Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 25. Apr 2018, 08:30

Grundlagen: Kreationismus - Teil 4: Ein Imam über die feinabgestimmte Einrichtung der Welt

Dieses Video habe ich vor etwa 5 oder 6 Jahren gefunden und im alten "Evolution oder Schöpfung"-Thread kommentiert. In diesem Video spricht ein Imam über die Niere, die Erdatmosphäre, den Abstand zwischen Sonne und Erde und die Bestandteile der Milchstraße. Die Erläuterungen her stehen lediglich stellvertretend für zahlreiche ähnliche Behauptungen und sind nicht gedacht, die abgebildete Person zu diskreditieren.


http://www.youtube.com/watch?v=Cc-UB6RTTPI
Titel: "Schicksal Und Vorbestimmung 1 Von 5 (www.diewahrereligion.de)"


Die zur Kenntnis genommenen Daten des Imam im Video

Der Imam fragt: "Woher weiß die Niere, das diese Giftstoffe Giftstoffe sind?"
In den Nephronen, die funktionellen Untereinheiten der Niere, wird im Bereich des Nierenkörperchens kontinuierlich Primärharn aus dem Blut filtriert. Anschließend werden im Tubulussystem bestimmte Stoffe resorbiert bzw. sezerniert, wodurch der eigentliche Harn (als Sekundär- bzw. Endharn) entsteht.
Die Niere nimmt sich also, was sie zum "Leben" braucht. Der Rest fliegt raus. So einfach ist das.

Der Imam fragt: "Sauerstoffgehalt in der Luft ist 21%. Und die Wissenschaftler sagen, wenn das 20% wären, wird die Erde den Inhalt von diesem Sauerstoff absaugen und wir werden aussterben. Wenn das 22% wären, wird nur Verbrennung auf diese Erde geben. Wer lässt das nur 21%?"
Der heutige Ist-Zustand wird zum immerwährenden erhoben, ein Problem zahlreicher kreationistischer Ansichten. Denn der Sauerstoffgehalt in der Luft war nicht immer so, ebenso wenig der Anteil des Kohlenstoffdioxid und die durchschnittliche Bodentemperatur.

Aus stratosgrafischen Messungen ergeben sich nach aktuellem Stand der Wissenschaft folgende Werte (#1, #2, #3, #4, #5, #6, #7, #8, #9, #10, #11 und #12):

Quartär (vor 2,588 Millionen Jahren bis heute)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 20,9 Vol.-%
-> Stmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 260 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 11 Grad Celsius

Neogen (vor 23,03 - 2,588 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 21,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 280 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 14 Grad Celsius

Paläogen (vor 65,5 - 23,03 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 26 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 18 Grad Celsius

Kreide (vor 145 - 66 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 30 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1700 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 23 Grad Celsius

Jura (vor 201,3 - 145 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 26 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1950 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16,5 Grad Celsius

Trias (vor 252,2 - 201,3 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 16 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 1750 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 17 Grad Celsius

Perm (vor 298,9 - 252,2 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 23 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 900 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16 Grad Celsius

Karbon (vor 358,9 - 298,9 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 32,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 800 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 14 Grad Celsius

Devon (vor 419,2 - 358,9 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 15 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 2200 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 20 Grad Celsius

Silur (vor 443,4 - 419,2 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 14 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 17 Grad Celsius

Silur (vor 485,4 - 443,4 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 13,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4200 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 16 Grad Celsius

Kambrium (vor 541 - 485,4 Millionen Jahren)
-> Atmosphärischer freier Sauerstoffanteil: ca. 12,5 Vol.-%
-> Atmosphärischer Kohlenstoffdioxidanteil: 4500 ppm
-> Bodentemperatur: ca. 21 Grad Celsius

Alle Werte sind über die Periodendauer gemittelt. Innerhalb der Periodendauer, also der Millionen Jahre, die ein Zeitalter dauerte, gab es nachweislich auch Schwankungen.
ppm steht für "parts per million", also Teile pro Million, auch als Millionstel bezeichnet. Sie wird in Wissenschaft und Technik angewandt, wo Prozent (Hundertstel) und Promille (Tausendstel) nicht sinnvoll angewendet sind.

Die Uratmosphäre der Erde enthielt freien Sauerstoff (also O2) allenfalls in sehr geringen Konzentrationen, da aller Sauerstoff in Oxidation von organischen Stoffen, Schwefeldioxid und vor allem Eisen (als gelöstes zweiwertiges Eisen-Ion Fe2+ (#13)) vollständig verbraucht wurde. Vor etwa 3,2 bis 2,8 Milliarden Jahren entwickelten Mikroorganismen - nach gegenwärtigen Kenntnissen Vorläufer der heutigen Cyanobakterien - aus einer einfacheren Photosyntheseform eine neue entwickelten, bei der im Gegensatz zur älteren Form O2 als Abfallprodukt freigesetzt wurde, weshalb diese als oxygene Photosynthese bezeichnet wird (Oxygen = Sauerstoff). Dadurch wurde O2 in beträchtlichen Mengen in den Ozeanen gebildet. Eine lange Zeit wurde auch dieser Sauerstoff durch Oxidation gebunden, auch weil durch Verwitterung und Vulkanismus oxidierbare Stoffe nachgeliefert wurden. Nach dieser letzten Frist aber konnte der Neuertrag dieser Stoffe den immer wieder neu gebildeten Sauerstoff nicht mehr vollständig binden, sodass der überschüssige freie Sauerstoff begann sich im Meerwasser und anschließend in der Atmosphäre anzureichern. Innerhalb von etwa 50 Millionen Jahren führte der stetig steigende Sauerstoffgehalt zur Sauerstoffkatastrophe, dem ersten großen nachweisbaren Massensterben auf dem Planeten Erde (dazu in einem anderen Beitrag mehr).

Die Aussage des Iman ist also falsch. Es hat in der Erdgeschichte Zeiten mit wesentlich stärkeren Abweichungen vom heutigen Sauerstoffgehalt gegeben und weder sind Atmosphäre und Meere verbrannt (wie man auch andernorts lesen kann), noch wurde aller Sauerstoff ins All geblasen oder irgendwo im Erdreich gebunden.

Der Imam stellt fest: "Die Wissenschaftler sagen, wenn die Sonne 10 Meter runter kommen würde, werden wir alle verbrannt. Wenn die Sonne 10 Meter höher wäre, wird alles auf dieser Erde frieren. Das sind 10 Meter und wir fliegen mit dem Flugzeug 10.000 Meter Richtung die Sonne und wir werden nicht verbrannt werden. Nur damit wir wissen, mit wir zu tun haben. Das sind Gesetze, die die Menschheit nicht kennt."
Sollte diese Aussage tatsächlich zutreffen, so ist es Aufgabe der Wissenschaft eben genau darüber Kenntnis zu erlangen. Im Grunde handelt es sich hier aber um astronomische Unkenntnis. Kein einziger Planet beschreibt eine Kreisbahn um die Sonne, alle sind auf einer elliptischen Bahn unterwegs. Die Abweichung der Bahn vom perfekten Kreis wird Exzentrik genannt. Und auch die Erde hat eine solche.

Bild
Maßstabsgetreue Darstellung der elliptischen Umlaufbahn der Erde im Vergleich mit einem Kreis.

Die Abweichungen sehen äußerst gering aus. Zu beachten ist hierbei, dass der Kreis in der Realität einen Radius von 1 astronomischen Einheit hat. Das sind 150 Millionen Kilometer. Der mittlere Abstand der Erde zur Sonne beträgt 149,598 Millionen Kilometer und die Abweichungen von diesem Mittelwert können bis zu 1,67 % betragen. Das klingt nicht nach viel. Um den 3. Januar herum befindet sich die Erde an ihrem sonnennächsten Punkt, dem Perihel. Der Abstand zur Sonne beträgt dann "nur" noch 147,1 Millionen Kilometer und damit 2,4 Millionen Kilometer näher an der Sonne als der Mittelwert. Um den 5. Juli befindet sich die Erde an ihrem sonnenfernsten Punkt, Aphel genannt. Der Abstand beträgt nun 152,1 Millionen Kilometer und damit 2,6 Millionen Kilometer weiter weg von der Sonne als der Mittelwert.
Für den Iman wird es sicherlich eine Neuigkeit sein, zu erfahren, dass die Erde im Winter der Nordhalbkugel (die Südhalbkugel hat zu dieser Zeit Sommer), wo mehr als 3/4 der Erdbevölkerung wohnen, fast 5 Millionen Kilometer näher an der Sonne ist, als im Sommer. Der Abstand zur Sonne allein kann also nicht der ausschlaggebende Punkt sein, warum Flugzeuge nicht am Himmel verbrennen. Ein 10 Meter knapper Freiraum wäre auch erstaunlich unbequem, falls man in höheren Bürogebäuden arbeitet oder mal auf die Alm möchte (#14).

Der Imam sagt: "Die Sonne ist 103 mal größer als die Erde."
Das ist zwar sehr kleinlich. Aber welches "größer" ist gemeint? Der Durchmesser der Sonne ist 108 mal größer. Das Volumen ist mehr als eine Million mal größer. Sie wiegt 700 mal mehr als alle Planeten zusammen und 330.000 mal mehr als die Erde im einzelnen.

Der Imam sagt: "Die Milchstraße, die Straße die das Sonnensystem enthält, enthält nicht nur die Sonne und die Erde, sondern auch noch 9 Planeten dazu. Was noch dazu kommt, das sind 2 Milliarden Asteroiden. Enthält diese Milchstraße. Und die Wissenschaftler sagen: 'Es gibt 2-3 Milliarden Milchstraßen'"
Es ist nicht ganz schlüssig, ob nun das Sonnensystem genannt ist, in dem sich die Sonne und die sie umlaufenden 8 Planeten und allerlei Asteroiden und Kleinstkörper ihre Bahnen ziehen, oder die Galaxie, in der sich unser Sonnensystem und 200 Milliarden andere Sternensysteme befinden. Diese Galaxie, die Milchstraße genannt wird, ist eine von mehr als 150 Milliarden Galaxien, aus denen das sichtbare Universum besteht. Definitiv sind diese Daten erstaunlich, aber sie besagen nichts über den Grund ihrer Existenz.

Selbstverständlich ist dieser Einschub nicht dem Vorführen orientalen Irrglaubens gewidmet, da Kreationisten auf der ganzen Welt solche und ähnliche Äußerungen von sich geben und damit eindrucksvoll beweisen, dass sie oft nicht auch einfache Sachkenntnis von dem Themengebiet haben, aus dem sie sich bedienen, um ihre religiösen Ansichten zu verbreiten.

#1 - Gunnar Ries: Dicke Luft bei den Sauriern

#2 - Geologie-Forum @ Geoversum: Massensterben an der Perm-Trias Grenze: Durch Sauerstoffmangel erstickt?

#3 - Die Zusammensetzung der Atmosphäre im Phanerozoikum (diese ältere Quelle geht noch irrtümlich von einem nahe-rezenten Luftsauerstoffanteil bereits im Kambrium aus.)

#4 - Erdgeschichte: Fauna und Flora korreliert mit veränderten Umweltbedingungen

#5 - wissenschaft.de: Gigantismus, Fliegen und Antiaging: Sauerstoffreiche Luft löste vor 300 Millionen Jahren einen Innovationsschub aus

#6 - Rothman, Daniel H. (2001). "Atmospheric carbon dioxide levels for the last 500 million years". Proceedings of the National Academy of Sciences 99 (7): 4167-4171.

#7 - Royer, Dana L., Robert A. Berner, Isabel P. Montañez, Neil J. Tabor, and David J. Beerling (2004). "CO2 as a primary driver of Phanerozoic climate". GSA Today 14 (3): 4-10. doi:10.1130/1052-5173(2004)014<4:CAAPDO>2.0.CO;2

#8 - Hansen, J., Mki. Sato, G. Russell, and P. Kharecha, 2013: Climate sensitivity, sea level, and atmospheric carbon dioxide. Phil. Trans. R. Soc. A, 371, 20120294. doi:10.1098/rsta.2012.0294

#9 - Zachos JC, Dickens GR, Zeebe RE. 2008 An Early Cenozoic perspective on greenhouse warming and carbon-cycle dynamics. Nature 451, 279–283. doi:10.1038/nature06588

#10 - Lisiecki, L. E.; Raymo, M. E. (May 2005). Correction to "A Pliocene-Pleistocene stack of 57 globally distributed benthic d18O records". Paleoceanography: PA2007. doi:10.1029/2005PA001164

#11 - Berkeley Earth land-ocean dataset (2014). Retrieved on 21 March 2014.

#12 - IPCC Fifth Assessment Report WG1 Summary for Policy Makers (2013).

#13 - Die Oxidation von Fe2+ zu dreiwertigen Eisen-Ionen Fe3+ führte zur Ablagerung von Bändererz (Banded Iron Formation), wo Eisen hauptsächlich in Form von Oxiden, nämlich Hämatit Fe2O3 und Magnetit Fe3O4 vorliegt. In alten Kontinentschilden, die in der langen Zeit relativ wenig tektonisch verändert wurden, sind solche Bändererze bis heute erhalten, beispielsweise Hamersley Basin (Westaustralien), Transvaal Craton (Südafrika), Animikie Group (Minnesota, USA). Sie sind global die wichtigsten Eisenerze.

#14 - Habitable Zone
Wie groß ist denn die habitable Zone, die mit dieser falschen Aussage umschrieben ist? Der auch Lebenszone (habitus = Lebensraum) genannte Bereich, fälschlicherweise auch bewohnbare Zone genannt, bezeichnet im Allgemeinen den Abstandsbereich, in dem sich ein Planet von seinem Zentralgestirn befinden muss, damit Wasser dauerhaft in flüssiger Form als Vorraussetzung für erdähnliches Leben auf der Oberfläche vorliegen kann. Das ist natürlich von Temperatur und Leuchtkraft des jeweiligen Zentralgestirns abhängig und lässt sich sogar berechnen:
Die biometrische Leuchtkraft des Sterns geteilt durch die biometrische Leuchtkraft der Sonne. Davon zieht man die Wurzel und man hat den Durchschnittsradius der Lebenszone in astronomischen Einheiten. Natürlich kann das Konzept durch Einbeziehen von Klima- und Treibhauseffekten wesentlich verfeinert werden. Die innere Grenze wird durch den sich selbst verstärkenden Treibhauseffekt definiert, in dessen Verlauf das Wasser des Planeten durch Vergasen in den interplanetaren Weltraum entkommt. An der äußeren Grenze können selbst Wolken aus gefrorenem Kohlendioxid keinen ausreichenden Treibhauseffekt mehr bewirken. In unserem Sonnensystem liegt die innere Grenze bei 0,95 astronomischen Einheiten, womit die Erde noch ca. 4,95 Millionen Kilometer Platz nach innen hat. Die äußere Grenze wird je nach Modell mit 1,37 - 2,4 astronomischen Einheiten angegeben. Womit der Erde nach außen minimum 52 Millionen Kilometer Platz verbleiben und theoretisch sogar der Mars in seiner sonnennächsten Phase drin sein könnte.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 9. Mai 2018, 16:21

Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 3: Das geozentrische Weltbild

Die Wissenschaft nimmt dem Menschen die Krone und schiebt ihn aus der Mitte des Universums.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/98/Kepler_laws_diagram.svg/220px-Kepler_laws_diagram.svg.png
Grafische Zusammenfassung der drei Keplerschen Gesetze:
1. Zwei ellipsenförmige Umlaufbahnen mit der Sonne (sun) im Brennpunkt F1.
F2 und a1 sind der andere Brennpunkt bzw. die große Halbachse für Planet1, F3 und a2 für Planet2.
2. Die beiden grauen Sektoren A1 und A2, die dieselbe Fläche haben, werden in derselben Zeit überstrichen.
3. Die Quadrate der Umlaufzeiten von Planet1 und Planet2 verhalten sich wie a1³ : a2³.


Das erste Keplersche Gesetz klingt simpel: Die Planeten bewegen sich auf elliptischen Bahnen. In einem ihrer Brennpunkte steht die Sonne.
Diese simple und doch revolutionäre Idee stammt aber entgegen immer wieder lautender Behauptung nicht grundsätzlich von Kepler. Schon Kopernikus kam vor ihm auf den Gedanken, die Erde aus der Mitte zu nehmen und das heliozentrische Weltbild aus der Antike wieder aufzugreifen. Zum modernen Heliozentrismus trug auch Galileo bei, als er das neu erfundene Teleskop für astronomische Forschungen auf den Jupiter richtete und damit die ersten 4 Monde eines anderen Himmelskörpers entdeckte: Galileo, Ganymed, Io und Kallypso. Damit war klar, dass eben nicht alles um die Erde kreist.
Vorerst funktionierte das heliozentrische Weltbild aber nicht wesentlich besser als das geozentrische. Mit der Sonne im Zentrum konnte man die Dinge zwar einfacher beschreiben und leichter berechnen, aber die Genauigkeit der Ergebnisse, war nicht besser als zuvor. Der Fehler zwischen Theorie und Beobachtung war immer noch groß. Der Kreis galt damals ästethetisch wie auch religiös als perfekte Form und Gottes Schöpfung musste diesen perfekten Formen folgen. Kepler verwarf diese Vorstellung zugunsten seiner Jahrzehnte mathematisch ausgewerteten Beobachtungsdaten, die eben für Ellipsen sprachen. Die Fehler wurden kleiner. Aber warum die Bahnen elliptisch waren, konnte auch Kepler nicht erklären. Das schaffte erst Isaac Newton mit seinem Gravitationsgesetz. Die Keplerschen Gesetze sind im Grunde nur eine andere Formulierung der Gravitationsgleichung und lassen sich aus dieser herleiten. Vermutlich hätte Kepler selbst diese Gleichung entdeckt, wenn er intensiver darüber nachgedacht oder man ihn walten gelassen hätte.

Das zweite Keplersche Gesetz klingt im Vergleich zum ersten Gesetz richtig kompliziert: Ein von der Sonne zum Planeten gezogener "Fahrstrahl" überstreicht in gleichen Zeiten gleich große Flächen. Das bedeutet nichts anderes, dass ein Planet auf seiner Umlaufbahn in Sonnennähe schneller ist, als in größerer Entfernung zur Sonne (#1). Ein langer "Fahrstrahl" mal einem kleinen Winkel (durch geringe Geschwindigkeit) = ein kurzer "Fahrstrahl" mal einem großen Winkel (durch hohe Geschwindigkeit).

Selbstverständlich könnten wir nun darauf verweisen, dass die Vorstellung einer zentralen Erde ein wissenschaftliches Bild ist und dieses Bild im Gegensatz zur heiligen Schrift revidiert werden musste. Wie in den vorherigen Beispielen auch, wird aber eindrucksvoll dargelegt, dass Wissenschaft solche Änderungen überhaupt zulässt, dogmatische Buchreligionen aber nicht.
In der Bibel stehen denn auch nach wie vor geozentrische Aussagen, wie die Erschaffung der Gestirne nach der Erde (1. Mose 1: 3-5, je nach Lesart soll es wohl auch das Aufscheinen der bereits bestehenden "Lichter" für einen hypothetischen Beobachter durch eine neblige Atmosphäre sein) oder ein Ausbleiben des Sonnenlichts in Ägypten als 9. der 10 Plagen (2. Mose 10:21-23) oder die stillstehende Sonne in der Schlacht Josuas zur Verteidigung Gibeons (Josua 10:12-14). Da diese Dinge wissenschaftlich nicht greifbar sind, muss der Gläubige auf ein Wunder beharren.

Die Umlaufbahn der Erde ist nur sehr leicht elliptisch und kaum von einem Kreis zu unterscheiden. Zwar unterscheidet sich der Sonnenabstand zwischen Perihel und Aphel rund 5 Millionen Kilometer, aber die fallen bei einem mittleren Sonnenabstand von 149 Millionen Kilometer kaum auf. Andere Himmelskörper, wie beispielsweise Kometen (oder Merkur oder Pluto) haben viel langgestrecktere Bahnen, auf denen die Unterschiede in die Milliarden gehen. Die damit einhergehenden Geschwindigkeitsunterschiede sind bei der Erde demnach ebenfalls gering. Durch den Einfluss der anderen Planeten im Sonnensystem verändert sich die Bahnellipse der Erde im Laufe der Zeit. Sie wird unter anderem periodisch elliptischer und weniger elliptisch. Ist die Bahn deutlich elliptischer als aktuell, dann verbringt die Erde auch deutlich mehr Zeit entfernt von der Sonne (weil sie auf diesem Teil ihrer Bahn langsamer ist) und die Jahreszeiten verlaufen nicht mehr so symmetrisch wie heute. Winter und Sommer dauern unterschiedlich lang und das kann, in Verbindungen mit anderen Faktoren, zu langen Eiszeiten führen.

Die ersten beiden Gesetze veröffentliche Kepler schon 1609 in seinem Werk "Astronomia Nova". Für das dritte Gesetz ließ er sich ein wenig mehr Zeit; es wurde erst 1619 in "Harmonice Mundi" publiziert. Es klingt wieder schön kompliziert: Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen der großen Bahnhalbachsen.
Aber bei näherer Betrachtung ist es eigentlich ganz simpel. Die große Halbachse gibt an, wie groß die Ellipse einer Planetenbahn ist und entspricht dem mittleren Abstand des Himmelskörpers von der Sonne. Die große Halbachse der Erdbahn ist knapp 150 Millionen Kilometer lang beziehungsweise eine Astronomische Einheit (AE). Venus zum Beispiel ist näher an der Sonne und hat eine große Halbachse von 0,7 AE. Jupiter ist weiter entfernt und die große Halbachse seiner Bahn beträgt 5,2 AE. Neptun, der am weitesten von der Sonne entfernte Planet, hat eine Bahn mit einer großen Halbachse von 30 AE.
Keplers drittes Gesetz sagt nun nichts anderes, als das ein Umlauf um die Sonne um so länger dauert, je größer die große Halbachse ist. Die Erde braucht für eine Runde um die Sonne ja bekanntlich 365,25 Tage. Der ferne Neptun braucht dagegen 165 Jahre um seine Bahn einmal komplett zu durchlaufen. Der sonnennahe Merkur dagegen schafft es in 88 Tagen. Die 365,25 Tage der Erde sind ein wenig unpraktisch, wenn es darum geht einen vernünftigen Kalender zu basteln, aber wir befinden uns eben nun mal da wo wir uns befinden und Kepler lässt uns keine andere Wahl als uns mit dem überzähligen Vierteltag herumzuärgern. Im Grunde lässt sich also eine möglichst genaue Umlaufzeit aller möglichen Planeten aus einem System errechnen, wenn man von einem Planeten möglichst genau die große Halbachse und die Umlaufzeit kennt und die große Halbachse des Planeten, dessen Umlaufzeit man errechnen möchte. Dieser mathematische Zusammenhang nicht nur bei Planeten, die um die Sonne schwirren, sondern immer dann, wenn irgendein Himmelskörper einen anderen umläuft. Auch Satelliten (#2).

Aber auf für das Leben auf der Erde spielt das dritte Gesetz eine wichtige Rolle. Damit sich Leben auf einem Planeten entwickeln kann, muss dieser "angenehme" Temperaturen haben. Es darf nicht zu warm und nicht so kalt sein, denn nur wenn flüssiges Wasser vorhanden ist, kann Leben, so wie wir es kennen, existieren. Ist der Planet dem Stern zu fern, dann friert das Wasser. Ist er zu nah, dann verdampft es. Wo sich dieser optimale Bereich befindet, hängt davon ab, wie stark der Stern strahlt. Bei schwach leuchtenden Sternen müssen die Planeten sehr nah heranrücken, damit lebensfreundliche Bedingungen herrschen. Je näher man dem Stern kommt, desto stärker werden aber die von ihm wirkenden Gezeitenkräfte, die die Rotation des Planeten bremsen. Irgendwann dreht sich der Planet dann genau so schnell um seine Achse wie er sich um den Stern bewegt. Ein Tag dauert dann genau so lang wie ein Jahr und auf so einem Planeten ist eine Hälfte immer zum Stern gewandt, auf der anderen dagegen herrscht ewige Nacht. Die eine Seite wäre glühend heiß, die andere klirrend kalt und Leben ist kaum möglich (#3). Die Erde ist aber weit genug entfernt, so dass die Gezeitenkräfte der Sonne nur wenig stören und so für relativ gleichmäßige Temperaturen auf Tag- und Nachtseite sorgen (#4).

Und dies führt zu einem Planeten voller Leben.

# 1 - Perihel und Aphel

Da die Sonne nicht im Zentrum der Ellipse ist, sondern in einem der Brennpunkte, gibt es immer einen geringsten und einen größten Abstand. Der Punkt auf der Umlaufbahn, an dem der umlaufende Körper dem zu umlaufenden Körper am nächsten kommt, wird Perihel genannt. Der fernste Punkt des umlaufenden Körpers dagegen Aphel. Das gilt sowohl für Planeten, Asteroiden und Kometen, die ein Zentralgestirn umlaufen, als auch für Monde, die um ihren jeweiligen Planeten wandern.

#2 - Satelliten

Je näher Satelliten der Erde sind, desto schneller sausen diese um die blaue Murmel herum. Die ISS in nur knapp 300 Kilometer Höhe braucht zum Beispiel nur 90 Minuten für eine Runde. Die geostationären Satelliten in 36.000 Kilometer Höhe brauchen dagegen 24 Stunden.

#3 - Gezeitenbremse

Beim Merkur ist diese Gezeitenbremse am stärksten ausgeprägt, er braucht für eine Drehung länger als für einen Umlauf.

#4 - Gezeitenbremse Mond

Die Erde wird zwar kaum durch die Gezeitenkraft der Sonne gestört, doch der wesentlich nähere Mond führt tatsächlich dazu, dass die Erde immer langsamer rotiert. Wobei sein Gezeiteneinfluss immer weiter abnimmt, da er sich jedes Jahr um ein paar Millimeter von der Erde entfernt. Vermutlich wird er aber irgendwann die Erde gestoppt haben, so wie die viel schwerere Erde den Mond gestoppt hat. Der Mond zeigt uns deswegen immer die gleiche Seite. Eine Rotation dauert genauso lange wie ein Umlauf um die Erde. Irgendwann wird also auch die Erde dem Mond immer das gleiche Gesicht zeigen. Das sind aber Zeiträume, die kein Mensch überblicken kann. Statisch ist dennoch nichts.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 17. Mai 2018, 08:49

Evolutionstheorie und Rassendiskriminierung

Regelmäßig, wenn die Argumente des Gegners dieser Theorie ausgehen, gibt es scheinbar nur zwei reflexartige Ausflüchte: Hitler und Satan.
Ersterer hat die Theorie genutzt, um die Juden verfolgen und umbringen zu lassen. Letzterer hat sie in Dasein gebracht oder Darwin eingegeben, damit die Welt glaube, es gäbe ihn und Gott überhaupt nicht.
Dem 2. Pfad zu folgen, führt immer in einen Zirkelschluss: Dass so etwas Perfides wie die Evolutionstheorie existiert, beweist ja im Grunde für den Gläubigen schon, dass es Satan gibt. Denn die Evolutionstheorie hat in seinem Gedankengebäude nur den Zweck, den Sinn der Zweifelnden und Ungläubigen zu verblenden und die Menschheit von Gott weg zu führen. Da kann man im Grunde auch nicht mehr vernünftig diskutieren.

Aber die andere Variante lässt sich leicht als Blödsinn entlarven.
Zum einen sagt der Missbrauch einer Theorie nichts über deren Richtigkeit aus, zum anderen sind völkische und ethnische Vorurteile so alt wie Völker und Ethnien. Und die gibt es nunmal nicht erst seit dem 24. November 1859.
Die Gravitationstheorie hat der Wissenschaft im beginnenden 19. Jahrhundert ein völlig neues Wissensgebiet erschlossen. Nun konnte man erstmals errechnen, warum Planeten sich so bewegen und wo man sie demnächst finden wird. Auch wie sich Bälle und dergleichen beim freien Fall verhalten und dergleichen mehr. Natürlich kann man damit auch errechnen, wie groß ein Brocken sein muss, damit ich eine Stadt zertrümmern kann. Ich müsste ihn aus dem All nur mit einer Rakete ablenken und könnte ihn theoretisch auf ein paar Kilometer genau auf der Erde abstürzen lassen.
Die Relativitätstheorie ist natürlich ebenfalls herrlich angenehm zum Erforschen des Universums und vertieft das Verständnis, das die Wissenschaft aktuell von diesem hat. Aber man kann auch Atombomben bauen.
Gehören diese Theorien dennoch verboten, weil man mit ihnen Schindluder treiben kann? An den dahinterliegenden Prozessen ändert sich ja trotzdem nichts. Nur, dass wir sie nicht mehr verstehen lernen.
Aber wenn Dinge verboten gehören, die missbraucht werden können, wären im Umkehrschluss die Religionen und deren heilige Schriften nicht ebenfalls einem solchen Verbot zuzuordnen? Immerhin wird im Namen von Religionen und heiligen Schriften schon seit jahrtausenden Mord und Totschlag, Enteignung und Versklavung betrieben, in einem Ausmaß, wie Newtons, Einsteins oder Darwins Theorien nie zu nutzen wären.
Denn die Evolutionstheorie, dass ist der gängige Tenor der daran Forschenden, ist ja nicht dazu da, Gott zu widerlegen, sondern die Welt ein wenig besser zu verstehen. So findet die Evolutionstheorie nicht nur im Hinterzimmer irgendwelcher Theoretiker Platz, sondern auch als Anwendungsbereich der Epidemologie, die sich mit der Klassifizierung und Erforschung von Seuchen und Massenkrankheiten befasst.

Grundsätzlich ist die Evolutionstheorie ja nur eine Fortsetzung anderer Theorien. Galileo und Kepler stießen die Erde aus dem Mittelpunkt des Weltalls. Spätere Astronomen erweiterten das Universum derart, dass die Erde nunmehr einen Randplatz in einer von zig Galaxien annimmt. Die Evolutionstheorie nimmt dem Menschen die "Krone der Schöpfung" und rückt ihn in die Tierwelt hinein. Sie zeigt auf, dass unser Verhalten nicht grundsätzlich anders ist, als das anderer Primaten. Ein schickes Auto ist nicht nötig, zeigt den Mädels aber, dass man diese versorgen könnte. Immerhin hat man genug Bananen gesammelt, um sich solchen Überfluss anzuschaffen. Das steigert seine Chancen, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Seine Gene bleiben erhalten.
Die Evolutionstheorie sagt: "Hey, du bist wie sie. Du stehst nicht drüber. Dich kann das alles hier genauso treffen, wie jeden anderen auf diesem Planeten." Ist das nicht eine demütige Aussage? Und da trifft sie doch wieder die Bibel, die fordert, Demut an den Tag zu legen.

Aber bleiben wir kurz bei Hitler:
Hätte es die Pogrome und die Konzentrationslager nicht gegeben, wenn Darwin, Wallace, Häckel und Co. diese Theorie nicht ausgearbeitet hätten? Natürlich hätte diese trotzdem gegeben. Man bedenke, dass die Juden schon immer die Gehetzten waren. Lange bevor Darwin überhaupt geboren wurde.
Schon die Bibel erwähnt solche Begebenheiten: Wer kennt nicht den Auszug aus Ägypten, inklusive der 10 Plagen und der vorangegangenen Ereignisse? Weniger bekannt ist da schon die Verfolgung durch den obersten Hofbeamten Haman unter dem persischen Großkönig Ahasverus, was man im Bibelbuch Esther lesen kann. Und dann gibt es da noch die Auseinandersetzungen und Verballhornung im Mittelalter. Juden-Bashing ist also keine neuzeitliche Erfindung, die irgendeiner wissenschaftlichen Theorie bedarf. Die Evolutionstheorie ist hier ebenso missbrauchtes Werkzeug, wie all die Jahrtausende die Religion, das Militär oder die Wirtschaft.

Ein Hammer ist ja perse auch nichts Schlechtes. Man sollte ihn halt nur für Nägel und nicht für Schädel verwenden.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 18. Mai 2018, 19:42

Muslimischer Terror und die Darwinisten
All dies zeigt, dass die moralische Lehre, die der Menschheit im Islam geboten wird, der Welt Frieden, Glück und Gerechtigkeit bringen wird. Der Barbarismus, der in der Welt heute unter dem Namen "islamischer Terrorismus" verübt wird, steht vollständig abseits der moralischen Lehre des Qurans; er ist das Werk von ignoranten, voreingenommenen Leuten, von Verbrechern, die mit der Religion nichts zu tun haben.

Das klingt natürlich erst mal gut, oder? Ein Moslem, der, wie so viele, seinen Glauben nicht mit dem Terrorismus in Einklang bringen kann. Glücklicherweise sind diese in der Mehrheit. Paniker können also wieder ruhiger atmen, nicht jeder der anderthalb Milliarden Muslime geht mit Bombengürtel vor die Tür. Puh.

Dieses Zitat war auf der Webseite des türkischen Autoren Harun Yahya zu finden. Er selbst bezeichnet sich als "bekannten türkischen Intellektuellen". Wie wir im Beitrag " Grundlagen: Kreationismus - Teil 4: Ein Imam über die feinabgestimmte Einrichtung der Welt" (wo ich ihn noch als Iman bezeichne, der er aber gar nicht ist und nie vorgab zu sein) erfahren konnten und es sich in Wikipedia über ihn liest, sind seine Aussagen nicht immer mit dem Prädikat "intellektuell" zu versehen. In einem Interview mit dem Spiegel Online (#1) sagt er dann noch folgende intelligente Dinge:
Der Darwinismus ist die Grundlage für Hitlers und Mussolinis Faschismus und Stalins Kommunismus. Und wenn wir uns die Gegenwart anschauen, dann sehen wir, dass alle Terroristen - auch diejenigen, die sich selbst als Muslime betrachten - in Wahrheit Darwinisten und Atheisten sind. Ein gläubiger Mensch, der regelmäßig betet, legt keine Bomben. Das machen nur Menschen, die vorgeben, Muslime zu sein - oder Darwinisten, die klar sagen, dass sie Terroristen oder Kommunisten sind. Folglich sind sie alle Darwinisten.

Klingt fast wie eine mathematische Gleichung.
Theorem 1: Muslime legen keine Bomben.
Theorem 2: Tut ein Moslem es doch, so gibt er nur vor ein Moslem zu sein.
Schlussfolgerung: Alle Bombenleger sind Darwinisten.

Nun wird selbstverständlich übersehen, dass Muslime, die keine Bomben legen, demnach also echte Muslime sind, trotzdem die Überzeugung der Existenz irgendeiner Form der Evolution haben können und sei es die theistische Evolution (Kurz: Gott erschuf die Arten durch Evolution.). Wie sie das in ihrem Leben unter einen Hut bringen, ist dabei irrelevant.
Blödsinn aber ist es, die religiöse Motivation der Attentäter hinweg zu lächeln und zu behaupten, sie hätten keine. Man kann gern wegschauen, damit das Bild der eigenen friedlichen Religion nicht zerstört wird, aber die Realität lässt sich nicht erzeugen, indem man Dinge übersieht.
Zum Beispiel, dass Darwinisten (#2) in vielen Religionen zu Hause sind, man aber entsprechend selten von christlichen, jüdischen oder taoistischen Selbstmordattentätern liest und hört. Auch Atheisten sprengen sich nicht willkürlich in die Luft, weil sie keinen Gott fürchten müssen, der sie im ewigen Höllenfeuer für die Verschwendung des gottgeschenkten Lebens bestraft.
Selbstmordattentate beruhen in der Regel darauf, dass man möglichst viele Ungläubige in den Tod reißen will, da diese den eigenen Gott erbosen, dies aber weder bereuen, noch entsprechende Änderungen vornehmen. Die Aussicht auf eine Belohnung in einer jenseitigen Welt ist sicherlich ein gutes Lockmittel, was bei Atheisten nicht verfängt, da sie ja nicht glauben. Warum sollten sich Atheisten auch in die Luft sprengen? Welches Ziel verfolgen sie (#3)? Und warum bekennen sich diese Selbstmordatheisten mehrheitlich zur Lehre des Propheten Mohammed? Es stehen doch so viele Religionen zur Auswahl, die man als Deckmantel nutzen kann.

Auch hatte ich bereits eine kurze Abhandlung darüber verfasst, warum Evolution und Rassismus nicht miteinander einhergehen (Beitrag "Grundlagen: Evolutionstheorie und Rassendiskriminierung"). Rassenfeindlichkeit wie im Faschismus und kollektive Ausrottung wie im Kommunismus sind keine Ideen, die erst seit Darwin und Haeckel in die Welt kamen oder von diesen entwickelt wurden. Totalitäre Regime gab es zuvor. Ansichten, dass der niedere Russe dem Stolz der Grand Armee von Napoleon nicht standhalten könne, hat es ebenso gegeben, wie versklavte Volkschaften allein, weil sie nicht aus dem versklavenden Reichsgebiet stammten. Zum Beispiel die zahlreichen Indios nach der Kolonisierung Amerikas oder die eingeschleppten Afrikaner. Als Bonaparte starb, war Darwin noch ein Schulkind. Als erstmals Abertausende Sklaven nach Amerika verschifft wurden, war wiederum Napoleon noch nicht mal geboren.

Entscheidet bitte selbst, ob die Äußerungen von Harun Yahya wirklich von Intellekt zeugen oder einfach nur dumme, unhaltbare Behauptungen.

#1 - Quelle: Spiegel Online Interview mit Harun Yahya
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/interview-mit-harun-yahya-alle-terroristen-sind-darwinisten-a-578838.html

#2 - Darwinist ist aber auch ein blödes Wort, so wie Evolutionsbefürworter. Es wird der Eindruck einer beliebigen Anschauung im Sinne eines Glaubensbekenntnis erweckt oder aber das (mehr oder weniger) blinde Folgen, der Idee eines einzelnen Mannes.

#3 - Irritierend ist diese Frage auch, weil Atheisten im Gegensatz zu religiösen Gruppen keinen Dachverband haben und auch kein gemeinschaftliches Ziel oder Motiv vorhanden ist.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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