Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 18. Apr 2022, 09:26

Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Dinosaurier? (Teil 1 - Was zum Henker ist ein Behemoth?)

Oh, Dinosaurier.
Die sind in diesem Thread und im ganzen Forum überhaupt viel zu kurz gekommen. Eine Schande, die schnell getilgt werden sollte. Immerhin sind Dinosaurier ziemlich cool.
Zum Abschluss der 200 Beiträge gäbe es kaum ein bessers Thema, als die Riesen aus der Urzeit.

Was die Bibel über Dinosaurier sagt, kann man auf jw.org hier nachlesen:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/dinosaurier-in-der-bibel/

Oder ich fasse es hier kurz zusammen: Nichts.

Ein bisschen enttäuschend, ich weiß. Immerhin haben sie Riesenechsen über 165 Millionen Jahre auf diesem Planeten die dominanten Spezies gestellt. Die paar tausend Jahre, die der popelige Mensch dagegen existiert, sind gerade zu lächerlich dagegen. Auch das ist ein Zeichen von Demut. Sich genau diese Bedeutungslosigkeit in der Geschichte der Erde bewusst zu sein. Aber was sollen bronzezeitliche Hirten auch über Saurier gewusst haben? Darauf gehe ich später nochmal ein.

Ja, die Dinos könnten mit den in 1. Mose Kapitel 1 genannten "großen Seeungetümen", "alle kriechenden Tiere auf dem Erdboden" und den "wild lebenden Tieren der Erde" gemeint sein (1. Mose 1:21-25), aber sie werden nicht explizit erwähnt. Sie könnten am fünften und sechsten Schöpfungstag erschaffen worden sein und damit der biblischen Chronologie nicht widersprechen. Sie könnten auch ausgestorben sein, weil Gott sie nicht mehr brauchte oder sie ihren Zweck erfüllt haben.
Das sind alles die Konjunktive. Die kommen nicht von mir. Die stammen aus dem Artikel selbst. Die Bibel sagt einfach nichts über Dinosaurier aus.

Mit dem Behemoth und dem Leviathan ist zumindest ein wenig Sicherheit in dem ansonsten so substanzlosen jw.org-Artikel enthalten. Da Hiob im Bibelbuch Hiob Kapitel 40 und 41 von Gott aufgefordert wird, sich diese beiden Tiere anzuschauen, können es schlecht Saurier gewesen sein. Wobei hier Junge-Erde-Kreationisten ihre Einwände hätten. Dazu später mehr.

Der jw.org-Artikel stellt also 4 Fragen, kann aber nur eine einzige tatsächlich beantworten. Wenn sich also die Gesellschaft nicht traut valide, empirische Antworten zu geben, dann muss ich wohl ran.

Erster grober Fehler:
"Seeungetüme" und die "fliegenden Geschöpfe" sind keine Dinosaurier. Ja, es gab urzeitliche Riesen in den Meeren und in den Lüften und im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet man auch die Worte "Meeressaurier" und "Flugsaurier", aber in der Wissenschaft werden nur solche Lebewesen als Saurier gezählt, die nur zu dieser kleinen Gruppe von landgängigen Echsen zählt.

Setzt euch hin, nehmt euch'n Tee. Das wird etwas ausführlicher.

Bild
Skelette verschiedener Nicht-Vogel-Dinosaurier
Ganz oben: Tyrannosaurus, Diplodocus
Obere mittlere Reihe: Triceratops, Microraptor
Untere mittlere Reihe: Stegosaurus, Parasaurolophus
Ganz unten: Argentinosaurus, Deinonychus


Fangen wir mal mit einer Ungereimtheit an:

In Hiob 40:15-23 wird der Behemot beschrieben, der laut Deutung einiger das Nilpferd ist. Dieser Deutung schließt sich auch die Wachtturm-Gesellschaft an. Problem:
In Vers 17 wird sein Schwanz beschrieben und in Vers 20 seine Nahrungsquelle.

Hiob Kapitel 40, Vers 17 in verschiedenen Bibelübersetzungen:

Er streckt seinen Schwanz wie eine Zeder. Die Sehnen seiner Schenkel sind verflochten.
- Neue-Welt-Übersetzung der Wachtturm-Gesellschaft

Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten.
- Lutherbibel 2017 (LUT)

Er lässt seinen Schwanz gleich einer Zeder hängen, die Sehnen seiner Schenkel sind ⟨dicht⟩ geflochten.
- Elberfelder Bibel (ELB)

Er macht seinen Schwanz steif wie eine Zeder, dicht verflochten sind die Sehnen an den Schenkeln.
- Hoffnung für Alle (HFA)

Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind fest verflochten.
- Schlachter 2000 (SLT)

Sein Schwanz ist stark wie eine Zeder, die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten.
- Züricher Bibel (ZB)

Sein Schwanz ist kräftig wie der Stamm der Zeder, die Sehnen seiner Schenkel stark wie Seile.
- Gute Nachricht Bibel (GNB)

Aufgerichtet wie eine Zeder ist sein Schwanz, straff sind verflochten seiner Schenkel Sehnen.
- Einheitsübersetzung 2016 (EU)

Sein Schwanz ist gerade wie eine Zeder. Die Sehnen an seinen Schenkeln sind ein dichtes Geflecht.
- Neues Leben. Die Bibel (NLB)

Er streckt seinen Schwanz wie die Zeder. / Seine Sehnen sind dicht verflochten,
- Neue evangelische Übersetzung (NeÜ)

Es macht seinen Schwanz so starr wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind fest verflochten.
- Menge Bibel (MENG)

Der Vollständigkeithalber auch die vier am Häufigsten verwendeten englischen Bibeln:

He moveth his tail like a cedar: the sinews of his stones are wrapped together.
- King James Version (KJV)

He makes his tail stiff like a cedar; the sinews of his thighs are knit together.
- English Standard Version (ESV)

Its tail sways like a cedar; the sinews of its thighs are close-knit.
- New International Version (NIV)

Its tail sways back and forth like a cedar tree. The tendons of its thighs are close together.
- New Int. Readers Version (NIRV)

Bild

Hier seht ihr mal ein typisches Exemplar eines Hippopotamus amphibius, gemeinhin auch als Flußpferd oder Nilpferd bekannt. Der letztere Name rührt daher, dass sie ursprünglich auch entlang des Nils bis zu seinem Mündungsdelta vorkamen, wobei sie heute bereits am Unterlauf ausgestorben sind. Restbestände gibt es noch am Weißen und am Blauen Nil.

Ich habe absichtlich ein Bild genommen, dass diese anmutigen und starken Tiere von so schräg hinten zeigt.
Und hier mal so spaßeshalber ein paar Zedern.

Bild . Bild . Bild . Bild

Vielleicht bin ich ja zu kleinlich, aber sieht der Schwanz des Hippos in irgendeiner Art und Weise aus, wie eine mächtige Zeder. Ich meine, es wird in den Bibelversen nicht explizit von einer großen und starken Zeder gesprochen. Aber die Attribute "kräftig", "stark" und "Stamm" lassen wenig Deutungsmöglichkeiten. Man hätte den Schwanz ja auch nicht mit etwas wuchtigem, wie einem Baum verglichen, wenn dieser sich im Vergleich zum Körper so klein ausnimmt.
Das erste Bild ist übrigens eine Libanonzeder, also eine Baumart, die den Schreibern der Bibel durchaus bekannt gewesen sein sollte.

Das sieht bei den Dinosauriern schon anders aus.
Bild . Bild . Bild . Bild
1. Bild: Lebendrekonstruktion von Brachiosaurus altithorax, 2.Bild: Lebendrekonstruktion eines Tyrannosaurus, 3. Bild: Zeichnerische Lebenddarstellung von Diplodocus, 4. Bild: Lebendrekonstruktion von Triceratops auf Grundlage des Senckenberger Skeletts

Damit will ich jetzt nicht sagen, dass der Behemoth ein Dino war. Denn im jw.org-Artikel korrekt vermerkt ist, dass Dinosaurier und Menschen nie auch nur annähernd zusammen gelebt haben. Schon gar nicht nach der mysteriösen Sintflut, was auf die Zeit des Hiob zutrifft, der ja erst deutlich später gelebt haben soll. Obwohl auch darüber die Bibel schweigt, welche Arten nun alles an Bord waren und was mit dem Begriff "Arten" gemeint ist. Die zahlreichen Dinosaurier jetzt da aber auch noch auf den Holzkasten zu lassen, wirft noch mehr Fragen über den benötigten Platz auf.

Gehen wir aber noch einmal zum Behemoth zurück:
Auch Vers 20 im gleichen Kapitel bei Hiob kann zu anderen Deutungen als dem Flusspferd führen.

Die Berge liefern Nahrung für ihn, dort wo alle wilden Tiere spielen.
- Neue-Welt-Übersetzung

Denn die Berge bringen ihm Tribut, und alle wilden Tiere spielen dort.
- Lutherbibel 2017 (LUT)

Denn die Berge bringen ihm Tribut, und alle Tiere des Feldes, die dort spielen.
- Elberfelder Bibel (ELB)

Die Hügel bieten ihm ihr Gras als Futter, und die wilden Tiere spielen neben ihm.
- Hoffnung für Alle (HFA)

Denn Futter tragen ihm die Berge, wo alle Tiere des Feldes spielen.
- Schlachter 2000 (SLT)

Die Berge bringen ihm Ertrag, und alle wilden Tiere spielen dort.
- Züricher Bibel (ZB)

Das Gras zum Fressen liefern ihm die Berge, wo neben ihm die wilden Tiere spielen.
- Gute Nachricht Bibel (GNB)

Doch die Berge tragen ihm Futter zu und alle Tiere des Feldes spielen dort.
- Einheitsübersetzung 2016 (EU)

Die Berge geben ihm seine Nahrung, dort wo das Wild spielt.
- Neues Leben. Die Bibel (NLB)

Das Futter tragen die Berge ihm zu, / dort, wo die Wildtiere spielen.
- Neue evangelische Übersetzung (NeÜ)

Denn Futter liefern ihm die Anhöhen, wo alle wilden Landtiere spielen.
- Menge Bibel (MENG)

Der Vollständigkeithalber auch die vier am Häufigsten verwendeten englischen Bibeln:

Surely the mountains bring him forth food, where all the beasts of the field play.
- King James Version (KJV)

For the mountains yield food for him where all the wild beasts play.
- English Standard Version (ESV)

The hills bring it their produce, and all the wild animals play nearby.
- New International Version (NIV)

The hills produce food for it. All of the other wild animals play near it.
- New Int. Readers Version (NIRV)


Nach allem, was ich jetzt so herausfinden konnte, sind Nilpferde bei ihrer Futtersuche auch schon mal 4-5 Kilometer von ihrem Fluss entfernt unterwegs, aber Bergwanderer sind sie nun eher nicht so. Sie grasen in weiten Ebenen.

Was bleiben denn da für Alternativen?
Der Elefant vielleicht. Der ist kein Berggänger und auch sein Schwanz ist eher schlank, als stämmig. Oh ... und das Nashorn ... die gleichen mangelnden Merkmale.
Was auch immer der Behemoth für ein Tier gewesen sein soll, es ist sehr wahrscheinlich keines dieser 3 in der Regel zu favorisierten. Obschon die meisten Theologen und Deutungen sehr auf das Nilpferd gehen.

Aber, wenn sie dieses "Tier" schon in Stellung bringen, kann man es auch ein wenig genauer darauf eingehen. Wie und wann haben denn diese 3 Großtiere mit dem Menschen gelebt, wie seine Geschichte und Kultur beeinflusst?

Das erfahrt ihr in Teil 2.
Bild
Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 21. Apr 2022, 21:49

Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Dinosaurier? (Teil 2 - Der Behemoth und wir)

Leider noch nicht viel mit Dinosauriern. Aber wir nähern uns.
Das hier wird ein Mehrteiler mit zahlreichen Quellen.

Ich verlinke noch einmal den Artikel, auch wenn wir heute gar nicht auf ihn eingehen:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/dinosaurier-in-der-bibel/

Was haben wir bisher herausgefunden?
Die eingangs gestellte Frage lässt sich ziemlich simpel mit "nichts" beantworten. Denn genau das tut die Bibel. Sie schweigt über Dinosaurier. Sie gibt keine Antwort auf die im Artikel gestellten Fragen, ob die Dinosaurier von irgendeiner anderen "Art" abstammten, wann sie gelebt haben und warum sie das nun nicht mehr tun. Sie schweigt sich über dieses Thema komplett aus.
Man kann heute nicht einmal mehr eindeutig zuordnen, was ein Behemoth oder ein Leviathan ist. Was der Behemoth aber nach der in Hiob Kapitel 40 gegebenen Beschreibung nicht sein kann, habe ich bereits im 1. Teil geschildert.

In dem heutigen Artikel geht es einmal darum, warum der oder das "Behemoth" dennoch einiges für uns bereit hält.
Wir lassen hier die Kurzzeitkreationisten aus, die behaupten, Gott habe Hiob aufgefordert sich genau mit den zu seiner Lebzeit noch existierenden Dinosauriern zu beschäftigen. Denn die Kurzzeitkreationisten bleiben hartnäckig dabei, dass Behemoth und Leviathan Dinosaurier sein, die noch bis vor wenigen tausend Jahren Seite an Seite mit dem Menschen gelebt haben.

Der Favorit der Langzeitkreationisten ist in der Tat das Nilpferd, auch wenn dieses keinen Schwanz gleich einer Zeder hat. Aber das hatten wir ja schon.

Die Wissenschaft hat noch keine Ahnung, ob die Menschen im Altpleistozän (vor 1,8 - 0,8 Millionen Jahren) Nilpferde gejagt haben oder nicht. Warte: Menschen, vor 'ner Million Jahre. Passt so gar nicht zu der Adam-und-Eva-Geschichte der Bibel, aber herrlich in die stratografischen Messungen (#1, #2, #3).
Markiert ist diese erdgeschichtliche Epoche, wie alle stratigrafischen Schichten durch eine Obergrenze (jüngste Formation) und eine Untergrenze (älteste Formation). Die Untergrenze liegt genau auf der magnetischen Polaritäts-Chronozone C2n (Olduvai-Chronozone). Es findet sich ein Aussterbehorizont der kalkigen Nannoplankton-Art Discoaster brouweri. Das wiederum ist die Basis der kalkiges Nannoplankton-Zone CN13. Während diese Nannoplanton-Art ausstarb, taucht die Nannoplankton-Form Gephyrocapsa spp. auf. Dieses Ereignis fällt auch mit dem Aussterbehorizont der planktonischen Foraminiferen-Art Globigerinoides extremus zusammen. Die Obergrenze ist durch die Brunhes-Matuyama-Umkehr des Magnetfeldes der Erde definiert.

Bild
Geomagnetische Polaritäten im Oberen Känozoikum.
Schwarze Abschnitte entsprechen der heutigen Ausrichtung des Erdmagnetfelds, weiße Abschnitte der umgekehrten Ausrichtung.


Wie im Schaubild zu erkennen ist, hält die derzeitige Magnetfeldkonfiguration an. Bestimmt wurde das Alter dieser Polarisierung mit der Kalium-Argon-Datierung, bei dem der radioaktive Zerfall von Kalium-40 zu Argon-40 ausgenutzt wird. Aber mit radiometrischen Messverfahren haben es Kreationisten erfahrungsgemäß ja nicht so.

Bild
Schulterblatt eines Flusspferdes mit Schnittmarken von Gombore, Äthiopien, rund 700.000 Jahre alt


Beobachtet wurden hier zu sehende, anthropogene Einwirkungen unter anderem bereits in den unteren Schichten der Olduvai-Schlucht in Tansania sowie in Koobi Fora in Kenia, zudem auch in El Kherba in Algerien (#4), sie sind jeweils zwischen 1,8 und 1,5 Millionen Jahre alt und stehen damit in einem altpaläolithischen Kontext. In der Regel handelt es sich um einzelne Funde, die eine gelegentliche Nutzung der Flusspferd-Reste andeuten. Dies bleibt in der darauf folgenden Zeit bestehen, so dass das Flusspferd wohl ein regelmäßiges, wenn auch seltenes Element der Nahrungs- und Rohstoffversorgung des Menschen repräsentiert. Auch hier liegen Beispiele aus Olduvai (BK site und SHK site) vor (#5, #6), zusätzlich etwa von Buia in Eritrea (#7). Teilweise wurden die vom Menschen abgetrennten Körperteile später durch Raubtiere weitergenutzt, wie dies das obige Schulterblatt aus Gombore in Äthiopien dokumentiert (#8). Eine Besonderheit in der Hinsicht der Nutzung von Flusspferd-Resten als Rohmaterial bildet ein aus einem Oberschenkelknochen gefertigter, etwa 12,8 cm langer Faustkeil von der rund 1,4 Millionen Jahre alten Fundstelle Konso, ebenfalls in Äthiopien (#9). Auch in Europa lässt sich das Flusspferd gelegentlich im Zusammenhang mit archäologischen Fundplätzen nachweisen, so etwa in Marathousa auf der Peloponnes in Griechenland, wobei auch hier in der Regel Einzelfunde vorliegen (#10).

Das geht im Jungpleistozän, vor ca. 127.000/126.000 Jahren bis 9.784 (± 69) v.u.Z., dem Zeitalter der wechselnden Warm- und Eiszeiten, einfach weiter. Hinsichtlich der Menschheitsgeschichte fällt das Ende des Jungpleistozäns etwa mit dem Beginn der Jungsteinzeit zusammen, dem Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern. Das Jungpleistozän ist gekennzeichnet durch das Aussterben vieler großer (vor allem) Säugetierarten. Vor allem am Ende des Pleistozäns und dem Beginn des Holozäns sind die letzten Säbelzahntiger, Wollnashörner, Mammuts und Mastodons bekannt, die die berühmtesten dieser Riesensäugetiere sind. Auch der Neandertaler starb in diesem Zeitraum aus. Ins Jungpleistozän fällt auch das Vordringen des anatomisch modernen Menschen auf alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Für die vorgeschichtliche Archäologie fallen in diesen Zeitraum die jüngeren Kulturabschnitte des Mittelpaläolithikums und das Jungpaläolithikum als Unterteilungen der Altsteinzeit.

An einigen Fundstellen im Affad-Becken, am Mittellauf des Nils im Sudan, wurden unter anderem eine Knochenkonzentration aus über 180 Skelettelementen des Flusspferdes gefunden die auf die Zeit vor rund 15.000 Jahren datiert wurden und auf Menschen des späten Mittelpaläolithikums zurückgehen (#11).

Dann beginnen mit der Sesshaftwerdung aber auch schon die neolithischen Kulturen, umgangssprachlich als Jungsteinzeit bekannt. Da gibt es kein einheitliches Startdatum. Das es dafür unterschiedliche Angaben gibt, liegt aber nicht an der Fehlerhaftigkeit der Datierungsmethoden, sondern den Lebensweisen der räumlich weit auseinanderliegenden Gruppen. Niemand würde die Datierung der ersten Lokomotiven um 1802-1804 oder die europäische Industrialisierung insgesamt anzweifeln, weil es in Afrika um die Zeit noch Nomanden mit Rinderherden gab.
Das entscheidende Kriterium für den Beginn des Neolithikums ist der Nachweis domestizierter Nutzpflanzen. Folglich vollzog sich der Übergang zur neolithischen Landwirtschaft weltweit in geeigneten Regionen je nach den vorherrschenden klimatischen und ökologischen Bedingungen unterschiedlich. Während Bauern in immer größeren, ortsfesten Dorfgemeinschaften wohnten und arbeiteten, teilten sich die Viehhirten auf. Es gab einige, die ortgebunden in Ställen fütterten und jene (die meisten noch) die mit ihren Wanderungen weiterhin ihr Vieh über natürlich gewachsene Busch- und Graslandschaften schickten. Insbesondere der Feldbau schuf die Grundlage zu einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Nahrungsproduktion und Vorratshaltung führten zu einer größeren Unabhängigkeit von unkontrollierbaren Bestandsschwankungen der Wildtiere und -pflanzen. Dies führte zu einem stark steigenden Bevölkerungswachstum in den neolithisierten Regionen. Das alles ist zu unterschiedlichen Zeiten stratografisch nachweisbar.

Nach derzeitigem Kenntnisstand begann das Neolithikum erstmals um 9500 v. Chr. im Fruchtbaren Halbmond Vorderasiens. Vor allem an den Südrändern des Zāgros- (südwestlicher Iran, an der Grenze zum Irak) und Taurusgebirges (Südost-Türkei). Das folgende Schaubild zeigt die "Wanderung" des Neolithikums in Europa ganz gut.

Bild
Die Ausbreitung der Neolithischen Kulturen ausgehend vom südöstlichen Mittelmeerraum in den Nordosten Europas.


Vor allem im Niltal wurden in dieser Zeit unter anderem die Zähne des Flusspferdes zur Herstellung verschiedener Gegenstände verwendet. Zu nennen wäre in diesem Zusammenhang das Gräberfeld von Kadruka auf der Höhe des dritten Kataraktes des Nils. Hier wurde in einem Grab ein aus einem Eckzahn gefertigter Kosmetikbehälter. Zeitlich gehört die Fundstelle dem frühen bis mittleren Neolithikum des 5. vorchristlichen Jahrtausends an (#12).
Ein weiteres Beispiel ist das ebenfalls im neolithischen Kontext stehende und etwa gleichalte Gräberfeld von Kadero nordöstlich von Khartum. In einigen der mehr als 240 Gräber fanden sich verschiedentlich Objekte aus den Eckzähnen des Flusspferdes gefertigt. Aber auch andere Körperpartien fanden Einzug in die materielle Kultur des Menschen. So barg das Grab 244 von Kadero neben mehreren Gefäßen, Armreifen und Muschelschalen zusätzlich einzelne langschmale Objekte mit Ausmaßen von rund 5 × 30 cm. Nach Gebrauchspurenuntersuchungen stellen sie wohl Schrapinstrumente dar, gefertigt aus den Rippen eines Flusspferdes. Bemerkenswert an Kadero ist, dass die Flusspferdfunde häufig in Verbindung mit Männer- oder Kinderbestattungen stehen und teilweise sehr reich ausgestattet sind. Einige Forscher vermuten daher, dass zu jener Zeit die Jagd auf die Tiere einer bestimmten Gruppe von Menschen vorbehalten war (#13).

Außerhalb Afrikas sind im Neolithikum und im Chalkolithikum die Zähne des Flusspferdes auch in der Levante vom Menschen verarbeitet worden. Möglicherweise bilden die dichtere Struktur und die deutlichere weiße Farbgebung die ausschlaggebenden Gründe für die Verwendung von Flusspferd-Elfenbein gegenüber etwa Elefanten-Elfenbein (#14).
Ähnliches kann zum ägäischen Raum gesagt werden. Dort diente Elfenbein zur Herstellung von Siegeln, Intarsien oder Plaketten beziehungsweise Belägen, die, da die Rohstoffe eingeführt werden mussten, zumeist Luxusgegenstände repräsentieren. Dies hielt bis wenigstens zur mykenischen Zeit an. Zwar fanden hierbei überwiegend die Stoßzähne der Elefanten Verwendung, doch bestehen einzelne Objekte auch aus Flusspferd-Zähnen (#15).
Als Herkunftsorte für die Flusspferd-Zähne kommen der Vordere Orient und das Niltal in Nordafrika in Betracht, möglicherweise mit einem Transport über das Mittelmeer. Dies lässt unter anderem das Schiff von Uluburun annehmen, das vor rund 3400 Jahren vor dem heutigen Kaş im Südosten der Türkei unterging und in den 1980er Jahren untersucht wurde. Es enthielt neben zahlreichen wertvollen Objekten aus Gold, Bronze und Glas sowie verschiedensten Keramikformen auch Elefanten-Stoßzähne und Zähne von Flusspferden (#16).

Natürlich findet sich auf Felsmalerein auch noch so das ein oder andere Flusspferd.
Die Gebirgskette Tassili n'Ajjer in Algerien, die durch den rund 80.000 km² großen Tassili-n'Ajjer-Nationalpark geschützt wird, birgt schätzungsweise rund 15.000 Einzelbilder, von denen einige auch dem Flusspferd gewidmet sind, das größte darunter (Big hippo site) 4,62 m lang. Die Phase der Felskunst wird lokal als „Phase der Großwildfauna“ bezeichnet´und datiert zwischen 12.000 und 6.000 Jahren vor heute. Mit der zunehmenden Austrocknung der Landschaften verschwanden die großen Tiere. Die bildlichen Darstellungen gingen daher verstärkt zu Nutztieren über, weswegen hier auch von der "Pastoralen Phase" gesprochen wird (#17, #18)
Weitere Felsbilder von Flusspferden sind unter anderem im Wadi Taleschout, Libyen mit allein 15 Einzeldarstellungen (#19).
Als herausragendes Beispiel für Felskunst abseits der nordafrikansichen gelten jene des Matopo-Gebirges, das durch den Matobo-Nationalpark im Westen von Simbabwe eingeschlossen wird. Darüber hinaus sind Abbildungen aus dem Mashonaland im Norden des Staates bekannt. Im letzteren Gebiet zeigt beispielsweise eine Darstellung zwei Tiere mit sich bewegenden Menschen drumherum, die möglicherweise eine Art Regentanz aufführen und so der Affinität des Flusspferdes zu Wasser Bedeutung verleihen (#20, #21).

Die spätere Vergötterung in der altägyptischen und minoischen Kultur ist ebenfalls belegt.

Wie sieht es bei Elefant und Nashorn aus? Das bearbeiten wir lieber im nächsten Beitrag.

#1 - Deutsche Stratigraphische Kommission, Manfred Menning (Hrsg.): Stratigraphische Tabelle von Deutschland 2002. Potsdam 2002, ISBN 3-00-010197-7 (1 Blatt, Stratigraphie.de [PDF; 6,6 MB]).

#2 - Kommission für die paläontologische und stratigraphische Erforschung Österreichs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Die Stratigraphische Tabelle von Österreich (sedimentäre Schichtfolgen) - PDF (Groß)

#3 - International Chronostratigraphic Chart 2012 (PDF)

#4 - Mohamed Sahnounia, Jordi Rosell, Jan van der Made, Josep María Vergès, Andreu Ollé, Nadia Kandi, Zoheir Harichane, Abdelkader Derradji und Mohamed Medig: The first evidence of cut marks and usewear traces from the Plio-Pleistocene locality of El-Kherba (Ain Hanech), Algeria: implications for early hominin subsistence activities circa 1.8 Ma. Journal of Human Evolution 64, 2013, S. 137–150, doi:10.1016/j.jhevol.2012.10.007

#5 - M. Domínguez-Rodrigo , H. T. Bunn, A. Z. P. Mabulla, E. Baquedano, D. Uribelarrea, A. Pérez-González, A. Gidna, J. Yravedra, F. Diez-Martin, C. P. Egeland, R. Barba, M. C. Arriaza, E. Organista und M. Ansón: On meat eating and human evolution: A taphonomic analysis of BK 4b (Upper Bed II, Olduvai Gorge, Tanzania), and its bearing on hominin megafaunal consumption. Quaternary International 322–323, 2014, S. 129–152, doi:10.1016/j.quaint.2013.08.015

#6 - Manuel Domínguez-Rodrigo, Fernando Diez-Martín, José Yravedra, Rebeca Barba, Audax Mabulla, Enrique Baquedano, David Uribelarrea, Policarpo Sánchez und Metin I. Eren: Study of the SHK Main Site faunal assemblage, Olduvai Gorge, Tanzania: Implications for Bed II taphonomy, paleoecology, and hominin utilization of megafauna. Quaternary International 322–323, 2014, S. 153–166, doi:10.1016/j.quaint.2013.09.025

#7 - Ivana Fiore, Luca Bondioli, Alfredo Coppa, Roberto Macchiarelli, Rezene Russom, Habtom Kashay, Tekeste Solomon, Lorenzo Rook und Yosief Libsekal: Taphonomic analysis of the Late Early Pleistocene Bone Remains from Buia (Dandiero Basin, Danakil Depression, Eritrea): Evidence for large mammal and reptile butchering. Rivista Italiana di Paleontologia e Stratigrafia· 110 (suppl), 2004, S. 89–97, doi:10.13130/2039-4942/5766

#8 - Flavio Altamura, Matthew R. Bennett, Kristiaan D’Août, Sabine Gaudzinski-Windheuser, Rita T. Melis, Sally C. Reynolds und Margherita Mussi: Archaeology and ichnology at Gombore II-2, Melka Kunture, Ethiopia: everyday life of a mixed-age hominin group 700,000 years ago. Scientific Reports| 8, 2018, S. 2815, doi:10.1038/s41598-018-21158-7

#9 - Katsuhiro Sano, Yonas Beyene, Shigehiro Katoh, Daisuke Koyabu, Hideki Endo, Tomohiko Sasaki, Berhane Asfaw und Gen Suwa: A 1.4-million-year-old bone handaxe from Konso, Ethiopia, shows advanced tool technology in the early Acheulean. PNAS 117 (31), 2020, S. 18393–18400, doi:10.1073/pnas.2006370117

#10 - George E. Konidaris, Athanassios Athanassiou, Vangelis Tourloukis, Nicholas Thompson, Domenico Giusti, Eleni Panagopoulou und Katerina Harvati: The skeleton of a straight-tusked elephant (Palaeoloxodon antiquus) and other large mammals from the Middle Pleistocene butchering locality Marathousa 1 (Megalopolis Basin, Greece): preliminary results. Quaternary International 497, 2018, S. 65–84, doi:10.1016/j.quaint.2017.12.001

#11 - Marta Osypińska und Piotr Osypiński: Animal Exploitation and Behaviour of the Latest Middle Stone Age Societies in the Middle Nile Valley: Archaeozoological and Taphonomic Analysis of Late Pleistocene Fauna from the Affad Basin, Sudan. African Archaeological Review 33, 2016, S. 107–127, doi:10.1007/s10437-016-9220-4

#12 - Jaques Reinold: Kadruka and the Neolithic in the Northern Dongola Reach. Sudan & Nubia 5, 2001, S. 2–10 (https://issuu.com/sudarchrs/docs/s_n05_reinold)

#13 - Marek Chłodnicki, Michal Kobusiewicz und Karla Kroeper: The Lech Krzyżaniak Excavations in the Sudan. Kadero. Poznań, Archaeological Museum Poznań, 2011, hier besonders Agniezka Krzyżaniak: Neolithic cemetery., S. 57–198 und Małgorzata Winiarska-Kabacińska: Musical instruments., S. 355–358

#14 - Liora Kolska Horwitz und Eitan Tchernov: Cultural and Environmental Implications of Hippopotamus Bone Remains in Archaeological Contexts in the Levant. Bulletin of the American Schools of Oriental Research 280, 1990, S. 67–76 (https://www.jstor.org/stable/1357310?read-now=1&seq=1#page_scan_tab_contents)

#15 - O. H. Krzyszkowska: Ivory in the Aegean Bronze Age: Elephant Tusk or Hippopotamus Ivory? The Annual of the British School at Athens 83, 1988, S. 209–234

#16 - George F. Bass: A Bronze Age Shipwreck at Ulu Burun (Kaş): 1984 Campaign. American Journal of Archaeology 90 (3), 1986, S. 269–296

#17 - David Coulson und Alec Campbell: Rock Art of the Tassili n Ajjer, Algeria. Adoranten, 2010, S. 24–38

#18 - Alec Campbell und David Coulson: Big Hippo Site, Oued Afar, Algeria. Sahara 21, 2010, S. 81–92

#19 - Victoria Waldock: The Taleschout hippos: An enigmatic site in the Messak Settafet, southwest Libya. Sahara 21, 2010, S. 93–106

#20 - Nick Walker: The Rock Art of the Matobo Hills, Zimbabwe. Adoranten, 2012, S. 38–59

#21 - David Coulson und Alec Campbell: Afrikanische Felsenbilder. Malereien und Gravuren auf Stein. Weingarten, 2001, S. 1–256 (S. 101)
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 24. Apr 2022, 23:58

Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Dinosaurier? (Teil 3 - Behemoth und wir Nr. 2)

Das Nilpferd ist kulturell also schon in einer Zeit nachgewiesen, in der Adam noch gar nicht erschaffen worden sein soll. Komisch, wie sich alle Paläontologen und Archäologen so fundamental irren können. Gleichzeitig und übereinstimmend mit den immer falschen Datierungsmethoden, was grobe Fehler in wissenschaftlichen Theorien der Geologie, Topologie, Chemie und Physik mit einschließt.

Aber bei Elefanten oder Nashörnern, weiteren Anwärtern auf den Titel des in Hiob Kapitel 40 benannten Behemoth werden ja wohl übereinstimmender mit der biblischen Chronologie sein, oder?
Nunja, nicht wirklich.

Schauen wir uns zuerst den kulturellen Einfluss des Elefanten an.
Auch beim Elefanten reichen die Beziehungen mehrere hunderttausend Jahre zurück. Auch hier diente das Fleisch als Nahrung und dessen Knochen und Elfenbein zur Herstellung von Werkzeugen oder Kunstgegenständen. Reste von Elefanten finden sich relativ häufig an Fundstellen früher Menschengruppen des Alt- und Mittelpaläolithikums (vor 2,5 Millionen bis vor 40.000 Jahren). Hier nur ein paar Beispiele:

  • der Südelefant in Barranc de la Boella in Katalonien (#1)
  • der Europäische Waldelefant an der Station von Weimar-Ehringsdorf in Thüringen (#2)
  • der Europäische Waldelefant im Geiseltal in Sachsen-Anhalt (#3)
  • der Europäische Waldelefant in Ficoncella, in Mittelitalien (#4)
  • der Europäische Waldelefant in Polledrara, ebenfalls in Mittelitalien (#5)
  • Palaeoloxodon recki an der Station Namib IV in der Namib (#6)
  • Palaeoloxodon recki in Fejej in Äthiopien (#7)
An einzelnen Fundstellen lässt sich eine eindeutige Kadavernutzung feststellen, so wie in Gröbern in Sachsen-Anhalt (#8). Ob die Tiere damals tatsächlich schon gejagt wurden, ist nicht ganz schlüssig geklärt, jedoch deutet die rund 120.000 Jahre alte Lanze von Lehringen, die in einem Skelett eines Europäischen Waldelefanten steckte und mit mehr als zwei Dutzend Feuersteinartefakten assoziiert war, darauf hin (#9). Gelegentlich stellten die frühen Menschen auch Geräte und Werkzeuge aus Elefantenknochen her beziehungsweise nutzten Reste der Tiere in einem möglicherweise künstlerischen Kontext weiter, wofür die Mammutzahnlamelle aus Tata in Ungarn hervorgehoben werden soll (#10).

Zur Lanze von Lehringen finden sich aber auch weitere interessante Details.

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Lanze von Lehringen, Nachbildung im Niedersächsischen Landesmuseum, das Orginal befindet sich im Historischen Museum Verden


Der "Speer", bei dem es sich wohl eher um einen Spieß handelte, bestand aus Eibenholz. Die Spitze aus dem gleichen Material war leicht versetzt angebracht worden. Sie muss dem Waldelefanten von vorne in den Brustkorb getrieben worden sein. Durch das Gewicht des darauf stürzenden Waldelefanten war der Spieß bei der Bergung halbkreisförmig gebogen, plattgedrückt und in elf Teile zerbrochen. Gebrauchs- und Politurspuren weisen darauf hin, dass der Spieß schon vor dem Ereignis vermutlich zu verschiedenen Zwecken benutzt worden war. Pollenanalysen wie auch der Waldelefant selbst weisen das Jagdereignis in das letzte Interglazial vor 128.000 bis 115.000 Jahren. Dieses Interglazial wird auch als Eem-Warmzeit bezeichnet und datiert in die Sauerstoff-Isotopenstufe 5e. Kulturell ist dies die Zeit des Mittelpaläolithikums, in der in Europa ausschließlich der Neandertaler lebte. Durch das Jagdinventar von Lehringen konnte das erste Mal nachgewiesen werden, dass der Neandertaler aktiv Großwild jagte und sich dazu hölzerner Spieße bediente (#11, #12, #13, #14, #15, #16, #17).

Im nachfolgenden Jungpaläolithikum (vor rund 40.000 bis 10.000 Jahren) verdichten sich die Hinweise auf eine aktive Jagd auf Elefanten wie dies etwa Funde von Mammutkadavern mit eingeschlagenen Projektilspitzen aus verschiedenen Fundstellen Sibiriens oder des östlichen Europas zeigen (#18). Elefantenteile wurden nun auch wesentlich häufiger als Rohmaterialquelle für die Werkzeug- und Geräteproduktion eingesetzt. Die Knochen und Stoßzähne fanden darüber hinaus Verwendung in der Kleinkunst. Sie wurden bemalt oder teilweise mit Ritzmustern versehen, andere wiederum zu Kleinfiguren überarbeitet. Herausragend sind etwa der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel in Baden-Württemberg oder verschiedene Venusstatuetten wie die Venus von Brassempouy in Frankreich. Gleichzeitig fallen darunter auch Darstellungen von Elefanten selbst, wobei in nahezu allen bekannten Fällen das Wollhaarmammut Pate stand.

Bild.Bild
Links: Vollplastische Mammutdarstellung aus der Vogelherdhöhle in der Schwäbischen Alb, ca. 40.000 Jahre alt.
Rechts: In Schiefer geritzte Mammutdarstellung aus Gönnersdorf bei Neuwied, ca. 15.000 Jahre alt.

Mitunter sind es nicht nur Objekte mit künstlerische Bedeutung, sondern auch solche mit praktischer Funktion wie es die Speerschleuder von Bruniquel in Frankreich beweist (#18). Relativ einmalig ist eine Mammutritzung aus Old Vero in Florida, die wohl ein Präriemammut darstellt und eines der wenigen bekannten paläoindianischen Kunstobjekte repräsentiert (#19). Allein in der Höhlenkunst in Spanien und Frankreich des Jungpaläolithikums finden sich Mammute in rund einem Sechstel der rund 300 bekannten Höhlen mit Wandkunst und erreichen einen Anteil von 6 % aller Tierdarstellungen, sie gehören somit neben Wildpferden, Auerochsen und Wisenten, Steinböcken sowie Hirschen zu den am häufigsten porträtierten Tieren (#20, #21). Herausragend sind hier die Grotte Chauvet, die Höhle von Rouffignac mit besonders vielen Mammutzeichnungen, beide in Frankreich. Aber auch die Höhle von Kapova in Russland bildet diese Tiere ab (bis zu 16.000 Jahre alte Malereien).
Durch den mächtigen Körper eigneten sich die Knochen sogar zum Hüttenbau. So geschehen bei Mesyn und Meschyritsch in der Ukraine genannt (#22)

Mit dem Aussterben der Mammute endete auch deren bildliche Wiedergabe. Aus prähistorischer Zeit sind aber Darstellungen auch aus dem nördlichen und südlichen Afrika sowie aus Indien belegt, die sowohl den Afrikanischen als auch den Asiatischen Elefanten betreffen (#23, #24).

Eine größere Bedeutung erreichten Elefanten wieder ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. In der bronzezeitlichen Indus-Kultur im heutigen Pakistan wurden die Tiere auf kleinen Siegeln aus Speckstein eingraviert. Die Funde deuten darauf hin, dass möglicherweise bereits zu dieser Zeit der Asiatische Elefant gezähmt und eventuell als Arbeitstier und später auch als Kriegstier gehalten wurde (#25, #26, #27). Er nahm dann natürlich auch seinen Sitz in den Religionen und Glaubensvorstellung der Menschen dort ein. So ist der Gott Ganesha ein Elefant.

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Um etwa 8000 v.u.Z. vollzog sich auf dem Gebiet des heutigen Pakistans der Übergang vom Jäger und Sammler hin zum Bauern und Viehzüchter und damit verbunden eine Sesshaftwerdung. Es entwickelten sich frühe Ackerbau-Kulturen, die auch in den Hügeln von Belutschistan im heutigen Pakistan auftauchten. Die am besten erforschte Stätte dieser Zeit ist Mehrgarh, die um 6500 v.u.Z. entstand. Diese Bauern domestizierten Weizen und Rinder und benutzten ab 5500 v.u.Z. auch Töpferwaren. Ab etwa 4000 v.u.Z. wurden zudem Erbsen, Sesam, Datteln und Baumwolle angebaut, und auch der Wasserbüffel, bis heute essentiell für die Landwirtschaft in Süd-Asien, wurde domestiziert. Die Besiedlung des Industals geschah wohl von den Rändern zum Zentrum hin. Ab dem vierten vorchristlichen Jahrtausend ist die Amri-Kultur im Industal bezeugt. Sie geht an vielen Orten wie etwa Amri direkt der Indus-Kultur voraus.
2600 v.u.Z. wandelten sich die kleinen Dörfer zu Städten mit mehreren tausend Einwohnern, die nicht mehr primär in der Landwirtschaft tätig waren. Es entstand eine Kultur, die im Umkreis von 1000 Kilometern einheitlich konstruierte Städte hervorbrachte. Das plötzliche Auftreten scheint die Folge einer geplanten und bewussten Anstrengung gewesen zu sein. So wurden einige Städte komplett umgebaut, um einem wohldurchdachten Plan zu entsprechen, oder auch von Grund auf neu angelegt, was sich auch in Mohenjo-Daro erkennen lässt, wo keinerlei Spuren vorheriger Siedlungen gefunden wurden. Frühere Gelehrte konnten dieses plötzliche Auftreten nur durch externe Faktoren wie Eroberung oder Zuwanderung erklären. Neuere Erkenntnisse belegen aber, dass die Harappa-Kultur tatsächlich aus den Ackerbau-Kulturen in diesem Gebiet hervorging.

Durch die ungebrochene Zeitlinie der Indus- und Harrapankultur, die sich auf diesem Gebiet durch über 1050 Fundorte identifizieren lässt, passt, wenn überhaupt, maximal grob zur Adam-Geschichte, widerspricht aber der Sintflut-Erzählung, die ja laut Jehovas Zeugen im 24. Jahrhundert v.u.Z. stattgefunden haben soll. Selbst wenn man argumentiert, dass sich in der Gegend rasch wieder neue Siedler niedergelassen haben, bleibt die Frage nach der Lehm- oder Schlackeschicht, die eine Unterbrechung von mehreren Jahren belegt, wie sie eine weltweite Katastrophe auslösen müsste. Und es stellt sich die Frage, warum die neuen Siedler exakt so weitergemacht haben sollen, wie die weggespülten aufgehört haben. Das Gedankengut ist mit den vorsintflutlichen Bewohnern verschwunden. Wie sollen die Nachzügler also an der gleichen Kulturschwelle angesetzt haben? Wieso sollen die Nachzügler die gleichen Keramiken und die gleiche Architektur verwendet haben? Wieso sollen sie die gleichen Tempel und Statuen angebetet haben? Das wäre ein absolut einmaliger Fall in der Geschichte, wenn Fremde in ein Land ziehen und nichts von ihrer eigenen Kultur mitbringen oder hinterlassen, aber ohne Übergangszeit sofort die Praktiken und die Kultur des aufgefundenen Landes, ohne irgendeine Verbindung zu den davor dagewesenen, fortführen. Und obendrein ohne zu wissen, was sie da tun.

Wie sieht es mit dem Nashorn aus? Behemoth Nr. 3 wird's uns verraten.

#1 - M. Mosquera, P. Saladié, A. Ollé, I. Cáceres, R. Huguet, J. J. Villalaín, A. Carrancho, D. Bourl, D. Bourlès, R. Braucher und J. Vallverdú: Barranc de la Boella (Catalonia, Spain): an Acheuleanelephant butchering site from the European late Early Pleistocene. Journal of Quaternary Science 30 (7), 2015, S. 651–666

#2 - Günter Behm-Blancke: Altsteinzeitliche Rastplätze im Travertingebiet von Taubach, Weimar, Ehringsdorf. Alt-Thüringen 4, 1960, S. 1–246 (S. 74–78)

#3 - Federica Marano und Maria Rita Palombo: Population structure in straight-tusked elephants: a case study from Neumark Nord 1 (late Middle Pleistocene?, Sachsen-Anhalt, Germany). Bollettino della Società Paleontologica Italiana 52 (3), 2013, S. 207–218

#4 - Daniele Aureli, Antonio Contardi, Biagio Giaccio, Valerio Modesti, Maria Rita Palombo, Roberto Rozzi, Andrea Sposato und Flavia Trucco: Straight-tusked elephants in the Middle Pleistocene of northern Latium: Preliminary report on the Ficoncella site (Tarquinia, central Italy). Quaternary International 255, 2012, S. 29–35

#5 - Anna Paola AnzideI, Grazia Maria Bulgarelli, Paola Catalano, Eugenio Cerilli, Rosalia Gallotti, Cristina Lemorini, Salvatore Milli, Maria Rita Palombo, Walter Pantano und Ernesto Santucci: Ongoing research at the late Middle Pleistocene site of La Polledrara di Cecanibbio (central Italy), with emphasis on humaneelephant relationships. Quaternary International 255, 2012, S. 171–187

#6 - Myra Shackley: An Acheulean industry with Elephas recki fauna from Namib IV, South West Africa (Namibia). Nature 284, 1980, S. 340–341

#7 - P. E. Moullé, A. Echassoux, Z. Alemseged und E. Desclaux : On the presence of Elephas recki at the Oldowan prehistoric site of Fejej FJ-1 (Ethiopia). In: G. Cavarretta, P. Gioia, M. Mussi und M. R. Palombo (Hrsg.): The World of Elephants – International Congress. Consiglio Nazionale delle Ricerche Rom, 2001, S. 122–125

#8 - Jörg Erfurt und Dietrich Mania: Zur Paläontologie des jungpleistozänen Waldelefanten von Gröbern, Kreis Gräfenhainichen. In: Dietrich Mania, Matthias Thomae, Thomas Litt und Thomas Weber (Hrsg.): Neumark – Gröbern. Beiträge zur Jagd des mittelpaläolithischen Menschen. Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle 43 Berlin, 1990, S. 215–224

#9 - Hartmut Thieme und Stefan Veil: Neue Untersuchungen zum eemzeitlichen Elefanten-Jagdplatz Lehringen, Ldkr. Verden. Die Kunde 36, 1985, S. 11–58

#10 - Viola T. Dobosi: Ex Proboscideis – Proboscidean remains as raw material at four Palaeolithic sites, Hungary. In: G. Cavarretta, P. Gioia, M. Mussi und M. R. Palombo (Hrsg.): The World of Elephants – International Congress. Consiglio Nazionale delle Ricerche Rom, 2001, S. 429–431

#11 - Karl Dietrich Adam: Der Waldelefant von Lehringen – eine Jagdbeute des diluvialen Menschen. Quartär 5, 1951, S. 79–92. (online PDF (zuletzt aufgerufen am 17.5.2021))

#12 - Hartmut Thieme, Stephan Veil: Neue Untersuchungen zum eemzeitlichen Elefanten-Jagdplatz Lehringen, Ldkr. Verden. Die Kunde 36, 1985, S. 11–58.

#13 - Waltraut Deibel-Rosenbrock: Die Funde von Lehringen. Schriftenreihe des Verdener Heimatbundes e.V., Sonderdruck aus dem Stader Jahrbuch 1960

#14 - Ernst Andreas Friedrich: Die Elefantenkuhle von Lehringen, S. 13–15, in: Wenn Steine reden könnten. Band I, Landbuch-Verlag, Hannover 1989, ISBN 3-7842-03973.

#15 - Die Lanze von Lehringen mit Bildern bei Archäologisches Lexikon

#16 - Präsentation im historischen Museum Verden

#17 - "Die Lanze von Lehringen" in: Der Spiegel vom 9. Februar 1955

#18 - Gerhard Bosinski: Die große Zeit der Eiszeitjäger. Europa zwischen 40.000 und 10.000 v. Chr. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 34, 1987, S. 3–139 (S. 72–85, 100)

#19 - Barbara A. Purdy, Kevin S. Jones, John J. Mecholsky, Gerald Bourne, Richard C. Hulbert Jr., Bruce J. MacFadden, Krista L. Church und Michael W. Warren: Earliest Art in the Americas: Incised Image of a Mammoth on a Mineralized Extinct Animal Bone from the Old Vero Site (8-Ir-9), Florida. Congrès de l’IFRAO, septembre 2010 – Symposium : L’art pléistocène dans les Amériques (Pré-Actes) / IFRAO Congress, September 2010 – Symposium: Pleistocene art of the Americas (Pre-Acts), 2010, S. 3–12

#20 - Michel Lorblanchet: Höhlenmalerei. Ein Handbuch. Sigmaringen, 1997, S. 1–340 (S. 57–61)

#21 - Ingmar M. Braun und Maria Rita Palombo: Mammuthus primigenius in the cave and portable art: An overview with a short account on the elephant fossil record in Southern Europe during the last glacial. Quaternary International 276–277, 2012, S. 61–76

#22 - Gerhard Bosinski: Die große Zeit der Eiszeitjäger. Europa zwischen 40.000 und 10.000 v. Chr. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 34, 1987, S. 3–139 (S. 72–85, 100)

#23 - Ingmar M. Braun und Maria Rita Palombo: Mammuthus primigenius in the cave and portable art: An overview with a short account on the elephant fossil record in Southern Europe during the last glacial. Quaternary International 276–277, 2012, S. 61–76

#24 - Chris Clarkson, Michael Petraglia, Ravi Korisettar, Michael Haslam, Nicole Boivin, Alison Crowther, Peter Ditchfield, Dorian Fuller, Preston Miracle, Clair Harris, Kate Connell, Hannah James und Jinu Koshy: The oldest and longest enduring microlithic sequence in India: 35 000 years of modern human occupation and change at the Jwalapuram Locality 9 rockshelter. Antiquity 83, 2009, S. 326–348

#25 - Jonathan Mark Kenoyer: Indus seals: an overview of iconography and style. Ancient Sindh 9, 2006/2007, S. 7–30

#26 - Karl Gröning und Martin Saller: Der Elefant in Natur und Kulturgeschichte. Könemann, Köln 1998, S. 110–118, 136–161, 184–187

#27 - Raman Sukumar: The Human–Elephant Relationship through the Ages: A Brief Macro-Scale History. In: Piers Locke und Jane Buckingham (Hrsg.): Conflict, Negotiation, and Coexistence: Rethinking Human–Elephant Relations in South Asia. Oxford, 2016; doi:10.1093/acprof:oso/9780199467228.001.0001
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 27. Apr 2022, 11:40

Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Dinosaurier? (Teil 4 - Behemoth und wir Nr. 3)

Wir haben zwar immer noch nicht viel über Dinosaurier geschrieben, aber trotzdem schon einiges herausgefunden.
Im Gegensatz zum jw.org-Artikel können wir zumindest argumentieren, warum Nilpferd, Elefant und Nashorn als Behemoth eher ungeeignet sind.
Im Gegensatz zur Bibel enthielt diese Artikelreihe schon einige Anhaltspunkte zu den urzeitlichen Echsen.
Im Gegensatz zum Mythos um Adam und Eva und der Sintflut, haben wir schon handfest einige Daten zu Nilpferd und Elefant herbeigetragen und richtig alte Kunst gefunden, die schon bis zu mehrere zehntausende von Jahren alt war, bevor Moses in Ägypten für Rabatz gesorgt haben soll.

Es bleibt noch das Nashorn und sein Einfluss auf die Kultur und Kunst der frühen Menschen.

Nashörner gehören, wie die beiden anderen Giganten zu den beeindruckensten Tieren, die der Mensch der "Steinzeit" kennenlernen durfte und auch heute ist der massige Unpaarhufer sehr ehrfurchterregend. Charakterisch ist das Horn auf der Nase und manchmal noch ein zweites. Die Familie stellt eine der vielfältigsten und erfolgreichsten in der Geschichte der Säugetiere dar und war während ihrer vor nahezu 50 Millionen Jahren beginnenden Entwicklungsgeschichte über weite Teile Eurasiens, Afrikas und Nordamerikas verbreitet. Am Ende des Miozäns vor rund 6 bis 5 Millionen Jahren starben alle nordamerikanischen, sowie zahlreiche Vertreter in Europa und Asien aus. Gegen Ende des Pleistozäns (vor ca. 14.000 Jahren) verschwanden alle nordeurasischen Vertreter. Überlebt haben die heute noch bestehenden Nashornarten Breitmaul- und Spitzmaulnashorn in Afrika südlich der Sahara sowie Panzer-, Java- und Sumatra-Nashorn im südlichen bis südöstlichen Asien, die teilweise in ihrem Bestand durch Vernichtung ihres Lebensraumes und Wilderei abermals stark geschrumpft sind.

Bild
Darstellungen von Tieren in der Grotte Chauvet (Replik):
Pferde (oben), Auerochsen (links) und Wollnashörner
(eins in der Mitte, zwei rechts unten)

Die frühesten bekannten Darstellungen von Nashörnern finden sich im westeurasischen Jungpaläolithikum (vor 40.000 bis 10.000 Jahren) und sind wenigstens 31.000 Jahre alt. Hervorzuheben sind hier die Malereien der französisch-spanischen Höhlenkunst, wo Nashörner in mehr als einem halben Dutzend Höhlen mit über 80 Darstellungen abgebildet wurden. Am häufigsten sind sie wieder einmal in der Grotte Chauvet (Frankreich) mit 65, teils in roten oder schwarzen Farbpigmenten gehaltenen Zeichnungen überliefert. Es finden sich aber auch außerhalb dieses Kulturkreises in der europäischen Kleinkunst Abbildungen und Darstellungen von Nashörnern in Form von Knochen- oder Steinritzungen, aber auch als kleine Statuetten modellierten Tonfiguren, die zu den ältesten Keramikgegenständen der Welt gehören.(#1, #2).
In Südasien existieren zahlreiche Malereien in Höhlen und Abris, die dem dortigen Mesolithikum zugewiesen werden und zwischen 12.000 und 7.000 Jahre alt sind. Zu den ältesten dort gehören jene vom Marodeo-Felsen nahe Pachmarhi im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh oder eine Jagdszene, dargestellt bei Mirzapur im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh (#3, #4).
Aus weiten Bereichen des südlichen Afrika sind zahlreiche Felszeichnungen und -gravierungen bekannt, die überwiegend den Khoisan-Bevölkerungsgruppen zugewiesen werden und bis zu 14.000 Jahre alt sein können, teilweise aber auch bedeutend jünger sind. Diese sind mitunter sehr zahlreich, wobei gebietsweise mehr Gravierungen als Zeichnungen zu beobachten sind. Allein in den südafrikanischen Provinzen Nordkap, Nordwest und Freistaat sind mehr als 500 Darstellungen überliefert (#5, #6).

Mit dem Sesshaftwerden gehen die Darstellungen von Nashörnern stark zurück, finden sich aber auch auf Siegeln der Indus-Kultur und vereinzelt auf Reliefdarstellungen im Alten Ägypten. Auffällig sind dabei auch Relieffiguren einhörniger Nashörner an Tempelfriesen in Angkor Vat (Kambodscha), die aus dem 12. Jahrhundert stammen.

Was bleibt?

Okay, mit keinem einzigen Fundstück ist irgendein Dino nachgewiesen und auch nicht, was denn nun ein Behemoth ist. Das war aber gar nicht Aufgabe der letzten 3 Artikel dieser Beitragsserie. Selbst wenn die Bibel nichts zu Dinosauriern sagt, sagt die Wissenschaft sehr wohl etwas über diese und auch über die frühe Menschheit. Und sie zeichnet ein auf zusammengetragenen Daten beruhendes Bild, dass die Story vom Garten Eden halt nach der literarischen Idee aussehen lässt, die sicherlich heute die einzige logische Interpretationsart von Leuten sein sollte, die sich mal mehr als 5 Minuten mit den wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt haben.
Wenn wir mit Werkzeug bearbeitete Knochen und Felsmalerien finden, die deutlich älter als 6000 Jahre sind - und das in mehreren unabhängigen Verfahren und Versuchen zur Altersbestimmung an mehreren unabhängig von einander untersuchten Orten in verschiedensten Teilen der Welt so bestimmt wurde - dann bleibt wenig Raum für die Geschichtlichkeit des Beginns der Menschheit, so wie uns die Bibel es erzählen möchte.
Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn all diese wissenschaftlichen Arbeiten und Quellen so dermaßen falsch sind (#7).

#1 - Ingmar Braun, Wolfgang Zessin: Paläolithische Nashorndarstellungen und der Versuch ihrer zoologisch-ethologischen Interpretation. In: Ursus, Mitteilungsblatt des Zoovereins und des Zoos Schwerin. 15 (1), 2009, S. 3–19.

#2- Michel Lorblanchet: Höhlenmalerei. Ein Handbuch. Sigmaringen 1997.

#3 - Meenakshi Dubey: Rock paintings of Pachmarhi Hills. In: Michel Lorblanchet (Hrsg.): Rock art in the old world. Indira Gandhi National Centre for the Arts, New Delhi 2001, S. 131–145.

#4 - G. Kreuzer: Tierdarstellungen in der indischen Felsbildkunst. In: Die Blauen Hefte. 58, 1978, S. 405–407

#5 - Sven Ouzman: Seeing is deceiving: rock art and the non-visual. In: World Archaeology. 33 (2), 2001, S. 237–256.

#6 - Sven Ouzman, Jim M. Feely: Black or white? The identification and significance of rhinoceroses in South African rock art. In: Digging Stick. (SA Archaeological Society) 19 (2), 2010, S. 9–12.

#7 - Dieses Wortspiel wollte ich in einer Rezension eines biblisch begründeten Textes schon immer mal bringen.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 2. Mai 2022, 15:59

Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Dinosaurier? (Teil 5 - Was zum Henker ist ein Leviathan?)

Neben dem nun ausführlich begutachteten Behemoth wird in Hiob ja auch der Leviathan genannt (Hiob, Kapitel 41). Wir greifen aber exemplarisch nur ein paar Verse heraus. In diesem Fall bezieht sich die Wachtturm-Gesellschaft auf die Verse 1, 14-17 und 31

Zuvor aber noch einmal der jw.org-Artikel, auf den wir ausnahmsweise mal wieder Bezug nehmen:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/dinosaurier-in-der-bibel/

Kannst du den Leviạthan mit einem Angelhaken fangen? Kannst du mit einem Seil seine Zunge nach unten drücken? [...] Wer kann die Türen seines Mauls aufreißen? Seine Zähne ringsum sind furchterregend. Auf seinem Rücken verlaufen Reihen von Schuppen, fest zusammengefügt wie mit einem Siegel. Sie schließen so dicht aneinander, dass keine Luft dazwischenkommt. Eine klebt an der anderen. Sie haften aneinander und lassen sich nicht trennen. [...] Die Tiefe lässt er brodeln wie einen Kessel. Das Meer bringt er zum Blubbern wie einen Salbentopf.
- Neue-Welt-Übersetzung 2013

Klingt erstmal nach Krokodil, was ja die klassische Interpretation ist.

Komisch, dass sie die Verse 18-21 auslassen:
Bei seinem Schnauben leuchtet Licht aufund seine Augen sind wie die Strahlen der Morgendämmerung. Aus seinem Maul zucken Blitze hervor. Feurige Funken sprühen. Aus seinen Nüstern quillt Rauchwie aus einem mit Binsen befeuerten Ofen. Sein Atem facht Kohlen anund eine Flamme schießt aus seinem Maul.
- Neue-Welt-Übersetzung 2013

Hab ich mir nicht ausgedacht. Steht tatsächlich so auch in deren Bibel: https://www.jw.org/de/bibliothek/bibel/studienbibel/buecher/hiob/41/#v18041001 Und es passt ganz prima zu den brodelnden Wassertiefen aus Hiob 41:31 (siehe oberes Zitat).
Wo es nicht hinpasst, ist zum Krokodil oder Alligator, Kaiman oder Gavial.

Bild . Bild . Bild . Bild
1. Bild: Nilkrokodil in der Kultstätte Kachikally, Westafrika
2. Bild: Kopf eines Alligator mississippiensis
3. Bild: Gangesgavial Gavialis gangeticus
4. Bild: Junger Krokodilkaiman gesichtet in Tortuguero (Costa Rica)

Vielleicht ist es ja auch nur eine unglückliche Übersetzung und man findet diese, doch sehr an Drachen anmutende Beschreibung gar nicht in anderen Übersetzungen. Prüfen wir es mal nach.

Nicht wundern, wenn ihr das in eurer Bibel selbst recherchieren wollt. Während in der Neuen-Welt-Übersetzung Hiob, Kapitel 40 nur 24 Verse hat und damit die Beschreibung des Levianthan komplett ins 41. Kapitel rutscht, enden so ziemlich alle anderen Übersetzungen, die ich anführe mit dem 32. Vers. Dieser entspricht in der Neuen-Welt-Übersetzung Hiob Kapitel 41, Vers 8. Das hebt sich damit auf, dass dafür das 41. Kapitel in der Neuen-Welt-Übersetzung 34 Verse hat, die anderen da aber nur 26. So beginnt Kapitel 42 wieder mit dem gleichen Vers. Die Verse 18-21 aus Kapitel 40 in der Neuen-Welt-Übersetzung entsprechen demnach den Versen 10-13 aus Kapitel 40 der anderen hier zitierten Bibeln.

Sein Niesen lässt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. Aus seinem Rachen fahren Fackeln, und feurige Funken schießen heraus. Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie von einem siedenden Kessel und Binsenfeuer. Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Rachen schlagen Flammen.
- Lutherbibel 2017 (LUT)

Sein Niesen strahlt Licht aus, und seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. Aus seinem Rachen schießen Fackeln, sprühen feurige Funken hervor. Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie aus einem angefachten und glühenden Kochtopf. Sein Atem entzündet Kohlen, und eine Flamme fährt aus seinem Rachen.
- Elberfelder Bibel (ELB)

Licht blitzt auf, wenn er schnaubt, und seine Augen funkeln wie die ersten Sonnenstrahlen. Aus seinem Rachen schießen Feuerflammen, und die Funken sprühen. Aus seinen Nüstern quillt der Rauch wie aus einem Kessel über dem Feuer. Sein Atemstoß setzt Kohlen in Brand, eine Flamme schießt aus seinem Rachen hervor.
- Hoffnung für Alle (HFA)

Sein Niesen lässt Licht aufleuchten, und seine Augen sind wie die Strahlen der Morgenröte. Aus seinem Rachen schießen Fackeln; Feuerfunken sprühen aus ihm heraus. Aus seinen Nüstern kommt Rauch hervor wie aus einem siedenden Topf und einem Kessel. Sein Hauch entzündet Kohlen, eine Flamme schießt aus seinem Rachen;
- Schlachter 2000 (SLT)

Sein Niesen lässt ein Licht aufstrahlen, und seine Augen sind wie die Lider der Morgenröte. Fackeln fahren aus seinem Maul, Feuerfunken sprühen hervor. Rauch kommt aus seinen Nüstern wie aus einem kochend heissen Topf. Sein Atem entzündet Kohlen, und eine Flamme schlägt aus seinem Maul.
- Züricher Bibel (ZB)

Das Licht sprüht strahlend hell bei seinem Niesen und wie das Morgenrot glühn seine Augen. Aus seinem Rachen schießen lange Flammen und Feuerfunken fliegen ringsumher. Aus seinen Nüstern strömt ein dichter Dampf, so wie aus einem Topf, in dem es kocht. Sein Atem kann ein Kohlenfeuer zünden und eine Flamme schlägt aus seinem Rachen.
- Gute Nachricht Bibel (GNB)

Sein Niesen lässt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie die Lider der Morgenröte. Aus seinem Maul fahren brennende Fackeln, feurige Funken schießen hervor. Rauch dampft aus seinen Nüstern wie aus kochendem, heißem Topf.  Sein Atem entflammt glühende Kohlen, eine Flamme schlägt aus seinem Maul hervor.
- Einheitsübersetzung 2016 (EU)

Wenn es niest, bricht ein Blitz hervor! Seine Augen schimmern wie die Strahlen der Morgenröte. Aus seinem Mund blitzen Flammen, feurige Funken gehen von ihm aus. Aus seinen Nüstern dringt Rauch wie von einem Kessel, der über einem Binsenfeuer erhitzt wurde. Ja, sein Atem könnte Kohlen in Brand setzen, aus seinem Maul schlagen Flammen.
- Neues Leben. Die Bibel (NLB)

Sein Niesen verstrahlt Licht, / und seine Augen sind wie die Wimpern des Frührots. Fackeln fahren aus seinem Maul, / feurige Funken schießen heraus. Aus seinen Nüstern kommt Rauch / wie aus einem heißen Topf. Sein Atem entzündet Kohlen, / eine Flamme schlägt aus seinem Maul.
- Neue evangelische Übersetzung (NeÜ)

Sein Niesen läßt einen Lichtschein erglänzen, und seine Augen gleichen den Wimpern des Morgenrots. Aus seinem Rachen schießen Flammen, sprühen Feuerfunken hervor. Aus seinen Nüstern strömt Rauch heraus wie aus einem siedenden Topf und wie aus Binsenfeuer. Sein Atem setzt Kohlen in Brand, und Flammen entfahren seinem Rachen.
- Menge Bibel (MENG)

Um der Vollständigkeit wieder Genüge zu tun, hier auch wieder die häufigsten englischen Übersetzungen. In diesen sind die Verse wieder so, wie in der Neuen-Welt-Übersetzung. Wir betrachten also wieder die Verse 18-21.

By his neesings a light doth shine, and his eyes are like the eyelids of the morning.
Out of his mouth go burning lamps, and sparks of fire leap out.
Out of his nostrils goeth smoke, as out of a seething pot or caldron.
His breath kindleth coals, and a flame goeth out of his mouth.
- King James Version (KJV)

His sneezings flash forth light, and his eyes are like the eyelids of the dawn.
Out of his mouth go flaming torches; sparks of fire leap forth.
Out of his nostrils comes forth smoke, as from a boiling pot and burning rushes.
His breath kindles coals, and a flame comes forth from his mouth.
- English Standard Version (ESV)

Its snorting throws out flashes of light; its eyes are like the rays of dawn.
Flames stream from its mouth; sparks of fire shoot out. Smoke pours from its nostrils as from a boiling pot over burning reeds.
Its breath sets coals ablaze, and flames dart from its mouth.
- New International Version (NIV)

The leviathan's snorting throws out flashes of light. Its eyes shine like the first light of day.
Fire seems to spray out of its mouth. Sparks of fire shoot out.
Smoke pours out of its nose. It is like smoke from a boiling pot over burning grass.
Its breath sets coals on fire. Flames fly out of its mouth.
- New Int. Readers Version (NIRV)

Okay, wie beim Behemoth, also keine falsche Übersetzung oder Umdeutung. Oder aber alle Bibeln sind gleich falsch, was für ein unfehlbares Buch irgendwie doof wäre.

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Die Vernichtung des Leviathan, Gravur von Gustave Doré (1865)


Auch die Beschreibung aus Psalm Kapitel 104, Vers 26 (mal auf 5 Bibelübersetzungen beschränkt: LUT, ELB, EU, ESV, KJV), passt nicht zum Krokodil. Denn bis auf das Salzwasserkrokodil kann keines im Meer leben und dieser Vertreter kommt nur an den Küsten Australiens und verschiedener Inseln Südostasiens vor. Es wurden aber auch schon welche bei den Seychellen und auf Aldabra (ein kleines Atoll nahe Madagaskars) gesichtet. Selbst das ursprüngliche Verbreitungsgebiet deckt sich nicht mit der Gegend in der Hiob, der "Gerechte aus dem Land Uz" gelebt haben soll. Genau, weiß man nicht, wo dieses Uz gelegen haben soll, aber man geht von Edom (süd-östlich der Jordansenke) oder Aram (beim Zweistromland, heute Irak/Kuwait) aus. Von da ist es selbst für das Reich der Chaldäer, dass zu seiner Zeit dort gewesen sein soll, noch ziemlich weit bis zu den Seychellen.

Und wo wir uns schonmal auf der Südhalbkugel befinden:
Das die Ägypter Krokodile verehrt haben, ist hoffentlich jedem bekannt. Einer der Nilgötter ist Sopek/Sobek ein menschenähnliches Wesen mit Krokodilskopf. Aber wusstet ihr, dass die ältesten Ritzzeichnungen mit Krokodilen in Panaramittee in Südaustralien gefunden wurden? Die werden auf ein Alter von 30.000 Jahren geschätzt.

Halten wir fest:
Die biblische Beschreibung des Behemoth passt genauso wenig zum Nilpferd, Elefanten oder Nashorn, wie die Beschreibung des Leviathan zum Krokodil, Alligator, Kaiman oder Gavial. Aber ungeachtet dessen finden sich auch von dieser urzeitlich anmutenden Echse Kunst- und Kulturgegenstände auf der ganzen Welt, darunter die genannten Ritzzeichnungen, die sich mit einer maximal 6000-jährigen Menschheitsgeschichte nicht vereinen lassen.

Vielleicht sind diese Tiernamen deswegen aber auch bisher nie eindeutig festgelegt worden, sondern verbleiben ohne Änderung im Bibeltext.

Es fehlt noch immer, dass ich mich überhaupt mal mit den Dinosauriern beschäftige, um hier auch umfassend abzuschließen. Gehen wir also den anderen Fragen des jw.org-Artikels nach, die da waren:
Stammen Dinosaurier von anderen Tieren ab?
Wann lebten die Dinosaurier?
Was geschah mit den Dinosauriern?

Im Gegensatz zu dem Artikel der Wachtturm-Gesellschaft will ich nicht ausweichen und mich in vagen Aussagen und haltlosen Vermutungen verstricken. Aber lest davon im 6. Teil mehr.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 8. Mai 2022, 23:00

Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Dinosaurier? (Teil 6 - Dinosaurier)

Nachdem wir Behemoth und Leviathan abgearbeitet haben, ist es nun an der Zeit auch mal über die Tiere zu sprechen, um die es hier eigentlich gehen sollte: Dinosaurier.

Kommen wir daher noch einmal kurz auf das Krokodil zurück.

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Von links: Gangesgavial (Gavialis gangeticus), Mississippi-Alligator (Alligator mississippiensis) und Spitzkrokodil (Crocodylus acutus).

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Haussperling (Passer domesticus)


Was haben diese abgebildeten Lebewesen gemeinsam?
Beide sind die letzten noch lebenden Vertreter der Archosaurier. Ja, auch wenn ich besonders beim Piepmatz nach einem recht zierlichen und unscheinbaren Exemplar gesucht habe, sind die beiden, obwohl sie augenscheinlich kaum unterschiedlicher sein könnten, verwandt. Evolutionsbiologisch sogar nahe Verwandte. Und was hat das ganze nun mit Dinos zu tun?
Neben diesen beiden rezenten Arten besteht die Gruppe der Archosaurier im Grunde nur noch aus fossilen Arten, von denen die Dinosaurier und die Flugsaurier die berühmtesten sind. Die heutigen Krokodile und Verwandten sind dabei eine deutlich kleinere Taxa als die Vögel, die mit zu der artenreichsten Tierfamilie gehören, die es auf Erden gibt. Die relativ enge Verwandtschaft zwischen Vögeln und Krokodilen lässt sich anhand einer ganzen Reihe von Merkmalen, vor allem dem Bau des Herz-Kreislauf-Systems, nachweisen. Vögel und Krokodile haben jedoch jeweils völlig andere Entwicklungen durchgemacht, weshalb ihre relativ enge Verwandtschaft heute nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Die Vögel, hochaktive Warmblüter, sind aus den theropoden Dinosauriern hervorgegangen, einer Archosaurier-Linie, die rein landlebende Formen umfasste. Diese Lebensweise hatten die Dinosaurier von der gemeinsamen Stammart der Dinosaurier- und Krokodillinie übernommen. Bei den Vorfahren der rezenten Krokodile hingegen vollzog sich eine Entwicklung von landlebenden Formen hin zu den amphibischen Formen mit dem so typischen, urtümlichen, echsenhaften Habitus. Während die einen also in die Luft gingen, waren die anderen wieder nah am Wasser gebaut. Egal in welcher Art die seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu den Diapsida (gemeinsame Gruppe der Archosaurier und Schuppenechsen) die Schildkröten einzuordnen sind, unstrittig ist, dass die Krokodile näher mit den Vögeln, einer warmblütigen Tiergruppe, verwandt sind als mit allen anderen rezenten Reptilien.

Ein Kladogramm würde also Vögel und Krokodile nach dem aktuellen Kenntnisstand über die Verwandschaftsverhältnisse in einer Gruppe zusammenfassen, die die letzten lebenden Arten der Archosaurier sind. Die Schildkröten würden damit eine Gruppe bilden oder aber mit den Schuppenechsen. So ganz klar ist das noch nicht. In der Gruppe der Diapsida würden dann aber, ich weiß, ich wiederhole mich, Vögel, Krokodile, Schildkröten und Schuppenechsen zusammengefasst. Die Amniota wäre die Zusammenfassung der Diapsida und der Mammalia (Säugetiere) und die Tetrapoda (Landwirbeltiere) würden diese vereinen mit den Lissamphibia (Lurchen). So ergibt sich durch ein Kladogramm immer ein Verwandtschaftsverhältnis, dass ein bisschen an einen Familienstammbaum erinnert. Und das nicht von ungefähr.

Was sagt die Wissenschaft also: Stammen Dinosaurier von anderen Tieren ab?
Ja, wie sollen sie sonst ins Dasein gekommen sein? Durch einen bärtigen Zauberer im Himmel? Und wenn dieser das Leben so schätzt und sie erschaffen hat, warum sind sie und 99% aller anderen Arten bereits ausgestorben?
Dinosaurier sind, da sind sich die Fachleute einig, nicht anders zu werten, als jede andere Spezies dieses Planeten. Ihre Morphologie, ihr Aufbau, sagen über die Artverwandtschaft genauso aus, wie bei anderen auch.

Wann lebten die Dinosaurier?
Das war ebenfalls eine der gestellten Fragen am Ende von Teil 5.
Die eigentlichen Stars dieser Artikelreihe, die erschreckend wenig präsent sind - das haben sie mit ihrer Präsenz in unseren heutigen Habitaten gemeinsam - haben ziemlich lange auf Erden gelebt. Seit ihrer Entdeckung und Beschreibung im 19. Jahrhundert sind Dinosaurier Teil der weltweiten Popkultur geworden. Sie sind nicht immer Garant für eine ausgewogene Geschichte mit Spaß und Spannung, aber in der Regel ein Kassenmagnet. Die Jurassic-Park- / Jurassic-World-Reihe ist da nur das berühmteste Beispiel. Die Kaiju-Filme (z.B. Godzilla) aus Japan und Korea setzen dem Ganzen noch ein großes Maß an Fantasie mit drauf.

Das Wissen über die Dinosaurier erhalten Paläontologen durch die Untersuchung von Fossilien, die in Form von versteinerten Knochen, Haut- und Gewebeabdrücken überliefert sind. Dabei spielen Knochenfunde eine herausragende Rolle, durch sie werden wichtige Daten über Verwandtschaftsbeziehungen, Anatomie und Körperbau, Biomechanik und vieles mehr gewonnen. Weitere Hinweise, besonders über das Verhalten der Dinosaurier, liefern die Spurenfossilien, etwa Zahnabdrücke an Knochen von Beutetieren, Hautabdrücke, Schwanzabdrücke, und vor allem fossile Fußspuren, die mit Abstand häufigsten Spurenfossilien. Spurenfossilien ermöglichen es, Dinosaurier aus einer anderen Perspektive zu studieren, da das Tier lebte, als die Spuren hinterlassen wurden, während Knochen immer von toten Tieren stammen. Weitere Informationen werden aus fossilen Eiern und Nestern, aus Koprolithen (versteinertem Kot) und Gastrolithen (Magensteinen, die zur Zerkleinerung der Nahrung von einigen Dinosauriern verschluckt wurden) gewonnen. Überreste von Dinosauriern sind auf allen Kontinenten gefunden worden, einschließlich der Antarktis, da die Dinosaurier zu einer Zeit entstanden, als das gesamte Festland im Superkontinent Pangaea vereinigt war. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galten Dinosaurier als wechselwarme, träge und wenig intelligente Tiere. Zahlreiche Studien seit den 1970er Jahren haben jedoch gezeigt, dass es sich um aktive Tiere mit erhöhten Stoffwechselraten und soziale Interaktionen ermöglichenden Anpassungen handelte.

Der englische Anatom Richard Owen stellte das Taxon "Dinosauria" im April 1842 auf.
Die Taxa der Dinosaurier umfassen heute folgende Gruppen:
  • die Theropoda (zweibeinige Karnivoren)
  • Sauropodomorphen (mehrheitlich große Pflanzenfresser mit langen Hälsen und Schwänzen)
  • Ankylosaurier (vierbeinige Pflanzenfresser mit massiven Hautpanzern)
  • Stegosaurier (vierbeinige, Knochenplatten tragende Pflanzenfresser)
  • Ceratopsia (vierbeinige Pflanzenfresser mit Hörnern und Nackenschilden)
  • Ornithopoden (zwei- oder vierbeinige Pflanzenfresser).
Die bekannten ausgestorbenen Dinosauriergruppen wiesen eine immense Formenvielfalt auf. Einige waren Pflanzenfresser, andere Fleischfresser; einige waren quadruped (vierbeinig), andere biped (zweibeinig), und wieder andere, wie zum Beispiel Iguanodon, konnten sich sowohl biped als auch quadruped fortbewegen. Viele hatten eine Panzerung, Hörner, Knochenplatten, Schilde oder Rückensegel. Obwohl sie für eine gigantische Größe bekannt sind, variierte ihre Größe beträchtlich; so waren viele Dinosaurier nur so groß wie ein Mensch oder kleiner.
Jedoch beschränkte sich diese Formenvielfalt faktisch ausschließlich auf terrestrische Lebensräume. Nur einige wenige Arten zeigen gewisse Anpassungen an ein Leben an und in Süßgewässern.[7] Auch den Luftraum beherrschten die Nichtvogeldinosaurier wahrscheinlich nicht (die Flugsaurier sind eine eigenständige Gruppe). Wie gut der oft als erster Vogel bezeichnete, aber noch recht dinosaurierhafte Archaeopteryx aktiv fliegen (das heißt dynamischen Auftrieb erzeugen) konnte, ist umstritten. Entsprechend muss davon ausgegangen werden, dass seine bislang unbekannten, möglicherweise schon relativ vogelähnlichen unmittelbaren Vorfahren nicht gut oder gar nicht aktiv fliegen konnten. Auch die einer anderen Entwicklungslinie als Archaeopteryx angehörenden "vier-flügeligen Dinosaurier" der Unterkreide (Microraptor, Changyuraptor) konnten wahrscheinlich nicht aktiv fliegen, sondern sich nur von Baum zu Baum gleitend fortbewegen.
Bis 2006 wurden 527 Gattungen wissenschaftlich beschrieben. Man schätzt die Gesamtzahl aller Dinosauriergattungen auf 1850 (1996 schätzte man noch 3400). Jedoch sind vermutlich viele nicht als Fossilien überliefert. Im Mittel kommen gegenwärtig pro Monat zwei neue Gattungen[10] und pro Jahr mindestens 30 neue Arten hinzu.

Auch wenn sie alle so unterschiedlich sind, zeichnen sie sich durch eine Anzahl gemeinsamer Merkmale aus, die sie gegenüber ihren nächsten Verwandten innerhalb der Archosaurier (Lagosuchus, Scleromochlus und den Flugsauriern) unterscheidet.
  • Schädelmerkmale:
    • das Postfrontale (ist ein kleiner, paariger Deckknochen des Schädeldaches der Tetrapodomorpha (Landwirbeltier-Kronengruppe + nächste fossile Verwandte)) fehlt
    • im Gaumen überlappt das Ectopterygoid das Flügelbein (Pterygoid, ein Knochen der hinteren Gaumenregion der Osteognathostomata)
    • der Kopf des Quadratums (ein paariger Schädelknochen der Knochentiere, der bei allen „höheren“ Wirbeltierklassen, außer bei den Säugetieren, das primäre Kiefergelenk bildet) ist in seitlicher Ansicht exponiert
    • Verkleinerung der Posttemporalöffnung (Fenestra posttemporalis, einer Hinterhauptsöffnung)
  • Merkmale des postkranialen Skeletts (das Skelett ohne den Schädel (cranium)):
    • die Schultergelenkpfanne ist rückwärtig orientiert
    • die Hand ist asymmetrisch mit verkürzten äußeren Fingern (IV und V), bei höheren Theropoden fehlen diese völlig
    • das Schienbein zeigt am vorderen oberen Ende eine kammartige Erhebung (Cnemialkamm)
    • der Astragalus (ein Fußwurzelknochen) weist einen aufwärts abgehenden Fortsatz auf
    • der mittlere Mittelfußknochen (an dem Zehe III ansetzt) ist S-förmig gebogen
Während urtümliche Dinosaurier alle diese Merkmale aufweisen, kann der Knochenbau späterer Formen stark abweichen, so dass manche der aufgeführten Charakteristika nicht mehr vorhanden oder nachzuvollziehen sind.
Darüber hinaus gibt es verschiedene weitere Merkmale, die viele Dinosaurier gemeinsam haben, aber nicht als gemeinsam abgeleitete Merkmale bezeichnet werden, da sie sich gleichfalls bei einigen Nicht-Dinosauriern finden oder nicht bei allen frühen Dinosauriern auftreten. Dies sind unter anderem das verlängerte Schulterblatt (Scapula), drei oder mehr Kreuzbein-Wirbel im Bereich des Beckengürtels (drei Kreuzbeinwirbel wurden bei einigen anderen Archosauriern gefunden, jedoch nur zwei bei Herrerasaurus) oder eine offene (perforierte) Hüftgelenkpfanne (geschlossen bei Saturnalia).
Bei den Dinosauriern standen die Beine senkrecht unter dem Körper, ähnlich wie bei den meisten Säugetieren, aber anders als bei den meisten anderen Reptilien, deren Beine gespreizt nach außen hin abstehen (Spreizgang). Durch ihre aufrechte Haltung konnten Dinosaurier beim Bewegen leichter atmen, was wahrscheinlich Ausdauer- und Aktivitätslevel erlaubte, welche die anderer Reptilien mit gespreizten Beinen übertrafen. Außerdem hat die gerade Stellung der Beine eventuell die Evolution des Gigantismus unterstützt, da so die Beine entlastet wurden.

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Vereinfachte Systematik der Dinosaurier

Die ersten Dinosaurier gingen möglicherweise schon während der mittleren Trias vor etwa 245 Millionen Jahren aus ursprünglichen Vertretern der Avemetatarsalier-/Ornithodiren-Linie der Archosaurier hervor, wie der ostafrikanische Nyasasaurus bezeugt, der entweder als der früheste Dinosaurier oder als der nächste bekannte Verwandte der Dinosaurier in Frage kommt (#1). Die Fossilien der ältesten unzweifelhaften Dinosaurier Eoraptor und Herrerasaurus entstammen der etwa 230 Millionen Jahre (späte Trias) alten Ischigualasto-Formation in Argentinien. Eoraptor gilt als der ursprünglichste Vertreter und sah wahrscheinlich dem gemeinsamen Vorfahren aller Dinosaurier sehr ähnlich (#2). Somit dürften die ersten Dinosaurier kleine, bipede Fleischfresser gewesen sein (#22). Diese Sichtweise wird bestätigt durch Funde primitiver, dinosaurierähnlicher Ornithodiren wie Marasuchus und Lagerpeton. Diese Gattungen werden zwar außerhalb der Dinosaurier klassifiziert, waren aber wahrscheinlich mit dem gemeinsamen Vorfahren aller Dinosaurier nahe verwandt.

Als die ersten Dinosaurier erschienen, waren die Nischen der terrestrischen Ökosysteme von verschiedenen Arten urtümlicher Archosaurier und Therapsiden besetzt: Aetosaurier, Cynodonten, Dicynodonten, Ornithosuchiden, Rauisuchier sowie Rhynchosaurier. Die meisten dieser Gruppen starben noch in der Trias aus; so gab es am Übergang zwischen Karnium und Norium ein Massenaussterben, bei dem die Dicynodonten und verschiedene basale Archosauromorphen wie die Prolacertiformen und Rhynchosaurier verschwanden. Darauf folgte ein weiteres Massenaussterben am Übergang zwischen Trias und Jura, bei dem die meisten anderen frühen Archosauriergruppen, wie Aetosaurier, Ornithosuchier, Phytosaurier und Rauisuchier ausstarben. Diese Verluste hinterließen eine Landfauna, die aus Crocodylomorphen, Dinosauriern, Säugetieren, Pterosauriern und Schildkröten bestand (#4).

Die frühen Dinosaurier besetzten wahrscheinlich die Nischen, die durch die ausgestorbenen Gruppen frei wurden. Früher wurde davon ausgegangen, dass die Dinosaurier die älteren Gruppen in einem langen Konkurrenzkampf zurückdrängten – dies wird heute aus mehreren Gründen als unwahrscheinlich angesehen: Die Zahl der Dinosaurier nahm nicht allmählich zu, wie es bei einem Verdrängen anderer Gruppen der Fall gewesen wäre; vielmehr machte ihre Individuenzahl im Karnium lediglich 1–2 % der Fauna aus, während sie nach dem Aussterben einiger älterer Gruppen im Norium bereits 50–90 % ausmachte. Ferner war die senkrechte Stellung der Beine, die lange als Schlüsselanpassung der Dinosaurier galt, ebenso in anderen zeitgenössischen Gruppen ausgeprägt, die nicht so erfolgreich waren (Aetosaurier, Ornithosuchier, Rauisuchier und einige Crocodylomorphen) (#4 nochmal).

Wie verlief die Evolution der Dinosaurier nach dem Trias und wie entstanden die Vögel?

#1 - Sterling J. Nesbitt, Paul M. Barrett, Sarah Werning, Christian A. Sidor, Alan J. Charig: The Oldest Dinosaur? A Middle Triassic Dinosauriform from Tanzania. In: Biology Letters. Bd. 9, Nr. 1, 2012, ISSN 1744-9561, 20120949, doi:10.1098/rsbl.2012.0949.

#2 - Paul C. Sereno: The Evolution of Dinosaurs. In: Science. Bd. 284, Nr. 5423, 1999, S. 2137–2147, doi:10.1126/science.284.5423.2137.

#3 - Paul C. Sereno, Catherine A. Forster, Raymond R. Rogers, Alfredo M. Monetta: Primitive dinosaur skeleton from Argentina and the early evolution of Dinosauria. In: Nature. Bd. 361, Nr. 6407, 1993, S. 64–66, doi:10.1038/361064a0.

#4 - Michael J. Benton: Origin and Relationships of Dinosauria. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 7–19, doi:10.1525/california/9780520242098.003.0002.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 12. Mai 2022, 14:29

Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Dinosaurier? (Teil 7 - Von der Jura bis zum Aussterben)

Die Dinosaurier lassen sich also wohlfein in den Stammbaum der Arten einteilen, wie es zu erwarten wäre, wenn alle Arten miteinander verwandt sind. Doch wie haben sie diese Vielfalt erhalten, wie entstanden die Vögel und was geschah mit den Dinosauriern? Was davon steht in der Bibel? Was sagt der Jw.org-Artikel?
Ja, einige werden total vergessen haben, dass es ja eigentlich um eine Rezension geht. Aber so ein Thema muss man erst einmal aufbereiten, bevor man sich dem kreationistem Gedankengut zuwendet.

Die Evolution der Dinosaurier, sowie aller Tiere, nach der Trias wurde durch Veränderungen der Vegetation und der Lage der Kontinente beeinflusst. In der späten Trias und im frühen Jura waren alle Kontinente zu der großen Landmasse Pangaea vereinigt, wodurch es eine weltweit einheitliche Dinosaurierfauna gab, die sich hauptsächlich aus karnivoren Coelophysoideen und herbivoren Prosauropoden zusammensetzte. Nacktsamige Pflanzen, insbesondere Koniferen, verbreiteten sich während der späten Trias als mögliche Futterquelle. Prosauropoden konnten das Pflanzenmaterial nicht im Mund verarbeiten und waren auf andere Mittel zur Aufschlüsselung der Nahrung im Verdauungstrakt angewiesen. Die Homogenität der Dinosaurierfaunen setzte sich bis in den mittleren und späten Jura fort: Unter den karnivoren Theropoden dominierten die Ceratosaurier, die Spinosauroideen und die Carnosaurier, während unter den Herbivoren die Stegosaurier, die Ornithischier und die Sauropoden verbreitet waren. Wichtige, gut bekannte Faunen des späten Jura schließen die der Morrison-Formation in Nordamerika und der Tendaguru Beds in Tansania mit ein. Faunen aus China zeigen jedoch bereits einige Unterschiede wie die spezialisierten Sinraptoriden unter den Karnivoren und ungewöhnliche, langhalsige Sauropoden wie Mamenchisaurus unter den Herbivoren. Ankylosaurier und Ornithopoden verbreiteten sich zunehmend, die Prosauropoden jedoch starben aus. Koniferen und andere Pflanzengruppen wie Farne und Schachtelhalme waren die dominierenden Pflanzen. Anders als Prosauropoden und Sauropoden haben die Ornithischier Mechanismen entwickelt, die eine Verarbeitung von Nahrung im Mund erlaubten. So hielten backenähnliche Organe die Nahrung im Mund, und durch Kieferbewegungen konnte die Nahrung zermahlen werden (#1, #2).

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Links: Skelett des Dicraeosaurus hansemanni in der Tendaguru-Formation
Rechts: Die charakteristischen Schichten der Morrison-Formation in den westlichen Vereinigten Staaten und Kanada


Während der frühen Kreide setzte sich das Auseinanderbrechen Pangaeas fort, wodurch sich die Dinosaurierfaunen verschiedener Kontinente mehr und mehr unterschieden. Eine große Veränderung in der Unterkreide brachte das Auftreten der Blütenpflanzen. Zur selben Zeit entwickelten verschiedene Gruppen von Herbivoren Zahnbatterien, die aus übereinander gestapelten Ersatzzähnen bestanden. Den Ceratopsiern dienten die Zahnbatterien zum Schneiden, während sie besonders bei Hadrosauriden zum Mahlen eingesetzt wurden. Man kann die unterschiedliche Art zu Kauen an den Abriebstellen erkennen. Die ersten Gräser tauchten am Ende der Kreide auf.
Der erste als Vogel geltende Dinosaurier, Archaeopteryx, lebte im späten Jura Mitteleuropas (siehe Solnhofener Plattenkalk). Er entwickelte sich wahrscheinlich aus frühen Vertretern der Maniraptoren (#3), einer Gruppe sehr vogelähnlicher Theropoden aus der relativ modernen Untergruppe Coelurosauria. Archaeopteryx weist ein Mosaik aus Merkmalen der Vögel und der Nichtvogeltheropoden auf, ähnelt letzteren jedoch so sehr, dass mindestens ein Fossil ohne klar erkennbare Federabdrücke fälschlicherweise dem Compsognathus, einem kleinen Nichtvogeldinosaurier, zugeschrieben wurde. Obwohl das erste fast vollständige Exemplar von Archaeopteryx bereits im Jahr 1861 gefunden wurde, fand die Idee, dass Vögel von Dinosauriern abstammen bzw. ein Teil dieser Gruppe sind, erst wesentlich später allgemeine Anerkennung, nachdem sie 1970 von John Ostrom neu aufgegriffen worden war (#4). Bis heute wurden zahlreiche anatomische Gemeinsamkeiten zwischen theropoden Dinosauriern und Archaeopteryx nachgewiesen (#5). Ähnlichkeiten zeigen sich besonders im Bau der Halswirbelsäule, des Schambeins (Pubis), des Handgelenks, des Schultergürtels, des Gabelbeins und des Brustbeins.
Ab den 1990er Jahren wurde eine Reihe von gefiederten coelurosauriden Theropoden entdeckt, die weitere Anhaltspunkte auf die enge Verwandtschaft zwischen Dinosauriern und Vögeln liefern. Die meisten dieser Funde stammen aus der Jehol-Gruppe im Nordosten Chinas, einer mächtigen Sedimentabfolge, die durch exzellent erhaltene Fossilien berühmt ist. Einige der in der Jehol-Gruppe gefundenen Vertreter mit daunenartigen Federn (Protofedern) sind relativ ursprüngliche und mit den Vögeln nicht sonderlich nahe verwandte Coelurosaurier, zum Beispiel der Compsognathide Sinosauropteryx, der Therizinosauroide Beipiaosaurus sowie die Tyrannosauroiden Dilong (#6) und Yutyrannus. Letzterer der nach Kenntnisstand Juni 2015 mit Abstand größte gefiederte Dinosaurier, der aus der Yixian-Formation (Barremium bis frühes Aptium) der Provinz Liaoning stammt. Dies zeigt, dass ein primitives Gefieder ein ursprüngliches Merkmal der Theropoden, zumindest aber der Coelurosaurier zu sein scheint und dass viele andere Theropoden, von denen heute nur Skelettteile bekannt sind, zu Lebzeiten ebenfalls gefiedert waren, ihr Gefieder jedoch nicht fossil überliefert wurde. Daran ändert auch nichts, dass die Sedimente der Jehol-Gruppe erst in der Unterkreide abgelagert worden sind und damit geologisch jünger als der Solnhofener Plattenkalk und Archaeopteryx sind. Funde "gefiederter Dinosaurier" sind generell selten, was sehr wahrscheinlich daran liegt, dass Weichteile wie Haut und Federn nur unter besonders günstigen Bedingungen, wie sie in den Sedimenten der Jehol-Gruppe und im Solnhofener Plattenkalk offenbar herrschten, fossilieren. Viele der gefiederten Nichtvogeldinosaurier in der Jehol-Gruppe wären demnach die ältesten mit Gefieder überlieferten Vertreter ihrer Entwicklungslinien, obwohl alle geologisch älteren Vertreter dieser Linien sowie deren gemeinsamer Vorfahr ebenfalls Federn hatten.
Die für Vögel so typischen Konturfedern finden sich jedoch nur bei Vertretern der Coelurosaurier-Untergruppe Maniraptora, welche die Oviraptorosaurier, die Troodontiden, die Dromaeosauriden und die Vögel umfasst (#3, #7). Protofedern entwickelten sich ursprünglich wahrscheinlich zur Wärmeisolierung, die Konturfedern speziell für die optische Kommunikation mit Artgenossen. Die Funktion des Erzeugens von Auftrieb beim Fliegen oder Segeln durch die Luft übernahmen sie erst später in der Evolution (#8, #9). Bei Microraptor gui, einem etwa huhngroßen Dinosaurier aus der Jehol-Gruppe, sind nicht nur die Arme und Hände, sondern auch die Beine als mit Konturfedern bestückte Flügel ausgebildet, und es wird angenommen, dass Microraptor auf diesen vier Schwingen von Baum zu Baum gesegelt ist (#10). Allerdings gilt Microraptor, obwohl geologisch jünger als Archaeopteryx, nicht als Vogel. Sein vogelähnliches Äußeres geht stattdessen auf eine Parallelentwicklung (Konvergenz) innerhalb der Maniraptora zurück. Mit Jeholornis gab es aber auch einen frühen "echten" Vogel in der Jehol-Gruppe. Dass Microraptor nicht als Vogel betrachtet wird, liegt nicht daran, dass er lediglich zur Fortbewegung per Gleitflug fähig war, sondern an seiner Skelettanatomie, die ihn als Dromaeosauriden ausweist. Schließlich sind auch die fliegerischen Fähigkeiten von Archaeopteryx durchaus umstritten. Eine Hypothese zur Entwicklung der Flugfähigkeit der "echten" Vögel besagt, dass diese sich aus dem Gleitflug entwickelt hat. Die Vorfahren von Archaeopteryx, möglicherweise sogar Archaeopteryx selbst, wären demnach ebenfalls Gleitflieger gewesen.

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Links: Archaeopteryx, Londoner Exemplar mit gut erhaltenen Federn
Rechts: Lebendrekonstruktion: Nach neueren Untersuchungen (2011) ist anzunehmen, dass mindestens ein Teil des Gefieders schwarz war.


Dass die Dinosaurier ausgestorben sind, dürfte jetzt für die wenigsten überraschend sein.

In den letzten 550 Millionen Jahren gab es fünf große Massenaussterben, bei denen jeweils mindestens 40 % aller Gattungen ausstarben. Am berühmtesten ist das Kreide-Paläogen-Massenaussterben vor etwa 66 Millionen Jahren, bei dem schätzungsweise 50 % der Gattungen und 20 % der Familien verschwanden, darunter alle Nicht-Vogel-Dinosaurier. Es wurden die verschiedensten Hypothesen aufgestellt, um die Ursachen dieses Massensterbens zu klären. Die meisten aktuellen Theorien sehen die Ursache in einem Meteoriteneinschlag oder einem gesteigerten Vulkanismus, einige schließen beide Ereignisse mit ein. Das rapide Absinken des Meeresspiegels könnte gleichfalls zum Massensterben beigetragen haben, da die großen Flachmeere verschwanden und sich Landbrücken bildeten (#11).
In einer dünnen, dunklen Ton­schicht aus der Zeit des Massenaussterbens an der Kreide-Paläogen-Grenze fanden der Physiker Luis Walter Alvarez und sein Sohn, der Geologe Walter Alvarez, eine Anreicherung des sonst in der Erdkruste sehr seltenen Schwermetalls Iridium (auch Iridium-Anomalie genannt). In ihrer im Juni 1980 veröffentlichten Studie postulierten sie, dass dieses Iridium durch einen Meteoriten auf die Erde gelangt sein könnte, dessen Einschlag das Massensterben auslöste (#12). Die Hypothese wurde 1991 durch den Fund des 180 km durchmessenden Chicxulub-Kraters am Rande der Yukatan-Halbinsel im Golf von Mexiko untermauert, der zum passenden Zeitpunkt durch den Einschlag eines etwa 10 km großen Meteoriten entstanden ist. Zu den möglichen kurz- und mittelfristigen Folgen für die damaligen Ökosysteme sind vielfältige Überlegungen angestellt worden. So wird eine zunächst starke Aufheizung der Atmosphäre als unmittelbare Folge des Einschlags angenommen ("Feuersturm"), gefolgt von einer inzwischen nachgewiesenen starken Abkühlung, weil die Atmosphäre durch Staub verdunkelt und so die Sonneneinstrahlung (Insolation) für einige Jahre um 10 bis 20 % reduziert wurde ("nuklearer Winter") (#13), mit negativen Auswirkungen auf die Photosyntheseraten von Landpflanzen und einzelligen Meeresalgen, den Primärproduzenten der terrestrischen und marinen Ökosysteme (#14). Eine weitere unmittelbare und mittelbare Folge des Einschlages waren wahrscheinlich schwere und schwerste Erdbeben und Tsunamis, die noch tausende Kilometer vom Einschlagsort entfernt auftraten (#15).

Mehrere Hypothesen zu den Ursachen des Aussterbens stehen speziell mit dem Umstand in Zusammenhang, dass der Einschlag seinerzeit in eine karbonatische Schelfplattform erfolgte. Deren Sedimentabfolge beherbergt heute in unmittelbarer Nähe des Chicxulub-Kraters eine ergiebige Erdöllagerstätte, die wahrscheinlich auch schon am Ende der Kreidezeit existierte. Daher wurde, gestützt auf Isotopenuntersuchungen von organischem Kohlenstoff aus Sedimenten des Kreide-Paläogen-Grenzbereichs, eine These formuliert, die besagt, dass durch den Einschlag große Mengen von Erdöl verbrannt seien. Der dabei entstandene Ruß sei in die Stratosphäre aufgestiegen und habe sich dort weltweit verbreitet. Dies, und nicht der aus dem Einschlagskrater ausgeschleuderte feine Gesteinsstaub, sei Hauptursache für die nach dem Impakt erfolgte weltweite Verdunkelung und Abkühlung gewesen (#16). Weil der mächtige Sedimentstapel der Yucatan-Karbonatplattform unter anderem auch Anhydrit und Gips (Kalziumsulfat, CaSO4) enthält, könnten durch die Einschlagshitze große Mengen Schwefeldioxid (SO2) und -trioxid (SO3) entstanden sein, was in den folgenden Wochen und Monaten weltweit zu saurem Regen geführt hätte, der eine Versauerung von Böden und Gewässern verursacht und so die Lebensbedingungen vor allem für Pflanzen und Algen erheblich verschlechtert hätte (#17). Mithilfe eines computergestützten Klimamodells wurde ermittelt, dass nicht Staub oder Ruß, sondern vor allem langlebige Schwefelsäure-Aerosole in der Atmosphäre in den Monaten nach dem Einschlag ein Absinken der durchschnittlichen jährlichen globalen Oberflächentemperatur um mindestens 26 °C bewirkt hätten. Dadurch habe die Erde eine mehrjährige, nahezu globale Dauerfrostperiode erlebt, mit dramatischen Folgen für sowohl Land- als auch Meereslebewesen (#18).

Ein Indiz für die Vulkanismustheorie ist der gewaltige Dekkan-Trapp-Vulkanismus der indischen Dekkan-Hochebene, der mindestens zwei Millionen Kubikkilometer Basalt (Flutbasalt, Trapp) förderte. Neben einer verminderten Sonneneinstrahlung könnten große Mengen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gelangt sein, was einen starken Treibhauseffekt zur Folge gehabt hätte (#11). Eine neuere Studie verknüpft den Chicxulub-Impakt unmittelbar mit dem Dekkan-Trapp-Vulkanismus. Demnach verzeichnete der lange "schwelende" Dekkan-Trapp aufgrund der beim Meteoriteneinschlag freigesetzten Energie von mindestens 3×1023 Joule und der dadurch ausgelösten tektonischen Schockwellen ein neues Aktivitätsmaximum. Laut dieser Hypothese ist der geologisch kurzfristige, über Jahrtausende in das Paläogen reichende Ausstoß von 70 % aller Dekkan-Trapp-Flutbasalte auf dieses Ereignis zurückzuführen (#19).

Das eigentliche Aussterben vollzog sich wahrscheinlich in einem relativ kurzen Zeitraum und "zumindest in Nordamerika nach geologischen Maßstäben augenblicklich" (#20). Zwar wurden einige Dinosaurierknochen in 64,5 Millionen Jahre alten känozoischen Schichten gefunden und daraufhin von einigen Forschern als Hinweis auf ein langsames Aussterben gedeutet, jedoch wurde dieser These heftig widersprochen mit der Begründung, die Knochen seien aus mesozoischen Ablagerungen erodiert und in den känozoischen Schichten neu eingebettet worden (#21, #22). Weit umstrittener ist die Frage, ob die Dinosaurier am Ende der Kreidezeit ohnehin im Niedergang begriffen waren oder ob sie in voller Blüte standen. Forschungen hierzu ergaben, dass die Artneubildungsrate der Dinosaurier schon 50 Millionen Jahre vor dem Ende der Kreidezeit von der normalen Hintergrundaussterberate übertroffen worden sein soll. Ausnahmen von dieser allmählichen Abnahme der Artenvielfalt seien die Hadrosaurier und die Ceratopsia, spezialisierte Pflanzenfresser, die noch in der jüngsten Kreide zahlreiche neue Arten bildeten. Trotz dieser Ausnahmen seien die Dinosaurier insgesamt seinerzeit offenbar relativ anfällig gegenüber einer globalen Katastrophe gewesen (#23). Dem wird entgegengehalten, dass der im Fossilbericht dokumentierte Artenrückgang eher darauf zurückzuführen ist, dass sich zum Ende der Kreidezeit (Campan bis Maastricht) die Bedingungen für die Fossilerhaltung extrem verschlechterten. Die tatsächliche Artenvielfalt der Dinosaurier in diesem Zeitraum, jedenfalls in Nordamerika, sei deshalb bisher unterschätzt worden (#24).

#1 - Thomas R. Holtz Jr., Ralph E. Chapman, Matthew C. Lamanna: Mesozoic Biogeography of Dinosauria. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 627–642, doi:10.1525/california/9780520242098.003.0030.

#2 - David E. Fastovsky, Joshua B. Smith: Dinosaur Paleoecology. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 614–626, doi:10.1525/california/9780520242098.003.0029.

#3 - Kevin Padian: Basal Avialae. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 210–231, doi:10.1525/california/9780520242098.003.0013.

#4 - John H. Ostrom: The ancestry of birds. In: Nature. Bd. 242, Nr. 5393, 1973, S. 136, doi:10.1038/242136a0.

#5 - Gerald Mayr, Burkhard Pohl, D. Stefan Peters: A Well-Preserved Archaeopteryx Specimen with Theropod Features. In: Science. Bd. 310, Nr. 5753, 2005, S. 1483–1486, doi:10.1126/science.1120331.

#6 - Xing Xu, Mark A. Norell, Xuewen Kuang, Xiaolin Wang, Qi Zhao, Chengkai Jia: Basal tyrannosauroids from China and evidence for protofeathers in tyrannosauroids. In: Nature. Bd. 431, Nr. 7009, 2004, S. 680–684, doi:10.1038/nature02855, PMID 15470426.

#7 - Ursula B. Göhlich, Luis M. Chiappe: A new carnivorous dinosaur from the Late Jurassic Solnhofen archipelago. In: Nature. Bd. 440, Nr. 7082, 2006, S. 329–332, doi:10.1038/nature04579.

#8 - Phillip Burgers, Luis M. Chiappe: The wing of Archaeopteryx as a primary thrust generator. In: Nature. Bd. 399, Nr. 6731, 1999, S. 60–62, doi:10.1038/19967.

#9 - Richard Cowen: History of Life. 3rd edition. Blackwell Science, Malden MA 2000, ISBN 0-632-04444-6.

#10 - Sankar Chatterjee, R. Jack Templin: Biplane wing planform and flight performance of the feathered dinosaur Microraptor gui. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Bd. 104, Nr. 5, 2007, S. 1576–1580, doi:10.1073/pnas.0609975104.

#11 - J. David Archibald, David E. Fastovsky: Dinosaur extinction. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 672–684, doi:10.1525/california/9780520242098.003.0033.

#12 - L. W. Alvarez, W. Alvarez, F. Asaro, H. V. Michel: Extraterrestrial Cause for the Cretaceous-Tertiary Extinction. In: Science. Band 208, Nr. 4448, 1980, S. 1095–1108, [url]https://doi.org/10.1126/science.208.4448.1095]doi:10.1126/science.208.4448.1095[/url] (alternativer Volltextzugriff: UCSC (PDF)).

#13 - Johan Vellekoop, Appy Sluijs, Jan Smit, Stefan Schouten, Johan W. H. Weijers, Jaap S. Sinninghe Damsté, Henk Brinkhuis: Rapid short-term cooling following the Chicxulub impact at the Cretaceous-Paleogene boundary. In: PNAS. 111, Nr. 21, Mai 2014. doi:10.1073/pnas.1319253111.

#14 - Adriana Ocampo, Vivi Vajda, Eric Buffetaut: Unravelling the Cretaceous–Paleogene (KT) Turnover, Evidence from Flora, Fauna and Geology. In: Charles Cockell, Christian Koeberl, Iain Gilmour (Hrsg.): Biological Processes Associated with Impact Events. (ESF Impact). Springer, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-25735-7, S. 197–219, doi:10.1007/b135965.

#15 - Simon Day, Mark Maslin: Linking large impacts, gas hydrates, and carbon isotope excursions through widespread sediment liquefaction and continental slope failure: The example of the K-T boundary event. In: T. Kenkmann, F. Hörz, A. Deutsch (Hrsg.): Large meteorite impacts III. (= The Geological Society of America. Special Papers. Bd. 384). Geological Society of America, Boulder CO 2005, S. 239–258, doi:10.1130/0-8137-2384-1.239

#16 - Kunio Kaiho, Naga Oshima, Kouji Adachi, Yukimasa Adachi, Takuya Mizukami, Megumu Fujibayashi, Ryosuke Saito: Global climate change driven by soot at the K-Pg boundary as the cause of the mass extinction. In: Scientific Reports. Bd. 6, Art.-Nr. 28427, 2016, doi:10.1038/srep28427.

#17 - Sohsuke Ohno, Toshihiko Kadono, Kosuke Kurosawa, Taiga Hamura, Tatsuhiro Sakaiya, Keisuke Shigemori, Yoichiro Hironaka, Takayoshi Sano, Takeshi Watari, Kazuto Otani, Takafumi Matsui, Seiji Sugita: Production of sulphate-rich vapour during the Chicxulub impact and implications for ocean acidification. In: Nature Geoscience. Bd. 7, 2014, S. 279–282, doi:10.1038/ngeo2095.

#18 - Julia Brugger, Georg Feulner, Stefan Petri: Baby, it's cold outside: Climate model simulations of the effects of the asteroid impact at the end of the Cretaceous. In: Geophysical Research Letters. Januar 2017. doi:10.1002/2016GL072241. Siehe dazu auch ein Video einer der Simulationen auf der Webpräsenz des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

#19 - Mark A. Richards, Walter Alvarez, Stephen Self, Leif Karlstrom, Paul R. Renne, Michael Manga, Courtney J. Sprain, Jan Smit, Loÿc Vanderkluysen, Sally A. Gibson: Triggering of the largest Deccan eruptions by the Chicxulub impact. (PDF) In: Geological Society of America Bulletin. April 2015. doi:10.1130/B31167.1.

#20 - David E. Fastovsky, Peter M. Sheehan: The Extinction of the Dinosaurs in North America. In: GSA Today. Bd. 15, Nr. 3, 2005, S. 4–10, doi:10.1130/1052-5173(2005)015<4:TEOTDI>2.0.CO;2

#21 - James E. Fassett, Robert A. Zielinski, James R. Budahn: Dinosaurs that did not die: Evidence for Paleocene dinosaurs in the Ojo Alamo Sandstone, San Juan Basin, New Mexico. In: Christian Koeberl, Kenneth G. MacLeod (Hrsg.): Catastrophic events and mass extinctions. Impacts and beyond (= The Geological Society of America. Special Papers. Bd. 356). Geological Society of America, Boulder CO 2002, S. 307–336, doi:10.1130/0-8137-2356-6.307.

#22 - Robert Sullivan: No Paleocene dinosaurs in the San Juan Basin, New Mexico. In: The Geological Society of America. Abstracts with Programs. Bd. 35, Nr. 5, 2003, ISSN 0016-7592, S. 15.

#23 - Manabu Sakamoto, Michael Benton, Chris Venditti: Dinosaurs in decline tens of millions of years before their final extinction. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Bd. 113, Nr. 18, 2016, S. 5036–5040, doi:10.1073/pnas.1521478113.

#24 - Alfio Alessandro Chiarenza, Philip D. Mannion, Daniel J. Lunt, Alex Farnsworth, Lewis A. Jones, Sarah-Jane Kelland, Peter A. Allison: Ecological niche modelling does not support climatically-driven dinosaur diversity decline before the Cretaceous/Paleogene mass extinction. In: Nature Communications. Bd. 10, 2019, Art.-Nr. 1091, [url=doi:10.1038/s41467-019-08997-2]doi:10.1038/s41467-019-08997-2[/url]; siehe dazu auch Michael Greshko: Hätten die Dinosaurier ohne den Asteroiden überlebt? In: National Geographic. 11. März 2019, abgerufen am 21. Dezember 2020.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 17. Mai 2022, 09:27

Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Dinosaurier? (Teil 8 - Fazit)

Jetzt können wir in verschiedenen Doktorarbeiten und Peer-Reviews nachlesen, wo Dinosaurier herkommen, wie sich einige Unterarten der Dinosaurier bis in unsere Zeit gehalten haben und warum der große Rest mit einer Vielzahl an Pflanzen und Tieren am Ende der Kreidezeit ausgestorben ist. Und vor allen Dingen, können wir auch herausfinden, warum Wissenschaftler auf ihre Erklärungen kommen und wie ihre Theorien und Hypothesen gestützt werden.
Wie lange haben die Dinosaurier gelebt? Sie entstammen den Archosauriern und sind vor ungefähr 235 Millionen Jahren auf der Erde erschienen (Obere Trias) und verschwanden recht rasch wieder vor ca. 66 Millionen Jahren (Obere Kreide). Sie dominierten also über 165 Millionen Jahre das Festland rund um den Globus (beziehungsweise, da wo gerade die Kontinente "rumschwammen").

Zuvor aber noch einmal der jw.org-Artikel, auf den wir ausnahmsweise mal wieder Bezug nehmen:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/dinosaurier-in-der-bibel/

Wir können nun deutlich besser als der haltlose Artikel, die Fragen beantworten, die dieser stellt:
Stammen Dinosaurier von anderen Tieren ab?
Wann lebten die Dinosaurier?
Waren der Behemoth und der Leviathan Dinosaurier?
Was geschah mit den Dinosauriern?

Wie haben wir es schon im ersten Teil dieser Artikelserie herausgestellt? Was sagt die Bibel über Dinosaurier? Nichts.

Jetzt hätte ich das ganze so stehen lassen können. Denn dieser Antwort, ist auch nach den letzten 7 Teilen aus biblischer Sicht nichts substanzielles beigefügt worden. Wir haben festgestellt, dass die "großen Seeungetüme" und die "fliegenden Geschöpfe" keine Dinosaurier gemeint haben können. Uns wird aber sowieso nur hervor faboliert, dass mit den in 1. Mose genannten erschaffenen Geschöpfen auch die Dinos und ihre Zeitgenossen und ihre Vorgänger (z.B. die Schalentiere aus der kambrischen Zeit) gemeint sein könnten. Dass die Schreiber der Bibel tatsächlich von diesen Wesen aus grauer Vorzeit wussten, darf - das sollte jetzt nicht wirklich überraschen - bezweifelt werden. Noch zu Lebzeiten der frühen Menschen gab es Säbelzahntiger, Wollnashörner und Mammuts. Von denen schreibt die Bibel auch nichts, obwohl diese eben eine Zeit lang mit den Menschen in Co-Existenz lebten. Allerdings zu einer Zeit, als es Adam noch nicht gab.
Wir hätten auch unkritisch übernehmen können, dass die Viecher einfach so aufblobbten, ihren Zweck erfüllten und wieder gingen. Wir könnten auch unkommentiert lassen, wann die Dinos gelebt haben und was der Fossilbericht laut einem kreationistischen Werbeblatt über sie aussagen soll. Aber dann wären wir in diesem Thread hier falsch.

Wie ich immer wieder schon anschnitt und es hier auch schon wieder erwähnte, liegt die Antwort deutlich näher und ist deutlich einfacher. Man muss nicht in irgendwelche Konjunktive abdriften und sich nebulösen Ideen hingeben, warum es sie so lange auf Erden gab, jetzt aber nicht mehr und warum die Bibel schon sehr gestrafft gelesen werden muss, um doch irgendwie auf diese bis zu 30 Meter langen Riesen hinzuweisen. Wir müssten dafür lediglich von der Vorstellung abrücken, die Bibel als inspirierte, von Gott eingegebene Schrift zu betrachten, die allumfänglich irgendwelche Aussagen über den Anfang der Welt treffen könnte.

..
3 künstlerische Darstellungen von Dinosauriern, frühen Säugetieren und Vögeln

Es wäre so einfach.
Warum steht also aller Wahrscheinlichkeit so unglaublich wenig über einen Zweig der Reptilien in der Heiligen Schrift, über Lebewesen die fast 170 Millionen Jahre das Bild der Welt geprägt haben?
Weil es Menschen vor 3000 Jahren einfach nicht gewusst haben.

So einfach.

Daran ändern weder Leviathan noch Behemoth etwas.
Daran ändert auch nichts, dass man das Wort "Tag" auf Epochen streckt.
Daran ändert auch nichts, dass man sich so wenig mit Fossilation beschäftigt, dass abruptes Auftreten von Arten auch als Schöpfungsakt gelesen wird und nicht als Natürlichkeit, weil die Entstehung von Fossilien - auch wenn weltweit Millionen entdeckt wurden - ein unglaublich unwahrscheinlicher Prozess mit ganz bestimmten Vorraussetzungen ist. Wer weiß, wieviele Arten wir nie entdecken werden, einfach weil von den Abermillionen Mitgliedern dieser Spezies kein einziges fossiliert wurde.
Daran ändert auch nichts, dass man den Fossilbericht über einen Kamm schert und dabei zum Beispiel völlig außer Acht lässt, dass der Stegosaurus 66 Millionen Jahre vor bevor der T-Rex überhaupt auftauchte, ausgestorben ist. Wie erklärt man dies, wenn die Dinos abrupt aufgetaucht sein sollen?
Daran ändert auch nichts, dass man diesen Tieren einen Zweck zuordnet, den man nicht einmal benennen kann, um sie dann diesen Zweck offenbar erfüllen zu lassen, damit Gott sie aussterben lassen kann.

Das alles sind Behauptungen ohne Halt in der Wirklichkeit, um ein Glaubensbild zu stützen, dass sich dann auf diese "Beweise" berufen mag.

Hat irgendeiner eine leise Ahnung, warum ich solchen Blödsinn unbedingt offen widerlegen muss?
Weil leider Leute auf so einen Humbug hereinfallen.
Die Autoren sollten lieber Fantasy-Romane schreiben, als Sachautoren taugen sie, zumindest in diesem Fall, ja mal sowas von gar nicht.

Das erinnert mich ein wenig an folgenden Witz:

Ein Kind im Schulbus: "Dinosaurier sind seit Millionen Jahren ausgestorben."
Anderes Kind: "Geht doch gar nicht. Wir haben erst 2020."
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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