Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 25. Apr 2018, 08:30

Grundlagen: Kreationismus - Teil 4: Ein Imam über die feinabgestimmte Einrichtung der Welt

Dieses Video habe ich vor etwa 5 oder 6 Jahren gefunden und im alten "Evolution oder Schöpfung"-Thread kommentiert. In diesem Video spricht ein Imam über die Niere, die Erdatmosphäre, den Abstand zwischen Sonne und Erde und die Bestandteile der Milchstraße. Die Erläuterungen her stehen lediglich stellvertretend für zahlreiche ähnliche Behauptungen und sind nicht gedacht, die abgebildete Person zu diskreditieren.


http://www.youtube.com/watch?v=Cc-UB6RTTPI
Titel: "Schicksal Und Vorbestimmung 1 Von 5 (www.diewahrereligion.de)"


Die zur Kenntnis genommenen Daten des Imam im Video

Der Imam fragt: "Woher weiß die Niere, das diese Giftstoffe Giftstoffe sind?"
In den Nephronen, die funktionellen Untereinheiten der Niere, wird im Bereich des Nierenkörperchens kontinuierlich Primärharn aus dem Blut filtriert. Anschließend werden im Tubulussystem bestimmte Stoffe resorbiert bzw. sezerniert, wodurch der eigentliche Harn (als Sekundär- bzw. Endharn) entsteht.
Die Niere nimmt sich also, was sie zum "Leben" braucht. Der Rest fliegt raus. So einfach ist das.

Der Imam fragt: "Sauerstoffgehalt in der Luft ist 21%. Und die Wissenschaftler sagen, wenn das 20% wären, wird die Erde den Inhalt von diesem Sauerstoff absaugen und wir werden aussterben. Wenn das 22% wären, wird nur Verbrennung auf diese Erde geben. Wer lässt das nur 21%?"
Der heutige Ist-Zustand wird zum immerwährenden erhoben, ein Problem zahlreicher kreationistischer Ansichten. Denn der Sauerstoffgehalt in der Luft war nicht immer so, ebenso wenig der Anteil des Kohlenstoffdioxid und die durchschnittliche Bodentemperatur.

Aus stratosgrafischen Messungen ergeben sich nach aktuellem Stand der Wissenschaft folgende Werte (#1, #2, #3, #4, #5, #6, #7, #8, #9, #10, #11 und #12):

Quartär (vor 2,588 Millionen Jahren bis heute)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 20,9 Vol.-%
-> Stmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 260 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 11 Grad Celsius

Neogen (vor 23,03 - 2,588 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 21,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 280 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 14 Grad Celsius

Paläogen (vor 65,5 - 23,03 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 26 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 18 Grad Celsius

Kreide (vor 145 - 66 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 30 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1700 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 23 Grad Celsius

Jura (vor 201,3 - 145 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 26 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1950 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16,5 Grad Celsius

Trias (vor 252,2 - 201,3 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 16 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1750 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 17 Grad Celsius

Perm (vor 298,9 - 252,2 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 23 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 900 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16 Grad Celsius

Karbon (vor 358,9 - 298,9 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 32,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 800 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 14 Grad Celsius

Devon (vor 419,2 - 358,9 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 15 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 2200 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 20 Grad Celsius

Silur (vor 443,4 - 419,2 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 14 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 17 Grad Celsius

Silur (vor 485,4 - 443,4 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 13,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4200 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16 Grad Celsius

Kambrium (vor 541 - 485,4 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 12,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 21 Grad Celsius

Alle Werte sind über die Periodendauer gemittelt. Innerhalb der Periodendauer, also der Millionen Jahre, die ein Zeitalter dauerte, gab es nachweislich auch Schwankungen.
ppm steht für "parts per million", also Teile pro Million, auch als Millionstel bezeichnet. Sie wird in Wissenschaft und Technik angewandt, wo Prozent (Hundertstel) und Promille (Tausendstel) nicht sinnvoll angewendet sind.

Die Uratmosphäre der Erde enthielt freien Sauerstoff (also O2) allenfalls in sehr geringen Konzentrationen, da aller Sauerstoff in Oxidation von organischen Stoffen, Schwefeldioxid und vor allem Eisen (als gelöstes zweiwertiges Eisen-Ion Fe2+ (#13)) vollständig verbraucht wurde. Vor etwa 3,2 bis 2,8 Milliarden Jahren entwickelten Mikroorganismen - nach gegenwärtigen Kenntnissen Vorläufer der heutigen Cyanobakterien - aus einer einfacheren Photosyntheseform eine neue entwickelten, bei der im Gegensatz zur älteren Form O2 als Abfallprodukt freigesetzt wurde, weshalb diese als oxygene Photosynthese bezeichnet wird (Oxygen = Sauerstoff). Dadurch wurde O2 in beträchtlichen Mengen in den Ozeanen gebildet. Eine lange Zeit wurde auch dieser Sauerstoff durch Oxidation gebunden, auch weil durch Verwitterung und Vulkanismus oxidierbare Stoffe nachgeliefert wurden. Nach dieser letzten Frist aber konnte der Neuertrag dieser Stoffe den immer wieder neu gebildeten Sauerstoff nicht mehr vollständig binden, sodass der überschüssige freie Sauerstoff begann sich im Meerwasser und anschließend in der Atmosphäre anzureichern. Innerhalb von etwa 50 Millionen Jahren führte der stetig steigende Sauerstoffgehalt zur Sauerstoffkatastrophe, dem ersten großen nachweisbaren Massensterben auf dem Planeten Erde (dazu in einem anderen Beitrag mehr).

Die Aussage des Iman ist also falsch. Es hat in der Erdgeschichte Zeiten mit wesentlich stärkeren Abweichungen vom heutigen Sauerstoffgehalt gegeben und weder sind Atmosphäre und Meere verbrannt (wie man auch andernorts lesen kann), noch wurde aller Sauerstoff ins All geblasen oder irgendwo im Erdreich gebunden.

Der Imam stellt fest: "Die Wissenschaftler sagen, wenn die Sonne 10 Meter runter kommen würde, werden wir alle verbrannt. Wenn die Sonne 10 Meter höher wäre, wird alles auf dieser Erde frieren. Das sind 10 Meter und wir fliegen mit dem Flugzeug 10.000 Meter Richtung die Sonne und wir werden nicht verbrannt werden. Nur damit wir wissen, mit wir zu tun haben. Das sind Gesetze, die die Menschheit nicht kennt."
Sollte diese Aussage tatsächlich zutreffen, so ist es Aufgabe der Wissenschaft eben genau darüber Kenntnis zu erlangen. Im Grunde handelt es sich hier aber um astronomische Unkenntnis. Kein einziger Planet beschreibt eine Kreisbahn um die Sonne, alle sind auf einer elliptischen Bahn unterwegs. Die Abweichung der Bahn vom perfekten Kreis wird Exzentrik genannt. Und auch die Erde hat eine solche.

Bild
Maßstabsgetreue Darstellung der elliptischen Umlaufbahn der Erde im Vergleich mit einem Kreis.

Die Abweichungen sehen äußerst gering aus. Zu beachten ist hierbei, dass der Kreis in der Realität einen Radius von 1 astronomischen Einheit hat. Das sind 150 Millionen Kilometer. Der mittlere Abstand der Erde zur Sonne beträgt 149,598 Millionen Kilometer und die Abweichungen von diesem Mittelwert können bis zu 1,67 % betragen. Das klingt nicht nach viel. Um den 3. Januar herum befindet sich die Erde an ihrem sonnennächsten Punkt, dem Perihel. Der Abstand zur Sonne beträgt dann "nur" noch 147,1 Millionen Kilometer und damit 2,4 Millionen Kilometer näher an der Sonne als der Mittelwert. Um den 5. Juli befindet sich die Erde an ihrem sonnenfernsten Punkt, Aphel genannt. Der Abstand beträgt nun 152,1 Millionen Kilometer und damit 2,6 Millionen Kilometer weiter weg von der Sonne als der Mittelwert.
Für den Iman wird es sicherlich eine Neuigkeit sein, zu erfahren, dass die Erde im Winter der Nordhalbkugel (die Südhalbkugel hat zu dieser Zeit Sommer), wo mehr als 3/4 der Erdbevölkerung wohnen, fast 5 Millionen Kilometer näher an der Sonne ist, als im Sommer. Der Abstand zur Sonne allein kann also nicht der ausschlaggebende Punkt sein, warum Flugzeuge nicht am Himmel verbrennen. Ein 10 Meter knapper Freiraum wäre auch erstaunlich unbequem, falls man in höheren Bürogebäuden arbeitet oder mal auf die Alm möchte (#14).

Der Imam sagt: "Die Sonne ist 103 mal größer als die Erde."
Das ist zwar sehr kleinlich. Aber welches "größer" ist gemeint? Der Durchmesser der Sonne ist 108 mal größer. Das Volumen ist mehr als eine Million mal größer. Sie wiegt 700 mal mehr als alle Planeten zusammen und 330.000 mal mehr als die Erde im einzelnen.

Der Imam sagt: "Die Milchstraße, die Straße die das Sonnensystem enthält, enthält nicht nur die Sonne und die Erde, sondern auch noch 9 Planeten dazu. Was noch dazu kommt, das sind 2 Milliarden Asteroiden. Enthält diese Milchstraße. Und die Wissenschaftler sagen: 'Es gibt 2-3 Milliarden Milchstraßen'"
Es ist nicht ganz schlüssig, ob nun das Sonnensystem genannt ist, in dem sich die Sonne und die sie umlaufenden 8 Planeten und allerlei Asteroiden und Kleinstkörper ihre Bahnen ziehen, oder die Galaxie, in der sich unser Sonnensystem und 200 Milliarden andere Sternensysteme befinden. Diese Galaxie, die Milchstraße genannt wird, ist eine von mehr als 150 Milliarden Galaxien, aus denen das sichtbare Universum besteht. Definitiv sind diese Daten erstaunlich, aber sie besagen nichts über den Grund ihrer Existenz.

Selbstverständlich ist dieser Einschub nicht dem Vorführen orientalen Irrglaubens gewidmet, da Kreationisten auf der ganzen Welt solche und ähnliche Äußerungen von sich geben und damit eindrucksvoll beweisen, dass sie oft nicht auch einfache Sachkenntnis von dem Themengebiet haben, aus dem sie sich bedienen, um ihre religiösen Ansichten zu verbreiten.

#1 - Gunnar Ries: Dicke Luft bei den Sauriern

#2 - Geologie-Forum @ Geoversum: Massensterben an der Perm-Trias Grenze: Durch Sauerstoffmangel erstickt?

#3 - Die Zusammensetzung der Atmosphäre im Phanerozoikum (diese ältere Quelle geht noch irrtümlich von einem nahe-rezenten Luftsauerstoffanteil bereits im Kambrium aus.)

#4 - Erdgeschichte: Fauna und Flora korreliert mit veränderten Umweltbedingungen

#5 - wissenschaft.de: Gigantismus, Fliegen und Antiaging: Sauerstoffreiche Luft löste vor 300 Millionen Jahren einen Innovationsschub aus

#6 - Rothman, Daniel H. (2001). "Atmospheric carbon dioxide levels for the last 500 million years". Proceedings of the National Academy of Sciences 99 (7): 4167-4171.

#7 - Royer, Dana L., Robert A. Berner, Isabel P. Montañez, Neil J. Tabor, and David J. Beerling (2004). "CO2 as a primary driver of Phanerozoic climate". GSA Today 14 (3): 4-10. doi:10.1130/1052-5173(2004)014<4:CAAPDO>2.0.CO;2

#8 - Hansen, J., Mki. Sato, G. Russell, and P. Kharecha, 2013: Climate sensitivity, sea level, and atmospheric carbon dioxide. Phil. Trans. R. Soc. A, 371, 20120294. doi:10.1098/rsta.2012.0294

#9 - Zachos JC, Dickens GR, Zeebe RE. 2008 An Early Cenozoic perspective on greenhouse warming and carbon-cycle dynamics. Nature 451, 279–283. doi:10.1038/nature06588

#10 - Lisiecki, L. E.; Raymo, M. E. (May 2005). Correction to "A Pliocene-Pleistocene stack of 57 globally distributed benthic d18O records". Paleoceanography: PA2007. doi:10.1029/2005PA001164

#11 - Berkeley Earth land-ocean dataset (2014). Retrieved on 21 March 2014.

#12 - IPCC Fifth Assessment Report WG1 Summary for Policy Makers (2013).

#13 - Die Oxidation von Fe2+ zu dreiwertigen Eisen-Ionen Fe3+ führte zur Ablagerung von Bändererz (Banded Iron Formation), wo Eisen hauptsächlich in Form von Oxiden, nämlich Hämatit Fe2O3 und Magnetit Fe3O4 vorliegt. In alten Kontinentschilden, die in der langen Zeit relativ wenig tektonisch verändert wurden, sind solche Bändererze bis heute erhalten, beispielsweise Hamersley Basin (Westaustralien), Transvaal Craton (Südafrika), Animikie Group (Minnesota, USA). Sie sind global die wichtigsten Eisenerze.

#14 - Habitable Zone
Wie groß ist denn die habitable Zone, die mit dieser falschen Aussage umschrieben ist? Der auch Lebenszone (habitus = Lebensraum) genannte Bereich, fälschlicherweise auch bewohnbare Zone genannt, bezeichnet im Allgemeinen den Abstandsbereich, in dem sich ein Planet von seinem Zentralgestirn befinden muss, damit Wasser dauerhaft in flüssiger Form als Vorraussetzung für erdähnliches Leben auf der Oberfläche vorliegen kann. Das ist natürlich von Temperatur und Leuchtkraft des jeweiligen Zentralgestirns abhängig und lässt sich sogar berechnen:
Die biometrische Leuchtkraft des Sterns geteilt durch die biometrische Leuchtkraft der Sonne. Davon zieht man die Wurzel und man hat den Durchschnittsradius der Lebenszone in astronomischen Einheiten. Natürlich kann das Konzept durch Einbeziehen von Klima- und Treibhauseffekten wesentlich verfeinert werden. Die innere Grenze wird durch den sich selbst verstärkenden Treibhauseffekt definiert, in dessen Verlauf das Wasser des Planeten durch Vergasen in den interplanetaren Weltraum entkommt. An der äußeren Grenze können selbst Wolken aus gefrorenem Kohlendioxid keinen ausreichenden Treibhauseffekt mehr bewirken. In unserem Sonnensystem liegt die innere Grenze bei 0,95 astronomischen Einheiten, womit die Erde noch ca. 4,95 Millionen Kilometer Platz nach innen hat. Die äußere Grenze wird je nach Modell mit 1,37 - 2,4 astronomischen Einheiten angegeben. Womit der Erde nach außen minimum 52 Millionen Kilometer Platz verbleiben und theoretisch sogar der Mars in seiner sonnennächsten Phase drin sein könnte.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 9. Mai 2018, 16:21

Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 3: Das geozentrische Weltbild

Die Wissenschaft nimmt dem Menschen die Krone und schiebt ihn aus der Mitte des Universums.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/98/Kepler_laws_diagram.svg/220px-Kepler_laws_diagram.svg.png
Grafische Zusammenfassung der drei Keplerschen Gesetze:
1. Zwei ellipsenförmige Umlaufbahnen mit der Sonne (sun) im Brennpunkt F1.
F2 und a1 sind der andere Brennpunkt bzw. die große Halbachse für Planet1, F3 und a2 für Planet2.
2. Die beiden grauen Sektoren A1 und A2, die dieselbe Fläche haben, werden in derselben Zeit überstrichen.
3. Die Quadrate der Umlaufzeiten von Planet1 und Planet2 verhalten sich wie a1³ : a2³.


Das erste Keplersche Gesetz klingt simpel: Die Planeten bewegen sich auf elliptischen Bahnen. In einem ihrer Brennpunkte steht die Sonne.
Diese simple und doch revolutionäre Idee stammt aber entgegen immer wieder lautender Behauptung nicht grundsätzlich von Kepler. Schon Kopernikus kam vor ihm auf den Gedanken, die Erde aus der Mitte zu nehmen und das heliozentrische Weltbild aus der Antike wieder aufzugreifen. Zum modernen Heliozentrismus trug auch Galileo bei, als er das neu erfundene Teleskop für astronomische Forschungen auf den Jupiter richtete und damit die ersten 4 Monde eines anderen Himmelskörpers entdeckte: Galileo, Ganymed, Io und Kallypso. Damit war klar, dass eben nicht alles um die Erde kreist.
Vorerst funktionierte das heliozentrische Weltbild aber nicht wesentlich besser als das geozentrische. Mit der Sonne im Zentrum konnte man die Dinge zwar einfacher beschreiben und leichter berechnen, aber die Genauigkeit der Ergebnisse, war nicht besser als zuvor. Der Fehler zwischen Theorie und Beobachtung war immer noch groß. Der Kreis galt damals ästethetisch wie auch religiös als perfekte Form und Gottes Schöpfung musste diesen perfekten Formen folgen. Kepler verwarf diese Vorstellung zugunsten seiner Jahrzehnte mathematisch ausgewerteten Beobachtungsdaten, die eben für Ellipsen sprachen. Die Fehler wurden kleiner. Aber warum die Bahnen elliptisch waren, konnte auch Kepler nicht erklären. Das schaffte erst Isaac Newton mit seinem Gravitationsgesetz. Die Keplerschen Gesetze sind im Grunde nur eine andere Formulierung der Gravitationsgleichung und lassen sich aus dieser herleiten. Vermutlich hätte Kepler selbst diese Gleichung entdeckt, wenn er intensiver darüber nachgedacht oder man ihn walten gelassen hätte.

Das zweite Keplersche Gesetz klingt im Vergleich zum ersten Gesetz richtig kompliziert: Ein von der Sonne zum Planeten gezogener "Fahrstrahl" überstreicht in gleichen Zeiten gleich große Flächen. Das bedeutet nichts anderes, dass ein Planet auf seiner Umlaufbahn in Sonnennähe schneller ist, als in größerer Entfernung zur Sonne (#1). Ein langer "Fahrstrahl" mal einem kleinen Winkel (durch geringe Geschwindigkeit) = ein kurzer "Fahrstrahl" mal einem großen Winkel (durch hohe Geschwindigkeit).

Selbstverständlich könnten wir nun darauf verweisen, dass die Vorstellung einer zentralen Erde ein wissenschaftliches Bild ist und dieses Bild im Gegensatz zur heiligen Schrift revidiert werden musste. Wie in den vorherigen Beispielen auch, wird aber eindrucksvoll dargelegt, dass Wissenschaft solche Änderungen überhaupt zulässt, dogmatische Buchreligionen aber nicht.
In der Bibel stehen denn auch nach wie vor geozentrische Aussagen, wie die Erschaffung der Gestirne nach der Erde (1. Mose 1: 3-5, je nach Lesart soll es wohl auch das Aufscheinen der bereits bestehenden "Lichter" für einen hypothetischen Beobachter durch eine neblige Atmosphäre sein) oder ein Ausbleiben des Sonnenlichts in Ägypten als 9. der 10 Plagen (2. Mose 10:21-23) oder die stillstehende Sonne in der Schlacht Josuas zur Verteidigung Gibeons (Josua 10:12-14). Da diese Dinge wissenschaftlich nicht greifbar sind, muss der Gläubige auf ein Wunder beharren.

Die Umlaufbahn der Erde ist nur sehr leicht elliptisch und kaum von einem Kreis zu unterscheiden. Zwar unterscheidet sich der Sonnenabstand zwischen Perihel und Aphel rund 5 Millionen Kilometer, aber die fallen bei einem mittleren Sonnenabstand von 149 Millionen Kilometer kaum auf. Andere Himmelskörper, wie beispielsweise Kometen (oder Merkur oder Pluto) haben viel langgestrecktere Bahnen, auf denen die Unterschiede in die Milliarden gehen. Die damit einhergehenden Geschwindigkeitsunterschiede sind bei der Erde demnach ebenfalls gering. Durch den Einfluss der anderen Planeten im Sonnensystem verändert sich die Bahnellipse der Erde im Laufe der Zeit. Sie wird unter anderem periodisch elliptischer und weniger elliptisch. Ist die Bahn deutlich elliptischer als aktuell, dann verbringt die Erde auch deutlich mehr Zeit entfernt von der Sonne (weil sie auf diesem Teil ihrer Bahn langsamer ist) und die Jahreszeiten verlaufen nicht mehr so symmetrisch wie heute. Winter und Sommer dauern unterschiedlich lang und das kann, in Verbindungen mit anderen Faktoren, zu langen Eiszeiten führen.

Die ersten beiden Gesetze veröffentliche Kepler schon 1609 in seinem Werk "Astronomia Nova". Für das dritte Gesetz ließ er sich ein wenig mehr Zeit; es wurde erst 1619 in "Harmonice Mundi" publiziert. Es klingt wieder schön kompliziert: Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen der großen Bahnhalbachsen.
Aber bei näherer Betrachtung ist es eigentlich ganz simpel. Die große Halbachse gibt an, wie groß die Ellipse einer Planetenbahn ist und entspricht dem mittleren Abstand des Himmelskörpers von der Sonne. Die große Halbachse der Erdbahn ist knapp 150 Millionen Kilometer lang beziehungsweise eine Astronomische Einheit (AE). Venus zum Beispiel ist näher an der Sonne und hat eine große Halbachse von 0,7 AE. Jupiter ist weiter entfernt und die große Halbachse seiner Bahn beträgt 5,2 AE. Neptun, der am weitesten von der Sonne entfernte Planet, hat eine Bahn mit einer großen Halbachse von 30 AE.
Keplers drittes Gesetz sagt nun nichts anderes, als das ein Umlauf um die Sonne um so länger dauert, je größer die große Halbachse ist. Die Erde braucht für eine Runde um die Sonne ja bekanntlich 365,25 Tage. Der ferne Neptun braucht dagegen 165 Jahre um seine Bahn einmal komplett zu durchlaufen. Der sonnennahe Merkur dagegen schafft es in 88 Tagen. Die 365,25 Tage der Erde sind ein wenig unpraktisch, wenn es darum geht einen vernünftigen Kalender zu basteln, aber wir befinden uns eben nun mal da wo wir uns befinden und Kepler lässt uns keine andere Wahl als uns mit dem überzähligen Vierteltag herumzuärgern. Im Grunde lässt sich also eine möglichst genaue Umlaufzeit aller möglichen Planeten aus einem System errechnen, wenn man von einem Planeten möglichst genau die große Halbachse und die Umlaufzeit kennt und die große Halbachse des Planeten, dessen Umlaufzeit man errechnen möchte. Dieser mathematische Zusammenhang nicht nur bei Planeten, die um die Sonne schwirren, sondern immer dann, wenn irgendein Himmelskörper einen anderen umläuft. Auch Satelliten (#2).

Aber auf für das Leben auf der Erde spielt das dritte Gesetz eine wichtige Rolle. Damit sich Leben auf einem Planeten entwickeln kann, muss dieser "angenehme" Temperaturen haben. Es darf nicht zu warm und nicht so kalt sein, denn nur wenn flüssiges Wasser vorhanden ist, kann Leben, so wie wir es kennen, existieren. Ist der Planet dem Stern zu fern, dann friert das Wasser. Ist er zu nah, dann verdampft es. Wo sich dieser optimale Bereich befindet, hängt davon ab, wie stark der Stern strahlt. Bei schwach leuchtenden Sternen müssen die Planeten sehr nah heranrücken, damit lebensfreundliche Bedingungen herrschen. Je näher man dem Stern kommt, desto stärker werden aber die von ihm wirkenden Gezeitenkräfte, die die Rotation des Planeten bremsen. Irgendwann dreht sich der Planet dann genau so schnell um seine Achse wie er sich um den Stern bewegt. Ein Tag dauert dann genau so lang wie ein Jahr und auf so einem Planeten ist eine Hälfte immer zum Stern gewandt, auf der anderen dagegen herrscht ewige Nacht. Die eine Seite wäre glühend heiß, die andere klirrend kalt und Leben ist kaum möglich (#3). Die Erde ist aber weit genug entfernt, so dass die Gezeitenkräfte der Sonne nur wenig stören und so für relativ gleichmäßige Temperaturen auf Tag- und Nachtseite sorgen (#4).

Und dies führt zu einem Planeten voller Leben.

# 1 - Perihel und Aphel

Da die Sonne nicht im Zentrum der Ellipse ist, sondern in einem der Brennpunkte, gibt es immer einen geringsten und einen größten Abstand. Der Punkt auf der Umlaufbahn, an dem der umlaufende Körper dem zu umlaufenden Körper am nächsten kommt, wird Perihel genannt. Der fernste Punkt des umlaufenden Körpers dagegen Aphel. Das gilt sowohl für Planeten, Asteroiden und Kometen, die ein Zentralgestirn umlaufen, als auch für Monde, die um ihren jeweiligen Planeten wandern.

#2 - Satelliten

Je näher Satelliten der Erde sind, desto schneller sausen diese um die blaue Murmel herum. Die ISS in nur knapp 300 Kilometer Höhe braucht zum Beispiel nur 90 Minuten für eine Runde. Die geostationären Satelliten in 36.000 Kilometer Höhe brauchen dagegen 24 Stunden.

#3 - Gezeitenbremse

Beim Merkur ist diese Gezeitenbremse am stärksten ausgeprägt, er braucht für eine Drehung länger als für einen Umlauf.

#4 - Gezeitenbremse Mond

Die Erde wird zwar kaum durch die Gezeitenkraft der Sonne gestört, doch der wesentlich nähere Mond führt tatsächlich dazu, dass die Erde immer langsamer rotiert. Wobei sein Gezeiteneinfluss immer weiter abnimmt, da er sich jedes Jahr um ein paar Millimeter von der Erde entfernt. Vermutlich wird er aber irgendwann die Erde gestoppt haben, so wie die viel schwerere Erde den Mond gestoppt hat. Der Mond zeigt uns deswegen immer die gleiche Seite. Eine Rotation dauert genauso lange wie ein Umlauf um die Erde. Irgendwann wird also auch die Erde dem Mond immer das gleiche Gesicht zeigen. Das sind aber Zeiträume, die kein Mensch überblicken kann. Statisch ist dennoch nichts.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 17. Mai 2018, 08:49

Evolutionstheorie und Rassendiskriminierung

Regelmäßig, wenn die Argumente des Gegners dieser Theorie ausgehen, gibt es scheinbar nur zwei reflexartige Ausflüchte: Hitler und Satan.
Ersterer hat die Theorie genutzt, um die Juden verfolgen und umbringen zu lassen. Letzterer hat sie in Dasein gebracht oder Darwin eingegeben, damit die Welt glaube, es gäbe ihn und Gott überhaupt nicht.
Dem 2. Pfad zu folgen, führt immer in einen Zirkelschluss: Dass so etwas Perfides wie die Evolutionstheorie existiert, beweist ja im Grunde für den Gläubigen schon, dass es Satan gibt. Denn die Evolutionstheorie hat in seinem Gedankengebäude nur den Zweck, den Sinn der Zweifelnden und Ungläubigen zu verblenden und die Menschheit von Gott weg zu führen. Da kann man im Grunde auch nicht mehr vernünftig diskutieren.

Aber die andere Variante lässt sich leicht als Blödsinn entlarven.
Zum einen sagt der Missbrauch einer Theorie nichts über deren Richtigkeit aus, zum anderen sind völkische und ethnische Vorurteile so alt wie Völker und Ethnien. Und die gibt es nunmal nicht erst seit dem 24. November 1859.
Die Gravitationstheorie hat der Wissenschaft im beginnenden 19. Jahrhundert ein völlig neues Wissensgebiet erschlossen. Nun konnte man erstmals errechnen, warum Planeten sich so bewegen und wo man sie demnächst finden wird. Auch wie sich Bälle und dergleichen beim freien Fall verhalten und dergleichen mehr. Natürlich kann man damit auch errechnen, wie groß ein Brocken sein muss, damit ich eine Stadt zertrümmern kann. Ich müsste ihn aus dem All nur mit einer Rakete ablenken und könnte ihn theoretisch auf ein paar Kilometer genau auf der Erde abstürzen lassen.
Die Relativitätstheorie ist natürlich ebenfalls herrlich angenehm zum Erforschen des Universums und vertieft das Verständnis, das die Wissenschaft aktuell von diesem hat. Aber man kann auch Atombomben bauen.
Gehören diese Theorien dennoch verboten, weil man mit ihnen Schindluder treiben kann? An den dahinterliegenden Prozessen ändert sich ja trotzdem nichts. Nur, dass wir sie nicht mehr verstehen lernen.
Aber wenn Dinge verboten gehören, die missbraucht werden können, wären im Umkehrschluss die Religionen und deren heilige Schriften nicht ebenfalls einem solchen Verbot zuzuordnen? Immerhin wird im Namen von Religionen und heiligen Schriften schon seit jahrtausenden Mord und Totschlag, Enteignung und Versklavung betrieben, in einem Ausmaß, wie Newtons, Einsteins oder Darwins Theorien nie zu nutzen wären.
Denn die Evolutionstheorie, dass ist der gängige Tenor der daran Forschenden, ist ja nicht dazu da, Gott zu widerlegen, sondern die Welt ein wenig besser zu verstehen. So findet die Evolutionstheorie nicht nur im Hinterzimmer irgendwelcher Theoretiker Platz, sondern auch als Anwendungsbereich der Epidemologie, die sich mit der Klassifizierung und Erforschung von Seuchen und Massenkrankheiten befasst.

Grundsätzlich ist die Evolutionstheorie ja nur eine Fortsetzung anderer Theorien. Galileo und Kepler stießen die Erde aus dem Mittelpunkt des Weltalls. Spätere Astronomen erweiterten das Universum derart, dass die Erde nunmehr einen Randplatz in einer von zig Galaxien annimmt. Die Evolutionstheorie nimmt dem Menschen die "Krone der Schöpfung" und rückt ihn in die Tierwelt hinein. Sie zeigt auf, dass unser Verhalten nicht grundsätzlich anders ist, als das anderer Primaten. Ein schickes Auto ist nicht nötig, zeigt den Mädels aber, dass man diese versorgen könnte. Immerhin hat man genug Bananen gesammelt, um sich solchen Überfluss anzuschaffen. Das steigert seine Chancen, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Seine Gene bleiben erhalten.
Die Evolutionstheorie sagt: "Hey, du bist wie sie. Du stehst nicht drüber. Dich kann das alles hier genauso treffen, wie jeden anderen auf diesem Planeten." Ist das nicht eine demütige Aussage? Und da trifft sie doch wieder die Bibel, die fordert, Demut an den Tag zu legen.

Aber bleiben wir kurz bei Hitler:
Hätte es die Pogrome und die Konzentrationslager nicht gegeben, wenn Darwin, Wallace, Häckel und Co. diese Theorie nicht ausgearbeitet hätten? Natürlich hätte diese trotzdem gegeben. Man bedenke, dass die Juden schon immer die Gehetzten waren. Lange bevor Darwin überhaupt geboren wurde.
Schon die Bibel erwähnt solche Begebenheiten: Wer kennt nicht den Auszug aus Ägypten, inklusive der 10 Plagen und der vorangegangenen Ereignisse? Weniger bekannt ist da schon die Verfolgung durch den obersten Hofbeamten Haman unter dem persischen Großkönig Ahasverus, was man im Bibelbuch Esther lesen kann. Und dann gibt es da noch die Auseinandersetzungen und Verballhornung im Mittelalter. Juden-Bashing ist also keine neuzeitliche Erfindung, die irgendeiner wissenschaftlichen Theorie bedarf. Die Evolutionstheorie ist hier ebenso missbrauchtes Werkzeug, wie all die Jahrtausende die Religion, das Militär oder die Wirtschaft.

Ein Hammer ist ja perse auch nichts Schlechtes. Man sollte ihn halt nur für Nägel und nicht für Schädel verwenden.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 18. Mai 2018, 19:42

Muslimischer Terror und die Darwinisten
All dies zeigt, dass die moralische Lehre, die der Menschheit im Islam geboten wird, der Welt Frieden, Glück und Gerechtigkeit bringen wird. Der Barbarismus, der in der Welt heute unter dem Namen "islamischer Terrorismus" verübt wird, steht vollständig abseits der moralischen Lehre des Qurans; er ist das Werk von ignoranten, voreingenommenen Leuten, von Verbrechern, die mit der Religion nichts zu tun haben.

Das klingt natürlich erst mal gut, oder? Ein Moslem, der, wie so viele, seinen Glauben nicht mit dem Terrorismus in Einklang bringen kann. Glücklicherweise sind diese in der Mehrheit. Paniker können also wieder ruhiger atmen, nicht jeder der anderthalb Milliarden Muslime geht mit Bombengürtel vor die Tür. Puh.

Dieses Zitat war auf der Webseite des türkischen Autoren Harun Yahya zu finden. Er selbst bezeichnet sich als "bekannten türkischen Intellektuellen". Wie wir im Beitrag " Grundlagen: Kreationismus - Teil 4: Ein Imam über die feinabgestimmte Einrichtung der Welt" (wo ich ihn noch als Iman bezeichne, der er aber gar nicht ist und nie vorgab zu sein) erfahren konnten und es sich in Wikipedia über ihn liest, sind seine Aussagen nicht immer mit dem Prädikat "intellektuell" zu versehen. In einem Interview mit dem Spiegel Online (#1) sagt er dann noch folgende intelligente Dinge:
Der Darwinismus ist die Grundlage für Hitlers und Mussolinis Faschismus und Stalins Kommunismus. Und wenn wir uns die Gegenwart anschauen, dann sehen wir, dass alle Terroristen - auch diejenigen, die sich selbst als Muslime betrachten - in Wahrheit Darwinisten und Atheisten sind. Ein gläubiger Mensch, der regelmäßig betet, legt keine Bomben. Das machen nur Menschen, die vorgeben, Muslime zu sein - oder Darwinisten, die klar sagen, dass sie Terroristen oder Kommunisten sind. Folglich sind sie alle Darwinisten.

Klingt fast wie eine mathematische Gleichung.
Theorem 1: Muslime legen keine Bomben.
Theorem 2: Tut ein Moslem es doch, so gibt er nur vor ein Moslem zu sein.
Schlussfolgerung: Alle Bombenleger sind Darwinisten.

Nun wird selbstverständlich übersehen, dass Muslime, die keine Bomben legen, demnach also echte Muslime sind, trotzdem die Überzeugung der Existenz irgendeiner Form der Evolution haben können und sei es die theistische Evolution (Kurz: Gott erschuf die Arten durch Evolution.). Wie sie das in ihrem Leben unter einen Hut bringen, ist dabei irrelevant.
Blödsinn aber ist es, die religiöse Motivation der Attentäter hinweg zu lächeln und zu behaupten, sie hätten keine. Man kann gern wegschauen, damit das Bild der eigenen friedlichen Religion nicht zerstört wird, aber die Realität lässt sich nicht erzeugen, indem man Dinge übersieht.
Zum Beispiel, dass Darwinisten (#2) in vielen Religionen zu Hause sind, man aber entsprechend selten von christlichen, jüdischen oder taoistischen Selbstmordattentätern liest und hört. Auch Atheisten sprengen sich nicht willkürlich in die Luft, weil sie keinen Gott fürchten müssen, der sie im ewigen Höllenfeuer für die Verschwendung des gottgeschenkten Lebens bestraft.
Selbstmordattentate beruhen in der Regel darauf, dass man möglichst viele Ungläubige in den Tod reißen will, da diese den eigenen Gott erbosen, dies aber weder bereuen, noch entsprechende Änderungen vornehmen. Die Aussicht auf eine Belohnung in einer jenseitigen Welt ist sicherlich ein gutes Lockmittel, was bei Atheisten nicht verfängt, da sie ja nicht glauben. Warum sollten sich Atheisten auch in die Luft sprengen? Welches Ziel verfolgen sie (#3)? Und warum bekennen sich diese Selbstmordatheisten mehrheitlich zur Lehre des Propheten Mohammed? Es stehen doch so viele Religionen zur Auswahl, die man als Deckmantel nutzen kann.

Auch hatte ich bereits eine kurze Abhandlung darüber verfasst, warum Evolution und Rassismus nicht miteinander einhergehen (Beitrag "Grundlagen: Evolutionstheorie und Rassendiskriminierung"). Rassenfeindlichkeit wie im Faschismus und kollektive Ausrottung wie im Kommunismus sind keine Ideen, die erst seit Darwin und Haeckel in die Welt kamen oder von diesen entwickelt wurden. Totalitäre Regime gab es zuvor. Ansichten, dass der niedere Russe dem Stolz der Grand Armee von Napoleon nicht standhalten könne, hat es ebenso gegeben, wie versklavte Volkschaften allein, weil sie nicht aus dem versklavenden Reichsgebiet stammten. Zum Beispiel die zahlreichen Indios nach der Kolonisierung Amerikas oder die eingeschleppten Afrikaner. Als Bonaparte starb, war Darwin noch ein Schulkind. Als erstmals Abertausende Sklaven nach Amerika verschifft wurden, war wiederum Napoleon noch nicht mal geboren.

Entscheidet bitte selbst, ob die Äußerungen von Harun Yahya wirklich von Intellekt zeugen oder einfach nur dumme, unhaltbare Behauptungen.

#1 - Quelle: Spiegel Online Interview mit Harun Yahya
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/interview-mit-harun-yahya-alle-terroristen-sind-darwinisten-a-578838.html

#2 - Darwinist ist aber auch ein blödes Wort, so wie Evolutionsbefürworter. Es wird der Eindruck einer beliebigen Anschauung im Sinne eines Glaubensbekenntnis erweckt oder aber das (mehr oder weniger) blinde Folgen, der Idee eines einzelnen Mannes.

#3 - Irritierend ist diese Frage auch, weil Atheisten im Gegensatz zu religiösen Gruppen keinen Dachverband haben und auch kein gemeinschaftliches Ziel oder Motiv vorhanden ist.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 23. Mai 2018, 17:47

Photosynthese auf anderen Planeten

Im folgenden schreibe ich bewusst nicht von intelligenten Aliens, denn darum soll sich dieser Beitrag nicht gehen.
Aber eine der vielversprechensten Methoden bei der Suche nach außerirdischem Leben ist der Versuch, sogenannte Biomarker in Atmosphären extrasolarer Planeten zu finden.

Nochmal: Es geht explizit nicht darum Alienstädte zu finden, sondern Hinweise auf Lebensformen auf Planeten, die andere Sterne umkreisen. Bereits dies zeigt wieder sehr deutlich, wie unglaublich rasant die Entwicklung in der Astronomie vorangeht, wenn man bedenkt, dass vor etwas mehr als 20 Jahren überhaupt nur theoretisch angenommen wurde, dass es um andere Sterne so etwas wie Planeten geben müsste.

Was sind nun Biomarker in fremden Atmosphären?
Das sind bestimmte Gase, die hauptsächlich durch das Vorhandensein von Lebewesen hervorgebracht werden: Sauerstoff oder Methan zum Beispiel.
Es kann aber auch eine ganz bestimmte Energieverteilung des reflektierten Sonnenlichts sein. Die Pflanzen auf der Erde benutzen den roten Teil des Lichts für ihre Photosynthese, den infraroten aber nicht. Daher findet sich im von der Erde reflektierten Licht Infrarot, aber wenig Rot. So eine Verteilung auf einem fernen Himmelskörper wäre ein mehr als deutlicher Hinweis auf die Aktivität von Pflanzen, die Photosynthese betreiben, wie es unsere heimischen Pflanzen auch tun.

Jetzt könnte natürlich wieder der Einwand kommen, wieso sich Wissenschaftler wieder darauf beschränken, nach erdähnlichen Prozessen zu schauen und nicht "ein bisschen weiter zu denken". Ein Forscher ist nicht zwangsläufig naiv, wenn er sich bei der Suche nach außerirdischem Leben auf das beschränkt, was er kennt. Natürlich ist den Leuten klar, dass Leben im Grunde "irgendwie" aussehen kann und eben nicht dem auf der Erde gleichen muss. Aber wenn diese Leben suchen wollen, dann können sie nur nach etwas suchen, bei dem sie sich sicher sein können, dass sie es bemerken, wenn sie es gefunden haben. Momentan kennen wir nun mal nur das Leben, wie es auf der Erde vorkommt.
Wir wissen nicht, ob Pflanzen auf anderen Planeten Photosynthese betreiben, wie unsere, aber wir können nur deren Biomarker eindeutig zuordnen. Wenn Wissenschaftler irgendwann mal herausgefunden haben, wie "anderes" Leben funktioniert, können sie auch danach suchen.

Aber wie stehen eigentlich die Chancen für extrasolare Photosynthese?

Die meisten Sterne in unserer Milchstraße sind sogenannte rote Zwerge (auch "M-Zwerge" genannt). Das sind Sterne, die kleiner und kühler sind als die Sonne. Es spricht nicht nur nichts dagegen, dass auch dort Planeten existieren, man hat dort sogar schon welche gefunden. Da es aber nicht zu kühl sein darf, muss ein lebensfreundlicher Planet (im Sinne einer erdähnlichen Temperatur, wo Wasser fest, flüssig und gasförmig vorkommt) näher am Stern sein, als es die Erde ist. Doch je dichter ein Planet seinem Stern kommt, desto stärker wirken dessen Gezeitenkräfte auf den Planeten und desto schneller wird der Himmelskörper vom Stern in seiner Rotation ausgebremst. So zeigt uns der Mond nur deshalb die stets gleiche Seite, weil die Erde seine Rotation so weit ausgebremst hat, dass er für eine Rotation genauso lange braucht, wie für einen Umlauf. Das nennt man in der Astronomie eine "1:1 Spin-Orbit-Resonanz".
Das kann auch Planeten passieren, wenn sie zu dicht an einem Stern sind. In unserem Sonnensystem ist der Merkur am stärksten betroffen. Noch rotiert er, doch er braucht für einen Merkurtag (eine Drehung um die eigene Achse in 120 Tagen) länger als für ein Merkurjahr (ein Runde um die Sonne in 88 Tagen). Dadurch wird eine Seite immer kross gebacken, während die angewandte eiskalt ist. Zwischen diesen Extremen herrschen permanente Sturmwinde.

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Es kann allerdings nicht pauschal behauptet werden, dass es dort kein Leben geben könne. Das hängt nämlich von der Atmosphäre ab und wie gut diese die Wärme über den Planeten verteilen kann. Mit Photosynthese wird es auf einer immer dunklen Seite aber sicherlich nichts und ob es den Pflanzen auf der aufgeheizten hellen Seite besser geht ist zweifelhaft.
Aber wie an Merkur zu erkennen muss es ja keine 1:1 Spin-Orbit-Resonanz sein. Merkur hat annähernd eine 3:2 Spin-Orbit-Resonanz.

Wie sieht es da mit der Photosynthese aus?

Das haben Sarah Brown von der Universität Edinburgh und ihre Kollegen 2014 untersucht (#1).
Auf einem hypothetischen Exoplaneten mit einer 3:2 Spin-Orbit-Resonanz gibt es also lange Tage, aber auch lange Nächte. Will man wissen, wie viel Licht auf den Planeten fällt, muss man wissen, wie hoch der Stern im Laufe der langen Tage am Himmel steht und wie sich das verändert. Von der Erde kennen wir das ja und lernen es schon in der Grundschule: Die Sonne geht im Osten auf, erreicht Mittags ihren höchsten Punkt am Himmel im Süden und geht abends im Westen wieder unter. Bei den resonanten Planeten dauert so ein Auf- und Untergang natürlich länger – und manchmal kommt der Stern nach dem Untergang sogar kurz wieder zurück beziehungsweise verschwindet nach dem Aufgang gleich wieder. Das soll in diesem Diagramm veranschaulicht werden.

Bild
Die x-Achse zeigt die Zeit beziehungsweise wie oft der Planet den Stern umrundet hat. Die Skala läuft von 0 bis 2. Das Diagramm zeigt also 2 Runden um den Stern und damit 3 ganze Planetentage. Die y-Achse zeigt, wo vom Planeten aus der Stern am Himmel zu sehen ist. Die Skala läuft von -90 bis +90 Grad. Bei -90 Grad geht der Stern auf, bei 0 Grad steht er am höchsten am Himmel und bei +90 Grad geht er unter. Links im Bild sehen wir das erwartete Verhalten (also jenes, dass wir von der Erde kennen): Der Stern geht auf, steigt am Himmel immer höher, sinkt wieder und geht schließlich unter. Die verschiedenfarbige Linien zeigen die Situation auf verschiedenen Breitengraden an: Gelb ist der Äquator, danach folgen Breiten von 67.5, 45, 22.5 und 0 Grad (also der Pol).

Links sehen wir das, was wir auch von der Erde kennen, die annähernd kreisförmig die Sonne umrundet. Seltsam wird es dann aber im rechten Bild, die die scheinbare Sonnenbahn auf einem Planeten mit exzentrischen Umlauf (im Fallbeispiel ist die Bahnexzentrizität e=0,3) darstellt. Der Planet ist nun auf seiner Bahn dem Stern unterschiedlich nah und dem entsprechend auch unterschiedlich schnell (2. Keplersches Gsetz). Und so kann es vorkommen, dass zur Zeit der größten Annäherung die Drehung des Planeten um den Stern herum den Effekt der Drehung des Planeten um seine Achse aufhebt, ja sogar rückläufig macht. Der Stern kann während der Annäherung also schon hinter dem Horizont verschwunden, die "Nacht" eingeläutet sein, und dann taucht er nochmal kurz auf, bevor er dann endgültig bis zum "Morgen" verschwindet. Das umgekehrte Schauspiel lässt sich auch beim Sonnenaufgang beschreiben. Das ist für uns ungewohnt, findet auf Merkur aber tatsächlich statt.

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Menge an Licht, die für die Photosynthese zur Verfügung steht. Das zeigt dieses Diagramm aus der Arbeit von Brown und ihren Kollegen:
Bild
Die unterschiedlichen Farben geben die Intensität des einfallenden Sonnenlichts an. Links wieder der "Normalfall", wie auf der Erde: warmer Äquator, kalte Pole. Rechts ein Planet mit einer Bahnexzentrizität von 0,2, wie Merkur. Auch hier ist der Äquator am wärmsten, aber es gibt auch Gegenden, wo es immer dunkel ist.

Die unregelmäßige Verteilung des Lichts macht die Sache kompliziert. In den hellen, warmen Gegenden solcher Planeten hätten die Pflanzen zwar genug Licht, aber die Nächte dauern trotzdem immer noch enorm lange. Es ist fraglich, ob Pflanzen solche Dunkelphasen überstehen. Die Diagramme zeigen zudem nur gemittelte Werte des ganzen Zyklus.
Pflanzen müssen aber die realen extremen Temperaturschwankungen aushalten. Es hängt also essentiell von der Fähigkeit der Atmosphäre ab, wie gut sie die Wärme verteilen und halten kann.

Von der Erde her kennen wir photosynthetische Organismen, die durchaus in Lage sind, längere Zeiten ohne Licht auszukommen: Mixothrophen.
Mixotrophie bedeutet, dass die Lebewesen einerseits Photosynthese betreiben, sich aber chemisch ernähren können, wenn es nötig ist. Es spricht also prinzipiell nichts dagegen, dass sich auf solchen Planeten ebenfalls mixothrophe Pflanzen entwickeln.

Bild
Pfiesteria shumwayae, ein Dinoflagellat kann sowohl per Photosynthese Energie aufnehmen, als auch einfach irgendwas anderes fressen.

Interessant sind die abschließenden Betrachtungen in dem Paper: Solche Planeten rotieren langsam und haben ein entsprechend schwaches Magnetfeld, das kosmische Strahlung, aber auch die intensive Röntgen- und UV-Strahlung des nahen Sterns (M-Sterne sind in der Regel sehr aktiv) nicht anfangen kann, wenn keine dicke Atmosphäre für Schutz sorgt. Da es auf der Erde aber Extremophile gibt, die mit ähnlichen Bedingungen fertig werden, spricht grundsätzlich nichts dagegen, dass solche Arten auch andernorts existieren könnten.

Hinzu kommt der Effekt der "Periheldrehung", der auch bei Merkur zu beobachten ist. Die ganze Bahn des Merkur wandert um die Sonne und Merkur auf dieser. Ein bisschen wie ein Hollahoopreifen um die Hüfte, auf deren Ring der Merkur tänzelt. Die hellen und dunklen Bereiche wandern also in mehreren hunderttausend Jahren umher. Hypothetische Pflanzen, die in einem hellen Bereich aufgewachsen sind, finden sich eines Tages in dunklen Zonen wieder. Merkur braucht cirka eine Viertelmillion Jahre für diesen Tanz.
So etwas könnte das Leben zerstören - oder gerade erst anheizen. Die Periheldrehung ist langsam genug, damit die Evolution Schritt halten könnte. Vielleicht gibt es auf solchen Planeten migrierende Pflanzen, die im Laufexder Zeit langsam ihren Planeten umrunden, um immer im optimalen Bereich zu bleiben.

Vielleicht gibt es auf solchen Spin-Orbit-Planeten aber auch gar kein Leben. Wer weiß ...

#1 - Sarah Brown et al: Photosynthetic Potential of Planets in 3:2 Spin Orbit Resonances
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 30. Mai 2018, 11:59

Rezension: Tagestext: Dienstag, 17. April 2018 (Mat. 13:23)

Dieser ist es, der das Wort hört und dessen Sinn erfasst, der wirklich Frucht trägt (Mat. 13:23)

Eine junge Schwester aus Frankreich bemerkte: "Meine Lehrer finden es ziemlich erstaunlich, dass es Schüler gibt, die noch an die Bibel glauben." Bist du ein junger Diener Jehovas oder lernst du Jehova gerade erst kennen? Fühlst du dich manchmal unter Druck gesetzt, dich den Überzeugungen der Allgemeinheit anzuschließen, zum Beispiel die Evolutionstheorie für glaubhaft zu halten, statt an einen Schöpfer zu glauben? Falls ja, dann kannst du etwas dafür tun, deinen Glauben zu stärken und ihn stark zu erhalten. Eine Möglichkeit wäre, das dir von Gott verliehene Denkvermögen zu nutzen, das "stets über dich wachen wird". Es wird dich vor weltlichen Anschauungen schützen, die deinen Glauben zerstören können (Spr. 2:10-12). Echter Glaube beruht auf einem genauen Verständnis über Gott (1. Tim. 2:4). Wenn du dich also mit Gottes Wort und biblischen Veröffentlichungen beschäftigst, dann überfliege den Stoff nicht einfach. Denk darüber nach, damit du den Sinn von dem erfasst, was du liest. w16.09 4:1-3

Selbstkonditionierung: Ich befasse mich mit dem mir selbst auferlegten Stoff und meide Fremdquellen.
Man kann so durch die Welt gehen und trotzdem gut leben. Man verschafft sich sicherlich auch ein gefächertes Wissen, aber eben nur in eine Richtung geschaut.
Ich wäre ebenfalls überzeugter Kreationist, wenn ich die vorgekauten Häppchen aus Wachtturm und Erwachet, ohne Gegenrecherche zu mir geführt hätte. Aber ich habe nachgeschaut, ich habe andere Dinge gelesen. Und daher bin ich kein Kreationist.
Ich kann die Ansicht der Wachtturmgesellschaft nicht teilen, dass wir in einer Schöpfung eines liebevollen Gottes leben, so schön die sich daraus ergebende Heilshoffnung auch anhört.

Bild: Kreationisten glauben dass wir mit Staub näher verwandt sind als mit Affen

Um sich also vor "weltlichen Anschauungen" zu schützen, müsste man wissenschaftliche oder populärwissenschaftliche Texte zu Themen ignorieren, die tatsächlich gegenläufige Beschreibungen zu Glaubensinhalten argumentieren.

Da die Zeugen Jehovas den großen Tag Gottes, Harmaggedon, durch eine neue Definition der Generationen auf unbestimmte Zeit irgendwann in den nächsten 30 Jahren verschoben haben, ist gegen diese Heilsidee mit logischen Argumenten wenig entgegen zusetzen. Dann halt einfach abwarten. Aber wenn nix passiert, wird vermutlich einfach eine neue Wortdefinition kommen.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 1. Jun 2018, 13:52

Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 1: Bitte nicht Shakespeare!

Ich kenne persönlich Leute, die Tarot lesen, Heilsteine sammeln, an Homöopathie oder heilende Hände glauben. Auch Schöpfungsanhänger sind dabei. Wenn man etwas erwidert, kommt auch schon mal: "Die Wissenschaft weiß nicht alles!" Das ist richtig. Es zeigt aber auch, dass man eine bestenfalls schwammige Vorstellung davon hat, worum es in der Wissenschaft überhaupt geht. Wissenschaft behauptet ja gar nicht, alles zu wissen. Sie behauptet nicht einmal, irgendwas mit absoluter Sicherheit zu wissen. Wissenschaft trifft nur Aussagen über die Welt, die durch Beobachtung und Experimente untersucht werden, um die Wahrheit zu entdecken. Aber diese Aussagen sind immer Veränderungen unterworfen. Irgendwer entdeckt eine neue Gesetzmäßigkeit, die alte Daten umwirft oder neu interpretiert. Viele Leute da draußen mögen das nicht.
Auf der Beliebtheitsskala ganz oben steht auch das verkappte Shakespear-Zitat: "Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich die Wissenschaft nicht träumen lässt." Dieses vermeintliche Totschlag-Argument ist leicht zu entkräften und zwar mit dem Kontext, indem dieses Zitat entsteht.

Vermutlich soll der Satz aussagen: "Du bist zu klein für solche Themen. Dir fehlt der spirituelle Zugang. Deine rationale Herangehensweise verhindert, dass du tiefer eindringst, dir die Geheimnisse des Lebens und der Welt erschließt." Ja, wenn der große Shakespeare das gesagt hat, muss natürlich was dran sein.

Was brauchen wir für ein Totschlag-Argument:
  1. Eine Autorität: Shakespeare ist gut. Goethe auch (bei dem ist schwurbelmäßig sowieso immer was zu holen). Schiller geht so. Besser noch sind Wissenschaftler, wie Einstein, Newton oder Galileo. Gerne auch fernöstliche Größen wie der Dalai Lama, Konfuzius und wie sie alle heißen. Und natürlich sind auch alle irgendwie naturbelassenen Völker hinreichend glaubwürdig, dann geht's auch ohne einzelne Autoritäten: alte indianische Weisheit, uralte Weisheit der Maya und so weiter ...
  2. Verzicht auf den Kontext: Es sollte nicht interessieren, dass dieser Satz von Hamlet, einer literarischen Figur aus dem gleichnamigen Stück, zu seinem Freund Horatio gesprochen wurde und nicht etwa von Shakespeare zum Leser des 21. Jahrhunderts.
  3. Verzicht auf genaue Übersetzung: "These are more things in heaven and earth, Horatio, That are dreamt of on your philosophy." heißt selbstverständlich "Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit/Wissenschaft sich träumt, Horatio."
  4. Eine gewisse diffuse Allgemeingültigkeit: Kann man einen Satz nur mit "Aha, stimmt schon" beantworten, ist er totschlag-argument-tauglich. "Heißa! - rufet Sauerbrot - Heißa! meine Frau ist tot!!" Na ja, nein, nicht geeignet. Irgendwie zu ... zynisch. Da wabert nichts. Typisch Wilhelm Busch halt. Wie wär's damit: "Überall, wo der weiße Mann die Erde berührt, ist sie wund ..." Hervorragend geeignet! (Kein Wunder, ist ja auch eine indianische Weisheit.) Eins von Schiller geht auch: "Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergeblich."

Kommen wir noch einmal auf den Kontext zu sprechen und der dahinterliegenden Aussage.

Das Orginalzitat, Akt I, Szene V lautet:
"These are more things in heaven and earth, Horatio,
That are dreamt of on your philosophy."
Bei Esoterikern wird dies oft mit:
"Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden,
Als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio."

Wer dieses Zitat aber übernimmt, argumentiert, dass man mit aus der Unwissenheit der Wissenschaft darauf schließen kann, dass die Dinge, die man zu verteidigen versucht, ja doch existieren (können). Und dieses Zitat wertet man als Verteidigung so treffsicher, ohne auch nur eine Übersicht zu besitzen, was Wissenschaft denn schon alles weiß.
In welchem Kontext traf Hamlet diese Aussage. Der dänische Prinz Hamlet erfährt, dass sein gleichnamiger Vater, König von Dänemark, verstorben ist und dessen Bruder Claudius, die Königin geheiratet hat. Im Schloss des Vaters begegnet ihm der Geist des Vaters und erzählt, wie Claudius ihn vergiftet habe, um selbst den Thron zu besteigen. Nachdem die Gestalt verschwunden ist, kommt das berühmte Zitat (übrigens auch auf Wikipedia falsch übersetzt).
Ist Hamlet aber bereit, der Aussage des Geistes einfach so zu glauben? Nein: Er bittet eine reisende Schaustellertruppe, die Mordszene vor der Hoföffentlichkeit zu spielen und begründet dies so:
"[...] Sie sollen was
Wie die Ermordung meines Vaters spielen
Vor meinem Oheim: ich will seine Blicke
Beachten, will ihn bis ins Leben prüfen;
Stutzt er, so weiß ich meinen Weg. Der Geist,
Den ich gesehen, kann ein Teufel sein;
Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden
In lockender Gestalt; ja, und vielleicht,
Bei meiner Schwachheit und Melancholie,
(Da er sehr mächtig ist bei solchen Geistern),
Täuscht er mich zum Verderben: ich will Grund,
Der sichrer ist. Das Schauspiel sei die Schlinge,
In die den König sein Gewissen bringe."
(Akt II, Szene II)

Hamlet prüft also die Vermutung, der Geist habe ihn getäuscht und der jetzige König sei unschuldig. Erst nach der Falsifizierung der Vermutung durch das nervöse Verhalten des Königs ist Hamlet bereit, zu handeln und Claudius zu töten. Die Vermutung ist falsifizierbar und kommunizierbar. In der Kommunizierbarkeit, nämlich dem Verhalten des Königspaares vor der Hoföffentlichkeit liegt gerade der Test.
Hamlet ist somit kein Garant für die Existenz von Paraphämomenen, seien es Globuli oder Engel. Im Gegenteil sogar: Er ist das Urbild eines skeptischen Wissenschaftlers. Als echter Skeptiker sucht Hamlet die Ursache zuerst bei sich ("Bei meiner Schwachheit und Melancholie"). Er zeigt, was den Wissenschaftler und den Parawissenschaftler unterscheidet: Der Wissenschaftler will "Grund, der sicherer ist". Und er will erst handeln, wenn er seine Hypothesen geprüft weiß.


Der Herr Shakespeare hat also eine Geschichte, basierend übrigens auf einer älteren Geschichte, die nicht von ihm selbst war, erfunden und es für passend befunden, diese Figur - beide Freunde waren übrigens hochgebildet - diesen Satz sagen zu lassen. Ich habe aufgrund der Ungleichzeitigkeit unserer Existenz nie ein Eis mit ihm zusammen gelöffelt und weiß daher nicht, welche Weltanschauung er hatte. Da ich aber selbst auch Geschichten schreibe, weiß ich, dass nicht zwangsläufig alle von Figuren vertretenen Meinungen auch die des Autors sein müssen.
Wenn man bedenkt, dass Hamlet dies zu Horatio sagt, einer ebenfalls von Shakespear erdachten Figur, die als Rationalist ersonnen wurde, kommt die Frage auf, welcher Figur Shakespear selbst mehr gleicht. Aber alles was Horatio sagt, stammt ebenfalls aus der Feder des großen Schreibers. Für mich ist es völlig okay, wenn fiktive Geister in einer fiktiven Geschichte von ausgedachten Figuren gesehen werden. Aber das hat nichts mit der Realität zu tun.
Erschwerend kommt hinzu, dass Shakespear Dramatiker, Lyriker und Schauspieler war und kein Wissenschaftler. Er war Autor fiktionaler Romane. Auch verstarb er bereits 1616 und war eine Person seiner Zeit, mit dem Wissen seiner Zeit. Und natürlich gibt es Dinge, die sich weder Autor, noch die Figuren damals erträumen konnten, die aber dennoch bereits zu dieser Zeit ihre Wirkung zeigten: Auch dem Shakespear wurde die Nase rot, wenn er zu lange in der Sonne war, auch ohne etwas von Ultraviolett- und Infrarotstrahlung zu wissen (#1). Auch ihnen strahlte die Sonne überhaupt auf den Pelz, obwohl Kernfusion völlig unbekannt war.

Weder Shakespeare, noch der von ihm konstruierte Hamlet sagen mit obigem Zitat, dass Homöopathie oder Heilkristalle funktionieren oder der Kreationismus wahr wäre. Da darf man gern selbst mal nachschlagen. Auch künftig wird die Wissenschaft Dinge finden, die wir heute noch nicht ahnen. Aber sie werden messbar sein. Sie werden gut begründet sein. Ist das nicht herrlich?

In diesem Sinne haben auch Löffelverbiegen und Kreationismus etwas gemeinsam. Für beides gibt es keine Beweise, aber trotzdem wird daran geglaubt.

#1 - Infrarot- und Ultraviolettstrahlung
Die Infrarotstrahlung wurde um 1800 vom deutsch-britischen Astronomen, Techniker und Musiker Friedrich Wilhelm Herschel bei dem Versuch entdeckt, die Temperatur der verschiedenen Farben des Sonnenlichtes zu messen (nicht Isaac Newton, der stellte fest dass die bunten Farben des eigentlich weißen Lichtes nicht durch das Prisma erschaffen werden, wie von Vorläufern behauptet, sondern durch die Auffächerung bereits im weißen Licht enthalten war). Er ließ dazu Sonnenlicht durch ein Prisma fallen und platzierte ein Thermometer in den einzelnen Farbbereichen. Er bemerkte, dass jenseits des roten Endes des sichtbaren Spektrums das Thermometer die höchste Temperatur anzeigte. Aus dem beobachteten Temperaturanstieg schloss er, dass sich das Sonnenspektrum jenseits des Roten fortsetzt.

Die Entdeckung der UV-Strahlung folgte aus den ersten Experimenten mit der Schwärzung von Silbersalzen im Sonnenlicht. Im Jahr 1801 machte der deutsche Physiker Johann Wilhelm Ritter die Beobachtung, dass Strahlen gerade jenseits des violetten Endes im sichtbaren Spektrum im Schwärzen von Silberchloridpapier sehr effektiv waren. Er nannte die Strahlen zunächst "de-oxidierende Strahlen", um ihre chemische Wirkungskraft zu betonen und sie von den infraroten "Wärmestrahlen" am anderen Ende des Spektrums zu unterscheiden. Bis ins 19. Jahrhundert wurde UV als "chemische Strahlung" bezeichnet.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 5. Jun 2018, 17:43

Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 2: Was ist eine Theorie?

Über das fehlerhafte Verständnis, was eine umgangssprachliche Theorie und eine wissenschaftliche Theorie unterscheidet, schrieb ich ja bereits mehrmals. Um den Prozess der Wissenschaft in dieser neuen Artikelserie zu beschreiben, will ich dennoch einen dieser Beiträge darauf verwenden, zu erläutern, was eine wissenschaftliche Theorie überhaupt ist und warum sie in der Wissenschaft die bestmögliche Art eines Arbeitswerkzeuges darstellt.
Das, was allgemein als Stand der Wissenschaft oder wissenschaftlicher Fakt bezeichnet wird, sind alles wissenschaftliche Theorien. Unsere Computer, unsere Autos, unsere Antibiotika, das alles beruht auf wissenschaftlichen Theorien.
Folgende Dinge müssen für eine naturwissenschaftliche Theorie erfüllt sein:
  1. Logik: Jedes Naturgesetz und jede wissenschaftliche Theorie startet als Idee. In der Sprache der Wissenschaft bezeichnet man das als Hypothese. Und die muss zuallerst mal logisch sein. Daher ist die Mathematik die Sprache der Naturwissenschaft. Auch deswegen, weil man zwar mit der Mathematik auch lügen kann, aber dass ziemlich schnell auffliegt. 2+2 ergibt nun mal 4 - völlig unabhängig davon, wie die persönliche Meinung aussieht. Eine logische und mathematische Beschreibung unterscheidet eine wissenschaftliche Idee von irgendeinem Wust im Netz.
  2. Nachprüfbarkeit: Eine Hypothese wird nur dann zum Naturgesetz oder Teil einer wissenschaftlichen Theorie, wenn sie sich überprüfen lässt. Dass heißt, es muss sich immer eine Kette von Ereignissen finden lassen, die durch diese Hypothese beschrieben werden kann (experimentelle Bestätigung). Gleichzeitig darf es keine Ereignisse geben, welche dieser These widersprechen (experimenteller Gegenbeweis oder Falsifizierbarkeit). Es muss immer irgendwo ein Vergleich zwischen mathematischer Beschreibung und der Realität stattfinden, so wie sie sich uns darstellt. Geht dieser Vergleich schief oder ist er selbst indirekt und in ferner Zukunft nicht möglich, wird die Hypothese als unwissenschaftlich aussortiert.
  3. Konsistenz: Die Naturgesetze und Theorien dürfen sich nicht widersprechen. Wenn sie das tun, dann ist das ein Anzeichen dafür, dass irgendetwas in den Beschreibungen nicht ganz richtig ist. Denn Naturgesetze sind keine unabhängig voneinander existierenden Gebilde, sondern hängen miteinander zusammen und/oder bauen aufeinander auf. Wenn an einem Gesetz, was geändert werden muss, hat das immer Folgen für eine ganze Reihe von anderen Gesetzen. Streng genommen ist es eigentlich eine Folge des ersten Punktes. Denn logische Aussagen sind widerspruchsfrei.
Besonders wichtig dabei: Es gibt in der Wissenschaft niemals den alle Zweifel ausräumenden allgemeingültigen Beweis. Die Wissenschaft wird daher niemals behaupten können: Die Welt ist halt so. Wissenschaftler wissen, dass ihre Beschreibungen allenfalls gute Näherungen der Realität sind und dass es immer etwas geben wird, das wir nicht wissen. Das mag unbefriedigend erscheinen, verhindert aber, dass Wissenschaft in Dogmatismus erstarrt und sich Neuerungen gegenüber verschließt.
Gleichzeitig sind Wissenschaftler auch Pragmatiker. Dass heißt, sie erkennen zwar an, dass ihre Theorien und Gesetze die Wirklichkeit nicht bis ins letzte Detail widergeben können, dass sie "nur" Annäherungen an die Wirklichkeit sind und dass Irrtümer vorkommen können. Aber solange es funktioniert, haben sie kein Problem damit, die bestehenden Theorien ausgiebig und höchst erfolgreich in der Praxis zu verwenden (zum Beispiel in Form von Glühbirnen, Fernsehern, Kraftwerken, Teflonpfannen etc.), bis die nächste Verbesserung daherkommt. Es gibt sie natürlich auch, die Wissenschaftler, die wilde Spekulationen ausrufen und zu Dogmatismus tendieren. Aber es sind als auch nur Menschen.

Der Weg zur neuen Theorie funktioniert in zwei Richtungen:
  1. Induktiv (Erst Experiment, dann Naturgesetz): Ein Apfel fällt zu Boden, wenn ich ihn loslasse. Wie kann ich das mathematisch und im Einklang mit anderen Naturgesetzen beschreiben? Gilt das Gesetz auch für Birnen und Holzkugeln? Das Newtonsche Gravitationsgesetz erklärte nicht nur den freien Fall eines Apfels, sondern auch die Keplerschen Gesetze, welche die Bewegung der Planeten beschreibt.
  2. Deduktiv (Erst Naturgesetz logisch entwickeln, dann mit Experiment überprüfen): Aristoteles behauptete, dass schwere Gegenstände schneller fallen müssten als leichte. Galileo Galilei hat durch scharfes Nachdenken nachgewiesen, dass das nicht sein kann. Stattdessen müssen alle Körper gleich schnell fallen, was er auch experimentell überprüfte.


Youtube-Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=KDp1tiUsZw8 (englisch)
Ebenfalls Youtube: Analyzing the Apollo 15 Feather and Hammer Drop - A Basic, Introductory Free-Fall Problem: https://www.youtube.com/watch?v=Gucr_OfzQ6M (englich)


Was ist ein Naturgesetz und was eine wissenschaftliche Theorie?

Ein Naturgesetz beschreibt mathematisch einen ganz bestimmten Vorgang in der Natur, ohne aber eine Erklärung zu liefern, warum die Vorgänge jetzt so ablaufen.
Eine Theorie dagegen ist die Gesamtheit von Naturgesetzen, die sich gegenseitig bedingen, aufeinander aufbauen und erklären und auf möglichst wenigen Grundannahmen beruhen. Ziel ist es, ein möglichst genaues und vollständiges Abbild der Realität zu liefern. Sie wird ständig überprüft, angepasst und erweitert.
Im Umgangssprachlichen kann eine Theorie jede wilde Spekulation sein. In der Wissenschaft dagegen fasst eine Theorie die Gesamtheit unseres aus scharfem Nachdenken und Experimenten gewonnen Wissens zusammen und stellt die derzeit beste Annäherung an die "Realität" dar. Sie kann durch Experimente immer nur bestätigt werden und niemals endgültig bewiesen.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 11. Jun 2018, 22:36

Grundlagen: Wie geht Wissenschaft? - Teil 3: Die "Seele" der Wissenschaft - Grenzgebiete

Ist es wirklich Wissenschaft, wenn man sich mit Multiversen beschäftigt? Da geht es ja - zumindest in der üblichen Definition - um andere Universen. Universen, die nicht das unsrige sind. Diese fremden Universen sind oft nicht nur praktisch für uns nicht zugängig, sondern meist auch prinzipiell. Wenn man nun so ein Multiversum postuliert, das für uns genauso gut nicht existieren könnte, weil es unseren Kosmos auf keinen Fall beeinflussen kann, stellt sich die Frage, ob es überhaupt zu irgendetwas taugt. Ist das noch Wissenschaft?

Newtons Gravitationsgesetze beschäftigten sich mit Bewegungsregeln von Planeten, Monden und dem berühmten Apfel. Alles Dinge die wir sehen und leicht verstehen können.
Maxwells Elektrodynamik sprach von Magnetfeldern, von elektrischen Feldern, also Dinge, die wir so nicht direkt beobachten können.

Die moderne Physik geht noch weiter:
Was man sich unter einer "Wahrscheinlichkeitswelle" in der Quantenmechanik genau vorstellen soll und ob sie tatsächlich real ist, weiß keiner. Aber die Quantenmechanik funktioniert und keine Theorie macht besser bestätigte Vorhersagen als sie.
Jeder von uns kann spüren wie die Gravitation auf ihn wirkt, aber die gekrümmte Raumzeit die diese Wirkung verursacht, spüren wir nicht. Trotzdem gehen wir davon aus, das es sie gibt. Einsteins allgemeine Relativitätstheorie, die die Existenz der gekrümmten Raumzeit postuliert, macht so viele andere, korrekte Vorhersagen, die alle auf der gekrümmten Raumzeit basieren, dass wir ihre Realität akzeptieren, auch wenn sie für uns nicht wahrnehmbar ist.

Der Erfolg einer Theorie rechtfertigt die zugrunde liegende Architektur, auch wenn sie der direkten Beobachtung unzugänglich ist. Schwarze Löcher sind reale Objekte in unserem Kosmos, das haben unzählige Beobachtungen gezeigt. Und wir gehen auch davon aus, dass das was hinter ihrem Ereignishorizont liegt, real ist, selbst wenn dieser Bereich nicht zugänglich ist.
Unzugängliche Elemente sind heute schon Bestandteil vieler wissenschaftlicher Theorien. Und wir können diese Elemente nicht einfach ignorieren, besonders dann nicht, wenn die Theorie bereits mehrere präzise Vorhersagen getroffen hat. Könnte man irgendwann in der Zukunft einwandfrei die Existenz der Strings nachweisen und würde man bis dahin wissen, das die Stringtheorie auf jeden Fall die Existenz der Landschafts-Multiversums beinhaltet, dann wäre es unwissenschaftlich, das einfach zu ignorieren.


Multiversen sind also nicht per se unwissenschaftlich. Doch obwohl die bisher vorgestellten Theorien schön in bestehende Theorien wie die allgemeine Relativitätstheorie oder die inflationäre Kosmologie ein, werden aber nicht unbedingt benötigt. Und bei den Multiversen, die auf der Stringtheorie basieren ist es auch nicht besser: keiner weiß bis jetzt, ob die Stringtheorie richtig ist oder nicht. Am besten wäre es also, wenn die Multiversentheorien konkrete, überprüfbare Vorhersagen machen würde. Tun sie das?
Multiversen sagen gar nichts vorher, weil sie ALLES vorhersagen, meinen manche Kritiker. Wenn Parameter, wie die kosmologische Konstante in quasi unendlich vielen Universen unendlich viele verschiedene Werte haben kann, dann brauchen wir uns nicht wundern, das sie bei uns gerade den Wert hat, den sie hat. Der Versuch diesen Wert zu erklären, muss zwangsläufig scheitern, weil es keine Erklärung gibt. Vorhersagen sind hier nicht brauchbar.

Aber bedienen wir uns wieder eines Vergleichs:
Wie schwer ist der nächste Hund, der mir auf der Straße begegnet? Keine Ahnung, kommt auf den Hund an. Vom Handtaschen-Chihuahua bis zur Riesendogge kann alles dabei sein. Und das potentielle Gewicht kann alle für Hunde möglichen Werte haben. Aber was, wenn ich weiß, dass in der Gegend um die es geht 90% der Menschen 60 kg schwere Schäferhunde haben?
Genauso wäre es möglich, das uns die Theorie der Multiversen eine klare Gesetzmäßigkeit liefert, die zeigt wie ein bestimmter Parameter über alle Universen variiert und die zeigt, dass es eben keine gleichförmige Verteilung ist. Vielleicht postuliert die Theorie, das Paramter x in allen Universen identisch sein muss. Eine Messung bei uns könnte die Theorie dann widerlegen. Oder aber sie macht Vorhersagen der Art: In allen Universen wo Parameter x den Wert Y hat, muss Teilchen Z existieren. Auch das wäre überprüfbar.
Prinzipiell sind überprüfbare Vorhersagen also gegeben. Wie steht's mit der Praxis? Die Stringtheorie müsste besser verstanden werden, um aus ihr Gesetzmäßigkeiten über die Verteilung von Parametern in den einzelnen Universen abzuleiten.
Vielleicht hilft uns das [url=Textdatei 1: Grundlagen: Was ist das anthropische Prinzip?]Anthropische Prinzip[/url]. Wir leben in einem Universum das offensichtlich fähig ist, Leben hervorzubringen. In denn meisten anderen Fällen wird das aber nicht der Fall sein. Um eine Multiversentheorie zu überprüfen reicht es also herauszufinden, wie die Parameter beschaffen sein müssen, um Leben im Universum zu ermöglichen (als Galaxien, Sterne und Planeten) und hier nach überprüfbaren Gesetzmäßigkeiten zu suchen (#1).

Man wird herausfinden müssen, ob wir typisch sind oder nicht. Das anthropische Prinzip beruht darauf, das wir Menschen nichts besonders sind. Aber vielleicht IST unser Universum eine Ausnahme. Wenn wir einen Wert für einen kosmologischen Parameter vorhersagen, und die Vorhersage scheitert, dann kann das daran liegen, das die Multiversumstheorie falsch ist. Oder aber unser Universum ist nicht typisch. Auch in einer Gegend mit 90% Schäferhundehaltern kann ein Halter mit einem Chihuahua wohnen (#2).

Das hört sich jetzt alles schwammig an und solange die Stringtheorie oder andere Ansätze keine neuen Erkenntnisse ermöglichen wird wohl erstmal alles Spekulation bleiben, aber man darf nun nicht in die Beliebigkeit verfallen: "Wir leben im Multiversum, da ist alles möglich und bei uns ist es halt gerade so!"
Vielleicht aber arbeiten zukünftige Wissenschaften mit der Multiversumtheorie so, wie heutige Wissenschaften mit dem Elektromagnetismus.

Lesenswerter Artikel: Der kalte Fleck im Kosmos und der "Beweis" für die Existenz des Multiversums
http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2017/05/22/der-kalte-fleck-und-der-beweis-fuer-die-existenz-des-multiversums/

#1 - Martel, Shapiro, Weinberg (1998): "Likely Values of the Cosmological Constant"

#2 - In einer Nachbarschaft mit unendlich vielen Häusern leben grundsätzlich unendlich viele Schäferhund- und Chihuahuahalter, auch wenn 90% der unendlich vielen Hundehalter Schäferhunde haben, sind auch unendlich viele Chihuahuas anzutreffen. Das ist das kurios-normale an den Unendlichkeiten. Wie wägt man diese ab? Denn auch bei den meisten Mulitversentheorien spricht nichts dagegen, dass es eine infinite Zahl an Universen gibt. Wenn aber nur 1% dieser unendlichen Universen "lebensfähig" sind, so sind dies ebenso unendliche viele "lebensfähige" Universen. Solange man also keine sinnvollen Vergleiche von Unendlichkeiten anstellen kann, werden sich Multiversumstheorien nicht überprüfen lassen.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 13. Jun 2018, 11:04

Wie geht Wissenschaft? - Teil 4: Der mühsame Weg zur Publikation

Die Überschrift besagt es bereits: Der Weg zur eigenen Publikationsliste ist offenbar ein schwieriger.
Da ich selbst nie publiziert habe, möchte ich euch heute lediglich den Link zu einem interessant verfassten Text mitgeben.

Scienceblogs - Evolvismus: Der Weg zur wissenschaftlichen Publikation
http://scienceblogs.de/evolvimus/2011/09/04/der-weg-zur-wissenschaftlichen-publikation/

Es ist lehrreich zu erfahren, dass Promovieren eben nicht so nebenher gemacht wird, aber dennoch dem wirtschaftlich nicht freigestellten Studenten nicht viel Zeit gelassen wird, sich um die ihm wichtigste Sache zu kümmern.
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