Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit




Unterhaltungsliteratur in ihren verschiedenen Formen, wie beispielsweise Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten, Berichte, Märchen und Sagen

Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Do 7. Apr 2011, 18:01

Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Die hier aufgeführten kurzen Geschichten, dienen weniger, neue Helden oder dergleichen einzuführen.
Sie sind Hintergrundgeschichten, die so damals tatsächlich passiert sein könnten. Sie sollen den Blick auf die Welt von Sacra Tibia schärfen, die Welt, in der die Helden leben etwas beleuchten und vertiefen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Seite:
VÖ: 25.04.2011: Der Bauer - Einblick in das Gemüt
VÖ: 28.04.2011: Das Bürgertum - Zwei Briefe
VÖ: 29.05.2011: Der Mönch - Mönchsregeln
VÖ: 02.07.2011: Der Ritter - Eine kurze Biografie
VÖ: 05.12.2011: Der Kaiser - Auf der Fahrt mit der Herrschaft
VÖ: 20.04.2017: Der Bischof Meinwerk
VÖ: 16.01.2018: In der Stadt
VÖ: 29.12.2018: Wer eine Reise tut …
VÖ: 01.02.2020: Der stille Diener Gottes

2. Seite:
VÖ: 15.02.2020: Die Ernte
VÖ: 03.03.2020: Macht und Ehre
VÖ: 20.03.2020: Der Unverzichtbare
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Mo 25. Apr 2011, 20:13

Der Bauer - Einblick in das Gemüt

niedergeschrieben von Hexagon

im 22. Jahr der Herrschaft Boleslav II., der Fromme, Sohn des verblichenen Boleslav I., aus dem Haus der Premysliden, dem König von Brahmen, einer der sieben Reichsfürsten der teutischen Lande, der im steten Streit um die Krone Brahmens mit dem Haus der Slavnikiden steht
im 11. Jahr der Herrschaft Otto III., Sohn des verblichenen Otto II., aus dem Haus der Liudolfinger, Sohn eines teutischen Königs und einer rhomäischen Prinzessin, somit Vereiner des alten Reiches, der im Süden zum König wurde und im Norden die Krone erhielt, der König der teutischen Lande und König der Tiber, Hegemon der Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Herrführer der christlichen Lande
im Jahre 1305 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 994 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 710 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 384 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift im Jahr meiner Wanderschaft durch die Bahm'schen und Wend'schen Lande.
So begeben hat es sich, wie ich selbst gesehen habe und durch Gehörtes ergänzte.

Ein Wochentag Mitte März. Es ist die Zeit kurz vor Sonnenaufgang. Der Himmel im Osten wird hell. Die wenigen Wolken, die an ihm hängen, färben sich rosa. In den Büschen beginnen die Amseln zu lärmen und im Stall kräht der Hahn, man kann ihn durch alle Wände vernehmen.

Wigbert, der Bauer, gähnt, reibt sich die Augen und erhebt sich von seiner Pritsche, einem flachen Gestell, gefügt aus grob behauenen Fichtenbrettern, mit einem Strohsack als Unterlage und einem weißgrauen Schaffell als Decke. Neben ihm liegt seine Frau, Hiltrud, sie schläft noch. Sie liegt auf einer anderen Pritsche. Er betrachtet sie: Ihre Haut ist von der Sonne verbrannt, eine braune Haarsträhne hängt ihr in die Stirn, ihre Hände, die sie vor der Brust verschränkt hält, sind schmutzig. Seine vier Kinder schlafen im aufgeschütteten Stroh gleich neben der Feuerstelle, einem aus Lehm gefügten Kochofen, der nach oben hin offen ist, damit der Rauch aufsteigen kann bis unter das Dach, von wo er durch eine Luke entweicht, wenn es denn klappt. Die Feuerstelle ist jetzt tot, weiße Asche und ein angekohltes Stück Buchenholz liegen darin.

Wigbert gähnt nochmals und steht auf. Er trägt ein leinenes Hemd. Er bückt sich nach seinen übrigen Kleidern, die neben der Pritsche auf dem Boden liegen: einer wollenen Hose und einem Rock, den er über den Kopf zieht und der ihm bis zu den Hüften reicht, mit Schlitzen links und rechts, damit er sich besser bewegen kann. Die Farbe der Kleidung ist Dunkelgrau. Bunte Farben würde Balduin, sein Fronherr, nicht dulden. Bunte Farben würde kein Bauer tragen, hier nicht und sonst nicht. Wigbert schlüpft in seine Schuhe, die geschnitzt sind aus Lindenholz. Es hängt verkrustete Erde daran. Wigbert besitzt noch ein anderes Schuhpaar, aus Leder gefertigt und um die Knöchel zu binden. Sie liegen in der Truhe, einer rohen Holzkiste, die eines der wenigen Möbel im Raume ist neben der Pritsche, Schemel und Tisch.
Wigbert ist nicht sehr groß. Seine Haare, dunkelblond und mit grauen Strähnen, sind abgeschnitten in Höhe der Ohren, die übliche bäuerliche Haartracht. Sein Rücken ist gekrümmt von der Arbeit. Seine Zähne sind schlecht. Er weiß nicht genau, wie alt er ist. Er kann sich an ungefähr fünf mal fünf Sommer erinnern, nicht sehr genau, da ein Sommer wie der andere ist, und wenn er nicht wie die anderen ist, sind Katastrophen der Grund: schwere Unwetter, durch die auf den Feldern das Getreide vernichtet wird, Überfälle von bewaffneten Haufen, die das Vieh rauben und die Häuser anzünden, Seuchen, die Menschen und Tiere vernichten. Das Außergewöhnliche ist immer das Furchtbare, nur die Normalität ist das Glück.

Wigbert klatscht in die Hände. Er ruft nacheinander die Namen seiner Kinder, dass sie erschreckt hochfahren, und auch seine Frau schlägt jetzt die Augen auf. Er schlurft durch den Raum, dessen Fußboden gestampfter Lehm ist, und geht hinaus. Die Tür, ein paar zusammengeheftete Bretter, bewegt sich an Lederriemen.

Er will Notdurft verrichten, auf dem Misthaufen, und während er da hockt, blickt er auf sein Anwesen. Es besteht aus zwei Häusern, beide gleich groß, in dem einen leben er und seine Familie und es hält die Vorräte, das andere ist für das Vieh bestimmt. Es handelt sich um einfache niedrige Bauten, mit Wänden aus behauenen Holzstämmen, in die Erde gegraben, der Raum zwischen den Stämmen wurde mit Strohlehm verschmiert. Die Satteldächer bestehen aus Stroh. Es hängt fransig herab, und seine Spitzen schaukeln im Wind, sofern Wind weht. Jetzt weht er aber nicht. Die Luft ist bewegungslos und überraschend warm. Soeben steigt auch die Sonne über den Horizont. Durch den Himmel zieht mit schnarrenden Rufen ein Zug Kraniche, zurück aus dem Süden und auf dem Weg zu ihren Brutplätzen. Die sind wer weiß wo, Wigbert kennt sie nicht und fragt es sich nicht, er hat andere Sorgen.

Während er zurückgeht zu seinem Haus, sieht er dass einige Holzstämme, die es halten, zu faulen beginnen, unmittelbar über der Erdoberfläche, wo Nässe und Frost besonders leicht angreifen können. Das Haus hat noch Wigberts Vater errichtet, der vor ein paar Sommern gestorben ist. Ein Haus hält nicht länger als ein knappes Menschenleben, weiß Wigbert, dann ist es verfault und stürzt ein, und man muss ein neues bauen, am gleichen oder, noch besser an einem anderen Ort, denn auch die Felder sind dann unergiebig geworden, dass man sich besser neue sucht.

Wigbert holt den Ochsen aus dem Stall und greift sich den Pflug, ein einfaches Ding aus Eichenholz, mit hölzerner Deichsel und einem eisernen Dorn. Er geht bis zu seinem Acker und schirrt dort den Ochsen ein, indem er ihm Lederriemen um Hals und Brust legt, die er dann mit der Deichsel des Pfluges verknüpft. Der Ochse brummt und stöhnt. Sein Fell ist an einigen Stellen wundgescheuert, Wigbert musste in den letzten Tagen Geschirrdienst leisten auf der Burg seines Grundherrn, wo ein neuer Palisadenzaun zu errichten war, die Stämme dafür hat Wigbert mit seinem Ochsen aus dem Wald herbeigeschafft.

Wigbert drückt den Pflug in die trockene Erde. Er treibt das Zugtier an, mit Rufen und Stockschlägen. Im Acker hängen noch verdorrte Wurzeln des vergangenen Herbst geernteten Korns, der Pflug holt sie nach oben. Wigbert pflügt leidiglich gerade Furchen in den Acker, er legt sie möglichst eng nebeneinander, später wird er noch einmal quer pflügen müssen, damit möglichst viel Erde aufgebrochen wird für die Saat. Das Feld gleich nebenan, das ihm auch gehört, trägt die fingerlangen Keime der Wintersaat. Sie scheint gut aufgegangen. Auch die Brache, gleich dahinter, zeigt bereits Grün. Er wird den Kindern sagen, sie sollen die Ziegen dorthin treiben.

Während er mit seinem Ochsen am Ackerrand kehrt macht, sieht er, wie Hiltrud aus dem Haus tritt. Sie ist hochschwanger. In ein paar Wochen wird sie ihr siebentes Kind gebären, wenn alles gut geht, wird es am Leben bleiben und also nicht tot zur Welt kommen oder bereits in den ersten Wochen sterben, wie drei von Wigberts Kindern zuvor. Hiltrud macht sich im Garten zu schaffen. Sie lockert die Erde mit einer Hacke. Sie steckt Samen für Kohl und Rüben und tritt sie anschließend fest.

Es wird rasch sehr warm, und noch immer weht kein Wind. Wigbert sieht, wie am Horizont Gewittertürmchen in den Himmel wachsen, er treibt seinen Ochsen zu Eile. Er wundert sich, dass er heute der Einzige auf dem Feld ist. Die anderen Bauern scheinen noch zu schlafen, gestern wurde Hochzeit gefeiert, das ganze Dorf war geladen, es wurde gegessen und getrunken, vor allem getrunken. Met und Wein, viele Krüge voll, Wigbert hat sich zurückgehalten, Wigbert hält sich immer zurück. Er hasst es, wenn Leute lallend und sabbernd auf der Erde liegen. Er möchte nicht so sein. Er weiß, dass die anderen in deswegen belächeln, als wäre er kein wirklicher Mann, das ärgert ihn, aber er ändert sein Verhalten nicht, und warum sollte er? Sagt nicht auch der Geistliche in sein Predigen am Sonntag, Völlerei sei eine Todsünde? Er sagt es und besäuft sich bei gegebenen Anlässen wie irgendeiner der Bauern aus seiner Gemeinde.

Seine Kirche steht in einem anderen Dorf. Es ist größer als dieses und liegt über eine Stunde Fußwegs entfernt. Das Dorf hier, dieses, besteht aus gerade fünf Gehöften. Die Häuser ähneln einander, sie wurden auch alle zur ungefähr gleichen Zeit errichtet, vor vier mal fünf Sommern, nach einer Rodung, auf der die Bäume umgelegt und zu Balken behauen wurden, während man das Gezweig und das Unterholz verbrannte, um auf diese Weise Platz zu schaffen für den Häuserbau und die Felder. Der Vater des jetzigen Grundherrn hatte sich nie eingefunden, um nach dem Fortgang der Arbeiten zu schauen. Er soll ein jähzorniger, finsterer und unberechenbarer Mann gewesen sein. Ganz anders als sein Sohn Balduin, der hat keine Ahnung vom hiesigen Landvolk.

Hinter dem Waldstück, an das Wigberts Hof grenzt, ist heftiges Hundegebell. Offenbar reitet Balduin zur Jagd, zusammen mit seinem Gefolge, unbeeindruckt davon, das es demnächst gewittern könnte. Balduin ist ein Jagdnarr. Er lässt sich die Wildschweine zutreiben, um sie abzuschlachten und dann einfach liegen zu lassen. Als sie neulich in den Wald gingen, um Brennholz zu holen, Wigbert und seine beiden Ältesten, fanden sie an einer Lichtung vier verendete Sauen mit Frischlingen, halbverwest und stinkend, weißliche Maden krochen über das dunkelgraue Fleisch. Hätte man das erlegte Wild nicht besser ausnehmen, die Haut abziehen und das Fleisch verzehren können? Balduin wollte es offenbar anders. Ohnehin lässt er sich, wenn ihm danach zumute ist, von seinen Bauern Schlachtvieh bringen. Auch er, Wigbert, wird demnächst wieder ein Tier auf der Burg abliefern müssen.

Mittlerweile hat sich der Himmel völlig zugezogen, dicke dunkelgraue Wolken drängen gegeneinander, von fern ist Donner zu hören. Wigbert hat seine Furchen gezogen, ungefähr vierzig in der Länge, dreißig in der Quere, er hat Steine aufgelesen und an den Feldrand geworfen. Nach dem Regen, der zu erwarten ist, wird er mit der Aussaat beginnen. Jetzt aber treibt er seinen Ochsen zurück in den Stall und prüft das Fell seines Tieres. Die wunden Stellen haben sich vertieft. Er wird zu seinem Nachbarn gehen müssen, der sich auf Arzneien und Heilmittel versteht. Er wird sich eine heilsame Tinktur für seinen Ochsen holen und dafür mit einem Dutzend Eiern bezahlen. Wigbert kann ihn eigentlich nicht leiden.

Daheim hat Hiltrud die erste Mahlzeit bereitet. Der Raum, in dem sie leben, ist erfüllt von Rauch, der sich unter dem Abzug staut und nicht fortgehen will, da von außen die Wärme auf das Dach drückt. Sie setzen sich um den Tisch, Wigbert, Hiltrud, die Kinder. Sie sitzen auf Schemeln, der Tisch ist eine große, von Schragen gehaltene Platte aus rohem Holz.
Jeder hat vor sich einen Holznapf, in den Hiltrud aus dem Kochkessel Brot füllt. Das Brot ist Brei. Es besteht aus Mehl, mit Milch aufgekocht und mit Honig gesüßt, die übliche Mahlzeit. Sie trinken aus hölzernen Bechern Molke dazu, eine Flüssigkeit die übrig bleibt, wenn von gesäuerter Milch der Quark abgeschöpft wurde.

Draußen zischt ein Blitz, Donner rollt hinterher, es ist das erste Gewitter des Frühjahrs. Die Kinder halten inne, Hiltruds Gesicht ist auf einmal völlig blutleer. Sie hat Angst vor Gewittern. Sie murmelt Gebete. Die zwei kleinsten fassen sich furchtsam bei den Händen. Wigbert selbst löffelt weiter. Beim Kauen knirscht es zwischen seinen Zähnen. Das macht der Abrieb von der Steinmühle, auf der Hiltrud das Korn zerkleinert. Wigbert hat keine Angst vor dem Gewitter, er hat Hunger. Er hat schwer gearbeitet die letzten Stunden und muss Kraft sammeln für die nächsten. Er wird schuften bis zum Sonnenuntergang. Kauend sieht er, wie Hiltrud sich krümmt, und hofft nur, dass sie jetzt keine Fehlgeburt hat. Es wäre eine Katastrophe. Es wäre ein böser Ausfall an Arbeitskraft eben jetzt, da auf dem Hof jede Hand gebraucht wird.

Aber könnte er es ändern? Er muss die Dinge nehmen, wie sie kommen. Gott allein richtet alles.

Das Gewitter scheint sich zu entfernen. Der Donner wird leiser, Hiltrud hat mit dem Beten aufgehört. Die beiden Kleinen geben einander ihre Hände frei. Draußen rauscht der Regen. Das wird dem Winterkorn nutzen, aber die Aussaat wird es beschwerlicher machen.

Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen. Gott allein richtet alles.

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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Do 28. Apr 2011, 16:22

Das Bürgertum - Zwei Briefe

niedergeschrieben von Hexagon

im 1. Jahr der Herrschaft Heinrich II., Sohn des verblichenen Otto III., aus dem Haus der Liudolfinger, den Fürsten über Sax, der König der teutischen Lande und König des Tiber, Hegemon über die Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Heerführer der christlichen Lande, selbst erzogen in der Obhut eines Geistlichen
im Jahre 1313 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 1002 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 718 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 392 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift in den Monaten meiner Niederlassung südlich der großen Berge, die das Reich am Tiber und das Reich am Pasig trennen.
So habe ich den Schriftwechsel im Herbst vernommen.


Ich, Wendelin Burmester, grüße Konz, meinen jüngeren Bruder, der da zu Goswyndorf verweilt. Ich benutze die Gelegenheit einer letzten Handelskarawane, die morgen vom Kontor der deutschen Kaufmannschaft zu Tiber aufbrechen will, dass ich Dir diesen Brief zukommen lasse, als ein Zeichen, dass ich mich nicht nur am Leben, sondern bei allerbester Gesundheit befinde.
Ursprünglich wollte ich selbst Teilnehmer jenes Kaufmannszuges sein. Sämtliche Verabredungen waren getroffen und alle rechneten fest mit meinem Aufbruch. Doch der Umstand, dass ein Schiff, dessen Ladung den größeren Teil jenes Handelsgutes enthält, das ich einzukaufen gedenke, noch nicht eingelangt ist, zwingt mich zu einer Verlängerung meines hiesigen Aufenthalts.
Selbst wenn das Schiff heute noch einträfe, worauf ich nicht hoffen kann, müsste ich erst das Löschen der Ladung abwarten, um anschließend mit meinem lucischen, levantischen und davoischen Partnern die letzten Verhandlungen zu führen. Dies alles wird wenigstens eine Woche beanspruchen, wahrscheinlich länger. In dieser spätherbstlichen Jahreszeit muss auch ständig mit einer plötzlichen Verschlechterung des Wetters gerechnet werden, welche das Passieren der Gebirgspässe erschweren würde, wenn es sie nicht unmöglich macht.

Derart ziehe ich es vor, den Winter hier zu verbringen. Ich gestehe, dass es unangenehmere Unterbrechungen als diese gibt. Denn so sehr ich die Umgebung meines heimatlichen Hauses, die Nähe meines Weibes, die Stimmen meiner Kinder vermissen mag, so versöhnt mich mit alledem das Leben hierselbst, dessen Annehmlichkeiten jene in unseren heimatlichen Gegenden vielfach übertreffen.
Die Witterung ist freundlich. Sie ist viel milder als bei uns und das zumal im Winter. Man muss, wenn man aus dem Hause tritt, keinen Pelz anlegen, da man ohne denselben frösteln würde. Vielmehr trägt man ihn, um der Nachbarschaft angemessen zu begegnen und den eigenen Wohlstand vorzuführen.

Die Stadt bietet Zerstreuung der mannigfachen Art. Man trifft auf Menschen aus unterschiedlichsten Ländern, welche ungewöhnliche Hautfarben, befremdliche Gesichter haben und seltsame Kleider tragen. Auch benutzen sie Sprachen, welche man nicht versteht. Und so muss man, um mit ihnen zu reden, sich entweder eines Dolmetschs bedienen oder man verwendet, wenn es sich fügt, den hierorts gebräuchlichen Dialekt, den ich inzwischen leidlich beherrsche.
Das Schiff, dessen Ankunft ich erwarte, befördert kostbare Stoffe und edle Spezereien, darunter solche, die in unseren Gegenden noch unbekannt sind, wie die Gewürze Safran und Ingwer. Die Mengen und Gewichte meiner Bestellungen sind nicht so groß, dass ich viele Lasttiere benötigte, was den Transport für mich einfach und kostengünstig gestaltet. Unterwegs werde ich meine Aufmerksamkeit daher vermehr den lauernden Gefahren zuwenden können, das Schwert an meinem Sattel wird stets griffbereit sein und ich bin, wie Du weißt, ein geübter Fechter.
Wenn ich mein Handelsgut erst heimgebracht habe, hoffe ich, einen hübschen Gewinn aus ihm erlösen zu können. Die Einkäufer des Herzogs zu Annenberg werden mich bestürmen. Dessen bin ich gewiss, denn ihr Herr ist ein Leckermaul und völlig vernarrt in jegliche Art von Luxus.

So sehe ich dem kommenden Frühjahr mit Zuversicht entgegen. Ich will den Winter benutzen, dass ich neue Verbindungen herstelle, weitere Partner erprobe und andere Waffen auf ihre Verwendbarkeit prüfe.
Die Nächte aber gedenke ich in den Armen Lätitias zu verbringen, eine Kebse* mit feuerrotem Haar und sehr weißer Haut. Letzteres teile ich Dir in aller Vertraulichkeit mit, der ich Deiner als meines verständnisvollen und verschwiegenen Verwandten gewiss sein darf.
Es ist, wir heiraten, um unser Vermögen zu mehren und um Kinder zu zeugen. Die Wonnen des Fleisches müssen wir anderswo suchen und da wir damit, wie uns die Pfaffen versichern, eine große Sünde begehen, müssen wir sie anschließend beichten. Der hiesige sehr prunkvolle Dom, der nach dem heiligen Markus heißt, da er von demselben gegründet wurde, lässt die Absolution vielleicht nachhaltiger, gewiss aber angenehmer werden, als die düsteren Kirchen, die unser Norden hat, sie zu leisten vermögen.

Gott sie mit Dir.

* Kebse, Kebs oder Kebsweib ist eine veraltete, heute nur noch im Dialekt verwendete Bezeichnung für eine Konkubine.



Die Antwort

niedergeschrieben von Hexagon

im 2. Jahr der Herrschaft Heinrich II., Sohn des verblichenen Otto III., aus dem Haus der Liudolfinger, den Fürsten über Sax, der König der teutischen Lande und König des Tiber, Hegemon über die Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Heerführer der christlichen Lande, selbst erzogen in der Obhut eines Geistlichen
im Jahre 1314 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 1003 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 719 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 393 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift in den Monaten meiner Niederlassung südlich der großen Berge, die das Reich am Tiber und das Reich am Pasig trennen.
So habe ich den Schriftwechsel im Frühjahr vernommen.

Ich, Konz Burmester, grüße Wendelin, meinen älteren Bruder.
Dein langer Brief aus Tiber hat mich erreicht. Ich beeile mich, Dir die Antwort zu senden in der Hoffnung, dass sie bald zu Dir gelangen möge.
Frater Berthold, mit dem wir in der Klosterschule von St.Annen einst die Schrift und das Lesen erlernten, hat, wie Du weißt, eine erfolgreiche geistliche Laufbahn angetreten und will morgen nach Tiber aufbrechen. Die verschneiten Südbergpässe schrecken ihn nicht. Er müsse, versichert er mir, seinen Weg zum Lateran über das Kaufmannsviertel nehmen und will Dir dabei dieses Schreiben überreichen.

Aus alledem vermagst Du zu erkennen, wie überaus weise der Einfall unseres Vaters war, uns etwas Gelehrsamkeit beibringen zu lassen. Wie gerne würde Bertha, Dein Weib, Deine Worte selber lesen uns auf sie entgegnen wollen, wenn sie es nur vermöchte. So habe ich es ihr alles vortragen müssen, ausgenommen jener letzten Zeilen, da Du von Deiner Kebse berichtest, deren Wortlaut ich Bertha lieber verschwieg.
Sie befindet sich recht wohl und ebenso befinden sich Deine Kinder. Dein Weib steht auf kluge Art Eurem Haus vor. Das Gesinde gehorcht ihr ohne Widerspruch. Es war, mein Bruder, ein guter Entschluss, in das blühende Geschäft ihres Vaters einzuheiraten. Ich selbst, der ich die elterliche Waffenschmiede inzwischen allein führe, da unser Vater, gerührt vom Schlagfluss, sich seit fünf Wochen im hiesigen Heilig-Geist-Spital befindet, kann über mangelnden Umsatz zwar nicht klagen, da Streit, Fehde, Turniere und Kämpfe fortwährend und überall stattfinden, doch neide ich Dir den Aufstieg in das Patriziat unserer Stadt, den ich niemals erreichen werde.

Das sonstige Leben hier ist das Übliche. Wir gehen unseren Geschäften nach. Die Ernte vor den Toren war nicht gut, es gab zu viel Regen. Beim Gerber hat es gebrannt. Fünf Häuser wurden zu Asche und Ruß. Ein Fieber geht um, die davon Befallenen tragen rote Flecken am Leib und speien den Auswurf. Hinrich, der Schuhmacher, hat im Zorn einen seiner Gesellen getötet und nun muss er vor Gericht. Erhardt, der Wamsschneider, wird sein Haus vergrößern. Er verdient gutes Geld, da der Hof des Herzogs ihn ständig mit Arbeiten überhäuft.
Ich beneide Dich auch, Bruder Wendelin, um die Kebse mit den roten Haaren und der sehr weißen Haut. Ich selbst muss, wenn ich ins Badehaus gehe, mich mit Gunhild begnügen, der fleischigen gelbhäutigen Magd, deren Haar schwarz ist und die eine große dunkle Warze an ihrem Kinn trägt.
Doch man muss sich mit jenen Dingen begnügen, welcher der Himmel uns bietet, und dafür dankbar sein. Unser Norden ist gewiss weniger annehmlich als Dein Tiber, aber dafür ist er unser Vaterland.

Gott sei mit Dir.

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Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » So 29. Mai 2011, 11:18

Der Mönch - Mönchsregeln

niedergeschrieben von Hexagon

im 1. Jahr der Herrschaft Heinrich II., Sohn des verblichenen Otto III., aus dem Haus der Liudolfinger, den Fürsten über Sax, der König der teutischen Lande und König des Tiber, Hegemon über die Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Heerführer der christlichen Lande, selbst erzogen in der Obhut eines Geistlichen
im Jahre 1313 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 1002 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 718 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 392 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift in den Monaten meiner Niederlassung südlich der großen Berge, die das Reich am Tiber und das Reich am Pasig trennen.
So habe ich den Schriftwechsel im Sommer vernommen.

Frater Martin grüßt seinen alten, nun schon so lange von ihm entfernt lebenden Bruder - Benedictus.
Augenblicklich sitze ich im Scriptorium des hiesigen Klosters. Meine Brüder sind beschäftigt, einem neuen Kommentar zum Hohelied Salomonis zu lauschen, dessen Wortlaut sie anschließend aufs Pergament bringen sollen, während ich, etwas abseits sitzend, meine Arbeit an einem Evangeliar weiterführe, das ich mit kunstvollen Initialen und kleinen Bildern ausstatte.
Die Fähigkeit dazu, wie Du weißt, wurde mir durch Gottes Gnade zuteil. Nicht nur mein einstiges Mutterhaus, sondern ebenso das Kloster, in dem ich nunmehr lebe, fand daran großen Gefallen. Mein Prior ist ein kunstsinniger Mann. Mehrfach hat er meine Illuminationen mit Lob bedacht und dadurch meine Eitelkeit geschmeichelt. Seit Längerem besitze ich daher das Vorrecht, dass ich, während die Brüder ihre Wörter aufsetzen, mich mit meinen Bildern beschäftigen kann. Kaum beobachtet, einzig meinem Ermessen verpflichtet und darum von den schreibenden Brüdern mit Neid und Misstrauen bedacht.

Jetzt nehme ich mir die Freiheit, diesen Brief an Dich aufzusetzen, was niemand bemerken wird. Die kleine Unregelmäßigkeit, die das bedeutet, will ich mit mir selbst ausmachen, denn ich erachte sie für als lässlich und einer Mitteilung oder gar Beichte darum nicht für wert. Gott kann es nicht missfallen, wenn ich meinem Bruder, der nicht nur mein Freund, sondern außerdem von einer so außerordentlichen Gelehrsamkeit ist, wie ich sie unter den hiesigen Brüdern nicht finde, Gruß und Nachricht zukommen lasse. Daran magst Du gleichermaßen erkennen, dass ich mich in meiner Umgebung nicht besonders gut befinde, obschon auch nicht besonders schlecht. Ich will darum keine Klage führen. Mein Orden, dem ich allen Gehorsam schulde, hat mich an diesen Platz gestellt. Also fülle ich ihn aus, soweit meine Fähigkeiten mir dies gestatten. Gleichwohl denke ich mit Wehmut zurück an das Haus, in dem ich einst meine Unterweisungen erhalten und meine Gelübde abgelegt habe. Es war erfüllt vom Geist der gemeinsamen Frömmigkeit und der fröhlichen Hingabe. Ich kann mich dort keines Zwistes, keiner Ungerechtigkeit, keiner Kabale erinnern, wie ich sie hier oft genug habe erleben müssen.

Ich sage, dass ich mich darum nicht beklagen will. Mein Talent hebt mich unter den Brüdern heraus, dass man mir Achtung, freilich ebenso Missgunst entgegenbringt. Und so kunstsinnig mein Prior ist, so unglücklich verfährt er in seinem Umgang mit den Brüdern. Viele unter ihnen meinen, er liebe Bücher mehr als die Menschen, welche dieselben verfertigen.
Dies nun ist mir fast verständlich, da ich einer ähnlichen Schwäche zuneige, wogegen jene andere Schwäche des Priors, allzu heftig dem üppigen Essen zuzusprechen, mir stets fremd bleiben wird. Das Stillen des Hungers, behauptet er, bereite ihm den nämlichen Genuss wie das Lesen eines Buches. Und in beiden Fällen handele es ich um Gaben Gottes. Die Wahrheit ist, dass er noch mehr als Bibliothek und das Scriptorium die Klosterküche schätzt und stärker als mich, den Illuminator, verwöhnt er meinen Bruder Magnus, den Koch.

Ich wiederhole, dass ich mich darüber nicht beklage. Ich weiß, dass ich es unangenehmer treffen könnte und ich bin meinem Schöpfer dankbar, dass ich es einst besser traf. Schon dessenthalben bereue ich nicht das Gelübde, das ich einst abgelegt und das mich für immer an den Orden fesselt.
Wo sonst hätte ich mich entfalten und meiner inneren Neigung nachgehen können? Mit meinem verklumpten Fuß, der das Gehen beschwerlich macht, hätte ich mich anderswo nicht behaupten können. Ungern denke ich zurück, wie mein leiblicher Bruder, wiewohl viel jünger als ich, sich bei unseren kindischen Raufereien mir überlegen zeigte. Es war gut, dass dann er den Grafentitel erbte und die Burg meines Vaters übernahm. Gut auch, dass mein Vater das Kloster als den für mich einzig geeigneten Ort erkannte.
Mein Bruder verlor vor einem halben Jahr bei einem Feldzug sein Leben. Als ich die Nachricht erfuhr, war mir bewusst, wie weit ich mich der Welt meines Herkommens schon entfernt habe. Mag das hiesige Kloster auch nicht die äußerste Erfüllung mönchischen Lebens bedeuten, so ist es doch besser als jedes Leben außerhalb seiner Mauern und wäre dies selbst dann noch, wenn die hiesigen Zustände unbefriedigender wären, als sie es sind.

Gott sei mit Dir.

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Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Sa 2. Jul 2011, 20:07

Der Ritter - Eine kurze Biografie

niedergeschrieben von Hexagon

im 3. Jahr der Herrschaft Heinrich II., Sohn des verblichenen Otto III., aus dem Haus der Liudolfinger, den Fürsten über Sax, der König der teutischen Lande und König des Tiber, Hegemon über die Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Heerführer der christlichen Lande, selbst erzogen in der Obhut eines Geistlichen
im Jahre 1315 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 1004 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 720 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 394 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift erfolgte gleich nachdem ich dieses Gespräch geführt habe.
So habe ich diesen Dialog selbst geführt.

Zwei Männer stehen am Sterbebett. Und so spricht der eine zum anderen:
"Über den Adel weiß ich so gut wie nichts. So prachtvoll, wie gesagt wird, scheint er mir hier nicht."

"Wenn es dir gefällt, kann ich kann dir ein Bild in deinem Kopf kreieren. Dieser Mann hier vor dir, wollen wir ihn Jörg nennen, denn so schien er zu sagen, ist mittelgroß und, man erkennt es nun nicht, aber er hat dunkelblondes Haar, das ihm gekräuselt in den Nacken fällt. Auf seinem Nasenrücken wachsen Sommersprossen, und seine Ohren stehen etwas ab. So kann man ihn sich denken, aufgrund dessen, wie er nun hier liegt und wie er wohl zu früheren Zeiten war. Er ist der zweite Sohn und das vierte Kind eines kleinen Grundherrn. Dessen Burg, ein hölzerner Turm. Außer für seine Familie, das sind Ehefrau und fünf Kinder, noch für seine Bettfreundin Platz hat und für das vierköpfige Gesinde. Zwei Knechte und zwei Mägde, die alle anfallen Arbeiten verrichten, die unmittelbar zu Füßen der Burg liegenden Äcker bestellen, sich um das Vieh kümmern und im Haus die Speisen bereiten.
Jörg war sich wohl schon seit Kindertagen bewusst, dass er den Besitz seines Vaters nicht erben wird, da dieses Recht an Friedrich fiel, seinen älteren Bruder. In Alter von sieben Jahren wird Jörg als Knappe zu einem anderen Grundherrn gegeben, einem entfernten Verwandten und dem Adelsrang nach ein Graf. Jörg war dort Knappe, zusammen mit dem gleichaltrigen Grafensohn. Knappe bedeutet so viel wie Lehrling, und in der Tat lernte er, wie man ein Pferd sattelt, wie man mit Bogen und Armbrust schießt, wie man die Lanze einlegt, wie man mit dem Schwert ficht und auch, wie man mit einem Jagdfalken umgeht, denn der Graf besaß vermutlich ein, zwei abgerichtete Greifvögel. Das ist so Sitte. Vor allem aber lernte er zu dienen. Den Umgang mit Waffen konnte er nur nebenher üben, denn hauptsächlich muss er dem Grafen, einem unsteten, trunksüchtigen Menschen mit sehr rotem Gesicht, der eine Neigung zu jäher Gewalttätigkeit zeigt, bei dessen verschieden Tätigkeiten zur Hand gehen. Das sind die Ausritte zu den leibeigenen Bauern und immer wieder die Jagd auf Wildschweine, Hasen und Hirsche."

"Wie kann euer Geist eine solch blühende Geschichte entwickeln?"

"Ich beobachte. All das kann ich an seinem Körper sehen. Diese verheilte Wunde dort, stammt vermutlich von einem Wildschwein, diese Narbe von einem Schlag mit dem Stock.
Zurück zu meiner erdachten Biografie. Als Jörg vierzehn Jahre alt war, so sage ich einfach mal, erlegte er während der Jagd einen riesigen Eber und dazu eine Hirschkuh. Daraufhin durfte er, erstmals in seinem Leben, an einem Trinkgelage teilnehmen. Er hatte einen gewaltigen Rausch, der ihm anderntags einen dumpf schmerzenden Kopf bescherte.
Sein Dasein danach gestaltete sich nicht anders als zuvor. Er blieb Knappe. Er musste die gleichen Dienste verrichten wie alle vergangenen Jahre. Sein Vater spendierte ihm einen Anzug nach der gängigen Mode, zweifarbig grün und rot, mi-parti, mit weiten Ärmeln, engen Beinkleidern und spitzen Schuhen. Die Töchter des Grafen fingen an, hinter ihm zu tuscheln, wenn er in diesem Anzug über den Burghof schritt. Sie wisperten und kicherten, was ihn gleichermaßen verstörte wie ihm schmeichelte. Dabei waren die Mädels sicher dralle und hässliche Dinger, mit strähnigem Haar und schlechtem Gebiss. Manchmal kam auf die Burg ein Sänger. Er sah zerlumpt aus und war, behauptete er, von Adel. Gegen das Entgelt einer warmen Mahlzeit, eines Bettes für die Nacht und einer Brakteaten, die man ihm anschließend aushändigte, sang er zu einer Laute allerlei Lieder von hoher und niederer Minne und von grausamen Aufpassern. Oder er berichtete von Abenteuern in einer fernen Gegend namens Orien, wo es bunte Paläste mit weichen Kissen und murmelnden Brunnen gäbe und wo feuerspeiende Drachen eine Dame bewachen, die man befreien muss.
Bei einem Hoffest erhielt Jörg vermutlich aus der Hand des Herzogs seinen Ritterschlag, gemeinsam mit zwei Dutzend anderen Knappen. Der Herzog war ein graubärtiger Mensch, dessen Finger immerfort zitterten. Mit seinem Schwert berührte er die beiden Schultern Jörgs und murmelte dabei Unverständliches. Anschließend gab es ein großes Trinkgelage. Jörg war jetzt Ritter. Da er also wurde, was er hat werden wollen und werden sollen, fühlte er sich mit seinem Schicksal zufrieden. Er betrank sich mit Wein und Met so ausgiebig, dass er anderntags in einer Pfütze seines Erbrochenen aufwachte.
Er war jetzt Ritter. Er musste sich fragen, was er damit anfangen sollte. Zu seinem Glück geschah es, dass sich der Herzog damals in einen kleinen Krieg mit den Faren einließ.
Jörg lieh sich bei einem Juden Geld, für das sein Bruder Friedrich bürgte und von dem er selbst sich ein auf dem städtischen Rossmarkt ein Reitpferd kaufte. Mitsamt den Truppen des Herzogs, viertausend Leuten, zog er nach Norden, wo es, in der sumpfigen Albiasenke, zu einer Schlacht kam. Sie ging für den Herzog günstig aus, die Faren wichen zurück, und auf dem Schlachtfeld blieben an die zweihundert Tode zurück, über die sich die Leute des Herzogs hermachten, um sie auszuplündern. Jörg war sicher mitten unter ihnen. Er stapfte durch die von Regen und Blut durchweichte Erde, er greift sich außer einem zerbeulten Harnisch noch ein neues Schwert, eine Lanze und, Höhepunkt seines Beutezuges, ein großes goldenes Kreuz, das er einer der Leichen vom blutigen Hals riss.
Das Kreuz brachte er dem Juden. Er beglich damit seine Schulden und bekam noch ein paar Münzen heraus. Er vertrank sie in einer Schänke und bezahlte eine Nacht bei einer Hure. Er fühlte sich als ein Held. An eine unmittelbare Fortsetzung dieses aufregenden Lebens war vorerst nicht zu denken. Also verbrachte Jörg ein paar Wochen auf der Burg seines Bruders, bis dieser ihm bedeutete, dass nun länger kein Platz mehr war.
Jörg hörte von irgendwelcher Landnahme im Osten, jenseits der Meerenge, wo man neue Äcker erschloss. Aber was sollte er, Jörg, mit Äckern? Er war kein Bauer. Er war ein Ritter und er war ein Held."

"Das ist alles sehr detailliert. Wie kommt ihr aus dem Stehgreif zu solcher Dichtung."

"Ich erzähle von Erlebtem. All das und anderes habe ich selbst schon gesehen.
Nun denn, ich fahre nun fort: Aus Zufall geriet er, als er die Stadt besuchte, in eine kleine Versammlung. Ein Mönch mit einem gelben Gesicht voller Pockennarben verkündete, dass ein Heer zusammengestellt würde, um das Heilige Land mitsamt den Stätten der rechten Christenheit den abgefallenen Ostkirchen zu entreißen. Jeder rechte Christ sei aufgerufen, dem rhomäischen Frevel ein gewaltsames Ende zu bereiten. Gewinn winke außerdem, dazu Abenteuer und die höchste Seligkeit im Jenseits sowieso. Die Worte, die der Bettelmönch mit nassen Lippen vortrug, überzeugten Jörg augenblicklich. Er ritt zum herzoglichen Hof, wo der Fürst, der ihn einst zum Ritter schlug, inzwischen tot war. Sein Sohn stellte soeben ein Ritterheer zusammen. Jörg dachte dabei sicher an bunte Paläste mit weichen Kissen und murmelnden Brunnen, an feuerspeiende Drachen, die Damen bewachen. Begeistert ließ er sich das Kreuz auf den Rücken heften und schloss sich dem Herzog an.
Seine Begeisterung hielt nicht an. Unendlich langsam marschierten die herzoglichen Truppen die Albia hinan, vereinten sich mit anderen Rittern, zogen über die Berge und gelangten an einen weiteren Fluss. Es war da bereits Herbst. Es stürmte und regnete oft. Jeder Teilnehmer musste für sich und seinen Unterhalt alleine aufkommen. Manche führten genügend Geld mit sich und hatten dadurch eine vergleichsweise angenehme Reise. Jörg gehörte zu ihnen nicht. Mit anderen, die sich in ähnlicher Lage befanden, zwang er Bauern zur Herausgabe von Brot und Fleisch, bei vorgehaltener Waffe, denn von irgendetwas musste er doch leben. In Ratisbona beteiligte er sich an der Plünderung dortiger Judenhäuser und erbeutete etwas Geld."

"Von den Ausschreitungen habe ich auch gehört."

"Ein Teils schlimmes Gemetzel.
Dennoch: Sie zogen weiter. Seit Tagen regnete es unentwegt. Die Pferde stapften durch den Schlamm, Insekten schwirrten in der nassen Luft und gruben in die Haut der Reiter. Auf Jörgs Gesicht blühten diese roten Pusteln. Handelte es sich um die Stiche von Parasiten? Es musste doch mehr sein. Eines Morgens, da er auf sein Pferd steigen wollte, versagten ihm die Knie. Er schleppte sich bis zum nächsten Kloster, hierher, wo er sich in die Krankenstube legte. Ein Bruder von hier, dessen Sprache er nicht verstand, versorgte ihn mit dünner Suppe und bitteren Tinkturen. Schweiß bedeckte seine Glieder, die auch faulig rochen."

"Sie tun es nach wie vor."

"Ja, so ist es. Über dem, das Denken bereitete ihm Mühe. Manchmal aber träumte er wohl noch von bunten Palästen mit den weichen Kissen und murmelnden Brunnen, auch von feuerspeienden Drachen, die Damen bewachen und die man besiegen muss. Schließlich verlor er das Bewusstsein.
Nun ist es zehn Tage vor Allerheiligen und er wird am Rande des Klosterkirchhofs verscharrt. Nun ist nicht mehr viel übrig, von der höfischen Feinheit, die ihr noch nicht kanntet."

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Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Mo 5. Dez 2011, 20:48

Der Kaiser - Auf Fahrt mit der Herrschaft

niedergeschrieben von Hexagon

im 10. Jahr der Herrschaft Boleslav II., der Fromme, Sohn des verblichenen Boleslav I., aus dem Haus der Premysliden, dem König von Brahmen, einer der sieben Reichsfürsten der teutischen Lande, der im steten Streit um die Krone Brahmens mit dem Haus der Slavnikiden steht
im 11. Jahr der Herrschaft Otto III., Sohn des verblichenen Otto II., aus dem Haus der Liudolfinger, Sohn eines teutischen Königs und einer rhomäischen Prinzessin, somit Vereiner des alten Reiches, der im Süden zum König wurde und im Norden die Krone erhielt, der König der teutischen Lande und König der Tiber, Hegemon der Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Herrführer der christlichen Lande
im Jahre 1293 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 982 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 698 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 372 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift im Lager des Kaisers selbst.
So begeben hat es sich, wie ich selbst mit dem Bruder gesprochen habe.

Ich, Walbert, Bruder im Mönchsorden des Heiligen Benedictus, beginne meinen Bericht über unseren Kaiser Otto, meinen gnädigen Herrn. Ich schreibe ihn an einem Abend im Dezember, in der Adventszeit, und ich schreibe ihn in Tiber, dem Mittelpunkt der Welt, wohin der Apostel Petrus, erster Bekenner unseres Herrn Jesus Christus, Sprecher der Apostel, erster christlicher Bischof, und erster männlicher Augenzeuge des Auferstandenen, dereinst das Kreuz brachte.

Ich selbst komme aus Meideborg, dem saxonischen Bischofssitz, den der große Vater unseres gnädigen Kaisers Otto einst gegründet. Ich bin der Sohn eines unfreien Bauern. In jugendlichem Alter eingetreten in ein Kloster, da ich mein Leben der Religion widmen und nicht, wie mein Vater, für immer der Willkür eines Grundherrn ausgeliefert sein mochte, empfing ich die gebotenen Unterweisungen und legte die erforderlichen Gelübde ab. Die Fähigkeit, meine Kräfte angemessen einzusetzen und bei Bedarf die richtigen Worte zu wählen, trugen mir die Aufmerksamkeit meines Abtes Thietmar ein, welcher schon bald in die Hofkapelle unseres Kaisers Otto aufrückte, und als er dort Unterstützung suchte, da die Arbeit ihn zu überwältigen drohte, erinnerte er sich meiner.
Er holte mich zu sich, als der Kaiser Anstalten traf, ein weiteres Mal in die Levante zu ziehen. Ich selbst, gehend auf staubigen Wegen von Klosterherberge zu Klosterherberge, manchmal nächtigend unter freiem Himmel, ebenso oft mit Kaufleuten unterwegs wie auch allein, stieß zu dem Tross des Königs am Fuße der Südberge. Es war im Mai. Die Wiesen blühten. Thietmar, mein früherer Abt, begrüßte mich und machte mich mit den anderen Geistlichen der Hofkapelle bekannt. Inmitten des Königstrosses überschritt ich das Gebirge.
Ich hatte jetzt Anspruch auf einen Esel, dem ich meine Habe und, in Stunden der Erschöpfung, meinen Leib anvertrauen konnte. Der Tross war viele hundert Köpfe stark. Es gingen Lastochsen in ihm, welche Karren zogen. Der Kaiser selbst ritt auf einem Pferd, während seine Gemahlin, wenn sie nicht gleichfalls im Sattel saß, von Mitgliedern ihrer Dienerschaft in einer Sänfte getragen wurde.

Nach der Einförmigkeit des dörflichen Daseins und den gleichbleibenden Tagesabläufen im Kloster gestaltete sich mein Leben seither überraschend, aufregend und bunt. Wäre ich hoffärtig, müsste ich Stolz und Genugtuung empfinden über meinen Aufstieg, doch weiß ich, dass ich ihn, der mir so wunderbar erscheint, allein der Güte Gottes verdanke.
Ich kenne nicht mein genaues Alter, denn mein Vater konnte mir das Jahr meiner Geburt nicht nennen. Vergleiche ich mich mit den anderen Mitgliedern des Hofes, die ihr Alter wissen, müsste ich jetzt um die siebenundzwanzig Jahre zählen, so viel wie unser Kaiser Otto, mein gnädiger Herr.
Seine Frau ist aus Greka gebürtig. Allgemein werden ihre Klugheit und ihr Lachen bewundert, auch ihre Schönheit, für die ich keinen Sinn und kein Urteil habe, weswegen ich hier die Urteile anderer wiederhole. Ihren Sohn, gleichfalls mit Namen Otto, führte sie bei der Überquerung des Gebirges bei sich.
Wir gelangten zunächst nach Verona, eine alte Stadt mit vielen Ruinen. Kaiser Otto hatte hierher einen Reichstag einberufen. Viele Edle sowohl aus Teutonien wie auch aus der Levante waren erschienen. Es wurde gegessen, getrunken und beraten. Wir, die Hofkapelle, waren, außer dass wir täglich Messen lasen, Beichten abnahmen und sonstigen geistlichen Beistand leisteten, mit dem Ausfertigen von Urkunden beschäftigt, manchmal bis tief in die Nacht.
Dann hob der Kaiser Otto, mein gnädiger Herr, seinen Sohn Otto in die Höhe und bat darum, dass die zusammengekommenen Fürsten ihn zu ihrem neuen König erwählten, was alsbald geschah. Die Versammelten schlugen mit Schwertern gegen ihre Schilde oder taten ihre Zustimmung durch laute Zurufe kund. Es war ein sonniger Tag. Das Kind Otto begann zu greinen wegen des um seinetwillen veranstalteten Lärms.
Des Weiteren belehnte unser Kaiser Otto, mein gnädiger Herr, den Herrn Konrad mit dem Herzogtum Suebe und Heinrich, den vormaligen Herrn über Noricum, mit dem Herzogtum Bavaria.

Es waren viele Gaukler, Musiker und Diebe zugegen. Bei den Beratungen fielen immer wieder heftige Worte und mehr als einmal bedrohte ein hoher Herr den anderen, dessen Meinung ihm missfiel, mit der blanken Waffe, was der Kaiser aber glücklich zu unterbinden wusste. Zum Abschluss des Reichtags läuteten die Glocken. Erzkanzler Willigis, der Erzbischof von Magontia, und Herr Johannes, der Erzbischof von Ravenna, geleiteten den neu gewählten König Otto nach Aquis Villa, wo er gekrönt und gesalbt werden soll, wie die Überlieferung es vorschreibt.
Währenddessen zog unser Kaiser mit uns in die apulische Hafenstadt Bari. Auf dem Wege dorthin trafen wir auf bewaffneten Widerstand, denn der Kaiser hatte vor Jahresfrist in der Gegend einen Krieg geführt, den er wegen der Wendenaufstände im Norden dann unterbrechen musste. Nun, da die Rebellion niedergeschlagen war, wollte er den Krieg wieder aufnehmen.
Zuvor musste er nach Tiber eilen, da unser Heiliger Vater, Papst Benedikt, gestorben und ein neuer Papst zu küren war. Kaiser Otto schlug Abt Majolus von Cluny vor, der sich diesem Ruf aber entzog. Nach einer ausführlichen Beratung mit uns, seiner Hofkapelle, bestimmte er als neuen Papst Bischof Petrus von Pavia, der sowohl die Zustimmung der Kurie fand, als auch die der vornehmen Familien von Tiber. Seine Investitur wurde vollzogen. Das Volk säumte jubelnd die Straßen. Ich, der an den Ufern der Albia unfrei Geborene, empfand ein Gefühl der Überwältigung, da es mir vergönnt war, der Zeuge derartiger Ereignisse zu sein.

Nunmehr wollte Kaiser Otto, unser gnädiger Herr, endgültig aufbrechen zu seinem Krieg im apulischen Süden, doch er wurde von einer Krankheit befallen. Das Fieber packte ihn, dass er mit den Zähnen zu klappern begann und seine Glieder zitterten. Salman, sein Leibarzt, ein aus Venetien stammender Jude, behandelte ihn mit bitteren Säften, die er zu sich nahm und die das Fieber zurückdrängten, indessen nur für kurze Zeit. Ständig wurde neben seinem Krankenlager gebetet. Ständig auch lasen wir Messen für seine Genesung. Aber die Hitze kehrte in seinen Körper zurück, auch das Zähneklappern und Zittern stellten sich wieder ein. Thietmar, der Capellarius, mein früherer Abt, gab ihm die Letzte Ölung, als er schon nicht mehr bei Bewusstsein war. Stündlich warten wir nun auf das Ableben unseres Kaisers Otto, meines sehr gnädigen Herrn.

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Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Do 20. Apr 2017, 20:54

Der Bischof Meinwerk

niedergeschrieben von Hexagon

im 7. Jahr der Herrschaft Heinrich II., Sohn des verblichenen Otto III., aus dem Haus der Liudolfinger, den Fürsten über Sax, der König der teutischen Lande und König des Tiber, Hegemon über die Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Heerführer der christlichen Lande, selbst erzogen in der Obhut eines Geistlichen
im Jahre 1320 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 1009 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 725 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 399 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift erfolgte nachdem ich diese Geschichte erfahren habe.
So habe ich es von mehreren Stellen gehört.

Das alle Priester des Lesens mächtig sind, sollte man annehmen. Das sie desweiteren nicht nur den heimischen Dialekt beherrschen, die lateinische Sprache in Wort und Schrift verstehen, eigentlich auch. Von großer Redsamkeit sollen sie sein und das in Rhetorik und Gelehrsamkeit. Noch eher sollten diese Attribute auf einen treffen, der sich selbst Bischof nennt und von den anderen mit Eure Exzellenz oder bischöfliche Knaden angesprochen wird. Wenn er sich denn überhaupt dazu herab lässt, mit dem Plebs, dem Landvolk, dem einfachen Manne von der Straße zu reden. Die Gelegenheiten sind dazu rar. Denn ein Bischof zeigt sich nur zu kirchlichen Festakten auf der Straße und ohne Wachschutz schon gar nicht.

Doch da begab es sich an einem Tage zu Ostern, da der Bischof Meinwerk von Balhorn, der seinerseits im Jahre 1009 dem Bischof Rethar nachfolgte, in seinem ersten Jahre, bei seiner ersten öffentlichen Rede, die Versammlung zum Lachen brachte. Ich darselbst, habe mich im Dom zu Balhorn einfinden dürfen. Heinrich II., seit 1002 König der teutischen Lande, im Jahre des Herrn 1024 verstorben, wusste um die kümmerlichen Lateinkenntnisse des ehrenwerten Bischofs. Beide waren nämlich alte Schulfreunde und wurden von den Bischöfen und Äbten in Freisig unterrichtet. Heinrich II. war ein kluger Mann, doch wie alle Könige seiner Linie zu sehr in Kriege verwickelt.
Es war Ostern und der Bischof war erst einige Wochen im Amt. Auch wenn er sich später machen sollte, so war dies kein guter Tag für ihn. Zu sehr gab er sich dem Falschen hin.
Heinrich stiftete nun also einen Kaplan an, an der Stelle der Missala, wo für den König und sein Gefolge gebetet wird: "pro omnibus famulis et famulabus" durch Rasur den Wortlaut: "pro omnibus mulis et mulabus" herzustellen. Den Unkenntlichen möchte ich es erzählen, wie es sich mit der Rasur und dem Latein verhält. Das Pergament jener Tage war ein wenig dicker als das unserer. Aufgeschriebenes konnte also problemlos auch von Laien rasiert werden. Wenn sie denn wüssten, wo es sinnvollerweise etwas zu rasieren gäbe. Beim Rasieren wird mit einer flachen, scharfen Klinge ein Teil des Textes abgekratzt. Was man da als Rasur bezeichnet, wird auch zur Fälschung und Zensur genutzt. Doch in diesem Falle galt es dem Spass.
Meinwerk trug denn auch während der Feiertagsmesse nicht vor: "Für alle Diener und Dienerinnen." Stattdessen wurde der Wortlaut nun als "Für alle Maulesel und Mauleselinnen." ausgesprochen, zum Gespött des Königs. Erst war es still im Hause, doch als der König über seinen eigenen Scherz begann sich zu freuen, wurden auch die anderen laut in ihrem Gelächter.

Der einzige, dem damals nicht zum Lachen war, war Meinwerk selbst. Der bloßgestellte Bischof hat den schuldigen Kaplan vor das versammelte Domkapital zerren und anschließend grausam auspeitschen lassen. Danach wurde er neu eingekleidet und zum König geschickt, sich zu entschuldigen. Heinrich unterbrach ihn noch im Wort. Der fromme König, selbst ursprünglich von Geistlichen bestimmt, hatte nichts an dem liturgischen Schabernack während der Feier gefunden. Ein Osterfest soll Freude bereiten. Denn steht es ja nach der vierzigtägigen Fastenzeit. Diese soll sowohl an die vierzig Jahre währende Wanderung der Israeliten erinnern, als auch an die vierzig Tage die Jeschu von Nazareth, einer der Namen des christlichen Erlösers, in der Wüste fastete und betete.
Es ist das höchste Fest der Christenheit und der blamierte Bischof hat sich unchristlich gerächt.

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Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Di 16. Jan 2018, 10:25

In der Stadt

niedergeschrieben von Hexagon

im 7. Jahr der Herrschaft Heinrich II., Sohn des verblichenen Otto III., aus dem Haus der Liudolfinger, den Fürsten über Sax, der König der teutischen Lande und König des Tiber, Hegemon über die Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Heerführer der christlichen Lande, selbst erzogen in der Obhut eines Geistlichen
im Jahre 1320 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 1009 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 725 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 399 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift erfolgte nachdem ich diese Geschichte erdacht habe.
So habe ich diese zusammengesetzt, aus dem Wissen meiner Zeit, um die Gemüter der Männer, der Frauen und der Kinder.

Der kleine Peter ist sechs Jahre alt. Seine großen Brüder sind auf den Feldern, seit den frühen Morgenstunden. Peter ist froh heut nicht selbst arbeiten oder die Tiere hüten zu müssen. Denn er begleitet seinen Vater Heinrich in die Stadt. Heute ist Markttag. Heinrich und Peter suchen den Feinschmied, denn Heinrich möchte seiner Frau ein Schmuckstück schenken. Heinrich ist Großbauer und kann sich, wenn auch selten diesen Luxus leisten.

Damit Vater Heinrich aber zeitig in der Stadt sein kann, musste Peter noch früher aufstehen, als seine Geschwister. Peter besteigt völlig verschlafen, unter blasser werdendem Sternenhimmel den Karren des Nachbarn. Der nimmt ihn und seinen Vater mit in die Stadt. Er will dort Weintrauben verkaufen. Peter sieht noch, wie die Sonne hinter den Flechtkörben aufgeht, zwischen denen er sitzt, bevor er durch das Schaukeln des Wagens einschläft. Das Tempo ist gemächlich und der Ochse schnaupt eintönig.

Das Knarren der öffnenden Tore weckt den kleinen Mann. Das Geflecht hat den im Schlummerlande weilenden ein Muster ins Gesicht gedrückt. Die Augen noch nicht ganz offen, hebt der Vater ihn bereits aus dem Wagen. Über eine steinerne Brücke geht es durch ein doppeltes Tor. Es ist riesengroß. Die Stadt selbst liegt auf einer Landzunge, die von einem Fluß umspült wird. Eine natürliche Barriere für jeden Angreifer. Dennoch schützt ein Palisadenwall mit hölzernen Türmen die Stadt zusätzlich. Am linken Ufer auf der Stadtseite kann Peter einige Boote sehen. Sein Vater erklärt, dass diese den Fischern gehören, die damit die Reusen abfahren und den Fang einholen. Schiffbar ist dieser kleine Kanal nicht, aber mit den kleinen und wendigen Booten kann man vom Mühlendamm abwärts bis an die Mündung rudern. Das Umland ist weithin abgeholzt und mit zahlreichen Feldern überzogen. Auch Hirten kann Peter sehen.

So viele Schafe und Ziegen und Felder hat Peter noch nie gesehen. Er ist das erste Mal in der Stadt. Was ihn drin erwartet, überfordert ihn fast. Am Rockzipfel des Überwurfs seines Vaters krallt er sich ganz fest. Seine Augen sind aber weit aufgerissen. So viele Menschen. Wo kommen die wohl alle her? Wo gehen die alle hin? Und alles ist so laut. Wieso ist alles so laut?
Vater Heinrich wirkt routinierter. Ob er es auch ist oder dies dem Sohn zur Sicherheit vermittelt, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen. Er war schon einige Male hier. Doch wo der Feinschmied ist, das weiß er nicht. Daher fragt er den Torwärter. Der schaut den kleinen Peter an: “Na kleiner Racker, das erste Mal in der Stadt?“ Der versteckt sich hinter dem Vater. Mit einem zustimmenden Nicken lächelt dieser den Wachmann an. Auf die Frage nach dem Feinschmied antwortet der Tormann: “Er ist am Markt bei der Kirche. An seinem Haus ist ein Zeichen: ein goldener Kelch und zwei goldene Ringe.“

Die Handwerker öffnen ihre Läden. Sie klappen den Bretterverschlag vor dem Fenster auf und stützen ihn mit zwei Holzbalken. Vor dem Fenster wird ein Brett auf zwei Holzböcken justiert und die Waren darauf ausgelegt. Überall Symbole und Schilde. Hier ein Hut, da eine Nadel. Dort eine Hufe, hier ein Brot. Vater Heinrich erklärt, dass man so gleich erkennen kann, wo es welche Waren zu kaufen gibt. Peter denkt sich, dass wäre sicher eine tolle Idee für den heimischen Dorfmarkt. Doch sein Vater gibt zu verstehen, dass dort ja alle Bauern mehrere Sachen verkaufen. Die Ausschilderung wäre zu viel des guten.

Peter schaut nach oben. Einige, wenige Häuser sind viel größer als daheim, als sei der Dachspeicher ein Haus auf einem Haus. Doch dann ist Peter abgelenkt. Er hat ein kleines Holzpferd im Schaufenster des Spielzeugmachers entdeckt. Das gefällt ihm wirklich sehr. Plötzlich zieht sein Vater ihn zur Seite. Neben dem Schaufenster klatscht das Wasser aus einem Nachttopf auf die Straße. Sofort lärmen die Leute von unten nach oben und auch zwei Mönche stimmen mit ein. Ihre braunen Kutten hat es auch fast erwischt. Die Frau am oberen Fenster brüllt zurück, dass man dort unten doch gefälligst aufpassen solle. Die Leute auf der Straße sind natürlich im Gegenteil der Meinung, dass man dort oben wohl Rücksicht nehmen müsse. Vater Heinrich nimmt den Kleinen zur Seite und schärft ihm ein, auf solche Dinge zu achten. Der kleine Peter ist nun eine Zeit damit beschäftigt, nur nach oben zu schauen. Der unverhoffte Nachttopfschauer bleibt glücklicherweise aus. Sein Vater amüsiert sich über den unbeholfenen ersten Versuch seines Sohnes die Stadt zu erkunden.

Peter muss aber immer wieder zur Seite. Karren, Lasttiere und Reiter arbeiten sich durch das Fußvolk. Und so ein kleiner Junge kann dabei leicht übersehen werden. So drängt der Vater ihn an den Straßenrand und wo er vorhanden ist, soll Peter auf dem Gehsteig wandeln.
Ein Hund aus einer Gasse kläfft ihn an und sein Vater kläfft zurück. Schnell sucht der Hund das Weite. Peter hatte kurz einen Schreck bekommen, aber sein Papa passt gut auf ihn auf.
Heinrich geht weiter, aber Peter schaut dem verdutzt abziehenden Hund nach. Da entdeckt er eine kleine Münze. Vielleicht ist heute sein Glückstag. Plötzlich hört er von oben: “Aufpassen!“ Jemand lehrt wieder seinen Nachttopf aus dem Fenster heraus. Peter muss schnell zu Seite springen. Vielleicht ist heute doch nicht sein Glückstag. Oder er sollte mit dem Urteil darüber abwarten, bis er wieder wohlbehalten zu Hause angekommen ist.

Heinrich biegt in eine Gasse ab und Peter läuft ihm rasch hinterher. Er will ihn im Gedränge nicht verlieren. Um die Kirche herum stehen viele kleine Häuser. Sie sind alle aus Holz. Schweine fressen die Gemüsereste von den Marktständen. Eine Bäuerin streitet sich mit der Dame vom Nachbarstand. Ihre Ziege hat gerade die meisten Kohlköpfe vom Stand gefressen.
Durch das Gewirr schreien die Händler und angereisten Bauern den vorbeiziehenden Käufern und Interessierten all die Namen der angeboten Stücke. An jedem Stand wird auch um den letzten Pfennig gefeilscht. Krämer und Krämersfrauen ziehen mit tragbaren Verkaufstischen durch die Mengen und bieten allerlei Kleines zum günstigen Preis. Man tauscht sich aus und bespricht miteinander verschiedene Informationen aus verschiedenen Ländern. Eine Magd schöpft Wasser am Brunnen. Um diesen ist der gestampfte Boden schon ganz matschig vom übergeschütteten Wasser.
Am Pranger ist ein Übeltäter angekettet. Er hat einen Käufer betrogen und wird dafür mit Eiern und faulem Gemüse beworfen. Ein Wachmann ist abgestellt, ihn vor ungerechtfertigter Strafe zu schützen. Schläge und Tritte sind tabu. Ebenso das Werfen von harten Gegenständen. Dennoch wird er seine Lektion lernen. Die Leute werden noch lange an ihn denken. Vermutlich wird er künftig andernorts seine Waren feil bieten müssen.
In diesem Umfeld soll also der Feinschmied wohnen? Peter weiß nicht so recht.

“Es ist der falsche Markt. Hier ist der kleine Gemüsemarkt.“, sagt sein Vater. Aber Peter war sich doch sicher, dass der Mann am Tor sagte, der Feinschmied sei am Markt an der Kirche zu finden.
Und hier war ja auch eine Kirche. Nur der Turm fehlte. Doch auf einer Baustelle war großes Treiben. Peter schaut den Handwerkern genau zu. Hier entsteht gerade der fehlende Kirchturm.
Tagelöhner ziehen mit einer Winde Steine nach oben. Ein Maurer schreit vom Gerüst: “Wo bleibt der Mörtel?“ Der Mörtelrührer wuchtet einen schweren Eimer auf ein Brett und es schwebt mit der Seilwinde nach oben. Peter sieht den Steinmetzen gebannt zu. Sie schlagen jeden Stein in die richtige Größe, damit die Maurer ihn an seinen Platz setzen können.

Peter hat nicht aufgepasst. Sein Vater ist verschwunden. Er kann ihn nirgendwo entdecken. Zum Glück haben sie sich vorher ausgemacht, dass sie sich allein durchfragen, wenn sie sich verlieren. Beim Feinschmied wollen sie sich wieder treffen.
Doch dem schüchternen Peter fällt es gar nicht so leicht, Fremde anzusprechen. Bei den ersten Passanten bekommt er vor lauter Aufregung den Mund nicht auf. Die schauen dann auch fragend aus der Wäsche, da der Junge kein Wort herausbringt.
Peter läuft erst einmal durch eine Gasse zur nächsten Straße. Im Metzgerviertel hängen halbe Schweine vor den Läden. Hier sind besonders viele Hunde. Es stinkt aber auch fürchterlich und überall sind Fliegen.
Ein Metzger hackt gerade für eine Kundin Suppenknochen entzwei. Die sieht nett aus, die will Peter ansprechen. Sie beschreibt Peter den Weg durch die Gassen: “Du musst an der großen Schmiede vorbei, wo die Pferde stehen.“ Peter hört aufmerksam zu und versucht das Hacken mit dem Fleischerbeil zu ignorieren.
Gerade als er nach einem leisen Dankesehr den Stand verlassen will, wird er fast von einem Jungen umgerannt, der bestimmt nur zwei oder drei Winter mehr erlebt hat. Der Junge hat ein totes Huhn im Arm und flieht vor dem Geflügelmetzger, der im wild hinterherbrüllt. Auch dieser erwischt fast den kleinen Peter. Die Frau am Marktstand zieht ihn gerade so zurück. "Ja, passen sie doch auf!", ruft sie dem Metzger noch wütend hinterher.

Peter, indes, geht bereits der Beschreibung nach. Doch die große Schmiede ist gar nicht so leicht zu finden. Peter ist verzweifelt. Es gibt so viele Gassen hier. Wie soll man sich da zurechtfinden?
Mägde mit Körben voller Wäsche gehen zum Waschen durch das nahe Stadttor hinunter zum Fluß. Da ist bestimmt keine Schmiede, denkt sich Peter. Nur ein Stück weiter in die Stadt hinein stampfen die Färber mit langen Stöcken Stoffe un großen Bottichen voll bunter, heißer Flüssigkeit. Das stinkt fürchterlich.
Gegenüber findet sich ein Laden mit vielen Schuhen und Lederballen. Das ist offenbar der Laden des Schusters, der obendrein Becher am Oberbrett seiner Theke hängen hat, um sein Angebot zu vergrößern und sich so ein Zubrot zu verdienen. Der etwas blasse, ausgemergelte Schuster ist freundlich und schickt den kleinen Jungen auf den richtigen Weg: "Durch die Gasse hier und dann links! Da ist die Schmiede."

Peter hört nun auch vertraute Töne aus seinem Dorf. Der laute Schmiedehammer hätte ihm schon früher auffallen müssen. Doch die Stadt ist eben sehr laut und ungewohnte Geräusche mischten sich ins Klangbild.
Vor der Schmiede werden Nägel und Sporen, Pfannen und Klingen verkauft. Ein Mann schimpft mit dem Schmied: "Müsst ihr auch in den Abendstunden immer noch weiter lärmen, wenn Ruhe sein sollte?" Peter weiß schon vom Dorfschmied, warum bis tief in die Nacht gearbeitet wird. Die Glut darf nicht ausgehen und man nutzt das Feuer so lange es geht. Ein neues Anfachen auf die hohe geforderte Hitze dauert Stunden.
Gespannt beobachtet Peter, wie ein Pferd ein neues Hufeisen bekommt. Fast vergisst er, nach dem Weg zum großen Marktplatz zu fragen. Wer hier der Meister und wer hier Geselle ist, kann man an den rußverschmierten Gesichtern und kräftigen Oberarmen kaum mehr unterscheiden. Doch der Lehrling ist zu erkennen, auch wenn er ebenfalls schon ordentlich Muskelmasse gewonnen hat. Dieser hilft ihm auch sogleich: "Da vorne links geht's zum Viehmarkt. Von dort ist es nicht mehr weit. Frag da einfach noch mal jemanden."

Peter rennt quer über den Viehmarkt. An einer Gassenecke ist ein Bäckerladen. Hier duftet es gut. Brötchen, Brot, Semmeln, Kuchenlaiber. Hungrig schaut Peter den Bäckern zu. Sie schieben runde Brote in einen Ofen. Und auf der Auslage liegt frisch Gebackenes.
Peter erinnert sich an die Münze, die er gefunden hat. Damit kauft er sich eine leckere Brezel. Es ist das erste Mal, dass er mit Geld bezahlt. Bisher wurde er nur mit Waren zum Tauschen zum Nachbarn oder den Wochenmarkt geschickt. Es ist schon komisch, dass man für ein bisschen Metall etwas zu Essen erwerben kann. Doch die Brezel ist noch warm und schmeckt fantastisch.
Der Bäcker zeigt Peter den Weg. Jetzt kann er sich nicht mehr verlaufen. Die Gasse zum Markt ist direkt vor ihm.

Die Häuser rund um den Markt sehen alle so aus, als würden sie hier zwei Häuser aufeinander stellen. Nirgendwo sonst in der Stadt sind so viele hohe Häuser zu finden. Einige sind bunt bemalt und haben kunstvoll geschnitzte Balken. Eine große steinerne Kirche mit mächtigen Türmen überragt sie dennoch alle. Der Platz ist voller Menschen. Die Waren sind erlesenerer Art. Peter läuft an Ständen mit kostbaren Gewürzen vorbei, an feinem Tuch und Pelzen. Das muss der gesuchte Markt an der Kirche sein, von dem der Wachmann am Stadttor sprach.
Da endlich sieht er seinen Vater. Heinrich steht mit einem Mann vor einem großen Haus. Das muss der Feinschmied sein.
An dem Haus sieht er dann auch das besprochene Zeichen. Auf einer Holztafel ist ein Kelch mit Ringen.
Neben den beiden Männern steht ein Stadtknecht mit gezogener Lanze. Er soll den Laden des Feinschmieds vor Dieben schützen. Er ist groß und kräftig, wie Papa sie mal beschrieb.

Heinrich ist stolz auf Peter. Er hat den Weg ganz allein gefunden. Der Feinschmied bittet beide in den Laden. Er hat ein wohl genährtes Äußeres. Seine Wangen sind rosa und sein Wanzt ist rund. Schicke Kleidung trägt er. Aber er sieht nicht aus wie ein Schmied. Er hat keinen Ruß im Gesicht und auf seinen Gewändern. Auch ist das Hämmern in seiner Werkstatt so hell und leise. Kein Qualm, keine Hitze. Ist der Mann überhaupt Schmied?
Heinrich und der Feinschmied bemerken den misstrauischen Blick von Peter. Doch dann deutet der Meister auf seinen Lehrling. Der ist gerade dabei in die aufgetragene Goldschicht auf einer Vase Gravuren einzumeißeln. "Siehst du Kleiner", erklärt er dem Jungen: "hier geht es zu, wie in jeder Schmiede. Wir bearbeiten Metall, wie alle anderen auch. In unserer Ladenwerkstatt geht es aber, sehr zur Freude unserer Kundschaft ein wenig ruhiger zu. Hier bekommen die Dingecihren letzten Schliff."
Die Tochter des Feinschmieds, Lisa, kommt von der Treppe herunter. Sie ist ungefähr so alt, wie Peter. Sie zeigt ihm, eine kleine goldene Halbkugel. Stolz verkündet sie: "Die habe ich selbst gemacht." Peter ist beeindruckt.
"Am besten kommst du eines Tages als Lehrling zu mir, lacht der Meister, der sich als Antonius vorgestellt hatte.

Heinrich sieht auf dem untersten Brett des Regals eine Schachtel mit vergoldeten Ringen. Auch, wenn er im Dorf einer der Reichsten ist, sind selbst diese kleinen Ringe zu teuer für ihn. Doch in der Schatulle findet sich auch ein silberes Stück. Nicht zu aufdringlich, aber doch wertvoll. So etwas hat Heinrich gesucht. Während die Väter nun also über den Preis des Ringes verhandeln, dürfen die Kinder vor dem Laden den Gauklern des Marktes zuschauen. Peter freut sich und die Stadt gefällt ihm immer mehr. Vielleicht wird er auch einmal hier leben.

Ende
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Mo 29. Jan 2018, 21:54

Wer eine Reise tut ...

niedergeschrieben von Hexagon

im 7. Jahr der Herrschaft Heinrich II., Sohn des verblichenen Otto III., aus dem Haus der Liudolfinger, den Fürsten über Sax, der König der teutischen Lande und König des Tiber, Hegemon über die Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Heerführer der christlichen Lande, selbst erzogen in der Obhut eines Geistlichen
im Jahre 1320 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 1009 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 725 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 399 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift erfolgte nachdem ich diese Geschichte erdacht habe.
So habe ich diese Geschichte aus eigenen Erfahrungen zusammengefügt und in einen erdachten Rahmen gesetzt.

Der Stadtmensch, der sein Heim aus Bequemlichkeit oder der Geschäfte wegen nicht verlässt, kann es sich nicht vorstellen, den Ort von außen zu sehen und sich auf einer Reise zu wähnen. Fürwahr aber ist, dass bei einer solchen immer auch Vorüberlegungen getroffen werden müssen. Es ist nicht so, dass man einfach einen Fuß vor das Tor setzt und unbedarft einfach in die Ferne zieht.
Der Grund der Reise gibt oft den Ort vor. Der Ort wiederum ist in sich der Grund für die Dauer der Reise. Auch ist durch diesen festgelegt, durch welche Lande man zieht und ob Berge oder Flüße die Reise erschweren werden.
Grund und Ort sind in Verbindung miteinander in Betracht zu halten, bestimmen sie doch, wie man reisen und was man alles mit sich führen wird. Für Unbedeutendes wird man die Sicherheit der eingefassten Siedlung nicht missen wollen. Wer vor die Tore tritt, hat immer etwas zu erledigen, was, wenn nicht für andere, dann doch für ihn selbst, wichtig ist. Und so hat ein jeder selbst sein Schärflein. Jeder trägt seine eigene Last. Und jeder hat seinen Grund für den Anbruch der Reise.

Die Straßen sind nicht immer gut begangen. Manche so selten genutzt, dass man sich fragt, ob man nicht schon im Walde steht. Andere Straßen, besonders jene zwischen den großen Städten sind dagegen fast nie verlassen. Aber gangbar sind sie deswegen oft nicht besser.

Wie unter diesen Umständen eine längere Reise vorbereitet wird, zeigt ein Beispiel, eines wohlhabenden Bauern, den ich am Anfang seiner Reise traf. Als er mit seinem Sohn zu einer größeren Reise aufbrach, wie er mir mitteilte, nahm er 2 Pferdeburschen, 2 Packknechte und sechs Pferde mit. Das ist nicht zu viel, wenn man unterwegs Gastfreundschaft begehrt, und nicht zu wenig, wenn man sich gegen Überraschungen zu wehren hat. Denn führt man viele mit sich, die zum eigenen Gefolge gehören, macht ein Wirt aus Angst eines Übergriffs auch mal das Tor in seinen Hof nicht auf. Der Reisende ist stets ein Fremder. Erst in der Ferne und nachdem er zurückgekehrt ist, ab und an, durch seinen erweiterten Horizont, auch in der Heimat.

Was traf der Bauer noch für Entscheidungen?
Sollte man waffenlos reisen? Bedenkt man lediglich den dunklen Wald, wird diese Frage absurd erscheinen. Doch denke man dabei auch an die lokale Politik. Bei Fehde oder Krieg kann man leichter seine Neutralität beweisen und deswegen vielleicht mit dem Leben davonkommen. Andererseits weckt der Fremde grundsätzlich Misstrauen. Kommt er als Spion, als Dieb, als Mörder? Verbreitet er ansteckende Krankheiten, die er sich bei einer Übernachtung im Hospital geholt hat? Auch die Perspektive der Einheimischen ist also zu erfassen. Wie werden sie reagieren?

Ich sehe es dem Halfter an. Der Bauer ließ alle Waffen polieren und schärfte den Knechten, sicherlich mit harscher Stimme ein, eine dünne Fettschicht auf den Klingen zu lassen. Dies ist förderlich. Schon beim geringsten Zug gleiten sie aus der Scheide.
Ich sah auch stattliche Pferde, gut beäugt, stark an Kraft. Sicher hat er es sich nicht nehmen lassen, selbst die Tiere auszuwählen und die Beschläge zu prüfen. Auch ist mir bekannt, dass der Führer der Reise sich das Sattel- und Zaumzeug von seinen Knechten vorlegen lässt. Alles muss stimmen. Das nötige Futter wird selbstverständlich auch in Säcke gefüllt. Das Tier wird nicht hungern, es trägt die meiste Last. Und sollte es im Notfall münden, so lässt sich damit schnell Hilfe herbei holen.

Auch der restliche Haushalt ist in die Planung großer Reisen stets involviert, selbst wenn sie nicht daran teilnehmen.
Die Hausfrau des Bauern sorge sicher für Brot, legte Schinken und Speck zurecht, ein paar Beutel Backobst, zuletzt noch 2 Körbe mit Eiern. Sie brät Hühner für die ersten Tage. Alles in allem genug, um 2 Wochen damit auszukommen.
In der Frauenstube sahen Mägde nähend und ausbessernd Hemden, Kittel, Beinkleider und Strumpfhosen durch. Der Schuster des Hofes nahm jeden Stiefel in die Hand, walkte das Leder, bog die Sohlen und prüfte den Sitz der Sporen. Biberpelze für Vater und Sohn, Schafspelze für die Knechte wurden geklopft. Als schließlich die letzte Wolldecke zusammengerollt ist, stiftet die Hausfrau aufatmend der Kirche eine Wachskerze.

Unterdies hat der Bauer seinen rüstigen Vater für die Zeit der Abwesenheit zum Vertreter bestellt und sich mit Geld und Empfehlungsschreiben versorgt. Dann setzte er, wie jeder Reisende von Stand, sein Testament auf und bestimmt Leistungen für das eigene Seelenheil:
Messen sollen gefeiert, Psalme gesungen, Arme gespeist und Pilger zu fernen Wallfahrtsorten entsandt werden.
Viele Reisende sind unterwegs an Entkräftung gestorben. Andere erlagen der Lepra oder der Malaria, die von den Stechmücken in den versumpften Flußauen und Tälern von den großen Flüßen ausgehen. So mancher, der unterwegs war, ertrank, wurde erschlagen, vom Blitz getroffen oder fälschlicherweise gehenkt.
Für unterwegs Verstorbene gibt es vielerorts Friedhöfe. Der älteste liegt im Schatten des Petersdoms in Tiber: der bestimmt 500 Jahr zurückreichende de Campo Santo Teutonico. Die sterbliche Hülle von Großen wird in die Heimat überführt. Jede Reise ist ein gewichtiger Entschluß. Wie eine Operation am lebenden Menschen mutet sie an. Trotzdem sind die Straßen belebt zu diesen Tagen.

Wem begegnet man auf den Straßen und Wegen?
Der Wallfahrer oder Pilger ist ein typischer Reisender. Er hat nicht viel dabei: Ein langer Mantel diente ihm auch als Decke für die Nacht. Ein großer Hut mit breiter Krempe schützt ihn vor der Sonne und Regen. Münzen, Ausweis, und Empfehlungsschreiben stecken in einer Umhängetasche, daneben Brot, Käse und Nüsse als Wegzehrung.
Kaiser und Könige, unter den Adligen und Bischöfen, die Großgrundbesitzer, reisen von Besitz zu Besitz, um ihre Macht zu demonstrieren und die leistungspflichtigen Untertanen zu kontrollieren. Sie und die Fernkaufleute sind ihr Leben lag unterwegs.
Es überwiegen organisierte Gruppenreisen, Karawanen. Aber viele sind auch allein unterwegs. Weil das aber zu gefährlich ist, schließen sich die meisten Reisenden mit anderen in zufälligen Gruppen für bestimmte Wegabschnitte zusammen. Man ist dadurch gegen diverse Gefahren besser gefeit. Der einzelne wird eher überfallen, als die Gruppe. Und sollte ein natürliches Geschick die Fahrt unterbrechen, so gäbe es Hilfe am Platz oder in jähem Falle wenigstens letzten Beistand und ein bezeugtes Begräbnis.
Eine Berufsgruppe die schon immer viel unterwegs war, gehört nun immer zum Gesindel: die fahrenden Sänger und Schauspieler. Je mehr der Handel wächst, desto mehr sinkt ihr Anwesen in der Gesellschaft. Die kühlen Zahlen scheinen der Kunst gewappnet zu sein und das Verdingen mit letzterer wenig mit den Nöten der Allgemeinheit zu tun.

Wem begegnet man noch auf Straßen? Gesellen sind auf der Walz. An einem anderen Ort suchen sie Lohn und Brot. Bauern sind auf der Landflucht. Können sie die Pacht nicht mehr zahlen, so suchen viele ihr Heil im Reißaus. Kuriere wiederum rennen nicht hinweg, sondern herzu. Botschaften, Briefe, kleine Geschenke. Das alles tragen sie von Ort zu Ort, um es jemandem zu bringen. Soldkrieger sind auf dem Heimweg von der letzten Schlacht. Besitzen sie kein Heim, so sind sie offenbar wieder auf dem Weg in den nächsten Waffengang. Bettel- und Wandermönche sind auf dem Weg zur geistigen Erleuchtung, suchen ein Kloster oder sind vom Abt zum Handeln geschickt. Wanderschäfer und Viehtreiber führen hunderte Tiere hinter sich her. Es geht auf die Bergalm. Es geht ins Dorf. Es geht zum nächsten Viehmarkt.
Gehobene sieht man seltener. Doch auch deren Handwerker suchen dann und wann eine neue Arbeit oder sind bereits auf dem Weg zu einer Baustelle. Wir finden also Architekten, Steinmetze und Glasmaler.
Gar nicht verschweigen will ich das Heer von Vagabunden, Abenteurern und Glückssuchern, von Bettlern und Kranken. Daheim von Armut und Hunger, Elend und Ungeziefer geplagt, haben sie nichts, was sie zurückhalten könnte. Aber egal wer und weshalb und wohin: Die meisten der Wanderer, auch jene wider Willen, gehen zu Fuß. Viele gar barfuß - aus Armut oder Hitze oder der Buße wegen.

Sie alle haben ihren Grund, ihren angestammten Sitz zu verlassen und in die Wildnis zu ziehen, die einen zwangsläufig umgibt, wenn man sich auf die Reise macht.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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Re: Sacra Tibia: Einblicke in jene Zeit

Beitragvon almafan » Fr 31. Jan 2020, 23:41

Der stille Diener Gottes

niedergeschrieben von Hexagon

im 26. Jahr der Herrschaft Boleslav II., der Fromme, Sohn des verblichenen Boleslav I., aus dem Haus der Premysliden, dem König von Brahmen, einer der sieben Reichsfürsten der teutischen Lande, der im steten Streit um die Krone Brahmens mit dem Haus der Slavnikiden steht
im 15. Jahr der Herrschaft Otto III., Sohn des verblichenen Otto II., aus dem Haus der Liudolfinger, Sohn eines teutischen Königs und einer rhomäischen Prinzessin, somit Vereiner des alten Reiches, der im Süden zum König wurde und im Norden die Krone erhielt, der König der teutischen Lande und König der Tiber, Hegemon der Lombardei, Fronherr der Krone, Schirmherr und Herrführer der christlichen Lande
im Jahre 1309 nach der Thronbesteigung des Königs Seleukos I., eines Diadochen Alexanders des Großen
im Jahre 998 nach der Geburt des Propheten Jesus
im Jahre 714 nach der Thronbesteigung des Kaisers Diokletian auf den rhomäischen Thron
im Jahre 388 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina

Die Niederschrift im Jahr meiner Wanderschaft durch die Bahm'schen und Wend'schen Lande.
So begeben hat es sich, wie ich selbst gesehen habe und durch Gehörtes ergänzte.

Dunkel ist's. Mit schnellen Schritten eilt Matthias durch den Kreuzgang mit den roten Backsteinsäulen auf die Kirche zu. Er hofft, dass der Abt ihn nicht beim Zuspätkommen erwischt. Eine strenge Strafe wäre die Folge. Essensentzug oder harte Arbeit oder beides.
Die Vigilie, das erste Gebet mitten in der Nacht, bleibt für Matthias eine der schwersten Prüfungen des Tages. Auch nach drei Jahren im Filialkloster in Ostrada. Eine Stunde nach Mitternacht finden sich alle Brüder dafür in der Klosterkirche ein.

Der Mönch betritt die Kirche, zieht sich ein Messgewand über die braune Tunika und betritt so leise wie möglich den düsteren Altarraum, der nur von einer einzigen Lampe spärlich erhellt wird. Dort stellt er sich zu seinen Brüdern vom Orden der Benediktiner. Niemand bemerkt, dass er der Letzte ist. Alle bereiten sich auf den Gottesdienst vor. Dann beginnen die Mönche, Psalme aus dem Alten Testament zu singen.
"Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde." Alle kennen die Texte auswendig. Weiter hinten in der Kirche sitzen die Laienbrüder. Sie beten nicht mit den Mönchen zusammen. Die Laien sind Gottesmänner zweiter Klasse.

Matthias schaut auf den Altar vor sich. Ein Leinentuch liegt darauf. Es hängt an allen Seiten über. Ein einfaches Kreuz aus bemaltem Holz steht auf dem profan wirkenden, sakralen, Steinblock. Kein glänzendes Metall, keine bunten Malereien, kein baulicher Prunk soll die Aufmerksamkeit der Mönche von Gott ablenken. Matthias, nicht einmal vier mal fünf Winter alt, singt und betet voller Inbrunst mit.
Um Gottes Wort zu verkünden, ist er Mönch geworden. Seit drei Jahren gehört er zur Mönchsgemeinschaft der Benediktiner in Ostrada. Er stammt aus einem alten Rittergeschlecht aus dem Süden Brahmens. Aber was heißt schon alt. Als vierter Sohn einer kinderreichen Familie aus dem niederen Adel blieb ihm keine große Wahl. Matthias konnte sich zwischen der Laufbahn als Ritter ohne Land entscheiden. Im Grunde aber ist dies nicht besser als ein vornehmerer Söldner. Oder ein Leben als Kleriker. So sind die Regeln für die Nachkommen einer adligen Familie.
Das Leben im Kloster geschützt hinter hohen Mauern, in einer gelehrten Gemeinschaft, lockte mehr als der Dienst am Schwert.

Kloster entstammt dem lateinischen Wort claustrum und bedeutet Abgeschiedenheit. Matthias entschließt sich im Jahr der Krönung und Salbung König Heinrich II. die braune Kutte der Benediktiner überzuziehen. Er hätte auch in den Orient gehen können. Der Orden der Basilianer der auch in Byzanz seinen Sitz hat, wird reichlich gefördert und ist materiell gut aufgestellt. Auch die Benediktiner sind als Ganzes nicht für Ihre Armut bekannt. Doch der kleine Konvent südlich der Hauptstadt des brahm'schen Reiches schien ihm am Gottgefälligsten zu leben. Weil sie ihren Alltag besonders gläubig gestalten, mit vielen Gebeten und noch mehr Arbeit.

Matthias steht stellverstretend für all die anderen. Sein Leben hätte so wie hier beschrieben, auch in jedem anderen Kloster so aussehen können. Und vor allem hätte es auch jeder andere Mönch sein können.
Durch den Dienst an Gott hofft er, einst in den Himmel zu gelangen und den Feuern der Hölle zu entkommen. Wie viele seiner Zeitgenossen fürchtet er, am Tag des jüngsten Gerichts für seine Sünden büßen zu müssen. Matthias und seine Glaubensbrüder glauben, dass dann Erzengel Michael mit einer Waage in der Hand die guten und bösen Taten gegeneinander aufmessen werde. Auf die Auserwählten wartet dann die ewige Glückseligkeit im himmlischen, entrückten Paradies. Die Verdammten aber werden in den Rachen eines Ungeheuers oder direkt in das Höllenfeuer getrieben.
Das Kloster Ostrada jedenfalls schien Matthias der rechte Ort zu sein, einen gottgefälligen Weg zu finden und ins Paradies einzukehren.

Das Kloster südlich der Reichshauptstadt Sitavia an der Mandau hatten Basilianermönche als ursprünglichen Bibliotheksort erwählt, fern ab der Streitereien auf dem Festland um den teutischen Thron. Es wird wohl schon vor dem Dynastiewechsel zu den Ottonen gewesen sein. Zur Zeit des Kaisers Otto II. der seine Macht auf den Inseln festigte und Lokatoren schickte, wechselte das Kloster mehrmals den Orden, bis es zum Antritt des Kaisers Otto III. dann durch die Benediktiner neu geweiht und stetig erweitert wurde.
Zwölf Mönche kamen damals vom Festland, aus dem Kloster Annenberg und machten Ostrada zu einer Filiale des Ordens. Zu Matthias' Zeiten sind es bereits mehr als doppelt so viele. Dazu noch dreimal mehr Laienbrüder als es Mönche im Konvent gibt. So sammeln sich hier mittlerweile gut einhundert Mann.

Mit drei mal fünf Wintern tritt Matthias dem Kloster bei. Er muss seine Kleidung abgeben. Mönche scheren ihm die Haare auf dem Schädel ab. Nur ein kleiner Kranz, die Tonsur, bleibt stehen. Dann erhält der junge Mann die Tunika aus grober, brauner Schafswolle. Ein Jahr lang hat sich Matthias als Novize zu bewähren. Ein altes Wort für "der Lernende". Und das tut er. Er lernt Psalter, die Gebete des Kanons auf Latein, auswendig und die klerikalen Gesänge. Zudem liest er viele religiöse Bücher. Die Klosterschule muss er nicht mehr besuchen. Er hatte das Glück, als Page auf einen Hof als Sohn eines Adligen zu kommen, eines Adligen, der Lesen und Schreiben kann. Matthias war sicher froh darüber, denn die Lehrer der Klosterschulen gelten als besonders streng. Die Schüler dürfen sich nie unterhalten. Es herrscht strikte Disziplin. Wer unkonzentriert ist, wird mit der Birkenrute geschlagen.
Auch der Alltag der Novizen in Ostrada ist hart. Matthias und die anderen Novizen müssen in den Werkstätten und auf den Feldern des Klosters hart arbeiten. Ihnen fällt es schwer, sich an das karge Leben im Konvent zu gewöhnen.

Nach einem Jahr wird er als gleichberechtigter Bruder in die Gemeinschaft aufgenommen. Als Sohn aus dem niederen Adel hat Matthias Glück gehabt. Seine Eltern konnten eine Opfergabe an das Kloster zahlen und so seine Aufnahme bewirken. Die Konvente schotten sich immer stärker gegenüber dem dritten Stand ab.
Noch ist es möglich, doch immer schwerer wird es, als armer Bauer oder Leibeigener aufgenommen zu werden. Zumeist geschiet das dann als Laienbruder. Sie müssen stets die härtesten Arbeiten verrichten und haben dennoch weitaus weniger Rechte als die Mönche. Sie dürfen keine Bücher lesen, sie leben in eigenen Räumen außerhalb des Klosterzentrums und dürfen einige Gebäude der Mönche nicht betreten.
Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Brüdern und Laien. Die sozialen Spannungen dieser Zeit werden hinter den Klostermauern fortgesetzt. 991 ermordet in einem anderen Kloster ein Laienbruder gar den Abt. Matthias, der damals noch ein kleines Kind war, hat mit Grauen von dem Mord gehört.
Schnell merkt er, dass die Welt des Klosters weitaus weniger friedlich ist, als von ihm erhofft. Auch unter den Mönchen gibt es Konflikte. Brüder wie Matthias, die in der Schreibstube arbeiten und nicht so schwer schuften müssen wie die Mönche, die auf dem Feld oder als Holzfäller arbeiten, werden oft beneidet. Auch um die zahlreichen Ämter gibt es Streit. Nicht jeder Benediktiner kann Prior oder gar Abt werden. Das Schweigegebot, das für die meisten Stunden des Tages gilt, verhindert nicht, dass im Kloster Intrigen gesponnen werden.

Nicht nur wegen der Zwietracht unter den Brüdern fragt sich Matthias manchmal, ob er die richtige Wahl getroffen hat, als er sich für das Kreuz und gegen das Schwert entschied.
Der wenige Schlaf macht ihm zu schaffen. Oft ruhen Matthias und die anderen vierundzwanzig im Schlafsaal keine fünf Stunden. Der Schlafentzug gehört zum vorgeschriebenen kargen, arbeitsreichen Leben. Wenn mitten in der Nacht der Ruf zum Gebet schallt, sein Bettnachbar ihn so lange schüttelt, bis sich Matthias von der Pritsche quält. Wenn er auf den kalten Boden des Schlafsaals tritt und schnell die Tunika über die Unterkleider zieht. Ja, dann zweifelt Matthias manchmal. Will er sein Leben lang so viele Entbehrungen ertragen?
Auf der anderen Seite ist er stolz darauf, ein Leben in der Tradition des Christus zu führen und nicht so verweichlicht zu sein wie andere Mönche, die mehr an ihr Leibeswohl als an die Gebete denken.

Die Gebete strukturieren den Tag im Kloster. Sie folgen in Abständen von zwei oder drei Stunden aufeinander. Acht gemeinsame Gebete in der Kirche gibt es am Tag. Von ein Uhr morgens bis neunzehn Uhr abends. Stundenglas und Sonnenuhr erlauben den Mönchen, die Zeit zu messen und die Gebetszeiten strikt einzuhalten.
Das Klosterleben fordert ebenso strikte Disziplin. Mönche sollen beten und arbeiten. "Ora et labora."
Nach den Vigilien gehen die Mönche wieder ins Bett. Um vier Uhr dreißig steht mit dem Morgenlob das nächste Gebet An. Matthias und andere Brüder verbringen heute die Zeit zwischen den beiden frühen Gebeten in stiller Meditation. Der junge Mönch spaziert dabei durch den Kreuzgang, einem der wichtigsten Orte im Kloster. Viel Zeit bleibt nicht für die innere Einkehr, denn bald kommen die Brüder wieder in der Kirche zusammen und begleiten den Sonnenaufgang mit Gebeten und Gesang.

Danach gehen die Mönche schnell auseinander. Es gibt immer viel zu tun. Matthias verlässt die Kirche, die wie die Hauptgebäude des Klosters zum Bereich der Klausur gehört. Er ist den Ordensbrüdern vorbehalten. Laien haben dort keinen Zutritt.

Es ist früher Morgen, als der junge Mönch nun ebenfalls durch den Kreuzgang läuft Richtung Bibliothek und Skriptorium, die Schreibstube. Auf der anderen Seite vom Kreuzgang liegen, der Kapitalsaal, wo die Versammlungen stattfinden, und das Dormitorium, der Schlafsaal.
Daran schließt das Refektorium an, das Küche und Speisesaal beherbergt. Hierher würde Matthias gern öfter kommen. Doch meist gibt es nur eine Mahlzeit am Tag, nach der Non, dem Gebet am frühen Nachmittag. Nur an Feiertagen speisen die Mönche zweimal am Tag.
Beim Essen müssen die Ordensbrüder schweigen. Einer liest aus der heiligen Schrift vor, ansonsten ist es still. Die Männer lernen eine Zeichensprache, um dennoch während des Mahls miteinander kommunizieren zu können. Wer mit den beiden Daumen und Zeigefingern einen Kreis formt, bittet um das Brot.

Die Benediktiner von Ostrada leben nach besonders strengen Regeln. Ihre Geschichte beginnt mit dem Auszug des Bruders Citeaux aus dem Kloster Aggrippina. Er war vom wachsenden Wohlstand und der Dekadenz seines Ordens abgeschreckt.
In mancher Abtei führen die Mönche ein Leben in Luxus. Ente, Gans, Kalbszunge stehen auf dem Speiseplan. Das Schweigegebot wird missachtet, sogar das Armutsgebot. Viele Klöster häufen unglaublichen Reichtum an. Sie gelten als Wirtschaftsmacht, nicht als Bollwerk der Tugend gegen die Sünde. Nicht lange vor Abschluss des ersten Jahrtausend nach der Geburt des Heiland wächst bei vielen Mönchen der Unmut. Sie rufen zu Reformen auf und gründen neue Orden oder Klöster in neuer Abgeschiedenheit. Hier sollen die Mönche wieder asketisch leben. Die Reformer besinnen sich dabei nicht auf Neuerungen, sondern auf die Regeln des Heiligen Benedikts, der vor vierhundert Jahren diese aufstellte. Sie legen diese möglichst wortwörtlich aus.
"Diese Regeln haben wir verfasst, damit wir Mönche durch die Beachtung derselben in unseren Klöstern zeigen, dass wir tugendhafte Sitten wenigstens bis zu einem gewissen Grade und den Auftrag des Ordenslebens besitzen." schrieb Benedikt von Nursia. Eben jener Benedikt von Nursia, der später den Beinamen der Heilige erhält.
Auch die Brüder in Ostrada folgen streng diesen Regeln. Sie entsagen dem Reichtum, verzichten auf Fleisch, Weinkonsum und weitgehend auf das Reden miteinander.
Trotz, oder gerade wegen des kargen Lebensstils der Mönche, erhalten die Jünger des Citeaux' starken Zuwachs. Nur fünfzig Jahre nach dem Auszug Citeaux' aus dem Kloster gibt es mehr als zwanzig Klöster mit einer Vielzahl an Mönchen und Laien. Alle dem Ideal Citeaux verschrieben, der ihnen vorlebte, was Benedikt niederschrieb.

Matthias muss wie alle Mönche in Keuschheit leben und in persönlicher Armut. Von ihm wird Gehorsam gegenüber dem Abt und den Ordensoberen verlangt. Mildtätigkeit und Schweigen sind vorgeschrieben. Der Abt steht an der Spitze des Klosters. Er wird von den Mönchen gewählt und behält sein Amt auf Lebenszeit. Was der Abt sagt, ist Gesetz. Er entscheidet, ob Mönche Besuche von Verwandten bekommen dürfen, ob hart arbeitende Brüder eine zweite Mahlzeit am Tag erhalten. Er ist der Stellvertreter Christi innerhalb der Klostermauern, soll aber auch Lehrmeister und liebevoller Vater sein. Doch Matzhias' Abt ist vor allem eines: streng.
Beim Schuldkapitel, einer Versammlung aller Brüder, ruft der Abt seine Mönche immer wiedrr auf, Regelverstöße zu melden. Wer nicht von sich aus vortritt und Fehler gesteht, muss befürchten, dass einer der Mitbrüder ihn denunziert. Der Abt legt dann die Buße fest. Sünder dürfen nicht an den Mahlzeiten teilnehmen oder müssen besonders harte, unliebsame Arbeiten übernehmen. Der Abt wird von einem Rat aus Mönchen beim Leiten des Klosters unterstützt.

Bei wichtigen, weitreichenden Entscheidungen sollen alle Brüder gehört werden. Je größer ein Kloster ist, desto mehr Posten gibt es.
Prioren kümmern sich um die gesamte Verwaltung des Klosters. Der Cellerar ist für das Beschaffen, Aufbewahren und Zubereiten der Vorräte und Speisen zuständig. Er beaufsichtigt Bedienstete und organisiert die Lebensmittelversorgung. Ein wichtiges Amt hat zudem der Kämmerer inne, der sich um die klösterliche Kleiderkammer und Einkäufe außerhalb des Konvents kümmert. Der Kantor wacht über den Chorgesang, der Sakristan kümmert sich um Gefäße und Gewänder, die im Gottesdienst gebraucht werden. Dem Armarius untersteht die Bibliothek, dem Refectarius der Speisesaal, dem Hortulans die Gärten. Pförtner und Krankenmeister werden ebenso benötigt, wie der Novizenmeister, der die Neuen betreut, die in das Kloster eintreten wollen. Der Cellerar oder Schaffner übernimmt zudem die Verwaltung der zahlreichen Wirtschaftsaktivitäten.
Viele Klöster haben nicht nur große Ländereien, die sie an Bauern verpachten. Ihnen gehören Wälder, Weinberge, Seen sowie Flüsse, Bäckereien, Schmieden und zahlreiche andere Werkstätten.

Matthias fällt es nicht immer leicht, all die Klosterregeln einzuhalten. Immer wieder erinnern ihn die älteren Brüder an sein Gelübde und zitieren aus den Regeln: "Der erdte Grad der Demut ist der unverzügliche Gehorsam."
Mancher Mönch geht barfuß, sogar wenn Schnee liegt. Und einige tragen Hemden aus kratzendem Tierfell, um zu zeigen, dass sie jeglichem leichtem Leben entsagen.

In der Bibliothek im Kloster Ostrada kann Matthias über die Geschichte des Ordens nachlesen. Auch der Kanon mit den Regeln des heiligen Benedikts steht dortim Regal. Dort sammelt das Kloster aber auch Wissen der Antike. Einige Klöster wie St. Gallen, Reichenau und Fulda sind wegen ihrer großen Bibliotheken Leuchttürme des Wissens und Kultur. Auch ist Ostrada in der Region bekannt für sein Skriptorium.
Nach den ersten beiden Gebeten beginnt Matthias in der Schreibstube nun die Arbeit. Am Gürtel hat er ein Messer, eine Nadel und ein Schreibtäfelchen mit Griffel hängen. Doch heute wird er vor allem eine Gänsefeder brauchen. Matthias kopiert seit Wochen eine besonders schöne Bibel. Seine Handschrift gilt als klar und sauber. Er gibt sich in der Schreibstube besonders Mühe, denn er hofft, mit Erlaubnis des Abtes an einer Universität studieren zu können. Das Kloster schickt ab und an Mönche nach Bologna oder Aggrippina zum Lernen. Auch Matthias würde sich in der Ferne gern weiterbilden.

Er und die anderen Schreiber im Skriptorium vervielfältigen nicht nur fromme Texte, sondern auch weltliche Schreiben wie Urkunden und Gesetze. Die Klöster sind Orte der Gelehrsamkeit. In einer Zeit, in der die meisten Menschen nicht lesen und schreiben können.
Matthias träumt davon, später Illuminator zu werden. Diese Künstler verzieren kostbare Bücher mit Blattgold, zeichnen prächtige Initialen. Jeder dieser Anfangsbuchstaben ist ein kleines Kunstwerk. Das scheint dem Mönch wirklich Arbeit zum Ruhme Gottes zu sein. Aber auch die Tätigkeit als Schreiber gefällt ihm. Seine Arbeit wird von Andachten unterbrochen. Auch heute wird er wieder vier Stunden beten und acht Stunden arbeiten.

Nach dem Mittagsgebet um zwölf Uhr und einer kleinen Pause setzt er sich erneut an den Schreibpult. Sein Magen knurrt laut. Noch hat er nichts gegessen, nur etwas getrunken.
Er greift zum Krug mit Wasser auf seinem Tisch. Die Bibel, dieer abschreiben soll, liegt auf einem abfallenden Pult. Das Pergament, auf das er den Text überträgt, liegt vor ihm. Mit einem kleinen Messer spitzt er die Schreibfeder an. Er taucht sie in ein mit Tinte gefülltes Horn und beginnt nun, konzentriert zu schreiben.
Im einem rechten Winkel führt er den Gänsekiel auf das feine Pergament, das aus Kalbshaut gewonnen wurde. Psalme und Gebete abzuschreiben gilt als Dienst an Gott. Der heilige Bernhard von Clairvaux sagte, dass jedes Wort, das ein Mönch schreibt, ein Schlag gegen den Satan sei. Das Vervielfältigen von Büchern gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Klöster.

Um fünfzehn Uhr gehen Matthias und seine Brüder zur Non. Es ist Matthias' liebstes Gebet. Denn danach gibt es immer etwas zu essen im Speisesaal. Brei oder gekochtes Gemüse, Hülsenfrüchte und Salat werden gereicht. Dazu gibt es frisches Obst. Matthias sehnt sich manchmal nach einem saftigen Ochsenbraten. Doch Fleisch steht den Klöstern des Citeaux nie auf dem Speiseplan. Um neunzehn Uhr, nach dem letzten Gebet des Tages, steigt Matthias die Treppe zum Schlafsaal hinauf. Er legt sich auf die Pritsche, schließt die Augen und schläft erschöpft ein.

Ende
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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