Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 17. Jan 2018, 11:11

Grundsatzartikel: Ich glaube nicht an die Evolution!

Und das meine ich hier ganz wörtlich. Denn die Evolution ist für mich nichts, woran ich glaube. Nicht mal etwas, woran man glauben kann. Die Gravitation zieht mich ja auch auf den Boden, egal wie sehr ich sie leugnen würde. Ich wusste nichts von Ihr, bevor ich Physik in der Schule hatte. Und trotzdem bin ich schon in Windeln ständig nur auf den Hintern gefallen.
Man kann ja an den lieben Gott glauben oder ans Schicksal oder an das Gute im Menschen. Aber wie könnte man es anders ausdrücken?

Die Evolutionstheorie ist für mich die Hypothese, die ich akzeptiere.

Obwohl. Das ist sprachlich auch eher holprig. Ich habe es schon öfter erklärt und kann es auch hier nur wiederholen: Eine Theorie im wissenschaftlichen Sinn ist die Deutung von Ergebnissen. Es gibt für jeden nachvollziehbare und wiederholbare FAKTEN, wenn man sich damit auseinandersetzen mag. Es ist wie ein riesiges Puzzle, bei dem nach und nach alle Teile auf den Tisch gelegt werden und zu einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt werden. Und wie bei einem Puzzle gibt es Teile die scheinbar zusammenpassen, aber schlussendlich doch woanders hingehören. Oder Puzzleteile, die gar nicht zum Puzzle gehören. Das fertige Konstrukt ist dann die Hypothese, warum die Fakten so sind, wie sie sind.

Bei der Evolution sind aber in den letzten 160 Jahren, so viele Fakten und Ergebnisse zusammengetragen worden, dass sie für mich einfach schlichtweg klar ist. Und das selbst dann, wenn ich nicht alle Daten und Fakten kenne. Sicherlich gibt es noch kleine und große Details, an den gefeilt werden muss, an denen sich die Experten den Kopf zerbrechen und bei denen sogar noch rege gestritten wird. Aber das große Ganze scheint klar.

Das oben benutzte "akzeptieren" ist allerdings auch subjektiv vorbelastet. Ich kann auch akzeptieren, dass ich im Stau stehe. Ändern kann ich es nicht. Was wären also sinnvolle Aussagen, die keinen faden Beigeschmack zwischen den Zeilen mitbringen?

Ich halte die Evolution für wahr!

Klingt so durchdacht wie "Ich halte es für ziemlich wahrscheinlich, dass auch morgen die Sonne wieder aufgeht ..." mit dem Unterton "... aber es ist derart wackelig, daß mich schon morgen der kleinste neue Gedanke völlig davon abbringen kann."

Ich favorisiere die Evolution!

Ist eigentlich nur nutzbar, wenn es etwas gleichwertiges gäbe: "Ich nehme den größten Eisbecher und wenn alle gleich groß sind, favorisiere ich Stracciatella."

Ich bin pro Evolution!

Klingt eher nach einer Abstimmung, denn nach einer wissenschaftlichen Aussage. Oder nach einem Computerspiel.

Evolution ist die Realitätsbeschreibung ohne haltbare Alternative!

Beschreibungen der Sachlichkeit sind nie alternativlos. Hm ...

Also alles nicht das Wahre. Gibt es bessere Vorschläge?

Aber der hingestellte Vergleich zeigt noch eine weitere Schwäche. Denn in der Regel wird von denen, die nichts davon verstehen, die Evolution, also die beobachtbare Abfolge der Entwicklung der Lebewesen im Laufe der Erdgeschichte, mit dem Versuch, diese Daten zu erklären, gemeinhin der Evolutionstheorie(n), verwechselt oder gleichgestellt.
Ich möchte hier nochmals darauf hinweisen, dass es einen Unterschied gibt, zwischen der gemeinsamen Abstammung der Lebewesen, für die es sehr viele Indizien in der fossilen und genetischen Überlieferung gibt, und zwischen den Theorien und Hypothesen, die diese via Evolutionsmechnismen erklären sollen.

Evolution, Relativität, Quantenmechanik sind ja keine "Erfindungen" der Wissenschaft, sondern Gesetzmäßigkeiten, die uns die Natur vorgibt. Die muss man halt schlucken, ob es uns schmeckt oder nicht. Wir können, wie eingangs erwähnt, vielleicht die Schwerkraft leugnen. Aber wir werden dann feststellen, dass wir trotzdem nicht fliegen können, wenn wir mit den Armen wedeln.
Man kann natürlich auch einfach einwenden, dass man einfach nur nicht wahrhaben will, dass der individuelle Bezug zur Evolution nur "Glauben" ist. Eben weil man die Daten nicht selbst erarbeitet hat. Dies ist dann eigentlich nur der Versuch sich vom Glaubenden abzusetzen.

Dann halt: Die Evolutionstheorie ist die Konsequenz beobachteter Fakten!

Das Problem hierbei ist die Interpretation der Daten. Denn gerade die Komplexität, das scheinbare "Aufbloppen" der Arten und die Konstanz einiger seit Jahrmillionen "unveränderten" Exemplare gereicht Kreationisten ja zur gegenteiligen Meinung.
Aber schlussendlich ist die Gegenüberstellung oben ja schon richtig: Man glaubt halt. Der Bezug des Einzelnen zum allgemein Gelernten nennt sich eben im Positiven Glaube. Wie sich ein Individuum zu einer Theorie stellt, ist im Prinzip dessen Sache. Einige präferieren "Glauben" andere nennen es "Vertrauen", was den sozialen Charakter des Erkenntnisgewinns betont. In der Regel ist das Wort "Wissen" nicht zutreffend. Auf beiden Seiten.

Das dabei Theorie und Beobachtung - also Evolution und Evolutionstheorie - in einen Topf geworfen werden, ändert nichts an der Debatte selbst, die dies als Glauben auslegt. Aber vielleicht hilft ja eine kleine Betrachtung zum Wesen einer Theorie. Theorien benötigen immer ein Erkenntnissubjekt (der Wissenschaftler und dann die, denen er es erzählt), denn Theorien sind "Sichten" der Welt, benötigen also einen "Seher". Sie haben drei Eigenschaften: Sie beschreiben, sie erklären, sie erlauben Vorhersagen.

Und das macht auch die Evolutionstheorie, ob man das nun glaubt oder nicht. Oder: "An die Evolution" zu glauben ist genauso falsch, wie es richtig ist.
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

von Anzeige » Mi 17. Jan 2018, 11:11

Anzeige
 

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 18. Jan 2018, 11:04

Grundlagen: Survival of The Fittest = Überleben des Stärkeren? - Altruismus in der Evolutionsbiologie

Allein die Übersetzung aus dem Englischen klärt die Sache schnell auf: Überleben des Tüchtigsten.
Darwin hat sich ab 1860 in Briefen über die deutsche Falschübersetzung seines Begriffs "Struggle for Life" als "Kampf ums Dasein" beschwert und darauf hingewiesen, dass es bei diesem Wettbewerb im Hinterlassen von Nachkommen einerseits um die Konkurrenz um begrenzte Ressourcen geht, andererseits aber auch die Kooperation eine zentrale Rolle spielt. Einige Lebewesen sind kräftig, andere schnell. Einige haben lange Schlafphasen, andere bilden Gruppen. Einige haben gute Nachtsichtaugen, andere ein größeres Verdauungssystem. Einige sind in ihrer Zellstruktur einfacher gebaut, andere hochkomplex. Oder wie der Volksmund sagt: "Viele Wege führen nach Rom." Überleben hängt nicht von der Stärke ab, sondern von der Anpassung.
So ist beispielsweise in Darwins "Kampf ums Dasein" die wenig aggressive Pflanzenwelt eingeschlossen, aber auch der Eltern-Altruismus (etwa die Jungenfütterung) als eine Methode zur Sicherung des Lebenszeit-Fortpflanzungserfolgs hervorgehoben.

Und ein Weg dieser Anpassung ist Altriusmus, also das eigene Wohl für andere hintenanstellen.
Der Einwand, dass der Mensch sich um Kranke kümmert und hilft und dies im Widerspruch zum "Überleben des Stärkeren" steht, verfängt nur, wenn man dies nicht bedenkt.
Altruismus im evolutionsbiologischen Sinn bedeutet, dass jeder einzelne zum Wohl der Gruppe und damit der Spezies, sein Möglichstes tut, ohne damit eine spezifische Motivation oder ein absichtliches Handeln zu verbinden. In der Tat stellt altruistisches Verhalten ein Problem für die Evolutionstheorie dar, da Altruismus für den Anwender mit Kosten verursacht ist und dabei die "Fitness" möglicher Konkurrenten erhöht. Altruismus müsste also von der natürlichen Selektion ausgemerzt werden, sobald er entsteht. Damit Altruismus doch existieren kann, muss, wenn die Evolutionstheorie korrekt ist, letztlich durch altruistisches Verhalten die Nachkommenzahl gegenüber egoistischem Verhalten gesteigert werden. Wäre dies nicht der Fall, wäre die Evolutionstheorie widerlegt.
Die Erforschung des evoluten Altruismus ist ein aktives Forschungfeld, indem nach wie vor verschiedene Modelle und Theorien miteinander konkurrieren. Allen gemein ist, dass altruistisches Verhalten in letzter Instanz nicht wirklich selbstlos sein darf, sondern in irgend einer Weise den Fortpflanzungserfolg erhöhen muss. Hier mal ein Kurzabriss der gängisten Modelle:
  • Reziproker Altruismus liegt vor, wenn altruistisches Verhalten auf der Basis von Gegenseitigkeit "zurückgezahlt" wird. Vor allem von höheren Primaten einschließlich des Menschen ist dieses Phänomen des reziproken Altruismus bekannt. Ein solcher Altruismus ist jedoch kein echter, da er sich letztlich "auszahlt".
  • Indirekte Reziprozität ist eine Theorie, welche die Evolution durch natürliche Selektion von altruistischem Verhalten gegenüber einem nichtverwandten Individuum erklären soll, wenn dieses Verhalten durch dasselbe Individuum nicht erwidert wird. Demnach zahlt sich tugendhaftes Verhalten aus, wenn man seinen Ruf verbessert, wodurch dann kooperatives Verhalten bei anderen hervorgerufen wird. Indirekte Reziprozität wurde auf eine einfache Formel gebracht: "Ich helfe Dir und jemand anderes hilft mir."
  • Starke Reziprozität bezeichnet altruistisches Belohnen kooperativen Verhaltens und altruistisches Bestrafen unkooperativen Verhaltens.
Diesem entspricht das Bibelwort aus Sprüche 11:25: "Wer gern wohltut, wird reichlich gesättigt, und wer andere tränkt, wird auch selbst getränkt." (Elberfelder Bibel).

Verwandt mit diesen Begriffen ist die Gruppenselektion: Oft ergeben sich Gruppenvorteile aus diesem Handeln, woraus alle Mitglieder, etwa von staatenbildenden Insekten, langfristig wieder individuell profitieren. Schon Darwin erkannte selbst das Problem der Frage nach Ursprung von altruistischem Verhalten. Oft hängt aber das Verhalten eines Individuums vom Verwandschaftsgrad ab. Nahe Verwandte haben aufgrund ihrer identischen Vorfahren einen hohen Anteil identischer Gene.
Die Price-Gleichung Price-Gleichung vermag auf elegante Weise die Evolution einer Prädisposition in Richtung Altruismus zu beschreiben. Dazu wird Altruismus definiert als ein Verhalten, das einerseits die Fitness (den Fortpflanzungserfolg) des altruistischen Individuums reduziert, andererseits die durchschnittliche Fitness der Gruppe, der das altruistische Individuum angehört, erhöht. Verhält sich ein Individuum altruistisch gegenüber einem anderen Individuum, wird angenommen, dass beide der gleichen Gruppe angehören.
Außerdem gibt es da auch neuronale Modelle Erklärungen (zum Beispiel Spiegelneuronen, "altruisms punishment" (altruistische Strafe), und so weiter).
Es gibt also durchaus Erklärungen bzw. Erklärungsversuche, um den Altruismus auf natürlichem Wege zu klären.

Konkurrenz"denken" kann damit ja auch nicht weggeredet werden.
Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 792 000 Kinder lebend geboren. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren das 55 000 Neugeborene oder 7,4 % mehr als im Jahr 2015 (738 000) (#1). Jedes dieser Kinder und im Grunde jeder Versuch einer Zeugung läuft mit einem großen Rennen ab. Abermillionen Samenzellen versuchen zur Eizelle zu gelangen. Dabei gibt es aber sportliche Vertreter und nicht so sportliche, fruchtbare und unfruchtbare. Es ist aber kein reines Wettrennen, sondern Krieg. Einige Auserkorene scharen tausende Helfer um sich. Die Helfer versperren den Weg für andere Spermien, attackieren diese, verpfropfen den Weg oder wickeln sich als Knäuel an die Gegnerschar. Es geht um den Sieg des stärksten, schnellsten und raffiniertesten. Noch dazu veranstalten sie diesen Terror untereinander, obwohl sie bereits in einer feindlichen Umgebung sind, die mit eigenen Abwehrmechanismen das System vor fremden Eindringlingen (und das sind Spermien nun mal) schützen soll und außerdem gleichsam die Funktion der Selektion übernimmt. Warum opfern sich einige, auch fruchtbare Spermien für andere? Ich persönlich würde bei einem Schöpfer erwarten, dass die Zeugung wesentlich sparsamer abläuft. Der Fluch der Erbsünde fällt als kreationistischer Erklärungsansatz ja aus, da auch Tiere sich so fortpflanzen.

In der Tat dachte man lange, der Mensch sei auf Grund des evolutionären Überlebenskampfs ein purer Egoist, der ohne ein ausgeprägtes Gefühl für Gut und Böse auf die Welt komme. Erst durch Erziehung, Religion und Philosophie erlernten wir, moralische Werte zu achten.
Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt von der University of Virginia erkennt angesichts der Forschungswelle gar ein "goldenes Zeitalter der Moralpsychologie", da wir offenbar von Geburt an über einen moralischen Instinkt verfügen, der uns fühlen lässt, was gut, was böse ist. Der Verhaltensforscher Frans de Waal von der Emory University im US-Bundesstaat Georgia etwa beobachtete bei Menschenaffen Mitgefühl: "Wir haben Tausende Fälle dokumentiert, in denen ein Schimpanse einen anderen tröstet." Und der Primatologe Christophe Boesch vom Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig verfolgte an der Elfenbeinküste, wie Mitglieder einer Schimpansenhorde ihre Verletzten sogar über Wochen aufopfernd pflegten, deren Wunden reinigten und Fliegen verscheuchten.
Altruistisches Verhalten setzt sich langfristig durch, in allen sozial veranlagten Tierarten. "Diese Tiere haben ein Interesse daran, dass ihre Horde nicht zu klein wird", weiß der Leipziger MPI-Forscher Claudio Tennie, der Kultur und Kooperation bei Menschenaffen untersucht, "Deswegen mag es sich für ein Männchen sogar lohnen, das Kind eines anderen zu adoptieren und aufzuziehen"
Die Entwicklungspsychologen Tomasello und Felix Warneken vom MPI in Leipzig haben bei ihnen etwa eine angeborene Hilfsbereitschaft entdeckt und in klassischen Experimenten dokumentiert. Ein zweijähriger Junge beobachtet, wie ein fremder Mann im Raum Wäsche aufhängt. Dem Erwachsenen fällt eine Klammer herunter, und er bückt sich danach. Doch es scheint dem Unbekannten nicht zu gelingen, die Wäscheklammer mit der Hand zu erreichen. Der Mann starrt eine Weile nach unten und blickt dann mit verzweifeltem Gesichtsausdruck zu dem Kleinkind und wieder zurück. Der Junge reagiert. Er geht zu der Klammer, hebt sie auf und reicht sie dem Fremden. Mit der spontanen Hilfsbereitschaft schon in dieser frühen Entwicklungsphase bildet der Bub keine Ausnahme: Die meisten kleinen Probanden im Alter von 18 bis 24 Monaten versuchen, in dieser Situation zu helfen.
Nicht nur Hilfsbereitschaft, auch eine klare Präferenz für Gerechtigkeit findet sich bereits bei Kleinkindern. Der Kognitionspsychologe Paul Bloom von der Yale University im US-Bundesstaat Connecticut spielte gerade mal neun Monate alten Babys ein Puppentheaterstück vor. Ein Mann versucht darin, einen Berg zu besteigen. Dann kommt ein Böser, der ihn daran hindert, und danach ein Guter, der ihm hilft. Schließlich tauchen zwei weitere Puppen auf. Eine schlägt den Guten mit einer Rute, die andere den Bösen. Die Reaktion der Kleinsten ist eindeutig, wenn sie zwischen den beiden letzten Puppen wählen dürfen: Sie bevorzugen diejenige, die den Bösen bestraft hat, und lassen die andere links liegen. "Diese Babys besitzen offenbar einen rudimentären Sinn für Gerechtigkeit", folgert Bloom. Selbst ein drei Monate alter Säugling, der noch nicht einmal krabbeln kann, favorisiert den Guten: Er blickt zu diesem hin und ignoriert den Bösen, wie der Entwicklungspsychologe jüngst nachwies.
An Psychopathen hat der Neuropsychologe Antonio Damasio von der University of Southern California verschiedene moralische Szenarien getestet. Beispielsweise halten es diese Personen für vertretbar, einen gesunden Menschen zu töten, wenn man dann mit dessen Organen fünf Todkranke retten kann. Anders als die Normalbevölkerung entscheiden sie allein auf Grund einer Kosten-Nutzen-Kalkulation. Ihnen fehlt die emotionale Bremse.
Je nach Kulturkreis werden die moralischen Instinkte anders trainiert, sind aber besonders unsere Stammesgeschichte und frühkindliche Sozialisation geprägt. In westlichen Ländern sind vor allem Gerechtigkeit und Mitgefühl dominierend, in anderen Kulturkreisen die Loyalität zu der eigenen Gruppe, die Achtung von Autoritäten und Hierarchien sowie körperliche und geistige Reinheit. Es kann aber nicht restlos geklärt werden, warum einige Menschen zu Helden werden, andere nicht.

#1 - Quelle: Staat & Gesellschaft - Geburten - Statistisches Bundesamt (Destatis)
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Sa 20. Jan 2018, 23:13

Grundlagen: Uhrmacher-Analogie - Was ist Leben?

Uhren am Straßenrand, abgelegene Waldhütten, bedruckte Blätter. All das sind Dinge, die nicht zufällig entstanden sind. Also muss auch hinter allem Sein ein Plan stecken.
Uhren setzen sich nicht durch Schütteln in einer Kiste zusammen. Waldhütten entstehen nicht durch vom Sturm aufgwirbelte Baumstämme. Und auch die beste Druckerei arbeitet nicht mit explodierenden Druckerpressen um ein Buch zu erstellen. So weit, so logisch. Man geht hier mit Recht davon aus, dass jemand diese Dinge gebaut, zusammengesetzt und ganz sicher auch so geplant hat. Davon analog auf die Komplexität des Lebens zuschließen ist aber leider nicht möglich.

Eine inzwischen klassische argumentative Widerlegung dieser Uhrmacher-Analogie legte Richard Dawkins bereits 1986 vor: In "Der blinde Uhrmacher" entkräftet er die Thesen der Anhänger des Kreationismus und Intelligent Design. "Die Essenz des Lebens ist statistische Unwahrscheinlichkeit in kolossalem Maßstab", schreibt Dawkins. "Wie auch immer Leben erklärt wird, es kann nicht Zufall sein." Während die Komplexität einer Taschenuhr auf die Fertigkeit eines Uhrmachers verweist und auf den Plan, den er in seinem Kopf hatte, ist der Uhrmacher, der Hämoglobin und Hirne schuf, blind. Die Evolution hat keinen Zweck und keinen Plan: schon gar nicht sind wir Menschen das Ziel der Evolution. Aber Zufall ist es eben auch nicht, wie von kreationistischer Seite immer wieder vorgeworfen. Zwar sind die Mutationen im Genmaterial zufällig (obwohl Dawkins auch hier mit dem Begriff "Zufall" hadert), nicht zufällig aber sind die Kriterien, nach denen entschieden wird, welche Individuen ihr Genmaterial weitergeben können. Sie heißen: Überlebensvorteil und Reproduktionsvorteil.
Selbstverständlich wird auch ein Affe, der eine Schreibmaschine wahllos bearbeitet nie "Hamlet" schreiben können, ja nicht einmal einen einzigen Satz und nur in sehr unwahrscheinlichen Fällen per Zufall mal irgendein Wort. Selbst der Rechner an dem ich diesen Text hier verfasse, würde "Hamlet" durch zufälliges Rekombinieren von Buchstaben nicht in der Zeit schaffen, die das Universum schon besteht. Auch ein einzelner Satz aus dem Stück von Shakespear würde er erst in Trillionfacher Zeit seit dem Urknall schreiben. Denselben Satz aber schreibt der Computer in wenigen Sekunden, wenn man ihn so programmiert, dass die Regeln gelten, die in der Natur auf die Gene lebender Organismen wirken, und die Dawkins "kumulative Selektion" nennt.

Die Evolutionstheorie leidet darunter, dass sie eine im Kern einfache Theorie ist. So glaubt jeder, sie verstanden zu haben, während die meisten Menschen zugeben, weder die Relativitäts- noch die Quantentheorie zu begreifen. Dawkins verwendet viel Zeit darauf, den Unterschied zwischen Darwins Theoriengebäude und der Karikatur dessen verständlich zu machen, die den Anhängern des Kreationismus als Aufhänger dient.

Der Vergleich von Waldhütte, explodierender Druckerei und Uhr hinkt in sofern, als dass Leben nach bestimmten Regeln abläuft:
  • Energie- und Stoffwechsel und damit Wechselwirkung mit ihrer Umwelt.
  • Organisiertheit und Selbstregulation (Homöostase).
  • Reiz, das heißt sie sind fähig, auf chemische oder physikalische Änderungen in ihrer Umwelt zu reagieren.
  • Fortpflanzung, das heißt, sie sind zur Reproduktion fähig.
  • Vererbung, das heißt, sie können Informationen (Erbgut) an ihre Nachkommen übermitteln.
  • Wachstum und damit die Fähigkeit zur Entwicklung.
Das alles trifft auf die angestrebten Vergleiche nicht zu. Sie wechselwirken nicht, reagieren nicht auf Reize, organisieren und regulieren sich nicht selbst, pflanzen sich nicht fort, vererben nichts und wachsen nicht. Sie sind allein dem Zerfall verpflichtet.
Bei Spezies handelt es sich aber im biologischen Sinn nicht aus lauter gleichen Organismen, sondern – zumindest bei Vielzellern - aus lauter individuell verschiedenen Lebewesen, die sich untereinander fortpflanzen können. Schon eine räumliche Trennung zwischen Populationen kann bereits zu einer Auseinanderentwicklung führen. Bekanntes Beispiel sind wohl die Darwin-Finken (die wohl eher Drosseln oder Ammern sind), die Darwin auf den Galapagosinseln gefunden hat und die sich von den Festlandvögeln Südamerikas, wo sie wohl herstammten, unterscheiden. Wenn wir diese Analogie also geltend machen wollen, käme eher ein Schneckenhaus oder die Schale eines Ammoniten in Frage. Denn die sind zweifellos erschaffen. Nur ist das weder ein Beweis dafür, dass die erschaffenden Tiere intelligent sind, noch, dass diese ihrerseits von einem intelligenten Schöpfer erschaffen wurden.

Der heutige Wissensstand in den Naturwissenschaften reicht nicht aus, um zu erklären, wie das Leben entstand. Wird für Lebewesen ein genetisches Programm, seine Funktionalität und seine Entwicklung als essenziell angenommen, dann ergibt sich für den Beginn des Lebens der Zeitpunkt, zu dem Moleküle als Träger des Programms und weitere Hilfsmoleküle zur Realisierung, Vervielfältigung und Anpassung dieses Programms erstmals so zusammentreten, dass ein die charakteristischen Eigenschaften des Lebens tragendes System entsteht. Das wir weder den Zeitpunkt, noch das erste Lebewesen kennen, bedeutet - wie bereits vielfach geschildert - nicht, dass wir hier einfach Gott ansetzen dürfen, auch wenn wir wöllten.
Über verschiedene Ansätze die Entstehung des Lebens zu erklären, werde ich später mehr schreiben.

Die Uhrmacher-Analogie hat bereits eine lange Geschichte hinter sich:
  • Cicero (106−43 v. Chr.) lässt in seinem philosophischen Dialog "De natura deorum" (Vom Wesen der Götter; Buch II, Kap. 87) einen Stoiker aus dem planvollen Funktionieren einer Sonnen- oder Wasseruhr schließen, dass sie die Stunden nicht aus Zufall, sondern aufgrund der ihr innewohnenden Technik anzeige; analog müsse die Welt aufgrund von Planung und Vernunft entstanden sein.
  • Robert Hooke vergleicht in "Micrographia" (1664) die von ihm mit dem Mikroskop erforschten Kleinlebewesen mit den Uhrwerkmechanismen (mit deren Konstruktion er sich ebenfalls befasste). Seine Einschätzung ist, dass Konstruktionen von Menschenhand neben der "Allmacht und Vollkommenheit des großen Schöpfers" verblassen müssen.
  • Voltaire schließt im 2. Kapitel seiner "Traité de métaphysique" (1734) aus dem Wachsen und Funktionieren des menschlichen Körpers, dass er wie eine Uhr von einem intelligenten Wesen geplant worden sein müsse. Weitergehende Schlussfolgerungen hieraus über die Natur dieses Wesens, seine Ewigkeit, Unendlichkeit usw. hält Voltaire allerdings nicht für logisch gerechtfertigt.
  • William Paley argumentiert in seiner "Natural Theology" (1802), dass man eine auf dem Feld gefundene Taschenuhr als intelligent konstruiertes Objekt erkenne, und dass folglich auch die lebenden Organismen als Werke eines intelligenten Konstrukteurs anzusehen seien.
Die Analogie wird meist durch den Hinweis kritisiert, dass sie ein Vorwissen über die Entstehung von Artefakten voraussetzt, das bei lebenden Organismen jedoch nicht vorliegt. So wird eine Uhr als von Menschen geschaffen erkannt, da der Betrachter bereits durch Bildung und Prägung weiß, dass Uhren künstlich hergestellt werden. Das Erkennen von Ordnung und Komplexität sei dafür nicht ausschlaggebend.
Vertreter des Intelligent Design wenden dagegen ein, Vorwissen über die Entstehung sei nicht nötig, da das Erkennen intelligent geschaffener Strukturen an bestimmten Mustern festgemacht werde, die auf intelligentes Eingreifen hinweisen würden. Als Beispiel wird das SETI-Programm angeführt. Auch hier könne nach Meinung der Intelligent-Design-Vertreter nicht auf Erfahrungswissen zurückgegriffen werden, die Suche nach Signalen orientiere sich vielmehr an auffälligen Mustern.
Der Astronom Seth Shostak vom SETI-Institut wiederum weist diesen Vergleich als fehlerhaft zurück. Komplexe Muster allein würden noch nicht Intelligenz nachweisen. Wesley R. Elsberry betont, dass SETI nur Signale detektieren würde, welche bestimmte Eigenschaften der menschlichen Kommunikation aufweisen, so wie sie auf Grund der Erfahrung mit menschlicher Kommunikation festgestellt wurden. Unter anderem zum Beispiel die Benutzung von elektromagnetischen Signalen im Radiowellenlängenbereich und bestimmte Arten der Codierung. Auch beansprucht SETI explizit nicht, unspezifische Intelligenz nachweisen zu können. Nur solche Signale von intelligenten Wesen, welche hinreichend ähnlich zur menschlichen Intelligenz sind, so dass unsere Erfahrung mit letzterer auch auf diese intelligenten Wesen zutrifft, können mit SETI nachgewiesen werden. Ergo wird wieder Vorwissen über die Entstehung von Signalen vorausgesetzt.
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 23. Jan 2018, 10:26

Pokerspielen - Über die Wahrscheinlichkeiten bereits aufgetretener Effekte.

Genau genommen sagen Wahrscheinlichkeiten über die Plausibilität einmaliger Ereignisse nichts aus. Ein Beispiel vorweg:

Man stelle sich vor, vier Freunde sitzen am Tisch und spielen Poker. Einer notiert, in welcher Reihenfolge die Karten ausgegeben werden. Anschließend berechnet er die Wahrscheinlichkeit, mit der die eben gespielte Kartenabfolge über alle Spieler gezählt auftritt.

Rechnen wir mal:
- die Wahrscheinlichkeit 1.Karte (1/52 Karten) ................................ Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 52
- mal der Wahrscheinlichkeit 2.Karte (1/48 (52 minus Anzahl Spieler)) ..... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 2.496
- mal der Wahrscheinlichkeit 3.Karte (1/44 (52 minus 2x Anzahl Spieler)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 109.824
- mal der Wahrscheinlichkeit 4.Karte (1/40 (52 minus 3x Anzahl Spieler)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 4.392.960
- mal der Wahrscheinlichkeit 5.Karte (1/36 (52 minus 4x Anzahl Spieler)) .... Gesamtwahrscheinlichkeit 1 zu 158.146.560


Die Wahrscheinlichkeit, dass der 1. Spieler genau die Karten auf die Hand kriegt, die er da gerade hat, liegen bei 5 Karten und 4 Spielern bei 1 zu 158 Millionen. Um den Vorgang zu wiederholen bräuchten wir also statistisch gesehen 158 Millionen Versuche, damit wenigstens einmal wieder die gleichen Karten in der gleichen Reihenfolge aufgespielt werden. Es kann aber auch rein zufällig schon beim 2. Versuch passieren oder dem 831., oder dem 1.204. Das weiß vorher niemand. Schon die Wahrscheinlichkeit, dass vor der Rechnerei diese Karten auf der Hand des Spielers landeten war genauso unwahrscheinlich. Aber sie ist eingetroffen.

Noch extremer ist es allerdings, wenn man wissen will, wie wahrscheinlich es ist, dass alle 4 Spieler zusammen exakt die 20 Karten ausgespielt werden, die jeder Spieler gerade in Händen hält. Dabei kann man nicht einfach die 158 Millionen mit den 4 Spielern multiplizieren. Nein. Es sieht wie folgt aus. Wir multiplizieren jetzt solange bis insgesamt 20 Karten vergeben sind (Wir haben ja Platz!):

- die Wahrscheinlichkeit 1.Karte (1/52 Karten) ......................... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 52
- mal der Wahrscheinlichkeit 2.Karte (1/51 (52 minus 1 Karte)) ..... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 2.652
- mal der Wahrscheinlichkeit 3.Karte (1/50 (52 minus 2 Karten)) .... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 132.600
- mal der Wahrscheinlichkeit 4.Karte (1/49 (52 minus 3 Karten)) .... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 6.497.400
- mal der Wahrscheinlichkeit 5.Karte (1/48 (52 minus 4 Karten)) .... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 311.875.200
- mal der Wahrscheinlichkeit 6.Karte (1/47 (52 minus 5 Karten)) .... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 14.658.134.400
- mal der Wahrscheinlichkeit 7.Karte (1/46 (52 minus 6 Karten)) .... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 674.274.182.400
- mal der Wahrscheinlichkeit 8.Karte (1/45 (52 minus 7 Karten)) .... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 30.342.338.208.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 9.Karte (1/44 (52 minus 8 Karten)) .... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 1.335.062.881.152.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 10.Karte (1/43 (52 minus 9 Karten)) ... Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 57.407.703.889.536.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 11.Karte (1/42 (52 minus 10 Karten)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 2.411.123.563.360.512.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 12.Karte (1/41 (52 minus 11 Karten)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 98.856.066.097.780.992.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 13.Karte (1/40 (52 minus 12 Karten)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 3.954.242.643.911.239.680.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 14.Karte (1/39 (52 minus 13 Karten)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 154.215.463.112.538.347.520.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 15.Karte (1/38 (52 minus 14 Karten)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 5.860.187.598.276.457.205.760.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 16.Karte (1/37 (52 minus 15 Karten)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 216.826.941.136.228.916.613.120.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 17.Karte (1/36 (52 minus 16 Karten)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 7.805.769.880.904.240.998.072.320.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 18.Karte (1/35 (52 minus 17 Karten)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 273.201.945.831.648.434.932.531.200.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 19.Karte (1/34 (52 minus 18 Karten)) .. Zwischenwahrscheinlichkeit 1 zu 9.288.866.158.276.046.787.706.060.800.000
- mal der Wahrscheinlichkeit 20.Karte (1/33 (52 minus 19 Karten)) ........ Endwahrscheinlichkeit 1 zu 30.653.258.322.310.954.399.430.000.640.000

Also rund 1 zu 30,7 Quintillion (oder 30,7 x 10 hoch 30).


Trotzdem können die Karten schon beim ersten Mal genauso ausgeteilt werden!
Was sagt uns also die Statistik über den genannten Einzelfall? Nichts. Bei 52 Spielkarten ist die Wahrscheinlichkeit dieser Kartenabfolge derart gering, dass man seit der Entstehung des Universums hätte Karten spielen können, ohne das Blatt je auf die Hand zu bekommen. Selbst wenn alle heute lebenden Menschen jede Minute seit Anbeginn in Vierergruppen Poker spielen würden, jede Minute die Karten mischen und ein neues Spiel beginnen.

Bei einer Fahrt von Dresden nach Glauchau wurde uns einst erklärt, dass wir nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung der Evolutionisten immer noch Einzeller wären, da man die Einzelwahrscheinlichkeiten ja multiplizieren müsse. Da Evolutionsbiologen rückwärts rechnen (vom aktuellen Stand aus in die Vergangenheit gemeinsamer Vorfahren) würde dieser Fehler nicht auffallen. Kreationisten rechnen aber eben vorwärts (von dem angenommen hypothetischen ersten Lebewesen zum heutigen Stand).
Ich habe nicht erwähnt, dass mathematische Formeln rückwärts und vorwärts gleich sind, insbesondere bei Multiplikationen.
Ich habe nicht erwähnt, dass er Multifunktionalitäten und Funktionsumformungen unberücksichtigt lässt, die eine positive Selektion um mehrere Potenzen begünstigt.
Ich habe nicht erwähnt, dass Grundwahrscheinlichkeiten nur dann verwendet werden können, wenn man alle Ausgangspositionen kennt.
Ich habe nicht erwähnt, dass niemand weiß, wie viele Möglichkeiten der Ausformungen es gibt, aber recht sicher ist, dass der heutige Ist-Zustand nicht so hätte sein müssen.

Damit sind wir aber im Grunde auch schon bei dem Grundproblem. Der heutige Ist-Zustand wird eben von Kreationisten doch zum erklären Ziel deklariert und man missachtet alle Möglichkeiten, die hätten sein können, da sie ja offenbar nicht sind.
Am oben aufgeführten Pokerspiel ist aber klar erkenntlich, dass weder die 4 Karten, die der eine Spieler in Händen hält, noch die 20 Karten, die alle 4 Spieler haben, die einzigen im Spiel sind. Es hätte jederzeit anders sein können. Das Material dafür ist vorhanden. Aber keiner würde annehmen, dass es eine Vorherbestimmung in der Verteilung der Karten gab, sondern würde zu Recht dem Zufall diese Verteilung zuschieben.
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 26. Jan 2018, 21:17

Kann ich meinem Hirn trauen? - Über die Fallen der selektiven Wahrnehmung

Wissenschaft läuft es in der Regel wie folgt ab: Theorien werden aufgestellt, Experimente gemacht und am Ende des Tages werden Theorien, die den Experimenten widersprechen, verworfen. Thomas H. Huxley, britischer Biologe, Bildungsorganisator und Hauptvertreter des Agnostizismus, sagte es so: "The great tragedy of science - the slaying of a beautfiul hypothesis by an ugly fact." (Deutsch: "Die größe Tragödie der Wissenschaft - das Erschlagen einer wunderschönen Hypothese durch eine hässliche Tatsache.")
Natürlich ist es schmerzlich, wenn die eigene Lieblingstheorie den Bach runter geht. Aber in der Naturwissenschaft gibt es nunmal nur einen unbestechlichen Richter als einzigartige Möglichkeit, Theorien objektiv zu prüfen: das Experiment. So erkennt man falsche Theorien und entsorgt sie. Dieser Selbstreinigungsprozess funktioniert in der Regel gut, auch wenn es in der Öffentlichkeit nicht so wirkt. Aber um es mit aller Deutlichkeit zu sagen, Homöopathie, Astrologie, Rutengehen, Perpetuum Mobile und auch der Kreationismus (auch der getarnte) sind keine Wissenschaften, auch wenn einiges sogar an Universitäten gelehrt wird. Es ist vor diesem Hintergrund für mich sowohl zutiefst verwunderlich, aber auch irgendwie faszinierend, warum sich Ideologien, Verschwörungstheorien, alternativmedizinische Verfahren und Glaubenssysteme - in ihrer Gesamtheit also für mich fragwürdige Ideen - trotz Ihrer Falsifizierung weitgehender Beliebtheit erfreuen. Allerdings kann man selbst solchen Vorstellen erliegen. Es steht sich die unangenehme Frage: Glaube ich auch an absurde Ideen und merke es nicht, weil mein Hirn mir sagt, dass wäre alles okay?

Die Frage selbst ist natürlich auch irgendwie blöd, wird aber auch gern auf die Augen angewendet. Dann kommen Sätze wie: "Ich habe es mit eigenen Augen gesehen." kennt jeder, obwohl die Prinzipien der optischen Täuschung hinlänglich bekannt sind (einfach mal bei der Google-Bildersuche "optische Täuschung" eingeben). Dazu gehört auch die Fähigkeit des Hirns, aus unvollständigen Hinweisen komplette Muster zu erkennen.
Für den Höhlenmenschen war diese Fähigkeit äußerst wichtig. Es reicht ja nicht, den Tiger zu erkennen, wenn er aus dem Busch angesprintet kommt. Also lieber einmal zu viel erschreckt und weggerannt, als einmal zu wenig. Besonders stark ist die Mustererkennung bei Gesichtern. Ist es ein Feind oder ein Paarungspartner?


Bild von mir geschossen.

Praktisch jede Zeichnung kann nur deswegen erkannt werden, weil man die Fähigkeit besitzt, Muster zu erkennen. Wir würden Superman nicht erkennen, wenn er nicht in seinem rotblauen Pyjama abgebildet wäre. Wiederkehrende Muster sind einfach notwendig.
Und genauso funktionieren auch kognitive Täuschungen. Auch sie können dazu führen, dass wir Muster erkennen, wo keine sind. Dazu gibt es ein klassisches Experiment, in dem Versuchspersonen darum gebeten wurden, herauszufinden, nach welchem Gesetz Reihen von drei Zahlen gebildet wurden.


Nach den ersten Zahlenreihen kommen die Probanden in der Regel zu der Annahme von der Null aufwärts wurde immer zwei addiert. Diese Regel, obwohl bei allen Versuchen erfolgreich angewandt, ist nicht die richtige. Bereits Zahlenreihe vier widerspricht der These, man habe mit der Null begonnen. Zahlenreihe fünf bricht auch damit, immer zwei zu addieren. Auch die Annahme, dass es sich um gleiche Abstände handelt, führt nicht zur richtigen Regel. Tatsächlich ist es schon ausreichend, wenn die Zahlen aufsteigend aufgereiht sind.

Bild

Dieses Bild enthält auf beiden Seiten im Grunde die gleiche Informationsmenge. Allein durch die Anordnung entsteht links ein Muster. Die Striche sind die selben.
Sogar jetzt, wo ihr diesen Text lest, erkennt ihr ein Muster. Jeder Buchstaben hat eine eigene, abgeschlossene und von anderen Buchstaben unabhängige Information. Erst durch die Anordnungen in einem Wort erhalten Sie weitere Informationen. Und so, wie jeder Buchstabe im Grunde nur ein Muster aus Pixeln ist, so ist jedes Wort ein Muster aus Buchstaben. Worte selbst enthalten ebenfalls abgeschlossene, unabhängige Informationen. Durch die Anordnung in einem Satz wird eine weitere Information über den Kontext hinzugefügt. Der Satz hat also mehr Informationen als die einzelnen Wörter aus denen er besteht. Und so geht ist auch ein ganzer Text mehr als die Summe seiner Sätze.

"Genau in dem Moment, als ich an meine/n Bruder/Schwester/Vater/Mutter/Onkel/Tante/Opa/Oma/Freund/Freundin gedacht habe, hat das Telefon geklingelt und sie war am Apparat. Das MUSS Telepathie gewesen sein." Sowas hat sicher schon jeder Mal erlebt. Und wenn es einem passiert, ist es tatsächlich beeindruckend. Aber wie oft wurde man von den Verwandten oder Freunden angerufen, ohne das man vorher an sie gedacht hat? Wie oft hat man an die Verwandten oder Freunde gedacht, ohne das sie angerufen haben? (Und mal unter uns: Wenn die Telepathie beherrschen, wozu brauchen die dann noch ein Telefon?)
Wenn wir bei Vollmond aufwachen, ist natürlich logisch das der Vollmond schuld ist. Wenn wir einem anderen Tag wach werden, denken wir nicht groß drüber nach. Selektiv ist also der Mond schuld. Wenn sich der eigene Babywunsch trotz Anstrengung nicht erfüllt, sieht man überall nur noch Kinderwagen. Oder wenn man sich nach einer Partnerschaft sehnt, kann es vorkommen, dass einem irgendwie nur noch händchenhaltende und knutschende Paare begegnen. Nach einer homöopathischen Behandlung fühle ich mich besser und blende aus, dass es eine warme Hühnersuppe auch getan hätte (und ich meine nicht wegen dem zugefütterten Anti-Biotika). Außerdem ist die Ampel sowieso immer rot und die Bahn immer zu spät. Abläufe, die klappen, werden nicht registriert.
Und was lernen wir aus diesen simplen Experimenten und Beispielen:
  • Unser Hirn neigt dazu, nach Mustern zu suchen und diese auch zu finden.
  • Unser Hirn schießt über das Ziel gern hinaus. Es findet Muster auch da, wo keine sind.
  • Nur selten versucht eine Versuchsperson, ihre Regel dadurch zu prüfen, dass es nach Gegenbeispielen zur Regel sucht.
Auch im alltäglichen Leben neigen wir dazu, überall Muster zu erkennen und an ihnen festzuhalten, ohne sie jemals zu prüfen. Diesen Phänomenen gemeinsam ist, dass unser Hirn intern eine Strichliste führt. Und jedes Mal und auch nur dann, wenn unser Muster bestätigt wird, eine zusätzlichen Strich erhält.

Wenn wir 1846 in der Wiener Charitae in einem Flügel erfragen, ob ein bestimmtes Verfahren bei der Geburtshilfe hilft und als Antwort: "Ja, wir hatten dieses Jahr 4010 Fälle, in denen es geholfen hat." erhalten, sollten wir den Bestätigungsfehler im Kopf behalten. Wie oft hat es denn nicht geklappt? Wie viele Frauen sind im Kindbett verstorben? Wie sieht es im zweiten Flügel der Wiener Klinik aus? Mit der Negierung der Frage und dem gegenüberstellen dieser Ergebnisse führte damals Ignaz Semmelweis die Statistik in die Medizin ein. Und vermutlich ist dies sogar die wichtigste Errungenschaft seines Lebens.

1. Flügel Geburten: 4010, Gestorben: 459.
2. Flügel Geburten: 3754, Gestorben: 105.

Es wird nun erst deutlich, dass 4010 mal "bei uns hat es geholfen" kein Zeichen für eine wirksame Behandlung darstellen. Zahlen ohne Vergleichswerte sind generell mit Vorsicht zu genießen.
Um aber bei Semmelweis zu bleiben, der völlig zu recht als "Retter der Mütter" bezeichnet wird: Ihm kam ein tragischer Zufall zu Hilfe, die unterschiedlichen Sterberaten aufzudecken. Ein Freund von ihm starb, nachdem er sich bei einer Autopsie einer Leiche mit dem Skalpell durch den Handschuh und in die Hand schnitt. Die daraus folgende Infektion entwickelte ähnliche Symptome wie Frauen mit Kindbettfieber. Und damit erklärte sich auch der Unterschied in den beiden Flügeln der Wiener Klinik. In der einen arbeiteten Hebammen und in der anderen Medizinstudenten, die regelmäßig mit Leichen arbeiteten. Semmelweis führte darauf hin im Jahr 1847 die Maßnahme ein, dass vor den Behandlungen der Wöchnerinnen die Mediziner sich die Hände desinfizieren mussten und belegte dann auch den Erfolg der neuen Maßnahme durch Statistik:

1846 Geburten: 4010, Gestorben: 459.
1848 Geburten: 3556, Gestorben: 45.

Der große Dank blieb anfangs aus. Besonders von seinen Kollegen wurde er kritisiert. Der Gedanke, dass ein Arzt unsauber sein könnte, musste sich erst noch durchsetzen. Dabei sollte man aber auch daran denken, wie schwer es wohl einem selber als Arzt gefallen wäre, sich einzugestehen, dass man - wenn auch aus Unwissenheit und unbeabsichtigt - den Tod vieler Frauen im Kindsbett verursacht hat.

Ein weiteres Beispiel für selektive Wahrnehmung und nebenher für raffinierte Werbung findet sich bei Parship, wo sich alle 11 Minuten einer verliebt. Eine statistische Auswertung dieser Behauptung findet sich hier: Werbung mit „harten“ Fakten – und warum man am Ende doch nicht schlauer ist als vorher (2. April 2014)

Der Einzelfall kann täuschen. Gerade eigene Erfahrung wirken immer sehr überzeugend, aber zu groß sind hier Fehlerquellen wie Bestätigungsfehler. Statistiken wirken kalt und unpersönlich, sind aber die einzige Messgröße für halbwegs verlässliche Aussagen. Denn da sind viele Fehlerquellen ausgeschalten. Rauchen ist nun mal ungesund – egal wie viele Raucher sich auch auf Helmut Schmidt berufen!
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 29. Jan 2018, 22:08

Grundlagen: Was ist das anthropische Prinzip?

Das anthropische Prinzip ist eine Tautologie (#1), die meistens zur Argumentation gegen die Auffassung, die Entstehung irdischen Lebens ohne übernatürliche Kräfte sei höchst unwahrscheinlich, verwendet wird. Es besagt, dass die Erde und die Gegebenheiten im Allgemeinen (zum Beispiel: Naturkonstanten) zwingend so lebensfreundlich sind, weil wir darauf leben. Wäre die Erde oder das umliegende Universum nicht lebensfreundlich, dann wären wir auch nicht da um festzustellen, dass sie das nicht sind.
Es ist also notwendig, dass wir eine lebensfreundliche Umgebung wahrnehmen, da es uns als Wahrnehmer ja sonst gar nicht geben würde. Der Ort, an dem wir leben, muss durch die Bedingungen, dass wir auf ihm existieren können, eingeschränkt sein. Diese Aussage kann verschieden gedeutet werden. Grob unterschieden wird daher zwischen einem schwachem und einem starkem anthropischem Prinzip.

Das schwache anthropische Prinzip

Gemäß dem schwachen anthropischen Prinzip ist unsere Erde in Hinsicht auf die herrschenden, lebensfreundlichen Umstände eventuell ein privilegierter Ort im Universum. An anderen Orten und zu anderen Zeiten herrschen und herrschten die Bedingungen wohlmöglich nicht, die mit unserer Existenz als Beobachter vereinbar sind. Also ist das, was wir beobachten vielleicht auch nicht zwingend das, was häufig im Universum vorkommt. Unsere Erde ist folglich unter Umständen zwar ein besonderer Ort, dass wir auf ihm leben jedoch nichts Besonderes. Da Leben nun einmal allein auf solch einem speziellen Ort entstehen kann.

Das starke anthropische Prinzip

Gemäß dem starken anthropischen Prinzip muss das Universum als Ganzes zumindest zeitlich vorübergehend derart sein, dass die Entstehung von Leben möglich ist. Es muss somit eine zwingende Erklärung für die lebensermöglichenden Umstände geben. Sei es beispielsweise die Stringtheorie, welche die Naturkonstanten (würden diesen andere Werte zukommen, hätten zum Beispiel nie Sterne entstehen können) nicht mehr als beliebig hinstellt, sondern natürlich erklären kann, Gott oder Vergleichbares.

Zwischenstand

Das starke und das schwache anthropische Prinzip unterscheiden sich also grundsätzlich hinsichtlich der in Bezugnahme von Naturkonstanten, Grundkräften und ähnlichem. Beim schwachen werden diese als gegeben hingenommen, beim starken Prinzip als theoretisch variabel angesehen. Natürlich bringen nun sowohl die allgemeine, die schwache und die starke Version des anthropischen Prinzips Missverständnisse, Kontroversen und Vereinnahmungen durch ideologische Gruppierungen mit sich. Letzteres erstaunlicherweise sowohl durch Naturalisten, als auch durch Idealisten. So sehen Esoteriker, Kreationisten oder Anhänger der Intelligent-Design-Bewegung im starken Prinzip ein Beweis für einen Gott als Hüter der fundamentalen Parameter unseres Universums.
Wir betreten, einen Raum und sehen einen Pfeil inmitten einer Dartscheibe stecken. Daraus schließen die Idealisten jetzt, dass der Schützling ein Gott des Darts sein muss. Die Naturalisten entgegen aber, dass es auch ein absoluter Dart-Amateur sein könnte, der einfach unendlich viele Versuche hatte.

Naturalistische Betrachtung

Unser blauer Planet scheint perfekt darauf abgestimmt zu sein, Leben hervorzubringen. Die Weltanschauung des Naturalismus lässt sich ganz grob mit den Worten "alles geht mit rechten Dingen zu" umschreiben. Naturalisten sehen im anthropischen Prinzip einen Gedanken, der den Verdacht auf eine übernatürliche Kraft (nicht unbedingt mit einer Intention, aber doch zielgerichtet) hinter dieser auffallenden Feinabstimmung entkräftet.
Meistens wird dabei von Paralelluniversen, Multiversen, einem enorm oder einem unendlich großem Universum ausgegangen. Diese Annahmen entnehmen sie verschiedenen, nicht oder nicht genau empirisch verifizierten, physikalischen Theorien. Zwei davon sind die Stringtheorie und die Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik. So legen Teile der Stringtheorie nahe, dass neben unserem sehr, sehr viele Universen (ca.10 hoch 500) existieren (Multiversum-Hypothese). Auch die Viele-Welten-Interpretation geht von Myriaden weiteren Universen aus, die sich anders als in der Stringtheorie jedoch sehr ähneln sollen.
Vertreter der naturalistischen Deutung des anthropischen Prinzips sehen uns quasi in der Situation eines Lottogewinners, der gerade von seinem Glück erfahren hat. Er wundert sich, dass ausgerechnet er gewonnen hat. Dass aber irgendjemand gewinnt, ist bei der extrem hohen Anzahl an Lottospielern nicht verwunderlich und dass sich der Gewinner von Fortuna überrascht sieht, ebenso wenig. Die anderen Teilnehmer sind die riesigen räumlichen und zeitlichen Weiten dieses Universums oder anderer Universen. Der Gewinn das Leben.
In vielen der anderen Raumausschnitte herrschen vielleicht wüste Leere, Schwarze Löcher und nicht etwa die für uns scheinbar maßgeschneiderten Naturkonstanten. Diese Raumausschnitte werden wir aber nie zu Gesicht bekommen. Und wie es bei einem Glücksspiel mit entsprechend vielen Beteiligten auch mindestens einen Gewinner gibt, ist es nur logisch dass hier und vielleicht noch an anderen Orten die Rahmenbedingungen uns fein abgestimmt scheinen. Vielleicht herrschen in einem etwas jüngeren Paralleluniversum noch Umstände wie im antiken Rom und in wieder einem anderen delphinähnliche Wesen über einen blauen Planeten? Wenn man unendlich viele Universen oder ein in Raum und / oder Zeit unendliches Universum postuliert, so muss es gar zwangsläufig Leben geben, ganz egal wie unwahrscheinlich die Entstehung von Leben ist (da diese offensichtlich möglich, da die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Leben größer Null ist). Das wir uns über unsere lebensfreundliche Erde (schwaches Prinzip) oder die Feinabstimmung des Universums (starkes Prinzip) wundern, liegt in unserer Natur, wäre dann aber wie ein Schöpfungsmythos völlig überflüssig.

Probleme

Die Beliebtheit resultiert vermutlich aus der Unbeliebtheit der Zufallshypothese oder der teleologischen Erklärung, die immer an Kreationismus erinnert. Die Existenz eines Gottes wäre aber das Ende des Denkens auf diesem Gebiet.
Grundsätzlich ist das Argument aber gar nicht so stark, da es sich auf "Wenn wir hier leben können, ist es hier so, dass wir hier leben können." runter brechen. Die Frage warum hier auf der Erde ein so unwahrscheinliches Ereignis wie die Entstehung von Leben vonstattengehen konnte, klärt sich erst mithilfe den Spekulationen über riesige Universen, Multiversen und ähnlichem. Und da wird es unwissenschaftlich, da naturwissenschaftliche Theorien bislang eigentlich immer empirisch falsifizierbare Voraussagen treffen mussten, an denen sie sich dann bewährten oder scheiterten. Multiversen und Co sind unseren Messungen und Beobachtungen jedoch prinzipiell nicht zugänglich. Wir wissen also weder, um auf das vorgegangene Bild zurückzukommen, ob Meister Gott oder der Zufall mit unendlich vielen Versuchen auf die Dartscheibe geworfen hat. Und so betrachtet ist die eine Prämisse nicht minder spekulativ, als die andere.
Der Terminus "unwissenschaftlich" ist nicht gleich "inexistent". Es bedeutet nur, dass es außerhalb des dem naturwissenschaftlicher Methodik zugänglichen Bereichs und somit außerhalb des naturwissenschaftlichen Weltbildes liegt. Nichts spricht also gegen die Richtigkeit metaphysischer Behauptungen, doch sollten auch die Physiker, wenn sie solche aufstellen, diese auch als solche deklarieren.

Wie also als Naturwissenschaftler unsere eigene Existenz erklären? Bleibt noch die Zufallshypothese. Auf der einen Seite eine einfache, einleuchtende Erklärung. Dass wir entstanden sind, war höchst unwahrscheinlich, aber es sei nun einmal passiert. Auf der anderen Seite spricht man bei solch niedrigen Wahrscheinlichkeiten (eine weitere Hürde bei solchen Überlegungen: Wir wissen schlichtweg noch nicht, wie wahrscheinlich die Entstehung von Leben und vieles weitere genau ist) in den Naturwissenschaften oft von vernachlässigbar klein und rechnet gar nicht mit ihrem Auftreten. Und doch bleibt die Wahrscheinlichkeit. Möglicherweise ist auch noch eine vierte Möglichkeit der Fall. Ich sehe beispielsweise die von einem selbstorganisierenden Universum. Dies mag sich wieder unwissenschaftlich anhören, doch das ist es nicht. Längst sind Beispiele unbelebter, sich scheinbar selbstorganisierender Systeme aus Biologie und Physik bekannt. So scheint sich in einigen Galaxien das Sternentstehen und Sternverlöschen beziehungsweise das Explodieren von Supernovae aufeinander eingepegelt zu haben. Falls es solche Systeme tatsächlich geben sollte, wären diese nicht teleologisch im Sinne etwas Intentionalem und daher eine Möglichkeit zur naturwissenschaftlichen Erklärung unser Selbst. Doch auch das ist nur eine weitere Spekulation.

Egal ob Zufall, Schicksal, Schöpfung oder sonst was. Dass wir hier leben können, ist irgendwie ein Wunder. Und wir sollten es als Solches zu schätzen wissen.

#1 - Eine Tautologie (altgriechisch "dasselbe" und -logie), auch Verum (lateinisch "wahr") genannt, ist in der Logik eine allgemein gültige Aussage, das heißt eine Aussage, die aus logischen Gründen immer wahr ist. Beispiele für Tautologien sind Aussagen wie "Wenn es regnet, dann regnet es" oder "Das Wetter ändert sich oder es bleibt, wie es ist."
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 2. Feb 2018, 20:14

Konkurrenz - Teil 2: Ist Krieg Menschenwerk? - Die Schimpansen von Gombe

Der Schimpansenkrieg von Gombe in den Jahren 1974 bis 1978 war eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen zwei Schimpansengruppen im Gombe-Stream-Nationalpark in Tansania. Beteiligt waren die Kasakelagruppe in dem nördlichen Teil des Parks sowie die Kahamagruppe im südlichen Teil. Beide Gruppen waren ursprünglich Teil derselben Schimpansengemeinschaft, die sich jedoch nach und nach aufgeteilt hatte. Beobachtet wurde das Geschehen hauptsächlich durch die britische Verhaltensforscherin Jane Goodall. Anhand ihrer Aufzeichnungen konnte mit computergestützten Analysen gezeigt werden, dass die Gruppen bereits 1971 zu rivalisieren begannen (#1).

Die Kahamagruppe im Süden bestand aus sechs ausgewachsenen Männchen (unter ihnen die durch Goodall benannten "Hugh", "Charlie", und "Goliath"), drei ausgewachsenen Weibchen mit Jungtieren sowie einem männlichen jugendlichen Affen (genannt "Sniff"). Die größere Kasakelagruppe bestand hingegen aus zwölf erwachsenen Weibchen mit Jungtieren sowie acht ausgewachsenen Männchen.

Der erste Ausbruch von Gewalt begann am 7. Januar 1974, als eine Gruppe von sechs Kasakelamännchen den Schimpansen "Godi" angriff und tötete, als dieser in einem Baum fraß. Dies stellt die erste bekannte Situation dar, in der Schimpansen absichtlich einen anderen Schimpansen töteten.

In den folgenden vier Jahren wurden alle Männchen der Kahama durch die Männchen der Kasekela getötet. Von den Weibchen wurde eines umgebracht, zwei sind verschollen und drei wurden geschlagen und durch die Kasakelamännchen entführt. Dadurch konnten die Kasakela erfolgreich das Territorium der Kahama übernehmen. Dieser Raumgewinn war jedoch nicht permanent, da das Kasakelagebiet nun direkt an das Territorium einer weiteren Schimpansengruppe, der Kalande, grenzte und im Verlauf einiger gewalttätiger Auseinandersetzungen mit den zahlenmäßig deutlich überlegenen Kalande durch die Kasekela großteils wieder aufgegeben wurde.

Der Ausbruch des Kriegs schockierte Goodall, die bis dahin davon ausgegangen war, dass das Verhalten der Schimpansen zwar dem menschlichen ähnle, jedoch deutlich "netter" sei. In Verbindung mit einer kannibalistischen Kindstötung durch eine ranghohe Schimpansenmutter im Jahr 1975 wurde Goodall die „dunkle Seite“ des Schimpansenverhaltens bewusst, was sie tiefgreifend erschütterte. In ihren Memoiren Through a Window: My Thirty Years with the Chimpanzees of Gombe (Google-Leseprobe) schrieb sie dazu:
For several years I struggled to come to terms with this new knowledge. Often when I woke in the night, horrific pictures sprang unbidden to my mind—Satan [one of the apes], cupping his hand below Sniff's chin to drink the blood that welled from a great wound on his face; old Rodolf, usually so benign, standing upright to hurl a four-pound rock at Godi's prostrate body; Jomeo tearing a strip of skin from Dé's thigh; Figan, charging and hitting, again and again, the stricken, quivering body of Goliath, one of his childhood heroes. ...

Übersetzung: "Ich hatte jahrelang Probleme, mit diesem neuen Wissen klarzukommen. Oftmals, wenn ich in der Nacht aufwachte, sprangen mir unaufgefordert entsetzliche Bilder in den Kopf – Satan [einer der Affen], wie er seine Hand unter Sniffs Kinn hält, um das Blut zu trinken, das aus der großen Wunde in seinem Gesicht fließt; der alte Rodolf, normalerweise so gütig, aufrecht stehend, um einen Vier-Pfund-Stein auf den ausgestreckten Körper von Godi zu schleudern; Jomeo, wie er einen Streifen Haut von Dés Oberschenkel reißt; Figan, wie er auf den angeschlagenen, zitternden Körper von Goliath, einem seiner Kindheitshelden, wieder und wieder losgeht und einschlägt. ..."

Als Goodall von den Ereignissen des Schimpansenkriegs berichtete, wurde ihren Schilderungen von natürlich auftretenden Kriegen zwischen Schimpansen nicht immer Glauben geschenkt. Die wissenschaftlichen Modelle dieser Zeit gingen davon aus, dass es praktisch keine Überlappungen von menschlichem und tierischem Verhalten gebe. Einige Wissenschaftler warfen ihr exzessiven Anthropomorphismus vor; andere unterstellten, dass ihre Anwesenheit sowie ihre Gewohnheit die Tiere zu füttern den gewaltsamen Konflikt in einer sonst friedlichen Gesellschaft erst ausgelöst hätten. Spätere weniger invasive Forschungen bestätigen jedoch, dass es in Schimpansengruppen auf natürliche Weise zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt (#2, #3).

#1 - Barras, Colin: Only known chimp war reveals how societies splinter. In: New Scientist. 7. Mai 2014; abgerufen am 28. Dezember 2017.

#2 - Nature of war: Chimps inherently violent; Study disproves theory that 'chimpanzee wars' are sparked by human influence. In: ScienceDaily. 17. September 2014; abgerufen am 6. März 2017.

#3 - Lethal aggression in Pan is better explained by adaptive strategies than human impacts. Nature, 2014; 513 (7518): 414 DOI: 10.1038/nature13727 (mit 67 Studienverweisen)
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Sa 3. Feb 2018, 09:36

Was ist "Non sequitur"?

Non sequitur (lat. für "es folgt nicht") ist ein Fehlschluss innerhalb der Argumentation eines Beweises, der darauf basiert, dass die geschlussfolgerte These nicht aus den zugrundeliegenden Prämissen abgeleitet werden kann. Es handelt sich um ein non sequitur, wenn bei dem versuchten Beweis der These Argumente aufgestellt werden, die zwar wahr sind, aber keinen zureichenden Grund für die Wahrheit der These bieten.

Beispiele:
  • Prämisse: Das Universum hatte einen Anfang.
  • These: Also hat es auch ein Ende.
  • Non sequitur: Beide Aussagen können richtig sein, aber weder ist dies sicher, noch reicht die Existenz eines Anfangs aus, um zwingend auch ein Ende zu bedingen.

  • Prämisse 1: Wenn ich in Dresden bin, bin ich in Sachsen.
  • Prämisse 2: Ich bin nicht in Dresden.
  • Schlussfolgerung: Deshalb bin ich auch nicht in Sachsen.
  • Non sequitur: Auch wenn beide Prämissen zutreffen, muss die Schlussfolgerung nicht richtig sein, weil ich mich ja an einem anderen Ort in Sachsen, aber außerhalb Dresdens befinden könnte.
Bezogen auf diese Debatte hier lautet "Non sequitur":
  • Prämisse 1: Ich glaube an die Schöpfung.
  • Prämisse 2: Die Evolutionstheorie kann die Entstehung des Lebens nicht zufriedenstellend erklären.
  • Schlussfolgerung: Daher muss die Schöpfung richtig sein.
  • Non sequitur: Auch wenn hier ebenfalls beide Prämissen zutreffen, muss die Schlussfolgerung nicht richtig sein. Denn erstens können künftige Evolutionsmodelle präziser und zufriedenstellender sein und zweitens ist der Schöpfungsmythos auch dann nicht automatisch richtig, wenn die Evolutionstheorie grundlegend falsch wäre.
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 7. Feb 2018, 23:57

Wie ein Auto evolviert

... und weitere genetische Algorithmen.
So hätte die Überschrift auch weiter lauten können.

Manches Computerspiel prahlt mit "Evolution" im Titel. Andere versuchen tatsächlich den evolutionären Prozess in das Spielprinzip mit ein zu binden. Und das ist gar nicht so einfach. Denn Evolution funktioniert nur deshalb, weil so viel Zeit für die Entwicklung und Erprobung kleiner Veränderungen zur Verfügung steht. Und so etwas ist Gift für kurzweilige Unterhaltung.

Ich möchte euch heute einige Programme vorstellen, die verknüpft über die Spieltheorie die Evolution nachempfinden. Dabei geht es um Programme die immer wieder Testreihen aufbauen und neu starten, sie verbessern sich dabei mit den erfassten Ergebnissen. Sie erschaffen dabei in einem Prozess der Selektion gute und weniger gute Dinge, die in der Testumgebung geprüft werden.

So zum Beispiel bei BoxCar2D ([url]BoxCar2D.com[/url]):
Einfache "Autos" fahren auf einer Hindernisstrecke. Sie bestehen aus einem Haufen Polygonen, an die an einigen Stellen Räder montiert werden. Am Anfang entstehen meist Konstruktionen, bei denen die Räder oben oder innen befestigt sind, aber nach einiger Zeit kommen die Autos in Gang.
Die Wagen werden danach bewertet, wie gut sie auf einer einfachen Hindernisstrecke zurechtkommen – je weiter sie kommen, desto größer ist die Fitness. Links seht ihr die Werte der aktuellen Population. Am Anfang muss man froh sein, wenn ein Wagen überhaupt von der Stelle kommt, aber dann setzen sich die besten Varianten durch.
Wer oben im Fenster auf “The Algorithm” klickt, bekommt übrigens auch eine kurze Erläuterung, wie das ganze funktioniert, allerdings auf Englisch.

Das einfache Evolution java applet (http://www.probability.ca/jeff/java/evolution.html, Java erforderlich) lässt vier Amöben in einem Aquarium herumschwimmen – ab und zu senden sie böse Fühler aus, die andere Amöben umbringen.
Im Laufe der Zeit werden die Fühler länger und die Amöben drehen sich viel schneller, um die anderen zu erwischen. Ganz nett zum angucken, aber so richtig mitreißend ist es nicht.

Wer genetische Algorithmen verstehen will, der sollte vielleicht mit dem Java-Genitor (http://www.glauserweb.ch/gentord.htm, Java erforderlich) anfangen: Dort wird eine Landschaft generiert, in der die Käfer (kleine Punkte) den höchsten Punkt suchen. Man sieht sehr schön, wie Mutation und Selektion wirken, mit entsprechendem Knopf kann man sich das Wirken anzeigen lassen. Als Einführung in genetische Algorithmen sicher ganz praktisch.

Eaters (http://math.hws.edu/xJava/GA/, Java erforderlich) lässt kleine, zweidimensionale Tierchen über eine Landschaft laufen. Die Landschaft ist mit “Pflanzen” bedeckt, die von den “Eaters” gefressen werden.
Die Eaters haben eine einfache Steuerung: Sie können ihre Richtung ändern und durch die Gegend laufen. Was sie als nächstes tun, hängt davon ab, ob sie gerade eine Pflanze gefressen haben oder nicht und was sie im letzten Schritt gemacht haben. Damit sind sie sehr einfache Turingmaschinen . Allerdings stoßen sie relativ schnell an ihre Grenzen, weil die Programmierung kein Gedächtnis vorsieht – sie können sich also nicht merken, ob sie irgendwo schon einmal gewesen sind.
Das Programm hat sehr viele Einstellmöglichkeiten für die Verteilung der Pflanzen, die Geschwindigkeit und vieles andere. Besonders praktisch ist, dass es einen Superschnell-Modus gibt, in dem keine Zeit mehr für die grafische Ausgabe verschwendet wird. Da kann man ein paar hundert Generationen rechnen lassen und dann das Ergebnis wieder langsamer laufen lassen.

Sehr nett, weil schön einfach, ist auch Elegant tiefstapeln (http://fbim.fh-regensburg.de/~saj39122/vhb/NN-Script/script/Applets/dkst/Problembeschreibung.htm, Java erforderlich, oben rechts auf "Packproblem-Applet" klicken, um es zu starten) Hier muss ein Lastwagen mit Kisten befüllt werden.
Am Anfang gibt man vor, welche Kisten untergebracht werden müssen, der Algorithmus versucht dann, die optimale Packung zu finden. Man kann mit Populationsgrößen, Mutationsfrequenzen etc. herumspielen.

Phylo (http://phylo.cs.mcgill.ca/) ist von einer Universität produziert worden (und die haben bekanntermaßen nicht viel Geld). Genauer gesagt, es wurde von zwei jungen Studenten im Labor von Professor Jerome Waldispuhl an der McGill Universität in Kanada entwickelt. Das Spiel heißt Phylo und ist für jeden frei zugänglich und online spielbar. Ziel des Spieles ist es, einen genetischen Code von zwei nahe verwandten Lebewesen so anzuordnen, dass bei seiner Entstehung möglichst wenige Mutationen notwendig waren. Für Löcher im Code gibt es Minuspunkte, für Übereinstimmungen Pluspunkte.
Gleiche Regionen sind dabei solche die einen gleichen evolutionären Ursprung haben und z.B. in Affen und Menschen beide vorkommen. Dieser Code (im Grunde nichts anderes als DNA) mag für ein bestimmtes Protein stehen, oder er ist verantwortlich für den Haarwuchs an einer bestimmten Stelle am Kopf, oder aber er verursacht Brustkrebs. Die Codes in diesem Spiel sind nämlich alles tatsächlich existierende Sequenzen, die alle mit einer Reihe von Krankheiten assoziiert werden. Der Gedanke dahinter ist, dass die Daten, die einer Spieler am Computer produziert, von den Wissenschaftlern hinter Phylo ausgewertet werden. Die Kreativität und Intuition des Menschen soll so für die Datenanalyse ausgenutzt werden.

So etwas ist nichts Neues: Foldit (http://fold.it/portal/)fordert Spieler auf, Proteine zu kreieren und dabei den Wissenschaftlern zur Hand zu gehen. Und der Galaxy Zoo (https://www.galaxyzoo.org/)bietet anscheinend das Gleiche für Astronomie-interessierte Spieler an.

Darwin’s Survival Game (http://www.sciencechannel.com/games-and-interactives/charles-darwin-game/): Liebevoll designt, mit einem Charlie Darwin in der Ecke, der mit ausgefallenen Hüten für Unterhaltung sorgt während er Tipps gibt. Und zum ersten Mal steuert man nicht die Evolution, sondern lediglich die Verbreitung einer Anpassung in der Population. Steht ein kalter Winter bevor, lohnt es sich, Allele für dickes Fell in der Population zu haben. Ziel ist es, seine Population möglichst divers zu halten, damit sie die 1-Million-Marke erreichen. Aber selbst wenn man mal nicht an alles gedacht hat, darf man als Joker eine neue Mutation einbringen.

Das Nächstbeste, was ich finden konnte, ist Darwin Pond (http://www.ventrella.com/Darwin/darwin.html), eine Simulationssoftware ähnlich dem berühmten Blinden Uhrmacher von Richard Dawkins. Schön ist bei Darwin Pond allerdings das Spielelement. Es ist nichts weiter als eine Simulation von kleinen, schwimmenden Viechern in einem Teich. Aber ihr Aussehen und ihre Fähigkeiten hängen von vielen Faktoren ab. Sie haben Farbpräferenzen bei den Partnern, unterschiedlich komplexe Bewegungen, sie sind ständig auf der Suche nach Futter. Und man kann sich in die Evolution der Population einmischen, indem man künstliche Mutationen herbeiführt. Aber bei dem Versuch, eine gesunde dreibeinige Gruppe zu evolvieren (oder zwei Populationen, die sich nicht mehr miteinander paaren), stellt man eines fest: Egal was man tut, am erfolgreichsten und gesündesten sind die Tiere dann, wenn man sie in Ruhe lässt. Nach 6 Stunden hat sich ein gesundes, aber durchaus spannendes Gleichgewicht eingestellt. Die Grafik ist dem Spielalter entsprechend simpel (die erste Version ist von 1996).

Dies war mal ein Beitrag ganz ab von irgendwelchen Debatten und Streitfragen.

Spielt und habt Spaß.
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 9. Feb 2018, 22:43

Warum gibt es Weisheitszähne?

Die evolutionstheoretische Antwort lautet:
Die erheblichen Unterschiede der Form und des Durchbruchzeitpunkts der Weisheitszähne sowie das gelegentliche völlige Fehlen der Zahnanlagen ist die Folge eines langfristigen evolutionären Trends. Weitgehend anerkannt ist heute, dass die ursprünglichen Plazentatiere in jeder Kieferhälfte drei Schneidezähne, einen Eckzahn, vier Vorderbackenzähne und drei Backenzähne hatten. Ihre Zahnformel lautet demnach 3 · 1 · 4 · 3, ihre Zahnzahl betrug 44. Alle heute lebenden Altweltaffen, darunter die Schimpansen und der Mensch, haben hingegen die Zahnformel 2 · 1 · 2 · 3 und somit 32 Zähne. Beim heutigen Menschen können Weisheitszähne also als Rudiment betrachtet werden. Die beim Menschen noch immer anhaltende Reduzierung der Zahnzahl ging – wie das Fossil Ardi belegt – schon vor mehreren Millionen Jahren einher mit einer Verkleinerung der Schnauze und der Eckzähne.

Wie erklären Kreationisten diesen Zahn? Ist er ein Übel, das durch die Erbsünde entstand?


(Übersetzung: "Intelligentes" Design - Was ist dein Lieblingsbeispiel für dummes Design?


Warum haben wir Weisheitszähne, wenn die doch eh irgendwann raus müssen und keiner sie sonst braucht?

Warum ist unser unterer Rücken so mies konstruiert, dass die meisten von uns ab 30 Rückenschmerzen im Lendenbereich haben?
Der Prozess der dazu führte, dass der Mensch in den aufrechten Gang überging, war sehr schnell. Man könnte fast sagen, zu schnell. Die Konstruktion ist nicht ganz ausgereift und verschleißt schnell. Der untere Rücken ist also eine Fehlkonstruktion. Diese würde aber nicht auffallen, wenn der Mensch, so wie früher üblich, selten älter als 30 Jahre wird.(#1)

Wenn ein unfehlbarer Gott uns von vornherein so geplant hat, warum hat er uns dann den Appendix gegeben, der unter guten Hygienebedingungen nichts anderes tut als sich manchmal zu entzünden?

#1 - Über die abwegige und unbestätigte Behauptung, der Mensch sei in vorsintflutlicher Zeit mehrere Hundert Jahre alt geworden, will ich an dieser Stelle gar nicht erst eingehen.
Bild
Früher war alles besser? Heute sorgt in Deutschland die Allgemeinheit dafür, dass alle Wohnung oder Kleidung haben. Die Wohlhabenden geben 50% ihres Einkommens dem Staat, zahlen 80% der Einkommenssteuer, den größten Teil der Körperschafts- und Unternehmenssteuern, sowie einen überproportional hohen Anteil der Umsatzsteuer und sichern so die Grundversorgung der Armen. Kennt jemand eine Ära, in der es mehr Gerechtigkeit gegeben hätte?
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 905
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 19:11

VorherigeNächste

TAGS

Zurück zu Der Kritiker


Wer ist online?

0 Mitglieder

cron