Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 14. Mär 2018, 02:25

Grundlagen: Der infinite Regress

Eine These über den Erschaffer der Welt ist ja, dass dieser ebenfalls sehr komplex sein müsste. Kurzum: Ein Schöpfer für ein extrem unwahrscheinliches Universum ist noch unwahrscheinlicher als das Universum selbst oder führt zum infiniten Regress. Irgendwas muss diesen Schöpfer gebildet haben und irgendwas den Schöpfer des Schöpfers u.s.w.
Diese These wird auch von Richard Dawkins (Autor von "The Greatest Show On Earth") verwendet. Damit geht er auf die Frage der Entstehung von Komplexität ein, die in einer fast niedlichen Naivität aus der Intelligenz-Design-Ecke gestellt wird.

Gehen wir mal durch die Prämissen, also Vorannahmen, für diese These:
Prämisse 1: Ein Erschaffer eines komplexen Universum ist selbst komplex oder sogar komplexer.
Prämisse 2: Ein möglicher Schöpfer des Universums teilt selbst notwendigerweise Eigenschaften einer geschaffenen Entität.
Prämisse 3: Der Satz "Es gibt gar keine Ursache für etwas Komplexes" ist logisch wohlgeformter als der Satz "Es gibt eine komplexe Ursache für etwas Komplexes."
Wenn man diese Prämissen bejaht, dann klingt die These natürlich plausibel. Doch im Grunde spricht nichts dafür, irgendeine der Prämissen zu unterschreiben.

Prämisse 1 steht und fällt mit der Frage, was man unter "komplex" versteht. Ein einziger Mensch kann zum Beispiel zig Bücher schreiben, in denen 1000 fiktive Figuren auftauchen, eine Bewegung gründen, die mal 500.000 Mitglieder hat, eine Theorie erfinden, aus der 100 andere Theorien hervorgehen, und doch bleibt er ein Mensch. In wiefern ist dieser Mensch nun "komplexer" als seine Bücher? Ist er auch komplexer als all die darin enthaltenen Ideen und dem, was daraus werden kann? Und falls ja: Könnte man nicht auch mit der gleichen Berechtigung sagen, dass er "einfacher" sei als sein komplexes Werk? Logisch zwingend erscheint die Prämisse 1 jedenfalls nicht. Gott muss nicht zwingend komplexer sein, als das Universum und das Leben, das er schuf. In der Bibel freilich wird er als unergründlich beschrieben, was den Schluss nahe legt, er sei "komplex".
Prämisse 2 ist noch weniger überzeugend. Die Gotteshypothese würde automatisch die Frage aufwerfen, wer Gott gemacht hätte. Dies führe zu dem oben erwähnten infiniten Regress. Aber eben nur, wenn man davon ausgeht, dass Prämisse 2 stimmt. Tatsächlich sagt schon der Gottesbeweis von Thomas von Aquin, dass nur die Setzung eines unbewegten Erstbewegers den logisch unvorteilhaften Regress verhindern kann. Der Gottesbegriff als Schöpfer, beinhaltet ja bereits die Idee, dass Gott der Verursacher von Kausalität sei. Es gibt daher keinen logisch zwingenden Grund, weshalb er für seine Existenz selbst der Kausalität unterworfen sein sollte.
Prämisse 3 besagt, dass ja NICHTS als Ursache wahrscheinlicher sei, als ETWAS. Aber im Grunde sind beide Möglichkeiten gleich wahrscheinlich. Die Wissenschaft bedient sich ständig irgendwelcher Entitäten als Erklärung für Ursachen, obwohl sie über diese Entitäten im Grunde kaum etwas weiß, z.B. Quarks oder Strings oder Urknall.

Mit diesen kurzen Überlegungen kann man zwar den infiniten Regress nicht widerlegen, aber zumindest nicht als zwingend notwendiger Weg eines Schöpferglaubens darlegen. Der infinite Regress funktioniert nur unter den oben angebenen Vorannahmen. Er ist also kein schlussendlicher, logischer Schluss gegen Gott als Erschaffer des unbegreiflichen Weltalls. Freilich wird Gott aber auch durch diese Feststellung nicht wahrscheinlicher.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

von Anzeige » Mi 14. Mär 2018, 02:25

Anzeige
 

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Sa 17. Mär 2018, 10:16

Dogmen

Auch wenn aus der Ecke der Evolutionleugner immer wieder über die dogmatische Wissenschaft gewettert wird, mag eines gleich vorweg genommen sein: Niemand verbietet es, Aspekte der Evolutionstheorie zu hinterfragen. Viele haben das getan und das Theoriengebäude erweitert. Die Evolutionstheorie ist eben kein statisches, starres, endgültiges Gebilde. Nichts desto trotz werden die grundlegenden Mechanismen aufgrund der erdrückenden Beweislast als Tatsache betrachtet. Noch bestehende Wissenslücken in speziellen Teilgebieten der Evolutionstheorie ändern daran herzlich wenig. Schon gar nicht aber werden durch derartige Lücken vorantike Erzählungen über den staubgemachten Menschen und der aus der Rippe geschaffenen Frau, die von einer Schlange zur Sünde verführt werden, realistischer.
Evolution basiert, vereinfacht ausgedrückt, auf den Mutationen der DNA, die sich über die Zeit aufsummieren. Rechnet man mit der durchschnittlichen Mutationsrate, die von Art zu Art unterschiedlich ist rückwärts, findet man den gemeinsamen Vorfahren der differgierten Arten und kann diese mit den möglichen Fossilfunden abgleichen.
Man muss auch ausnehmen, was nicht in der Darwin-Wallace-Theorie, der klassischen Evolutionstheorie, beschrieben wird, um nicht den Fehler zu begehen, aus dem Fehlen solcher Erklärungsansätze die ganze Theorie zu verwerfen: Die Entstehung des Lebens wird - entgegen dem Buchtitel "The Origin of Species" (engl. für "Über die Entstehung der Arten", 1859, Charles Darwin) - nicht behandelt.
Schlussendlich bleibt es aber eine wissenschaftliche Theorie, also die Beschreibung einer beobachteten oder experimentell entdeckten Sache. Eine Theorie ist ein Modell, das die messbare Wirklichkeit modelliert, überprüfbare Vorhersagen macht, und diese Vorhersagen konnten nicht falsifiziert werden. Mehr geht in der Wissenschaft nicht. Auch die Kugelgestalt der Erde ist "nur eine Theorie". Absolute Wahrheiten kennt die Wissenschaft nicht. Kein Modell kann den Anspruch erheben, die Welt absolut in jedem Detail zu beschreiben, sondern nur annährend in einem bestimmten Rahmen, der durch Messungen abgesichert ist. Die Erde ist so auch keine exakte Kugel, wenn man genau nachmisst, sondern abgeplattet und darüber hinaus ein wenig unregelmäßig. Trotzdem ist ihre Kugelgestalt immer noch annähernd gegeben und egal, was noch über die Erdform gezeigt werden wird, daran wird sich nichts mehr ändern. Und gleiches gilt für die Evolutionstheorie. Da gibt es auch noch viele Details zu klären, aber der Rahmen steht, und den kann man deswegen auch so lehren.

Oft wird nicht die Frage gestellt, ob die Evolutionstheorie ein zu dogmatisches Glaubenkonstrukt sei, sondern schlicht behauptet, sie wäre es. Was ist aber der Beleg für eine solche Behauptung? Wie erklärt man die Übereinstimmung in der DNA? Wie erklärt man phylogenetische Gemeinsamkeiten, wie exakt gleiche Kopierfehler, Disfunktionen und dergleichen mehr? Wie erklärt man das Auffinden gemeinsamer Vorfahren in jenen Erdschichten und damit Erdzeitaltern, die man zuvor für zwei verwandte Arten errechnet hat? Welche Belege gibt es, dass Mutationssummierungen einfach irgendwo aufhören ("Mikroevolution") und eben auch mit genügend Zeit und Evolutionsschritten nicht zu einer neuen Art führen ("Makroevolution")?

Jetzt könnte man natürlich zur Ansicht gelangen, dass die Überlieferungen bronzezeitlicher Schafshirten nicht zwangsweise den modernen wissenschaftlichen Anforderungen genügt und schon gar nicht einen göttlichen Autor bedingt.
Verteidiger der Heiligen Schrift werden natürlich einwenden, dass unser modernes, westliches Werte- und Moralsystem auf der Bibel gründet, was, wie ich im Beitrag "Wissenschaft und Kirche" bereits beschrieb, Quatsch ist. Oder, dass die Bibel wissenschaftliche korrekte Aussagen macht, was aber nicht der tatsächlichen Aussage, sondern vielmehr den modernen Interpretatoren mit halbwegs wissenschaftlichen Sachkenntnissen zuzusprechen ist. Immerhin lässt sich "hängt die Erde auf an nichts" (Hiob 26:7) auch für Flacherdler lesen, denn eine am "Boden" ruhende Scheibe über der die Gestirne ausgespannt werden, hängt ebenfalls an nichts (#1). Oder, dass sich unser westliches Gottes- und Menschenbild darauf stützt, woraus sich die Frage ergibt, welche der knapp 2000 christlichen Splittergruppen, denn das richtige Bild Gottes vermittelt, und warum Steinigen für Ehebrecher und Lynchjustiz ("Auge um Auge, Zahn um Zahn") nicht gerade vorbildtauglich für die Menschenrechtscharta der UN war. Religionen haben massgeblich am arroganten Selbstbild des Menschen gefeilt, so dass dieser mit seiner Umgebung und den Tieren darin verfährt, wie mit Eigentum - nicht, dass ihm je eine Urkunde ausgehändigt worden wäre. Menschen erschießen andere Menschen für ihren friedliebenden Gott. Auf solche Götter - oder besser Religionen - kann man getrost verzichten.
Ein weiterer Einwand könnte sein, dass die Bibelschreiber zur Ansicht kamen, dass die Welt nicht schon ewig bestand, sondern irgendwann begann. Also müssen sie ja wohl von Gott darüber informiert worden sein. Aber auch hierfür ist ein Münzwurf adäquat einer göttlichen Eingebung. Denn wieviele Möglichkeiten gibt uns der logische Verstand schon vor: Entweder es existiert schon ewig oder nicht. Die Chance richtig zu raten, liegt bei 50 Prozent.

Wenn Wissenschaftler dann Aussagen treffen, wie die Planetenbewegungen (wer kreist um wen und warum), die Reaktion in chemischen Gemischen, Krankheitsbilder und Therapien und dergleichen mehr, sich dazu aber keine Aussagen in der Bibel finden, so sind dies Nebensächlichkeiten. Obschon viele auch behaupten, dass die Wissenschaft der Kirche beziehungsweise den Klöstern entsprang. Für mich ergibt sich die Frage, wer vor der Wissenschaft für Nebensächlichkeiten zuständig war. Und warum haben Griechen, Römer, ja sogar Ägypter (von denen sich moderne Kalendersysteme ableiten), Babylonier (von denen die Tageseinteilung der 2 x 12 Stunden, zu je 60 Minuten kommt) und Sumerer (die die Schrift erfanden) schon lange vor der Kirche über die Welt nachgedacht? Die moderne wissenschaftliche Suche nach Antworten hat mit dem Glauben nur noch herzlich wenig zu tun. Sie spiegelt sich wieder in prozessierbaren Daten und beobachtbaren Fakten. An Gott kann dabei sehr gern gedacht werden, für die wissenschaftliche Theorie ist er aber vollkommen überflüssig. Ob Gott die Planeten auf ihre Bahn brachte oder nicht, ändert nichts daran, dass sie auf ihren Bahnen sind. Und sollte dieses Ereignis als göttlicher Eingriff tatsächlich stattgefunden haben, ist er per Definition nicht nachvollziehbar, da göttliche Eingriffe prinzipiell nicht reproduzierbar ist. Auch dann finden wir also keinen Gott in der Schöpfung, sondern stetes Nichtwissen.
Und dafür, dass die Bibel sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufhält, ist die Beschreibung der Arche (1. Mose 6:14-17) im Vergleich zur Erschaffung von Himmel und Erde (1. Mose 1:1) überproportional lang. Hesekiels Tempelvision, die den Tempel Gottes beschreibt umfasst 6 Kapitel (Hesekiel 40-45) und verwendet viel Text allein auf die Vermessung dieses eingebildeten Gebäudes mit Vorhof und Innenhalle.

Grundsätzlich werden lediglich jene Wissenschaftler zitiert, die mit irgendeinem Ergebnis oder irgendeiner Aussage die eigenen Ideen stützen, unabhängig und ignorierend, was der Wissenschaftler sonst noch (vielleicht sogar im Kontext der selektierten Aussage) von sich gab oder andere Wissenschaftler von dieser Aussage oder jenem Experiment halten.
Wir können uns natürlich gern fragen, warum es etwas gibt und warum nicht nichts, aber Gott ist nicht mehr als ein vages Bauchgefühl. Es bringt nichts substanzielles zur Erörterung dieser Frage. Es bleibt: Wenn es nichts gebe, gebe es auch niemanden, der sich darüber wundern könnte. Sollte die Wissenschaft aber tatsächlich nur bestätigen, was sowieso schon seit bis zu 3500 Jahren in der Bibel steht, dann gibt es keinen Grund, die Wissenschaft zu befeinden und auch keinen Grund für die führenden christlichen Gruppierungen, die Bibel immer allegorischer auszulegen. Die Schöpfungsgeschichte hat aber zu recht keinen Platz in der Biologie, so wie Dänicken keinen Platz in den Geschichtswissenschaften. Man kann halt nicht einfach festlegen, dass die Bibel die Wahrheit spricht und ihr die methodischen Wissenschaften unterzuordnen sind. Das wäre dogmatisch!

Beim Überfliegen kreationistischer Schreibereien stelle ich aber immer wieder fest, dass bei ausreichender Interpretationsfreiheit und dem Weglassen von Gegenargumenten oder der Verknappung wissenschaftlicher Hypothesen, auf eine passende Aussage, unglaublich viele Schöpfungsmythen "belegbar" sind. Wirft man im Gegenzug besonders dem alttestamentarischen Gott Grausamkeit vor, zum Beispiel der Genozid an Sodom und Gomorra, und fragt warum, oft bis zum Säugling runter, ganze Volksgruppen (mitsamt unbeteiligten Tieren) ausgerottet wurden oder werden sollten (zum Beispiel die Landnahme Kanaans durch Josua), gelangt man schlußendlich wieder nur bei "Gottes Wege sind unergründlich." Freilich hat diese Diskussion nicht mehr viel mit der eigentlichen Debatte um die Herkunft des Lebens zu tun, aber zur Erörterung des Gottes, der das alles gemacht haben soll, tragen solche Fragen schon bei. Man muss dabei aber darauf achten, den Bogen zurück spannen zu können.

Schaut man sich jedoch den Satz aus Verhaltensregeln verschiedener Religionen an, sind diese in den Kernaussagen meist relativ ähnlich. Strafen auf Mord, Ehebruch, ...
Oft sind Aussagen von Kreationisten so generisch, dass es schwer fällt, diese in irgendeine Richtung einzuordnen. Warum aber hat jene Gruppe die Wahrheit, die anderen aber nicht? Und welche Argumente haben diese, die jene nicht auch haben? Wie man es dreht und wendet, es handelt sich doch wieder um einen inneren Zirkel, der alles außerhalb als veraltet, teuflisch oder eben falsch darstellt.
Die eigene heilige Wahrheit steht dem öffentlichen Bild von Wissenschaft gegenüber. Und dieses Bild der Wissenschaft ist nunmal dogmatisch. Es wird nicht hinterfragt, wie die forschenden Personen zu ihren Erkenntnissen kamen und warum sie ihre Schlussfolgerungen zogen. Es ist irrelevant, wie stichhaltig Darwin, Wallace, Haeckel, Gould, Dawkins und all die anderen argumentieren und wie schlagkräftig die Evidenz für ihre Aussagen sind, ihre Ergebnisse widersprechen einfach der heiligen Wahrheit. Und da die Forscher nicht vom unheiligen Weg abweichen und "stur" ihren Abläufen folgen, die ausschließen, was nicht sein darf, sind sie logischerweise dogmatisch.
Ein allwissender, zeitungebundener (daher prophetischer) Gott hätte wissen müssen, dass der Schöpfungsbericht irgendwann einmal auf dem Prüfstand steht und aufgrund seiner knappen Aussagen falsch ausgelegt werden wird (zum Beispiel durch Kurzzeitkreationisten).
Stattdessen geht es den Figuren, die gegen die Evolution oder eine andere unbeliebte Wissenschaft argumentieren nicht vorrangig um Erkenntnis, sondern darum in der Öffentlichkeit den Eindruck einer Debatte zu erwecken, die es im Grunde nur in ihrem Kopf gibt. Immer wieder wirft man mit Versatzstücken irgendwelcher "Forschungen" um sich, in der Hoffnung, die Gegenseite werde irgendwann nachgeben oder es einfach einsehen.

Eine grobe Vorstellung der Größe des Kosmos zeigt auf, dass wir wohl nicht allein sein können und die Entstehung von Leben nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit ist. Zur Sonne bräuchte ein Linienflugzeug 19 Jahre, nonstop, Tag und Nacht. Der nächste Stern (Proxima Centauri) ist in seiner sonnennächsten Konstellation 4,2 Lichtjahre entfernt, was 271.000 mal weiter weg als die Sonne. Das ist quasi unser Nachbar. Die Milchstraße enthält aber nochmal 220.000.000.000 Sterne und misst mehr als das 24.000-fache des Abstandes zu Proxima Centauri. Der Andromedanebel ist sogar 600.000 mal so weit entfernt, wie Proxima Centauri, und gehört dennoch zur "lokalen Gruppe". Warum dieser Name? Weil das eine Gruppe der nächstbesten Galaxien ist und Galaxien gibt es über 150.000.000.000. Wir diskutieren darüber, ob 30 * 10^21 Sterne im sichtbaren Universum und wer weiß was noch im Bereich dahinter, lediglich dazu da sind, uns Gottes Macht zu demonstrieren und dennoch eingeflößt sei, dass der Mensch, eine Spezies unter tausenden auf einer kleinen, blauen Murmel, in irgendeinem Heilsplan einen wichtigen Eckstein einnimmt. Da darf man doch ganz berechtigt seine Zweifel haben. Früher war es sicher die noch unvollständigere Sicht auf die mögliche Größe des Universums, die den Menschen in den Mittelpunkt stellte, da sich ja alles um die Erde zu kreisen schien. Heute spielt vielleicht die Angst um Bedeutungslosigkeit in einer auf Nummern beruhenden Welt mit herein.

Dass ein starres Gottesbild auf Erden existiert, dass nach wie vor seine Anhängerschaft hat, liegt sicherlich auch an der Priesterschaft, die die Gläubigen mit Strafandrohungen von oben dabei hielt, nur den "einen wahren Gott" anzubeten. Man solle sich keinen Götzen hingeben (#2). Das selbstbestimmte Leben, ein wesentlicher Teil der Menschenrechte, die hart, auch gegen den Widerstand der Kirchen, erkämpft wurden, sind Grundpfeiler unserer heutigen Gesellschaft und dies spiegelt sich ebenso in der Wissenschaft wider. Sie ist in kein Korsett gepresst und erforscht frei von Zwängen die Welt um sich herum. Es ist großartig, diesen Prozess mit erleben zu dürfen, auch wenn in der Wissenschaftskommunikation oft das Ergebnis, nicht die Forschung dahinter, im Vordergrund steht.

Es gibt so um die 5000 verehrte Götter, man kann's eh nicht allen recht machen. Die Chance, den falschen zu verehren, nur weil man zufällig in eine bestimmte Kultur geboren wurde, ist also größer als 99,9%. Dann lasse ich jenen letzten als einfache Konsequenz auch einfach weg und kann dennoch ein guter Mensch sein und ein erfülltes Leben führen. Ich muss aber nicht. Wissenschaft macht es ja auch nicht unmöglich zu glauben. Sie macht es nur möglich, nicht glauben zu müssen.

Aber ich kann die Kreationisten und die "Sonntagschristen" nachvollziehen. Sie sind nicht zwangsläufig militant oder dogmatisch oder ungebildet. Ein haufen gläubiger Wissenschaftler (zum Beispiel Harald Lesch, Astrophysiker) widerlegt dieses Bild. Doch das bewusste Loslassen des Glaubens ist ein langwieriger, schmerzhafter Prozess. Ich kann mir vorstellen, dass einen Selbstzweifel plagen und das schlechte Gewissen, die Eltern zu verraten. Auf dem Pfad zur Wahrheit wünscht man sicher mehr als einmal, Gott an seiner Seite. Der Weg vom Glauben zum Zweifel ist offenbar schwer, besonders, wenn man in einer Religion aufgewachsen ist. Das ist absolut nicht böse gemeint. Der "rote Faden" für die Entscheidungen des Lebens soll plötzlich nicht mehr da sein. Der Glaube ist ja real.
Der Weg in die andere Richtung ist deswegen aber nicht leichter. Den Zweifel als Triebkraft des Denkens durch einen Glauben an prinzipiell nicht nachweisbare Dinge zu ersetzen, scheint mir ein Unding. Immerhin studiere ich seit fast 4 Jahren mit Zeugen Jehovas die Bibel. Greifbarer ist es seither nicht geworden.

Um es dennoch bei einem Schlusswort zu belassen, lässt sich folgendes sagen: Dass Kreationisten, die einer 3000 Jahre alten Schrift mehr glauben, als methodisch erworbener Erkenntnis, die sich stetig selbst prüft, eben jener in Form der Evolutionswissenschaften Dogmatismus vorwerfen, lässt Zweifel offen, ob deren Spiegelneuronen korrekt arbeiten.

# 1 - Weitere Indizien, die für die Ansicht einer Flachen Erde stehen

Die dreitägige Finsternis der 9. Plage (2. Mose 10-20:23) und die stillstehende Sonne zu Gibeon (Josua 10:12-13). Beides verlangt entweder das Stoppen oder Hinwegbewegen der Gestirne oder dem Stoppen des Drehimpulses der Erde. Bei einer statischen Erde mit einer den Sternen zugewandten und einer angewandten Seite (was auch immer dann zu sehen wäre) ist die austretende Wärmeenergie, die durch den Energieerhaltungssatzes durch die Umwandlung der Bewegungsenergie entsteht, weniger relevant, als die ebenfalls austretende Wärmeenergie durch die Umwandlung der Bewegungsenergie aus dem Drehimpuls der Erde.
Wenn die Erde gestoppt wird kann man die umzuwandelnde Energie errechnen. Die Masse der Erde ist bekannt und ihre mittlere Drehgeschwindigkeit auch.

Die kinetische Energie der Drehbewegung der Erde errechnet sich aus ihrer Translationsenergie (E trans) addiert zur Rotationsenergie (E rot).

Die Rotationsenergie ergibt sich wie folgt: E rot = 1/2 * 2/5 * mr² * w²
Die Translationsenergie ergibt sich wie folgt: E trans = 1/2 mv²

In Summe: E kin = 1/2 mv² + 1/2 * 2/5 mr² * w²

Das sieht komplizierter aus, als es ist. Die Winkelgeschwindigkeit w² entspricht v²/r². Das können wir einsetzen und danach die Formel einkürzen.

E kin = 1/2 mv² + 1/2 * 2/5 mr² * v²/r²

r² kürzt sich raus.

E kin = 1/2 mv² + 1/2 * 2/5 mv²
E kin = 5/10 mv² + 2/10 mv²
E kin = 7/10 mv²

Die Rotationsgeschwindigkeit der Erde lässt sich errechnen aus der Zeit, die eine Drehung um die eigene Achse dauert und der Strecke, die am Äquator zurückgelegt wird, dessen Umfang aus der Formel U = 2 Pi * r zu errechnen ist. Der Erdradius ist dabei 6371 km. Wir kommen daher auf 1667,924 km/h beziehungsweise 463,312 m/s.
Die Masse der Erde beträgt 5,9722 * 10^24 kg (5,97 Trilliarden Tonnen).
Setzen wir diese Werte nun in obige Formel E kin = 7/10 mv² ein, ist das Ergebnis: 897386,395 * 10^24 kg * m²/s².

Die Einheit kg * m²/s² ist aber sehr umständlich, also ersetzen wir auch diese.
kg * m/s = N (Newton, Kraft)
kg * m²/s² = J (Joule, Energie)
kg * m²/s³ = W (Watt, Leistung)
Demnach haben wir knapp 900 * 10^27 J. Das entspricht umgerechnet etwa der Leistung von 128 Trilliarden Cerankochfeldern (ca. 7000 Watt). Und das wiederum sind auf jeden der 510.064.471.909.788,275 m² (A = 4r² Pi) je 250.948.668 Cerankochfelder Leistung.
Der Vergleich mit Kochgerätschaften ist nicht von ungefähr: Tatsächlich wird die Erde Impulsänderungen durch den Energieerhaltungssatz in Wärmeenergie umwandeln. Die Erdkruste würde verdampfen, mitsamt den armen Lebewesen darauf.

#2 - Wobei eigentlich auch Kreuze, Marienbildnisse oder Heiligenverehrung Götzenkult ist. (siehe 2. Mose 20:4, 5; Jeremia 10:3-5)
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 28. Mär 2018, 18:46

Grundsatzartikel: Zu viele Explosionen - Über die Probleme bei der Vermittlung von Wissenschaft

Chemie scheint im öffentlichen Bild lediglich auf die Frage beschränkt, mit welcher Mischung man den lautesten Rums mit den grellsten Farben machen kann.
Wir haben die letzten 300 Jahre im wesentlichen damit verbracht, Dinge in die Luft zu jagen.
- Andrea Sella, Chemiker, Wissenschaftskommunikator

Natürlich möchte man auch in der als langweilig und öde verschrienen Chemie um die Gunst der Laien werben, aber wenn Wissenschaftsvermittlung bei Explosionen stehen bleibt, verzerrt dies das Bild der dahinterstehenden Wissenschaft, die in den letzten 300 Jahren wesentlich zum modernen Weltbild beigetragen. Ohne Chemie kein Verbrennungsmotor, keine Konserven, kein Porzellan. Bereits durch die Erstnennung des Verbrennungsmotors zeige auch ich, dass Explosionen irgendwie das Zerrbild bestimmen. Chemie ist aber auch immer verknüpft mit den "großen Fragen". Wie entstand das Leben? Was passiert im Inneren der Sterne?

In dem folgenden Video beginnt auch der zitierte Andrea Sella mit einer Explosion, nutzt diese aber als Aufhänger, um das grundlegende Problem bei der öffentlichen Darstellung der Chemie anzusprechen.



Viele astronomische Fragen sind immer auch Fragen der Chemie. Wenn wir also nach extraterrestrischen Lebewesen suchen und die Ergebnisse der Viking-Sonden vom Mars analysieren, betreiben wir Chemie. Wenn wir wissen wollen, was Leben ist und wie es entsteht (oder entstanden ist), werden wir ohne Chemie nicht weiter kommen. Und wieder zeigt sich, dass Wissenschaften nicht hermetisch von einander getrennt sind. Chemie zeigt uns die Verbindung zwischen der belebten und unbelebten Materie, wie Sella erklärt. Sie bildet eine Brücke zwischen Physik und Biologie.


Nontrivial Subfield - Nichttriviale Unterrubrik

Das Wort "Chemie" ist aber zu einem Schimpfwort geworden. Nur Dinge "ohne Chemie" sind gut, gesund und menschenfreundlich. Wenn irgendwo "Chemie drin ist", dann sollte man besser die Finger davon lassen.
Chemie in der Schule besteht aus dem Auswendiglernen des Periodensystems und dem hantieren von Formeln. Zu selten geht es um die Geschichte dahinter, zu selten um die Bedeutung für uns. Chemie hat heute ein Nischendasein in der Öffentlichkeit. Es ist dieser Zahlenwust neben der Astronomie und der Teilchenphysik. Und da es kaum populärwissenschaftliche Bücher über diese Nische gibt, wie in den genannten Bereichen, wird sich vorerst nichts dran ändern. Jedesmal wenn ich irgendwo auf die Chemie stoße - zum Beispiel bei der Recherche zu astrobiologischen Themen, wo die Chemie natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle spielt - ärgere ich mich enorm, dass ich so wenig davon verstehe. Für ein Studium all der Fachbücher fehlt mir die Zeit. Es fehlt eben an populärwissenschaftlichen Informationsquellen, wie in anderen Disziplinen.

Chemie ist zum Beispiel äußerst wichtig für die Entwicklung von Medikamenten. Verdeutlichen will ich dies an Impfstoffen und Heilmitteln gegen Hebatitis.
Hepatitis ist ganz allgemein eine Erkrankung der Leber. Es gibt bakterielle Krankheiten, aber am häufigsten kommen Virusinfektionen vor.

Viren kurz erklärt: Viren sind sehr viel kleiner als Bakterien. Im Gegensatz zu Bakterien sind Viren sehr wahrscheinlich nicht lebendig. Es sind nur Moleküle (DNA/RNA in einer Proteinhülle), die so angeordnet sind dass sie in eine Zelle eindringen und diese dazu bringen, Kopien des Virus anzufertigen. Dabei überlebt die Zelle in der Regel nicht. Um die Viren selbst zu zerstören, gibt es bisher kein Mittel.

Man unterscheidet bei Hepatitisviren zwischen A, B, C, D, E.

A und B sind akute Krankheiten, für die es jedoch Impfstoffe gibt. D kommt nur vor, wenn B ausgebrochen ist, kann also durch Impfung verhindert werden. E kommt selten vor. Seit 2012 wird hierfür in China ein neuer Impfstoff gestest.
Bleibt Hepatitis C, der als sehr gefährlich gilt. Hierfür gab und gibt es keine Impfung. Die Krankheit ist chronisch. Bis zu 170 Millionen Menschen weltweit tragen die Viren in sich. Nach 15 bis 30 Jahren ist die Leber so geschädigt, dass sie sich nicht mehr erholen kann (Leberzirrhose), oder es entsteht Leberkrebs.
2013 wurden Studien für einen neuen Wirkstoff, Sofosbuvir, durchgeführt. Zusammen mit dem bereits vorhandenen Ribavirin konnten die Viren weitgehend nebenwirkungsfrei in 12-24 Wochen um bis zu 90% reduziert werden. Es wird inzwischen daran geforscht, Ribavirin durch andere Stoffe zu ersetzen, die noch besser wirken.
Wie funktioniert das? Sowohl Sofosbuvir als auch Ribavirin sind Virostatika, dass heißt sie verhindern, dass sich der Virus weiter verbreitet. Beide wirken so: Das Virus dringt zwar in die Zelle ein, aber der Prozess, der die neuen Viruskomponenten aufbauen (synthetisieren) soll, wird durch die Medikamentenwirkstoffe gestört. Beim Hepatitis C Virus ist das NS5B Protein dafür verantwortlich, die RNA des Virus zu kopieren. Sofosbovir wirkt als fehlerbehafteter Baustoff und blockiert das NS5B. Der Virus wird nicht weiter kopiert.
Sofosbuvir ist über ein beschleunigtes Zulassungsverfahren seit Januar 2014 in Deutschland zulässig, seit Mai 2017 der ganz neue Wirkstoff Simeprevir. Später kommen vermutlich noch weitere hinzu. Je nach Variante (Genotyp) des Virus stehen dann verschiedene Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung. Möglicherweise wird es jetzt möglich sein, das Virus endlich zu besiegen.

Für viele Menschen sind Wissenschaften aber generell unverständlich oder auf das Ergebnis beschränkt. Es muss aber nicht einmal das Fachchinesisch sein, dass für Verwirrung sorgt. Wie einst schon erwähnt, reicht auch der einfache Begriff "Theorie" aus um unwissend oder mutwillig durch Falschinterpretation die falschen Schlüsse zur Untermauerung seines Glaubenshauses zu verwenden.

Die Theorie ist eine Vorstellung, die man hat und die noch zu beweisen ist. In der Praxis beweist sich diese Theorie dann im täglichen Leben. Richtig?
Wenn eine Theorie nicht bewiesen oder sie nicht geeignet ist zur praktischen Umsetzung, dann wird sie häufig grau. Sie ist farblos, leblos, ein reines Gedankenkonstrukt, das man nicht umsetzen kann. Die Wikipedia hat dazu eine schöne Definition:
Eine Theorie ist ein System von Aussagen, das dazu dient, Ausschnitte der Realität zu beschreiben beziehungsweise zu erklären und Prognosen über die Zukunft zu erstellen.

So verwenden Kreationisten beispielsweise den Begriff nicht, um die Evolutionstheorie in Misskredit zu bringen. Sie sei eine Theorie und durch nichts zu beweisen, weshalb sie ja eben nur eine Theorie sei. Oft ergänzt um die Unfehlbarkeit der jeweils hochgehaltenen Heiligen Schriften.
Viele, deren Wissen über Wissenschaftstheorie im Bereich einer Nulllinie liegt, nicken dann und sagen: "Das klingt logisch."
Mein Wissen liegt selbst nur knapp oberhalb dieser gedanklichen Linie. Ich bin kein Wissenschaftler, war nie auf einer Universität. Ich habe mir alles angelesen, habe daraus selber Schlüsse gezogen und bin mir bewusst, dass ich viele Lücken habe.
Allerdings brauche ich nur einen Satz um den Unterschied in der Definition des Wortes "Theorie" klar zu machen: Die wissenschaftliche Theorie unterliegt ständiger, öffentlicher Prüfung. Theorien, die als etabliert gelten, sind durch so viele Bestätigungen abgesichert und immer und immer wieder von den verschiedensten Menschen geprüft worden, dass sie als gesichert gelten können.

Viel zu selten kommt in der breiten Allgemeinheit an, wie wissenschaftliche Daten erarbeitet werden, worauf sich Theorien begründen.

Es geht nicht um Indoktrination, wenn beispielsweise die Evolutionstheorie in Schulen gelehrt wird, sondern um die naturalistische Antwort auf die Frage, wo Leben her kommt und wie es das wurde, was wir heute sehen. Indoktrinieren muss nur, wer seine wahren Absichten verschleiert. Was verschleiern also Wissenschaftler, Professoren und Lehrer? Und warum?

Weitere Literatur:
Warum die klügsten Köpfe Deutschland verlassen
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article126487997/Warum-die-besten-Koepfe-Deutschland-verlassen.html
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 29. Mär 2018, 23:17

Die Wichtigkeit von Grundlagenforschung - Astronomie in der Augenklinik

Astronomie ist ja zu nichts gut. Ich hatte das schon einmal von einem Freund gehört, der sinngemäß sagte: "Was kümmern mich die Sterne, wenn mein Leben doch hier unten statt findet? Alles was ich wissen muss, findet sich hier?" Ein Bericht aus dem Jahr 2014 widerlegt diese These. Auch wenn Astronomie sich unglaublich weit entfernten Objekten beschäftigt, können Teile der Forschung ganz alltäglich werden.

In der Augenklinik in Maastricht muss man oft sehr komplizierte Operationen durchführen. Um den Patienten bei einer Retina-Ablösung das Augenlicht erhalten zu können, muss sehr schnell eine bestimmte Operation durchgeführt werden, bei der auf Millimeterbruchteile genau gearbeitet werden muss. Das geht nur mit entsprechenden Mikroskopen, die den Ärzten vernünftige Bilder liefern. Bilder, die das zu operierende Auge klar und deutlich zeigen und nicht ständig hin und her wackeln. Aber das taten sie bisher immer. Man hatte in Maastricht sogar eine Bremsschwelle von der Straße vor dem Krankenhaus entfernt um Erschütterungen durch die vorbeifahrenden Autos zu vermeiden. Aber das half nicht. Das ganze Gebäude vibrierte immer noch und schuld war der Wind, der gegen die Fassade des Krankenhauses bläst. Die Vibrationen waren zwar 100 Mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares – aber das war immer noch stark genug um das Bild im Mikroskop zu verwackeln. Und der Wind lässt sich leider kaum abstellen.

Die Ärzte brauchten ein ruhiges Bild um zu operieren, aber sie bekamen keines. Und wer braucht noch ein ruhiges Bild von den Dingen für seine Arbeit? Genau - die Astronomen! Wenn man mit einem Teleskop den Himmel beobachtet, dann darf das auch nicht wackeln sondern muss ruhig und exakt auf einen Stern gerichtet werden. Je ruhiger das Bild, desto besser die Ergebnisse. Und besonders gute Ergebnisse wollte man mit dem Weltraumteleskop Darwin bekommen. Das sollte eigentlich 2015 den Betrieb aufnehmen und hätte aus einer Flotte kleiner Satelliten bestanden, die zusammengeschaltet werden können um die Atmosphären von extrasolaren Planeten zu untersuchen und dort vielleicht Anzeichen von Leben zu finden. Dazu braucht man natürlich sehr exakte Messungen und muss die Teleskope sehr exakt und stabil ausrichten. Darwin selbst wurde 2007 eingestellt. Aber die technischen Studien und Prototypen, die man bis dahin gemacht hatte, waren nicht umsonst. Denn die Stabilisationsmethode, mit der man ursprünglich nach extrasolaren Planeten suchen wollte, hilft heute den Ärzten in Maastricht, ihren Patienten das Augenlicht zu erhalten.

Das Gerät heißt "Hummingbird" (Kolibri) und wurde im Rahmen des Technology Transfer Network der Europäischen Weltraumagentur ESA aus der Astronomie in die Medizin übergeführt. Professor Carroll Webers von der Maastrichter Augenklinik ist begeistert und Krankenhäuser in anderen Ländern sind ebenfalls an dieser Technik interessiert.

Man sollte die astronomische Forschung nicht über ihre Spin-Offs rechtfertigen. Man betreibt Astronomie, weil man mehr über das Universum herausfinden wollen und nicht, um Augenoperationen zu erleichtern. Aber wenn man mehr über das Universum herausfindet, dann lernt man dabei zwangsläufig auch immer etwas, das sich auf unser Alltagsleben auswirkt. Je mehr wir wissen, desto mehr Möglichkeiten haben wir. Man darf nur nicht den Fehler machen und glauben, man könnte gezielt in eine Richtung forschen. Die Ärzte aus Maastricht haben die Lösung für ihr Problem in der Astronomie gefunden. Das nächste Mal ist es vielleicht die Teilchenphysik, die Zoologie oder die Mathematik der Primzahlen. Das kann man vorher nicht wissen. Und genau deswegen ist die Grundlagenforschung so fundamental wichtig!
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 1. Apr 2018, 18:43

Perfektion? - Aus Fehlern wird man klug! - Teil 1: Das menschliche Auge und EHEC im Lichte der Evolutionsforschung

Oft ist einer nicht genug. Statistisch sollten also jene am klügsten sein, die die meisten Fehler gemacht haben. Zumindest - und das ist wohl korrekter formuliert - sollten wir uns in bestimmten Situationen um so besser verhalten, je mehr Fehler wir bisher gemacht haben.
Evolutionsbiologisch haben Fehler jedoch eine ganz andere Bedeutung: Sie sind notwendig.
When we no longer look at an organic being as a savage looks at a ship, as at something wholly beyond his comprehension; when we regard every production of nature as one which has had a history; when we contemplate every complex structure and instinct as the summing up of many contrivances, each useful to the possessor, nearly in the same way as when we look at any great mechanical invention as the summing up of the labour, the experience, the reason, and even the blunders of numerous workmen; when we thus view each organic being, how far more interesting, I speak from experience, will the study of natural history become!
- Charles Darwin: On the Origin of Species, 1856

Übersetzung des letzten Teils nach H. G. Bronn, 1867: "(...) wenn wir jede “grosse mechanische Erfindung als das Product der vereinten Arbeit, Erfahrung, Beurtheilung und selbst Fehler zahlreicher Arbeiter ansehen, wenn wir jedes organische Wesen auf diese Weise betrachten: wie viel ansprechender (ich rede aus Erfahrung) wird das Studium der Naturgeschichte werden!"

Großartiger Gedanke: Die Summe all dessen, was heutige Lebewesen ausmacht, ist auch die Summe all der Fehler, die dazu geführt haben.


Topographische Bilder von Kolonien von E. coli O157:H7 (A) 43895OW (nicht curli-produzierend) und (B) 43895OR (curli-produzierend) auf Agar (48 h bei 28 °C)


Bei Diskussionen mit Kreationisten tauchen immer wieder die gleichen Argumente auf. Ein sehr beliebtes ist das menschliche Auge. Zu Darwins Zeiten wirkte es so perfekt, dass es unmöglich natürlich entstanden sein konnte. Deshalb wurde es gerne als Beispiel dafür aufgeführt, dass doch ein Designer hinter dem Auge stecken müsste. Doch dann stellte sich heraus, dass all die Übergangsformen, die zu dem heutigen Auge geführt haben könnten (Augen mit anderen Linsen, Augen ohne Linsen, Augen ohne Iris, Augen ohne Glaskörper, Augen ohne Netzhaut, und Augen ohne Hohlraum, um nur einige Fälle zu nennen), immer noch in anderen Tieren existierten. Es geht also doch, unperfekt zu sehen.
Dabei ist auch unser Auge alles andere als perfekt. Blutgefäße laufen auf der Netzhaut entlang, was die Sichtqualität einschränken und bei möglichen Verletzungen der Gefäße zu extremer Sehschwäche führen kann. Aber nicht nur Blutgefäße, sondern auch alle möglichen Arten von Zellen liegen zwischen dem einfallenden Licht und der Netzhaut. Ganglienzellen, Amakrinzellen, und andere Nervenzellen müssen erst überwunden werden bevor das Licht registriert wird, denn beim Menschen und anderen Wirbeltieren liegen die Photorezeptoren dahinter (nicht wie zum Beispiel bei Kraken vor den Nervenzellen, siehe Abbildung).
Das führt zu einem nächsten Fehler: den blinden Fleck - es gibt tatsächlich einen Bereich, bei dem wir gar nichts sehen. Bedenkt man dann noch, dass das Bild was wir sehen eigentlich auf dem Kopf steht und erst unser Gehirn es wieder richtig dreht, dann fällt es einem schwer noch von Perfektion zu reden.

Schematische Darstellung eines Auges vom Menschen (links) und eines Kraken (rechts). 4 ist der nur beim Menschen zu findende Blinde Fleck, 1 die Netzhaut und 2 die Nervenfasern. (1 und 2 sind bei dieser von Wikipedia stammenden Illustration beim Kraken vertauscht.)

Fehler wie beim Auge lassen sich aber erklären, wenn man nachverfolgt, wie sich das Auge evolutionsbiologisch wahrscheinlich entwickelt hat. Eine Anpassung kann schließlich nur auf Vorhandenem aufbauen. Um einen vorherigen Fehler wieder gut zu machen, ist es unendlich viel schwieriger, alles noch einmal zu wiederholen. Einfacher ist es den Fehler zu reparieren, wie zum Beispiel das Tapetum lucidum das bei nachtaktiven Tieren getan hat (das Tapetum ist der Grund für die bunten Augen von Hunden und Katzen auf Fotos). Damit möglichst viele Informationen aus dem einfallenden Licht gewonnen werden können, wird hinter der Netzhaut das Licht einfach reflektiert und noch einmal durch alle Photozellen geleitet. Das Tapetum ist dabei aber lediglich eine Ergänzung. Der umständliche Weg zur Netzhaut bleibt bestehen.
Fehler sind vielleicht überall in der natürlichen Welt zu finden, aber warum sind sie in der Evolution sogar notwendig?

Die vielleicht simpelste Form eines Fehlers ist der Lesefehler. DNA wird von Enzymen abgelesen, den sogenannten DNA Polymerasen, die ab und zu die falschen Nukleotide in die kopierte DNA einbauen. Schlimmer noch, es könnten auch zu viele oder zu wenige Basenpaare hinzugefügt werden. Das ergäbe nicht nur einen kleinen, vielleicht sogar vernachlässigbaren Fehler, sondern verändert die ganze nachfolgende Bedeutung eines Gens. Beispielhaft könnte man sagen, dass der Satz “Wieviel Holz fällt ein Holzfäller?” durch einfügen eines zufälligen neuen Buchstabens zu “Wieviet Lhol zfäll tei Nholzfälle r?” Bei dem genetischen Rezept für rote Blutkörperchen zum Beispiel wäre es fatal, wenn hinterher nicht das herauskommt, was eigentlich soll (Einem Holzfäller könnte dann nämlich schnell die Puste ausgehen.) All solche Fehler werden in der Regel durch andere Enzyme ausgebessert, aber manchmal entgeht selbst diesen molekularen Polizisten der eine oder andere Patzer. Das ist die Geburtsstunde einer Mutation. Ist die Mutation erst einmal in der DNA drin, wird sie von einer Zellgeneration zur nächsten weiter gegeben. Entstehen solche Mutationen in Zellen, aus denen Geschlechtszellen werden, können die Mutationen auch an Nachkommen dieser Mutationsträger weiter gegeben werden. So funktioniert schon ein wesentlicher Bestandteil evolutionärer Prozesse - und zwar nur wegen einem "kleinen" Lesefehler.

Aber damit nicht genug. Passiert dieser kleine Fehler in einem Gen, das eigentlich die Enzyme produziert, die die DNA-Replikation auf Fehler kontrollieren sollen, können sich Fehler erstaunlich schnell anhäufen. In vielen Fällen entstehen so Krebsgeschwüre. Über evolutionsbiologisch relevante Zeiträume allerdings bedeutet das eine erstaunliche Möglichkeit für Veränderungen im Erbgut von Lebewesen. Relevant wird so ein Fehler dann, wenn entsprechend starker Selektionsdruck auf einem Individuum lastet. Escherichia coli (momentan besser bekannt als EHEC) zum Beispiel ist ein Bakterium, welches in vielen Fällen mit Antibiotika bekämpft wird. Viel stärkeren Druck kann so ein Lebewesen gar nicht haben. Für das Bakterium geht es um Leben und Tod. Entwickelt es nun eine hohe Vielfalt an Mutationen, erhöht sich die Chance dass irgendetwas dabei rum kommt, was doch etwas resistenter ist. Bei einem Genom von ca. 4 Millionen Basenpaaren und einer geschätzten Mutationsrate von einem Fehler pro einer Milliarde Nukleotiden, bedeutet das, dass ungefähr 1% aller neuen E. coli-Bakterien eine Mutation haben, die sie von ihrer "Mutter" abheben. So klein die Zahlen erscheinen, bei Zellen die sich alle paar Stunden vermehren, entwickeln sich so schnell neue Varianten.

Das Leben ist also eine Reihe erfolgreicher Fehler.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 3. Apr 2018, 21:44

Perfektion? - Aus Fehlern wird man klug! - Teil 2: Was beta-globin über Artverwandtschaften verrät

Fehler sind aber nicht nur einer der Hauptmotoren der Evolution, gleichzeitig sind sie auch ein unheimlich wertvolles Werkzeug für Evolutionsbiologen, um der Verwandtschaft von Arten auf die Schliche zu kommen. Haben unterschiedliche Arten die gleichen "Fehler" in ihrer DNA, ist es wahrscheinlich, dass sie auch den gleichen Vorfahren haben (wie in Vitamin C - Fehlende Synthetisierung als Selektionsvorteil bereits erläutert). Genauso wie zwei Schüler wahrscheinlich voneinander (oder von einer gleichen Quelle) abgeschrieben haben, wenn sie die gleichen Wörter irgendwo gleich falsch geschrieben haben, lässt sich mit Hilfe von Fehlern in der DNA der Ursprung eines Fehlers bestimmen. Ein klassisches Beispiel ist Hämoglobin. Nicht nur Holzfäller sind auf den Sauerstofftransport im Blut angewiesen, und ohne Hämoglobin, der rote Farbstoff in unseren Venen und Arterien, kommt Sauerstoff nicht dort an, wo er gebraucht wird. Das Protein beta-globin ist dabei ein wesentlicher Bestandteil. Fünf Gene kodieren dafür, dass es produziert wird. Schaut man aber genauer, findet man noch ein weiteres, ein sechstes Gen inmitten der anderen fünf, das auf Grund von Fehlern schlicht gar nichts mehr produziert. Hier handelt es sich nicht um einen kleinen Fehler von einem verwechselten Basenpaar, sondern um viele Fehler - darunter vertauschte Basenpaare, die nun für andere Aminosäuren kodieren, und gelöschte Basen, durch die der nachfolgende Strang völlig seine ursprüngliche Bedeutung verliert. Ansonsten ist dieses sechste Gen so wie seine anderen fünf funktionsfähigen "Brüder" aufgebaut.


Struktur des HBB-Proteins (Bestandteil des β-Globin)


Nun, jeder einzige dieser Fehler findet sich aber nicht nur beim Menschen, sondern auch noch woanders ... in Schimpansen und Gorillas ist dieses Gen genauso fehlerhaft vorhanden wie bei uns. Die einfachste - und wahrscheinlichste - Erklärung dafür ist, dass wir alle einen gemeinsamen Vorfahren hatten, der auch nicht unbedingt ein völlig funktionsfähiges sechstes beta-globin Gen hat. So kann man an Hand von Fehlern in unserer DNA Schlüsse über Verwandtschaft ziehen. Und DNA hat noch weit mehr Gene, die alle Fragmente von längst vergessenen Fehlern beinhalten.

Mutationen zu kriegen ist einfach, wir alle kommen mit einer auf die Welt. Viel schwieriger ist es, welche zu bekommen, die uns auch gleich einen Vorteil bieten, denn im Großteil der Fälle führen sie eher zu Problemen. Doch ohne sie gäbe es nicht so viel Vielfalt in der Welt. Ohne Fehler würde Selektion nicht stattfinden können.

Sollten wir nun möglichst viele Fehler machen? Nein. Den irrsinnigen Gedanken, ein evolutionsbiologisches Konzept, dass auf die Artentwicklung über hunderte, ja tausende Generationen stattfindet, auf einzelne Individuen in sozialen Strukturen anzuwenden ist Blödsinn. Individuen evolvieren nicht! Daher funktioniert auch kein Sozialdarwinismus, der so wenig Darwinismus ist, wie Koalabären echte Bären sind.
So viele Fehler wie möglich zu machen, um am Ende irgendwas positives zu erhalten ist, kurz gesagt, dumm. Man bedenke nur, dass viele Fehler in Sackgassen führen. Auch in der Natur. Und mancher Fehler lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Selbstverständlich kann ein solches Konzept in Schulen aber angewandt werden, um die Schüler durch Fehler selbst auf Problemlösungen aufmerksam zu machen. Aus Fehlern kann man also dennoch klug werden.

Positive Mutationen in einem Genom sind aber etwa so selten wie sechs Richtige im Lotto (mit Zusatzzahl). Ein Fehler, der uns Lernwillige zu einer einfacheren, besseren Lösung eines Problems verhilft, kommt da schon wesentlich häufiger vor. Unser größter Vorteil ist, dass wir dem nachhelfen können, indem wir bewusst mit Fehlern umgehen, und nicht um jeden Preis versuchen, sie zu verhindern. Denn dabei lernen wir ganz sicher nichts.

Das menschliche Leben ist also die positive Ausbeute aus einer Reihe von erfolgreichen Fehlern.

Weitere Informationen:

A molecular and evolutionary study of the beta-globin gene family of the Australian marsupial Sminthopsis crassicaudata.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8752008

Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 15. Apr 2018, 23:03

Rezension: Fragen junger Leute: Schöpfung oder Evolution?

Auf der Webseite jw.org gibt es eine Rubrik Teenager, in der speziell auf Jugendliche zugeschnitte Artikel, Ratschläge und Videos veröffentlicht werden. Thematisch sortiert geht er auf zahlreiche Lebensbereiche ein, so zum Beispiel "Schule", wo natürlich auch die Evolutionstheorie aufgegriffen wird. In 4 aufeinanderfolgenden Artikeln werden folgende Fragen erörtert: Was spricht für einen Glauben an Gott? Was spricht gegen die Evolution? Was spricht für die Schöpfung? Wie kann ich erklären, warum ich an die Schöpfung glaube?
Wie unschwer zu erkennen ist, sind die Fragen bereits tendenziös gestellt und zeigen bereits vorab, in welche Richtung es gehen muss. Wohin denn auch sonst? Sind Zeugen Jehovas doch von der Schöpfung durch einen allmächtigen Gott überzeugt.

Schöpfung oder Evolution? - Teil 1: Was spricht für den Glauben an Gott?

Die einleitenden Sätze implizieren eine Übermacht der Evolutionsgläubigen, die es laut dem Eintrag "Das Vorrücken der Kreationisten" und den hießigen Fußnoten nicht gibt (#1, #2, #3). Richtig ist, dass auf beiden Seiten viel nachgeplappert wird, ohne selbst zu reflektieren oder recherchieren.



Laut Römer 12:1 soll der eigene Verstand gebraucht werden, um nicht einfach den Glauben der Eltern oder des Umfelds zu übernehmen oder einem Bauchgefühl zu folgen. Grundsätzlich kann ich diese Aussage nur unterstützen, da eigenes Denken und kritisches Hinterfragen voranbringt. Allerdings formt ein jeder seine Umgebung, so wie er von ihr geformt wird. Eine gänzlich unabhängige Meinung wird also niemand ausformen. Schon der Eunuch in Apostelgeschichte 8:26 - 40 antwortet auf die Frage des Philippus, ob er die Worte der heiligen Schriftrollen verstehe: "Wie könnte ich es denn je, wenn mich nicht jemand anleitet?" (Apostelgeschichte 8:31). Und da ist die Krux, denn um einem Glaubensmodell zu folgen, bin ich faktisch gezwungen, bestimmte Glaubenssätze einfach anzunehmen, um überhaupt innerhalb der Glaubensgemeinschaft aufgenommen zu werden. Freiheitliches Denken ist also von Vornherein nur eingeschränkt möglich. In der Wissenschaft könnte ich dagegen jeden Schritt des Erkenntnisgewinns nachvollziehen und selbst meine Schlüsse ziehen. In der Bibel stoppt man spätestens bei den Wundern, da diese auch in der Ewigkeit nicht zu beweisen sind, da sie per Definition den naturwissenschaftlichen Kenntnissen widersprechen und in der Regel einmalig auftraten. Hier ist Glauben unabdingbar, ja sogar zu gewissen Teilen nicht anders möglich als blind. Hier ist Glauben synomym mit "nicht zweifeln dürfen".

Bei einem dicken Buch, wie der Bibel oder aber bei einer so umfangreichen Theorie, wie der die die Evolution beschreibt, ist es eigentlich auch nicht zu erwarten, dass man ganz ohne Erklärung von außen, selbst alle Verknüpfungen legen kann.

Da der Glaube an eine Schöpfung (ein eben solch übernatürliches Wunder) unmittelbar an einen Glauben an Gott geknüpft ist, soll man erstmal das dort hinterlegte Arbeitsblatt "Darum glaube ich an Gott ..." (PDF) durcharbeiten, um mit den vorgefertigten und zielgerichteten Fragen zu einer "unabhängigen" Überzeugung zu gelangen. Alle dort verlinkten Bibelstellen sind wieder poetische Fassungen des kosmologischen Gottesbeweises, der Gott voraussetzt, aber nicht durch Logikschlüsse "beweist". Die Aussagen der Jugendlichen sind dann eigentlich nur noch eine Fortsetzung der Bibeltexte.

Der Trugschluss, dass die mathematische Präzision die Zufälligkeit der Evolution ausschließe, wie der zitierte Anthony behauptet, baut darauf auf, Wissenschaften getrennt zu betrachten. Aber alles baut aufeinander auf. Mathematik stellt das Grundgerüst der Physik, der Beschreibung der Energiezustände und der Kräfte. Diese ist wiederrum Grundlage aller chemischen Prozesse. Biologie ist aber wiederum ein Teilbereich der organischen Chemie. Wenn also das Universum so mathematisch präzise ist, so ist die Evolutionsbiologie ein zwangsläufiges Ereignis und kein Wunder. Ein schöpferischer Akt wird nur in einem Universum benötigt, das offenbar nicht für Leben ausgerichtet ist.

Der Verweis, dass viele intelligente Leute an Gott und die Schöpfung glauben, soll die eigene Überzeugung stärken, in der völligen Verkennung, dass die Mehrheit der sachkundigen Wissenschaftler eben doch die Evolutionstheorie als Erklärungsmodell bevorzugen und durch teils selbst erarbeitete Erkenntnisse bestätigt sehen. Schlussendlich ist die Frage nach Gott höchst persönlich und wenig empirisch oder evidenzbasiert. Denn die Frage, wie viele Forscher auch an Gott glauben, ist so aussagekräftig, wie die Zahl der Ärzte, die wissen, dass Rauchen schädlich ist und dennoch rauchen.

Ein anderer Verweis zeigt auf, dass Leben immer nur aus Leben entsteht und für diese spontane, zufällige Entstehung kein Nachweis vorliegt. Für das Eingreifen eines Gottes zwar auch nicht, aber das müssen wir mit dem Vermerk auf den Glauben ignorieren. Chemiker und Biologen stehen tatsächlich vor dem Rätsel, wie Leben aus unbelebter Materie wurde (Abiogenese). Das heißt aber nicht, dass das Rätsel nicht lösbar wäre. Aus der Frage, warum Leid existiert, wenn Gott doch gütig ist, ein Bibelstudium zu beginnen, würde zumindest bei mir verfangen, da das Leid auf Erden auch ohne Gott erklärbar ist, da wir nunmal nicht auf einer menschgemachten Welt leben, sondern einem tektonisch aktiven Steinklumpen.

Teil 2: Was spricht gegen die Evolution?

Lehrer sind Menschen und unterliegen dem gewöhnlichen Durchschnitt. In den USA glauben die meisten Menschen an die Schöpfung, so eben auch die Lehrer. Eigentlich ein exzellentes Beispiel für Selektion: Denn Lehrer denken nicht anders als die Schulgemeinde, da Lehrer mit unliebsamen Ansichten im amerikanischen Schulsystem von gewählten Schulräten schnell eliminiert werden. Denn auch hier gibt es ebenso viele strikte Kreationisten wie draußen in der Bevölkerung: Vier von zehn Lehrern lehnen die Evolutionslehre ab. Sie müssen sie aber lehren, da die Schulbehörden staatlich organisiert sind. Doch die eigentliche Tragik ist, dass die verbleibenden 60 Prozent oft schon aus Unsicherheit, meist aber vor allem aus Angst vor dem Druck der Eltern das Thema Evolution im Biologieunterricht meist so schwammig präsentieren, dass den Schülern nur der Eindruck bleiben kann, es handele sich hier um etwas, das eher einer Meinung als einer wissenschaftlichen geprüften Theorie entspricht. Sie wird in den allerwenigsten Fällen als Fakt präsentiert - was ebenso falsch wäre - sondern von denen, die ein kreationistisches Weltbild vertreten, als Aufzwängen als solch ein Fakt empfunden.


Schematisch vereinfachte, aber in diesem Sinne fehlerhafte Darstellung der Entwicklung des Menschen auf affenähnlichen Vorfahren.

Daraufhin wird auf die Uneinigkeit in der Wissenschaftgemeinde bezüglich der Evolution verwiesen, obwohl sie schon seit Jahrzehnten erforscht wird. Es gibt trotzdem keine einheitliche Fassung, der alle zustimmen. Das sieht aber nur der als Kritikpunkt, der Wissenschaft nicht versteht. Diskurs und Kontroversen gehören dazu. Je komplexer ein zu untersuchender Sachverhalt - und Leben ist überaus komplex - desto länger und schwieriger ein Einigungsprozess, eben weil an ganz unterschiedlichen Stellen neue Erkenntnis gewonnen wird und das Feld sehr weit gefächert ist. So weit, dass es keiner mehr überblickt. Das man diesen Wissenschaftsapparat hinterfragen soll, ist sogar eine ausdrückliche Forderung eben diesen Apparates, denn nur so funktioniert deren Selbstreinigungsprozess, der am Ende des Tages, die Theorien aussiebt, die den Beobachtungen und Experimenten nicht standhalten können. Dieser Prozess wird in der Evolutionswissenschaft genauso angewandt, seit über 100 Jahren. Dies könnte ein kleiner Hinweis sein, warum sie trotz Widerstand immer noch existiert. Die Evolutionstheorie ist das Resultat eines dynamischen, sich selbst permanent hinterfragenden Apparats, den wir Wissenschaft nennen. Wenn sich alle einig wären und keiner hinterfragen würde, gäbe es keine Anreize neue Dinge herauszufinden. Die Wissenschaft lebt von der Debatte. Wenn Uneinigkeit wirklich ein Punkt zur Ablehnung einer Theorie wäre, so würde auch die Urknalltheorie die Bibel nicht stützen, da diese ebenso noch heute diskutiert wird.

Religionsgelehrte unterschiedlicher Coleur sind sich beim Thema Gott auch nicht einer Meinung. Allein das Christentum ist in zweitausend verschiedene Grüppchen zersplittert. Solche und ähnliche Glaubensfragen sind schon seit Jahrtausenden Gegenstand intensiver Forschung. Religionsgelehrte konnten sich auch mit dem Schwert bisher nicht auf eine Erklärung für Gott und das Leid auf Erden einigen, der alle zustimmen. Wenn sich also die Gelehrten nicht einig sind, warum soll ich Gott dann nicht auch hinterfragen?

Das Konstrukt der Evolutionstheorie(n) steht, es enthält die fünf Säulen der Mutation (lat. mutare "ändern, verwandeln"), Selektion (lat. selectio "Auswahl/Auslese"), Variation (lat. variare "verändern"), Adaption (lat. adaptare "anpassen") und des genetischen Drifts (in der Populationsgenetik eine zufällige Veränderung der Allelfrequenz innerhalb des Genpools einer Population). Irritierenderweise würde vermutlich auch eine Übereinkunft nicht von der Evolution überzeugen, da man dann wieder den Vorwurf des Dogmas einstreut. Man kann es also dem Gegner nicht recht machen.

Wie schon erörtet, ist in diesem Zusammenhang die Sinnsuche unbedeutend. Selbstverständlich hat es Einfluss auf meine Lebensführung, wie meine Weltanschauung aussieht. Aber die Realität kümmert das wenig. Ob ich Sinnhaftigkeit wünsche oder nicht, sagt nichts über die Richtigkeit der Evolutionstheorie aus.
Auch die kritischen Fragen ändern daran nichts: Den Urknall Gott in die Schuhe zu schieben, ist eine Behauptung, denn wir wissen konsequenterweise nicht, warum alles ins Dasein kam (ausführlicher im Eintrag "Was hat die Nacht mit dem Urknall zu tun?"). Die Frage nach der Abstammungsgeschichte des Menschen und der Komplexität von einfachen Lebensformen ist Forschungsgebiet verschiedener Wissenschaftszweige. Es mag Leute geben, die sich mit "Gott war's!" zufrieden geben. Aber einfach gar keine Fragen mehr stellen, als sich aktuell eingestehen zu müssen, dass man nicht oder nicht vollumfänglich antworten kann, ist keine Lösung.
Die Frage nach dem Intellekt versuchen Evolutionsforscher wie folgt zu beantworten: Kochen und Braten von proteinhaltiger Nahrung, hat dazu geführt, dass unsere "affenähnlichen" Vorfahren die Inhaltsstoffe besser aufspalten konnten. Dadurch wuchs das Hirnvolumen und es veränderte sich die Struktur. Gleichzeitig wurde weniger Nahrung benötigt, um den Körper zu versorgen. Ergo brauchte man auch weniger Zeit für die Nahrungssuche. Das Erhalten und Entfachen von Feuerstellen wurde essentiell und verlangte Intellekt. Der frühe Mensch wuchs also in seine Aufgabe hinein und hatte mehr Zeit, sich überhaupt über anderes als Futtern Gedanken zu machen.
Gerade die Übereinstimmung so komplexer Strukturen wie der DNA oder eingelagerten Bakterien und Viren gereicht dem Biologen ja zur Annahme, dass bestimmte Arten eine Verwandtschaft ausweisen, demnach logischerweise also einen gemeinsamen Vorfahren haben müssen.

Die darauffolgenden Fragen von Gwen, Jessica und Julia entspringen dann wieder nur dem Unverständnis, was der Urknall aussagt und wie organische Chemie sich von anderen Prozessen im Universum unterscheidet. Bereits die einfache Theorie, dass wir uns zu sozialen Tieren entwickelt haben, um als Gruppe besser zu überleben, erklärt viele moralische und soziale Aspekte unseres Lebens, ohne einen Gott anzunehmen. Denn es geht in der Evolution nicht um das Überleben des Stärkeren, gleichwohl ist Konkurrenz ein bestimmendes Moment.
Ich bin im Übrigen von der Richtigkeit der Evolutionstheorie nicht deshalb überzeugt, weil kluge Leute, sie vertreten, sondern weil sie allen wissenschaftlichen Tests und Fragestellungen der letzten 160 Jahre standgehalten hat. Weil sie wandelbar ist und neue Ergebnisse berücksichtigt. Weil sie kritisch untersucht wird, bereits innerhalb der Gruppe der sie Erforschenden.

Teil 3: Was spricht für die Schöpfung?

Um auf den Einwand einzugehen, natürlich hat Schöpfungsglaube nichts mit Gehirnwäsche oder Dummheit zu tun und natürlich muss sich kein Hass oder eine Feindschaft auf die Wissenschaft daraus ableiten. Aber im Grunde sind diese Argumente auch nur eine Verteidigung des eigenen Glaubens und keine Argumente für eine Schöpfung. Und ja, es stimmt: Galileo und Newton waren gläubig und ihr Glaube war ein Motivator zu forschen. Aber die aufgestellten Theorien funktionieren nicht deshalb, weil sie Gott gesucht haben, sondern weil sie experimentell überprüfbar sind. Man braucht Gott nicht, um die Schwerkraft zu beschreiben.
Natürlich sind die Dinge schön, sie sind kompliziert und vermutlich werden wir sie nie verstehen. Aber einfach Gott vorzuschieben, löst keine dieser Fragen. Einfaches Abnicken von vorgesetzten Dogmen übrigens auch nicht. Die Evolutionstheorie ist leider keine fixe Idee, aber solange lediglich eine vage Vorstellung von dieser vorhanden ist und auch in der Schule nur so gelehrt wird, ist mit diesem Halbwissen den Kreationisten Tür und Tor geöffnet.
Selbstverständlich gibt es Wissenschaftler, die Glaube und Wissenschaft vereinen können. Aber ihre wissenschaftlichen Arbeiten müssen zur Reproduzierbarkeit, zur Prüfung und Verifizierung eben rein naturalistisch sein, da Glaubensinhalte nicht gemessen werden können. Ein fehlender Widerspruch lässt sich bei vielen Wissenschaftlern bereits dadurch erklären, dass deren Tätigkeitsfeld sich nicht mit Glaubensansichten schneidet. Die meisten sachkundigen Wissenschaftler kommen trotz intensivem Naturstudium nicht zu der Überzeugung, dass dies alles Ergebnis einer statischen Schöpfung ist. Beispielsweise spricht ein in mehreren Arten identisch deaktiviertes Vitamin-C-Enzym dafür, dass es sich um verwandte Arten mit einem gemeinsamen Vorfahren handeln muss. Da Erbgut ein Erbe bedingt. Der biblische Schöpfungsbericht stimmt demnach "unterm Strich" nicht "mit gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen" überein. Daran ändert auch nichts, dass der Schöpfungsbericht nichts über die Zeiträume sagt. Auslassungen sind per Definition nie im Widerspruch mit irgendwas, weil sie keine Aussagen sind. Dies ist also keine besondere Leistung.
Die verlinkten Wissenschaftler in der Online-Bibliothek sind sicherlich firn in ihrem Gebiet, aber ich habe das Gefühl, sie erliegen einfach der Faszination des Nichtwissens. An irgendeinem Punkt forschen sie nicht weiter und setzen dort Gott hin. An diesem Punkt endet Wissenschaft. Alles ist so komplex und schwer zu begreifen und man könne ja nie wissen ...

Überprüfen wir die aktuellen Planetenentstehungsmodelle mit einem anderen Schöpfungsmythos:
In einem der ägyptischen Schöpfungsmythen entsteht die Erde und das Meer aus dem Sonnengott Atum, der sich zuvor selbst erschaffen hatte (so auch eine Bedeutung seines Namens).
Bereits aus der genannten Kausalkette und der Funktion des Gottes lassen sich wissenschaftliche Aussagen ableiten und diese entsprechen methodisch erworbenen Erkenntnissen zur Planetenentstehung: Denn erst als die Sonne zu brennen anfing, fegte der entstehende Sonnenwind alle Bestandteile, die unterhalb einer kritischen Masse lagen aus dem Zentrum des Sonnensystems und der sie umgebenden jungen Planeten hinfort. Dadurch wurde die Planetenbildung abgeschlossen, da nicht unentwegt immer weitere Kometen und Meteoriten auf die jungen Planeten stürzten. Die Planeten sind stark aufgeheizt und haben keine fest Oberfläche, aber bereits eine ionisierte Atmosphäre (entspräche den ersten Schöpfungen des Atum: Schu, der Gott der Luft und Tefnut, Göttin des Feuers). Durch die beginnende Abkühlung mit gleichzeitiger Ausdunstung aus dem Planeteninneren konnte aus der Dunstglocke erstmals Regen, wenn auch saurer entstehen. Das meiste Wasser aber stammt nach aktuellen Modellen aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Das passt zum Pyramidentext 260, nachdem Horus vom Himmel stürzend (also als Feuerschweif) das Wasser brachte. Es entstehen also Land und Meer.
Wie konnten die alten Ägypter schon mehr als 700 Jahre vor Mose an diese noch viel genauere Beschreibung der Entstehung unserer Erde gelangen?
Finden sich bei genauer Analyse in anderen Schöpfungsmythen noch weitere mit der aktuellen Wissenschaft in Einklang zu bringende Erkenntnisse?


Was sind laut Wachtturm-Gesellschaft eigentlich "gesichtere wissenschaftliche Erkenntnisse"? Ohne vorauszugreifen kann ich bestätigen, dass radiometrische Verfahren zur Altersbestimmung (wie Radio-Carbon-Datierung) in den bibelerklärenden "Einsichten in die Heilige Schrift" (2 Bände, ebenfalls von der Wachtturm-Gesellschaft herausgegeben) angezweifelt werden, sowie die gesamte wissenschaftliche Chronologie der Menschheitsgeschichte (vornehmlich weil Adam und Eva nicht berücksichtigt werden und die Erkenntnisse weit mehr in die Vergangenheit reichen, als diese erste Menschenpaar). Auch soll die Sintflut ja die Gesteinschichten durcheinander gewirbelt haben, weshalb Messung zwangsläufig falsch sein würden (#4). So bestätigt sich das Glaubenshaus selbst und macht sich unantastbar. Wieder etwas, dass ich glauben muss oder nicht.

Auch die Berufung auf die Biomimetik, Technik also, die die Natur kopiert und somit vorgibt, von Konstruktionen der nachgebauten Natur auf den Konstrukteur der Natur zu schließen, ist lediglich ein Non sequitur. Nur, weil wir Dinge bauen, heißt es eben leider nicht, dass alles erbaut wurde. Auch der Bezug auf die Rubrik "Wer hat es erfunden?", die man auf vielen Erwachet oder auf der Webseite nachlesen kann, ist lediglich der Versuch, diesen Vergleich zu bemühen und vom Staunen auf Gott zu schließen. Weiter geführt wird dies mit den Broschüren "Das Leben: Reiner Zufall?" und "Der Ursprung des Lebens: Fünf Fragen kritisch beleuchtet" auf die ich zu einem späteren Zeitpunkt eingehen will.
Schlussendlich lässt sich feststellen, dass kein einziger Beweis für die Schöpfung erbracht wurde, obwohl der dritte Teil der Serie den Titel "Was spricht für die Schöpfung?" heißt.
When you hear hoofbeats, think of horses not zebras.
- Dr. Theodore Woodward, in den 40ern Professor an der University of Maryland School of Medicine


Teil 4: Wie kann ich erklären, warum ich an die Schöpfung glaube?

Selbstverständlich muss man kein "Genie in den Naturwissenschaften" sein, um die Schöpfung zu verteidigen, da sie selbst keine Naturwissenschaft ist. Aber auch der bereits als Fehlschluss aufgezeigte Verweis auf Hebräer 3:4 ("Natürlich wird jedes Haus von jemandem errichtet, doch der, der alle Dinge errichtet hat, ist Gott.") wird sicherlich viele beeindrucken. Nicht aber, weil er richtig wäre, sondern die Vorstellung, was Evolution ist, sehr vage ausfällt, selbst beim Lehrer. Warum ein gebautes Haus aber nicht zwingend auf Gott schließen lässt, habe ich in "Grundlagen: Gottesbeweise - Teil 5: Hebräer 3:4" erklärt. Auch der Zahnstocher aus der Erzählung Carols gibt nichts neues zu denken.
Die Situation ist absurd: Auf das "Wie" suchen Kreationisten übrigens keine Antworten, betrachten es oft sogar als nebensächlich. Kommt jedoch eine Wissenschaft bei ihrer Suche nach dem "Wie" zu abweichenden Ergebnissen, so gilt es diese methodisch erworbene Erkenntnis zu bekämpfen. Es wird dabei aber weiterhin auf ein "Wie" verzichtet, also auf einen plausiblen Aufbau einer Alternativtheorie, die nicht lediglich im luftleeren Raum des Übernatürlichen schwebt.

Auch die Frage "Wer hat Gott erschaffen?" führt von säkularisierter Seite nicht weiter. Gekontert werden kann darauf auch lapidar, dass man den Vater eines konkreten Smart Phone Tüftlers auch nicht kennt und dennoch das Produkt des Erbauers in Händen hält. Im Anhang ist im Gegensatz zu diesem simplen Vergleich wenigstens ein Versuch einer Erklärung (#5).
Bei der Argumentation Beispiele aus der Natur zu aufzuzeigen kann bei unbedarften Gesprächspartnern tatsächlich verfangen, aber schlussendlich beweisen sie keinen Schöpfer, sondern enden in der Behauptung, dass es ihn gäbe.
Eine freundliche Diskussion führt auf beiden Seiten seltener zu Abwehrreaktionen oder Verschließen. Herablassend sollte man auch als Evolutionsbefürworter nicht werden. Nicht jeder Gläubige glaubt "blind". Wer sich also mit den Mechanismen der Evolutionstheorie auseinander setzt, ist ebenfalls "bereit zu einer Verteidigung vor jedermann". Und er kann auch dann erklären, warum der Glaube an Schöpfer zwar logisch erscheinen mag, aber nicht zwingend ist. Auf die letzten Einwände bin ich bereits in früheren Artikeln eingegangen.

Und somit ist die Betrachtung dieser Artikelserie abgeschlossen:
Selbstverständlich wird die Evolutionstheorie in den naturwissenschaftlichen Fächern gelehrt, da es keine naturwissenschaftliche Alternative zu dieser gibt, eben auch alternativlos. Darauf werden sich auch künftige Generationen von schöpfungsgläubigen Schülern einstellen müssen. Es gilt aber auch für diese wohl, dass die Evolution als solch schwammiges Konstrukt vorgetragen wird, dass man es auch in dieser schönen Zukunft eher als Idee, denn als wissenschaftlich-methodisch erarbeitete Theorie wahrnehmen wird.
Solche und ähnliche Inhalte wird es im Netz also noch lange geben, was an ihrem geringen Wahrheitsgehalt nichts mehr ändert.

# 1 - Bei den Biologen ist die "Ungläubigkeit" ein gutes Stück höher als in anderen Disziplinen:
http://www.discovery.org/scripts/viewDB/filesDB-download.php?command=download&id=4511
65 Prozent Atheisten, 29 Prozent Agnostiker und 6 Prozent sind Theisten in der National Academy of Sciences.
Quelle: Larry Witham, Where Darwin Meets the Bible (New York: Oxford University Press, 2002), pp. 271-273

#2 - Glauben der führenden Wissenschaftler im Forschungfeld der Evolutionstheorie:
http://www.discovery.org/scripts/viewDB/filesDB-download.php?command=download&id=4551
87 Prozent leugnen Gottes Existenz, 88 Prozent lehnen ein Leben nach dem Tod und 90 Prozent lehnen eine "gelenkte" Evolution ab.
Quelle: Gregory W. Graffin and William B. Provine, "Evolution, Religion and Free Will," American Scientist, vol. 95 (July-August 2007), pp. 294-297; results of Cornell Evolution Project Survey (PDF)

#3 - Religiöser Unglaube unter Biologen an 4 bzw. 2 Jährigen Studium in Colleges oder Universitäten
http://www.discovery.org/scripts/viewDB/filesDB-download.php?command=download&id=4561
61 Prozent sind Atheisten oder Agnostiker.
Quelle: Neil Gross and Solon Simmons, “How Religious are America’s College and University Professors?” (Feb. 6, 2007)

#4 - Wie erklärt die Sintflut eine Besiedlung von entlegenen Inselarchipelen mit einer einzigartigen Flora und Fauna in weniger als 4000 Jahren, wenn auf der Arche doch nur maximal die Grundtypen aller Lebewesen gepasst haben können und eigentlich noch nicht einmal das?

#5 - Wer hat Gott erschaffen?

Alles hat ja einen Anfang und ein Ende. Anders ist das für uns nicht vorstellbar, was aber keineswegs bedeutet, dass es anders nicht sein kann. Albert Einstein hat mit seiner Relativitätstheorie rechnerisch nachgewiesen, dass die Zeit keine feststehende Größe ist, sondern eine relativ von Masse und Geschwindigkeit eines Körper abhängige. Je schneller und massereicher etwas ist, desto langsamer vergeht die Zeit für dieses Objekt. Das nennt sich Zeitdilatation. Dies betrifft sowohl die Gleichzeitigkeit von Ereignissen, die an verschiedenen Orten stattfinden, als auch die Zeitdauer zwischen zwei Treffen zweier Beobachter, die sich zwischen diesen Treffen relativ zueinander bewegen. Da es kein absolut ruhendes Koordinatensystem gibt, ist die Frage, welcher Beobachter die Situation korrekt beurteilt, nicht sinnvoll. Man ordnet daher jedem Beobachter seine so genannte Eigenzeit zu. Ferner beeinflusst die Anwesenheit von Massen den Ablauf der Zeit, so dass diese an verschiedenen Orten im Gravitationsfeld unterschiedlich schnell verstreicht.

Dies hat man experimentell später mit zwei Atomuhren in einem Experiment nachgewiesen. Dabei platzierte man eine von zwei absolut gleich laufenden Atomuhren in einer Concorde, die andere ließ man am Boden zurück. Nach einer mehrstündigen Überschallflugzeit der Concorde konnte man tatsächlich eine Abweichung der beiden Uhren feststellen, wenn auch nur wenige Millionstel Sekunden. In der Concorde war weniger Zeit vergangen als auf der sich langsamer bewegenden Erde.

Da Gott geistig und nicht materiell ist, ist er der Zeit, die er ja auch geschaffen haben soll, nicht unterworfen. Das bedeute wieder nicht, dass es in dieser geistigen Welt (klassisch als "Der Himmel" bezeichnet) keine Gegenstände geben kann, sondern nur, dass diese nicht aus der Materie bestehen, die die Zeit für Ihre Existenz benötigt. Wenn es aber diese Zeit dort nicht geben kann, dann ist dort auch kein Anfang und kein Ende, sondern eben Ewigkeit.

Bei solchen Überlegungen setzt freilich der eigene Geist aus. Aber so kann man vermutlich die zeitlose Existenz Gottes erklären, die keinen Anfang und kein Ende kennt.

Aber damit beschreibt man auch nur die Kleider eines Kaisers, der wohlmöglich gar nicht existiert (eine treffende Analogie zu "Des Kaisers neue Kleider").
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 18. Apr 2018, 00:09

Aufgrund der hier zitierten Texte stellt sich freilich die Frage ...

Grundlagen: Kreationismus - Teil 1: Einleitung - Sind Zeugen Jehovas Kreationisten?

Offenbar eine oft gehörte Frage von Leuten, die sich auf ein Gespräch mit Zeugen einlassen. Daher ist sie zu finden unter "Oft gefragt" auf ihrer Webseite [url]jw.org[/url]. Im Grunde lässt sich die Antwort bereits an den vorherigen Beiträgen erkennen. So aber wird auf eben jener die Frage beantwortet:
Nein. Jehovas Zeugen glauben zwar, dass Gott alles erschaffen hat. Aber wir sind keine Vertreter des Kreationismus. Warum nicht? Weil einige kreationistische Ideen in Wirklichkeit im Widerspruch zur Bibel stehen. Dafür zwei Beispiele:

Wie lange dauerten die sechs Schöpfungstage?
Manche Kreationisten behaupten, dass die sechs Schöpfungstage buchstäblich 24-Stunden-Tage waren. In der Bibel kann das Wort „Tag“ jedoch eine sehr lange Zeitspanne umfassen (1. Mose 2:4; Psalm 90:4).

Wie alt ist die Erde?
Einige Kreationisten erklären, dass die Erde nur ein paar Tausend Jahre alt ist. Nach der Bibel existierte das Universum, also auch die Erde, allerdings schon, bevor der erste Schöpfungstag begann (1. Mose 1:1). Deswegen haben Jehovas Zeugen nichts gegen stichhaltige wissenschaftliche Berechnungen einzuwenden, nach denen die Erde mehrere Milliarden Jahre alt sein könnte.

Auch wenn wir als Jehovas Zeugen an die Schöpfungsgeschichte der Bibel glauben, sind wir deswegen nicht wissenschaftsfeindlich. Wir sind überzeugt, dass sich biblische und präzise wissenschaftliche Aussagen nicht widersprechen.

Das ist leider Quatsch, wie sich an folgendem Vergleich schön zeigen lässt:

Sind Sie Verkehrsteilnehmer?

Nein. Wir nutzen zwar Verkehrsmittel wie Auto, Bus, Bahn oder Fahrrad. Aber wir sind keine Teilnehmer im Straßenverkehr. Warum nicht? Weil einige Ideen von Verkehrsteilnehmern im Widerspruch zur Straßenverkehrsordnung sind. Dafür zwei Beispiele:

Wie lange dauert die Stunde auf einem zeitlich begrenzten Parkplatz?
Manche Verkehrsteilnehmer behaupten, für sie gelten diese Zeitbeschränkungen nicht. Die Straßenverkehrsordnung ist darin aber unmissverständlich.

Wer darf auf einem Behindertenparkplatz sein Fahrzeug abstellen?
Einige Verkehrsteilnehmer erklären, jeder, der dringend irgendwas zu erledigen hat, kann die meist günstig in der Nähe des Eingangs eines Geschäfts gelegen Parkmöglichkeiten nutzen. Wir aber haben nichts gegen stichhaltige Argumente warum nur körperlich eingeschränkte Personen dort ihr Fahrzeug abstellen sollten.

Auch wenn wir glauben, dass die Straßenverkehrsordnung von unvollkommenen Menschen erdacht wurde, sind wir nicht ordnungsfeindlich. Wir sind überzeugt, dass sich auch unsere Glaubensansichten und menschliche Gesetzgebung zum Schutz von Personen im Straßenverkehr nicht widersprechen.


Natürlich sind Zeugen Jehovas Kreationisten. Wie denn auch nicht? Sie gehen - wie selbst dargelegt - davon aus, dass Gott alles geschaffen habe. Und genau das ist die Definition von Kreationismus. Über welche Zeiträume er spekuliert und wie er einzelne Passagen seiner Schöpfungsniederschrift deutet, ist dabei völlig irrelevant. “Erschaffung, erschaffen“ heißt in Latein nunmal “creatio“ und bildet damit den Wortstamm für die Benennung dieser Weltanschauung.

Ja. Jehovas Zeugen sind Kreationisten. Alles andere ist Augenwischerei.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 20. Apr 2018, 09:50

Grundlagen: Kreationismus - Teil 2: Was ist Kreationismus?

Kreationismus (vom lateinischen creatio für "Erschaffen" / "Schöpfung" bezeichnet die Auffassung, dass das Universum, das Leben und der Mensch durch den unmittelbaren Eingriff eines Schöpfergottes entstanden sind. Der moderne Kreationismus entstand als Widerstand gegen das im 19. Jahrhunderts aufgekommene Postulat eines hohes Erdalters, die Unmöglichkeit einer weltweiten Sintflut und die darwinsche Evolutionstheorie (#1). Die selektive Inanspruchnahme naturwissenschaftler Erkenntnisse gilt dabei als Beleg für den Glauben an die Wahrheit der offenbarten Schriften. Widersprüche seien allein auf Fehlinterpretation natürlicher Tatsachen durch die Wissenschaft zurückzuführen. Die Evolutionstheorie wird als wissenschaftlich ungesicherte, atheistische Ideologie wahrgenommen.
Kreationismus selbst wankt zwischen Religionslehre und Pseudowissenschaft (#2). Dabei wird zwischen wörtlicher (Kreationismus im engeren Sinne), apologetischer (bildhafter) und metaphoriscer (bedeutungsorientierter) Auslegung der heiligen Schrift unterschieden. Allein gemein ist, dass die Schrift ein Augenzeugenbericht aus der Perspektive Gottes oder eines hypothetischen Beobachters über den Ursprung der Dinge sei. Da die empirische Naturwissenschaft weitgehend im Widerspruch zur wörtlichen Auslegung steht, hat sich diese dem religiösen Glauben unterzuordnen. Besonders die Evolutionstheorie und ihre Bedeutung für die moderne Evolutionsbiologie wird abgelehnt, aber auch Teile der Archäologie, Paläontologie, Geologie, Erdgeschichte, sowie Theorien über die Entstehung und Entwicklung des Sonnessystems und/oder Universums.


Michelangelos "Die Erschaffung Adams" wird sehr oft als Sinnbild für die göttliche Schöpfung allgemein und den Kreationismus im Besonderen verwendet.


Die Wurzel des Kreationismus sind die seit antiken Zeiten aufgeschriebenen Erklärungsmodelle zur Entstehung der Welt (Tora, Bibel, Koran). Da die antiken Philosophen der Schulen der Platoniker, Neuplatoniker, Stoa und Epikurer übereinstimmend die Lehre von Göttern und Schöpfungsgeschichten als mythologisches Problem betrachteten, über die der Mensch keine sicher Kunde besitzen kann und die unterschiedlich stark ernst genommen wurden, gab es quasi keine dem Kreationismus vergleichbare Weltanschauung. Auch Kirchenväter am Übergang zum Mittelalter (z.B. Augustinus) warnten davor, die Genesis all zu wörtlich zu nehmen. Im Abendland gingen die Werke und das Wissen der Philosphen verloren und wurden erst durch das rezipieren und umfassende Auslegen durch muslmische Gelehrte wieder zugänglich. Bis dahin waren waren naturkundliche Werke anekdotisch. Die hochmittelalterliche Scholastik strebte eine Synthese dieser neu zugänglichen antiken Naturphilosophie mit der Theologie an. Maßgeblich war die Lehre Thomas von Aquin, der Mensch könne, gestützt auf seine Sinne und seine fehlbare Vernunft in der Schöpfung lesen, wie in einem Buch. Die Vernunft versage allerdings bei übernatürlichen Wahrheiten, die nur der Glaube fassen könne. Trotz des absoluten Vorrangs der Glaubenswahrheiten konnte so eine unabhängige Naturphilosophie entstehen, die wiederum die Wurzel der modernen Naturwissenschaften wurde. Das Verbot über Wahrheiten zu spekulieren, die im Widerspruch zur offenbarten Schrift standen, unterband zunächst jeden offenen Konflikt. Naiv-wörtlich war die Auslegung der Schrift seit Johannes Cassianus (360 - 435 u.Z.) aber nicht mehr.
Auch in der Neuzeit wurden die modernen, empirischen Naturwissenschaften nicht als Problem oder Konkurrenz zum religiösen Weltbild aufgefasst. Klassische Autoren wie Newton und Galilei verwiesen noch darauf, die Mechanismen der Schöpfung Gottes zu enträtseln und dadurch dessen Ehre quasi-theologisch zu erhöhen. Viele philosophische Autoren verwiesen auf die Harmonie und Zweckmäßigkeit der Natur. Für die vor allem englischen Deisten verwies die Untersuchung der Natur aus reinen Verstandesgründen, auch ohne jede Offenbarung, notwendig auf das Wirken eines gütigen Schöpfergottes. Konflikte (z.B. heliozentrisches Weltbild) ergaben sich weniger zwischen Glauben und Wissenschaft, sondern eher zwischen den modernen, empirischen Methoden und dem aristotelischen, scholastischen Weltbild, das eher auf der Erklärung der Welt durch abstraktes, logisches Denken beruhte. Zwar gab es Misstrauen von Seiten der Kirche und weltlichen Autoritäten, zum einen weil Veränderungen generell abgelehnt werden, zum anderen, weil freies Denken mit sozialen Forderungen in Verbindung gebracht wurde. Die breite Öffentlichkeit nahm von den hochgeistigen Debatten fast keine Notiz. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert.


James Ussher (1581 - 1656), irischer anglikanischer Theologe, seit 1625 Erzbischof von Armagh und Primas von Irland, war Verfasser vieler theologischer und historischer Werke. Am bekanntesten ist seine Weltgeschichte, in der der Schöpfungszeitpunkt auf den 23. Oktober 4004 v. Chr. datiert wird.

Die britischen Forscher William Smith, James Hutton und Charles Lyell begannen im 18. Jahrhundert mit einer Abschätzung des Erdalters und begründeten eine neue Wissenschaft, die Geologie. Ihre Schlussfolgerungen waren für viele zeitgenössische Theologen, die aufgrund anderer philosophischer und theologischer Elemente die auf wortwörtlicher Auslegung biblischer Texte beruhende Chronologie bereits ablehnten, völlig unproblematisch. Meist sah eher die gebildete, breite Öffentlichkeit darin eine Herausforderung für die Autorität der Bibel. Eine Opposition tat sich auf, die sich selbst als "Geologen der Schrift" oder "mosaische Geologen" bezeichneten und gegen die neuartigen Auffassungen argumentierten und viele Sympathien in der Öffentlichkeit hatten. Es gab aber keine geschlossene Front. Berühmt wurden Streitschriften über die Richtigkeit der biblischen Sintflut (z.B. William Bucklands "Reliquiae Diluvianae").
Schärfer noch traf es die von Charles Darwin weiterentwickelte und vereinheitlichte Theorie der Evolution, die sofort nach dem Erscheinen seines Hauptwerks "Über die Entstehung der Arten" (1859) erbittert bekämpft wurde. Während alles bisherige die Welt als Ganzes betraf, ging es nun um das Wesen und die Würde des Menschen. Das Selbstbilf des Menschen war erschüttert, was die Härte des Streits begreifbar macht. Die Evolutionstheorie postuliert den Aufstieg des Menschen aus dem Tierreich, während theologisch mit dem Abstieg zur Unvollkommenheit des Menschen argumentiert wird. Der Widerspruch zum Fall Adams (und damit auch zu Christus als "letzten Adam") war theologisch schwerer hinzunehmen, als die nicht wortwörtliche Interpretation der Genesis. Worauf beruhen die moralischen Werte, wenn alles im Kampf um's Dasein entschieden wird? Wo bleibt bei der zufälligen Entwicklung der göttliche Heilsplan? Der Widerstand gegen diese "Entwürdigung" des Menschen ging weit über kirchliche Kreise hinaus. Sie wurde als Grenzüberschreitung der Wissenschaft betrachtet, die sich in Dinge einmischte, die sie nichts angehen.
Darwin selbst blieb in öffentlichen Äußerungen zögerlich, seine Unterstützer nicht: Thomas Henry Huxley prägte des Begriff des Agnostizismus. Herbert Spencer wandte den Begriff der Evolution in First Principles (1862) ohne Zögern auch auf die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft an und begründete damit den Sozialdarwinismus. Edward Tylor, später auch Robert N. Bellah wandten den Evolutionsgedanken dann auf die Religion selbst an und begründeten einen Evolutionismus vor allem in der Religionsethnologie.
Der katholische Zoologe St. George Mivart argumentierte, wenn auch der menschliche Körper natürlichen Ursprungs wäre, so ginge doch seine Seele allein auf Gott zurück. In "Genesis of Species" sprach er für eine Evolution, die unter göttlicher Kontrolle ablief. Selbst Alfred Russel Wallace, der die Evolutionstheorie unabhängig von Darwin entdeckt hatte, nahm noch an, dass ein Eingriff des Schöpfers notwendig bleibe, da anders die Sonderstellung des Menschen nicht erklärbar sei.


Neil Degrasse Tyson: "Jede große wissenschaftliche Theorie durchläuft drei Phasen: Erst wird sie von den Leuten abgelehnt. Als zweites wird gesagt, sie widerspricht der Bibel. Und zum Schluss wird behauptet, man habe über die Richtigkeit schon immer gewusst.


Einflussreiche Denker wie der Schriftsteller Samuel Butler, aber auch viele Biologen, griffen auf die konkurrierende Evolutionstheorie des Lamarckismus zurück, die ihnen eher mit einem göttlichen Plan in der Natur vereinbar schien. Da Ende des 19. Jahrhunderts insbesondere Darwins Selektionstheorie innerhalb der Wissenschaft scharf angegriffen wurde und zeitweise in die Defensive geriet, konnten sich religiöse Kritiker bestätigt fühlen, dass es sich um eine kurzfristige Verirrung handele, die bald überwunden sei.
Ernst Haeckel begründete in der Abstammung des Menschen ein Argument für "niedere" Menschenrassen und gab dem Rassismus vorschub. Dies führte zu weiterer Ablehnung. Zum Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich die Theorie aber durch. Auch wenn konservative Gruppen immer noch ablehnend waren, fanden sie keine wissenschaftlichen Unterstützer mehr. Im 20. Jahrhundert zog die Evolutionstheorie dann in US-amerikanische Schulen ein. Der bisherige Vorrang der Religionsfreiheit vor wissenschaftlichen Erkenntnissen ging schrittweise über in den Vorrang einer Weltanschauungsfreiheit mit gleichzeitiger Einschränkung der christlichen Mission in den Schulen. Es entwickelte sich also einerseits das Recht, Evolution lehren zu dürfen, und andererseits das Verbot, Schüler christlich zu missionieren.

Die Sache schien also erledigt.

#1 - Die Anti-Evolutionisten, die die Evolutionstheorie Charles Darwins im 19. Jahrhundert ablehnten, sahen sich nicht als Kreationisten.

#2 - Oberkirchenrat und Publizist Joachim Schmidt, Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, in Echt Glaube kompakt: Verdrängungswettbewerb (Memento vom 29. März 2008 auf WebCite) gesehen am 29. März 2008
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 23. Apr 2018, 17:32

Grundlagen: Kreationismus - Teil 3: Formen des Kreationismus


Der Kurzzeitkreationismus, auch Jung-Erde-Kreationismus oder 24-Stunden-Tag-Theorie geht davon aus, dass die Erde vor wenigen tausend Jahren geschaffen wurde. Altersangaben über das restliche Universum variieren. Wissenschaftliche Methoden wie radiometrische Altersbestimmung, Isochronmethode, Eiskerndatierung und Dendrochronologie werden in Frage gestellt oder offen abgelehnt, mitunter auch gängige Thesen wie die Kontinuität der Naturgesetze über historische Zeiträume. Geologische Belege werden als Resultat einer globalen Flut erklärt. Damit wird eine alternative Datierung geologischer und astronomischer Ergebnisse erzielt. Manchmal wird auch die Behauptung der flachen Erde und der Geozentrismus (Erde mit Mittelpunkt des Universums) zum Kurzzeitkreationismus gerechnet, von dem sich Kreationisten im Allgemeinen zu distanzieren versuchen. Die flache Erde wird immer wieder in zynischer, karikierender oder stereotyper Übertreibung verwendet.
Hinzu zu rechnen ist die Omphalos-Hypothese, nach der die Erde zwar in jüngerer Zeit geschaffen worden sei, aber viel älter aussehe. Der Name dieser Hypothese (Omphalos = Nabel) basiert auf der ursprünglichen Fragestellung, ob Adam und Eva, obwohl erwachsen geschaffen, einen Bauchnabel gehabt haben. Es ergebe sich daraus eine scheinbare Vergangenheit, obwohl diese einfach miterschaffen wurde. Die schwindende Anhängerschaft geht davon aus, dass zum Funktionieren der Erde ein älteres Aussehen notwendig sei. Bertrand Russell führte es als Gedankenspiel im Rahmen des philosophischen Skeptizismus fort:
"There is no logical impossibility in the hypothesis that the world sprang into being five minutes ago, exactly as it then was, with a population that ‘remembered’ a wholly unreal past. There is no logically necessary connection between events at different times; therefore nothing that is happening now or will happen in the future can disprove the hypothesis that the world began five minutes ago."
- Bertrand Russell: The Analysis of Mind (1921)

Übersetzung: "Es besteht keine logische Unmöglichkeit in der Hypothese, dass die Welt vor fünf Minuten entstand, genauso wie sie war, mit einer Bevölkerung, die sich an eine gänzlich irreale Vergangenheit 'erinnert'. Es besteht keine logisch notwendige Verbindung zwischen Ereignissen zu unterschiedlichen Zeiten; daher kann nichts, was jetzt oder in der Zukunft passiert, die Hypothese widerlegen, dass die Welt vor fünf Minuten begann."
Der "wissenschaftliche Kreationismus ist im angelsächsischen Raum die Selbstbezeichnung eines Kreationismus, deren Anhänger glauben, dass die Erde in jüngerer Zeit erschaffen wurde und dies durch wissenschaftliche Belege gestützt werden könne. Die Kosmologie läuft auf ein Alter des Universums von ein paar tausend Jahren hinaus, der Fossilbericht als Ergebnis einer globalen Flut gedeutet. In den USA befürwortet das Institute for Creation Research und die Creation Research Society (#1), in Deutschland in abgewandelter Form die Studiengemeinschaft Wort und Wissen, in der Schweiz ProGenesis diese Sichtweise.


(Übersetzung: Ken Ham glaubt, die Welt sei 6000 Jahre alt.

Photonen brauchen 100000 Jahre um an die Sonnenoberfläche zu kommen.)

Langzeitkreationisten (analog zu Jung-Erde-Kreationisten auch als Alt-Erde-Kreationisten bezeichnet) versuchen die Schöpfungslehre mit astronomischen und geologischen Altersangaben in Einklang zu bringen. Im Gegensatz zum evolutionistischen Kreationismus wird dabei jedoch die Theorie der gemeinsamen Abstammung abgelehnt.
Die Lückentheorie zum Beispiel postuliert, dass das heutige Leben in kurzer Zeit auf einer bereits lange vorher existierenden Erde geschaffen wurde, weil eine ältere Schöpfung in einer unbestimmten Katastrophe untergegangen sei. Die Vertreter dieser Hypothese meinen zwischen 1. Mose 1:1 und 1:2 eine Lücke zu erkennen. Diese Schöpfungslehre wäre somit eigentlich eine Wiederherstellungslehre. Kritiker meinen auch, dass es in der Bibel keine Anhaltspunkte für eine Schöpfung vor der Schöpfung und einen Sündenfall vor dem Sündenfall gibt.
Mehr Zustimmung erhält die Konkordanzhypothese, die davon ausgeht, dass die 6 Tage keine Tage im Sinne von 24 Stunden darstellen, sondern sehr viel längere Zeiträume, da Gott Zeit anders wahrnehme (Psalm 90:4 "Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache."). Die Gegenwart wäre demnach ein siebtes Zeitalter. Als Kritik wird vorgebracht, dass das hebräische yom eindeutig einen 24 stündigen Tag benenne und die Formulierung wie "Und es wurde Abend, und es wurde Morgen, ein erster Tag." (Neue-Welt-Übersetzung) nur ein Tag im gängigen Wortsinn gemeint sein kann.
Der Progressive Kreationismus spricht von einer Schöpfung auf Raten oder einer fortdauernden Schöpfung. Die Arten werden also in einem ständig von Gott begleiteten Vorgang verändert und herausgebildet. Diese Sicht akzeptiert die meisten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, lehnt aber die moderne Evolutionsbiologie und sucht Hinweise, die eine Entwicklung nur auf natürlicher Auslese ausschließt.

Der evolutionistische Kreationismus sieht Gott als Schöpfer, der die Lebensformen mittels Evolution erschaffen habe und weiterentwickle, wobei es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wie stark er in diesen Prozess eingreife. Die naturalistische Evolutionstheorie wird als unzureichend, göttliches Eingreifen als zwingend notwendig angesehen, da natürliche Selektion nicht die Ursache der Entstehung neuer Arten sein kann. Die Theorie der gemeinsamen Abstammung wird aber akzeptiert, weshalb er manchmal nicht dem Kreationismus zugeordnet wird.


(Übersetzung: 1 Kreationist: "Wo ist das Bindeglied im Fossilbericht?"
2 Wissenschaftler finden den Bindeglied.
3 Kreationist: "Haha! Jetzt sind dort zwei Lücken im Fossilbericht. Wo sind die Bindeglieder?")

Im Neo-Kreationismus, der sich betont von anderen kreationistischen Richtungen distanziert wissen will, haben sich zum Ziel gesetzt, den Kreatioismus in Begriffen neu zu formulieren, die von der Öffentlichkeit, Bildungspolitik und Wissenschaftsgemeinde besser angenommen werden, zum Beispiel ohne religiöse Worte und ohne Bezug auf die jeweilige Heilige Schrift. Grundlegende Behauptung ist, dass die scheinbar objektive herkömmliche Wissenschaft in Wirklichkeit eine dogmatische atheistische Religion sei. Argumentiert wird, dass die wissenschaftliche Methodik bestimmte Erklärungen von Phänomenen insbesondere dann ausschließe, wenn übernatürliche Elemente eine Rolle spielen, was religiöse Aspekte beim Verständis des Universums betrifft. Außerdem sei die Naturwissenschaft der Grund für viele gegenwärtige soziale Missstände, wie Unruhen und hohe Scheidungsraten. Das Erdalter und die wörtliche Auslegung der Bibel wird bewusst vermieden, die Junge-Erde-Theorie aber betont nicht ausgeschlossen. Gemein mit anderen Arten ist die Ablehnung des Naturalismus (einschließlich einer offenen, oft feindlichen Opposition zum "Darwinismus"), üblicherweise zusammen mit dem stillschweigenden Eingeständnis des Übernatürlichen. Es gibt 3 Ausprägungen des Neo-Kreationismus:
  • Intelligent Design ist die Auffassung, dass die Entstehung des Universums und des Lebens am besten durch eine Intelligenz als Ursache erklärt werden können. Da Intelligenz in der Folge als eigener Eintrag verfasst wird, möchte ich es bei der kurzen Anmerkung belassen.
  • Abrupt Appearance ist ein ursprünglich in der Evolutionsbiologie verwendeter Begriff für das sprunghafte Auftreten (englisch abrupt appearance) von neuen Arten im Fossilienbericht. Vertreter dieser Richtung behaupten, dieses Phänomen sei am besten durch eine direkte Beeinflussung von außen statt durch einen natürlichen Vorgang erklärbar. Begleitet wird dies mit der ausdrücklichen Behauptung, dass es auf jeden Zeitraum anwendbar sei, womit insbesondere auch ein Bereich von 10.000 Jahren nicht ausgeschlossen werden soll.
  • Evidence against Evolution (Beweise gegen Evolution) bedient sich hauptsächlich der Ergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, um die Evolutionstheorie zu widerlegen. Sie ist mehr oder weniger identisch mit der Evolutionskritik in der "Schöpfungswissenschaft", jedoch ohne Bezug zu einer heiligen Schrift und ohne der Evolutionstheorie eine Alternative mit wissenschaftlichen Anspruch entgegenzustellen. Die Frage nach dem Ursprung und Sinn des Seins wird als persönliche Glaubenssache angesehen.

#1 - Creation Research Society

Mitglied dieser Organisation, die durchaus mehrheitlich auf Professoren verschiedener wissenschaftler Fachrichtungen an staatlichen Universitäten in den Vereinigten Staaten besteht, wird man nur durch die Unterzeichnung eines 4 Punkte umfassenden Statement of Belief.
1. Die Bibel ist das geschriebene Wort Gottes, und da sie ganz und gar inspiriert wurde, sind alle ihre Behauptungen historisch und wissenschaftlich wahr gemäß der ursprünglichen Schrift. Für den Studenten der Natur bedeutet dies, dass die Darstellung des Ursprungs in der Genesis die faktische Präsentation der einfachen historischen Wahrheit ist.
2. Alle Grundformen des Lebens, einschließlich des Menschen, wurden während der Schöpfungswoche durch Gott geschaffen, wie es in der Genesis beschrieben ist.
3. Die in der Genesis beschriebene Sintflut, gewöhnlich aus als Noahs Flut bezeichnet, ist als weltweiter historischer Fakt zu akzeptieren.
4. Wir sind eine Organisation christlicher Männer und Frauen der Wissenschaft, die Jesus Christus als Herrn und Erlöser akzeptieren. Der Bericht von der Erschaffung Adam und Evas als ein Mann und eine Frau und ihr anschließender Sündenfall sind die Grundlage unseres Glaubens in die Notwendigkeit eines Erlösers für die gesamte Menschheit. Daher, kann Erlösung nur dadurch zustandekommen, dass Jesus Christus als Erlöser akzeptiert wird.

Nach eigener Darstellung betreibe man zwar Forschung, aber die Unterzeichnung dieser 4 Punkte ist unvereinbar mit moderner, ergebnisoffener Wissenschaft. Ohne die Personen zu kritisieren oder deren Grund ihres religiösen Bekenntnisses zu diskreditieren, kann die Methodik nicht als wissenschaftlich bezeichnet werden, wenn mit der Schlussfolgerung begonnen wird und eine Änderung dieser ausgeschlossen ist, ohne Rücksicht auf die Evidenz, welche sich im Laufe der Forschung ergeben würde.
Bild

Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 917
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

VorherigeNächste

TAGS

Zurück zu Der Kritiker


Wer ist online?

0 Mitglieder

cron