Rezension: Jw.org - Wie ist es möglich, ewig zu leben? (Teil 3 - Unterschiedliche Zellen)Also wir sind keine Bäume und keine Quallen. Klonen fällt als Option der Unsterblichkeit flach.
Der Mensch existierte lange vor dem Heilsplan Gottes. Also passt hier auch was nicht.
Haben wir andere Anhaltspunkte, warum wir einmal ewig leben können sollten?
Hier nochmal der Link zum JW.org-Artikel:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/wie-ewig-leben/Mal kurz ein Einschub:
Im Jahre 2009 bin ich auf den ScienceBlog gestoßen, eine Community von Wissenschaftlern, Wissenschaftskommunikatoren und Wissenschaftsinteressierten. Ich habe damals zu dem 2012-Nibiru-Annunaki-Weltuntergangs-Geschwurbel verlässliche, rationale, wissenschaftliche Antworten gesucht. Das war der erste Hoax, mit dem ich mich aktiv beschäftigt habe und über diesen Schwachsinn habe ich die Wissenschaft kennengelernt. Seitdem sind ein paar Jahre ins Land gezogen. Und auch wenn der Nibiru-Thread bereits über 5000 mal angeklickt wurde und viel Arbeit und Zeit gekostet hat, war er doch nur der Beginn einer viel größeren Geschichte. Heute beschäftige ich mich - wie ihr an diesem Beitrag ja auch wieder seht - viel lieber mit der Schöpfung oder zumindest dem, was Kreationisten dafür halten.
Es gab damals aber auch noch andere Dinge, die auf ScienceBlog durch den Äther liefen. Eins habe ich mehr durch Zufall gefunden: Die Pseudowissenschaftlichkeit in der Kosmetik.
Ich habe für euch die Artikel von damals herbeigesucht:
Stammzellen und DNA in der Kosmetik
https://scienceblogs.de/plazeboalarm/index.php/stammzellen-und-dna-in-der-kosmetik/Abgeblich sollen bestimmte Hautcremes das Wachstum von Stammzellen anregen. Allerdings stellt sich für den verfassenden Laboranten, die Frage, wie man diesen Prozess im Zaum hält, damit nicht Krebstumore oder dergleichen entstehen. Wie unterbindet man Nebenwirkung beim Beeinflussen der DNA, so dass keine Mutanten entstehen?
Gen-Werbung
https://scienceblogs.de/wissen-schafft-kommunikation/2009/10/27/genwerbung/Auch Chris fragt sich, wie man mit Nebenwirkungen umgeht, wenn das Zeug mit den Genen und der DNA interagiert.
Frauen ab 40… und die Bakterien
https://scienceblogs.de/wissen-schafft-kommunikation/2009/11/15/frauen-ab-40-sind-bakterien/Wie ihr am Link erkennen könnt, war die ursprüngliche Überschrift: "Frauen ab 40 sind Bakterien". Immerhin wird als schematische Darstellung etwa verwendet, dass deutlich mehr Bakterien oder Viren ähnelt, als Hautzellen (oder Zellen überhaupt).
Warum die Werbung falsch war
https://scienceblogs.de/wissen-schafft-kommunikation/2009/11/23/warum-die-werbung-falsch-war/Befasst sich nochmal mit dem gleichen Fall.
Nivea und die Biologie
https://scienceblogs.de/erklaerfix/2014/01/09/nivea-und-die-biologie/Diesmal bestehen Damen aus Pflanzenzellen.
Nivea die dritte
https://scienceblogs.de/erklaerfix/2018/11/19/nivea-die-dritte/Um nicht nocheinmal etwas falsch zu machen, bestehen Frauen nun einfach aus Hexagonalen.
Warum dieser Link-Dschungel?
Nicht nur die Werbebranche hat nicht so recht den Durchblick, was Viren, Bakterien und unterschiedlichste Zellen unterscheidet und wie sich diese Unterschiede ganz gewaltig auf den sie tragenden Organismus auswirken.
Hey, Schildkröten mit 150 Jahren Lebenserwartung sind schon beneidenswert, aber erst ein kleiner Teil des Lebens eines Baumes. Einige der ältesten bekannten Einzelbäume sind Exemplare der langlebigen Grannenkiefer, heimisch im Hochgebirge der kalifornischen White Mountains. Sie schaffen es sogar auf 5.000 Jahre und mehr. Davon können wir Menschen nur träumen. Und das hat einfach mehrere Gründe.
Grannenkiefer (Pinus aristata), ca. 5.000 Jahre alt. White Mountains / KalifornienDer Aufbau eines Menschen ist deutlich komplexer. Aber auch jener von Schildkröten, Katzen, Pferden, Vögeln, Hamstern, Krokodilen, Schlangen und auch Stubenfliegen. Je komplexer jedoch ein System ist, desto anfälliger ist es. Wir besitzen viele Organe: Herz, Lunge, Blutgefäße, Nieren, Magen, Darm, Milz, Leber, Drüsen und natürlich ein Gehirn. Auch wenn es so scheint, als würden einige Volksgesinnte ohne letzteres und Psychopaten ohne ersteres auskommen, jeder Mensch braucht sie alle und das trifft auf einen Großteil der Tiere auch zu. Es gibt Chordatiere (Fische), die kommen ohne Herz aus und Schnecken haben kein zentrales Nervensystem, wie wir. Aber im Grunde sind auch diese Tiere deutlich komplexer als ein Baum. Alle Organe müssen aber nicht nur vorhanden sein. Sie müssen alle funktionieren. Eine halbe Minute ohne Sauerstoff im Gehirn und es ist vorbei. Von Einzelfällen abgesehen.
Abgesehen vom Hirn, erneuern sich die meisten anderen Organe Stück für Stück. Aber bei jeder Zellteilung verkürzt sich die DNA. Diese nicht mit kopierten Teile der DNA nennt man Telomere. Sie bestehen aus sich regelmäßig wiederholenden Nukleotidsequenzen (bei allen Wirbeltieren, einschließlich Mensch und Maus ist das TTAGGG (#1)). Warum kopiert die Polymerase bei der Zellteilung nicht den ganzen DNA-Strang? Weil diese nicht an den Folgestrang der Telomere ansetzen kann. Die Telomerase gleicht die Verkürzung der DNA-Enden wieder aus.
Ja, wenn da ein Ausgleichsmechanismus ist, dann ist da ja doch was dran an der Unsterblichkeit, oder?
Aktiv ist die Telomerase prinzipiell bei einzelligen Eukaryoten (Protozoen). In höheren, mehrzelligen Organismen kommt nach dem Embryonalstadium das Enzym jedoch nur noch in ganz bestimmten Zellen zum Einsatz:
- in den Zellen der Keimbahn,
- in Zellen, die sich sehr häufig teilen müssen, wie den Stammzellen (z.B. im Knochenmark) und den Immunzellen,
- in bis zu 94 % aller proliferierenden Krebszellen.
Unterschreitet die Telomerlänge ein kritisches Minimum von circa 4 Basenpaaren, kann sich die Zelle nicht mehr teilen. Oft tritt dann der programmierte Zelltod (Apoptose) oder ein permanenter Wachstumsstopp ein (Seneszenz). Die hierdurch begrenzte Lebenszeit der Zelle wird als Mechanismus zur Tumorunterdrückung verstanden. Erfolgen trotz verkürzter Telomere weitere Zellteilungen, wie in manchen Krebszellen, verlieren die Chromosomen an Stabilität. Die Zellen alter Menschen teilen sich langsamer und sind insgesamt nicht mehr so leistungsfähig.
Bei Bäumen ist das anders. Der ist zum größten Teil schon tot. Ja, richtig gelesen.
Die Rinde ist totes Material und das Innere des Stamms besteht aus leblosem Holzgewebe. Diese Zellen betreiben keinen Stoffwechsel mehr, sie lassen nur noch passiv Wasser durch. Was an einem Baum lebt, sind die Blätter und vor allem die dünne Schicht unterhalb der Rinde, also zwischen Borke und Stamm. Nur hier entsteht neues Holz. Nur hier wächst der Baum (in die Breite). Und nur hier entstehen durch den Wechsel von Sommer und Winter die Jahresringe.
Dieses neue Gewebe besteht immer aus jungen, embryonalen Zellen. Denen sieht man das Alter des Baums praktisch nicht an. Die alten Zellen eines Baums wiederum befinden sich in der Mitte des Stamms und sind dort vor Pilzen und anderen Schadorganismen gut geschützt. Und nun kommt's: Selbst wenn sie angegriffen und von Pilzen verschmaust werden, ist das nicht so dramatisch. Der Stamm ist am Ende vielleicht hohl, aber der Baum noch lange nicht tot.
Kleiner Rant:
Es fällt auf, dass Nadelbäume potenziell älter werden als Laubbäume. Unsere Eichen erreichen leicht 1300 Jahre, und von Linden sind sogar 1900 Jahre überliefert. Aber die obigen Grannenkiefern sind über 5.000 Jahre alt und auch Old Tjikko ist noch lange nicht tot. Ein Ende ist bislang nicht abzusehen.
Natürlich werden auch Bäume älter, sie machen sogar altersabhängige Reifeprozesse durch. Auf die Keimung folgt eine Jugendperiode, und erst nach etlichen Jahren werden sie "geschlechtsreif", sie blühen und bilden Samen für die nächste Generation. Das mag jetzt erstmal nach Gleichmacherei klingen, aber für Pflanzen gelten ein paar Besonderheiten:
Sie altern zwar als Ganzes, regenerieren sich jedoch ständig. Blüten werden in jedem Jahr neu gebildet. Stellt euch vor, im Herbst fallen euch die Geschlechtsteile ab und im nächsten Frühling wachsen die neu. Laubbäume treiben einmal pro Jahr frische Blätter aus, und Nadelbäume werfen ihre alten Nadeln nach einigen Jahren ab. Ermöglicht wird dieser Lebensstil durch eine dünne Schicht ewig teilungsfähiger Zellen, die in Zweigen, Ästen und - wie oben beschrieben - im Stamm wie ein Mantel direkt unter der Borke liegen. In jedem Frühling wird diese als
Meristem bezeichnete Zellschicht wieder aktiv. Sie bildet neues Gewebe, das den Stamm dicker werden lässt. Die Borke der Eiche wird deshalb rissig oder sie blättert ab wie bei Platanen und Birken. Und das
Meristem lässt die Zweige in jedem Jahr ein Stückchen länger werden. Bäume wachsen deshalb ein Leben lang.
Ein Baum ist nach dem Prinzip austauschbarer Module organisiert. Wie ein Fernsehapparat, bei dem nur eine schadhafte Platine ausgewechselt werden muss, bleibt ein Baum funktionsfähig, indem er jedes Jahr lebenswichtige Organe verjüngt. Die Organisation nach dem Modulprinzip ermöglicht es auch, selbst schwere Verluste wie das Abbrechen großer Äste in einem Sturm zu überleben. Wenn uns ein Arm abfällt, bekommen wir den nicht ersetzt.
Die menschlichen Stammzellen, die an erstaunlich vielen Stellen im Körper gefunden wurden, sind allerdings nicht so regenerationsfreudig wie das
Meristem.
Einen Großteil des Lebens verbringen sie in der Reifephase. Der Baum wächst kontinuierlich weiter und bildet einen dicken Stamm. Die Altersphase läutet sich durch die ersten Altersprobleme des Baumes ein. Wunden, die er über die Jahre hinweg erlitten hat, führen zu Pilzinfektionen und Fäulen. Die Vitalität nimmt ab und Äste brechen. Der Baum geht in die Zerfallsphase über. Die Krone bildet sich zurück und der Baum wird wieder kleiner, bis er eine Etage tiefer eine neue Krone bildet. In dieser Phase kann der Baum noch eine lange Zeit verweilen, bis Stürme, Pilze oder der Mensch sein Ende einläuten.
Bäume haben einen großen Vorteil gegenüber Tieren. Sie können ihren Wunden und Verletzungen einfach davonwachsen. Eine große Wunde führt bei Tieren und Menschen und zu Blutverlust. Ist dieser nicht schnell gestoppt, stirbt der Betroffene. Bäume haben keinen Blutkreislauf. Eine Wunde am Baum führt zwar bei manchen Arten auch zum Austritt von Baumsäften, diese kommen jedoch aus isolierten wasserführenden Systemen Sie gefährden nicht den gesamten Organismus. Ein Baum "blutet" nicht aus.
Ähnlich wie bei Tier und Mensch ist eine Baumwunde auch anfällig. Sie entzündet sich zwar nicht, doch sie ist eine Eintrittspforte für Bakterien und Pilze. Und hier liegt der große Unterschied: Der Baum ist nicht in der Lage, diese Wunde zu heilen! Er schottet aber die betroffenen, toten Zellen ab, damit die Schaderreger nicht bis in den gesunden Teil des Baumes vordringen. Erst dann folgt der nächste Schritt: Der Baum wächst um die Wunde herum, bis der Außenmantel wieder ganz ist.
Bestimmte holzzersetzende Pilzarten sind für Bäume gefährlich. Sie dringen über Wunden ins Holz ein und zersetzen den Baum von innen. Das ist nicht weiter schlimm, da der Baum im Kernholz aus toten Zellen besteht. Mit der Zeit höhlt der Stamm aus und der Pilz dringt tiefer in die äußeren Holzschichten vor. Gleichzeitig wächst der Baum in die Breite. Mit jeder sich neu bildenden Zellschicht stirbt die ältere, innenliegende Zellschicht ab. Ob Pilz oder Baum die Oberhand behalten, hängt damit vorrangig davon ab, wer schneller ist. Solange der Baum genügend neue Zellsicht bildet, dass der verbleibende Stammholzring ausreicht, um den Baum standsicher zu halten, hat er nichts zu befürchten. Manche Bäume leben mit dieser Strategie hunderte von Jahren mit dem Pilz.
Man sollte meinen, ein schnell wachsender Baum mit idealen Bedingungen wird auch am ältesten. Tatsächlich werden jedoch solche Bäume uralt, die unter widrigen Bedingungen leben. Sie wachsen langsam, bilden enge und dünne Jahrringe und haben ein sehr hartes Holz. Das erschwert es Angreifern wie Pilzen oder Insekten, dem Baum zu schaden. Die kleinen Bäume sind zudem Stürmen weniger ausgesetzt und überleben mit weniger Nährstoffen. Sie überdauern damit schlechte Zeiten viel länger als ein großer Baum.
Diese Strategie findet sich auch im Wald wieder. Kleine Bäumchen wachsen im Schatten der großen Waldbäume. Das wenige Licht und die kargen Nährstoffe, die für sie übrig bleiben, sorgen dafür, dass die Bäume viele Jahrzehnte sehr langsam wachsen. Dünne Jahrringe und ein hartes Holz sind die Folge. Dieses Holz bildet später den innersten Teil des Stammes – ein widerstandsfähiger und bruchsicherer Kern ist die Folge.
Die oben genannten Grannenkiefern und auch Old Tjikko entsprechen ebenfalls dieser Beschreibung, sie stehen in kargem Gelände und sind widrigen Witterungsbedingungen ausgesetzt.
Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Baum potentiell unsterblich ist, wenn die äußeren Umstände es zulassen.
So ein regelmäßiger Austausch von gealterten Organen, am besten aus den eigenen Stammzellen hergestellt, wäre jetzt natürlich eine verlockende Sache. Aber nach aktuellem Wissenstand (noch) ferne Zukunftsmusik.
Warum es für uns vermutlich gar nicht so gut wäre, so alt oder deutlich älter zu werden bzw. was das alles für Probleme mit sich bringt, erklärt und Kyle Hill von Because Science, dass ich schonmal im Tutorial-Forum eingebettet habe:
You Don’t Want to Live Forever | Because Science w/ Kyle Hill (engl.)Auch wenn ein ewiges Leben vielleicht nicht zwangsläufig langweilig werden muss, wie die Bibel es uns verspricht, so ist es doch die Bibel, die es uns verspricht. Aus mittlerweile sehr naheliegenden Gründen denke ich nicht, dass ich diesem Versprechen Glauben schenken kann. Dafür hat sie bei früheren Vergleichen mit der Realität schon viel zu oft daneben gelegen.
Übersetzung: Ich verstehe diese Idee Gottes nicht, die besagt, du musst mich kennenlernen. Du musst sagen, dass ich der Beste bin. Und dann wirst du von mir ewige Glückseligkeit erhalten. Wenn du das nicht tust, bekommst du es nicht. Das klingt sehr nach einem Egomanen. Ich kann nicht erkennen, dass Gott egoistisch handelt, also macht das Ganze keinen Sinn für mich.
- Brat Pitt #1 - Was ist ein Nukleotid?
Als Nukleotide, auch Nucleotide, (abgekürzt nt) werden die Bausteine von Nukleinsäuren sowohl in Strängen der Ribonukleinsäure (RNA bzw. deutsch RNS) wie auch der Desoxyribonukleinsäure (DNA bzw. deutsch DNS) bezeichnet. Ein Nukleotid setzt sich aus einem Basen-, einem Zucker- und einem Phosphatanteil zusammen.
Die vier Basen der Desoxyribose als Zucker lauten Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T).