A.I.N.A.R.G.A.: Episode 1 - Intro




Ihr habt eine Geschichte auf Lager. Dann erzählt sie hier.

A.I.N.A.R.G.A.: Episode 1 - Intro

Beitragvon almafan » Mi 3. Aug 2011, 14:45

Für alle die bereits einmal die alte Fassung gelesen haben:
Es lohnt sich nochmals diese Geschichte zu lesen. Sie wurde um Teile erweitert, Situationen und Orte bildhafter und ausführlicher beschrieben und alles in allem ist ein durchgehend ernsterer Ton angeschlagen. Ursprünglich sollte A.I.N.A.R.G.A. (Almafan Is Not A Really Good Adventurer) ja eigentlich eine Komödie werden. Doch es kamen zuviele Themen zusammen, die nicht wirklich lustig sind, als das es weiterhin eine Komödie sein kann.
Ich hoffe dennoch, euch macht das Lesen Spass. Also Vorhang auf.


Kapitel I - Alte Gemäuer (Part I)

"Ich habe noch keine konkreten Vorstellungen, wie mein Leben aussehen soll. Ich habe keinen Fünfjahresplan. Und ich finde, das ist gut so. Selbst wenn ich in den nächsten vierzig Jahren zwanzig verschiedene Jobs mache, kann ich mich zur Rente ruhig zurücklehnen, wenn mir diese Berufe Spaß gemacht und Erfahrungen eingebracht haben. Wenn ich denn noch Rente bekommen werde."
Er erinnert sich zurück an den Vormittag, den er wieder beim Arbeitsamt verbracht hat und er erinnert sich auch an das verdutzte Gesicht seines Jobberaters. Und auch an die leidigste aller Fragen, die man einem frisch von der Schule kommenden Jugendlichen stellen kann: "Was wollen Sie später mal werden?" Wie kann man diese Frage einem Menschen stellen, der gerade noch Sorgen um die Prüfung hatte? Wie soll ein Mann ohne jede Lebenserfahrung über sein weiteres Leben entscheiden?
Nun ist es Nacht. Sie steht still über Zittau. Der Himmel ist sternenklar. Die Luft ist kalt und trocken. Man sieht jeden Atemzug, der wenigen, die sich jetzt noch auf der Straße befinden. Doch bei diesen Temperaturen traut sich kaum jemand nach draußen. Er aber ist trotz der Witterung unterwegs. Die Hände in den Taschen, den Hals eingezogen, die Jacke fast über das halbe Gesicht gezogen, durchschreitet er die Stadt mit schnellem Schritt. Seinem Schritt entsprechend atmet er auch schwerer. Etwas scheint ihn jetzt, hier in der Nacht, zu hetzen.
Im Theater scheint irgendwelches vorweihnachtliches Brimborium stattzufinden. Unweigerlich erinnert er sich, wie er zu seiner Schuleinführungsfeier hier hat mit all seinen Klassenkameraden gesessen hat und der faden Veranstaltung folgte. In Kinderaugen sicher ein nahezu heroischer Akt, aus späterer Perspektive vermutlich für die Außenstehenden und Unbeteiligten völlig belanglos. Viele Male hatte er sich im Zuge der Prüfungsvorbereitung an seine Anfangszeit erinnert. Sicherlich hatte auch sein Hirn alles nostalgisch verklärt.
Er schaut nochmal auf den Zettel mit der Adresse, die er sich hastig aufgeschrieben hat, als der Mann am anderen Ende sie durchgab. Der junge Mann hatte sich schon überlegt, gar nicht erst hier zu erscheinen oder wenigstens jemanden mitzubringen. Aber ein Job- beziehungsweise Ausbildungsangebot nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit ist für ihn zu verlockend. Irgendwann will man ja sein erstes Geld verdienen. Dann gehört man zu den Großen, zu den Erwachsenen. Und der Vermittler ist dann auch Geschichte.
Jetzt aber geht es erst einmal allein zu einer unbekannten Adresse, quer durch das Weiß des Winters. Die wenigen Autos, die so spät noch fahren, zischen durch den Matsch auf den Straßen. Fast wie jedes Jahr, in dem es schon vor Weihnachten schneit, schmilzt der Schnee wieder vor den Festtagen. Für den tiefen Winter, der sein soll, ist es tagsüber recht warm. Selten sinkt das Thermometer unter null Grad Celsius. Jetzt aber, spät in der Nacht, ist es bitter kalt. Ihm ist es sowieso merkwürdig, dass er so spät noch zu einem Vorstellungsgespräch kommen soll. Irgendwie ist ihm schon mulmig. Aber das Gegenüber, am anderen Ende der Leitung, bezeugte stets seine Seriosität.
Er geht noch ein paar Schritte, liest die Hausnummern. Verdutzt bleibt er stehen. "Hier soll es sein?", fragt er sich. er hält vor einem dunkel gestrichenen Haus. Die Farbe blättert überall bereits ab. Einige Fenster sind eingeschlagen. Die Rinnen setzen bereits mächtig Rost an. Auch sonst macht das Gebäude nicht den Eindruck, als sei hier noch vor kurzem irgendwer gewesen, ganz zu schweigen von einem Personalchef. Ist dies der Scherz irgendeines Spinners?
Der junge Mann überprüft die Adresse auf seinem Zettel nochmals. Immer wieder auch ein prüfender Blick auf die Straße und auf die Hausnummer.
Er stapft zum Hauseingang und Schaut durchs Fenster. Dahinter ist es dunkel, im Hause scheint kein einziges Licht. Zu erkennen ist nur der Mondschein auf der anderen Seite des Hauses. Drinnen sieht es so trist aus, wie es sich von außen vermuten lässt. Die Treppe zum Eingang ist ebenfalls nicht gemacht, er merkte es bereits beim Aufstieg zur Tür. Doch warum dann diese Adresse? Vielleicht hat er es auch falsch verstanden, sich die falsche Hausnummer aufgeschrieben. Aber welche Zahl reimt sich schon auf vier?

Das Haus aber kennt er. Es ist schon ziemlich viele Jahre her, gemessen an seinem eigenen Alter, dass er das letzte Mal hier war. Damals war er noch ein kleiner Junge. Rundum glücklich, die Eltern sorgten ja für alles, auch wenn ihre Einkünfte eher bescheiden waren. Gemangelt hat es ihm damals aber eigentlich an nichts. Mehr finden aber wenige Leute schlecht. Aber was braucht man denn als Kind schon mehr, als geregelte Mahlzeiten, ein Bett und Spielsachen?
Er hebt die Füße wieder durch den hohen Schnee vor dem Hauseingang in Richtung Straße und geht ein Stück am Grundstück entlang. Da sieht er auch das alte Haupttor in den Hof. Es ist sicher zwei Meter hoch und aus massiven Gitterstäben, die oben, wie alle klassizistischen Gitter, viktorianischer und späterer Zeit, spitz zulaufen, wie Pfeile. In seiner Kindheit schien es unüberwindbar. Er kam kaum an die Türklinke. Heute ist sie verschlossen, ein großes Vorhängeschloss und ein paar Ketten halten es zu. Wieder zweifelt er an der Korrektheit seines Zettel, beziehungsweise des Anrufers.
Aber wenn er schon mal hier ist, kann er sich ja mal umsehen. Bei einem früheren Besuch mit seinen Eltern ist er auch durch den löchrigen Maschendrahtzaun seiner alten Schule gegangen, um sich nochmals auf seinem alten Schulgelände umzuschauen. In seinen letzten Wochen vor den Abschlussprüfungen hatte er immer wieder Tagträume oder war wenigstens gern mal in Gedanken versunken, in die gute alte Anfangszeit. Man vermisst die leichten Jahre erst, wenn die schweren anbrechen. Natürlich wurden alle seine Erinnerungen stilisiert wiedergegeben. Aber das wusste er. Es störte ihn nicht und es stört ihn heute auch nicht. Es kann ja nicht verkehrt sein, wenn die Sonne in seinen Erinnerungen schöner scheint und der Regen nur halb so schlimm ist. Wenn der Winter nicht aus Kälte, sondern aus Schnee und Schlitten besteht und wenn der Weihnachtsmann einfach noch der Weihnachtsmann ist und nicht der eigene Vater oder der Hausmeister, in mehr oder weniger passend sitzender Verkleidung. Später verliert man diese positivste aller naiven Weltsichten. Man verliert seine kindliche Unschuld. Wie ein Milchzahn fällt sie aus. Man lernt Zahlen und Worte und soll funktionieren. Er hat sich vorgenommen, es selbst besser zu machen. Auch wenn er schon längst knietief in der Scheiße steckt und auch das weiß.

Aus seiner philosophischen Phase reißt ihn seine eigene Aktion. Er hat bereits die Hände am Gitter und sieht sich hoch. Es ist bitterkalt. Seine Füße stellt er auf den Querstreben ab und wuchtet sich langsam darüber. Mittlerweile ist er ganz oben auf, hat die Spitzen nur haarscharf unter seinen Kronjuwelen. Erst jetzt fällt ihm auf, dass er doch hätte erst mal schauen sollen, ob jemand schaut. Aber es tut niemand und so macht er sich auf die andere Seite des Zauns. Auf der mittleren Querstrebe stehend, wagt er den Absprung und landet auf dem rutschigen Kopfsteinpflaster. Sofort zieht es seine Beine nach oben, seinen Körper nach hinten. Oder wie der Volksmund spricht: Es legt ihn auf die Schnauze.
Ohne größere Blessuren rappelt er sich langsam wieder auf. Er hält sich den Arm, doch ist sich sicher, dass nichts Schlimmes passiert ist. Schon nach einigen schmerzhaften Bewegungen scheint alles wieder in Ordnung. Es wird ein paar blaue Flecken geben, aber nichts Ernsthaftes.
Langsam geht es auf den Wirtschaftshof. Zu seiner Rechten sind die Schuppen, aus denen die Erzieher und der Hausmeister damals die Spielsachen und Roller holten. Zu seiner Linken ist der Hinterhof des Hauses. Bis hier fuhren einst die Küchenwagen, die Zutaten für die zumeist frisch zubereiteten Mahlzeiten brachten. Denn die ehemalige Küche liegt gar nicht so weit vom Eingang entfernt. Sie ist ebenfalls gleich zu seiner Linken. Er schaut nochmals auf die Uhr. Seinen Termin hat er nun schon verpasst. Aber hier ist sowieso keiner. Also geht er auf den Spielhof hinter. Dafür muss ein kleinerer Zaun überwunden werden, der den Spielplatz vom Wirtschaftshof trennt. Der ist nicht abgesperrt und selbst wenn, man könnte wesentlich leichter darüber als über den am Haupteingang.
Die Sandkästen sind bereits zu gewuchert. Das vergilbte Gras steht trocken in den Sanddünen. Der Rasen sieht ungepflegt aus. Die Büsche an den Grundstücksrändern stehen ebenfalls völlig verwildert umher. Sie sind nur da gestutzt, wo sie in die Grundstücke der Anwohner eindringen. Es scheint schon lange her, dass hier Kinder gespielt haben. Aber der unverkennbare Geruch von nassen, brennendem Holz und nasser, schwelender Kohle steigt ihm in die Nase. Er erinnert sich unweigerlich, wie er bei solchem Geruch zum Kindergarten gebracht wurde oder sogar bei Nieselregen auf dem Hof spielte. Heute werden Kinder zu sehr behütet, vor Gefahren, die keine sind. Insofern war der "imperialistische Schutzwall" ja wenigstens für eine Sache gut. Denn seit er abgerissen wurde, steigt auch die Zahl der Allergiker im Osten Deutschlands. Er war also wohl mehr ein Schutzwall gegen Allergene. Als ihm diese Sache durch den Kopf geht, muss er selbst lachen. Wesentlich wehmütiger trifft es ihn da schon, dass dieser Kindergarten geschlossen ist. Aber es wird eben allerorten gespart, als erstes bei den Kindern. Kurzfristige Gewinne und die Sättigung abstrakter Schuldenberge scheinen wichtiger als die Investition in die nächste Generation. Aber was soll er daran ändern? Ihn interessiert es auch nicht sonderlich, nur eben wenn er mal intensiv darüber nachdenkt. Man nimmt es halt hin.
Im Moment ist es sowieso wichtiger für ihn, zu erfahren, welcher Schelm ihm diesen Streich gespielt hat. Wieso steht er bei der Eiseskälte auf dem Spielplatz seiner frühsten Kindheit? Er blickt auf das alte Gebäude vor sich. Viel ist von dem Glanz oder dem, was man als Kind und in seinen Erinnerungen als solches erkennen mag, nicht mehr übrig. Auf der Vorderseite war ein Schild des Immobilienmaklers zu sehen. Außerdem waren einige Fenster eingeworfen. Hier hinten sind diese noch alle ganz.

Doch da, am Fenster im 2.Stock ist doch ein rotes Glühen zu sehen. Schnell verschwindet dieses wieder. Das lässt auf eine Zigarette schließen. Hat der vermeintliche Raucher dort oben ihn schon die ganze Zeit beobachtet? Ist es der Anrufer oder nur irgendein Obdachloser, der im Winter wenigstens ein Dach über dem Kopf sucht?
Er weiß noch nicht so recht, ob er nun versuchen soll, dort hineinzugehen. Zu seiner Verwirrung gesellt sich die Angst. Was ist, wenn er geradewegs in eine Falle rennt? Wenn man ihn hier ausnimmt und ihn in seinem eigenen Blut liegen lässt? Andererseits weiß er, dass er eigentlich nichts zu befürchten hat. Die Chance überfallen oder ausgeraubt zu werden, liegen fast astronomisch gering. Er fasst den Mut, nach langem Zögern, doch in die alte Kindertagesstätte einzudringen.
So flink seine Füße wollen und der teils rutschige Untergrund es zulässt, geht es zurück zum kleinen Zaun. Als er darüber hinweg springt, merkt er wie auch diesmal wieder das Kopfsteinpflaster unter seinen Füßen weggleitet. Ein wenig Straucheln und Geruder mit den Armen und die Haltung ist gewahrt.
Mehr rutschend, denn rennend, erreicht er die Hintertür, von der er einst immer auf den Hof gelassen wurde. Es ist nicht verwunderlich, dass diese abgeschlossen ist, doch ein Versuch schadet nie, dachte er sich. Das Fenster daneben aber ist offen. Vorsichtig schaut er erst einmal mit etwas Abstand heran. Er will ja nicht schon bei seinem Einstieg erschlagen werden. Das wäre ein äußert peinlicher Beginn einer Einbrecherkarriere. Aber hauptberuflich Dieb zu werden, war sowieso nie sein Plan. Wenn er sich an all seine wenigen Jahre zurückerinnert, fällt ihm nur ein, dass er ab und zu mal einen Apfel oder eine Tomate hat mitgehen lassen, wenn er an einem Obst- und Gemüsehändler vorbeiging. Wenn es hochkommt vielleicht viermal. Und nur einmal ist er zuvor in eine verlassende Ruine eingestiegen. Nichts also prädestiniert ihn zu einem solchen Unterfangen.
So leise, wie nur irgend möglich klettert er also auf den Fenstersims und schaut sich nochmals um. Hier waren einst die Garderoben. Einige Sitzbänke stehen hier noch, von der Zeit merklich zerfressen. Aber das meiste des Mobiliars scheint mittlerweile verschwunden. Auch er hatte hier einst seine Jacke und seine Tasche verstaut. Die Trommel war sein Zeichen. Das weiß er noch so gut, weil er seine Malmappe aus dieser Zeit immer noch besitzt. Gleich an der Wand gegenüber dem Fenster war sein Platz. Heute fehlt der Garderobenschrank ebenso, wie die Tür auf den Flur. Bedächtig nähert er sich diesem. Er schaut hinaus auf den Gang. Zu seiner Linken, hinter einem Knick, am Ende des Flurs, war die Küche. Auch die Waschküche war auf dieser Seite. Die Tür dahin ist schräg vor ihm. In der anderen Richtung, lag das Treppenhaus und hinter dem Quergang, die Wasch- und Duschräume. Nachdem er im Halbdunkel hier unten niemanden erkennen kann, entscheidet er sich, in den ersten Stock zu gehen.
Er sieht die gealterte Treppe. Das Holz ist schal und morsch. Das Linoleum ist an vielen Stellen schon nicht mehr vorhanden. Staub und Kleinkram liegt auf ihr, wie auf dem Flur. Überall um ihn herum platzt die Farbe von den Wänden ab. Hier feine Risse, da bereits ganze Farbschichten am Stück zu Boden gefallen. Für ein Filmreifes Geisterhaus fehlen eigentlich nur noch die Geister.
Er setzt den ersten Fuß auf die Treppe und das Holz beginnt unter seinem Druck zu knarzen. "Na toll, der Typ da oben wird wohl längst wissen, dass ich hier drin bin.", denkt sich der Hobby-Einbrecher. Er versucht nun also mit einer größeren Schrittweite maximal jede zweite Stufe zu nehmen. Doch wirklich ruhiger wird es dadurch nicht. Hören kann er dagegen den anderen nicht. Auch als er kurz auf der Halbetage rast macht, ist kein Geräusch des anderen zu vernehmen. Endlich hat er auch das zweite Teilstück hinter sich gelassen. Er wendet sich noch auf dem Treppenabsatz erst einmal nach links, zu den Klassen- beziehungsweise Gruppenräumen. Dort liegt auch das Zimmer, wo das rote Licht zu sehen war. Doch erst einmal wendet er sich nach rechts. Hier liegen die Wasch- und Toilettenräume dieses Stockwerks. Wie in jedem zweiten Agentenfilm schaut er erst einmal, an die Wand gelehnt durch die Türöffnung in den Raum. Er geht ein Stück in den Raum, um zu schauen, wie es hier nun aussieht. Durch den Waschraum hindurch geht er, nach wie vor darauf bedacht, möglichst wenig auf sich aufmerksam zu machen, zu den Toiletten. Er öffnet eine der Kabinentüren und sieht, dass auch diese Räume nicht mehr zu empfehlen sind. Aber alles in allem liegt in diesem Gebäude erstaunlich wenig Müll herum.

Jetzt wendet er sich den Räumlichkeiten zu, in denen der Mann, oder aber die Frau, sein muss, die er hat am Fenster vermutlich rauchen sehen. Er merkt, wie die Nervosität immer weiter in ihm aufsteigt. Der Flur macht hier eine kleine Z-Kurve, biegt also kurz im rechten Winkel ab, um danach wieder in die andere Richtung abzuknicken, und so wieder dem vorherigen Pfad zu folgen. Ganz am Ende dieses Ganges war sein Raum. Doch er steht nun noch vor dem Flurknick und öffnet langsam die angelehnte Tür zum Raum der damaligen Nachbarklasse.
Dort, am Fenster. Da steht ein Mann. Er raucht tatsächlich. Eine unappetitliche Angewohnheit. Die Glut und das einfallende Mondlicht sind die einzigen Lichtquellen. Nur ab und zu wird der Flur auch von vorbeifahrenden Autos beleuchtet. Aber bis in dieses Zimmer dringen sie nicht.
Noch zögert der junge Mann, doch dann fasst er den Entschluss und setzt seinen Fuß in das Zimmer. Er will den Mann zur Rede stellen. Plötzlich vernimmt der junge Mann ein Knarzen und hinter ihm steht ein weiterer Mann. Er merkt noch einen hämmernden Schmerz, bevor die Lichter ausgehen und er zu Boden sackt.
Gerüchte schweigen sich schnell rum.
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von Anzeige » Mi 3. Aug 2011, 14:45



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Re: A.I.N.A.R.G.A.: Episode 1 - Intro

Beitragvon almafan » Fr 24. Feb 2012, 19:39

Kapitel II - Alte Gemäuer (Part II)

Der Mann erwacht wieder aus seinem unfreiwilligen Schlaf. Es ist kalt. Durch die Maschen, eines über seinen Kopf gezogenen Leinensackes, erkennt er die Silhouetten von zwei Männern. Sie unterhalten sich über irgendwelche belanglosen Dinge und beachten den in der Ecke kauernden, gefesselten jungen Mann gar nicht weiter. Dieser schaut sich um, versucht sich irgendwie zu orientieren. Die Stimmen der beiden Entführer hallen stark. Ein großer Raum kann es dennoch nicht sein, denn er kann auch die Nachtvögel hören. Und ein kalter Wind zieht umher. Pfeift ordentlich durchs Mauerwerk. Das Licht ist in ein kräftiges Gelb getaucht und flackert. Vermutlich ist die Quelle eine Fackel. Ansonsten ist nichts zu hören. Keine Autos, keine weiteren Menschen. Offensichtlich haben sich die Entführer mit ihrem Opfer in einer Ruine verschanzt, die auch noch weit ab vom Schuss liegt oder zumindest in einer ruhigen Gegend.
Zwischen das Pfeifen des Windes, das Kreischen der Vögel und das Gerede der Entführer dringt plötzlich eine dritte Stimme: "Spinnt ihr! Ihr könnt den Kerl doch nicht da unten im Kalten sitzen lassen. Der holt sich doch sonst was." Die Silhouetten der beiden zucken zusammen. Einer schnappt sich eine Decke und breitet sie auf dem Boden aus, während der andere den Gefesselten packt und ihn darauf setzt. Der Dritte nähert sich ihm und geht in die Hocke. Er scheint der Chef der beiden anderen zu sein. Etwas ruppig reißt er ihm den Leinensack vom Kopf. Das bisschen Licht scheint plötzlich so grell und der junge Mann kneift seine Augen zusammen.
"Hm. Das soll er also sein? Schon ein wenig alt, findet ihr nicht?" Die beiden entgegnen den wirr klingenden Ausführungen ihres Anführers nichts. Der junge Mann schaut ungläubig drein. "Ja, ja. Ein Typ mit einer Katzenmaske.", äußert sein Gegenüber, während es sich wieder aufrichtet. "Ich will mich jetzt nicht aufschlitzen oder so, um dich vom Gegenteil zu überzeugen. Aber das ist keine Maske." Der Junge am Boden reibt sich die Hände, denn die Fesseln waren festgezurrt, und realisiert erst jetzt, dass er sie wieder bewegen kann. Auch sieht er am scheinbar Maskierten kein Messer. Wie hat er die Fesseln durchgeschnitten? Der Maskierte streckt sichtbar seine Hände aus. Der junge Mann traut seinen Augen nicht. Da sind tatsächlich Krallen. Hat er etwa die Wahrheit gesprochen, dass dies keine Maske sei? Oder ist es einfach ein gut inszeniertes Spiel, eine ausgeklügelte Technik?
Der maskierte Mann reicht dem Sitzenden die Hand und dieser lässt sich darauf ein. Mit einem kräftigen Ruck hilft er dem jungen Mann auf die Beine. "Komm mit. Ich will quatschen müssen." Der junge Mann ist ziemlich von der Rolle: "Will müssen?" - "Ja. Und ihr zwei räumt hier auf. Morgen früh muss alles wieder völlig unberührt aussehen. Das trifft besonders auf die Feuerstelle zu." Er bedeutet dem jungen Mann ihm zu folgen. Der versteht noch immer nicht, was hier eigentlich los ist und folgt vorsichtshalber.
Mit den Händen in den Taschen geht der Maskierte vor. Im Hinterdreinlaufen bemerkt der junge Mann, dass sein Vordermann sogar einen Katzenschwanz hat, der da aus einem zusätzlichen Loch aus seiner Hose hinausschaut. Irgendwie konsequent ist diese Verkleidung ja schon, denkt er sich. Albern, aber konsequent. Plötzlich beginnt sein Vordermann mit ihm zu sprechen: "Wir werden einige Zeit miteinander zu tun haben. Es ist also besser, du gewöhnst dich schon einmal daran." - "Woran? Entführt zu werden?"
Der Maskierte dreht sich langsam um, schaut auf den jungen Mann und schüttelt den Kopf. "Es ist schlimmer.", kommt es aus seinem Munde und wie er das ausgesprochen hat, packt er blitzschnell und den Mann kräftig im Nacken: "An diesen Schmerz wirst du dich gewöhnen müssen." Er merkt, wie sich die Krallen in seinen Hals bohren. Der junge Mann wehrt sich nach Leibeskräften, versucht sich irgendwie aus diesem Griff zu befreien. Sein Gegenüber benutzt nur eine Hand, scheint sich nicht einmal anzustrengen. Seine zweite Hand ist sogar noch in der Hosentasche. Dennoch gelingt es ihm nicht, sich von ihm loszulösen. Er versucht ihn anzuflehen, ihn gehen zu lassen, er habe doch nichts von Wert. Doch seine Stimme versagt ihm allzu oft. Der kräftige Kontrahent konzentriert seinen Griff nur noch auf eine zentrale Stelle. Er spürt bereits wie sein Blut ihm den Hals hinab läuft. Er kann nicht mal mehr einen klaren Gedanken fassen. Zu betäubend ist der Schmerz. Ein kurzer Ruck und ein letztes Zucken des Opfers, dann ist dieser ungleiche Kampf vorbei. Der junge Mann sackt zu Boden. Sein Bezwinger steht vor ihm: "Ach übrigens: Ich bin Parthas."

Langsam öffnet er seine Lider. Sofort schießt das Licht in seine Augen, die er gleich wieder schließt. Es füllt sich an, als ob seine Augen brennen würden. Er will sich die Hände vor das Gesicht halten, um diesem grellen Licht zu entgehen. Doch seine Hände sind an das Bett gebunden, auf dem er liegt. Er strampelt wild herum, will sich von den Fesseln lösen.
Die Tür seines Zimmers öffnet sich und zwei Männer kommen herein. Während der eine, den Arm festhält, drückt ihm der andere eine Spritze hinein. Was auch immer das für Zeug ist, es wirkt schnell. Die Gegenwehr lässt nach.
Als er erneut seine Augen öffnet, sitzt der Katzenmann von letzter Nacht auf einem Stuhl neben seinem Bett. "Mei ... meine Augen brennen." Der Sitzende schaut kurz von seinem Buch auf und antwortet fast lapidar: "Das ist völlig normal. Deine Augen müssen sich an ihre neue Sehkraft gewöhnen." - "Was hast du mit mir angestellt?" - "Oh, ich hab dich nur ans Bett gefesselt. Aber das ist schon eine Woche her. Ansonsten sitze ich nur hier und lese Zeitung." Wieder merkt der junge Mann die Fesseln und versucht sich zu befreien. Diesmal aber kommt kein Team an Ruhigstellern an. "Du bist eh noch nicht bei Kräften und weglaufen kannst du ja nicht. Dann kannst du dir ja auch anhören, was ich zu berichten habe." Der Katzenmann beginnt: "Ich bin Parthas. Sicher hast du es letztens nicht mitbekommen, weil du ohnmächtig wurdest. Und nein, ich trage kein Kostüm. Ich bin ein Parthe, ein Katzenmensch, wenn du so willst." Ungläubig richtet der junge Mann seine wunden, roten Augen auf den Erzähler. "Aber wirf meinen Eltern jetzt nicht Ideenlosigkeit vor. Es ist bei uns einfach Tradition, dass man nach seinem Großvater benannt wird, meist väterlicherseits. Wir Parthen sind eine Unterart der Khajit." Er legt das Buch auf seinen Schoß und deutet Gänsefüßchen an: "Alles Katzenmenschen." - "Was laberst du für wirres Zeug?" - Parthas liest bereits wieder in seinem Buch: "Ich würd's auch nicht glauben, wenn ich an deiner Stelle wäre. Aber ich bins nicht. Und da ich weiß, dass es da viel mehr gibt, als ihr Menschen zu begreifen bereit seit, weiß ich auch, dass es Dinge geben kann, die ihr nicht verstehen oder glauben werdet." Der Gefesselte lässt seinen Kopf wieder aufs Kissen fallen: "Willst du mir jetzt den ganzen Esoterikschwachsinn reinpfeifen? Globuli, Quantendelphinkissen und so?" - "Ich sagte, ihr versteht nicht alles. Nicht: Ihr sollt alles glauben, was euch für teuer Geld angeboten wird. Natürlich ist das Schwachsinn." - "Ich wollte ja auch nur zu verstehen geben, was ich davon halte." - "Und da sind wir scheinbar einer Meinung. Dann doch lieber den überteuerten E-Meter der Scientologys. Der ist quasi ein Potenzometer, der den Stromwiderstand misst, kostet in der Herstellung keine hundert Dollar, aber im Verkauf plötzlich über siebentausend." - "Ach, endlich ein Geschäft, wo man nicht über den Tisch gezogen wird." Beide müssen laut lachen.
Parthas wird nun wieder ernster: "Ich denke, wir werden uns verstehen." Nach einer kurzen Pause fügt er an: "Wie geht es mitlerweile den Augen?" - "Es brennt noch ein wenig, aber ich kann mitlerweile wieder relativ gut sehen. Was habt ihr damit gemacht?" - "Die Blockaden gelöst." - "Was für Blockaden?" - "Naja, als Padesch in Menschengestalt muss man sich den Einschränkungen der menschlichen Sinne anpassen. Ich zum Beispiel flüster fast und du verstehst jedes Wort laut und deutlich." Jetzt ist der junge Mann wieder mehr verwirrt: "Padesch? Menschengestalt?" - "Oh, stimmt. Hatte ich noch nicht erklärt. Die Khajit sind eine Unterart der Padesch, so wie die Parthen eine Unterart der Khajit sind." - "Wieso ich das nicht gleich gewusst habe?" Parthas reibt seine FInger am Papier des Buches. "Wow, geht das auch leiser?" - "Ach, beginnen wir langsam zu erkennen, was ich dir sagen wollte?" Unfassbar sieht der vom Lärm gekrümmte an sich herunter. Seine Augen sind weit aufgerissen. Er streckt sich durch, hebt den Kopf und schaut an sich herunter. "Willst du mich verarschen?", schreit es aus ihm. Der Patientenkittel verdeckt nicht die behaarten Unterschenkel, die daraus hervorragen. Seine Füße sind krallenbewehrt. Er zählt nur vier Zehen. Auch seine Arme sind durch und durch mit dichtem Haar besetzt.

Parthas schert sich wenig um die Neuentdeckungen seines gefangenen Gesellen: "Ich habe die zwei, die dich gefesselt haben, oben auf der Burg, erst einmal ordentlich zusammengestaucht. Auf dem kalten Boden hättest du nicht sitzen müssen. Sie hätten dich auch nicht fesseln brauchen. Und da du eh ausgeknockt warst, war auch der Sichtschutz nicht nötig. Es musste ja zwangsläufig wie eine Entführung aussehen."
Der Gefesselte zappelt wie wild in seinem Bett und versucht sich zu befreien. Immer wieder brüllt er aus Leibeskräften. "Irgendwie hat Reden jetzt keinen Sinn vermute ich mal." Parthas legt das Buch beiseite und geht zum Bett. Der Gefesselte hält inne. "Ganz recht. Du bist auch ein Padesch, auch ein Khajit, ja sogar auch ein Parthe." - "Ich glaube dir kein Wort! Ihr verschleppt mich hier her und erzählt mir einen Schwachsinn von Katzenmenschen!" - "Ich befürchtete schon, dass du mir das nicht glauben wirst." - "Kommen jetzt Aliens auch noch?" - "In der Tat. Die Wareph, die Panthera und weitere sind nicht von hier, aber wir Khajit sind auf der Erde entstanden, nachdem wir uns von unseren Vorfahren aus dem All abgespalten haben." - "Schon wieder so ein Müll!" - "Hmm ... ganz sicher? Mir wurde das schon im Kindergarten erzählt. Auch, dass unsere Art etwa elfmillionen Jahre alt ist und das wir einen gewaltigen Wissens- und Technikvorsprung vor so vielen zivilisierten Welten hätten. Auch, dass die Erde zu den dreißig schönsten und komplexesten Planeten gehört, wenn es um das Leben auf ihr geht. Die Menschen sind so gesegnet und erkennen es nicht einmal. So lebens- und schützenswerte Welten gibt es echt selten im ganzen Univserum. Und du willst mir erzählen, dass das alles eine Lüge sei?" - "Machst du es denn anders? Lasst mich aus diesem Bett! Lasst mich aus diesem Kostüm!"
Parthas wird nun etwas lauter. Wieder dröhnt es im Schädel des Gefesselten. "Wenn du wüsstest, wieviel du nicht weißt, dann würdest du dich wundern." Dann schaut er auf die zuckenden Ohren seines Gegenübers: "Deine Ohren scheinen wohl plötzlich so empfindlich. Komisch, nicht wahr? Deine Stimme ist heller als zuvor. Auch komisch, nicht wahr? Du hast auch empfindliche Augen. Sind das nicht der Zufälle etwas viele? Sieh' es ein. Du bist einer von Uns." - "Von euch? Wer seid ihr überhaupt?" - "Hatten wir doch schon. Ich bin Parthas, ein Parthe, eine Unterart der ... " - "Lass den Schwachsinn! Das meine ich nicht! Was wollt ihr von mir?"
Parthas geht am Bett vorbei zum Fenster und schaut nachdenklich nach draußen: "Ob ich zu schnell wieder in den Sattel steige?" Dann schaut er wieder auf den Liegenden: "Du kennst dich unter den Menschen aus. Du bist der letzte deiner Art. Eine Ethikkommission hat sich dagegen ausgesprochen. Unser Experiment ist eh gescheitert. Durch die Infiltrierung mit "Verkleideten" haben wir auch nicht mehr von den Menschen erfahren, als das, was wir ohnehin nicht schon wussten. Die Ausbildung von euch "Maskierten" ist im Nachhinein sowieso zu aufwändig. Euch wieder zu Padesch zu machen, also euch wieder unsere Wesenszüge anzueignen, ist echt schwer." - "Uns Maskierte?" - "Ja, du bist der Letzte, der wieder ... nennen wir es ... "zurückgeführt" wird." - "Zurück zu was?" - "Wir versuchen gerade wieder einen Padesch aus dir zu machen. Also eigentlich bist du es ja. Die Blockierungen sind ja schon gelöst, der holografische Chip* aus deinem Genick ist auch raus. Also siehst du schon wieder aus, wie wir. Aber du denkst halt immernoch, du wärest ein Mensch." - "Ich bin ein Mensch!" - "Tada! Genau das meinte ich."
Nach kurzem Rütteln an den Fesseln: "Ich werde ja wohl wissen, was ich bin! Ich weiß doch, was ich die letzten Jahre erlebt habe!" - "Das bezweifelt doch auch keiner. Aber ich weiß auch, was du hinter dieser Fassade bist, die du zurecht dein Leben nennst. Es ist ja gelebte, erlebte Zeit. Die kann dir auch keiner mehr nehmen. Daran will sich auch keiner stören. Nur warst du von Geburt an eben ein Khajit in guter Verkleidung." - "Kannst du es mir beweisen?" - "Schau an dir runter. Kannst du meine Aussage falsifizieren?" - "Was?" - "Kannst du meine Aussage widerlegen?" - "Wieso konnte ich dann vorher nicht so gut hören und sehen, wie jetzt?" - "Nicht zu vergessen, dein ausgezeichneter Geruchssinn." - "Das auch noch?" - "Riech doch einfach mal intensiv." Und Parthas hat recht. Der Neuling erschnuppert Düfte in einer Fülle und Stärke wie nie zuvor. Alle seine Sinne scheinen nach und nach sogar noch zuzunehmen. "Alles schlagende Argumente dafür." Trotzdem will der Gefesselte es nicht wahr haben.
Parthas greift in seine Hosentasche und zieht eine durchsichtige Tüte heraus. Sie hat eine wiederverschließbare Öffnung und ist innen blutverschmiert. Doch noch etwas ist darin. "Streng dich an.", fordert der Katzenmann. Mit ein wenig Übung gelingt es dem Bettlegerigen wirklich den Inhalt der Tüte auszumachen. "Ist das ein ... Chip?" - "Ja. Das ist der holografische Chip, der in deinem Nacken implantiert war. Er versorgt sich mit der körpereigenen Elektrizität und braucht daher keine Batterien. Er erzeugt auf dem Objekt eine vorgegebene holografische Täuschung. Für alle anderen und sogar für dich selbst warst du bis letzte Woche noch ein ganz normaler Mensch, mit ganz normaler nackter Haut. Ein kleiner, pickeliger Halbstarker, wie jeder andere in deinem Alter auch. Ein Junge, der denkt erwachsen zu sein und unabhängig und dennoch jeden Tag ins Elternhaus zurückkehrt, um die Füße unter den Tisch des Vaters zu strecken und sich von Mutter bekochen zu lassen." Kurz denkt Parthas nach: "Wenn ich genauer darüber nachdenke und deine Akte nochmal vor Augen führe, war es bei dir eher anders herum. Die Möbel suchte ja fast ausschließlich die Mutter aus und der Koch war der Vater."

Völlig fassungslos über diese eigentlich familieninterne Information gibt der Gefesselte Ruhe. "Geschockt?" - "Woher weißt du das?" - "Offenbar sind deine Ohren doch noch nicht ganz in Ordnung. Ich sagte doch, wir haben eine Akte über dich." - "Wofür?" - "Damit wir unsere Leute auch wiedererkennen und auch auf dem Neuesten sind, wenn wir mal auf sie treffen. Keine Agentenfilme gesehen?" - "Doch schon. Aber Hollywood fantasiert ja maßlos." - "Nein, eigentlich klaut es maßlos. Fantasieren überlassen sie lieber den Filmschmieden in Frankreich, China und Japan, von denen die Ideen dann geklaut werden. Aber das ist jetzt hier irrelevant."
Parthas geht wieder zum Bett, denn der junge Mann darin wird wieder wilder und versucht sich nach wie vor zu von seinen Fesseln zu lösen. Er beugt sich von rechts über das Bett. Eine Hand legt er auf die Brust des Tobenden und mit der anderen löst er die Fessel des rechten Armes. Noch bevor der befreite Arm um sich schlagen kann, hält Parthas diesen am Handgelenk fest, wobei er noch den Daumen frei hat. Offenbar kostet es den Kater kaum Kraft den Jüngling in Schach zu halten. Mit Druck presst er den aufgebäumten Körper ins Bett. "Der Beweise mehr, möchte der Herr?" Kurz nachdem er das gesagt hat, drückt er mit dem Daumen ans obere Ende des Handballens. Sofort schnellen die Krallen des Jünglings heraus, die dieser mit großen Augen anschaut.
Die Gegenwehr ist völlig zum Erliegen gekommen. Parthas nimmt den Druck von Brust und Handballen und lässt los. Er geht zum Tisch und nimmt sich das Buch, das er dort abgelegt hatte. Dann nähert er sich der Tür und klopft an. Ein weiterer Katzenmensch öffnet ihm von außen die Tür. Noch immer ist der Blick des Gefesselten auf seine Hand und deren Krallen gerichtet.
"Willkommen in deinem neuen Leben."

Bild
* Der holografische Chip läuft mit wenig Strom. Es reicht die durch die Wirbelsäule geschickten Steuerungsimpulse des Gehirns. Dabei wendet der Chip eine Technik an, die sich Nebelbild nennt. Der Chip versetzt den Körper in Schwingungen. Dabei wird Wärme frei, die die den Körper umgebenden Luftschichten erwärmt. Der dünne Luftfilm wird vom Chip, der leicht aus dem Körper ragt mit Licht bestrahlt und erhält dann so die Form, die im Chip gespeichert ist. Die Luft um den Körper ist also das Medium, dass der Chip für die Erzeugung des Nebelbildes benötigt.
Gerüchte schweigen sich schnell rum.
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