Kritisches Denken




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Fr 9. Dez 2022, 18:29

Jehovah's Witnesses claim being gay is an "infirmity" | Lloyd Evans (14:30 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=C6-f-n3WsUg

Am Anfang erzählt der Sprecher, dass Jehova festlegt, was richtig und was falsch ist. Und dann ... untermauert er diese Aussage nicht.
Ist euch vielleicht gar nicht aufgefallen. Aber im Grunde geht es bei Gottes Gesetzen nicht um richtig und falsch, sondern um gehorchen und nicht gehorchen. Wenn der Sklavenhalter seine Sklaven auspeitscht, mag das dessen Regel sein. Er hat festgelegt, wer wie bestraft wird. Aber nur, weil jemand festlegt, dass jeder der das Wort "Hund" sagt, einen Stromschlag bekommt und sich alle an diese Regel zu halten haben, vielleicht auch viele daran halten, ergibt sich daraus nicht, dass Stromschläge richtig sind. Sie sind falsch, egal wer sie für regelkonform hält.

Regeln sind Regeln und keine Moralsätze. Der Sprecher bringt also lediglich zum Ausdruck, was Gott will, nicht, was moralisch richtig wäre, denn Moral wird nicht von oben diktiert. Moral entsteht in der Gruppe, nach ethischen Gesichtspunkten. Und das Recht auf körperliche Selbstbestimmung, auch in der Sexualität ist moralisch richtig. Auch wenn es einem Gott nicht passt.

"Infirmity" heißt übrigens übersetzt Gebrechen.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
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von Anzeige » Fr 9. Dez 2022, 18:29

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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Di 13. Dez 2022, 19:47

GOD'S UNFORGIVABLE SIN | The Truth Hurts (17:22 min ,engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=7_3IS7VB1bU

Von der Warte kann man es auch betrachten, wie The Truth Hurts hier macht:
Wie würden wir jemanden beurteilen, der einem anderen sein Kind gibt, wohlwissend, dass dieser jemand, kein guter Vater oder Mutter sein wird, dass er das Kind misshandeln und schlagen wird, nur um diese Gräuel zu dokumentieren, um ihn dann für diese Verbrechen anzuzeigen? Der Misshandelnde wäre klar als Bösewicht auszumachen. Aber würden wir den, der sein Kind für diese Taten zur Verfügung stellt, nur um einen Punkt zu beweisen, als Helden anerkennen? Wohl nicht.
Warum sollten wir also Gott, der wohlwissend, dass es schief gehen wird, als moralischen Kompass anerkennen, wenn er Satan die Kontrolle über die Menschheit gibt und sie in den Ruin fährt? Warum sollten wir den Gott anbeten, der all das Leid auf Erden geschehen lässt, aber angeblich so mächtig ist, dass er es jederzeit beenden könnte? Ist es richtig, dass er die Menschheit, so wie einst Hiob leiden lässt, nur um einen Punkt zu beweisen?
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » So 18. Dez 2022, 02:13

Zeugen Jehovas in Norwegen und Schweden: Religionsfreiheit heißt nicht Subvention einstreichen

In dem aktuellen Lagebericht der Zeugen Jehovas Nr. 8 (2022) wird ab Minute 2:53 über die neue Abteilung "Freedom of Worship Europe Office". Diese soll die europäische Interessensvertretung der Zeugen Jehovas für freie Religionsausübung verteidigen.

Aktueller Lagebericht der Leitenden Körperschaft, Nr. 8 (2022) (ingesamt 20:35 min)
https://www.jw.org/de/bibliothek/videos/#de/mediaitems/LatestVideos/docid-702022024_1_VIDEO

Da es keine Transkript-Funktion in den Videos gibt, die man übernehmen kann, habe ich für euch den Text hier auch abgetippt, falls ihr das Video nicht anschauen wollt.

Anthony Morris, Teil der leitenden Körperschaft, dem obersten Kremium der Zeugen Jehovas beginnt den Bericht ab Minute 2:53:
Noch etwas Aktuelles.
Es geht um das Recht, unseren Glauben zu bekennen. Wie Jesus in Matthäus 10:22 vorausgesagt hat, müssen wir mit viel Gegnerschaft rechnen. Er sagte: "Alle Menschen werden euch wegen meines Namens hassen". Um Jehovas Diener zu unterstützen, wurde kürzlich im Zweigbüro Zentraleuropa das Freedom of Worship Europe Office eingerichet. Diese Abteilung der Weltzentrale koordiniert die Bemühungen, unsere Religionsfreiheit in Europa zu verteidigen. Vielleicht fragt ihr euch jetzt: "In Europa können wir doch schon seit Jahren ungehindert dienen. Ist das nötig?" Ja, das ist es. Zum Beispiel hat die Regierung von Norwegen vor Kurzem entschieden, dass Jehovas Zeugen nicht mehr die staatlichen Zuschüsse erhalten, die eigentlich alle eingetragenen Religionsgemeinschaften bekommen. Weitere Details erfahren wir nun von Bruder Jørgen Pedersen.

Dann kommt der Einspieler mit besagtem Bruder. Während er erzählt, werden immer wieder Archivbilder und -videos eingeblendet:
Wir waren schockiert, als wird einen Brief von einer Regierungsbehörde in Oslo erhalten haben, in dem uns angedroht wurde, die rechtliche Registrierung von Jehovas Zeugen zurückzunehmen. Jehovas Zeugen verbreiten die gute Botschaft in Norwegen schon seit über 120 Jahren. Sie nahmen für ihren Glauben auch Leiden auf sich, als Norwegen im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten besetzt war. Ein ehemaliger Minister für religiöse Angelegenheiten äußerte sich darüber, dass Jehovas Zeugen die einzige religiöse Gruppe waren, die sich geschlossen gegen die Nationalsozialisten stellte, und sagte: "Das sollten die Menschen in unserem ganzen Land erfahren. Besonders für junge Leute wäre es gut, das zu wissen." Wir sind schon immer als gute Bürger bekannt. Selbst in einem öffentlichen Bericht hieß es, dass Jehovas Zeugen sich gewissenhaft an die Landesgesetze halten. Jetzt hat man unsere Zuschüsse ausgesetzt, staatliche Erleichterungen, die über 700 andere religiöse Gruppierungen nach wie vor erhalten. Diese Entscheidung ist verfassungswidrig und nie dagewesener Angriff auf die Religionsfreiheit in Norwegen. Mit Hilfe des neugegründeten Freedom of Worship Office suchen wir nach Wegen, unsere Rechte zu verteidigen. Gleichzeitig suchen wir auch das Gespräch mit Regierungsvertretern und wir beten darum, dass diese Situation einvernehmlich gelöst werden kann.

Dann kommen wir zurück zu Tony:
Vielen Dank, Bruder Pedersen.
Der norwegische Staat hat angedroht, uns unsere rechtliche Anerkennung zu entziehen, und zwar aufgrund unserer biblisch begründeten Ansicht und Vorgehensweise in Verbindung mit Gemeinschaftsentzügen. In der Zukunft werden weitere Regierungen versuchen, uns in unserer Religionsausübung einzuschränken. Vielleicht wollen sie durchsetzen, dass wir unsere Glaubensansichten ändern. Aber das werden wir auf keinen Fall tun.
Wie Bruder Pedersen erwähnte, wird in dieser Sache bereits viel unternommen. Und euch, ihr Lieben, bitten wir: Macht das Ganze zum Gegenstand eurer Gebete.


Ende der Durchsage für dieses Spektakel. Es geht dann weiter mit anderen Geschichten.

..

Es ist aber bereits das zweite Jahr, indem die staatlichen Förderungen ausbleiben. Denn auch 2021 gab's nichts auf öffentlicher Hand eines sakulären Staaten in die Taschen dieser Religionsgemeinschaft.
Man pocht hier auf das verfassungsmäßige Recht seine Religion frei auszuüben. Dies wird aber gar nicht bedroht. Sie können weiterhin mit der Zwei-Zeugen-Regel so ziemlich jede Sexualstraftat at acta legen und in Ländern ohne Anzeigepflicht bleiben die Täter sogar völlig straffrei. Auch dürfen sie nach wie vor Personen, die aufgrund von Regelverstoß ausgeschlossen werden und solche, die freiwillig gehen, sozial von ihrem Freundeskreis in der Gemeinschaft abkapseln. Wenn sie denken, dass Gott das will, dürfen sie das gerne weiter tun. Nur dann halt ohne staatliche Finanzierung. Und das ist auch gut so.
Denn auch, wenn der Bericht so wirkt, die norwegische Regierung oder korrekter das Ministerium für Kinder- und Familienangelegenheiten und deren Staatsverwalterin (#1) in Oslo und Viken haben das weder willkürlich entschieden, noch handeln sie gegen geltendes norwegisches Recht. Im Gegenteil. Sie schützen das Recht und begründen dies nach eingehender Prüfung der Sachlage auf der so:

Quelle: Website der Staatsverwalterin in Oslo und Viken (veröffentlicht am 27.01.2022)
https://www.statsforvalteren.no/nb/oslo-og-viken/folk-og-samfunn/tros--og-livssynssamfunn/jehovas-vitner-nektes-statstilskudd-for-2021

Ich hab's mal durch den Übersetzer gejagt und angepasst:
Recht auf Austritt

Die Ausschlusspraxis bedeutet, dass Mitgliedern der Kontakt zu Ausgeschlossenen verweigert wird. Dies gilt auch für Mitglieder, die freiwillig aus der Glaubensgemeinschaft ausgetreten sind. In der Praxis bedeutet dies, dass diejenigen, die austreten, keinen Kontakt mehr zu Familie und Freunden in der Gemeinde haben können. Dies behindert unseres Erachtens das Recht auf freien Widerruf und verstößt gegen § 2 des Gesetzes über Religionsgemeinschaften.

Ausschluss von Kindern

Die Glaubensgemeinschaft lässt auch den Ausschluss von getauften Minderjährigen zu. Das bedeutet, dass Kinder ausgeschlossen werden können, wenn sie gegen die Regeln der Religionsgemeinschaft verstoßen. Wir glauben, dass dies eine negative soziale Kontrolle ist und die Rechte von Kindern verletzt. Getaufte Kinder, die gegen die Regeln der Religionsgemeinschaft verstoßen, können sozialer Isolation ausgesetzt sein. Dies wird auch als negative soziale Kontrolle und Verletzung der Kinderrechte wahrgenommen. Eine solche Behandlung von Kindern verstößt gegen § 6 des Gesetzes über Religionsgemeinschaften.

Ermessen des Staatsverwalters – die Aufsichtsbehörden können Zuwendungen ablehnen

Jehovas Zeugen haben bei mehreren Gelegenheiten die Praxis der Ausgrenzung verteidigt. Die Glaubensgemeinschaft hat detaillierte Regeln, wie Mitglieder Ausgrenzung und soziale Isolation gegenüber Ausgeschlossenen praktizieren sollen. Die Regeln werden den Mitgliedern unter anderem über Bücher und Studienartikel mitgeteilt. Wir haben die Verstöße als systematisch und vorsätzlich angesehen und uns daher entschieden, Subventionen abzulehnen. Dies steht im Einklang mit dem Gesetz über Religionsgemeinschaften § 11 dritter Absatz.

Es geht übrigens um jährliche Zuschüsse in Höhe von 16-17 Millionen Norwegische Kronen (ca. 1,52 Millionen Euro).
Für so viel Geld würde ich schon prüfen wollen, ob die Empfänger gewissenhaft sind.

Natürlich ist die Körperschaft in Einspruch gegangen. Dieser Einspruch gegen die Entscheidung der Staatsverwalterin wurde im Oktober 2022 abgelehnt. Die Zeugen Jehovas verlieren damit endgültig die staatlichen Zuschüsse für das Jahr 2021.

Quelle: Jehovas vitner ble nektet statstilskudd, men klaget. Nå er den endelige konklusjonen klar (Vårt Land vom 11. Oktober 2022)
https://www.vl.no/religion/2022/10/11/jehovas-vitner-ble-nektet-statstilskudd-men-klaget-pa-vedtaket-na-er-den-endelige-konklusjonen-klar/
Der Artikel selbst ist hinter einer Bezahlschranke, aber der Titel wird durch den Übersetzer wie folgt wiedergegeben:
"Jehovas Zeugen wurden staatliche Subventionen verweigert, aber sie beschwerten sich. Jetzt ist das endgültige Fazit klar"

Der Vårt Land-Artikel vom 3. November, führt zudem aus, dass die Zeugen Jehovas auch die Registrierung als Religionsgemeinschaft verlieren könnten.

Quelle: Statsforvalteren har sendt Jehovas vitner varsel om tap av registrering som trossamfunn (Vårt Land-Artikel vom 3. November 2022)
https://www.vl.no/religion/2022/11/03/statsforvalteren-har-sendt-jehovas-vitner-varsel-om-tap-av-registrering-som-trossamfunn/
(Überschrift übersetzt: "Der Landesverwalter hat Jehovas Zeugen eine Mitteilung über den Verlust der Eintragung als Religionsgemeinschaft zugestellt")

In einer weiteren Note zur Prüfung, ob auch der staatlich anerkannte Körperschaftstatus aberkannt werden kann, wurde noch einmal deutlich erklärt, dass Zeugen Jehovas dann zwar ihre Registrierung als religiöse Organisation verlieren und somit Anspruch auf irgendwelche Subventionen und der Klerus auch kein Recht mehr haben wird, Leute zu verheiraten, aber sie ihre Religion und ihre Aktivitäten unabhängig von einer öffentlichen Registrierung ausüben können.

Quelle dafür: Ble nektet statstøtte: Jehovas vitner vurderer juridiske skritt (Vårt Land-Artikel vom 5. Dezember 2022)
https://www.vl.no/religion/2022/12/06/jehovas-vitner-vurderer-juridiske-skritt-etter-a-ha-blitt-nektet-statstilskudd/
(Übersetzung der Überschrift: "Verweigerte Staatshilfe: Zeugen Jehovas erwägen rechtliche Schritte")

§ 4 des Religionsgemeinschaftsgesetzes besagt, dass Religionsgemeinschaften die Registrierung verweigert oder die Registrierung zurückgenommen werden kann, wenn eine oder mehrere der Voraussetzungen für die Verweigerung der Erteilung in § 6 des norwegischen KKG vorliegen (#2).

Es ist also eine symbolische Entscheidung.
Auch Schweden erwägt, den Zeugen Jehovas staatliche Subventionen künftig zu verweigern, ebenfalls aufgrund der strengen Regeln, die im Gegensatz zu den Grundwerten der Gesellschaft stehen. Das ist seit vielen Jahren der Standpunkt der Regierung. Dennoch entschied sie schließlich, der Glaubensgemeinschaft Zuschüsse in Millionenhöhe zu gewähren. Jetzt will die Regierung das Gesetz ändern.

Quelle: Sendung Uppdrag granskning im Schwedischen Fernsehen vom 23. Februar 2022
https://www.svt.se/nyheter/granskning/ug/fyra-omstridda-regler-inom-jehovas-vittnen

..

Uppdrag granskning ist ein investigativ-journalistisches Format im schwedischen Fernsehen und heißt wörtlich übersetzt "Auftrag Überprüfung". Die rund vierzigminütige Sendung vom 23. Februar 2022 geht dem Thema der Staatsbeiträge an die Zeugen Jehovas nach. Der kurze Filmbeitrag (siehe Link) thematisiert das sogenannte Blutverbot, die Stigmatisierung politischer Aktivitäten, das Verbot homosexueller Beziehungen sowie die Unterordnung der Frau als umstrittene Vorgaben der Zeugen Jehovas.

Seit mehreren Jahren verweigert die Regierung den Zeugen Jehovas staatliche Zuschüsse mit der Begründung, dass die Regeln der Gemeinschaft gegen die Demokratieklausel verstoßen, die nach schwedischem Recht eingehalten werden muss. Doch 2019 änderte die Regierung ihre Meinung. 2021 erhielten die Zeugen Jehovas als erste Zahlung etwas mehr als 2 Mio. schwedische Kronen – plus 8,5 Mio. Kronen Schadenersatz wegen des langwierigen Verfahrens (insgesamt rund 1 Million Euro).
Das mag auf den ersten Blick inkonsequent erscheinen, aber im Laufe des Prozesses hat die Gemeinschaft mehrmals Einspruch gegen die Entscheidung der Regierung eingelegt. Dreimal hat das Oberste Verwaltungsgericht die Ablehnung der Regierung zurückgewiesen. Nach Ansicht des Obersten Verwaltungsgerichts reichen die von der Regierung vorgebrachten Gründe nicht aus, um der Organisation einen Zuschuss zu verweigern. Im ersten Abweisungsentscheid wurden laut Richterin Margit Knutsson überhaupt keine Gründe angegeben. Aber:

"Beim zweiten Mal wurde die Frage der politischen Tätigkeit angesprochen, aber nichts gesagt bezüglich des Blutproblems, also wiesen wir den Fall erneut zurück. Beim dritten Mal wurde nur die Frage des Blutes aufgeworfen, und auch das war nicht ausreichend. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass wir damit gesagt haben, dass die Zeugen Jehovas Anspruch auf Unterstützung haben."

Laut Margit Knutsson hätte sich die Regierung erneut gegen den richterlichen Entscheid stellen können, entschied sich aber stattdessen, die Millionensubvention zu gewähren.
Und das, obwohl sowohl die Regierung als auch die Behörde für die Unterstützung religiöser Gemeinschaften (SST) angeben, dass die Zeugen Jehovas die Voraussetzungen für den Erhalt staatlicher Subventionen nicht erfüllen. Dass heißt, dass sogar die Behörde, die für die Zahlung zuständig ist, diese Entscheidung kritisiert.

"Was die Zeugen Jehovas tun, ist, ihre Mitglieder aufzufordern, nicht Teil der Gesellschaft zu sein", sagt Isak Reichel, Leiter des SST.

Die Regierung will nun das Gesetz ändern, und zwar durch eine Verschärfung der Anforderungen und eine Präzisierung der Demokratieklausel. Immerhin: Wenn es um die Auszahlung von Steuergeldern geht, muss bedacht werden, dass das auf der Grundlage der bestehenden Rechtsvorschriften kohärent und einheitlich erfolgen muss. Hier hat die gesetzliche Grundlage eindeutig nicht gegriffen, und deshalb soll in diesem Bereich mit einer neuen Gesetzesvorlage Abhilfe geschaffen werden.

Es ist wie in der DDR, ein Meldesystem, in dem es die Regel gibt, dass alle gleichgeschaltet sind und alle das Gleiche denken müssen. Wenn Sie das nicht tun, dann gibt es Leute und Freunde in der Versammlung, die sehen, was man tun, und die wiederum dafür sorgen, dass dies an die Ältesten der Gemeinde weitergegeben wird.
Es gibt innerhalb der Glaubensgemeinschaft demnach weder Gedankens- noch Meinungs- noch Religionsfreiheit. Wer abweicht, fällt auf. Wer auffällt, stört die Ordnung. Wer die Ordnung stört, wird ermahnt. Wer sich nicht anpasst, fliegt raus und verliert alle Freunde und Kontakte. Das hat mit freier Entfaltung nichts zu tun.

Bleibt spannend, ob andere Länder diesem Beispiel folgen.

Beachtet auch folgendes:
Zeugen Jehovas sind immer wieder bemüht darum, zu erklären, dass diese Welt bald untergehen wird. Wenn in Korinther 7:29-31 steht, dass Christen keinen vollen Gebrauch von der Welt machen sollen und 1. Petrus 2:11 die Anhänger nur als zeitweilige Ansässige in diesem System beschreibt, ist es dann überhaupt vernünftig für Zeugen Jehovas, rechtliche Schritte einzuleiten, weil ein bestimmtes Land entscheidet, ihnen kein Geld zu geben?
Nochmal: Es hat sich nichts daran geändert, dass Zeugen Jehovas ihre Religion in jedem Aspekt weiter so ausüben dürfen, wie sie es für richtig halten. Es bleibt alles unverändert, entgegen der Behauptung von Tony Morris, dass säkuläre Einrichtungen, sie zwingen würden, irgendwelche Abstriche in ihren Glaubensansichten zu machen. Das stimmt einfach nicht. Sie dürfen alles so beibehalten. Aber eben ohne finanzielle Unterstützung von "Cäsar" (Lukas 20:24, 25, Matthäus 22:17-21). Auch wenn man bedenkt, dass "Cäsar" ja beeinflusst ist durch die falsche Religion, also Babylon die Große, Babylon die Hure, ein Machtinstrument von Satan.

Es geht also nicht um das Recht um freie Religionsausübung, sondern um den Verlust von Satans Geld in Gottes Klingelbeutel.



Nachtrag 26.12.2022:

Norway pulls Religious Registration from Jehovah’s Witness Corporation! | Rion - The Cult Tastic (2:17 min, engl.)
https://www.youtube.com/watch?v=BGjuGQOCBhw
In dem verlinkten Video gibt es aktuellere Informationen.

Nachtrag 04.02.2023:

Offenbar ist der Geldstrom aber noch nicht ganz versiegt.
Auch wenn der norwegische Staat diese Religionsgemeinschaft wegen ihrer Ausschlusspraxis nicht mehr dafür bezahlt, dass sie genau diese ausüben, bekommen Zeugen Jehovas offenbar immer noch Geld vom Staat.
Norwegen hat, wie Deutschland auch, eine staatliche Behörde für Glückspiel. Diese führen die Aufsicht über staatliche Glücksspielhallen und subvensionieren mit Gewinnen verschiedene, auch charikative und Non-Profil-Organisationen. Auf dem Zettel stehen auch die Zeugen. Komsich, wenn es ums große Geld geht, muss man sich als Organisation offenbar gar nicht mehr so fern von Satans sündhafter Welt fern halten, scheint's mir.

Jehovah's Witnesses accept money from Norwegian Gambling Authority | Goatlike Personality (21:28 min, engl.)
https://www.youtube.com/watch?v=yfqFFC7vczo



#1 - Aufgabe einer Staatsverwalterin oder eines Staatverwalters (Statsforvalters) ist es, die Beschlüsse der Regierung und des Nationalparlaments durchzusetzen.

#2 - Das neue Religions- und Glaubensgesetz, das 2019 verabschiedet wurde, ermöglicht die Verweigerung oder Kürzung von Zuschüssen, wenn diese Gemeinschaften oder in ihrem Namen handelnde Personen Gewalt oder Nötigung begehen, Drohungen aussprechen, Kinderrechte verletzen, gegen gesetzliche Diskriminierungsverbote verstoßen oder auf andere Weise die Rechte und Freiheiten anderer ernsthaft verletzen. Dies muss in jedem Einzelfall speziell geprüft werden, aber die Regierung wird selbstverständlich dafür sorgen, dass die Gesetzgebung weiterverfolgt wird.
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Mi 21. Dez 2022, 10:39

New Video Exposes How Desperate The Governing Body Are! | JW Thoughts (25:25 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=EnYI7dlDzZg

Eine 180 Grad Drehung.
Ich meine, ich kenne es auch, dass immer wieder "Erinnerungen" über die Kosten der Instandhaltung gemacht wurden und wie teuer der letzte Kongress war und dergleichen, aber das neue Broadcasting versucht uns einzureden, wir könnten uns die Freundschaft zu Jesus und Gott kaufen. WTF!

Das angeführte Beispiel mit David funktioniert so nicht. Denn niemand kam zu David und hat ihn um Geld angebettelt. Er hat freiwillig, ohne Druck und ohne Zureden einfach seine reichhaltigen Ressourcen für den Tempelbau und dergleichen zur Verfügung gestellt. Im Grunde ist das aber jetzt nicht grundverschieden zu den anderen Herrschern, die sich in Tempelbauten und Palästen verewigt haben. Doch weder ist der Durchschnittsanbeter reich wie ein König, noch findet es ohne die immer wieder kehrende "Erinnerung" an die Notwendigkeit der Spende statt.

Auch gibt es nach wie vor keine Einsicht, wofür die Spenden tatsächlich verwendet werden. Es wird lediglich einmal im Jahr darüber abgestimmt, wie viel Geld monatlich aus der Versammlungskasse in das "weltweite Werk" gesteckt wird. Welche Posten wie viel kosten, wird nicht erwähnt. Der Durchschnittszeuge hat keine Ahnung, was die Druckkosten sind, wieviel der monatliche Unterhalt für Mitarbeiter im Bethel ist oder irgendwas dergleichen.

Und ich fand den Gedanken zum Ende ganz gut, der mir noch gar nicht gekommen ist. Die Kongresshallen kosten die Organisation ja praktisch nichts. Die Leute, die diese instandhalten, bekommen weder Lohn noch müssen ihre Gerätschaften bezahlt werden. Sie bringen ihre eigenen Werkzeuge mit und wenn eine größere Reparatur ansteht, werden Brüder aus der Umgebung um Mithilfe gebeten, um Kosten durch externe Firmen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Es ist tatsächlich so, dass außer Licht und Wasser gar nicht so viele Posten auf der Rechnung stehen können und dennoch fast jede Woche hunderte, vermutlich tausende Euro durch den jeweiligen Kongress wieder in die Kassen fließen. Denn jede Woche ist ein anderer Kreis (die übergeordnete Verwaltungseinheit, in der sich die Versammlungen befinden) auf einem Kongress in diesen Hallen. Und jedesmal gibt es einen Spendenaufruf ... ehem ... ich meine "Erinnerung".
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Di 3. Jan 2023, 14:16

Jehovah's Witnesses contradict themselves on divine intervention | Lloyd Evans (10:18 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=lFq9COdJ8D4

Greift Gott nun zu Gunsten seiner Leute ein oder nicht? Da ist sich die Wachtturmgesellschaft offenbar selbst nicht so richtig einig.
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Fr 6. Jan 2023, 22:35

Stephen Lett explains why all non-believers deserve to die | Lloyd Evans (5:03 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=UZj_8IOTUsc

Da muss ich Llyod absolut recht geben.
Mir hat in meiner Indoktrantionsphase keiner was über das elende Ende alljener gegeben. Es ging immer nur um die gute Seite, wenn ich beitrete. Jede negative Konnotation wird vermieden oder als fernes Ereignis beschrieben, dass andere betrifft. Aber wenn euch einer anspricht, tut euch einen Gefallen und fragt sie, ob sie daran glauben, dass ihr von Gott vernichtet werdet, wenn ihr nicht Teil ihrer Organisation werdet. Sie werden versuchen, dass Thema zu wechseln. Denn sie wissen, dass die Wahl, auch wenn sie bar jeder Realität liegt, keine ist. Folgen oder sterben.
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Mo 9. Jan 2023, 18:55

Geoffrey Jackson's "last days" password argument debunked | Lloyd Evans (26:04 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=Wg7LDyqDZ2k

Lloyd geht die 24 Punkte der Liste durch, die auf die letzten Tage verweisen sollen.

Nebenher ist mir auch aufgefallen, dass die Passwort-Analogie von Geoffrey auf andere Art und Weise passt, die von Llyod nicht aufgeführt wurde.
Er sagte ja, man muss das richtige Passwort eingeben, um seinen Computer zu starten. Aber was passiert, wenn man das Passwort zu oft falsch eingibt (Prophezeiungen der Wachtturm-Gesellschaft über die Jahre 1914, 1925 oder 1975 zum Beispiel). Man wird ausgesperrt. Ich denke, im übertragenen Sinne, ist dies der leitenden Körperschaft passiert. Sie haben keinen Zugang (mehr) und der Passwort-Provider (Gott) ist für sie nicht erreichbar. Also müssen künftige Enddaten deutlich vager formuliert werden.
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » So 22. Jan 2023, 13:29

Stephen Lett forbids you from listening to apostates | Lloyd Evans (32:29 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=b8TR9nbf8h8

Irritierend ist, dass "apostates" also "Häretiker" oder "vom Glauben Abgefallene" im Griechischen den gleichen Wortstamm mit "fremd" oder "anders" teilen. Ein Apostat ist also jemand der fremd ist bzw. glaubt. Aber ist in diesem Beispiel nicht Stephen Lett der Fremde. Er ist irgendso ein Typ aus dem Internet, nur die wenigstens werden ihn persönlich kennen. Wenn man aber in seiner Leute hat, die "aufgewacht" sind, die Organisation verlassen haben oder ausgeschlossen wurden, dann sind das oft auch Leute, die man persönlich kennt. Wer ist dem Wortstamm her also hier der "Fremde"?
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Mi 25. Jan 2023, 11:00

Jade learns to patiently let others manage her love life | Lloyd Evans (20:27 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=MUsBt9V3o94

Fantastisch herausgestellt:
Jade bricht den Kontakt zu ihrem Freund ab und besorgt sich sogar ein neues Handy mit neuer Nummer. So wird die Isolation vom alten Freundeskreis perfekt. Und alle, die die neue Nummer haben sind ihre neuen "Freunde". Wer da nicht aufhorcht ...



P.S.: Die mögliche Liebesgeschichte von Wednesday und Enid ist vielleicht interessant, aber ich denke zwischen Jade and Neeta knistert es auch ganz heftig. Nicht auszudenken, wenn man in ein paar Jahren erfährt, dass die beiden Damen über die Dreharbeiten zu ihren Propaganda-Filmchen zueinander gefunden haben, ihre Männer verlassen, ausgeschlossen werden und als lesbisches Pärchen durch die Staaten touren. Man wird ja noch träumen dürfen ... Man wird ja noch träumen dürfen ...
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Do 26. Jan 2023, 14:17

Der "kleine" Kongress 2022 - Stärke deinen Glauben (Part I)

Also die Zeugen selbst nennen die Kongresse umgangssprachlich auch mal "kleiner" und "großer" Kongress. Aber man unterscheidet nicht so. Es gibt die eintägigen und die dreitägigen. Die eintägigen sind die umgangssprachlich kleinen, vermutlich eher als Kreiskongress bekannt. Passt ja, aber trotzdem sind es 6-8 Stunden "geistige Speise". Zum Verdauen bleibt da keine Zeit.
Diese Betrachtung wird aber deutlich kürzer als die des letzten Kongresses. Das war der letzte Kongress, den ich mitverfolgt habe und seitdem habe ich wieder deutlich mehr Freizeit. Meinem Spiel ist das bisher leider zu wenig zu Gute gekommen. Sorry.

Unterteilt ist dieses geballte Valium wieder in verschiedene Vorträge und Vortragsreihen. Man soll als gelehriger Novize wieder zahlreiche Notizen machen, um zu Hause die Sachen mit seinen Angehörigen noch einmal zu erörtern. Davon war ich noch nie ein Fan. Denn im Grunde bekommt man den Kongress in den nächsten Wochen und Monaten in Häppchen in den Sonntagspredigten nochmal vorgekaut. Logisch, denn schon vor dem Kongress hat man das gleiche Zeug gehört. Es gibt da in aller Regel nix neues. Es wird nur anders formuliert.

Der erste Vortrag lautet "Warum ist ein starker Glaube gerade jetzt wichtig?".
Eine halbe Stunde lamentiert der Sprecher hier rum, dessen Name ich mir nicht notiert habe, weil es völlig egal ist. Sie lesen einen vorgefertigten Text vor. Es ändert sich nur der Stil, in dem dies geschiet. Durch unterschiedliche Betonung, künstliche Pausen, Mimik und Gestik und so. Und dann, so im 3. Drittel kommt der Satz, auf den man bis dahin gewartet hat, weil er im Grunde das einzige ist, was einer Antwort auf die Frage des Vortrags am Ehesten ähnelt: Je näher wir dem Ende kommen, desto mehr Anstrengungen unternimmt der Teufel, uns vom rechten Pfad abzubringen.
Der programmierte Zeuge sieht in den ihn umgebenen Umständen immer wieder einen Beweis dafür. Meine Ex hat mich gefragt, warum ich nicht (mehr) dran glaube. Man könne doch an der Situation in der Ukraine klar und deutlich sehen, dass das Ende naht. Immerhin soll es ja von Kriegen und Kriegsberichten in den letzten Tagen nur so voll sein. Ich fragte: "Wann war es je anders?" Verstummt ist sie.
Der Angriff Russlands auf die Ukraine passt aber auch auf andere Art in das zurechtgebastelte Konzept der Zeugen: Russland hat die Versammlungen und die Literatur der Zeugen nach knapp 20 Jahren freier Religionsausübung wieder verbieten lassen. Die Sowjetunion und ihr großer Nachfolgestaat wurden ja schon vor Jahrzehnten als der in Daniel prophezeite König des Nordens auserkoren, immerhin geht dieser gegen "Gottes gerechte Schafe" vor. Nur gibt es diese Unterdrückung in immer weniger Staaten. Viele Länder haben Religionsfreiheit in ihre Konstitutionen und Verfassungen geschrieben und immer mehr Menschen ist es völlig schnuppe, was der andere glaubt, solange er einen nicht ständig damit zutextet. Im globalen Maßstab ist also kein Rückgang an Religionsfreiheit zu verzeichnen.
Aber was ist mit den in den sozialen und klassischen Medien propagierten, liberalen Bild der Liebe für alle? Könnte das nicht dazu führen, dass Menschen sich bevormundet sehen? Wie soll ein religiös empfindlicher Mensch reagieren, wenn zwei Männer im Fernsehen sich küssen. Ist das schon LGBT+-Propaganda oder lange überfälliges Überbordwerfen althergebrachter "Ideale"? Wenn Männer oder Frauen oder Transgender sich küssen oder eine Beziehung haben, dann sollten Zuschauer genauso reagieren, wie Homo- oder Anderssexuelle bei heterosexuellen Paaren im TV oder auf der großen Kinoleinwand reagieren. Wer nicht auf Schmuseszenen steht, bringt das zum Ausdruck. Wer drauf steht, der auch. Propaganda wäre es, wenn man die Informationsfülle einschränkt und nur eine oder zwei Sachen zulässt. Nicht jedoch, wenn man entgegen der bisherigen Ansicht, mehr zulässt. Wer denkt, dass er schwul wird, weil er zwei küssende Männer sieht, ist vermutlich einfach schon schwul und belügt sich selbst.
Freiheiten, die Stück für Stück, auch gegen den Willen oder die Doktrin irgendwelcher religiöser Institutionen erstritten wurden und werden, wurden und werden ebenso als Angriff auf die Religion wahrgenommen. Gegen religiöse Ansichten wurde aber auch erstritten, dass Sklaverei doof ist und Frauen keine Menschen zweiter Klasse. Und das finden dann alle plötzlich ganz super. Auch in Verkennung der religiösen Schriften, die sowas ja noch nie und nimmer postuliert hätten. "Also unsere Religion war schon immer gegen Sklaverei." Als Zeuge kann man das leicht sagen. Nicht nur weil die eigene Vergangenheit nur durch einen Kanal beleuchtet wird, nämlich jenem, dem es lieber wäre, man würde keine Fragen stellen, sondern auch, weil die Russeliten (wie sie früher von Außenstehenden auch genannt wurden) erst nach Abschaffung der Sklaverei in den USA auftauchten.

Aber so ist das bei den Zeugen Jehovas, aber auch bei den Mormonen oder Scientology. Alles was von der eigenen Doktrin abweicht, ist böse. Also muss man sich dagegen wappnen.

Der nächste Vortrag heißt: "Sehen wir den "Unsichtbaren"?"
Intersant fand ich ein Short-Video von "The Truth hurts" auf YouTube. Gott wird stückweise weggeschoben. In Genesis wandelt er im Garten Eden. In Exodus ruht Gott auf einem Berg und sprichtvon diesem aus mit donnernder Stimme. Bei Hiob thront er auf den Wolken. In Offenbarung zieht sich Gott in den sichtbaren Sternenhimmel zurück. Nach dem Verständnis moderner Gläubiger und Apologeten existiert Gott außerhalb von Raum, Zeit und Materie. Also außerhalb des Universums. Wie praktisch ist das denn bitte, dass Gott immer dort wohnt, wo man ihn nicht falsifizieren und widerlegen kann? Was passiert wohl, wenn wir irgendwann herausfinden, dass das Universum nur ein Teil eines größeren Ganzen ist, zum Beispiel unser Universum ein Teil eines Multiversums (so ein richtiges, nicht nur so Doctor-Strange-mäßig). Ich schätze mal, Gott müsste erneut seine Sachen packen und neues Zuhause suchen.
Mit "sehen" ist aber nicht die optische Wahrnehmung gemeint, sondern das "Sehen vor dem geistigen Auge". Also seinen Einfluss auf die Gesinnung von Menschen oder seine Hand in den Weltgeschehnissen und so weiter. Also im Grunde "confirm bias" und Mustererkennung. Zwei hervorragende Dinge, um etwas nicht "Bauchgefühl" nennen zu müssen, aber nichts statistisch Verwertbares. Laut Hebräer Kapitel 11, Vers 27 hatte Mose einen so starken Glauben, als "sehe er den Unsichtbaren". Gott stellt sich selbst vor, so steht es in 2. Mose Kapitel 3. Also einem der beiden Kapitel, wo ein alter Mann in der prallen Wüstensonne einen brennenden Dornbusch sieht, der mit ihm spricht. Was sollte daran schon verwunderlich sein? In Kapitel 34 stellt er sich in den Versen 6 und 7 auch nochmal vor. Er vergibt, aber er wird Schuldige bis zur dritten und vierten Generation für die Taten ihrer Väter büßen lassen. Wie liebevoll.
Wieso überliest man das in den Versammlungen? Ein rachsüchtiger Gott, der Urenkel für die Taten ihrer Urgroßväter bestraft, obwohl sie vielleicht noch nicht einmal geboren sind und wenn sie dann leben, vielleicht ein demütiges Dasein in frommer Gottesfurcht halten.
In Psalm Kapitel 77, Vers 11 und 15 gibt uns eine Sehhilfe an die Hand. Denn wir sollen auf Gottes Taten schauen, um ihn wahrzunehmen. Vermutlich ist jetzt nicht unbedingt der Genozid bei der Sintflut gemeint oder bei Sodom und Gomorra oder bei der "Landnahme" im gelobten Land oder der Raub der Jungfrauen für den Stamm Benjamin (Richter Kapitel 21), weil sich die ach so geeinten Stämme Israels selber fast ausgelöscht hatten. Bin mir nicht sicher, ob ich das gut finden muss.
Ich kann mich aber auch an seinen realen Werken ergötzen (blöde Wortwahl). Immerhin hat er alles so schön gemacht. Hm ... Da bin ich anderer Meinung und diese stütze ich auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Das in dem Vortrag genannte Schöpfungsbuch werden wir später noch betrachten. Das Gott irgendwas geschaffen hat, lässt sich prinzipiell nicht beweisen und mein Evo-Thread ist nicht deswegen so lang, weil da so viele Werke Gottes drin beschrieben werden, sondern weil man auch ohne Gott so viele Dinge in der Biologie und den anderen Themen beschreiben kann.

Es folgt der Vortrag "Der Glaube folgt ... auf das Gehörte."
Das mag ja stimmen, aber vom Hören ergeben sich keine Beweise. Man kann viel hören. Zum Beispiel, dass Homöopathie heilt oder Rutengänger erfolgreich im Suchen von Wasseradern sind. Die eigenen Sinne sind für das tägliche Leben ganz brauchbar. "Kann man das noch essen?", "Was das ein Tiger da hinten im Gebüsch?", "Was riecht hier so eklig?", "Wow, sieht das Mädel heiß aus." Sinneswahrnehmungen sind wichtig, um den Alltag zu sortieren und Vorentscheidungen zu treffen, viele davon unbewusst. Wenn mir kalt ist, ziehe ich mich wärmer an, wenn mir warm ist, ziehe ich was aus oder drehe die Heizung runter. Wenn ich das Mädel heiß finde (und Konsens herrscht), dann ziehe ich sie aus.
Unsere Sinne helfen uns leider nur nicht weiter, wenn es ums große Ganze geht. Wir können Elektrizität nicht sehen, aber physikalisch so gut beschreiben, dass wir trotzdem Maschinen bauen können, die es produzieren und welche, die es verbrauchen. Den Anfang des Universums hat niemand gesehen, aber gemeinsamer Hirnschmalz hat dazu geführt, dass wir uns vorstellen können, wie es so ziemlich am Anfang ausgesehen haben muss. Niemand weiß, wie ein Dinosaurier wirklich aussieht, aber zusammengetragene Daten haben bei einigen Urzeitechsen zu einem recht stimmigen Bild geführt. Natürlich wurden alle diese Entdeckungen mit den Sinnen wahrgenommen. Knochen wurden gefunden, weil wir sie sehen können. Die Ausdehnung des Universums lässt sich beobachten, wenn auch mit ganz viel Hilfe. Strom können wir in Form von Licht "sehen", in Form eines Backofens "spüren". In Form von Blitzen übrigens auch. Was wir aber sehen, sind bei Elektrizität im Grunde nur die Ergebnisse, zu denen Elektrizität führen kann oder genauer gesagt, die elektromagnetische Kraft. Sie sorgt auch dafür, dass wir nicht durch den Boden fallen, obwohl uns die Gravitation zum Schweremittelpunkt der Erde drückt. Die Gravitation zum Beispiel können wir nicht sehen, hören, fühlen, schmecken oder riechen. Die elektromagnetische Kraft dagegen sozusagen schon.
Photonen prallen an den rasend schnellen Elektronen ab, die um die Atomkerne wuseln, aus denen alle Objekte bestehen. Diese zurückgeworfenen Photonen treffen auf unser Auge und wir können das Objekt sehen, von denen sie abgeprallt sind. Moleküle lagern sich auf der Nasenschleimhaut oder der Zunge ab und deren Elektronen interagieren mit den Elektronen der Zunge und erzeugen so den Geruch und den Geschmack. Schallwellen sind nichts weiter als vibrierende Luft, die unser Ohr erreicht und dabei eine feine "Mechanik" in Gang setzt. Allein dadurch, dass die Elektronen der Luft in leicht unterschiedlicher Geschwindigkeit in unterschiedlichem Gemenge auf unser Trommelfell treffen. Sobald wir etwas berühren, sei es die Tastatur, der Apfel, der Tisch oder der Partner spüren wir die Abstoßungskraft unserer Elektronen und die des "Dings" das wir berühren. Dabei berühren wir sie wirklich etwas, weil wir nicht stark genug sind, die gleichen Ladungen (negativ - negativ) tatsächlich zusammen zubringen. Wir bleiben immer ein paar Nanometer vorher "hängen". Im Grunde schweben wir sogar über den Boden. Was herunterfällt erzeugt nur deshalb ein Geräusch weil in kurzer Zeit sehr viele Elektronen auf sehr viele Elektronen treffen. Dabei aber nie wirklich zusammenstoßen. Ein bisschen so, als würde man die gleichgeladenen Enden zweier Kühlschrankmagneten aneinander drücken wollen.

Was ich damit eigentlich sagen will: Stille Post ist ein blödes System um Glauben aufzubauen. Sinnvoller wäre nach Evidenz zu suchen, möglichst vorurteilsfrei. "Möglichst" deshalb, weil es vorurteilsfreie Menschen nicht gibt.
Das Jehova immer recht hat und seine Prophezeiungen immer eintreffen, wird zum Beispiel damit "bewiesen", dass Jesaja ca. 200 Jahre vor dem Niedergang Babylons dessen Eroberer nennt. In Kapitel 14, Vers 23 wird geschrieben, dass die Stadt Babylon vernichtet und nie wieder aufgebaut wird. Jetzt kann man natürlich sagen, dass sei Prophetie oder man nimmt die naturalistische Antwort: Das ganze Buch, mindestens aber die entsprechenden Teile wurden im Nachexil hinzugefügt und in der Endredaktion irgendwann um 500 v. u. Z. eingebunden.
Eine weitere Prophetie, die man sich gerne zur Brust nimmt, ist jene, die auf das Jahr 1914, als das Jahr von Jesu Wiederkunft, deutet. In Daniel Kapitel 4 wird ein riesiger Baum beschrieben, der gefällt wird und für 7 Zeiten nicht wächst, denn aber wieder. Diese Prophezeiung soll sich an Nebukadnezar, dem Daniel seinen Traum erklärte, direkt erfüllen und laut Bibel ist es dann auch so geschehen. Jetzt wird es ein bisschen so, als hätte man ein Mathematikbuch mit Sachaufgaben. In der Offenbarung Kapitel 12, Vers 6 und 14 finden wir die Angabe, über 1260 Tage (Vers 6), sowie über 3 1/2 Zeiten (Vers 14), ohne jedoch eine Info zubekommen, warum "Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit" 3 1/2 sein sollen, wo doch der Passus "Zeiten" unbestimmt ist. 1260 Tage entsprechen also 3 1/2 Zeiten, laut dem Verständnis der Zeugen Jehovas. Daniel spricht aber von 7 Zeiten, also doppelt so viel. Das müssen dann wohl 2520 Tage sein. Für den Unglauben beim Auskunftschaften des gelobten Landes wurde das Volk mit 40 Jahren Wanderung bestraft, denn die Kundschafter haben 40 Tage ausgekundschaftet. In Hesekiel Kapitel 4, Vers 6 finden wir den Ausspruch "einen Tag für ein Jahr" nochmals. Bämm, dann sind wir bei 2520 Jahren. Die "sieben Zeiten" sollen mit der Zerstörzung des Tempels in Jerusalem 607 v. u. Z. begonnen haben. Die absolute Majorität der geschichtlich bewanderten Personen nimmt zwar das Jahr 587 v. u. Z. als dieses Jahr dieses Ereignisses, aber was stört den Gläubigen schon die Wissenschaft. Aus diesem ganzen Wust an verschiedenen Bibelstellen, die nichts miteinander zu tun haben, zaubert sich mit dem Anfangsjahr 607 v. u. Z. (das Jahr Null gibt es nicht) das Jahr der Wiederkunft: 1914.
Ursprünglich dachte man, dass wäre das Ende, aber das war nur der Anfang der "letzten Tage", wie man im Nachgang "erkannte". Und so schiebt sich auch dieses Ende nun schon über 100 Jahre vor sich her und will so gar nicht eintreffen. Aber was sind schon 100 Jahre im großen Plan Gottes, der schon immer existierte? Und so gibt es immer wieder neue Ausreden, warum noch nichts passiert ist oder das dieses oder jenes Zeichen, dass gerade geschiet, ganz wunderbar zu dem Zeichen des Endes passt. Wir müssen dabei natürlich ignorieren, dass die Historiker nicht auf das Jahr 607 v. u. Z. verweisen und auch, dass Daniel die Prophezeiung über Nebukadnezar mit keiner Silbe in irgendeinen größeren Zusammenhang fasste, sondern sehr explizit sagte, dass sich die Deutung des Traums an eben jenem König erfüllen wird.
Ich meine, die Bibel ist ein wirklich dickes Buch, mit vielen, vielen Seiten und echt vielen Buchstaben. Da lassen sich ganz sicher noch andere mathematische Formeln finden. Man muss nur suchen.

Prophezeiungen der Bibel "erfüllen" sich also nicht nur, wenn sie sich "erfüllen", sondern bei ausreichend selektiver Betrachtungsweise sogar dann, wenn sie sich nicht erfüllen.
Man muss sich also selbst überreden, dass zu glauben, auch schon deswegen, weil so manche Prophezeiung in Wundertaten ihre Erfüllung fand, wie die Vorhersage der Sintflut, die ja durch Gottes Macht ausgelöst wurde, nicht durch natürliche Prozesse. Aber leider hat sie keine Spuren hinterlassen. Also müssen wir glauben, weil es uns gesagt wurde, und wir hören.
Und im Vortrag wird noch schwadroniert, dass der erste Weltkrieg nicht vorhersehbar gewesen sei. Die Verflechtungen der verschiedenen Länder und Herrschaftsgebiete war da, ebenso das Pulverfass im Balkan. Es hätte im Grunde auch ein anderes Event sein können, als die Ermordung des Kronprinzen, der in einer Ereigniskette den großen Krieg hervorbrachte. Natürlich hat man mehrfach versucht es abzuwenden, aber es wäre vermutlich so oder so ziemlich dicke gekommen. Wer weiß? Ein paar Wochen, Monate oder Jahre früher oder später. Die Weichen waren vielerorts schon gestellt, die Flotten bereit, die Nationen gerüstet.
Der Alltime-Favorite, dass in den letzten Tagen die Menschen Gotteslästerer sind, allezeit böse und die "gute Botschaft" (also der künftige Genozid durch das Engelsherr mit Jesus an der Spitze) auf der ganzen Erde gepredigt wird, kommt auch noch zum Schluss des Vortrags.

Das nächste Thema war "Die Frucht, die der Geist hervorbringt, ist Glaube"
Die Frucht, die Wissenschaft hervorbringt, ist Wissen. Zumindest mit einer gewissen Sicherheit. Glaube wiederum unterscheidet sich nicht von Wunschdenken. Wobei Wunschdenken meist einen selber betrifft, Glaube aber ist als Religion meist eine Massenveranstaltung. Also gibt es schon Unterschiede. Zitiert wird Hebräer Kapitel 11, Vers 1: "Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht." (Ich hab es jetzt mal aus der Lutherbibel 2017 genommen.) Vielen Menschen zu vielen Zeiten waren viele Dinge gewiss, auch wenn sie nie war wurden. Das Ende der Welt 2012, weil uns ein Planet rammen wird oder Außerirdische uns versklaven oder wir einen, wie auch immer gearteten Bewusstseinssprung in "höhere Dimensionen" machen. Das ist jetzt nur ein Beispiel. Für Esoteriker ist es eine Gewissheit, dass bestimmte Steine, wie Bergkristall oder Amethyst irgendwelche Superkräfte haben, dass eine Aussaat nach dem Mond zu besseren Ergebnissen führt, dass sie mit Engeln reden können, Lichtheiler sind, Sternzeichen Menschen charakterisieren, Homöopathie auch entgegen aller Evidenz wirkt, und das man das Quantenfeld mit positiven Gedanken beeinflussen kann. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt an unglaublich vielseitigen "Gewissheiten", die schon deshalb wahr sind, weil die betreffenden Personen nicht nur überzeugt sind, dass es so ist und es wirkt und das alles, sondern weil sie "es am eigenen Leib schon erfahren haben". Meist wird dabei Kausalität (etwas löst etwas aus) mit Korrelation (zwei Dinge passieren nacheinander, müssen aber nicht unbedingt miteinander zu tun haben) verwechselt. Und das ist bei den Glaubenssachen und Gott nicht anders. Das Gott, der Erschaffer des Universums, die Regeln eben jenes außer Kraft setzt und selbst eingreift, damit eins unserer Gebete erhört wird, hat recht wenig mit Demut, aber sehr wohl mit Wunschdenken zu tun.
Ich habe in einem Podcast von der Webseite der Zeugen mal ein Beispiel für Gottes Segen gehört. Irgendein Königreichssaal sollte auf eine entfernte Insel gesetzt werden. Erst gab es kein Grundstück, dann wurde dass aber erreicht. Logisch, Gottes Segen. Es war nicht die Anstrengung der Brüder und Schwestern vor Ort, sondern Gott. Das unterhöhlt die Opfer- und Arbeitsbereitschaft von Menschen. Wenn ihre Bemühungen nicht gesegnet worden wären, wer wäre dann verantwortlich? Würde man Gott dafür beschimpfen, dass er trotz Anstrengungen der Leute vor Ort, den Saalbau nicht möglich gemacht hätte? Und wenn nicht, warum nicht?
Egal. Jetzt brauchte man noch Sand für die Zementherstellung, aber niemand wollte den Zeugen Sand verkaufen. Gleichzeitig gab es eine Taifunwarnung und dieser Sturm steuerte genau auf die Insel zu, wo das Bauvorhaben war. Doch im letzten Moment dreht der Taifun ab und trifft die Insel nicht. Eine weitere gute Nachricht: Plötzlich gab es herbei geschütteten Sand ohne Ende, mehr als für das Bauvorhaben notwendig war. Der Videoausschnitt, in dem das beschrieben wird, stammt aus dem Januar 2016. Der genannte Taifun ist der Maysak (in den Philippinen Typhoon Chedeng) und war der vierte benannte Taifun der Saison, der der stärkste aufgezeichnete Taifun in der Zeit vor April wurde. Er formte sich am 26. März 2015 östlich von Mikronesien und wanderte in nordwestlicher Richtung auf die Philippinen zu. Dort traf er Anfang April auf die nördliche Hauptinsel Luzon.

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Die Landwirtschaft wurde extrem getroffen. 90 % der Bananen-, Brotfruchtplantagen und Getreidefelder waren zerstört auf Chuuk und Yap. Der Sturm zerstörte mindestens 830 Häuser und Wohnungen und 37 Geschäfte, machte damit 6.000 Menschen obdachlos. Die Stromversorgung brach zusammen und die Kommunikation wurde stark eingeschränkt. Laut dem Bericht der United States Agency for International Development (USAID) waren bis zu 29.000 Menschen direkt durch den Taifun betroffen und er verursachte auf diesen beiden Inseln einen Schaden von ca. 8,5 Millionen US-Dollar. Schätzungen des Roten Kreuzes zufolge gab es 5.000 Menschen, die dringend Nahrung, Wasser und Unterkunft benötigten und Nothilfe benötigten. Wasser wurde untrinkbar. Mindestens 11 Boote und Schiffe sanken oder wurden beschädigt. Und mindestens 4 Menschen starben. Ein Mann wurde von einem umstürzenden Baum getötet, ein Kind von umherfliegenden Trümmerteilen, eine andere Person wurde in Erdrutschen verschüttet, ein Neugeborenes starb, da man wegen umgestürzter Bäume nicht mehr rechtzeitig zum Krankenhaus kam.
Zwei Tage später erreichte der Taifun über dem Ulithi Atoll seine größte Kraft. Alle Anbaufelder waren zerstört, obwohl das Atoll nicht direkt getroffen wurde. Das Wasser wurde kontaminiert und Fruchtbäume knickten um. 18 Fischer strandeten auf den Inseln Pikolot und West Fayew, konnte aber nach dem Sturm wieder zurück.
Auf den Philippinen wurden vorsorglich 24.000 Menschen evakuiert. Viele Radiostationen, die während Ostern Urlaub machen, blieben auf Sendung, um die Bevölkerung über den Verlauf des Sturm zu unterrichten. Das Militär war in Bereitschaft, offizielle Warnungen gegeben. Strände waren gesperrt, Boote und Schiffe in die Häfen gerufen, 10 Flüge abgesagt. Laut dem Department of Social Welfare and Development wurden 300 Millionen philippinische Dollar (ca. 6,8 Millionen US-Dollar) zurückgelegt, um eventuelle Schäden auszugleichen. Ungefähr 28.000 Family Food Packs waren vorsorglich quer über Luzon in Warenhäusern eingelagert worden.
Der Taifun wurde merklich schwächer, während der die Philippinen traf, so dass das Land minimale Schäden zu verzeichnen hatte. Hohe Wellen und leichter Regenfall waren die Auswirkungen. Keine Großschäden und keine Toten waren gemeldet worden, vier Personen wurden aber verletzt. Die in der Aurora-Provinz gekenterte Fähre (5 Tote), ist laut philippinischer Küstenwache aber wohl wegen Überfüllung und unsachgemäßer Handhabung gekentert. Die See war ruhig, als das Unglück passierte.

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Das alles für den Bau eines Gotteshauses.
Gott nimmt also das Leben von potentiell mehreren tausend Menschen in Kauf für einen Königsreichssaal?
Warum soll ich den nochmal anbeten?

Wie wäre es, wenn wir einfach sagen, Gott hat weder an den guten, noch an den schlechten Dingen einen Anteil hat und das alles ist leider, leider ein Unglück, wie bei dem Turm von Siloam, auf den Jesus verweist (Lukasevangelium Kapitel 13, Verse 1-5).
Wenn sowas also Gottes Segen sein soll, was kann man da alles noch reinzählen und was lieber nicht?

Da ich sehr viel über den Sturm geschrieben habe, muss ich den Beitrag doch splitten.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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