Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 16. Jun 2021, 09:45

Panspermie - Bausteine, die vom Himmel fallen (Teil 5 - Heidelberg-Initiative)

Grundbegriffe, Vordenker, Schwierigkeiten, Varianten und Gründe für diese Hypothese hatten wir nun bereits.
Doch nun wollen wir zurück zum Anfang.

Hier geht es nochmal zu den bereits erschienenen Artikeln:
... 087, 22.01.2021: Panspermie - Bausteine, die vom Himmel fallen (Teil 1 - Heidelberg-Initiative und Grundbegriffe)
... 096, 02.03.2021: Panspermie - Bausteine, die vom Himmel fallen (Teil 2 - Geschichte der Hypothese)
... 105, 14.04.2021: Panspermie - Bausteine, die vom Himmel fallen (Teil 3 - Probleme und Varianten der Hypothese)
... 110, 30.04.2021: Panspermie - Bausteine, die vom Himmel fallen (Teil 4 - Für und Wider der Hypothese)

Wir schlagen nun also den Bogen zurück zur Heidelberg-Initiative, die im 1. Teil ja der Aufhänger für das Thema "Panspermie" war. Diese hat es sich ja zur Aufgabe gemacht, zu ergründen, unter welchen Bedingungen leben überhaupt entsteht. Auslöser war ja die Entdeckung immer neuer Gesteinsplaneten bei anderen Sternen, wovon es nach Hochrechnungen wohl mehrere Milliarden allein in unserer Galaxie geben soll. Vielleicht haben auch ein paar davon Leben hervorgebracht oder zumindest die dafür nötigen Bedingungen. Den Heidelbergern um Thomas Henning ging es also nicht nur darum, herauszufinden, wie Leben auf der Erde entstanden sein könnte, sondern wie ganz allgemein die Bedingungen sein müssen, damit so etwas passiert. Eben auch auf extrasolaren Planeten.

Ausgangspunkt ist die vor rund 30 Jahren von Walter Gilbert aufgestellt Hypothese der RNA-Welt.
Zu den Vorläufern der DNA hatte ich schon einmal etwas verfasst, weshalb ich da einfach hinverweise:
... 055, 13.10.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 5: Mögliche Entwicklung und Vorläufer der DNA (2013)

Kurz:
Die RNA-Welt-Hypothese besagt, dass die allerersten irdischen Lebensformen auf Ribonukleinsäuren (RNA) basierten. Vom Aufbau her ähnelt die RNA dem Informationsträger heutigen Lebens, der DNA: Beide bestehen aus vier organischen Basen, wobei Adenin, Guanin und Cytosin in beiden vorkommen. Die RNA hingegen enthält statt Thymin die Base Uracil. Außerdem ist die RNA, anders als die doppelsträngige DNA, meistens einsträngig. Auch diese Hypothese verdient ihren ganz eigenen Beitrag.
Es gibt aber noch weitere Gemeinsamkeiten: RNA-Moleküle können ebenfalls genetische Information übertragen und auch katalytische Funktionen ausüben. In der Mehrzahl der Lebewesen spielt die RNA jedoch als Informationsträger eine der DNA untergeordnete Rolle, lediglich in Viren fungiert sie als Speichermedium. Hat sich folglich aus der einfacheren RNA die komplexere DNA entwickelt?


Sterne und Planeten werden in Wolken aus Gas und Staub geboren.
Das Bild zeigt gleich drei solcher Gebiete,
den Omega- und den Adlernebel sowie den Komplex Sharpless 2-54 (von links).
Dieser Entstehungsprozess brachte nicht nur vor ungefähr 4,6 Milliarden Jahren unser Sonnensystem hervor,
sondern er spielt sich noch immer an vielen Orten im All ab.


2009 gelang es britischen Forschern in einem chemischen Experiment RNA-Bausteine entstehen zu lassen. Dafür müssen bestimmte Moleküle unter speziellen Bedingungen miteinander reagieren. Doch sobald dies experimentell gelang, stellte sich die Frage, diese günstigen Bedingungen in der Natur vorlagen.
Seit Langem werden hydrothermale Quellen am Grund der Tiefsee, auch Schwarze oder Weiße Raucher genannt, als Orte der Entstehung von Leben vermutet. Es ist aber unklar, ob hier der für die Synthese nötige Stickstoff in ausreichender Konzentration existiert. Außerdem verdünnen sich die Stoffe in dem ständig strömenden Wasser, was komplexe chemische Reaktionen behindert.

Henning und sein Team haben sich gefragt, welche anderen möglichen geochemischen Bedingungen geherrscht haben könnten, damit diese RNA-Synthese ablaufen konnte. Ihre Idee: Die wichtigsten Bausteine kamen aus dem All auf die Erde.
Wie im 3. Teil dieser Artikelserie erklärt, ist das nicht so weit hergeholt. Tatsächlich wurden die Nukleinbasen Adenin, Guanin und Uracil sowie Aminosäuren im Innern von Meteoriten nachgewiesen. Sie entstehen bei Anwesenheit von Wasser aus den einfachen Molekülen Cyanwasserstoff, Kohlenmonoxid und Ammoniak. Das reicht für die Synthese aber noch nicht.
Aber es findet sich in Meteoriten auch das Mineral Schreibersit, das in Wasser Phosphorgruppen freisetzt. Tada ... Denn auch die werden für die RNA-Synthese benötigt. Zu behaupten, diese Bausteine gebe es schon in den Staubscheiben, aus denen später die Planeten entstehen, ist daher nicht so unrealistisch. Astronomische Beobachtungen und Spektralanalysen bestätigen das für Staubscheiben anderer Sternensysteme. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit machte unser Sonnensystem dabei keine Ausnahme, als es vor 4,6 Milliarden Jahren aus einer solchen Wolke entstand. Doch wie und wann gelangten die organischen Bausteine auf die Erde? Und wie sah es hier aus?

Aus der ganz frühen Phase, in der unser Planet von einem Glutball zu einem Gesteinsplaneten erkaltete, gibt es fast keine Überreste mehr. Lediglich winzige Zirkonkristalle, die vermutlich bis zu 4,4 Milliarden Jahre alt sind, deuten darauf hin, dass sich schon recht früh eine feste Kruste bildete. Gleichzeitig wurde die Erde deutlich häufiger Meteoriten getroffen als heute. Der Mond, der diesem Beschuss in gleicher Weise ausgesetzt war, belegt das eindrucksvoll, da seine Krater keiner Erosion ausgesetzt sind. Diese kosmischen Geschosse brachten vermutlich sowohl Wasser als auch organische Moleküle auf unseren Planeten.

Wie die Land- und Wasserflächen in der Urzeit verteilt waren, ist ebenso unbekannt wie etwa die für chemische Reaktionen sehr wichtige Temperatur. Daher hat die Gruppe Modelle berechnet, in denen sie die wichtigsten Parameter der sich entwickelnden Erdkruste über einen großen Bereich variieren. Sicher gab es damals wie heute eine weite Größenverteilung der Wasserflächen.

Bild
Die Grafik zeigt die vielen Einflüsse, die in solchen Kleinstgewässern auf chemische Verbindungen einwirkten.
© Mc Master University


Große Seen und Meere eigneten sich vermutlich nicht als Brutstätten der RNA, weil die Vorläuferstoffe konzentriert vorliegen müssen, damit sie miteinander reagieren können. Hingegen waren kleine Tümpel mit wenigen Metern Durchmesser und gerunger Tiefe nach dem Modell optimal: Sie waren groß genug, um nicht zu schnell auszutrocknen, und klein genug, um rasch eine hohe Nukleobasen-Konzentration zu ermöglichen. Schon tut sich die nächste Frage auf: Wie haben die Biomoleküle die zersetzenden Angriffe überstanden? Im Wasser bedrohte sie die Elektrolyse, im Freien die intensive UV-Strahlung der Sonne.

Nun, schon in einem Meter Wassertiefe werden 95 Prozent der UV-Strahlung absorbiert. Ein mit den Jahreszeiten schwankender Füllstand der Tümpel durch Regen und Austrocknen durch Verdunsten und Versickern scheint nach den Szenarien optimal gewesen zu sein. Die Zyklen, in denen flache Teiche erst austrocknen und dann wieder mit Wasser gefüllt werden, begünstigten möglicherweise die Entstehung längerer RNA-Ketten.

In den Modellen wurden aber auch die idealen Größen der Meteoriten und ihre Einschlagsrate ermittelt. Sind sie zu klein, verglühen sie vollständig in der Atmosphäre, sind sie zu groß, schlagen sie mit zu großer Wucht auf. Das Optimum waren Meteoriten im Größenbereich zwischen 40 und 80 Meter Radius.
Der genannte Bereich ist zwei- bis viermal so groß wie der Meteorit, der im Februar 2013 über der russischen Stadt Tscheljabinsk explodierte. Wie dieses Ereignis eindrucksvoll demonstrierte, erreichen Meteorite dieser Größenordnung nicht unversehrt den Erdboden. Sie zerbrechen in viele kleine Fragmente und gehen über einem großen Bereich nieder. So können kleine, wenige Zentimeter große Splitter in den Tümpeln landen. Darin geben sie, abhängig von der Größe, innerhalb von Tagen bis Monaten die Nukleobasen ab. Nun müssen die Nukleotide und die daraus entstehenden RNA-Moleküle sich innerhalb weniger Jahre synthetisieren.

Diese Simulationen zeigen, dass Meteoriten eine ausreichende Menge an Nukleobasen zu Tausenden in kleine Teiche auf der Erde transportiert haben könnten und damit die Entstehung von RNA-Molekülen in mindestens einem dieser Teiche anstießen. Die RNA-Welt könnte innerhalb von 200 bis 300 Millionen Jahren entstanden sein, nachdem die Erdoberfläche bewohnbar geworden war, also vor mehr als vier Milliarden Jahren.

Basierend auf dem, was über die Planetenbildung und die Chemie des Sonnensystems bekannt ist, wurde von der Forschergruppe ein konsistentes Szenario für die Entstehung des Lebens auf der Erde vorgeschlagen. Jetzt muss in Experimenten herausgefunden werden wie das Leben unter diesen ganz spezifischen frühen Bedingungen tatsächlich entstanden sein könnte.
Denn die Nukleobasen sind nur ein erster Schritt. Weitere Prozesse sind nötig, wie die Entstehung von komplexen RNA-artigen Molekülen, von Zellmembranen und schließlich die Bildung der DNA-Protein-Welt heutiger Organismen.

Wenn es um chemische Experimente zur Entstehung des Lebens geht, darf das berühmte Miller-Urey-Experiment aus den 50ern nicht fehlen. Stanley Miller und Harold Clayton Urey hatten in einem Reaktionsgefäß einfache chemische Substanzen unter einer hypothetischen frühen Erdatmosphäre elektrischen Entladungen ausgesetzt, um die Energiezufuhr durch Gewitterblitze nachzubilden. Nach einiger Zeit konnten sie mit einem Chromatografen organische Moleküle nachweisen, darunter auch Aminosäuren.


Evolution im Labor:
Zusammen mit Harold Clayton Urey gelang es Stanley Miller (im Bild) in den 1950er-Jahren,
in einem Reaktionsgefäß organische Moleküle zu erzeugen, darunter auch Aminosäuren.
Das berühmte Experiment inspiriert Forscher heute zu weiterführenden Versuchen.


Allerdings gehen Forscher heute davon aus, dass die Uratmosphäre der Erde anders zusammengesetzt war, als von Miller und Urey angenommen. Sie enthielt weniger Methan, stattdessen mehr Wasserstoff, Kohlendioxid, Stickstoff und Wasser. Unter diesen Bedingungen war die Synthese der für die RNA notwendigen Bausteine wahrscheinlich schwieriger.

Das es wohl trotzdem möglich war, besprechen wir im abschließenden Teil der Artikelserie.

Quelle:
Ben K. D. Pearce, Ralph E. Pudritz, Dmitri Semenov, Thomas K. Henning. Origin of the RNA World: The Fate of Nucleobases in Warm Little Ponds. Proc. Nat. Acad. Sci,114,11327 (2017). Die Arbeit ist unter https://arxiv.org/pdf/1710.00434.pdf frei zugänglich.

Weiterführende Links:
Ursprung des Lebens (02.07.2018) Podcast, 22:45 min. https://www.mpg.de/podcasts/ursprung-des-lebens

Heidelberg Initiative for the Origins of Life – HIFOL. http://www.mpia.de/HIFOL
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 17. Jun 2021, 09:39

Panspermie - Bausteine, die vom Himmel fallen (Teil 6 - Die Heidelberg-Initiative 2)

Heute schließen wir die bislang längste Artikelreihe ab. Nicht allerdings, ohne noch ein paar Fragen zu klären.

Auch wenn Miller und Urey Bedingungen für die frühe Erde annahmen, die so wohl nicht gegeben waren, und die Synthese der RNA-Bausteine dadurch schwieriger gewesen sein könnten, scheint es dennoch möglich.

Wie? Das untersuchte Oliver Trapp, ebenfalls an der Universität Heidelberg. Sie stellen in ihren chemischen Experimenten die Bedingungen so nach, wie sie die Astrophysiker vorgeben. Die Forscher verwenden richtiges Meteoritenmaterial und lassen es im Reaktor reagieren. Es entstehen dann viele organische Moleküle, die mit schnellen chromatografischen Verfahren analysiert werden. Ein erstes überraschendes Ergebnis: Die winzigen Meteoritenpartikel im Nanometerbereich arbeiten als Katalysatoren für diese Reaktionen.

Interessanterweise bilden sich dabei Substanzen, die selbst katalytisch wirken und entweder die Produktion derselben oder auch anderer Substanzen beschleunigen. Die Reaktion gerät in ein dynamisches Ungleichgewicht: Nur jene Stoffe, die sich am schnellsten katalytisch bilden, reichern sich an. Oliver Trapp spricht hierbei bereits von chemischer Evolution.

Jetzt stellt sich die Frage, ob diese chemische Evolution in einer RNA-Welt mündet. Bei diesen Experimenten hat sich auch angedeutet, dass eine Art Motor zum Antrieb der Reaktionen notwendig ist: der natürliche Hell-Dunkel-Rhythmus von Tag und Nacht.

In anderen Experimenten beschäftigt sich Trapps Gruppe mit Fettsäuren und der Frage, wie sich Zellmembranen gebildet haben könnten. Voraussetzung für die Analyse der chemischen Reaktionen unter verschiedenen Bedingungen ist der Einsatz von Hochdurchsatz-Screeningtechniken. So verfügt Trapps Labor über die Möglichkeit, in 64 jeweils nur 1,5 Milliliter fassenden Minireaktoren chemische Vorgänge ablaufen zu lassen und zu analysieren. Erweisen sich hierbei bestimmte Bedingungen als besonders vielversprechend, werden diese in zwei Liter fassenden Reaktoren detailliert nachuntersucht.

Urey-Miller 2.0, sozusagen.

Auch wenn das alles sehr fortgeschritten klingt, die Reaktionen sind sehr komplex. Bei vielen Fragen stehen die Forscher noch ganz am Anfang. Doch die Experimente deuten darauf hin, dass Leben zwangsläufig entsteht, wenn die Bedingungen stimmen. Wahrscheinlich könnte extraterrestrisches Leben unserem hier auf der Erde stark ähneln.

Könnte man dann nicht auch die Aktivität von Leben auf einem anderen Planeten nachweisen?
Molekularer Sauerstoff, Ozon und Methan gelten hierfür gemeinhin als atmosphärische Biomarker. Allerdings muss man bedenken, dass auf der Erde die Sauerstoffkonzentration erst vor etwa 300 Millionen Jahren den heutigen Wert erreichte. Das ist der zeitlich kürzere Teil in der biologischen Evolution.

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich:
Das Problem betrifft Planeten, die lichtschwache kühle Sterne, sogenannte M-Zwerge, umkreisen. Dazu zählen die Beispiele Proxima Centauri b und Trappist-1d. Bei ihnen liegt die bewohnbare Zone viel näher am Stern als bei unserer heißeren Sonne. Ein potenziell belebter Planet wird also vermutlich eine gebundene Rotation aufweisen: Er wendet dem Stern stets dieselbe Hemisphäre zu, sodass auf der einen Hälfte immer Tag und auf der gegenüberliegenden Hälfte stets Nacht ist.

Auf der einen Seite ist es also brütend heiß und auf der anderen ewig Winter.
Einen kleinen Einblick in solche Welten habe ich schon einmal in folgendem Artikel gewährt:
... 046, 23.05.2018: Photosynthese auf anderen Planeten

Wie dort beschrieben, versucht eine Atmosphäre die Temperaturunterschiede auszugleichen. Es entstehen sehr starke Winde an den Grenzen dieser heißen und kalten Zonen. Die Forschungsgruppe um Ludmila Carone vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie hat durch Computersimulationen herausgefunden, dass in der Atmosphäre eines solchen Planeten eine Luftströmung ausbildet, welche das Ozon im Äquatorbereich ansammelt, während es in sämtlichen anderen Bereichen praktisch nicht vorkommt. Wenn man also auf einem fernen Planeten kein Ozon nachweisen kann, muss das nicht bedeuten, dass es dort überhaupt keinen Sauerstoff gibt. Vielleicht wurde nur am falschen Ort gesucht und das Ozon ist anderswo versteckt.

Deshalb fahnden Astronomen nach einer möglichen zweiten Erde auch bei M-Zwergsternen. Diese sind sowieso viel häufiger als sonnenähnliche Sterne. Für diese ganz besondere Planetenkjagd haben sich die Heidelberger mit anderen deutschen, aber auch spanischen Instituten zusammengetan und mit dem größten Teleskop des Calar-Alto-Observatoriums in Südspanien rund 300 M-Zwerge untersucht. Dabei fandeten sie ganz speziell nach Gesteinsplaneten.

Deutlich aussichtreicher dürfte die Ausbeute aber durch das James Webb Space Telescope sein. Millionen von Kilometern von der Erde entfernt, wird der Hubble-Nachfolger das Universum erkunden. Ein Hauptziel ist die Untersuchung von Exoplaneten. Für eines der vier Messinstrumente namens MIRI hat das Max-Planck-Institut für Astronomie wichtige Komponenten entworfen und gebaut.

Sowohl Oliver Trapp als auch Thomas Henning sind zuversichtlich, dass es auf fernen Planeten Leben gibt. Mehrere Dinge sprechen dafür. Zum einen gibt es vermutlich allein in unserer Galaxie nach einigen Hochrechnungen bis zu 1 Milliarde gesteinsähnlicher Planeten. Es müsste schon mit den Teufel zu gehen, wenn nicht wenigstens ein paar Tausend von diesen in der habitablen Zone ihres Sterns sind. Zum anderen, hat sich das Leben auf unserem Planeten schon sehr früh und sehr schnell entwickelt. Das macht die Existenz von Leben auf anderen Planeten umso wahrscheinlicher.

Die Artikel und die Erforschung durch die Heidelberg-Initiative zusammengefasst:
  • Heutiges Leben basiert auf dem Erbinformationsträger DNA. Auf der frühen Erde könnte als Vorläufer eine auf dem einfacheren Biomolekül RNA beruhende Welt existiert haben.
  • Die Bausteine für RNA könnten im Innern von Meteoriten auf die Erde gelangt sein. Computersimulationen legen nahe, dass die anschließende RNA-Synthese in wenige Meter großen Tümpeln begann.
  • Mit Hochdurchsatz-Screenings ist es möglich, in kurzer Zeit sehr viele chemische Reaktionen zu testen und so die optimalen Bedingungen für die Entstehung von Leben herauszufiltern.

Erleben wir dadurch eine zweite kopernikanische Wende? Stößt dies unser Weltbild um?
Nein und ja. In dieser Wende sind wir bereits drin. Allein der Gedanke, dass man nun nach Lebensmerkmalen auf Gesteinsplaneten anderer Sonnensysteme schaut, wäre vor 30 Jahren kaum möglich gewesen. 1988 hat man mit 51 Pegasi b den ersten Exoplaneten überhaupt entdeckt (kreist im 4,2-Tage-Takt um den ca. 40 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern 51 Pegasi (Sternbild: Pegasus) und hat 0,46 Jupitermassen). Es war nicht klar, ob Planeten normal sind oder eine Ausnahme.

Wir warten nicht auf die zweite kopernikaische Revolution. Wir sind bereits mittendrin.

Quelle:
Ben K. D. Pearce, Ralph E. Pudritz, Dmitri Semenov, Thomas K. Henning. Origin of the RNA World: The Fate of Nucleobases in Warm Little Ponds. Proc. Nat. Acad. Sci,114,11327 (2017). Die Arbeit ist unter https://arxiv.org/pdf/1710.00434.pdf frei zugänglich.

Weiterführende Links:
Ursprung des Lebens (02.07.2018) Podcast, 22:45 min. https://www.mpg.de/podcasts/ursprung-des-lebens

Heidelberg Initiative for the Origins of Life – HIFOL. http://www.mpia.de/HIFOL
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 20. Jun 2021, 23:40

Leben im All - Planetenjäger (1/4) | ARTE (52:58 min)

Veröffentlicht am 16.08.2019 (Orginal auf dem Youtube-Kanal von ArteDE 11.08.2019):

Nach dem Abschluss der Panspermie-Reihe bleiben wir vorerst bei den Außerirdischen.

Die Suche nach Leben außerhalb unseres Sonnensystems ist in neue Dimensionen vorgerückt. Die Entdeckung des ersten Exoplaneten – also eines Planeten in einem anderen Sonnensystem – veränderte 1995 die Sicht des Menschen auf den Kosmos. Wird man eines Tages einen Exoplaneten betreten können? Die vierteilige Dokureihe wirft einen Blick in die Zukunft der Weltraumforschung und schildert ein ungewöhnliches Abenteuer, das der Mensch vielleicht schon im nächsten Jahrhundert in Angriff nehmen wird: Eine Reise an den Rand des Sonnensystems – und darüber hinaus. Vielleicht ist auf einem der bisher entdeckten Exoplaneten sogar Leben möglich? Bis der erste Mensch einen Exoplaneten betritt, werden noch Generationen vergehen – doch bei NASA, ESA und CNES trifft man schon jetzt die Vorbereitungen zu der größten Forschungsreise aller Zeiten.

"Leben im All" schildert, wie diese Fahrt in den Kosmos aussehen und was man in den fernen Weiten vorfinden könnte. Dabei wird deutlich, dass die Erkenntnisse über die fremden Welten auch einiges über die Menschheit und die Ursprünge des Lebens auf der Erde offenbaren werden.


https://m.youtube.com/watch?v=Pd9jN-6nDcM

Der erste Teil befasst sich mit der fundamentalen Frage: Gibt es Leben außerhalb unserer Erde? Lange kehrten die Raumsonden, die ins All geschickt wurden, um diese Frage zu beantworten, ohne Ergebnis zurück. 1995 veränderte die Entdeckung des ersten Exoplaneten dann die Sicht des Menschen auf den Kosmos. Man nimmt an, dass rund 1.000 der bisher 4.000 mit Hilfe des Kepler-Weltraumteleskops entdeckten Exoplaneten kleine, potenziell bewohnbare Gesteinsplaneten sind. Hochgerechnet würde dies bedeuten, dass rund ein Viertel aller Sterne des Universums einen erdähnlichen Planeten haben könnten.
Die Dokumentation wirft mit Wissenschaftlern einen Blick in die Zukunft: Im Jahr 2157 steht die Wissenschaft kurz vor der Fertigstellung eines ganz neuartigen Raumschiffs. Das Raumschiff wird so riesig sein, dass es im Weltraum gebaut werden muss. Die gewaltigen Bauarbeiten werden einhundert Jahre dauern und mehrere Generationen von Wissenschaftlern beschäftigen. Ziel der Mission wird es sein, eine Sonde zu einem extrasolaren Planeten zu schicken, der Lichtjahre von unserer Erde entfernt ist: Ein erdähnlicher Planet namens Minerva B, auf dem Leben möglich sein soll.
Die Dokumentation begleitet Astrophysiker und Planetologen bei der Eroberung dieser neuen Territorien: In Frankreich, in der Schweiz, in den USA und in Chile erzählen sie von bahnbrechenden technologischen Fortschritten und visionären Entdeckungen.

Quelle : ARTEde Dokureihe
Regie: Vincent Amouroux (F 2018, 53 Min)
Reupload: RUDI RAKETE
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 22. Jun 2021, 08:57

Leben im All - Unterwegs zu einem neuen Planeten (2/4) | ARTE (52:05 min)

Veröffentlicht am 16.08.2019 (Orginal auf dem Youtube-Kanal von ArteDE 12.08.2019):

Wann wagt die Menschheit den Schritt in den interstellaren Raum? Für die Wissenschaft scheint die Zeit gekommen, erstmals ein Raumschiff zu einem Exoplaneten zu schicken. Reisen über die Grenzen unseres eigenen Sonnensystems hinaus sind nicht vergleichbar mit einem etwas länger dauernden Mondflug, da die Distanzen im interstellaren Raum unvorstellbar groß sind.
Wir haben seit jeher die Augen zum Himmel erhoben und dort nach Göttern, Zeichen und Antworten gesucht. Das Universum war für die Menschheit lange Zeit eine unzugängliche, geheimnisvolle Welt. Bis wir begannen, es mit Hilfe von Teleskopen und Raumsonden zu erkunden und einen Teil seiner Geheimnisse zu ergründen. Bald schon trieb unser Wissensdurst uns dazu, unseren Nachbarplaneten einen Besuch abzustatten. Seit den 60er Jahren sind wir mit zahlreichen Weltraummissionen immer weiter in unser Sonnensystem vorgedrungen. Bis wir seine Peripherie erreichten: Am 14. Juli 2015 passierte die Sonde "New Horizons" den Zwergplaneten Pluto und zeigte uns die Landschaften dieser Terra incognita. Doch damit hat die Erforschung des Weltraums gerade erst begonnen.

1995 revolutionierte die Entdeckung des ersten Exoplaneten die Welt der Astronomie und eröffnete ein ganz neues Forschungsgebiet. Seitdem wurden Tausende von extrasolaren Planeten erfasst. Ihre Größe, Zusammensetzung und Atmosphäre sorgen dabei immer wieder für Überraschungen. Inzwischen begnügen sich die Astronomen nicht mehr damit, sie zu zählen, sondern suchen die Galaxie nach einem erdähnlichen Planeten ab. Einem lebensfreundlichen Planeten, der in der richtigen Entfernung um seinen Stern kreist, so dass es an seiner Oberfläche flüssiges Wasser gibt.
In den letzten 20 Jahren haben die Ingenieure nicht nur Pluto passiert, sondern auch die Saturn- und Jupiter-Systeme besucht. Sie planen sogar eine bemannte Mission zum roten Planeten Mars.


https://m.youtube.com/watch?v=p5lwAmUUjxI

Die Dokumentation wirft einen Blick in die Zukunft der Raumfahrt: Um den imaginären erdähnlichen Exoplaneten Minerva B zu erreichen, müssten 4,5 Lichtjahre in weniger als 50 Jahren zurückgelegt werden. Hierfür müsste ein Raumschiff von gigantischen Ausmaßen entwickelt werden, das nicht mehr von der Erde aus, sondern von einer künstlichen Intelligenz an Bord gesteuert wird und dessen Navigationstechnik den Herausforderungen einer solchen interstellaren Reise gewachsen ist.

Quelle : ARTEde Dokureihe
Regie: Vincent Amouroux (F 2018, 53 Min)
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 23. Jun 2021, 13:28

Leben im All - Auf der Suche nach Außerirdischem (3/4) | ARTE (51:15 min)

Veröffentlicht am 16.08.2019 (Orginal auf dem Youtube-Kanal von ArteDE 13.08.2019):

Am 6. Oktober 1995 erwachte die Menschheit zu einem neuen Tag: Der erste Exoplanet war gefunden - ein riesiger Gasplanet, der um einen Stern außerhalb unseres Sonnensystems kreist. Vor welche Herausforderungen und Folgen wäre die Menschheit gestellt, wenn außerirdisches Leben auf einem Exoplaneten tatsächlich entdeckt würde? In unserer Galaxie gibt es fast 250 Milliarden Sterne. Doch von wie vielen Planeten werden sie umkreist? Jüngste Entdeckungen deuten für die Wissenschaftler darauf hin, dass es 80 Milliarden potenziell bewohnbare Planeten geben könnte.

Stellen wir uns vor, unsere Teleskope finden in hundert Jahren um einen dieser Planeten eine Atmosphäre – den Beweis für die Existenz einer biologischen Aktivität. Und nehmen wir an, die Menschen taufen diesen Planeten Minerva B.
Getrieben von dem Wunsch, diese unbekannten Lebensformen zu erforschen, verständigen sich die Nationen darauf, ein interstellares Raumschiff zu diesem erdähnlichen Planeten zu schicken. Es wäre die abenteuerlichste Entdeckungsreise, die die Menschheit je unternommen hat. Eine Mission mit zahlreichen Hindernissen und technischen Herausforderungen.


https://m.youtube.com/watch?v=087RTzAPczg

Mit der Entdeckung von erdähnlichen Planeten nahm die Suche nach dem Ursprung des Lebens neue Dimensionen an:
Gibt es außerirdisches Leben? Welche Voraussetzungen braucht es? Welche Form hat es und wie kann man es erkennen? Im Jahr 2207 entsendet ein Raumschiff eine Sonde auf Minerva B. Mit künstlicher Intelligenz und 3D‑Drucktechniken haben die Wissenschaftler verschiedene Erkundungsdrohnen und kleine, leichte Roboter nach bionischen Gesetzmäßigkeiten gebaut, die nun nach Anzeichen hydrothermischer Aktivität suchen. Flüssiges Wasser, Kohlenstoff, Energie, Minerale – das sind die "Schätze", nach denen auf Minerva B gesucht werden muss. Eine echte Herausforderung für die kleinen Roboter, die auf Minerva B mit verschiedensten Geländearten konfrontiert sind. Plötzlich entdeckt die künstliche Intelligenz eine komplexe Molekülstruktur. Ein Hinweis auf einen lebenden außerirdischen Organismus?

Quelle : ARTEde Dokureihe
Regie: Vincent Amouroux (F 2018, 52 Min)
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 24. Jun 2021, 08:43

Leben im All - Der erste Kontakt (4/4) | ARTE (51:47 min)

Veröffentlicht am 27.05.2021 (Orginal auf dem Youtube-Kanal von ArteDE 15.08.2019):

Gibt es Leben außerhalb unseres Sonnensystems? Funksignale, die von einer hoch entwickelten Zivilisation kommen? Wie würde die Menschheit reagieren, wenn ein Raumschiff menschenähnliches Leben auf einem fremden Planeten entdecken würde? Seit vor über 20 Jahren der erste Exoplanet entdeckt wurde, lautet die Frage: Auf wen wird die Menschheit dort treffen? Gibt es auf unseren Nachbarplaneten intelligente, bewusste Lebensformen?

Forscher gehen davon aus, dass eine sogenannte "technologische Zivilisation" auch das Senden von Funksignalen beherrschen würde. Seit den 60er Jahren lauschen Radioteleskope ununterbrochen auf Signale, die von einer außerirdischen Zivilisation stammen könnten. Wäre der Mensch in der Lage, ein solches Signal zu erkennen und zu entschlüsseln?

Doch auch nach mehrjährigem Lauschen wird kein Funksignal von Minerva B empfangen. Dabei enthält die Atmosphäre des Planeten Gase, die auf eine biologische Aktivität hindeuten könnten. Mit Hilfe neuer Technologien können die Forscher die Atmosphäre von Exoplaneten analysieren. Diesen bedeutenden technischen Fortschritt verdanken sie dem Hubble-Weltraumteleskop. Seit 2001 entdecken die Wissenschaftler ständig weitere Exoplaneten mit einer Atmosphäre. In den Gasen hoffen die Planetologen, Spuren biologischen Lebens – sogenannte Biomarker – zu finden.


https://m.youtube.com/watch?v=uEpba1cEYkI

Auf dem imaginären Exoplaneten Minerva B schickt ein interstellares Raumschiff seine Erkundungsroboter auf die Suche nach außerirdischen Organismen. In einem Ozean entdecken die Exobiologen eine reiche und komplexe Unterwasserwelt mit Meeresorganismen wie exotischen Schirmalgen, die sich nach dem wenigen Licht strecken, das der Nachbarstern abgibt – der erste Hinweis darauf, dass die Erde nicht der einzige bewohnte Planet ist. Die gesamte Nahrungskette dieses Ökosystems, das Wissenschaftler in der Galaxie vermuten, ist an das schwache Licht angepasst – darunter auch biolumineszierende Arten, die ihr eigenes Licht erzeugen. In unseren Ozeanen wimmelt es von Lebewesen wie etwa Kopffüßern, die bei der Erforschung außerirdischen Lebens als Inspirationsquelle dienen.

Fünf Jahre wird es dauern, bis das Funksignal des Raumschiffs auf der Erde empfangen werden wird. Es wird die ersehnteste Funkmeldung in der Geschichte der Raumfahrt sein – die Nachricht vom ersten Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform. Die Wissenschaftler mögen vorbereitet sein, doch wie werden die Menschen auf diese Neuigkeit reagieren?

Quelle : ARTEde Dokureihe
Regie: Vincent Amouroux (F 2018, 52 Min)
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 28. Jun 2021, 09:09

Forscher entdecken mögliche Hinweise auf Leben in Venus-Atmosphäre | tagesschau (7:36 min) (+ Link)

Veröffentlicht am 14.09.2020

Aufregend, wenn es Wissenschaft sogar in die Abendnachrichten schafft.
Das Forscherteam der Europäischen Südsternwarte ESO fand in der Atmosphäre der Venus das seltene Molekül Phosphin. Das ist ein Gas, das hier auf Erden nur lebende Mikroorganismen produzieren. Auch wenn man in der Wissenschaft vorsichtiger formuliert hat, z.B. das es auch aus anorganischen Vorgängen stammen könnte, war es eine Sensation auch für die Forscher selbst.


https://m.youtube.com/watch?v=SJthX9eZWOQ

Weitere Links:
https://www.mdr.de/wissen/venus-himmel-leben-gas-entdeckt100.html
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 2. Jul 2021, 09:35

Rezension: Jw.org - Wann erschuf Gott das Universum?

In der Studienausgabe des Wachtturm Juli 2020 gab es gleich 2 Artikel in denen ganz kurz das Thema Schöpfung angerissen wurde. Im Artikel "Sei überzeugt, dass du die Wahrheit hast" sollten wir uns von 3 Grundwahrheiten überzeugen.

Erstens, dass Jehova Gott alles erschaffen hat (2. Mo. 3:14, 15; Heb. 3:4; Offb. 4:11). Zweitens, dass die Bibel Gottes Botschaft an die Menschen ist (2. Tim. 3:16, 17). Und drittens, dass Jehova ein organisiertes Volk hat, das ihn unter der Führung Jesu anbetet, und dass Jehovas Zeugen dieses Volk sind (Jes. 43:10-12; Joh. 14:6; Apg. 15:14). Um das zu erreichen, musst du kein wandelndes Bibellexikon werden. Dein Ziel sollte sein, durch vernünftige Überlegungen deine Überzeugung zu stärken, dass du die Wahrheit hast (Röm. 12:1).

Und 2 Artikel später, im Studienartikel 30 "Bleib auf dem Weg der Wahrheit" werden wir auch gewarnt, was uns davon abbringen könnte:
Christen dürfen sich nicht durch menschliches Gedankengut in die Irre führen lassen (1. Joh. 2:26). Besonders junge Leute sollten sich dieser Gefahr bewusst sein. Alexia, [Name geändert] eine 25-jährige Schwester aus Frankreich, erzählt: „Als ich jünger war, brachten mich menschliche Überlegungen wie die Evolutionstheorie oder philosophisches Gedankengut durcheinander. Manchmal sagten mir diese Lehren sogar zu. Aber ich dachte, ich kann mir das, was in der Schule gelehrt wird, nicht einfach anhören, ohne Jehova zu Wort kommen zu lassen.“ Alexia studierte das Buch Das Leben – wie ist es entstanden? Durch Evolution oder durch Schöpfung?. Nach ein paar Wochen waren ihre Zweifel verflogen. Sie sagt: „Ich vergewisserte mich, dass in der Bibel die Wahrheit steht. Und mir wurde klar, dass mir ein Leben nach ihren Maßstäben Freude und Frieden bringen würde.“

Kann natürlich an der mangelnden Vorkenntnis liegen oder an der schwammigen Präsentation im Unterricht, aber mich hat das Buch nicht überzeugt. Ich habe es zweimal gelesen und einmal studiert. Eine vollständige Analyse folgt in einigen Monaten.

Um uns unvollkommenen Menschen Hilfe an die Hand zu geben, hat sich die leitende Körperschaft, wie sich das oberste Gremium nennt, auch die Webseite einfallen lassen, bei der ich mich in den letzten Jahren bedient habe, um kreationistisches Gedankengut kenntlich zu machen und zu widerlegen. Dazu gehören die letzten Rezensionen genauso, wie der nun vorliegende Text.

https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/schoepfungstage-universum/

Wann erschuf Gott denn das Universum?
Die korrekte Antwort ist: Gar nicht, solange mir nicht einer beweist, dass er es überhaupt getan hat.

Aber auch die Antwort der Bibel ist enttäuschend.
Die Bibel macht keine Angaben darüber, wann Gott mit der Erschaffung des Universums begann und wie lange dieser Prozess dauerte. Es heißt einfach: „Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde“ (1. Mose 1:1). Damit lässt die Bibel offen, wann dieser „Anfang“ war. Allerdings zeigt die im ersten Buch Mose erwähnte Abfolge von Ereignissen, dass das Universum schon vor den sechs Schöpfungsperioden oder „Tagen“ existierte.

Jetzt mag sich der kritische Leser denken, wofür dieser Artikel dann überhaupt da ist, wenn man bereits im einleitenden Absatz sagt, dass darüber nichts geschrieben steht.

Nun wir können es als Fortsetzung bzw. weiteren Artikel zu dem über die Wissenschaflichkeit der Bibel betrachten. Denn die Fragen die unter dem Absatz gestellt werden, kennen wir bereits aus der vorletzten Rezension.
  • Ist mit einem Schöpfungstag ein 24-Stunden-Tag gemeint?
  • Was geschah während der sechs Schöpfungstage?
  • Ist der Schöpfungsbericht wissenschaftlich korrekt?
  • Wann wurden Sonne, Mond und Sterne erschaffen?
  • Was sagt die Bibel über das Alter der Erde?
Die Antworten sind seitdem nicht wirklich erhellender geworden.
  • Ja, Tag kann sich auf eine unterschiedliche Länge beziehen, aber die Formulierung "und es wurde Abend und es wurde Morgen" spricht schon ziemlich für die 24-Stunden-Variante.
  • Das Sonne, Mond und Sterne laut Bibel schon vor der Erde existierten, wird damit versucht zu erklären, dass man als irdischer Beobachter diese erst am 4. Tag sehen konnte. Aber es wird explizit von "machen" oder "erschaffen" gesprochen, nicht davon, dass er irgendeinen Schleier oder so etwas in der Art entfernt. Ich habe über den Bibelserver in den 14 gängigsten Bibelfassungen auf die Schnelle keine Variante gefunden, die nicht im Sinne von "erschaffen" spricht.
  • Bleibt auch dabei, dass es keinen Nachweis für fliegende Wassermassen "hoch über der Erde" gibt.
  • Und es bleibt auch dabei, dass Flugtiere im Fossilbericht ganz eindeutlich nach den Landgängern auftauchen.
Aber was wissen Stratographen, Paläontologen und Geologen denn schon? Die mit ihrem menschlichen Gedankengut, dass sich auf empirisch ermittelte Daten stützt. Voll unsolide, da vertraue ich doch lieber auf ein 3000 Jahre altes Buch, dass mir sicher den Hergang auf 4 Seiten (mehr ist es in der Genesis tatsächlich nicht) viel präziser schildern kann, als alle Paper dieser Welt.

Robert Jastrow, der in der Columbia University den Bachelor, Master und den Doktor in Physik gemacht hat, hat mit Bestätigung der der Big-Bang-Theorie auch erzählt, dass die Astronomen mit ihren eigenen Methoden den Akt der Erschaffung entdeckt haben. Sie können nie darauf hoffen, die Kraft dahinter zu entdecken oder zu verstehen. Seine Überzeugung: "That there are what I or anyone would call supernatural forces at work is now, I think, a scientifically proven fact."
Dumm nur, dass es nicht gleich Gott sein muss, der da am Anfang stand, sondern lediglich etwas, dass sich der Kenntnis der physischen und mathematischen Welt entzieht. Das ein Etwas es ausgelöst hat, besagt nicht, dass dieses Etwas eine eigenständige Entität ist, und schon gar nicht, dass es einen Verstand, Gefühle und eine Motivation hat. Was sich in den Modellen und Theorien immer wieder bestätigt, ist der Anfang, nicht ein mutmaßlicher Erschaffer dessen.

So ist das, wenn man die Logik hinter den Aussagen der Autorität, die man zitiert, nicht prüft.

Was sagt die Bibel über das Alter der Erde?
Die Bibel sagt nichts Genaues über das Alter der Erde. In 1. Mose 1:1 wird einfach nur erklärt, dass das Universum, unsere Erde eingeschlossen, einen Anfang hatte. Diese Aussage widerspricht weder wissenschaftlichen Prinzipien noch wissenschaftlichen Schätzungen über das Alter der Erde.

Schließen wir mit diesem letzen Absatz im Artikel, auch diesen Beitrag ab.
Und wir müssen wieder verneinen. Selbstverständnis widerspricht es wissenschaftlichen Prinzipien, keine präzisen Angaben zu machen bzw. keine Hypothesen zu stellen. Denn das Prinzip der Wissenschaft ist die Überprüfbarkeit. Windet man sich heraus, indem man genaue Angaben meidet oder für irrelevant erklärt, dann stellt man sich gegen dieses Prinzip, indem man sein Argument keiner Überprüfung zugänglich macht.

Keine Angaben zu machen ist also nicht nur nicht richtig, es ist frei nach Wolfgang Pauli im wissenschaftlichen Sinne so unsinnig, dass es nicht mal falsch ist.

Die in der Überschrift gestellte Frage wird übrigens gar nicht geklärt.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 5. Jul 2021, 10:51

Die Begrüßung - Wer hat es erfunden?

Ja, ich spiele mit der Überschrift auf die kreationistischen Texte der Wachtturm-Gesellschaft an, die damit eine Rubrik auf ihrer Webseite gefüllt hat. Allein darüber könnte man über 30 Artikel schreiben. Und vielleicht mache ich das auch mal.
Ausnahmesweise ist diese Sache, die ich diesmal beschreiben möchte nicht von dort, sondern gänzlich unabhängig. Mehr so aus der erdachten Rubrik: "Menschen sind nichts besonderes. Übt euch also gefälligst in Demut."

Die Überschrift sagt es ja bereits, es geht darum, wer denn Begrüßungen erfunden hat. Menschen waren es jedenfalls nicht. Egal, ob sie erst seit 6000 oder mehreren hunderttausend Jahren auf der Erde stolzieren.

Der 21. November ist der Hallo-Welt-Tag.
Die beiden US-Amerikaner Brian McCormack und Michael McCormack riefen den Welt-Hallo-Tag 1973 ins Leben als Reaktion auf den 6. Oktober 1973, an dem der Jom-Kippur-Krieg zwischen Ägypten und Israel ausgebrochen ist. Ziel der McCormacks war es zu zeigen, dass Konflikte auch anders als mit militärischer Gewalt gelöst werden können, nämlich mit Kommunikation und soll auch der Wahrung des Friedens dienen. Es ist Brauch, mindestens zehn Menschen zu grüßen und ihnen vom Welt-Hallo-Tag zu erzählen, damit der Aktionstag noch bekannter wird. Genauso könnte man auch lernen, wie Hallo in verschiedenen Sprachen heißt und verwendet wird. Oder man sagt einem Menschen, mit dem man schon länger keinen Kontakt hatte, einfach einmal "Hallo". Ein einfaches "Hallo" kann als Grundlage für ein friedliches Miteinander ein guter Einstieg sein.

Den Hallo-Welt-Tag haben also Menschen erfunden. Das Grüßen selbst nicht.

Affen haben uns da einiges vorraus. Sie grüßen viel häufiger und überschwänglicher als wir. Und es kann auch schon mal auf für uns undenkbare Weise intim werden.

So könnte auch ein typischer Witz anfangen:
Treffen sich zwei Guinea-Paviane in der Savanne. Der eine grunzt leise, der andere auch.

Und die Pointe? Nun, es könnte ein Witz sein. Aber es ist real. Die beiden grunzen.
Es läuft also. Denn Grunzen ist bei Guinea-Pavianen wie ein freundliches Hallo. Ganz ohne Feiertag.

Nun ist aktuell Körperkontakt zu meiden. Aber auch in Zeiten ohne Händeschüttel und Umarmung ist eine Begrüßung offenbar sehr wichtig. Egal ob als Ellbogen-Checks, der Ghetto-Faust oder eines Indianergrußes.

Bild
Guinea-Pavian (Papio papio)


Nicht nur beim Menschen gehört die Begrüßung zum guten Ton, auch bei den Affen ist dies die Grundlage für einen friedlichen Umgang.
Wie sich z.B. Paviane begrüßen, hängt davon ab, in welchem Verhältnis die Tiere zueinander stehen. Bei befreundeten Affen reicht ein einfaches Signal. Grunzen eben.
Wenn sich zwei männliche Guinea-Paviane begrüßen, kann es richtig intim werden. Julia Fischer, die sich eingehend mit der Kommunikation von Guinea-Pavianen beschäftigt hat, beschreibt den Gruß wie folgt: Nach dem gegenseitigen Anfassen der Hüfte und einigen Kopfwacklern." Sie nennt es "Headbanging-mäßig".

Was weiß man noch über diese Gesellen?
Guinea-Paviane gehören zu den kleineren Pavianarten, haben ein rötlich-braunes Fell und ein haarloses, dunkelviolettes oder schwarzes Gesicht mit der typischen langgezogenen Pavianschnauze. Die Männchen tragen auf ihrem Kopf und Schultern eine mähnenartige Behaarung. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Guinea, Senegal, Gambia, das südliche Mauretanien und das westlichen Mali.

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Verbreitungskarte des Guinea-Pavian


Sie sind tagaktiv und halten sich häufig am Boden auf, klettern zur Nachtruhe jedoch meist auf Bäume. Die Friedfertigkeit der Männchen untereinander ist im Gegensatz zu anderen Pavianarten einzigartig. Und das kann an einem besonderen Gruß liegen oder aber diesen besonderen Gruß begünstigen. Was zuerst da war, ist schwierig zu ermitteln.

Auf das Headbangen folgt manchmal ein Griff in den Schritt des Gegenübers. Befremdlich ... für uns Menschen.
Die Paviane signalisieren sich durch den Griff an den Penis des anderen absolutes gegenseitiges Vertrauen. Das wiederum ist nachvollziehbar. Das kann man nur mit jemanden machen, auf den man sich komplett verlassen kann.
Bei den Jungs kann das Begrüßungsritual auch noch komplizierter werden. Immerhin steht da immer auch das Thema Komkurrenz im Raum. Egal, welcher Gesten und Geräusche sich Guinea-Paviane bedienen, die Begrüßung dient dazu, Gruppen abzustecken. Auch die Begrüßungsspiele haben bei Affen eine wichtige Rolle. Sie dienen ebenfalls dazu, das Gefüge innerhalb der Gruppe auszuloten. Dort gibt es ständig Stress, weil man um's gleiche Futter oder den gleichen Sexpartner rangelt. Die Signale bei der Begrüßung erlauben den Affen einzuschätzen, wo sie innerhalb ihrer Gruppe stehen. Und das wiederum hat Auswirkungen darauf, wie sie sich dementsprechend in der Gruppe zu verhalten haben.

Ebenso, wie die Guinea-Paviane begrüßen sich auch Makaken mehrmals am Tag. Beide Affen gehören zur Familie der Meerkatzenverwandten. Auch die Makaken sind tagaktiv, verbringen die meiste Zeit am Boden und Allesfresser, bevorzugen aber wie alle Affen pflanzliche Kost.
Bei den Makaken fällt aber etwas besonders auf: Menschen sagen nicht 100 Mal am Tag zur selben Person "Hallo", unsere posierlichen Verwandten aus dem Tierreich aber schon. Die begrüßen sich immer wieder. Makaken können dabei richtig aufgeregt sein: Sie schmatzen mit den Lippen, um auszuloten, ob man einander wohlgesinnt ist. Manchmal wird das auf die Spitze getrieben. Die Zähne werden auch einandergeschlagen und die Zunge kommt dabei heraus. Dabei sitzen sie voreinander und hauen sich ab und an auch gegenseitig auf die Schulter.
Es ist als würden alte Freunde sich nach langer Zeit wieder sehen. Dabei haben sie das gleiche Theater gerade einmal vor einer Stunde auch schon gemacht.

Und wie jedes "Wer hat es erfunden?" von jw.org schließen wir mit einer durch den Text vorgegebenen Meinung, die beim Leser erzeugt werden soll:
Was soll man glauben? Hat sich der Gruß der Guinea-Paviane und Makaken durch reinen Zufall entwickelt? Oder steckt Intelligenz dahinter?

Entwicklungspsychologisch steckt selbstverständlich ein Sinn dahinter, einander zu grüßen. Wenn man damit bereits den Start für eine friedliche Kommunikation gründet, liegt der evolutionäre Nutzen für ein solches Verhalten mehr als offensichtlich auf der Hand.

Quellen: DPZ - Deutsches Primatenzentrum
https://www.dpz.eu/en/unit/cognitive-ethology/research/guinea-baboon-research.html (engl., zuletzt aufgerufen am 03.06.2021)
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 7. Jul 2021, 08:25

Darwin irrte nicht! Oder doch? - Ein kurzer Einblick in "Intelligent Design"

"Intelligent Design" habe ich hier bereits ein paar mal behandelt.
... 023, 29.12.2017: Was ist nicht reduzierbare Komplexität?
... 025, 05.01.2018: Zur Evolution des "Bakterienmotors" - Die Entstehung bakterieller Flagellen ist erklärbar
... 028, 13.01.2018: Rezension: Dem Geheimnis des Lebens nahe (2002)
... 093, 17.02.2021: Lassen wir außer Acht ... (Teil 1)
... 094, 22.02.2021: Lassen wir außer Acht ... (Teil 2)
... 095, 28.02.2021: Lassen wir außer Acht ... (Teil 3)
... 114, 16.05.2021: Video: Irreducible complexity cut down to size | QualiaSoup (10:53 min, engl.) (ursprünglich in Kritisch denken veröffentlicht)
... 118, 05.06.2021: Video: Rebuttals: irreducible complexity | QualiaSoup (9:46 min, engl.)

Warum auch die Links zu "nicht reduzierbaren Komplexitäten"?
Eines der Standardargumente ist, dass das Leben zu komplex sei, um rein zufällig, durch natürliche Auslese entstanden zu sein.

Was hält die wissenschaftliche Gemeinde, die wissenschaftliche Biologieforschung von diesem Ansatz?
Gar nichts. Die Grundaussagen der Evolutionstheorie wurden zunächst von Charles Darwin formuliert und später von Evolutionsbiologen weiter ausgefeilt. Sie lauten:
  • Evolution findet immer statt.
  • Evolution ist nicht umkehrbar.
  • Evolution ist auch nicht zielgerichtet.
  • Evolution hat keine Entwicklung zu einem erkennbaren Zweck.
  • Evolution wirkt auf allen Ebenen, vom Molekül bis zum Ökosystem.
Alle Organismen bis hin zum komplexesten Lebewesen, was möglicherweise der Mensch ist, entstehen durch Mechanismen wie genetische Vielfalt (Mutation, Variation, Adaption), Auslese (Selektion) und Zufallswirkungen (Atavismus, Genetischer Drift). Das kann man jetzt einfach in den Raum stellen und sich nicht um eine experimentelle Bestätigung kümmern, wie es Kreationisten und so auch die Intelligent Designer machen. Oder man prüft die Aussagen. Das macht den Unterschied zwischen wissenschaftlicher Theorie und einer pseudowissenschaftlicher Ideologie. Ups, wer diese Kriterien wohl erfüllt?
Ein Beispiel: Tiere haben einen großen Selektionsvorteil, wenn sie Licht wahrnehmen und als Informationsquelle nutzen können. Vermutlich aus diesem Grund haben die Tiere im Laufe der Stammesgeschichte komplexe Lichtsinnesorgane (Augen) entwickelt. Wenn der Selektionsvorteil ausbleibt – die Tiere etwa für lange Zeit und viele Generationen hinweg in ewiger Dunkelheit leben – sollten diese Strukturen und Organe wieder verkümmern.
Genau das kann man bei einem mexikanischen Fisch (Astyanax mexicanus) beobachten, bei dem es sowohl Vertreter gibt, die nahe der Wasseroberfläche leben und daher dem Licht ausgesetzt sind wie auch Individuen, die seit langem in Höhlen ohne Licht leben. Wie von der Evolutionstheorie erwartet, haben die Höhlenfische ihre Augen vollkommen zurückgebildet.
Dabei darf man aber nicht den Fehler machen eine monokausalen Zusammenhang zu suchen. Natürlich haben sich die Augen nicht gebildet, weil man damit Licht wahrnehmen kann. Sondern die Bildung der ersten zufällig entstandenen Lichtzellen ermöglichte die Ausbildung eines weiteren Sinnes, der gegenüber den Nahrungskonkurrenten und Fressfeinden einen "technologischen" Vorteil darstellte und sich deshalb die Individuen besser verbreiten konnten, die diesen Vorteil besaßen, worauf dann wieder neue Weiterentwicklungen aufbauen konnten. Und so weiter.
Genauso wenig haben sich die Augen zurückgebildet, weil es in den Höhlen dunkel ist. Die Augen unnötig wurden und ihre Ausbildung und Instandhaltung "Kosten" verursacht, haben die Individuen einen Vorteil, die dieses Konstrukt wieder "verkleinern" oder zurückbilden. Das ist kein bewusster Prozess, ebenso wenig wie der erste.

Der experimentell arbeitende Evolutionsbiologe kann durch Vergleiche von Morphologie und Molekularbiologie der beiden Formen versuchen, im Detail herauszufinden, an welchen Regelkreisen und Molekülen der Selektionsdruck wirklich ansetzt.
"Intelligent Design" kann das nicht. Es ist keine Theorie. Es ist auch keine Wissenschaft. Es ist die Behauptung, nur eine intelligente Ursache könne das Entstehen vor allem, von komplexen Lebewesen erklären. Diese Behauptung kann durch kein Experiment geprüft werden. Sie macht keine Vorhersagen, stellt auch keine neuen Hypothesen auf und möchte eigentlich auch gar nicht, dass man sie jemals experimentell überprüft.
Gleichwohl sind unter den Anhängern des "Intelligent Design" auch Wissenschaftler. Sie versuchen, mit logischen Argumenten der Evolutionstheorie den Boden zu nehmen.

Lässt die Evolutionstheorie Fragen offen?

Ja. Die Evolutionstheorie kann vieles nicht erklären. Wir haben bis heute keine Erklärung dafür, wie komplexe Strukturen aus sich selbst heraus entstehen. Das ist eines der ganz großen Rätsel, die man mit den Grundgesetzen der Physik und der Biologie nicht beschreiben kann. Der Naturwissenschaftler hat immer Rätsel, und täglich stehen wir vor ungelösten Problemen. Aber alle Rätsel müssen mit naturwissenschaftlichen Theorien, mit Beobachtungen, mit Experimenten und mit Messungen gelöst werden. Und man muss eine Theorie auch mal verwerfen können. Die Evolutionstheorie lässt das ausdrücklich zu, wenn neue experimentelle Befunde das erfordern. Sie ist falsifizierbar beschrieben worden.

Aber derzeit gibt es keine anderen Theorien über die Entstehung des Lebens, die einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten. Nicht deswegen hat die Evolutionstheorie die Zeiten überstanden, wie es jetzt vielleicht klingen mag. Sondern, weil sie am Besten beschreibt, was wir auf diesem Planeten gefunden und erprobt haben.
Die Evolutionstheorie ist mittlerweile enorm komplex geworden. Sie wird von vielen Beobachtungen auch außerhalb der Biologie – etwa aus der Physik, der Chemie oder der Geologie – unterstützt. Bis heute gibt es keine Theorie, die zeigt, dass die Evolutionstheorie falsch ist oder nicht zutrifft. Es ist eine sehr lebendige, im Zentrum der heutigen Naturwissenschaft stehende Theorie, die von ganz verschiedenen Fachbereichen angegangen wird und zu einem echten Erkenntniszuwachs führt. Sie ist nicht einfach nur ein Glaube.

Das dieser Theorie dennoch so viele ungebührlich kritisch gegenüberstehen, ist eher ein gesellschaftliches Problem, plus: Sie entspricht nicht unserem täglichen Erfahrungen. Von einem Apfelbaum werden wir immer Äpfel ernten. Größer jedoch ist wohl die religiöse Indoktrination auch bei denen, die offiziell nie in irgendeiner Kirche oder dergleichen waren. Und selbstverständlich spielt auch das menschliche Ego mit hinein: Es fällt dem Menschen offensichtlich nicht so leicht zu akzeptieren, dass er ein winzig kleines Rädchen im großen Getriebe des Lebens ist. Der Mensch sieht sich immer als etwas Besonderes. Diesem Wunsch entspricht das "Intelligent Design" mit der Darstellung des Menschen als "auf der Höhe der Entwicklung". Die Parallelen zu Kopernikus, Galileo und Kepler liegen auf der Hand.
Die Vertreter von »Intelligent Design« agieren allerdings sehr geschickt. So streiten sie nicht ab, dass es eine gewisse Entwicklung gibt. Schließlich gibt es Fossilien, die Millionen von Jahren alt sind. Auch dass es eine gewisse Höherentwicklung gibt, akzeptieren sie. Sie nennen das Mikroevolution. Die Entwicklung des Menschen klammern sie davon aus. Das sei die Makroevolution. Das ist naturwissenschaftlich gesehen bodenloser Quatsch. Dennoch mehren sich auch hierzulande alarmierende Anzeichen. Es darf nicht so weit kommen wie in den Vereinigten Staaten, wo in einigen Bundesstaaten Schulbücher zur Evolution aus dem Unterricht verbannt werden. Wir sind eine aufgeklärte, rationale und naturwissenschaftlich orientierte Gesellschaft.

Kurzfassung: Intelligent Design

Eine größere Auseinandersetzung mit dem Thema wird folgen. Heute möchte ich euch lediglich in einer Übersicht ein wenig an diese "Theorie" heranführen.

"Der Mensch ist zu komplex, um durch Zufall entstanden zu sein. Eine übergeordnete Kraft, eine Art intelligenter Baumeister muss dahinter stehen."
So in etwa die große Hauptaussage der Bewegung "Intelligent Design".
Ihre Anhänger machen seit einigen Jahren verstärkt mobil gegen die Evolutionstheorie und deren Vermittlung an amerikanischen Schulen, Museen und öffentlichen Einrichtungen. Sie stehen dem konservativen Discovery Institute in Seattle, Washington/USA nahe. Das Institut wird von christlichen Konservativen finanziert.
Im Unterschied zu den Kreationisten, die die Schöpfungsgeschichte der Bibel wörtlich nehmen, streiten die Vertreter des "Intelligent Design" evolutionäre Entwicklungen in der Natur nicht völlig ab. Sie akzeptieren, dass die Erde mehrere Milliarden Jahre alt ist und dass das Leben schrittweise entstanden ist. Dahinter sehen sie jedoch eine intelligente Ursache.
Nach einem Urteil des obersten US-amerikanischen Gerichts darf Kreationismus nicht im Unterricht gelehrt werden. Das "Intelligent Design" wird generell zu den Pseudowissenschaften gerechnet. Das Gedankengut ist allerdings fest in der amerikanischen Gesellschaft verankert. Laut Umfragen der letzten Jahre bekennt sich etwa die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung zum Kreationismus. Die deutsche Gesellschaft steht dagegen vermehrt hinter Darwin: In einer Forsa-Umfrage Ende 2005 sagten 61 Prozent der Deutschen, dass die Evolutionstheorie die richtige Erklärung für die Entwicklung aller Lebewesen sei. So richtig berauschend ist dieser Prozentsatz für eine aufgeklärte, wissenschaftliche geprägte Gesellschaft zwar auch nicht, aber immerhin ...
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