Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 1. Okt 2018, 12:17

Rezension - Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 3: Experimentelle Evolutionsforschung - Richard Lenski und das E.Coli-Langzeitexperiment

Nur, falls es jemand vergessen haben sollte, zitiere ich nochmal den im Erwachet 2015/08 (im Artikel "Die DNA: Bibliothek des Lebens") angegeben Brockhaus:
1. Wissenschaftliche Theorien lassen sich auf Beobachtungen zurückführen.
2. Wissenschaftliche Theorien lassen sich durch Experimente reproduzieren.
3. Wissenschaftliche Theorien bewähren sich bei der Vorhersage neuer Phänomene.

Den 3. Punkt habe ich hinreichend erläutert. Bezieht sich die Vorhersage dieser "neuen Phänomene" eben nicht auf Dinge, die bis dato noch nie geschehen sind, sondern auf Ereignisse, die bisher unverstanden waren, aber seit Jahrtausenden stattfinden. Das bestätigt seltsamerweise ja sogar die Bibel in Prediger 1:9:
Das, was geschehen ist, das ist, was geschehen wird; und das, was getan worden ist, das ist, was getan werden wird, und so gibt es nichts Neues unter der Sonne.

Beschäftigen wir uns diesmal mit der Frage, ob sich evolutionäre Prozesse reproduzieren lassen.

Angeschnitten hatte ich das E.Coli-Langzeitexperiment ja schon mal. Hier will ich etwas genauer darauf eingehen.

Richard Eimer Lenski ist US-amerikanischer Evolutionsbiologe, der 1976 sein Diplom (Bachelor of Science) am Oberlin College machte und an der University of North Carolina promovierte. Mittlerweile ist er Professor an mehreren Universitäten und Mitglied zahlreicher Wissenschaftsakademien. Ich will hier aber nicht in den Fehler verfallen, eine "Autorität" zu zitieren, sondern seine wissenschaftliche Arbeit vorstellen.


Foto der zwölf Kulturen vom 25. Juni 2008. Das Bild entstand 24 Stunden nachdem die Kulturen nacheinander in frisches, nährstoffarmes Medium (DM25) transferiert wurden. Sie befanden sich in einem stationären Zustand. Der Grad der Trübung der Zellkultur ist ein Maß für die Anzahl an Zellen. In dem Erlenmeyerkolben mit der Beschriftung "A-3" ist die Trübung am stärksten und folglich die Zellkonzentration am höchsten. Die Ursache hierfür ist, dass diese Zellen Citrat verstoffwechseln können und sich deshalb deutlich stärker vermehren.

Das E.Coli-Langzeitexperiment soll dokumentieren, wie natürliche Selektion im Labor nachvollziehbar und beobachtbar ist.

Das Experiment begann 1988 und wurde peinlich genau geführt. Entscheidend ist dabei auch, dass keine äußeren Einflüsse, wie zum Beispiel harte Strahlung oder mutagene Chemikalien, auf den Modellorganismus Escherichia coli (kurz E.Coli) einwirken. Dieses Darmbakterium verwendet Glucose als natürliche Nahrungquelle. Mit Citrat als Kohlenstoffquelle kann der Wildtyp von E.Coli nicht wachsen.
Genau da setzt die Laboruntersuchung an: Lenski setzt E.Coli seit nunmehr 30 Jahren einem Wachstumsmedium aus, das ein Minimalabgebot an Glucose, aber ein Überangebot der nicht-metabolisierbaren (vereinfacht "nicht verwertbar") Nahrungsquelle Citrat enthält.

Alle Schritte sind standardisiert und werden protokolliert.
Im ersten Schritt wurde eine einzige E.Coli-Zelle ausgewählt, die sich anschließend mehrfach teilte. Lenski wählte aus den Tochterzellen zwölf aus, die als Starterzellen für die zwölf seit 1988 parallel laufenden Experimente dienten.

Seither werden jeden Tag die E.Coli-Kulturen geteilt und mit frischem Medium versehen. Diesen Vorgang nennt man "propagieren".
Alle 75 Tage werden Proben der einzelnen Populationen genommen und zur Dokumentation eingefroren. Dabei entsprechen die 75 Tage etwa 500 Generationen. Zum Vergleich: Das entspräche einer menschlichen Ahnentafel von 10.000 Jahren, wenn jeder mit 20 seine Nachkommen gezeugt/geboren hätte.
In den entnommenen Populationen wird daraufhin die Wachstumsrate abgeschätzt. Dies geschieht in Relation zur Ursprungspopulation. Wenn sich E.Coli nicht verändert, verändert sich auch die Wachstumsrate nicht über natürliche Schwankungen hinaus. Sollte die Wachstumsrate aber doch zunehmen, so hätte sich E.Coli durch zufällige Mutation oder Mutationen der neuen Nahrungsquelle angepasst.

Im Juni 2008 publizierten Lenski und Mitarbeiter, dass sich nach 31.500 Generationen (nach oben gerechnetem Vergleich zum Menschen, nach mehr als 630000 Jahren) in einem der zwölf Parallelexperimente eine E. coli-Population entwickelt hatte, die in der Lage ist, Citrat als Kohlenstoffquelle zu verwenden (#1, #2, #3).
Wie diese Anpassung von statten ging und so zu dieser neuen Fähigkeit geführt hat, werden derzeit an dem neuen E. coli-Stamm, sowie dessen, über die letzten 20 Jahre eingefrorenen Vorläufergenerationen untersucht.

#1 - Pressemitteilung der Michigan State University (in Englisch)

#2 - Z. D. Blount, C. Z. Borland, R. E. Lenski: Historical contingency and the evolution of a key innovation in an experimental population of Escherichia coli. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 105, Nummer 23, Juni 2008, ISSN 1091-6490, S. 7899–7906, doi:10.1073/pnas.0803151105, PMID 18524956, PMC 2430337 (freier Volltext).

#3 - R. E. Lenski: Evolution in action: a 50,000-generation salute to Charles Darwin. In: Microbe. 6, 2011, S. 30–33. PDF
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 4. Okt 2018, 12:23

Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 4: Sichtbare Evolution

Es ist ja schon eine liebgewonnene Tradition und darum zitiere ich abermals den im Erwachet 2015/08 (im Artikel "Die DNA: Bibliothek des Lebens") vermerkten Brockhaus:
1. Wissenschaftliche Theorien lassen sich auf Beobachtungen zurückführen.
2. Wissenschaftliche Theorien lassen sich durch Experimente reproduzieren.
3. Wissenschaftliche Theorien bewähren sich bei der Vorhersage neuer Phänomene.

Punkt 2 habe ich mit dem E.Coli-Langzeitexperiment ja eindeutig widerlegt. Punkt 3 ist ebenfalls schon abgehandelt worden. Und im Grunde ist das E.Coli-Langzeitexperiment auch eine Beobachtung, doch ich will, wie immer eigentlich, weiter ausholen.

Mit dem Darwin-Wallace-Prinzip, wie die Evolutionstheorie noch bis in die 30er Jahre genannt wurde, wurde die nächste Stufe in der Erforschung einer dynamischen Welt unternommen.
Die wesentlichen Punkte von Darwins Theorie treffen heute immer noch zu: Alle Lebewesen stammen von gemeinsamen Vorfahren ab. In eine veränderliche Welt werden mehr Nachkommen geboren, als überleben können. Um die knappen Ressourcen entsteht ein Konkurrenzkampf. Die Individuen innerhalb einer Population unterscheiden sich graduell voneinander. An den Unterschieden setzt die natürliche Selektion an.
Im Laufe der Zeit wurde diese Theorie weiterentwickelt und ausgebaut. Mit Entdeckung der Genetik und der Gene wurde es möglich, den sichtbaren (phänotypischen) Eigenschaften von Organismen und ihren Veränderungen molekulare (genotypische) Mechanismen zuzuordnen. Zusätzlich entwickelte die Populationsbiologie mathematische Modelle dafür, wie sich bestimmte veränderte Gene innerhalb von Populationen ausbreiten.
Eine Grundpfeiler ist die Selektion, die sich auf mehrere Phänomene bezieht:
  • Organismen interagieren mit ihrer unbelebten Umwelt.
  • Organismen verschiedener Arten interagieren miteinander. Dabei kann sowohl die Konkurrenz um gemeinsame Nahrungsquellen, als auch die Jäger-Beute-Beziehung gemeint sein. Aber auch die Parasit-Wirt-Beziehung und Symbiose gehören in solche Interaktionen.
  • Aber auch Organismen gleicher Art interagieren. Zum Beispiel bei Revierangelegenheiten, Partnerwahl oder das Ringen um soziale Rangordnungen.
Selektion siebt gnadenlos durch Jäger-Beute-Beziehung jene Gejagten aus, die leichter entdeckt werden, weswegen Individuen mit gedeckten Farben besser überleben. Schnellere Gazellen entkommen ihrem Jäger besser, womit mehr der langsameren gefressen werden. Auch gegensätzliche Entwicklungen sind geschehen. Eine spezielle Zikaddenart kommt nur alle 17 Jahre zum Vorschein, paart sich milliardenfach, legt die Eier für die nächste Generation in 17 Jahren und stirbt. (#1) Diesem langsamen Zyklus hat sich kein Jäger anpassen können. Die Biester, die dann beim massenhaften Auftreten der Zikadden, diese fressen, sind nicht primär auf diese Beute eingestellt und sie überfressen sich. So überlebt der größte Teil der Population.

Neue Arten entstehen auch, wenn sich Individuen derselben Art unterschiedlichen Lebensräumen anpassen müssen, ob durch Wanderungen oder - in geologischen Zeitskalen - durch Kontinentaldrift. Eigentlich nachvollziehbar: Die Welt um uns verändert sich. Also müssen sich die Lebewesen dieser veränderlichen Welt sich immer wieder anpassen. Der Mensch ist dabei ebenso diesen Umwelteinflüssen ausgesetzt. In sonnenreicheren Gegenden ist die Melaninpigmentierung stärker ausgeprägt, als in Gegenden mit wenig Sonne. Aber stärker noch ist der Einfluss des Menschen auf Ökosysteme und deren Arten.

Bis in die 60er Jahre flossen große Mengen Abwasser in den amerikanischen Lake Washington und überdüngten ihn. Die Trübung des Wassers nahm aufgrund von Algenwachstum zu. Die Sichtweite fiel auf unter 70 Zentimeter. Dreistachlige Stichlinge (#2), die sich üblicherweise von Fressfeinden, zum Beispiel Forellen, verfolgt sehen, konnten sich nun viel besser verstecken. In der Folge verloren sie die Knochenplatten, die sogenannten Schilde, die sie statt Schuppen als Schutz auf der Haut tragen. Ende der 60er-Jahre wiesen nur noch sechs Prozent der Fische die Knochenplatten auf. Der zusätzliche Schutz war nicht nur wirkungslos geworden, sondern unnötiger Balast, der Geschwindigkeit und Wendigkeit beeinträchtigt.
Als man damit begann, das Wasser des Sees zu reinigen, verbesserte sich die Sicht allmählich - zunächst auf etwa 3,5 Meter, später sogar bis auf 7,5 Meter. Bei einer Untersuchung der Stichlinge stellten Biologen fest, dass mittlerweile 49% der Fische wieder komplett und 35% zum Teil von Knochenplatten überzogen sind.
In der natürlichen Stichlingpopulation kommen sowohl komplett beschildete und teilweise beschildete als auch schildlose Formen vor. Stichlinge, die kaum Knochenplatten aufweisen, leben ausschließlich im Süßwasser. Diejenigen mit vielen Knochenplatten sind marine Wanderformen. Da die Population im Lake Washington sowohl Gene von Süß- als auch Salzwasser-Formen trägt, ist sie flexibel genug, um sich an die drastisch veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

Auch die neu entstandene Genvariante die Hypolimnos-Edelfalter gegen das tötliche Bakterium Wolbachia immunisiert (#3), gilt als ein Beispiel zu beobachtender Evolution in menschlich überschaubaren Zeiträumen.
Sexuelle Fortpflanzung hat vor allem den Vorteil, dass sie immer neue und variablere Genkombinationen ermöglicht und dabei hilft, erfolgreiche Genvarianten im ganzen Genpool zu verbreiten. Natürlich steigt neben den nützlichen Eigenschaften, die bei diesen "Experimenten" entstehen, auch die möglichen schädlichen Eigenschaften, die dann durch die Selektion ausgemerzt werden.

Die Weibchen mexikanischer Zahnkärpflinge (#4) bevorzugen große Männchen, die sie vor der Paarung gründlich in Augenschein nehmen. Biologen von der Universität Potsdam fanden jedoch kürzlich zwei Populationen, die in finsteren Höhlen leben, in denen die Weibchen zumindest optisch keinen Unterschied zwischen den Männchen mehr feststellen konnten. Eine Population wies ausschließlich kleine Männchen, eine mit großen und kleinen Männchen. Der Grund: In der Population mit großen und kleinen Exemplaren haben die Weibchen einen Weg gefunden, die Größe ihrer Freier auch ohne Licht zu ermitteln. Wahrscheinlich weil größere Männchen einfach mehr Wellen schlagen. Da sie in dieser Population - wie auch in der anderen - zunächst die kleineren Männchen nicht verschmähten, konnten sich diese sehr gut fortpflanzen und hätten sich wahrscheinlich durchgesetzt. Kleinere Männchen müssen wesentlich weniger Energie in den Aufbau von Körpermasse stecken, kommen also mit weniger Nahrung zurecht. Aufgrund des Erfindungsreichtums der Weibchen, haben sie nun aber wieder schlechtere Chancen, sodass sich der Trend zu größeren Männchen durchsetzen wird.

Dass aber auch Männer wählerisch sind, zeigen ebenfalls Biologen von der Universität Potsdam. In Texas bilden asexuelle Amazonenkärpflinge (#4) mit sexuellen Breitflossenkärpflingen (#4) gemischte Populationen. Die Besonderheit in diesem System liegt darin, dass die asexuellen Amazonenkärpflinge Spermien der sexuellen Art benötigen, um die Embryonalentwicklung ihrer Eier auszulösen. Männchen gelten als weniger wählerisch im Vergleich zu den Weibchen, da die Spermienproduktion als wenig energieaufwendig angesehen wird. Stimmt das, sollten sich Männchen gleich oft mit sexuellen und asexuellen Weibchen paaren.
In einer Feldstudie wurden gemischte Populationen im Verlauf eines Jahres beobachtet und die Weibchen beider Arten untersucht. Es stellte sich heraus, dass ein wesentlich höherer Anteil sexueller Weibchen Spermien in ihrem Genitaltrakt hatte. Es scheint also, dass die männliche Partnerwahl in der Tat der Schlüssel zum Verständnis der stabilen Koexistenz sexueller und asexueller Arten darstellt.
Wären die Männchen weniger wählerisch, hätte die asexuelle Art alleine schon dadurch einen Fortpflanzungsvorteil, dass sie sich die Produktion überflüssiger Männchen spart. Die asexuelle Fortpflanzung hat allerdings auch Nachteile, da sie eine vergleichsweise ausgeprägte Starrheit der Art zur Folge hat. Größere Veränderungen in der ökologischen Nische der Amazonenkärpflinge könnten sich deshalb eher verheerend auswirken als bei sexuellen Arten, die eine wesentlich höhere Variabilität innerhalb ihrer Population aufweisen.

Eine Untersuchung des Räuber-Beute-Verhältnisses zwischen Wanderfalken und Tauben in Kalifornien zeigte, dass kleine Unterschiede große Wirkung haben können. In der beobachteten Taubenpopulation trugen etwa 20 Prozent der Tiere einen weißen Fleck zwischen Schwanzansatz und Rücken. Diese Tauben machten aber nur zwei Prozent der Wanderfalkenbeute aus.
Der weiße Fleck sorgt tatsächlich für den unterschiedlichen Jagderfolg des Greifvogels: Stößt der Falke mit mehr als 300 Kilometern pro Stunde auf seine Beute herab, verteidigen sich die Tauben, indem sie kurz bevor der Jäger sie erreicht eine Luftrolle vollziehen, indem sie einen Flügel nach unten klappen. Bei der Drehung wird der Fleck besonders gut sichtbar und irritiert die Falken wohl - sei es auch nur für den Bruchteil einer Sekunde - und verschafft den Tauben einen kleinen, aber entscheidenden Vorsprung. Die Fluchttaktik funktioniert auch bei Tauben, denen der weiße Fleck nur aufgeklebt wurde. Verdeckt man die Färbung bei Tauben, die sie angeboren tragen, fallen sie genauso häufig Falken zum Opfer wie Tauben die ohne Fleck aus dem Ei schlüpften.
In der Population steigt die Zahl der Individuen mit einem weißen Fleck ständig. Es bleibt spannend, wie die Falken auf den evolutionären Haken der Tauben reagieren.


Lebensbild von Tiktaalik roseae


Viele Übergänge im Laufe der Evolution sind bereits gut durch Fossilfunde oder gar durch noch lebende Arten dokumentiert, wenn auch nicht lückenlos. Erst kürzlich wurde Tiktaalik vorgestellt, die vermutlich erste Fischart, der an Land ging. Bei ihm sind anatomische Anlagen für wesentliche Merkmale von Landwirbeltieren vorhanden.
Das Schnabeltier gilt als Beleg für den Übergang der Reptilien zu den Säugetieren. Die Weibchen legen noch Eier, produzieren aber auch schon Milch, die die Jungen direkt von der Bauchdecke lecken. Zitzen haben Schnabeltiere noch nicht. Die Männchen hingegen produzieren ein Gift, das sie bei der Verteidigung mit ihrem Stachel an der Schwanzwurzel einsetzen und das dem von Reptilien ähnelt. Auch im DNA-Code zeigt sich die Verwandtschaft des kuriosen Tieres sowohl mit Reptilien als auch mit Säugetieren.

Die Säugetiere, die sich zunächst an Land entwickelten, eroberten sich anschließend auch das Meer als Lebensraum zurück. Dieser Übergang ist mittlerweile durch Fossilfunde und Genanalysen ebenso gut belegt wie die Entwicklung der Vögel aus Sauriern.

#1 - Magicicada
https://de.wikipedia.org/wiki/Magicicada

#2 - Gasterosteus aculeatus
https://de.wikipedia.org/wiki/Dreistachliger_Stichling

#3 - Hypolimnos-Edelfalter
Forschung: Sylvain Charlat, Emily A. Hornett und Gregory D.D. Hurst, Department of Biology, University College London und Gump South Pacific Research Station, University of California at Berkeley, Moorea, Französisch-Polynesien; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 317, 13. Juli 2007, p 214, DOI 10.1126/science.1143369

#4 - Kärpflinge
https://de.wikipedia.org/wiki/Zahnkärpflinge
https://de.wikipedia.org/wiki/Amazonenkärpfling
https://de.wikipedia.org/wiki/Breitflossenkärpfling
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Sa 13. Okt 2018, 00:05

Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 5: Mögliche Entwicklung und Vorläufer der DNA

In den letzten drei Artikeln konnte klar aufgezeichnet werden, dass die Evolutionstheorie eine wissenschaftliche Theorie ist, wie sie im zitierten Brockhaus definiert wurde. Ihre Wirkmechanismen lassen sich in kurzen Zeiträumen beobachten. Sie lassen sich reproduzieren. Und die Evolutionstheorie trifft auch wissenschaftliche Vorhersagen.
Anschließend soll eine kurze Abhandlung darüber erfolgen, wie sich DNA gebildet und entwickelt haben könnte.

Die RNA-Welt-Hypothese

Ein Erklärungsmodell ist die RNA-Welt-Hypothese, die besagt, dass RNA-Moleküle die Vorläufer der Organismen und der DNA sind. Die Hypothese lässt sich ableiten aus der Fähigkeit der RNA zur Speicherung, Übertragung und Vervielfältigung genetischer Informationen, sowie aus ihrer Fähigkeit, als Ribozyme Reaktionen zu katalysieren.
Da die RNA ein bereits sehr komplexes Molekül ist, wurden alternative und ergänzende Hypothesen zur Entwicklung des Lebens auf der Erde entwickelt. Diese schließen insbesondere eine mögliche Rolle von Proteinoiden, Peptid-Nukleinsäuren (kurz PNA), Threose-Nukleinsäuren und Glycerol-Nukleinsäuren ein. Sie werden als mögliche Vorgänger der RNA angesehen, da sie chemisch einfacher gebaut sind. Für Peptid-Nukleinsäuren konnte nachgewiesen werden, dass sie sich selbst replizieren und als Vorlage der RNA dienen können. Eine Entstehung von Peptid-Nukleinsäuren in der Ursuppe gilt als möglich. Auch die in der Ursuppe vermuteten polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe werden als mögliche Vorgänger der RNA angesehen.

Proteinoide

Proteinoide sind proteinähnliche Polymere aus Aminosäuren, die im Gegensatz zu heutigen Proteinverbindungen auch außerhalb von Lebewesen entstanden sein können. Im Miller-Urey-Experiment wurden Aminosäuren in einer hypothetischen Ursuppe erzeugt. Darauf aufbauend entstehen Proteinoide bei Temperaturen um 140 °C, in Anwesenheit von Katalysatoren (mögliche Katalysatoren Phosphat oder Amidincarbodiimid) bereits ab 70 °C. Daraus können sich aufgrund hydrophober Effekte sphärische Proteinkomplexe (Mikrosphären) bilden, die zwei Eigenschaften von Lebewesen aufweisen, wie eine proteinbasierte Biomembran und eine Aufspaltung in Tochtersphären als Entsprechung einer Zellteilung.

Peptid-Nukleinsäure

Dies sind Nukleinsäure, in dem das Zucker-Phosphat-Rückgrat durch ein Pseudopeptid ersetzt ist. Das Rückgrat besteht dabei oft aus Aminoethylglycin-Einheiten, die über neutrale Amid-Bindungen (anstelle der geladenen Phosphodiester-Bindungen der DNA) miteinander verbunden sind.

Threose-Nukleinsäuren

Threose ist ein Monosaccharid aus der Gruppe der Tetrosen. Es gibt zwei Stereoisomere, die D-Threose und die L-Threose.
Threose ist namensgebend für den Deskriptor (ein Präfix vor dem systematischen Substanznamen, der die Konfiguration oder die Stereochemie des Moleküls beschreibt) threo-, der als halbsystematischer Namenszusatz genutzt wird, um ähnlich konfigurierte Moleküle zu kennzeichnen.
Bei der Oxidation von Threose, beispielsweise mit Salpetersäure, entsteht Weinsäure (Die Alkalisalze der Weinsäure vermögen in alkalischer Lösung Kupfer(II)-Ionen zu binden und dadurch in Lösung zu halten (Fehlingsche Lösung, zum Nachweis von Reduktionsstoffen)). Bei der Reduktion, zum Beispiel mit Natriumborhydrid, entsteht Threit (einem einfach gebauten Zuckeralkohol).

Glycerol-Nukleinsäuren

Glycerol (von griechisch glykeros für süß, auch Glyzerin genannt ist ein Zuckeralkohol und der einfachste dreiwertige Alkohol, ein Triol. Glycerol ist in allen natürlichen Fetten und fetten Ölen (z.B. Pflanzenölen) chemisch gebunden als Fettsäureester vorhanden und spielt eine zentrale Rolle als Zwischenprodukt in verschiedenen Stoffwechselprozessen.

Schematisches Beispiel für die säurekatalysierte Umesterung eines natürlichen Triglycerids (drei Glycerole) (oben) in Fetten und Ölen. Der blau markierte Fettsäurerest ist gesättigt, der grün markierte ist einfach, der rot markierte dreifach ungesättigt. Bei der Gleichgewichtsreaktion wird Clycerol abgespalten und es entsteht FAME (unten), ein Gemisch von Fettsäuremethylestern, im Beispiel drei verschiedene

Wegen seiner wasserbindenden Eigenschaften ist Glycerol in Kosmetikartikeln als Feuchtigkeitsspender enthalten und dient als Lebensmittelzusatzstoff E 422 zur Feuchthaltung, etwa für Datteln, Kaugummi oder Zahnpasta, aber auch als Süßungsmittel. Es hält Blumen und Weihnachtsbäume länger frisch und Leder in Schuhcremes und Lederpflegemitteln glatt und geschmeidig.
Clycerol verwendet die Industrie als Frostschutzmittel, Schmierstoff und Weichmacher, als Reakant bei der Herstellung von Kunststoffen, Microchips und Farbstoffen, sowie nach der Reaktion mit konzentrierter Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure zu Glyceroltrinitrat (besser bekannt als "Nitroglycerin") als Explosivstoff. Weitere Anwendungsgebiete: als Nährmedium für Biogasanlagen und Fermentationssubstrat in der industriellen Biotechnologie, als Kraftstoffzusatz, als Futtermittel für Wiederkäuer, Schweine und Hühner, zur Behandlung von Hirnödemen, als Abführmittel, zur Aufrechterhaltung der menschlichen Hirn- und Organfunktionen während einer künstlichen Absenkung der Körpertemperatur für langwierige, schwierige Eingriffe (biologisches Vorbild der graue Laubfrosch Hyla versicolor) und zur Diagnose eines Morbus Meniere.

Die meisten tierischen und pflanzlichen Fette und Öle sind Triacylclyceride aus dreiwertigen Alkoholglycerin der mit -OH dreifach mit Fettsäuren verestert. Diese Verbindung dient als Energiespeicher. Ähnlich aufgebaut sind Phosphoglyceride, die statt der dritten Fettsäure eine Phosphatgruppe verestern und an diese ein Rest gekoppelt ist, wie Cholin im Lecithin. Dieses Molekül hat einen polaren und einen apolaren Bereich, was die Bildung einer Membran (z.B. Zellmembran) ermöglicht.

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (kurz PAK) bilden eine Stoffgruppe von organischen Verbindungen, die aus mindestens zwei verbundenen aromatischen Ringsystemen bestehen, die stets in einer Ebene liegen. Der einfachste PAK ist Naphthalin. Fluoren ist ebenfalls ein PAK, da beide Ringe durch die zusätzliche Methyleneinheit starr miteinander verbunden sind. Kein PAK ist Biphenyl, hier sind die beiden Benzolringe nicht anelliert (Anfügung eines weiteren Ringes an einen oder mehrere schon vorhandene Ringe).

Diese ringförmigen Kohlenwasserstoffe können zusätzlich Substituenten (häufig Methylgruppen) tragen. In einer erweiterten Bezeichnung werden auch Derivate mit Heteroatomen (vorrangig Sauerstoff und Stickstoff) in Form von Aldehyd-, Keto-, Carboxy- und Nitrogruppen, aber auch Heteroaromaten zu den PAK gezählt. Dadurch ergibt sich ein großer Variantenreichtum innerhalb der PAK; mehrere hundert Verbindungen sind bekannt.

Die alternative Hypothese der Panspermie stellt eine weitere mögliche Erklärung der Entstehung der komplexen Formen unseres Lebens dar. Diese weitgehend als reine Spekulation betrachtete Theorie besagt, dass sich einfache Lebensformen über große Distanzen durch das Universum bewegten oder gebracht wurden und so die Anfänge des Lebens auf die Erde markierten. Da allerdings die Frage nach der Entstehung des Lebens hierdurch einfach nur von der Erde an irgendeinen anderen Ort im Universum verschoben wird, bietet diese Hypothese letztlich keinerlei grundlegende Erklärung an.
Solche Hypothesen sind auch mit einer gehörigen Portion Spekulation verbunden, aber im Gegensatz zu Gott zumindest einer wissenschaftlichen Prüfung zugänglich.

Feststellen lässt sich übrigens auch, dass Technik, die immer wieder als gelenkter Prozess die Analogie zur Natur von Kreationisten verstanden und dargestellt wird, ebenfalls einem Wandel unterworfen ist. Wobei der Mensch hier die Rolle der Mutation, Selektion, Adaption, Variation und des genetischen Drifts übernimmt, indem er entscheidet, wie sich etwas verändert, ob es sich durchsetzt oder zufällig verloren geht (z.B. Krieg). Er verwendet bei der Entwicklung neuer Techniken nicht neu erschaffene Materie, sondern bereits vorhandenes Material und Wissen und baut darauf auf (#1).

Fazit: Für die Entstehung und Entwicklung der DNA als Informationsspeicher des Lebens gibt es überprüfbare Erklärungen. Auf einige Modelle werde ich zu einem späteren Zeitpunkt eingehen.

#1 - Die Speichergrößen im Wandel der Zeit Hier im Forum unter "Kind der 80er Jahre"
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 22. Okt 2018, 01:57

Grundlagen: Die 5 Säulen der Evolution - Teil 1: Eine Übersicht

Auch meine Vorstellung von Evolution ist vage, aber ich versuche dennoch die 5 Säulen der dazugehörigen Theorie in kurzen Sätzen zu erläutern:

Mutation

(lat. mutare "ändern, verwandeln")

Die Mutation beschreibt eine dauerhafte Veränderung des Erbgutes. Sie betrifft zunächst nur das Erbgut einer Zelle, wird aber von dieser an alle eventuell entstehenden Tochterzellen weitergegeben. Eine Mutation kann Auswirkungen auf die Merkmale eines Organismus haben oder nicht (stille Mutation). Merkmalsänderungen können negative, positive oder auch gar keine Folgen hinsichtlich der Lebensfähigkeit und / oder des Fortpflanzungsvermögens haben. Mutationen können spontan auftreten oder durch äußere Einflüsse verursacht werden, wie beispielsweise Strahlung oder erbgutverändernde Chemikalien.
Genommutationen sind Veränderungen der Anzahl der Chromosomen, Chromosomenmutationen sind Veränderungen der Chromosomenstruktur selbst.
Zwar sind Mutationen mit positiven Folgen seltener als solche neutraler oder negativer Auswirkung. Doch wenn eine positive Mutation auftritt, trägt der Mechanismus der natürlichen Selektion dazu bei, dass diese sich in einer Population ausbreiten kann.

Selektion

(lat. selectio "Auswahl/Auslese")

Falls die Individuen einer Population in einem oder mehreren Merkmalen variieren, bewirkt die Selektion einen unterschiedlichen Fortpflanzungserfolg, indem einige Individuen länger überleben, mehr Nachkommen produzieren können, Feinden besser entkommen oder widerstehen können, resistenter gegen Krankheiten sind, und so weiter. Man sagt dazu, die Individuen mit höherem Fortpflanzungserfolg besitzen eine höhere Fitness. Die selektierten Merkmale, die die höhere Fitness bewirken, können genetisch bedingt, also erblich sein, oder es kann sich um umweltbedingte Varianten oder Modifikationen handeln. Evolutionär wirksam ist nur die Selektion erblicher Merkmale.
Die unterschiedlichen Individuen besitzen nur in seltenen Ausnahmefällen vollkommen unterschiedliche Gene. In der Regel ist es so, dass die vererbten Unterschiede auf geringfügige Varianten desselben Gens (Allele) zurückzuführen sind. Die meisten dieser Unterschiede betreffen sogar nur ein einzelnes Basenpaar.

Variation

(lat. variare "verändern")

Die phänotypische (#1) Variation bezeichnet die Unterschiede von Merkmalen zwischen den Mitgliedern derselben Art oder verwandter Arten. In der Population einer Art sind keine zwei Individuen exakt identisch. Einige der Variationen sind erblich, sie werden an die Nachkommen weitergegeben. Variation führt zur biologischen Diversität einer Population. Sie bietet das Rohmaterial für evolutionäre Veränderung.


Adaption

(lat. adaptare "anpassen")

Eine evolutionäre Anpassung ist ein Merkmal eines Organismus, das für sein Überleben beziehungsweise seine Fortpflanzungsfähigkeit vorteilhaft ist, und das durch natürliche Selektion für seinen gegenwärtigen Zweck entstanden ist. Ein Merkmal kann in diesem Zusammenhang sowohl eine körperliche Besonderheit als auch eine Verhaltensweise sein. Damit ein Merkmal adaptiv ist, muss es erblich sein.
Merkmale, die für den Organismus vorteilhaft sind, aber deren Ursprung auf einen anderen Zweck zurückgeht, werden als Exadaptionen bezeichnet. Der alternativ dafür gebrauchte Ausdruck Präadaptation wird heute vielfach vermieden, weil er den falschen Eindruck einer zielgerichteten Entwicklung auf den neuen Zweck hin vermittelt.

Genetischer Drifts

Als Gendrift bezeichnet man in der Populationsgenetik eine zufällige Veränderung der Allelfrequenz innerhalb des Genpools (Gesamtheit der Gene aller Individuen) einer Population. Die natürliche Selektion hingegen ist direkt an den Überlebens- und Reproduktionserfolg von Individuen gekoppelt, also deren Angepasstheit an ihre Umwelt. Der genetische Drift dagegen hat keine derartigen Ursachen, sondern ist rein zufallsbestimmt. Die Universität von California in Berkeley hat auf ihrer netten Webseite versucht, das Ganze mit einem Cartoon zu verdeutlichen:

Bild

Der Fuß ist hier Symbol für den Zufall. Ohne Selektion auszuüben wird hier ein zufälliger Teil der Individuen aus der Population "entfernt".

Jede weitere Vereinfachung dieser 5 Säulen führt zu einem noch vageren oder unzureichenderen Verständnis. All diese Säulen sind messbar, sind experimentell bestätigt. Dies bestärkt Evolutionsvertreter eben - durchaus berechtigt - darin, dass an der Sache was dran sein muss. Wer möchte, kann darin gerne das Wirken eines Gottes sehen, aber für die Aussagen der Theorie ist es unerheblich.

In den folgenden Beiträgen werde ich auf die 5 Säulen in einzelnen eingehen.

#1 - Phänotyp

Es ist zwischen dem, durch Erbanlagen und Umwelteinflüssen geprägten Erscheinungsbild eines Organismus (Phänotyp) und der genetischen Grundlage (Genotyp) zu unterscheiden.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 22. Mär 2019, 19:11

Die 5 Säulen der Evolution - Teil 2: Mutation

Unter einer Mutation, vom lateinischen "mutare" für "ändern", versteht man die Veränderung des Erbguts. Mutationen haben zwei Merkmale:
  1. Sie treten zufällig und ungerichtet auf. Ihr Auftreten verfolgt somit keinen direkten Zweck.
  2. Sie treten zeitlich spontan auf. Man kann sie also nicht vorhersagen. Durch Mutagene kann man die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten dieser zufälligen Veränderungen deutlich erhöhen. Mutagene sind zum Beispiel chemische Stoffe, Radioaktivität, UV-Strahlung und auch Röntgenstrahlung.
Mutation ist einer der wichtigsten Evolutionsfaktoren, denn dadurch gelangen neue Allele in den Genpool von Populationen. Eine Mutation kann für das betreffende Individuum von Vorteil, von Nachteil oder aber unbedeutend sein.
  • Ist eine Mutation für ein Individuum von Vorteil (Beispiele dafür sind dunklere Haut mit höherem Melaninanteil, der aggressive Sonnenstrahlung besser absorbiert und so zu weniger Hautschäden führt oder Laktosetoleranz bis ins hohe Alter), hat es den anderen Individuen, die diese Mutation nicht besitzen, einen selektiven Vorteil. Im Regelfall wird sich die Mutation dann innerhalb der Population verbreiten, weil eine erhöhte "Fitness" (eben entstanden aufgrund jenes Vorteils) dazu führt, dass die Gene des Individuums häufiger in die nächste Generation gebracht werden. Auf diese Weise breiten sich Mutationen in der Population aus. Diese "Fitness" ist nicht gleichbedeutend mit der erworbenen Ausdauer oder Stärke durch sportliche Ertüchtigung, sondern meint jedweden Vorteil eines Individuums, sich gegenüber der arteigenen Konkurrenz oder Fress- und Lebensfeinden durchzusetzen. Eine höhere Jagdgeschwindigkeit oder Kraft, bessere Ausdauer oder Geschicklichkeit können ebenso dazu gehören, wie dickeres Fell, größeres oder bunteres Gefieder oder ein besseres kognitives Zusammenspiel von Nervenzellen.
  • Ist eine Mutation von Nachteil, kann dies im schlimmsten Fall den Tod des Individuums bedeuten, zum Beispiel, wenn lebenswichtige Stoffwechselprozesse beeinflusst werden.
  • Mutationen, die weder positive noch negative Folgen haben, werden auch Stille Mutationen genannt. Denn eine Mutation kann auch an Orten in der DNA passieren, die keinerlei wichtige Informationen enthalten oder inaktiv sind. Oder aber die Mutation verändert nicht die Aminosäurenabfolge im genetischen Code, weil viele Aminosäuren unterschiedliche Codierungen zulassen (siehe Bild Codensonne).
  • Davon unterscheiden muss man noch die neutralen Mutationen. Dort kann es zwar zu einer phänotypischen Ausprägung kommen, diese ist dann jedoch nicht von Bedeutung für die Selektion. Ein Beispiel dafür ist die blaue Augenfarbe beim Menschen, deren Mutation vor etwa 10.000 Jahren auftauchte.
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Die Codensonne


Hier noch einige Beispiele für Mutationen:

Laktose-Toleranz beim Menschen
Die Fähigkeit Milchzucker (Laktose) mithilfe des Enzyms Laktase abzubauen beruht auf einer Mutation. Normalerweise wird nur im Säuglingsalter genug Laktase vom Körper produziert, um die Muttermilch verdauen zu können. Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass diese Mutation zwischen der Zeitspanne von Steinzeit und Beginn der Viehzucht auftrat und einen erheblichen Selektionsvorteil mit sich brachte, denn plötzlich war die Aufnahme und Verwertung von tierischer Milch möglich. 

Industriemelanismus
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Der Birkenspanner ist in seiner Urform ein weißer Falter, dessen Lebensraum unter anderem Birkenstämme beinhaltet. Auf diesen ist er praktisch nicht zu erkennen und so optimal vor Fressfeinden geschützt. Als im 19. Jahrhundert die Industriezeit in vollen Gängen war, färbte der schwarze Ruß die weißen Birken. Der Birkenspanner war nun nicht mehr geschützt und wurde von seinen Fressfeinden erkannt und gefressen. Dank einer Mutation tauchten jedoch auch schwarze Birkenspanner auf, die widerum optimal an die nun schwarzen Birken angepasst waren und das überleben der Art so gesichert haben. 

Rot-Grün-Sehschwäche
Bei der Rot-Grün-Sehschwäche haben Betroffene das Problem die Farben Rot und Grün auseinanderzuhalten. Ursächlich dafür ist die Veränderung der Aminosäurensequenz, die für das Sehen von Farben zuständig ist. Das wichtige Protein Opsin wird dabei nicht richtig ausgebildet und es kommt zu einer veränderten Wahrnehmung der Farben Rot und Grün.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 3. Okt 2019, 23:32

Woher kommt Gott?

Diese Frage hatten wir eigentlich schon in einem deutlich früheren Artikel erörtert. Damals lediglich in einer Fußnote. Da diese Frage in einem aktuelleren Wachtturm erneut gestellt und selbstverständlich auch biblisch beantwortet wird, möchte ich die Gelegenheit nutzen, auch über diesen Text, beziehungsweise Gedanken zu sinnieren.

Ich zitiere einmal aus dem Wachtturm 1/2019, der seit einiger Zeit nicht mehr monatlich erscheint:
WOHER KOMMT GOTT?

Über diese Frage haben sich schon viele Menschen Gedanken gemacht. Man könnte sie auch so ausdrücken: Wenn das Universum eine Ursache oder einen Schöpfer gehabt haben muss, wem verdankt dann Gott seine Existenz?

Nach allgemeiner wissenschaftlicher Auffassung hatte das Universum einen Anfang. Dieser Grundgedanke kommt schon gleich im ersten Vers der Bibel zum Ausdruck: „Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde“ (1. Mose 1:1).

Das Universum kann sich nicht selbst erschaffen haben. Von nichts kommt nichts! Hätte es vor dem Anfang des Universums nichts gegeben, gäbe es heute kein Universum. Es war – so unbegreiflich das auch erscheint – eine unendliche, immaterielle erste Ursache nötig. Diese erste Ursache ist Gott, ein unvorstellbar mächtiges und weises Geistwesen (Johannes 4:24).

Die Bibel sagt über Jehova: „Ehe selbst die Berge geboren wurden oder du darangingst, . . . die Erde und das ertragfähige Land hervorzubringen, ja von unabsehbarer Zeit bis auf unabsehbare Zeit bist du Gott“ (Psalm 90:2). Gott hat also schon immer existiert. Und irgendwann, „im Anfang“, erschuf er dann das Universum (Offenbarung 4:11).

- Wachtturm, 1/2019, Titel: "Wer ist Gott?", Seite 4, Artikel "Wie heißt Gott?", grauer Kasten, Copyright 2018 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania.© Verlag: Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft, Selters/Ts.

In den davor und danach kommenden Artikeln dieses Wachtturms wird ebenfalls auf seine Schöpfermacht Bezug genommen, ohne zu klären, warum man irgendeine Existenz Gott zuschreiben sollte. Aber im Grunde erklärt der erste Satz des dritten Absatzes die zur Erkenntnis erhobene Behauptung, dass Universum könne ja nicht aus nichts entstanden sein.

Das trifft auch die meisten Kernaussagen zu Entstehungshypothesen des Universums, denn diese gehen von einer ungeheuer großen, ungeheuer dicht komprimierten Energiequelle aus, die dann im "Urknall" zu expandieren begann. Woher diese Energie kam, ist Teil mehr spekulativer Wissenschaft, da man über Dinge vor Zeit und Raum per Definition der Physik nichts sagen kann. Da kann man gern Gott hinstellen, aber eben nur, weil einen keiner widerlegen kann.

Aber auch dann erklärt dieser Absatz nicht wirklich, woher Gott kommt, was ja die selbst gestellte Frage der eigenen Überschrift ist. Denn der zitierte Psalm 90:2 ergibt keinen Sinn, wenn es gar keine Zeit in der in unserem Universum zugeordneten Maßeinheit gegeben hat, da sie erst durch Materie überhaupt "spürbar" wird. Ohne Materie gibt es nichts, was werden oder vergehen kann.
Mal ganz abgesehen davon, dass dieser Bibeltext genauso unbelegt ist, wie die Existenz des Wesens, das damit bewiesen werden soll.

Man könnte jetzt Krümel kacken und einen Beweis unendlicher Macht einfordern. Er wird nie erbracht werden können. Nicht mal von Gott selbst. Egal, was er anstellt, es wäre immer endlich. Endlich viel Kraftaufwand, endliche Wirkung, endlicher Radius.
Und ebenso wird vom Höchsten selbst nie bewiesen werden können, dass er unendlich lange schon existiert und nicht etwa doch einen Anfang hatte. Da selbst sein Sohnemann ein Anfangsdatum hat, egal, wie weit es in der "Vergangenheit" liegen mag, kann dieser uns gleichfalls nicht belegen, sein Papa wäre tatsächlich der "Alte an Tagen".
Aber das alles würde eine etwaige Diskussion nicht wirklich weiter bringen und zu keinem Ergebnis führen. Gott macht es nicht begreiflicher und leider nicht realer.

Bleiben wir aber noch einmal kurz beim dritten Absatz:
Warum sollte das Universum nicht aus nichts entstanden sein können? "Von nichts kommt nichts!" funktioniert ja im Grunde nur in dem uns bekannten Universum. Nichts geschiet ohne Ursache. Dabei ist dieser universal klingende Satz noch nicht einmal für unser Universum bewiesen. Der radioaktive Zerfall scheint ein Ereignis ohne bestimmbare Ursache. Warum zerfallen Elemente und woher weiß man, welches Isotop das nächste ist. Es ist ja maximal der statistische Wert der Halbwertszeit als Angabe möglich, ohne Aussagen darüber treffen zu können, welches Atom in der zu messenden Probe das nächste oder überhaupt auch nur Teil des Zerfalls ist oder ob es erst in einigen Jahren dran ist.
Da es solche Spezialfälle in unserem Universum zu geben scheint, warum dann nicht in anderen Universen oder dem "Raum" drumherum, wo unsere Logik nicht die bestehende sein muss, auch oder gerade erst recht?

"Von nichts kommt nichts!" ist bereits eine Logik, was heißen würde, dass diese, so sie denn stimmt, älter wäre als das Universum selbst. Sonst würde sie nicht greifen, um den Anfang des Universums zu beschreiben. Denn entstand die Logik, wie wir sie kennen, erst, als das Universum seinen Anfang nahm, können ihre Vernunftsätze nicht schon vorher gegolten haben. Somit wären Ereignisse ohne Ursache möglich oder Ursachen ohne Ereignisse. Es wäre dann sogar möglich, dass es für alles eine Ursache gibt, aber dennoch Ereignisse ohne Ursache sind. Denn die Dualität der Aussage, ob etwas eine Ursache hat oder nicht, ist dann nicht mehr gegeben.

Wir wissen es nicht und es ist anmaßend, darüber irgendwelche unbeweisbaren Behauptungen aufzustellen.
Wie man es dennoch, wenn auch reichlich schwadronierend, erklären könnte, zeigte ich ja bereits in der Fußnote #5 des Beitrages "... 063, 15.04.2018: Rezension: Fragen junger Leute: Schöpfung oder Evolution?"
#5 - Wer hat Gott erschaffen?

Alles hat ja einen Anfang und ein Ende. Anders ist das für uns nicht vorstellbar, was aber keineswegs bedeutet, dass es anders nicht sein kann. Albert Einstein hat mit seiner Relativitätstheorie rechnerisch nachgewiesen, dass die Zeit keine feststehende Größe ist, sondern eine relativ von Masse und Geschwindigkeit eines Körper abhängige. Je schneller und massereicher etwas ist, desto langsamer vergeht die Zeit für dieses Objekt. Das nennt sich Zeitdilatation. Dies betrifft sowohl die Gleichzeitigkeit von Ereignissen, die an verschiedenen Orten stattfinden, als auch die Zeitdauer zwischen zwei Treffen zweier Beobachter, die sich zwischen diesen Treffen relativ zueinander bewegen. Da es kein absolut ruhendes Koordinatensystem gibt, ist die Frage, welcher Beobachter die Situation korrekt beurteilt, nicht sinnvoll. Man ordnet daher jedem Beobachter seine so genannte Eigenzeit zu. Ferner beeinflusst die Anwesenheit von Massen den Ablauf der Zeit, so dass diese an verschiedenen Orten im Gravitationsfeld unterschiedlich schnell verstreicht.

Dies hat man experimentell später mit zwei Atomuhren in einem Experiment nachgewiesen. Dabei platzierte man eine von zwei absolut gleich laufenden Atomuhren in einer Concorde, die andere ließ man am Boden zurück. Nach einer mehrstündigen Überschallflugzeit der Concorde konnte man tatsächlich eine Abweichung der beiden Uhren feststellen, wenn auch nur wenige Millionstel Sekunden. In der Concorde war weniger Zeit vergangen als auf der sich langsamer bewegenden Erde.

Da Gott geistig und nicht materiell ist, ist er der Zeit, die er ja auch geschaffen haben soll, nicht unterworfen. Das bedeute wieder nicht, dass es in dieser geistigen Welt (klassisch als "Der Himmel" bezeichnet) keine Gegenstände geben kann, sondern nur, dass diese nicht aus der Materie bestehen, die die Zeit für Ihre Existenz benötigt. Wenn es aber diese Zeit dort nicht geben kann, dann ist dort auch kein Anfang und kein Ende, sondern eben Ewigkeit.

Bei solchen Überlegungen setzt freilich der eigene Geist aus. Aber so kann man vermutlich die zeitlose Existenz Gottes erklären, die keinen Anfang und kein Ende kennt.

Aber damit beschreibt man auch nur die Kleider eines Kaisers, der wohlmöglich gar nicht existiert (eine treffende Analogie zu "Des Kaisers neue Kleider").

Es gibt keinen Beweis, dass Gott existiert und noch weniger, dass er das Universum erschaffen hat.
Es gibt ja nicht einmal gesicherte Aussagen über die Zustände oder Energien vor dem Urknall. Nirgends steht, dass das Universum aus dem Nichts entstanden.
Bleibt abschließend nur noch zu sagen, dass der Text aus dem Wachtturm nicht das beantwortet, was seine Überschrift als Frage aufwirft.

Nach diesem kurzen Combobreaker geht es demnächst weiter mit den Säulen der Evolutionstheorie.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 13. Dez 2019, 22:56

Satire: Mehrheit der Affen bezweifelt, dass der Mensch von ihnen abstammt

Unter folgendem Link hat das Satire-Onlineportal Postillon über die Artverwandtschaft von Men und Affe geschrieben:

https://www.der-postillon.com/2019/05/affen-menschen.html?m=1

Interessante Parallelen, die da gezogen werden.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 8. Mär 2020, 00:33

Rezension: Vortrag - w08 1. 2. 5 - Thema: Zu wissen, dass wir Menschen von Gott erschaffen wurden, bringt inneren Frieden

Vorträge gibt es in jeder Versammlung unter der Woche und am Wochenende. Die "Sonntagsversammlung" beginnt nach Lied und Gebet mit einem 30 minütigen Vortrag, der auch mal von Rednern anderer Versammlungen gehalten wird. Nach einem weiteren Lied folgt die Besprechung des wöchentlichen Wachtturmartikels. Abgeschlossen wird jene Versammlung mit einem letzten Lied und dem Abschlussgebet.
Die aktuelle Rezension betrifft eine Disposition zu einem Vortrag. Dispositionen sind sowas wie Vorlagen, an denen sich der dann vorgetragene Beitrag zu orientieren hat.
Die Vortragsthemen können von allen Versammlungsbesuchern an der Anschlagtafel für die nächsten Wochen vorab begutachtet werden. Man legt Wert auf Offenheit und optimale innere Vorbereitung aller Anwesenden.
Die vorliegende Disposition ist ein Teil des Wachtturmartikels vom 1. Februar 2008 "Woher kommen wir?"

https://wol.jw.org/de/wol/d/r10/lp-x/2008081#p12

Aus den Bibeltexten Apostelgeschichte 17:24, 25 und Offenbarung 4:11 soll der Gedanke der Schöpfung belegt werden, selbstverständlich ohne tatsächlich als Beleg gelten zu können, sondern lediglich als Behauptung. Darum soll es aber ausnahmsweise mal nicht gehen. Denn im Grunde widerlegt man solche und ähnliche Bibelverse immer gleich. Nämlich damit, zu zeigen, dass es eben Behauptungen und keine Belege sind.
Es geht darum, wie diese Antwort echte innere Ruhe gibt oder ob das überhaupt der Fall ist und ob man das Argument auch umkehren kann.

Ja, wie dargelegt, kann die konsequente Umsetzung des Glaubens an einen Schöpfer, sinnstiftend und zufriedenstellend sein. Der innere Friede rührt dann daher, dass Gott alle Menschen, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft oder Bildungsgrad gleich lieb hat. Vorausgesetzt, sie lieben auch ihn. Das beugt Vorurteilen und Voreingenommenheit vor, da Gott keine "Menschenrasse" oder Nation bevorzugt. Vor Gott sind alle gleich. Oder sagen wir es empirisch korrekter: Für der Idee "Gott" sind alle gleich.
Wer auf den Schöpfer hört, hat natürlich auch eine bis zu 3.000 Jahre feststehende Doktrin, was Verlässlichkeit in dieser wankelmütigen, schnelllebigen Welt suggeriert. Außerdem kann man seine Sorgen bei Gott abladen und sie durch das Beten nachweislich sogar oft besser einordnen oder relativieren. Das hilft bei der Problembewältigung. Und daher entsteht dann wohl auch der Eindruck, Gott hätte einen gesegnet oder durch eine schwere Zeit getragen.
Außerdem diszipliniert man sich selbst, wenn man über sich ein allmächtiges Wesen vermutet, dass straft und belohnt und alles sieht und weiß, auch wenn es sonst keiner sieht oder weiß.

Ja, das sind alles gute Leistungen. Hervorragend möchte man sagen.

Selbstverständlich könnte man nun auch negieren und sagen: Da ein allmächtiger Gott im Rücken gedacht wird, ist auch schon so mancher Krieg in seinem Namen geführt worden. Oft in einer Vehemenz, wie sie fanatischer nicht sein kann. Und auch andere negative Entwicklung kann man so beschreiben. Aber das wäre nicht tiefgründig genug.
Man kann auch einwenden, dass gute Sitten und moralisches Verhalten lediglich aus der Angst vor Strafe durch Gott entstehen. Die Menschen, die dann danach handeln, sind nicht wirklich nett oder freundlich, weil sie das aus tiefstem Herzen wollen, sondern um ein omnipotentes Wesen nicht zu verärgern oder es zu erfreuen. Aber auch das ist nicht wirklich stichhaltig. Insbesondere Gleichgläubigen gegenüber sind Gläubige wohlgesonnen. Das erklärt sich aus altruistischen Verhaltensweisen durch Gruppenzugehörigkeit. Gruppen bieten Schutz und Geborgenheit. Dazu muss aber jeder etwas beitragen. Ein einheitlicher Wertekanon ist da natürlich hilfreich.

Kann man aber stattdessen auch aus der Evolutionstheorie und dem Naturalismus positive, lebensbejahende Aspekte interpolieren? Kann die Naturwissenschaft inneren Frieden geben?

Zu realisieren - nicht nur schlicht zu wissen - dass "jede Familie [...] auf Erden ihren Namen" (Epheser 3:15) einer immer wieder stattfindenden Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium verdankt und dass man dabei nur einer unter Millionen war, lässt jede spätere Prüfung und jedes Bewerbungsgespräch erblassen. Man kann dankbar sein. Nur wem? Denn alle, die einem geholfen haben, ja maßgeblich daran beteiligt waren, dass man heute überhaupt ist, die Homies aus Vorschwangerschaftstagen, sind nicht mehr (#1).

Das "jede Familie [...] auf Erden" ihr Dasein einer ziemlich kleinen Truppe von frühen Menschenaffen und später auch einem erneuten Engpass an Menschen in der frühen Geschichte des Homo Sapiens verdankt, die sich in unwirtlichem, teils feindlichem Gebiet mit anderen Menschengattungen messen mussten und dabei als "Sieger" hervorgingen, kann ebenfalls Vorurteile abbauen. Wir stammen alle von weniger als 1.000 Individuen ab, die vermutlich die globalen Auswirkungen einer vulkanischen Katastrophe überlebt gaben. Egal, welche Hautfarbe oder Herkunft oder Bildungsgrad jemand hat. Er hat gemeinsame Vorfahren und mahnt uns, friedlich miteinander umzugehen.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, wo ich theoretisch auf alles Wissen der Menschheit zugreifen könnte.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich in einer Gegend lebe, in der relativer Frieden herrscht. Und es ist ein trauriger Zufall, dass meinem Gegenüber das vielleicht nicht vergönnt ist.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich für ein paar hundert Moneten ein qualitativ hochwertiges Zuhause haben kann, mit mehr Komfort als noch 200 Jahre zuvor selbst die reichsten Könige nicht haben konnten. Und es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht in einem zugigen Verschlag wohnt.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich nur in den nächsten Laden gehen muss, um für relativ wenig Geld Berge an Speisen und Getränken zu erwerben. Fast mühelos. Ich muss weder über Stock und Stein, noch durch unwirtliche Gegenden stundenlang marschieren, um dann meine Tagesration Reis oder Hirse für horende Preise zu erstehen. Und ich muss nicht jagen und nicht bebauen. Das machen andere für mich, deren Arbeit durch Maschinen und Arbeitsteilung deutlich einfacher geworden ist, als noch vor 70 Jahren. Und es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht noch mit den gleichen Methoden wie seine Urahnen dem Boden etwas zu Essen abringt.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich mir überhaupt einen Kopf darum machen kann, was ich heute anziehe und welche Tasche ich mitnehme. Ich habe 6 Paar Schuhe und ich weiß, dass das in unserer Gegend wenig ist. Und ich weiß auch, dass ich dennoch mehr Schuhe habe als die meisten Menschen der Erde. Und es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht nicht mehr Kleidung sein Eigen nennt, als die die er gerade am Leib trägt.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich in einem Land mit hohem Bildungsstandard lebe. Ich oder meine Kinder können kostenfrei unterrichtet werden, weil Schulen staatlich getragen werden. Und es ist trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht nie eine Schule von innen sehen wird.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich in dem Teil der Erde lebe, wo Kinder tagüber in der Schule sind und nicht auf dem Feld oder für irgendeinen Warlord am Maschinengewehr. Es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber dieses Glück nicht hat und vielleicht auf Leute aus seinem eigenen Dorf schießen musste, um sein eigenes Leben zu retten.
  • Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich zu den Gewinnern des Arm-Reich-Gefälles gehöre. Und es ist ein trauriger Zufall, dass mein Gegenüber vielleicht zu den Verlierern zählt.
Ich bin mir bewusst, dass ich hier auf äußerst drastische Weise ein Unterschied erzielt habe. Und ich bin mir bewusst, dass ich hier sehr zweifelhafte, gar schreckliche Entwicklungen aufliste. Alles Dinge, die bei Treue zu einem moralischen Wertekanon nicht möglich wären, sofern der Wertekanon selbst nicht irgendwelche drakonischen Strafen für irgendwelche Verbrechen gibt.

Wie auch immer diese Auflistung von euch aufgefasst wird, fest steht, ich hatte keinen Einfluss darauf, in welchem Land ich geboren werde und aufwachse. Ich hatte keinen Einfluss darauf, wie dieses Land zum Zeitpunkt meines Erscheinens sein würde. Ich hatte keinen Einfluss darauf, dass vor vielen Generationen der Bruder oder die Schwester meines Vorfahren an Diphterie oder einer anderen tödlich verlaufenden Krankheit verstorben ist und er glücklicherweise nicht.
Egal, was in meinem und vor allem vor meinem Leben passiert ist: Es war Zufall, den ich maximal lenken kann, nicht vorgeben.

Zu wissen, dass mein Start ins Leben offenbar keinem Masterplan von irgendwelchen mächtigen Entitäten entspringt oder von den Sternen voreingegeben ist, sondern ein wohlgelenkter Zufall ist und abhängig davon war, dass meine Urahnen sich den harten Lebensbedingungen ihrer Umgebung anpassten und durch zeitlich und räumlich zufällig verteilte Mutationen begünstigt wurden, beflügelt eine demütige Einstellung.
Welch ein Glück, dass irgendwer vor mir durch eine kleine Änderung im Erbgut in der Lage war, Lactose bis ins hohe Alter aufzuspalten, um so mit der Milch eine neue Nahrungsquelle zu erschließen. Durch ihn bin ich in der Lage, Käse in allen Variationen zu verkosten. 70-80 % der Menschheit können das nicht.
Welch ein "Glück", dass Europäer den militärischen Nutzen von Schießpulver besser erkannten und umsetzten, als der Rest der Welt. Ich wäre heute nicht in der günstigen Position, in der ich heute bin, wenn China oder das osmanische Reich darin effizienter gewesen wären.
Welch ein Glück, dass der Typ, der vor abertausenden Jahren den aufrechten Gang erfunden hat, dadurch einen, wie auch immer gearteten Vorteil gegenüber seinen vierbeinigen Kollegen hatte. Wir alle nutzen seine Errungenschaft, denn was wäre der moderne Mensch ohne freie Hände?

Die Welt nachhaltig und konsequent so zu betrachten, wirkt sich ebenso darauf aus, wie wir unsere Probleme wahrnehmen. Wenn wir uns - um den scherzhaften Einwurf zu erlauben - gewahr darüber werden, an welcher Stelle die Erde im Sonnensystem steht, bemerkt man, dass alle Probleme der Erde im wahrsten Sinne des Wortes "Dritte-Welt-Probleme" sind.
Zu wissen, dass diese "unsere" Erde nur einer von ca. 400 Milliarden möglichen Planeten in unserer Milchstraße ist und es etwa 150 Milliarden Galaxien gibt, macht die Möglichkeit von Leben in den Weiten des Alls zu einem rein statistischen Problem. Nachprüfen können wir es vermutlich nicht. Aber selbst, wenn wir allein wären, ist es nicht gerade demütig, anzunehmen, dieses riesige, unvorstellbar große Universum ist allein dafür da, Gottes Macht für uns Menschen hier unten zu demonstrieren.
Wir leben in einem winzigen Winkel im Universum, in einer recht unscheinbaren Galaxie, bei einem unscheinbaren, ja durchschnittlichen Stern auf einem tektonisch aktiven Steinklumpen auf dem bisher ca. 99% aller jemals hervorgetretenen Arten bereits wieder ausgestorben sind.

Wir sind Gäste auf diesem wunderschönen Planeten, nicht Herrscher. Wir sind von ihm abhängig, nicht umgekehrt. Wir sind für unser Handeln verantwortlich, nicht irgendeiner "von oben". Uns wird wohl kein Außenstehender retten. Wir müssen die Probleme selbst anpacken.
Das zu begreifen und dann auch umzusetzen, ist definitiv demütig. Und es hilft den Blick auf Lösungsfindungen zu konzentrieren, nicht auf Schuldfragen oder Aufschieben. Vielleicht ist das weniger von der gewünschten Ruhe.

"Echte" innere Ruhe und "echter" inner Frieden, wie er im Wachtturm betont wird, wirkt dagegen, wie ein Label oder eine Marketing-Floskel. Wer sagt denn, was "echt" ist? Wie sieht "unechte" innere Ruhe und "unechter" innerer Frieden aus? Kann man dann überhaupt von innerer Ruhe und innerem Frieden sprechen?
Kann man Ungläubigen oder Andersgläubigen diese inneren Gefühle absprechen, weil sie sich nicht auf die Bibel stützen oder keine Zeugen Jehovas sind?

#1 - Spermien

Man muss wissen, dass Spermien keine Einzelkämpfer sind und die befruchtungsfähigen eine kleine Armee um sich scharen, die anderen den Weg versperren oder eben Wegsperren wegräumen, die fremde befruchtungsfähige Spermien angreifen oder diese verteidigen, die Vorbohrungen an der Eizellhülle machen, etc. Sie haben Ihr Leben geopfert, damit du nun diesen Satz lesen kannst.
Naja, nicht ganz. Meine Spermienkollegen haben sicher nicht gewusst, dass ich diesen Satz mal verfasse. Im Grunde soll ich mich doch bitte vermehren. Ihr Einsatz wäre sonst in zweiter Generation vergebens.
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Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 26. Mär 2020, 02:17

Video: Dinge erklärt - Kurzgesagt: Was ist Leben? Ist der Tod real?


https://m.youtube.com/watch?v=b9TiWLDAPqk


Am 24.01.2018 veröffentlicht

Was ist der Unterschied zwischen dir und einem Stein? Das sieht auf den ersten Blick aus wie eine einfache und ziemlich dumme Frage. Aber selbst die schlauesten Leute auf der Welt wissen nicht, wo wir die Grenzen zwischen lebendigen und toten Dingen ziehen müssen. Das hat überwältigende Konsequenzen: Was ist Leben eigentlich? Und gibt es den Tod überhaupt? Lasst uns das untersuchen!

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