Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 4. Mai 2020, 11:09

Genetik: Der Mensch ist keine Maus - aber er ist auch kein Affe!

Jetzt ist der Mensch also nachweislich weder Maus, noch Schwein. Ist er wenigstens ein Affe?

Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten im Tierreich, doch eigentlich handelt es sich dabei um eine Gattung: Pan. Diese umfasst zwei Arten: den Gemeinen Schimpansen (Pan troglodytes) und den Bonobo (Pan paniscus), auch Zwergschimpanse genannt.
Das Erbgut des Gemeinen Schimpansen war bereits bekannt. 2015 hat ein internationales Forscherteam auch den genetischen Code des Bonobo entschlüsselt. Der Vergleich des Genoms beider Affenarten mit dem des Menschen überraschte.

Kay Prüfer vom Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology in Leipzig berichtet davon, dass manche Sequenz des Erbgutes des Bonobo mehr dem des Menschen gleicht, als dem seines nahen Verwandten.

Seit der Entschlüsselung des Genoms des Gemeinen Schimpansen im Jahr 2005 war bereits klar, dass jener genetisch gesehen unser nächster Verwandter ist. Sie stehen uns in der Entwicklungsgeschichte der Primaten deutlich näher als die beiden anderen Vertreter der Menschenaffen, Gorilla und Orang-Utan. Das bestätigte auch die Untersuchung des Genoms des Gorilla Anfang 2015. Die Vergleiche zeigten, dass sich der Mensch vom Schimpansen genetisch betrachtet lediglich um 1,3% unterscheidet, der Gorilla dagegen um 1,75%. Vom Schimpansen ausgehend wird die Verwandtschaft noch deutlicher: Sein nächster Verwandter ist nicht etwa der Gorilla, sondern der Mensch.
Es gibt sogar Wissenschaftler, die Schimpansen nicht als eigene Gattung betrachten, sondern als Vertreter der Gattung Homo zugehörig, da die Trennung nur traditionell und religiös bedingt sehen.

Schimpansen sind in Äquatorialafrika weit verbreitet, der Bonobo lebt dagegen ausschließlich südlich des Flusses Kongo. Sie unterscheiden sich äußerlich und vor allem in ihrem Verhalten. Unter männlichen Schimpansen gibt es häufig aggressive Rangkämpfe, die es bei Bonobos nicht gibt. Die Männchen sind nicht einmal dominierend. Zudem sind sie sehr verspielt und haben, ähnlich dem Menschen, ein aktives Sexleben, das nicht allein der Fortpflanzung dient.

Die beiden Affenarten unterscheiden sich genetisch vom Menschen beide nur um 1,3% untereinander nur um 0,4%. Das spiegelt, so die Forscher, die stammesgeschichtliche Entwicklung wider: Mensch und Pan trennten sich vor 6 Millionen Jahren, Schimpanse und Bonobo dann vor etwa 1,5 - 2,5 Millionen Jahren.
Eine weitere Überraschung: 3% des menschlichen Genoms ähneln dem des Bonobo beziehungsweise dem des Schimpansen deutlich mehr, als die gleichen 3% des Genoms beider Affen untereinander. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob diese Erbanlagen im Zusammenhang mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Verhalten der drei Spezies stehen.

Quelle:
Kay Prüfer (Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology in Leipzig) et al.: Nature, doi:10.1038/nature11128 © wissenschaft.de – Martin Vieweg
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 7. Mai 2020, 07:45

Rezension: Antworten auf 10 Fragen junger Leute, Frage 9 "Soll ich an die Evolution glauben?" (Teil 1)

Die kurze Antwort auf Frage 9 lautet: Nein.

Aber es ist vernünftiger und wissenschaftlich valider, sich mit ihr auch gern kritisch auseinander zu setzen, als mit Themen, wie dem Mann im Mond, dem Osterhasen oder eben Kreationismus.

Das mag jetzt schroff und polemisch klingen, wenn ich diese Themen über einen Kamm schere, aber tatsächlich sind da Paralellen zu entdecken. Immerhin handelt es sich bei den handelnden Personen (beim Kreationismus handelt Gott), um abstrakte Figuren, die aus alten Anekdotensammlungen zusammen gesetzt sind, die irgendwem Gutes tun, und die empirisch nicht nachweisbar sind.

Über Glauben an Evolution habe ich ja bereits einen Artikel vor über zwei Jahren in diesem Thread verfasst:

... 041, 17.01.2018: Grundsatzartikel: Ich glaube nicht an die Evolution!

Und damit könnte ich den heutigen Beitrag beenden, aber der zu rezensierende Text hat ja noch mehr auf Lager. Einiges davon habe ich schon behandelt. Aber es ist gut, sich immer wieder mit den Argumenten des Kreationismus zu beschäftigen, um Fehler und Fallstricke in diesen zu erkennen und auch den eigenen Standpunkt zu reflektieren. Und wie ihr an der Überschrift seht, wird diese Textanalyse ein Mehrteiler.
Der aktuelle Text stammt aus einer Broschüre mit dem Namen "Antworten auf 10 Fragen junger Leute" und ist ebenfalls von der Wachtturm-Gesellschaft herausgegeben. Es ist eine Kurzform der in den 90ern und frühen 2000ern herausgegebenen 2 Bücher "Fragen junger Leute" Band 1 (letzte Neuauflage aktuell 2011) und Band 2 (letzte Neuauflage aktuell 2008).

Namensgebend geht es in der Broschüre um 10 Themen, die junge Menschen so bewegen und die allesamt mit der Bibel beantwortet werden. Als da wären: Wer bin ich? Warum denke ich so viel über mein Aussehen nach? Wie kann ich mit meinen Eltern klarkommen? Wie kann ich meine Fehler in Ordnung bringen? Was, wenn ich in der Schule gemobbt werde? Wie komme ich gegen Gruppenzwang an? Wie kann ich zu Sex nein sagen? Was sollte ich über sexuellen Missbrauch wissen? Soll ich an die Evolution glauben? Was bringt mir die Bibel?
Für diesen Thread interessant ist lediglich eben die Frage bzw. Thema 9.

Link zur Broschüre in Watchtower Online-Bibliothek:
[url]https://wol.jw.org/de/wol/d/r10/lp-x/1102015829][/url]

Die Überschrift ist ja, wie oben gezeigt, unglücklich gewählt, entspricht aber dem Verständnis eines Kreationisten, dass die Evolution / Evolutionstheorie einer vorgefassten Meinung, einem Dogma oder einer Glaubenslehre entspricht. Wissenschaftliche Theorien entsprechen aber keinem Glauben und sei letzterer für den Glaubenden noch so gut begründet. Sie sind stetiger Erkenntnisgewinn durch empirische Prüfung, Bestätigung oder Falsifizierung.
Ich würde die Evolutionforschung ist Grundlagenforschung, deren Erkenntnisse vielleicht einmal Anwendung finden. Zum Beispiel kann der Verwandtschaftsgrad von Viren und Bakterien der medizinischen Forschung Aufschluss darüber geben, wie man bestimmte Erkrankungen, ausgelöst durch ähnliche Erreger, bekämpfen kann. Der Verwandtschaftsgrad hat in der Medizin noch eine weitere Bedeutung. Teste ich ein Medikament an Blumen, ist über die Wirksamkeit beim Menschen noch nicht viel gesagt. Anders sieht es da aus, wenn an Mäusen getestet wird, da diese über 90% verwandte Gene aufweisen (hier genauer beschrieben). Noch besser sind Affen, deren engster Vertreter, der Schimpanse, zu uns nur noch einen genetischen Unterschied von 1,3% hat. Überboten wird das nur vom Menschen selbst, der zu seinen Artgenossen immer einen genetischen Verwandtschaftsgrad von über 99,9% hat.

Beginnen wir nun aber mit der beliebten Textanalyse.
Wenn die Evolutionstheorie stimmt, hat das Leben keinen tieferen Sinn. Wenn der Schöpfungsbericht wahr ist, kann man zufriedenstellende Antworten auf Fragen über das Leben und die Zukunft finden.

Auch hier ist der Text in mitlerweile gewohnter Manier maximal tendenziös und man weiß genau, wo die Reise hingehen wird, selbst wenn man den Verfasser und Herausgeber nicht kennen würde.
Die Evolutionstheorie wird einzig mit Verlust oder Mangel assoziiert. Nur der Schöpfungsbericht gibt zufriedenstellende Antworten. Auch wenn dieser Einwurf höchst subjektiv ist: Ich höre und lese die Antworten der Bibel nun schon über 7 Jahre. Zufrieden bin ich mit Ihnen nicht. Bestimmte Fragen werden gar nicht gestellt oder man gibt sich mit damit zufrieden, es nicht zu wissen. Schlimmer noch, man erklärt es für irrelevant. Woher kommt Gott? Wie funktioniert ein Wunder? Wie hat Gott hier oder da eingegriffen? Wie wechselwirkt er mit der Welt? Wie hat er alles erschaffen? Es gibt dazu offenbar keine Bibelstellen. Also wird nicht weiter gefragt. Bin ich der einzige, der damit nicht zufrieden ist?

Woran erkenne ich einen Segen von Gott in meinem Leben? Oder begebe ich mich bei einer immer subjektiven Prüfung in den klassischen Bestätigungsfehler? Auch darüber schrieb ich schon:

... 045, 26.01.2018: Kann ich meinem Hirn trauen? - Über die Fallen der selektiven Wahrnehmung

Im Grunde drückt dieser Vergleich aber auch eher eine Sehnsucht aus, als das es ein echtes Argument darstellt. Das Leben soll gefälligst einen tieferen Sinn haben. Es soll einfache Erklärungen geben, für die Probleme auf der Welt und einfache Lösungen sowieso.
Ein omnipotenter, liebevoller Schöpfer bietet Geborgenheit und Orientierung. Ein mächtiges, böses, hinterlistiges Wesen, wie der Teufel, bietet ein gemeinsames Feindbild und eine simple Erklärung, warum es Leid auf Erden gibt. Der Mensch kann einen nicht unerheblichen Teil seiner eigenen Schuld auf jemand anderen abwälzen. Durch die Erbsünde und das Loskausopfer Jesu wird der Wunsch gestillt, dass eben in einer paradiesischen Welt nicht alles nach 70 oder 80 Jahren vorbei ist und man bis ins hohe Alter fit bleibt. Hier sind ganz viele Wünsche Väter des Gedanken Gott. Aber es sind halt keine Beweise, lediglich Behauptungen.

Der verwirrte Alex im darauffolgenden Beispiel, hat ähnlich wie sein Lehrer vermutlich nicht genug Verständnis von wissenschaftlicher Arbeit. Der Lehrer würde die Evolutionstheorie nicht als Tatsache, sondern als Erkenntnismodell für ein zu beobachtenden und erdgeschichtlich nachweisbaren Prozess in der Natur beschreiben und wenn er gut ist, auch ein paar Beispiele bringen. Aber auch über den Kenntnisstand amerikanischer Biologielehrer hatte ich schon einen Artikel verfasst:

[url]https://almafan.iphpbb3.com/forum/38899908nx49134/der-kritiker-f23/evolution-oder-schoepfung-t162.html#p3201]... 004, 05.10.2017: Das Vorrücken der Kreationisten[/url]

Die Evolution kann als bewiesen gelten, dieser Begriff wird in Wissenschaftskreisen aber vermieden. Die Beobachtungen, Experimente und Berechnungen bestätigen die erweiterte, synthetische Evolutionstheorie. Mehr geht in der Wissenschaft nicht.
Auch wenn ich diesen Vergleich ganz sicher nicht zum ersten Mal bemühe: Die Relativitätstheorie ist ebenfalls nicht bewiesen. Die verlässliche Anwendung in Atomkraftwerken bestätigt aber, dass sie wohl stimmt. Die Quantenmechanik ist auch nur eine Theorie. Das ich meinen Text aber auf einem elektronischen Gerät verfasse und ihr ihn elektronisch lest, bestätigt diese Theorie. Ich muss weder die ganz Kleinen Teile des Universums höchst persönlich sehen, noch miterleben, wie ein Stern entsteht und wieder vergeht, um darauf vertrauen zu können, dass die Theorien, die diese Vorgänge beschreiben, korrekt sind. Das liegt am Selbstreinigungsprozess der Wissenschaft. Spätestens, wenn jemand eine Theorie auf einer anderen aufbauen will, wird ein Fehler auftauchen.

Ich halte die Evolutionstheorie also nicht dadurch für richtig, weil sie in Schulbüchern steht. Sie wird seit 160 Jahren ausgiebig unter die Lupe genommen. Sie ist falsifizierbar verfasst. Dass heißt, wenn es den schlagenden Gegenbeweis gibt, dann wird sie umgedacht oder verworfen werden müssen. Und der Wissenschaftler, der das fertig bringt, wird in die Geschichtsbücher eingehen, der eine neue Ära der Wissenschaft eingeleitet hat. Aber offenbar ist das nicht der Fall. Und so forschen die Beteiligten eben in Teil- und Fachgebieten an der Erweiterung unseres Verständnisses über die natürlichen Prozesse um uns herum. Ich find das Spitze.

Dazu im nächsten Beitrag mehr.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 8. Mai 2020, 09:16

Rezension: Antworten auf 10 Fragen junger Leute, Frage 9 "Soll ich an die Evolution glauben?" (Teil 2)

Wie unter der nächsten Teilüberschrift "Moment mal!" herauskristallisiert wird, bin ich ebenfalls dafür, selbst zu prüfen, warum man von einer Sache überzeugt ist. Ironischerweise entstand meine feste Überzeugung, dass die Evolutionstheorie, die Vorgänge der Entwicklung des Lebens besser erklären kann, aus einem Buchstudium des Buches "Leben - Wie ist es entstanden? Durch Evolution oder Schöpfung" (1982, herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft). Ich hatte in meinem alten Forum schon mal angefangen, es zu rezitieren und habe auch in diesem Forum schon mehrere Berichte dazu verfasst, bevor ich den Thread mit der aktuellen Themensammlung neustartete. Mit jeder neuen Betrachtung festigt sich mein Weltbild, dass eben nicht nur aus einer Quelle stammt. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Buch wird in diesem Forum wieder folgen. Nur noch nicht so bald.

Den Bibelvers aus dem Hebräerbrief (3:4) habe ich auch schon mehrmals erwähnt und besprochen. Zum Beispiel hier:

... 029, 13.12.2017: Grundlagen: Gottesbeweise - Teil 1: Die klassischen Gottesbeweise
(Siehe dazu auch die längere Fußnote #1 - Lassen wir all das außer Acht in dem verlinkten Artikel)

BEHAUPTUNG: „Alles im Universum ist das Ergebnis eines zufälligen Urknalls.“
1. Wer oder was hat den Urknall verursacht?
2. Was ergibt mehr Sinn: Dass alles ohne Ursache entstanden ist oder dass jemand die Ursache für alles ist?

Wie so oft, wenn etwas nicht recht verstanden wird, werden Dinge durcheinander gebracht und vermengt oder absichtlich impliziert. Dann entstehen so naive Fragen wie: "Wie erklärt die Evolution denn die Entstehung des Universums?" (Antwort: Gar nicht. Evolution bedingt Materie, die interagiert, also kann sie nicht erklären, was vor ihr lag. Und das muss sie auch nicht können. Genauso wenig, wie ein Literaturwissenschafter Atomphysik studieren muss, um einen Stift zu halten.)
Wenn man sich die Wunder in der Bibel nicht erklären kann oder gar nicht erst nach einem Lösungsansatz sucht, weil man voraussetzt, dass der Mensch es eh nicht begreifen kann, was ist dann so schlimm daran, wenn wir die Antwort auf Frage 1 vermutlich nie finden werden? Was ist so schlimm an der Antwort "Keine Ahnung."?
Ergibt sich daraus - weil ich diese Frage nicht beantworten kann - dass es diesen zufälligen Prozess nicht gab/gibt und daher alles der Plan eines allmächtigen Wesen war/ist? Wo ist die Brücke, die von dem Ereignis, dass selbst nur indirekt nachweisbar ist, auf Gott schließen muss?
Und die 2. Frage ist wieder eine ganz persönliche. Es wird nicht nach dem Sinn gefragt. Sinnsuche ist Sehnsucht, nicht Wissenschaft. Und natürlich hat die Entstehung des Universums eine Ursache. Nur können wir, da die Physik und die uns bekannte Logik erst mit dem Universum beginnen, nicht die gleichen Kausalketten ziehen, wie bei Alltagserfahrungen 14 Milliarden Jahre nach dem "Big Bang". Nur weil wir die Ursache nicht kennen, heißt es nicht, es gäbe keine oder wir müssten sie mit Gott ersetzen.

BEHAUPTUNG: „Der Mensch stammt vom Tier ab.“
3. Angenommen, der Mensch stammt tatsächlich vom Tier ab, zum Beispiel vom Affen. Warum gibt es dann einen so großen Unterschied zwischen dem Intellekt der Menschen und dem der Menschenaffen?
4. Warum sind selbst die „einfachsten“ Lebewesen so unglaublich komplex?

"[...] zum Beispiel vom Affen"? Gibt es eine Lotterie, wo man sich den Vorfahren aussuchen kann? Klingt wie "Nehmen wir an, du bist der Sohn deines Vaters und nicht deines Cousins ..."
Und nein, der Mensch stammt nicht vom Affen ab. Er hat mit diesem gemeinsame Vorfahren, wie sowohl Genetik als auch Phylogenetik bestätigen. Auch die Morphologie und einige intellektuelle, sowie soziale Verhaltensweisen sind sich ähnlich. Kann man hier auch gern nachlesen:

https://www.dw.com/de/affe-und-mensch-wo-ist-der-unterschied/a-5675012

Auf die Idee, Affe und Mensch hätten starke Ähnlichkeiten, kam ja nicht erst der oft verfluchte britische Pfarrerssohn und Forscher in seinem 1859 veröffentlichten Buch.


Diese bekannte Darwin-Karikatur erschien am 22. März 1871 im Magazin The Hornet und trug den Titel "A venerable Orang-Outang. A contribution to unnatural history".

Bereits im 2. Jahrhundert nach Christus stellte der griechische Arzt Galen (zw. 128 und 131 bis zw. 199 und 216) fest, dass der Mensch dem Affen "von den Eingeweiden, den Muskeln, Arterien, Venen, Nerven und der Skelettform her am stärksten ähnelt". Als einer der ersten ordnete Linné (schwedischer Naturforscher, 1707 - 1778) den Menschenaffen und den Menschen in die Ordnung der Primaten ein, jedoch in unterschiedliche Familien. Vor rund 25 Jahren kamen dann die ersten genetischen Untersuchungen zu dem hohen, heute allgemein anerkannten und vielfach bestätigten Verwandsvhaftsgraden zwischen Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und uns.

Und ja es gibt deutliche anatomische Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten.

  • Der Mensch hat eine hohe Stirn, der Affe eine flache.
  • Affen haben große Augenwülste, Menschen nicht.
  • Beide haben dicht beieinander liegende Augen.
  • Das Nasenbein, dass beim Menschen vorhanden ist, fehlt bei den Menschenaffen vollkommen.
  • Das Hinterhauptloch ist beim Menschen aufgrund des aufrechten Ganges weiter vorn, als bei den schnauzlastigen Menschenaffen.
  • Mensch und Menschenaffe besitzen 32 Zähne und die Zahnkronen der Backenzähne dieselbe Anzahl von Höckern und Furchen. Die Zahnreihe des Menschenaffen ist u-förmig angeordnet. Die dabei entstehenden Lücken vorne rechts und links füllen die stark ausgeprägten und herausragenden Eckzähne. Die Zahnreihe des Menschen ist v-förmig angeordnet, wobei keine Lücken entstehen.
  • Der Kiefer des Menschenaffen ist kräftig und groß, der des Menschen ist eher kurz und schmal.
  • Der Mensch besitzt ein vorstehendes Kinn, der Menschenaffe ein fliehendes.
  • Der Mensch und fast alle Menschenaffen besitzen 5 Zehen mit Nägeln. Der Daumen kann allen Zehen gegenübergestellt werden.
  • Der Fuß des Menschen ist ein Standfuß. Er hat keine Greiffunktion.
  • Die Arme des Menschen reichen nur zur Hüfte, die des Menschenaffen bis zu den Knien.
  • Dagegen sind die Beine des Menschen vergleichweise lang.
  • Der Mensch hat einen breiten und flachen Brustkorb, der Menschenaffe einen schmalen und tiefen.
  • Das Becken des Menschen ist stark verbreitert und nach vorn geneigt. Es hat die Funktion die Eingeweide als "Schüssel" zu tragen. Zudem ist beim menschlichen Becken der Geburtskanal aufgrund der größeren Schädel vergrößert. Der Menschenaffe besitzt im Vergleich zu dem des Menschen keine Schüsselform, sondern eine Schaufelform.
  • Die Oberschenkelknochen des Menschenaffen sind nach außen gerichtet, wodurch er "O-Beine" besitzt. Bei dem Menschen hingegen sind die Knochen nach innen gerichtet ("X-Beine").
  • Beide Lebewesen besitzen 5 Hirnteile.
  • Im Gegensatz zu vielen anderen Arten haben beide die Möglichkeit des räumlichen Sehens.
  • Das Gehirnvolumen des Affen beträgt mit 400 cm3 jedoch nur ein Viertel dem des Menschen mit 1600 cm3.
  • Die Wirbelsäule des Menschen hat eine doppel-s-förmige Form. Der Menschenaffe vergleichsweise hat nur eine einfach-s-förmige Wirbelsäule. Dadurch ist es ihm nicht möglich sich vollkommen aufzurichten.
Der Mensch hat einen aufrechten Gang wohingegen der Menschenaffe überwiegend auf allen Vieren läuft. Er kann zwar auch kurze Strecken auf zwei Beinen laufen, durch seine anatomischen Verhältnisse ist es ihm jedoch nicht möglich dauerhaft aufrecht zu gehen. Der aufrechte Gang beim Menschen ist durch die doppel-S-förmige Wirbelsäule (richtet Oberkörper auf), die vollständig durchgestreckten Knie und die senkrecht zueinander gestellten Beine möglich.
Auch die meisten anderen Unterschiede rühren daher, beziehungsweise ermöglichten den aufrechten Gang. Es ist in der Evolutionbiologie schwer Ursache und Wirkung strikt zu trennen. Ist der aufrechte Gang Ursache für die anatomischen Veränderungen oder das Ergebnis dieser? Es gibt in der Morphologie von Lebewesen nicht diese strikte Trennung. Die anatomische Veränderung bedingt neue Verhaltensweisen und Bewegungsabläufe genauso, wie neue Verhaltensweisen und Bewegungsabläufe die Morphologie ändern können (über Generationen hinweg versteht sich).

Aber es gibt ja nicht nur die Morphologie und Anatomie. In den letzten Jahrzehnten ist die Zellforschung zu erstaunlichen, immer wieder den Verwandschaftsgrad bestätigenden Ergebnissen gekommen.
  • Ein Chromosomenpaar des Menschen ähnelt im Bandenmuster sehr stark den zwei Einzelchromosomen des Schimpansen.
  • Beim Vergleich der b-Ketten des Hämoglobins fällt auf, dass bei Schimpanse und Mensch eine vollständige Übereinstimmung vorliegt, bei Mensch und Gorilla ein Austausch und bei Mensch und Orang-Utan drei unterschiedliche Aminosäuren.
  • Mithilfe eines Präzipitintests kann man die Ähnlichkeit von Serumeiweißstoffen nachweisen. Dabei fällt auf, dass der Schimpanse dem Menschen in 85 Prozent der Eiweißstoffe übereinstimmt, der Gorilla in 64 Prozent und der Orang-Utan in nur noch 42 Prozent.
  • Der Schimpanse wird von denselben Parasiten, wie der Mensch befallen (Filzlaus, Kopflaus, Madenwürmer). Der Gorilla, welcher hinsichtlich des Genoms weiter vom Menschen entfernt ist, als der Schimpanse, hat lediglich unter Filzläusen zu leiden.
  • Menschenaffen besitzen wie Menschen die Blutgruppen A, B und 0. Desweiteren haben auch Menschenaffen den Rhesusfaktor, hat er doch auch seinen Namen von dem gleichnamigen Affen, bei dem diese Eigenschaft entdeckt wurde.


Übersetzung: Kreationismus - Die Idee, dass wir mehr mit Dreck gemeinsam haben, als mit Affen.

Wir können uns natürlich auch mit dem Verhalten und Sprache von Mensch und Menschenaffe beschäftigen.
  • Menschen unterscheiden sich von vielen anderen Lebewesen durch ihr vorausschauendes Handeln und ihr Aufzeigen von Mitgefühl.
  • Menschenaffen haben mit dem Menschen gemeinsam, dass sie Mitgefühl zeigen. Dies wurde dadurch bewiesen, dass erwachsene Schimpansen (Männchen und Weibchen) verwaiste Jungtiere adoptieren.
  • Menschenaffen benutzen, wie der Mensch Werkzeuge, um sich das Leben in der Wildnis zu erleichtern. Diese dienen vor allem der Nahrungsbeschaffung.
  • Menschenaffen zeigen vorausschauendes Handeln. Besonders bei der Jagd wird deutlich, dass eine Koordination der Affen untereinander vorliegt. Während einige die Beute in den Bäumen verfolgen, schneiden andere den Weg auf dem Boden ab. Die Beute wird anschließend gemeinschaftlich geteilt.
  • Auch zwischen Menschenaffen kann es zu großen Auseinandersetzungen kommen. In Uganda wurde die Beobachtung gemacht, dass eine Schimpansengruppe eine andere Gruppe ihrer Artgenossen angreift, um sich Lebensraum zu sichern. (Siehe auch: ... 047, 02.02.2018: Konkurrenz - Teil 2: Ist Krieg Menschenwerk? - Die Schimpansen von Gombe)
  • Bei längerer Beobachtung von Menschenaffen fällt auf, dass diese oft gleiche mimische Ausdrücke aufzeigen. So ist das Lachen dem eines Menschen sehr ähnlich. Jedoch verwenden Affen diese Mimik auch um andere Gefühle als der Mensch auszudrücken.
  • Viele Gemeinsamkeiten existieren auch bei der Jugendentwicklung. Der Affe braucht, wie der Mensch, eine sehr lange Zeit um das Erwachsenenstadium zu erreichen. Die Affeneltern kümmern sich meist aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs.
  • Der Wortschatz der Menschenaffen beträgt 100-300 Begriffe, der des Menschen beinhaltet 20.000 bis hin zu 250.000 Wörter.
  • Generell bedienen sich die Menschenaffen in freier Wildnis einer Kommunikation bestehend aus Mimik, Gestik und Lauten.
  • Der Grund weshalb sie keine Lautsprache verwenden haben anatomische Ursachen. Im Vergleich zum Homo sapiens haben Menschenaffen eine dünnere Zunge, der Kehlkopf liegt höher, der Rachenraum ist kleiner und der Unterzungennerv ist nur halb so groß. Dies alles bedingt, dass der Menschenaffe keine Vokale formen kann.
  • Demnach verständigt er sich mit Zeichensprache, die ähnlich der von Taubstummen ist. Der Menschenaffe lernt sie durch Zuschauen und Nachahmen und geben sie an ihre Nachkommen weiter (Traditionsbildung).
  • Die Kommunikation des Menschens in Form einer komplexen Silbensprache ist ein Merkmal, dass ihn als Lebewesen unter allen anderen einzigartig macht.


Schimpansen-Mama mit Tragling

Ja, auch die lange Aufzählung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Mensch und Menschenaffe hat die Frage nach dem unterschiedlichen Intellekt nicht zwangsläufig beantwortet.
Wie wir bei den Verhaltensweisen gesehen haben, verwenden auch Menschenaffen Werkzeuge. Sie nehmen einen simplen Stock zum Terminen"löffeln" oder Steine, die sie erst nach Beschaffenheit untersuchen, um dann Nüsse oder Schalenfrüchte aufzuknacken.
Die ältesten Steinwerkzeuge, die Menschen zugeschrieben werden, sind abgerundete Flussgerölle, geringfügig bearbeitet und fanden sich im Norden von Tansania. Da der relativ gut erhaltene Schädel eines Olduvai Hominid (OH 5) in der gleichen Bodenschicht und in unmittelbarer Nähe zu den Werkzeugen, wurden diese ihm zugeschrieben. Da aber in einer benachbarten Fundstelle Knochen einer anderen Art, deren Zähne im Unterkiefer kleiner waren, kam auch diese Art für die Verwendung der Steinwerkzeuge in Frage. Zusammen mit anderen Funden wurde dieser Kiefer der neuen Art Homo habilis ("geschickter Mensch") zusammengefasst.
Wie Funde in der Nähe der Knochen und der Werkzeuge zeigen, wurden diese verwendet, um Fleisch von Knochen zu trennen, sowie zum Öffnen hartschaliger, pflanzlicher Nahrung. (#1) Schlag- und Schnittspuren auf Tierknochen belegen die Verwertung von Fleisch, auch wenn bislang nicht eindeutig erwiesen ist, ob es sich um Jagdbeute oder Aasverwertung (sogenanntes "Svavenging") handelt (#2, #3, #4, #5).
Die ersten Hütten passen wohl auch in diese Zeit, so hat man niedrige Steinkreise entdeckt, (in Olduvai, im Norden Tansanias z.B.) die das Fundament einer Hütte darstellen könnten. Dazu passt, dass im Innern dieser Einfassung zahlreiche zerlegte beziehungsweise bearbeitete Knochen entdeckt wurden,aus denen das Knochenmark entnommen war (#6).

Über was für ein Alter reden wir hier eigentlich, für diese Steinwerkzeuge und für die Steinkreise?
Die Oldowan-Kultur, der beide Funde zugeordnet werden und die mit dieser "Innovation" das Early Stone Age einleuteten, wird auf einen Zeitraum von 2,6 - 1,5 Millionen Jahre vor unserer Zeit datiert. Möglicherweise gibt es aber auch Kulturen älteren Datums, die solche Werkzeuge bereits verwendeten (#7, #8).
Aber bereits das zeigt, dass Menschen genauso angefangen haben.
Der aufrechte Gang wird als Anpassung an die zunehmende Versteppung in Folge einer Klimaveränderung gesehen. Die Zunahme der Staubablagerung, die bei Versteppung zwangsläufig passiert, fällt zusammen mit den ältesten Knochenfunden des Homo erectus, der neben dem zweibeinigen Gang auch weitere Merkmale des modernen Menschen aufweist, wie lange Beine und kurze Arme, ein kleiner Kiefer und ein größeres Hirn.
Aus knapp 18.500 Individuen vor 1,2 Millionen Jahren entwickelten sich die 3 Abstammungslinien des Homo floresiensis, dessen letzte Vertreter vor ca. 60.000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores ausstarben, sowie der Homo heidelbergensis[/], der als Vorfahre des Neandertalers und des sogenannten Denisova-Mensch eingeordnet wird, und vor ca. 800.000 Jahren die Urtyp des [i]Homo sapiens.

Man darf sich aber nicht vorstellen, weil der Mensch stufenweise aus den einfachen Werkzeugen Stück um Stück bessere herstellte und beim ultimativen Ding, dem Handy, angekommen ist, dass er nicht evolviere.
  • Die Blutgruppe B entwickelte sich erst nach der Anhebung des Meeresspiegels, nachdem die ersten Menschen Amerika erreichten, weshalb alle Ureinwohner Amerikas ausschließlich die Blutgruppe 0 haben.
  • Seit dem Mittelalter verkleinert sich der Unterkiefer aufgrund ernährungsbedingtem Mangel an faserreicher Nahrung. Eine Reduzierung der Weisheitszähne wird parallel beobachtet (#9).
  • Die Veränderung der Hautfarbe durch unterschiedliche Melaninbildung in der Folge von Wanderungen in Regionen mit unterschiedlicher Anpassung an Sonnenstrahlung (Ultraviolettstrahlung) ist ein weiteres neues Merkmal des Homo sapiens.
  • Ein vorteilhaftes Merkmal war die mehrfach unabhängig in den vergangenen 10.000 Jahren entstandene Laktosetoleranz, das heißt die Verträglichkeit von Milch im Erwachsenenalter (#10, #11). Vor allem Europäer und Asiaten auf der Nordhalbkugel (Ausnahme Chinesen) haben mit einem hohen Anteil in der Bevölkerung die dafür zugrundeliegende genetische Mutation. Sie ermöglichte Menschen bei der Sesshaftwerdung, sich eine zusätzliche, wertvolle Nahrungsquelle zu erschließen.
  • Malariaresistenz liegt bei heterozygoter Sichelzellenanämie vor. In dieser Form ist die Krankheit ein Selektionsvorteil (#12, ich hatte schon mal darüber geschrieben).
  • Die Anpassung an Lebensbedingungen in großer Höhe wie im Himalaja, den Anden und Ostafrika erfolgte mehrfach unabhängig durch genetische Veränderungen der Sauerstoffverarbeitung im Blut bzw. der Bildung von roten Blutkörperchen. Die regional leicht unterschiedlichen Mutationen zählen zu den physiologisch jüngsten evolutionären Anpassungen der Menschheit (#13, #14).

Ja, die Textbetrachtung ist wirklich recht lang geworden. Aber sie ist noch nicht fertig.

#1 - Quelle: Friedemann Schrenk: Die Frühzeit des Menschen. Der Weg zum Homo sapiens. München 1997, S. 77.
(Link mit Leseprobe: https://www.chbeck.de/schrenk-fruehzeit-menschen/product/27076845)

#2 - Quelle: Grahame Clark: The stone Age hunters. Thames and London, London 1967, S. 26 f.

#3 - Quelle: Robert J. Blumenshine: A landscape taphonomic model of the scale of prehistoric scavenging. In: Journal of Human Evolution 18, 1989, S. 345-371.

#4 - Quelle: Robert J. Blumenshine, Marie M. Selvaggio: On the Marks of Marrow Bone Processing by Hammerstone and Hyenas: Their Anatomical Patterning and Archaelogical Implications. In: Desmond J. Clark (Hrsg.): Cultural Beginnings - Approaches to Understanding Early Hominid Life-Ways in the African Savanna. Bonn 1991, S. 17-32.

#5 - Quelle: Robert J. Blumenshine: Carcass Consumption Sequences and the Archaelogical Distinction of Scavenging and Hunting. Journal of Human Evolution 15, 1986, S. 639-659.

#6 - Fiorenzo Facchini: Die Ursprünge der Menschheit. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, S. 179.

#7 - Sonia Harmand et al.: 3.3-million-year-old stone tools from Lomekwi 3, West Turkana, Kenya. In Nature. Band 521, 2015, S. 310-315, doi:10.1038/nature14464

#8 - Ewen Callaway: Oldest Stone Tools raise questions about their creators. In: Nature. Band 520, 2015, S. 421, doi:10.1038/520421a

#9 - Quelle: Schwächen des Homo sapiens: Wie die Evolution den Menschen piesackt. auf: spiegel.de, 16. Mai 2012.

#10 - Quelle: D. M. Swallow: Genetics of lactase persistence and lactose intolerance. In: Annual Review of Genetics. Band 37, 2003, S. 197–219, doi:10.1146/annurev.genet.37.110801.143820PMID 14616060.

#11 - Quelle: Elizabeth Weise: Sixty percent of adults can't digest milk.

#12 - Quelke: J. I. Malowany, J. Butany: Pathology of sickle cell disease. In: Seminars in diagnostic pathology. Band 29, Nummer 1, Februar 2012, S. 49–55, ISSN 0740-2570PMID 22372205.

#13 - Quelle: L. G. Moore: Human genetic adaptation to high altitude. In: High Alt Med Biol. Band 2, Nr. 2, 1983, S. 257–279, doi:10.1089/152702901750265341PMID 11443005 (annualreviews.org).

#14 - Quelle: Hillary Mayell: Three High-Altitude Peoples, Three Adaptations to Thin Air. In: National Geographic News. National Geographic Society, 24. Februar 2004, abgerufen am 1. September 2013.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Sa 9. Mai 2020, 14:52

Rezension: Antworten auf 10 Fragen junger Leute, Frage 9 "Soll ich an die Evolution glauben?" (Teil 3)

Ich muss das letzte Zitat aus dem zu analysierenden Text abermals hier zeigen, denn wir haben uns Frage 4 nicht vorgenommen.

BEHAUPTUNG: „Der Mensch stammt vom Tier ab.“
3. Angenommen, der Mensch stammt tatsächlich vom Tier ab, zum Beispiel vom Affen. Warum gibt es dann einen so großen Unterschied zwischen dem Intellekt der Menschen und dem der Menschenaffen?
4. Warum sind selbst die „einfachsten“ Lebewesen so unglaublich komplex?

Was heißt eigentlich komplex? Und warum hat diese Frage etwas mit der Abstammung des Menschen vom Affen (beziehungsweise einem gemeinsamen Vorfahren) zu tun?

Über Komplexität und irreduzierbare Komplexität schrieb ich schon:
... 011, 09.11.2017: Grundlagen: Was bedeutet Komplexität?
... 034, 29.12.2017: Was ist nicht reduzierbare Komplexität?

Also fragt die Wachtturm-Gesellschaft eher nach, warum sind "einfache" Lebewesen so kompliziert aufgebaut, nicht komplex. Der erläuterte Pfad der irreduziblen Komplexität führt ja nur dahin, es nicht nur nicht zu wissen, sondern zu erklären, dass alle bekannten Entstehungsmechanismen in allen erdenklichen und nicht erdenklichen Kompositionen zu den damals gegebenen Umständen, die wir teils nicht kennen, nicht stattgefunden haben. Wer will solch eine Beweislast tragen?
Aber gehen wir dem Gedankengang nach, ist es im Grunde eher die Frage, wie selbst "einfaches" Leben entstanden sein soll.

In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen Biogenese und Abiogenese.
Bis zum 19. Jahrhundert glaubte man allgemein auf Grund der Beobachtung, dass Maden oder Schimmelpilze scheinbar spontan auftraten, wenn organische Stoffe sich selbst überlassen werden, dass die spontane Entstehung von Leben aus toter Materie ein alltäglicher Prozess sei. Dies wurde im 19. Jahrhundert insbesondere durch Louis Pasteur widerlegt, indem er zeigte, dass die Organismen, von denen bis dahin geglaubt wurde, sie entstünden spontan aus toter Materie, in Wirklichkeit aus biologischen Vorläuferorganismen entstanden sind. Man hat auch bis heute nie beobachtet, dass Leben neu entstanden ist.

Die Spontanzeugung ist ein Hirngespinst."
- Louis Pasteur (französischer Chemiker, Physiker,Biochemiker, 1822-1895)


Andere Forscher kamen zu eben diesem Ergebnis: Alles Lebende entsteht aus Lebendem. Allerdings so erkannte auch Pasteurs in einer seiner letzten Notizen, muss das Leben ja irgendwann mal entstanden sein. Leben aus unbelebter Materie muss prinzipiell möglich sein.
Das Standardmodell der Kosmologie, nach dem zu Beginn des Universums noch nicht einmal Materie existierte, setzt voraus, dass Leben irgendwann entstanden sein muss, da es nicht schon immer da gewesen sein kann.

1871 schrieb Darwin an Joseph Dalton Hooker, dass das Leben in einem "warmen, kleinen Teich, in dem alle Arten von Ammoniak und Phosphor-Salzen, Licht, Hitze, Elektrizität usw. vorhanden waren," begonnen haben könnte und "dass ein Protein-Verbund chemisch geformt wurde und noch komplexeren Veränderungen unterworfen war. Heutzutage würde so etwas sofort verschlungen oder absorbiert, was nicht der Fall war, bevor die lebenden Kreaturen entstanden." Das wir aktuell also die Lebensentstehung nicht beobachten können, liegt also, so sehen es auch heutige Forscher daran, dass bereits vorhandenes Leben das selbst verhindere.
Zu den Bemühungen, Leben aus Nicht-Lebendigem zu erschaffen, zählen der Zellversuch von J.B Burke mit Radiumbestrahlung, der aber nur mikroskopisch kleine, explodierende Glasblasen erzeugte, oder die Produktion von Cyansäure durch Pflüger. Das Urey-Miller-Experiment bestätigte die Hypothese von Alexander Iwanowitsch Oparin,indem es einige der organischen Komponenten des Lebens aus einer Atmosphäre von Methan, Ammoniak und Wasserdampf produzierte. 2002 wurde ein Poliovirus künstlich hergestellt und seitdem noch weitere Viren synthetisch produziert (#1, #2). Allerdings erfüllen Viren nicht alle Standardkriteren der Definition von Leben. Sie reagieren nicht auf Reize, sie sind ataxisch (bewegen sich nicht selbst), ihnen fehlt die Fähigkeit oder der Mechanismus zum Wachstum oder zur Reproduktion und sie besitzen keine Zellen. Da Viren und Bakterien aber "molekulare Maschinen" mit unterschiedlicher Komplexität sind, wird erwartet, dass mit ausgereifterer Technik theoretisch auch Bakterien hergestellt werden könnten. Möglicherweise wird der vollständige Ablauf der Entstehung von Leben nie komplett im Labor reproduziert werden können, da dafür Ressourcen notwendig sind, die im Labor nicht zur Verfügung stehen (Zeitspannen von einigen Millionen Jahren und ein ausreichend großer Lebensraum).

Aber zu sehr möchte ich hier nicht ins Detail gehen. Das wird wohl mal eine eigene Artikelserie werden.

BEHAUPTUNG: „Die Evolution ist bewiesen.“
5. Haben Menschen, die davon überzeugt sind, die Fakten selbst geprüft?
6. Wie viele Leute halten die Evolutionstheorie für erwiesen, nur weil ihnen gesagt wurde, dass alle intelligenten Leute sie als eine Tatsache betrachten?

Danach folgen Abwandlungen der Uhrmacher-Analogie. Dazu habe ich auch schon was verfasst:
... 043, 20.01.2018: Grundlagen: Uhrmacher-Analogie - Was ist Leben?
Natürlich fallen Holzhäuser nicht vom Himmel und explodierende Druckereien bekommen kein Wort zustande. Aber genau das ist der Fehler, den viele machen. Sie setzen Evolution und Zufall gleich. Der Zufallsmoment wird nie verschwinden, egal wieviel wir wissen werden. Aber das Mutationen geschehen, wissen wir. Das Selektion stattfindet, wissen wir. Das Variation im Erbgut besteht, wissen wir. Das Mutation adaptiert werden, wissen wir. Wo Mutationen, die vererbt werden können auf Selektion trifft, findet per Definition Evolution statt. Zwangsläufig.
Und sei das Ergebnis noch so erstaunlich. Es heißt nicht, dass es nicht einen Weg dorthin gibt, der nicht Magie heißt.

Zwar sind die Mutationen im Genmaterial zufällig. Nicht zufällig aber sind die Kriterien, nach denen entschieden wird, welche Individuen ihr Genmaterial weitergeben können. Sie heißen: Überlebensvorteil und Reproduktionsvorteil. Aber lest am Besten den verlinkten Text zur Uhrmacher-Analogie.

Die Gegenfrage, die sich aus den beiden Fragen 5 und 6 ergeben ist, wurde der Kreationismus, den man propagieren will, mal von den Glaubenden geprüft? Was können diese als Beweis oder Bestätigung für ihre Behauptungen vorbringen? Alles, was ich bisher rezensiert habe, kann man als lose Sammlung von Behauptungen bloßstellen oder es ist prinzipiell nicht nachweisbar, weil es durch den Rückgriff auf Übernatürliches erzählt wird. Nichts davon hatte auch nur annähernd Konsistenz. Und sie zeugen in der Regel von der Unkenntnis evolutionärer, biologischer, chemischer und physischer Vorgänge und Wirkungsweisen, sowie dem Verständnis für wissenschaftliche Arbeitsweisen.

Das setzt sich im Grunde im weiteren Text an die jungen Leute so fort. Laut Römer 12:1 soll man den Verstand gebrauchen. Und genau das machen die Forscher, die immer wieder neues über die Natur herausfinden und uns mitteilen wollen. Ihren Nichtglauben an Gott mit damit gleich zu setzen, dass sie ihren Verstand nicht gebrauchen, halte ich aufgrund der Stichhaltigkeit und Nachweisbarkeit ihrer Theorien und Arbeitshypothesen für sehr gewagt.
Es folgen weitere Uhrmacher-Analogien und kosmologische Gottesbeweise. Und dann der mehrfach gelesene Einwurf, dass die Uneinigkeit der Forschenden das gesamte Konzept untragbar machen. Ein weiterer Beweis dafür, dass man wissenschaftliche Arbeit nicht versteht, zu der Diskussion einfach dazugehört. Wenn sich alle Forscher einig wären, dann gebe es erst recht Grund dafür, es als Doktrin zu bezeichnen. Wissenschaft lebt vom Diskurs.
Und zwei Sachen gibt es dabei zu betrachten:
Das Gerüst, die Theorie als solches, wird aufgrund der überwältigenden Fachliteratur über all die empirischen Daten nicht angezweifelt. Wohl aber Einzelaspekte, wie wann was wo passiert ist. Logisch, man versucht mit einer unvollständigen Ahnengallerie eine Abstammung für bis zu 3 Milliarden Jahre Lebewesen aus mehr als 100.000.000 Arten abzuleiten. Dass es da Uneinigkeit gibt, wird wohl jedem klar sein, der Vorschläge für ein simples Familenfotoalbum von allen Familienmitgliedern haben will. Jeder wird etwas anderes gewichten, aber jeder weiß, dass es um ein Fotoalbum geht.

Und ich schrieb dies ebenfalls mehrfach: Es ist völlig legitim, ja sogar erfrischend diese und andere Theorien und Gedankengebäude zu hinterfragen. Skepsis ist oft der Weg zu neuer Erkenntnis.
Komischerweise kommt dieser Vorschlag immer wieder aus einer Ecke, in der ein einzelnes Buch über alles erhoben wird und das nicht ernsthaft angezweifelt werden darf.

Man wird überrascht sein, wenn man den gleichen skeptischen Maßstab beim seiner kreationistischen Sichtweise anlegt, wie man sie von Vertretern der Evolutionstheorie fordert.

Diese Textanalyse hat dir gefallen. Freu dich, das ist der Auftakt zu einer Reihe von Rezensionen. Dank der Online-Bibliothek der Wachtturm-Gesellschaft ist es einfacher denn je, deren Texte zu prüfen.

#1 - Scientists build polio virus from scratch. (Memento vom 29. März 2005 im Internet Archive) Auf: cbc.ca vom 12. Juli 2002

#2 - Scientists make artificial virus out of DNA. (Memento vom 21. April 2005 im Internet Archive) Auf: cbc.ca vom 14. November 2003
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 19. Mai 2020, 12:10

Rezension: Wahrer Friede und Sicherheit - woher zu erwarten?

Ich möchte vorweg nehmen, dass wir lediglich Kapitel 6 betrachten. Alles andere ist für diesen Thread irrelevant (auch wenn Hebräer 3:4 bereits in Kapitel 1 bezeugen soll, dass die Erde designed sei). Ich veröffentliche dennoch hier einmal das Inhaltsverzeichnis des Buches.

Kapitel 1: Die Wahl, vor der wir alle stehen
Kapitel 2: Können Menschen dauernden Frieden und Sicherheit herbeiführen?
Kapitel 3: Gehen die "Religionen der Welt" in rechter Weise führend voran?
Kapitel 4: Erst Weltvernichtung - dann Weltfrieden
Kapitel 5: Eine Streitfrage, die auch dich angeht
Kapitel 6: Was hat Gott bis heute getan?
Kapitel 7: Wann wird die vorausgesagte Weltvernichtung kommen?
Kapitel 8: Wer wird zu den Überlebenden gehören?
Kapitel 9: Erdenweit Friede und Sicherheit, eine zuverlässige Hoffnung
Kapitel 10: Bist du bereit, der Wahrheit entsprechend zu leben?
Kapitel 11: Die Überlebenden dürfen "kein Teil der Welt" sein
Kapitel 12: Achtung vor Autorität für ein friedliches Leben unerläßlich
Kapitel 13: Deine Ansicht über Sex - von welcher Bedeutung ist sie?
Kapitel 14: Respekt vor der Gabe des Lebens
Kapitel 15: Warum um das besorgt sein, was mit anderen Menschen geschieht?
Kapitel 16: Die Wahl, die ein Leben in wahrem Frieden und in Sicherheit verbürgt

Das Buch wurde 1973 von der Wachtturm-Gesellschaft veröffentlicht und ich kann nicht mehr klar erkennen, ob es als Studienbuch für Bibelschüler, also zu konvertierende, geschrieben wurde oder zum Gruppenstudium in den Versammlungen.

Hier ist der Link zur Online-Bibliothek:
https://wol.jw.org/de/wol/d/r10/lp-x/1101973066
Wer die gedruckte Ausgabe sein Eigen nennt, kann es auf den Seiten 58 - 71 mitverfolgen.

Aufgrund der Länge des Textes wird auch das hier ein Mehrteiler.

Im ersten Absatz wird behauptet, Gott wäre irgendwie für die Menschheit tätig. Im zweiten Absatz wird den Fragenden vorgeworfen, sie sehnen sich Gottes Wirken zu ihren Lebzeiten herbei, da sie durch ihre Sterblichkeit ungeduldig seien. Nur sind seit "Adams Erschaffung" schon ziemlich viele Menschenleben verga, ohne das Gott, über jeden Zweifel erhabend, eingegriffen hat. Aber Absatz 3 erklärt ja, dass Gott alles im Blick hat und weiß, wann was gut für uns ist.
Also erstmal 3 Absätze ohne Beweise, lediglich Behauptungen.

Absatz 4 erklärt mir, es stehe mir, als potentiellem (ja, ich bin ja sogar echter) Bibelschüler und angehender Zeuge Jehovas frei, ihm zu dienen oder nicht (#1). Welch glorreiche Wahl mir jenach nach Erkenntnis mir da gegeben wird: Anbetung und Leben im Paradies oder Verleugnung und Tod in der Schlacht von Harmageddon.
Gottes gerechte Maßstäbe schloßen laut dem mosaischen Gesetz auch den Volkssport der Steinigung mit ein: Für Götzendienst (5. Mose 17:5), Bruch des Gebots, den Sabbat zu halten (4. Mose 15:35), Wahsagen (3. Mose 20:17), Ehebruch (3. Mose 20:10), Ungehorsam gegenüber den Eltern (5. Mose 21:21) und Gotteslästerung (3. Mose 24:14-16).
Wie wir am Beispiel der Sintflut oder der Vernichtung von Sodom und Gomorrha erkennen können, ist Gott sogar so gerecht, dass er bei diesen Genoziden keinen Halt vor unselbstständigen Kindern und Babys macht. Aber wer bin ich, dass ich mit meinem Schöpfer richten darf?

Jetzt kommt mit Absatz 5 endlich was über die Schöpfung.

5. Was können wir aus den Werken der Schöpfung über Gott lernen?

5 Da Jehova Geist ist, ist er für den Menschen natürlich unsichtbar. Wie also würde er den Menschen von Fleisch und Blut diese Dinge zu verstehen geben? Man kann viel über die Eigenschaften des Schöpfers aus seiner Schöpfung kennenlernen. (Römer 1:20) Die wunderbare Wechselbeziehung der irdischen Lebensprozesse bezeugt seine Weisheit. Die gewaltige Kraft, die sich in den Ozeanen offenbart, im Wetter und in der beherrschten Bewegung der Himmelskörper, tut seine Allmacht kund. (Hiob 38:8-11, 22-33; 40:2) Auch die verschiedenartige Nahrung, die die Erde hervorbringt, zusammen mit der Schönheit der Blumen, der Vögel, des Sonnenauf- und -untergangs und den spielerischen Possen der Tiere: alles spricht von der Liebe des Schöpfers zum Menschen und von seinem Wunsch, daß wir am Leben Freude haben. Doch hört Gottes Offenbarung seiner selbst mit diesen Dingen nicht auf.

Nein. Nein, tut es nicht. Nichts in dieser Aufzählung bezeugt Gottes Weisheit oder verkündet seine Macht. Genauso gut könnte ich unbekümmert erzählen, Blitz und Donner wären Machttaten von Zeus oder Thor und die Meereswogen stehen für die Launenhaftigkeit des Poseidon. Genauso, wie es unzulässig ist, aus den sichtbaren Dingen ohne irgendeine Beweisführung oder Argumentationskette auf das Pantheon der Griechen, Römer oder Germanen zu schließen, genauso ist es auch beim abrahamitischen Gott.
Man muss bereits an Gott und seine Allmacht glauben, um ihm dann diese Werke zuzuschreiben. Wie in der vorherigen Rezension aufgezeigt, hat das aber nix mit Logik oder Vernunft zu tun, sondern mit Nichtwissen. Man ersetzt Wissen durch Staunen und diesem Staunen entwächst Gott als Schöpfer. Auch die Schönheit der Dinge um uns herum ist dem menschlichen Bedürfnis, als mögliches Beutetier in archaischen Zeiten, in die Wiege gelegt. Wir suchen Schönheit, Ruhe und einen Platz zum Wohlfühlen, weil der Säbelzahntiger irgendwo lauern könnte. Gott ist lediglich eine, durch die bereits vorhandenen Denkmuster vorgegebene Interpretation. Nichts davon beweist ihn oder irgendeine Eigenschaft von ihm.

Auch die Offenarung zu seinen Propheten, Einzelpersonen, die in Visionen, also ohne Zeugnis durch Dritte, seine Botschaften empfingen, ist für die weitere Behandlung irrelevant, da jeder eine "Eingebung von Gott" haben kann. Psychologen und Neurologen haben verschiedene Theorien zu den Gottesbotschaften, wie Epilepsie, Trance, Einfluss von bewusstseinsbeeinflussenden Substanzen oder andere natürliche Ursachen, sowie Prophetie im Nachhinein. Von daher wird zurecht an der Historizität einiger Bibelberichte gezweifelt. Das trifft übrigens gerade auf die Sintflut zu, für die es keinerlei wissenschaftliche Zeugnisse gibt.
Die Schlußfolgerung in Absatz 10, dass nur "gerechtgesinnte" Menschen davon tief berührt werden, spricht für eine Gruppenimmunisierung. Wenn ich es nicht gutheiße, wie Gott in der Vergangenheit verfahren ist, und wie er es in der Schlacht von Harmageddon umsetzen will, dann bin ich leider nicht mit der richtigen Gesinnung gesegnet. Ich störe mich irgendwie an dem Gedankengang, dass ein allmächtiger und superweiser Gott außer der Auswahl zwischen unbedingtem Gehorsam oder Auslöschung nichts parat hat.

Wir bekommen also auf die Frage in der Kapitelüberschrift "Was hat Gott bis heute getan?" keine verifizierbare oder nachprüfbare Aussagen.

Und schließen den Text doch schneller als Gedacht.

#1 - Hier einige Fragen, die du einem Zeugen Jehovas ruhig stellen kannst

Sich als ein Zeuge Jehovas taufen zu lassen, ist keine Entscheidung, die man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Vielmehr noch als das Versprechen Gott treu zu sein, ist dabei aber zu bedenken, dass man sich bei der Taufe nicht allein ihm verpflichtet, sondern eine lebenslange Bindung zur Wachtturm-Gesellschaft gelobt.
Während man dem Gebot Jesu nach Matthäus 28:18 im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wird, ist die Aufnahme als "wahrer Christ" nur darüber hinaus nur dann möglich, wenn man sich "Gottes Organisation" anschließt. Das ist eine Voraussetzung, um laut Wachtturm-Gesellschaft überhaupt für Gott annehmbar zu sein.
Eine solche Taufe bindet einen an das ganze Regelwerk der Organisation, ob sie biblisch begründet sind oder nicht. Abweichungen von diesen Regeln oder eine andere Glaubensansicht als die der "reinen Lehre" können dazu führen, dass man durch Ausschluss alle sozialen Kontakte innerhalb der Gruppe auf einen Schlag verlieren kann. Man sollte sich dessen VORHER bewusst sein und diese Entscheidung nicht leichtfertig treffen.

Ziel, der hier aufgeführten Fragen, ist es nicht, eine Debatte über die Lehren zu führen, da der Zeuge mit dem du vielleicht studierst, deine Motive in Frage stellen könnte. Vermutlich wird er das Thema wechseln wollen, wenn Fragen aufkommen, die ihn in die Defensive drängen. Nicht beirren lassen.

Wer wird gerettet?

Da ergibt sich vermutlich folgendes Gespräch: "Jeder, der sich auf der Seite Jehovas befindet."
- "Heißt das, dass nur Zeugen Jehovas gerettet werden?"
- "Es steht uns nicht zu, darüber zu urteilen; vielleicht finden noch weitere Menschen zu Gottes Organisation."
- "Das bedeutet, dass Milliarden von Menschen derzeit nicht für eine Rettung in Frage kommen?"
- "Möglicherweise."
- "Glaubst du, dass die meisten Menschen so böse sind, dass Gott sie vernichten wird?"
- "So sehen wir das nicht, aber die Bibel sagt, dass ein Mensch Teil der Organisation Jehovas sein muss, um gerettet zu werden."
- "Denkst du, ich werde in Harmagedon sterben, wenn ich kein Zeuge Jehovas werde?"

Würdest du jemanden töten, wenn Gott es verlangen würde?

Folgendes Gespräch ergibt sich wohlmöglich daraus: "Wie kommst du darauf?"
- "In der Vergangenheit benutzte Gott sein auserwähltes Volk, um seine Feinde zu töten, wie zum Beispiel die Vernichtung der Kanaaniter. Wer wird in Zukunft die bösen Menschen auf der Erde vernichten?"
- "Die Engel unter der Leitung Jesu."
- "Hypothetisch gesehen, wenn Gott beschließen würde, dass sein Volk heute an der Zerstörung der Bösen in Harmagedon beteiligt sein würde, würdest du dann freiwillig Gottes Gebot folgen?"
- "Ja, aber ... Gott würde das nicht von uns verlangen."
- "Du fühlst dich also unwohl mit der Idee, andere Menschen zu töten, auch wenn es Gottes Wille ist? Aber es ist okay für dich, wenn es jemand anderes für dich tut, wie Jesus oder die Engel? Dann ist es in Ordnung?"
- "Ja, nun … ja, ich nehme an, ich nehme an."
- "Also würdest du dich nicht wohl fühlen, meinen kleinen Sohn in Harmagedon zu töten? Aber wenn jemand anderes ihn tötet, dann ist das in Ordnung?"
Es ist schwer, sich einen zivilisierten, liebevollen, freundlichen Gott vorzustellen, der so begrenzt ist, dass er die Probleme der Welt nur lösen kann, wenn er viele Menschen tötet.

Warum predigt ihr von Tür zu Tür?

Folgende Logik liegt der Frage zugrunde: "Matthäus 24:14 sagt, dass diese gute Botschaft vom Königreich gepredigt wird und dann das Ende kommt."
- "Was ist die gute Botschaft?"
- "Sie handelt von einer gereinigten, friedlichen Erde, in der nur noch Anbeter Jehovas für immer Leben werden."
- "Und was ist das Ende?"
- "Harmagedon, die letzte Schlacht, wenn Gott die Bösen vernichtet."
- "Willst du damit sagen, dass die gute Botschaft, von der Jesus sprach, bedeutet, dass Gott bald Milliarden von Menschen töten wird, wenn sie nicht Zeugen Jehovas werden?"

Warum sagen Jehovas Zeugen, dass Jesus 1914 wiedergekommen ist?

Daraus kann sich folgendes Gespräch entwickeln: "Die Prophezeiung über die sieben Zeiten, von denen der Prophet Daniel sprach, kennzeichnet die" Zeiten der Nationen", die 607 v. u. Z. mit der Zerstörung Jerusalems begannen und 1914 endeten."
- "Warum wird auf 607 v. u. Z. verwiesen, wenn praktisch alle Historiker sagen, dass es 587 v. u. Z. war?"
- "Wir sollten darauf vertrauen, was die Bibel darüber sagt, und nicht was Historiker sagen."
- "Aber beim Jahr 537 v. u. Z. als Ende der Gefangenschaft der Israeliten, stützt man sich doch auch auf Historiker. Ich soll ihnen also Glauben bei dieser Sache, aber die Beweise für den Beginn soll ich ablehnen?

Wenn die letzten Tage 1914 begannen, warum leben wir heute in den besten Zeiten?

Das kann zu folgendem Austausch führen: "Nein, wir leben in den schlimmsten Zeiten. Noch nie gab es so viele Erdbeben, so viele Verbrechen und was ist mit den Weltkriegen?"
- "Eigentlich leben wir in der besten Zeit der Menschheitsgeschichte. Erdbeben sind seit Jahrtausenden konstant, und wir haben weniger Gewalt, Krieg und Nahrungsmittelknappheit als je zuvor. Es wird nur häufiger und von allen Orten der Welt berichtet, was in früheren Zeiten nicht ging. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten 200 Jahren verdoppelt. Wenn du glaubst, dass das Leben vor 1914 besser war, in welchem Jahrhundert würdest du leben wollen?"

Warum lehnen Jehovas Zeugen Bluttransfusionen ab?

Das kann dann so aussehen: "Texte, wie Apostelgeschichte 15:28 zeigen, dass Blut nicht verwendet, sondern auf den Boden ausgegossen werden muss."
- "Dürfen Blutbestandteile verwendet werden?"
- "Ja, kleinere Fraktionen."
- "Kommen Fraktionen von Blut nicht aus gelagertem Blut?"
- "Ja, aber sie zu benutzen ist eine Gewissensfrage."
- "Wenn ihr Blutfraktionen nehmen dürft, könnt ihr dann Blut spenden?"
- "Nein."
- "Klingt das nicht nach Doppelmoral?"

Hatten Jehovas Zeugen nicht eine Reihe falscher Prophezeiungen getätigt?

Dann kann folgendes geschehen: "Sie waren nicht falsch, sie waren nur unvollständig. Man muss zugeben, dass 1914 ein Wendepunkt in der Geschichte war."
- "Wie wäre es mit anderen Jahren, wie 1925? Im Buch Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben! (S. 81) hieß es, dass wir "vertrauensvoll erwarten, daß mit 1925 die Rückkehr Abrahams, Isaaks, Jakobs und der glaubenstreuen Propheten des alten Bundes eintreten wird". Die Wachtturm-Gesellschaft ließ sogar ein Haus namens Beth Sarim für sie bauen. Ist das nicht eine falsche Prophezeiung?"
- "Es war keine Prophezeiung, es war eine Interpretation."
- "Die Wachtturm-Gesellschaft hat sich selbst als einen Propheten bezeichnet. (w72 1/7 S. 389f, g86 8/6 S.9, Die Nationen sollen erkennen, daß ich Jehova bin – Wie? 1972 S. 58 bis 66) Würde das nicht 5. Mose 18:20-22 anwendbar machen?
Der Prophet jedoch, der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu reden, das zu reden ich ihm nicht geboten habe, oder der im Namen anderer Götter redet, dieser Prophet soll sterben. Und falls du in deinem Herzen sagen solltest: „Wie werden wir das Wort erkennen, das Jehova nicht geredet hat?“ — wenn der Prophet im Namen Jehovas redet, und das Wort trifft nicht ein oder bewahrheitet sich nicht, so ist dieses das Wort, das Jehova nicht geredet hat. Mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet. Du sollst vor ihm nicht erschrecken.
- 5. Mose 18:20-22


Leitet der Heilige Geist die Wachtturm-Gesellschaft was ihre Lehren betrifft?

Auch interessant: "Ja." - "Welche Schrift zeigt, dass nur die Wachtturm-Gesellschaft vom Heiligen Geist geleitet wird?"
- "Das Gleichnis vom treuen und verständigen Sklaven zeigt, dass Jehova in den letzten Tagen eine besondere Gruppe von Menschen erwählen würde."
- "Wann wurden sie ausgewählt?"
- "Obwohl die Wachtturm-Gesellschaft im 19. Jahrhundert gegründet wurde, wurden sie erst 1919 auserwählt, nachdem sie von falschen Lehren gereinigt wurden."
- "Aber 1919 gab es noch die Pyramidenlehre, dass Abraham 1925 auf der Erde auferstehen würde, dass Jesus angebetet werden sollte, und dass das Feiern von Geburtstagen und Weihnachten akzeptabel wäre, was jetzt als falsch angesehen wird. Warum gab es all diese falschen Lehren, wenn der Heilige Geist die Wachtturm-Gesellschaft leitet?"
- "In Sprüche heißt es, dass das Licht heller werden würde."
- "Das klingt wie eine Entschuldigung für Fehler, mit der sich im Grunde jede Religion herausreden könnte. Ich las, dass der Wachtturm schrieb, das Ende würde 1914 und dann 1925 kommen und jetzt liegt es in der Zukunft? Viele dieser Veränderungen klingen, als wäre es ein anderes Licht, nicht heller."

Unerfahrene Zeugen werden vermutlich das Studium oder Gespräch an einen erfahrenen Zeugen (z.B. ein Ältester). Auch dieser wird sich unwohl bei diesen Fragen fühlen, schlechte Motive unterstellen und eventuell das Bibelstudium abbrechen. Die Antworten und Reaktionen auf Ihre Fragen, können sehr wahrscheinlich dabei helfen, etwas Abstand zu gewinnen, um eine objektive Entscheidung zu treffen.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 10. Jun 2020, 15:22

Video: Aliens auf Siliziumbasis?

Die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim, die auch schon im Thread "Alternative Medizin" mit einem Video präsent ist, wird nun auch in einfachen Worten erklären, warum es zwar nicht ausgeschlossen ist, dass Leben auf fremden Welten auf Siliziumbasis aufgebaut sein könnte, aber doch extrem unwahrscheinlich. Nebenbei wird gut erläutert, wie Kohlenstoff als Grundbaustein des Lebens so gut passt und welche vielfältigen Funktionen es übernimmt.

Aliens auf Siliziumbasis? | Mai Thi Nguyen-Kim

https://m.youtube.com/watch?v=cxDGjPLxvh0

Dieses Video stammt aus der Kurzfilmreihe "Terra X Lesch & Co", wurde am 11. Juli 2018 veröffentlicht und ist eine Produktion des ZDF, in Zusammenarbeit mit objektiv media.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 23. Jun 2020, 10:06

Wir müssen lernen, all die Unsicherheit zu ertragen (Link)

Der vorliegende Text stammt von Philipp Huebl, Philosoph und bis 2018 Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart, Autor von "Die aufgeregte Gesellschaft. Wie Emotionen unsere Werte prägen und die Polarisierung verstärken" (C. Bertelsmann) und "Bullshit-Resistenz" (Nicolai).

Es geht zwar vorrangig um die aktuelle Wissenschaftsberichterstattung um Corona, Virologie und Professor Drosten. Aber es wird nebenher und als eigentlicher roter Faden durch das ganze Essay erklärt, wie Wissenschaft funktioniert und warum die scheinbare "Wankelmütigkeit" im Alltag anstrengend sein kann. Es wird aufgezeigt, warum eine wissenschaftliche Debatte nicht das gleiche ist, wie ein politisces oder persönliches Streitgespräch und warum Diskussion, Zweifel und Vorsicht wissenschaftliches Tagesgeschäft sind.

Hier geht es zum Artikel:
ESSAY PHILIPP HUEBL
WISSENSCHAFTSJOURNALISMUS
Wir müssen lernen, all die Unsicherheit zu ertragen


Ich verweise auch auf das Video von maiLab zu dem Thema:
Was ist jetzt mit Schulen und Kitas?

Und auch auf die Carolin Kebekus Show:
Wissenschaftler haben auch Gefühle!

In allen Links geht es um berechtigte und unberechtige Kritik am Wissenschaftsbetrieb und warum Wissenschaft aktuell die beste Methode ist, Irrwegezu erkennen und dem Ideal der Wahrheit jedesmal ein kleines Stück näher zu kommen.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 29. Jun 2020, 17:15

Video: Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 4: maiLab - Wissenschaftler irren


https://m.youtube.com/watch?v=DHyRaUeHcGY

Das Video fasst gängige Methoden zum Erkenntnisgewinn zusammen und erklärt nach wie vor existierende Schwierigkeiten bei dieser Methodik.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 2. Jul 2020, 15:44

Video: Eine überschätzte Spezies -ARTE

Ich habe gerade eben diese Doku gesehen. Also eigentlich ist es eine 10-teilige Dokureihe von Clips zwischen 2 und 4 Minuten.


https://m.youtube.com/watch?v=nLEtkmVUMfU

Ob im riesigen Universum oder im Baum des Lebens auf Erden, der Mensch ist ein verschwindend geringer, ja vernachlässigbarer Teil. Dem Universum und den Arten ist unser Auftauchen, aber mehr noch unser Verschwinden eines Tages völlig egal. Manche Lebewesen, wie Bakterien, werden von uns keine Notiz nehmen.

In der ARTE-Mediathek sind die einzelnen Teile auf folgender Seite aufgegliedert:
https://www.arte.tv/de/videos/RC-014177/eine-ueberschaetzte-spezies/

Die 10 Teile heißen:

Teil 1 - Das Winzige in der Unendlichkeit
Teil 2 - Einzigartiges Leben
Teil 3 - Ein Wimpernschlag auf der Erde
Teil 4 - Das Blättchen am Baum des Lebens
Teil 5 - Dominanz
Teil 6 - Überholt und übertroffen
Teil 7 - Intelligenz
Teil 8 - Abhängigkeiten
Teil 9 - Im tiefsten Inneren
Teil 10 - Das Alter der Vernunft?

Ein gelungener Abschluss der ersten 98 Artikel (der erste ist ja das Intro mit Inhaltsverzeichnis und der 100. Eintrag wird eine Zusammenfassung der Artikel sein. Neues gibt es erst wieder auf Seite 11, mit dem 101. Beitrag geben.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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almafan
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 29. Jul 2020, 23:32

100. Beitrag - Ein Resümee (Teil 1)

Wow.
Ich hätte selbst nicht gedacht, einmal 100 Beiträge zu diesem Thema zu verfassen.
Es gibt nur 2 Themen in diesem Forum, die mehr Beiträge haben:
- 105 Beiträge im Feedback-Thread des geflügelten Wortes
- 267 Beiträge im Bilder-Thread "Gefunden"

Und nur 3 Themen wurden häufiger angeklickt (respektive "gelesen") als dieses:
- Über 8.000 Klickereien hat Chuck Norris.
- Über 12.000 mal wurde die Hilfestellung für den Firefox angeklickt.
- Über 40.000 Klicks vereinnahmt "Ein Gedicht zum nachdenken - ES IST ALLES NUR GELIEHEN".

Aufgrund der aktuellen Wachstumszahlen sieht es so aus, als würde dieses Thema Ende des Jahres in beiden Kategorien um 1 Platz nach vorn rücken.

100 Beiträge, Zeit für ein Resümee. Laut Duden ist ein Resümee (vom französischen résumé) eine knappe Inhaltsangabe, beziehungsweise kurze Zusammenfassung. Ja, kurz... Hm...

Versuchen wir es. Was wurde nicht alles in den letzten 98 Artikeln geschrieben?

Es handelt sich, wie von alten Hasen bemerkt, nicht um den ersten Thread dieses Namens. Ich hatte bereits 2011 über das Buch "Leben. Wie ist es entstanden? Durch Evolution oder Schöpfung?" (Hrsg. Wachtturm-Gesellschaft 1982, 1985, 1996) rezensiert. Dann wollte ich die entstehenden Diskussionen ausgliedern, wusste aber nicht wie. Auch ein erneutes Aufrollen des Themas änderte daran erstmal nicht viel. Dann wurde ein neuer Thread gleichen Namens gestartet, der bereits wie dieser hier aufgebaut war. Nicht als Buchbesprechung, sondern als Artikelsammlung. Diese Artikel wurden abermals überarbeitet. Weniger Kampfschrift, mehr Sachlichkeit.
Man merkt die Umstellung an der Lücke der Daten. Während das Inhaltsverzeichnis von Februar 2012 ist, stammt der "erste" Beitrag von Oktober 2017. Alles davor liegende wurde gelöscht und wartet auf seine Wiedererweckung. Viele Artikel haben diese bereits erlebt.

Mein erklärtes Ziel ist es aber, erst genug Verständnis aufzubauen, bevor ich mich an die Rezension des oben genannten Buches mache. Ich will fundierte Antworten liefern.

Beginnen wir nun mit dem Resümee:

Ich bleibe dabei: Ich bin maximal ein interessierter Fachlaie, der sich sehr für die wissenschaftliche Arbeitsweise begeistert. Deswegen enthalten Grundsatzartikel eher auch Gedanken zur Profilierung oder Veräußerung meiner Weltanschauung als zum titelgebenden Thema selbst.
Für das eigene Verständnis einer wissenschaftlichen Theorie ist es wichtig, sie an der Kritik anderer zu messen. Selbstverständlich wird man früher oder später an seine intellektuellen Grenzen stoßen. Das ist gar nicht schlimm. Denn dahinter wird es erst richtig spannend. Und auch wenn man nicht alles erklären kann, heißt das nicht, dass das Gegenüber recht hat.

Halten wir fest: Die "besseren" Argumente sind jene, die sich widerspruchsfreier in die Realität einfügen lassen. Und es ist gut, wenn man immer wieder auch kritisch hinterfragt, was man da "glaubt".
Ich habe nach wie vor nicht das Gefühl, dass, selbst wenn man alles sauber argumentieren kann, jeden überzeugt. An vielen Überzeugungen hängt mehr als nur Faktenwissen.

In Einmal Evolution light, bitte! - Probleme der theistischen Evolution habe ich kurz angerissen, warum theistische Evolution (Gott erschafft mittels Evolution) kein wirklich brauchbares Mittel zum Wissensgewinn darstellt.
Wenn Gott allmächtig ist, warum sollte er über "Zwischenstufen" die Lebewesen erschaffen haben, die er von Anfang an im Sinn hatte? Und da das Wettrüsten zwischen Jäger und Beute immer weiter verläuft, stellt sich doch die Frage, warum die heutigen Arten, der Mensch eingeschlossen, Endprodukte sein sollten. Nach biblischer Auslegung muss der Mensch separat erschaffen worden sein, sonst zerbricht die ganze Heilsgeschichte um Erbsünde und Erlösung.
Aber theistische Evolution ist nur eine Spielart des Kreationismus. Jeder dritte Highschool-Biologielehrer in den USA hat gar keinen Abschluss in Biologie und kam demnach nie akademisch mit der Evolutionstheorie in Berührung. Aber auch mehr als 50% derer, die sich für ein Biologiestudium einschreiben möchten, dachten Kreationismus sei wissenschaftlich belegbar.
Das darunter angeführte Kreationisten-Bullshit-Bingo habe ich dagegen deutlich zu selten verwendet, betrachtet man die Zahl der Rezensionen, die bereits in diesem Thread verfasst wurden.

Wichtig war es mir immer auch, zu zeigen, wie Wissenschaft funktioniert und warum wir dieser Methode am Ehesten vertrauen sollten.
Wissenschaftlicher Erfolg lässt sich nicht vorhersagen und auch nicht planen. Man kann nicht bestimmen, wo die nächste große Erkenntnis gewonnen und wer sie finden wird.
Wissenschaftler sind sich im klaren darüber, dass sie kein Konzept, der sie umgebenden Natur zu hundert Prozent verstanden haben, deswegen sind deren Ergebnisse in der Regel auch sehr verhalten formuliert. Und man darf Wissenschaft nicht mit dem Zerrbild ihrerselbst verwechseln: Wissenschaft ist der methodische Erkenntnisgewinn, kein Hoffnungssystem.
Wissenschaft ist nicht schuld an der Atombombe, so wie die Bibel nicht schuld an Konflikten in Irland ist. Böses und Gutes macht der Mensch, nicht die Methode. Shakespeare ist ja auch kein schlechter Autor, weil mir ein ledergebundenes Buch von Hamlet kräftig über den Schädel gezogen wird.
Ein Hammer kann ein vielseitig einsetzbares Werkzeug sein oder eine Waffe. Der Anwender entscheidet das.

Ich halte mich auch nicht für einen Agnostiker, also jemand der Gott für möglich, aber entweder irrelevant oder aber nicht begreifbar hält. Ein nicht wahrnehmbarer Gott kann aus der Gleichung weggelassen werden, wie eine Multiplikation mit der Zahl 1 aus einer mathematischen Formel.
Als Wissenschaftler oder interessierter Fachlaie sollte man daher kein Problem haben, einfach zu sagen: "Ich weiß es nicht!" Das ist in jedem Falle korrekt. Aber: Aus Unwissen ergibt sich nicht automatisch Gott.
Ich bin Atheist.
Wer reine Naturwissenschaft propagiert, macht sich nicht nur bei Wunderheilern, Wahrsagern, Esoterikern und Kreationisten unbeliebt, sondern auch bei "ganz normalen" Leuten. Man soll doch "offen für neue Ideen sein".
Wer seinem Guru, Heiler, Rutengänger, Astrologen oder Kartenleger kritikfrei traut, ist ebenso wenig vor anderen Manipulationen gefeit, wie ein Gläubiger.
Gott wirkt wie ein Aufsatz, um Sinn zu stiften, wo vermutlich keiner ist, ein Ankerpunkt für Moral, wo keiner nötig sein sollte. Aber wenn er tatsächlich in mein "Herz" schaut, so sieht er keinen Hass auf ihn, sondern lediglich die fehlende Überzeugung, dass es ihn gibt. Ich wüsste kein natürliches Phänomen, von dem aus sich zwingend Gott ableiten lässt. Aber vermutlich kommen andere zu anderen Schlussfolgerungen.

Ist es lügen, das Loskaufopfer feiern und schlussendlich davon ausgehen, dass es keine Erbsünde zu vergeben gibt? Warum kann ich nicht einfach dankbar sein?
Ich bin in großer Regelmäßigkeit in den Zusammenkünften, bei fast jedem Kongress der letzten 4 Jahre, habe sogar schon bei der Saalreinigung geholfen und führe seit der Geburt meines Kindes ein Bibelstudium, hab den Königreichssaal mit renoviert und saniert, war als Begleiter, Unterhalter und Verköstiger für eine ausländische Delegation auf einem internationalen Kongress eingeteilt und habe mich sogar taufen lassen. Was also stimmt mit mir nicht? Ich muss es doch langsam begriffen haben.
Nein, da ist nichts. Es hat sich nichts verändert. Ich habe weder die Erleuchtung erfahren, noch irgendetwas neues zugetragen bekommen. Die Leute aus der Versammlung begeistert mein "neuer Lebensweg" mehr als mich. Die Glück- und Segenswünsche berühren mich kaum. Ich habe trotzdem pflichtschuldig danke gesagt.
Würde ich auch heute eine Liste erstellen, mit Dingen, für die ich Gott danken möchte, so wäre sie immernoch leer. Was ich heute habe, ist keine göttliche Fügung und kein Segen. Es ist das Ergebnis einer kausalen Kette von richtigen und falschen Entscheidungen, die im Grunde all zu oft durch Sachzwänge vorgegeben waren.

Ich denke, dass auch nach 100 Beiträgen kein Kreationist "bekehrt" wurde. Meine Artikel sind dazu vermutlich gar nicht geeignet. Und das haben andere mit deutlich mehr Sachverstand auch nicht geschafft. So schrieb ich es schon in "Grundsatzartikel: Worum es hier nicht gehen soll - Die Wahrnehmung von Religionen in der Blogosphäre".
Es ist nach wie vor mein grundlegendes Anliegen durch die Recherche für die Artikel meinen eigenen Standpunkt zu festigen und zugleich zu hinterfragen. Es geht ums Aufdecken pseudowissenschaftlicher Behauptungen und dem Erklären, was Wissenschaft wirklich dazu sagt.
  • Es geht mir um die Verteidigung einer der besten wissenschaftlichen Theorien unserer Zeit.
  • Es geht darum, aufzuzeigen, wie Wissenschaft funktioniert und wie sie ganz sicher nicht funktioniert.
  • Es geht darum, aufzuzeigen, warum sie so faszinierend ist und warum sie zu diesen Ergebnissen kommt.
  • Es geht darum, aufzuzeigen, warum sie die aktuell beste Methode des Wissensgewinnes ist.
  • Es geht darum, die immer gleichen Plattitüden der Kreationisten argumentativ zu entkräften und als den Blödsinn kenntlich zu machen, der er nun mal ist. Denn immer wieder werden die gleichen alten Aussagen aus irgendeinem Keller gekramt, obschon seit Jahrzehnten widerlegt oder lediglich um die Beseitigung der Evolutionstheorie bemüht, ohne eine stichhaltige Alternative anzubieten.
Im Artikel "Erbsünde und letzte Tage" konnte statistisch gezeigt werden, dass das Bild der heutigen düsterer gezeichnet wird, als es tatsächlich ist.
Sie stritten sich beim Wein herum,

Was das nun wieder wäre;
Das mit dem Darwin wär gar zu dumm
Und wider die menschliche Ehre.

Sie tranken manchen Humpen aus,
Sie stolperten aus den Türen,
Sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
Gekrochen auf allen Vieren.

- Wilhelm Busch, Kritik des Herzens, 1874

Am 9. November 2017 folgte dann die erste Rezension: "Wachtturm Oktober 2013 - Wie Farben auf uns wirken" Ein aufmerksamer Leser hätte den Artikel mit kritischen Sachverstand aber auch ohne mein Zutun zerlegen können, denn er beantwortet die evolutionskritische Passage in den eigenen Absätzen selbst. Farbwahrnehmung hat einen selektiven Vorteil.
In einem folgenden Artikel ging es um die Unterscheidung von Komplexität und Kompliziertem, in einem anderen um den Goldenen Schnitt.
Ob Wissenschaftler mit Kreationisten debattieren sollten, war eine ganz andere Frage. Denn einerseits bietet man dieser Pseudolehre eine Bühne und stellt sie gleichberechtigt der Wissenschaft gegenüber, andererseits wird eine Weigerung wohl einem Eingeständnis einer intellektuellen Niederlage gleichgesetzt. Es wurde im darauffolgenden Artikel aber auch gezeigt, warum man der Wissenschaft nicht einfach nur glauben sollte.

Eine ganze Artikelserie beschäftigte sich mit dem Begriff Wahrheit. Vom Gespräch Jesu mit Pontius Pilatus (Johannes 18:38) ging es zu zwei widersprechenden Lehrmeinungen und über die angebliche Engstirnigkeit der Wissenschaft, Theologie, einen erfundenen Einstein, bis hin zur "Glaubenssache" Wissenschaft.
Was macht den Unterschied?
Wieso sollten ägyptische, babylonische, griechische, chinesische und andere Mythologien als solche bezeichnet werden dürfen, christlich-jüdische oder muslimische aber nicht? Was macht die Sintflut dieser Religionen realer, als die Urflut der Maori? Warum ist der Logos (Erschaffung durch das Wort) des Elohim (hebräischer Titel für Gott) besser als der Logos des Ptah?
Methodischer Erkenntnisgewinn wird im Gegensatz zu Religionen nie zum Mythos.
Was macht eine Religion zu einer guten Religion? Für die einen ist es das utopisch gute Leben nach dem Tode. Für die anderen ist es die offizielle Lizenz, sich gegenüber seinen heidnischen Nachbarn überlegen zu fühlen. Wieder ganz andere schätzen die geringfügige Möglichkeit, sich während der Messe mit John Travolta oder Tom Cruise um die Plätze zu prügeln.

- MAD Magazine

Über einen Laienbruder auf dem Oybin und seine Ansicht zum Baum der Erkenntnis von Gut und Böse habe ich auch was verfasst. Eine ähnliche Verirrung stellt der Volksglaube dar, die Menschen im Mittelalter hätten geglaubt, die Erde sei eine Scheibe und Christoph Columbus habe das Gegenteil behauptet und bewiesen. Das es selbst unter Bäumen kein "Gentlemen's Aggreements" gibt, hatte ich ebenso wie andere Konkurrenzsysteme aufgezeigt.

Die nächste große Artikelserie befasste sich mit Homosexualität. Das waren die ersten Artikel mit mehreren wissenschaftlichen Fachquellen in der Fußnote. Es gab einen geschichtlichen Überblick, eine Analyse zur Verbreitung, Einblicke in die Rechtslage (besonders in Deutschland und Österreich), Emanzipation und Ursachenforschung. Anschließend fasste ich die evolutionstheoretischen Erklärungsmodelle zusammen. Diese wissenschaftlich gestützte Betrachtung führte zur Aufarbeitung der Homophobie und Vorurteilen gegenüber Homo- und Transsexuellen. Zum Schluss ging ich auf die Moral ein, aufgehängt an einem Gespräch an dem ich selbst beteiligt war.

Ich habe auch mehrere Artikel über Zweifel an der göttlichen Autorenschaft der Bibel geschrieben. Es begann mit dem Kinderlied "Weißt du wieviel Sternlein stehen" und dem Versprechen Gottes Abrahams Nachkommen zahlreich wie die Sterne zu machen. Anhand der Bibelstelle Nahum 3:16 konnte ich aufzeigen, dass Zahlenräume, die in der Bibel gebraucht werden nicht zwangsläufig mit tatsächlichen überein stimmen müssen.
Daraufhin begann ich eine neue Artikelserie, "Gottesbeweise", in der jene kurz beschrieben und anschließend argumentativ entkräftet wurden. Dies betraf alle klassischen Gottesbeweise, aber auch die Gödel'sche Formel und die Pascal'sche Wette.
Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen!

- Faust I, Johann Wolfgang von Goethe

Der "Über Zufall, Mutation und die Grenzen der Vererbungslehre" verfasste Artikel soll Wissenslücken bei den Begrifflichkeiten ausräumen. Es wurde versucht aufzuzeigen, warum Vererbungslehre und Evolutionstheorie sich nicht ausschließen. Die Mendel'sche Vererbungslehre stellt sogar die Erklärung zur Übertragung von mutiertem Erbgut. Eigentlich ergänzen sie sich ganz gut. Es wird trotzdem gegenteiliges behauptet. Dabei gilt die Vererbungslehre Mendels uneingeschränkt nur dann, wenn es zwischenzeitlich zu keiner Mutation kommt. Sie ist bei Mutationsauftreten nur noch eingeschränkt gültig, nämlich als Erklärung für die Weitergabe des neuen Erbgutes.
Bei der Meiose, also der von Gregor Mendel beschriebenen Vererbung, werden unveränderte Chromosomensätze der Eltern zusammengesetzt. Und das sind ihre Grenzen. Sie stellt den Normalfall dar und gilt da nicht mehr, wo die Erbinformation verändert wird. Dies kann beispielsweise durch einen Fehler bei der Meiose oder aber auch durch Mutation geschehen.

Der nächste Artikel ging darauf ein, warum ein abgeschaltetes Enzym, dass für den Menschen Vitamin C herstellen könnte, ein Selektionsvorteil sein kann.
Daraufhin habe ich mich mit einem Konzept des Intelligent Design beschäftigt, der irreduziblen Komplexität. Das Konzept besagt, dass bestimmte Systeme zu komplex aufgebaut sind, um ohne Funktionseinschränkung weiter vereinfacht werden. Und da es unwahrscheinlich ist, dass alle benötigten Komponenten auf einen Schlag aus dem Nichts auftauchen und sich genau richtig zusammensetzen, muss eine höhere Macht dahinter stecken.
"Ließe sich irgend ein zusammengesetztes Organ nachweisen, dessen Vollendung nicht möglicherweise durch zahlreiche kleine aufeinanderfolgende Modifikationen hätte erfolgen können, so müßte meine Theorie unbedingt zusammenbrechen. Ich vermag jedoch keinen solchen Fall aufzufinden."

– Charles Darwin

Darum wusste also schon Darwin und schrieb es auch in seinem berühmten Buch nieder. Auch hat er bereits damals darauf hingewiesen, dass Organe im Verlauf ihrer Entwicklung komplett unterschiedliche Funktionen haben können. Die Feder wäre ein Beispiel dafür. Es handelt sich im Grunde um aufgefächerte Schuppen, die der Wärmeisolation dienen, erst über die weitere Auffächerung und die Entwicklung hohler, leichter Knochen wurde das Fliegen mit ihnen möglich. Auch für das menschliche Auge finden sich einfachere "Vorstufen" in noch heute lebenden Tieren. Oder Beispiele für die Entwicklung des Herzen. Oder, oder, oder.
Es ging danach um Verwandschaften zwischen Mensch und Maus und das wir uns gut 97 % der DNA teilen. Was macht den Menschen zum Menschen? Sind es die mikrigen 1,3 %, die ihn vom Schimpansen unterscheiden?
Der zweite Artikel des Jahres 2018 beschäftigte sich ebenfalls mit einem angeblich irreduziblen Bauteil, der bakteriellen Flagelle. Das ist die rotierende Geißel, die ein bisschen an den Außenbordmotor oder eine Schiffsschraube erinnert und von Bakterien, die diese ausbilden auch so verwendet wird. Der Denkfehler der "irreduziblen Komplexität" ist, dass sich aus der Betrachtung der (heutigen) Komplexität biologischer Systeme nur selten etwas über deren Entstehungsprozess aussagen lässt.

Kurz darauf ging es um den Zusammenhang von Nacht und Urknall.
Diesem Artikel folgten die beiden Rezensionen zu den beiden unter Zeugen Jehovas sehr beliebten Videofilmen "Hat die Bibel doch recht? - Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise" und "Dem Geheimnis des Lebens nahe". Lesenswert, aber ich spoiler mal vorweg: Im ersten Video diskreditiert man lediglich Darwin, Haeckel und Co., ohne selbst Beweise für die Plausibilität der Bibel zu liefern, oder selbst überhaupt eine Alternative anzubieten. Er verwendet viel Zeit darauf die sowjetischen Fehlentscheidungen dem Darwinismus anzuhängen, Mendel in Opposition zu Darwin zu setzen, Makro- und Mikroevolution zu trennen, Mutation als "immer schlecht" zu brandmarken und Evolution mit Zufall gleichzusetzen. Für eine plausible oder überhaupt irgendeine Alternative bleibt dagegen keine Zeit. Damit wird die Frage des Filmtitels gar nicht geklärt.
Im zweiten Video wird wenigstens ein Gegenkonzept vorgestellt, aber das Versprechen des Filmtite wird wieder nicht eingehalten. Man ist auch nach dem Video kein Deut schlauer, was wie von statten gegangen sei und was das Geheimnis des Lebens eigentlich sein soll. Es wird auf intuitive Erfahrungen mehr Wert gelegt, als auf sachliche Wissensvermittlung. Bilder und Aussagen wirken lenkend. Einige Konzepte setzen sich selbst Definitionsrahmen, die in der Realität so nicht gegeben sind.

Im folgenden Artikel wurde das Paradoxon des unhebbaren Steines erörtert.
Danach erläuterte ich, warum "Glaube" in Bezug auf wissenschaftliche Theorien ein unglücklich getroffener Begriff ist.
"Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört daran zu glauben."

- Phillip K. Dick, US-amerikanischer Science-Fiction-Autor

Evolution, Relativität, Quantenmechanik sind ja keine "Erfindungen" der Wissenschaft, sondern Gesetzmäßigkeiten, die uns die Natur vorgibt. Die muss man halt schlucken, ob es uns schmeckt oder nicht.
Der nächste Artikel befasste sich damit, was Darwin mit "Surival of the fittest" meinte und dass er sich dabei gegen die einseitige Betrachtung als Kampf und Überleben des Stärkeren wehrte.
Auch die Uhrmacher-Analogie wurde bereits behandelt und damit einhergehend, warum man nicht von menschgemachten Dingen auf die göttliche Erschaffung von Lebewesen schließen kann. Von Menschen gemachte Dinge wechselwirken nicht, reagieren nicht auf Reize, organisieren und regulieren sich nicht selbst, pflanzen sich nicht fort, vererben nichts und wachsen nicht. Sie sind allein dem Zerfall verpflichtet. Das ist der große Unterschied zum Leben. So wird eine Uhr als von Menschen geschaffen erkannt, da der Betrachter bereits durch Bildung und Prägung weiß, dass Uhren künstlich hergestellt werden. Das Erkennen von Ordnung und Komplexität sei dafür nicht ausschlaggebend.
In den darauffolgenden Artikeln ging es um die Wahrscheinlichkeit bereits aufgetretener Prozesse, um selektive Wahrnehmung, um Mustererkennung (selbst da, wo keine sind) und das anthropische Prinzip. Dieses besagt, dass die Erde und die Gegebenheiten im Allgemeinen (zum Beispiel: Naturkonstanten) zwingend so lebensfreundlich sind, weil wir darauf leben. Wäre die Erde oder das umliegende Universum nicht lebensfreundlich, dann wären wir auch nicht da um festzustellen, dass sie das nicht sind. Es ist also notwendig, dass wir eine lebensfreundliche Umgebung wahrnehmen, da es uns als Wahrnehmer ja sonst gar nicht geben würde.
Es ist erwiesen", sagte er, "dass die Dinge nicht anders sein können, als sie sind, denn da alles um eines Zweckes willen geschaffen ist, dient alles notwendigerweise dem besten Zweck. Bemerken Sie bitte dass die Nasen geschaffen wurden, um Brillen zu tragen, so haben wir denn auch Brillen. Die Füße wurden sichtlich gemacht, um Schuhe zu tragen, und so haben wir Schuhe. Die Steine wurden gebildet, damit man sie zuhaue und daraus Schlösser baue, und so besitzt denn Seine Gnaden ein schönes Schloss, der größte Baron der Provinz muss am besten wohnen, und da die Schweine zum Essen gemacht sind, essen wir das ganze Jahr hindurch Schweinernes.
Infolgedessen ist die Behauptung, es sei alles auf dieser Welt gut eingerichtet, eine Dummheit, vielmehr müsste man sagem, dass alles aufs Beste eingerichtet ist."

- metaphysich-theologischer Monolog über Kosmonologie des Dr. Pangloss in Friedrich der Große - Band 2: Der einsame König - Die große Romanbiografie (von Cornelia Wusowski)

Daraufhin ging es um Krieg. Können Tiere Schlachten schlagen? Wenn ja, unterscheiden sich diese von Kriegen unbehaarter Trockennasenaffen (Menschen)? Töten Tiere mit Absicht? Gibt es Überlappungen zwischen menschlichen und tierischen Verhaltensweisen?
Im Artikel über "Non sequitur" ging es um Fehler in Argumentationen. Und darauf folgend wurden "Evolutionspiele" vorgestellt, also simulierte, kleine Programme, die nach den Regeln bekannter evoluter Vorgänge geschrieben sind. Man kann Autos beim Evolvieren zuschauen, Amöben beim Streit beobachten oder Käfer durch die Landschaft wuseln lassen. Einfache Turing-Maschinen, wie die "Eaters" gibt es daneben ebenso, wie Paketestapeln. Man kann ineinem der Projekte an echten Gensequenzen rumschrauben und nebenher der Feldforschung dienlich sein.
Die ersten 50 Beiträge schloss ich mit der Frage um die Existenz der Weisheitszähne ab.

Was noch alles passierte, erkläre ich euch im 2. Teil.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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