Sacra Tibia: Hexagon - Der unsichtbare Mann




Unterhaltungsliteratur in ihren verschiedenen Formen, wie beispielsweise Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten, Berichte, Märchen und Sagen

Sacra Tibia: Hexagon - Der unsichtbare Mann

Beitragvon almafan » Do 11. Aug 2011, 14:24

Der unsichtbare Mann

niedergeschrieben von Hexagon

Erst vor 3 Wochen ist der Erzbischof von Ravenna verstorben und vor 1 Woche der Bischof von Pomesanien.
Auch der König von Sverige und die Fürstin der Provence sind verschieden. Ebenso die Königin von Leonien.
Der magrebische Mathematiker Ibn al-Banna' al-Marrakuschi hat ebenso wenig mit seinem eigenen Tod gerechnet, wie der italienische Kardinal Niccolò Alberti darauf gehofft hat.

Doch zum Scherzen ist mir nicht zu Mute. Denn ich sehe meinem eigenen Ende entgegen.
Darum verfasse ich dieses Vorwort. Auf das meine Schriften von dir Leser gefunden werden und du lernen kannst, von einem, der schon ewig lebt und doch nicht sterben will. Wenn ihr nur sehen könntet, wie ich diesen letzten Moment lebe. Mit einem Leben, alt wie ein Baum, aber eingeschüchtert, wie ein kleines Kind, dass seine Holzpuppe nicht loslassen will. Ich habe viele Leben gelebt. Aber das eine will ich nicht vergehen lassen.

Ich bin von vielen gesehen worden, doch ich bin der unsichtbare Mann. Und dies ist meine Geschichte. Und es ist die Geschichte vieler Königreiche.

Ich werde für euch der Hexagon sein. Doch mein Name tut nichts zur Sache.
Meine Unsichtbarkeit ist keine physische. Sehr wohl kann man mich sehen, man sieht wo ich stehe, wo ich gehe, wo ich sitze, wo ich liege. Meine Unsichtbarkeit ist eine gesellschaftliche. Ich bin an vielen markanten Punkten der Geschichte aktiv gewesen, doch ich werde nicht mehr wahrgenommen. Meine Geschichte erzähle ich euch hier als Rückblick.

Ich sitze in einem Keller in einem Stadthaus der Dogenstadt Verona. Ich war überall unterwegs, doch ich bin fast wieder daheim.
Diesen Keller habe ich erleuchtet mit 69 Talg- und Wachskerzen, Öllampen und Fackeln. Meine Widersacher sollen sich wundern, wenn sie diesen Raum betreten. Sie sollen erschlagen werden vom Licht und der Wärme. Ich selbst werde mich nicht wehren. Zu viele werden es sein, zu wenig Kraft ist mir verblieben.

Von diesem hellsten Punkt in ganz Verona aus, will ich in dieser Nacht das ewige Dunkel des Todes sehen. Von hier beleuchte ich dir mein Leben.
Ich war Student an den Universitäten Rhomäas. Ich war Hersteller von weißer Kalkfarbe. Ich war Installateur von Thermen. Ich war Redner während eines Sklavenaufstandes. Ich war Hausbesetzer. Ich war Hausberäumer. Ich war Beamter. Ich war Bettler. Ich war in Bruderschaften und Bünden. Ich war eins mit ihren Leitlinien. Ich war im Konflikt mit den Vorstellung der Parteiführung. Ich wurde umjubelt. Ich wurde fallen gelassen. Ich war Lehrer. Ich war Schüler. Ich war weise. Ich war dumm. Ich hatte Freunde. Ich hatte Feinde. Ich war der wütende Mob. Ich war Opfer des wütenden Mobs. Ich war Fanatiker. Ich war Geerdeter. Ich habe verfolgt. Ich bin geflohen. Ich habe erschlagen. Ich bin schon viele Male beinahe ums Leben gekommen.

Ich spüre die Hand schon an meiner Kehle. Das Messer in meiner Brust.
Sollte ich tatsächlich noch einmal das Tageslicht sehen, ich werde meine Geschichte binden und einem Verlag vorlegen.

Ihr nun müsst leider mit einer unsortierten, unvollständigen Machart Vorlieb nehmen.

Über allem aber schwebt die Frage:
Wenn ich so viele Leben gelebt habe und so viele Jahre das Kommen und Gehen von Großen und Kleinen gesehen habe, das Ändern ganzer Systeme, das Kommen und Gehen von Königreichen - wer bin ich?

Immer wieder beeinflußt - was ist von mir? Was kam von außen?
Fortwährend sah ich allzu oft genötigt, die eigene Identität stets wieder neu zu entwerfen und in der Konfrontation mit der Realität zu korrigieren. Stehts auch darum bemüht, mich denen zu entziehen, die über mich bestimmen wollen. Doch habe ich immer wieder versucht, meiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht auszuweichen.

Wer bin ich?

Bin ich der unsichtbare Mann?
(#1)

Inhaltsverzeichnis:

VÖ: 22.09.2012: Die dreckige Seite Agrippinas (#2)
VÖ: 15.06.2018: Die Insel Iser - Teil1: Prolog (#3)
VÖ: 17.08.2021: Die Insel Iser - Teil1: Pelagius (#4)


#1 - Diese Geschichte stammt vom 17. August 2021, wurde aber thematisch vor die anderen Geschichten gestellt, da diese sein "Buch" einleitet. Am gleichen Tag wurde das Inhaltsverzeichnis geschaffen.
#2 - Diese Geschichte wurde bereits mehrfach neu aufgelegt. Die aktuelle Fassung stammt vom 15. Juni 2018. Mit der Zusammenführung von "Sacra Tibia: Hexagon - Der unsichtbare Mann" und "Sacra Tibia: Hexagon - Die Insel Iser" am 27. September 2021 wurde diese Geschichte den beiden Kapiteln der Iser-Geschichte vorangestellt. Daher ergibt sich ein deutlich älteres Datum.
#3 - Ursprünglich am 11. August 2011 erschienen. Da so sowohl das eingeleitete Inhaltsverzeichnis als auch die Agrippina-Geschichte dieser vorangesetzt wurden, erhält sie das deutlich spätere Datum.
#4 - Ursprünglich am 22. September 2012 erschienen. Da so sowohl das eingeleitete Inhaltsverzeichnis als auch die Agrippina-Geschichte dieser vorangesetzt wurden, erhält sie das fast 9 Jahre jüngere Datum.
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von Anzeige » Do 11. Aug 2011, 14:24

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Re: Sacra Tibia: Hexagon - Die Insel Iser

Beitragvon almafan » Sa 22. Sep 2012, 20:13

Die dreckige Seite Agrippinas

niedergeschrieben von Hexagon

im 1. Jahr der Herrschaft Heinrich II., Sohn des verblichenen Otto III., aus dem Haus der Liudolfinger, den Fürsten über Sax, der König der teutischen Lande und König des Tiber, Hegemon über die Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Heerführer der christlichen Lande, selbst erzogen in der Obhut eines Geistlichen
im Jahre 1313 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 1002 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 718 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 392 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift in den Wochen meiner Einkehr in die große Stadt am Pasig.
So habe ich es selbst gesehen und erlebt, kein Wort dichtete ich hinzu.

Das teutische Reich verfügt über keine Hauptstadt. Wenn es aber eine hätte, sicher wäre es Agrippina, wenn es nicht Tiber wäre.

Ich war lange nicht mehr hier. Agrippina hat sich verändert. Und nicht wirklich zum Guten.

Dreck liegt überall, mehr als in anderen Städten. Überfüllt ist sie. Laut ist sie. Zu schnell gewachsen in den letzten Jahren. Ein fauliger, beißender Gestank lässt Kaufleute, wie Erntebringer wünschen, ihre Geschäfte in dieser Stadt schnell zum Abschluss zu bringen. Seuchen, die das ganze Hinterland ergreifen, haben hier oft ihren Anfang. Sie brechen hier aus oder werden mit einem der zahlreichen Schiffe eingeschleppt. Kein Tag vergeht, an dem nicht die Männer mit den schwarzen Kutten durch die Straßen ziehen und wieder einen Toten auf der Bahre tragen. Einen jener Unberührbaren, da der Tod schnell beim nächsten ist. Sie tun ihren wertvollen Dienst und werden doch verachtet. Einen ehrlichen Beruf dürfen sie nicht ausüben. Die Stadtoberen verbieten ihnen die Braut. Und selbst wenn sie dürften, die wenigsten wollen einen solchen als Schwiegersohn aufnehmen. Wenn sie doch einen Bastard aufziehen, so müssen sie es neben der Arbeit allein tun. Ein Erbe gibt es nicht. Und Aufstieg ebenso wenig. Sträflich macht sich fast die Frau, die die Schande gesteht, ihr Kind sei von einem der schwarzen Kutten.
In ihrer Not tut sich der Stand zusammen. Obschon, die Stadtoberen verbieten eine Versammlung als Berufsstand. Sie wird ihnen verwährt. Doch groß ist die Macht der Brüderlichkeit. So leben sie oft unter ihres gleichen, zusammengerottet in Hinterhöfen und schmalen Gassen. Wenn einer stirbt, den die Seuche dahinraffte, dann kommen sie wieder aus ihren Winkeln und werden ihn bergen, für einen Groschen oder weniger.
Die schwarzen Kutten also dienen als Abschreckung. Schaulustige sind dennoch immer dabei. Man will die Männer bei ihrem makaberen Spiel beäugen. Jene die nur dafür sorgen, die Seuche ein kleines Stück einzudämmen. Verkauft werden darf ihn nur über den Stock. Ein langes Holz schiebt die Ware zu ihnen, nachdem das Geld zuvor mit diesem herangezogen wurde. Niemand grüßt sie, niemand will sie. Und doch braucht die Stadt diese Männer. Diese gehören zum Stadtbild, seit sie erstmals im Jahre 803 bei der großen Pest mehr Arbeit bekamen, als sie bewältigen konnten. Nicht eine Familie, die nicht jemanden verlor. Mehr als ein Drittel der Stadtbevölkerung raffte dahin. Andere Orte traf es nicht so hart. Das ist das Los großer Städte.
"Totenträger", "Schwarzkutten", "Totenbringer" oder"Pestschlepper". Das sind alles gängige Bezeichnungen für die fleißigen Männer. Damit drückt der gemeine Mann seine Bewunderung für den Mut und gleichermaßen seine Verachtung über diese Armen aus. Sie dienen dem Gemeinwohl und sind dennoch nicht in der Gemeinschaft.

Auch ich erschrak, als sie das erste Mal meinen Weg kreuzten. Doch nun, da ich um sie weiß, empfinde ich nur noch Mitleid. Die armen Hunde unter den Kutten wissen, dass sie die nächsten sein könnten, die verenden und im Verdacht der Seuche außerhalb der Stadt, weit ab der Mauern in irgendeinem Massengrab verscharrt werden. Kein Stein wird ihrer gedenken, kein Holz wird zur Andacht mahnen.

Die Stadt selbst zeugt allgegenwärtig von der großen, fast ewigwährenden Geschichte. Die Präsenz der Rhomäa ist ebenso wenig der Stadt entschwunden, wie die Zeiten der ersten Christen, der merowingischen Herrscher und der karolingischen Dynastie. Oft geht man nur von Viertel zu Viertel und findet sich in einer anderen Zeit. Den Glanz, gewiss, muss man suchen wollen, möchte man ihn finden. Agrippina überstrahlte einst das päpstliche Tiber, das durch die Herren in Konstantinopel noch immer nahtlos an die imperialen Epochen anzuschließen vermag. Agrippina ist heute größer, dass lässt sich nicht bestreiten. Aber schöner ist es nicht.
Wo ist sie hin, die Kunst, eine so große Stadt sauber zu halten? Es findet sich kaum ein Moment, wenigstens das Gröbste zu beseitigen. Doch es gibt sie, die falsche Sauberkeit. Der Pasig durchfließt den Ort von Ost nach West und trägt ihn weg, den Müll, der falschverstanden durch diesen die Stadt verlässt. Der Fluß selbst war einst die Hauptversorgung für sauberes Trinkwasser aus den nahen Rhonebergen und lieferte durch jahrtausende alte Baukunst unterirdisch auch Wasser in die Zisternen und Brunnen der Stadt. Heute erstickt er im Dreck, der sich ungefiltert ins Hafenbecken ergießt. Bis an den alten Truskenwall, der dem Hafen, als künstlicher Damm von den Rhomäa aufgeschüttet, vorgelagert liegt. Es stinkt das ganze Wasser. Fische fängt hier keiner mehr. Bei Sturmflut wirft das Meer den Dreck zurück an Land, so als wollte Poseidon sein Meer rein halten.
Wäsche wäscht hier keiner mehr. Wer das Wasser verwenden will, muss es lange auskochen. Man begegnet dem Problem auf amüsante Weise und sorgt somit für die Wirtschaft. Der Handel von Bier und Wein blüht prächtig, denn gefiltert ist das nasse Gut und Hopfen, Hefe und Traube überdecken den übrigen Gestank. Für wahr, einen Feinschmecker lockt man damit nicht. Es bleibt: Das Wasser ist vergiftet.

Ähnliche Sorgen scheint es aber vor mehr als Tausend Jahren schon einmal gegeben zu haben. Wandert man in der Stadt dem fäulnisdarbenden Fluß entlang, so kann man in den niederen alten Handelshöfen, kaum über dem Wasserspiegel des Flusses, Zeugnisse vergangener Versuche finden, die Stadt vom Müll frei zu halten.
Ein riesiges, grobes Gitter liegt halb in den Fluß ragend, bleiern am Boden. Flußaufwärts finden sich abgescharbte, abgeschmirgelte Schaniere im Wasser. Sie sind bearbeitet durch den Fluß, vielmehr noch aber durch die zahlreichen kleinen und großen Fetzen, Hölzer, Schlick und Sande, die mit dem Fluß ins Meer gespült werden.
Das Gitter scheint länger als der Fluß breit ist und auch die Riefen und Vertiefungen im Boden sind nicht auf den jeweils gegenüberliegenden Seiten. Sie sind leicht versetzt. Deute ich diesen Fund richtig, so wurde das Wasser nicht nur grob durchsiebt, sondern der Schmutz zur etwas flussabwärts gewandten Seite geleitet, wo auch heute noch ein flaches Becken darauf hinweist, dass hier der Müll in diese Senke gespült wurde.
Ich war nie hier, als die Anlage noch tüchtig ihren Dienst vollrichtete, aber ich kann mir vorstellen, dass der gesammelte Abfall mit Karren weiter weg transportiert wurde. Aus anderen Städten jener Zeit ist mir bekannt, dass der Müll eine Strecke weit vor den Stadttoren aufgetürmt und dann verbrannt wurde. Mit der gewonnenen Asche konnte dann der Acker gedüngt werden. Wieso sollte es hier einst anders gewesen sein?

Offenbar war eine solche Schleuse auch nahe der Stelle verortet, an der der Fluß in die brahmsche Bucht mündet. So blieb das Hafenbecken einst sauber und man konnte sicherlich ein paar große Brocken angeln, all das zwischen Galeeren und Trimeren. Ich will die Zeit von damals nicht bewerten, aber malerisch klingt es wohl.
Da in alten Handschriften von großen Schleusen geschrieben steht, sehe ich meine Annahmen bestätigt.

In der Stadt finden sich auch viele Zugänge zur einst viel gerühmten Kanalisation. Die meisten Eingänge entpuppen sich heute als Sackgassen, da kurz nach der Tür, so sie denn nicht heraus gebrochen ist, die Tunnel im Laufe der Zeit und in ermangelnder Wartung eingestürzt sind. Oft sind sie auch zugeschüttet, um Dieben ein Versteck zu verleiden. Zu meist aber sind die Zugänge einfach unbedacht überbaut worden. Sie stecken unter den Böden oder hinter zugemauerten Wänden. Die Straßenverläufe haben sich geändert und so findet man nicht mehr viele dieser Tore in eine Stadt unter der Stadt.
Dort aber sicherlich wird die Zeit ebenso Einzug gehalten haben. Die noch offenen Eingänge dienen sicher einigen Säckelschneidern, Langfingern und Räubern als eine heimliche Bleibe. Die verwinkelten Gänge sind für die Stadtwachen ein Graus. Niemand will sich so recht da unten auskennen. So fand auch ich keinen Führer. Aber vielleicht habe ich auch nur die falschen befragt. Ich gehe davon aus, aber ich kann es nicht beweisen, dass die meisten Abschnitte mittlerweile den eingestürzten Toren zu diesen gleichen.
Vergangen ist sie, ach, die große Zeit. In jenen soll jede größere Stadt im Burgenland eine Kanalisation besessen haben. Doch Abwässer führen wohl nur noch die wenigsten Teile davon.

Erhebt man den Blick über die Stadt, so wird gewahr, dass noch mehr Zeugnisse aus alten Tagen vor aller Augen ihre Vergangenheit stumm kundtun. Ziegelsteine aufgetürmt bis über die Dächer der Stadt trugen einst Bögen die ganze Höfe überspannten und zu den Zisternen und großen Brunnen der Stadt führten. Da auch jene mit dem Zusammenbruch des Westrhomäischen Reiches nicht mehr in Stand gehalten wurden, brachen irgendwann die Bögen ein.
An einigen Häusern lässt sich nachweisen, dass sie anschließend aus jenem Material verfertigt wurden. Steinerne Häuser haben sich also durch diese Art des Steinbrechens erhalten. In anderen Städten ist der Steinbau zum Erliegen gekommen und sie muten an, wie große Dörfer aus Holzhäusern.
An vielen Stellen aber sind die Kolosse erhalten geblieben und nehmen die Sonne von der Straße. Sie werfen weite Schatten. Bildlich und symbolisch. Denn auch sie sind Zeugen einer Zeit, in der die Geschicke des Menschen bessere waren und er Bauten errichten konnte, als sollten sie zum Himmel reichen. Einige Kolosse aber sind selbst gestürzt. Ihnen half es wenig, die Bögen abzuwerfen. Nicht selten liegen sie noch heute da, wo sie Jahrhunderte her ihren Niedergang erfuhren. Die Straßen sind hindurchgezogen worden und der Schutt auf's Gröbste beräumt, aber oft auch wurde die darunter liegende Wegführung oder der darunter liegende Hof aufgegeben. Und so bleibt liegen, was keiner Ordnung bedarf. Bewuchs macht sich darauf breit und Tiere siedeln hier an. Inmitten der unruhigen Stadt entstehen so Oasen der Ruhe. Bäume sind hier keine zu finden, da sie schnell dem Praktischen dienen und im Ofen landen oder herausgerissen als Ausbesserung am Reetdach angebracht werden. Kleinere Sträucher und Unkraut überwuchert aber die steinigen Haufen und bietet manchem Tier Unterschlupf.
Allein eines der Aquädukte, wie die Rhomäa sie nannten, ist noch erhalten geblieben und tut wenig verlässlich seinen Dienst. Ihm allein ist es zu verdanken, dass noch ein Restgehalt klaren Wassers die Stadt erreicht. Aber es bröckelt an vielen Stellen auf der gesamten Strecke. Und der endgültige Bruch ist nur eine Frage der Zeit. Keine Kenntnis mehr hat einer der Steinmetzen, sie zu restaurieren. Keine Kenntnis hat der Baukundige mehr eine Restauration zu planen. Kein Geld hat mehr einer, diesen Aufwand zu zahlen.

Neben Tod und Verfall sahen meine Augen dann kurz vor meiner Abreise dann doch einen Funken Reinlichkeit. Unbeholfen zwar, aber einmalig im Okzient, haben sich in den letzten Jahren Gestalten ins Stadtbild gemischt, die man früher nie kannte. Auch sie werden gemieden, da sie nur dem Dreck der Stadt verpflichtet sind. Straßenfeger nennt man sie.
Von den Stadtoberen angestellt, aber in keinem Amt versehen, schieben und schleppen sie den Müll der Straßen umher. Was der Regen nicht fortspült, weil es in Ecken liegt oder zu schwer ist, bringen sie in Rinnen oder fahren es mit dem Karren. Sie schütten alles ohne Unterscheidung in den ohnehin toten, viel zu vollen Fluß. Dieser trägt, was er noch zu tragen vermag, in den Hafen.
Nach der Langfristigkeit eines solchen Handeln fragt hier niemand. Und es wird sicherlich wieder zu Problemen führen, die heute noch keiner sehen kann oder will. Aber es dient der Stadt, auch wenn die paar Hanseln dem Dreck der Straßen nicht Herr werden. Merklich dennoch in welchen Gassen sie vor kurzer Zeit schon waren und in welchen nicht.

Der Fluß kriecht mit der Last nur noch. Einst soll er ein Quell an Kraft gewesen sein.

Ja, Agrippina hat sich verändert. Und das nicht zum Guten.
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Sacra Tibia: Hexagon - Der unsichtbare Mann

Beitragvon almafan » Fr 15. Jun 2018, 19:19

Die Insel Iser

Prolog


[...]

Bei meinen Nachforschungen in meinen eigenen, einst geschriebenen, oft unbeholfenen Unterlagen, stieß ich auch immer wieder auf die vier dokumentierten Expeditionen zur Insel Iser. Immer ging es um die gleiche Frage: Wer hat die geheimnisvollen Bauten errichtet, die nur noch als Ruinen erhalten sind? Wer einmal dort war und ein wenig Verständnis für die Architektur mitbringt, wird schnell bemerkt haben, dass es weder fränkisch, magyarisch oder gar skytisch ist. Und letztere sind eigentlich die ersten bekannten Siedler dieses Gebietes gewesen, noch bevor sie, seeuntauglich wie sie waren, vom Rhomäischen Imperium in die östlichen Steppen gedrängt wurden.
Auf dem Archipel Brahmens, zu denen zweifelsohne ja auch die Insel Iser gehört, hat sich also eine bunt gemischte, eigenständige Kultur entwickelt, die auch unserer Tage mit den germanisch-christlichen Bräuchen, zumeist ja fränkische Siedler und Siedlerssöhne, sowie der Seeuntauglichkeit der Skyten gezeichnet ist. Ich möchte hier nicht allzu weinerlich daher schreiben, aber auch ich befinde mich auf einem Schiff nicht wohl. Mit Land unter meinen Füßen geht es mir da wesentlich besser.

Die ersten, an die ich mich erinnere, die eine Expedition nach Iser sandten, waren die Rhomäer. Mark Aurel, der "Philosophenkaiser", ein sehr kluger Mann, Adoptivsohn und Nachfolger des Antoninus Pius hatte sie angeordnet, noch im Februar einhundertachtzig. Keinen Monat danach ist er verstorben. Und da diese Unterstützung fehlte, konnte die bereits auf Iser stationierte Expeditionsmannschaft kaum verrichteter Dinge abrücken. Die Zeichner hatten noch ein paar Skizzen der Bauten gemacht und im Rückgepäck befand sich auch die ein oder andere Habseligkeit, von, archäologisch betrachtet, oft zweifelhaftem Rang.
Eigentlich stand nur ein Ergebnis nach dieser Farce: Die Skyten haben diese Bauten nicht errichtet. Wieso denn auch? Skyten sind Nomaden, sie ziehen umher. Die einzige Behausung, die sie kennen, sind Zelte. Aus ganz Brahmen wurden sie verdrängt, sowie auch aus Magyar, Servia und all den anderen Regionen, bis zu denen das Imperium sich an seine Ostgrenzen erstreckte. Sie sind ins Hinterland gezogen, schon hinter der skytischen See, eigenartigerweise eben nach einem Volk benannt, dass mit der Seefahrt so viel gemein hat, wie der Bauer mit dem Verspeisen eines königlichen Banketts. Also standen nun dort Bauten von einem unbekannten Volk. Und auf der Insel lebte ein Volk, das nicht baut. Denn nirgends sonst, hat man vom Nomadenvolk auch nur ein weiteres Haus gefunden.
Das höhere Zimmermannshandwerk kam sowieso erst mit den brahm'schen Siedlern, die Steinmetze erst mit den fränkischen. So entstand in der Stadt Sitavia, sowie auf den vornehmeren Höfen der Vororte, eine einzigartige Architektur, die sich seit einigen Jahren auch im Schwarztal zu verbreiten scheint: Das Fachwerk. Schragen und Balken aus Holz stellen das Grundgerüst. Stein und Lehm bilden die Mauern, Decken, Böden und Wände. Wer das Geld hat, lässt sein Dach ziegeln oder schindeln. Das beugt auch dem Brand vor, auch wenn es nicht endgültig schützt. Besonders aber auf den zwei Inseln Szerna und Sudet ist alles beim alten geblieben. Die Häuser bestehen weitestgehend aus Stroh und Holz. Die dortigen Dörfer werden nur in Zyklen von kleineren Schiffen, kaum mehr als große Boote, angefahren und in den Häfen, mag man sie denn so nennen, verfestigt, um ein paar Waren feilzubieten und danach wieder abzulegen.
Die zweite Expedition war eine merowingische, die dritte eine karolingische, jene große Königshäuser, die dereinst über das große fränkische Imperium als Erben des rhomäischen herrschten. Vielleicht ist es ein Aberglaube, der die Leute sonst von dieser Insel fern hält, aber auch nach all der Zeit, sind die Ruinen nach wie vor die einzigen Beweise, dass hier einst eine Zivilisation lebte. Iser ist immer noch unbewohnt.
Die dritte Expedition begleitete ich einst. Nun stand ich selbst vor den Ruinen und konnte mir ebenfalls keinen Reim darauf machen. Erst einmal allerdings zum Anfang:

Es begab sich zu einer Zeit vor mehr als fünfhundert Jahren, dass ich selbst diese Geschichte erlebte.
Schon Tage bevor der Streit um die Führung dieses prestigeträchtigen Unternehmens in die heiße Phase überging, war ich wieder in Agrippina. Als hätte man keinen ungünstigeren Zeitpunkt finden können, kümmerten sich die Leute wenig um die Expedition. Eine große Hungersnot war in der Stadt. Der Regen blieb aus, die Brunnen waren dementsprechend trocken und die Felder ebenso. So zog auch die Ruhr um. In den Straßen stapelten sich wieder die Leichen. An allen Orten tuschelten und mauschelten die Leute und zweifelten am Verstand des Herzogs. Dass er gerade in solch einer Notzeit eine so unnütze Reise unternehmen wolle. Die dafür eingesetzten Gelder wären besser bei den Hungernden angekommen, als bei den fahrenden Alchemisten. Das war auch meine Auffassung. Allem Ruhm zum Trotze gehen die Menschen vor.
Ob ich nun mit dem Mob sympathisierte war ohnehin nicht wichtig. Alles Fremde hat von Vornherein einen generell schlechten Ruf. Einzig die Händler freuen sich, jemand neuen über den Tisch ziehen zu können. Ich aber durchschaue deren Listen, dafür war ich auch damals schon zu lange auf der Welt. Beim Erfragen um Informationen zur Fahrt stellte ich fest, dass die, die weniger Hunger leiden, mehr verraten. So war es eine Art Spießroutenlauf.
Außerdem wurden die Wachen auf mich aufmerksam. Die Stadtkommandantur schickte nach allen, die zu neugierig waren, in der Angst, die Reise könnte sabotiert werden. So wurde ich, kaum vom Markt kommend, ergriffen und in eine Zelle, in der Ostkommandantur gesperrt. Aber auch einige Reiseveranstalter haben von meinen Fragen gehört. Und als der Herzog von meiner Festsetzung erfuhr, schickte er einen hohen Offizier, mich aus meiner prekären Lage zu holen. Ich folgte dem flotten Schritt meines Befreiers, der immer weiter auf die städtische Burg zulief. Mit dabei waren auch vier gutgerüstete Lanzenträger, zu unserem Schutz vor der jammernden Meute.
Im Burghof sah ich bereits, wie die Vorbereitungen zu diesem Unterfangen, an eben sich selbst fast scheiterten. Aber ich sah auch etwas, was mein Auge erfreute. Ein Sammelsurium meines Kollegiats von verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen: Alchemisten, Apotheker, Architekten, Astrologen, Astronomen, Jurister, Kunstschaffende, Mathematiker, Philosophen, Scholastiker, Schreiber, Theologen, Wundscherer und Zeichner. Die, die ich wiedererkannte und die gewillt waren, auf dem herzoglichen Hof, mich wiederzuerkennen, waren meist auch jene, mit denen ich mehr zu tun hatte. Viele von ihnen habe ich bereits auch Abseits großer Versammlungen getroffen, mehr im Geheimen. Die Kirche sieht es nicht gern, wenn man an ihren Grundfesten rüttelt, heute wie damals. Schon gar nicht, wenn dies jemand tat, dem man nachsagte, nicht an deren Gott zu glauben oder gar mit den Dämonen zu paktieren. Auch wenn dies zeitweilen durchaus stimmen mag.

Nun befreite ich mich also von meinen Befreiern und begrüßte den einen, der mir sofort in den Sinn kam und der als erster meinen Namen rief. Viele der um ihn stehenden rümpften die Nase. Ich war nicht sehr beliebt, in den Kreisen meiner eigenen Leidenschaft: Der Kunst des Wissens, der Wissenschaft. Mein Freund Quintus kam auf mich zu gelaufen. Doch er wurde von einem der Lanzenträger zurückgestoßen, fiel auf den Steiß. Ich drängte mich an der Wache vorbei und half meinem Bruder im Geiste auf die Beine. Ein kleinwüchsiger Mann, reichte mir kaum bis zur Schulter, der so aber gar nicht als Bedrohung durchzugehen vermag. Allerdings habe ich in meinem langen Leben schon so vieles gesehen, was ich kaum hätte für möglich gehalten. Zartbesaitete Orks, feinfühlige Minotauren, einen leibhaftigen, tausendjährigen Drachen und gar betende Teufel, allesamt als solche schon bemerkenswert, aber durch den Umstand um so vieles einzigartiger, da sie ebend so waren, wie sie waren. Und womöglich sind sie es noch, denn ein Drache oder ein Teufel wird meine Lebensspanne für wahr nicht als solch lange erkennen, ist deren eigene doch so viel länger. Sie lebten lange vor mir, sie werden lange nach mir leben.
Mein alter Freund Quintus, wo ich ihn erwähne, wärmt und tränt mein Herz, war eine gute Seele. Zu manchem Unfug hat mich dieser Alchemist angestiftet. Für sein vorangeschrittenes Alter war er erstaunlich kindlich im Geiste gewesen. Seine geistigen Fähigkeiten aber waren auf hohem Niveau. Und seine kindliche Neugier half ihm, so manches Problem zu sehen, wo andere längst nicht mehr darüber nachdachten. Er kannte alle Kräuter von hier bis an die kargen Küsten des Nordmeeres. Auf den Inseln kannte er sich dagegen etwas schlechter aus. Denn außer der Wissenschaft verband uns noch etwas anderes. Auch er war nicht sehr sicher im Stand auf einem Schiff. Doch sein Wissensdurst schickte ihn an, sich an der Fahrt zu beteiligen, um noch mehr Kräuter, Pflanzen, Steine, Erze und andere Ingredienzien zu lernen. Obwohl er oft ein Schelm sein konnte, möchte ich die vierzig und acht Jahre mit ihm und seiner Bekanntschaft nicht missen. Er war mir ein treuer Freund, hat mir neue Sichtweisen ermöglicht und mich sowohl interdisziplinär als auch menschlich weiter voran gebracht.
Ein guter Mann, möge er in Frieden ruhen.
Zu diesem Zeitpunkt aber lebte der Gute noch und freute sich eben mich zu sehen. Er stellte mich denen vor, die mich noch nicht kannten, aber häufig schon von meinem Namen gehört hatten. Ich fragte, was denn hier los sei und wohin die Reise gehen soll. Ich hatte noch nicht allzu viel auf den Straßen erfragen können. Sie berichteten mir eben von jener Reise nach Iser, die mit einem noch nie dagewesenen Aufgebot an Mannschaft bewerkstelligt werden sollte. Als ich sie auf die viel dringenderen Probleme in der Stadt hinwies, verwies man mich auf den Herzog. Dies tat aber nicht mein Freund oder einer seiner Bekannten, hier im Kreise, sondern der Offizier, der an mich schritt und mich endlich zu meinem Ziel bringen wollte.

Hier auch ein Einschub, der an jene gerichtet ist, die dieses Buch lesen und selbst eine größere Reise unternehmen wollen. Es ist gedacht als eine Art Vorbereitungshilfe für den künftigen Reisenden:
Reist man allein, so muss man keine Kompromisse schließen. Doch ist man im Ernstfall ungeschützt. Vagabunden, Wegelagerer oder einfach wilde Tiere sind dann eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Reist man zu zweit, so hat man jemanden, mit dem man die Reise in Beschäftigung liegt. Man streitet, man lacht, man geht, man kämpft Seite an Seite. Aber man hat Beschäftigung. Eine lange Reise kann sich so sehr schnell kürzen. Auch das Risiko eines Überfalls minimiert sich schon durch nur einen Mitreisenden drastisch. Ist aber umso niedriger, je mehr Reisende sich finden. Diese Senkung der Gefahr ist nur bis zu einer niederen Grenze aufrecht zu erhalten. Reist man bereits mit mehr als zwanzig Mann, so wird die Planung schon schwieriger. Nur selten sind die Ziele dieselben. Noch seltener verträgt man sich mit allen Mitreisenden. Innerhalb der Gruppe kann es schnell zu Rudelbildung kommen, entstandene Entzweiungen können bis zum bewaffneten Konflikt führen und die Gruppe gefährdet sich dann selbst. Es ist also eine Abwägung in Betracht zu ziehen, wie man die Reise verbringen will. Oft ergibt es sich, dass es sowieso auf eine Mischung der gegebenen Verhältnisse hinausläuft. Immer mal wieder trifft man auf seinen Stationen auf andere Reisende, die in dieselbe Richtung unterwegs sind. Ein Stück weit, meist der Beginn oder das Ende der Reise geht man allein. Ist das Reiseziel ein großer Ort, ist man auf dem Weg dahin unter immer mehr Leuten. Und so verhält es sich umgekehrt in eben die andere Richtung.
Ergänzend für den Einschub möchte ich aus dem Jahr vierhundertachtundsechzig berichten. Als das Jahr war, trat ich eine Reise an und konnte einen ganzen Tross für dieselbe Richtung gewinnen. Unterwegs wurden wir von einer Handvoll Banditen überrascht, die aber schnell Reißaus nahmen. Doch zwei unserer Mitreisenden hatte es erwischt, sie waren verwundet und mussten hospiz versorgt werden. Doch die Gruppe konnte sich nicht einigen. Die Stimmung schaukelte sich auf und so kam es ebenda zu einer bewaffneten Auseinandersetzung unter den Mitgliedern der Fahrt selbst. Von den Kämpfen und daraus folgenden Verletzungen geschwächt, gingen wir dann getrennte Wege. Doch beide Teilgruppen wurden abermals von Banditen überfallen. Außer mir sollen es nicht mehr viele geschafft haben, hieß es.
Lernt aus unserem Fehler. Sollte euch also ein ähnliches Ereignis widerfahren, so verkündet mit fester, aber beherrschter Stimme, dass man die Verletzten lieber im nächsten, statt im zurückliegenden Hospiz kurieren soll, auch wenn das letzte Hospiz weniger weit entfernt ist. So kann man die Gruppe voranbringen, ohne auf den Schutz der Verletzten zu verzichten. Auch auf ein Kloster zu verweisen, ist eine weise Aussage. Lasst euch aber auf keinen Fall von den Gefühlen hochschaukeln. Das war dereinst unsere Torheit. Die weisen Worte dürft ihr euch gern als die euren ausgeben.

Zurück aus meiner Anekdote in der Anekdote:
Mir jedenfalls vergewisserte man, diese Expedition sei gut durchgeplant. Aber ich sah hier nur Chaos und Ratlosigkeit. Die selbsternannten Führer waren nicht Herr der Lage. Das große Heer der Forscher, Pilger, Handwerker, Soldaten und der Trägerschaft musste unter einen Hut gebracht werden. Da verschmolzen Priester und Schmiede, Alchemisten und Steinmetze, Soldaten und Bettler, Endzeitpropheten und Zimmermannsleute in einem großen Haufen. Auch noch in mehr als zwei Sprachen. Ich hörte teutonisch, magyarisch, servisch, hvratisch und auch svergisch und norgisch. Offenbar wollte doch ein jeder dieser Lande daran teilnehmen oder gar die ganze Welt.
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Re: Sacra Tibia: Hexagon - Der unsichtbare Mann

Beitragvon almafan » Di 17. Aug 2021, 11:42

Pelagius

Nun aber hieß man mich mitkommen. Ich wollte nicht allein hinein, auch wenn ich den Herzog und seinen Vater bereits kannte, und so hielt ich Quintus am Arm, dass er mir folgen möge. Man zog mich und ich zog Quintus. Meiner Bitte um Beistand wurde schnell nachgegeben und so durfte Quintus auch ohne Zerren mit bis zum Herzog. Eine Ehre für ihn sicherlich, denn er hatte noch nie einen so hohen Würdenträger gesehen. Ich meine, der Mann zu dem wir sollten, war Herzog, ein vom König eingesetzter Stellvertreter für das Protektorat Agrippina und Herrscher damit über das ganze Burgenland, höher als jeder Fürst gestellt, der nicht die Würde einer Kur innehielt. Und von den Kurfürsten gab und gibt es nur der vier im ganzen Reich und im Burgenland nicht einen. So war es schon zu dieser Zeit. So ist's noch heute. So wird's wohl bleiben, für lange Zeit.
Felix Berenguer II., eben jener Herzog, war eigentlich immer ein sehr aufgeräumter Mann. Er war ruhig, besonnen und ein guter Feldherr. Er war sich nicht einmal zu schade, sich selbst im Kampf die Finger schmutzig zu machen. Einige Narben zeugten davon, in seinem Gesichte eben verlief eine quer über die Wange und kreuzte den Mund. Wohl auch sein Oberkörper dürfte von alten Kriegswunden gezeichnet sein, doch nur wenige haben ihn je so freizügig gesehen, davon Zeugnis ablegen zu können. Und auch um dieses Detail wird mich der geneigte Leser bewundern, obschon es mit der Geschichte, die sich da zugetragen hat und die ich hier niederschreiben will, nichts zu tun hat.
Als wir im Vorraum standen, war dieser voll von Herren aus verschiedenen Schichten. Fürsten, Grafen, Ritter, Bischöfe - eben die edelsten Räuber, die man sich suchen kann. Und die Geistlichen stehen den Weltlichen da in nichts nach. Aber auch dies ist ein offenes Geheimnis und veranlasst mich abermals in so kurzem Texte abzuschweifen.
Wir kamen auch zu einem ungünstigen Moment zum Herzog. Keine zwei Monate zuvor wurde er fast Opfer eines Attentates. Seit jener Zeit wird er immer von zwei Mohammedanern bewacht. Man glaubte es kaum. Ich konnte ihn verstehen, die Männer waren ein Geschenk seines Freundes Abraham al ad Sa Ud. Eine Freundschaft die mit einem Feldzug begann, im alten Reich Kymeia. Nun, in den Jahren der Geschichte, waren sie trotz einiger Differenzen Freunde geworden, haben Briefe dem jeweils anderen verfasst und versucht in Notzeiten, dem anderen, auch über die Distanzen, beizuhelfen. Und so schickte eben jener Abraham al ad Sa Ud zwei seiner besten elitär ausgebildeten Männer. Ehrenvolle Kämpfer, loyale Streiter von einem Mann, der dem Namen nach Jud sein müsste. Ich selbst habe ihn nie kennenlernen dürfen. Und so muss ich eben mit den Beschreibungen des Herrn Berenguer Vorlieb nehmen. Doch spricht der Herzog immer nur in höchsten Tönen von seinem mohammedanischen Freund. Über die Grenzen ihrer beider Glauben hinaus, hat sich die Freundschaft ja auch bis ins Grab getragen.

Für die anwesenden Fürsten und anderen Würdenträger sicherlich, wäre es nicht das Schlechteste, wenn der Herzog bei dem Attentat umgekommen wäre. Zu ihrer Schande nun, durften zwei Andersgläubige nun näher an den mächtigen Mann, als einer der Ihren. Zwei im Glauben des Mohammeds, geschenkt von einem Juden. Krummsäbel trugen die Muselmänner und sie schienen darin allerlei Varianzen des Mordens geübt zu sein. Sie schauten immer streng drein. Der Herzog, es mag den Leser überraschen, entschuldigte ihre Abwesenheit nur während ihrer Gebete, die sie gewissenhaft fünf mal am Tage begangen und sich immer zur Kaaba ausrichteten, welche in der Stadt Mekka steht, der Heils- und Geburtsstadt des Verkünders und Propheten Mohammed. Rituell wuschen sich die Männer zuvor und riefen "Allahu akbar". Es lässt sich übersetzen, werter Leser, mit "Gott ist unvergleichlich groß" oder "Gott ist größer als alles". Und es wird sie überraschen, werter Leser, dass der Herzog um die Worte und deren Bedeutung wusste.
Ist es nicht erstaunlich, dass in dieser aufgewühlten, festgefahrenen Auseinandersetzung zweier Religionen gerade die, den schlimmsten Senf geben, die es besser wissen müssten? Die anwesenden Geistlichen und andere, die behaupteten und jene heute, die weiterhin behaupten, sich in der Bibel auszukennen, wünschen die Mohammedaner wegen ihrer Frevelei zum Teufel. Sie würden sicher verstummen, wenn sie wüssten, dass für die Mohammedaner Jesus ebenfalls zu den Gottgesandten gehört, sowie andere Kirchheilige auch, wie der Urmensch Adam, der biblische Abraham und der Jud Moses. Engstirnigkeit war noch nie eine gute Wahl, bei der Erforschung anderer Welten und Kulturen. Sonst würden die Gemeinsamkeiten viel stärker wiegen als die Unterschiede.
Jedesmal knirschen die Zähne des Stadtbischofs, wenn die Wächter sich zum Gebet zurückziehen und der Herzog dies gelassen hinnimmt, ja sogar willigt und unterstützt. Er weiß, dass diese Männer auch dafür beten, dass Gott ihnen Kraft gebe, ihren Schutzbefohlenen auf bestmöglicheweise zu schützen. Ja, Ihr habt es richtig gelesen, werter Literati: Ich schrieb "Gott", nicht "Allah". Sie werden es wohl nicht wissen, aber beide Worte sind bloße Titulierungen, die beide auf Gott verweißen, von dem man mit Fug und Recht behaupten kann, dass man nicht weiß, wie man seinen Namen aussprechen soll. Am Tage des jüngsten Gerichts, sowohl biblisch als auch im Koran verkündet, wird sein Sohn wohlmöglich den Namen in seiner Aussprache nennen. Mögen bis dahin noch viele jüngste Tage vergehen.

Der Herzog also stand nun in einem Raum mit mir, Quintus, den Mohammedanern, Soldaten und dem unehrlichen Gesindel, dass sich Titel erkauft oder erraubt hat oder in den Schoß gelegt bekommen hat. Niemand sollte leistungslos zu solchen Reichtümern und Mächten gelangen. Nicht einmal der Teufel hat solch eine Unverfrorenheit und regt seine Hände ohne Ende, regt sie im Schweiße, in Blut und Tränen, um sein Tagwerk zu schaffen und den Ruf zu erlangen, den er - so kann man es dann nennen - sich erarbeitet hat. Nun gut, der Adel versucht ja daran anzuknüpfen. Er baut Burgen auf Bergen und in Wäldern, lebt von dem, was er geerbt und seinen Einkünften, wo diese aber nicht ausreichen, scheut er keine Gelegenheit zu rauben. Ganz Teutonien ist voll Räuberei und unter Adeligen gilt der für um so glorreicher, je räuberischer er ist. Die Kraft für Schöpferisches geht dabei verloren, denn was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten. Alle Kraft fließt in den Erhalt des Status Quo.
Jetzt fiel es mir auch wieder ein: Der Herzog ein beredeter Mann, mit einigem an Wissen, hatte eben auch solches, dass ihn erkennen ließ, dass sich unter meiner Schale ein vortrefflicher Übersetzer verbarg. Und für wahr, war dies eines der größten Probleme dieser Fahrt, da so viele Völker daran teilnahmen, dass man die Zahl der Sprachen kaum mehr überschauen konnte. Ihr werdet meine Rolle in diesem Stück also auch schnell erraten, werter Leser. Ich bin es, der die Verständigung bringt. Vermalledeit sei der Tag, an dem Nimrod den Turm zu Babel erbauen lies, so dass Gott zu Einhalt gezwungen wart und die Sprachen verwirrte. Andererseits war mir so oft auch ein Tagelohn sicher, denn mehrsprachige Übersetzer waren rar.
So also erfuhr ich, von ihm, dem Herzog selbst, meine Aufgabe auf der Fahrt. Zu dieser wollte er mich überreden. Ich hatte meine Einwände. Zwar hatte ich schon früher einmal Trosse geführt, doch waren sie viel kleiner. Keine fünfzig Mann zählte je eine Karawane, an der ich wirkte. Ob nun im Tross darselbst oder an deren Spitze. Hier aber mussten große Menschenmengen bewegt werden, aus aller Herren Länder. Mit Sprachen, die zu zählen ich nicht einmal bereit war. Wieso also sollte ich diese Fahrt führen?
Nun der Herzog lies nicht locker und besprach mit mir meine Eigenschaften, die mich dazu zu befähigen schien. Er sagte, dass ich bereits Fahrten geleitet habe. Meinen Einwand ließ er nicht gelten. Er sagte auch, dass meine Sprachkenntnisse sehr hilfreich sein werden. Denn ich habe mich in Nah und Fern herumgetrieben und so eine Menge fremder Zungen aufgenommen. Dies konnte ich nur bestätigen. Fürwahr hatte ich in meiner langen Zeit und auf meinen zahlreichen Reisen viele Mundarten, Dialekte und andere Bestände an Worten in meinen Fundus überführen können. Ein gewisses Organisationstalent konnte mir der Herzog auch unterstellen. So war es ja.
Ich wusste, dieser Mann wird nicht aufgeben, mich für die Fahrt zu gewinnen. Ein wenig haderte ich noch, doch ich stimmte zu.

Ich selbst hatte nun also die Aufgabe, eine Fahrt zu führen, in einer Zeit, als der Hunger wieder groß wurde, die Brunnen kaum Wasser gaben. Eine Fahrt, die die Christenheit auf der Insel Iser ansiedeln sollte, und war doch kein Christ. Nicht einmal eine Jud war ich. Besonders die holde Geistlichkeit, die Bischöfe und anderen hohen Pfaffen wetterten gegen mich, als der Herzog seine Entscheidung verkündete. Ich stand daneben und sah zu. Man konnte fast den Schaum auf den Mündern der ach so friedlichen Vertreter Gottes sehen. Nächstenliebe war dann wohl doch eher etwas für die Predigt, nicht aber für den aktiven Dienst. Nun Jesus verkündete einst ja auch das Reich Gottes gekommen ist die Kirche. Männer in goldenen und seidenen Gewändern, Männer die Armut, die sie predigen nicht vorleben. Die, die keine Menschenfischer sind, sondern Fischer des Geldes. Die, die Völlerei verurteilen und von vollen Tellern speisen und den Wein im Übermaß genießen. Kein Fest lassen sie aus. Die, die das Kreuz und Jesus anbeten, obwohl dieser selbst sagte, dass sich niemand über den anderen Stellen solle und sich selbst dabei nicht ausnahm. Gott gehört der Lobpreis, nicht seinen Schülern, nicht seinem Sohn, nicht seinem Symbol. Verlogen ist die Kirche. Doch das sage ich lieber in diesem Schreiben, als es hinaus zu blasen, in die Welt, wo deren Henker schon warten. Am Leben hänge ich dann noch immer zu sehr.
Nun schäumte also genau diese Pfaffenschar und geiferte und wetterte. Einen Ungläubigen könne man doch keine christliche Fahrt führen lassen. Man wusste um meine Reputation, aber ich war eben kein Christ. Zum Gotteslästerer wurde ich runtergeredet. Der Herzog gebot um Ruhe und musste sich erst mit lauter Stimme Gehör verschaffen und im Saale Ruhe stiften. Sein Entschluss stand fest. Er unterwies denn auch die Geistlichkeit darin, dass diese Fahrt der Herzog selbst bezahlt, nicht die Kirche. Das Ziel also dem Gelbgeber zu folgen habe. Und das Ziel sei es, herauszufinden, was sich auf der Insel Iser zuträgt. Wie es um sie bestellt ist. Ob jemand dort lebt und wer dies ist. Sollte also niemand dort leben, so kann auch niemand missioniert werden. Was bringt dann also die Aufregung?
Diese weisen Worte hatten ihren Wiederhall in den Köpfen der Bischöfe und es kehrte kein Laut von ihnen wieder.
Nun nahm mich der Herzog abermals zur Seite und sagte vor versammelter Mannschaft, dass ich einen militärischen Befehlshaber an die Seite bekäme. In Kampfhandlungen solle er das letzte Wort haben und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gleichzeitig schickte er einen Boten seinen Sohn zu holen. Ich sah zu Quintus und er zu mir, wir beide wussten nicht, was der Herzog nun wieder vorhaben könnte. Der Sohn könne unnötig gemeint sein, als militärischer Ratgeber. Immerhin misst der Junge kaum meine Brust und ist der Winter erst acht Jahre alt. Es dauerte auch einige Zeit, bis der Sohn denn auch den Saal betritt, indem noch immer die ganze Schar versammelt war.
Ich allerdings schätze ihn vor seinem Auftauchen älter. Als guter Freund der Familie hatte ich selbst die Kindwache gestellt, ein alter Brauch, in dem der Wächter darauf achtet, das dem Neugeborenen und seiner Mutter keine bösen Geister auflauern. Ich hatte also durchaus gute Kontakte, bis in die Obrigkeit. Nur ausspielen wollte ich sie nicht. Macht macht nun mal nur abhängig. Und wenn es von ihr selbst ist. Nach all den Reisen dachte ich, sei mehr Zeit verstrichen. So stand nun doch nur ein achtjähriger Knabe vor mir.

Mit ihm betrat aber auch die Gemahlin Herzog und Mutter des Sohnes Gerold, Veralda, den Saal. Der junge Mann war der älteste Sohn aus dem Hause Berenguer. Und Gerold taucht in der Ahnenfolge jener Familie noch häufiger auf, als Felix. Jene, die die Heroldskunst beherrschen wissen um diese Dynastie und ihr jähes Ende zu unseren Tagen - um das tausende Jahr. Denn Felix Berenguer II. und sein Sohn Gerold IV. sind die Vorväter des heutigen Statthalters von Ratisbona, Felix Berenguer VII. Für einen Mann aus dem Geschlecht eines Herzogs ist dieser Posten ein Fall. Denn man intrigierte. Man intrigiert immer.
Viele wissen übrigens nicht, dass Felix V. eigentlich Felix VI. wäre, so wie sich alle weiteren Zahlen aufreihen müssten. Doch der eigentliche Felix V., auch Felix, der Verrückte genannt, wurde aus den Familienbüchern getilgt. Er war ein Geisteskranker, eine Marionette für den Papst, der hier ja auch einen seiner Sitze hat. Mit Felix, dem Verrückten begann denn ja auch dieser Sturz.
Nun aber Stand ich der Gemahlin Herzog gegenüber. Diese schien zu wissen, was ihr Gatte vorhabe. Der Herzog nämlich wollte, dass sein ältester Sohn mit auf diese Reise kommt. Die Mutter war strikt dagegen. Entgegen dem Geiste der Zeit wusste sie ihre Meinung kund zu tun und entgegen der Zeit hielt sich der Herzog denn auch an das Wort der Bibel, anstatt das der Geistlichkeit: Die Frau wurde dem Mann als Gehilfin geschaffen. Aber eben mit der Zeit gehend wusste er, dass sein Sohn sonst nur auf der Burg bliebe. Die jüngeren Söhne werden als Pagen auf andere Burgen geschickt, um dort die höfische Ettikette zu erlernen. Aber der Älteste hat die Erfahrung der Ferne dann nicht. Dies war sein Argument. Die Sicherheit ihres Ältesten war das Argument eben der Mutter.
Und wenn ich eines aus der Politik gelernt habe, dann das hinter jedem mächtigen Mann eine Frau steht, die mit den Augen rollt. Und mit der Herzogin Veralda stritt man nicht. Hinter ihrem Rücken wurde sie Ziege oder Weibsbock betitelt. Vor ihr wurde natürlich nur in den höchsten Tönen gelobt.
Während die Eheleute stritten, schaute ich vom Balkon der Weserburg, ebend jener Stadtburg des Geschlechts Berenguer, über die mir anvertrauten Massen. Bauern, Schmiede, Metzen und das weitere fahrende Volk. Alle, die sich etwas von der Fahrt erhofften. Und ich fasste einen Entschluss, meinen eigenen Pelagius-Plan.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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