Sacra Tibia: Milos' Anfänge




Unterhaltungsliteratur in ihren verschiedenen Formen, wie beispielsweise Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten, Berichte, Märchen und Sagen

Sacra Tibia: Milos' Anfänge

Beitragvon almafan » Fr 24. Aug 2012, 08:55

Milos' Anfänge

Die Anfänge des Bezwingers Mammons, niedergeschrieben von Hexagon im Jahre des Prozesses Philip, des Schönen gegen den Orden der Ritter des heiligen Tempels.

Inhaltsverzeichnis:

Träume
VÖ: 27.08.2012: Erste Nacht (#1)
VÖ: 28.08.2012: Zweite Nacht (#1)
VÖ: 29.08.2012: Dritte Nacht (#1)
VÖ: 01.11.2018: Drachen (#1)

#1 - Die Geschichte "Träume" wurde in ihrer aktuellen Version vom 24. - 29. August 2012 geschrieben. Am 1. November 2018 wurde ein Inhaltsverzeichnis vorgeschaltet, sodass alle Kapitel der Geschichte um 1 Beitrag nach unten gerutscht sind.
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von Anzeige » Fr 24. Aug 2012, 08:55

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Re: Sacra Tibia: Milos' Anfänge

Beitragvon almafan » Mo 27. Aug 2012, 20:28

Träume

Im Frühjahr des Herrn 994

(Die Geschichte spielt ab der 1.Nacht des Spiels.)


Erste Nacht

Milos' Tagwerk ist vollbracht. Nur das Vieh muss er noch zurücktreiben in den Stall. Diesmal hat er sie auf den Hirschfeldern weiden lassen. Weil es ein Stück weit ab vom Dorf liegt, schicken die anderen Bauern ihr Vieh lieber über den Fluß zum Roten Weiher oder auf die Gabelsweide. Gabel war ein Bewohner des Dorfes, verstorben lange bevor Milos geboren wurde. Er rodete den Wald, der nun diese Weide ist. Nach ihm benannt. Auch Wigberd ist eigentlich nicht damit glücklich, das sein Vieh nicht gleich hinter dem Hof grast. Milos weiß sich zu verteidigen, sei doch auf der Schwanzenweide kaum noch Grün. Außerdem kann er das Gebiet von den Feldern gut einsehen. Sein Hund sollte ja auch dort auf die Tiere acht geben. Doch Vuk ist zwischendurch selbst verschwunden. Jetzt ist er wieder an der Seite seines selbsterwählten Herrchens. Auf Wigbert hört der Hund nur, wenn dieser brüllt und geifert. Milos aber ist sein Freund, sein Kumpel, sein Spielkamerad. Fürwahr ist dieser Hund irgendwie anders, als die Hunde, die Wigberd sonst so kannte. Allerdings war er auch noch jung und würde mit der Zeit schon seinen Platz auf dem Hof finden. Als Bündel kam er von einer Hündin eines Nachbarn. Erst hat sie ihre Welpen nicht angenommen und dann ist sie selbst vom Hof des Nachbarn verschwunden.

Zusammen mit seinen Brüdern Karl und Stefan und ein paar Weidenstöcken treibt Milos das Vieh wieder zurück ins Dorf. Die Herde zählt vier Schweine und drei Ziegen. Die Hirten auf dem Hochwald betreuen die Schafe Wigberts. Die ziehen im Frühling da hinauf und wohnen den ganzen Sommer oben in der Bergbaude und kümmern sich um die Schafe Sittas und Halifas. Nebenher jagen sie etwas Wild und pflücken von den Sträuchern. Auch bekommen sie von den Dörflern etwas gebracht, als Lohn für ihre Tätigkeit. Besonders das Jagen war dem Grundherrn Balduin anfangs ein Dorn im Auge, sah er dies doch als Wilderern an. Doch das System ist alt und es funktioniert. Warum also etwas daran ändern? Zumal die Bauern auf dieses Recht pochten und eine Revolte einst fast wieder geschah, für dies. Milos macht sich darüber keine Gedanken. Seine kleine Herde ist für einen Dreizehnjährigen groß genug. Und auf dem Feld muss er ja auch noch arbeiten.

Endlich erreicht der Trupp auch das Dorf. Sie sind heute die letzten, die in ihren Stall kommen. Die Sonne ist hinter den Hügelketten im Westen schon fast verschwunden. Milos schließt noch ab und füttert Vuk mit den Resten, die zum Mittag über waren. Etwas Brei bleibt immer über. Zusammen mit seinem Vater wird er wohl wieder Balduin fragen müssen, ob er nicht doch noch einmal ein Tier erlegen kann. Hunde brauchen Fleisch. Und noch sind die Schweine zu klein zum Schlachten. Ein paar Hasen wären wohl schon ausreichend.

Milos rückt sich auf dem Stroh zurecht. Es muss für die vier reichen. Der Mutter zu Liebe schlafen die kleinsten in ihrer Richtung. Milos' Füße sind also direkt an der Feuerstelle. Ihn stört das nicht. Für seine Familie muss man eben zurückstecken. Wenn er selbst einmal den Hof besitzt, wird er ihn wohl erweitern müssen. Denn er will keines seiner Geschwister vom Hof werfen, wenn sie keinen selbst ergattern können. Doch bis dahin ist noch viel Zeit. Und sein Vater tut dies als banale Sentimentalität ab. Er sinkt völlig erschöpft in den Schlaf. Die viele Arbeit und dann auch noch die Suche nach seinem Hund - der Tag war anstengend.

Eine Stimme ruft den Jungen aus dem Schlaf. Milos öffnet die Augen und findet sich ein einem dunklem Raum wieder. Sofort richtet er sich auf. Diesen Raum kennt er nicht. Er weiß, dass er noch nie hier war. Milos bekommt es mit der Angst zu tun. Fast finster ist es im Raum. Nur durch das Fenster der scheinbaren Tür flackert ein rotes Licht. Es flackert hektisch. Draußen scheint es also zu brennen. Hier im Raum dagegen ist es düster und leer. Kein Mobiliar oder das, was ein Bauer alles darunter versteht, ist zu erkennen. Der Raum besteht nur aus dem roten Licht und den vier dunklen Ecken, in die das Licht nicht gelangen kann.

Wieder hört er die Stimme. Sie scheint aus der linken Ecke gleich neben der Tür zu kommen. Milos versucht sich hinzustellen. Doch ein Lichtblitz vor seinem inneren Auge lässt ihn vor Schreck wieder zusammenfallen. Vor ihm ist auf einmal ein kleines Mädchen aufgetaucht. Viel ist nicht zu erkennen. Milos schätzt sie aber jünger ein, als er es ist. Vielleicht erst acht Jahre alt. Doch trotzdem bereitet sie ihm große Angst. Er ist wie gelähmt, bekommt nichteinmal einen Ton über die Lippen. Sein Herz rast. Sein Atmen ist hastig. Ein weiteres Aufleuchten und das Mädchen ist verschwunden. Milos schaut sich nervös im Raum um. Wo ist das Mädchen hin? Wer war sie? Was will sie?

An die Wand gelehnt richtet er sich langsam wieder auf. Sein Blick springt weiter von einer Ecke des Raums zur nächsten. Die Knie versagen ihm fast. Doch noch immer steht er schlotternd an der Wand. Langsam lösen sich die Krämpfe. Er möchte diesen Raum verlassen. Aber dem Verschwinden des Mädchens traut er noch nicht so richtig. Sie kann jederzeit wieder aus dem Nichts auftauchen. Ganz langsam setzt Milos nun seinen rechten Fuß nach vorn. Er traut sich kaum von der Wand weg. Doch nach und nach, schafft er es, sich von dieser lösen. Mehr zitternd als gehend, bringt er sich zur Tür. Doch als er sie öffnen will, wacht er auf.

Es war nur ein Traum. Ein wirrer Traum ...
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Re: Sacra Tibia: Milos' Anfänge

Beitragvon almafan » Di 28. Aug 2012, 14:05

Zweite Nacht

Milos hat den ganzen Tag dieses Mädchen vor den Augen. Ihre waren nicht zu sehen. Es war zu dunkel im Traum. Und so scheint's waren auch ihre Haare ins Gesicht gefallen. Sie sagte nichts, stand nur so da und verschwand wieder. Ob ein Rat des wirren Alten helfen würde? Eigentlich fragt ihn niemand gern etwas. Er ist nur wegen seiner medizinischen Kenntnisse noch im Dorf. Leiden kann ihn keiner. Auch Justin hat mehr Angst vor ihm, als das er ihn Freund schimpfen könnte. Ständig zittert der Mann, auch im wärmsten Sommer. Manchmal zuckt er zusammen oder redet wirr, wie mit einem Unsichtbaren. Der alte Mann ist wahrlich sonderbar.

Wigberd reißt ihn aus seiner geistigen Abwesenheit. Milos hat mit der Heugabel seinen kleinen Bruder im Misthaufen begraben, ohne es für voll zu nehmen. Völlig neben sich lässt er das Gerät fallen und sucht im Haufen nach seinem Bruder. An beiden Händen zieht er ihn heraus. "Baden wirst du ihn.", schreit Hiltrud ihn an. Seine Mutter hat schon genug am Hals. Karl gengelt allen mal. Da kann sie sich nicht auch noch um den stinkenden Stefan kümmern. Milos schnappt sich den Jungen und geht mit ihm zusammen zum oberen Mühlgraben. Schnell entkleidet sich der Kleine. Milos hat noch einige Tücher in der Hand. Nachdem Stefan seinen Fuß wieder aus dem Wasser zieht und ruft: "Das ist ja eiskalt.", entkleidet sich auch Milos. Er nimmt Stefan bei der Hand und geht mit ihm ins Wasser: "Das ist nur das Schmelzwasser aus den Höhen." Er drückt den Jungen kurz unter Wasser und dieser schnellt beim Loslassen sofort wieder nach oben. "Geh, leg dir die Tücher über und setzt dich ans Feuer.", weist ihn Milos an.

Er selbst bleibt, geht ans Ufer und zieht sich seine Kleider wieder an. Schnell sind sie vom nassen Körper klamm. Er schruppt den Gestank aus Stefans Kleidern. Es ist nicht Milos erste Begegnung mit diesem Thema. Außerhalb seiner Arbeitszeiten balgt er gern mit Siegfried und Wilhelm und Walter und Bernd herum, den fast gleichaltrigen Söhnen des Schmiedes und des Dorfschulzen. Außer den 8 Kindern gibt es im Dorf keine. Hotos hat bisher kein Glück gehabt. Und die Kinder des Nachbardorfs sind auch nicht oft hier. Häufiger sind die ortansässigen Kinder dann schon bei denen. Fast immer treibt sie der Markt, der immer aufmacht, wenn doch mal ein Schiff in dem verschlafenen Nest vor Anker liegt. Es ist aber nur die kleine Scholle, die aus Praga oder Budissin nach Halifa schippert. Für Milos und die anderen auf der Insel sind das schon fast unerreichbare Orte. Sitta selbst hat keinen Hafen. Und kaum ein Händler macht sich die Mühe bis in die Insel hineinzugehen. Das wäre ein stundenlanger Marsch und wenig Aussicht auf lukrative Geschäfte. Selbst Balduin hat sich daran gewöhnt und kommt zum Markt, wenn dieser steht.
Milos also wäscht die Sachen, wie er es eben schon öfter tat. Die Kleider seiner Schwester hat er bei Albernheiten schon verschmutzt und bei den Raufereinen mit den anderen Jungs im Dorf bleibt man auch selten sauber.

Wieder ist Milos in Gedanken versunken. Das kleine Mädchen lässt ihn nicht los. Sie hat etwas geheimnisvolles an sich. Und Milos hätte gern die Chance gehabt, das zu ergründen. Doch er weiß, dass er zu feige war. Das war doch nur ein Mädchen in einem Traum. Doch er muss zur Kenntniss bringen, dass es ein Traum war, der sich äußerst echt anfüllte. Noch nie hatte er einen Traum so real empfunden. Aber es ist sowieso vorbei. Fast nie träumt er etwas zweimal.

Diese Nacht aber sollte es anders sein. Stefan liegt umsorgt zwischen ihm und Maria. Sie sollen für die Wärme sorgen. Das der Junge sich ja nicht erkältet. Milos kann noch das Raunen des Vaters vernehmen, der sicher immernoch etwas sauer ist, weil sein Sohn in Scheiße vergraben wurde und sein Ältester auch noch den ganzen Tag nicht ganz bei der Arbeit war. Milos kann das verstehen. Die Arbeit muss getan werden.

Milos öffnet wieder seine Augen in dem dunklen Raum. Es ist alles wie am Tage zuvor. Der Raum ist leer, das rote Licht flackert zum Türfenster herein. Alles ist wie schon mal. Milos setzt sich auf und robbt sich so schnell zur Wand. Das Mädchen soll ihn nicht wieder überraschen. Ein lautes Knacken und Heulen ist zu hören. Es kommt näher. Vor Milos bilden sich nasse Fußabdrücke. Irgendetwas unsichtbares scheint auf ihn zuzugehen. Wieder erscheint der Blitz und das Mädchen steht vor ihm. Obwohl Milos das schon kennt, entfährt ihm wieder ein Angstschrei. Diesmal ist der Traum noch intensiver als zuvor.

Das Mädchen steht starr vor ihm. Das Gesicht ist wieder von den Haaren verdeckt. Milos' Augen haben sich ungewohnt schnell an die Dunkelheit im Raum gewöhnt. Doch ihr Gesicht kann er nicht erkennen. Ist sie freundlich? Oder ist sie wütend? Und wer ist sie? "Er wird kommen.", flüstert sie. Ungewohnt wird dies von einem Echo mehrmals wiederholt. Doch das Echo ist allemal so laut, wie das Mädchen. Ein weiterer Blitz und das Mädchen ist wieder verschwunden.

Milos hat keine Ahnung, was sie damit sagen wollte. Doch schnell stämmt er sich wieder auf. Wenn der Rest wieder so sein würde, wie gestern, so würde sie ihn nicht mehr überraschen. Er kann sich also der Tür widmen. Sein Schritt ist diesmal mutiger. Er greift nach der Türklinke. Nocheinmal schaut er in den Raum. Doch das Mädchen ist tatsächlich verschwunden. Milos reißt also die Tür auf. Und eine Flamme schlägt ihm ins Gesicht.

Milos schreckt aus dem Traum auf. Schnell begreift er, dass es nur dieser Traum war. Nur dieser verwirrende Traum ...
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Re: Sacra Tibia: Milos' Anfänge

Beitragvon almafan » Mi 29. Aug 2012, 13:24

Dritte Nacht

Diesmal ist Milos ernster bei der Arbeit. Zwar denkt er hin und wieder über seinen Traum nach. Doch wenn er sieht, dass sein Vater ihn beobachtet, arbeitet er. Einen weiteren Anstunk sollte er sich nicht leisten. Wigberd ist kein milder Vater, er holt auch schon mal den Gürtel hervor. Es ist zwar nur ein Schnürband, aber mit dem richtigen Schwung und dem richtigen Abstand ist auch das schmerzhaft. Milos ist aber froh, das Hanis nicht sein Vater ist. Ein Schmied kann sicher stärker zuhauen. Zumindest zeigen das die Beulen seiner Kumpel. Allerlei Schabernack haben die fünf Jungs schon getrieben. Und alle Väter sagen, dass sie so etwas nie getan haben. Zu glauben ist das nicht. Milos denkt schon, dass auch sein Vater einst keinen Deut besser war. Es gehört zur Jugend, mehr zu wollen, als man darf.

Milos verbringt so den ganzen Tag damit, das Feld zu bestellen und allenthalben nach dem Vieh zu schauen. Als Ältester hat er auch schon einige Weisungen vergeben. Stefan und Karl sollen das Vieh bewachen und sofort rufen, wenn etwas schief läuft oder irgendwas in den Büschen raschelt. Besonders der kleine Karl kann die Gefahren nicht richtig einschätzen. Und so rennt Milos häufig umsonst. Mal ist ein Eichhörnchen, das durch die Büsche am Waldesrand huscht, mal hat ihn eine Ziege umgestoßen. Zu allem Überfluss macht auch Vuk seine Schwierigkeiten. Eigentlich dachte Milos, dass dieser wenigstens für ein wenig Ruhe und Abhilfe sorgen kann. Aber die Eichhörnchen übersieht er und den Welpen nehmen die Ziegen und Schweine auch nicht ernst.

Und wieder hört er Karl von weitem. Aber er schreit lauter. Milos lässt alles stehen und liegen und rennt zu den beiden Viehhütern. Diesmal hat ihn die Ziege schwer erwischt. Wird wohl ein Kopfstoß gewesen sein. Milos hebt den Kleinen mit seiner Platzwunde an der Stirn auf und trägt ihn hastig zum Haus. So viel Mist Milos auch macht, wenn er es vermag, kümmert er sich um seine Geschwister, wie ein Engel. Und er kämpft für sie wie ein Löwe. Auch wenn er solch edle Geschöpfe noch nie gesehen hat, so wie auch die, die ihm dies nachsagen. Man lebt halt doch zu weit weg von der Welt.

Schnell legt er den kleinen auf die Pritsche seines Vaters. Die Mutter und Maria springen auf. Während die Mutter vor Sorge über den kleinen Karl alles um sich herum vergisst, weist Milos Maria an, einen Eimer Wasser und einen Lappen zu holen. Auch wenn sie sich sonst nichts sagen lässt, ist sie doch das einzige junge Mädchen im Dorf, wenn es um die Familie geht, arbeiten sie Hand in Hand, wie ein eingespieltes Duo. So auch als sie zu zweit einen verwirrten Wolf von Stefan fernhielten. Zu einer Zeit als Karl noch gar nicht geboren war. Er war damals neun, sie höchstens sechs. Mit einem Ast schlug Milos damals nach dem Wolf, während Maria Steine auf ihn warf. Sie konnten ihn solange hinhalten, bis die Erwachsenen kamen und das Tier erlegten. Stolz war den beiden damals ins Gesicht geschrieben.

Doch nun steht wieder eine Katastrophe ins Haus, die Tage sind zwar warm, aber die Nächte sind mild. Ohne die richtige Medizin könnte Karl an einer Entzündung leicht sterben. Denn die milde Frische könnte den kleinen Körper auf ein gefährliches Maß schwächen. Dann wäre der Kleine dahin. Milos rennt ins Gatter, ein paar Eier müssen die Hühner doch schon gelegt haben. Völlig aufgeschreckt springen die gestutzten Vögel umher. Nur vier Eier. Milos muss sein Glück versuchen. So schnell ihn seine Beine tragen können, rennt er zum alten Mann. Der hat immer etwas Brauchbares im Haus. Und Eier braucht der Mann fast immer. Milos weiß nicht, wie jemand so viele Eier in so kurzer Zeit verbrauchen kann. Und mumlig ist ihm ja schon. Immerhin ist er jetzt bei eben jenem wirren Alten, der spricht, wenn keiner zuhört oder bei ihm ist. Aber Karl ist jetzt wichtiger. Eigentlich ist der alte Mann ja auch ganz freundlich. Und noch nie hat er jemanden etwas getan. Aber seine Art ist eben sonderbar.
Als er die Tür öffnet, berichtet Milos von seiner missligen Lage, verschluckt in der Eile fast die Hälfte der Worte. Der Alte bewegt seine müden Knochen so schnell es geht zu seinem Tisch. Ein wenig kreist sein Blick und seine Hand über den verschiedenen Mixturen. Doch schnellstmöglich findet er die Wundsalbe und erklärt sie dem Jungen. Kurioserweise kann der Alte nämlich von Zeit zu Zeit recht klar sein, in seinen Ausführungen.

Als der kleine dann auch, so fachgerecht es eine bäuerliche Hütte zulässt, versorgt ist, kümmert sich Milos um Stefan. Der hat ahnungslos auf die Herde geachtet. Bis dahin hat niemand mehr nach ihm geschaut. Milos setzt sich zu ihm, freudig von seinem Hund begrüßt: "Das hast du gut gemacht." Stefan schaut auf den Hund und dann zu Milos. "Ja, ich meine dich Stefan. Du hast noch nie allein, auf die Herde achten müssen, ohne das jemand auf dich aufpasst. Das werde ich auch Vater sagen. Vielleicht wird der dich loben und dich zum Dank an seine Seite setzen. Für heute." Stefan wird etwas verlegen. Sonst gebürt dieser Platz ja Maria.

Den Tag über geschiet nicht mehr viel. Als Milos sieht, dass Wigberd das Gerät einsammelt, das in der Eile auf den Feldern fallengelassen wurde, steht er auf und fragt Stefan: "Willst du heute mal die Tiere heim führen?" Bisher hatte das immer Milos nach der Arbeit gemacht. Seit dem Tage, als Wigberd es ihm auftrug. Ohne zu murren, ohne Widerworte. Für ihn war es eine Ehre, ein Vertrauensbeweis. Und auch Stefan ist stolz, dass er diese Aufgabe mal meistern darf. Von Milos hat er sich die Technik abgeschaut. Man muss sich vor den Tieren aufbauen und wenn man hinter ihnen steht, ein wenig auf ihren Arsch hauen. Mit der flachen Hand oder einen dünnen Stock. Dabei sollte man nie direkt hinter ihnen stehen. Gemächlich macht sich denn auch die Herde auf den Weg. Milos läuft ein wenig Abseits der Tiere, Vuk bei sich. Stefan soll es allein schaffen. Er passt nur auf.

Nach diesem ereignisreichen Tag liegt Milos wieder im Bett. Die Sache mit Karl und Stefan hat ihn das Mädchen fast vergessen lassen. Doch er nimmt seinen Mut zusammen und erzählt seinem Vater nun davon. Der ermahnt ihn "Die Träume haben dreifache Quellen: Gott sendet die frommen Träume, der Menschenleib entwickelt verdächtige Träume. Der Teufel aber schickt die unzüchtigen Träume der Versuchung. Verdränge deinen Traum lieber. Eine Deutung lässt schon der Priester in der Kirche nicht zu. So ist es von Alters her. Sonst öffnest du wohlmöglich noch der Sünde das Tor in deine Seele."
Die Worte des Vaters wiegen schwer, doch wenn er diesen Traum nocheinmal hat, so ist er diesmal fest entschlossen, das Mädchen zu fragen, was es will. Heute ist aber ein bisschen weniger Platz, als die Tage zuvor. Karl liegt wegen seiner Verletzung immernoch in der Pritsche des Vaters, neben der Mutter also. Der Vater hat sich dafür auf dem Stroh eingefunden. Milos und Maria rücken dichter aneinander. In ihrer Nähe fällt es dem ohnehin erschöpften Milos leichter einzuschlafen.

Wieder in diesem Raum wartet Milos auf das Mädchen, das auch alsbald auftaucht. Wieder in der ominösen Blitzerscheinung. "Er wird kommen.", flüstert sie abermals, ohne dass man ihre Lippen sich bewegen sehen könnte. Milos kennt das alles nun schon, auch wenn der Schrecken wieder tief sitzt. Er fasst all seinen Mut zusammen. Diesmal kauert er sich nicht an der Wand zusammen. "Wer wird kommen?", kommt es dennoch recht leise aus ihm. Das Mädchen antwortet nicht. "Hallo?", mit etwas kräftigerer Stimme. Die Angst scheint langsam zu weichen. Das Mädchen dreht sich um, sagt weiterhin kein Wort. Als Mikos ihr folgen will, löst sie sich in Staub vor ihm auf. Milos' Hand, die er nach ihr streckte, zieht er rasch zurück. Wieder ist etwas Neues geschehen.

Diesmal will Milos aber so viel, wie möglich über diesen Ort erfahren. Und so schreitet er zur Tür, immer auf der Hut, ob das Mädchen denn wieder auftauchen würde. Diesmal reißt er die Tür auf. Sofort schlägt ihm viel Hitze entgegen. Auch ist es sehr stickig. Milos geht erst einen Schritt zurück, bevor er sich mit dem Ärmel vor dem Gesicht nach draußen wagt. Als er sich umdreht, um das Gebäude zu besichtigen, von dem er nun schon zum dritten Mal träumt, ist es verschwunden. Es scheint so, als sei er immer hier draußen gewesen. Überall sieht der Junge nur Flammen und Verbranntes. So weit das Auge reicht, ist alles in feurigem Rot getaucht. Doch obschon es sich um ein makaberee Schauspiel handelt, kommt ihm der Ort seltsam vertraut vor. Die Anordnung der noch brennenden Häuser und Höfe kennt er. Es ist sein Dorf. Sitta brennt. Aus dem düsteren Traum, der wahrlich bereits schrecklich genug war, ist nun ein augewachsener Albtraum geworden.

Milos bewegt sich in dem Ort ein wenig hin und her. Vielleicht erfährt er ja, wo die Leute sind. Auf seinem Weg zum Brunnen sieht er bereits einige verkohlte Leichen, vom Vieh und vom Menschen. Ihm wird übel. Doch speien kann er nicht. Und er erkennt die Toten nicht wieder. Keinen einzigen. Wer sind diese Leute? Obwohl sie unbekannt sind, steigen die Tränen in Milos' Augen. So viel Elend hat er sein Lebtag nicht gesehen. Die brennenden Höfe, die verkohlten Kadaver und Leichen. Er kommt sich vor, als träume er von der Hölle.

Am völlig ausgedrockneten Flußlauf sieht er eine Frau. Sie scheint nicht verbrannt zu sein. Schnell rennt er zu ihr. Wer mag sie sein? Er erkennt auch sie nicht. Einige Merkmale kann er zuordnen, aber die Leute, die er kennt, sehen dann doch anders aus. Auch fragt er sich, warum diese Frau als einzige Leiche nicht verkohlt ist. Der Junge schaut noch einmal auf das Dorf. Ist dies eine Vision? Wird das Dorf wirklich eines Tages brennen? Oder hat es das schon? Wieder schweift sein Blick zur Frau vor ihm. Doch nun liegt hier ein Mädchen.

Völlig verschwitzt wacht Milos auf. Er sitzt im Heu. Hastig ist sein Atem. Er schaut zu Maria herüber, die immernoch schläft. Alles ist in Ordnung. Doch was soll er von dem Traum halten? Und immer wieder hallen ihm die Worte des finsteren Mädchens durch den Kopf: "Er wird kommen." Nur wer?
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Re: Sacra Tibia: Milos' Anfänge

Beitragvon almafan » Do 1. Nov 2018, 07:37

Der Drache

Noch völlig verkatert von der Nacht, sehnt Milos schon ungewohnt früh dem Feierabend entgegen. Nach dem Traum konnte er einfach nicht mehr einschlafen. Und die Nacht war noch lang. Er weiß nicht mehr, wann er das letzte Mal um diese Zeit wach gewesen ist. Zu allem Überfluss will der Tag heute einfach nicht vergehen. Und der Magen streikt auch schon. Aber es hilft alles nichts. Die Arbeit muss getan werden. Während die Sonne also langsam dem Horizont entgegen strebt, zu langsam für Milos' Gefühl, muss er weiter Scheiße auf den Misthaufen schippen. Kurz hält er inne. Der Schweiß wird von der Stirn gewischt. Die Arbeit ist nicht nur hart, nein, heute ist es auch wieder sehr warm.

Noch einmal die Knochen knacken lassen, den Rücken durchbiegen und die Gleider strecken. Denn bis zum Abend wird es nicht leichter. Noch etwas gedankenversunken steht er am Haufen. Er denkt über den Traum der vergangenen Nacht nach. Irgendetwas muss er bedeuten. Immerhin hat er nun schon dreimal hintereinander dieses Szenario vor dem geistigen Auge gehabt. Gerade will er nach der Mistgabel packen, da wird sein Hund unruhig. Wie am Spieß bellt und knurrt der kleine Racker plötzlich los. Milos kennt das sonst nur, wenn er mal wieder einen Fuchs oder Hasen erspäht hat. Vor Fremden wurde er aber aktuell eher ausreißen. Ein Wachhund ist er noch lange nicht. Diesmal aber blickt der Hund in den Himmel. Milos versucht zu erfassen, was die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich zieht. Nach Westen schaut er und die untergehende Sonne sticht noch einmal in seine Augen. Mikos hält sich sofort die Hand vor die Augen.

Jetzt hat er es auch gesehen. Ein seltsam großer Vogel am Himmel fliegt in den Wald hinter der Schanzenweide. Es sind sicher keine dreihundert Schritt bis dahin. Was mag das sein? Ist das der Grund für Milos' Visionen? Von solchen und ähnlichen Visionen sprach der Priester in der Messe schon öfter. Und man solle sich vorsehen, dass man nicht vom Teufel getrieben wird. In Milos steigt die Angst auf. Doch auch die Neugier wird immer stärker. Milos ist noch lange nicht fertig, über dieses Ding zu sinnieren, da hat sein Hund schon ganz andere Pläne. Wie angestochen rennt er vom Hof, mit lautem Gebell. Milos kommt wieder zu sich. Das Werkzeug wird an Ort und Stelle fallen gelassen. Wieder muss er seinen Hund einfangen. Das geschiet ihm in letzter Zeit, wie es scheint, öfter. Maria ruft ihm noch ein "Wo willst du hin?" hinterher. Sie hat das große Etwas am Himmel nicht gesehen. Sie weiß nicht, was Vuk treibt. Aber Milos wird ihn wohl schon wieder einholen. Das hat er bisher immer. Vielmehr wundert sie sich, das Milos nach so einem Arbeitstag noch so gut zu Fuß ist.

Der hat aber derweil andere Sorgen als die Glieder, die ihn tragen. Sein Hund legt trotz seines jungen Alters ein ordentliches Tempo vor. Milos hat viel Mühe, ihm zu folgen. Besonders als die Allmende überwunden ist und das Geäst des Waldes den Lauf behindert. Vuk kann bequem unter dem Gestrüpp hindurch. Milos' Lauf aber ähnelt immer mehr einer Schlange, die sich durch das Gelände windet. Das Gebell seines Hundes wird immer leiser. So weit kann er aber doch noch nicht vorraus sein. Milos befürchtet schlimmes.

Als er im Wald langsam die Orientierung verliert, dieses Ding ist wohl doch viel weiter in den Wald hinein, als es erst den Anschein hatte, kommt der kleine, pelzige Vierbeiner wieder auf Milos zu. Der ist erleichtert. Seinem Hund hat es wohl einfach nur die Sprache verschlagen. Wenn man das denn so nennen will. Trotzdem ist der Hund völlig aus dem Häuschen. Mit dem Schwanz wedelnd und ständig umherirrend rennt er immer wieder vor Milos' Füße. Wie ein Jagdhund auch, möchte er Milos zu seiner über alle Maßen ambitionierten Beute bringen. Milos versucht mit einem "Sssss" den kleinen Racker zu beruhigen.

Ein Geräusch durchdringt den Wald. Es ist nicht laut, aber es ist zu vernehmen. Im Dorf wohl aber nicht mehr. Es hört sich dumpf an. Sofern man das durch die Bäume beurteilen kann. Es wird nur durch das Rascheln des Hundes, das Wehen des Windes und durch die Schritte Milos' durch das trockene Laub übertönt. Milos geht in die Knie. Er denkt, das Tier jederzeit vor sich zu haben. Wenn er sich klein macht, übersieht ihn das Biest wohlmöglich. Für eine Verteidigung wäre wohl weder Zeit noch Kraft vorhanden. Doch wirklich einschätzen kann er das noch nicht lokalisierte Tier in Größe nicht. Fast flüchtig war es nur zu sehen. Mehr ein Schatten, als ein Bild.

Noch immer strohmannt Vuk vor seinem Herrchen. Sein Blick hastet von einer Baumgruppe zur nächsten. Es scheint auch ihm nicht geheuer, das dieses Ding hier im Wald ist. Doch Milos kann von dem Tier immernoch nichts erkennen. Schon viele hundert Schritt hat er durch den Wald gemacht. Es kann also eigentlich nicht mehr weit sein. Dieses Ding muss hier irgendwo sein. Auch Milos' Blick ist nicht still. Abwechselnd überprüft er die vier Himmelrichtungen und die Baumkronen über ihm. Wenn dieses Ding fliegen kann, so kann es auch von oben angreifen. Er kann die Anwesenheit des fremden Wesens fast spüren.

Da plötzlich erblickt er es. Hinter den Büschen und Sträuchern einer Waldschneise. Da liegt es. Hebt und senkt die Flügel. Mikos hält seinen Hund bei sich. Wenn der Kleine jetzt loslegt, so sind die beiden des Todes. Milos schaut sich das Gebilde ganz genau an. So genau man es aus der Deckung eines etwas entfernt stehenden Busches eben kann. So etwas hat er noch nie gesehen. Die Größe übertrifft seine schlimmsten Schätzungen.

Mit einem grazilen, aber doch massiven Körper, über und über mit Leder oder Schuppen übersät. Milos kann es nicht richtig erkennen. Fell hat es zumindest nicht. Nicht von hier aus. Die Flügel sind nochmal so groß, wie der Körper. Und auch ein langer Schwanz ist zu sehen. Die Schnauze ist lang geformt. Sicher hat das Biest viele scharfe Zähne. Auch das ist nicht sicher auszumachen. Krallen aber hat es. Und sie sind lang wie Dolche. Eine dicke Wulst liegt über den Augen. Wie aus den Gruselgeschichten seiner Eltern mutet das Tier an. Aber so recht zuordnen kann er es nicht. Doch wenn er raten müsste, würde er auf einen Drachen tippen. Diese Monster kommen direkt aus der Hölle und schnappen sich ihre Opfer auf der Flucht, verspeisen sie lebendig mit Haut und Haar.

Schlimme Gesellschaft, für ein Dorf, das sich nie etwas hat zu Schulden kommen lassen. Das muss das Werk des Teufels sein. Niemand sonst hat diese Niedertracht, ein solches Wesen auf unschuldige Menschen zu schicken. Töten soll es wohl die Bewohner. Mikos kommt sofort die Erinnerung an seinen Traum wieder in den Kopf. Drachen. Das sind Feuerspucker. Sicher hat dieses Monster, das Dorf in seinen Träumen entflammt. Milos packt sie nackte Angst. Ist sein Traum also eine prophetische Vision?

Aus seinen Armen entkommt der Hund, rennt schnurstracks auf den Drachen zu. Mutig bellt er den ruhigen Riesen an. Der senkt einfach den Kopf und legt ihn auf seine vor ihm gekreuzten Arme. Vuk scheint absolut keine Gefahr für das Schuppentier darzustellen. Der Drache dreht seinen Kopf weg, scheint die Augen zu schließen. Langsam erhebt sich auch Milos hinter dem Busch. Gut versteckt war er dahinter scheinbar sowieso nicht. Zu undicht ist das Gestrüpp. Der Drache dreht seinen Kopf wieder zum, immernoch wild bellenden Hund. Mit einem Schaufer wirbelt er warme Luft auf. Das Laub fliegt umher. Vuk rennt ein Stück zurück und setzt seine verbalen Angriffe mit größerem Sicherheitsabstand fort. Milos selbst ist, obschon der drohenden Gefahr, erstaunlich ruhig. Obwohl das Vieh sicher des Teufels ist, verspürt er plötzlich keine Angst mehr davor. Er weiß, er müsste wegrennen, aber er tut es einfach nicht.

Auf einmal sind auch die Stimmen anderer Menschen zu vernehmen. Sie rufen nach ihn. Er zuckt zusammen. Wigberd ist zu hören. Maria hat ihn wohl doch noch im Wald verschwinden sehen und dann nach den Erwachsenen gerufen. "Was für Dummköpfe!", denkt er sich: "Sie könnten den Drachen aufscheuchen." Milos schnappt sich schnell seinen Hund und ergreift die Flucht. Noch einmal schweift sein Blick zum Drachen. Der scheint keine Anstalten zu machen, sich auch nur irgendwie zu rühren. Wahrscheinlich will er nur hier schlafen. Nicht sonderlich böse.

Die Gruppe erreicht den jungen Mann. Milos hat dafür gesorgt, dass sie dem Drachen nicht begegnen. Bestehen könnten sie vermutlich sowieso nicht. Zu groß ist das Vieh. Den Hund noch immer auf dem Arm, geht er mit der Gruppe wieder Richtung Dorf. Er wird gescholten, sein Leben nicht für einen Hund hinzugeben. Aber er bemerkt es nur oberflächlich. Die Gedanken treiben sich in ihm: "Das soll also das Monster sein, vor dem alle Angst haben? Sprach das Mädchen wohl doch nicht von diesem Untier? Ist das Monster denn überhaupt gefährlich? Spielt es nur mit mir? Hat es wohlmöglich doch einen ganz verheerenden Plan?"

Von der Begegnung aber sollte er in nächster Zeit wohl niemandem erzählen. Aber vielleicht hat der Alte im Dorf eine Antwort parat. Milos wird ihn hinten herum fragen müssen. Nicht das auch der Alte Panik macht. Dann würden die Dörfler sicher in den Wald ziehen, um das Biest zu töten. Und viele würden es nicht überleben. Vielleicht aber legt sich die Sache auch von ganz allein. Vielleicht fliegt der Drache eines Tages auch einfach wieder weg. Dann wäre aber weiter die Ungewissheit, ob er nicht eines Tages auch wieder zurückkommen würde. Was das Biest will, kann man es vermutlich auch nicht einfach fragen.

Erstmal schweigen. Vorerst ist es überstanden. Den Drachen hat er seitdem nie wieder gesehen. Kein Bauer, der dort zum Holzsammeln hinging, gab Hinweise auf eine Bestie oder war irgendwie angeschlagen. Und auch die schrecklichen Träume sind verschwunden. Was das zu bedeuten hat, wird Milos nicht oft überlegen können. Die Arbeit wird ihn sicher wieder treiben.

Ende
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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