Evolution oder Schöpfung




Religion, Esoterik, Verschörungstheorien und andere Dinge.

Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Di 6. Okt 2020, 22:18

Video: Zufall Mensch? Der kleine Schritt zum großen Gehirn | MDR DOK

Eine der häufiger gestellten Fragen aus der großen Ecke der Kreationisten und anderer Evolutionsleugner ist ja immer wieder, warum der Mensch so anders ist, als sein Verwandter aus dem Tierreich.

Das folgende Video (Laufzeit ca. 45 Minuten) erklärt einige der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der gemeinsamen Forschung von Dresdner Humangenetikern und -Medizinern, sowie zwei Universitäten aus Japan.
Die Frage, die die Forscher antrieb war, warum Menschen ein soviel größeres Gehirn haben als andere Primaten und welche Vorteile es mit sich brachte.


https://m.youtube.com/watch?v=h4CIoJgvlB4

Weitere Informationen finden sich in den angehängten Artikeln:

Ein Gen für die Hirngröße, das nur der Mensch hat (26.02.2015)

Auf den Spuren der Evolution: Max-Planck-Forscher entdecken einen Schlüssel für die Vermehrung von Gehirn-Stammzellen:
https://www.mpg.de/8987987/hirngroesse-gen

Krebsartiger Stoffwechsel lässt Gehirn wachsen (07.01.2020)

Ein Gen für die Hirngröße hat das Wachstum des menschlichen Gehirns befördert:
https://www.max-wissen.de/316144/news_publication_14323143?c=65105

Evolutionärer Schlüssel für ein vergrößertes Gehirn (18.06.2020)

Dresdner und japanische Forscher zeigen, dass ein menschenspezifisches Gehirngrößen-Gen einen größeren Neokortex beim Weißbüschelaffen hervorruft:
https://www.mpg.de/evolutionaerer-schluessel-fuer-ein-vergroessertes-gehirn

(Mitlerweile ist dieser Thread jener mit den zweitmeisten Beiträgen. Es trennen ihn noch knapp 700 Klicks vom 3. Platz, der am häufigsten angeschauten Threads. Dürfte ein knappes Rennen bis Jahresende werden. Während Chuck Norris Witze seit Jahresbeginn nur ca. 130 Klicks hatten, wurden hier im gleichen Zeitraum fast 1000 Besuche verzeichnet.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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von Anzeige » Di 6. Okt 2020, 22:18

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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Mo 12. Okt 2020, 16:50

Video: Der Neandertaler - eine rätselhafte Menschenart | Doku | ARTE

Gerade am 03.10.2020 veröffentlicht, habe ich eine interessante Doku zu unserem Cousin aus der Urzeit gefunden.


https://m.youtube.com/watch?v=HqW_p3Ul-1g

Lange bevor der Homo sapiens die Erde bevölkerte, hatte sich eine andere menschliche Art – der Neandertaler – auf dem eurasischen Kontinent ausgebreitet. Mithilfe neuer archäologischer Verfahren konnten Paläoanthropologen in England und Frankreich bislang ungeklärte Aspekte unserer Verwandten untersuchen. 300.000 Jahre hatte die Art bis zu ihrem Aussterben auf der Erde gelebt.

Vor schwindelerregend langer Zeit besiedelten die ersten menschlichen Gruppen die weiten Ebenen des eurasischen Kontinents, die zeitweise von Eis bedeckt waren. In einem Gebiet im Nordwesten des heutigen Europas, das von Nordfrankreich über den belgischen Küstenstreifen und die Kanalinseln bis nach Südengland reichte, stellten die Neandertaler die größte Art. Während der letzten Eiszeit war die Nordsee durchgängig überfroren und der Ärmelkanal ein kleiner Fluss, der sich mühelos zu Fuß durchqueren ließ … Die Neandertaler lebten in enger Verbundenheit mit dieser sich ständig wandelnden Natur, die ihnen alles zum Überleben bot: das Fleisch von Beutetieren, essbare Wildpflanzen, Wasser sowie Holz zum Kochen und Heizen. Wie haben sich diese frühen Menschen über knapp 300.000 Jahre entwickelt und wie haben sie gelebt, bis sie im Kontakt mit Homo sapiens schließlich vor rund 40.000 Jahren ausstarben? Anhand der neuesten Forschungsergebnisse beleuchtet die Dokumentation das Leben verschiedener Neandertalerpopulationen und stellt bedeutende archäologische Fundorte in Nordfrankreich, Südengland sowie auf der Insel Jersey vor, die 250.000 Jahre lang von Neandertalern besiedelt war. Renommierte Forscher wie der britische Paläoanthropologe Chris Stringer und der Franzose Ludovic Slimak erläutern die Lebensweise, aber auch die kognitiven Fähigkeiten der Neandertaler: Waren sie zu strukturiertem Denken fähig? Hatten sie Kulturen, Sprachen, Gesellschaften? Welche Form von Intelligenz und welche Anpassungsstrategien sorgten dafür, dass sie über den enorm langen Zeitraum von fast 300.000 Jahren überleben konnten? Und wie groß sind die Ähnlichkeiten der Neandertaler zum modernen Menschen?

Dokumentation von Rob Hope und Pascal Cuissot (F 2019, 52 Min)
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » So 18. Okt 2020, 03:52

Warum Menschen merkwürdige Dinge glauben

Wir glauben oft aus emotionalen Gründen, die nicht auf Vernunft oder Beweisen basieren. Zumeist ist es die Erziehung, ob nun religiöser oder politischer Glaube. Wir vertrauen darauf, dass das wahr ist, unabhängig von Gründen und Beweisen. Das ist genau umgekehrt zu wissenschaftlichem Denken.

In der Wissenschaft sucht man erst Beweise und schaut dann, wo diese Beweise hinführen und das akzeptiert man als vorläufig wahr. Aber unsere Gehirne arbeiten nicht so, sind eher beschaffen, wie ein Rechtsanwalt der einen Mandaten vertritt, unseren Glauben, unsere Überzeugung.
Wissenschaftliches Denken geht erstmal davon aus, dass wir in Bezug auf die meisten Überzeugungen falsch liegen und deshalb skeptisch sein müssen. Darum fangen wir mit der Nullhypothese an: Was immer jemand behauptet, ist wahrscheinlich nicht wahr. Jetzt liegt die Beweislast bei dem, der behauptet. Es ist nicht einfach, die Behauptung der Kritik anderer auszusetzen. Das ist aber in der Wissenschaft notwendig und wenn du es nicht tust, tut es ein anderer.

Der bekannteste Fehler ist der Bestätigungsfehler. Es handelt sich dabei um eine kognitive Verzerrung, in der wir die Art, wie wir die Welt sehen, so formen, dass sie zu dem passt, was wir bereits glauben. Man sucht Beweise zur Bestätigung dieser Überzeugung und man findet sie auch. Über dieser Schicht liegt ein Denkprozess, der versucht die Welt insgesamt zu verstehen und ihr Sinn zu verleihen.
Das ist aber ziemlich sinnfrei, denn die Welt ist größtenteils chaotisch. Es gibt viele Variablen, die ein Ereignis beeinflussen. Beliebigkeit und Zufall sind Faktoren, die wir meistens nicht wahrnehmen. Und auch nicht wahr haben wollen.

Unsere Gehirne sind nicht für große Muster oder Zusammenhänge ausgerichtet, sondern für kleine Muster, die etwas verstehbar machen.
Da greifen Verschwörungstheorien und Religionen, weil sie im Kern einfach sind und nur relativ wenige Faktoren beinhalten. Da ist jemand, der im Geheimen die Strippen zieht und für Kriege, Unruhen und superreiche Oligarchen sorgt.

Dabei sind einige eher bereit, Dinge zu glauben und andere sind skeptischer. Man kann es sich als eine Art Glockenkurve vorstellen, die von den Extremen Leichtgläubigkeit bis Skeptizismus reicht.
Dabei sollte man auf ein gesundes Mittelmaß achten. Man sollte offen genug sein, neue Vorstellungen zu akzeptieren, wenn sich herausstellt, dass sie richtig sind. Allerdings nicht zu offen, so dass man alle verrückten Dinge glaubt. Das Mittelmaß funktioniert eben durch Beweise und Vernunft, durch empirische Methoden der Wissenschaft und dem Rüstzeug des logischen Denkens. Ich sollte in der Lage sein ein vorläufiges Ergebnis auch als solches zu begreifen. Ändert sich die Beweislage, ändere ich meine Meinung. Falls nicht, dann bleibe ich dabei.

In den Industrienationen wachsen immer mehr Menschen in nicht-reliösen Elternhäusern auf, also weder religiös noch anti-religiös. Religion spielt einfach keine Rolle. Untersuchungen der Entwicklungspsychologie zeigen, dass der Einfluss der Eltern im frühen Teenageralter schwindet, der Freundeskreis wichtiger wird. Aber egal in welchem Alter, begibt man sich in eine Filterblase (das kann ein politisches Engagement genauso sein wie eine religiöse Vereinigung) dann ergibt dort alles Sinn,alles ist logisch und in sich stimmig. Doch es gibt Tausende von Göttern und Zehntausende unterschiedliche Religionen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man die richtige erwischt hat und dass all die anderen sich irren?
Die Anthropologie und Sozialpsychologie geht davon aus, dass Menschen ihrer Religion angehören, weil es der Kultur entspricht, in der sie geboren wurden. Es ist der Glaube, der ihnen zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte von ihrer Kultur mitgegeben wurde. Das ist ganz offensichtlich der Grund, warum sie (meist) daran glauben.
Religion ist aus dieser Sicht nichts weiter als ein soziales Konstrukt, dass ähnlich wie Stammes- und Sippenzugehörigkeit, nur in größerem Maßstab funktioniert. Wenn man seinen Glauben ablegt, ist das sehr emotional, ebenso wie die Annahme einer Religion nicht gerade rational entschieden wird. Besonders schwer ist das Ablegen des Glaubens, wenn dort die einzig scheinbar stabilen Freundschaften verortet sind. Dieser "Gruppenzwang" (der kein real durchgeführter sein muss), oft nur im Kopf, aber durch gewisse Erwartungshaltungen geschürt, führt sicher auch den ein oder anderen überhaupt erst in die Hallen der jeweiligen Religion und die persönliche Bindung gestaltet den Ausstieg schwieriger.
Besonders schwere, einschneidende Ereignisse oder "Gottesprüfungen" ("Lieber Gott, wenn du XY machst, dann glaube ich." XY ist dabei vage genug gehalten, dass ein Eintreffen des Ereignisses oder einer stark ähnelnden Situation als Erhören des Gebets beurteilt werden.) können dazu führen, dass auch der letzte Rest Skepsis aufgrund nicht repräsentativer, persönlicher Erfahrung verschwindet.

Nach dem Holocaust zum Beispiel gab es viele Diskussionen unter Theologen. Viele Juden glaubten nicht mehr an Gott. Es ist einfach nicht möglich, dass Gott erlauben würde, dass unseren Leuten so etwas angetan wird, sagten sie. Andere wurden religiöser. Es ist eine individuelle Sache, die vom eigenen Lebensweg abhängt. Sozialwissenschaftler können nur einige Einflüsse verstehen. Genetik, Erziehung, Kultur und so weiter. Aber irgendwann ist da einfach der persönliche Lebensweg, der sich durch Tausende unterschiedliche Einflüsse gebildet hat, die nur man selbst kennt und zu denen kein anderer Zugang hat. Ich denke, davon hängt viel ab. Und auch von der eigenen Persönlichkeit. Und auch wieder, wie stark unser Hang zum Glauben an etwas Übersinnliches ausgeprägt ist. Es gibt Menschen, die sehr anfällig für Fantasiekonstrukte sind und die mit höherer Wahrscheinlichkeit in Bäumen oder dem Wind eine höhere Macht sehen, die in zufälligen Ereignissen eine universelle Macht wirken sehen, welche die Dinge in eine bestimmte Richtung beeinflusst, oder die eine Art kosmisches Karma zu erkennen glauben. Einige Menschen neigen eher dazu, so etwas zu glauben als andere.

Deshalb ist es wichtig, die Werkzeuge der Wissenschaft, das wissenschaftliche Denken, auch ein gesundes Maß an Skepsis auf alles anzuwenden. Ich kann jede empirisch begründbare Aussage damit prüfen. Ob es die Anzahl der Leute in einem Raum ist oder der Urknall oder die Lichtgeschwindigkeit oder die Evolution oder die Auferstehung Jesu oder die stillstehende Sonne zu Gibeon oder die Teilung des roten Meeres. Das sind alles Behauptungen, denen wir uns mit der Wissenschaft zuwenden können. Durch Logik und philosophischem Denken können wir herausfinden, woher man weiß, dass etwas wahr ist, was wahr ist und woher wir wissen, was Wahrheit eigentlich ist.

Natürlich glauben Menschen auch an Verschwörungstheorien, weil es ja auch tatsächlich Verschwörungen gibt. Watergate, die Ermordung Lincolns, die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand 1914, der zum ersten Weltkrieg führte, durch serbische Nationalisten der "schwarzen Hand".
Und wieder sind wir bei der Frage: Woher wissen wir, ob etwas wahr ist oder nicht? Denn einige Dinge könnten vielleicht wahr sein, andere nicht. Es hängt auch hier alles von Beweisen ab .Wie viele Menschen haben damit zu tun? Wie viele Einflüsse müssen zusammenkommen? Was ist die genaue Zielrichtung des Ganzen? Und so weiter. Dann kann man anfangen zu unterscheiden zwischen den Verschwörungstheorien, die wahrscheinlich wahr sind, und denen, die wahrscheinlich nicht wahr sind. Und das müssen wir auf jeden einzelnen Fall anwenden.

Alles begann mit der Entdeckung, dass das Universum erkennbar und von Naturgesetzen bestimmt ist, die wir verstehen können. Es beginnt also alles mit der materiellen Welt. Kopernikus, Kepler, Galileo und Newton, sie alle vereinheitlichten die materielle Welt und entdeckten, dass alles von einer Handvoll Gleichungen und Naturgesetzen bestimmt ist. Die Aufklärung wandte dies Stück für Stück auf unsere Körper,die Wirtschaft, politische Systeme, Geschichte, ja sogar auf Religion an. Alles kann man aus dieser Sicht auf die Welt untersuchen. Vielleicht verstehen wir es aktuell noch nicht, aber wir könnten. Wir müssen lediglich dahinter stehenden Gesetzmäßigkeiten herausfinden und sie dann nutzen, um die Welt zu verändern.

Es gibt einen Grund, warum es heute mehr Demokratien gibt als je zuvor, 118 liberale Demokratien. Noch vor einem Jahrhundert gab es keine einzige. Frauen konnten nicht wählen. Und eine Demokratie, in der die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung nicht wählen kann, ist keine Demokratie. Heute können Frauen in jedem Land der Welt wählen, einschließlich Saudi-Arabien. Wow. Aber warum ist das so? Das ist kein Zufall. Dahinter stehen bestimmte Kräfte. Und diese Kräfte haben etwas mit der vernünftigen und wissenschaftlichen Entdeckung zu tun, dass Frauen sich von Männern in dieser Hinsicht nicht unterscheiden.
Religiöse Menschen behaupten, dass die Religion die treibende Kraft gewesen sei. Aber wenn man sich die historischen Ereignisse anschaut, stellt man fest, dass Religion immer dem Zeitgeist hinterherhinkte. Immerhin hatten die Religionen jahrtausende lang einen viel stärkeren Einfluss als heute. Warum sind Demokratien, wissenschaftliche Erkenntnisse und universelle Menschenrechte dann erst so spät aufgetaucht?

Wissenschaftlich betrachtet leben wir in der besten und moralischsten Zeit der bisherigen Geschichte der Menschheit. Viele Menschen würden diesem Satz nicht unbedingt zustimmen. Wenn man einen Blick in die Nachrichten wirft, könnte der Eindruck entstehen, dass es sich anders verhält.
Nun die Kameras sind nur da, wo etwas passiert. Die aktuellen Nachrichten sahen nichts über die langfristige Entwicklung der Menschheit aus,nichts über die historische Perspektive. Aufgabe der Nachrichten ist es Ereignisse zu berichten. Wo nichts geschieht, wird nicht berichtet.
Ein Schulmassaker ist definitiv schlimm. Es gibt im Grunde keinen adäquaten Begriff im Deutschen dafür. Aber an wie vielen Schulen ist an jenem Tag nichts Aufsehen erregendes passiert?
Deswegen sind Statistiken so wichtig. Ebenso beim Klimawandel. Jede Temperaturabnahme wird von den Leugnern ausveschlachtet, aber man darf nicht jede Beule überinterpretieren. Man muss sich die langfristigen Entwicklungen anschauen.

Was den moralischen Fortschritt betrifft, gibt es kein Utopia, von dem wir sagen können: das ist die perfekte Gesellschaft.
So etwas gibt es nicht. Und so etwas wird es nie geben.
Wir müssen einfach versuchen, das Morgen ein kleines bisschen besser zu machen als das Heute. Und das Heute war schon ein kleines bisschen besser als das Gestern. Es ist nicht wichtig, ob es in 500 Jahren ein Utopia geben könnte. Wichtig ist, dass wir dafür sorgen, dass es künftig Menschen gibt, die in kleinen Schritten darauf hinarbeiten können. Aber wir sollten keinen Gedanken an die Erfüllung dieses Ziels verschwenden. Dss endet vermutlich in einer Katastrophe, so wie alle bisherigen Versuche von religiösen Führern, Wirtschaftern und Diktatoren auch gescheitert sind.
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Re: Evolution oder Schöpfung

Beitragvon almafan » Do 22. Okt 2020, 16:34

Und Gott würfelt doch! - Albert Einstein und die Regie des Zufalls

Viel von dem, was wir über Einstein zu wissen glauben, ist falsch. Er glaubte nicht an Gott, sehr wohl aber an den Zufall. Zwar gilt er als das Genie schlechthin, doch auch er unterlag so manchem Irrtum.

Es steht außer Frage, dass Albert Einstein ein genialer Physiker war. Allein im Jahr 1905 veröffentlichte er fünf Arbeiten. Darunter drei bahnbrechende Arbeiten über die Brownschen Molekularbewegung, die Spezielle Relativitätstheorie und über die Quantentheorie der elektromagnetischen Strahlung (photoelektrischer Effekt). Für letztere, nicht für die Relativitätstheorie erhielt er 1921 den Physiknobelpreis. 10 Jahre nach der speziellen Relativitätstheorie folgte seine bekannteste Arbeit: die Allgemeine Relativitätstheorie.

Ebenfalls berühmt sind seine Äußerungen in Bezug auf Gott. Sie werden immer wieder kontextbefreit für eigene Ideologien vor den Karren gestellt. So wird Einstein von Gläubigen dankbarer Weise mit den Worten zitiert: "Die Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm", wobei der zweite Teil ", die Religion ohne Naturwissenschaft aber ist blind." gerne unterschlagen wird.
Was Einstein wohl vom Glauben hielt, verrät dieses Zitat:
Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden. [...] Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens.

Man kann sich also reichlich bedienen. Bei ausreichender Suche, wird man für viele Standpunkte fündig.
Und das gleiche gilt für das Zitat "Gott würfelt nicht." Dieses wird gern verwendet, von Menschen, die davon überzeugt sind, dass es in unserer Welt keinen Zufall gibt, sondern alles durch Gott vorherbestimmt ist. Optional auch vom deutlich schemenhafteren Schicksal. Aber wie steht es tatsächlich um diese Worte?

Nun Einstein hat dies so nie gesagt, beziehungsweise ist in der damaligen Debatte um die Wirkweise der Quantenmechanik so nie zitiert worden. Einstein glaubte sehr wohl an den Zufall.
Es gibt allerdings zwei Aussagen, auf denen dieser Ausspruch aufbaut.
In einem am 4. Dezember 1926 an Max Born verfassten Brief schrieb Albert:
Die Quantenmechanik ist sehr achtung-gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, daß das doch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, daß der nicht würfelt.

Und am 21. März 1942 schrieb er dem mathematischen Physiker Cornelius Lanczos:
Es scheint hart, dem Herrgott in die Karten zu gucken. Aber dass er würfelt und sich telepathischer Mittel bedient (wie es ihm von der gegenwärtigen Quantentheorie zugemutet wird), kann ich keinen Augenblick glauben.

Die angesprochenen "telepathischen Mittel" sind die damals noch theoretisierten spukhaften Fernwirkungen der Quantenphysik (#1). Fakt ist jedoch, es gibt sie wirklich und die Quantentheorie beschreibt sie korrekt. Einstein behält jedoch Recht, wenn es um die Kausalität in unserem Universum geht. Diese bleibt dennoch erhalten. Eine Aktion erzeugt immer eine Reaktion, eine konkrete Ursache immer eine konkrete Wirkung.

Er kannte die Quantenphysik so gut, wie kaum ein anderer. Er hatte mit seinen Arbeiten über die Brownsche Bewegung und den quantenmechanischen Photoeffekt zwei bemerkenswerte Beiträge zum Verständnis dieser Theorie beigesteuert. Ihm war klar, daß in der Welt der Atome der Zufall das bestimmende Element war. Die von ihm richtig beschriebene Brownsche Molekularbewegung ist eine rein zufällige Bewegung, den ein Molekül durch Stöße mit anderen Molekülen beschreibt.

Was könnte Einstein mit "nicht würfelt" dann meinen?
Den Kollaps der Wellenfunktion. In der Quantenmechanik wird einem Teilchen eine Wellenfunktion zugeschrieben. Diese ist jedoch nicht direkt messbar. Der Zustand eines Teilchens beschreibt diese Wellenfunktion nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Wir erhalten erst dann Gewissheit, wenn wir den Zustand des Teilchens messen. Vor dieser Messung nimmt das Teilchen mit gewissen Wahrscheinlichkeiten alle möglichen Zustände gleichzeitig ein.

Eines der bekanntesten Gedankenexperimente über Wellenfunktionen ist das Paradoxon von Schrödingers Katze: In einer undurchdringlichen Kiste sitzt eine Katze, die einer zufälligen Gabe von Gift ausgesetzt ist. Ist die Katze nun tot oder lebendig? Quantenmeschanisch betrachtet ist sie beides zugleich! Der Menschenverstand, der in aller Regel für solche Ideen nicht gemacht ist, sagt, dass ist Quatsch! Entweder lebt die Katze ODER sie ist tot. Egal, ob ich nachsehe oder nicht.


Ein weiteres Beispiel: Ein Würfel wird in einem Würfelbecher geschüttelt. Nach dem Wurf liegt der Würfel verdeckt unter dem Becher auf dem Tisch. Der Würfel - oder vielmehr die Wellenfunktion des Würfels - hat nun die Zahlen 1 bis 6 mit einer jeweiligen Wahrscheinlichkeit von 1/6 gleichzeitig. Mumpitz sagt das Hirn: Der Würfel hat bereits eine Zahl oben, wir wissen Sie lediglich noch nicht. Erst wenn wir nachschauen, zeigt sie uns zum Beispiel die 4. Die bis heute akzeptierte Kopenhagener Interpretation der Quantenmechanik besagt, dass mit dem Nachschauen die Wellenfunktion auf ihren tatsächlichen Wert 4 kollabiert.

Auch Einstein tat sich schwer mit diesem Gedanken. Sein Argument war aber nicht der gesunde Menschenverstand, sondern dass die Welt sich nicht unstetig verhält: Was gerade noch eine Verteilung von Zahlenwerten war, kann jetzt nicht eine zufällige konkrete Zahl sein. Dieser unstete Übergang (Kollaps), der sehr zufällig von jedem und allem und insbesondere von Gott herbeigeführt werden kann, erregte also seinen Unmut.
Man kann die Worte "Gott würfelt nicht" also so lesen, wie er es selbst sagte: Es bringt uns dem Geheimnis des Alten kaum näher. In diesem - und nur in diesem - Sinne würfelt das Universum und so auch Gott nicht. Doch hier irrte Einstein.

Sehr wohl recht hatte er aber mit seinem Zweifel an einem makroskopischen Schwebezustand der Welt. Makroskopische Objekte wie Katzen und Würfel interagieren ständig mit ihrer Umgebung. Das führt zu einer sogenannten Dekohärenz ihrer Wellenfunktion. Die Umgebung wirkt durch ihre ständige Interaktion als stetig laufendes Messgerät. Im Sinne der Quantenmechanik kollabiert die Wellenfunktion immer.
Kurzum: Weil der Würfel beim Aufprall mit dem Tisch interagiert, wird aus der Wellenfunktion mit 6 möglichen, gleichzeitigen Zahlen die konkrete 4.
Die Dekohärenz von Wellenfunktionen ist allerdings eine Erkenntnis der letzten Jahrzehnte, die die Physiker zu Einsteins Zeiten und Einstein selbst noch nicht kannten.

Einsteins Alternativtheorie sah eine Hintergrundvariable in der Quantenmechanik vor. Eine Art tieferliegende, deterministisch (also nicht zufällige) wirkende Ursache, die so stets einen scheinbar zufälligen Kollaps auslöst. Die Bellsche Ungleichung (#2), die in Sachen Quantenmechanik eine experimentelle Entscheidung für oder wider Einstein ermöglichte, wurde erst lange nach Einsteins Tod bekannt, und es dauerte weitere Jahrzehnte, ehe die Entscheidung experimentell durchgeführt werden konnte. Sie fiel gegen Einstein aus und stellt ein Grundlagenergebnis dar.

Also auch dieser großartige Physiker unterlag so manchem Irrtum. Weiteres Beispiel gefragt?
"Es gibt nicht das geringste Anzeichen, daß wir jemals Atomenergie entwickeln können."
- Albert Einstein

Der Physiker Richard Feynman drückte es einmal so aus:
Wissenschaft ist der Glaube an die Unwissenheit von Experten.


#1 - Spukhafte Fernwirkung der Quantenphysik

Das quantenphysikalische Phänomen der Verschränkung (selten Quantenkorrelation) liegt vor, wenn der Zustand eines Systems von zwei oder mehr Teilchen sich nicht als Kombination unabhängiger Ein-Teilchen-Zustände beschreiben lässt, sondern nur durch einen gemeinsamen Zustand.

Verschränkte Photonen können durch die parametrische Fluoreszenz (parametric down-conversion) in nichtlinear optischen Kristallen erzeugt werden. Dabei wird aus einem Photon mit hoher Energie im Kristall ein verschränktes Paar von Photonen mit niedrigerer Energie (der Hälfte der Energie des Ursprungsphotons) erzeugt. Die Richtungen, in die diese beiden Photonen abgestrahlt werden, sind miteinander und mit der Richtung des eingestrahlten Photons korreliert, sodass man derartig erzeugte verschränkte Photonen gut für Experimente (und andere Anwendungen) nutzen kann.

Bestimmte Atomsorten kann man mit Hilfe eines Lasers derart anregen, dass sie bei ihrer Rückkehr in den nichtangeregten Grundzustand ebenfalls ein Paar verschränkter Photonen abstrahlen. Diese werden jedoch mit gleicher Wahrscheinlichkeit in jede beliebige Raumrichtung abgestrahlt, sodass sie nicht sehr effizient genutzt werden können.

Bei Photonen bezieht sich die Verschränkung meist auf die Polarisation der Photonen. Misst man die Polarisation des einen Photons, ist dadurch die Polarisation des anderen Photons festgelegt (z. B. um 90° gedreht).

Bei Atomen kann sich die Verschränkung auf deren Spin beziehen. Regt man ein zweiatomiges Molekül mit einem Spin von null mit einem Laser derart hoch an, dass es zerfällt (dissoziiert), und besitzen die beiden freiwerdenden Atome Spin, so sind sie diesbezüglich verschränkt. Bei entsprechenden Messungen wird eines von ihnen etwa den Spin +1/2 zeigen, das andere −1/2. Es ist aber nicht vorhersagbar, welches der beiden Atome den positiven und welches den negativen haben wird. Misst man aber den Spin eines der beiden Atome, wird dadurch der Spin des anderen festgelegt.

#2 - Bellsche Ungleichung

Die bellsche Ungleichung betrifft Messreihen an quantenverschränkten Teilchen. Sie wurde 1964, 9 Jahre nach Einsteins Tod von John Stewart Bell veröffentlicht und widerlegte Einsteins Konzept einer universellen, deterministisch wirkenden Hintergrundvariable, die für den zufällig scheinenden Kollaps der Wellenfunktion von Objekten verantwortlich sein sollte.

1935 hatten Albert Einstein, Boris Podolsky und Nathan Rosen dargelegt, dass der lokal-realistische Standpunkt der klassischen Physik dazu zwingt, den Teilchen individuelle Eigenschaften zuzuschreiben, die ihr unterschiedliches Verhalten bei Messungen steuern und damit den quantenmechanischen Zufall vortäuschen (Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon oder kurz EPR-Paradoxon). Andernfalls sei die Quantentheorie unvollständig. John Stewart Bell zeigte jedoch, dass bei bestimmten Experimenten an verschränkten Teilchenpaaren die Messergebnisse stets seine Ungleichung erfüllen müssten, falls man Einsteins Konzept folgt. Die Quantentheorie sage aber in bestimmten Fällen die Verletzung der Ungleichung voraus. Was 1964 bei Bell lediglich Theorie war, wurde ab 1982 erstmals durch Alain Aspect experimentell bestätigt.
Gleichzeitig mit dem Konzept der individuellen Teilcheneigenschaften gilt seitdem auch der lokale Realismus als widerlegt: Mindestens eines der beiden Prinzipien von Lokalität und Realismus muss man aufgeben. Aber nicht alle Physiker folgen dieser Argumentation.

Die Quantenmechanik ist keine realistische lokale Theorie. Bestimmte in der Quantenmechanik berechnete Mittelwerte verletzen die bellsche Ungleichung. Daher kann die Quantenmechanik - im Gegensatz zu einer Annahme Albert Einsteins - nicht durch Hinzufügen von verborgenen Variablen zu einer realistischen und lokalen Theorie vervollständigt werden.
Bei verschränkten Photonenpaaren ist die Verletzung der bellschen Ungleichung gemessen worden. Ihre Polarisationseigenschaften stimmen mit der Quantenmechanik überein und sind nicht mit der Annahme von Realität und Lokalität verträglich. Dies bedeutet, dass nicht alle Messwerte vor der Messung feststehen oder dass die Messwerte nichtlokal von weit entfernten, unvorhersehbaren Entscheidungen abhängen oder dass man nicht beliebig wählen kann, welche Eigenschaft des Systems gemessen werden soll.

Man kann Einsteins Postulate, insbesondere die Vorstellung verborgener Variablen, aufgeben und hinnehmen, dass die Wellenfunktion nur die Wahrscheinlichkeit der Messwerte festlegt, nicht aber, welcher Messwert in jedem Einzelfall auftritt. Dies ist die Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik, die unter Physikern vorherrscht. So aufgefasst ist die Quantenmechanik nicht-real, weil eine Messung nicht einfach eine Eigenschaft abliest, sondern herstellt, was zuvor nicht feststand. Zudem ist die Quantenmechanik auch nicht-lokal, weil sich der quantenmechanische Zustand des Photonenpaares über beide Messplätze erstreckt.

Mehr:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bellsche_Ungleichung

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