Kritisches Denken




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Mo 31. Okt 2022, 10:09

Der regionale Kongress 2021 - Teil 7: Sonntag (Glaubensvorbilder)

Wir haben uns zum Sonntag vorgearbeitet.

Es folgte die Vortragsreihe "Nimm dir Frauen mit einem starken Glauben zum Vorbild ..." und es wurden uns verschiedene biblische Figuren vorgestellt. Keine einzige ist geschichtlich nachweisbar, aber wen stört das schon.

Beginnen wir mit Sara, die Frau Abrahams. Ihr wisst schon, der Typ, der seinen Sohn Gott opfern wollte. Sie schaute nicht zurück in das Land am Euphrat, aus dem sie kam und wo sie ein komfortables Leben hatte und zog mit ihrem offenbar stinkreichen Mann (er hatte zahlreiche Bedienstete und Vieh) nach Westen ins gelobte Land. Im Alter von über 70 Jahren verliebte sich der Pharao in sie und noch ein anderer Herrscher, für den ich jetzt zu faul bin, nachzuschauen. Und jedesmal wurde Abraham durch die Gaben der Männer, die beinahe den Beischlaf mit der alten Dame vollführt haben, reicher, damit er abwendet, dass Gott ihnen irgendwas dafür tut, dass sie im Grunde nichts schlimmes gemacht haben, da Abraham sich nicht getraut hat, zu sagen, dass sie seine Frau ist. Die beiden Könige waren also offenbar moralisch einwandfreier als Abraham. Komische Vorbilder, die die Bibel da gibt. Aber Sara wurde für ihren Glauben ja belohnt und hat 90-jährig noch Isaak bekommen. Eine weitere Anekdote, die wir einfach hinnehmen müssen.

Rahab wird ebenso als Vorbild genannt. Ihr wisst schon, die Frau, die zwei Spione einer feindlich gesinnten Nation aufgenommen hat und die Stadtwachen anlog, die diese beiden Spione verständlicherweise gesucht haben, um Schaden von der Stadt abzuwenden. Für ihren Verrat am eigenen Volk wurde sie und ihre Familie verschont und sie durfte zufrieden damit sein, dass alle Menschen, die sie bis dahin gekannt hatte, von der feindlichen Armee bis zum Kleinkind abgeschlachtet wurden. Ihr Glaube auf Gott beruhte auf der Erzählung vom Roten Meer, wo der Pharao ja mit seinem Heer ersoffen ist, während Moses und seine Meute trockenen Fußes auf der anderen Seite ankamen. Rahabs Geschichte beruht also auf den Verweis auf andere Geschichte, für die es keinen Nachweis gibt und auch damals nicht gab.
Denn wenn Ägypten seinen Herrscher mitsamt seinem Heer verloren hätte (selbst wenn es nicht alle Soldaten gewesen wären), dann wären fremde Völker in diese reiche und fruchtbare Gegend eingefallen und es hätte ganz sicher irgendwelche Zeugnisse dieser Übernahme gegeben, vermutlich so zahlreich, dass wir heute an der Historizität kaum Zweifel hätten. Zumal auch für die 10 Plagen kein Nachweis vorliegt, aber eine naturalistische Erklärung, wie es dazu gekommen sein könnte.

Ob die Autoren viele einzelne Erfahrungen zu einem Schreckensszenario komprimierten oder das Alte Testament eine gravierende Katastrophe (etwa die Minoische Eruption, genauer mehrphasige minoische Theraeruption (#1, #2)) beschreibt, bei der eine ökologische Kettenreaktion ablief, ist umstritten und wird verschieden interpretiert (#3). Einige Forschungen sehen eine realistische Möglichkeit, dass zumindest die ersten neun Plagen in der dargestellten Reihenfolge aufeinander folgten (#4).

  1. Wasser: Die Rotfärbung des Wassers und das Sterben ist vielleicht auf die roten Tiden (Algenart, z. B. der Gattung Alexandrum) zurückzuführen, die zugleich solche Giftmengen produzieren können, dass es zu massivem Fischsterben und Muschelvergiftungen kommt.
  2. Froschlurche: Der Nil war die Lebensader des ägyptischen Pharaonenreichs. Extreme Hochwasser und Dürreperioden brachten das sensible Ökosystem aber immer wieder aus dem Gleichgewicht, Sinkstoffe aus abessinischen Seen färbten den Nil rot: Der Nil wurde zu einem Seuchenherd. Noch heute lassen sich im Nil Mikroorganismen nachweisen, die Fischsterben und Stressreaktionen bei Fröschen auslösen können. Auch ein Vulkanausbruch könnte nicht nur sauren Regen, sondern auch toxische Substanzen nach Ägypten gebracht haben. Die Amphibien flohen in Scharen ans Land, wo sie bald durch Hitze und Austrocknung verendeten.
  3. Stechmücken: Durch das von den Algen ausgelöste Fisch- und Amphibiensterben fand die natürliche Regulation der Stechmückenbrut nicht mehr statt. Demzufolge entwickelten sie sich im Wasser des Nils ungehindert und wurden dann an Land zur Plage.
  4. Stechfliegen (Ungeziefer): Fliegenarten sind die Hundsfliege und Dasselfliege, die in Schwärmen das ganze Land überfallen.
  5. Viehpest, die durch die Insekten und Entzündungen durch offene Stichwunden übertragen wurden.
  6. Geschwüre (schwarze Blattern): Wie schon die Tiere, waren auch Menschen von dem Insektenbefall betroffen.
  7. Hagel: Vulkanische Tätigkeit bringt Asche und Schwefel mit sich und verändert auch das Wettersystem. Aber auch völlig unabhängig davon kann es heute in Ägypten in den Monaten Januar und Februar zu Hagelschlag kommen. Starke Gewitter mit Hagelstürmen hinterließen eine beeindruckende Schneise der Zerstörung.
  8. Heuschrecken: Heuschrecken waren und sind in den Ländern des Orients keine Seltenheit, zurück blieb nach den Heuschreckenschwärmen nur Ödland. Durch den Tod der Fische und Amphibien konnten auch sie sich ungehindert vermehren.
  9. Finsternis: Die Finsternis wurde durch vulkanische Asche, einen Glutwind oder einen dramatischen Sandsturm hervorgerufen. Auch Heuschreckenschwärme verdunkeln den Himmel.
  10. Erstgeborene: Forscher sahen in der Plage lange ein religiöses Symbol: Die Erstgeburt alles Bösen soll mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden – eine Floskel, die auch im Nilland seit Alters her bekannt war. Mitte der 1990er Jahre veröffentlichte der Epidemiologe des New York City Department of Health, John S. Marr, zusammen mit seinem Fachkollegen Curtis Malloy eine Hypothese, wonach sich die Todesfälle aus den Essgewohnheiten jener Zeit herleiten ließen. Demnach bekam der erstgeborene Sohn immer die erste und größte Mahlzeit vor den anderen Geschwistern, so auch das erstgeborene Tier, das in der Regel das dominanteste war. Durch die vorhergehende Katastrophe hätte sich ein Schimmelpilz (Aspergillus flavus, Stachybotrys atra oder Mutterkorn) im durchfeuchteten Getreide, das wegen der geringen Sonneneinstrahlung nicht durchtrocknen konnte, vor allem an der Oberfläche der damals in Krügen aufbewahrten Lebensmittel gebildet haben können, dessen toxische Stoffwechselprodukte, die sogenannte Makrozyklischen Trichothecene, eine tödliche Immunantwort in dem betroffenen Kind oder Tier ausgelöst haben könnte (#5, #6). Da die Israeliten feste Regeln für Nahrungsmittelhygiene in ihrem Passahmahl gehabt hätten, zu denen als wichtiger Teil auch ungesäuertes Brot gehörte, wären sie kaum bis gar nicht von der Vergiftung betroffen gewesen.
Eine mögliche Ursache, die alle Plagen erklären könnte, ist der Ausbruch des Vulkans Thera (#7) auf der Insel Santorin im 17. oder 16. Jahrhundert v. Chr. Der Zeitpunkt des Vulkanausbruchs wird unterschiedlich datiert, einige neuere 14C-Datierungen sprechen wiederum für die Jahre 1620 bis 1600 v. Chr. (entspricht der mittleren Bronzezeit, 2000 bis 1550 v. Chr.): Die 2006 gelungene Radiokohlenstoffdatierung des Astes eines vom Vulkanauswurf begrabenen Olivenbaums auf Thera (#8), der im November 2002 in der Bimsschicht der Insel gefunden wurde (#9), ergab ein Alter von 1613 v. Chr. ± 13 Jahre (#10, #11, #12, #13).

Bild
Verteilungszonen von vulkanischen Materials während der Eruption der Thera.

Damals wurde eine Wolke mit Bims und anderem Auswurfmaterial im östlichen Mittelmeerraum verteilt. Demnach könnte eine Kettenreaktion wie folgt abgelaufen sein:

  1. Wasser: Roter Bimsstaub aus der ersten Eruptionsphase wird nach Ägypten getragen, färbt das Wasser rot und verdirbt es.
  2. Frösche: Da das Wasser verdorben ist, müssen die Frösche den Fluss verlassen.
  3. Stechmücken: Dadurch, dass die Tiere im Nil tot sind, haben die Stechmückenlarven keine Feinde mehr.
  4. Stechfliegen (Ungeziefer): Die Fliegen können ihre Eier auf die toten Frösche ablegen und sich somit vermehren.
  5. Viehpest: Vermutlich entstand es durch den Genuss von verdorbenem Nilwasser.
  6. Geschwüre (schwarze Blattern): Entstand durch das verdorbene Nilwasser oder durch die Vermehrung von Insekten, welche Krankheiten übertrugen.
  7. Hagel: Der Vulkanausbruch bringt Asche und Schwefel mit sich und verändert auch so das Wettersystem.
  8. Heuschrecken: Vielleicht Zufall, vielleicht wurden die Heuschrecken auch durch Vulkanasche dazu gezwungen, zu wandern, und fraßen am Ende alles.
  9. Finsternis: Die Finsternis wurde vielleicht durch vulkanische Asche erzeugt.
  10. Erstgeborene: Vergiftung des Getreides durch Mutterkorn. Durch die Vorrangstellung der Erstgeborenen und gleichzeitigen Mangel an Nahrung aßen diese möglicherweise mehr von dem vergifteten Getreide als rangniedrigere Familienmitglieder.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung (auch Historische Exodus-Forschung genannt) werden zum Beispiel auch ägyptische Tempelinschriften über die Seevölkerinvasionen um 1200 v. Chr. herangezogen. Dabei werden neben dem Vulkanausbruch weitere Ursachen für die beschriebene biblische Katastrophe für möglich gehalten. Insbesondere der Pastor Jürgen Spanuth und der Archäologe Eberhard Zangger untersuchten entsprechende Hypothesen (#14, #15).

Zumindest bleibt, dass die Figur Rahab für ihren Verrat und ihren blinden Glauben damit belohnt wurde, dass ihre Nachkommen irgendwann einmal in der Ahnenreihe zu Jesus führen.

Zu Hanna, einer von zahlreichen Frauen, die keine Kinder bekommen konnten und - oh Wunder - dann doch schwanger wurden, kann ich nicht viel sagen. Sie soll aber für all jene stehen, die nach einem Gebet wieder klarer sahen und ruhiger wurden.

Das israelitische Mädchen, dass nach der Verschleppung der Juden zu dem Heerführer Naaman gebracht wurde, um dort im Haushalt zu dienen, hat die Wachtturm-Gesellschaft sogar einen Kinderkurzfilm gedreht, weil Sophie sich in der Schule nicht getraut hat, irgendeine ihrer Mitschüler zu indoktrinieren. Natürlich mit Happy End. Aber beim Kongress wurde nicht das Video gezeigt, es geht immerhin fast eine viertel Stunde. Und natürlich hat der vorher schwerkranke Naaman, nach der Wunderheilung den fremden Gott Jehova gepriesen und sich bekehren lassen. Ebenso, wie der König, der Daniel in die Löwengrube warf oder jener, der die drei Hebräer in den Ofen werfen ließ, aber sowohl Daniel als auch die drei Hebräer unversehrt blieben. Nicht das die Neuausrichtung des Staatsoberhauptes irgendwelche weitreichenden Folgen für die Religion des ganzes Staatsgebietes hätte. Ihr vermutet richtig. Auch dafür gibt es nicht einen winzigen Beweis.

Maria, die Mutter Jesu, ist die nächste, die aufgezählt wurde.

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Es wird noch die Phönizierin vorgestellt, die sich Jesus vor die Füße warf, weil ihr Kind krank war und sie sich eine Wunderheilung wünschte (ab Matthäus 15:22). Jesus lehnt erst ab, da sie keine Jüdin ist, lässt sich aber doch erweichen. Hätte dem Heiland auch ziemlich schlecht gestanden, die Bitte dieser hilflosen Dame einfach abzulehnen (was er ja tat) und dabei zu bleiben. Es hätte aber die Hassspirale von Religionen auch noch auf ein stärkeres biblisches Fundament gestellt, wenn der Sohn Gottes selbst, Ausländer so gering geschätzt hätte. Ist gar nicht so sehr das wichtige an der Frau hier. Der Vortragsredner führte noch ein wenig aus, dass offenbar jeder ein Feind sein kann, der über andere Informationen verfügt, als die Wachtturm-Gesellschaft und das nur die leitende Körperschaft durch den heiligen Geist befähigt ist, die Bibel korrekt auszulegen. Dann ist der Heilige Geist aber offenbar recht waage, was er wann preisgibt. Die Zeugen geben an, dass die Reinigung der Religion von falschen Lehren von 1914 - 1919 war. Trotzdem hat man noch Weihnachten bis 1926 gefeiert und noch Jahrelang die Pyramidenlehre vertreten. Bis in die 60er/70er war Exkommunizieren als teufliche Kontrollpraktik der Amtskirchen verrucht und auf keinen Fall biblischen Ursprungs. Jetzt schließt man Mitglieder aus, wenn sie homosexuell sind, etwas anderes Glauben oder Sex vor der Ehe hatten. Im Grunde der gleiche Stil nur mit anderem Namen. Beständig hatte man irgendwelche Enddaten am Start, bis man sich nach 1975 darauf einigte, lieber doch nichts mehr so genau zu sagen.
Das Wachstum sei nur durch Engel möglich. Dann aber muss man sich fragen, warum sie in den westlichen Ländern weniger erfolgreich sind, als in den lateinamerikanischen oder afrikansichen, wo das Wachstum deutlich stärker ist. In den westlichen Industrienationen oder den ehemaligen Staaten des Ostblocks ist das Wachstum schon seit Jahren nicht durch Bekehrung erklärbar, sondern die Stagnation lediglich durch den hauseigenen Nachwuchs bewerkstelligt. Auch wird erklärt, dass die leitende Körperschaft sich an den Lehren der Bibel orientiert, nicht an irgendwelchen Trends. Da empfehle ich die Lektüre meines Veggie-Threads, der sehr deutlich zeigt, wie sich die Ansichten zu vegetarischer und veganer Ernährung geändert haben und sich praktisch nicht vom jeweiligen Zeitgeist unterschieden: Über die Verteidigung eines Teilzeit-Vegetariers.

Dann kommt noch ein Vortrag über Martha, die Schwester des Lazarus, der ja als eines der wenigen Wunder von Jesus vor Zeugen von den Toten auferweckt wurde.
Beeindruckend, wenn es irgendeinen Nachweis dazu gäbe. Warum findet sich dieses Wunder nur in der Bibel? Wenn so viele Leute dabei waren, dann muss es auch außerbiblische Berichte geben, die in der Zeit entstanden sind. Einer der nach 3 Tagen von den Toten wiederkehrt, kommt ja nicht alle Tage vor. Von daher sind die in der Bibel beschriebenen Augenzeugen so viel wert, wie jene, die den Yeti oder Bigfoot oder Raumschiffe gesehen haben wollen.

Und am Schluss ging es um die Frauen von heute, die im Glauben als Vorbild dienen können. Ein Großteil der Predigtdienststunden wird durch diese durchgeführt und sie übernehmen einen guten Teil der geistigen Belehrung. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich würde diese Aussage für die plausibelste der ganzen Vortragsreihe halten.

#1 - P. Nomikou, T.H. Druitt, C. Hübscher, et al.: Post-eruptive flooding of Santorini caldera and implications for tsunami generation. Nature Communications volume 7, Article number: 13332 (2016), S. 1–10 (Volltext Auf: nature.com)

#2 - Nicoletta Adams: Der Thera-Vulkan (Santorin/Griechenland) - seine lithologische, vulkanologische und geochemische Entwicklung. Dissertationsschrift, Eberhard-Karls Universität, Tübingen 1987 (Volltext Auf: epic.awi.de) hier S. 136 f.

#3 - Siro Igino Trevisanato: The Plagues of Egypt. Archaeology, History and Science Look at the Bible. Euphrates, Piscataway NJ 2005, ISBN 1-59333-234-3.

#4 - Joachim Friedrich Quack: Gibt es in Ägypten schriftliche Quellen zum Thera-Ausbruch? In: Harald Meller, François Bertemes, Hans-Rudolf Bork, Roberto Risch (Hrsg.): 1600 – Kultureller Umbruch im Schatten des Thera-Ausb ruchs? 4. Mitteldeutscher Archäologentag vom 14. bis 16. Oktober 2011 in Halle (Saale) (Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 9), Halle 2013, S. 221-233 (auf archiv.ub.uni-heidelberg.de)

#5 - www.visionjournal.de (Memento vom 19. Dezember 2014 im Internet Archive)

#6 - www.schimmel-schimmelpilze.de

#7 - Barbara J. Sivertsen: The Parting of the Sea: How Volcanoes, Earthquakes, and Plagues Shaped the Story of Exodus. Princeton University Press, 2009, ISBN 978-0-691-13770-4 (online: Auszug zum Thema (Memento vom 22. Januar 2013 im Internet Archive))

#8 - Neu datiert – In der Zeitrechnung der Antike fehlen 100 Jahre. Wissenschaftler verlegen den Ausbruch von Santorin deutlich vor. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 27. April 2006, abgerufen am 2. Mai 2011.

#9 - Walter L. Friedrich: Feuer im Meer. Der Santorin-Vulkan, seine Naturgeschichte und die Atlantis-Legende. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, München 2004, ISBN 3-8274-1582-9, S. 86.

#10 - Friedrich W. L., Kromer B., Friedrich M., Heinemeier J., Pfeiffer T., Talamo S. (2006): Santorini eruption radiocarbon dated to 1627–1600 BC. In: Science 312 (5773), S. 548–548; doi:10.1126/science.1125087

#11 - Charlotte L. Pearson, Peter W. Brewer, David Brown, Timothy J. Heaton, Gregory W. L. Hodgins, A. J. Timothy Jull: Annual radiocarbon record indicates 16th century BCE date for the Thera eruption. Science Advances. 15. August 2018, Vol. 4, no. 8, eaar8241

#12 - Volker Jörg Dietrich: Griechenland im Feuer – von Prometheus zum Feuerteufel. Zusammenfassung des Vortrags vom 26. Februar 2013, S. 25–44 PDF; 15,9 MB, 20 Seiten hier S. 35–39

#13 - Věra Klontza-Jaklová: Datierung der Katastrophe von Santorini. Kurze Zusammenfassung des bisherigen Standes der Forschung und vorherrschende Tendenzen. Forschungen und Methoden vom Mittelmeerraum bis zum Mitteleuropa. Anodos – Supplementum 4, Januar 2008, 13-57.13 (auf researchgate.net)

#14 - Eberhard Zangger: Ein neuer Kampf um Troia. Archäologie in der Krise. Droemer Knaur, München 1994

#15 - T. Novikova1, G. A. Papadopoulos, F. W. McCoy: Modelling of tsunami generated by the giant Late Bronze Age eruption of Thera, South Aegean Sea, Greece. Geophys. J. Int. (2011) 186, 665–680 doi: 10.1111/j.1365-246X.2011.05062.x (auf watermark.silverchair.com)
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Mi 2. Nov 2022, 17:14

Der regionale Kongress 2021 - Teil 8: Sonntag (Schlussvortrag)

Damit ist der Vormittag erledigt. Aber es gab ja noch einen zähfließenden Nachmittag.

Der hatte aber nur noch einen Schlussvortrag, bzw. ich habe nur über diesen Notizen. Das Thema lautete "Werde stark durch deinen Glauben".
Denn wir erfahren gleich am Anfang, dass die Kraft des Glaubens stärker ist, als die des Körpers. Aber wenn der Glaube so stark ist, dass er Berge versetzen kann, warum geschiet das nie? Sicherlich kann man sich, wie Zeugen es machen, herausreden und sagen, Gott wirkt ja heute keine Wunder mehr. Gleichzeitig wird von Gottes Segnungen gesprochen, wenn irgendein Projekt "wider erwarten" doch fertiggestellt werden kann. So gibt es in einem der Broadcastings (ich habe mir die Nummer nicht gemerkt und meine Zeit ist mir zu kostbar, dass ich die jetzt alle nachschaue) eine Anekdote über den Bau eines Königreichssaals auf einer Insel, bei denen die Zeugen nur noch Sand für den Zement brauchten, aber keiner den Sand für die hergeben oder verkaufen wollte. Aber, wie durch ein Wunder, wurde durch einen Tropensturm soviel Sand angetrieben, dass der Königreichssaal gebaut werden konnte. Darin sehen die Zeugen dieses Berichts eine Segnung Gottes. Im gleichen Tropensturm starben übrigens 17 Menschen. Gott bleibt sich also treu, wenn er zum Wohle einiger das Leben vieler aufs Spiel setzt. Ich finde, dass ist ein ziemlich seltsames Bild von Wundern und Segnungen, wenn man dabei die negativen Aspekte so sehr ausblendet. Aber es wird eben, wie in diesem Beispiel ständig von neuzeitlichen Wundern gesprochen. Obwohl es auch Doktrin ist, dass es keine mehr gibt.

Dann gibt es die üblichen Klassiker. Glauben durch Schöpfung entwickeln. Die Uhrmacher-Analogie wird gleich zweimal hintereinander bemüht. Häuser haben sich ja nicht selbst entworfen und gebaut, wird da als Beispiel gebracht. Design benötigt ja einen Designer. Gutes Beispiel. Das können wir gleich mal verwenden. Muss dieser Designer intelligent sein? Offenbar nicht. Schnecken bauen ihre Schneckenhäuser. Schneckenhäuser sind also designt. Aber Schnecken haben nicht mal ein zentrales Gehirn und zu den hellsten würde man sie auch nicht gerade zählen.
Zweites Beispiel: Wenn wir Farbe an die Wand spritzen, entsteht dabei nicht zufällig eine Karte von New York. Auch richtig, aber als Vergleich genauso falsch, wie das Haus. So wie alle Uhrmacher-Analogien. Eine Uhr, ein Haus, eine Karte werden zu einem bestimmten Zweck gemacht. Sie sollen, wenn sie fertiggestellt sind, eine bestimmte Funktion erfüllen und jemand geht mit einem Plan an die Sache und erschafft es, damit es diese Funktion hat, die es dann erfüllen soll. Um also einen intelligenten Designer aller Dinge in der Natur zu belegen, müsste man nicht nur sagen, dass er etwas gebaut hat, sondern auch, zu welchem Zweck. Außerdem müsste man belegen können, dass das Tier oder die Pflanze oder jedweder andere Organismus genauso erdacht war, wie er jetzt vor einem steht, liegt, sitzt, schwimmt. Das gebaute Haus sollte ja so sein. Die New York Karte soll so aussehen. Die Uhr soll ja die Zeit anzeigen.
Man versucht hier einen Plan mit dem Planer zu beweisen. Und gleichzeitig einen Planer mit dem Plan. An der Uhrmacher-Analogie sind noch andere Sachen falsch. Zum Beispiel, dass zum Erkennen, dass das Haus gebaut und die New York Karte gemalt wurde, kein Erkennen von Intelligenz - ob spezifisch oder nicht - gar nicht nötig ist, sondern Erfahrungswissen ausreicht. Wir wissen, dass Häuser gebaut werden, weil wir alle Schritte davon nachvollziehen und sogar selbst durchführen könnten. Das gleiche gilt für alle anderen Sachen, von denen wir ganz sicher sagen können, dass sie geschaffen wurden. Uhren, Autos, Karten, Kleidung, etc. Das trifft auf Lebewesen nicht zu, auch wenn es Craig Venter es geschafft hat, Erbgut herzustellen und in eine Zelle einzupflanzen, aus der dann eine lebensfähige Bakterie entstand. Ich kenne jetzt seinen psychologischen Zustand nicht, aber er wird vermutlich niemanden in einen Schwefelsee zur ewigen Abschneidung werfen, weil man ihn nicht anbetet. Und nein, dass es Menschen nur unter hohem Aufwand gelungen ist, ein künstliches Genom zu erstellen, ist kein Beweis, dass es auf natürlichem Wege nicht geht.

Es wird auch die Mär verbreitet, dass die Bibel nie revidiert werden musste. Sollte sie aber dringend. Denn für ein brauchbares, offenes Weltbild war sie damals schon nicht geeignet. Und die Dinge, die sich mit modernen Erkenntnissen beißen, müssen immer allegorischer ausgelegt und gedeutet werden. Selbst die eigene Doktrin muss sich neue Definitionen für allgemein verwendete Begriffe wie "Generation" einfallen lassen, um ihren 1914-Claim irgendwie aufrecht zu halten. Genaueres im ersten Beitrag.
Dann wurde gefragt: "Wie sollen wir glücklich oder geliebt fühlen, wenn ein Affe unser Vater ist?" Was ist das für eine dumme Frage. Auf so vielen Ebenen. Sie ist nicht nur nicht stimmig mit dem wissenschaftlichen Stand der Evolutionstheorie. Der Affe ist nicht unser Vorfahre, sondern wir haben gemeinsame Vorfahren. Das wird vermutlich nie ankommen. Sie stimmt aber auch in anderen Punkten nicht. Hinter der Aussage, dass die erdgeschichtliche und paläontologisch nachweisbare Ahnenreihe unserem Leben keinen tieferen Sinn gibt, steckt lediglich die Forderung, dass es diesen Sinn geben soll. Aber das beweist doch nichts. Und dann spricht man auch noch allen, die nicht an Gott glauben, mit dieser Frage ab, dass sie sich glücklich und geliebt fühlen. Wenn das für diese Christen so ist, dass sie ihrem Leben und ihren vor ihnen stehenden Freunden und Familienmitgliedern weniger Wert einräumen, als ihrem imaginären Freund in den Wolken, dass ist das deren Sache. Aber anderen ihre Lebensqualität absprechen ... WOW.

Aber das ich an dieser Idee zweifel, ist logisch. Denn Zweifel ist ein Werkzeug des Teufels. Wurde so gesagt. Und als Totschlagargument ist das supertauglich. Immer wenn man das Gegenüber von seinen übernatürlichen, unbeweisbaren Aussagen nicht überzeugen kann, dass ist nicht das mangelhafte Erklärungsmodell schuld, sondern der Teufel hat Zweifel in diesem zu Konvertierenden gesät. Was abermals auf die Schwäche Gottes hinweist, denn gerade sowas müsste er ja wegwischen können, da er ja alle aus den Fängen Satans befreien und ins Paradies bringen will. Das ist ja sein erklärtes Ziel. Und es führt zu einem Zirkelschluss, ebenso wie die Aussage, dass der Teufel die Menschen glauben macht, dass es ihn nicht gibt. Denn wenn, nach dieser Zirkellogik, an der Existenz des Teufels zweifel, dann beweist das, für den so Argumentierenden ja, dass es den Teufel gibt, da dieser Teufel mir einredet, dass es ihn nicht gibt. Nur tatsächlich bewiesen wird dadurch nichts.
Die negativen Nachrichten über Zeugen Jehovas sind immer von Abtrünnigen, Geistlichen oder Politikern beeinflusst. Das kann man nicht in Abrede stellen, aber genauso gut könnte man sagen, dass physikalische Beschreibungen von Physikern beeinflusst werden. Wer eine Aussage äußert, sagt nichts über deren Wahrheitsgehalt aus. In der Welt der Zeugen Jehovas sind Abtrünnige, Geistliche und Politiker aber Feindbilder, die immer wieder heraufbeschworen werden. Politiker sind Staatsmänner und oft durch wirtschaftliche Interessen gebunden oder paktieren mit der Religionsmehrheit ihres Landes. Also böse. Die Geistlichen sind Mitglieder von Babylon der Großen, dem Weltreich der falschen Religionen. Also böse. Und Abtrünnige haben sich, obwohl sie Gottes Liebe und seine geistige Belehrungen verspüren durften, von ihm und seiner irdischen Organisation abgewandt. Also böse. Die Einteilung in Wir gegen Die und Gut gegen Böse ist einfach und löst einige Probleme. Zum Beispiel nach Ursachen schauen.
Jahrelang wurde herumgejammert, dass über 500 Brüder in Südkorea im Gefängnis saßen, weil sie den Wehrdienst aus Gewissensgründen verweigerten. Südkorea hat erst seit letztem Jahr aktiv einen Alternativdienst zum Dienst an der Waffe im Angebot. Es wurde Jahrelang erzählt, dass diese Brüder wegen ihrem Glauben einsitzen. Böse Südkoreanische Regierung. Ne' eben nicht. Wenn man sich die politische Lage Südkoreas und seiner Nachbarn anschaut, kann man nachvollziehen, warum es so lange gedauert hat, dass sie eine Alternative für die Wehrpflicht eingeführt haben. Wenn der 3. Weltkrieg irgendwo ausbrechen sollte, wird die Grenze zu Nordkorea einer der größten Krisenherde werden. Beide Staaten, Nord- und Südkorea, beanspruchen für sich, für das ganze koreanische Volk zu sprechen. Und zwischen beiden Staaten gibt es seit Ende der aktiven Kampfhandlungen des Koreakrieges 1953 keinen Friedensvertrag. Im Grunde ruhen die Waffen lediglich seit knapp 70 Jahren. Zudem sind weitere, auch aggressiv agierende Nachbarn China und Russland. Das Südkorea also quasi immer in Alarmbereitschaft ist und ein möglichst gut ausgebildetes Militär haben möchte, sollte nicht verwundern. Wenn man nur mal über den Tellerrand der eigenen Glaubensgemeinschaft hinausschauen würde. Denn es saßen ja nicht nur Zeugen ein, sondern jeder, der den Wehrdienst verweigerte. Es ist auch keine unterschiedliche Behandlung der Inhaftierten statistisch nachweisbar. Wer dem Einberufungsbefehl nicht Folge leistet, sitzt im Schnitt 18 Monate und bekommt einen Eintrag ins Vorstrafenregister. Wehrpflichtig sind dort alle Männer zwischen 18 und 28 Jahren. Frauen können freiwillig rekrutiert werden. Mit Religion hat das also gar nichts zu tun.
Auch in anderen Teilen der Welt werden sie als religiöse Minderheit unterdrückt, schickaniert oder eingesperrt. Das ist tragisch, keine Frage. Aber es unterscheidet sie nicht von anderen religiösen Minderheiten in diesen Gebieten. Die machen alle das gleiche durch. Bleiben also nur noch die Abtrünnigen. Aber warum wird man abtrünnig? Viele haben sicher ihren Glauben verloren, dass das die wahre Religion ist, weil sie persönlich von irgendeinem enttäuscht wurden oder eine Entscheidung der Ältestenschaft nicht akzeptieren wollen. Aber Obacht, oft auch, weil sie bestimmte Dinge für unbiblisch halten. Nicht jeder, der die Zeugen verlässt, verlässt Gott. Das wird in der Zentrale natürlich dementiert und deswegen auch so in die einzelnen Versammlungen getragen. Und innerhalb dieser hört man dann "Wir wissen, dass wir die Wahrheit haben. Denn wenn wir feststellen würden, dass wir sie nicht haben, würden wir dieser Religion nicht mehr nachfolgen." So und so ähnlich schon gehört. Nur ist das gesellschaftliche Gefüge sehr restriktiv, die meisten Freunde hat man in der Versammlung. Man verliert also nicht nur die Gottesdienste, wenn man aussteigt, sondern auch sein ganzes soziales Umfeld, wenn man außerhalb niemanden kennt. Ich habe keine Statistik parat, aber ich denke, dass der ein oder andere, wie ich einst, nur mitlaufen, aber innerlich schon abgeschlossen haben. Nur die Freundschaft zu Bruder oder Schwester X halten sie noch drin und die Angst, dass alle ihre Freunde den Kontakt vermeiden, wenn man aussteigt. Und genau da ergibt die Aussage ja keinen Sinn mehr. Denn wenn einer aussteigt, weil er denkt, dass sei nicht die wahre Religion und er habe was besseres gefunden, ist er ja für die die drin bleiben, genauso fehlgeleitet, wie die die aus anderen Gründen gehen. Woher dann dieses Urteil?
Und kommen wir nochmal zurück, dass negative Nachrichten von Abtrünnigen, Geistlichen und Politikern beeinflusst werden. Ich hatte ja schon dargelegt, dass mit der Quelle der negativen Nachricht, ja noch nichts über deren Richtigkeit gesagt ist. Negative Nachrichten können wahr sein, egal, wer sie ausspricht, trifft auf positive ja auch zu. Wieso sollte die eigene geistige Führerschaft auch eingestehen, dass man jahrzehntelang beim Thema Kindesmissbrauch auf ganzer Linie versagt hat und beim Vertuschen dieser Vorfälle den Vergleich mit der katholischen Kirche nicht scheuen braucht. Als die Royal Commission in ihrem Abschlussbericht 2017 z.B. 4400 Missbrauchsfälle bei der katholischen Kirche und 1601 bei den 762 Versammlungen der Zeugen Jehovas im Staatsgebiet Australien offengelegt hat, war das definitiv eine negative Nachricht. Aber wo haben die die Daten her und warum war der Fall so wichtig, dass Geoffrey William Jackson, aktuelles Mitglied des obersten Führungskremiums, der leitenden Körperschaft, sich dort vor der Kommission einfand? Die Royal Commission hat die Akten von den jeweiligen Religionen erhalten. Dass heißt, die negativen Nachrichten waren die ganze Zeit schon da, in verschlossenen Archiven. Aber die Royal Commission, ein nicht religiöses Kremium, besetzt mit Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Konfessionsloser, hat einen riesigen Bericht zu mehr als 100 verschiedenenen Religionen und ihrem Umgang mit Kindesmissbrauch verfasst und dabei haben die Zeugen - um es vorsichtig auszudrücken - nicht gerade gut abgeschnitten. Offenbar liegt das Problem also nicht darin, dass es diese Vorfälle gibt, sondern dass sie nun bekannt wurden. Auch statistisch steht man da natürlich blamabel da. Zwar hat die katholische Kirche ca. 3x so viele Missbrauchsfälle, aber mit ca. 25.000.000 sich dem katholischen Glaubensbekenntnis zugeordneten Bürgern auch ca. 300x mehr Mitglieder (ca. 67.500 Zeugen Jehovas). Es ist also statistisch gesehen 100x wahrscheinlicher, Missbrauchsopfer bei den Zeugen zu werden, als bei den Katholiken. Was sagt uns das über die "wahre Religion"?

Aber wenn ihr auf mich hört oder ich damit Zweifel in euch gesät habe, dann folgt ihr nicht dem Rat der Organisation. Man soll nicht mit Abtrünnigen reden. Es wird mit dem Zuführen verdorbener Nahrung verglichen (Daniel 1:8). Hm ...

Von Daniel erfahren wir auch, dass selbst so treue Glaubensmenschen immer wieder verschiedensten Druck ausgesetzt war. Die Berater König Darius' sollen ein Dekret verfasst haben, dass es für 30 Tage verbietet, irgendeinen anderen Gott als Darius den Gott-König anzubeten (Daniel Kapitel 6). Als Daniel das erfuhr, ging er in seine Kammer und betete bei offenem Fenster, worauf die Berater, seine Feinde, etwas gegen ihn vorbringen konnten. Das führte dann zu dem Mythos mit der Löwengrube. Auch heute stehen treue Anbeter Jehovas in verschiedenen Situationen unter Druck, am Arbeitsplatz, in der Schule, aber auch in der Versammlung (geistig schwache Individuen) oder in der Familie. Besonders in einem Haushalt, indem nicht alle Zeugen Jehovas sind (2. Timotheus 3:12). Diesen Druck habe ich auch verspürt. Aber nicht weil irgendwer mich davon überzeugen wollte, dass diese Anbetung Quatsch ist, sondern weil ich trotz dieses Wissens einen Haufen Zeug mitgemacht habe. Ich habe Zeit und Kraft aufgewendet, mich dort anzupassen. Ich war in den meisten Zusammenkünften, auf allen Kongressen, bei zwei Predigtdienstaktionen in Berlin, bei einer Saalrenovierung und sogar im Bethel. Welchen Druck hat meine Frau also in unserem geteilten Haushalt erdulden müssen? Wieviele andere Ehepaare leben in einer solchen "Kompromissgemeinschaft", wo einer Kompromisse macht?

Es folgt Matthäus 21:21, die Sache wo Jesus erklärt, dass Glaube Berge versetzen kann, wenn man nur nicht zweifelt. Da bisher keine Berge herumfliegen, scheinen alle zu zweifeln oder die, die nicht zweifeln, werfen nicht mit Bergen um sich. Dann sieht man wieder in Daniel 2:44 und 7:26, dass das Ende nah ist, denn die Prophezeiungen erfüllen sich genau. Stimmt zwar nicht, aber soll einen Zeugen an der Stelle nicht mehr stören. Obwohl stimmt irgendwie schon, aber halt seit ... äh ... schon immer. Wir müssen uns also an Daniel 12:13 halten und unseren Weg mit Gott bis zu Ende gehen. Und dabei steht uns die Erbsünde in uns im Weg und Satan und seine Dämonen mit seiner von ihm im Hintergrund geführten Welt natürlich auch.

Wie hält man eigentlich auseinander, welche Ursache eine Sünde oder ein falscher Gedanke hat? Was macht die Erbsünde, was Satan? Und wie beweist man die Erbsünde? Und wie beweist man die Existenz Satans? Ach, so viele Fragen und keine plausiblen Antworten.

Einen Brüller habe ich zum Abschluss dieses Kongresses aber noch notiert.
In Hesekiel 38 wird Gogs Angriff auf die Anbeter der wahren Religion beschrieben. Gog ist dabei Satan und der Zusammenschluss der staatlichen Gewalten, nachdem diese Babylon die Hure vernichtet haben und nur noch die Zeugen übrig sind. Armageddon wurde in den Schlussworten als Rettungsaktion beschrieben. Ich halte diese Bezeichnung für so unglaublich verfehlt. Es ist euphemisch, ja geradezu zynisch den Massenmord an 7,8 Milliarden Menschen (in Zukunft noch mehr) als Rettung zu bezeichnen. Es wäre noch vor der Sintflut der größte Genozid, den Gott je durchgezogen hat.

Gepriesen sei ... die Vernunft.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Mi 9. Nov 2022, 23:57

Jehovah's Witness purity video has terrible advice on sexual harassment | Lloyd Evans (9:45 min, engl.)

Die Wachtturm-Gesellschaft kann nicht zwischen aufkeimenden, jugendlichen Gefühlen füreinander und sexueller Nötigung unterscheiden.
Und anstatt die jungen Menschen darüber aufzuklären, dass es in solchen Fällen besser ist, die Autoritäten einzuschalten, um solches Verhalten der Täter auch gegenüber anderen einzuschränken, werden sie aufgefordert, darüber nachzudenken, was es für sie und ihre Beziehung zu Gott bedeutet. Als ob es reichen würde, einfach eine gute Person zu sein. Damit ändert der Täter aber nichts und er wird auch nicht zur Verantwortung gezogen. Gleichzeitig aber wird durch die Hintertür erklärt, dass es sich hierbei um voreheliche Liebesbeziehung handeln würde, wofür man ausgeschlossen werden kann. Wow.
Llyod Evans erklärt es noch ein bisschen besser an den im Video gezeigten Beispielen.


https://www.youtube.com/watch?v=rfKFISf03js
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Mo 14. Nov 2022, 21:16

Jehovah's Witnesses schooled on how to "draw" people into conversations | Lloyd Evans (8:38 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=Ymn4PJvWayc

Nur noch mal langsam zum Mitschreiben:
Eine Konversation von Zeugen Jehovas an der Tür, hat nichts, aber auch gar nichts mit persönlichem Interesse zu tun. Jeder Satz, der in diese Richtung deutet, ist lediglich dazu da, dich effektiver zu einem Bibelstudium mit anschließender Mitgliedschaft zu überreden. Es geht nicht darum, eine Freundschaft zwischen Bibellehrer und Schüler aufzubauen, auch wenn sich das im Prozess des Bibelstudiums ergeben kann. Es geht darum, jemanden zu einem Zeugen Jehovas zu machen. Das Interesse an einer Person gilt nicht dem gegenseitigen Austausch von Ansichten, schon gar nicht auf Augenhöhe. Es geht darum, dass der Prediger deine Ansichten kennenlernt, um sie in irgendeiner Art und Weise als Hebel für seine "Argumente" zu verwenden. Wenn man sich als leidenschaftlicher Handwerker zu erkennen gibt, wird wohlmöglich das "Design" in der Schöpfung Hebelpunkt sein, wenn man von den Amtskirchen enttäuscht ist, wird man auf die wahre und die falsche Religion zu sprechen kommen.
Sie haben eine ganze Sektion in der Versammlung unter der Woche, in der sie lernen mit Überzeugung vorzulesen, Bibelstellen zu betonen und auf Einwände einzugehen. Alles mit dem Ziel des "Jüngermachens". Sie werden geschult, Konversationen zu führen und sie werden dazu angehalten, es bei jeder Gelegenheit zu tun, die sie als passend erachten. Nicht nur beim Haus-zu-Haus-Dienst, sondern auch beim Flanieren durch Gartenanlagen, Parks, bei ihren Trolley und Ständen und im Wartezimmer beim Arzt, im Pausenraum auf Arbeit und und und.

Gehört man dann dazu, spricht man vermutlich auch auf Augenhöhe. Bis dahin ist man der zu Belehrende. Daran ändert auch keine noch so gute Chemie zwischen dem Zeugen und dem Interessierten etwas.
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » So 20. Nov 2022, 17:05

How The Bible Supports Slavery | CosmicSkeptic (23:06 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=mqU_ApL5siw
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Mi 23. Nov 2022, 09:21

Jehovah's Witnesses trained to defend their homophobia in the workplace | Lloyd Evans (8:00 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=VcDCXx8hr1Q

Auch mir ist beim Schauen sofort die Ironie aufgefallen. "I will don't force my believe on you." Wirklich? Warum gehen Zeugen Jehovas dann predigen? Ihre ganze Religion ist darauf aufgebaut, dass sie anderen ihren Glauben aufdrücken. Und das jeder das Recht hat, selbst über seinen Lebensweg zu bestimmen, wird in der Doktrin auch nicht gelebt. Man hat die Wahl zwischen "Folge Gott / Werde ein Zeuge Jehovas und lebe." oder "Stirb in Armageddon." Alles aus dem Mund der Dame ist hahnebüchener Unsinn. Man kann es kaum glimpflicher ausdrücken.
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Sa 26. Nov 2022, 01:05

Deceiving the Truth | AronRa (16:36 min, engl.)

Lasst euch nicht von der Qualität der Videoaufnahme abschrecken.
Es ist unglaublich interessant, wie er die Frage: "Wenn das Christentum die Wahrheit wäre, würdest du es glauben?" beantwortet.
Ich würde wahrscheinlich sagen: "Wenn es wahr wäre, müsste ich es nicht glauben. Denn man könnte es nachweisen und würde es wissen, nicht glauben."
Und wenn es wahr wäre, würde ein übernatürlicher Despot über uns herrschen. Ob das besser wäre ...


https://www.youtube.com/watch?v=_VTk7Y57g98
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » So 27. Nov 2022, 23:02

13 More Bible Contradictions | Holy Koolaid (15:26 min, engl.)

Das ältere Video, dass er hier anspricht, habe ich ebenfalls schon einmal eingebettet:
... 062, 26.11.2021: Video: 12 Contradictions in the Bible | Holy Koolaid (12:41 min, engl.)

Nun also 13 weitere Widersprüche in der Bibel.


https://www.youtube.com/watch?v=Bw1ln7rJRXU
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » Mi 30. Nov 2022, 20:17

Donall and Conall Meet the JWs | LutheranSatire (4:22 min, engl.)


https://www.youtube.com/watch?v=__7t_bGI8oo

Jehovas Zeugen benennen Gott also nach einem Namen, der verwendet wurde, um genau eben nicht den Namen Gottes zu verwenden.
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Re: Kritisches Denken

Beitragvon almafan » So 4. Dez 2022, 20:59

Einfach noch mehr Fragen, die du einem Zeugen Jehovas stellen kannst

Die älteren Parts dieser, nie so erdachten Artikelreihe sind hier zu finden:
... 064, 30.11.2021: Fragen, die du einem Zeugen Jehovas ruhig stellen kannst
... 067, 11.12.2021: Weitere Fragen, die du einem Zeugen Jehovas ruhig stellen kannst
... 084, 06.05.2022: Noch mehr Fragen, die du einem Zeugen Jehovas ruhig stellen kannst

Ich habe tatsächlich noch ein paar Fragen mehr gefunden. Vielleicht sind darunter auch einige, über die ihr noch nie nachgedacht habt. Ich werde es diesmal nicht in einer Dialogform verpacken.

Woher weißt du, dass das die Wahrheit ist?

Manchmal wird diese Frage im Haus-zu-Haus-Dienst gestellt und in der Regel damit beantwortet, dass in der wahren christlichen Gemeinschaft, Liebe unter allen Brüdern herrscht und dass sich Anbeter der wahren Religion nicht in Kriegen einmischen. Und Zeugen Jehovas seien die einzigen, die das so machen. Das ist natürlich Quatsch, denn auch andere Religionen verweigern den Dienst an der Waffe und auch andere Glaubensgemeinschaften haben Liebe untereinander. Das kann also nicht das Alleinstellungsmerkmal sein. Reflexartig wird natürlich ausgepackt, dass dieser oder jener oder jene Religion doch in irgendwelchen Kriegen beteiligt war. Damit kann man freilich nicht alle knapp 10.000 christlichen Ausprägungen des Christentums gleichziehen. Und auch unter den Brüdern in den Versammlungen gibt es Zwist und Neid und Feindschaft. Geht aber klar, weil da ist es nur die Unvollkommenheit des Einzelnen. Warum diese Ausrede nicht auch für die anderen Relgionen gilt? Hm ...
Wenn man aber etwas privater nachfragt, z.B. im Familien- oder Bekanntenkreis, kann das Ergebnis vielleicht ganz überraschend sein, weniger konditioniert. Einige wünschen sich einfach so sehr, dass es wahr sein muss, weil sie das Ziel dahinter sehen.
Es kann aber auch sein, dass die ehrliche Antwort des Befragten ist, dass es eigentlich egal ist, ob es wahr ist oder nicht, denn man hat das beste Leben gelebt, dass es gibt, selbst wenn es nicht wahr sein sollte. Und wenn es wahr ist, gibt es ewiges Leben im Paradies oben drauf. Ein bisschen wie bei Pascals Wette.

Diese Aussagen müssen nicht wahr sein, es sind Generalisierungen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass es da nicht mindestens ein paar gibt, die so denken.

Wenn du bereits intern bist und diese Frage deinen "Freunden" stellst, kann es auch sein, dass es die Frage gar nicht verstanden wird. Dann kommt das Gegenargument: "Du weißt doch bereits, dass es wahr ist." Ja eben offenbar nicht. Sonst gäbe es diese Frage nicht. Der Fragende will ja gerade darauf eine Antwort haben, also ist es nicht klar. Oder "Du weiß doch, was wir antworten würden?" Nein, offenbar nicht. Und selbst wenn, das wäre die offizielle Erklärung. Warum glaubt derjenige, den ihr befragt, warum es die Wahrheit ist?
Vielleicht wird es auch als satanisches Gedankengut abgehandelt, diese Zweifel überhaupt erst zu zeigen. Denn der Teufel säht Zweifel. Nur ist es halt merkwürdig, dass man an der Wahrhaftigkeit seiner bisherigen Weltanschauung zweifeln soll, um von der "biblischen Wahrheit" überzeugt zu werden, aber nicht an der "biblischen Wahrheit" zweifeln darf, weil das nur Einflüsterungen vom Teufel sind.

..

Was würde dich davon überzeugen, dass es nicht die Wahrheit ist?

Diese Frage baut auf der anderen auf.
Und diese Frage ist schon interessant, denn es sollte irgendeine Art Antwort geben können. Zumeist vermutlich ein "Nichts kann mich davon überzeugen. Es ist die Wahrheit!" Aber wenn du mit einem sprichst, der möglichst offen und ehrlich diese Frage analysiert, kann es zu anderen, weniger einprogrammierten Antworten kommen. Vielleicht sollte man bei einer solchen Antwort, also "nichts" auch fragen, wie es aussehen würde, wenn man herausfindet, dass die leitende Körperschaft einen Sexring unterhält und man für die Spendengelder - keine Ahnung - blutjunge Mädels aus Asien kauft und einfliegen lässt. Natürlich wäre die erste Reaktion, dass sowas nie geschehen würde, aber es ist ja auch als hypothetischer Fall gedacht. Eine mögliche Antwort wäre, dass es nicht seinen Glauben an Jehova zerstören, denn er hat ja nur unvollkommene Männer, mit denen er arbeiten kann. Der Glaube, dass es die Wahrheit ist, wäre also ebenfalls nicht angegriffen, aber sein Vertrauen in die leitende Körperschaft, bzw. die Mitglieder dieser Leitung, die damit in Verbindung gebracht werden.
Das kann man jetzt weiter treiben und nachbohren, was denn geschehen muss, damit man nicht nur ein oder zwei Führern nicht mehr vertraut, sondern deren ganze Theologie hinterfragt. Da gibt es zwei Wege. Entweder ist er so offen und er kann ein Szenario erdenken, dass es zumindest theoretisch geben könnte, bei dem er aus dieser Organisation austritt oder er ist so sehr davon überzeugt, dass es die Wahrheit ist, dass ihm nicht einmal ein Szenario einfällt, bei dem er nicht nur die unvollkommenen Menschen in der Organisation, sondern auch die Organisation selbst und auch Jehova hinterfragt.
Wenn aber Leute aus der Führungsriege so viel abziehen dürfen, ohne dass Jehova infrage gestellt wird, muss man sich fragen, warum hat er diese Leute eingesetzt und warum hat er diese Machenschaften nicht sofort aufgedeckt? Es wird immer wieder betont, dass diese Männer und auch die anderen ernannten Führungsleute in Kommitees, Kreisaufseher oder Zonenaufseher udn wie sie alle heißen, von Jehova ernannt werden. Das Leute also in potentiellen Machtpositionen so viel Mist bauen dürfen und von einem allsehenden Gott in diese Position gehievt wurden, ist kein Indiz dafür, dass es diesen göttlichen Oberaufseher nicht gibt?
In welchem Bereich würde es derjenige noch so machen? Die Personen, die eine Regierung oder Organisation vertreten, machen etwas Unerhörtes und man zweifelt nicht an der Organisation. Wenn dies in irgendeinem Staatsapparat oder einer gemeinnützigen Organisation oder einer Bildungseinrichtung oder einem Unternehmen oder einer anderen Religionsgemeinschaft geschiet, dann wird das auf die ganze Gemeinschaft umgemünzt. Zeugen Jehovas sind so geschult, Fehlverhalten einzelner als Problem des jeweiligen Systems zu verstehen. Der großflächige Missbrauch von Minderjährigen und dessen systematische Vertuschung durch die katholische Kirche, zum Beispiel, zeigt auf, dass dies nicht die wahre Religion ist, sondern, Teil des Weltreiches der falschen Religion. Dass dieser Umstand leider auch auf die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas zutrifft (Suchbegriff "Jehovas Witnesses Royal Commission", mit offizieller Anhörung des Mitgliedes der Leitenden Körperschaft Geoffry Jackson) wird als traurige Einzelfälle abgetan. Es ist der gleiche Umstand und er wird unterschiedlich behandelt.

Jeder hat diesen Skeptizismus in sich.
Aber in engmaschig gehaltenen Strukturen, wie die Zeugen sie aufbauen, aber auch die Mormonen oder Scientology und zig Sekten, wird der Zweifel an der Führung wegerklärt, wo man ihn bei all den anderen Organisationen nicht hinwegschauen würde.

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Kann die Organisation irgendetwas machen, was nicht durch Jehova angeordnet wurde?

Die korrekte Antwort ist "Ja", absolut ja. Und wenn derjenige mit "Nein" antwortet, kann man all die Dinge durchgehen, die bereits erzählt wurden, aber nicht geschehen sind. Typisch für Jehovas Zeugen war von Anfang an die Naherwartung des Anbruchs von Jehovas Königreich. Dafür veröffentlichten sie wiederholt konkrete Termine: Ursprünglich hatte Russell angenommen, Christus wurde 1873 oder 1874 im Fleische zurückkehren. 1876 übernahm er die Überzeugung, er sei unsichtbar zurückgekehrt, jetzt müsse nur noch die "kleine Herde" eingesammelt werden, was bis 1878 vollendet sein werde. Dieser Termin wurde dann auf 1881 verschoben. Im Anschluss prophezeite Russel das Ende der "Zeiten der Nationen" für Oktober 1914. Sein Nachfolger Joseph Franklin Rutherford deutete diese Aussage in die heute gültige Lehrmeinung um, wonach in diesem Jahr Christi Königsherrschaft Christi unsichtbar im Himmel angebrochen, die Generation der 1914 lebenden Gläubigen würde aber ihr sichtbares Erscheinen miterleben: "Millionen, die heute leben, werden nie sterben", verhieß der Titel seines 1920 erschienenen Buchs, in dem Rutherford für 1925 die Wiederauferstehung der biblischen Erzväter als Zeichen der beginnenden Endzeit voraussagte. In den 1960er Jahren richteten die Zeugen Jehovas den Fokus ihrer Berechnungen auf das Jahr 1975, weil sich in diesem Jahr die Erschaffung Adams zum sechstausendsten Mal jährte. Das Verstreichen all dieser Termine löste jedes Mal heftige Krisen innerhalb der Religionsgemeinschaft aus. Heute verzichten die Zeugen Jehovas darauf, konkrete Daten für den Anbruch des Königreichs Gottes zu nennen.
All diese Dinge sind durch die Organisation geschehen, in ihrem jeweiligen Verständnis um die Endzeit. Dies Fehldeutungen kann es aber gar nicht geben, wenn Jehova diese Organisation leitet, denn die Nichterfüllung dieser Prophezeiungen würde zeigen, dass er sie nicht anleitet. Die leitende Körperschaft selbst wäre der "falsche Prophet" vor dem sie immer warnt. Das bekommen die Zeugen innerhalb des Systems nicht mit. Ihnen wird erzählt, selbst miterlebt, dass es diese Prophezeiungen nie gab oder nur von einigen wenigen in den einzelnen Versammlungen vertreten wurden und sie dann, nicht in Übereinstimmung mit dem "heiligen Geist" handelten und entweder ihre Arbeit oder ihre Wohnungen kündigten, den Schulbesuch abbrachen oder was auch immer. Das ist Blödsinn, aber entsprechende Literatur ist für den Zeugen in den internen Bibliotheken nicht mehr erreichbar. Doch es gibt diese Bücher und es gibt diese Prophezeiungen. Es gab diese falschen Lehren.
1914 soll Jesus unsichtbar vom Himmel gekommen sein und bis 1919 den "geistigen Tempel" gereinigt haben und so die Organisation von falschen Lehren befreit haben. Allerdings feierte man noch bis 1926 im Bethel Weihnachten. Wie passt das zusammen? Warum lässt Gott das Feiern heidnischer Feste weiter durchgehen? Musste Jesus nochmal zur zweiten Visite, um da was richtig zu stellen? Wenn Gott diese Organisation anleitet, kann es kein "neues Licht" geben. Die reine, wahre Lehre müsste von Anfang an stehen. Alles was sie einst lehrten und jetzt aber nicht mehr, kann nicht etwas sein, dass durch Jehova angeordnet wurde, denn er hätte ihnen dann aktiv das falsche beigebracht, um es dann auszubessern. "Neues Licht" ist eine Ausrede, die im Grunde jede Religion bei neuen Doktrin nutzen könnte.
Wenn man das dem Gegenüber klar machen konnte kann man daran anknüpfen.

..

Wie rechtfertigt man, dass die Wachtturm-Gesellschaft immer wieder betont, dass man ihr unter allen Umständen vertrauen sollte?

In einem Wachtturm 2013 wurde einmal geschrieben, dass man selbst dann der Organisation vertrauen sollte, wenn man nicht versteht, warum sie in bestimmten Fällen so oder so entschieden haben. Man sollte dieser Organisation einen Vertrauensvorschuss geben. An diesem Punkt der Konversation haben wir ja bereits herausgestellt, dass die meisten Zeugen wohlmöglich nie an der Wahrhaftigkeit der Lehre zweifeln werden, aber auch, dass es Lehren gibt, die nicht von Jehova stammen können, sonst hätte man sie nicht ändern oder anpassen müssen. Die leitenden Körperschaft kann also falsch liegen, trotzdem werden ihr Zeugen in der Regel vertrauen.
Hier kommt wieder das Alleinstellungsmerkmal von absoluten theologischen Gebäuden ins Spiel. Denn die sagt ja, dass man nur durch die Leitung der leitenden Körperschaft und deren Lehren zu Gott gelangen kann. Aber wenn Lehren angepasst werden müssen, woher wissen die Mitglieder dann, welche Lehren heute stimmen und welche irgendwann mal angepasst werden müssen? Wie vertraue ich einer Organisation, die die Unfehlbarkeit ihre Lehre herausstellt und sie zugleich entsprechend ändert? Woher weiß ich, was ich glauben kann?
Seit mehr als einem Jahrhundert erzählt die Organisation ihren Gläubigen, dass das Ende noch zu ihren Lebzeiten stattfinden wird. Selbst wenn man dafür keine Jahreszahl fix macht. Was macht diese Generation also so einzigartig? Denn die Erklärung ist, dass die davor halt falsch lagen, aber jetzt hat man das richtige Verständnis. Aber das war schon deren Ausrede und schon die Ausrede von denen davor und so weiter. Alle von diesen lagen falsch und alle dachten, sie hätten nun die richtige Auslegung. Was ist der Unterschied der aktuellen Glaubensgemeinschaft und ihren Mitgliedern zu all denen vor ihnen, die sich ebenfalls in der richtigen Deutung sahen?
Wenn es euch jemand wiederholt erzählt, dass er gleich rum kommt und ihr wartet und wartet und wartet ... Wie lange würdet ihr warten? Wie oft wollt ihr seine Verspätung in Kauf nehmen? Jedesmal sagt er: "Ich bin dieses mal pünktlich." Und wieder verspätet er sich oder verpasst den Termin ganz. Irgendwann würde man nicht mehr auf diese Person warten und sich andere Leute suchen, mit denen man sich verabredet, mit denen man etwas unternimmt. Das ist ein völlig normales vorgehen. Enttäuscht mich jemand zu oft, vertraue ich ihm nicht mehr. Warum kann man das nicht auch auf die Organisation anwenden? Wo besteht der Unterschied? Warum lässt man dort die ständig leeren Versprechen durchgehen? Welche Generation ist denn nun die letzte? Wann erwartet man von dem Gegenüber in dieser Hinsicht, dass er endlich mal einlöst, was er verspricht? Irgendwann müssen den Worten auch Taten folgen. Sonst bleiben es leere Versprechen. Die einzige Möglichkeit ihre Aufrichtigkeit diesmal zu beweisen ist, dass endlich mal das Ende eintrifft. Was auch immer sie für einen Vertrauensvorschuss hatten, er ist seit langem verbraucht.
Das Ende muss aber immer gleich um die Ecke sein. Das ist der Kontrollmechanismus, den diese Glaubensgemeinschaften nutzen. Das ist ein bisschen, wie in einer krankhaften Beziehung. Einer der Partner hat die Kontrolle und egal was er tut, der abhängige Part kommt immer wieder zurück.

Welche logische Erklärung hat derjenige, warum der Gott der Wahrheit, Lügen und Missinterpretationen nutzt, um die Menschen zur Wahrheit zu führen?
Würde der Gott der Wahrheit zulassen, dass in seinem Namen gelogen wird? Ist das der beste Pfad zur Wahrheit?

..

Hat sich derjenige jemals hingesetzt und alle Wachtturm-Erklärungen geprüft?

Es sollte offensichtlich sein, dass man einer Organisation, die bis in die privaten Kleidervorschriften und sogar in die Gedanken seiner Anhänger geht, nicht blind vertraut, sondern tatsächlich prüft, was sie über die Glaubenslehren sagen. Gibt es einen verifizierbaren Grund, warum diese oder jene Prophezeiung der Bibel tatsächlich so eingetroffen sein muss? Gibt es historische Belege für irgendwelche Erzählungen oder Deutungen?
Normalerweise blockt die Person ab und sagt vielleicht, sie habe dies oder jenes geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass wenn die Organisation bei einigen Dingen richtig liegt, sie bei allem richtig liegt. Und so könne man ihr bei allem vertrauen. Es gibt keinen Grund mehr, bei allen Aussagen skeptisch zu sein und alle Aussagen zu prüfen. Das mag bei Freundschaften funktionieren. Zum Beispiel, wenn mir derjenige, der sich oft verspätet erklären kann, warum es wieder passiert ist und es sich nach einer vernünftigen Erklärung anhört.
Aber wir reden hier von Behauptungen übernatürlicher Art, die tief in mein Leben eingreifen und jeden Aspekt meines Seins steuern sollen. Ja, bei solch tiefgreifenden Dingen sollte man alle Aspekte prüfen und nicht nur ein paar und den Rest dann als gegeben hinnehmen. Das ist eine interessante Frage, weil viele vermutlich gar nicht mehr wissen, was ihre Religion eigentlich alles aussagt. Ich denke, jemand der drin steckt, weiß gar nicht, was es über Zeugen Jehovas abseits der Wachtturm-Lektüre noch alles zu sagen gibt, dass nicht dem Teufel, sondern verifizierbaren Datenlagen entspringt. Zum Beispiel, dass es diesen Missbrauchsskandal und dessen Vertuschung nicht nur bei anderen Religionen gibt, sondern leider im großen Stile auch bei Gottes wahrer Organisation selbst.
Es kann der Kippschalter sein, wenn sie einsehen, dass sie an irgendeine Sache glauben, die sie gar nicht verstehen, aber bisher immer als gegeben hingenommen haben. Erkläre mir doch, wo die Flutwasser herkamen und wohin sie gegangen sind. Warum gibt es keine Belege in den stratografischen Schichten für dieses Event, dass immerhin die heftigste Katastrophe des Planeten gewesen sein muss? Wieso explodieren die Regale von Archäologen und Paläontologen nicht vor Beweisen dieser Zeit? Wieso widerlegen Altersdatierungen an Pyramiden und neolithischen Kulturen quer über den ganzen Mittelmeerraum den Mythos dieser Sintflut? Warum war sich Charles Taze Russell so sicher, dass das Ende 1914 kommen würde und warum hat er seine Meinung geändert? Warum hat man diese Lehre abgelegt? Wofür hat man Beth Salem erbaut und was hat man mit diesen Gebäuden getan, nachdem 1925 das Ende schon wieder nicht eintraf? Wieso können wir Dinosaurier von vor Millionen von Jahren im Erdreich finden, aber keine Nephilim? Und so weiter und so fort ...
Es sollte für diesen Befragten ja kein Problem sein, jede dieser Fragen zu beantworten, denn er hat all diese Dinge ja selbst geprüft oder weiß zumindest, warum man der Organisation in diesen Dingen vertrauen kann. Gerne verwendeter, bereits gehörter Einwand ist: "Vielleicht findet man naher Zukunft noch dies und jenes in der Wissenschaft heraus." Und wenn nicht? Oder schlimmer noch: Was ist, wenn das Gegenteil herausgefunden wird?

.

Warst du jemals bei irgendeiner Lehrmeinung nicht mit der Organisation einig?

Das ist eine Frage, die man nicht überall anbringen kann. Sicherlich kennt man den einen oder anderen, bei dem man diese Frage platzieren kann. Oder glaubt zumindest, es bei dieser tun zu können. Viele werden es nicht zugeben, aber ich denke, die meisten hatten irgendwann mal einen Punkt, wo sie irgendwo nicht sofort einig waren. Solange, bis sie wieder auf Linie gebracht wurden. Es ist eigentlich sicher, dass jemand, der seit Jahren oder Jahrzehnten in einer Organisation ist, nicht irgendwann mal an irgendwas wenn auch nur geringen Zweifel hatte. Irgendwann poppt der Gedanke auf: "Warte mal, dass ergibt doch gar keinen Sinn." Wie gesagt, vermutlich nur kurz und irgendwann ist man wieder auf Linie gebracht. Aber diese Momente hatte bestimmt schon mal jeder. Und wenn jemand sagt, er hatte diese Fragen noch nie, dann hat man einen blinden Follower, ein Schaf, dass einfach geschehen lässt. Vermutlich denkt er auch sonst viel und freut sich darüber, dass er jemanden hat, der sein Leben für ihn ordnet.
Aber wenn jemand die Führungsriege der Zeugen anzweifelt, zweifelt er dann auch Gott an?
Laut der Organisation selbst schon. Denn ihre Äußerungen sind ja von Gott geleitet. Eins-zu-eins-Wiedergaben können es ja nicht sein. Das konnten wir durch die "Erklärung" "neues Licht" ja schon feststellen. Mit der Frage kann man herausfinden, ob jemand bereits auf dem Weg aus der Religion ist. Zweifel, Fragen, Gedanken, die nicht zur Linie passen, sind der Anfang für den Ausstieg, aber keine Garantie. Die Versammlung wird sich Mühe geben, die fragen zufriedenstellend zu beantworten, wenn sie tatsächlich an diesem Mitglied bzw. seinem Festhalten an der "Wahrheit" interessiert ist. Gruppenzwang, Druck und Sanktionen werden ihr übriges tun. Sie halten denjenigen drin oder beschleunigen den Ausstieg.
Wieder aber wird es diese geben, die dann auf Jehova warten, während du Unstimmigkeiten mit seinem irdischen Sprachrohr hast. Aber würde jemand warten, wenn er Unstimmigkeiten mit einem hätte oder würde er versuchen sie auszuräumen oder den Kontakt meiden? Es ist wieder eine andere Vorgehensweise für den selben Fall. Wenn ich ein Problem mit jemandem habe, schmolle ich vielleicht oder habe einen Streit, aber ich schließe ihn nicht aus meinem Freundeskreis aus und behandel ihn, als sei er bereits gestorben. In der Organisation ist genau das der Fall. Es darf keine abweichenden Meinungen geben, zumindest nicht geäußert. Während es sonst völlig in Ordnung ist, nicht immer ein und derselben Meinung zu sein oder nicht die gleichen Ansichten zu vertreten. Das ist ein Grundlevel von Respekt. Eine Organisation, die ihre Mitglieder derart behandelt, ist es eigentlich gar nicht wert, Mitglieder zu haben. Und eine Organisation, die ihre Mitglieder antreibt, ausgeschlossene Personen zu missachten und jede Kommunikation mit ihnen einzustellen, noch weniger.

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Wenn die leitende Körperschaft etwas von dir verlangen würde, würdest du es machen?

Die offensichtliche Antwort ist ja. Immerhin passiert es ja bereits, die Mitglieder gehorchen in aller Regel den Anweisungen der Organisation. Denn für diese sind sie gleichbedeutend mit Anweisungen von Jehova. Es ist in der Vergangenheit passiert und es wird wieder passieren. Daran besteht kein Zweifel.
Was wäre, wenn ein Zeuge an der Basis die leitende Körperschaft um etwas bittet?
Es ist eine von oben nach unten regierte, relativ destopische, theokratische Ordnung. Die Belange der einzelnen sind irrelevant. Das große Ziel, das nie eintrifft, ist das einzig wichtige. Diese Organisation besteht aus unvollkommenen Menschen und diese haben in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie einfach jederzeit die Doktrin ändern können und dafür keine Kritik ernten, zumindest keine ausgesprochene. Sie haben selbst Formulierungen in der Bibel angepasst. Ich bin aber zu wenig bibelfest, als das ich sagen könnte, ob die Bibel dem Glaubensbekenntnis angepasst wurde oder tatsächlich, wie so oft behauptet, nur einem einfacheren Verständnis.

Kann ein Gott der Liebe diese unvollkommenen Menschen nutzen?
Würde ein Gott der Liebe diese unvollkommenen Menschen nutzen?

Immer im Hinterkopf: Das sind ganz normale Typen, wie du und ich. Es ist eher wahrscheinlich, dass sie Betrüger sind, als dass sie für Gott auslegen. Wenn mir heute einer auf der Straße begegnet und vom Ende der Welt erzählt, würde ich mir denken: "Whatever!" Wenn der Himmel sich öffnen würde und Jesus kommt durch die Wolken gestiegen und würde mir eine wischen, dass erste, was ich denken würde wäre, ob ich zufällig high bin (unwahrscheinlich, ich nehme keine Drogen) oder, ob ich gerade im Fieberwahn bin. Und das ist das Zeichen eines skeptischen Menschen. Er sucht den Fehler bei sich. Nicht alles, was ich denke, was passiert, passiert auch wirklich. Aber wenn es nachweisbar passiert ist und man kann es mit einer gewissen Sicherheit belegen, dann ist das viel kraftvoller, als 8 Dudes in einem New Yorker Büro.
Aber wenn die Basis der Zeugen sich zu einer Art demokratischer Abstimmung treffen würden und erklären, "Wir wollen eine Änderung der Blutregelung. Wir haben uns die entsprechenden Bibelstellen angeschaut und uns mit der Geschichte beschäftigt und festgestellt, dass sich die Enthaltung von Blut laut Bibel nur auf das Essen bezieht, nicht aber auf medizinische Prozeduren." Und nehmen wir an, 90 % der Abstimmenden wären dafür. Sie adressieren also eine Petition oder irgendwas derartiges an erstmal an die lokalen Ältesten. Denn die müssen es ja weitergeben, an die leitende Körperschaft. Was würde passieren?
Eine theoretische Sache zum Nachdenken, denn es wird wohl nie passieren. Zu oft werden die Ungehorsamkeiten der Israeliten beim goldenen Kalb oder die Rebellion des Korah behandelt. Das sind Beispiele, wo nicht einzelne, sondern ganze Gruppen gegen die von Gott auserwählten aufbegehrt haben und dafür bestraft wurden. Da sich die leitende Körperschaft als eine Art moderner Moses präsentiert, wird das Fußvolk nicht aufmucken. Aber gehen wir dem Gedankenexperiment mal etwas nach. 90 % der Zeugen begehren auf und schreiben Briefe an die Ältestenschaft oder ans Bethel oder direkt nach New York und erklären, dass die Blutfrage geklärt werden muss. Was würde die leitende Körperschaft in so einem Fall machen?
Eine Zwickmühle: Geben sie der Masse nach, sind Tür und Tor geöffnet, für weitere Änderungen. Es müssen sich nur genug Leute finden, die das unterstützen und biblisch begründen können. Wenn sie nicht nachgeben, könnte es sein, dass die Mitglieder davonrennen. Die Macht bröckelt, so oder so.
Wenn die Masse zudem ihre Position biblisch begründen kann, steht die leitende Körperschaft in beiden Fällen in der Pflicht, zu erklären, warum man es so handhabt bzw. bisher so gehandhabt hat. Außerdem würde es offenkundig machen, dass sie offenbar nicht von Jehova geleitet werden. Immerhin sind verschiedene Sichtweisen in der Anfangszeit der Bibelforscher immer im Studienkreis diskutiert worden, nicht diktiert. Und das widerspricht dem modernen Verständnis eines Zeugen Jehovas. Hier kommt die Leitung von "oben" und man hat zu folgen. Man hinterfragt nicht, ob die 8 Männer in New York und ihre Helfer mehr Erfahrung und Einsicht haben, man setzt es vorraus und widerspricht nicht.

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Würde Gott die Lüge auf dem Weg zur Wahrheit nutzen?

Nehmen wir die Sache mit der letzten Generation zum Beispiel. Nochmal: 1920 kam das Buch "Millionen, die heute leben, werden nie sterben" von dem neuen Führer Rutherford heraus. Nun ist das bereits über 100 Jahre her und so ziemlich jeder von 1920 ist mittlerweile verstorben. Zumal man ja das Zeichen 1914 miterlebt haben muss und getauft sein musste. Also kann es sich bei den angesprochenen Personen nicht um Neugeborene handeln. Auch weil Zeugen keine Kindstaufe kennen. Nun kam es 1914 nicht zum Ende und auch 1925 nicht. Oder 1934 oder 1935 oder 1939 oder 1955 oder 1964 oder 1965 oder 1974 oder 1975. Und all die Daten, die heute versteckt werden und noch davor, danach und dazwischen liegen. Die Welt hat sich einfach weitergedreht, als seien ihr Religionen egal. So eine Frechheit.
Da sich der jeweils äußernde Oberguru aber immer als das Sprachrohr Gottes betrachtete, auch wenn es so nie gesagt und genannt wurde, muss Gott ja perse Missinterpretationen seiner Endzeitprophetie in Kauf nehmen oder vielleicht sogar aktiv fördern. Bis zu dem Zug, dass es jetzt diesen Nonsens der Neuinterpretation des Wortes "Generation" gibt und diese überlappenden Teile von Generationen, die irgendwie zusammengehören. Der 1. Teil sind diejenigen, die 1914 das Zeichen sahen, verstanden und zu dem Zeitpunkt bereits getauft waren. Der 2. Teil sind die, die eine Zeit lang mit diesen lebten und von denen heute noch viele am Leben sind. Diese Personengruppe ist mittlerweile auch nicht mehr die jüngste und von daher bleiben Gott erneut nicht allzuviele Jahre für das Ende.
Zumal seit Jahrzehnten erklärt wird, das Ende sei in Kürze da und wenn es doch wieder länger dauert, wird damit argumentiert, dass Zeit für Gott anders wahrgenommen wird, wie für uns. Dann sollten seine Vertreter auf Erden vielleicht mal andere Begriffe verwenden, wenn es nicht am Allmächtigen liegt. Im Erfinden und Umerfinden von Wörtern ist man doch schon geübt.
Warum nutzt Gott also Lügen, um uns zur Wahrheit zu bringen. Warum gibt es nicht gleich das richtige Verständnis? Warum gibt es immer wieder Änderungen, warum Anpassungen? Der Gott, der nicht lügen kann verwendet falsche Auslegungen seiner Anhänger, die er von Zeit zu Zeit "korrigieren" lässt. Nie aber entgültig, denn kein "neues Licht" ist offenbar für ewig bestimmt und kann jederzeit wieder "korrigiert" werden.
In der Wissenschaft ist es logisch, dass wir uns der Wahrheit nur annähern können. Jede neue Theorie ist ein Schritt, ein bisschen mehr über das wunderbare Universum zu verstehen. Wissenschaftler müssen diesen Weg nehmen, da sie die Wahrheit nicht kennen und sich mit jedem neuen Experiment und jeder neuen Beobachtung immer ein Stück weiter in die Dunkelheit des Unwissens vordringen. Aber Gott weiß alles. Er kennt die Wahrheit. Und doch setzt er darauf, dass unvollkommene Menschen sie von allein ergründen und von Zeit zu Zeit ihr Verständnis seiner geistigen Wahrheit umstrukturieren müssen. Ein weiteres Zeichen, dass die leitende Körperschaft entweder keinen Draht zu Gott hat und nichts sicher begründen kann oder dass es diese Quelle der Wahrheit, Gott, nicht gibt.
Ich bin mir sicher, auch künftig wird es "neues Licht" geben und dies oder jenes umgebaut werden, damit es besser in die Realität und in die Chronologie passt. Hauptsache Mitglieder halten. Mit jedem "neuen Licht", mit jeder neuen Lehre, bestätigen sie eigentlich selbst, dass sie bis dahin falsch lagen.


Das sind auch wichtige Fragen für jedermann selbst.
Wenn man die Zeugen Jehovas nur verlassen hat, weil von irgendeinem Skandal gehört hat, kann es sein, dass der gelehrte Nonsens noch Jahre im Hirn fruchtet und man nicht wirklich ausgestiegen ist. Mehr so in der Art: "Wenn das und dies bereinigt ist, kann ich ja wieder beitreten."
Ein bisschen wie bei einer geschädigten Partnerschaft, wo der eine gewalttätig ist, doch er andere seine Abhängigkeit gar nicht spürt und nach jedem Streit, nach jeder Aggression, nach jedem Schlag zurückkommt und sich trotzdem nach dieser Beziehung sehnt (toxic oder abusive Relationship im Englischen).
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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