Eine nervöse Zeit: Information




Auch ich habe einige Spiele, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Moderator: almafan

Eine nervöse Zeit: Information

Beitragvon almafan » Do 17. Jun 2021, 01:37

Eine nervöse Zeit

Arbeitstitel: Episode Lüderitz

Entwicklungszeitraum Vollversion: März 2021 - heute

Genre
(Ein bisschen) Action, (viel) Historie, Rollenspiel

Story
Entdeckt von einem Portugiesen schon vor 400 Jahren. Besiedelt hat diesen Granitfelsen am Ende der Wüste Namib erst der Kaufmann dessen Namen diese Siedlung nun trägt, Adolf Lüderitz.
Abenteurer und Soldaten mehr gab es bis 1908 hier nicht. Aus den Wellblech- und Holzhütten wurde dennoch binnen kurzer Zeit eine ausgewachsene Stadt. Das Diamantenfieber sorgte dafür. Oben, bei Kolmannkuppe hat man beim Bahnstreckenbau im Sand einfach Diamanten gefunden. Man musste nicht tief graben, nicht untertage. Diese edelsten aller Steine lagen hier einfach im Wüstenboden herum. In diese Aufbruchsstimmung gerät der junge Rudolf Emil Jakubczyk als er 1913 dieses Ende der Welt erreicht. Er reist als Sektretär des Prokuristen Hermann Walther Rüdewitz für die Gesellschaft Sachsenwerk, Licht- und Kraft AG, um diesen in seiner Handlungsvollmacht zu unterstützen. Für das Unternehmen soll ein lukrativer Vertrag mit der Bergarbeiterstadt für die Versorgung mit Transformatoren und Schaltgeräten für elektrische Beleuchtungen, sowie für große Motoren und Generatoren abgeschlossen werden.
Während Rudolf nochmals die Akten durch geht und anschließend den Koffer schließt, hört er den Prokuristen sagen:
"Hier ist es wirklich, wie es im alten Buche steht: 'Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde; Und die Erde war wüst und leer.' Ich denke nicht, dass der Schreiber damit diesen Flecken im Sinn hatte. Aber es hätte nicht treffender formuliert werden können. Es ist einer der unwirtlichsten und wirrensten Orte, die ich je gesehen habe. Hier wächst kein Baum ohne Hilfe. Es gibt kein Süßwasser. Der Wind weht unablässig. Diese Stadt klemmt zwischen zwei menschenfeindlichen Welten. Eine ist das endlose Wasser des Atlantiks, das den Wind immer aufs Neue aufpeitscht. Der andere Feind ist der Sand der Wüste.
Und doch, hier steht sie nun. Eine deutsche Stadt, mit verspielten Villen und breiten Straßen. Diese Stadt ist der Menschen Versuch, der Natur den Schneid abzukaufen. Die bevorstehende Krise ist steter Begleiter. Eine öde, raue, sturmumtoste, gottverlassene Gegend."

Er wendet sich zu Rudolf und spricht: "Für dich könnte es hier der Anfang deiner Karriere werden. Vielleicht das schönste Ende der Welt. Ich kann es nicht abwarten, von diesem Fleck wieder abzureisen. Zum Glück machen wir nur die Formalitäten und erwerben ein Grundstück, auf dem die Niederlassung ihren Laden errichten kann."
Hermanns Blick schweift wieder zur Küste. Wie in einem Gedicht von Theodor Storm, dass von der grauen Stadt am grauen Meer erzählt, so ist es hier auch. Die Fluten, die an den Fels schlagen, die Robben die gegen den scharfen Westwind ankreischen, Albatrosse, die über den Wellen stehen, in ihrem schneidigen Flug vom Gegenwind ausgebremst. An zweihundert Tagen pfeift hier ein scharfer Wind, krachen schwere Brecher an die felsige Küste. Wieder ermahnen Rudolf die Worte des Prokuristen: "Afrika ist ein verfluchtes Land. Das wirst du schon noch begreifen."

Rudolfs Geschichte beginnt aber früher. Er ist durch Zufall nach Dresden gelangt, hat mal hier mal da gearbeitet. Die wachsende Industrie benötigt immer mehr Arbeiter, aber auch jene, die sie lenken. Sein Vater bildete diese Lenker aus. Als Sektretär stieg er für das Königlich Sächsisches Polytechnikum zu Dresden ein.
Sein Vater hat eine Expedition in den vorderen Orient gewagt, bezahlt aus den Forschungsgeldern, die Österreich-Ungarn 1897 ausgelobt hatte, mit einem Kredit allerdings vorgestreckt, der alle Ersparnisse auffraß. Über den Verbleib des Vaters weiß man heute nichts genaues. Er gilt als verschollen.
Schon komisch, wie dicht Rudolf und Lüderitz im Herzen liegen. Beide haben ihren Vater verloren, können sich aber nicht sicher sein, dass er noch irgendwo da draußen ist. Denn auch der Kaufmann, der diese Stadt gegründet hat, ist bei einer Expedition verschwunden. Beide sind in dieser nervösen Zeit ständig davon getrieben, nicht unterzugehen. Rudolf, weil er auch er überall nur zu Gast ist und niemanden so richtig kennt. Er ist gut, in dem was er tut, aber er ist ersetzbar.
Lüderitz aber ...

Es gibt Städte, die hatten vermutlich nie eine Chance. Pompeji zum Beispiel. Oder Atlantis, falls es das je gab. Und eben Lüderitz.
Lüderitz ist Ausdruck des verzweifelten Versuchs, die Natur zu bezwingen. Das Wort Existenzkrise stand an der Wiege Pate, als die Stadt vom Bremer Kaufmann hier reingepflanzt wurde. Und es begleitet die Stadt am Ende der Welt bis heute. Es ist der einzige geschützte Hafen an Deutschlands südwestafrikanischer Küste. Hier wollte Wilhelm die Hauptstadt seiner neuen Kolonie errichten. Ein imperialer Irrtum, gespeist aus Unkenntnis und Selbstüberschätzung, wie so vieles, was Europäer in Afrika hinterließen. Als man merkte, dass Lüderitzbucht, hoffnungslos im Abseits lag, wurde die Verwaltung nach Windhuk verlegt, ins Herz der Kolonie, umgeben von Farmland und an wichtigen Bahn- und Straßenkreuzungen. Und Lüderitz versank Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals in Bedeutungslosigkeit.
Aber auch das ist Lüderitz: Stets, wenn die Lage besonders aussichtslos war, geschah ein kleines Wunder. Manchmal auch ein großes. Das erste Wunder war ein Aufstand des Volkes der Nama. Der grausame Krieg gegen den afrikanischen Stamm im Süden der Kolonie bescherte Lüderitz den Bahnanschluss. Und eine Menge Soldaten, Schutztruppler genannt, die Lüderitz für zwei Jahre aufleben ließen. wei Jahre brauchten die Deutschen am Anfang des Jahrhunderts, um die Bahnverbindung bis Keetmanshoop in die Wüste zu zaubern.

Als der Krieg vorbei war, die Truppen abzogen und wieder einmal die Bedeutungslosigkeit drohte, gab es das große Wunder: Der Bahnangestellte August Stauch fand vor den Toren der Stadt Diamanten. Heute sind die Claims abgesteckt. Die Schürfer schürfen. Die Deutschen kassieren.

So trostlos die Stadt aus der Ferne wirkt, so hart ist das Leben in ihr. Wenn man kein Deutscher ist.
Am Hafen herrscht geschäftiges Treiben. Matrosen und Soldaten stehen sich hier die Beine in den Bauch, während die ausnahmslos schwarzen, armen Schweine die Ladungen löschen und die Schiffe wieder beladen. Es ist laut. Nach der langen Zeit auf dem Kahn muss man sich erst einmal wieder an diese vielen Menschen gewöhnen. Rudolf versucht in der Menge nicht den Anschluss an den Prokuristen zu verlieren. Dieser scheint zu wissen wo er hin will. Ein Gebäude steht vor uns, dass auch hätte nicht deutscher sein können. Es hätte exakt so auch im Reich stehen können.
Ludwig Jägermann ist Eigentümer des Kapp Hotels. Es ist das älteste Hotel der Stadt. Im Ballsaal tobt das Leben. Die Glücksritter bezahlen ihren Champagner schon mal mit Edelsteinen. Man erzählt sich, dass die Jägermanns im Keller einen großen Vorrat an Kronleuchtern horten, da diese von den Gästen sehr oft von der Decke geschossen werden. Huren und Spieler machen die Nacht zum Tag.

Wir sitzen am Tisch im Speisesaal. Ich freue mich auf Gerichte, die mir die Karte verheißt: Langusten, Garnelen, Austern. Doch die hübsche Kellnerin, teilt mir bedauernd mit, dass es keine der aufgelisteten Köstlichkeiten gibt, dafür den Fang des Tages. Herrmann ist sichtlich erbost, willigt aber doch in die magere Auswahl ein. Als könnte eine Ablehnung etwas am Angebot ändern. Sie haben keine Wahl, wollen sie in diesem Hotel ihr Mahl einnehmen.
Herrmann war schon einmal hier. Er wirkt, als wolle er gleich wieder weg. Diese Atmosphäre ist bedrückend.

Die Kellnerin flirtet mit einem Gast, der an der Bar sitzt und ein Bier trinkt. Dafür schmeckt der Fang des Tages ausgesprochen gut.
Herrmann spricht mich kurz an: "Sekt fließt reichlich, Wasser ist knapp. Oben in Kolmannkuppe noch schlimmer als hier. Nach dem ersten Diamantenfund 1908 hatten die Glücksritter binnen weniger Monate eine moderne deutsche Stadt aus dem Sand gestampft – eine Villensiedlung mit Eisfabrik, Schule, Bäckerei, Schlachterei, Elektrizitätswerk, dem Kegelklub 'Gut Holz' und Straßenbahn. Der Tag für die bis zu 300 Deutschen beginnt trotzdem mit frischen Brötchen. Das knappe Wasser wurde zunächst mit einem Tankschiff aus Kapstadt geliefert und mit Ochsenkarren durch die Wüste gekarrt."

"Absoluter Wahnsinn."
, denkt sich Rudolf. Für ein paar Steine wird ein Aufwand betrieben, als wolle man London belagern.

Es ist Abend. Der Südwestwind legt scharfe Sandschleier über die Gebäude.
Die Weiten um diesen abgeschotteten Ort gehören wieder den Elementen. Dem Wind, der hier an 200 Tagen des Jahres bläst. Dem Nebel, gespeist aus den eiskalten Fluten des Benguelastroms im nur wenige hundert Meter entfernten Atlantik.

Die Wüste wird sich irgendwann wiedernehmen, was ihr zusteht. Was ihr der Mensch nur den Zeitraum eines historischen Wimpernschlages abgetrotzt hatte.
Rudolf fühlt sich nicht wohl. Nur die Kellnerin mit den großen Augen und den langen dunklen Haaren fesselt ihn.

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bald
(folgt noch)

Wissenswertes
Die Stadt ist auf Granitfelsen im südlichen Namibia gebaut, an der Küste des stürmischen Atlantiks. In einer natürlichen Meeresbucht gelegen (ursprünglich hieß die Stadt Lüderitzbucht, dieser Name wird im Spiel verwendet), ist die Stadt gegen Süden/ Südwesten hin durch eine Halbinsel vor den stürmischen Wassern des Atlantiks geschützt.

In Lüderitz herrscht ein arides Klima mit sehr wenigen Niederschlägen. Die Höchsttemperaturen liegen nie über 30°C - Tiefstwerte im namibischen Winter (Juni/ Juli) sind nie unter 10°C. Durch den vor der Küste Namibias verlaufenden kalten Benguelastrom, schwanken die Wassertemperaturen meist bei 10-16°C. Lüderitz hat heute eine Bevölkerungszahl von 12.500 Einwohnern und eine interessante europäische Besiedlungsgeschichte.

Das heutige Stadtbild Lüderitz ist geprägt von liebevoll restaurierten Häusern aus der deutschen Kaiserzeit im Stadtzentrum – meist im wilhelminischen Stil erbaut, mit starken Tendenzen zum Jugendstil. Sie sind die Überbleibsel des Diamantenbooms zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Vereinzelt gibt es aber auch moderne Gebäude. Neben dem vom Jugendstil geprägten Stadtzentrum, gibt es auch die Vororte Nautilus und Benguela, in die, während der Apartheidperiode, Farbige und Schwarze umgesiedelt wurden.
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Wir erschießen Wildtiere, weil diese sich unkontrolliert vermehren, wenn keine Raubtiere da sind und die Wälder schädigen. Und wenn sich Wölfe wieder ansiedeln, erschießen wir die auch, weil sie sonst andere Tiere fressen. Klingt nach einem super Marketingkonzept für Munitionshersteller, aber nicht wirklich durchdacht.
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