ausweist, hätte auch nur die Chance auf eine Freigabe.
Bereits die Idee durch Verdünnung einen Wirkstoff an Wirksamkeit gewinnen zu lassen, ohne das auch die Nebenwirkungen ansteigen, ist völliger Quatsch. Woher soll die Flüssigkeit auch wissen, welche Wirkung verstärkt werden soll und welche nicht? Orangensaft wird nach der Verdünnung auch durch Schütteln und Rühren nicht geschmack- und gehaltvoller. Er wird dünner.
Natürlich gibt es auch diese Anekdoten von zufriedenen Patienten. Aber die sind nichts wert, wenn sie nicht durch Doppelblindverfahren (sowohl Patient als auch Arzt wissen nicht, wer ein echtes Medikament, ein Homöopath oder ein Test-Placebo bekommt) erhärtet werden, in den das Wunschdenken der Prüfer keine Rolle spielt.
Natürlich gibt es auch in der "Schulmedizin" Fehler. Da arbeiten Menschen. Und manche Arznei hat mehr Nebenwirkungen, als vom Hersteller versprochen. Aber im Gegensatz zur flächendeckenden Betrugsmaschinerie der Alternativmedizin ist die evidenzbasierte Medizin ein Hort des Anstands und der Ehrlichkeit.

Vielleicht sollte man künftig wieder öfter darüber nachdenken, wie Galileo (#1) die Natur beobachtete, mit ihr experimentierte und die Ergebnisse dokumentierte. Denn die Inquisition ist verschwunden, aber die Ignoranten sind noch da. Und sie tummeln sich im Schatten der Wissenschaft.

Belege sind in der Religion als institutioniertes, tradiertes System aus Dogmen oft sekundär, manchmal unerwünscht. Es gilt ab und an sogar als äußerst wünschenswert auch ohne Belege, an diese oder jene Sache zu glauben, da das Harren auf diesen Glauben als besondere Leistung gesehen wird.
Wo Fakten existieren, werden sie dem bestehenden Glaubensgebäude untergeordnet: Genetische und morphologische Gemeinsamkeiten von Lebewesen zeigen der Wissenschaft Verwandschaftsgrade verschiedener Arten auf, die offenbar einen gemeinsamen Vorfahren aufweisen, den es noch zu finden gilt. Dem Gläubigen gereicht die Gemeinsamkeit zur Bestätigung, dass sie halt vom gleichen Schöpfer stammen. Die Ursache des Urknalls ist der Wissenschaft konsequenterweise unbekannt, da sie den empirisch erfassbaren Raum verlässt. Der Gläubige aber setzt hier auf Gott, ganz nach dem Bibelwort aus 1. Mose 1:1: "Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde". Im Glauben geht es nicht um Evidenz, es geht um Trost.

Die Wissenschaft wird aber auch für den "Beweis" des Glaubens vor den Karren gespannt, wenn ihre Erkenntnisse sich mit der heiligen Schrift decken oder zu decken scheinen. Man leugnet aber auch, wie bekannt, die wissenschaftlichen Ergebnisse, wenn sie der Schrift widersprechen, obschon sie mit der gleichen Methoden zu diesen und zu jenen Ergebnissen gekommen ist. Wieder steht man vor der Beliebigkeit und sieht sich gezwungen den zu leugnenden Wissenschaftszweig auf irgendeine Art zu diskreditieren, damit dessen Erkenntnisse eben keine Gefahr mehr für den Glauben darstellen.

Wissenschaft funktioniert im Grunde aber immer gleich. Theorien messen sich an Experimenten und Beobachtungen. Und diese Theorien müssen in ein Theoriengebäude integriert werden können. Religion gehört zu einem ganz anderen Gebäude und es ist nicht logisch, anzunehmen, dass man ein Fenster (z.B. Evolutionstheorie) für ein Gebäude (Religion) anpasst, in dass es später gar nicht eingebaut wird. Also gibt es weiterhin zwei (eigentlich viel mehr) Sichtweisen auf ein und die selbe Sache. Und es ist klar, dass vermutlich nicht alle Sichtweisen recht haben.


Wieso sollten ägyptische, babylonische, griechische, chinesische und andere Mythologien als solche bezeichnet werden dürfen, christlich-jüdische oder muslimische aber nicht? Was macht die Sintflut dieser Religionen realer, als die Urflut der Maori? Warum ist der Logos (Erschaffung durch das Wort) des Elohim (hebräischer Titel für Gott) besser als der Logos des Ptah?

Ist Theologie eine Wissenschaft?

Man kann Theologie an Universitäten studieren, man kann promovieren und sich habilitieren, es gibt Fachzeitschriften, Kongresse und Symposien. Dennoch: Es fällt schwer, diese Frage einfach mit "Ja" zu beantworten.

Es ist ersteinmal irrelevant ob dieser oder Theologe überhaupt ein Wissenschafter ist, ob er wissenschaftlich arbeitet oder irgendeine theologische Arbeit unwissenschaftlich ist. Hier geht es um die Frage, ob die "Lehre von Gott" genauso als Wissenschaft anzusehen ist, wie die "Lehre von Stoffen" (Chemie) oder die "Lehre der Kräfte" (Physik). Ist Theologie als Disziplin ebenso eine Wissenschaft wie die Mathematik?

Die These: Ein wissenschaftliches Werk ist anzuerkennen, wenn es nach den unter Wissenschaftlern anerkannten Regeln der Systematik, Logik und Strenge entstanden ist, einen wissenschaftlichen Prüfprozess (zum Beispiel ein Peer Review) durchlaufen hat und in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht worden ist.
Mit diesen Kriterien ist wissenschaftliche Theologie möglich: Man kann untersuchen, wie sich die Religionspraxis aus den heiligen Schriften herleiten lässt. Es werden historische und lokale Ausprägungen des Glaubens beschrieben und in ihrer Dynamik analysiert. Es werden die heiligen Schriften selbst in ihrer Bedeutung untersucht, in ihren historischen Kontext eingeordnet, mit anderen, nicht kanonischen Texten verglichen. Und viele Beschäftigungsfelder mehr.
Aber eigentlich sind die genannten Beispiele Soziologie, Geschichts- oder Literaturwissenschaft. Natürlich können wir nun erklären, dass das Wirken durch Gott geschieht. Damit nähern wir uns der schwierigsten Stelle des Problems: Die Theologie setzt die Existenz Gottes voraus.


(Übersetzung: Du erzählst mir, dass ein jüdischer Zombie Menschen zu ewigem Leben führt, wenn diese ihm telepathisch als ihren Meister akzeptieren und das alles nur weil eine sprechende Schlange eine aus einer Rippe gemachte Frau dazu überredet hat, von einem magischen Baum zu essen? Und das glauben Leute?

Kann man ihr daher die Wissenschaftlichkeit abstreiten?

Auch strenge Naturwissenschaften setzen bestimmte Dinge voraus. Die Physik wäre ohne die Grundannahme, die Welt ließe sich mathematisch beschreiben, nicht möglich. Gott ist aber wissenschaftlich nicht greifbar. Geht man relativistisch an die Sache heran, mit einer großen Skepsis, also im Grunde einem Wissenschaftsrelativismus, so wird man bekennen, dass in letzter Instanz auch die Mathematik keine von außen beweisbaren Schlüsse zieht. Offenbar ist also sogar das augenscheinliche Fehlen evidenter Beweise kein Argument gegen die Wissenschaftlichkeit.

Ist Theologie also doch eine Wissenschaft?

Im Grunde nicht wirklich. Die von ihr bedienten Hilfswissenschaften bereichern tatsächlich unsere Erkenntnis. Aber Theologie selbst befasst sich mit etwas prinzipiell nicht fassbarem, dass sie nicht nur voraussetzt, sondern wie selbstverständlich gar nicht anzuzweifeln vermag oder überhaupt nur will. Theologie hinterfragt sich oder das Objekt der "Forschung" nicht. Sie trifft keine Aussagen, die auf Beobachtungen beruhen. Da kein Wirkmechanismus bekannt ist, wie Gott in die Welt eingreift, kann sie alles und nichts zu diesem Wirkmechanismus erklären. Es ergibt sich eine völlige Beliebigkeit.
Wissenschaft ist nicht beliebig. Auch wenn mathematische Sätze in letzter Konsequenz nur aus sich selbst beweisen, so stimmen sie mit den Beobachtungen aus der Physik, der Chemie und der Biologie überein. Die Welt ist also offenbar mathematisch beschreibbar.

Daher noch ein paar Mathe-Scherz-Bilder:
. . .

. . .

#1 - Galileo in unserer Zeit
Er würde sich wundern, dass etwa die Hälfte der Europäer der Astrologie vertrauen und regelmäßig Horoskope liest, er aber schon in seiner Streitschrift Saggiatore über die Komentenerscheinungen von 1618 - 1619 Bezüge auf die mathematisch beschreibare Welt gab und auch eine klare Absage an Alchemie und Astrologie.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 21. Nov 2017, 08:09

Grundsatzartikel: Was ist Wahrheit? - Teil 4: Ein fiktiver Einstein über Glauben - Über die Nachweisbarkeit von Behauptungen

Ich habe auf FaceBook folgende Geschichte gefunden, die so oder so ähnlich aber auch an anderen Stellen im Internet kursiert.
Professor: "Du bist ein Christ, nicht wahr Junge?" - Student: "Ja, Sir."
Professor: "Also glaubst du an Gott?" - Student: "Absolut, Sir."
Professor: "Ist Gott gut?" - Student: "Sicher."
Professor: "Ist Gott allmächtig?" - Student: "Ja."
Professor: "Mein Bruder starb an Krebs, obwohl er zu Gott gebetet hat ihn zu heilen. Die meisten von uns würden versuchen anderen die krank sind zu helfen. Aber Gott tat es nicht. Wieso ist dieser Gott dann gut? hmm?" - (Student war still.)
Professor: "Du kannst das nicht beantworten, nicht wahr? Lass uns erneut beginnen junger Freund. Ist Gott gut?" - Student: "Ja."
Professor: "Ist Satan gut?" - Student: "Nein."
Professor: "Woher kommt Satan her?" - Student: "Von… Gott …"
Professor: "Das ist richtig. Sag mir, Junge, gibt es in dieser Welt das Böse?" - Student: "Ja."
Professor: "Wer hat das Böse erschaffen?" - (Student antwortete nicht.)
Professor: "Gibt es Krankheit? Unmoral? Hass? Hässlichkeit? All diese schrecklichen Dinge existieren in der Welt, nicht wahr?" - Student: "Ja, Sir."
Professor: "So, wer hat sie erschaffen?" - (Student hatte keine Antwort.)
Professor: "Die Wissenschaft sagt, das du 5 Sinne hast um die Welt und alles herum zu identifizieren und zu beobachten. Sag mir, Junge, hast du jemals Gott gesehen?" - Student: "Nein, Sir."
Professor: "Hast du jemals Gott gefühlt, Gott gekostet, Gott gerochen? Hattest jemals eine Sinneswahrnehmung was Gott betrifft?" - Student: "Nein, Sir. Ich fürchte ich habe nicht."
Professor: "Aber du glaubst immer noch an ihn?" - Student: "Ja."
Professor: "Laut empirischen, prüfbaren, nachweisbaren Protokollen sagt die Wissenschaft das Gott nicht existiert. Was sagst du dazu Junge?" - Student: "Nichts. Ich habe nur meinen Glauben."
Professor: "Ja, der Glaube. Das Problem das die Wissenschaft hat."

Student: "Professor, gibt es so etwas wie Wärme?" - Professor: "Ja."
Student: "Und gibt es so etwas wie Kälte?" - Professor: "Ja."
Student: "Nein, Sir. gibt es nicht." - (Im Hörsaal war auf einmal sehr ruhig)
Student: "Sir, Es gibt mehrere Arten von Wärme, mehr Wärme, Überhitzung, mega Hitze, weiße Hitze, ein wenig Hitze oder gar keine Wärme. Wir können 458 Grad unter Null haben, was gar keine Wärme wäre. Aber danach gibt es nichts mehr. Es gibt keine Kälte. Kalt ist nur ein Wort das wir verwenden um die Abwesenheit der Wärme zu beschreiben. Wir können Kälte nicht messen. Wärme ist Energie. Kälte ist nicht das Gegenteil von Wärme, Sir, lediglich die Abwesenheit." - (Im Hörsaal war es still, man hätte einen Stift fallen hören können.)
Student: "Was ist mit der Dunkelheit, Herr Professor? Gibt es so etwas wie eine Finsternis?" - Professor: "Ja. Was ist die Nacht, ist das keine Finsternis?"
Student: "Sie irren sich schon wieder, Sir. Die Dunkelheit ist die Abwesenheit von etwas. Sie können wenig Licht, normales Licht, helles Licht, Blinklicht haben. Wenn es aber gar kein Licht gibt, haben Sie nichts, dann ist es dunkel. Ist es nicht so? In Wirklichkeit gibt es keine Dunkelheit, sonst könnten sie die Dunkelheit dunkler machen, nicht wahr?" - Professor: "Also Gut, was willst du mir damit sagen junger Mann?"
Student: "Sir, was ich sagen möchte ist das Ihre philosophische Prämisse fehlerhaft ist." - Professor: "Fehlerhaft? Kannst du mir das erklären?"
Student: "Sir, Sie denken mit der Voraussetzung der Dualität. Sie argumentieren, es ist das Leben und dann ist der Tod, ein guter Gott und ein böser Gott. Sie sehen die Vorstellung von Gott als etwas endliches, etwas was wir messen können. Sir, die Wissenschaft kann einen Gedanken nicht erklären. Es nutzt Elektrizität und Magnetismus, wurde aber noch nie gesehen, geschweige denn verstanden. Um den Tod als das Gegenteil von Leben zu betrachten müsste man die Tatsache, dass der Tod nicht als materielle Sachen existieren kann, ignorieren. Der Tod ist nicht das Gegenteil vom Leben, nur die Abwesenheit davon. Nun sagen Sie mir, Professor, bringen Sie ihren Schülern bei dass sie von einem Affen abstammen?" - Professor: "Wenn du auf die natürliche Evolutionstheorie verweist, ja, natürlich tue ich."
Student: "Haben Sie schon einmal eine Evolution mit eigenen Augen beobachtet?" - (Der Professor schüttelte den Kopf mit einem Lächeln. Er begann zu erkennen wohin das führte.)
Student: "Da niemand jemals den Prozess der Evolution beachtet hat, kann niemand es beweisen das dieser Prozess ein laufendes Bestreben ist. Lehren Sie nicht Ihre Meinung, Sir? Sind Sie deswegen nicht ein Wissenschaftler, sondern ein Prediger?" - (Die Klasse war in Aufruhr.)
Student: "Gibt es jemanden in der Klasse der jemals Herrn Professors Gehirn gesehen hat?" - (Die Klasse brach in Gelächter aus.)
Student: "Gibt es hier jemanden, der schon einmal Herrn Professors Gehirn gehört hat, gefühlt hat, es berührt oder es gerochen hat? Niemand scheint das getan zu haben. Das bedeutet nach den gängigen Regeln der empirischen, stabilen, Nachweisbaren Protokollen sagt die Wissenschaft, das sie kein Gehirn haben, Sir. Bei allem Respekt Sir, wie können wir dann auf Ihre Vorträge vertrauen, Sir?" - (Der Raum war still. Der Professor starrte auf den Studenten, sein Gesichtsausdruck war unergründlich.)

Professor: "Ich denke, du musst daran Glauben, Junge." - Student: "Das ist es, Sir....Genau! Die Verbindung zwischen Mensch und GOTT ist der GLAUBE. Das ist alles, was Dinge lebendig und in Bewegung hält."

P.S.:
Ich glaube du hast das Gespräch genossen. Wenn ja, wirst du wahrscheinlich wollen das deine Freunde/Kollegen es auch tun. Nicht wahr?

Teile das für die Vertiefung ihres Wissens.... oder GLAUBEN.

In der ursprünglichen Variante wurde unter "P.S." angefügt, dass der Student Albert Einstein gewesen sei, obwohl er in der ersten Antwort sagte, dass er Christ sei, Einstein aber Jude war. Offenbar diente er lediglich als Autorität, um die Argumentation zu stützen, auf die man allein nicht vertraute.



Aber auch inhaltlich steht die Argumentation auf tönernen Füßen (wie passend, ein Gleichnis aus der Bibel (Daniel 2:31 - 35)):
Kälte ist tatsächlich keine physikalische Größe, sondern lediglich die Abwesenheit von Wärme (der Nullpunkt liegt übrigens bei - 273,15 °C, woran man ebenfalls erkennt, dass der Text aus dem englischen Raum stammt, wo man traditionell mit Fahrenheit misst). Aber Licht ist ebenfalls nur ein intersubjektiv empfundener minimaler Teil des elektromagnetischen Spektrums. Womit man, wie ja später gegenteilig argumentiert wird, Elektromagnetismus ja eben doch sehen kann.
Auch das Hirn des Professors kann als existent gelten, da er sonst keinerlei Reaktionen hervorrufen würde, da er einfach tot wäre. Aber auch sonst könnte man selbstverständlich nachweisen, das es da ist, wenn man Sprechen, Denken, Fühlen und andere Körperfunktionen nicht auf dieses münzen würde. Man könnte den Kopf aufschneiden, was bei vollen Auditorium etwas unappetitlich ist oder den Professor ins MRT schicken. Der Inhalt des Schädels ist also prinzipiell und objektiv nachweisbar, auch wenn man ihn aktuell nicht sieht.

Also sowohl der Vergleich mit physikalischen Größen, als auch der aktuellen "Unsichtbarkeit" von Behauptetem sind schnell als schwache Argumente zu verstehen.
Die Wahrnehmung von Temperaturen und Licht ist subjektiv. Wenn einer noch mit T-Shirt rumläuft, friert der andere schon. Was dem einen ausreicht, um sein Buch zu lesen, ist dem anderen zu dunkel. Wer von diesen Personen hat "mehr" recht? Was soll uns das über Gott sagen? Wer hat da die "richtige" Empfindung?
Auch sind Temperatur und Licht messbare Größen, was auf Gott nicht zutrifft. Oder aber wir bräuchten noch eine Messapparatur für diesen. Was im Grunde den Glauben unnütz und Gott ganz klein macht.

Die Evolutionstheorie darf bei solchen Geschichten nicht fehlen. Der Student schließt von der Verneinung des Professors auf die Frage, ob dieser denn schon jemals gesehen habe, darauf, dass sie niemand je gesehen hat. Und das ist falsch:

Einen Fall extrem rascher Evolution hat eine internationale Forschergruppe in der Südsee beobachtet. Der Männchen-Anteil in dortigen Schmetterlingspopulationen stieg von kaum 1 Prozent binnen einen Jahres auf knapp 39 Prozent. Wahrscheinliche Ursache ist das Auftauchen einer Genvariante, die die Falter gegen ein männermordendes Bakterium schützt.

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Wieder häufiger zu sehen: ein männliches Exemplar von Hypolimnas bolina. Foto: Copyright Science

"Meines Wissens nach, ist dies die schnellste evolutionäre Veränderung, die jemals beobachtet worden ist", erklärt Sylvain Charlat vom University College London und von der University of California in Berkeley. "Diese Studie zeigt, dass die Evolution sehr rasch ablaufen kann, wenn eine Population einem sehr starken Selektionsdruck ausgesetzt ist, beispielsweise einem extrem verschobenen Geschlechterverhältnis."
Schon vor einigen Jahren hatten Charlat und seine Kollegen entdeckt, dass die Hypolimnos-Edelfalter auf einigen Inseln Samoas mit einem Untermieter der besonderen Art zu kämpfen haben. Das Bakterium Wolbachia wird allein über die Eizellen von der Mutter an den Nachwuchs weitergegeben. Daher kann es seine Überlebenschancen steigern, indem es männlichen Nachwuchs noch vor dem Schlüpfen tötet und so den Anteil der Weibchen in der Population erhöht.
Als Folge bestand die Population auf der Insel Savaii im Jahr 2005 zu über 99 Prozent aus Weibchen. Gut ein Jahr oder kaum zehn Generationen später, waren dagegen gut 39 Prozent der gesichteten Tiere männlich. Und während aus den Eigelegen im Jahr 2005 beinahe ausschließlich Weibchen geschlüpft waren, brachten die Tiere nun wieder reichlich männlichen Nachwuchs hervor. Zwar war das Bakterium unverändert bei allen Tieren nachweisbar. Offenbar hatten die Schmetterlinge jedoch gelernt, dessen Optimierungsstrategie zu unterlaufen.
Grund dürfte das Auftauchen einer Genvariante gewesen sein, die das Treiben des Bakteriums unterdrückt, schreiben die Forscher. Ob diese Suppressorvariante von einem eingewanderten Tier stammte oder auf eine lokale Mutation zurückging, ist noch unklar. In jedem Fall habe sie sich via natürlicher Selektion durchsetzen müssen. Das Suppressorgen ermöglicht es infizierten Weibchen, Männchen hervorzubringen, und diese paaren sich wiederum mit sehr, sehr vielen Weibchen. Daher tragen im Laufe der Generationen immer mehr Individuen das Suppressorgen (#1).

Auch der Fossilbericht zeugt von der Veränderlichkeit der Arten, ganz ohne selbst dabei gewesen zu sein.

Aber man will ja nicht unversöhnlich sein.
So weit es die Absicht der Geschichte ist, zu zeigen, dass die Naturwissenschaften aufgrund ihrer methodisch notwendigen Vorentscheidungen keine Aussagen über die Wirklichkeit Gottes treffen können, kann ich mich damit anfreunden.
Leider offeriert der Text diese Ansicht nicht und will aufzeigen, das auch Naturwissenschaftler nur glauben. Außerdem kommt der Prof. in der Geschichte zu schlecht weg. Diese Diskussion entbehrt einer fairen Darstellung, was nicht zuletzt dem Weltbild des Verfassers geschuldet ist.

#1 - Forschung: Sylvain Charlat, Emily A. Hornett und Gregory D.D. Hurst, Department of Biology, University College London und Gump South Pacific Research Station, University of California at Berkeley, Moorea, Französisch-Polynesien; und andere (Veröffentlichung Science, Vol. 317, 13. Juli 2007, p 214, DOI 10.1126/science.1143369)
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