Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 6. Sep 2021, 10:03

Rezension: Jw.org - Was sagt die Bibel über Naturkatastrophen?

Man könnte diese Frage einleitend mit "Erschreckend viel Unsinn." beantworten. Aber das ist nicht mein Stil. Zu polemisch und vor allen Dingen zu kurz.

Wir können ja ersteinmal kurz zusammenfassen, was die Bibel darüber zu sagen hat. Uns wird erklärt, dass wir das in folgendem Artikel finden:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/naturkatastrophen-bibel/

Gott verursacht die heutigen Naturkatastrophen nicht, und die Leidenden sind ihm nicht egal. Gott wird Naturkatastrophen mit dem bösen System verschwinden lassen und bis dahin, muss uns sein Trost genügen. Wir wissen aber auch, dass Gott, besonders im alten Testament, Naturkatastrophen zur Bestrafung böser Menschen verwendet hat: Die Sintflut (1. Mose Kapitel 6-8) und die Zerstörung von Sodom und Gomorra (1. Mose Kapitel 18 und 19) sind nur die bekanntesten Beispiele. Aber auch ein Teil der 10 Plagen (2. Mose Kapitel 7-11, z.B. Ungezieferschwärme, Seuchen und Hagel) und der Aufstand Korachs (4. Mose Kapitel 16, Erdbeben) kann man hier nennen.
Als Gott insbesondere bei der Sintflut und der Zerstörung von Sodom und Gomorra ins Herz der Menschen sah und "nur diejenigen, die es wirklich verdient hatten" bestrafte, waren folgerichtig alle verdammt, denn kleiner Kinder und alte Greise sind selbstverständlich immer und in jedem Falle exakt der gleichen Meinung, wie der Rest der verkorksten Menschheit. Das kennen wir ja. Babies sind noch schlimmer, total egoistisch und bitte alles sofort. Sowas muss Gott austilgen.
Wir haben in der Rezension "Kommen Tiere in den Himmel?" darüber erfahren, dass Gott die Tiere nicht da rein lässt, weil sie ja keine moralischen Entscheidung treffen können und Gott nicht so kennenlernen können, wie wir Menschen. Tiere können also keine Vergebung bekommen, weil sie im Grunde nicht sündigen können. Das wirft die Frage auf, warum bei den genannten Katastrophen vom Großen bis zum Kleinen alles verendete. Welche Sünden haben die Babies begangen? Welche Moralvorstellungen haben sie?
Und ganz nebenbei: Wenn es eine globale Flut gab und Feuerregen auf ausgewachsene Städte, warum findet sich in der Archäologie dazu kein Hinweis? Oder in den Schriften anderer Kulturen?

Als Strafe Gottes sind sie also willkürlich, nicht selektiv genug und treffen alle Menschen einer Region, unabhängig ihrer Herkunft, sozialen Schicht oder Gesinnung. Die "nur-bösen" Orte sind zurecht in Fantasy-Romane gebannt, weil es sowas in der Realität nicht gibt. Selbst in kleinen Dörfern gibt es keine geschlossene Meinung, deswegen gibt es ja Stammtischdiskussionen.

Strafgericht und Naturkatastrophe unterscheiden sich aber dahingehend, dass Gott bei seinen Aktionen immer erst eine Warnung ausspricht (außer bei Sodom und Gomorra, z.B.), während Naturgewalten einfach so hereinbrechen, unvermittelt und überraschend.

Menschen tragen dazu bei, dass Naturereignisse zu Naturkatastrophen werden. Wieso kann man das sagen? Menschen greifen in Naturkreisläufe ein und siedeln sich in Gegenden an, in denen mit Erdbeben, Überschwemmungen oder extremen Wetterverhältnissen zu rechnen ist (Offenbarung 11:18). Gott ist für solche Fehlentscheidungen nicht verantwortlich (Sprüche 19:3).

Äh, falsch?

Schauen wir uns das gelobte Land doch einfach mal an:
Israel liegt auf einer Landbrücke zwischen Asien und Afrika am östlichen Rand des Mittelmeeres. Damit zählt es geographisch zu Vorderasien, geologisch aber zu Afrika, da es auf der afrikanischen Kontinentalplatte liegt. Im Osten liegt die Arabische Platte und die Grenze dazu bildet das Jordantal, welches Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs ist. Im Norden grenzt Israel an den Libanon, im Nordosten an Syrien, im Osten an Jordanien, im Südwesten an den Gazastreifen und Ägypten und im Süden ans Rote Meer.
Gott hat dieses Land schon Abraham versprochen (1. Mose 13:15-17), wiederholt das Versprechen mehrfach auch den Nachkommen Abrahams (z.B. 1. Mose 15:18-21, 17:7-8, 26:3-5, 28:13, 35:12 und 50:24). Auch Moses bekommt das mehrmals zu hören (4. Mose Kapitel 14, 20:12, 5. Mose 4:21), darf wegen einem Fehlverhalten aber nicht hinein. Erst unter Josua wird das Land im Namen Gottes eingenommen. es beginnt mit den Städten Jericho (Josua Kapitel 6) und setzt sich mit Ai fort (Josua 8:14-29). Auch nach dem Exil in Babylon werden die Juden wieder dort hin geschickt. Nachdem der Perserkönig Kyros II. im Jahr 539 v.u.Z. das babylonische Reich erobert hatte, erlaubte er die Rückkehr einzelner Personengruppen in ihre Heimat jenseits des Tigris. Namen nennt das Kyros-Edikt, mit dem dies verkündet wurde, nicht, und es enthält auch keine Anordnung zum Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels. Aber laut Jeremia 29:10 hat Gott eine Befreiung und Rückkehr nach 70 Jahren Gefangenschaft verheißen.

Das gerade sein Bundesvolk auf einer tektonischen Tellermine wohnen sollte, ist demnach sehr wohl in seiner Verantwortung, ja auf seinen Befehl hin passiert.
Für die heutigen Siedlungsgebiete an Küsten (z.B. New York, Sao Paulo, Tokio, Hamburg) mit entsprechenden Überschwemmungen kann Gott nix. Ebenso wenig für die Besiedlung von Erdbebengebieten (z.B. Los Angelos, Santiago de Chile, nochmal Tokio) oder in der Nähe von Vulkanen (Neapel am Vesuv, Goma (Republik Kongo) nahe dem Nyiragongo, Yogyakarta (Indonesien) am Merapi, Kagoshima (Japan) gegenüber des Sakurajima und schon wieder Tokio beim Fuji). Tokio ist so am Arsch.
Ja, aber was soll so ein afrikanischer Grabenbruch schon machen?

Der Jordangraben gilt allgemein als Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs, der sich im Ostafrikanischen Graben fortsetzt. Dieser auch als Transformstörung am Toten Meer (englisch Dead Sea Transform (kurz DST)) benannte Abschnitt reibt seit 18 Millionen Jahren die Arabische Platte an der Afrikanischen Platte entlang. Die Geschwindigkeit der Bewegung beträgt durchschnittlich 4 mm pro Jahr. Klingt erstmal nicht viel, aber:
Die Oberfläche des Toten Meeres liegt 420m unter dem Meeresspiegel. Der Grund des Toten Meeres reicht bis 794m unter den Meeresspiegel und besteht aus Sedimentablagerungen. Diese Tiefen sind wider Erwarten nicht durch Absinken des Erdbodens oder Weitung quer zum Riss entstanden, sondern durch dessen Sprünge zur Seite und die weitere Bewegung in Längsrichtung.
Die seismische Aktivität dieser Region gilt als die erdbebengeschichtlich am weitesten zurückreichend dokumentierte. Insgesamt rund 30 Beben mit nennenswerten Schäden sind für die letzten rund 2200 Jahre mit Datum bekannt. Mit dem bekannten Schriftwerk wird insgesamt eine Zeitspanne von ca. 4000 Jahren abgedeckt. Sowohl die alttestamentliche Bibel wie auch römische Quellen fixieren dabei verschiedenste Beobachtungen, die weitgehend vergleichbar sind zu dem was in neuerer Zeit registriert werden konnte. Darüber hinausgehende geologische Forschungen lieferten klare Belege für einen erweiterten Zeitraum von rund 10.000 Jahren.
Die aufgetretenen Verwerfungen produzierten dabei immer wieder Erdrutsche, die den Jordan für kurze Zeit – etwa 1–2 Tage – aufhielten. Für die letzten 1000 Jahre sind sechs solcher Ereignisse mit Datum dokumentiert sowie mindestens ein weiteres solches Ereignis in biblischer Zeit (siehe auch Josua Kapitel 3). Speziell mit dem Beben im Jahr 1546 kam es nicht nur zu einer Verschüttung des Jordans, sondern auch zu einer Springflut (Tsunami) im Bereich des Roten Meers. Bei anderen Beben wurden selbst starke Festungsmauern umgeworfen (Jericho (siehe auch Josua Kapitel 6), Massada) oder wichtige Zisternen zerstört, so dass die betroffenen Städte teils für Jahrzehnte verlassen werden mussten. Die Verschiebungen in der Erdkruste führten andernorts weiterhin dazu, dass spontan Grundwasser führende Schichten an die Oberfläche kamen und dadurch zumindest zeitweilig neue Quellen entstanden (siehe auch 2. Mose Kapitel 17).
Als zentrales Ereignis der Neuzeit gilt bislang das Erdbeben von 1927, bei dem sich die westliche Platte nach Süden und die östliche Platte nach Norden innerhalb kürzester Zeit um rund 50 cm gegeneinander verschoben haben. Dies gleicht zweifelsohne den ältesten Berichten aus der Region.

Die seismologische Aktivität kann also bereits Grundlage einiger "Wunder" sein, wie sie in der Bibel während der Zeit der Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten und während des Genozids an den Völkern Kanaans beschrieben werden. Wenn man das dann natürlich noch märchenhaft überhöht, kann man es auch gleich einem Gott zuschreiben.

In der Bibel wurde vorausgesagt, dass es während „des Abschlusses des Systems der Dinge“ oder „der letzten Tage“ Naturkatastrophen geben würde (Matthäus 24:3; 2. Timotheus 3:1). Zum Beispiel prophezeite Jesus für unsere Zeit: „Es wird Lebensmittelknappheit und Erdbeben an einem Ort nach dem anderen geben“ (Matthäus 24:7). Bald wird Gott alle Ursachen für Schmerz und Leid beseitigen, darunter auch Naturkatastrophen (Offenbarung 21:3, 4).

Dies zeigt ziemlich offensichtlich, dass man von Plattentektonik keine Ahnung hat und auch nichts darüber weiß, warum das so wichtig ist, dass es diese gibt.
Eigentlich nicht weiter verwunderlich: Die Schreiber der Bibel, egal ob nun Mose, Josua oder irgendein anderer (wenn man es denn so auslegt, dass sie tatsächlich die Verfasser waren), aber auch die Redaktion und die Lektoren im babylonischen Exil, die das Pentateuch zusammenstellten und redigierten, ja sogar Jesu Zeitgenossen, Jünger und Nachfolger hatten schlicht keine Ahnung, warum Erdbeben und andere Naturereignisse geschehen.
Und warum übernimmt eine Organisation aus unserer Zeit diese völlig veraltete Sichtweise, wenn sie von sich selbst doch behauptet, dass sie naturwissenschaftliche Erkenntnisse anerkennen (... 131, 14.06.2021: Rezension: Jw.org - Wie stehen Jehovas Zeugen zur Naturwissenschaft?)? Dieses Rätsel ist ebenso leicht zu lösen: Man hat sich nicht von allen Vorstellen des Religionsstifters Charles Taze Russell (gestorben 1916) verabschiedet. Denn auch dieser hatte offenbar von Alfred Wegeners Theorie der Kontinentalverschiebung, die er 1912 veröffentlichte, nichts gehört. Auch nicht verwunderlich, denn obwohl es erste Hypothesen dazu schon im 18. und 19. Jahrhundert gab, galt Alfred vielen "echten" Geologen als ein unqualifizierter "Quereinsteiger". Und das, obwohl es ihm im Gegensatz zu seinen Vorgängern gelang, seine Theorie auch durch vielfältige Untersuchungen in den verschiedenen Zweigen der Geowissenschaften zu untermauern.

Bild
Die hier farbig dargestellten paläobiogeographischen Verbreitungsgebiete von Cynognathus (orange), Mesosaurus (blau), Glossopteris (grün) und Lystrosaurus (braun) erlauben die Rekonstruktion von Gondwana und sind damit Belege für die Existenz der Plattentektonik. Die Darstellung ist stark schematisch und nicht mit den tatsächlichen, anhand der Fossilfundstellen rekonstruierbaren Verbreitungsgebieten identisch.


Ein verkanntes Genie also?
Naja, nicht so ganz. Anerkannt waren seine Verdienste in der Meteorologie und er galt zu Lebzeiten als Pionier der Polarforschung. Erst die Untersuchung der Plattentektonik ab 1960 brachte die allgemeine Anerkennung des Kontinentaldrifts.

Warum ist es aber wichtig, dass der Boden unter unseren Füßen nicht ruht?
Die Plattentektonik entsteht durch Konvektionsströme im Innern. Sie sind verantwortlich für Erdbeben und Vulkanausbrüche. Das hört sich erstmal doof an. Das sind aber eben die Nebenwirkung für einen lebenden Planeten. Die Konvektionsströme, die sich in verschiedenen Ebenen weit unterhalb der Kontinente und Ozeane abspielt, sind ein Grund für den Erddynamo. Der wiederum erzeugt das Erdmagnetfeld.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass niemand auf diesen verzichten möchte. Geladene Teilchen der Sonne und kosmische Strahlung, z.B. aus dem Zentrum der Milchstraße würden nicht nur ungebremst, sondern ungefiltert und in voller Stärke auf uns herniederprasseln. Mutationen sind dann unsere geringste Sorge.
Es würde sich dann natürlich auch niemand mehr Sorgen um Erdbeben und Vulkane machen. Denn es gäbe kein Leben mehr auf Erden.

Auch sorgt die stete Änderung unserer Erdoberfläche dafür, dass die Biodiverität nicht nur erhalten bleibt, sondern sogar wachsen kann. Es entstehen ständig neue Nischen für Lebewesen, während alte verschwinden. Vulkanasche ist obendrein durch die hohe Mineraldichte ein Superdünger. Klar im ersten und sicher auch im zweiten Moment sind Erdbeben echt doof und können einem den Tag versauen. In Küstennähe gestartet verursachen sie zusätzlich Tsunamis. Vulkanausbrüche spucken nicht nur heiße Gesteinsbrocken und Lava herum, sondern können das Klima einer Region oder sogar global verändern. So hatte der Ausbruch des Samalas 1257 katastrophale Auswirkungen auf das Weltklima. Große Vulkanausbrüche - und der war groß - transportieren Aerosole in die Atmosphäre, die dann in der Stratosphäre Dunstschleier bilden und dadurch die Sonneneinstrahlung und sodann auch die globalen Temperaturen reduzieren. Weitere Folgeerscheinungen sind Probleme in der Landwirtschaft und eventuelle Hungersnöte.
Aus Berichten des Jahres 1258 in Frankreich und England geht hervor, dass ein trockener Nebel das Land bedeckte, der bei ortsansässigen Beobachtern den Eindruck einer ständigen Wolkenbedeckung hinterließ. Mittelalterliche Aufzeichnungen von 1258 berichten von einem kalten und verregneten Sommer mit Überschwemmungen und Missernten. Insbesondere waren die Monate Februar bis Juni ausgesprochen kalt. Nicht nur in Europa, sondern auch im Mittleren Osten wurden in den Jahren 1258 und 1259 veränderte Farbtönungen in der Atmosphäre beobachtet. Hinzu gesellten sich stürmische, kalte und strenge Wetterlagen. Das verregnete Wetter beschädigte die Ernten, was seinerseits zu Hungersnöten und Epidemien führte. Nordwesteuropa scheint hiervon stark betroffen worden zu sein und so können Missernten und eine Hungersnot in London mit dem Ausbruch des Samalas, korreliert werden. In London starben damals 15.000 bis 20.000 Menschen an der Hungersnot.
Die resultierende Hungersnot war derart gravierend, dass Getreide aus Deutschland und Holland eingeführt werden musste. Der Getreidepreis schnellte in Großbritannien, aber auch in Frankreich und in Italien in die Höhe. Epidemien werden zu diesem Zeitpunkt aus England und dem Mittleren Osten berichtet. Aber auch in China, Japan und Korea traten ernste Probleme auf. Nach dem Winter 1258/1259 werden weniger extreme Wetterlagen verzeichnet, jedoch war der Winter 1260/1261 in Island, Italien und anderswo erneut sehr streng. Und das alles wegen einem Vulkan auf der indonesischen Insel Lombok!


Die Vulkane Indonesiens. Der Sundabogen zieht von Sumatra über Java bis nach Timor. Der Samala befindet sich ungefähr Bildmittig im unteren Drittel (Rinjani).

Und das gleiche kann man auch für Stürme so aufstellen. Natürlich ist ein Hurrikan oder ein Blizzard nichts, was den eigenen Vorgarten entlangstreifen sollte. Aber auf einem Planeten mit funktionierender Atmosphäre ein hinzunehmendes Übel. Wind, auch der starke, entsteht durch den Druckausgleich von verschiedenen Luftdruckgebieten. Dieser Druckausgleich ist wichtig. Sonst würden bestimmte Regionen überhitzen und andere abkühlen. Wind- und Meeresströmungen regulieren die globalen Temperaturen. Das erklärt uns dieser Witz eigentlich ganz gut:

Schadenserklärung gegenüber der Versicherung – Warum der Zaun umgefallen ist

Vor diesem Schreiben hatte die Versicherung die Versicherungsnehmerin dazu aufgefordert zu erklären, warum ihr Zaun im Sturm umgefallen ist. Diese hat sich für ihre Antwort scheinbar sehr viel Zeit genommen und folgendes ist dabei herausgekommen:

Sehr geehrte Damen und Herren

Sie fordern eine Begründung, wie es dazu kam, dass mein Zaun von einem Sturm zerstört worden ist. Nach anfänglicher Ratlosigkeit, was man da wohl schreiben soll, ich dennoch gezwungen bin, zu antworten, um meine Pflichten als Versicherungsnehmerin nachzukommen, trage ich nun ordnungsgemäß vor:

"Die Sonne wärmt die Luft weltweit unterschiedlich. Wo sie senkrecht auf die Erde trifft (am Äquator), wärmt sie stärker als da, wo sie schräg auftrifft (Nord- und Südpol). Und über Land wärmt sie stärker als über dem Meer. Aufgewärmte Luft dehnt sich aus, der Luftdruck wird an diesen Stellen höher (man nennt das "Hochs"). An kühleren Stellen bleibt der Luftdruck niedrig ("Tiefs"). Die Luft versucht, diese Druckunterschiede wieder auszugleichen: Sie strömt von Gebieten mit hohem Luftdruck in Gebiete mit niedrigem Luftdruck – je größer die Druckunterschiede sind, umso schneller. Bewegt sich die Luft mit 6 km/h, nennt man das Wind. Ab 75 km/h nennt man diese Bewegung Sturm, ab 118 km/h Orkan. So schnell ist die Luft aber nur bei extremen Druckunterschieden.
Ein solcher Druckunterschied lag am Schadenstag über Deutschland vor. Zur Unglückszeit passierte schnelle Luft den Großraum Hessen, wobei sie auch durch Asterode und an meinem Haus vorbeikam. Da mein Haus der schnellen Luft im Wege stand, sollte es weggepustet werden. Das jedoch ließ mein treuer Zaun nicht zu. Um das Haus zu schützen, hat sich mein armer Zaun mit aller Kraft gegen die schnelle Luft gestemmt.
Es gelang ihm zunächst, sich und das Haus erfolgreich zu verteidigen, so das die schnelle Luft gezwungen war, den Weg durch das Nachbarhaus zu nehmen. Als das große Dach des Nachbarhauses in einem Stück vorbeigeflogen kam, was nur in sehr seltenen Fällen vorkommt, muß mein Zaun erschrocken oder zumindest kurz abgelenkt gewesen sein. Die schnelle Luft hat ihre Chance sofort genutzt und meinen treuen Zaun heimtückisch niedergedrückt. Der Held brach zusammen und starb noch am Boden liegend vor dem Haus, welches er jedoch immerhin erfolgreich beschützt hatte."

Das ist meiner Ansicht nach der Vorgang, so wie er sich real zugetragen hat. Es könnte jedoch auch weniger dramatisch gewesen sein und der Fall ist als ganz gewöhnlicher Sturmschaden zu behandeln, dem nichts hinzuzufügen ist, außer das an dem Tag in Asterode – wie überall in Deutschland – Sturm war. Sollte weiterer Vortrag notwendig sein, Zeugenaussagen begehrt oder Ihrer Ansicht nach eine Obduktion des Zaunes erforderlich sein, stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Was bleibt also vom Artikel?
Nicht viel. Katastrophen gab es schon immer und da wir glücklicherweise auf einem tektonisch aktiven Planeten wohnen, der auch noch eine Atmosphäre hat, wird es so bleiben. Wer es anders mag, darf sich ja gern auf dem Mars niederlassen. Seine Atmosphäre ist hauchdünn und schützt vor einfallender Strahlung eher so mittel bis schlecht. Und ein Magnetfeld, wie die Erde, hat er auch nicht.
Versöhnlich kann ich mich aber indes schon zeigen, mit den Ratschlägen zum Schluss. Man sollte sich auf Katastrophen nach seinen Möglichkeiten vorbereiten und das man sich in Krisenzeiten gegenseitig hilft. Es ist aber schon recht traurig, dass der Mensch als soziales Wesen, nicht selbst auf den Trichter kommt und erst ein omnipotentes Wesen, so es denn existiert, eine so fehlerhafte Anleitung dafür schreiben muss.
Bild
Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 1594
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

von Anzeige » Mo 6. Sep 2021, 10:03

Anzeige
 

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 13. Sep 2021, 11:52

Rezension: Jw.org - Wie ist es möglich, ewig zu leben? (Teil 1 - Hypothetische Unsterblichkeit)

Da gibt es schon so ein paar Optionen. Man müsste ein Baum sein, zum Beispiel.
Old Tjikko ist der älteste Baum der Welt. Das ist jetzt nur eine sehr vereinfachte Darstellung.
Diese ca. 9550 Jahre alte Gemeine Fichte (Oicea abies, wächst vor allem in Nordeuropa, aber auch in Tschechien, Polen, dem Erzgebirge und den Alpen bis nach Dalmatien runter) ist korrekter bezeichnet der älteste lebende individuelle Klonbaum.

Bild
Wenig spektakulär, wenn man es nicht wüsste, ragt hier gerade mal 5m in die Höhe: Old Tjikko

Das Alter des Baums ist mit Radiokohlenstoffdatierung des Wurzelsystems unter dem Baum ermittelt worden, nicht mit Dendrochronologie oder dem Zählen der Jahresringe. Der Stamm selbst wird nur auf ein Alter von maximal 600 Jahren geschätzt. Aber der Baum als Ganzes hat durch Absenker, also das Wurzelschlagen eines Asts, der den Grund berührt, oder durch vegetative Vermehrung, also das Nachwachsen eines neuen Stamms aus dem noch lebenden Wurzelsystem, wenn der Stamm abstirbt, sehr viel länger überlebt. Dieses Absenken kann durch schwere Schneemassen geschehen. Passt ganz gut zum Standort: Old Tjikko steht in der schwedischen Provinz Dalarna, im Nationalpark Fulufjället, keinen Kilometer vom Oberlauf des 93 Meter hohen Njupeskär, dem höchsten Wasserfall Schwedens, entfernt.

Am Wasserfall war ich schon, Old Tjikko habe ich damals aber verpasst. Ich habe erst im Nachhinein per Google Maps festgestellt, das er dort steht. Das Museum am Anfang des Wanderpfades hat übrigens ein ausgezeichnetes, freies WLAN und selbstverständlich auch hübsche Exponate.

Vermutlich wuchs der Baum anfänglich als Krummholz-Formation, um den extremen Umgebungsverhältnissen, in denen er wuchs, zu widerstehen. Während der Erwärmung des letzten Jahrhunderts hat sich der Baum in die normale Baum-Formation gewandelt. Leif Kullman, ein Professor für Physische Geographie an der Universität Umeå, hat den Baum entdeckt. Er schreibt den Wachstumsspurt der globalen Erwärmung zu. Den Baum hat er nach seinem verstorbenen Hund "Old Tjikko" genannt (#1).
Die Radiokohlenstoffdatierung ist nicht genau genug, um das exakte Jahr, in dem der Baum aus seinem Samen entsprang, zu ermitteln, aber aufgrund des geschätzten Alters muss dies ungefähr um 7.550 v. Chr. gewesen sein. Im Vergleich hat die Geschichte der Schrift (und damit die schriftliche Überlieferung) erst im 4. Jahrtausend v. Chr. begonnen. Forscher haben eine Ansammlung von ungefähr 20 weiteren Fichten in derselben Gegend gefunden, die alle über 8.000 Jahre alt sind.
Frühere Forscher haben angenommen, dass die Gemeine Fichte eine Art ist, die relativ spät nach Schweden gekommen ist. Theorien gingen davon aus, dass sie ungefähr vor 2000 Jahren in die Region eingewandert ist. Exemplare, die viel älter als 10.000 Jahre sind, sollten in Schweden praktisch unmöglich sein, weil die Gegend bis vor etwa 11.000 Jahren während des Pleistozäns fest im Griff einer weltweiten Eiszeit war.

Bild
Hübscher Wald im Herbst, aber nur ein kleiner Teil des "Pando".

Es gibt aber Beispiele für noch ältere Klonkolonien. Das sind mehrere Bäume, die durch ein gemeinsames Wurzelsystem verbunden sind, wie zum Beispiel Pando, dessen Wurzelsystem auf über 80.000 Jahre geschätzt wird. Pando (von lateinisch pandere "ausbreiten") ist eine Klonkolonie der Amerikanischen Zitterpappel (Populus tremuloides) im Fishlake National Forest, knapp 50 km südöstlich von Richfield in Utah, USA, die als das älteste und schwerste bekannte Lebewesen der Erde gilt. Die ganze Kolonie (Genet) erstreckt sich über eine Fläche von 43,6 Hektar. Die Amerikanische Zitterpappel bildet als Genet bezeichnete Kolonien, deren Baumstämme über Rhizome miteinander verbunden sind und somit einen einzelnen Organismus bilden. Während einzelne Baumstämme absterben und neue hinzukommen, besteht die Kolonie als Ganzes fort.
Die Anzahl der Stämme beträgt etwa 47.000 und das Gesamtgewicht wird auf etwa 6000 Tonnen geschätzt. Einzelne Bäume werden selten älter als 100 bis 130 Jahre.
Eine im Oktober 2018 veröffentlichte Studie kommt anhand der Vergleiche von Luftbildaufnahmen zu dem Schluss, dass Pando seit 30–40 Jahren nicht weiter gewachsen ist und sieht Pando daher als akut vom Tod bedroht (#2).

Vegetative Vermehrung ist bei vielen Pflanzen üblich, zum Beispiel beim Kreosotbusch, dessen Exemplar "King Clone" basierend auf der Wachstumsrate auf ein Alter von annähernd 11.700 Jahren geschätzt wird. Er hat einen Durchmesser von 22 Metern (67 Fuß) und befindet sich in der Mojave-Wüste.

Bild
Auch nicht gerade aufregend anzuschauen: King Clone

Viele andere Pflanzen nutzen diesen Mechanismus exklusiv oder in Verbindung mit geschlechtlicher Fortpflanzung, aber die Datierung oder Schätzung des Alters dieser Organismen ist ohne konkrete Hinweise, z.B. alte Wurzeln, alte Überreste, konstante Wachstumsraten, nicht möglich.
In der Bonatik nennt man das ganze Genet (von griechisch geneá, deutsch "Abstammung") und Ramet, was die "Klongeschwister", also die kleinste lebensfähige Einheit eines Genets sind. Die Begriffe Genet und Ramet sind im Kontext zueinander zu verstehen. Alle Ramets desselben Ursprungs bilden die Gesamtheit eines Klons. Demnach ist eine Erdbeermutterpflanze mit ihren Ausläufern ein Genet, all ihre Ableger sind Rameten und bilden zusammen einen Klon. Ebenso verhält es sich zum Beispiel mit einer Gemüse- oder Tulpenzwiebel und ihren aus den Tochterzwiebeln entstandenen Nachkommen.

Es geht aber auch anders.

Bild
Turritopsis dohrnii medusa

Dem üblichen Lebenszyklus der Cnidaria (Nesseltiere) zufolge sterben die Medusen nach erfolgter Vermehrung ab. Bei Turritopsis dohrnii können allerdings Zellen des Außenschirms (Exumbrella) durch Transdifferenzierung zum Keim eines neuen Polypen werden. Dadurch wird eine neue Polypengeneration erzeugt, die direkt aus der Meduse hervorgeht und mit dieser genetisch identisch ist. Die Art ist damit der erste bekannte Fall eines Vielzellers (Metazoa), bei dem sich das geschlechtsreife Individuum wieder zu einer sexuell unreifen koloniebildenden Lebensform zurückentwickelt. Auf diese Weise kann ein Individuum den gesamten Lebenszyklus immer wieder durchlaufen und so theoretisch Unsterblichkeit praktizieren (#3, #4). Neuere taxonomische Untersuchungen haben gezeigt, dass die mediterranen Exemplare, an denen viele der Untersuchungen durchgeführt wurden, sehr wahrscheinlich zur Art Turritopsis dohrnii zu zählen sind, welche z. B. durch eine geringere Anzahl von Tentakeln gekennzeichnet ist (#5). Auch die japanischen Formen von Turritopsis nutricula bzw. dohrnii besitzen dieselbe Fähigkeit zur Rejuvenation (Wiederverjüngung).

Jetzt dürfen wir aber gern davon ausgehen, dass man im Paradies auf Erden und auch im Himmelsreich nicht nur als Baum herumsteht und auch nicht als klibberige Qualle, sondern in menschlicher Gestalt. Das soll keineswegs als Wertung verstanden werden. Ohne Bäume käme unser Ökosystem - wie wir es kennen - nicht aus und auch Quallen haben eine wichtige Funktion, zum Beispiel durch ihre Koloniebildung für die Erhaltung von Riffen. Es ist Im Grunde der Mensch auf den verzichtet werden kann. Gläubige in aller Welt werden diese Umkehr aber vermutlich nicht gutheißen.
Rezensieren wir also, nach diesem ausgiebigen Vorwort, den heutigen Artikel:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/wie-ewig-leben/

Die Bibel verspricht: „Wer tut, was Gott will, wird ewig leben“ (1. Johannes 2:17, Hoffnung für alle). Was genau bedeutet es, zu tun, was Gott will?

So heißt es im ersten Satz des Artikels.
Wie wir in der vorletzten Rezension schon feststellen durften, ist es Tieren nicht vergönnt, in den Himmel aufzusteigen, weil sie augenscheinlich nicht moralisch handeln können und auch nicht über eine Selbsterkenntnis verfügen. Beide Vorwürfe scheinen in der Wissenschaft zwar nicht mehr so sicher. Aber für die weitere Betrachtung lassen wir das mal so stehen. Es hat für den vorliegenden Artikel keine Relevanz.

Das sehen wir aber erst in Teil 2.

#1 - Landau, Elizabeth: World’s oldest tree points to global warming impact, CNN. Abgerufen am 22. Juni 2021.

#2 - Yessenia Funes: The Biggest Organism on Earth Is Dying, and It's Our Fault. In: Earther. (gizmodo.com, abgerufen am 22. Juni 2021).

#3 - Giorgio Bavestrello, Christian Sommer & Michele Sarà: Bi-directional conversion in Turritopsis nutricula (Hydrozoa), in: Bouillon, J. et al. (Hrsg.): Aspects of Hydrozoan Biology, Scientia Marina, Vol. 56(2-3), 1992, S. 137–140, PDF

#4 - Stefano Piraino, Ferdinando Boero, Brigitte Aeschbach & Volker Schmid: Reversing the Life Cycle: Medusae Transforming into Polyps and Cell Transdifferentiation in Turritopsis nutricula (Cnidaria, Hydrozoa), in: The Biological Bulletin, Vol. 190, 1996, S. 302–312

#5 - Peter Schuchert: Revision of the European athecate hydroids and their medusae (Hydrozoa, Cnidaria): Families Oceanidae and Pachycordylidae. In: Rev. Suisse Zool., Vol. 111(2), 2004, S. 315–369. PDF
Bild
Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 1594
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 15. Sep 2021, 10:53

Rezension: Jw.org - Wie ist es möglich, ewig zu leben? (Teil 2 - Hominisation)

Bäume sind wir nicht, Quallen auch nicht. Gott verspricht uns dennoch die Ewigkeit, wenn wir tun, was er will. Das verspricht er uns in der Bibel.

Hier nochmal der Link zum JW.org-Artikel:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/wie-ewig-leben/

Die Schritte zur Ewigkeit sind eigentlich recht simpel. Laut Johannes 17:3 müssen wir Gott und Jesus kennenlernen, durch die Bibel. Aus der Bibel lernen wir, was unser Schöpfer mit uns vor hat und wofür Jesus am Pfahl sterben musste. Da das aber auch die Dämonen tun, muss man auch an das Opfer von Jesus glauben (Matthäus 20:28, Johannes 3:16) und sich seine sündige Natur eingestehen, ein geläutertes Leben führen und sich in den Dienst für Gott stellen (Matthäus 7:21; Jakobus 2:17). Man muss ein Freund Gottes und Jesus werden (Jakobus 2:23; 4:8). Gott möchte ja nur das Beste für uns und Tod steht da halt nicht auf der Agenda. Auch, wenn es die letzten 6.000 Jahre seit Adam irgendwie anders aussah. Aber durch Adams Sünde soll der Tod sich ja erst unter den Menschen ausgebreitet haben, immerhin sind dessen erste Kinder erst nach dem Sündenfall geboren worden. Also sind alle sterblich.

Unter dem Teilabschnitt "Falsche Vorstellungen vom ewigen Leben" wird der Wissenschaft gleich mal eine Abfuhr erteilt. Zwar gibt es die Fortschritte in Medizin und Hygiene, die die Lebenserwartung verlängern, aber ewiges Leben wird so nie möglich. Eine paar Quellen wären für diese Behauptung schon ganz gut gewesen. Und ja, die Wissenschaft weiß nicht alles und kann nicht alles. Klar, aber wir wissen doch gar nicht, was da in Zukunft noch kommt. Vor 100 Jahren sah das Leben nicht nur medizinisch ganz anders aus. Eine so rasante Änderung der Umgebung gab es noch nie und wahrscheinlich wird sich der Trend beschleunigen, ob wir das gut finden oder nicht.
Diese Aussage muss aber platziert werden. Denn könnten Menschen das alles alleine richten, wozu brauchen wir dann ein Wunder oder Eingriff Gottes, bzw. Gott selbst? Man bringt seine Sermonen nicht unters Volk, wenn man der "Konkurrenz" nicht vorraus ist.
Und selbstverständlich kann die Unendlichkeit langweilig werden. Wenn man alles gesehen hat und alles getan hat, wiederholt es sich nur noch. Auch heute sind viele Dinge Wiederholungen. Aber wir kosten in der Regel das Leben aus, weil es endlich ist. Der Spruch "Man lebt nur einmal." hat nicht umsonst so eine Zugkraft. Wenn ich ewig lebe, werde ich viele Dinge auf die extrem lange Bank schieben. Warum soll ich heute jemanden besuchen gehen, wenn ich den in 1000 Jahren auch noch sehen kann. Ich habe schon ein paar Dinge gehört, die jemand im Paradies machen möchte. Und das ist alles so eintönig und es besteht schon in ihrer Vorstellung nur aus Wiederholung.
"Ich werde jeden Morgen von einer Klippe ins Meer springen und eine große Runde schwimmen."
"Ich werde Whiskey und Holzmöbel herstellen."
U.s.w.
Ich mache mir keine Gedanken um die Ewigkeit. Sollte sie eintreffen und ich darf dabei sein, dann wird sich das im Groben nicht vom heutigen Stand in einer restriktiven Religion unterscheiden. Irgendwer, im besten Falle Gott, wird mir schon sagen, was ich zu tun und zu lassen habe. Ob ich das sinnvoll finde oder nicht. Es wird ebenso heiligen Dienst geben und die ersten 1000 Jahre sogar den Predigtdienst, denn es gibt ja auch eine Auferstehung der "Ungerechten", also all jener, die noch keine "Anbeter des wahren Gottes" sind. Und die müssen ja auch unterwiesen werden. Das Leben wird also auch zu einem guten Teil fremdbestimmt sein. So wie jetzt.
Ich denke aber nicht, dass ich zugelassen werde, sollte es eintreffen. Warum? Guckt euch doch hier mal um. Die Taufe hat an meiner Einstellung nichts geändert. Die Faktenlage ist die gleiche, wie zuvor. Wieso sollten Australopithecen auch verschwinden oder Atavismen wie eine dritte Brustwarze, nur weil ich mich unter Wasser tauche? Die Evolution ist belegt und nichts zaubert das einfach so weg. Auch sonst halte ich das Konzept "Gott" für ... ehm ... unzureichend.

Gott hat den Menschen so gemacht, dass er sich danach sehnt, ewig zu leben und mehr über ihn zu erfahren [...]

So heißt es im letzten Absatz. Weil wir gerne ewig leben wöllten, gibt es selbstverständlich auch den passenden Gott, der uns das alles mal ermöglichen wird. Aber ich bin zum Beispiel nicht mit dem Wunsch gesegnet, mehr über ihn zu erfahren. Bin ich defekt ausgeliefert worden? Der Gläubige wird sagen: Ja, klar. Erbsünde und so. Aber sollte Gott bei den Stellschrauben zur Erbsünde nicht eher das Verlangen nach ewigem Leben kaputt machen, als das Verlangen, dass der defekt gelieferte Mensch sein Freund sein will? Der Wunsch nach einem ewigen Leben ist in erster Linie erstmal egoistisch. Und Gott mag keine egoistischen, hochmütigen Leute (z.B. Philliper 2:3, 1. Korinther 10:24 und 13:4-5).
Und wenn wir Menschen schon immer auch vom Fliegen träumten, ist dass dann auch etwas, dass Gott uns eingegeben hat. Waren wir einmal Vögel? Das würde ein ganz anderes Licht auf die Evolution werfen. Intelligent sind die geflügelten Nachfahren der Dinosaurier immerhin. Sie können es bei Knobelaufgaben mit den Primaten aufnehmen.

Verlassen wir die Märchenstunde aber erst einmal und tragen kurz zusammen, warum der Mensch schon immer stirbt und es da nix anderes gab und vermutlich auch nicht geben wird (entsprechende wissenschaftliche Fortschritte erstmal ignorierend, denn wir wissen ja nicht, wo die Reise hingeht).

Bild
Kladogramm der Familie der Menschenaffen (Hominidae) und ihrer Unterfamilien Ponginae und Homininae sowie der heute noch lebenden Gattungen Pongo (Orang-Utans), Gorilla, Pan (Schimpansen) und Homo

Als Stammesgeschichte des Menschen wird das durch Evolution bedingte Hervorgehen des modernen Menschen (Homo sapiens) und seiner nächsten Verwandten aus gemeinsamen Vorfahren bezeichnet. Die Stammesgeschichte des Menschen begann nach heutiger Auffassung mit der Aufspaltung der letzten gemeinsamen Vorfahrenpopulation der Schimpansen und des Menschen. Diejenige der beiden Teilpopulationen, aus der die Menschen hervorgingen, sowie alle ihre ausgestorbenen und noch lebenden Nachfahren werden als Hominini bezeichnet.
Häufig werden die Arten der Hominini wie folgt bezeichnet:
  • die Australopithecinen als Vormenschen
  • Homo habilis und Homo rudolfensis als Urmenschen
  • alle späteren Arten der Gattung Homo (außer Homo sapiens) als Frühmenschen
  • Homo sapiens als Jetztmensch oder anatomisch moderner Mensch.
Den Hominini vorangestellt wird gelegentlich das 1958 von Gerhard Heberer benannte Tier-Mensch-Übergangsfeld.

Der Name "Homo sapiens" als Artbegriff des "verstehenden, "verständigen", "weisen", "gescheiten", "klugen" und/oder "vernünftigen" Menschen hat Carl von Linné eingeführt. Übrigens schon 1758 in der zehnten Auflage seines Werks Systema Naturae. Von der Evolutionstheorie Darwins konnte der gute Mann nur schwer vereinnahmt worden sein, denn Darwin wurde erst 50 Jahre später überhaupt geboren. In der ersten Auflage 1735 hat er den Menschen aber schon in Tierreich eingegliedert.

Bild
Beschreibung des Menschen in der ersten Auflage von Linnés Systema Naturæ: Im Unterschied zu seiner üblichen Vorgehensweise, verzichtete Linné auf eine Diagnose, das heißt auf eine an körperlichen Merkmalen ausgerichtete, genaue Beschreibung der Gattung. Stattdessen notierte er: Nosce te ipsum („Erkenne dich selbst“) und ging demnach davon aus, dass jeder Mensch genau wisse, was ein Mensch sei.

Im Laufe der Stammesgeschichte des Menschen, der Hominisation und der soziokulturellen Evolution haben sich Merkmale herausgebildet, welche die Voraussetzungen dafür bildeten, dass der Mensch ein in hohem Maße sozialisations- und kulturabhängiges Wesen werden konnte. Dazu gehören eine lang andauernde Kindheit, die Fähigkeit zum Spracherwerb und zu gemeinschaftlicher Arbeit sowie das Eingehen besonders komplexer sozialer Bindungen. Anhand von Fossilienfunden ist belegbar, dass sich der aufrechte zweibeinige Gang des Menschen deutlich früher entwickelte als die starke Vergrößerung des Gehirns. Die Vergrößerung des Gehirns ereignete sich zeitgleich mit einer Verkleinerung der Kaumuskulatur.
Und selbst wenn wir alle Beweise für die Früh-, Vor- und Urmenschen wegwischen, ist der älteste Schädelknochen, der unbestritten dem anatomisch modernen Menschen zugeordnetet wird, 315.000 Jahre alt. Zahlreiche Funde unterstützen die sogenannte Out-of-Africa-Theorie, der zufolge die Ausbreitung des Menschen während der letzten Kaltzeit vom afrikanischen Kontinent aus erfolgte. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit betrug im Schnitt 400 Meter je Jahr. Die alternative, früher verbreitetere Hypothese vom multiregionalen Ursprung des modernen Menschen nimmt an, dass sich der Homo sapiens in mehreren Regionen unabhängig voneinander aus dem Homo erectus entwickelt hat. Nach den molekulargenetischen Untersuchungen der jüngeren Zeit kommt dieser These allerdings nur geringe Wahrscheinlichkeit zu.
Bereits vor rund 40.000 Jahren beschleunigten sich, nach heutigem Kenntnisstand, die kulturellen Innovationen, und seit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehhaltung greift der Mensch großräumig gestaltend in seine Umgebung ein. Wann soll das denn stattgefunden haben und wie will man das nachweisen?

Der Beginn der Jungsteinzeit (Neolithikum) wird zumeist mit dem Beginn des Ackerbaus gleichgesetzt. Der Ackerbau entstand lokal als Grabstockackerbau (siehe Bild) in der Levante. Es fanden vor allem primitive Geräte wie Furchenstock und Erntemesser Verwendung. Mit der Verbreitung des Ackerbaus setzte die Rodung von Waldgebieten ein. Der Beginn der Jungsteinzeit lässt sich, ähnlich wie der anderer Epochen, nur regional präzise datieren, da er eine kulturelle Entwicklung darstellt. In der Levante war der Zeitpunkt des Beginns des Ackerbaus nach neuesten Erkenntnissen um 11.000 v.u.Z. und verbreitete sich bis 9000 v.u.Z. im gesamten Fruchtbaren Halbmond. Von dort brachten Bauern ab 7.000 v.u.Z.. die Landwirtschaft in das von Jägern und Sammlern bewohnte Südeuropa und von dort ins restliche Europa, bis sie schließlich 3000 v.u.Z. auch in Nordeuropa weitgehend verbreitet war. In Afrika verbreitete sich im 3. Jahrtausend v.u.Z. der Ackerbau auch südlich der Sahara (#1).

Bild
Traditioneller Ackerbau im Sudan mit dem Grabstock

In Asien gab es zwei parallele Entwicklungen.
Vom Westen her erreichte der Ackerbau im 7. Jahrtausend v.u.Z. Pakistan und den Nordwesten Indiens, von dort breitete er sich aber offenbar erst ab dem 4. Jahrtausend v.u.Z. weiter auf dem Subkontinent aus.
Unabhängig vom Nahen Osten scheint sich die Landwirtschaft in Ostasien entwickelt und ausgebreitet zu haben. 7000 v.u.Z. gab es Ackerbau in Nord- und Zentralchina, 2000 Jahre später auch in Südchina und um 3500 v.u.Z. auf Taiwan. Um 2000 v.u.Z. kam er nach Vietnam, Thailand und Kambodscha, sowie nach Borneo und Sumatra, 500 Jahre später auf andere Inseln Indonesiens. Genetische Forschungen haben gezeigt, dass auch hier die neue Kultur durch Wanderungsbewegungen von Bauern weiterverbreitet wurde. In Japan hielt der Ackerbau erst um 300 v.u.Z. Einzug, als sich andere Kulturen bereits in der Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit befanden. Technologisch gesehen sind einige Amazonas-Gebiete und Gebiete der Kalahari teilweise heute noch als jungsteinzeitlich einzuordnen. Sentinelesen, eine seit Jahrhunderten abgeschottete kleine Gruppe Menschen auf einer kleinen Insel, östlich von Indien, westlich von Indo-China und nördlich von Indonesien, ist ganz sicher noch in deutlichen frühren Zeiten gefangen. Das Wrack des Frachters Primrose ist ziemlich sicher das einzige bearbeitete Metall auf der Insel. Es strandete dort nach einem Taifun 1981. Die 33-köpfige Besatzung musste mit Hubschraubern gerettet werden. Es gibt aber noch mehr Völkchen, die in freiwilliger Isolation leben (#2).

Die mit dem Aufkommen des Ackerbaus verbundenen technischen und sozialen Entwicklungen werden auch als Neolithische Revolution bezeichnet.

Die erste Domestizierung von Wildtieren erfolgte in denselben Regionen, und von denselben menschlichen Populationen, die auch die ersten Pflanzen anbauten und daraus Kulturpflanzen entwickelten, also als erste Landwirtschaft betrieben. Einzige Ausnahme ist, soweit bekannt, der Hund, der schon von nomadisierenden Wildbeutern und Sammlern Jahrtausende vor der Sesshaftwerdung domestiziert wurde. Für die meisten der frühen Haustiere sind drei unabhängige Zentren der frühesten Domestizierung auszumachen, die gleichzeitig teils unabhängige Regionen bei der Erfindung der Landwirtschaft waren: der "Fruchtbare Halbmond" in Vorderasien vor etwa 10.500 bis 10.000 Jahren, gleichzeitig, oder wenig später, Zentral-China, und, deutlich später, die südamerikanischen Anden.

Da stellt sich mir die Frage, wenn der Anfang der Menschheit, so wie die Bibel es uns schildert, schon nicht stimmt, wieso sollte ich davon ausgehen, dass der gesamte Heilsplan, inklusive Paradies in alle Ewigkeit, stimmt?

#1 - Daniel Richter, Rainer Grün, Renaud Joannes-Boyau u. a.: The age of the hominin fossils from Jebel Irhoud, Morocco, and the origins of the Middle Stone Age. In: Nature. Band 546, Nr. 7657, 2017, S. 293–296, doi:10.1038/nature22335.
Oldest Homo sapiens fossil claim rewrites our species’ history. In: nature.com vom 7. Juni 2017.

#2 - Mehr über isolierte Völker:
https://de.wikipedia.org/wiki/Isolierte_V%C3%B6lker
Bild
Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 1594
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 17. Sep 2021, 11:20

Rezension: Jw.org - Wie ist es möglich, ewig zu leben? (Teil 3 - Unterschiedliche Zellen)

Also wir sind keine Bäume und keine Quallen. Klonen fällt als Option der Unsterblichkeit flach.
Der Mensch existierte lange vor dem Heilsplan Gottes. Also passt hier auch was nicht.
Haben wir andere Anhaltspunkte, warum wir einmal ewig leben können sollten?

Hier nochmal der Link zum JW.org-Artikel:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/wie-ewig-leben/

Mal kurz ein Einschub:
Im Jahre 2009 bin ich auf den ScienceBlog gestoßen, eine Community von Wissenschaftlern, Wissenschaftskommunikatoren und Wissenschaftsinteressierten. Ich habe damals zu dem 2012-Nibiru-Annunaki-Weltuntergangs-Geschwurbel verlässliche, rationale, wissenschaftliche Antworten gesucht. Das war der erste Hoax, mit dem ich mich aktiv beschäftigt habe und über diesen Schwachsinn habe ich die Wissenschaft kennengelernt. Seitdem sind ein paar Jahre ins Land gezogen. Und auch wenn der Nibiru-Thread bereits über 5000 mal angeklickt wurde und viel Arbeit und Zeit gekostet hat, war er doch nur der Beginn einer viel größeren Geschichte. Heute beschäftige ich mich - wie ihr an diesem Beitrag ja auch wieder seht - viel lieber mit der Schöpfung oder zumindest dem, was Kreationisten dafür halten.
Es gab damals aber auch noch andere Dinge, die auf ScienceBlog durch den Äther liefen. Eins habe ich mehr durch Zufall gefunden: Die Pseudowissenschaftlichkeit in der Kosmetik.

Ich habe für euch die Artikel von damals herbeigesucht:

Stammzellen und DNA in der Kosmetik
https://scienceblogs.de/plazeboalarm/index.php/stammzellen-und-dna-in-der-kosmetik/
Abgeblich sollen bestimmte Hautcremes das Wachstum von Stammzellen anregen. Allerdings stellt sich für den verfassenden Laboranten, die Frage, wie man diesen Prozess im Zaum hält, damit nicht Krebstumore oder dergleichen entstehen. Wie unterbindet man Nebenwirkung beim Beeinflussen der DNA, so dass keine Mutanten entstehen?

Gen-Werbung
https://scienceblogs.de/wissen-schafft-kommunikation/2009/10/27/genwerbung/
Auch Chris fragt sich, wie man mit Nebenwirkungen umgeht, wenn das Zeug mit den Genen und der DNA interagiert.

Frauen ab 40… und die Bakterien
https://scienceblogs.de/wissen-schafft-kommunikation/2009/11/15/frauen-ab-40-sind-bakterien/
Wie ihr am Link erkennen könnt, war die ursprüngliche Überschrift: "Frauen ab 40 sind Bakterien". Immerhin wird als schematische Darstellung etwa verwendet, dass deutlich mehr Bakterien oder Viren ähnelt, als Hautzellen (oder Zellen überhaupt).

Warum die Werbung falsch war
https://scienceblogs.de/wissen-schafft-kommunikation/2009/11/23/warum-die-werbung-falsch-war/
Befasst sich nochmal mit dem gleichen Fall.

Nivea und die Biologie
https://scienceblogs.de/erklaerfix/2014/01/09/nivea-und-die-biologie/
Diesmal bestehen Damen aus Pflanzenzellen.

Nivea die dritte
https://scienceblogs.de/erklaerfix/2018/11/19/nivea-die-dritte/
Um nicht nocheinmal etwas falsch zu machen, bestehen Frauen nun einfach aus Hexagonalen.

Warum dieser Link-Dschungel?
Nicht nur die Werbebranche hat nicht so recht den Durchblick, was Viren, Bakterien und unterschiedlichste Zellen unterscheidet und wie sich diese Unterschiede ganz gewaltig auf den sie tragenden Organismus auswirken.

Hey, Schildkröten mit 150 Jahren Lebenserwartung sind schon beneidenswert, aber erst ein kleiner Teil des Lebens eines Baumes. Einige der ältesten bekannten Einzelbäume sind Exemplare der langlebigen Grannenkiefer, heimisch im Hochgebirge der kalifornischen White Mountains. Sie schaffen es sogar auf 5.000 Jahre und mehr. Davon können wir Menschen nur träumen. Und das hat einfach mehrere Gründe.

Bild
Grannenkiefer (Pinus aristata), ca. 5.000 Jahre alt. White Mountains / Kalifornien

Der Aufbau eines Menschen ist deutlich komplexer. Aber auch jener von Schildkröten, Katzen, Pferden, Vögeln, Hamstern, Krokodilen, Schlangen und auch Stubenfliegen. Je komplexer jedoch ein System ist, desto anfälliger ist es. Wir besitzen viele Organe: Herz, Lunge, Blutgefäße, Nieren, Magen, Darm, Milz, Leber, Drüsen und natürlich ein Gehirn. Auch wenn es so scheint, als würden einige Volksgesinnte ohne letzteres und Psychopaten ohne ersteres auskommen, jeder Mensch braucht sie alle und das trifft auf einen Großteil der Tiere auch zu. Es gibt Chordatiere (Fische), die kommen ohne Herz aus und Schnecken haben kein zentrales Nervensystem, wie wir. Aber im Grunde sind auch diese Tiere deutlich komplexer als ein Baum. Alle Organe müssen aber nicht nur vorhanden sein. Sie müssen alle funktionieren. Eine halbe Minute ohne Sauerstoff im Gehirn und es ist vorbei. Von Einzelfällen abgesehen.
Abgesehen vom Hirn, erneuern sich die meisten anderen Organe Stück für Stück. Aber bei jeder Zellteilung verkürzt sich die DNA. Diese nicht mit kopierten Teile der DNA nennt man Telomere. Sie bestehen aus sich regelmäßig wiederholenden Nukleotidsequenzen (bei allen Wirbeltieren, einschließlich Mensch und Maus ist das TTAGGG (#1)). Warum kopiert die Polymerase bei der Zellteilung nicht den ganzen DNA-Strang? Weil diese nicht an den Folgestrang der Telomere ansetzen kann. Die Telomerase gleicht die Verkürzung der DNA-Enden wieder aus.

Ja, wenn da ein Ausgleichsmechanismus ist, dann ist da ja doch was dran an der Unsterblichkeit, oder?
Aktiv ist die Telomerase prinzipiell bei einzelligen Eukaryoten (Protozoen). In höheren, mehrzelligen Organismen kommt nach dem Embryonalstadium das Enzym jedoch nur noch in ganz bestimmten Zellen zum Einsatz:
  • in den Zellen der Keimbahn,
  • in Zellen, die sich sehr häufig teilen müssen, wie den Stammzellen (z.B. im Knochenmark) und den Immunzellen,
  • in bis zu 94 % aller proliferierenden Krebszellen.
Unterschreitet die Telomerlänge ein kritisches Minimum von circa 4 Basenpaaren, kann sich die Zelle nicht mehr teilen. Oft tritt dann der programmierte Zelltod (Apoptose) oder ein permanenter Wachstumsstopp ein (Seneszenz). Die hierdurch begrenzte Lebenszeit der Zelle wird als Mechanismus zur Tumorunterdrückung verstanden. Erfolgen trotz verkürzter Telomere weitere Zellteilungen, wie in manchen Krebszellen, verlieren die Chromosomen an Stabilität. Die Zellen alter Menschen teilen sich langsamer und sind insgesamt nicht mehr so leistungsfähig.

Bei Bäumen ist das anders. Der ist zum größten Teil schon tot. Ja, richtig gelesen.
Die Rinde ist totes Material und das Innere des Stamms besteht aus leblosem Holzgewebe. Diese Zellen betreiben keinen Stoffwechsel mehr, sie lassen nur noch passiv Wasser durch. Was an einem Baum lebt, sind die Blätter und vor allem die dünne Schicht unterhalb der Rinde, also zwischen Borke und Stamm. Nur hier entsteht neues Holz. Nur hier wächst der Baum (in die Breite). Und nur hier entstehen durch den Wechsel von Sommer und Winter die Jahresringe.
Dieses neue Gewebe besteht immer aus jungen, embryonalen Zellen. Denen sieht man das Alter des Baums praktisch nicht an. Die alten Zellen eines Baums wiederum befinden sich in der Mitte des Stamms und sind dort vor Pilzen und anderen Schadorganismen gut geschützt. Und nun kommt's: Selbst wenn sie angegriffen und von Pilzen verschmaust werden, ist das nicht so dramatisch. Der Stamm ist am Ende vielleicht hohl, aber der Baum noch lange nicht tot.

Kleiner Rant:
Es fällt auf, dass Nadelbäume potenziell älter werden als Laubbäume. Unsere Eichen erreichen leicht 1300 Jahre, und von Linden sind sogar 1900 Jahre überliefert. Aber die obigen Grannenkiefern sind über 5.000 Jahre alt und auch Old Tjikko ist noch lange nicht tot. Ein Ende ist bislang nicht abzusehen.

Natürlich werden auch Bäume älter, sie machen sogar altersabhängige Reifeprozesse durch. Auf die Keimung folgt eine Jugendperiode, und erst nach etlichen Jahren werden sie "geschlechtsreif", sie blühen und bilden Samen für die nächste Generation. Das mag jetzt erstmal nach Gleichmacherei klingen, aber für Pflanzen gelten ein paar Besonderheiten:
Sie altern zwar als Ganzes, regenerieren sich jedoch ständig. Blüten werden in jedem Jahr neu gebildet. Stellt euch vor, im Herbst fallen euch die Geschlechtsteile ab und im nächsten Frühling wachsen die neu. Laubbäume treiben einmal pro Jahr frische Blätter aus, und Nadelbäume werfen ihre alten Nadeln nach einigen Jahren ab. Ermöglicht wird dieser Lebensstil durch eine dünne Schicht ewig teilungsfähiger Zellen, die in Zweigen, Ästen und - wie oben beschrieben - im Stamm wie ein Mantel direkt unter der Borke liegen. In jedem Frühling wird diese als Meristem bezeichnete Zellschicht wieder aktiv. Sie bildet neues Gewebe, das den Stamm dicker werden lässt. Die Borke der Eiche wird deshalb rissig oder sie blättert ab wie bei Platanen und Birken. Und das Meristem lässt die Zweige in jedem Jahr ein Stückchen länger werden. Bäume wachsen deshalb ein Leben lang.

Ein Baum ist nach dem Prinzip austauschbarer Module organisiert. Wie ein Fernsehapparat, bei dem nur eine schadhafte Platine ausgewechselt werden muss, bleibt ein Baum funktionsfähig, indem er jedes Jahr lebenswichtige Organe verjüngt. Die Organisation nach dem Modulprinzip ermöglicht es auch, selbst schwere Verluste wie das Abbrechen großer Äste in einem Sturm zu überleben. Wenn uns ein Arm abfällt, bekommen wir den nicht ersetzt.
Die menschlichen Stammzellen, die an erstaunlich vielen Stellen im Körper gefunden wurden, sind allerdings nicht so regenerationsfreudig wie das Meristem.

Einen Großteil des Lebens verbringen sie in der Reifephase. Der Baum wächst kontinuierlich weiter und bildet einen dicken Stamm. Die Altersphase läutet sich durch die ersten Altersprobleme des Baumes ein. Wunden, die er über die Jahre hinweg erlitten hat, führen zu Pilzinfektionen und Fäulen. Die Vitalität nimmt ab und Äste brechen. Der Baum geht in die Zerfallsphase über. Die Krone bildet sich zurück und der Baum wird wieder kleiner, bis er eine Etage tiefer eine neue Krone bildet. In dieser Phase kann der Baum noch eine lange Zeit verweilen, bis Stürme, Pilze oder der Mensch sein Ende einläuten.
Bäume haben einen großen Vorteil gegenüber Tieren. Sie können ihren Wunden und Verletzungen einfach davonwachsen. Eine große Wunde führt bei Tieren und Menschen und zu Blutverlust. Ist dieser nicht schnell gestoppt, stirbt der Betroffene. Bäume haben keinen Blutkreislauf. Eine Wunde am Baum führt zwar bei manchen Arten auch zum Austritt von Baumsäften, diese kommen jedoch aus isolierten wasserführenden Systemen Sie gefährden nicht den gesamten Organismus. Ein Baum "blutet" nicht aus.
Ähnlich wie bei Tier und Mensch ist eine Baumwunde auch anfällig. Sie entzündet sich zwar nicht, doch sie ist eine Eintrittspforte für Bakterien und Pilze. Und hier liegt der große Unterschied: Der Baum ist nicht in der Lage, diese Wunde zu heilen! Er schottet aber die betroffenen, toten Zellen ab, damit die Schaderreger nicht bis in den gesunden Teil des Baumes vordringen. Erst dann folgt der nächste Schritt: Der Baum wächst um die Wunde herum, bis der Außenmantel wieder ganz ist.
Bestimmte holzzersetzende Pilzarten sind für Bäume gefährlich. Sie dringen über Wunden ins Holz ein und zersetzen den Baum von innen. Das ist nicht weiter schlimm, da der Baum im Kernholz aus toten Zellen besteht. Mit der Zeit höhlt der Stamm aus und der Pilz dringt tiefer in die äußeren Holzschichten vor. Gleichzeitig wächst der Baum in die Breite. Mit jeder sich neu bildenden Zellschicht stirbt die ältere, innenliegende Zellschicht ab. Ob Pilz oder Baum die Oberhand behalten, hängt damit vorrangig davon ab, wer schneller ist. Solange der Baum genügend neue Zellsicht bildet, dass der verbleibende Stammholzring ausreicht, um den Baum standsicher zu halten, hat er nichts zu befürchten. Manche Bäume leben mit dieser Strategie hunderte von Jahren mit dem Pilz.

Man sollte meinen, ein schnell wachsender Baum mit idealen Bedingungen wird auch am ältesten. Tatsächlich werden jedoch solche Bäume uralt, die unter widrigen Bedingungen leben. Sie wachsen langsam, bilden enge und dünne Jahrringe und haben ein sehr hartes Holz. Das erschwert es Angreifern wie Pilzen oder Insekten, dem Baum zu schaden. Die kleinen Bäume sind zudem Stürmen weniger ausgesetzt und überleben mit weniger Nährstoffen. Sie überdauern damit schlechte Zeiten viel länger als ein großer Baum.
Diese Strategie findet sich auch im Wald wieder. Kleine Bäumchen wachsen im Schatten der großen Waldbäume. Das wenige Licht und die kargen Nährstoffe, die für sie übrig bleiben, sorgen dafür, dass die Bäume viele Jahrzehnte sehr langsam wachsen. Dünne Jahrringe und ein hartes Holz sind die Folge. Dieses Holz bildet später den innersten Teil des Stammes – ein widerstandsfähiger und bruchsicherer Kern ist die Folge.

Die oben genannten Grannenkiefern und auch Old Tjikko entsprechen ebenfalls dieser Beschreibung, sie stehen in kargem Gelände und sind widrigen Witterungsbedingungen ausgesetzt.
Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Baum potentiell unsterblich ist, wenn die äußeren Umstände es zulassen.

So ein regelmäßiger Austausch von gealterten Organen, am besten aus den eigenen Stammzellen hergestellt, wäre jetzt natürlich eine verlockende Sache. Aber nach aktuellem Wissenstand (noch) ferne Zukunftsmusik.

Warum es für uns vermutlich gar nicht so gut wäre, so alt oder deutlich älter zu werden bzw. was das alles für Probleme mit sich bringt, erklärt und Kyle Hill von Because Science, dass ich schonmal im Tutorial-Forum eingebettet habe:
[ur=https://almafan.iphpbb3.com/forum/38899908nx49134/tutorials-f21/dinge-die-in-der-echten-welt-nicht-funktionieren-t381.html#p4123]You Don’t Want to Live Forever | Because Science w/ Kyle Hill (engl.)[/url]

Auch wenn ein ewiges Leben vielleicht nicht zwangsläufig langweilig werden muss, wie die Bibel es uns verspricht, so ist es doch die Bibel, die es uns verspricht. Aus mittlerweile sehr naheliegenden Gründen denke ich nicht, dass ich diesem Versprechen Glauben schenken kann. Dafür hat sie bei früheren Vergleichen mit der Realität schon viel zu oft daneben gelegen.

#1 - Was ist ein Nukleotid?

Als Nukleotide, auch Nucleotide, (abgekürzt nt) werden die Bausteine von Nukleinsäuren sowohl in Strängen der Ribonukleinsäure (RNA bzw. deutsch RNS) wie auch der Desoxyribonukleinsäure (DNA bzw. deutsch DNS) bezeichnet. Ein Nukleotid setzt sich aus einem Basen-, einem Zucker- und einem Phosphat­anteil zusammen.
Die vier Basen der Desoxyribose als Zucker lauten Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T).
Bild
Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
Bild
Benutzeravatar
almafan
König
König
 
Beiträge: 1594
Registriert: Mo 21. Mär 2011, 20:11

Vorherige

TAGS

Zurück zu Der Kritiker


Wer ist online?

0 Mitglieder

cron