Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 1. Okt 2018, 12:17

Rezension - Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 3: Experimentelle Evolutionsforschung - Richard Lenski und das E.Coli-Langzeitexperiment

Nur, falls es jemand vergessen haben sollte, zitiere ich nochmal den im Erwachet 2015/08 (im Artikel "Die DNA: Bibliothek des Lebens") angegeben Brockhaus:
1. Wissenschaftliche Theorien lassen sich auf Beobachtungen zurückführen.
2. Wissenschaftliche Theorien lassen sich durch Experimente reproduzieren.
3. Wissenschaftliche Theorien bewähren sich bei der Vorhersage neuer Phänomene.

Den 3. Punkt habe ich hinreichend erläutert. Bezieht sich die Vorhersage dieser "neuen Phänomene" eben nicht auf Dinge, die bis dato noch nie geschehen sind, sondern auf Ereignisse, die bisher unverstanden waren, aber seit Jahrtausenden stattfinden. Das bestätigt seltsamerweise ja sogar die Bibel in Prediger 1:9:
Das, was geschehen ist, das ist, was geschehen wird; und das, was getan worden ist, das ist, was getan werden wird, und so gibt es nichts Neues unter der Sonne.

Beschäftigen wir uns diesmal mit der Frage, ob sich evolutionäre Prozesse reproduzieren lassen.

Angeschnitten hatte ich das E.Coli-Langzeitexperiment ja schon mal. Hier will ich etwas genauer darauf eingehen.

Richard Eimer Lenski ist US-amerikanischer Evolutionsbiologe, der 1976 sein Diplom (Bachelor of Science) am Oberlin College machte und an der University of North Carolina promovierte. Mittlerweile ist er Professor an mehreren Universitäten und Mitglied zahlreicher Wissenschaftsakademien. Ich will hier aber nicht in den Fehler verfallen, eine "Autorität" zu zitieren, sondern seine wissenschaftliche Arbeit vorstellen.


Foto der zwölf Kulturen vom 25. Juni 2008. Das Bild entstand 24 Stunden nachdem die Kulturen nacheinander in frisches, nährstoffarmes Medium (DM25) transferiert wurden. Sie befanden sich in einem stationären Zustand. Der Grad der Trübung der Zellkultur ist ein Maß für die Anzahl an Zellen. In dem Erlenmeyerkolben mit der Beschriftung "A-3" ist die Trübung am stärksten und folglich die Zellkonzentration am höchsten. Die Ursache hierfür ist, dass diese Zellen Citrat verstoffwechseln können und sich deshalb deutlich stärker vermehren.

Das E.Coli-Langzeitexperiment soll dokumentieren, wie natürliche Selektion im Labor nachvollziehbar und beobachtbar ist.

Das Experiment begann 1988 und wurde peinlich genau geführt. Entscheidend ist dabei auch, dass keine äußeren Einflüsse, wie zum Beispiel harte Strahlung oder mutagene Chemikalien, auf den Modellorganismus Escherichia coli (kurz E.Coli) einwirken. Dieses Darmbakterium verwendet Glucose als natürliche Nahrungquelle. Mit Citrat als Kohlenstoffquelle kann der Wildtyp von E.Coli nicht wachsen.
Genau da setzt die Laboruntersuchung an: Lenski setzt E.Coli seit nunmehr 30 Jahren einem Wachstumsmedium aus, das ein Minimalabgebot an Glucose, aber ein Überangebot der nicht-metabolisierbaren (vereinfacht "nicht verwertbar") Nahrungsquelle Citrat enthält.

Alle Schritte sind standardisiert und werden protokolliert.
Im ersten Schritt wurde eine einzige E.Coli-Zelle ausgewählt, die sich anschließend mehrfach teilte. Lenski wählte aus den Tochterzellen zwölf aus, die als Starterzellen für die zwölf seit 1988 parallel laufenden Experimente dienten.

Seither werden jeden Tag die E.Coli-Kulturen geteilt und mit frischem Medium versehen. Diesen Vorgang nennt man "propagieren".
Alle 75 Tage werden Proben der einzelnen Populationen genommen und zur Dokumentation eingefroren. Dabei entsprechen die 75 Tage etwa 500 Generationen. Zum Vergleich: Das entspräche einer menschlichen Ahnentafel von 10.000 Jahren, wenn jeder mit 20 seine Nachkommen gezeugt/geboren hätte.
In den entnommenen Populationen wird daraufhin die Wachstumsrate abgeschätzt. Dies geschieht in Relation zur Ursprungspopulation. Wenn sich E.Coli nicht verändert, verändert sich auch die Wachstumsrate nicht über natürliche Schwankungen hinaus. Sollte die Wachstumsrate aber doch zunehmen, so hätte sich E.Coli durch zufällige Mutation oder Mutationen der neuen Nahrungsquelle angepasst.

Im Juni 2008 publizierten Lenski und Mitarbeiter, dass sich nach 31.500 Generationen (nach oben gerechnetem Vergleich zum Menschen, nach mehr als 630000 Jahren) in einem der zwölf Parallelexperimente eine E. coli-Population entwickelt hatte, die in der Lage ist, Citrat als Kohlenstoffquelle zu verwenden (#1, #2, #3).
Wie diese Anpassung von statten ging und so zu dieser neuen Fähigkeit geführt hat, werden derzeit an dem neuen E. coli-Stamm, sowie dessen, über die letzten 20 Jahre eingefrorenen Vorläufergenerationen untersucht.

#1 - Pressemitteilung der Michigan State University (in Englisch)

#2 - Z. D. Blount, C. Z. Borland, R. E. Lenski: Historical contingency and the evolution of a key innovation in an experimental population of Escherichia coli. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 105, Nummer 23, Juni 2008, ISSN 1091-6490, S. 7899–7906, doi:10.1073/pnas.0803151105, PMID 18524956, PMC 2430337 (freier Volltext).

#3 - R. E. Lenski: Evolution in action: a 50,000-generation salute to Charles Darwin. In: Microbe. 6, 2011, S. 30–33. PDF
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 4. Okt 2018, 12:23

Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 4: Sichtbare Evolution

Es ist ja schon eine liebgewonnene Tradition und darum zitiere ich abermals den im Erwachet 2015/08 (im Artikel "Die DNA: Bibliothek des Lebens") vermerkten Brockhaus:
1. Wissenschaftliche Theorien lassen sich auf Beobachtungen zurückführen.
2. Wissenschaftliche Theorien lassen sich durch Experimente reproduzieren.
3. Wissenschaftliche Theorien bewähren sich bei der Vorhersage neuer Phänomene.

Punkt 2 habe ich mit dem E.Coli-Langzeitexperiment ja eindeutig widerlegt. Punkt 3 ist ebenfalls schon abgehandelt worden. Und im Grunde ist das E.Coli-Langzeitexperiment auch eine Beobachtung, doch ich will, wie immer eigentlich, weiter ausholen.

Mit dem Darwin-Wallace-Prinzip, wie die Evolutionstheorie noch bis in die 30er Jahre genannt wurde, wurde die nächste Stufe in der Erforschung einer dynamischen Welt unternommen.
Die wesentlichen Punkte von Darwins Theorie treffen heute immer noch zu: Alle Lebewesen stammen von gemeinsamen Vorfahren ab. In eine veränderliche Welt werden mehr Nachkommen geboren, als überleben können. Um die knappen Ressourcen entsteht ein Konkurrenzkampf. Die Individuen innerhalb einer Population unterscheiden sich graduell voneinander. An den Unterschieden setzt die natürliche Selektion an.
Im Laufe der Zeit wurde diese Theorie weiterentwickelt und ausgebaut. Mit Entdeckung der Genetik und der Gene wurde es möglich, den sichtbaren (phänotypischen) Eigenschaften von Organismen und ihren Veränderungen molekulare (genotypische) Mechanismen zuzuordnen. Zusätzlich entwickelte die Populationsbiologie mathematische Modelle dafür, wie sich bestimmte veränderte Gene innerhalb von Populationen ausbreiten.
Eine Grundpfeiler ist die Selektion, die sich auf mehrere Phänomene bezieht:
  • Organismen interagieren mit ihrer unbelebten Umwelt.
  • Organismen verschiedener Arten interagieren miteinander. Dabei kann sowohl die Konkurrenz um gemeinsame Nahrungsquellen, als auch die Jäger-Beute-Beziehung gemeint sein. Aber auch die Parasit-Wirt-Beziehung und Symbiose gehören in solche Interaktionen.
  • Aber auch Organismen gleicher Art interagieren. Zum Beispiel bei Revierangelegenheiten, Partnerwahl oder das Ringen um soziale Rangordnungen.
Selektion siebt gnadenlos durch Jäger-Beute-Beziehung jene Gejagten aus, die leichter entdeckt werden, weswegen Individuen mit gedeckten Farben besser überleben. Schnellere Gazellen entkommen ihrem Jäger besser, womit mehr der langsameren gefressen werden. Auch gegensätzliche Entwicklungen sind geschehen. Eine spezielle Zikaddenart kommt nur alle 17 Jahre zum Vorschein, paart sich milliardenfach, legt die Eier für die nächste Generation in 17 Jahren und stirbt. (#1) Diesem langsamen Zyklus hat sich kein Jäger anpassen können. Die Biester, die dann beim massenhaften Auftreten der Zikadden, diese fressen, sind nicht primär auf diese Beute eingestellt und sie überfressen sich. So überlebt der größte Teil der Population.

Neue Arten entstehen auch, wenn sich Individuen derselben Art unterschiedlichen Lebensräumen anpassen müssen, ob durch Wanderungen oder - in geologischen Zeitskalen - durch Kontinentaldrift. Eigentlich nachvollziehbar: Die Welt um uns verändert sich. Also müssen sich die Lebewesen dieser veränderlichen Welt sich immer wieder anpassen. Der Mensch ist dabei ebenso diesen Umwelteinflüssen ausgesetzt. In sonnenreicheren Gegenden ist die Melaninpigmentierung stärker ausgeprägt, als in Gegenden mit wenig Sonne. Aber stärker noch ist der Einfluss des Menschen auf Ökosysteme und deren Arten.

Bis in die 60er Jahre flossen große Mengen Abwasser in den amerikanischen Lake Washington und überdüngten ihn. Die Trübung des Wassers nahm aufgrund von Algenwachstum zu. Die Sichtweite fiel auf unter 70 Zentimeter. Dreistachlige Stichlinge (#2), die sich üblicherweise von Fressfeinden, zum Beispiel Forellen, verfolgt sehen, konnten sich nun viel besser verstecken. In der Folge verloren sie die Knochenplatten, die sogenannten Schilde, die sie statt Schuppen als Schutz auf der Haut tragen. Ende der 60er-Jahre wiesen nur noch sechs Prozent der Fische die Knochenplatten auf. Der zusätzliche Schutz war nicht nur wirkungslos geworden, sondern unnötiger Balast, der Geschwindigkeit und Wendigkeit beeinträchtigt.
Als man damit begann, das Wasser des Sees zu reinigen, verbesserte sich die Sicht allmählich - zunächst auf etwa 3,5 Meter, später sogar bis auf 7,5 Meter. Bei einer Untersuchung der Stichlinge stellten Biologen fest, dass mittlerweile 49% der Fische wieder komplett und 35% zum Teil von Knochenplatten überzogen sind.
In der natürlichen Stichlingpopulation kommen sowohl komplett beschildete und teilweise beschildete als auch schildlose Formen vor. Stichlinge, die kaum Knochenplatten aufweisen, leben ausschließlich im Süßwasser. Diejenigen mit vielen Knochenplatten sind marine Wanderformen. Da die Population im Lake Washington sowohl Gene von Süß- als auch Salzwasser-Formen trägt, ist sie flexibel genug, um sich an die drastisch veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

Auch die neu entstandene Genvariante die Hypolimnos-Edelfalter gegen das tötliche Bakterium Wolbachia immunisiert (#3), gilt als ein Beispiel zu beobachtender Evolution in menschlich überschaubaren Zeiträumen.
Sexuelle Fortpflanzung hat vor allem den Vorteil, dass sie immer neue und variablere Genkombinationen ermöglicht und dabei hilft, erfolgreiche Genvarianten im ganzen Genpool zu verbreiten. Natürlich steigt neben den nützlichen Eigenschaften, die bei diesen "Experimenten" entstehen, auch die möglichen schädlichen Eigenschaften, die dann durch die Selektion ausgemerzt werden.

Die Weibchen mexikanischer Zahnkärpflinge (#4) bevorzugen große Männchen, die sie vor der Paarung gründlich in Augenschein nehmen. Biologen von der Universität Potsdam fanden jedoch kürzlich zwei Populationen, die in finsteren Höhlen leben, in denen die Weibchen zumindest optisch keinen Unterschied zwischen den Männchen mehr feststellen konnten. Eine Population wies ausschließlich kleine Männchen, eine mit großen und kleinen Männchen. Der Grund: In der Population mit großen und kleinen Exemplaren haben die Weibchen einen Weg gefunden, die Größe ihrer Freier auch ohne Licht zu ermitteln. Wahrscheinlich weil größere Männchen einfach mehr Wellen schlagen. Da sie in dieser Population - wie auch in der anderen - zunächst die kleineren Männchen nicht verschmähten, konnten sich diese sehr gut fortpflanzen und hätten sich wahrscheinlich durchgesetzt. Kleinere Männchen müssen wesentlich weniger Energie in den Aufbau von Körpermasse stecken, kommen also mit weniger Nahrung zurecht. Aufgrund des Erfindungsreichtums der Weibchen, haben sie nun aber wieder schlechtere Chancen, sodass sich der Trend zu größeren Männchen durchsetzen wird.

Dass aber auch Männer wählerisch sind, zeigen ebenfalls Biologen von der Universität Potsdam. In Texas bilden asexuelle Amazonenkärpflinge (#4) mit sexuellen Breitflossenkärpflingen (#4) gemischte Populationen. Die Besonderheit in diesem System liegt darin, dass die asexuellen Amazonenkärpflinge Spermien der sexuellen Art benötigen, um die Embryonalentwicklung ihrer Eier auszulösen. Männchen gelten als weniger wählerisch im Vergleich zu den Weibchen, da die Spermienproduktion als wenig energieaufwendig angesehen wird. Stimmt das, sollten sich Männchen gleich oft mit sexuellen und asexuellen Weibchen paaren.
In einer Feldstudie wurden gemischte Populationen im Verlauf eines Jahres beobachtet und die Weibchen beider Arten untersucht. Es stellte sich heraus, dass ein wesentlich höherer Anteil sexueller Weibchen Spermien in ihrem Genitaltrakt hatte. Es scheint also, dass die männliche Partnerwahl in der Tat der Schlüssel zum Verständnis der stabilen Koexistenz sexueller und asexueller Arten darstellt.
Wären die Männchen weniger wählerisch, hätte die asexuelle Art alleine schon dadurch einen Fortpflanzungsvorteil, dass sie sich die Produktion überflüssiger Männchen spart. Die asexuelle Fortpflanzung hat allerdings auch Nachteile, da sie eine vergleichsweise ausgeprägte Starrheit der Art zur Folge hat. Größere Veränderungen in der ökologischen Nische der Amazonenkärpflinge könnten sich deshalb eher verheerend auswirken als bei sexuellen Arten, die eine wesentlich höhere Variabilität innerhalb ihrer Population aufweisen.

Eine Untersuchung des Räuber-Beute-Verhältnisses zwischen Wanderfalken und Tauben in Kalifornien zeigte, dass kleine Unterschiede große Wirkung haben können. In der beobachteten Taubenpopulation trugen etwa 20 Prozent der Tiere einen weißen Fleck zwischen Schwanzansatz und Rücken. Diese Tauben machten aber nur zwei Prozent der Wanderfalkenbeute aus.
Der weiße Fleck sorgt tatsächlich für den unterschiedlichen Jagderfolg des Greifvogels: Stößt der Falke mit mehr als 300 Kilometern pro Stunde auf seine Beute herab, verteidigen sich die Tauben, indem sie kurz bevor der Jäger sie erreicht eine Luftrolle vollziehen, indem sie einen Flügel nach unten klappen. Bei der Drehung wird der Fleck besonders gut sichtbar und irritiert die Falken wohl - sei es auch nur für den Bruchteil einer Sekunde - und verschafft den Tauben einen kleinen, aber entscheidenden Vorsprung. Die Fluchttaktik funktioniert auch bei Tauben, denen der weiße Fleck nur aufgeklebt wurde. Verdeckt man die Färbung bei Tauben, die sie angeboren tragen, fallen sie genauso häufig Falken zum Opfer wie Tauben die ohne Fleck aus dem Ei schlüpften.
In der Population steigt die Zahl der Individuen mit einem weißen Fleck ständig. Es bleibt spannend, wie die Falken auf den evolutionären Haken der Tauben reagieren.


Lebensbild von Tiktaalik roseae


Viele Übergänge im Laufe der Evolution sind bereits gut durch Fossilfunde oder gar durch noch lebende Arten dokumentiert, wenn auch nicht lückenlos. Erst kürzlich wurde Tiktaalik vorgestellt, die vermutlich erste Fischart, der an Land ging. Bei ihm sind anatomische Anlagen für wesentliche Merkmale von Landwirbeltieren vorhanden.
Das Schnabeltier gilt als Beleg für den Übergang der Reptilien zu den Säugetieren. Die Weibchen legen noch Eier, produzieren aber auch schon Milch, die die Jungen direkt von der Bauchdecke lecken. Zitzen haben Schnabeltiere noch nicht. Die Männchen hingegen produzieren ein Gift, das sie bei der Verteidigung mit ihrem Stachel an der Schwanzwurzel einsetzen und das dem von Reptilien ähnelt. Auch im DNA-Code zeigt sich die Verwandtschaft des kuriosen Tieres sowohl mit Reptilien als auch mit Säugetieren.

Die Säugetiere, die sich zunächst an Land entwickelten, eroberten sich anschließend auch das Meer als Lebensraum zurück. Dieser Übergang ist mittlerweile durch Fossilfunde und Genanalysen ebenso gut belegt wie die Entwicklung der Vögel aus Sauriern.

#1 - Magicicada
https://de.wikipedia.org/wiki/Magicicada

#2 - Gasterosteus aculeatus
https://de.wikipedia.org/wiki/Dreistachliger_Stichling

#3 - Hypolimnos-Edelfalter
Forschung: Sylvain Charlat, Emily A. Hornett und Gregory D.D. Hurst, Department of Biology, University College London und Gump South Pacific Research Station, University of California at Berkeley, Moorea, Französisch-Polynesien; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 317, 13. Juli 2007, p 214, DOI 10.1126/science.1143369

#4 - Kärpflinge
https://de.wikipedia.org/wiki/Zahnkärpflinge
https://de.wikipedia.org/wiki/Amazonenkärpfling
https://de.wikipedia.org/wiki/Breitflossenkärpfling
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Sa 13. Okt 2018, 00:05

Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 5: Mögliche Entwicklung und Vorläufer der DNA

In den letzten drei Artikeln konnte klar aufgezeichnet werden, dass die Evolutionstheorie eine wissenschaftliche Theorie ist, wie sie im zitierten Brockhaus definiert wurde. Ihre Wirkmechanismen lassen sich in kurzen Zeiträumen beobachten. Sie lassen sich reproduzieren. Und die Evolutionstheorie trifft auch wissenschaftliche Vorhersagen.
Anschließend soll eine kurze Abhandlung darüber erfolgen, wie sich DNA gebildet und entwickelt haben könnte.

Die RNA-Welt-Hypothese

Ein Erklärungsmodell ist die RNA-Welt-Hypothese, die besagt, dass RNA-Moleküle die Vorläufer der Organismen und der DNA sind. Die Hypothese lässt sich ableiten aus der Fähigkeit der RNA zur Speicherung, Übertragung und Vervielfältigung genetischer Informationen, sowie aus ihrer Fähigkeit, als Ribozyme Reaktionen zu katalysieren.
Da die RNA ein bereits sehr komplexes Molekül ist, wurden alternative und ergänzende Hypothesen zur Entwicklung des Lebens auf der Erde entwickelt. Diese schließen insbesondere eine mögliche Rolle von Proteinoiden, Peptid-Nukleinsäuren (kurz PNA), Threose-Nukleinsäuren und Glycerol-Nukleinsäuren ein. Sie werden als mögliche Vorgänger der RNA angesehen, da sie chemisch einfacher gebaut sind. Für Peptid-Nukleinsäuren konnte nachgewiesen werden, dass sie sich selbst replizieren und als Vorlage der RNA dienen können. Eine Entstehung von Peptid-Nukleinsäuren in der Ursuppe gilt als möglich. Auch die in der Ursuppe vermuteten polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe werden als mögliche Vorgänger der RNA angesehen.

Proteinoide

Proteinoide sind proteinähnliche Polymere aus Aminosäuren, die im Gegensatz zu heutigen Proteinverbindungen auch außerhalb von Lebewesen entstanden sein können. Im Miller-Urey-Experiment wurden Aminosäuren in einer hypothetischen Ursuppe erzeugt. Darauf aufbauend entstehen Proteinoide bei Temperaturen um 140 °C, in Anwesenheit von Katalysatoren (mögliche Katalysatoren Phosphat oder Amidincarbodiimid) bereits ab 70 °C. Daraus können sich aufgrund hydrophober Effekte sphärische Proteinkomplexe (Mikrosphären) bilden, die zwei Eigenschaften von Lebewesen aufweisen, wie eine proteinbasierte Biomembran und eine Aufspaltung in Tochtersphären als Entsprechung einer Zellteilung.

Peptid-Nukleinsäure

Dies sind Nukleinsäure, in dem das Zucker-Phosphat-Rückgrat durch ein Pseudopeptid ersetzt ist. Das Rückgrat besteht dabei oft aus Aminoethylglycin-Einheiten, die über neutrale Amid-Bindungen (anstelle der geladenen Phosphodiester-Bindungen der DNA) miteinander verbunden sind.

Threose-Nukleinsäuren

Threose ist ein Monosaccharid aus der Gruppe der Tetrosen. Es gibt zwei Stereoisomere, die D-Threose und die L-Threose.
Threose ist namensgebend für den Deskriptor (ein Präfix vor dem systematischen Substanznamen, der die Konfiguration oder die Stereochemie des Moleküls beschreibt) threo-, der als halbsystematischer Namenszusatz genutzt wird, um ähnlich konfigurierte Moleküle zu kennzeichnen.
Bei der Oxidation von Threose, beispielsweise mit Salpetersäure, entsteht Weinsäure (Die Alkalisalze der Weinsäure vermögen in alkalischer Lösung Kupfer(II)-Ionen zu binden und dadurch in Lösung zu halten (Fehlingsche Lösung, zum Nachweis von Reduktionsstoffen)). Bei der Reduktion, zum Beispiel mit Natriumborhydrid, entsteht Threit (einem einfach gebauten Zuckeralkohol).

Glycerol-Nukleinsäuren

Glycerol (von griechisch glykeros für süß, auch Glyzerin genannt ist ein Zuckeralkohol und der einfachste dreiwertige Alkohol, ein Triol. Glycerol ist in allen natürlichen Fetten und fetten Ölen (z.B. Pflanzenölen) chemisch gebunden als Fettsäureester vorhanden und spielt eine zentrale Rolle als Zwischenprodukt in verschiedenen Stoffwechselprozessen.

Schematisches Beispiel für die säurekatalysierte Umesterung eines natürlichen Triglycerids (drei Glycerole) (oben) in Fetten und Ölen. Der blau markierte Fettsäurerest ist gesättigt, der grün markierte ist einfach, der rot markierte dreifach ungesättigt. Bei der Gleichgewichtsreaktion wird Clycerol abgespalten und es entsteht FAME (unten), ein Gemisch von Fettsäuremethylestern, im Beispiel drei verschiedene

Wegen seiner wasserbindenden Eigenschaften ist Glycerol in Kosmetikartikeln als Feuchtigkeitsspender enthalten und dient als Lebensmittelzusatzstoff E 422 zur Feuchthaltung, etwa für Datteln, Kaugummi oder Zahnpasta, aber auch als Süßungsmittel. Es hält Blumen und Weihnachtsbäume länger frisch und Leder in Schuhcremes und Lederpflegemitteln glatt und geschmeidig.
Clycerol verwendet die Industrie als Frostschutzmittel, Schmierstoff und Weichmacher, als Reakant bei der Herstellung von Kunststoffen, Microchips und Farbstoffen, sowie nach der Reaktion mit konzentrierter Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure zu Glyceroltrinitrat (besser bekannt als "Nitroglycerin") als Explosivstoff. Weitere Anwendungsgebiete: als Nährmedium für Biogasanlagen und Fermentationssubstrat in der industriellen Biotechnologie, als Kraftstoffzusatz, als Futtermittel für Wiederkäuer, Schweine und Hühner, zur Behandlung von Hirnödemen, als Abführmittel, zur Aufrechterhaltung der menschlichen Hirn- und Organfunktionen während einer künstlichen Absenkung der Körpertemperatur für langwierige, schwierige Eingriffe (biologisches Vorbild der graue Laubfrosch Hyla versicolor) und zur Diagnose eines Morbus Meniere.

Die meisten tierischen und pflanzlichen Fette und Öle sind Triacylclyceride aus dreiwertigen Alkoholglycerin der mit -OH dreifach mit Fettsäuren verestert. Diese Verbindung dient als Energiespeicher. Ähnlich aufgebaut sind Phosphoglyceride, die statt der dritten Fettsäure eine Phosphatgruppe verestern und an diese ein Rest gekoppelt ist, wie Cholin im Lecithin. Dieses Molekül hat einen polaren und einen apolaren Bereich, was die Bildung einer Membran (z.B. Zellmembran) ermöglicht.

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (kurz PAK) bilden eine Stoffgruppe von organischen Verbindungen, die aus mindestens zwei verbundenen aromatischen Ringsystemen bestehen, die stets in einer Ebene liegen. Der einfachste PAK ist Naphthalin. Fluoren ist ebenfalls ein PAK, da beide Ringe durch die zusätzliche Methyleneinheit starr miteinander verbunden sind. Kein PAK ist Biphenyl, hier sind die beiden Benzolringe nicht anelliert (Anfügung eines weiteren Ringes an einen oder mehrere schon vorhandene Ringe).

Diese ringförmigen Kohlenwasserstoffe können zusätzlich Substituenten (häufig Methylgruppen) tragen. In einer erweiterten Bezeichnung werden auch Derivate mit Heteroatomen (vorrangig Sauerstoff und Stickstoff) in Form von Aldehyd-, Keto-, Carboxy- und Nitrogruppen, aber auch Heteroaromaten zu den PAK gezählt. Dadurch ergibt sich ein großer Variantenreichtum innerhalb der PAK; mehrere hundert Verbindungen sind bekannt.

Die alternative Hypothese der Panspermie stellt eine weitere mögliche Erklärung der Entstehung der komplexen Formen unseres Lebens dar. Diese weitgehend als reine Spekulation betrachtete Theorie besagt, dass sich einfache Lebensformen über große Distanzen durch das Universum bewegten oder gebracht wurden und so die Anfänge des Lebens auf die Erde markierten. Da allerdings die Frage nach der Entstehung des Lebens hierdurch einfach nur von der Erde an irgendeinen anderen Ort im Universum verschoben wird, bietet diese Hypothese letztlich keinerlei grundlegende Erklärung an.
Solche Hypothesen sind auch mit einer gehörigen Portion Spekulation verbunden, aber im Gegensatz zu Gott zumindest einer wissenschaftlichen Prüfung zugänglich.

Feststellen lässt sich übrigens auch, dass Technik, die immer wieder als gelenkter Prozess die Analogie zur Natur von Kreationisten verstanden und dargestellt wird, ebenfalls einem Wandel unterworfen ist. Wobei der Mensch hier die Rolle der Mutation, Selektion, Adaption, Variation und des genetischen Drifts übernimmt, indem er entscheidet, wie sich etwas verändert, ob es sich durchsetzt oder zufällig verloren geht (z.B. Krieg). Er verwendet bei der Entwicklung neuer Techniken nicht neu erschaffene Materie, sondern bereits vorhandenes Material und Wissen und baut darauf auf (#1).

Fazit: Für die Entstehung und Entwicklung der DNA als Informationsspeicher des Lebens gibt es überprüfbare Erklärungen. Auf einige Modelle werde ich zu einem späteren Zeitpunkt eingehen.

#1 - Die Speichergrößen im Wandel der Zeit Hier im Forum unter "Kind der 80er Jahre"
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 3. Okt 2019, 23:32

(Die beiden Texte Grundlagen: Die 5 Säulen der Evolution - Teil 1: Eine Übersicht (veröffentlicht am 22.10.2018) und
Grundlagen: Die 5 Säulen der Evolution - Teil 2: Mutation (veröffentlicht am 22.03.2019) werden noch einmal generalüberholt und erst dann veröffentlicht, wenn die Artikelserie vollständig ist.
)

Woher kommt Gott?

Diese Frage hatten wir eigentlich schon in einem deutlich früheren Artikel erörtert. Damals lediglich in einer Fußnote. Da diese Frage in einem aktuelleren Wachtturm erneut gestellt und selbstverständlich auch biblisch beantwortet wird, möchte ich die Gelegenheit nutzen, auch über diesen Text, beziehungsweise Gedanken zu sinnieren.

Ich zitiere einmal aus dem Wachtturm 1/2019, der seit einiger Zeit nicht mehr monatlich erscheint:
WOHER KOMMT GOTT?

Über diese Frage haben sich schon viele Menschen Gedanken gemacht. Man könnte sie auch so ausdrücken: Wenn das Universum eine Ursache oder einen Schöpfer gehabt haben muss, wem verdankt dann Gott seine Existenz?

Nach allgemeiner wissenschaftlicher Auffassung hatte das Universum einen Anfang. Dieser Grundgedanke kommt schon gleich im ersten Vers der Bibel zum Ausdruck: „Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde“ (1. Mose 1:1).

Das Universum kann sich nicht selbst erschaffen haben. Von nichts kommt nichts! Hätte es vor dem Anfang des Universums nichts gegeben, gäbe es heute kein Universum. Es war – so unbegreiflich das auch erscheint – eine unendliche, immaterielle erste Ursache nötig. Diese erste Ursache ist Gott, ein unvorstellbar mächtiges und weises Geistwesen (Johannes 4:24).

Die Bibel sagt über Jehova: „Ehe selbst die Berge geboren wurden oder du darangingst, . . . die Erde und das ertragfähige Land hervorzubringen, ja von unabsehbarer Zeit bis auf unabsehbare Zeit bist du Gott“ (Psalm 90:2). Gott hat also schon immer existiert. Und irgendwann, „im Anfang“, erschuf er dann das Universum (Offenbarung 4:11).

- Wachtturm, 1/2019, Titel: "Wer ist Gott?", Seite 4, Artikel "Wie heißt Gott?", grauer Kasten, Copyright 2018 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania.© Verlag: Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft, Selters/Ts.

In den davor und danach kommenden Artikeln dieses Wachtturms wird ebenfalls auf seine Schöpfermacht Bezug genommen, ohne zu klären, warum man irgendeine Existenz Gott zuschreiben sollte. Aber im Grunde erklärt der erste Satz des dritten Absatzes die zur Erkenntnis erhobene Behauptung, dass Universum könne ja nicht aus nichts entstanden sein.

Das trifft auch die meisten Kernaussagen zu Entstehungshypothesen des Universums, denn diese gehen von einer ungeheuer großen, ungeheuer dicht komprimierten Energiequelle aus, die dann im "Urknall" zu expandieren begann. Woher diese Energie kam, ist Teil mehr spekulativer Wissenschaft, da man über Dinge vor Zeit und Raum per Definition der Physik nichts sagen kann. Da kann man gern Gott hinstellen, aber eben nur, weil einen keiner widerlegen kann.

Aber auch dann erklärt dieser Absatz nicht wirklich, woher Gott kommt, was ja die selbst gestellte Frage der eigenen Überschrift ist. Denn der zitierte Psalm 90:2 ergibt keinen Sinn, wenn es gar keine Zeit in der in unserem Universum zugeordneten Maßeinheit gegeben hat, da sie erst durch Materie überhaupt "spürbar" wird. Ohne Materie gibt es nichts, was werden oder vergehen kann.
Mal ganz abgesehen davon, dass dieser Bibeltext genauso unbelegt ist, wie die Existenz des Wesens, das damit bewiesen werden soll.

Man könnte jetzt Krümel kacken und einen Beweis unendlicher Macht einfordern. Er wird nie erbracht werden können. Nicht mal von Gott selbst. Egal, was er anstellt, es wäre immer endlich. Endlich viel Kraftaufwand, endliche Wirkung, endlicher Radius.
Und ebenso wird vom Höchsten selbst nie bewiesen werden können, dass er unendlich lange schon existiert und nicht etwa doch einen Anfang hatte. Da selbst sein Sohnemann ein Anfangsdatum hat, egal, wie weit es in der "Vergangenheit" liegen mag, kann dieser uns gleichfalls nicht belegen, sein Papa wäre tatsächlich der "Alte an Tagen".
Aber das alles würde eine etwaige Diskussion nicht wirklich weiter bringen und zu keinem Ergebnis führen. Gott macht es nicht begreiflicher und leider nicht realer.

Bleiben wir aber noch einmal kurz beim dritten Absatz:
Warum sollte das Universum nicht aus nichts entstanden sein können? "Von nichts kommt nichts!" funktioniert ja im Grunde nur in dem uns bekannten Universum. Nichts geschiet ohne Ursache. Dabei ist dieser universal klingende Satz noch nicht einmal für unser Universum bewiesen. Der radioaktive Zerfall scheint ein Ereignis ohne bestimmbare Ursache. Warum zerfallen Elemente und woher weiß man, welches Isotop das nächste ist. Es ist ja maximal der statistische Wert der Halbwertszeit als Angabe möglich, ohne Aussagen darüber treffen zu können, welches Atom in der zu messenden Probe das nächste oder überhaupt auch nur Teil des Zerfalls ist oder ob es erst in einigen Jahren dran ist.
Da es solche Spezialfälle in unserem Universum zu geben scheint, warum dann nicht in anderen Universen oder dem "Raum" drumherum, wo unsere Logik nicht die bestehende sein muss, auch oder gerade erst recht?

"Von nichts kommt nichts!" ist bereits eine Logik, was heißen würde, dass diese, so sie denn stimmt, älter wäre als das Universum selbst. Sonst würde sie nicht greifen, um den Anfang des Universums zu beschreiben. Denn entstand die Logik, wie wir sie kennen, erst, als das Universum seinen Anfang nahm, können ihre Vernunftsätze nicht schon vorher gegolten haben. Somit wären Ereignisse ohne Ursache möglich oder Ursachen ohne Ereignisse. Es wäre dann sogar möglich, dass es für alles eine Ursache gibt, aber dennoch Ereignisse ohne Ursache sind. Denn die Dualität der Aussage, ob etwas eine Ursache hat oder nicht, ist dann nicht mehr gegeben.

Wir wissen es nicht und es ist anmaßend, darüber irgendwelche unbeweisbaren Behauptungen aufzustellen.
Wie man es dennoch, wenn auch reichlich schwadronierend, erklären könnte, zeigte ich ja bereits in der Fußnote #5 des Beitrages "... 063, 15.04.2018: Rezension: Fragen junger Leute: Schöpfung oder Evolution?"
#5 - Wer hat Gott erschaffen?

Alles hat ja einen Anfang und ein Ende. Anders ist das für uns nicht vorstellbar, was aber keineswegs bedeutet, dass es anders nicht sein kann. Albert Einstein hat mit seiner Relativitätstheorie rechnerisch nachgewiesen, dass die Zeit keine feststehende Größe ist, sondern eine relativ von Masse und Geschwindigkeit eines Körper abhängige. Je schneller und massereicher etwas ist, desto langsamer vergeht die Zeit für dieses Objekt. Das nennt sich Zeitdilatation. Dies betrifft sowohl die Gleichzeitigkeit von Ereignissen, die an verschiedenen Orten stattfinden, als auch die Zeitdauer zwischen zwei Treffen zweier Beobachter, die sich zwischen diesen Treffen relativ zueinander bewegen. Da es kein absolut ruhendes Koordinatensystem gibt, ist die Frage, welcher Beobachter die Situation korrekt beurteilt, nicht sinnvoll. Man ordnet daher jedem Beobachter seine so genannte Eigenzeit zu. Ferner beeinflusst die Anwesenheit von Massen den Ablauf der Zeit, so dass diese an verschiedenen Orten im Gravitationsfeld unterschiedlich schnell verstreicht.

Dies hat man experimentell später mit zwei Atomuhren in einem Experiment nachgewiesen. Dabei platzierte man eine von zwei absolut gleich laufenden Atomuhren in einer Concorde, die andere ließ man am Boden zurück. Nach einer mehrstündigen Überschallflugzeit der Concorde konnte man tatsächlich eine Abweichung der beiden Uhren feststellen, wenn auch nur wenige Millionstel Sekunden. In der Concorde war weniger Zeit vergangen als auf der sich langsamer bewegenden Erde.

Da Gott geistig und nicht materiell ist, ist er der Zeit, die er ja auch geschaffen haben soll, nicht unterworfen. Das bedeute wieder nicht, dass es in dieser geistigen Welt (klassisch als "Der Himmel" bezeichnet) keine Gegenstände geben kann, sondern nur, dass diese nicht aus der Materie bestehen, die die Zeit für Ihre Existenz benötigt. Wenn es aber diese Zeit dort nicht geben kann, dann ist dort auch kein Anfang und kein Ende, sondern eben Ewigkeit.

Bei solchen Überlegungen setzt freilich der eigene Geist aus. Aber so kann man vermutlich die zeitlose Existenz Gottes erklären, die keinen Anfang und kein Ende kennt.

Aber damit beschreibt man auch nur die Kleider eines Kaisers, der wohlmöglich gar nicht existiert (eine treffende Analogie zu "Des Kaisers neue Kleider").

Es gibt keinen Beweis, dass Gott existiert und noch weniger, dass er das Universum erschaffen hat.
Es gibt ja nicht einmal gesicherte Aussagen über die Zustände oder Energien vor dem Urknall. Nirgends steht, dass das Universum aus dem Nichts entstanden.
Bleibt abschließend nur noch zu sagen, dass der Text aus dem Wachtturm nicht das beantwortet, was seine Überschrift als Frage aufwirft.

Nach diesem kurzen Combobreaker geht es demnächst weiter mit den Säulen der Evolutionstheorie.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 13. Dez 2019, 22:56

Satire: Mehrheit der Affen bezweifelt, dass der Mensch von ihnen abstammt

Unter folgendem Link hat das Satire-Onlineportal Postillon über die Artverwandtschaft von Men und Affe geschrieben:

https://www.der-postillon.com/2019/05/affen-menschen.html?m=1

Interessante Parallelen, die da gezogen werden.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 8. Mär 2020, 00:33

Rezension: Vortrag - w08 1. 2. 5 - Thema: Zu wissen, dass wir Menschen von Gott erschaffen wurden, bringt inneren Frieden

Vorträge gibt es in jeder Versammlung unter der Woche und am Wochenende. Die "Sonntagsversammlung" beginnt nach Lied und Gebet mit einem 30 minütigen Vortrag, der auch mal von Rednern anderer Versammlungen gehalten wird. Nach einem weiteren Lied folgt die Besprechung des wöchentlichen Wachtturmartikels. Abgeschlossen wird jene Versammlung mit einem letzten Lied und dem Abschlussgebet.
Die aktuelle Rezension betrifft eine Disposition zu einem Vortrag. Dispositionen sind sowas wie Vorlagen, an denen sich der dann vorgetragene Beitrag zu orientieren hat.
Die Vortragsthemen können von allen Versammlungsbesuchern an der Anschlagtafel für die nächsten Wochen vorab begutachtet werden. Man legt Wert auf Offenheit und optimale innere Vorbereitung aller Anwesenden.
Die vorliegende Disposition ist ein Teil des Wachtturmartikels vom 1. Februar 2008 "Woher kommen wir?"

https://wol.jw.org/de/wol/d/r10/lp-x/2008081#p12

Aus den Bibeltexten Apostelgeschichte 17:24, 25 und Offenbarung 4:11 soll der Gedanke der Schöpfung belegt werden, selbstverständlich ohne tatsächlich als Beleg gelten zu können, sondern lediglich als Behauptung. Darum soll es aber ausnahmsweise mal nicht gehen. Denn im Grunde widerlegt man solche und ähnliche Bibelverse immer gleich. Nämlich damit, zu zeigen, dass es eben Behauptungen und keine Belege sind.
Es geht darum, wie diese Antwort echte innere Ruhe gibt oder ob das überhaupt der Fall ist und ob man das Argument auch umkehren kann.

Ja, wie dargelegt, kann die konsequente Umsetzung des Glaubens an einen Schöpfer, sinnstiftend und zufriedenstellend sein. Der innere Friede rührt dann daher, dass Gott alle Menschen, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft oder Bildungsgrad gleich lieb hat. Vorausgesetzt, sie lieben auch ihn. Das beugt Vorurteilen und Voreingenommenheit vor, da Gott keine "Menschenrasse" oder Nation bevorzugt. Vor Gott sind alle gleich. Oder sagen wir es empirisch korrekter: Für der Idee "Gott" sind alle gleich.
Wer auf den Schöpfer hört, hat natürlich auch eine bis zu 3.000 Jahre feststehende Doktrin, was Verlässlichkeit in dieser wankelmütigen, schnelllebigen Welt suggeriert. Außerdem kann man seine Sorgen bei Gott abladen und sie durch das Beten nachweislich sogar oft besser einordnen oder relativieren. Das hilft bei der Problembewältigung. Und daher entsteht dann wohl auch der Eindruck, Gott hätte einen gesegnet oder durch eine schwere Zeit getragen.
Außerdem diszipliniert man sich selbst, wenn man über sich ein allmächtiges Wesen vermutet, dass straft und belohnt und alles sieht und weiß, auch wenn es sonst keiner sieht oder weiß.

Ja, das sind alles gute Leistungen. Hervorragend möchte man sagen.

Selbstverständlich könnte man nun auch negieren und sagen: Da ein allmächtiger Gott im Rücken gedacht wird, ist auch schon so mancher Krieg in seinem Namen geführt worden. Oft in einer Vehemenz, wie sie fanatischer nicht sein kann. Und auch andere negative Entwicklung kann man so beschreiben. Aber das wäre nicht tiefgründig genug.
Man kann auch einwenden, dass gute Sitten und moralisches Verhalten lediglich aus der Angst vor Strafe durch Gott entstehen. Die Menschen, die dann danach handeln, sind nicht wirklich nett oder freundlich, weil sie das aus tiefstem Herzen wollen, sondern um ein omnipotentes Wesen nicht zu verärgern oder es zu erfreuen. Aber auch das ist nicht wirklich stichhaltig. Insbesondere Gleichgläubigen gegenüber sind Gläubige wohlgesonnen. Das erklärt sich aus altruistischen Verhaltensweisen durch Gruppenzugehörigkeit. Gruppen bieten Schutz und Geborgenheit. Dazu muss aber jeder etwas beitragen. Ein einheitlicher Wertekanon ist da natürlich hilfreich.

Kann man aber stattdessen auch aus der Evolutionstheorie und dem Naturalismus positive, lebensbejahende Aspekte interpolieren? Kann die Naturwissenschaft inneren Frieden geben?

Zu realisieren - nicht nur schlicht zu wissen - dass "jede Familie [...] auf Erden ihren Namen" (Epheser 3:15) einer immer wieder stattfindenden Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium verdankt und dass man dabei nur einer unter Millionen war, lässt jede spätere Prüfung und jedes Bewerbungsgespräch erblassen. Man kann dankbar sein. Nur wem? Denn alle, die einem geholfen haben, ja maßgeblich daran beteiligt waren, dass man heute überhaupt ist, die Homies aus Vorschwangerschaftstagen, sind nicht mehr (#1).

Das "jede Familie [...] auf Erden" ihr Dasein einer ziemlich kleinen Truppe von frühen Menschenaffen und später auch einem erneuten Engpass an Menschen in der frühen Geschichte des Homo Sapiens verdankt, die sich in unwirtlichem, teils feindlichem Gebiet mit anderen Menschengattungen messen mussten und dabei als "Sieger" hervorgingen, kann ebenfalls Vorurteile abbauen. Wir stammen alle von weniger als 1.000 Individuen ab, die vermutlich die globalen Auswirkungen einer vulkanischen Katastrophe überlebt gaben. Egal, welche Hautfarbe oder Herkunft oder Bildungsgrad jemand hat. Er hat gemeinsame Vorfahren und mahnt uns, friedlich miteinander umzugehen.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, wo ich theoretisch auf alles Wissen der Menschheit zugreifen könnte.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich in einer Gegend lebe, in der relativer Frieden herrscht. Und es ist ein trauriger Zufall, dass meinem Gegenüber das vielleicht nicht vergönnt ist.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich für ein paar hundert Moneten ein qualitativ hochwertiges Zuhause haben kann, mit mehr Komfort als noch 200 Jahre zuvor selbst die reichsten Könige nicht haben konnten. Und es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht in einem zugigen Verschlag wohnt.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich nur in den nächsten Laden gehen muss, um für relativ wenig Geld Berge an Speisen und Getränken zu erwerben. Fast mühelos. Ich muss weder über Stock und Stein, noch durch unwirtliche Gegenden stundenlang marschieren, um dann meine Tagesration Reis oder Hirse für horende Preise zu erstehen. Und ich muss nicht jagen und nicht bebauen. Das machen andere für mich, deren Arbeit durch Maschinen und Arbeitsteilung deutlich einfacher geworden ist, als noch vor 70 Jahren. Und es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht noch mit den gleichen Methoden wie seine Urahnen dem Boden etwas zu Essen abringt.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich mir überhaupt einen Kopf darum machen kann, was ich heute anziehe und welche Tasche ich mitnehme. Ich habe 6 Paar Schuhe und ich weiß, dass das in unserer Gegend wenig ist. Und ich weiß auch, dass ich dennoch mehr Schuhe habe als die meisten Menschen der Erde. Und es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht nicht mehr Kleidung sein Eigen nennt, als die die er gerade am Leib trägt.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich in einem Land mit hohem Bildungsstandard lebe. Ich oder meine Kinder können kostenfrei unterrichtet werden, weil Schulen staatlich getragen werden. Und es ist trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht nie eine Schule von innen sehen wird.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich in dem Teil der Erde lebe, wo Kinder tagüber in der Schule sind und nicht auf dem Feld oder für irgendeinen Warlord am Maschinengewehr. Es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber dieses Glück nicht hat und vielleicht auf Leute aus seinem eigenen Dorf schießen musste, um sein eigenes Leben zu retten.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich zu den Gewinnern des Arm-Reich-Gefälles gehöre. Und es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht zu den Verlierern zählt.
Ich bin mir bewusst, dass ich hier auf äußerst drastische Weise ein Unterschied erzielt habe. Und ich bin mir bewusst, dass ich hier sehr zweifelhafte, gar schreckliche Entwicklungen aufliste. Alles Dinge, die bei Treue zu einem moralischen Wertekanon nicht möglich wären, sofern der Wertekanon selbst nicht irgendwelche drakonischen Strafen für irgendwelche Verbrechen gibt.

Wie auch immer diese Auflistung von euch aufgefasst wird, fest steht, ich hatte keinen Einfluss darauf, in welchem Land ich geboren werde und aufwachse. Ich hatte keinen Einfluss darauf, wie dieses Land zum Zeitpunkt meines Erscheinens sein würde. Ich hatte keinen Einfluss darauf, dass vor vielen Generationen der Bruder oder die Schwester meines Vorfahren an Diphterie oder einer anderen tödlich verlaufenden Krankheit verstorben ist und er glücklicherweise nicht.
Egal, was in meinem und vor allem vor meinem Leben passiert ist: Es war Zufall, den ich maximal lenken kann, nicht vorgeben.

Zu wissen, dass mein Start ins Leben offenbar keinem Masterplan von irgendwelchen mächtigen Entitäten entspringt oder von den Sternen voreingegeben ist, sondern ein wohlgelenkter Zufall ist und abhängig davon war, dass meine Urahnen sich den harten Lebensbedingungen ihrer Umgebung anpassten und durch zeitlich und räumlich zufällig verteilte Mutationen begünstigt wurden, beflügelt eine demütige Einstellung.
Welch ein Glück, dass irgendwer vor mir durch eine kleine Änderung im Erbgut in der Lage war, Lactose bis ins hohe Alter aufzuspalten, um so mit der Milch eine neue Nahrungsquelle zu erschließen. Durch ihn bin ich in der Lage, Käse in allen Variationen zu verkosten. 70-80 % der Menschheit können das nicht.
Welch ein "Glück", dass Europäer den militärischen Nutzen von Schießpulver besser erkannten und umsetzten, als der Rest der Welt. Ich wäre heute nicht in der günstigen Position, in der ich heute bin, wenn China oder das osmanische Reich darin effizienter gewesen wären.
Welch ein Glück, dass der Typ, der vor abertausenden Jahren den aufrechten Gang erfunden hat, dadurch einen, wie auch immer gearteten Vorteil gegenüber seinen vierbeinigen Kollegen hatte. Wir alle nutzen seine Errungenschaft, denn was wäre der moderne Mensch ohne freie Hände?

Die Welt nachhaltig und konsequent so zu betrachten, wirkt sich ebenso darauf aus, wie wir unsere Probleme wahrnehmen. Wenn wir uns - um den scherzhaften Einwurf zu erlauben - gewahr darüber werden, an welcher Stelle die Erde im Sonnensystem steht, bemerkt man, dass alle Probleme der Erde im wahrsten Sinne des Wortes "Dritte-Welt-Probleme" sind.
Zu wissen, dass diese "unsere" Erde nur einer von ca. 400 Milliarden möglichen Planeten in unserer Milchstraße ist und es etwa 150 Milliarden Galaxien gibt, macht die Möglichkeit von Leben in den Weiten des Alls zu einem rein statistischen Problem. Nachprüfen können wir es vermutlich nicht. Aber selbst, wenn wir allein wären, ist es nicht gerade demütig, anzunehmen, dieses riesige, unvorstellbar große Universum ist allein dafür da, Gottes Macht für uns Menschen hier unten zu demonstrieren.
Wir leben in einem winzigen Winkel im Universum, in einer recht unscheinbaren Galaxie, bei einem unscheinbaren, ja durchschnittlichen Stern auf einem tektonisch aktiven Steinklumpen auf dem bisher ca. 99% aller jemals hervorgetretenen Arten bereits wieder ausgestorben sind.

Wir sind Gäste auf diesem wunderschönen Planeten, nicht Herrscher. Wir sind von ihm abhängig, nicht umgekehrt. Wir sind für unser Handeln verantwortlich, nicht irgendeiner "von oben". Uns wird wohl kein Außenstehender retten. Wir müssen die Probleme selbst anpacken.
Das zu begreifen und dann auch umzusetzen, ist definitiv demütig. Und es hilft den Blick auf Lösungsfindungen zu konzentrieren, nicht auf Schuldfragen oder Aufschieben. Vielleicht ist das weniger von der gewünschten Ruhe.

"Echte" innere Ruhe und "echter" inner Frieden, wie er im Wachtturm betont wird, wirkt dagegen, wie ein Label oder eine Marketing-Floskel. Wer sagt denn, was "echt" ist? Wie sieht "unechte" innere Ruhe und "unechter" innerer Frieden aus? Kann man dann überhaupt von innerer Ruhe und innerem Frieden sprechen?
Kann man Ungläubigen oder Andersgläubigen diese inneren Gefühle absprechen, weil sie sich nicht auf die Bibel stützen oder keine Zeugen Jehovas sind?

#1 - Spermien

Man muss wissen, dass Spermien keine Einzelkämpfer sind und die befruchtungsfähigen eine kleine Armee um sich scharen, die anderen den Weg versperren oder eben Wegsperren wegräumen, die fremde befruchtungsfähige Spermien angreifen oder diese verteidigen, die Vorbohrungen an der Eizellhülle machen, etc. Sie haben Ihr Leben geopfert, damit du nun diesen Satz lesen kannst.
Naja, nicht ganz. Meine Spermienkollegen haben sicher nicht gewusst, dass ich diesen Satz mal verfasse. Im Grunde soll ich mich doch bitte vermehren. Ihr Einsatz wäre sonst in zweiter Generation vergebens.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 26. Mär 2020, 02:17

Video: Dinge erklärt - Kurzgesagt: Was ist Leben? Ist der Tod real?


https://m.youtube.com/watch?v=b9TiWLDAPqk


Am 24.01.2018 veröffentlicht

Was ist der Unterschied zwischen dir und einem Stein? Das sieht auf den ersten Blick aus wie eine einfache und ziemlich dumme Frage. Aber selbst die schlauesten Leute auf der Welt wissen nicht, wo wir die Grenzen zwischen lebendigen und toten Dingen ziehen müssen. Das hat überwältigende Konsequenzen: Was ist Leben eigentlich? Und gibt es den Tod überhaupt? Lasst uns das untersuchen!

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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 27. Apr 2020, 08:08

Ist die Evolutionsbiologie eine Naturwissenschaft? - Das klassische Schema nach Hempel und Oppenheim (Link)

Der Geschäftsführer der religiösen Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN Reinhard Junker stellt die Evolutionstheorie zugunsten des Intelligent Design in Frage. Er behauptet die Evolutionstheorie sei als Ganzes nicht naturwissenschaftlich,so dass Kritik an ihr nicht gleich Kritik an der Naturwissenschaft an sich bedeutet. Dabei bezieht er sich auf das Hempel-Oppenheim-Schema, das bei komplexen Problemstellungen im Grunde nur im Labor gilt, und lässt dabei den unvorhersehbaren Zufall außer Acht.

Junkers Argumentation wurde von Martin Neukamm, Mitglied der AG-Evolutionsbiologie genauer angeschaut:

Ist die Evolutionsbiologie eine Naturwissenschaft? 

Entgegnung auf einen Beitrag von Reinhard Junker


http://www.ag-evolutionsbiologie.net/html/2019/evolutionsbiologie-naturwissenschaft.html

Mehr Informationen finden sich in den Quellenangaben des verlinkten Artikels.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 30. Apr 2020, 10:18

Genetik: Der Mensch ist keine Maus - und auch nicht zwangsläufig ein Schwein!

Ich habe bereits einen ähnlichen Artikel Januar 2018 verfasst und online gestellt, in der es um die aktuelle Forschung zu Verwandtschaften in der Genetik ging: Genetik: Der Mensch ist keine Maus!.

Machen wir es erst kurz und dann mit einer langen Erklärung rund: Der Mensch hat gemeinsame DNS-Basispaarketten von cirka 40 Proteinen Länge mit anderen Säugetieren und Lebewesen. Anhand der Übereinstimmung dieser Basispaarketten (kurz BP) kann man eine Verwandtschaft ableiten. So stimmen die Basispaarketten mit Schimpansen zu 98,7% und mit Schweinen zu 90% überein. Interessant ist auch, dass der Mensch zu 75% der Basispaarketten mit den Fadenwürmern übereinstimmt und zu 60% mit der Taufliege.

Aber wie komme ich heute (also am Tag der Niederschrift, nicht der Veröffentlichung) darauf, den Mensch mit dem Schwein zu vergleichen? Kritiker der Evolutionstheorie führen immer wieder eine scheinbar enge genetische Verwandtschaft von Mensch und Schwein zu Felde, wenn mit genetischer Forschung die Theorie Darwins untermautert werden soll. Die Genetik, so die Kernaussage des Kritikers spreche damit eben nicht für eine Verwandtschaft von Mensch und Affe und widerlege somit den angenommenen Stammbaum. Sie zeige vielmehr, dass das Schwein mit uns enger verwandt sei, dass aber von Evolutionisten nicht beachtet wird. Oder: Die Verwandschaft der Gene sagt demgemäß nichts über die Abstammung aus.
Obige Auflistung zerlegt natürlich dieses Argument ganz standfest, wird aber leider zu selten verwendet.


Nicht unser Bruder, nicht unser Cousin: Hausschwein (Sus scrofa domesticus)

Der Kulturwissenschaftler Thomas Macho widmet dennoch ein Buch dem Vierbeiner: "Schweine. Ein Portrait von Thomas Macho." ist der doppeldeutige Titel, des Buches, dass die über 8000-jährige Kultur- und Gemeinschaftsgeschichte von Mensch und Schwein unter die Lupe nimmt.
Molekularbiologische Untersuchungen an Haus- und Wildschweinen zeigten, dass sich während der Jungsteinzeit die Domestikation in vielen Gebieten der Erde unabhängig voneinander vollzog. Die Daten machen deutlich, dass bereits domestizierte Schweine aus dem Nahen Osten nach Europa eingeführt wurden. Nach etwa 500 Jahren wurden diese jedoch durch Tiere ersetzt, die von europäischen Wildschweinen abstammen. Die genetischen Untersuchungen zeigten, dass die aus dem Nahen Osten stammenden genetischen Linien allmählich durch die einheimischen Hausschwein-Linien ersetzt wurden.

Bereits im Alten Ägypten und in Mesopotamien zeigt sich eine soziale Differenzierung bei dem Verzehr von Schweinefleisch. Darauf weisen beispielsweise Funde im altägyptischen Dorf Kom el-Hisn hin, das während des Baus der Chephren-Pyramide um 2550 v. Chr. zu Nahrungsmittellieferungen an diese rund 100 Kilometer weiter südliche liegende Baustelle verpflichtet war. Die Einwohner von Kom el-Hisn zogen dafür Rinder auf, aßen selbst aber nur wenig Rindfleisch. Lediglich die Knochen von alten Mutterkühen und kranken Kälbern wurden in den archäologischen Fundstellen dieses Dorfes gefunden. Fleisch, das von den Dorfbewohnern verzehrt wurde, stammte überwiegend von Schweinen. Das Verhältnis gefundener Rinderknochen zu gefundenen Schweineknochen beträgt 1:25, dass heißt für jeden gefundenen Rinderknochen werden 25 Schweineknochen gefunden. Man ist heute der Überzeugung, dass in Kom El-Hisn Schweine in Herden gehalten wurden, die ihr Futter in den Marschen des Nildeltas und den Abfällen des Dorfes fanden.
Dass das Dorf Rinder liefern musste, seine Schweine jedoch behalten durfte, liegt an der spezifischen Natur dieses Haustieres. Rinder waren ebenso wie Ziegen und Schafe in der Lage, in der ariden Region auf dem Weg nach Süden ausreichend Nahrung zu finden. Schweine dagegen hätten weder Futter noch den Schatten, auf den sie angewiesen waren, auf dieser Wegstrecke gefunden. Ähnlich zeigen die überlieferten Dokumente der 3. Dynastie von Ur (2114 bis 2004 v. Chr.), dass die zentrale Verwaltung dieses mesopotamischen Reiches zehntausende von Schafen und Kühen von ihren Untertanen einforderte und an Tempel und das Heer weiter verteilte. Schweine dagegen finden keine Erwähnung. Es ist jedoch gesichert, dass Schweine gehalten wurden: Sowohl in Ägypten als auch Mesopotamien finden sich bis 2000 v. Chr. zahlreiche Belege für eine Schweinezucht, sofern die Dörfer in einer Region liegen, in der ausreichend Regen fiel, um eine Landbewirtschaftung ohne künstliche Bewässerung zu ermöglichen. Funde im Tell Halif, einer archäologischen Fundstelle, die heute im Süden Israels liegt, legen außerdem nahe, dass die Zahl der gehaltenen Schweine in Zeiten schwacher staatlicher Kontrolle anstieg.

Insgesamt ging die Zahl der gehaltenen Schweine ab 2000 v. Chr. jedoch stark zurück: Zunehmende Desertifikation machte es immer schwieriger, Schweine in Herden zu halten. Schweine finden sich noch in ärmeren Gebieten der nun größeren Städte, wo sie sich von den Abfällen der Menschen ernährten; über die Zeit bildete sich ein Ernährungsmuster, bei dem sich der Verzehr von Schweinefleisch auf die untersten Bevölkerungsschichten begrenzte. Schweine galten im Nahen Osten zunehmend als unrein, was sich unter anderem auch darin manifestiert, dass in den Religionen des Nahen Ostens Schweine, anders als Schafe, Ziegen und Rinder, nicht als Tempelopfer in Frage kamen. Die Speisegesetze, wie sie vermutlich im 8. Jahrhundert v. Chr. im 3. und 5. Buch Mose festgelegt wurden und so die Basis der Jüdischen Speisegesetze legten, haben darin ihren Ursprung. Diese Speisegesetze bestimmten wiederum die des Islam.


Der Opa allerheutigen Hausschweine: Wildschwein (Sus scrofa)

Hausschweine liefen im Mittelalter oft frei in den Städten und Dörfern umher und suchten sich auf den Straßen aus dem Unrat ihr Fressen zusammen. Schlachtzeit für Schweine waren gewöhnlich die Monate November und Dezember, und das Fleisch wurde durch Pökeln, Dörren und Räuchern haltbar gemacht. Dieses Fleisch musste bis mindestens Ostern reichen; der Speck wurde noch im nächsten Sommer verwendet.

Kühe, Schafe und Ziegen werden seit Jahrtausenden über lange Distanzen getrieben, weil sie einen natürlich entwickelten Herdentrieb haben, der dies ermöglicht. Sie benötigen außerdem nur Weide und Wasser, um während dieses Viehtriebs Nahrung zu finden. Der Trieb von Schweinen über lange Strecken ist anspruchsvoller, weil die Tiere Schatten benötigen und weniger einfach in Herden zusammengehalten werden können. Der Schweinetrieb ist entsprechend historisch seltener.

Vom Wesen her passen Mensch und Schwein eigentlich gut zusammen. Das Schwein ist dem Menschen ähnlicher, als ihm lieb ist. Beide sind intelligente, verspielte, kommunikative und stressanfällige Wesen und beide fressen von Natur aus alles, sind überwiegend aber auf Pflanzen ausgerichtet. Viele Schweinerassen können auch ähnliche Herz- und Kreislaufkrankheiten entwickeln wie der Mensch. Sie werden deshalb auch als Labor- und Versuchstiere gehalten. Physiologisch sind sich Schwein und Mensch sehr ähnlich. Das betrifft nicht nur die ähnlichen Krankheitsausprägungen, sondern zum Beispiel auch die Struktur und Beschaffenheit von Fleisch und Fettgewebe. In der Gerichtsmedizin werden beispielsweise Stich- und Schussverletzungen an frischgeschlachteten Schweinen nachgestellt.

So viel Ähnlichkeit provoziert Ambivalenz. Das Schwein symbolisiert in Geschichte und Mythologie sowohl Glück und Fruchtbarkeit genauso wie Unreinheit und Tod.
In China und Südostasien gelten Schweine und im Jahr des Schweins geborene Menschen (z.B. Jackie Chan) als tolerant, edelmütig, ehrlich und vertrauenswürdig. In den westlichen Industriestaaten zählt allein das Fleisch. Es produziert keine Milch, keine Wolle und ist als Lastentier nicht einzusetzen, ist wie kaum ein anderes Tier ein Opfer der technisch optimierten Massentierhaltung und -schlachtung. Allein in Deutschland werden jährlich 60 Millionen Schweine geschlachtet. Die Hälfte des schweizer Fleischkonsums geht auf Kosten des Schweins.
Ein lebendes Schwein interessiert nicht. Das war nicht immer so. Noch bis vor weniger als hundert Jahren waren Schweine Abfallverwehrter, ergänzt mit Wurzeln, Nüssen, Eicheln und anderen Leckerbissen, die sie sich vor allem in den schattigen Wäldern fanden.
Schweine fühlen sich im Wald heimisch. Verständlich, sind doch die direkten Vorfahren, die Wildschweine, nach wie vor Waldbewohner. Außerdem ist der Wald kühler, denn Schweine können nicht schwitzen und bekommen schnell einen Sonnenbrand. Sich in Schlamm und Dreck zu wälzen ist also nicht eklig, sondern vernünftig. Schweine sind gute Läufer und leidenschaftliche Schwimmer.
Trotzdem gilt das Schwein nicht zuletzt deswegen im Judentum und Islam als unrein. Schweinehirten dürften folglich in früheren Zeiten nicht heiraten oder den Tempel betreten. Jesus trieb eine Dämonenhorde in Schweine, die dann wie von Sinnen einen Abhang herunterstürzen (Markus 5:1-20).

Die Theorie, dass die Trichinellose der ausschlaggebende Grund für das Verbot des Schweinefleischverzehrs war, gilt heute einhellig als überholt. Sie kam nach 1859 auf, als Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Trichinella spiralis und rohem oder nicht durchgekochtem Schweinefleisch bewiesen. Es ist nicht gesichert, dass dieser Parasit im antiken Palästina überhaupt existierte, und wegen der langen Dauer zwischen dem Verzehr von infiziertem Schweinefleisch und einer Erkrankung gilt es als weitgehend ausgeschlossen, dass dieser Schluss gezogen wurde und zu dem Verbot führte. Dagegen ist vorstellbar, dass das Schwein wegen seiner Eigenart als Allesfresser, der auch vor Kadavern nicht haltmacht, verbunden mit den ortsüblichen Begräbnissitten (nur in Leichentüchern und ohne Sarg) als Leichenfresser in Verruf kam, so dass Menschen, die Schweinefleisch aßen, sich des indirekten Kannibalismus schuldig machen konnten. Weiterhin wird vermutet, dass das Schwein wegen der zunehmenden Entwaldung des Vorderen Orients immer mehr zum Nahrungskonkurrenten des Menschen wurde, da es nicht wie die Wiederkäuer von Gras leben kann und zudem viel mehr Wasser und Schatten benötigt als diese.

Für das Judentum entwickelten sich die Speisegesetze zu einem identitätsstiftenden Merkmal.

Für die germanischen Völker war insbesondere der Eber ein heiliges Tier. Der Wagen des Gottes Freyr wird vom Eber Gullinborsti gezogen. Das Schwein ist ein Zeichen für Wohlstand und Reichtum, da es als Symbol der Fruchtbarkeit und Stärke gilt. Als Glücksbringer hat es sich in Deutschland bis heute gehalten. "Schwein haben" ist eine Redensart und bedeutet "Glück haben".


Ziehen zwar keinen germanischen Götterwagen, sehen aber niedlich aus: Wollschweinferkel

Untersuchungen an der Pennsylvania State University haben ergeben, dass Schweine mit einem Joystick im Maul an einem Monitor Erkennungsaufgaben sehr gut lösen können. Man geht davon aus, dass ihre kognitiven Fähigkeiten durchaus mit denen mancher Primaten vergleichbar sind.

Nach diesem langen Text also nochmal zur Quintessenz: Nein, Schweine sind uns trotz aller Ähnlichkeit nicht die nächsten Verwandten.

Apropos: Schweine müssten im Mittelalter gelegentlich auch vor Gericht erscheinen, etwa wegen des Vorwurfs, Kinder angeknabbert zu haben. Die Tiere wurden wie Menschen abgeurteilt und oft mit dem Tod durch Erhängen bestraft.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Sa 2. Mai 2020, 07:14

Nachtrag: Kreationismus - Teil 1: Einleitung - Sind Zeugen Jehovas Kreationisten?

Ich hatte einen Nachtrag bereits im März unter den ursprünglichen Artikel gesetzt, dort wurde er aber sicher übersehen, da er im Inhaltsverzeichnis ja nicht gesondert auftaucht. Also verfasse ich ihn hier neu und veröffentliche ihn separat.

Damit ihr aber auch wisst, was ich damals geschrieben habe, verlinke ich den ursprünglichen Artikel erstmal:
... 064, 18.04.2018: Grundlagen: Kreationismus - Teil 1: Einleitung - Sind Zeugen Jehovas Kreationisten?

Ich fasse aber noch einmal zusammen:
Ich habe den Vergleich gebracht, dass der Glaube an einen Schöpfer bei gleichzeitiger Ablehnung, mit Kreationisten gleichgesetzt zu werden, in etwa so ist, als nehme man am Straßenverkehr teil, will aber nicht als Verkehrsteilnehmer bezeichnet werden.

Ein viel naheliegender Einfall kam mir erst später.

Obacht: Kreationismus bezeichnet die Auffassung, dass das Universum, das Leben und der Mensch durch einen unmittelbaren Eingriff eines Schöpfer(gotte)s in natürliche Vorgänge entstanden sind. So sagt es Wikipedia und das ist die ganze Definition. Es ist unerheblich, über welche Zeiträume debattiert wird und wie das geschehen sein soll.
Glauben Zeugen Jehovas, dass Gott das Universum, das Leben und den Menschen durch unmittelbares Wirken erschaffen hat? Ja.
Fall abgeschlossen.

Aber Moment, Almafan. Wäre dein Text jetzt nicht furchtbar kurz? Ja, finde ich auch. (Mit wem rede ich eigentlich?)

Zitieren wir noch einmal den Text auf der Webseite (Link zum Thema auf JW.ORG: https://www.jw.org/de/jehovas-zeugen/faq-oft-gefragt/jehovas-zeugen-und-kreationismus/):

Jehovas Zeugen glauben zwar, dass Gott alles erschaffen hat. Aber wir sind keine Vertreter des Kreationismus.

Doch, sind sie. Genau das ist ja die Definition von Kreationismus.
Aber, wie war die Begründung gleich?

Weil einige kreationistische Ideen in Wirklichkeit im Widerspruch zur Bibel stehen.

Ah. Weil Kreationisten einige vom eigenen Glaubensbekenntnis abweichende Ansichten haben. Soso. Aber ist das nicht etwas schizophren, wenn man zugleich alle anderen christlichen Strömungen der Falschauslegung der Bibel bezichtigt und sich trotzdem Christ nennt? Offenbar bedeutet das Ablehnen einzelner Unterpunkte ja doch nicht gleich, dass ganze Thema zu verwerfen.
Wie ich in der Artikelserie zum Kreationismus (wovon der gerade verfasste Artikel der Nachtrag zum ersten Teil dieser Serie ist) ja bereits darlegte gibt es nicht DEN Kreationismus, sondern eine reiche Vielfalt.

Die Konkordanzhypothese (zum Beispiel) besagt, dass die sechs Tage der biblischen Schöpfungsgeschichte nicht vierundzwanzigstündige Tage darstellen, sondern sehr viel längere Zeiträume, wie Millionen von Jahren. Die Vertreter dieser Richtung berufen sich auf das Wort yôm in der hebräischen Bibel, welches nach ihrer Ansicht im Kontext der Genesis zur Bedeutung "Zeitalter" gedehnt werden könne. Einige Vertreter sagen, dass die Gegenwart das siebte Alter darstelle, also den siebten Tag der Schöpfung. Gegen den Deutungsansatz der Konkordanzhypothese wird argumentiert, dass die Bedeutung des Wortes aus dem Kontext eindeutig hervorgehe, da das hebräische Wort yôm "Tag" bedeute und mit der Formulierung "es wurde Abend und wieder Morgen" nur ein Tag im gängigen Wortsinn gemeint sein könne.
Übrigens ist die Zeilalter-Argumentation für das Wort yôm ein Lösungsansatz, den man so ähnlich unter dem Stichwort Schöpfung auch im Einsichtenbuch der Zeugen Jehovas finden kann. Die Wachtturm-Gesellschaft vertritt in ihren Publikationen also den Langzeitkreationismus.
Mit der Konkordanzhypothese, die kreationistisch ist, sowie mit dem Langzeitkreationismus allgemein, entfallen automatisch beide Einwende, warum Zeugen selbst keine Kreationisten sein sollten.

Ein Abstreiten der Zugehörigkeit hat demnach eher Imagegründe. Das passt dann auch zum Abschluss des verlinkten Textes:

Auch wenn wir als Jehovas Zeugen an die Schöpfungsgeschichte der Bibel glauben, sind wir deswegen nicht wissenschaftsfeindlich. Wir sind überzeugt, dass sich biblische und präzise wissenschaftliche Aussagen nicht widersprechen.

Klingt zusammen mit dem ersten Text nach einer Formel: Kreationismus ist gleich wissenschaftsfeindlich. Zeugen Jehovas sind keine Kreationisten. Also sind Zeugen auch nicht wissenschaftsfeindlich.
Selbst wenn die Bibelforscher (warum auch immer) keine Kreationisten sein sollten (was sie aber sind), ist diese Beweisführung ein logischer Fehlschluss, ein Non Sequitur. Das Abstreiten oder die tatsächliche Ferne zu einer Gruppe heißt nicht automatisch, dass nicht dennoch übereinstimmende Eigenschaften vorhanden sein können. In diesem Fall, dass Leugnen wissenschaftlicher Arbeitsweisen und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Evolutionforschung, Paläontologie, Archäologie, Genetik, Phylogenetik, Vererbungslehre, Mutationsforschung, Medizin, sowie Radiometrie, Glaciometrie/-logie, Dendrochronologie und andere wissenschaftlich geprüfte Messverfahren.

Aber vielleicht sind diese Fach- und Themengebiete der Biologie, Geologie, Chemie und Physik einfach nicht präzise genug. Ein bisschen Pipi Langstrumpf geht immer. Wenn empirische Erkenntnisse dem eigenen Glaubensbekenntnis zuwiderlaufen, werden sie mit einem gütlichen Lächeln mit Verweis auf ein unspezifisch eingefügtes Wort (hier "präzise") hinweggefegt. Was sind denn für die Wachtturm-Gesellschaft "präzise" Wissenschaften? Ist es das gleiche wie bei exakten Wissenschaften (siehe: Fußnote 4: Exakte Wissenschaft (Artikel "... 007, 03.11.2017: Grundsatzartikel: Warum kann ich nicht einfach dankbar sein?")?

Ein Beispiel:
Die Cheopspyramide wurde 2580 vor unserer Zeit fertiggstellt. So sagt es die Wissenschaft. Die biblische, weltweite Sintflut soll, dem Verständnis der Zeugen Jehovas nach, 2370 vor unserer Zeit gewesen sein.
Jetzt hat man zwei Möglichkeiten: Entweder ich glaube der Wissenschaft, die keine Flutschäden in diesem Umfang erwähnt oder ich formuliere Sätze wie:

Wir sind überzeugt, dass sich biblische und präzise wissenschaftliche Aussagen nicht widersprechen.

Die wissenschaftlichen Aussagen zu den Pyramiden können also nicht präzise sein.

Oder sie sind es doch. Und eine mindestens dreizausend Jahre alte Überlieferung von Schafhirten über die Entstehung der Welt und eine globale Flutkatastrophe sind nicht göttlichen Ursprungs, sondern einfache und unzureichende Erklärungsmodelle für und von Menschen ihrer damaligen Zeit.

Wie es auch sei, Kreationismus bleibt es trotzdem.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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