Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 14. Mai 2021, 08:26

Video: Aliens unter dem Eis - Leben auf Einzelgängerplaneten | Kurzgesagt (7:41min)


https://m.youtube.com/watch?v=UOdCyVADESI

Veröffentlicht am 17.06.2020

Einzelgängerplaneten sind Planeten, die allein durch das Universum ziehen. Sie sind in den finsteren Weiten zwischen den Sternen zuhause. Dort fliegen sie durch eisige Kälte und ewige Schwärze, wo kein Licht je ihre Oberfläche erreicht. Keine Jahreszeiten, keine Tage oder Nächte zeigen hier den Lauf der Zeit an. Trotzdem könnten Einzelgängerplaneten außerirdisches Leben durch die ganze Galaxie tragen. Wie geht das, und wie wird ein Planet überhaupt zum Einzelgänger?
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
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von Anzeige » Fr 14. Mai 2021, 08:26

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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Sa 15. Mai 2021, 23:52

Video: Was passiert wenn die Erde aus dem Sonnensystem fliegt? - Einzelgänger-Erde | Kurzgesagt (9:02min)


https://m.youtube.com/watch?v=j-fXZNgE67c

Veröffentlicht am 23.09.2020

Der Nachthimmel erscheint uns ruhig und friedlich – aber in Wahrheit rasen Sterne mit hunderttausend Stundenkilometern durch die Galaxie. All ihre Bahnen exakt vorherzusagen ist nahezu unmöglich. Zum Glück ist das All riesig. Daher ist es höchst unwahrscheinlich, dass wir von irgendwelchen Sternen aus der Milchstrasse getroffen werden. Aber auch ohne dass wir direkt getroffen werden, kann es auf der Erde ziemlich ungemütlich werden. Denn viele solcher Sterne kommen uns schon bedrohlich nahe.
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Re: Kritisch denken

Beitragvon almafan » So 16. Mai 2021, 22:39

Irreducible complexity cut down to size | QualiaSoup (10:53 min, engl.)

Warum irruzeduzible Komplexität keine brauchbare Alternative zu wissenschaftlicher Arbeit ist.

Veröffentlicht am 28.11.2010:


https://m.youtube.com/watch?v=W96AJ0ChboU

Ich verweise für weitere Recherche auch noch einmal auf meine Artikel zu diesem Thema:
... 006, 09.11.2017: Grundlagen: Was bedeutet Komplexität?
... 023, 29.12.2017: Was ist nicht reduzierbare Komplexität?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 18. Mai 2021, 10:14

Rezension: Jw.org - Ist die Bibel wissenschaftlich korrekt? (Teil 1 - Moderne Interpretation alter Schöpfungsmythen)

https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/bibel-und-wissenschaft/

Zu welchem Ergebnis kann eine solche Frage, die die Authentizität der Bibel unterstreichen soll, eigentlich nur führen, wenn sie auf einer Webseite erscheint, die von einer Organisation betrieben wird, die sich bei ihren Lehrmethoden und -inhalten auf jenes Buch stützt? Hm...

Ein kleiner Spoiler vorneweg: Die Antwort ist definitiv nicht unvoreingenommen.

Gehen wir daher Absatz für Absatz diesen Artikel durch und prüfen wir die Aussagen:

Das Universum hatte einen Anfang (1. Mose 1:1). Im Gegensatz dazu wird in vielen alten Legenden gesagt, das Universum sei nicht erschaffen worden, sondern aus dem bereits bestehenden Chaos gekommen. Die Babylonier glaubten, dass die Götter, durch die das Universum entstand, aus zwei Ozeanen kamen. Und nach anderen Legenden schlüpfte das Universum aus einem riesigen Ei.

Jetzt wäre wohl die Frage angebracht, in wie weit sich diese Legenden in ihrer Aussage "Das Universum hatte einen Anfang" unterscheiden. Alle Schöpfungsmythen gehen von einem Anfang aus, ob die der Ägypter, Assyrer, Griechen, Römer oder Babylonier. Und alle hier veranschaulichten Legenden besagen ja eindrucksvollerweise nichts anderes. Wo ist also der Gegensatz?

Der beschriebene babylonische Ansatz passt zum Randall-Sundrum-Modell bzw. zum Branenkosmologie.
Die Branenkosmologie ist eine häufig (aber nicht nur) im Zusammenhang mit der Stringtheorie diskutierte Theorie, die davon ausgeht, dass neben den vier in der Kosmologie üblichen Raumzeitdimensionen noch eine oder mehrere zusätzliche Dimensionen (Extradimensionen) existieren. Die vierdimensionale Raumzeit ist somit eine Hyperebene, die sogenannte Bran (abgeleitet von Membran), die in eine höherdimensionale Raumzeit, den sogenannten Bulk, eingebettet ist. Gewöhnliche Materie ist auf der Bran gefangen, das heißt, sie kann nicht in die Extradimension(en) entweichen. Die zusätzlichen Dimensionen sind deshalb im Alltag nicht wahrnehmbar. Sie haben allerdings Einfluss auf das Expansionsverhalten des Universums, was eine experimentelle Überprüfung dieses Sachverhalts ermöglicht.
Weiterführendes würde hier den Rahmen sprengen. Es hat D-branen zu tun, die wie entgegengesetzte Leiterplatten durch Strings verbunden werden. Und mit Solitonen, was Wellenpakete sind, die nicht miteinander wechselwirken, wenn sie es aber doch tun, "solitätere Welle" heißen. Solche Wellen werden auch in einigen Branen-Hypothesen verwendet. Wenn zwei gigantische Wellen aneinanderstoßen, wie Wellen auf einem Ozean, dann entsteht am Aufschlagpunkt ein Universum. Ich habe jetzt leider keine Grafik zur Hand. Aber das Bild der D-bran und den Ozeanen kann synonym verstanden werden, wenn man diesen alten Text nur modern genug interpretiert. Und genau hier liegt das Problem. Keiner würde den Babyloniern, so clever sie auch waren, unterstellen, dass sie irgendwas über die Stringtheorie wussten, nur weil ein alter Mythos so umgedeutet werden kann.

Die nordische Mythologie geht ebenfalls davon aus, dass die Welt aus dem Nichts in Form des Ginnungagaps entstanden und mit dieser die Zeit und der Raum. Der Weltenbaum Yggrasil, bei ausreichender Umdeutung ein Symbol für Pflanzen schlechthin, war vor den Riesen und Göttern da, definitiv vor den Tieren und dem Menschen, der auch hier zuletzt genannt wird.
Zurück beim babylonischen Mythos, kommt das Land aus den Wassergottheiten Abzu (Süßwasser) und Tiamat (Salzwasser) und beschreibt damit den Vorgang der Landwerdung, wie im Bibelbuch Mose.
Im Griechischen startet alles mit dem Urgott Chaos, dem die Urgöttin Gaia entspringt, die Uranos, den Himmel aus sich selbst heraus gebiert. Diesem folgen die Ourea, die Berge, und Pontos, das Meer. Interessant ist auch, dass bevor die Meere die Welt bedeckten, die Erde ein glühender Steinhaufen war, mit erkalteten Lavabergen und aufbrechenden Vulkanen. Aitna ist übrigens einer der Ourea, benannt nach diesem ist der Vulkan Ätna.
Das könnten wir mit den anderen Mythen wohl genauso durchziehen und hätten bei ausreichender Interpretation für alle natürlichen Vorgänge während der Lebensentstehung eine übernatürliche passende Erklärung.

Einen machen wir noch:
In einem der ägyptischen Schöpfungsmythen entsteht die Erde und das Meer aus dem Sonnengott Atum, der sich zuvor selbst erschaffen hatte (so auch eine Bedeutung seines Namens).
Das ist schon ziemlich nah dran an aktuellen Modellen zur Entstehung unseres Sonnensystems. Ein massereicher Nebel, der sich zur Mitte hin verdichtet. In Gravitationsenken bilden sich weiter draußen die Gasriesen Jupiter und Saturn, sowie die Eisriesen Uranus und Neptun. Dazwischen abertausende Gesteinsbrocken, darunter auch ein glühender Steinhaufen, der fast täglich dermaßen harte Treffer von ebenfalls planetengroßen Brocken abgekommt, dass er in der Anfangszeit selbst fast zerschmettert wird. Dieses Bombardement hört vorerst schlagartig auf, als sich die Sonne in der Mitte des Systems durch ihre Masse beginnt zu erwärmen und sich plötzlich selbst entzündet. Die Sonne erschafft sich quasi "selbst". Durch das sofortige Einsetzen der Kernfusion wird soviel Energie frei, dass Staub und kleinere Brocken weggeblasen werden. Das Material, das auf die noch jungen Planeten krachte, wird deutlich weniger. Die Planeten werden auf größere Umläufbahnen verschoben. Dadurch wurde die Planetenbildung abgeschlossen, da nicht unentwegt immer weitere Kometen und Meteoriten auf die jungen Planeten stürzten. Diese sind dennoch stark aufgeheizt und haben keine feste Oberfläche, aber bereits eine ionisierte Atmosphäre, glühende Erde (entspräche den ersten Schöpfungen des Atum: Schu, der Gott der Luft und Tefnut, Göttin des Feuers), mit instabilen, oft wechselndem Magnetfeld. Stellt euch einen feuerroten Untergrund vor und ein "Nachthimmel, der an den unterschiedlichsten Stellen "Polarlichter" erzeugt.
Durch die beginnende Abkühlung mit gleichzeitiger Ausdunstung aus dem Planeteninneren konnte aus der Dunstglocke erstmals Regen, wenn auch saurer entstehen. Das meiste Wasser aber stammt nach aktuellen Modellen aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Das passt zum Pyramidentext 260, nachdem Horus vom Himmel stürzend (also als Feuerschweif) das Wasser brachte. Es entstehen also Land und Meer.
Bleiben wir beim ersten Mythos, so gebären die Kinder Atums, also der Luftgott Schu und die Feuergöttin Tefnut, die Kinder Geb und Nut. Geb ist der Gott der Erde und Nut, die Göttin des Himmels. Auch das passt prima in die Anfangszeit der Erde. Durch Ausgasung und Zerfallsprozesse in der Luft, entsteht eine erste dünne Atmosphäre, was man grob als Himmel bezeichnen kann, mit Wolkenbändern, einer beginnendenden Filterung von UV- und Gammastrahlung der Sonne und eine Streuung ihres Lichts (Gute Antwort auf die Frage: "Warum ist der Himmel blau?"). Geb entsteht aus der Verfestigung der Erdkuste. Selbst der Garten Eden passt in diesen Schöpfungsmythos, denn die Kinderpaare Osiris und Isis, sowie Seth und Nephthys stellen das fruchtbare Nilschwemmland und die umgebende Wüste dar.
Wie konnten die alten Ägypter schon mehr als 700 Jahre vor Mose an diese noch viel genauere Beschreibung der Entstehung unserer Erde gelangen?

Oh warte, es macht gerade so viel Spass:
Etwas gegensätzlich ist der noch ältere Schöpfungsmythos der Stadt Hermopolis. Start hier die Urgötter, die "Achtheit von Hermopolis", zu 4 Paaren: Nun und Naunet stellten das Urgewässer dar, Heh und Hauhet die Endlosigkeit des Raumes, Kuk und Kauket die Urfinsternis. Das vierte Paar wurde mehrfach ausgetauscht, bestand aber ab dem Neuen Reich in Amun und Amaunet, die die Unsichtbarkeit und die Luft symbolisierten. Das erste Paar kann man mit den Grundelementen des Weltalls vergleichen, was mit überwältigender Mehrheit Wasserstoff darstellt, aber auch Sauerstoff ziemlich weit vorne einreiht. Die Endlosigkeit des Raums, wird in der biblischen Schöpfungsgeschichte gar nicht thematisiert, kann aber eben auf die unglaublichen Räume des Universums angewendet werden. Auch die Urfinsternis passt hervorragend, war das Universum in den ersten 300.000 Jahren doch durch die enorme Hitze sehr "milchig", danach aber finster. Erst nach etwa 400 Millionen Jahren entstanden die ersten Sterne. Die Götterpaare werden als die Mütter und Väter des Sonnengottes bezeichnet. Passt schon wieder auffallend. Dieser brachte das Licht in die Welt und steht am Beginn aller weiteren Schöpfung.

Finden sich bei genauer Analyse in anderen Schöpfungsmythen noch weitere mit der aktuellen Wissenschaft in Einklang zu bringende Erkenntnisse?
Oder handelt es sich um moderne Interpretationen alter Texte?


"Glühbirnen" von Dendera
(Relief an der Südwand der Krypta)

Warum jetzt dieses Bild? Nun, in Esoterikerkreisen ist dies ein klarer Hinweis darauf, dass die Ägypter bereits Elektrizität nutzten. Warum sonst sollten die Glühbirnen darstellen. Die Vergleich liegt nahe. Aber eben erst seit ca. 170 Jahren. Zahlreiche Patente für Glühlampen wurden ab den 1850er Jahren angemeldet. Die Entwickler scheiterten mit der Herstellung länger haltender Glühlampen zunächst an der Vakuumtechnik. Nach Erfindung und Verbreitung der Vakuumpumpe intensivierten sich in den 1870er Jahren die Konstruktionsanstrengungen in verschiedenen Ländern mit der Folge zahlreicher Patentanmeldungen. Die Brenndauer der Konstruktionen lag jedoch bei unter zehn Stunden. Neben der Haltbarkeit der Lampen wurde das Problem des Energieverbrauchs ein Schwerpunkt der Bemühungen. 1874 erhielt Alexander Nikolajewitsch Lodygin in Russland ein Patent auf eine Glühlampe mit einem Kohlefaden oder einem dünnen Kohlestift in einem mit Stickstoff gefüllten Glaskolben. Der britische Physiker und Chemiker Joseph Wilson Swan entwickelte 1860 ebenfalls eine Glühlampe, bei der er als Glühfaden verkohltes Papier in einem luftleeren Glaskolben benutzte. Erst 1878 gelang ihm die Herstellung einer praktisch brauchbaren elektrischen Glühlampe. Er erwarb sein Patent in England 1878 somit zwei Jahre früher als Edison sein vergleichbares Patent in den USA. Letzterer wird trotzdem fälschlicherweise als Erfinder der Glühbirne bezeichnet (#1).

Pseudowissenschaftlichen Autoren wie Peter Krassa, Reinhard Habeck, Erdoğan Ercivan oder Erich von Däniken zufolge stellen die abgebildeten Objekte frühe, ägyptische Glühlampen dar. Die Reliefs werden von religiösen Texten begleitet, deren Hieroglyphendarstellungen und Schreibungen angeblich nicht den herkömmlichen entsprechen. Die Reliefs sollen gemäß der Prä-Astronautik beweisen, dass damals Technologien bekannt waren und genutzt wurden, die denen von heute entwicklungstechnisch nahekommen. Außerdem sollen in den Darstellungen und Texten Hinweise versteckt sein, wonach die ägyptischen Götter als Außerirdische die Ägypter besucht und ihnen den Umgang mit hochentwickelter Waffentechnologie beigebracht hätten.

Der Ägyptologie zufolge zeigen die Dendera-Reliefs den allmorgendlichen Aufgang der Sonne in allegorischer Form, wie sie etwa seit dem Neuen Reich traditionell überliefert ist. Die begleitenden Texte enthalten Sprüche und Phrasen, welche die rein religiös-kultischen Aussagen der Bilder untermauern. Die Wandbilder zeigen demnach den ägyptischen Gott Harsomtus in Gestalt einer Schlange am Morgenhimmel, der aus der Unterwelt in Form des Mutterleibs der Himmelsgöttin Nut emporsteigt. Harsomtus und Unterwelt treten gemeinsam aus einer sich öffnenden Lotosblüte hervor. Begleitet wird Harsomtus von verschiedenen Luftgottheiten, beschützt wird er von Upu in Gestalt eines messerbewehrten, aufrecht stehenden Pavians. Die vermeintlich unkonventionellen Hieroglyphen wurden 1991 von Wolfgang Waitkus übersetzt und die einzelnen Bildkomponenten der Reliefdarstellungen ihren Funktionen und Götterfiguren zugeordnet.

Das wäre ein ganz eigenes Thema, zeigt aber eindrucksvoll, wie die moderne Interpretation tüchtig in die Hose gehen kann. Moderne Gegenstände und Kenntnisse werden auf die Gedankenwelt einer alten Sage projeziert und daraus dann extrapoliert, dass der frühe Schreiber/Dichter/Denker, dass ja ohne Eingebung von oben nicht hätte wissen können.
Das trifft auf diese "Glühbirnen" zu und genauso auf die verschiedenen Schöpfungsmythen, von denen ich hier nicht alle beleuchten kann. Dementsprechend ist der Schöpfungsmythos der Bibel insofern korrekt, dass er von einem Anfang ausgeht, so wie alle kritisierten Mythen auch, die ja so grundlegend anders sein sollen.

Wir gehen im nächsten Teil weiteren Hypothesen nach, warum die Bibel und deren mythologische Vorstellungen besser sein sollen, als die anderer Völker.

We are all atheists about most of the gods that humanity has ever believed in. Some of us just go one god further.
(Wir sind alle Atheisten, was die meisten Götter angeht, an die die Menschheit je geglaubt hat. Manche gehen halt einen Gott weiter.)
- Richard Dawkins, Evolutionsbiologe


#1 - Edisons Glühlampe bestand aus einem evakuierten Glaskolben mit einem Kohleglühfaden aus verkohlten Bambusfasern. Zahlreiche Verbesserungen, insbesondere bei der Präzisionsherstellung des Glühfadens, führten zu Glühlampen, mit denen Edison den Wettbewerb gegen die damals üblichen Gaslampen erfolgreich aufnahm. Haltbarkeit, Lichtausbeute und Energiekosten spielten dabei eine Rolle. Edisons Glühlampen waren im Unterschied zu Swans Lampen mit hochohmigen Glühfäden ausgestattet, die zwar schwierig herzustellen waren, den Einsatz in elektrischen Netzen jedoch wesentlich vereinfachten und verbilligten. Bei hoher Spannung für hochohmige Verbraucher konnte elektrische Energie einfacher transportiert werden, und die möglichen geringeren Kabelquerschnitte sparten erhebliche Kupfermengen. Dadurch wurde ein Energieversorgungsnetz für Elektrizität technisch machbar und mit Netzen für Gaslampen wettbewerbsfähig. Insbesondere konnte Edison mit seinen hochohmigen Lampen auch das Problem der Teilbarkeit des Lichts lösen; alle vorherigen Lösungen erforderten für wenige Lampen jeweils eine eigene Stromquelle. Deswegen wird die Erfindung der praktisch nutzbaren Glühlampe gemeinhin Thomas Alva Edison zugeschrieben. Edisons Konstruktion war die erste Glühlampe, die nicht nur in geringer Stückzahl in Werkstätten hergestellt wurde, sondern in einer eigens errichteten Fabrik in Serienfertigung ging.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mi 19. Mai 2021, 11:06

Rezension: Jw.org - Ist die Bibel wissenschaftlich korrekt? (Teil 2 - Uraltes Wissen und Willkür)

Wir haben noch viele weitere Anhaltspunkte abzuarbeiten, warum die Bibel wissenschaftlich korrekt sein soll, die anderen Religionen aber allesamt dummes Menschenwerk sind. Wir beziehen uns daher weiter auf den gleichen Artikel:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/bibel-und-wissenschaft/

Gehen wir also weiter Absatz für Absatz durch:

Das Universum wird überall von Naturgesetzen bestimmt, nicht von den Launen irgendwelcher Gottheiten (Hiob 38:33; Jeremia 33:25). Dagegen erzählen Legenden und Sagen aus aller Welt, dass Menschen hilflos den unberechenbaren und teilweise grausamen Göttern ausgesetzt sind.

Nun sind die Sintflut, die Zerstörung von Sodom und Gomorra, das Erdbeben bei der Rebellion gegen Moses, sowie die 10 Plagen ja ganz eindeutig übernatürlichere Eingriffe, und können demnach auch als Launen einer Gottheit gewertet werden (mal abgesehen davon, dass sie archäologisch nicht nachweisbar sind und demnach ebenso ins Reich der Märchen gehören).
Bleiben wir kurz bei der ägyptischen Variante: Der regelmäßige Sonnenauf- und untergang, sowie sowie andere wiederkehrende Ereigbnisse, wie die Nilschwemme, nach der einer der ältesten Kalender der Welt gesetzt wurde, zeigen ganz deutlich, dass Gesetzmäßigkeiten in den Pantheons dieser Welt keinen anderen Stellenwert hatte, als beim Hirtenvolk aus Vorderasien. Regelmäßigkeiten waren wichtig, für den Zeitpunkt der Aussaat, der Regenfälle, der Ernte. Dass das ganze regelmäßig abläuft wussten alle Völker, die sich auf Sterndeuterei verstanden. Denn den Lauf der Sterne studierten sie penibel. Ernteausfälle in Folge von Dürren schoben sie freilich irgendeiner zornigen Gottheit zu, die man erst besänftigen musste. Aber sowas gibt es bei den Isrealiten nicht. Ein Gott der ins Erntegeschehen eingreift ... lächerlich. Oder etwa doch?
In 1. Mose Kapitel 41 geht es um 7 Jahre der reichen Ernte (dargestellt durch 7 fette Kühe und 7 volle Ähren), auf die 7 Jahre der Hungersnot folgen (7 magere Kühe, die die fetten auffressen, und 7 dünne Ähren, die die guten verschlingen). Hat Gott das nur vorrausgesagt oder selbst was veranlasst? Lesen wir in 1. Mose 41 die Verse 28 ("Das meinte ich, wenn ich gesagt habe zum Pharao, dass Gott dem Pharao zeigt, was er vorhat." Lutherbibel) und 32 ("Dass aber der Pharao zweimal geträumt hat, bedeutet, dass Gott solches gewiss und eilends tun wird."). Auch in 1. Buch der Könige im Kapitel 18 wird von einer Dürre berichtet, die Gott herbeigeführt hat, um die Sinnlosigkeit der Anbetung des Regengottes Baal zu verdeutlichen und sein abgefallenes Volk zu strafen. Von unnatürlichen Finsternis als 9. der 10 Plagen, der stillstehenden Sonne zu Gibeon im Buch Josua und der 3-stündigen Finsternis am Tage des Todes Jesu abgesehen. Das alles sind willkürliche Eingriffe in die Naturgesetze.

Die Erde schwebt im leeren Raum (Hiob 26:7). Aber früher glaubten viele, die Erde sei eine Scheibe, die von riesigen Tieren getragen wird, wie zum Beispiel von einem Büffel oder einer Schildkröte.

Der verlinkte Bibeltext ist vermutlich ebenso eine Fehlinterpretation moderner Erkenntnisse in uralte Texte. "Hängt die Erde auf an nichts", kann auch auf ruhende, liegende Erden angewandt werden. Vielleicht wird die Erdgestalt und ihre Position im All aber auch deswegen als herausragend beschrieben, weil die Zeugen Jehovas das Buch Hiob als von Mose selbst verfasst ansehen und der soll seine Bücher von 1513-1473 v.u.Z. geschrieben haben. Dann wäre es tatsächlich erstaunlich. Das Alter der Schriften Mose wird aber nach aktuellem Forschungsstand deutlich niedriger angesetzt (#1). Demnach könnten die Ideen des Pythagoras zur Kugelform bereits bekannt gewesen sein. Darauf bin ich aber schon mehrfach eingegangen.

Zwei Links auf dem Flat-Earth-Thread
... 002, 12.02.2018: Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 1: Die Erdscheibe (ursprünglich in Evolution oder Schöpfung am 05.12.2017 veröffentlicht)
... 003, 09.05.2018: Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 2: Christoph Kolumbus (Die Erdscheibe 2.0) (ursprünglich in Evolution oder Schöpfung am 12.02.2018 veröffentlicht)

Das Wasser unterliegt einem Kreislauf: Es verdunstet, fällt als Regen, Schnee oder Hagel auf die Erde und kommt dann zum Beispiel in Quellen und Flüssen wieder an die Oberfläche (Hiob 36:27, 28; Prediger 1:7; Jesaja 55:10; Amos 9:6). Im alten Griechenland glaubte man, die Flüsse würden aus einem unterirdischen Ozean entspringen. Diese Vorstellung hielt sich bis ins 18. Jahrhundert.

Die Überlegung der Griechen ist ja nicht grundverkehrt, war das Grundwasser ja als solches allen Völkern unbekannt. Man hat dennoch Brunnen gegraben und ... oh Wunder ... Wasser gefunden. Auch dazu habe ich schon einmal etwas verfasst.

... 037, 09.03.2018: Über die göttliche Autorenschaft der Bibel - Teil 2: Wasserkreislauf

Gebirge heben und senken sich; heutige Gebirge waren früher unter der Meeresoberfläche (Psalm 104:6, 8). Im Gegensatz dazu sagen viele Mythen, dass die Gebirge in ihrer jetzigen Form von den Göttern geschaffen wurden.

In Hiob 36 wird davon gesprochen, dass die Pfeiler und Ecksteine der Erde gesetzt werden, was ebenso für einen dauerhaften, nicht veränderlichen Charakter spricht. Psalm 104:6, 8 liest sich bereits anders, wenn man die Sintflutlegende aus 1. Mose 6-8 hinzuzieht, wo ja der Legende nach selbst die höchsten Berge von Wasser bedeckt gewesen sein sollen. Vor kaum mehr als 4.000 Jahren. Und es obliegt wieder der eigenen Erkenntnis, ob der Psalm-Text modernem Wissen entspricht oder nicht oder ob man das hineinliest, was heute bekannt ist.
Und strenggenommen kommt jede Landmasse aus dem Meer. Auch das Erzgebirge, das aus marinen und nicht-marinen Bestandteilen zusammengesetzt ist (es ist deutlich älter als die Alpen, die aus dem Meer aufstiegen, dass sich schloss als Italien von Afrika in Europa gedrückt wurde), kommt schlussendlich aus dem Meer.
Aber auch andere Mythen gehen von der Geburt des Landes und der Berge aus dem Schoß des Meeres aus. Der bereits erwähnt ägyptische Gott Geb, Erdgott und Brudergemahl der Himmelsgöttin Nut, stammt vom Luftgott Schu und der Feuergöttin Tefnut ab. Auch nicht ganz unpassend, sind alle Gesteine doch ausgekühlte feurige Lavaklumpen. Und Luft schleift immerhin die Gebirge, lässt sie erodieren. So viel Fantasie benötigt man also auch dafür nicht, um das hinzubiegen, wie es gerade passt.

Hygiene trägt zur Gesundheit bei. Das Gesetz, das Gott dem Volk Israel gab, enthielt verschiedene Hygienevorschriften, zum Beispiel was zu tun war, nachdem jemand eine Leiche berührt hatte, Quarantänebestimmungen bei ansteckenden Krankheiten sowie Anweisungen zur Entsorgung von Exkrementen (3. Mose 11:28; 13:1-5; 5. Mose 23:13). Im Gegensatz dazu war es in Ägypten zu jener Zeit üblich, eine offene Wunde mit einer Mixtur zu behandeln, die menschliche Exkremente enthielt.

Ieh ... Aber obacht, die Ägypter hatten auch echt clevere Einfälle. Die Schminke, die sie verwendeten war nicht nur ein optisches Schmankerl, sondern half auch Rötungen der Augen durch herumwirbelden Sand zu verringern und generell die Augen durch verlängerte Wimpern zu schützen. Beide Geschlechter verwendeten schwarzen Kajal, um die Augen zu umranden und mit einem Lidstrich zu versehen. Der Kajal wurde in Form eines Pulvers verwendet, das in Alabasterschälchen aufbewahrt und leicht angefeuchtet mit einem dünnen Stäbchen aus Silber, Elfenbein, Horn oder Holz aufgetragen wurde. Er bestand aus Ruß, Bleiglanz, Manganoxiden, schwarzem Eisenoxid sowie Magnetit und sollte vor gleißendem Sonnenlicht ebenso schützen wie durch seine antiseptische Wirkung vor Augeninfektionen.
Auch die Rasur, die die Ägypter regelmäßig betrieben, half. Parasiten können sich an haarfreier Haut nicht so gut festhalten, wie an behaarter Haut. Die Griechen hatten sogar eine Göttin, die für Gesundheit und Hygiene stand und der sich unter heutiger Begiff Hygiene ableitet. Die ersten Schamhaarentfernungen sind 4000-3000 v.u.Z. mit Haarentfernungsmittel aus Harzen, Pflanzenextrakten, Eselsfett, Fledermausblut und Pech gemacht worden.
Das regelmäßige Bad oder die regelmäßige Waschung haben nicht die Israeliten erfunden, sondern die orientalischen Völker vor ihnen, wo es bis heute gelebt wird.
Die Quarantäne hat auch Hippokrates (um 460 - um 370 v.u.Z.) angewandt. Was uns wieder zum Alter der Bibelbücher Mose führt (#1).
Wer gab den Ägyptern die Weisheit für ihre Operationen von Abszessen und Tumoren, das Richten (Reposition) von Knochenbrüchen und die Behandlung von Verbrennungen? Der Papyrus Ebers enthält nämlich neben diesen Heilanleitungen auch viele Beschreibungen von Krankheiten und deren Symptomen und Diagnosen, Zubereitung von Heilmitteln, zum Beispiel gegen Verletzung, Parasiten und Zahnbeschwerden, aber auch gynäkologische Tipps, wie beispielsweise für die Empfängnisverhütung. Des Weiteren enthält er eine Abhandlung über Herz und Gefäße. Obwohl die Ägypter wenig über die Existenz der Nieren wussten und das Herz als Treffpunkt verschiedener Gefäße des Körpers - nicht nur Blut, sondern auch Tränen, Urin und sogar Sperma - betrachteten, erkannten sie nicht nur das Vorhandensein von Blutgefäßen im ganzen Körper, sondern auch die Funktion des Herzen als dessen Zentrum. Im Gegensatz zu den Hygienevorschriften der Bibel kann der Eberspapyrus ziemlich sicher auf die Zeit zwischen 1531 und 1516 v.u.Z. datiert werden (kann aus dem Eintrag des heliakischen Aufgangs von Sirius errechnet werden).
Medizingeschichtlich ergänzt wird der Papyrus Ebers durch das 1862 ebenfalls in Theben entdeckte Papyrus Edwin Smith, das auf das Ende der 12. Dynastie (etwa 1780 v.u.Z.) zurückgeht und sich vor allem mit Chirurgie beschäftigt. Im Gegensatz zu anderen medizinischen Papyri handelt es sich um ein Anwendungsbuch, das nahezu frei von magischen Praktiken ist.
Wir haben auf der einen Seite also die göttlich offenbarten Quarantäne- und Hygienebestimmungen, die Moses aufgeschrieben haben soll und auf der anderen Seite medizische, chirurgische, anatomische Anleitungen und Abhandlungen die ziemlich zweifelsfrei aus der Zeit stammen, in der laut Zeugen Jehovas der Exodus stattgefunden haben soll, bzw. sogar noch älter sind.
Was ist so viel weiser daran, eine Anleitung für den Abort zu schreiben, als für operative Eingriffe an offenen Schädeldecken?

Es wird doch ein Dreiteiler. Dachte ich anfangs gar nicht.

#1 - Datierung der Niederschrift des Hiobbuches

Die früheste Grundschicht der Rahmenerzählung (Hiob 1:1–21; 42:12–17) kann vorexilisch sein, wird aber meist auf die frühe Zeit nach dem Babylonischen Exil (586–539 v. Chr.) datiert. Denn ihre Hauptperson ist ein Nichtisraelit und sie behandelt ein allgemeines theologisches Problem, ähnlich wie andere nachexilische Bücher. Die Himmelsszenen sind sicher frühnachexilisch, weil "Satan" darin anders als in 1.Chronika 21:1 noch kein Eigenname ist, sondern wie in Sacharja 3:1 einen "Ankläger" als menschenfeindliches Himmelswesen bezeichnet. Die Kunstform und theologische Reflexion der gedichteten Dialogreden setzt die traditionelle jüdische Weisheitsliteratur voraus. Kritik am Tun-Ergehen-Zusammenhang kam frühestens mit Kohelet (Hohelied) auf. Hiob 12:9 zitiert offenbar den Exilspropheten Deuterojesaja (Jes 41:20). Hiob 14:7–22 weist wie Kohelet 3:16–22; 9:5–10 eine Ansicht vom Fortleben nach dem Tod zurück, die frühestens seit 500 v. Chr. im Judentum aufkam. Wegen der Nähe zum Kynismus waren die Redenautoren eventuell mit hellenistischer Kultur vertraut. Im Aristeasbrief (um 100 v. Chr.) waren Elihus Reden bereits bekannt. Aus diesen und weiteren Gründen wird die Entstehung des Buchs von legendarischen Anfängen bis zur Schlussredaktion auf 500 bis 100 v. Chr. datiert.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 20. Mai 2021, 11:25

Rezension: Jw.org - Ist die Bibel wissenschaftlich korrekt? (Teil 3 - Schöpfung und Form der Erde)

Die Göttlichkeit der Naturgesetze und der unbedingte Unterschied zu den anderen Völkern war ja leider bei genauerer Betrachtung ein Reinfall, da auch diese ziemlich viel Wissen und korrekte literarische Umschreibungen in ihren Texten hinterließen, die auch ohne Wink von oben als Erklärungsmodell auskommen. Bleiben wir also auch diesmal bei dem verlinkten Text:
https://www.jw.org/de/biblische-lehren/fragen/bibel-und-wissenschaft/

Gehen wir also weiter Absatz für Absatz durch:

Den ersten Teil mit den Schöpfungstagen habe ich bereits in der letzten Rezension bearbeitet. Es bleibt: Mit den Formulierungen wie "ein neuer Morgen" und "ein neuer Abend" liegt die Idee eines 24-Stunden-Tages schon erschreckend nahe. Man kann Kurzzeitkreationisten also nicht wirklich vorwerfen, die Bibel hier misszuinterpretieren.

Eine recht freie Interpretation wiederum ist der Einwand, dem zu begegnen, dass die Pflanzen vor der Scheidung von Sonne und Mond stehen. Natürlich können wir jetzt von diffusem Licht ausgehen, dass die ersten "Tage" herrschte und langsam aufklarte, aber davon finden wir nichts im Bibelbuch Mose. Außerdem soll ja noch das Wasser in der Luft herumschweben (total wissenschaftlich eben), dass dann später zur Sintflut herunterkam und die Berge bedeckte. Denn wir wissen ja, die Naturgesetze, die widerspruchsfrei zum Christlichen Glauben sind, zeugen beständig von fliegendem Wasser. Und ich meine keine Wolken, die eine so geringe Dichte aufweisen, dass sie tatsächlich abertausende Tonnen Wasser kilometerhoch in der Luft "halten". Ich meine schwebendes Wasser, wie es die Ausdehnungen über den Himmeln gewesen sein soll.
Es kann je nach Wölbung übrigens zu einem Linseneffekt kommen, der bestimmte Areale am Boden aufheizt. Vorrausgesetzt, dieses fliegende Wasser ist dünner als 800 Meter. Andernfalls ist es einfach nur recht finster auf Erden. Gehen wir von einer gleichmäßigen Verteilung um den den Erdball aus, ließe sich die Dicke dieser fliegenden Wasserdecke sogar berechnen, wenn man nur wüsste in welcher Höhe sie gewesen sein soll.
Aber so, haben wir wieder nur die recht bedeutungsschwangere, aber unbestätigte Aussage, das die Bibel von diffusem Licht und sich aufklärender Atmosphäre spricht. Das bakterielles und virulentes Leben übrigens bedeutend älter ist, als die ältesten Familien der Pflanzen lassen wir, wie der JW.org-Artikel lieber unter den Tisch fallen. Es ist befriedigend einfach die Lebewesen so einzuteilen, wie es in den letzten Jahrtausenden der Fall war: Tiere und Pflanzen.

Sonnenauf- und untergang ist natürlich nicht zu wiederlegen, da in jedem Kulturkreis und auch unter Astronomen so gesprochen wird, und die müssten es ja besser wissen. Aber unsere Welt ist nunmal so gebaut, dass sie vom menschlichen Standpunkt so aussieht, wie sie aussieht. Das sich die Erde dreht und die Sonne "still" steht, ist nicht intuitiv erlebbar. Also sprechen wir aus der Sicht eines Menschen, der auf dem Erdboden "ruht".
Aber das die Bibel das geozentrische Weltbild propagiert, hatte ich ja schonmal erörtert, habe die Rechnung hier unten nochmal angeführt (#1).

Die Erklärung der Erdscheibe habe ich erst in der letzten Rezension verlinkt.

... 002, 12.02.2018: Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 1: Die Erdscheibe (ursprünglich in Evolution oder Schöpfung am 05.12.2017 veröffentlicht)
... 003, 09.05.2018: Wissenschaft irrt sich auch! - Teil 2: Christoph Kolumbus (Die Erdscheibe 2.0) (ursprünglich in Evolution oder Schöpfung am 12.02.2018 veröffentlicht)

Und die Rundung von Pi wirkt mir als sehr konstruierter Vorwurf. Habe ich selbst so noch nie gehört oder gelesen.

Selbstverständlich hat man sich hier aber lediglich Themen ausgewählt, die bestätigt sind oder die man für die eigenen Zwecke umdeuten kann. Das Thema Evolution oder Schöpfung lässt man komplett aus.

Es bewahrheitet sich aber wieder einmal. Nicht überall wie "Fakt ist" davorsteht ist auch Fakt drin.

Eine weitere passende Auseinandersetzung, quasi eine Fortsetzung findet sich in der Artikelreihe beginnend mit:
... 021, 18.08.2021: Referenzartikel: Die Position und Form der Erde laut Bibel (Teil 1)

# 1 - Weitere Indizien, die ein geozentrisches Weltbild in der Bibel stehen

Die dreitägige Finsternis der 9. Plage (2. Mose 10-20:23) und die stillstehende Sonne zu Gibeon (Josua 10:12-13). Beides verlangt entweder das Stoppen oder Hinwegbewegen der Gestirne oder dem Stoppen des Drehimpulses der Erde. Bei einer statischen Erde mit einer den Sternen zugewandten und einer angewandten Seite (was auch immer dann zu sehen wäre) ist die austretende Wärmeenergie, die durch den Energieerhaltungssatzes durch die Umwandlung der Bewegungsenergie entsteht, weniger relevant, als die ebenfalls austretende Wärmeenergie durch die Umwandlung der Bewegungsenergie aus dem Drehimpuls der Erde.
Wenn die Erde gestoppt wird kann man die umzuwandelnde Energie errechnen. Die Masse der Erde ist bekannt und ihre mittlere Drehgeschwindigkeit auch.

Die kinetische Energie der Drehbewegung der Erde errechnet sich aus ihrer Translationsenergie (E trans) addiert zur Rotationsenergie (E rot).

Die Rotationsenergie ergibt sich wie folgt: E rot = 1/2 * 2/5 * mr² * w²
Die Translationsenergie ergibt sich wie folgt: E trans = 1/2 mv²

In Summe: E kin = 1/2 mv² + 1/2 * 2/5 mr² * w²

Das sieht komplizierter aus, als es ist. Die Winkelgeschwindigkeit w² entspricht v²/r². Das können wir einsetzen und danach die Formel einkürzen.

E kin = 1/2 mv² + 1/2 * 2/5 mr² * v²/r²

r² kürzt sich raus.

E kin = 1/2 mv² + 1/2 * 2/5 mv²
E kin = 5/10 mv² + 2/10 mv²
E kin = 7/10 mv²

Die Rotationsgeschwindigkeit der Erde lässt sich errechnen aus der Zeit, die eine Drehung um die eigene Achse dauert und der Strecke, die am Äquator zurückgelegt wird, dessen Umfang aus der Formel U = 2 Pi * r zu errechnen ist. Der Erdradius ist dabei 6371 km. Wir kommen daher auf 1667,924 km/h beziehungsweise 463,312 m/s.
Die Masse der Erde beträgt 5,9722 * 10^24 kg (5,97 Trilliarden Tonnen).
Setzen wir diese Werte nun in obige Formel E kin = 7/10 mv² ein, ist das Ergebnis: 897386,395 * 10^24 kg * m²/s².

Die Einheit kg * m²/s² ist aber sehr umständlich, also ersetzen wir auch diese.
kg * m/s = N (Newton, Kraft)
kg * m²/s² = J (Joule, Energie)
kg * m²/s³ = W (Watt, Leistung)
Demnach haben wir knapp 900 * 10^27 J. Das entspricht umgerechnet etwa der Leistung von 128 Trilliarden Cerankochfeldern (ca. 7000 Watt). Und das wiederum sind auf jeden der 510.064.471.909.788,275 m² (A = 4r² Pi) je 250.948.668 Cerankochfelder Leistung.
Der Vergleich mit Kochgerätschaften ist nicht von ungefähr: Tatsächlich wird die Erde Impulsänderungen durch den Energieerhaltungssatz in Wärmeenergie umwandeln. Die Erdkruste würde verdampfen, mitsamt den armen Lebewesen darauf.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 4. Jun 2021, 23:09

Video: Rebuttals: irreducible complexity | QualiaSoup (9:46 min, engl.)

Aufgrund seines Videos Irreducible complexity cut down to size das ich am 16.05.2021 hier einbettete, wurde QualiaSoup von Verfechtern der kreationistischen Ideen konfrontiert, die ihm Unredlichkeit oder Unwissenschaftlichkeit und grobe Fehler nachweisen wollten. Auf diese Kritik geht er in folgendem Video ein.


https://m.youtube.com/watch?v=As1HlmYeh7Q

Link zum 1. Video:
... 114, 16.05.2021: Video: Irreducible complexity cut down to size | QualiaSoup (10:53 min, engl.) (ursprünglich in Kritisch denken veröffentlicht)
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 8. Jun 2021, 09:43

Video: Wie dumme Einzelteile zusammen intelligent werden - Emergenz | Kurzgesagt (7:20min)


https://m.youtube.com/watch?v=pb4YoMjcYM4

Veröffentlicht am 14.08.2019

Wie können viele dumme Einzelteile zusammen etwas Cleveres ergeben? Wie können aus Proteinen lebende Zellen entstehen? Wie wird aus vielen Ameisen eine Kolonie? Was ist Emergenz?
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Fr 11. Jun 2021, 15:37

Vatikan rehabilitiert Darwin

Vielleicht ist es aufgefallen: Es sind 5 weitere Beiträge in das Thema "Kritisches denken" verschoben worden.

Die Rehabilitierung war immerhin schon 2009 der Fall.
Ja, diese Nachricht war am 11. Februar 2009 sogar in der Times (#1). Sie ist hierzulande allerdings ziemlich untergegangen. Es war auch gerade Banken- und Weltwirtschaftskrise.

Das Kriegsbeil ist begraben? Dann können wir ja endlich diese leidlichen Diskussionen beenden, oder?
Das Kriegsbeil ist natürlich nicht begraben. Fast alle Rezensionen, die ich bisher veröffentlicht habe, sind aus der Zeit nach 2009. Denn auch, wenn die große katholische Kirche und deren Offizielle erklären, dass die Evolutionstheorie mit dem christischen Glauben kompatibel sei, so haben sie offenbar noch nicht so recht verstanden, was solche Aussagen für eben jenen Glauben bedeuten. Wenn wir den Kreationismus also einstampfen, dann gibt es auch keinen Kreator. Gleichzeitig wird aber anscheinend auch "Intelligent Design" abgelehnt, der nach Auffassung der ID-Bewegung selbst so eine Art Brücke schlagen soll, zwischen empirischen Daten und Gottglauben. Auch wenn das offiziell kein Statement ist.
Die Evolutionstheorie kommt zumindest ganz gut ohne Gott aus, auch wenn der Ursprung des Lebens nicht geklärt ist und es auch Lücken im Entwicklungsprozess vieler Arten gibt, wird nichts dadurch evidenter, dass wir in die Löcher Gott setzen.

Hier ein paar Auszüge aus dem Times-Artikel:
The Vatican has admitted that Charles Darwin was on the right track when he claimed that Man descended from apes.

A leading official declared yesterday that Darwin’s theory of evolution was compatible with Christian faith, and could even be traced to St Augustine and St Thomas Aquinas. “In fact, what we mean by evolution is the world as created by God,” said Archbishop Gianfranco Ravasi, head of the Pontifical Council for Culture.

Wow, nach 150 Jahren gesteht man Darwin zu, dass er mit seiner Abstammungslehre recht hatte, auch wenn der Mensch nicht vom Affen abstammt, sondern von einem gemeinsamen Vorfahren der beiden. Schwamm drüber, das würde jetzt für die alten Herren in ihren schicken Kleidern zu kompliziert. Cool ... Warte mal: "In fact, what we mean by evolution is the world as created by God"
Was? "In der Tat meinen wir mit Evolution die Welt, wie sie von Gott geschaffen wurde" (Übersetzung von mir). Also sowas wie theistische Evolution? Ja, dann tritt ja wieder das Problem mit der Erbsünde auf, wie ich schonmal erläuterte:

... 002, 02.10.2017: Einmal Evolution light, bitte! - Probleme der theistischen Evolution

Kurz: Wenn die Schöpfung stimmt, dann gab es einen separaten Adam, den Urahnen aller heute lebenden Menschen. Zusammen mit Eva haben sie von der verbotenen Frucht gegessen, damit Gottes Gebot übertreten und sind mit der Sünde und mit Sterblichkeit bestraft worden. Diese Sünde wird wie ein Gendefekt an die kommenden Generationen, also auch an uns weitergegeben. Also sind wir alle Sünder, unvollkommen und sterblich. That's it. Das ist das Lehrverständnis der Erbsünde. Ein ganz zentraler Punkt im jüdischen, christlichen und islamischen Glauben. Ohne die Erbsünde ist zum Beispiel das Lösegeld eines vollkommenen Menschen völlig überflüssig. Die Erbsünde und der Opfertod Jesu sind die zentralen Säulen des christlichen Glaubens.

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
- Johannes 3:16, Lutherbibel 2017

Wenn die Evolution aber stimmt, und "Man descended from apes", wie es "The Vatican has admitted", dann gibt es keinen klar definierten ersten Menschen. Die Grenze zwischen Ahne und Erbe ist fließend. Es blobbt nicht plötzlich ein haarloser Affe irgendwo auf, der dann Mensch heißt. Wenn es aber keinen ersten Menschen in diesem Sinne gibt, wer hat dann gesündigt?
Ja, es gibt ihn, den genetischen Flaschenhals, also eine in der Populationsgenetik damit bezeichnete genetisch Verarmung. Der bezieht sich beim Menschen allerdings auf eine Zeit vor 70.000 bis 80.000 Jahren und betrifft eine Populationsstärke von 1.000 bis 10.000 Menschen, die größtenteils in Afrika lebten. Möglicherweise, aber das ist umstritten, hängt dies mit der Super-Eruption des Vulkans Toba auf Sumatra vor etwa 74.000 Jahren zusammen. Auf den genetischen Flaschenhals werde ich aber nocheinmal genauer eingehen, wenn ich mir die "mitochondriale Eva" und den "Adam des Y-Chromosoms" genauer anschaue.

Ich sehe da nicht das Puzzlestück, dass diese beiden Ansichten zur Herkunft des Menschen und dem Grund seines Daseins zusammenfügen kann.
Entweder: Wir sind separat geschaffen und die Erbsünde durch Adam ist real.
Oder: Wir sind Verwandte der anderen Affen über einen gemeinsamen Vorfahren und es gibt keinen ersten Menschen, der diese Sünde begangen haben kann. Wofür ist Jesus dann gestorben?

Hier noch weitere Zitate von verschiedenen Kirchenoffiziellen aus dem Artikel:

biological evolution and the Christian view of Creation are complementary

Wie gerade belegt, sind die beiden ungefähr so komplimentär wie Tag und Nacht, Feuer und Eis, Prince und Michael Jackson.

The time has come for a rigorous and objective valuation of Darwin by the Church.

Nach 150 Jahren. Nicht schlecht. Galileo wurde zwar schon 1992 rehabilitiert, immerhin 17 Jahre vor Darwin, aber das war auch erst 360 Jahre nach seinem Hausarrest. Luther wartet heute noch im Fegefeuer.

I maintain that the idea of evolution has a place in Christian theology.

Das mag ja sein, beruht aber nicht auf Gegenseitigkeit. Unabhängig des Glaubens des jeweils Forschenden kommen wissenschaftliche Theorien, wie die der Evolution auch prima ohne Gott aus.

Am Anfang stehen Fragen:
Warum ähneln gewisse Fossilien lebenden Tieren und sind meistens geographisch in ähnlichen Regionen anzutreffen?
Warum ähneln sich lebende Arten teilweise so sehr?
Woher kommen die Unterschiede von Tierarten die geographisch abgetrennt sind?
Solche Ideen Fragen hatten natürlich auch schon Naturforscher vor Darwin. Sein Verdienst ist, zeitgleich mit Alfred Russell, die Ansätze seiner Zeit auszuformulieren und in einer Theorie zusammenzufassen. Linnes Kladogramme und Systematisierung der Natur ebenso, wie Lamarcks Ansatz der Vererbung erworbener Eigenschaften.

Die Evolutionstheorie wäre nicht so unglaublich radikal gewesen, wenn sie so simpel vereinbar wäre mit dem christlichen Glauben. Darwin hätte zeitlebens keine inneren Konflikte gehabt, wenn das alles so gut gepasst hätte. Die Radikalität die in Darwins dynamischer Sicht der Dinge lag, fehlt häufig bei der Betrachtung seiner Theorie. Es wird mit einem simplen Satz abgetan.
Aber wie war es für jene, die mit ihm lebten, studierten und korrespondierten, für jene, die diese Erkenntnis aus der Zeitung lasen?
Viele seiner Zeitgenossen müssen sich gefühlt haben, als würde ihnen der Teppich unter den Füssen weggezogen. Das Gefühl von Panik, das einem schon bei leichten Erdbeben befallen kann, drückt das wohl am Besten aus. Alles hat seinen festen Platz, ist stabil und muss es bleiben. Ist diese Sicherheit plötzlich nicht mehr vorhanden, wirft uns dies vollständig aus der Bahn.
Nun kommt dieser Darwin und sagt nichts sei fix, alles sei ständig in Bewegung. Alles verändere sich. Durch ziellose Mutation und doch durch eine Kraft gelenkt, die keine Güte kennt, die Selektion.

Das hinausstoßen aus dem Zentrum des Weltalls mag eine Schmach gewesen sein. Dem Menschen aber die Krone der Schöpfung zu nehmen ist Hochverrat.

Ca. 3 Wochen danach lud der Vatikan Naturwissenschaftler, Philosophen, Wissenschaftshistoriker und Kleriker ein. In einem 5-tägigen Diskussionsforum sollten sich die Anwesenden gegenseitig ihre Standpunkte zu Evolution und Glauben erklären. Das Ganze lief unter dem Thema "Biological Evolution – Facts and Theories". Vor der Konferenz wurde von Kirchenseite deutlich gemacht, bewusst keine Vertreter des Kreationismus oder des "Intelligent Design" eingeladen zu haben.

Was bleibt übrig, wenn Evolutionstheorie und Schöpfungslehre, Wissenschaft und Glauben aufeinander treffen?

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Auch diese Konferenz verursachte erstaunlich wenig Medienecho. Bei Spiegel war was (#2).
Es ging dabei weder um Darwins Rehabitilation oder darum, doch einen Weg zu finden, Evolution und die Schöpfungslehre miteinander in Einklang zu bringen?

Weder noch.
Die nicht eingeladenen Vertreter des Kreationismus und des "Intelligent Design", sowie William Kardinal Lavadas Worte zu Beginn der Tagung machten deutlich: Es ging primär darum, den Kreationisten die kirchliche Rechtfertigung Ihrer wahnwitzigen Interpretationen zu entziehen. Wohlwissend das ein Risiko besteht, einen Teil der Gläubigen zu verstören.
Es ging nicht um Wissen oder Erkenntnis. Es ging darum, sich durch stille Duldung der Evolutionstheorie nicht noch weiter lächerlich zu machen und somit um Schadensbegrenzung von kirchlicher Seite.

Man stelle sich vor:
Während sich die Kleriker von Fachleuten darüber aufklären ließen, wie der Mensch tatsächlich entstanden ist, stellen diese sich die berechtigte Frage: "Wenn die jetzt tatsächlich Recht haben, die Wissenschaftler, wo kommt denn dann Gott überhaupt ins Spiel?"

Dominikanerpater Jean-Michel Maldamé aus Toulouse versuchte sich damals an einer Antwort, indem er eine Unterscheidung zwischen Anfang und Grund einführt. Im Gegensatz zu Ersterem sei Letzterer nicht an einen bestimmten Moment geknüpft, sondern "eine dauerhafte Bedingung von allem, was es gibt, zu jedem Zeitpunkt". Als solcher stehe der Grund außerhalb von Zeit, Raum und Materie und könne daher auch nicht Gegenstand einer naturwissenschaftlichen Theorie sein. Liest man das Wort, das in den ersten Zeilen der Bibel gewöhnlich mit "Anfang" wiedergegeben wird, als "Grund", erhält man einen Schöpfungsbegriff, der viel besser zu einer Welt mit biologischer Evolution passt.

Wenn wir den Grund (Gott) aber nicht mit wissenschaftlichen Mitteln, also dem ganzen Arsenal an empirischer Prüfbarkeit, ermitteln und verstehen können, wozu sollte man dann aber davon ausgehen, dass es diesen Grund und den Begründer Gott überhaupt gibt? Wieso sollten wir überhaupt noch von einer Schöpfung sprechen? Wieso unterteilen wir dann nicht - wie in der Wissenschaft ja schon lange geschehen - zwischen chemischer Evolution (Grund) und biologischer Evolution?

Maldamé hat aber auch noch weitere Gedanken:
Alles kommt von Gott, und alles kommt von den Kräften der Natur. Und daher ist es auch so unsinnig, Gott dort zu suchen, wo die Naturgesetze etwas nicht erklären können.

Das macht es nicht besser. Da, wo die Naturgesetze etwas nicht erklären können, ist kein Gott zu suchen. Wo sie etwas erklären können, braucht es keinen Gott. Wie gesagt, Naturwissenschaft funktioniert ganz prima ohne ihn.

Wo also suchen? In der Transzendenz, natürlich!

Als transzendent gilt, was außerhalb oder jenseits eines Bereiches möglicher Erfahrung, insbesondere des Bereiches der normalen Sinneswahrnehmung liegt und nicht von ihm abhängig ist. Mit der in der Bezeichnung enthaltenen Vorstellung des "Übersteigens" (lateinisch transcendentia "das Übersteigen") ist vor allem eine Überschreitung der endlichen Erfahrungswelt auf deren göttlichen Grund hin gemeint, seltener eine Selbstüberschreitung des Göttlichen auf die Weltschöpfung hin. Der komplementäre Begriff des "Immanenten" bezeichnet das in den endlichen Dingen Vorhandene, sie nicht Überschreitende und daher ohne Rückgriff auf Transzendentes Erklärbare.

Maldamé also weiter:
Und insofern Leben nicht etwas ist, was seinen letzten Grund in sich selber trägt, bedarf es eines transzendenten Grundes”, so Maldamé – “und den nennen die philosophische Tradition und der christliche Glaube Gott.

Der Glaube basiert selbstverständlich auf einem transzendenten Grund.
Die philosophische Tradition ist sich da schon nicht mehr ganz so einig.
Und die Wissenschaft - man höre und Staune - kommt ganz ohne transzendenten Grund aus.
Selbst Maldamé ist sich bei seiner Begründung nicht sicher. Das legt das Wörtchen "insofern" nahe, was in diesem Satz nur als Synonym für "wenn" Sinn ergibt. Das heißt also selbst der Dominikaner ist sich nicht sicher, dass Leben "sein letzten Grund" nicht einfach in sich selbst trägt, also ohne göttliches Zutun entstanden ist.

Darwin ist also nun doch im Recht. Sagt der Vatikan. Und alles, was Gott ins Spiel bringen könnte, ist reines Fabulieren. Es wirkt wie eine schlechte Erklärung, um sich nicht selbst abzuschaffen, obwohl sie dies mit dem Zugeständnis an eine evolutionäre Entwicklung von Leben eigentlich schon getan haben.

Wenn der Mensch zu viel weiß, wird das lebensgefährlich. Das haben nicht erst die Kernphysiker erkannt, das wusste schon die Mafia.
Norman Mailer, amerikanischer Schriftsteller (1923-2007)

Das gilt auch für Lehrgebäude. Wenn Menschen zu viel herausfinden, kann das einem dogmatischen Gebilde, wie dem Katholizismus schon über zusetzen.

#1 - Times-Artikel "Vatican buries the hatchet with Charles Darwin"

#2 - Spiegel Artikel "Vatikan sperrt Kreationisten aus"

#3 - Die Zusammenfassungen der Vorträge kann man hier als .pdf runter laden.
https://scienceblogs.de/weitergen/wp-co ... cts_en.pdf
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 14. Jun 2021, 11:17

Rezension: Jw.org - Wie stehen Jehovas Zeugen zur Naturwissenschaft?

Das passt eigentlich ganz gut als Fortsetzung zur letzten Rezension, wurde doch die Wissenschaftlichkeit der Bibel verteidigt, mit nicht immer ganz sauberen Mitteln. Wie stehen also Zeugen Jehovas zur Naturwissenschaft?

Lesen kann man deren Darstellung hier:
https://www.jw.org/de/jehovas-zeugen/oft-gefragt/standpunkt-zur-naturwissenschaft/

Ja, es gibt immer wieder Artikel über irgendein Ding oder irgendein Wesen, dass irgendeine erstaunliche Eigenschaft aufweist, die selbstverständlich nur von Gott stammen kann.
Warum sonst gibt es eine Käferart, die nach Waldbränden die Eier in der verkohlten Rinde von Bäumen ablegt? Was natürlich heißt, dass Gott bewusst Waldbrände in Kauf nimmt, wohl auch geschaffen hat, damit dieser Käfer überhaupt seine Eier ablegen kann, somit das Leid vieler den Nutzen eines aufwiegen muss. Naja, ... so richtig liebevoll ist anders.
Oh, oder der Bombadierkäfer, dieses possierliche Wesen, dass zwei Chemikalien im Hinterleib hat, die unmittelbar vor dem Abfeuern gemischt werden und dann bei seinem Angreifer zu Brandwunden führt. Angeblich soll die Evolutionstheorie das ja nicht erklären können, denn Käfer, die das nicht voll ausgebildet hätten, wären ja an ihrem eigenen Napalm zugrunde gegangen.

Die vollständige Evolutionsgeschichte des einzigartigen Abwehrmechanismus ist unbekannt, aber Biologen haben gezeigt, dass sich das System aus der Abwehr anderer Käfer in schrittweisen Schritten durch natürliche Selektion entwickelt haben könnte (#1, #2).
  • Insbesondere Chinonchemikalien sind eine Vorstufe von Sklerotin, einer bräunlichen Substanz, die von Käfern und anderen Insekten produziert wird, um ihr Exoskelett zu härten (#3).
  • Einige Käfer speichern zusätzlich überschüssige übelriechende Chinone, einschließlich Hydrochinon, in kleinen Säcken unter ihrer Haut als natürliche Abschreckung gegen Raubtiere - alle Carabid-Käfer haben diese Vorrichtung.
  • Einige Käfer mischen zusätzlich Wasserstoffperoxid, ein häufiges Nebenprodukt des Zellstoffwechsels, mit dem Hydrochinon.
  • Einige der in den meisten Zellen vorhandenen Katalasen machen den Prozess effizienter. Die chemische Reaktion erzeugt Wärme und Druck, und einige Käfer nutzen letzteren, um die Chemikalien auf die Haut zu drücken. Dies ist beim Käfer Metrius contractus der Fall, der bei einem Angriff einen schaumigen Ausfluss erzeugt (#4).
  • Beim Bombardierkäfer entwickelten die Muskeln, die ein Austreten aus dem Reservoir verhindern, zusätzlich ein Ventil, das eine kontrollierte Abgabe des Giftes ermöglicht, und einen verlängerten Bauch, um eine bessere Kontrolle über die Abgaberichtung zu ermöglichen (#1, #2).
Die einzigartige Kombination von Merkmalen des Abwehrmechanismus des Bombardierkäfers - stark exotherme Reaktionen, kochend heiße Flüssigkeiten und explosive Freisetzung - wurde von Kreationisten und Befürwortern intelligenten Designs als Beispiel für irreduzible Komplexität angeführt. Biologen wie der Taxonom Mark Isaak stellen jedoch fest, dass eine schrittweise Entwicklung des Mechanismus leicht hätte stattfinden können. Die Vorstufen sind ja allesamt da, ohne das ein "vollständiges, irreduzibles System" entsteht.

Warum so explizit jetzt der Bombardierkäfer? Er war Gegenstand einer ins Lächerliche gezogenen Diskussion (obwohl da hätte ich ja gegenargumentieren müssen, also war es eher eine einseitige Diffamierung) zur Schuleinführung meines Kindes. Die getätigten Äußerungen zeigten eigentlich ganz klar, dass man gar nicht wusste, was man da kritisiert.
Sie zeigten aber ebenfalls ganz klar, dass man die Erkenntnisse der Naturwissenschaften nur dann anerkennt, wenn sie dem eigenen Glauben nicht entgegenstehen. Von solchen Verkürzungen und Auslassungen leben viele Religionen, warum nicht auch die Zeugen Jehovas?

Warum jagen sich Tiere gegenseitig? Eines der Standardargumente ist, dass es sonst zu viele Tiere gebe, die dann durch zu wenig Nahrung verhungern würden. Das spricht weder für einen weisen, noch für einen einfallsreichen Gott. Denn er gibt dem Tier exakt zwei Optionen: Verhungern oder erlegt werden. Wenn aber sogar der unvollkommene Mensch es fertig bringt, karikativ tätig zu sein, um den Hunger in der Welt zu mildern, wenn er Entwicklungshelfer aussendet, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, warum schafft es der vollkommene und allmächtige Gott nicht, ein Gleichgewicht in der Tierwelt zu schaffen, ohne das Tiere dabei brutal niedergestreckt werden müssen, damit sie nicht verhungern?

Wir könnten das noch weiter führen. Aber vielleicht bekommen wir diese Rezension ja in einem Teil hin. Diese 37 Links zu alten Artikeln gehen daher wohl auch:

... 005, 08.11.2017: Rezension: Wachtturm Oktober 2013 - Wie Farben auf uns wirken
... 011, 06.12.2017: Konkurrenz - Teil 1: Hohe Bäume und andere Absurditäten, die bei einem gütigen Schöpfer nicht zwingend zu erwarten wären
... 013, 08.12.2017: Homosexualität - Teil 2: Emanzipation und Ursachenforschung
... 014, 09.12.2017: Homosexualität - Teil 3: Evolutionstheoretisches Erklärungsmodell
... 022, 28.12.2017: Vitamin C - Fehlende Synthetisierung als Selektionsvorteil
... 024, 02.01.2018: Genetik: Der Mensch ist keine Maus!
... 025, 05.01.2018: Zur Evolution des "Bakterienmotors" - Die Entstehung bakterieller Flagellen ist erklärbar
... 030, 18.01.2018: Grundlagen: Survival of The Fittest = Überleben des Stärkeren? - Altruismus in der Evolutionsbiologie
... 033, 02.02.2018: Konkurrenz - Teil 2: Ist Krieg Menschenwerk? - Die Schimpansen von Gombe
... 035, 09.02.2018: Warum gibt es Weisheitszähne?

... 040, 01.04.2018: Perfektion? - Aus Fehlern wird man klug! - Das menschliche Auge und EHEC im Lichte der Evolutionsforschung und was beta-globin über Artverwandtschaften verrät
... 046, 23.05.2018: Photosynthese auf anderen Planeten
... 048, 27.09.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 1: Vorhersagen in geschichtlicher Forschung (2013)
... 049, 01.10.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 2: Experimentelle Evolutionsforschung - Richard Lenski und das E.Coli-Langzeitexperiment (2013)
... 050, 04.10.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 3: Sichtbare Evolution (2013)
... 051, 13.10.2018: Rezension: Die DNA: Bibliothek des Lebens - Teil 4: Mögliche Entwicklung und Vorläufer der DNA (2013)
... 057, 30.04.2020: Genetik: Der Mensch ist keine Maus - und auch nicht zwangsläufig ein Schwein und noch nicht einmal ein Affe!
... 062, 10.06.2020: Video: Aliens auf Siliziumbasis? (14:19 min)
... 063, 02.07.2020: Video: Eine überschätzte Spezies -ARTE (29:59 min)
... 067, 28.08.2020: Video: Konkurrenz - Teil 3: Ist Krieg Menschenwerk? - Die Welt der Ameisen (3 Kurzvideos)

... 072, 20.09.2020: Video: Zufall Mensch? Der kleine Schritt zum großen Gehirn | MDR DOK (44:41 min)
... 073, 06.10.2020: Video: Der Neandertaler - eine rätselhafte Menschenart | Doku | ARTE (51:32 min)
... 075, 07.11.2020: Video: Wie entstand unser Bewusstsein? (feat. Simplicissimus) (8:35 min)
... 080, 17.12.2020: Rezension: Vortrag 8/00 Nr. 133-X "Der Ursprung des Menschen - Ist es wichtig, was man glaubt?" (mit Video) (Teil 1 - Phrenologie)"
... 081, 23.12.2020: Rezension: Vortrag 8/00 Nr. 133-X "Der Ursprung des Menschen - Ist es wichtig, was man glaubt?" (Teil 2 - Ohne Pelzmantel. Wie der Mensch sein Fell verlor)"
... 082, 07.01.2021: Rezension: Vortrag 8/00 Nr. 133-X "Der Ursprung des Menschen - Ist es wichtig, was man glaubt?" (Teil 3 - Laufburschen. Wie der Mensch den aufrechten Gang lernte)"
... 083, 13.01.2021: Rezension: Vortrag 8/00 Nr. 133-X "Der Ursprung des Menschen - Ist es wichtig, was man glaubt?" (Teil 4 - Hör mir zu! Wie der Mensch das Sprechen lernte)"
... 088, 25.01.2021: Fossil aus Namibia hilft bei der Lösung von Darwins Dilemma (Link)
... 111, 07.05.2021: Video: Wie Tiere fühlen | Doku | ARTE (+ Link) (52:09 min)
... 114, 16.05.2021: Video: Irreducible complexity cut down to size | QualiaSoup (10:53 min, engl.) (ursprünglich in Kritisch denken veröffentlicht)

... 118, 05.06.2021: Video: Rebuttals: irreducible complexity | QualiaSoup (9:46 min, engl.)
... 119, 08.06.2021: Video: Wie dumme Einzelteile zusammen intelligent werden - Emergenz | Kurzgesagt (7:20 min)

Das sind jetzt alles einfach mal Artikel, die die Absurdität des folgenden Satzes im JW.org-Artikel verdeutlichen.

Wir empfinden Achtung vor den Erfolgen der Wissenschaft und glauben wissenschaftlichen Erkenntnissen, die durch Beweise gestützt werden.

Da oben, ein ganzes Kilo Beweise und Beweisführung. In kommenden Artikeln auch noch mehr davon und ich habe jetzt schon nicht alle verlinkt, sondern nur die offensichtlichsten.
Ja, vielleicht animiert die Bibel ja dazu, die Welt verstehen zu wollen, aber sie gibt auch allzu oft die Antworten einfach vor. Und wenn es um den Abgleich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen geht, sind die zusätzlich gerne auch mal einfach falsch. Da die Bibel aber nicht falschliegen kann, denn ihr Autor ist ja Gott, müssen demzufolge die Natur- und Geisteswissenschaften falsch liegen. Und das muss man dann eben "beweisen". Gleichzeitig muss man aber den Schein waren, wissenschaftliche Erkenntnisse ganz dufte zu finden. Besonders in Europa werden Kreationisten eben belächelt, also ist man eben kreationistisch, grenzt sich aber von Untergruppen des Kreationismus ab und stellt dies so dar, als wäre diese Untergruppe mit der man ja so gar nichts zu tun hat, die einzige. Denn sonst wäre man ja nur ein milderer Zweig dessen, dass klingt aber doof. Also schreibt man sich selbst in eine andere Richtung. Aber jeder, der nur zwei, drei Artikel über das Thema Evolution oder Schöpfung in einem Wachtturm oder Erwachet gelesen hat, wird das ganz klar als Falschaussage erkennen. Zeugen Jehovas sind eben einfach mal doch Kreationisten.

Und um die Schöpfung zu "belegen", muss man nicht nur die Evolutionsforschung ablehnen, sondern auch die ihr zuarbeitenden, aber auch eigenständigen Wissenschaftsgebiete der Geologie, Chemie, Stochastik, Genetik (besonders Populationsgenenetik), Biologie, Geschichte, Stratografie, Radiometrie, Dendrochronologie, Glaciographie, Archäologie, Paläontologie, Psychologie (besonders Tierpsychologie), Religionsforschung, Kosmologie und noch einige andere oder diese Gebiete in ihren Erkenntnissen anpassen oder beschneiden.

Und ganz sicher arbeiten auch einige Zeugen Jehovas in wissenschaftlichen Berufen, zum Beispiel auf Gebieten der Biochemie, Mathematik oder Physik. Zum Beispiel Wolf-Ekkehard Lönnig, der trotz seines Wissens um die Biochemie und Biologie von Lebewesen, von einem Schöpfer ausgeht. Vielleicht weil er, wie in der Wachtturm-Gesellschaft üblich, das Pferd von hinten aufzäumt. Die Umgebung ist für Leben perfekt geschaffen, anstatt des deutlich logischeren, das Leben hat sich der Umgebung angepasst. Soll er es so halten. Ich bin mir nicht sicher, ob meine laienhaften Kenntnisse gegen diesen Chemiker ankommen würden, der obendrein als Zeuge Jehovas sicherlich auch besser argumentieren kann als ich. Das sage ich aber nicht, weil ich an der Evolutionstheorie an sich zweifel, wobei das auch bei bestätigten Theorien immer angebracht ist, sondern weil meinem Wissen ganz klare Grenzen gesetzt sind. Ein hinkender Vergleich soll dieses "Pferd-von-hinten-aufzähmen" verdeutlichen:
Wenn ich in die Arktis ziehe, gleichen sich die Temperaturen nicht einfach an, weil ich -50 °C nicht gewohnt bin und das auf Dauer schlecht für meine Gesundheit und mein Überleben wäre, sondern ich muss anpassen und mir schleunigst ein paar Kleidungsstücke mehr zulegen. Ebenso in den Tropen oder in der Wüste. Auch diese schert sich herzlich wenig um meine Anwesenheit und meine Befindlichkeiten. Ich habe mich den Bedingungen anzupassen.

Es ist erwiesen", sagte er, "dass die Dinge nicht anders sein können, als sie sind, denn da alles um eines Zweckes willen geschaffen ist, dient alles notwendigerweise dem besten Zweck. Bemerken Sie bitte dass die Nasen geschaffen wurden, um Brillen zu tragen, so haben wir denn auch Brillen. Die Füße wurden sichtlich gemacht, um Schuhe zu tragen, und so haben wir Schuhe. Die Steine wurden gebildet, damit man sie zuhaue und daraus Schlösser baue, und so besitzt denn Seine Gnaden ein schönes Schloss, der größte Baron der Provinz muss am besten wohnen, und da die Schweine zum Essen gemacht sind, essen wir das ganze Jahr hindurch Schweinernes.
Infolgedessen ist die Behauptung, es sei alles auf dieser Welt gut eingerichtet, eine Dummheit, vielmehr müsste man sagen, dass alles aufs Beste eingerichtet ist."
- metaphysich-theologischer Monolog über Kosmonologie des Dr. Pangloss in
Friedrich der Große - Band 2: Der einsame König - Die große Romanbiografie (von Cornelia Wusowski)

Was uns nebenbei auch zu einer weiteren Frage führt. Wenn Gott uns in 1. Mose Kapitel 1:28, als Auftrag gibt, die Erde zu bevölkern, warum gibt es dann so lebensfeindliche (respesktive menschenfeindliche) riesige Gebiete auf der Welt? Die Sahara zum Beispiel ist mit über neun Millionen Quadratkilometern die größte Trockenwüste der Erde. Das ist fast so groß, wie Europa oder die USA. Die Eiswüste der Antarktis ist sogar noch größer. Zudem gibt es weitere Wüsten und Eisregionen und natürlich die riesigen Meere und Ozeane, die es dem Mensch schwer machen, die abgelegenen Orte dahinter zu besiedeln. Und da auch Eiszeiten als Erkärung früherer Dinge, zugunsten der Sintflutsage abgelehnt werden, stellt sich die Frage, wie Menschen laut dem Bibelverständnis Amerika, Mikronesien und Australien bevölkert haben. Die Eiszeit bietet durch das im Eis gebundene Wasser eine einfache Erklärung, warum der Meeresspiegel früher deutlich niedriger war und daher Land zu sehen war, wo heute Meer ist. Der Weg über die Beeringstraße, die Sibirien und Alaska trennt, war damals gangbar. Das erklärt, warum Nachweise von Ureinwohnern im Norden von Amerika übereinstimmend älter datiert werden, als in Südamerika. Es fügt sich alles ganz gut zusammen. Wie erklärt die Sintflut solche Migrationsbewegungen? Das würde hier im Moment zu weit führen. Über die Sintflut gibt es bald eine ganz eigene Artikelreihe.

Das sie das Pferd von hinten aufzäumen, bestätigt auch der Abschnitt über die Grenzen der Naturwissenschaft. Die Erde ist nicht auf Leben abgestimmt, so wie die Nase nicht dergestalt geformt ist, damit sie unter eine Brille passt. Erst war die Erde da, dann kam das Leben und es musste sich mit dem arrangieren, was da ist. Das können wir um uns herum beobachten. Tiere passen sich ebenso ihren Lebensumgebungen an, wie Menschen, auch wenn letzterer durch seinen technologischen Fortschritt sich ein Stück weit von der Umgebung entkoppeln kann und es sogar bis zum Mond geschafft hat, der ja nun wirklich kein Urlaubsparadies ist. Wie ist man da hoch gekommen? Man hat sich angepasst.

Und auch das kann man bejahen: Es gibt sie, auch die anerkannten Wissenschaftler, die den Zufall aus der Biologie gern raus hätten. Aber er hat dort die gleiche Bedeutung, wie in der Atomphysik oder Quantenmechanik, der Geologie oder der Geschichte. Es gibt zuviele Wechselwirkungen. In Organismen, Organismen miteinander, in Kolonien, Kolonie mit und/oder gegen Kolonie. Alle Einflüsse, die ein Lebewesen hat, zu kennen und einzeln zu negieren oder Gott zuzuschreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Und da sich Dinge trotz (scheinbar) gleicher Vorraussetzungen unterschiedlich verhalten (besonders bei komplexen Lebewesen) wird der Zufall nie ausradiert werden können.

Die Welt wandelt sich immerfort und mit ihr die Wesen, die darauf wohnen. Das können auch Wissenschaftler gerne ablehnen. An ihren wissenschaftlichen, naturalistischen Erkenntnissen ändert das nur herzlich wenig. Und ebenso wenig am überwältigenden wissenschaftlichen Konsens, der von der Richtigkeit der Evolutionstheorie ausgeht.

Es gibt Leute, die als charaktervoll gelten, nur weil sie zu bequem sind, ihre Ansichten zu ändern.
Robert Lembke, deutscher Journalist (1913-1989)

#1 - Weber CG (Winter 1981). "The Bombardier Beetle Myth Exploded". Creation/Evolution. National Center for Science Education. 2 (1): 1–5.

#2 - Isaak, Mark (May 30, 2003). "Bombardier Beetles and the Argument of Design". TalkOrigins Archive.

#3 - Brunet, P.C.J.; Kent, P.W. (1955). "Mechanism of sclerotin formation: The participation of a beta-glucoside". Nature. 175 (4462): 819–820. Bibcode:1955Natur.175..819B. doi:10.1038/175819a0. PMID 14370229. S2CID 4206540.

#4 - Eisner, T.; Aneshansley, D.J.; Eisner, M.; Attygalle, A.B.; Alsop, D.W.; Meinwald, J. (2000). "Spray mechanism of the most primitive bombardier beetle (Metrius contractus)". Journal of Experimental Biology. 203 (8): 1265–75. PMID 10729276.
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"If the biggest problem that you're having in the twenty-first century involves
what other people's genitals look like, and what they're doing with those genitals
in the presence of other consenting adults, you may need to reevaluate your
priorities." - Forrest Valkai


("Wenn das größte Problem, das du im 21. Jahrhundert hast, darin besteht, wie
anderer Leute Genitalien aussehen und was diese damit in Gegenwart anderer
Erwachsener mit deren Einverständnis machen, musst du möglicherweise deine
Prioritäten neu bewerten.")

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