Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Dinosaurier? (Teil 6 - Dinosaurier)Nachdem wir Behemoth und Leviathan abgearbeitet haben, ist es nun an der Zeit auch mal über die Tiere zu sprechen, um die es hier eigentlich gehen sollte: Dinosaurier.
Kommen wir daher noch einmal kurz auf das Krokodil zurück.
Von links: Gangesgavial (Gavialis gangeticus), Mississippi-Alligator (Alligator mississippiensis) und Spitzkrokodil (Crocodylus acutus).
Haussperling (Passer domesticus)Was haben diese abgebildeten Lebewesen gemeinsam?
Beide sind die letzten noch lebenden Vertreter der Archosaurier. Ja, auch wenn ich besonders beim Piepmatz nach einem recht zierlichen und unscheinbaren Exemplar gesucht habe, sind die beiden, obwohl sie augenscheinlich kaum unterschiedlicher sein könnten, verwandt. Evolutionsbiologisch sogar nahe Verwandte. Und was hat das ganze nun mit Dinos zu tun?
Neben diesen beiden rezenten Arten besteht die Gruppe der Archosaurier im Grunde nur noch aus fossilen Arten, von denen die Dinosaurier und die Flugsaurier die berühmtesten sind. Die heutigen Krokodile und Verwandten sind dabei eine deutlich kleinere Taxa als die Vögel, die mit zu der artenreichsten Tierfamilie gehören, die es auf Erden gibt. Die relativ enge Verwandtschaft zwischen Vögeln und Krokodilen lässt sich anhand einer ganzen Reihe von Merkmalen, vor allem dem Bau des Herz-Kreislauf-Systems, nachweisen. Vögel und Krokodile haben jedoch jeweils völlig andere Entwicklungen durchgemacht, weshalb ihre relativ enge Verwandtschaft heute nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Die Vögel, hochaktive Warmblüter, sind aus den theropoden Dinosauriern hervorgegangen, einer Archosaurier-Linie, die rein landlebende Formen umfasste. Diese Lebensweise hatten die Dinosaurier von der gemeinsamen Stammart der Dinosaurier- und Krokodillinie übernommen. Bei den Vorfahren der rezenten Krokodile hingegen vollzog sich eine Entwicklung von landlebenden Formen hin zu den amphibischen Formen mit dem so typischen, urtümlichen, echsenhaften Habitus. Während die einen also in die Luft gingen, waren die anderen wieder nah am Wasser gebaut. Egal in welcher Art die seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu den Diapsida (gemeinsame Gruppe der Archosaurier und Schuppenechsen) die Schildkröten einzuordnen sind, unstrittig ist, dass die Krokodile näher mit den Vögeln, einer warmblütigen Tiergruppe, verwandt sind als mit allen anderen rezenten Reptilien.
Ein Kladogramm würde also Vögel und Krokodile nach dem aktuellen Kenntnisstand über die Verwandschaftsverhältnisse in einer Gruppe zusammenfassen, die die letzten lebenden Arten der Archosaurier sind. Die Schildkröten würden damit eine Gruppe bilden oder aber mit den Schuppenechsen. So ganz klar ist das noch nicht. In der Gruppe der Diapsida würden dann aber, ich weiß, ich wiederhole mich, Vögel, Krokodile, Schildkröten und Schuppenechsen zusammengefasst. Die Amniota wäre die Zusammenfassung der Diapsida und der Mammalia (Säugetiere) und die Tetrapoda (Landwirbeltiere) würden diese vereinen mit den Lissamphibia (Lurchen). So ergibt sich durch ein Kladogramm immer ein Verwandtschaftsverhältnis, dass ein bisschen an einen Familienstammbaum erinnert. Und das nicht von ungefähr.
Was sagt die Wissenschaft also: Stammen Dinosaurier von anderen Tieren ab?
Ja, wie sollen sie sonst ins Dasein gekommen sein? Durch einen bärtigen Zauberer im Himmel? Und wenn dieser das Leben so schätzt und sie erschaffen hat, warum sind sie und 99% aller anderen Arten bereits ausgestorben?
Dinosaurier sind, da sind sich die Fachleute einig, nicht anders zu werten, als jede andere Spezies dieses Planeten. Ihre Morphologie, ihr Aufbau, sagen über die Artverwandtschaft genauso aus, wie bei anderen auch.
Wann lebten die Dinosaurier?
Das war ebenfalls eine der gestellten Fragen am Ende von Teil 5.
Die eigentlichen Stars dieser Artikelreihe, die erschreckend wenig präsent sind - das haben sie mit ihrer Präsenz in unseren heutigen Habitaten gemeinsam - haben ziemlich lange auf Erden gelebt. Seit ihrer Entdeckung und Beschreibung im 19. Jahrhundert sind Dinosaurier Teil der weltweiten Popkultur geworden. Sie sind nicht immer Garant für eine ausgewogene Geschichte mit Spaß und Spannung, aber in der Regel ein Kassenmagnet. Die Jurassic-Park- / Jurassic-World-Reihe ist da nur das berühmteste Beispiel. Die Kaiju-Filme (z.B. Godzilla) aus Japan und Korea setzen dem Ganzen noch ein großes Maß an Fantasie mit drauf.
Das Wissen über die Dinosaurier erhalten Paläontologen durch die Untersuchung von Fossilien, die in Form von versteinerten Knochen, Haut- und Gewebeabdrücken überliefert sind. Dabei spielen Knochenfunde eine herausragende Rolle, durch sie werden wichtige Daten über Verwandtschaftsbeziehungen, Anatomie und Körperbau, Biomechanik und vieles mehr gewonnen. Weitere Hinweise, besonders über das Verhalten der Dinosaurier, liefern die Spurenfossilien, etwa Zahnabdrücke an Knochen von Beutetieren, Hautabdrücke, Schwanzabdrücke, und vor allem fossile Fußspuren, die mit Abstand häufigsten Spurenfossilien. Spurenfossilien ermöglichen es, Dinosaurier aus einer anderen Perspektive zu studieren, da das Tier lebte, als die Spuren hinterlassen wurden, während Knochen immer von toten Tieren stammen. Weitere Informationen werden aus fossilen Eiern und Nestern, aus Koprolithen (versteinertem Kot) und Gastrolithen (Magensteinen, die zur Zerkleinerung der Nahrung von einigen Dinosauriern verschluckt wurden) gewonnen. Überreste von Dinosauriern sind auf allen Kontinenten gefunden worden, einschließlich der Antarktis, da die Dinosaurier zu einer Zeit entstanden, als das gesamte Festland im Superkontinent Pangaea vereinigt war. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galten Dinosaurier als wechselwarme, träge und wenig intelligente Tiere. Zahlreiche Studien seit den 1970er Jahren haben jedoch gezeigt, dass es sich um aktive Tiere mit erhöhten Stoffwechselraten und soziale Interaktionen ermöglichenden Anpassungen handelte.
Der englische Anatom Richard Owen stellte das Taxon "Dinosauria" im April 1842 auf.
Die Taxa der Dinosaurier umfassen heute folgende Gruppen:
- die Theropoda (zweibeinige Karnivoren)
- Sauropodomorphen (mehrheitlich große Pflanzenfresser mit langen Hälsen und Schwänzen)
- Ankylosaurier (vierbeinige Pflanzenfresser mit massiven Hautpanzern)
- Stegosaurier (vierbeinige, Knochenplatten tragende Pflanzenfresser)
- Ceratopsia (vierbeinige Pflanzenfresser mit Hörnern und Nackenschilden)
- Ornithopoden (zwei- oder vierbeinige Pflanzenfresser).
Die bekannten ausgestorbenen Dinosauriergruppen wiesen eine immense Formenvielfalt auf. Einige waren Pflanzenfresser, andere Fleischfresser; einige waren quadruped (vierbeinig), andere biped (zweibeinig), und wieder andere, wie zum Beispiel Iguanodon, konnten sich sowohl biped als auch quadruped fortbewegen. Viele hatten eine Panzerung, Hörner, Knochenplatten, Schilde oder Rückensegel. Obwohl sie für eine gigantische Größe bekannt sind, variierte ihre Größe beträchtlich; so waren viele Dinosaurier nur so groß wie ein Mensch oder kleiner.
Jedoch beschränkte sich diese Formenvielfalt faktisch ausschließlich auf terrestrische Lebensräume. Nur einige wenige Arten zeigen gewisse Anpassungen an ein Leben an und in Süßgewässern. Auch den Luftraum beherrschten die Nichtvogeldinosaurier wahrscheinlich nicht (die Flugsaurier sind eine eigenständige Gruppe). Wie gut der oft als erster Vogel bezeichnete, aber noch recht dinosaurierhafte Archaeopteryx aktiv fliegen (das heißt dynamischen Auftrieb erzeugen) konnte, ist umstritten. Entsprechend muss davon ausgegangen werden, dass seine bislang unbekannten, möglicherweise schon relativ vogelähnlichen unmittelbaren Vorfahren nicht gut oder gar nicht aktiv fliegen konnten. Auch die einer anderen Entwicklungslinie als Archaeopteryx angehörenden "vier-flügeligen Dinosaurier" der Unterkreide (Microraptor, Changyuraptor) konnten wahrscheinlich nicht aktiv fliegen, sondern sich nur von Baum zu Baum gleitend fortbewegen.
Bis 2006 wurden 527 Gattungen wissenschaftlich beschrieben. Man schätzt die Gesamtzahl aller Dinosauriergattungen auf 1850 (1996 schätzte man noch 3400). Jedoch sind vermutlich viele nicht als Fossilien überliefert. Im Mittel kommen gegenwärtig pro Monat zwei neue Gattungen und pro Jahr mindestens 30 neue Arten hinzu.
Auch wenn sie alle so unterschiedlich sind, zeichnen sie sich durch eine Anzahl gemeinsamer Merkmale aus, die sie gegenüber ihren nächsten Verwandten innerhalb der Archosaurier (Lagosuchus, Scleromochlus und den Flugsauriern) unterscheidet.
- Schädelmerkmale:
- das Postfrontale (ist ein kleiner, paariger Deckknochen des Schädeldaches der Tetrapodomorpha (Landwirbeltier-Kronengruppe + nächste fossile Verwandte)) fehlt
- im Gaumen überlappt das Ectopterygoid das Flügelbein (Pterygoid, ein Knochen der hinteren Gaumenregion der Osteognathostomata)
- der Kopf des Quadratums (ein paariger Schädelknochen der Knochentiere, der bei allen „höheren“ Wirbeltierklassen, außer bei den Säugetieren, das primäre Kiefergelenk bildet) ist in seitlicher Ansicht exponiert
- Verkleinerung der Posttemporalöffnung (Fenestra posttemporalis, einer Hinterhauptsöffnung)
- Merkmale des postkranialen Skeletts (das Skelett ohne den Schädel (cranium)):
- die Schultergelenkpfanne ist rückwärtig orientiert
- die Hand ist asymmetrisch mit verkürzten äußeren Fingern (IV und V), bei höheren Theropoden fehlen diese völlig
- das Schienbein zeigt am vorderen oberen Ende eine kammartige Erhebung (Cnemialkamm)
- der Astragalus (ein Fußwurzelknochen) weist einen aufwärts abgehenden Fortsatz auf
- der mittlere Mittelfußknochen (an dem Zehe III ansetzt) ist S-förmig gebogen
Während urtümliche Dinosaurier alle diese Merkmale aufweisen, kann der Knochenbau späterer Formen stark abweichen, so dass manche der aufgeführten Charakteristika nicht mehr vorhanden oder nachzuvollziehen sind.
Darüber hinaus gibt es verschiedene weitere Merkmale, die viele Dinosaurier gemeinsam haben, aber nicht als gemeinsam abgeleitete Merkmale bezeichnet werden, da sie sich gleichfalls bei einigen Nicht-Dinosauriern finden oder nicht bei allen frühen Dinosauriern auftreten. Dies sind unter anderem das verlängerte Schulterblatt (Scapula), drei oder mehr Kreuzbein-Wirbel im Bereich des Beckengürtels (drei Kreuzbeinwirbel wurden bei einigen anderen Archosauriern gefunden, jedoch nur zwei bei Herrerasaurus) oder eine offene (perforierte) Hüftgelenkpfanne (geschlossen bei Saturnalia).
Bei den Dinosauriern standen die Beine senkrecht unter dem Körper, ähnlich wie bei den meisten Säugetieren, aber anders als bei den meisten anderen Reptilien, deren Beine gespreizt nach außen hin abstehen (Spreizgang). Durch ihre aufrechte Haltung konnten Dinosaurier beim Bewegen leichter atmen, was wahrscheinlich Ausdauer- und Aktivitätslevel erlaubte, welche die anderer Reptilien mit gespreizten Beinen übertrafen. Außerdem hat die gerade Stellung der Beine eventuell die Evolution des Gigantismus unterstützt, da so die Beine entlastet wurden.
Vereinfachte Systematik der DinosaurierDie ersten Dinosaurier gingen möglicherweise schon während der mittleren Trias vor etwa 245 Millionen Jahren aus ursprünglichen Vertretern der Avemetatarsalier-/Ornithodiren-Linie der Archosaurier hervor, wie der ostafrikanische Nyasasaurus bezeugt, der entweder als der früheste Dinosaurier oder als der nächste bekannte Verwandte der Dinosaurier in Frage kommt (#1). Die Fossilien der ältesten unzweifelhaften Dinosaurier Eoraptor und Herrerasaurus entstammen der etwa 230 Millionen Jahre (späte Trias) alten Ischigualasto-Formation in Argentinien. Eoraptor gilt als der ursprünglichste Vertreter und sah wahrscheinlich dem gemeinsamen Vorfahren aller Dinosaurier sehr ähnlich (#2). Somit dürften die ersten Dinosaurier kleine, bipede Fleischfresser gewesen sein (#22). Diese Sichtweise wird bestätigt durch Funde primitiver, dinosaurierähnlicher Ornithodiren wie Marasuchus und Lagerpeton. Diese Gattungen werden zwar außerhalb der Dinosaurier klassifiziert, waren aber wahrscheinlich mit dem gemeinsamen Vorfahren aller Dinosaurier nahe verwandt.
Als die ersten Dinosaurier erschienen, waren die Nischen der terrestrischen Ökosysteme von verschiedenen Arten urtümlicher Archosaurier und Therapsiden besetzt: Aetosaurier, Cynodonten, Dicynodonten, Ornithosuchiden, Rauisuchier sowie Rhynchosaurier. Die meisten dieser Gruppen starben noch in der Trias aus; so gab es am Übergang zwischen Karnium und Norium ein Massenaussterben, bei dem die Dicynodonten und verschiedene basale Archosauromorphen wie die Prolacertiformen und Rhynchosaurier verschwanden. Darauf folgte ein weiteres Massenaussterben am Übergang zwischen Trias und Jura, bei dem die meisten anderen frühen Archosauriergruppen, wie Aetosaurier, Ornithosuchier, Phytosaurier und Rauisuchier ausstarben. Diese Verluste hinterließen eine Landfauna, die aus Crocodylomorphen, Dinosauriern, Säugetieren, Pterosauriern und Schildkröten bestand (#4).
Die frühen Dinosaurier besetzten wahrscheinlich die Nischen, die durch die ausgestorbenen Gruppen frei wurden. Früher wurde davon ausgegangen, dass die Dinosaurier die älteren Gruppen in einem langen Konkurrenzkampf zurückdrängten – dies wird heute aus mehreren Gründen als unwahrscheinlich angesehen: Die Zahl der Dinosaurier nahm nicht allmählich zu, wie es bei einem Verdrängen anderer Gruppen der Fall gewesen wäre; vielmehr machte ihre Individuenzahl im Karnium lediglich 1–2 % der Fauna aus, während sie nach dem Aussterben einiger älterer Gruppen im Norium bereits 50–90 % ausmachte. Ferner war die senkrechte Stellung der Beine, die lange als Schlüsselanpassung der Dinosaurier galt, ebenso in anderen zeitgenössischen Gruppen ausgeprägt, die nicht so erfolgreich waren (Aetosaurier, Ornithosuchier, Rauisuchier und einige Crocodylomorphen) (#4 nochmal).
Wie verlief die Evolution der Dinosaurier nach dem Trias und wie entstanden die Vögel?
#1 - Sterling J. Nesbitt, Paul M. Barrett, Sarah Werning, Christian A. Sidor, Alan J. Charig: The Oldest Dinosaur? A Middle Triassic Dinosauriform from Tanzania. In: Biology Letters. Bd. 9, Nr. 1, 2012, ISSN 1744-9561, 20120949, doi:10.1098/rsbl.2012.0949.
#2 - Paul C. Sereno: The Evolution of Dinosaurs. In: Science. Bd. 284, Nr. 5423, 1999, S. 2137–2147, doi:10.1126/science.284.5423.2137.
#3 - Paul C. Sereno, Catherine A. Forster, Raymond R. Rogers, Alfredo M. Monetta: Primitive dinosaur skeleton from Argentina and the early evolution of Dinosauria. In: Nature. Bd. 361, Nr. 6407, 1993, S. 64–66, doi:10.1038/361064a0.
#4 - Michael J. Benton: Origin and Relationships of Dinosauria. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 7–19, doi:10.1525/california/9780520242098.003.0002.